33 1/3 Umdrehungen und 33 1/3 Jahre später

Manchmal seltsam, welche Gedanken einem beim Musikhören kommen. So jüngst geschehen, als ich mir wieder einmal das wunderbare Album «Kind of Blue» von Miles Davis angehört habe. Und mich dabei daran erinnerte, dass diese Musik ursprünglich auf Vinyl, also auf Langspielplatte, erschienen war. Von Urs Schnell, Direktor FONDATION SUISA

33 1/3 Umdrehungen und 33 1/3 Jahre später

Die Musikförderstiftung der SUISA ist dieses Jahr 33 1/3 Jahre alt geworden. (Foto: SUISA / Manu Leuenberger)

33 1/3 Umdrehungen pro Minute – so gemächlich dreht sich eine Schallplatte – doch auf dieser so präzis durchgetakteten Zeitebene geschieht Unglaubliches. «So What» – bereits die ersten Basslinien ziehen einen in eine andere Welt. Der sich in der Folge erhebende Rhythmus setzt Gedanken frei, und die beginnen oft an Stellen, die man nicht erwartet hätte. Ich gebe zu, hätten wir nicht gerade jetzt eine überarbeitete Webseite inklusive neuem Gesuchsportal online gestellt, hätte ich mich nicht so intensiv mit der Geschichte der Stiftung auseinandergesetzt. Und dann wäre ich wohl kaum darauf gestossen, dass 33 1/3 nicht nur für die Umdrehungsgeschwindigkeit einer Langspielplatte steht, sondern dass die FONDATION SUISA dieses Jahr 33 1/3 Jahre alt geworden ist – ein Drittel Jahrhundert.

Wie Miles Davis und John Coltrane, die in der Folge in Stücken wie «Freddie Freeloader», «Blue in Green» und «All Blues» munter mit den zeitlichen Ebenen jonglierten, das Gestern mit dem Heute verbanden, um ein neues Morgen zu skizzieren – so improvisierte ich mich gedanklich durch die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Stiftung.

Der Plattenspieler – bei der Gründung der Stiftung noch einer der Hauptprotagonisten – verschwand in der Folge schnell. Via Compact Disc verflüssigte sich der physische Tonträger in Richtung virtueller Raum und mit dem Verlust des Haptischen wurde die Musikindustrie völlig aus den Angeln gehoben. Ein gigantischer Wandel vor allem für jene, die von der Musik leben. Aber auch für jene, die das aktuelle Musikschaffen unterstützen.

33 1/3 Jahren im Dienst der Kreativität der Musikschaffenden

Unter den flüchtigen, melancholischen Klängen von Miles’ Trompete dachte ich an die Tausenden von Gesuchen, die in diesen 33 1/3 Jahren geprüft wurden, die unzähligen Stunden an den ausländischen Messen, um die Schweizer Musik nach aussen zu tragen. Und vor allem an die vielen Menschen – ob im Stiftungsrat, in den Jurys oder auf der Geschäftsstelle, die seit der Gründung im Jahre 1989 ein schier unglaubliches Engagement an den Tag gelegt haben, um den «Karren» nicht nur am Laufen zu halten, sondern ihn auch immer wieder trotz einschneidenden Veränderungen auf Kurs zu halten.

Es mag auf Anhieb für die Leser/innen dieser flüchtig skizzierten Zeilen wie ein billiger Übergang klingen, wenn mir bei John Coltranes lyrischem Saxophon ein «Get Going!» entweicht. Aber «Kind of Blue» erinnert mit seinen magischen Momenten an die Demut, die Musik beim Hörer auslösen kann. Und daran, dass die Energie und Zeit, die wir in unsere Förderprogramme stecken, immer im Dienst der Kreativität der Musikschaffenden stehen.

Um die geht es. Und nur um sie.

Schaffensdrang der Schweizer Musikszene unterstützen

Mögen die wirtschaftlichen Strukturen zusammenbrechen, um neuen Gegebenheiten Platz zu machen; oder die formalen Bedingungen sich so verändern, dass sich Musikerinnen oder Musiker «neu erfinden» müssen – unsere Aufgabe ist es, uns laufend anzupassen, um mit dem Schaffensdrang Schritt halten zu können. Denn die Kreativität der Schweizer Musikszene ist ungebrochen. Die Anstossfinanzierung «Get Going!» ist eines unserer jüngsten Projekte, die jenseits aller Bedingungen, fernab von Genre-Definitionen und stilistischen Schubladen, den Musikschaffenden die Freiheit ermöglicht, sich nach Belieben zu entfalten.

Gute Musik wird es immer geben. Und gute Musik wird selbst uns überleben – siehe «Kind of Blue». Ja, und selbst die Schallplatte feiert wieder ein fulminantes Comeback. 33 1/3 Umdrehungen pro Minute sind als anachronistisches Statement zu Bits und Bytes gar nicht so übel. Gepaart mit guter Musik dienen sie – wie hier bewiesen – als Stimulanz für gedankliche Spielereien. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass im Jahre 1959, als «Kind of Blue» aufgenommen wurde, sowohl Miles Davis wie John Coltrane 33 Jahre alt waren?

In diesem Sinne … stay turnin’
Urs Schnell, Direktor FONDATION SUISA

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33 1/3 Umdrehungen und 33 1/3 Jahre später

Die Musikförderstiftung der SUISA ist dieses Jahr 33 1/3 Jahre alt geworden. (Foto: SUISA / Manu Leuenberger)

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Acht «Get Going!»-Beiträge vergeben

Die Empfänger/innen eines «Get Going!»-Beitrages 2022: Kety Fusco, Hasan Nakhleh, Louis Jucker, Cégiu, Simone Felber, Mario Batkovic, Projekt Ei Gen Klang, Kaleidoscope String Quartet. (Fotos: Marcocodrilo Photography, Jenan Shaker, Augustin Rebetez, Gian Marco Castelberg, Christian Felber, Rob Lewis, Verena, Ernst Kehrli, Daniel Scherrer, DR).

Bei der diesjährigen Ausschreibung für einen «Get Going!»-Beitrag wurden insgesamt 225 Dossiers aus allen Landesteilen und allen Genres eingereicht. Die Jury zeigte sich positiv überrascht über die unterschiedlichsten und kreativen Ideen, die in den eingegangenen Projekten skizziert wurden.

Dementsprechend schwer ist der Jury die Auswahl gefallen. Am Ende wurden acht Projekte ausgewählt, die die enorme Vielfalt und Lebendigkeit der aktuellen Schweizer Musikszene aufs Wunderbarste widerspiegeln.

Die Empfänger/innen eines «Get Going!»-Beitrages 2022 in der Höhe von CHF 25 000 sind:

Mehr Infos zu «Get Going!» und zu den einzelnen Empfänger/innen gibt es auf der Website der FONDATION SUISA.

Ab Mitte Dezember wird die FONDATION SUISA zudem im Monatsrhythmus den einzelnen Musikschaffenden jeweils ein detailliertes Porträt widmen.

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Neuerungen im Mitgliederportal: In direktem Austausch mit der SUISA via «Mein Konto»

Das personalisierte Mitgliederportal hilft unseren Mitgliedern mit diversen Online-Services, den Aufwand zu verringern und gleichzeitig den Überblick über Ihre SUISA-Angelegenheiten zu behalten. Seit neustem können unsere Mitglieder direkt mit uns via «Mein Konto» kommunizieren. Text von Claudia Kempf

Screenshot Kommunikationstool mit einer Korrespondenz zwischen Mitglied und SUISA

Seit Herbst 2022 können Mitglieder direkt über «Mein Konto» mit der SUISA kommunizieren. (Bild: SUISA)

Die SUISA baut die Online-Dienstleistungen auf dem Mitgliederportal «Mein Konto» kontinuierlich aus. Im Herbst 2022 sind folgende Änderungen online:

Die Einstiegsseite wurde neu strukturiert

Ihr Profil mit Ihren persönlichen Daten finden Sie neu oben rechts. Dort finden Sie auch die Benutzeradministration und können, falls Sie über mehrere Konten verfügen, dort das Profil wechseln.

