«Komponistinnen und Komponisten sind eigentlich immer wieder Anfänger» | mit Video

Christian Henking bezieht sich in seiner Komposition für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» auf die Melodie des von Beethoven verwendeten Schweizer Liedes. In seinen sechs Variationen setzt er jeweils unterschiedliche Prinzipien ein. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Manu Leuenberger

Christian Henking hat durchaus Respekt vor Ludwig van Beethoven, «diesem Monument, diesem Granitfels in der Musikgeschichte». «Er ist mir immer wieder ein Lehrmeister, unabhängig von der Ästhetik; fantastisch, was er formal geleistet hat.» Umso mehr haben ihn Beethovens «Variationen über ein Schweizerlied» irritiert, wie er im Gespräch von Ende Januar 2020 erklärt. «Ich begreife sie ehrlich gesagt nicht, dachte, sie könnten nicht von Beethoven sein.»

Da der Komponist aus Biel und Bern keinen Zugang zu diesen Variationen fand, befasste er sich genauer mit dem ursprünglichen Lied, «Es hätt e Bur es Töchterli». Aber auch das sei an sich merkwürdig, er finde die Melodie komisch für ein Volkslied, es fehle ihm auch die Eleganz des «Guggisbergliedes». «Zugleich hat es aber die unglaubliche Spannung des grossen tonalen Umfangs. Auch das Geradlinige, Pulsartige ist interessant; es gibt nicht wirklich einen Rhythmus, nur diese Viertel, die ‹herumhängen›. Das Lied hat deshalb eine gewisse Leere und bietet damit auch eine Offenheit.» Deshalb entschloss sich Christian Henking dazu, sich für seine Komposition auf die Melodie des Volksliedes zu beziehen. Dann hat er «wie Beethoven, aber eher zufällig» ebenfalls sechs Variationen geschrieben.

Christian Henking erklärt, dass er diese Melodie zunächst analysiert und dann in einzelne Abschnitte zerschnitten habe. «In meinen ersten vier Variationen betrachte ich gewissermassen einzelne Abschnitte des Lieds. Die letzten zwei beziehen sich auf das ganze Lied.» Er sei also ganz beim Material – oder ganz nicht beim Material geblieben: «In der zweiten Variation vermeide ich bei der Suche nach dieser Variation gerade alle Töne, die im Originalstück vorkommen.»

Der Grundansatz war, bei jeder Variation eine andere Arbeitsweise beziehungsweise unterschiedliche Prinzipien anzuwenden. Das Konzept hat sich mit dem Komponieren konkretisiert und weiterentwickelt. «Ich wusste, dass ich Miniaturen komponieren will, kurze Variationen-Sätze. Zuerst habe ich die 5. Variation geschrieben. Dann wurde mir klar, dass ich nicht so maschinell anfangen will, also machte ich vorher etwas sehr Freies als Gegenstück. So hat sich das eine auf das andere ausgewirkt. Und aus solchen Bedingtheiten haben sich viele Zusammenhänge ergeben.»

Christian Henking arbeitet sehr häufig am Schreibtisch, komponiert im Kopf. Um die Phantasie anzuregen, spielt er aber oft Klavier oder Cello. «Übers Improvisieren kommen mir oft Ideen, ganz naiv. Das ist meine altmodische Ader; ich bin beim Komponieren wirklich weit weg vom Computer, ich schreibe ja von Hand ins Notenblatt.» Dazu gehört auch, dass er sämtliche Instrumente seiner Partituren auch einmal selbst spielt. «Ich mag es, wenn ich das Instrument in den Fingern habe. Nicht um es zu hören – ich bin ja Pianist, nicht Streicher –, sondern um als Laie die Griffe, Klänge und Bogenstellungen selber zu spielen. Das Haptische hilft mir komischerweise beim Komponieren, auch wenn es nicht nötig wäre; es gibt mir eine Art von Boden.»

Die Kombination von Streichtrio mit Flöte wählte Christian Henking zum einen, weil er eine kleine Besetzung wollte, damit nicht jemand dirigieren müsse. Vor allem findet er aber diese Besetzung faszinierend. «Ich habe einen nahen Bezug zum Streichtrio an sich. Und dann kommt noch die Flöte als eine Art Aussenseiterin, die sich mit dem Klang des Trios verschmelzt.»

Man darf nicht eine «typische Henking-Komposition» erwarten. Er versteht es als «die Aufgabe von Komponistinnen und Komponisten, dass wir jedes Stück als neu betrachten, wir sind eigentlich immer wieder Anfänger». Christian Henking hat sogar bei jeder seiner Variationen innerhalb des Stücks bei null angefangen und bewusst mit unterschiedlichen Ansätzen und Techniken gearbeitet: «Das macht die Vielfalt des Komponierens aus». Bei null anzufangen, bedeute aber auch, vor einem Berg mit Möglichkeiten zu stehen. Angesichts der vielen Freiheiten müsse man reflektieren. Er sieht denn auch die Gefahr, dass man ein Mittel oder eine Methode zu schnell einsetzt, weil es an einer Stelle funktioniert und sich sonst schon bewährt hat. «Die Routine ist eine Gefahr, und dagegen kämpfe ich bei jeder Note an.»

Beim Gespräch von Ende Januar 2020 war der Kompositionsprozess weitgehend abgeschlossen. «Alles liegt nun da», erklärt Christian Henking und zeigt auf unzählige Notenblätter. «Ich denke nun nochmals über alles nach, so dass es noch zu Korrekturen und anderen Veränderungen kommen kann.» Dann aber steht die Komposition bis ins Detail fest. Im Unterschied zu anderen Werken gewährt Christian Henking den Interpreten hier keine Freiheiten.

Christian Henking wurde 1961 in Basel geboren. Am Konservatorium Bern studierte er Musiktheorie bei Theo Hirsbrunner und liess sich von Ewald Körner zum Kapellmeister ausbilden. Danach studierte er Komposition bei Cristobal Halffter und Edison Denisov, in Meisterkursen bei Wolfgang Rihm und Heinz Holliger. Diverse Auszeichnungen, u.a. Kulturpreis der Bürgi-Willert-Stiftung (2000), Anerkennungspreis des Kantons Bern (2002) und Musikpreis des Kantons Bern (2016). Er ist Dozent an der Hochschule der Künste Bern für Komposition, theoretische Fächer und Kammermusik. www.christianhenking.ch
Schweizer Beethoven-Reflexionen: Ein Projekt von Murten Classics und der SUISA zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven hatte nur wenig mit der Schweiz zu tun. Aber er hat «Sechs Variationen über ein Schweizerlied» geschrieben, bei dem es sich um das Volkslied «Es hätt e Bur es Töchterli» handelt. Dies ist der Ausgangspunkt für Kompositionsaufträge, die die Sommerfestspiele Murten Classics zusammen mit der SUISA an acht Schweizer Komponistinnen und Komponisten verschiedener Generationen, Ästhetik und Herkunft vergeben haben.

Oscar Bianchi, Xavier Dayer, Fortunat Frölich, Aglaja Graf, Christian Henking, Alfred Schweizer, Marina Sobyanina und Katharina Weber konnten sich auf die Variationen, auf das von Beethoven verwendete Volkslied selbst oder auf Beethoven im Allgemeinen beziehen. Die Kompositionen wurden für das Ensemble Paul Klee geschrieben, das folgende Maximalbesetzung erlaubt: Flöte (auch Piccolo, G- oder Bassflöte), Klarinette (in B oder A), Violine, Viola, Cello, Kontrabass und Klavier.

Initiant dieses 2019 begonnenen Projekts ist Kaspar Zehnder, der während 22 Jahren künstlerischer Leiter von Murten Classics war. Wegen der Corona-Krise und den von den Behörden verordneten Massnahmen war die Durchführung sowohl der 32. Ausgabe im August 2020 als auch des vorgesehenen Ersatzfestivals in den anschliessenden Wintermonaten nicht möglich. Der «SUISA-Tag» mit den acht Kompositionen dieses Projekts wurde – ohne Publikum – am 28. Januar 2021 im KiB Murten dennoch aufgeführt und aufgezeichnet. Die Aufnahmen sind bei Radio SRF 2 Kultur in der Sendung «Neue Musik im Konzert» (5. Mai 2021, 21 Uhr) zu hören und werden auf der Plattform Neo.mx3 erscheinen. Im SUISAblog und auf den Social Media-Kanälen der SUISA wird das Projekt mit multimedialen Beiträge online dokumentiert.

www.murtenclassics.ch

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Festival Archipel – eine etablierte Werkschmiede | mit Video

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Das gesamte Festivalprogramm wird per Streaming ausgestrahlt und steht über die Archipel-Website kostenlos zur Verfügung. Es wird auch die Möglichkeit angeboten, sich online mit den Künstlerinnen und Künstlernn zu treffen, an Diskussionen teilzunehmen, Quizfragen zu beantworten, sich einen Eindruck vom Wetter zu verschaffen und einen Blick in die Räumllichkeiten des Veranstaltungsortes zu werfen.

Archipel bietet ein Festival «unter Beobachtung» mit einem WebTV-Team, welches zehn Tage lang von mittags bis Mitternacht live sendet. Ein einzigartiges, experimentelles und künstlerisches Projekt, an dem das Publikum aktiv on air teilnehmen kann.

Feuertaufe für neue Komponistinnen und Komponisten

Auch in diesem Jahr hat das Festival Archipel Komponistinnen/-en mit Kompositionsaufträgen die Möglichkeit gegeben, das Publikum mit neuen Werken zu beglücken. So hat zum Beispiel Salômé Guillemin-Poeuf, eine junge Komponistin aus Genf, das Werk «50 Hertz» geschaffen, dessen Uraufführung am 21. April 2021 um 19:00 Uhr stattfinden wird.

Salome Guillemin-Poeuf ist eine Designerin und Musikerin, die in Genf lebt und arbeitet. Sie erschafft interaktive Klanginstallationen, Performances und Musikinstrumente. Ihre Werke waren schon auf zahlreichen internationalen Bühnen zu hören und zu sehen. Die kreative und vielseitige Künstlerin hat sich kürzlich als Auftraggeberin bei der SUISA angemeldet.

Zusammenarbeit mit Archipel

Die SUISA ist erneut Sponsor des Festivals. Es ist erfreulich, dass die Archipel-Verantwortlichen einen kreativen Weg gefunden haben, sich den Umständen anzupassen und das Festival unter Einhaltung von strengen Auflagen in einer neuen Form durchzuführen – und somit vielen neuen Werken eine Aufführung zu ermöglichen.

