Ghost Festival: Die grosse Stille

Am kommenden Wochenende findet mit dem Ghost Festival die grösste Konzertveranstaltung der Schweiz statt. Rund 300 Bands, Künstlerinnen und Künstler stehen auf dem Line-up. Bloss: Es gibt weder Auftritte noch Musik oder Lichtshow. Konzipiert als Solidaritätsaktion für die Schweizer Musikszene, steht das Ghost Festival sinnbildlich für die desaströse Lage der Kulturschaffenden in der Corona-Krise. Die SUISA unterstützt das Festival als Sponsor. Und hat mit Baldy Minder, Mitorganisator des Festivals, ein Videointerview über die Hintergründe des Nicht-Festivals geführt. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Nina Müller

Das Line-up des Ghost Festivals lässt das Herz eines jeden Liebhabers Schweizer Pop- und Rockmusik höher schlagen: Etablierte Grössen wie Stephan Eicher, Patent Ochsner oder Dodo stehen neben «jungen Wilden» wie Crème Solaire, Annie Taylor oder KT Gorique. Doch leider bleibt es grösstenteils nur bei den Namen. Musik wird man an diesem Anlass vermissen, genauso wie fulminante Live-Shows oder ganz einfach das normale Festival-Feeling mit Zelten, Catering-Ständen und Anstehen vor den mobilen Toiletten.

Das Ghost Festival ist «das Festival, das nicht stattfindet». Nicht stattfinden wird es am Wochenende vom 27. und 28. Februar 2021.

Geisterspiele im Fussball standen Pate für das Ghost Festival

Ins Leben gerufen von einigen Berner Musikbegeisterten – dem Ghost Club –, ist das Ghost Festival ein Solidaritätsakt für Schweizer Musikschaffende. Ein Mitglied des Ghost Clubs ist Baldy Minder, Booker und Manager von Acts wie dem Berner Hip-Hop-Kollektiv Chlyklass oder der Rapperin 11Ä. Im Videointerview erzählt er uns im Backstage-Bereich des Zürcher Konzertlokals Exil, was die Grundidee des Ghost Festivals ist: «Im Fussball gibt es Geisterspiele. Und als solidarischer Fussballfan erneuerst Du heutzutage dein Saison-Abo trotzdem, obwohl die Zukunft ungewiss ist. Und so entstand die Idee für das Ghost Festival.»

Konkret können Musikfans Tickets kaufen für das Festival: Einen 1-Tagespass für 20 Franken, einen 2-Tagespass für 50 Franken oder ein VIP-Ticket für 100 Franken. Und weil es ja nicht stattfindet, sind die Tickets nie ausverkauft. Zudem gibt es von T-Shirts über Mützen bis zu Hoodies und Jacken eine breite Palette an Ghost-Festival-Merchandising zu kaufen. Die Einnahmen fliessen an die Künstlerinnen und Künstler sowie ihre Booker, Licht- und Tontechniker und andere. Dieses Geld für die Kulturschaffenden ist mehr als nur ein netter Zustupf: In der aktuellen Lage fällt für die meisten Musikschaffenden – im weitesten Sinne – die wichtigste Einnahmequelle weg: die Konzerte. Und diese Situation dauert – mit einigen kurzen Lockerungen im Sommer 2020 – nun genau ein Jahr an. Eine Besserung ist noch nicht in Sicht.

Ein Loch von über 50 000 Franken in den Kassen der Urheber und Verleger von Musik

Dies widerspiegelt sich bei der SUISA auch in den Einnahmen aus den Aufführungsrechten, zu denen unter anderem Konzerte und Festivals gehören. Am Beispiel des Ghost Festivals lässt sich dies gut aufzeigen: Rund 15 000 Tickets wurden bis anhin für das Festival verkauft. Würde es sich um einen normalen Anlass handeln, an welchem die Künstlerinnen und Künstler ihre Songs spielen, erhielten die Komponisten, Textautoren und Verleger der aufgeführten Stücke über 50 000 Franken an Urheberrechtseinnahmen. Da aber keine Musik gespielt wird, fallen diese Einnahmen weg.

Rund 400 Festivals finden in der Regel jedes Jahr in der Schweiz – dem Land mit der weltweit grössten Festivaldichte – statt. Die meisten dieser Festivals mussten letztes Jahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Entsprechend sind bei der SUISA 2020 die Urheberrechtseinnahmen aus Konzerten um über 50% tiefer ausgefallen als im Jahr zuvor. In absoluten Zahlen sind dies im Vergleich zu 2019 rund 12 Millionen Franken weniger, die den Musikschaffenden aus den Konzerteinnahmen 2020 verteilt werden. Und diese Misere wird auch 2021 und voraussichtlich 2022 andauern.