Falls Ihre persönlichen Daten unvollständig sind, werden Sie auf der Einstiegsseite darauf aufmerksam gemacht. Wenn die SUISA beispielsweise über keine gültige Postanschrift mehr verfügt, finden Sie auf der Einstiegsseite eine Meldung hierzu und können die Angaben direkt vervollständigen.

Neu werden nützliche Artikel aus dem Bereich «Gut zu wissen» mit Themen, die für SUISA-Mitglieder relevant sind, prominent angezeigt.

Auf der Einstiegsseite werden alle Funktionen, die den Mitgliedern in «Mein Konto» zur Verfügung stehen, gebündelt angezeigt.

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Die Anmeldung für das Mitgliederportal «Mein Konto» leicht gemacht

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Neuerungen bei den Mitgliederdiensten der SUISANeuerungen bei den Mitgliederdiensten der SUISA Die SUISA baut seit Jahren ihr Online-Angebot insbesondere für Urheber/innen und Verleger/innen von Musik aus. Der Schlüsselbegriff ist Selfservices: Mitglieder sollen einfach und bequem alle Dienstleistungen der SUISA online abrufen können. Dies spart nicht nur Zeit für die Mitglieder: Die SUISA kann somit auch ihre Effizienz steigern und folglich mehr Geld an die Bezugsberechtigten verteilen. Im 2022 werden auch die Bedingungen für die Mitgliedschaft angepasst. Weiterlesen
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Seit Herbst 2022 können Mitglieder direkt über «Mein Konto» mit der SUISA kommunizieren. (Bild: SUISA)

Die SUISA baut die Online-Dienstleistungen auf dem Mitgliederportal «Mein Konto» kontinuierlich aus. Im Herbst 2022 sind folgende Änderungen online:

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Neuigkeiten aus den letzten Vorstandssitzungen

Am 16. Juni in Bern sowie am 4. und 5. Oktober 2022 in Lausanne tagten der Vorstand und seine vorberatenden Kommissionen für Tarife und Verteilung sowie für Organisation und Kommunikation. Bericht aus dem Vorstand von Noah Martin

Neuigkeiten aus den letzten Vorstandssitzungen

Die Generalversammlung 2024 soll probeweise an einem Dienstag durchgeführt werden. (Foto: Manu Leuenberger)

Rainer Bischof, einer der drei von der SUISA gestellten Mint-Verwaltungsräte, wird im Sommer 2023 aus dem Vorstand der SUISA austreten. Der Vorstand hat deshalb aus seinen Reihen einen Nachfolger für den Verwaltungsrat von Mint bestimmt. Die Joint-Venture-Partner SESAC und SUISA stellen jeweils drei Verwaltungsratssitze in der Mint Digital Services AG und haben zusätzlich die Möglichkeit, weitere Personen als Beobachter/innen zu ernennen.

Mint-Verwaltungsrat

Im Juni beschloss der Vorstand, die bevorstehende Vakanz mit dem bislang als ständigen Beobachter eingesetzten Christian Wicky zu besetzen – und neu Sylvie Reinhard als Beobachterin zu wählen. Seit 23. September 2022 setzt sich der Mint Verwaltungsrat nun folgendermassen zusammen:

John Josephson (CEO der SESAC)
Christos Badavas (General counsel der SESAC)
Alexander Wolf (President international der SESAC)

Christian Wicky (Vorstandsmitglied und Präsident Kommission O+K der SUISA)
Andreas Wegelin (CEO der SUISA)
Jürg Ziebold (CIO der SUISA)
Sylvie Reinhard (ständige Beobachterin)

Verteilungsreglement

Nachdem die Verteilungs- und Werkkommission bereits an ihrer Sitzung vom 4. Mai 2022 über eine Revision des Verteilungsreglements beraten und beschlossen hatte, diese dem SUISA-Vorstand zu beantragen, lag ebendieser Antrag im Juni dem Vorstand vor. Mit Beschluss vom 16. Juni hiess letzterer – jeweils einstimmig – die drei folgenden Änderungsvorschläge gut:

  • die Streichung des Gemeinsamen Tarifs 6b,
  • die Widerspiegelung tariflicher Neuerungen im Verteilungsreglement in Bezug auf die Verteilung der Tarifeinnahmen aus den Leerträgervergütungen
  • sowie die Anpassung der Definition der Begriffe «Verleger» und «Subverleger».

Mit Beschlüssen vom 13. Oktober 2022 hat das IGE diese Änderungen genehmigt (die Änderungen des Verlegerbegriffs und der Zuweisung aus den Leerträgervergütungen treten mit Genehmigung, die Streichung des GT 6b per 1. Januar 2023 in Kraft).

Kostenträgerrechnung

Wie jedes Jahr in der Herbstsitzung beschäftigte sich der Vorstand mit dem Ergebnis der Kostenträgerrechnung des vergangenen Jahres. Die Kostenträgerrechnung enthält Informationen über die Höhe der Inkasso- und Verteilkosten pro Tarif. So handelt es sich beispielsweise bei den Tarifen K, H und S um sehr kostenintensive Tarife, hinsichtlich ihrer Optimierung besteht folglich Handlungsbedarf. Erfreulicherweise zeigt das Ergebnis aber auch, dass die Kosten im Online-Bereich sinken. Insgesamt lässt sich eine stete Reduktion der Kosten im Kernprozess beobachten. Damit zeigen die Bemühungen um Automatisierung und Verschlankung der Prozesse Wirkung.

Unternehmensstrategie

Jeweils im Herbst vor dem Erstellen des Budgets befasst sich der Vorstand mit der Strategie der SUISA. Die im Jahr 2019 grundlegend neu erarbeitete Strategie wurde in diesem Rahmen vor dem Hintergrund der aktuellen Gegebenheiten diskutiert.

Es zeigt sich, dass trotz Pandemie die 2019 erarbeiteten strategischen Leitplanken weiterhin gültig sind. Nebst verschiedenen kleineren inhaltlichen sowie redaktionellen Anpassungen wurde dem Nachhaltigkeitsgedanke neues Gewicht verliehen. Vom Vorstand wurde die ihm von der Geschäftsleitung unterbreitete Unternehmensstrategie unter Auflage gewisser noch vorzunehmenden Anpassungen einstimmig genehmigt.

Cooperative Governance

Der Rechtsdienst der SUISA untersuchte vor einiger Zeit die Cooperative Governance der SUISA und schlug daraufhin gewisse Massnahmen vor. Ein Teil dieser Massnahmen bestand in der an der Generalversammlung 2022 beschlossenen, per 1. Januar 2023 in Kraft tretenden Statutenänderungen. Ein weiterer Teil stellten übrige Massnahmen dar – mit ihnen beschäftigte sich der Vorstand an seiner Herbstsitzung in Lausanne.

Zu den übrigen Massnahmen gehören etwa die Bestimmung und Weiterentwicklung der Strategie, die Informationsrechte und -pflichten von Vorstand und Geschäftsleitung, die Anforderungsprofile für die Mitglieder von Vorstand, Geschäftsleitung und Revisionsstelle, die Unabhängigkeit der Vorstandsmitglieder, den Code of Conduct und das Whistleblowing-System, die Transparenz der genossenschaftsinternen Vorgänge, die Einbindung der Mitglieder in den Meinungsbildungs- und Beschlussfassungsprozess, die elektronische Generalversammlung, die Selbstevaluation und Weiterbildung des Vorstandes, das Vorschlagsrecht der Mitglieder für Vorstandswahlen, die Kontrollrechte der Mitglieder sowie das Risikomanagement und das interne Kontrollsystem.