Als Sponsorin möchten wir insbesondere auf zwei der 70 Anlässe hinweisen:

Uraufführung des Werks «50 Hertz» von Salômé Guillemin-Poeuf
am 21. April 2021 um 19:00 Uhr

SUISA-Gesprächsrunde zum Komponistinnen/-en-Dasein in der Schweiz
am 24. April 2021 um 14:00 Uhr

Austrahlung aus dem Maison communale de Plainpalais auf: www.archipel.org
vom 16. bis 25. April, jeweils von Mittag bis Mitternacht

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Wie die Privatkopie zu Geld wird – die Verteilung der Leerträgereinnahmen

Heutzutage stammt ein Gutteil der Privatkopien aus dem Internet und nicht mehr von CD wie einst zur Blütezeit des Tonträgermarkts. Mit einer Änderung im Verteilungsreglement der SUISA wird den aktuellen Umständen Rechnung getragen. Durch die vorgenommenen Korrekturen werden die Vergütungen für die Privatkopie gerechter verteilt. Text von Anke Link

Wie die Privatkopie zu Geld wird – die Verteilung der Leerträgereinnahmen

Die Konsumentinnen und Konsumenten beziehen Musik zunehmend aus dem Internet. Mit der Verlagerung zum digitalen Musikkonsum haben sich auch die Quellen für die privat kopierten Werke verschoben. Eine Änderung bei der Verteilung der Einnahmen aus der Leerträgervergütung war nötig. (Foto: Carlos Castilla / Shutterstock.com)

Das Schweizer Urheberrechtsgesetz (URG) erlaubt den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten die Anfertigung von Kopien für sich selbst, enge Freunde und Verwandte, egal aus welcher Quelle die Vorlage stammt. Für solche Privatkopien ist seit 1992 im hiesigen Gesetz eine Vergütung vorgesehen. Erhoben wird diese Vergütung aber nicht bei denjenigen, die tatsächlich die Kopien machen – namentlich die privaten Konsumentinnen und Konsumenten –, sondern bei den Herstellern und Importeuren der dafür notwendigen Leerträger.

Anfangs waren dies noch leere Audiokassetten, die man in den Rekorder einlegte und dann gespannt vor dem Radio darauf wartete, dass der aktuelle Lieblingssong gespielt wurde, oder auf die man CDs überspielte, um die Musik mit dem Walkman unterwegs hören zu können. Auch VHS-Kassetten, auf die man Fernsehsendungen aufzeichnen konnte, gehörten zu den ersten von der Vergütung erfassten Leerträgern. Später folgten CD- und DVD-Rohlinge, auf die Kopien von Musik und Filmen gebrannt werden konnten.

Heute ist die Leerträgervergütung überwiegend für digitale Speicher relevant, die in Geräte wie Smartphones und Tablets eingebaut sind. Damit hat man vielseitige Möglichkeiten für die Speicherung von Musik, Filmen und anderen Werken. Die dafür fällige Vergütung gilt pauschal pro Leerträger, unabhängig davon, in welchem Umfang und für welche Werke er tatsächlich für Privatkopien verwendet wird. Die SUISA ist dafür zuständig, die Vergütung von den Herstellern und Importeuren der Geräte einzuziehen, und sorgt für die Verteilung an diejenigen, die den Grund für das Kopieren liefern: die Urheber und Interpreten von Musik, die Filmemacher, Schriftsteller et cetera.

Wie werden die Einnahmen aus der Leerträgervergütung verteilt?

Bei der Verteilung der Leerträgervergütungen gilt es zunächst, eine Aufteilung zwischen den fünf Schweizer Verwertungsgesellschaften ProLitteris, SSA, SUISA, Suissimage und Swissperform vorzunehmen, für die die SUISA die Vergütung gesamthaft erhebt. Grundlage für diese Aufteilung ist der Anteil des von der jeweiligen Gesellschaft vertretenen kopierten Repertoires. Diese Anteile werden im Rahmen von repräsentativen Studien erhoben. Die Studien geben aber keine Auskunft über konkrete Werke, sondern nur darüber, ob es sich um Musik, Filme oder Videos, Bilder oder Texte handelt.

Den Anteil, den die SUISA für die Privatkopien von musikalischen Werken erhält, verteilt sie an ihre Mitglieder über Zuweisungen in verschiedene Verteilungsklassen. Eine direkte Verteilung ist nicht möglich, weil nicht ermittelt werden kann, welche konkreten Werke in welcher Häufigkeit von den Hörerinnen und Hörern kopiert bzw. gespeichert oder aus dem Internet heruntergeladen werden. Neben dem unerwünschten Eingriff in die Privatsphäre der Konsumentinnen und Konsumenten wäre auch der Aufwand für eine solche Erhebung untragbar. Deshalb weist die SUISA die Einnahmen aus der Leerträgervergütung verschiedenen Verteilungsklassen zu, für die detaillierte Programminformationen vorliegen.

In der Vergangenheit stützten sich diese Zuweisungen auf Überlegungen über die Quellen der Privatkopie: Man ging beispielsweise davon aus, dass ein Teil der Privatkopien ab CDs gemacht wird, also wurde ein Teil der Leerträgereinnahmen den Verteilungsklassen für die CD-Herstellung zugewiesen. Oder man wies einen Teil dieser Einnahmen den Verteilungsklassen für die Erträge aus Radio- und Fernsehsendungen zu in der Annahme, dass ein weiterer Teil der Privatkopien vom Radio und Fernsehen aufgenommen wird.

Woher stammen die privat kopierten Werke heute?

In der heutigen Zeit stammt aber ein Gutteil der Privatkopien aus dem Internet. Also könnte man doch die Einnahmen aus der Leerträgervergütung einfach den Verteilungsklassen für Online-Nutzungen zuweisen? – So einfach ist es leider nicht.

Zum einen nimmt die SUISA nicht alle Rechte für im Internet genutzte Musik wahr. Im Internet hat die SUISA Konkurrenz durch ausländische Verwertungsgesellschaften und kann dort deshalb nicht das Weltrepertoire an Musik anbieten. In die Verteilungsklassen für die Online-Angebote fliesst also nur für einen Teil der im Internet genutzten Werke Geld. Es werden aber natürlich nicht nur diese Werke privat kopiert, sondern eben auch die übrigen Werke des Weltrepertoires. Bei einer Zuweisung der Einnahmen aus der Leerträgervergütung in die Verteilungsklassen für die Online-Angebote würde deshalb ein grosser Teil der privat kopierten Werke leer ausgehen.

Zum anderen dürfen keine Leerträgerentschädigungen verlangt werden für Werke, die aus einer legalen Quelle gegen Bezahlung stammen (Verbot der «Doppelzahlung» in Art. 19 Abs. 3bis URG). Das betrifft Musik aus Downloadshops wie z. B. iTunes oder auf Streamingplattformen wie z. B. Spotify. Die Einnahmen, die die SUISA von diesen Plattformen erhält, verteilt sie in den entsprechenden Online-Verteilungsklassen nach den Programminformationen dieser Plattformen. Nach den gesetzlichen Bestimmungen darf aber für solche Downloads und auch für Offline-Speicherungen von Streamingdiensten keine Leerträgervergütung kassiert werden. Deshalb wäre es auch nicht gerechtfertigt, wenn auf die entsprechenden Werke über Zuweisungen Geld aus den Leerträgereinnahmen verteilt würde.

Nun werden aber heruntergeladene Songs oft weiterkopiert: Was ist denn damit? – Es stimmt, im Gegensatz zum ursprünglichen Download oder Offline-Speicherungen von Streamingdiensten werden diese Folgekopien von der Leerträgervergütung erfasst. Aber niemand weiss, um welche konkreten Werke es sich handelt und wie oft sie noch kopiert wurden. Es muss also für diese wie auch für alle anderen privatkopierten Werke ein Weg für eine indirekte Verteilung der Einnahmen aus der pauschalen Leerträgervergütung gefunden werden.

Wie werden die neuen Verhältnisse im Verteilungsreglement berücksichtigt?

Da nun unter den aktuellen Umständen eine Zuweisung auf Basis der Quellen für die Privatkopien zu falschen Ergebnissen führte, wurde mit Hilfe des Marktforschungsunternehmens Gfs-Zürich nach alternativen Methoden gesucht, um die Leerträgereinnahmen möglichst gerecht verteilen zu können. Gfs-Zürich führte zu diesem Zweck eine repräsentative Studie durch. Dabei wurden Konsumenten gefragt, wo ihnen das zuletzt von ihnen privat kopierte Werk – ganz unabhängig davon, von welcher Quelle die Kopie stammte – noch «begegnet» ist: bei einem Konzert, im Kino, im Radio, im Fernsehen, auf einer neuen CD/LP oder DVD? Für diese «Vertriebskanäle» von Musik hat die SUISA in ausreichendem Umfang Informationen zu den dort genutzten Werken, die sie nun als Grundlage für die Verteilung der Einnahmen aus der Leerträgervergütung verwenden kann.

Neu werden die Einnahmen aus den Leerträgertarifen deshalb den Verteilungsklassen zugewiesen, die für Nutzungen in diesen anderen Vertriebskanälen verwendet werden. Dies entspricht dem in Ziffer 5.3.2 des Verteilungsreglements (VR) festgehaltenen Prinzip, das lautet: «Die Entschädigungen ohne Programm-Unterlagen sind jenen Verteilungsklassen zuzuweisen, in denen die gleiche oder eine möglichst ähnliche Musik vorherrscht.» In einigen Fällen konnten kein alternative Vertriebskanäle ermittelt werden. Dieser Anteil an den Leerträgereinnahmen wird daher den Verteilungsklassen für die Radiosender zugewiesen, weil diese das breiteste Repertoire aufweisen und damit die meisten Rechteinhaber profitieren können.

Ziffer 5.5.5 lautet somit neu:

Ziffer 5.5.5 GT 4 (Leerträger), 4i (integrierte digitale Speichermedien) – Leerträgervergütungen
Verteilungsklassen
Audio 33,0% 1A
28,0% 2A
(für die Inland-Lizenzierung) 11,5% 21A
(für die Zentrale Lizenzierung) 11,5% 21Z
16,0% 4
Video 16,0% 1C
12,0% 22A
14,0% 2C
8,0% 9A
17,0% 1A
17,0% 2A
Die verbleibenden 16% werden den Fernsehentschädigungen für ausländische Sender aus dem Tarif GT 1 zugeschlagen.
Bei Mobiltelefonen und Tablets des GT 4i sind die Einnahmen zu 90% auf Audio und zu 10% auf Video zu verteilen. Bei den weiteren Leerträgern des GT 4 und GT 4i ergibt sich der entsprechende Verteilschlüssel bereits aus der Art des Leerträgers.