Eine Solidaritätsaktion auch für Booker, Tontechniker, Roadies und weitere

Und dies sind nur die Einnahmen für diejenigen, die Musikstücke komponiert oder getextet haben oder als Verleger tätig sind. Für die Musiker kommen noch Gagenausfälle hinzu, die in der Regel um einiges höher sind als die Urheberrechtsvergütungen. Die Konzert- und Festivalausfälle machen allerdings nicht nur den Musikerinnen und Musikern zu schaffen: Unter der mittlerweile seit rund einem Jahr dauernden Krise leiden auch diejenigen Personen, die ein solches Festival und Konzerte allgemein möglich machen: Booker, Ton- und Lichttechniker, Roadies, Tour-Manager, Merchandise-Verkäufer, Sicherheitspersonal oder natürlich auch die Konzertveranstalter selber.

«Die Idee ist, dass nicht nur die Bands profitieren, sondern dass es eine ganzheitliche Förderung oder Unterstützung gibt von Leuten, die in dieser Szene arbeiten», sagt Baldy Minder. «Wenn Bands unterwegs sind, dann haben sie noch einen Tour-Manager, Licht-Engineering oder einen Tontechniker; Bands, die mit Instrumenten unterwegs sind, haben Stage-Hands, die helfen, Sachen zu tragen. Es sind ganz viele Leute involviert, die momentan viel weniger zu tun haben und viel weniger Einnahmen haben.»

100% der Ticketeinnahmen gehen an die Musikschaffenden

Deshalb konnten die Künstlerinnen, Künstler und Bands zusätzlich noch zwei Personen aus ihrer Entourage angeben, die ebenfalls von den Einnahmen des Ghost Festivals profitieren. Insgesamt sind dies rund 1300 Personen. «Das eingenommene Geld wird auf Köpfe verteilt und nicht auf Bands», erklärt Baldy Minder. Während die Einnahmen aus Ticket- und Merchandisingverkäufen zu 100% an die Musikschaffenden fliessen, wird ein Teil der Sponsorengelder aufgewendet, um die Arbeit der Organisatoren zu bezahlen. «Die Partnerschaften ermöglichen, dass wir unseren Lohn bezahlen können», sagt Baldy Minder. Und fügt an: «Was von den Sponsoringgeldern übrigbleibt, wird an die Künstlerinnen und Künstler verteilt.»

Eine der grössten Herausforderungen für die Organisatoren war das Zeitmanagement: Die Idee entstand Ende November 2020. Es blieben drei Monate, um das grösste Festival der Schweiz auf die Beine zu stellen. Und auch wenn letztlich keine Auftritte stattfinden werden, gibt es einige Parallelen zwischen der Organisation eines Geister-Festivals und eines richtigen Festivals, wie Baldy Minder erzählt: «Ein grosser Teil ist sehr ähnlich wie bei einem richtigen Festival. Du machst ein Booking, du gleist die ganze Promotion-, Social-Media- und Pressekampagne auf. Du hast sehr viel Kontakt mit den Bands. Was wegfällt ist die ganze Infrastruktur. Du musst keinen Zaun aufbauen, keine Bühne aufbauen, wir müssen keine PA-Firma organisieren. Es braucht keine Security. Wir müssen keine SUISA-Abgaben bezahlen, da urheberrechtlich nichts passieren wird – es wird schlussendlich kein Pieps zu hören sein.»

Höchstens Geistertöne

Die Veranstalter haben auch bewusst darauf verzichtet, für das Wochenende Streaming-Konzerte zu organisieren, wie Baldy Minder sagt: «Es fragen viele Leute nach den Streams – aber Nein, es gibt jetzt einfach mal nichts, keine Musik. Jetzt ist einfach mal der Zeitpunkt, an dem man sich zurücklehnen kann und etwas zurückgeben kann.»

Für die Zuschauer des Ghost Festivals, die keine Stille wollen und die Musik vermissen, gibt es dennoch etwas zu hören – auch wenn es keine Musik ist: «Wir werden ein Album rausbringen. Es wird keine Compilation sein, sondern ein Album als «The Ghost Orchestra», lässt Baldy Minder verlauten. Es wird am 26.2. herauskommen, also einen Tag vor dem Festival.» Veröffentlicht wird es als CD – auch hier mit einer klaren Idee dahinter, wie Baldy Minder erzählt: «Die CD ist ja völlig antizyklisch – also auch so etwas wie ein Ghost, der langsam verschwindet.» Auf der mysteriösen CD werden die meisten der Bands auf dem Line-up vertreten sein. Und dies sind Künstlerinnen und Künstler aus allen Sprachregionen der Schweiz. Schliesslich betrifft die Covid-19-Pandemie Musikschaffende in der ganzen Schweiz.