Der Vorstand nahm den ihm von der Geschäftsleitung vorgelegten Cooperative Governance-Bericht insgesamt zur Kenntnis und beschloss, einzelne Massnahmen daraus umzusetzen.

Vorstandswahlen 2023 – Bericht aus dem Nominationsausschuss

Infolge der Rücktrittsankündigung des Präsidenten der Vorstandskommission für Finanzen und Kontrolle, Rainer Bischof, aus dem Vorstand wurde über seine Nachfolge im Präsidium dieser Kommission beraten. Der Vorstand beschloss, Philipp Schnyder per 1. Januar 2023 als neuen Präsidenten der Kommission für Finanzen und Kontrolle zu wählen und damit eine reibungslose Übergabe der Leitung dieser wichtigen Kommission zu gewährleisten.

Zeit und Ort der Generalversammlung

An der Generalversammlung 2022 nahmen nur 116 stimmberechtigte Mitglieder teil. Dass dies ausschliesslich mit fehlendem Interesse zu tun hat, ist zweifelhaft, insbesondere mit Blick auf die Anzahl gültiger Stimmzettel an den beiden schriftlich durchgeführten Generalversammlungen in den Jahren 2020 und 2021: Im Jahr 2020 wurden 1576 und im Folgejahr 1486 gültige Stimmzettel registriert. Je höher die Zahl der an der Generalversammlung teilnehmenden Mitglieder ist, umso eher ist dem Vorstand und der Geschäftsleitung Orientierung geboten in der Frage danach, ob ihr Handeln sich mit dem Interesse der Genossenschafter/innen deckt.

Dies gab im Herbst Anlass, Zeit und Ort der Generalversammlung zu überdenken. Der Vorstand sprach sich in diesem Rahmen für die probeweise Durchführung der GV 2024 an einem Dienstag aus. Darüber hinaus beschloss er, die Generalversammlung 2025 voraussichtlich in Lugano durchzuführen, sofern bis dahin die Möglichkeit für Mitglieder besteht, online an der Versammlung teilzunehmen.

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Neue Verlegerdefinition im Verteilungsreglement – was bedeutet das?

Die Verbreitung von Musik hat sich von gedruckten Noten zu digitaler Distribution verschoben. (Foto: Andrew Berezovsky / Shutterstock.com)

Die Rolle eines Verlags besteht vor allem darin, sich im Interesse der Urheberinnen und Urheber dafür einzusetzen, dass deren Werke in der Öffentlichkeit bekannt werden. Für die Rechtewahrnehmung durch die SUISA ist es unerheblich, ob diese Bekanntheit durch die Herstellung und die Verbreitung physischer Werkexemplare, durch Radio- und Fernsehsendungen, durch Konzerte oder durch die immaterielle Verbreitung über digitale Plattformen erreicht wird.

Dass die Herausgabe eines Werkes tatsächlich nicht mehr in jedem Fall als Hauptpflicht eines Verlags gesehen wird, hat auch der Schweizer Musikverlegerverband SVMV bestätigt. Dieser wurde von seinen Mitgliedern zunehmend um einen Mustervertrag gebeten, in dem anstelle der Herausgabe des Werks die generelle Bemühung des Verlags um die Verwendung des Werks auf verschiedenste Arten im Vordergrund steht.

Zwar können auch digitale Exemplare als Werkexemplar gelten, um den Verlagen jedoch die Freiheit zu geben, ihre Verträge mit Urheberinnen und Urhebern nach den Bedürfnissen der Vertragsparteien zu gestalten, verzichtet das geänderte SUISA-Verteilungsreglement sowohl in der Definition des Begriffs «Verleger bzw. Verlegerin» (Ziffer 1.1.3.4) als auch in der Definition des Begriffs «Subverleger bzw. Subverlegerin» (Ziffer 1.1.3.6) auf eine Anknüpfung an das «Werkexemplar» und ist somit technologieneutral formuliert.

Änderung im Verteilungsreglement

Die neuen Definitionen lauten wie folgt:

Ziffer 1.1.3.4 Verleger
1 Der Verleger ist jene natürliche oder juristische Person, die
– aufgrund von Verträgen mit Urhebern von der SUISA wahrgenommene Urheberrechte an einem Werk oder einem ganzen Werkkatalog erworben hat,
– Rechte allein oder gemeinsam mit den Urhebern zur Wahrnehmung bei der SUISA einbringt und
– in Erfüllung der vertraglichen Pflichten eine verlegerische Tätigkeit ausübt.

2 Eine verlegerische Tätigkeit liegt vor, wenn der Verleger eigene Mittel einsetzt, um Nutzungen musikalischer Werke aus seinem Verlagskatalog zu fördern, für die die Rechte von der SUISA wahrgenommen werden.

1.1.3.6 Subverleger
1 Der Subverleger ist jene natürliche oder juristische Person, die
– aufgrund eines Vertrags mit einem Verleger im Ausland von der SUISA wahrgenommene Urheberrechte an einem Werk oder einem ganzen Werkkatalog erworben hat,
– Rechte zur Wahrnehmung bei der SUISA einbringt und
– in Erfüllung der vertraglichen Pflichten diese Rechte in der Schweiz und in Liechtenstein auswertet.

Allerdings entsprechen die neuen Definitionen nun nicht mehr der Verlegerdefinition im Obligationenrecht (OR), in der nach wie vor auf die Vervielfältigung und Verbreitung des Werks als charakteristische Leistung des Verlags abgestellt wird (Art. 380 ff OR).

Auch wenn es für die Verteilung kein Hindernis mehr darstellt, müssen sich Verlegerinnen und Verleger, die auf die Herstellung und Verbreitung von Werkexemplaren verzichten, bewusst machen, dass ein Gericht im Streitfall den entsprechenden Vertrag nicht als Verlagsvertrag gemäss OR, sondern als einen Auftrag qualifizieren könnte, der im Gegensatz zu einem Verlagsvertrag jederzeit kündbar ist (Art. 404 Abs. 1 OR). Dies könnte die Geschäftsentwicklung des Verlags weniger vorhersehbar machen.

Dennoch wurde sowohl von der Verteilungs- und Werkkommission als auch vom Vorstand der SUISA diese Anpassung an die aktuellen Realitäten in der Musikwelt begrüsst, die dann auch von der Aufsichtsbehörde genehmigt wurde.

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Neue Verlegerdefinition im Verteilungsreglement – was bedeutet das?

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«Man kennt das Lied irgendwie, aber es kommt in einem ganz anderen Kleid daher» | mit Video

Alfred Schweizer erzählt, wie er an seiner Komposition für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» gearbeitet hat. Er habe sowohl bei Beethovens Variationen wie auch beim Grenchnerlied charakteristischen Elemente analysiert, aneinandergefügt und weitergesponnen. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Alfred Schweizer: «Man kennt das Lied irgendwie, aber es kommt in einem ganz anderen Kleid daher»

Alfred Schweizer im Gespräch über seine Komposition «Beethoven und ein Schweizer Lied» im März 2020. (Foto: Manu Leuenberger)

«Ich hatte sofort eine Idee», erklärt Alfred Schweizer auf die Frage, wie er nach der Anfrage für die «Schweizer Beethoven-Reflexionen» zu einem kompositorischen Ansatz kam. «Zu den ersten Werken von Beethoven gehörten Klaviertrios für Klavier, Klarinette und Cello.» Und als Kaspar Zehnder, der Initiant des Projekts und Flötist, gefragt habe, ob er noch eine Flöte dazu wolle, habe er geantwortet: «Ja, noch so gern!»