Das Institut für Geistiges Eigentum hat diese Änderung am 6. April 2021 genehmigt und auch die Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde im Fürstentum Liechtenstein erwarten wir in den nächsten Wochen. Die Änderung tritt drei Monate nach der Genehmigung in Kraft und kann somit für die nächste Verteilung der Leerträgereinahmen im September 2021 angewendet werden.

Wer profitiert und wer hat künftig weniger Geld aus der Privatkopie?

Im Ganzen hat die Revision der Zuweisungen aus den Leerträgereinnahmen positive Auswirkungen: Es gibt fast dreimal so viele Urheber und Verleger, die mehr Geld bekommen, als solche, die weniger von der Revision profitieren. Allerdings werden sich die positiven Auswirkungen für die Mehrheit der Mitglieder in kleinen Beträgen zeigen. Diejenigen, die einen Rückgang ihrer Einnahmen aus der Leerträgerverteilung hinnehmen müssen, werden dies deutlicher spüren.

Trotzdem sind wir überzeugt, dass die Revision notwendig war und gerecht ist. Denn die Rückgänge resultieren überwiegend aus der Streichung der Zuweisungen in die Online-Verteilungsklassen und einer Verringerung der Zuweisungen in die Verteilungsklasse 21Z, welche die zentrale Lizenzierung von CD-Produktionen betrifft. Warum eine Zuweisung in die Online-Verteilungsklassen heute falsch ist, haben wir bereits oben erklärt.

Dass auch die Zuweisung in die Verteilungsklasse 21Z für die Zentrale Lizenzierung in der bisherigen Höhe von 33% nicht mehr gerechtfertigt ist, wird nachfolgend deutlich: Diese Entscheidung stammte aus einer Zeit, als der Tonträgermarkt in voller Blüte stand und die SUISA jährlich etwa 25 Mio. Franken für CD-Produktionen eingenommen hat. Für 2019 betrug der zu verteilende Betrag aus der Zentralen Lizenzierung jedoch nur noch rund 1 Mio. Franken, während 2,3 Mio. Franken aus den Leerträgereinnahmen in die Verteilungsklasse 21Z zugewiesen wurden. Ein Rechteinhaber, der Fr. 1.– aus dem Vertrieb seiner Werke auf CD erhält, bekam also bis anhin Fr. 2.17 aus der Leerträgervergütung!

Durch den Verfall des Tonträgermarktes haben die Zuweisungen eine überdurchschnittliche Bedeutung erhalten gegenüber dem, was ursprünglich vorgesehen war. So wurde eine kleine Anzahl Rechteinhaber auf Kosten der Mehrheit bevorzugt. Die jetzt vorgenommenen Korrekturen sind für alle gerechter, und wir setzen darauf, dass auch diejenigen, die zukünftig weniger Geld aus den Leerträgereinnahmen erhalten, dafür Verständnis haben.

Weitere Informationen:
Verteilungsreglement der SUISA

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Musik in Unternehmen: Das gilt es zu beachten

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Musik in Unternehmen: Das gilt es zu beachten

Die passende Hintergrundmusik in einem Geschäft bietet den Kunden nicht nur ein angenehmes Einkaufserlebnis sondern kann auch das Kaufverhalten beeinflussen. (Foto: Tana888 / Shutterstock.com)

Unternehmen kennen die Wirkung von Musik für ihr Geschäft. Die Detailhändler setzen auf die Dienste von professionellen Beschallungsfirmen, um ihren Kunden ein angenehmes Einkaufserlebnis zu bieten – und sie letztlich zum Kauf zu ermuntern. In Arztpraxen läuft beruhigende Hintergrundmusik für die Patienten – schliesslich möchten die wenigsten vor einer Untersuchung oder einer Diagnose laute Rockmusik hören. Und auch ein Werbespot wirkt nur mit der passenden, oftmals eigens dafür komponierten Musik. Kurzum: Es gibt viele Beispiele und Fälle, in denen Musik zum Erfolg eines Unternehmens beiträgt.

Vergütung für Komponisten, Textautoren und Verleger

Entsprechend müssen auch diejenigen bezahlt werden, die diese Musik komponiert und die Texte dazu geschrieben haben: die Urheberinnen und Urheber. Das geschieht über die SUISA, welche Lizenzen für die verschiedenen Nutzungen von Musik vergibt und hierfür Geld einnimmt. Die Höhe der Lizenzkosten hängt grundsätzlich davon ab, welchen Stellenwert die Musik bei der entsprechenden Nutzung hat. Für ein symphonisches Konzert, welches man fast ausschliesslich wegen der Musik besucht, sind die Kosten höher als für Hintergrundmusik im Wartezimmer einer Arztpraxis, wo man nicht wegen der Musikberieselung als Hauptgrund hingeht.

Musik aus der ganzen Welt dank Lizenz von der SUISA

Die Tarife für die unterschiedlichen Nutzungen von Musik werden in regelmässigen Abständen zwischen den Verwertungsgesellschaften wie der SUISA und den Nutzerverbänden (wie beispielsweise Gastrosuisse für die Nutzung in Gastrobetrieben) verhandelt, gemeinsam festgelegt und von der Eidgenössischen Schiedskommission für die Verwertung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten (ESchK) genehmigt.

Da die SUISA in der Schweiz und in Liechtenstein das Weltrepertoire an musikalischen Werken vertritt, kann man mit einer SUISA-Lizenz fast alle Musik aus der ganzen Welt nutzen. Das eingenommene Geld verteilt die SUISA weltweit an die Urheber und Verleger der genutzten Musik. Von 100 Franken Einnahmen zahlt die SUISA 87 Franken an die Urheber und Verleger von Musik aus.

Die SUISA vergibt Lizenzen an über 120 000 Nutzer wie Radio- und TV-Sender, Konzertveranstalter, Clubs, Gastwirte, Partyorganisatoren, Ladenbesitzer oder Online-Musikdienste. In diesem Jahr ist eine gezielte Markterfassung für die Musiknutzung in Unternehmen geplant; die SUISA wird mit ihren Angeboten potentielle Kunden direkt kontaktieren.

Musiknutzung in Unternehmen

Im Folgenden werden drei der häufigsten Nutzungen von Musik in Unternehmen näher erläutert:

1. Hintergrundmusik in Verkaufsräumen und Büros

In der Schweiz nutzen bereits über 100 000 Unternehmen Musik mit Hilfe von unterschiedlichen Technologien, um eine stimmungsvolle Atmosphäre z. B. in Verkaufsräumen, Büroräumlichkeiten oder Wartezimmern zu schaffen. In Firmenfahrzeugen, Telefonschlaufen oder Aufzügen sorgt Musik für die Unterhaltung von Kunden oder Mitarbeitenden. Diverse Studien bestätigen, dass Musik auch zur Steuerung des Konsumverhaltens dient.

Solche Verwendungen von Musik in Unternehmen gelten als öffentliche Nutzung: Hierfür muss eine Entschädigung entrichtet werden. Die Betriebe zahlen daher den Urhebern, Verlegern, Interpreten oder Produzenten eine Vergütung gemäss dem Gemeinsamen Tarif 3a (GT 3a). «Gemeinsam» heisst, dass der Tarif nicht nur die von der SUISA vertretenen Rechte enthält, sondern auch jene von anderen Verwertungsgesellschaften wie Swissperform (für die Interpreten und Produzenten) oder Suissimage (für die Filmschaffenden). Die SUISA verantwortet bei diesem Tarif das Inkasso im Auftrag aller Schweizer Verwertungsgesellschaften und verteilt ihren Anteil des eingenommenen Geldes an die Urheber und Verleger von Musik.

Beispiele für die Nutzung von Hintergrundmusik (GT 3a)
Wo?
• Büroräumlichkeiten (z. B. Aufenthaltsräume, Arbeitsräume, Sitzungszimmer)
• Geschäftsflächen (z. B. Verkaufsgeschäfte, Gastro- und Hotelbetriebe)
• Firmenfahrzeuge
• Telefonwarteschlaufen
• Museen, Ausstellungen
• Praxen (z. B. Patientenzimmer, Behandlungszimmer, Warteräume)
Wie?
• Wiedergabe von Radiosendungen und Musikaufnahmen
• Wiedergabe von Fernsehsendungen oder Filmen (mit Ort und Zeit angekündigte Filmvorführungen, Public Viewing auf Bildschirmen mit einer Diagonale von mehr als 3 Metern müssen jedoch separat geregelt werden)
• Betrieb von interaktiven Multimedia-Terminals
Weitere Information zur Nutzung von Hintergrundmusik (GT 3a)
Kundenportal GT 3a
SUISA-Website zum GT 3a: www.suisa.ch/3a
Verteilung der Einnahmen aus dem GT 3a:
www.suisablog.ch/de/wie-die-suisa-verguetungen-aus-der-hintergrundunterhaltung-verteilt/

2. Videos mit Musik im Internet

Je länger je mehr setzen Unternehmen auf digitale Formate, um ihre Kunden zu erreichen, seien es moderne, professionelle Websites oder Beiträge in den sozialen Medien. Nicht nur in aussergewöhnlichen Zeiten wie während der Corona-Pandemie wird die digitale Kommunikation wichtig, um mit Kunden und anderen Anspruchsgruppen in Verbindung zu treten und zu bleiben. In diesem Zusammenhang spielen Videos, die mit Musik unterlegt sind, eine wesentliche Rolle und helfen, Kunden ein Produkt oder eine Dienstleistung schmackhaft zu machen.

Wenn man ein aufgenommenes Musikstück in einem Video verwenden will, muss man zuerst einmal zwischen zwei Arten von Rechten unterscheiden, die es zu klären gilt:

  • Leistungsschutzrechte für die Audio-Aufnahme, die beim Label des Songs liegen;
  • Urheberrechte am Werk, also der Komposition und gegebenenfalls dem Text, die beim Musikverlag und/oder den Urhebern liegen.

Für die Leistungsschutzrechte an der Audio-Aufnahme ist die Plattenfirma zuständig. Bei einem Video mit Musik müssen beim Label Zustimmung und Lizenzen für die Synchronisation und Überspielung der Aufnahme eingeholt und erworben werden.