Die SUISA ist Partnerin des Ghost Festivals
Die Covid-19-Krise betrifft die Mitglieder der SUISA in starkem Masse. Aus diesem Grund engagiert sich die SUISA als Sponsoringpartnerin des Ghost Festivals – nicht nur die Genossenschaft selber, sondern auch deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jedes Ticket, das von der SUISA-Belegschaft gekauft wird, wird von der Firma vergoldet: Jedes 1-Tagesticket wird zu einem 2-Tagesticket upgegradet, jedes 2-Tagesticket zu einem VIP-Ticket, und für jedes verkaufte VIP-Ticket erhalten die Mitarbeitenden ein zweites VIP dazu.Darüber hinaus wird die SUISA am Festivalwochenende eine Festivalberichterstattung machen und mit einigen Künstlerinnen, Künstlern und auch Veranstaltern sprechen. Mehr Infos werden in den kommenden Tagen auf www.instagram.com/suisamusicstories veröffentlicht.

 

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Musik und Kultur gehören zum täglichen Grundbedarf – öffnet nicht nur Lebensmittelläden!

Vor einem Jahr, am 28. Februar 2020, wurden die ersten Einschränkungen für kulturelle Veranstaltungen erlassen. Zuerst galt eine Obergrenze von 1000 Personen, Mitte März kam der erste Lockdown, im Sommer gab es dank Schutzkonzepten kleine Erleichterungen, welche schon im Herbst schrittweise rückgängig gemacht wurden. Seit Mitte Januar 2021 sitzen wir im zweiten Lockdown fest: ohne Musikveranstaltungen, ohne Zugang zu realen – nicht virtuellen – Kulturerlebnissen. Von Andreas Wegelin, CEO

Musik und Kultur gehören zum täglichen Grundbedarf – öffnet nicht nur Lebensmittelläden!

Für Andreas Wegelin, CEO der SUISA, ist Kunst und Kultur ein lebensnotwendiges Grundnahrungsmittel für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. (Foto: Beat Felber)

Um die Verbreitung des Virus zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen, haben die Behörden zu drastischen Massnahmen gegriffen. Im Grundsatz sind alle Angebote ausserhalb des täglichen Grundbedarfs nur noch erschwert zugänglich oder dürfen gar nicht mehr durchgeführt werden.

Doch was ist der tägliche Grundbedarf? Wer definiert diesen?

Zum Grundbedarf der Menschen gehören doch auch Dinge, über die man sich geistig erfreuen kann! Der Besuch eines Konzerts, der Gang ins Kino, oder die Besichtigung einer Ausstellung: Warum sind Museen geschlossen worden, wo Ausstellungen doch selten – ausser bei Blockbuster-Sonderschauen – mit einem Besucherandrang zu kämpfen haben? Weshalb müssen Kleinkunstbühnen geschlossen bleiben? Sie könnten Schweizer Künstlerinnen und Künstlern Auftritte bieten und jeweils ein kleines, aber sicher dankbares Publikum erfreuen.

Ein im Internet gestreamtes Konzert ist kein Ersatz für Live-Veranstaltungen. Es fehlt die Interaktion, das gemeinsame Erleben einer künstlerischen Darbietung, welche beide Seiten, Aufführende und Publikum, gegenseitig befruchten, und ein Konzert erst zu einem denkwürdigen Anlass machen.

Mittlerweile ist es so weit, dass man Geisterkonzerte veranstaltet wie das «Ghost Festival»: Ein Festival mit rund 300 Bands – beteiligt sind knapp 1300 Musikschaffende inklusive Techniker/-innen, Booker-/innen, Manager/-innen und Weiteren –, das gar nicht stattfindet, weil schlicht niemand hingehen kann. Die SUISA unterstützt dieses Nicht-Festival durch ein Sponsoring, aber auch durch Ticketkäufe ihrer Belegschaft.

Kultur- und Kreativwirtschaft ist relevant

Viele Veranstalterinnen und Veranstalter hatten in den Sommermonaten 2020 zuverlässige Schutzkonzepte erarbeitet und mit nicht geringen Zusatzkosten auch umgesetzt. Nun stehen sie trotzdem faktisch vor einem Berufsverbot. Seit gesamthaft schon über 6 Monaten ist nichts mehr erlaubt. Durch die Corona-Verbote entstehen grosse finanzielle Einbussen. Bund und Kantone haben zwar Hilfsprogramme beschlossen, aber diese sind schlecht an die Situation der vielen freischaffenden Künstlerinnen und Künstler sowie der Veranstalterinnen und Veranstalter als Einzelunternehmen angepasst.

Wo liegt der Grund für die Geringachtung des Kulturbetriebs?