Für den Komponisten aus Twann war auch bald klar, dass er mit seinem Stück an die Beethoven-Variationen anknüpfen will. Er habe sich dieses Werk angehört und eine klassische Form der Melodie festgestellt, die er nun jedoch in C-Dur und nicht in F-Dur verwende. «Es ist eine kleine dreiteilige Liedform, die sehr typisch ist für Beethoven, auch für Mozart, für die damalige Zeit.» Dann hat er auch noch die Volkslieder-Sammlung «Im Röseligarte» von Otto von Greyerz konsultiert, in der das originale Lied jedoch «Das alte Grenchnerlied» heisst. «Dieses tönt leicht anders, nicht nur rhythmisch: Vermutlich ist dies die ursprüngliche Melodie, denn sie hat nicht die klare, kalibrierte klassische Form, sondern eher eine fortspinnende, erzählende Form.»

Dazu passend hat sich Alfred Schweizer auch vom Liedtext inspirieren lassen, in dem Dursli um die Hand von Babeli anhält, von deren Eltern aber abgewiesen wird. «Mir hat am Schluss gefallen, dass Dursli seinem Babeli vom Kriegsdienst in Flandern schreiben will: ‹U wenn der Himmel papierig wär, u jede Stern e Schriber wär, u jeder Schriber hätt siebe, siebe Händ, sie schribe doch miner Liebi kes End›.» Angesichts dieses schönen Schlusses habe er sich dazu entschlossen, sich in seiner Komposition zuerst auf Beethovens Variationen und dann auf die originale Liedversion zu beziehen: «zu Beginn recht rasant, danach eher lyrisch und schliesslich stimmungsvoll ausklingen lassen, im Sinne von ‹Der Liebe kein End›».

Nach eigener Aussage konnte Alfred Schweizer nicht anders, als auch noch Beethoven im allgemeineren Sinn in seine Komposition einzubringen, wenn auch nur in ganz kurzen Ausschnitten. «Für mich ist Beethoven einfach der c-Moll-Akkord! Aber auch strahlendes Es-Dur.» Entscheidend ist die Art der Integration solcher Bezüge. «Man soll es (beim Hören) merken, aber immer erst, wenn es schon vorbei ist.» Dies gilt auch für die anderen Bezüge. «Ich schaue sowohl bei Beethovens Variationen wie auch beim Grenchnerlied, was die charakteristischen Elemente sind. Dann füge ich diese aneinander und spinne sie weiter. Ich schaue zudem, ob ich diese melodischen Elemente harmonisch verwenden kann.»

Alfred Schweizer hat bis zu diesem Zeitpunkt vor allem auf melodischer Ebene gearbeitet. Derart, dass er plötzlich gemerkt habe, dass er wieder ins kontrapunktische Schaffen geraten sei. Das töne fast schon wie in einer Fuge, fügt er lachend an. «Ich setze auch das Klavier sehr häufig melodisch ein, damit diese Melodien ineinandergreifen. Und wenn ich wieder mal einen harmonischen Schwerpunkt oder Akzent setzen will, dann gibt es einen Akkord.» Beim Piano sei die Gefahr aber gross, dass daraus eine Oom-Pah-Pah-Begleitung entstehe.

Zur Zeit des Gesprächs Anfang März 2020 hat Alfred Schweizer etwa zwei Drittel seines voraussichtlich sechs- bis siebenminütigen Stückes komponiert. Er komme nun zur Stelle, von der an er es ruhig ausklingen lassen möchte. «Ich muss nun aufpassen, dass es nicht zu leiern beginnt. Aber ich bin mir solcher Gefahren bewusst. Und ich arbeite hart daran, dass es eine Klangatmosphäre gibt, bei der man sagt ‹man kennt das Lied irgendwie, aber es kommt doch in einem ganz anderen Kleid daher›. Das ist eigentlich mein Ziel.»

Alfred Schweizer geht beim Komponieren chronologisch vor. Dies bedeute aber nicht, dass er etwa eine zunehmende Verschiebung zum Legato hin vorgesehen habe. «Was die Artikulationsgestaltung betrifft, da sage ich in vielen meiner Stücke nichts dazu. Johann Sebastian Bach komponierte grossartige Musik, schrieb aber nicht, man müsse hier binden, da leise, dort laut spielen!» Alfred Schweizer ist davon überzeugt, dass die interpretierenden Musiker «gescheit genug sind» zu wissen, wie sie etwas spielen müssen.

In der Umsetzung könnten die Musiker das hineinbringen, was ihre Qualitäten ausmacht. Dies setzt laut Alfred Schweizer jedoch voraus, dass die Musiker das Werk einige Mal proben und so ins Stück hineinwachsen können, wie dies beim Projekt der «Schweizer Beethoven-Reflexionen» der Fall ist. Trotzdem bleibe eine gewisse Spannung, wie es dann bei der Uraufführung tönt. Das hat auch damit zu tun, dass er beim Komponieren einige Instrumente von einem Synthesizer ertönen lässt, um das Zusammenspiel der Klangfarben zu überprüfen. Er arbeite eben stark mit den Klangfarben der Instrumente und wolle, dass sie sich in ihrer optimalen Klangwirkung zeigen könnten. Umso mehr freue er sich darauf, das Stück dann von Menschen und mit richtigen Instrumenten gespielt zu hören.

Alfred Schweizer wurde 1941 in Sevelen SG geboren. Er studierte Musik- und Sprachwissenschaft an der Universität Bern und liess sich am Konservatorium Bern sowie an der Musikakademie Basel ausbilden. Er wirkte in mehreren Improvisationsgruppen und am Schweizerischen Zentrum für Computermusik. Von 1970-2003 war er Dozent für Musiktheorie und Komposition am Konservatorium und an der Hochschule für Musik und Theater in Biel. www.classic2000.ch
Schweizer Beethoven-Reflexionen: Ein Projekt von Murten Classics und der SUISA zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven hatte nur wenig mit der Schweiz zu tun. Aber er hat «Sechs Variationen über ein Schweizerlied» geschrieben, bei dem es sich um das Volkslied «Es hätt e Bur es Töchterli» handelt. Dies ist der Ausgangspunkt für Kompositionsaufträge, die die Sommerfestspiele Murten Classics zusammen mit der SUISA an acht Schweizer Komponistinnen und Komponisten verschiedener Generationen, Ästhetik und Herkunft vergeben haben.

Oscar Bianchi, Xavier Dayer, Fortunat Frölich, Aglaja Graf, Christian Henking, Alfred Schweizer, Marina Sobyanina und Katharina Weber konnten sich auf die Variationen, auf das von Beethoven verwendete Volkslied selbst oder auf Beethoven im Allgemeinen beziehen. Die Kompositionen wurden für das Ensemble Paul Klee geschrieben, das folgende Maximalbesetzung erlaubt: Flöte (auch Piccolo, G- oder Bassflöte), Klarinette (in B oder A), Violine, Viola, Cello, Kontrabass und Klavier.