Für die Urheberrechte am Werk sind der Musikverlag und die SUISA zuständig. Die SUISA vergibt die Lizenzen für die Vervielfältigung des Werks im Rahmen der Videoproduktion sowie für das Zugänglichmachen des Werks im Video auf der eigenen Website und/oder Social-Media-Plattformen. Der Musikverlag vergibt die Synchronisationsrechte für ein Werk. Wenn jemand ein mit Musik untermaltes Video veröffentlichen will, muss man zuerst beim Verlag anfragen, ob man den Song überhaupt für ein Video verwenden darf.

Dieses Lizenzierungsverfahren gilt grundsätzlich für alle Unternehmen. Speziell für kleinere Firmen mit maximal 49 Mitarbeitenden und bis zu Fr. 9 Mio. Jahresumsatz bietet die SUISA zusammen mit ihrem Partner Audion eine Pauschallösung an: Gegen eine jährliche Vergütung von 344 Franken können sowohl die Rechte der Urheber von Musik sowie die der Produzenten/Labels erworben werden. Dank diesem Pauschalbetrag können Kleinunternehmen so viele imagefördernde kurze Videos mit Musik auf ihren Websites und/oder Social-Media-Plattformen verwenden, wie sie möchten. Dieses Angebot ermöglicht den einfachen Erwerb einer Lizenz für die Nutzung von urheberrechtlich geschützter Musik.

Weitere Informationen zu Videos mit Musik auf Websites
Kundenportal Musik auf Websites
Wichtigste Fragen & Antworten:
www.suisa.ch/de/kunden/online/musik-im-internet-fuer-kleinunternehmen/fragen-antworten.html
Artikel auf dem SUISAblog zum Pauschalangebot:
www.suisablog.ch/de/kollektive-verwertung-ist-eine-dienstleistung-fuer-musikschaffende-wie-musiknutzende/

3. Musik bei Firmenevents

Weihnachtsessen, Generalversammlung oder Produktepräsentation – Musik ist bei solchen Events oft ein wichtiger Bestandteil. Diese Veranstaltungen werden nach dem Gemeinsamen Tarif Hb (GT Hb) lizenziert, der Musikaufführungen zu Tanz und Unterhaltung ausserhalb des Gastgewerbes zum Gegenstand hat. Es geht hier um Aufführungen wie zum Beispiel die Live-Band beim Weihnachtsessen oder den DJ beim Mitarbeiteranlass, und auch um Anlässe mit musikalischer Umrahmung, wie etwa bei einer Generalversammlung oder einem Kundenanlass.

In Bezug auf die Berechnung der Vergütung unterscheidet der Tarif zwischen Gross- und Kleinveranstaltungen. Letztere sind Anlässe in Räumen mit einem Fassungsvermögen von maximal 400 Personen. Hierfür kommen Pauschalvergütungen pro Tag und Veranstaltung abgestuft nach Besucheranzahl zum Tragen. Bei Grossveranstaltungen bilden – da für Firmenanlässe in der Regel keine Tickets verkauft werden – meistens die Kosten, die mit der Musiknutzung verbunden sind, die Berechnungsgrundlage. Typischerweise sind das die Gagen und Spesen der Künstler sowie die Miete von Instrumenten und Veranstaltungsräumlichkeiten. Wenn für Anlässe Eintritt verlangt wird, gelten unter Umständen andere Berechnungsgrundlagen.

Der Tarif sieht zudem verschiedene Ermässigungen vor – etwa für Unternehmen, die für ihre Veranstaltungen gemäss GT Hb mit der SUISA einen Vertrag abschliessen oder die mehr als 10 Anlässen pro Kalenderjahr durchführen.

Unternehmen der Gastro- und Hotelbranche
Gastrobranche:
Für Unterhaltungs- und Tanzanlässe im Gastgewerbe ist nicht der Tarif GT Hb, sondern GT H anwendbar. Dieser regelt die gleichen Anlassarten wie der GT Hb, hat aber aufgrund der Verbindung zum gastronomischen Angebot ein anderes Berechnungsmodell, das neben der Anzahl anwesender Personen und dem Eintrittspreis auch den Preis des billigsten alkoholischen Getränks in die Kalkulation miteinbezieht.
Hotelbranche:
Da es ab und an zu Unklarheiten führt, welche Flächen bei Hotelbetrieben die Grundlage für die Verrechnung bilden, hier noch ein paar Hinweise: Der Gemeinsame Tarif 3a gilt auch für die Fläche der Hotelzimmer. Die SUISA erhält immer wieder Anmeldungen, bei denen Beherbergungsunternehmen die Zimmerflächen für die Berechnung der Nutzungsfläche nicht einkalkulieren. Für die Zimmer ist je nach gesamthaft betroffener Fläche (Zimmer und Gemeinschaftsräume) zusätzlich zur Basisvergütung eine Vergütung gemäss Zusatznutzung (Gemeinsamer Tarif 3a Ziff. 6) zu entrichten.
Weitere Informationen zu Musik-Events
Ausserhalb des Gastgewerbes, GT Hb:
www.suisa.ch/de/kunden/event-veranstalter/events-und-parties/parties-und-andere-tanzveranstaltungen.html
Im Gastgewerbe, GT H:
www.suisa.ch/de/kunden/gastgewerbe-hotellerie/clubs-bars-restaurants/djs-oder-musiker.html
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Musik spielt in vielen Unternehmen eine wichtige Rolle. Sie schafft eine angenehme Atmosphäre für Kunden, Gäste und Mitarbeitende, verstärkt die Aussagen von Werbespots und ist ein wichtiger Bestandteil von Firmenevents. Die Urheberrechte für die Nutzung von Musik erhält man unkompliziert von der SUISA. Je nach Art der Musiknutzung kommen dabei unterschiedliche Tarife zur Anwendung. Text von Liane Paasila, Martin Korrodi und Giorgio Tebaldi

Musik in Unternehmen: Das gilt es zu beachten

Die passende Hintergrundmusik in einem Geschäft bietet den Kunden nicht nur ein angenehmes Einkaufserlebnis sondern kann auch das Kaufverhalten beeinflussen. (Foto: Tana888 / Shutterstock.com)

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«Wir wollen, dass die Motoren weiterlaufen»

Mit «Keep Going!» erweitert die FONDATION SUISA temporär ihr Förder-Portfolio. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA Keep Going!

«Keep Going!» soll es der Schweizer Musikszene in Krisenzeiten ermöglichen, ihre Tätigkeit weiter aufrecht zu erhalten. (Bild: FONDATION SUISA)

Die FONDATION SUISA fördert Projekte mit Bezug zum aktuellen schweizerischen und liechtensteinischen Musikschaffen, explizit die Kreation und die Verbreitung von Repertoire. «Das ist unser Stiftungszweck und an ihn sind wir gebunden», erklärt Stiftungsdirektor Urs Schnell und fügt an: «Aber wir überprüfen laufend unser Portfolio und erweitern es gegebenenfalls mit neuen Programmen.»

Für Schnell ist klar, dass sich durch die Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns, der Alltag der Schweizer Musikschaffenden in den letzten Monaten dramatisch verschlechtert hat. «Als Stiftung mussten wir handeln», meint er und zeigt sich sichtlich erfreut, dass der Stiftungsrat rasch und unkompliziert einer Flexibilisierung der Förderprogramme im Rahmen des Stiftungszweckes zugestimmt hat.

«Keep Going!» heisst das zusätzlich angebotene, temporäre Fördermodell, das – darauf weist Schnell ausdrücklich hin – die bestehenden Angebote nicht ersetzt, sondern ergänzt. «Keep Going!» soll es der Schweizer Musikszene in Krisenzeiten ermöglichen, ihre Tätigkeit weiter aufrecht zu erhalten. «Wir sind überzeugt, dass auch in Zeiten, in denen die Kultur praktisch stillsteht, sich Musikschaffende neue Wege erarbeiten müssen, um ihre selbst gesteckten Ziele weiterhin erfüllen zu können», sagt Schnell. «Und dies betrifft sowohl die Erarbeitung neuer musikalischer Werke wie auch deren Verbreitung.» Letzteres wird unterstrichen durch die Tatsache, dass das neue Fördermodell nicht nur Einzelpersonen oder Gruppen vorenthalten ist, sondern auch Organisationen miteinschliesst.

«Keep Going!» soll gemäss Schnell die Musikschaffenden und -Organisationen genau an jener Stelle abholen, wo sie sich zurzeit gerade befinden und ihnen erlauben, sich den neuen Gegebenheiten bei Bedarf anzupassen: «Mit dieser Förderung wollen wir dazu beitragen, dass der Motor bei bestehenden Projekten nicht ins Stottern gerät.»

Das «Aussergewöhnliche» oder das «Noch nie dagewesene» – Faktoren, die beim vor drei Jahren eingeführten Fördermodell «Get Going!» eine wesentliche Rolle spielen – werden zwar nicht explizit ausgeschlossen, sind aber für «Keep Going!» nicht ausschlaggebend.

Mit «Keep Going!» unterstreicht die FONDATION SUISA ihr oberstes Anliegen, auch in ungewissen Zeiten und unter anspruchsvolleren Umständen die Entfaltung kreativer Ideen zu fördern und deren Umsetzung zu ermöglichen.

In einer ersten Tranche werden im April 10mal Fr. 5 000.– vergeben. «Danach sehen wir weiter», so Schnell. «Wir werden die Gesamtheit der eingegangenen Gesuche analysieren und daraus unsere Schlüsse ziehen.» Geplant ist, «Keep Going!» alle zwei Monate neu auszuschreiben.

Informationen zu «Keep Going» auf der Website der FONDATION SUISA:
www.fondation-suisa.ch/de/werkbeitraege/keep-going-2021/

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Mit «Keep Going!» erweitert die FONDATION SUISA temporär ihr Förder-Portfolio. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA Keep Going!

«Keep Going!» soll es der Schweizer Musikszene in Krisenzeiten ermöglichen, ihre Tätigkeit weiter aufrecht zu erhalten. (Bild: FONDATION SUISA)

Die FONDATION SUISA fördert Projekte mit Bezug zum aktuellen schweizerischen und liechtensteinischen Musikschaffen, explizit die Kreation und die Verbreitung von Repertoire. «Das ist unser Stiftungszweck und an ihn sind wir gebunden», erklärt Stiftungsdirektor Urs Schnell und fügt an: «Aber wir überprüfen laufend unser Portfolio und erweitern es gegebenenfalls mit neuen Programmen.»