Initiant dieses 2019 begonnenen Projekts war Kaspar Zehnder, der während 22 Jahren künstlerischer Leiter von Murten Classics gewesen war. Wegen der Corona-Krise und den von den Behörden verordneten Massnahmen war die Durchführung sowohl der 32. Ausgabe im August 2020 als auch des vorgesehenen Ersatzfestivals in den anschliessenden Wintermonaten nicht möglich. Der «SUISA-Tag» mit den acht Kompositionen dieses Projekts wurde – ohne Publikum – am 28. Januar 2021 im KiB Murten dennoch aufgeführt und aufgezeichnet. Die Aufnahmen waren bei Radio SRF 2 Kultur in der Sendung «Neue Musik im Konzert» zu hören und sind auf der Plattform Neo.mx3 erschienen. Im SUISAblog und auf den Social Media-Kanälen der SUISA ist das Projekt mit multimedialen Beiträge online dokumentiert.

www.murtenclassics.ch

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Alfred Schweizer erzählt, wie er an seiner Komposition für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» gearbeitet hat. Er habe sowohl bei Beethovens Variationen wie auch beim Grenchnerlied charakteristischen Elemente analysiert, aneinandergefügt und weitergesponnen. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Alfred Schweizer: «Man kennt das Lied irgendwie, aber es kommt in einem ganz anderen Kleid daher»

Alfred Schweizer im Gespräch über seine Komposition «Beethoven und ein Schweizer Lied» im März 2020. (Foto: Manu Leuenberger)

«Ich hatte sofort eine Idee», erklärt Alfred Schweizer auf die Frage, wie er nach der Anfrage für die «Schweizer Beethoven-Reflexionen» zu einem kompositorischen Ansatz kam. «Zu den ersten Werken von Beethoven gehörten Klaviertrios für Klavier, Klarinette und Cello.» Und als Kaspar Zehnder, der Initiant des Projekts und Flötist, gefragt habe, ob er noch eine Flöte dazu wolle, habe er geantwortet: «Ja, noch so gern!»

Für den Komponisten aus Twann war auch bald klar, dass er mit…Weiterlesen

«Der Funke ist eigentlich das Interessante an der grossen Explosion» | mit Video

Fortunat Frölich hat für das Kompositionsprojekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» mit Gegensätzen gearbeitet. Er bezieht sich auch auf den Inhalt des originalen Volksliedes «Es hätt en Bur es Töchterli». Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Fortunat Frölich: «Der Funke ist eigentlich das Interessante an der grossen Explosion»

Fortunat Frölich erläutert im Mai 2020 seine Komposition «Lövschtori». (Foto: Manu Leuenberger)

Fortunat Frölich wohnt und arbeitet im Haus der Grosseltern in Zürich, wo die klassische Musik stets eine grosse Rolle spielte. «Trotzdem würde ich sagen, dass ich nicht speziell gefördert worden bin», erklärt der in Chur geborene und aufgewachsene Komponist zur Frage der Berufswahl. «Letztlich war es meine Entscheidung.» Schon als Bub sei er von einer Aufführung der «Matthäus-Passion» in der Martinskirche in Chur so ergriffen gewesen, dass dies vermutlich den Weg für seine Laufbahn gelegt habe. «Aber einen Weg mit langen Umwegen, Krisen auch, als ich nicht mit klassischer Musik weitermachen wollte.» So wechselte er zur Popmusik, integrierte dann aber wieder das als Kind gelernte Cello, weil er «etwas Anderes» machen wollte. Seit er als 17-Jähriger begann, die Welt zu bereisen, beeinflussen ihn auch andere Musikkulturen.

«Aus all dem hat sich ein Komponieren ergeben, das sich nie wirklich einer Richtung verschrieben hat.» Dies sei damals noch ein Problem gewesen, weil man zwischen Stuhl und Bank gefallen sei, was sowohl das Publikum als auch die Unterstützung betroffen habe. «Ich habe es aber unehrlich gefunden, einen einheitlichen Stil zu pflegen und mir gleichzeitig Pink Floyd, Bach und romantische Kompositionen anzuhören, Jazz zu machen und freie Improvisation zu lieben, Pop natürlich auch. Das musste für mich irgendwie alles aufgefangen werden, wenn ich kreativ wurde.»

Fortunat Frölich hat schon vor dem Auftrag für die «Schweizer Beethoven-Reflexionen» drei Werke komponiert, die sich auf Beethoven beziehen. Er betrachte sich aber weder als Beethoven-Spezialisten noch als Musikwissenschaftler. Trotzdem finde er, dass Beethoven zwar grandiose Werke komponiert habe, diese Variationen über ein Schweizerlied aber eher «eine Fingerübung» seien. «Ich verstehe nicht, wieso er dieses Volkslied abänderte, sich daraus aber beispielsweise keine andere Harmonie ergeben hat.» Variationen könne man durchaus als Übung der Kreativität betrachten: Wie viel Fantasie habe ich, dasselbe auf zehn verschiedene Arten zu sagen? «Das war für mich aber ein etwas langweiliger, allzu klassischer Ansatz.»

Da spiele etwas Biederes mit, fährt Fortunat Frölich nachdenklich fort. «Und da ist dieses Volksliedlein und das Geschichtlein, das ja auch voll banal ist: Mäitli und Bueb, die sich nicht kriegen, und er zieht in den Krieg und so.» Er habe lange nicht verstanden, was an der Biederkeit interessant sein soll. Die Epoche des Biedermeiers verstehe man erst richtig, wenn man verstehe, «dass der Funke eigentlich das Interessante an der grossen Explosion ist. «Im Grunde trägt alles dieses Paradox in sich – gleichzeitig belanglos und grossartig zu sein. Die Kunst befasst sich mit der Tiefe der Dinge, mit ihrer Bedeutsamkeit.» Die Aufmerksamkeit, die Beethoven der kleinen Melodie aus der Schweiz schenke, sei doch beachtlich und gehe in diese Richtung der Vertiefung eines unbedeutend scheinenden Details. Frölich findet es toll, dass Beethoven «sich doch bestimmt einen ganzen Morgen lang mit diesem Liedlein befasst und daraus etwas macht.» Man merke, dass er das Lied ernst nehme, denn es sei sorgfältig ausgearbeitet. «Und auch andere nehmen es ernst, es wird gespielt und weitergetragen – das ist ganz grossartig.»

Auch diese kleine Liebesgeschichte sei grandios, obwohl es unzählige dieser Art gebe. «Denn wenn es wirklich geschieht, dann ist das, was passiert: grenzenlos.» Das ergebe einen grossen Kontrast zum einfachen Lied, weshalb er dessen einfache Melodie in seine Komposition integriert habe. «Und ich wollte auch die ganze Brisanz, die eben doch in diesem einfachen Lied drin ist, zum Klingen bringen.» Welche Brisanz? Fortunat Frölich antwortet mit gravitätischer Betonung: «Ein Mädchen mit schönen Zöpfen. – Er hat sich verliebt. – Der Vater sagt: Sie ist noch zu jung. – Die Vernunft, die einfährt und alles zunichte macht.»

Zum musikalischen Ansatz meint Fortunat Frölich, er habe es reizvoll gefunden, die sehr gefasste und intellektualisierte Vorgehensweise von Beethoven aufzubrechen, in Beziehung zum Emotionsgehalt zu setzen. Denn es sei doch typisch, dass Beethoven in seinen Variationen die Geschichte nicht erzähle. «Er verwendet einfach die Melodie, aber der Inhalt ist ihm egal. Deshalb erzähle ich die Geschichte, und zwar so ernst, dass die Musiker nicht nur als Instrumentalisten, sondern auch als Performer gefordert sind. Sie müssen quasi mit einem Rap anfangen: Es-hät-en-Pur-es-Töch-ter-li… Den Rest der Geschichte erzähle ich dann mit der Musik – Dursli und Bäbeli verlieben sich ineinander, Dursli hält um Bäbelis Hand an, ‹nein!› sagt der Vater, die Jungen sind verzweifelt, die Kriegstrommeln, die schon die ganze Zeit latent im Hintergrund vorhanden sind, werden lauter, verschlucken schliesslich alles. Dann – als Abspann – die verklärte Nostalgie, mit der ganzen Verzweiflung, dass Liebe immer so weh tut.»

Besonders fasziniert hat Fortunat Frölich die Metrik des Volksliedes: «Auf zwei 3er-Takte folgt ein 4er, zum Abschluss wieder ein 3er». Diese für ein Volkslied doch recht ungewohnte Form werde erst ersichtlich, «wenn man die durchgängig im 2/4-Takt notierte Melodie in ihre Phrasen aufteilt: tagetege ta-te ta , tagetege ta-te ta , tagetege tagetege tagetege ta-te ta. Deshalb war mir klar, dass das Stück zu Beginn am Klavier in diesen Rhythmus hineinkommen muss, denn das ist bereits das Kriegsmotiv, auch das Motiv des Weggehens.» Dann komme die Passage des Verliebens mit einer delikaten Stelle der künstlerischen Umsetzung: «ein ziemlich deftiges Duett von Flöte und Cello». Er fordere die Musiker mit seinem Stück heraus, das leicht szenisch, fast schon eine Oper sei. «Es reizt mich, am Stil des klassischen Konzertes zu kratzen.»

Ein Ausschnitt seiner in Indien geschriebenen Komposition deutet an, dass Fortunat Frölich wiederum mit einer gewissen Widersprüchlichkeit arbeitet. «Es geht ins Chaos, klingt aber auch süss und brav», bestätigt er. «Ich arbeite mit Polaritäten, um Spannung zu erzeugen. Mich interessieren die Kontraste und die Übergänge dazwischen. Die Übergänge sind vielleicht das Interessanteste an meiner Musik. In diesem Bereich, wo ich selber nicht weiss, wie ich von A nach B komme, weil die Positionen so weit von einander entfernt sind, weil A vielleicht die Vernunft des Vaters ist und B die Verzweiflung und Wut der Jungen – in dieser Polarität errege ich mich und werde kreativ.» Er langweile sich schnell, wenn er eine musikalische Entwicklung voraussagen könne. Entsprechend wollte er sich auch stilistisch nicht festlegen. «Den Anspruch, in einem bestimmten Stil zu schreiben, habe ich immer abwegig gefunden. Ich liebe stilistische Verkrallungen.»

Wie in einigen seiner neueren Werke setzt Fortunat Frölich auch hier rhythmisierte Stimmgeräusche der Musiker ein. «Ich mache das, um die Musiker noch persönlicher mit dem Inhalt meiner Kompositionen zu verbinden und damit die Musiker das Publikum noch direkter ansprechen» Er verstehe dies auch ein wenig als Provokation, um das «Klassische» aufzubrechen, «wo alles so geordnet ist und der Inhalt manchmal in der Form untergeht». Er wünscht sich denn auch, dass die Musiker auf der Bühne vor allem dies ausstrahlen: «Wir haben Spass daran – und ihr hoffentlich auch». Nachdenklich fügt er hinzu: «Das ist alles. Und das ist viel».

Fortunat Frölich wurde 1954 in Chur geboren. Er studierte in Zürich, Neapel und Leipzig Gesang, Violoncello und Orchesterleitung. Er hat mehrere interkulturelle Projekte realisiert und mit Linard Bardill auch Werke für ein junges Publikum geschaffen. Für die offiziellen Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen des Bundestaates erhielt Frölich einen Kompositionsauftrag vom Bundesamt für Kultur. Er hat auch Werke mit den Schriftstellern Urs Widmer («Föhn») und Beat Brechbühl («missaverde») geschaffen. www.fortunatfroelich.com
Schweizer Beethoven-Reflexionen: Ein Projekt von Murten Classics und der SUISA zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven hatte nur wenig mit der Schweiz zu tun. Aber er hat «Sechs Variationen über ein Schweizerlied» geschrieben, bei dem es sich um das Volkslied «Es hätt e Bur es Töchterli» handelt. Dies ist der Ausgangspunkt für Kompositionsaufträge, die die Sommerfestspiele Murten Classics zusammen mit der SUISA an acht Schweizer Komponistinnen und Komponisten verschiedener Generationen, Ästhetik und Herkunft vergeben haben.

Oscar Bianchi, Xavier Dayer, Fortunat Frölich, Aglaja Graf, Christian Henking, Alfred Schweizer, Marina Sobyanina und Katharina Weber konnten sich auf die Variationen, auf das von Beethoven verwendete Volkslied selbst oder auf Beethoven im Allgemeinen beziehen. Die Kompositionen wurden für das Ensemble Paul Klee geschrieben, das folgende Maximalbesetzung erlaubt: Flöte (auch Piccolo, G- oder Bassflöte), Klarinette (in B oder A), Violine, Viola, Cello, Kontrabass und Klavier.

Initiant dieses 2019 begonnenen Projekts war Kaspar Zehnder, der während 22 Jahren künstlerischer Leiter von Murten Classics gewesen war. Wegen der Corona-Krise und den von den Behörden verordneten Massnahmen war die Durchführung sowohl der 32. Ausgabe im August 2020 als auch des vorgesehenen Ersatzfestivals in den anschliessenden Wintermonaten nicht möglich. Der «SUISA-Tag» mit den acht Kompositionen dieses Projekts wurde – ohne Publikum – am 28. Januar 2021 im KiB Murten dennoch aufgeführt und aufgezeichnet. Die Aufnahmen waren bei Radio SRF 2 Kultur in der Sendung «Neue Musik im Konzert» zu hören und sind auf der Plattform Neo.mx3 erschienen. Im SUISAblog und auf den Social Media-Kanälen der SUISA ist das Projekt mit multimedialen Beiträge online dokumentiert.

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Fortunat Frölich hat für das Kompositionsprojekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» mit Gegensätzen gearbeitet. Er bezieht sich auch auf den Inhalt des originalen Volksliedes «Es hätt en Bur es Töchterli». Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Fortunat Frölich: «Der Funke ist eigentlich das Interessante an der grossen Explosion»

Fortunat Frölich erläutert im Mai 2020 seine Komposition «Lövschtori». (Foto: Manu Leuenberger)

Fortunat Frölich wohnt und arbeitet im Haus der Grosseltern in Zürich, wo die klassische Musik stets eine grosse Rolle spielte. «Trotzdem würde ich sagen, dass ich nicht speziell gefördert worden bin», erklärt der in Chur geborene und aufgewachsene Komponist zur Frage der Berufswahl. «Letztlich war es meine Entscheidung.» Schon als Bub sei er von einer Aufführung der «Matthäus-Passion» in der Martinskirche in Chur so ergriffen gewesen, dass dies vermutlich den Weg für seine Laufbahn gelegt habe. «Aber einen Weg mit langen Umwegen, Krisen auch, als…Weiterlesen

SUISA-Workshop am «Soundtrack Zurich»

Fragen zur Vergütung für Online-Nutzungen von Musik in Filmen, Serien oder Werbung? Besuchen Sie den SUISA-Workshop am «Soundtrack Zurich» im Rahmen des Zürich Film Festivals. Text von Erika Weibel

SUISA-Workshop am «Soundtrack Zurich»

Workshop an der zweiten Ausgabe von «Soundtrack Zurich», der Fachveranstaltung zu Film- und Medienmusik, im Jahr 2021. (Foto: STZ / ZFF)

Bereits zum dritten Mal findet während des Zürich Film Festivals «Soundtrack Zurich» statt, eine mehrtägige Fachveranstaltung zu Film- und Medienmusik. Die Veranstaltung besteht aus Workshops, Panels und Case Studies zu aktuellen Themen der heutigen Film- und Medienmusikszene und will mit Networking Sessions die Vernetzung mit Business-Partnern/innen ebenso wie mit den internationalen Gästen des Zürich Film Festivals ermöglichen.

In Zusammenarbeit mit der SUISA bietet «Soundtrack Zurich» den Musikschaffenden auch eine Plattform an, um ihre Fragen zu Einnahmen im audiovisionellen Bereich zu klären. Kernthema des diesjährigen SUISA-Workshops ist die Vergütung für Online-Nutzungen von Musik in Filmen, Serien und Werbung.