Für Schnell ist klar, dass sich durch die Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns, der Alltag der Schweizer Musikschaffenden in den letzten Monaten dramatisch verschlechtert hat. «Als Stiftung mussten wir handeln», meint er und zeigt sich sichtlich erfreut, dass der Stiftungsrat rasch und unkompliziert einer Flexibilisierung der Förderprogramme im Rahmen…Weiterlesen

Julien-François Zbinden: eine aussergewöhnliche Persönlichkeit

Am 8. März 2021 verstarb der Schweizer Komponist und Jazzpianist Julien-François Zbinden im Alter von 103 Jahren. Julien-François Zbinden war von 1987 bis 1991 Präsident der SUISA. Nachruf von Xavier Dayer, Präsident der SUISA

Nachruf Julien-François Zbinden: eine aussergewöhnliche Persönlichkeit

Julien-François Zbinden in einer Aufnahme aus dem Jahr 2000. (Foto: Jean-Pierre Mathez)

Mit grosser Trauer haben wir vom Tod von Julien-François Zbinden erfahren. Unser Ehrenmitglied und ehemaliger Präsident (von 1987 bis 1991) hat uns im Alter von 103 Jahren verlassen. Wir alle werden seine funkelnden Blicke nie vergessen. Und auch sein 100. Geburtstag, den er mit seinen nächsten Freunden oberhalb von Lausanne feierte, ist noch in frischer Erinnerung. Welche Energie, welch aussergewöhnliche Persönlichkeit. Vor allen Gästen erhob er sich und hielt eine immer noch sehr präsidiale und geistreiche Rede.

Ja, Julien-François Zbinden hat die Schweizer Musik über viele Jahre mit Charme und grosser Überzeugung geprägt. Seine stilistische Offenheit zwischen Klassik und Jazz, die er so wunderbar verkörperte, und die intensive Schaffenskraft dieses Mannes, der ganz für die Musik lebte, sind legendär. Er kam mit vielen Grössen in Kontakt, unter anderem mit Francis Poulenc, Igor Strawinsky, Clara Haskil, Django Reinhardt & Stéphane Grappelli, Fernandel und Juliette Gréco.

Seine Präsidentschaft und seine Verlässlichkeit prägten die SUISA positiv. Wann immer er konnte, nahm er an unseren Generalversammlungen teil, und wenn er aus gesundheitlichen Gründen verhindert war, schrieb er uns eine Notiz voller Wertschätzung und Anerkennung. Denn er stammte aus einer Zeit, in der die Umgangsformen anderen Codes folgten als heute. Eine Zeit, die weit entfernt ist vom permanenten Informationsfluss und den multiplen Anforderungen, wie wir sie heute kennen.

Sich mit Julien-François Zbinden zu unterhalten bedeutete, das Rad der Zeit zurückzudrehen und in eine verlorene Dimension einzutauchen. Doch nie hörte man aus seinen Worten Nostalgie oder Verbitterung, ganz im Gegenteil: Der Flieger (mit Mitte fünfzig hatte er die Pilotenlizenz erworben!) liebte das Neue: neue Entdeckungen und neue Erfahrungen. Sein beispielloses Interesse faszinierte auch seine Gesprächspartner. So verstand er es, während seiner langen und glanzvollen Karriere bei Radio RSR, den Hörerinnen und Hörern die verschiedensten Musikgenres näherzubringen. Denn jegliche Abschottung lag ihm fern.

Diese Offenheit und seine Fähigkeit, Dialoge zu führen und Brücken zu schlagen ermöglichten es ihm, seine verschiedenen Präsidentschaften mit Bravour zu erfüllen (neben der SUISA war er von 1973 bis 1979 Präsident des Schweizerischen Tonkünstlervereins). Heute gibt es zahllose Hommagen an ihn, die höchst berechtigt sind, denn seine Präsenz, die ihm eigene Aufmerksamkeit und seine stimulierende Lebendigkeit werden der Schweizer Musiklandschaft fehlen.

Dank der Erinnerungen an den bereichernden Austausch mit ihm wird unser Ehrenmitglied uns noch lange erhalten bleiben.

Xavier Dayer

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  1. greg sagt:

    henry hubert accordeoniste et moi meme greg lewis pianiste rendont hommage a monsieur Zbinden en faisant aujourd hui notre adhesion a la suisa sincere amitiés a sa famille

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Ja, Julien-François Zbinden hat die Schweizer Musik über viele Jahre mit…Weiterlesen

Ghost Festival: Die grosse Stille

Am kommenden Wochenende findet mit dem Ghost Festival die grösste Konzertveranstaltung der Schweiz statt. Rund 300 Bands, Künstlerinnen und Künstler stehen auf dem Line-up. Bloss: Es gibt weder Auftritte noch Musik oder Lichtshow. Konzipiert als Solidaritätsaktion für die Schweizer Musikszene, steht das Ghost Festival sinnbildlich für die desaströse Lage der Kulturschaffenden in der Corona-Krise. Die SUISA unterstützt das Festival als Sponsor. Und hat mit Baldy Minder, Mitorganisator des Festivals, ein Videointerview über die Hintergründe des Nicht-Festivals geführt. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Nina Müller

Das Line-up des Ghost Festivals lässt das Herz eines jeden Liebhabers Schweizer Pop- und Rockmusik höher schlagen: Etablierte Grössen wie Stephan Eicher, Patent Ochsner oder Dodo stehen neben «jungen Wilden» wie Crème Solaire, Annie Taylor oder KT Gorique. Doch leider bleibt es grösstenteils nur bei den Namen. Musik wird man an diesem Anlass vermissen, genauso wie fulminante Live-Shows oder ganz einfach das normale Festival-Feeling mit Zelten, Catering-Ständen und Anstehen vor den mobilen Toiletten.

Das Ghost Festival ist «das Festival, das nicht stattfindet». Nicht stattfinden wird es am Wochenende vom 27. und 28. Februar 2021.

Geisterspiele im Fussball standen Pate für das Ghost Festival

Ins Leben gerufen von einigen Berner Musikbegeisterten – dem Ghost Club –, ist das Ghost Festival ein Solidaritätsakt für Schweizer Musikschaffende. Ein Mitglied des Ghost Clubs ist Baldy Minder, Booker und Manager von Acts wie dem Berner Hip-Hop-Kollektiv Chlyklass oder der Rapperin 11Ä. Im Videointerview erzählt er uns im Backstage-Bereich des Zürcher Konzertlokals Exil, was die Grundidee des Ghost Festivals ist: «Im Fussball gibt es Geisterspiele. Und als solidarischer Fussballfan erneuerst Du heutzutage dein Saison-Abo trotzdem, obwohl die Zukunft ungewiss ist. Und so entstand die Idee für das Ghost Festival.»

Konkret können Musikfans Tickets kaufen für das Festival: Einen 1-Tagespass für 20 Franken, einen 2-Tagespass für 50 Franken oder ein VIP-Ticket für 100 Franken. Und weil es ja nicht stattfindet, sind die Tickets nie ausverkauft. Zudem gibt es von T-Shirts über Mützen bis zu Hoodies und Jacken eine breite Palette an Ghost-Festival-Merchandising zu kaufen. Die Einnahmen fliessen an die Künstlerinnen und Künstler sowie ihre Booker, Licht- und Tontechniker und andere. Dieses Geld für die Kulturschaffenden ist mehr als nur ein netter Zustupf: In der aktuellen Lage fällt für die meisten Musikschaffenden – im weitesten Sinne – die wichtigste Einnahmequelle weg: die Konzerte. Und diese Situation dauert – mit einigen kurzen Lockerungen im Sommer 2020 – nun genau ein Jahr an. Eine Besserung ist noch nicht in Sicht.

Ein Loch von über 50 000 Franken in den Kassen der Urheber und Verleger von Musik

Dies widerspiegelt sich bei der SUISA auch in den Einnahmen aus den Aufführungsrechten, zu denen unter anderem Konzerte und Festivals gehören. Am Beispiel des Ghost Festivals lässt sich dies gut aufzeigen: Rund 15 000 Tickets wurden bis anhin für das Festival verkauft. Würde es sich um einen normalen Anlass handeln, an welchem die Künstlerinnen und Künstler ihre Songs spielen, erhielten die Komponisten, Textautoren und Verleger der aufgeführten Stücke über 50 000 Franken an Urheberrechtseinnahmen. Da aber keine Musik gespielt wird, fallen diese Einnahmen weg.

Rund 400 Festivals finden in der Regel jedes Jahr in der Schweiz – dem Land mit der weltweit grössten Festivaldichte – statt. Die meisten dieser Festivals mussten letztes Jahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Entsprechend sind bei der SUISA 2020 die Urheberrechtseinnahmen aus Konzerten um über 50% tiefer ausgefallen als im Jahr zuvor. In absoluten Zahlen sind dies im Vergleich zu 2019 rund 12 Millionen Franken weniger, die den Musikschaffenden aus den Konzerteinnahmen 2020 verteilt werden. Und diese Misere wird auch 2021 und voraussichtlich 2022 andauern.

Eine Solidaritätsaktion auch für Booker, Tontechniker, Roadies und weitere

Und dies sind nur die Einnahmen für diejenigen, die Musikstücke komponiert oder getextet haben oder als Verleger tätig sind. Für die Musiker kommen noch Gagenausfälle hinzu, die in der Regel um einiges höher sind als die Urheberrechtsvergütungen. Die Konzert- und Festivalausfälle machen allerdings nicht nur den Musikerinnen und Musikern zu schaffen: Unter der mittlerweile seit rund einem Jahr dauernden Krise leiden auch diejenigen Personen, die ein solches Festival und Konzerte allgemein möglich machen: Booker, Ton- und Lichttechniker, Roadies, Tour-Manager, Merchandise-Verkäufer, Sicherheitspersonal oder natürlich auch die Konzertveranstalter selber.

«Die Idee ist, dass nicht nur die Bands profitieren, sondern dass es eine ganzheitliche Förderung oder Unterstützung gibt von Leuten, die in dieser Szene arbeiten», sagt Baldy Minder. «Wenn Bands unterwegs sind, dann haben sie noch einen Tour-Manager, Licht-Engineering oder einen Tontechniker; Bands, die mit Instrumenten unterwegs sind, haben Stage-Hands, die helfen, Sachen zu tragen. Es sind ganz viele Leute involviert, die momentan viel weniger zu tun haben und viel weniger Einnahmen haben.»