SUISA-Workshop am Zürich Film Festival
Mittwoch, 28.9.2022, Festival Center (Sechseläutenplatz)
12:00 – 13:00 Uhr SUISA Digital Challenge: Vergütung für Online-Nutzungen von Filmen, Serien, Werbung
Hands-on Workshop in deutscher Sprache mit Irène Philipp (COO SUISA) und Michael Wohlgemuth (Legal Counsel/Licensing Manager SUISA)
Moderation: Martin Skalsky
Ein Video mit der Aufzeichnung von der Veranstaltung werden wir anfangs Oktober hier verlinken.

Die Schweizer Filmmusik-Konferenz «Soundtrack Zurich» wird kuratiert von Michael P. Aust («Soundtrack Cologne») und organisiert von FFM (Forum Filmmusik) in Zusammenarbeit mit der ZHdK (Zurich University of Arts) und «Soundtrack Cologne».

Das detaillierte Programm und Akkreditierungen für die Konferenz unter:
www.soundtrackzurich.com

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Ich möchte für meine Produkte werben: Welche Schritte muss ich bei der SUISA unternehmen?Ich möchte für meine Produkte werben: Welche Schritte muss ich bei der SUISA unternehmen? Bei der Produktion von Werbung sind verschiedene Bereiche betroffen. Wenn es sich um eine audiovisuelle Produktion handelt, die in der Schweiz hergestellt und/oder zugänglich gemacht wird, müssen Sie zwingend mit der SUISA Kontakt aufnehmen. Sie wird Ihnen eine Bewilligung für die Verbreitung Ihrer Werbung erteilen. Dabei können mehrere Fragen auftauchen. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Antworten. Weiterlesen
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Fragen zur Vergütung für Online-Nutzungen von Musik in Filmen, Serien oder Werbung? Besuchen Sie den SUISA-Workshop am «Soundtrack Zurich» im Rahmen des Zürich Film Festivals. Text von Erika Weibel

SUISA-Workshop am «Soundtrack Zurich»

Workshop an der zweiten Ausgabe von «Soundtrack Zurich», der Fachveranstaltung zu Film- und Medienmusik, im Jahr 2021. (Foto: STZ / ZFF)

Bereits zum dritten Mal findet während des Zürich Film Festivals «Soundtrack Zurich» statt, eine mehrtägige Fachveranstaltung zu Film- und Medienmusik. Die Veranstaltung besteht aus Workshops, Panels und Case Studies zu aktuellen Themen der heutigen Film- und Medienmusikszene und will mit Networking Sessions die Vernetzung mit Business-Partnern/innen ebenso wie mit den internationalen Gästen des Zürich Film Festivals ermöglichen.

In Zusammenarbeit mit der SUISA bietet «Soundtrack Zurich» den Musikschaffenden auch eine Plattform an, um ihre Fragen zu Einnahmen im audiovisionellen Bereich zu klären. Kernthema des diesjährigen…Weiterlesen

«Eine Melodie wie eine Erinnerung von weit weg» | mit Video

Xavier Dayer liess sich für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» nicht nur von der Melodie des von Beethoven verwendeten Schweizer Lieds inspirieren. Er bezog auch die Situation mit ein, in der sich der damals noch junge Komponist befand. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Xavier Dayer: Eine Melodie wie eine Erinnerung von weit weg

Xavier Dayer im Interview über sein Werk «Cantus VII» Ende Januar 2020. (Foto: Manu Leuenberger)

Xavier Dayer ist überzeugt davon, dass die zentrale Bedeutung von Ludwig van Beethoven weit über den Kreis der Komponistinnen und Komponisten wie auch der Musikerinnen und Musiker hinausgeht. «Ich würde sogar sagen, dass er am Anfang des Bildes steht, das man in der breiten Öffentlichkeit von der Romantik und der klischierten Figur des Komponisten hat.» Bei aller Bewunderung für Beethoven stuft er dessen Variationen über ein Schweizer Volkslied nüchtern ein. «Ich denke nicht, dass es sein eindrücklichstes Stück ist», erklärt der in Genf geborene und in Bern wohnende Komponist im Gespräch von Ende Januar 2020 knapp.

Die Variationen liessen Xavier Dayer jedoch über den Zeitpunkt der Entstehung nachdenken: Im Jahr 1792 war Beethoven 22 Jahre alt und stand kurz davor, nach Wien zu ziehen. Entsprechend versteht Xavier Dayer die Variationen als eine Art Übung zu einer Zeit, als Beethoven im Enthusiasmus seiner eigenen Musik gestanden sei. Dies müsse man vor einem breiteren Hintergrund verstehen. «Man glaubte damals an die Modernität, den Fortschritt; auch die Komponisten. Und diese Vorliebe für die Modernität wurde mit einer für die Heimat assoziiert – hier traf sich die Vorliebe für die Romantik mit der für die Nation, womit ich immer ein Problem hatte.»

Xavier Dayer befasste sich bei der Entwicklung seiner Komposition zunächst mit der Melodie dieses Lieds, «noch mehr als mit den Variationen von Beethoven und dessen Harmonisierung». Diese Melodie sei derart einfach, dass sie etwas habe, dem er sich von seinem eigenen Schaffen annähern könne. Er habe sie wie einen Cantus firmus verwendet, eine Melodie, die von aussen gegeben ist und die er in seiner eigenen Musik eher verstecke. «Sie ist wie eine Erinnerung von weit weg, als ob man sich diesen verlorenen Enthusiasmus wieder ins Gedächtnis rufen würde, der verdeckt ist in meiner Musik, die unruhig und beunruhigend sein möchte.»

Konkret hat Xavier Dayer die Melodie des Liedanfangs verwendet. «Wir haben vom Enthusiasmus gesprochen, und diesbezüglich liegt etwas rein Positives in dieser Melodie, die auch harmonisch sehr klar ist, ohne jeglichen Zweifel darin. (…) Sie wird bei meiner Komposition aber in eine Art von Nebel getaucht sein.» Für die Instrumentierung hat Xavier Dayer ein Quartett für Flöte, Klarinette, Geige und Cello gewählt, «eine Besetzung, für die es noch nicht allzu viele Referenzen gibt». Dies habe ihn interessiert, weil dies weniger Druck der Tradition bedeute und dadurch mehr Freiheiten ermögliche. Man mag sich wundern, dass trotz des Beethoven-Bezugs das Piano nicht zum Zug kommt. Doch Xavier Dayer betont, dass er nicht als Pianist, sondern als Gitarrist ausgebildet wurde und deshalb eine Art Komplex in Bezug auf Komponisten-Pianisten empfindet. Gleichwohl benutzt er das Klavier häufig als Werkzeug für seine Arbeit, vor allem um die harmonischen Progressionen kontrollieren zu können.

Wie die Komposition dereinst tönen wird, bleibt in diesem Entwicklungsstadium offen. Aber auch wenn das Stück fertig geschrieben sei, bleibe immer noch enorm viel Raum für die Interpreten. «In der Abfolge der kreativen Schritte bin ich derjenige, der Zeichen vorschlägt, die andere dann mit ihrer Sensibilität und Erfahrung interpretieren werden. Ich verehre die Kunst der Interpretation über alles.» Xavier Dayer betont, dass er es besonders als Zuhörer liebe, zu entdecken, wie sich die Interpreten eine Komposition aneignen. «In diesem Sinn ist auch dieser Teil der Kreation ein essentieller Moment, weil sie erstmals in einem Raum erscheint.» Hinzu kommt die Bedeutung des Publikums. Eine Komposition sei wie ein Liebesbrief, der an sich nicht viel bedeute – vor allem, wenn ihn niemand lese, und insbesondere, wenn ihn niemand beantworte (lacht).