100% der Ticketeinnahmen gehen an die Musikschaffenden

Deshalb konnten die Künstlerinnen, Künstler und Bands zusätzlich noch zwei Personen aus ihrer Entourage angeben, die ebenfalls von den Einnahmen des Ghost Festivals profitieren. Insgesamt sind dies rund 1300 Personen. «Das eingenommene Geld wird auf Köpfe verteilt und nicht auf Bands», erklärt Baldy Minder. Während die Einnahmen aus Ticket- und Merchandisingverkäufen zu 100% an die Musikschaffenden fliessen, wird ein Teil der Sponsorengelder aufgewendet, um die Arbeit der Organisatoren zu bezahlen. «Die Partnerschaften ermöglichen, dass wir unseren Lohn bezahlen können», sagt Baldy Minder. Und fügt an: «Was von den Sponsoringgeldern übrigbleibt, wird an die Künstlerinnen und Künstler verteilt.»

Eine der grössten Herausforderungen für die Organisatoren war das Zeitmanagement: Die Idee entstand Ende November 2020. Es blieben drei Monate, um das grösste Festival der Schweiz auf die Beine zu stellen. Und auch wenn letztlich keine Auftritte stattfinden werden, gibt es einige Parallelen zwischen der Organisation eines Geister-Festivals und eines richtigen Festivals, wie Baldy Minder erzählt: «Ein grosser Teil ist sehr ähnlich wie bei einem richtigen Festival. Du machst ein Booking, du gleist die ganze Promotion-, Social-Media- und Pressekampagne auf. Du hast sehr viel Kontakt mit den Bands. Was wegfällt ist die ganze Infrastruktur. Du musst keinen Zaun aufbauen, keine Bühne aufbauen, wir müssen keine PA-Firma organisieren. Es braucht keine Security. Wir müssen keine SUISA-Abgaben bezahlen, da urheberrechtlich nichts passieren wird – es wird schlussendlich kein Pieps zu hören sein.»

Höchstens Geistertöne

Die Veranstalter haben auch bewusst darauf verzichtet, für das Wochenende Streaming-Konzerte zu organisieren, wie Baldy Minder sagt: «Es fragen viele Leute nach den Streams – aber Nein, es gibt jetzt einfach mal nichts, keine Musik. Jetzt ist einfach mal der Zeitpunkt, an dem man sich zurücklehnen kann und etwas zurückgeben kann.»

Für die Zuschauer des Ghost Festivals, die keine Stille wollen und die Musik vermissen, gibt es dennoch etwas zu hören – auch wenn es keine Musik ist: «Wir werden ein Album rausbringen. Es wird keine Compilation sein, sondern ein Album als «The Ghost Orchestra», lässt Baldy Minder verlauten. Es wird am 26.2. herauskommen, also einen Tag vor dem Festival.» Veröffentlicht wird es als CD – auch hier mit einer klaren Idee dahinter, wie Baldy Minder erzählt: «Die CD ist ja völlig antizyklisch – also auch so etwas wie ein Ghost, der langsam verschwindet.» Auf der mysteriösen CD werden die meisten der Bands auf dem Line-up vertreten sein. Und dies sind Künstlerinnen und Künstler aus allen Sprachregionen der Schweiz. Schliesslich betrifft die Covid-19-Pandemie Musikschaffende in der ganzen Schweiz.

Die SUISA ist Partnerin des Ghost Festivals
Die Covid-19-Krise betrifft die Mitglieder der SUISA in starkem Masse. Aus diesem Grund engagiert sich die SUISA als Sponsoringpartnerin des Ghost Festivals – nicht nur die Genossenschaft selber, sondern auch deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jedes Ticket, das von der SUISA-Belegschaft gekauft wird, wird von der Firma vergoldet: Jedes 1-Tagesticket wird zu einem 2-Tagesticket upgegradet, jedes 2-Tagesticket zu einem VIP-Ticket, und für jedes verkaufte VIP-Ticket erhalten die Mitarbeitenden ein zweites VIP dazu.Darüber hinaus wird die SUISA am Festivalwochenende eine Festivalberichterstattung machen und mit einigen Künstlerinnen, Künstlern und auch Veranstaltern sprechen. Mehr Infos werden in den kommenden Tagen auf www.instagram.com/suisamusicstories veröffentlicht.

 

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Am kommenden Wochenende findet mit dem Ghost Festival die grösste Konzertveranstaltung der Schweiz statt. Rund 300 Bands, Künstlerinnen und Künstler stehen auf dem Line-up. Bloss: Es gibt weder Auftritte noch Musik oder Lichtshow. Konzipiert als Solidaritätsaktion für die Schweizer Musikszene, steht das Ghost Festival sinnbildlich für die desaströse Lage der Kulturschaffenden in der Corona-Krise. Die SUISA unterstützt das Festival als Sponsor. Und hat mit Baldy Minder, Mitorganisator des Festivals, ein Videointerview über die Hintergründe des Nicht-Festivals geführt. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Nina Müller

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Musik und Kultur gehören zum täglichen Grundbedarf – öffnet nicht nur Lebensmittelläden!

Vor einem Jahr, am 28. Februar 2020, wurden die ersten Einschränkungen für kulturelle Veranstaltungen erlassen. Zuerst galt eine Obergrenze von 1000 Personen, Mitte März kam der erste Lockdown, im Sommer gab es dank Schutzkonzepten kleine Erleichterungen, welche schon im Herbst schrittweise rückgängig gemacht wurden. Seit Mitte Januar 2021 sitzen wir im zweiten Lockdown fest: ohne Musikveranstaltungen, ohne Zugang zu realen – nicht virtuellen – Kulturerlebnissen. Von Andreas Wegelin, CEO

Musik und Kultur gehören zum täglichen Grundbedarf – öffnet nicht nur Lebensmittelläden!

Für Andreas Wegelin, CEO der SUISA, ist Kunst und Kultur ein lebensnotwendiges Grundnahrungsmittel für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. (Foto: Beat Felber)

Um die Verbreitung des Virus zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen, haben die Behörden zu drastischen Massnahmen gegriffen. Im Grundsatz sind alle Angebote ausserhalb des täglichen Grundbedarfs nur noch erschwert zugänglich oder dürfen gar nicht mehr durchgeführt werden.

Doch was ist der tägliche Grundbedarf? Wer definiert diesen?

Zum Grundbedarf der Menschen gehören doch auch Dinge, über die man sich geistig erfreuen kann! Der Besuch eines Konzerts, der Gang ins Kino, oder die Besichtigung einer Ausstellung: Warum sind Museen geschlossen worden, wo Ausstellungen doch selten – ausser bei Blockbuster-Sonderschauen – mit einem Besucherandrang zu kämpfen haben? Weshalb müssen Kleinkunstbühnen geschlossen bleiben? Sie könnten Schweizer Künstlerinnen und Künstlern Auftritte bieten und jeweils ein kleines, aber sicher dankbares Publikum erfreuen.

Ein im Internet gestreamtes Konzert ist kein Ersatz für Live-Veranstaltungen. Es fehlt die Interaktion, das gemeinsame Erleben einer künstlerischen Darbietung, welche beide Seiten, Aufführende und Publikum, gegenseitig befruchten, und ein Konzert erst zu einem denkwürdigen Anlass machen.

Mittlerweile ist es so weit, dass man Geisterkonzerte veranstaltet wie das «Ghost Festival»: Ein Festival mit rund 300 Bands – beteiligt sind knapp 1300 Musikschaffende inklusive Techniker/-innen, Booker-/innen, Manager/-innen und Weiteren –, das gar nicht stattfindet, weil schlicht niemand hingehen kann. Die SUISA unterstützt dieses Nicht-Festival durch ein Sponsoring, aber auch durch Ticketkäufe ihrer Belegschaft.

Kultur- und Kreativwirtschaft ist relevant

Viele Veranstalterinnen und Veranstalter hatten in den Sommermonaten 2020 zuverlässige Schutzkonzepte erarbeitet und mit nicht geringen Zusatzkosten auch umgesetzt. Nun stehen sie trotzdem faktisch vor einem Berufsverbot. Seit gesamthaft schon über 6 Monaten ist nichts mehr erlaubt. Durch die Corona-Verbote entstehen grosse finanzielle Einbussen. Bund und Kantone haben zwar Hilfsprogramme beschlossen, aber diese sind schlecht an die Situation der vielen freischaffenden Künstlerinnen und Künstler sowie der Veranstalterinnen und Veranstalter als Einzelunternehmen angepasst.

Wo liegt der Grund für die Geringachtung des Kulturbetriebs?

Es mangelt offenbar am kulturellen Bewusstsein bei den Entscheidungsträgerinnen und -trägern in der Politik und der Verwaltung. Obwohl gemäss einer neuen Studie von Ernst & Young (EY) der Kulturbereich gemessen an der Anzahl Beschäftigten in Europa an vierter Stelle steht: www.rebuilding-europe.eu

Ein Aufruf geht deshalb an die politisch und behördlich lenkenden Personen und Institutionen: Kultur ist lebensnotwendig! Sie ist ein Grundnahrungsmittel für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Lasst sie auch in Zeiten des Lockdowns gedeihen! Sie erfreut die Menschen, gibt ihnen Perspektive über die Pandemie hinaus und gibt vor allem den Künstlerinnen und Künstlern ein Auskommen.

Schafft differenzierte Regeln: Kleinveranstaltungen und Veranstaltungen mit reduzierter Besucherzahl müssen möglich sein, ebenso offene Museen, Kulturstätten, wo sich interessierte Menschen und Künstlerinnen und Künstler – natürlich unter Einhaltung der gesundheitlichen Vorschriften – treffen und gemeinsam etwas erleben können. Solche Orte sind für die Gesellschaft und den Alltag genauso wichtig wie die Läden, in denen Einkäufe für den täglich Bedarf getätigt werden. Mit wissenschaftlichen Studien ist nachgewiesen, dass bei Kulturveranstaltungen mit guten Schutzkonzepten keine erhöhte Gefahr in Bezug auf die weitere Ausbreitung des Corona-Virus besteht: nachzulesen in der Aerosolstudie des Fraunhofer-Instituts am Konzerthaus Dortmund sowie im Abschlussbericht des probeweisen Testbetriebes der Bayerischen Staatsoper (PDF) mit erhöhter Zuschauerzahl.

Kulturelles Bewusstsein stärker verankern

Die Corona-Krise in der Kultur zeigt noch etwas Weiteres: Erst beim Verbot und dadurch dem Wegfall von kulturellen Veranstaltungen wird vielen bewusst, wie wichtig Kultur und Unterhaltung für uns Menschen ist und wie aufbauend der kulturelle Austausch zwischen Kunstschaffenden und Publikum für beide Seiten ist.

Dieses kulturelle Bewusstsein sollte in der Schweizer Bevölkerung viel stärker verankert werden. Beginnend schon bei der Ausbildung: Durch Bildung und dem Ermöglichen des Zugangs zu kulturellen Errungenschaften werden junge Menschen an die Künste herangeführt. Mit der Initiative Jugend & Musik wurde zwar einiges erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun, insbesondere auch in anderen Kunstsparten als der Musik.

Das gesellschaftliche Interesse an Musik, bildender Kunst, Film, Literatur, Tanz und Performancekunst erweitert sich durch Anregung zu eigenem Schaffen und durch Förderung der Vermittlung der aktuellen künstlerischen Produktion und des künstlerischen Erbes. Je mehr Menschen mit künstlerischen Ausdrucksformen in Berührung kommen, desto mehr steigt auch das Bedürfnis nach Kunst und Kultur. Wodurch die Gesellschaft schliesslich nachhaltiger einfordert, dass dieser Bedarf erfüllt wird und die nötigen Voraussetzungen dazu aufgebracht werden.

Gemeinsame starke Stimme für die Kultur nötig

Für die Erhöhung und vertiefte Verankerung des Bedarfs nach Kunst und Kultur müssen sich die kulturellen Institutionen dieses Landes zusammenschliessen und die Verbreitung des kulturellen Schaffens gemeinsam viel nachdrücklicher fordern und fördern.

Mit der «Taskforce Culture» hat sich während der Pandemie erstmals eine starke gemeinsame Stimme gebildet. Als Gesprächspartnerin der Politik und der Verwaltung ist es dieser Task-Force in den letzten Monaten schon sehr gut gelungen, die Kräfte aus den verschiedensten Kultursparten, von den Künstlerverbänden bis zu den Veranstaltern und Kulturvermittlern, zu bündeln und für kulturspezifische Anliegen einzutreten. Denn es ist noch längst nicht in allen Köpfen angekommen, dass künstlerisches Schaffen andere Voraussetzungen hat als die Arbeit in vielen Produktions- und Dienstleistungsbereichen.

Ein Zusammenschluss der kulturellen Institutionen und Verbände kann ähnlich den grossen Wirtschaftsverbänden und Arbeitnehmerorganisationen eine gewichtige Rolle als Ansprechpartner für gesellschaftliche und politische Entwicklungen in der Schweiz übernehmen. Eine solche gemeinsame starke Stimme für die Kultur wird in den kommenden Monaten und Jahren noch zusätzliche Relevanz bekommen. Die öffentliche Hand wird ganz einschneidend sparen müssen, weil durch die Bekämpfung der Pandemie mit Verboten immense volkswirtschaftliche Schäden entstanden sind und weiter entstehen. Die künftigen Steuereinnahmen werden zurückgehen, während die Staatsverschuldung wegen der Hilfsmassnahmen zunimmt.

Wie rasch in finanziell schwierigen Situationen der Sparhebel zuerst bei Kultur und Bildung angesetzt wird, kennt man aus der Vergangenheit. Im Verbund können die Kulturverbände und -institutionen gemeinsam ihre Stimme erheben und mittel- bis langfristig dafür sorgen, dass die gesellschaftliche und politische Bedeutung von Kunst und Kultur gestärkt und geachtet wird. Denn künstlerische Ausdrucksformen und der Zugang zu ihnen müssen selbstverständlich als Grundbedarf der Menschen anerkannt sein. Man kann und darf sie nicht wegsperren.

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  1. Markus Hefti sagt:

    Unverhältnismässige und existenzbedrohende Beschlüsse „ unserer „
    Politiker schüren das Unverständnis in der Bevölkerung. Aber da sie nie für ihre Fehler
    zur Rechenschaft gezogen werden ist es ihnen scheinbar Egal ☹️

    • Danke für Ihren Kommentar. Dass es Massnahmen gegen die Covid-19-Pandemie braucht, stellen wir nicht in Frage. Es braucht allerdings differenziertere Massnahmen, die gewisse Wirtschaftszweige gegenüber anderen nicht benachteiligen.
      Andreas Wegelin, SUISA CEO

      • Ndiaye sagt:

        Une contribution de haute facture . La culture inspire de belles ouvertures au monde .
        Alassane ndiaye membre Suisa Sénégal

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Vor einem Jahr, am 28. Februar 2020, wurden die ersten Einschränkungen für kulturelle Veranstaltungen erlassen. Zuerst galt eine Obergrenze von 1000 Personen, Mitte März kam der erste Lockdown, im Sommer gab es dank Schutzkonzepten kleine Erleichterungen, welche schon im Herbst schrittweise rückgängig gemacht wurden. Seit Mitte Januar 2021 sitzen wir im zweiten Lockdown fest: ohne Musikveranstaltungen, ohne Zugang zu realen – nicht virtuellen – Kulturerlebnissen. Von Andreas Wegelin, CEO

Musik und Kultur gehören zum täglichen Grundbedarf – öffnet nicht nur Lebensmittelläden!

Für Andreas Wegelin, CEO der SUISA, ist Kunst und Kultur ein lebensnotwendiges Grundnahrungsmittel für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. (Foto: Beat Felber)

Um die Verbreitung des Virus zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen, haben die Behörden zu drastischen Massnahmen gegriffen. Im Grundsatz sind alle Angebote ausserhalb des täglichen Grundbedarfs nur noch erschwert zugänglich oder dürfen gar nicht mehr durchgeführt werden.

Doch was ist der tägliche Grundbedarf?…Weiterlesen

Vorausplanung in der Krisensituation

Gerade in Krisenzeiten ist die Vorausplanung besonders wichtig. In den Sitzungen vom Dezember 2020 hat sich der Vorstand der SUISA neben dem Schwerpunktthema Budget mit weiteren relevanten Zukunftsthemen beschäftigt. Bericht aus dem Vorstand von Andreas Wegelin

Bericht aus dem Vorstand: Vorausplanung in der Krisensituation

Die SUISA macht Musik trotz eingetrübten Budgetaussichten auch 2021 möglich. Das Foto zeigt eine Szene vom letztjährigen Festival Label Suisse, bei dem die SUISA als Sponsoringpartnerin mit dabei war. (Foto: Tabea Hüberli & Dirk Hoogendoorn)

Der SUISA-Vorstand hat sich in seinen Dezembersitzungen schwerpunktmässig dem Budget für 2021 gewidmet. In der gegenwärtigen Krisensituation wegen der Pandemie sind die Prognosen im Vergleich zu 2019 schwieriger. Es kann beim Grad der Erfüllung beim Budget grössere Abweichungen geben. Vergangenes Jahr wurde zudem Ende April das Budget 2020 während dem laufenden Geschäftsjahr revidiert und die Geschäftsleitung arbeitete gemäss einem Corona-Budget mit neuen Vorgaben für die verbleibenden acht Monate.

Im Dezember genehmigte der Vorstand folgende Eckpunkte für das Budget 2021:

Die Einnahmen 2021 sind gegenüber dem Ergebnis 2019, also dem Geschäftsjahr vor Beginn der Krise, um 20,7% tiefer budgetiert. Gegenüber dem sehr vorsichtigen Corona-Budget 2020 jedoch um 6,7% höher. Die Einnahmen aus Aufführungsrechten werden aufgrund der von den Corona-Verordnungen verursachten Veranstaltungsverbote um 37% unter dem Ergebnis 2019 budgetiert.

Die Kosten 2021 sind um rund 5% tiefer budgetiert als für das Jahr 2019. Sie sind jedoch um 20% tiefer als im revidierten Corona-Budget 2020 vorgesehen war.

Verschiedene Faktoren spielen bei der Kostenentwicklung eine Rolle: Neben den Einsparungen bei den Personalkosten gibt es wesentliche Kostenblöcke im Bereich Informatik und Wertschriftenaufwand. Bei den Personalkosten sind Einsparungen vorgesehen, einerseits durch Pensionierungen und damit verbundene Umstrukturierungen sowie durch die Ausgliederung von 11 Personen in die Tochterfirma Mint Digital Services AG.

Im Bereich Informatik ist es dem Vorstand wichtiger, die Innovationskraft zu erhalten und teilweise auszubauen, um damit die Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren, als reine Sparmassnahmen durchzuführen. Zu strikte Sparbemühungen rächen sich meistens und führen zu einer unerwünschten Verlangsamung der Entwicklung unserer Dienstleistungen.

Der Wertschriftenaufwand schliesslich ist eine Grösse im Budget, die per se nur sehr schwer einschätzbar ist. Glücklicherweise konnte der Vorstand feststellen, dass der Einbruch an den Finanzmärkten im März 2020 inzwischen wieder ausgebügelt ist und die Finanzanlagen wieder auf dem Vorjahresniveau sind. Er hat für 2021 einen wesentlich geringeren Finanzaufwand als noch im Corona-Budget 2020 vorgesehen budgetiert.

Trotz der eingetrübten Budgetaussichten beschloss der Vorstand für die Abrechnungen 2021 unveränderte Kostenabzüge. Geschäftsleitung und Vorstand erwarten, dass die Beträge aus freiwerdenden Abrechnungsverpflichtungen den Rückgang der Einnahmen und damit ein Anstieg des Verhältnisses Kosten zu Einnahmen ausgleichen können.

Neuer Dienstleistungskatalog und Mindestbetrag für die SUISA Mitgliedschaft

Der Vorstand befasste sich an der Dezembersitzung auch mit dem Dienstleistungskatalog für Mitglieder und Auftraggeber. Die SUISA zählt mittlerweile über 12 600 stimmberechtigte Mitglieder und 26 700 Auftraggeber. Leider generieren von diesen total knapp 40 000 Bezugsberechtigten nur 60% wesentliche Einnahmen. Mehr als ein Drittel aller Bezugsberechtigten erhält gar nie eine Abrechnung, weil deren Werke weder aufgeführt, aufgenommen, gesendet noch online genutzt werden. Alle Bezugsberechtigten konnten bis anhin alle Dienstleistungen der SUISA in Anspruch nehmen. Die Digitalisierung hat zum Aufbau von Online-Services («Mein Konto»-Portal) geführt. Die im Portal möglichen Selfservices für die Bezugsberechtigten werden weiter ausgebaut.