Die Rolle des Komponisten ist zudem in Frage gestellt, spätestens seit Beethovens nur skizzenhaft komponierte 10. Sinfonie zum Jubiläumsjahr mit einem speziell trainierten Algorithmus vollendet wurde. Xavier Dayer betrachtet dies nicht etwa als Gefahr, sondern als «äusserst stimulierende Herausforderung». Er sehe, dass sich auch seine Studierenden mit der Frage befassen, was die Kreation eines Individuums heute noch bedeute. «Ich bewundere Künstler, die den Akt der Kreation hinterfragen. (…) Vielleicht sind wir am Ende eines Zyklus’, in der das kreierende Individuum als eine Art von Genie gesehen und ein Kult darum gemacht wurde.» Dies hat nach seiner Meinung auch komplexe Folgen gezeitigt. «Jede Note von Beethoven, jeder Satz von Goethe vermittelte uns den Eindruck, im Vergleich ganz klein zu sein.» Er denke, dass man nicht einfach weitermachen könne mit dieser Einordnung des Künstlers, der «alles» zu sagen habe. «Heute wird der Künstler wohl anders betrachtet: als jemand, der weder darüber noch darunter, sondern einfach im Kontinuum der sozialen Bindungen steht.»

Xavier Dayer wurde 1972 in Genf geboren. Dort studierte er Komposition mit Eric Gaudibert und in Paris mit Tristan Murail und Brian Ferneyhough (IRCAM – Forschungsinstitut für Akustik/Musik). Er ist Professor für Komposition an der Hochschule der Künste Bern und seit 2009 Beauftragter vom «Master of arts in Composition/Theory». Seit 2011 ist er Präsident der SUISA. Der Kanton Bern zeichnete ihn mit dem Musikpreis 2020 aus. www.xavierdayer.com
Schweizer Beethoven-Reflexionen: Ein Projekt von Murten Classics und der SUISA zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven hatte nur wenig mit der Schweiz zu tun. Aber er hat «Sechs Variationen über ein Schweizerlied» geschrieben, bei dem es sich um das Volkslied «Es hätt e Bur es Töchterli» handelt. Dies ist der Ausgangspunkt für Kompositionsaufträge, die die Sommerfestspiele Murten Classics zusammen mit der SUISA an acht Schweizer Komponistinnen und Komponisten verschiedener Generationen, Ästhetik und Herkunft vergeben haben.

Oscar Bianchi, Xavier Dayer, Fortunat Frölich, Aglaja Graf, Christian Henking, Alfred Schweizer, Marina Sobyanina und Katharina Weber konnten sich auf die Variationen, auf das von Beethoven verwendete Volkslied selbst oder auf Beethoven im Allgemeinen beziehen. Die Kompositionen wurden für das Ensemble Paul Klee geschrieben, das folgende Maximalbesetzung erlaubt: Flöte (auch Piccolo, G- oder Bassflöte), Klarinette (in B oder A), Violine, Viola, Cello, Kontrabass und Klavier.

Initiant dieses 2019 begonnenen Projekts war Kaspar Zehnder, der während 22 Jahren künstlerischer Leiter von Murten Classics gewesen war. Wegen der Corona-Krise und den von den Behörden verordneten Massnahmen war die Durchführung sowohl der 32. Ausgabe im August 2020 als auch des vorgesehenen Ersatzfestivals in den anschliessenden Wintermonaten nicht möglich. Der «SUISA-Tag» mit den acht Kompositionen dieses Projekts wurde – ohne Publikum – am 28. Januar 2021 im KiB Murten dennoch aufgeführt und aufgezeichnet. Die Aufnahmen waren bei Radio SRF 2 Kultur in der Sendung «Neue Musik im Konzert» zu hören und sind auf der Plattform Neo.mx3 erschienen. Im SUISAblog und auf den Social Media-Kanälen der SUISA ist das Projekt mit multimedialen Beiträge online dokumentiert.

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Xavier Dayer liess sich für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» nicht nur von der Melodie des von Beethoven verwendeten Schweizer Lieds inspirieren. Er bezog auch die Situation mit ein, in der sich der damals noch junge Komponist befand. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Xavier Dayer: Eine Melodie wie eine Erinnerung von weit weg

Xavier Dayer im Interview über sein Werk «Cantus VII» Ende Januar 2020. (Foto: Manu Leuenberger)

Xavier Dayer ist überzeugt davon, dass die zentrale Bedeutung von Ludwig van Beethoven weit über den Kreis der Komponistinnen und Komponisten wie auch der Musikerinnen und Musiker hinausgeht. «Ich würde sogar sagen, dass er am Anfang des Bildes steht, das man in der breiten Öffentlichkeit von der Romantik und der klischierten Figur des Komponisten hat.» Bei aller Bewunderung für Beethoven stuft er dessen Variationen über ein Schweizer Volkslied nüchtern ein. «Ich denke…Weiterlesen

Label Suisse: Ein buntes Feuerwerk aus Schweizer Musik

Vom 16. bis 18. September 2022 lädt das Festival Label Suisse zum 10. Mal ein, in Lausanne Schweizer Musik aus zahlreichen Sparten zu lauschen. Text von Erika Weibel

Label Suisse: Ein buntes Feuerwerk aus Schweizer Musik

Das dreitägige Festival Label Suisse rückt das Schweizer Musikschaffen ins Rampenlicht. (Foto: Tabea Hüberli & Dirk Hoogendoorn)

Label Suisse findet seit 2004 statt und überrascht bei jeder Austragung mit einer sehr vielseitigen Programmierung. Die bisher 700 000 Zuschauer bei 600 Konzerten und neun Ausgaben zeugen vom Erfolg des Festivals.

Das Festival öffnet alle zwei Jahre seine Tore und ist für das Publikum kostenlos, da die Kosten für die Musik von den Sponsoren getragen werden. 69 Konzerte auf 10 Bühnen: Das Programm präsentiert die musikalische Vielfalt der Schweiz und reicht von Klassik über Neue Volksmusik, Hip-Hop, Pop, Rock, Elektronik, Jazz und Experimentalmusik bis hin zu zeitgenössischer Musik. Das bunte Feuerwerk aus verschiedensten Genres verwandelt Lausanne während der Festivaltage zum Epizentrum der Schweizer Musik.

Geburtsstätte zahlreicher Kompositionen

Im Vorfeld von Label Suisse werden bei jeder Ausgabe Komponistinnen und Komponisten beauftragt, neue Werke zu schaffen, die während dem dreitägigen Festival uraufgeführt werden. Eine der Kreationen dieser Ausgabe entstand in Zusammenarbeit mit dem Radiosender RTS, um das Jubiläum von 100 Radio in der Schweiz zu feiern. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftswerk von Yilian Cañizares und Arthur Hnatek, beide bereits mit dem Schweizer Musikpreis ausgezeichnet. Ein weiteres neu geschaffenes Werk namens «Dédale» wird vom L’Orchestre du Grand Eustache uraufgeführt. Antoine Auberson hat zudem mit dem Organisten Benjamin Righetti für das diesjährige Label Suisse «La Pastorale Alpine» komponiert. Auch das Orchester Harmonie Lausannoise hat sich mit Michel Godard zusammengetan und eine maßgeschneiderte Kreation mit Yumi Ito, Benz Oester und Lucas Niggli erarbeitet.

Der Pianist Colin Vallon wiederum hat Studenten der Hochschule Luzern und Zürich zusammengebracht, um gemeinsam eine neue Komposition zu schaffen. Die Künstlerin Lisa Tatin wird zudem am Sonntag, dem 18. September ein Werk zum Leben erwecken, bei dem sich die Grenzen zwischen Konzert und künstlerischer Performance verwischen.

Somit bietet Label Suisse sowohl den Interpretinnen und Interpreten als auch den Komponistinnen und Komponisten eine wichtige Bühne, was den Besuch des Festivals für das Publikum noch spannender macht.

Das detaillierte Programm und weitere Informationen auf der Website des Festivals:
www.labelsuisse.ch

Die SUISA ist Sponsor dieses vielseitigen und spannenden Festivals, welches den Fokus auf dem Schweizer Musikschaffen hat.

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