Die Geschäftsleitung hatte deshalb Vorschläge erarbeitet, wie eine Kosteneinsparung erreicht werden könnte, indem den Auftraggebern die Dienstleistungen nur noch online angeboten würden. Diese Massnahme würde Arbeitszeit und damit Personalkosten einsparen. Der Vorstand beschloss nun, die Bedingungen für die Mitgliedschaft anzupassen. Neu werden jene Personen Mitglied der SUISA, welche während mindestens eines Jahres bei der SUISA Auftraggeber waren und mindestens 3000 Franken (bisher 2000 Franken) ausbezahlt bekommen haben. Den Auftraggebern werden ab 2022 die Dienstleistungen ausschliesslich über das Online-Portal «Mein Konto» zur Verfügung stehen.

Änderungen im Verteilungs- und Anlagereglement

Weitere Geschäfte im Vorstand waren die Genehmigung neuer Verteilungsregeln unter anderem für die Einnahmen aus der Leerträgervergütung und die Änderung des Anlagereglements in Bezug auf die Berücksichtigung des Kriteriums der Nachhaltigkeit bei Finanzanlagen.

Flexible Führung in Krisenzeiten

Schliesslich hat der Vorstand beschlossen eine Präsidentenkonferenz zu bilden, welche die bisherige Corona-Task-Force ersetzen soll. Sie soll monatlich aufgrund der Berichterstattung der Geschäftsleitung den Einfluss der behördlichen Anordnungen auf den Geschäftsgang der SUISA beurteilen und dem Vorstand Handlungsbedarf aufzeigen. Mitglieder der Präsidentenkonferenz sind Géraldine Savary, Roman Camenzind, Rainer Bischof, Marco Neeser und Xavier Dayer.

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  1. hermann sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren
    ich habe ihren Artikel mit Aufmerksamkeit gelesen und ich habe absolut Verständnis für die Aussagen und Denkweisen. Sie haben die Aufgabe ihre Mitglieder und Auftraggeber bestmöglich zu versorgen.
    Meine Sicht der Dinge ist etwas differenzierter. Die vielen Betriebe und Vereine die durch Covid 19 stark eingeschränkt wurden, von Bundesgeldern und auch von rückzahlbaren Krediten (Covid19-Krediten) belastet sind, sollen den Jahresbeitrag ohne Berücksichtigung der aktuellen Situation bezahlen.
    Das sehe ich auf keinen Fall so, denn der FC Ebikon ist einer der betroffenen Fussballvereine in der Schweiz, die ihren Betrieb einstellen musste. Das heisst, das der Trainingsbetrieb und aber auch der Betrieb unseres Clubhauses eingestellt werden musste, dies wurde so angeordnet. Somit hatten wir nicht die Möglichkeit das gesellschaftliche Leben, den Clubbetrieb mit Musik, Filmen, Videos etc zu nützen. Das heisst konkret, dass wir die Rechnung nicht in diesem Umfange bezahlen werden, sondern im Umfange der Nutzungsmöglichkeiten die staatlich verordnet sind.
    Falls der Trainingsbetrieb per 1.3. oder dann hoffentlich per 1.4.21 wieder gestartet werden kann, erwarte ich eine angepasste Rechnung von Ihnen. Weiter hätte ich erwartet, dass sie der aktuellen Corona Situation Rechnung tragen und sie eine partnerschaftliche und faire Rechnung versenden.
    Für eine Stellungnahme bitte ich sie und grüsse Sie freundlich
    Sebastian Hermann
    Finanzchef FC Ebikon

    • Sehr geehrter Herr Hermann

      Danke für Ihre Nachricht.

      Die SUISA ist sich bewusst, dass viele Betriebe und auch Sportvereine wie der FC Ebikon unter den Folgen der behördlichen Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie leiden. Denn den Musikschaffenden, den Mitgliedern der SUISA, ergeht es in diesen schwierigen Zeiten gleich.

      Damit verbunden hält die SUISA ihre Dienstleistung aufrecht, öffentliche Musiknutzungen zu erlauben, aber hat schon im Frühling 2020 zugunsten der Lizenznehmerinnen und -nehmer einige ihrer Modalitäten den ausserordentlichen Umständen angepasst.

      Die Kundinnen und Kunden der SUISA sind in den verschiedensten Wirtschaftszweigen tätig. Teilweise sind und waren aufgrund der behördlichen Verordnungen die Musiknutzungen sogar regional unterschiedlich verunmöglicht. Für die nachweislich nicht erfolgten Nutzungen entfallen die Vergütungen für die Urheberrechte.

      Damit der Nachlass korrekt dem individuellen Einzelfall entsprechend in Abzug gebracht werden kann, kommen aus administrativ-technischen Gründen differenzierte Verfahren zur Anwendung. Speziell bei Lizenznehmerinnen und -nehmern des Gemeinsamen Tarifs 3a (GT 3a) für Hintergrundunterhaltung können die Termine der Betriebsschliessungen von Unternehmen zu Unternehmen sehr stark variieren.

      Die konkreten Daten der Betriebsschliessung können deshalb über ein elektronisches Kontaktformular gemeldet werden. Nach Prüfung der Angaben erfolgt eine Gutschrift gemäss dem Gemeinsamen Tarif 3a. Der Wert dieser Gutschrift kann je nach behördlich verordneten Schliessungen wegen Covid-19 variieren.Die Gutschrift wird in der folgenden Jahresrechnung abgezogen.

      Das Kontaktformular steht zur Verfügung unter: http://www.suisa.ch/3a. Dort sind auch weitere Informationen zu finden, wie die SUISA ihren Kundinnen und Kunden entgegenkommt: http://www.suisa.ch/de/suisa/massnahmen-der-suisa-bezueglich-der-corona-pandemie/informationen-fuer-kunden.html

      Für Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.
      Freundliche Grüsse
      Kundendienst GT 3a

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Verhandeln in Zeiten von Corona … und im Angesicht von Covid-19

Verhandeln gehört zu den Aufgaben der SUISA. Beim Aushandeln von Tarifen und Verträgen muss die SUISA die Interessen ihrer Mitglieder vertreten, Verständnis für deren legitime Forderungen wecken und schliesslich die bestmöglichen Bedingungen für das Musikschaffen erwirken. Dies geschieht mit Diskussionen und Kompromissen – das ganze Vorgehen beruht also auf menschlichen Beziehungen. Doch seit diesem Frühjahr hat sich ein unerwarteter Gast an den Verhandlungstisch gedrängt: Covid-19. Von Vincent Salvadé, Deputy CEO

Verhandeln in Zeiten von Corona … und im Angesicht von Covid-19

Die Tarife, die jetzt während der Corona-Krise verhandelt werden, gelten für bessere Zeiten, in denen die Musik hoffentlich wieder spielt. (Foto: Tabea Hüberli & Dirk Hoogendoorn)

Die Dynamik hat sich angesichts des Coronavirus verändert. Die Diskussionen werden heute meistens per Videokonferenz geführt. Das heisst, zwischen den Menschen stehen Bildschirme. Unter diesen Voraussetzungen ist es schwieriger, die nonverbalen Reaktionen auf einen Vorschlag wahrzunehmen, und auch manchmal schwieriger, den Partner oder die Partnerin zu verstehen. Anpassung ist angesagt … und man sehnt sich nach den Zeiten zurück, als Vereinbarungen per Handschlag besiegelt werden konnten.

Eine Krise kann dazu führen, dass Positionen zementiert werden. Die Wirtschaft wird beeinträchtigt, es gibt keine Grossveranstaltungen mehr, und auf Einschränkungen folgen Lockerungen, dann wieder Einschränkungen. Das Einkommen der Künstlerinnen, Künstler und Kreativschaffenden befindet sich im freien Fall. Unter solchen Voraussetzungen ist es schwieriger, Zugeständnisse zu machen und Kompromisse zu finden. Letztlich ist jeder darum bemüht, das Wenige, das ihm noch bleibt, zu verteidigen.

Welche Strategie soll die SUISA unter diesen Umständen verfolgen?

Zunächst sei festgehalten, dass gewisse Bereiche weniger von der Krise betroffen sind als andere. Das Online-Angebot kommt nicht zu kurz, denn auch wenn man zögert, ins Kino zu gehen – oder eben gar nicht gehen kann –, dann schaut man sich die Filme über Video-on-Demand an. Auch der Konsum von Musik über Streaming-Plattformen läuft gut. Die SUISA sollte daher zuerst in diesen Bereichen gute Bedingungen für ihre Mitglieder aushandeln. Denn die Mitglieder der SUISA haben ihrerseits mit den Folgen der Krise besonders stark zu kämpfen.

«Es liegt an uns, die Zukunft zu planen und heute in der Gegenwart eine faire Anwendung der Rechtsgrundsätze zugunsten unserer Mitglieder zu verfechten.»

Doch wir dürfen nicht in eine Falle tappen. Ein Rückgang der Einnahmen bei den Musikanbieterinnen und -anbietern hat in vielen Bereichen automatisch negative Folgen für die Urheberinnen und Urheber: Die Vergütungen werden nämlich als Prozentsatz des bei der Nutzung erwirtschafteten Umsatzes berechnet. Daher sollte die Krise von den Nutzerinnen und Nutzer nicht als Gelegenheit ausgenützt werden, um von der SUISA günstigere Bedingungen zu erwirken. Denn dann würden die Urheber doppelt verlieren: einmal, weil der Vergütungsbetrag wegen dem Einnahmenrückgang tiefer ist, und ein zweites Mal, weil die Konditionen schlechter sind als vorher. Wir mussten unsere Partnerinnen und Partner gelegentlich bereits daran erinnern.

Doch Tatsache ist: Der «Live»-Sektor kämpft ums Überleben. In diesem Frühjahr setzten wir gewisse Verhandlungen aus, in der Hoffnung, sie bei schönerem Wetter wieder aufzunehmen. Eine Zeit lang war es mild, nun nimmt die Bewölkung wieder zu. Und Tarifverfahren brauchen Zeit. Ende 2020 müssen wir Tarife aushandeln, die erst 2022 in Kraft treten, wenn wir die Krise überwunden haben werden (zumindest wagen wir das zu hoffen …). So liegt es an uns, die Zukunft zu planen und heute in der Gegenwart eine faire Anwendung der Rechtsgrundsätze zugunsten unserer Mitglieder zu verfechten. Es ist sicher nicht leicht, wenn unsere Verhandlungspartnerinnen und -partner Einbussen erleiden, doch die Verantwortung für eine bessere Zukunft liegt bei uns.

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