Es mangelt offenbar am kulturellen Bewusstsein bei den Entscheidungsträgerinnen und -trägern in der Politik und der Verwaltung. Obwohl gemäss einer neuen Studie von Ernst & Young (EY) der Kulturbereich gemessen an der Anzahl Beschäftigten in Europa an vierter Stelle steht: www.rebuilding-europe.eu

Ein Aufruf geht deshalb an die politisch und behördlich lenkenden Personen und Institutionen: Kultur ist lebensnotwendig! Sie ist ein Grundnahrungsmittel für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Lasst sie auch in Zeiten des Lockdowns gedeihen! Sie erfreut die Menschen, gibt ihnen Perspektive über die Pandemie hinaus und gibt vor allem den Künstlerinnen und Künstlern ein Auskommen.

Schafft differenzierte Regeln: Kleinveranstaltungen und Veranstaltungen mit reduzierter Besucherzahl müssen möglich sein, ebenso offene Museen, Kulturstätten, wo sich interessierte Menschen und Künstlerinnen und Künstler – natürlich unter Einhaltung der gesundheitlichen Vorschriften – treffen und gemeinsam etwas erleben können. Solche Orte sind für die Gesellschaft und den Alltag genauso wichtig wie die Läden, in denen Einkäufe für den täglich Bedarf getätigt werden. Mit wissenschaftlichen Studien ist nachgewiesen, dass bei Kulturveranstaltungen mit guten Schutzkonzepten keine erhöhte Gefahr in Bezug auf die weitere Ausbreitung des Corona-Virus besteht: nachzulesen in der Aerosolstudie des Fraunhofer-Instituts am Konzerthaus Dortmund sowie im Abschlussbericht des probeweisen Testbetriebes der Bayerischen Staatsoper (PDF) mit erhöhter Zuschauerzahl.

Kulturelles Bewusstsein stärker verankern

Die Corona-Krise in der Kultur zeigt noch etwas Weiteres: Erst beim Verbot und dadurch dem Wegfall von kulturellen Veranstaltungen wird vielen bewusst, wie wichtig Kultur und Unterhaltung für uns Menschen ist und wie aufbauend der kulturelle Austausch zwischen Kunstschaffenden und Publikum für beide Seiten ist.

Dieses kulturelle Bewusstsein sollte in der Schweizer Bevölkerung viel stärker verankert werden. Beginnend schon bei der Ausbildung: Durch Bildung und dem Ermöglichen des Zugangs zu kulturellen Errungenschaften werden junge Menschen an die Künste herangeführt. Mit der Initiative Jugend & Musik wurde zwar einiges erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun, insbesondere auch in anderen Kunstsparten als der Musik.

Das gesellschaftliche Interesse an Musik, bildender Kunst, Film, Literatur, Tanz und Performancekunst erweitert sich durch Anregung zu eigenem Schaffen und durch Förderung der Vermittlung der aktuellen künstlerischen Produktion und des künstlerischen Erbes. Je mehr Menschen mit künstlerischen Ausdrucksformen in Berührung kommen, desto mehr steigt auch das Bedürfnis nach Kunst und Kultur. Wodurch die Gesellschaft schliesslich nachhaltiger einfordert, dass dieser Bedarf erfüllt wird und die nötigen Voraussetzungen dazu aufgebracht werden.

Gemeinsame starke Stimme für die Kultur nötig

Für die Erhöhung und vertiefte Verankerung des Bedarfs nach Kunst und Kultur müssen sich die kulturellen Institutionen dieses Landes zusammenschliessen und die Verbreitung des kulturellen Schaffens gemeinsam viel nachdrücklicher fordern und fördern.

Mit der «Taskforce Culture» hat sich während der Pandemie erstmals eine starke gemeinsame Stimme gebildet. Als Gesprächspartnerin der Politik und der Verwaltung ist es dieser Task-Force in den letzten Monaten schon sehr gut gelungen, die Kräfte aus den verschiedensten Kultursparten, von den Künstlerverbänden bis zu den Veranstaltern und Kulturvermittlern, zu bündeln und für kulturspezifische Anliegen einzutreten. Denn es ist noch längst nicht in allen Köpfen angekommen, dass künstlerisches Schaffen andere Voraussetzungen hat als die Arbeit in vielen Produktions- und Dienstleistungsbereichen.

Ein Zusammenschluss der kulturellen Institutionen und Verbände kann ähnlich den grossen Wirtschaftsverbänden und Arbeitnehmerorganisationen eine gewichtige Rolle als Ansprechpartner für gesellschaftliche und politische Entwicklungen in der Schweiz übernehmen. Eine solche gemeinsame starke Stimme für die Kultur wird in den kommenden Monaten und Jahren noch zusätzliche Relevanz bekommen. Die öffentliche Hand wird ganz einschneidend sparen müssen, weil durch die Bekämpfung der Pandemie mit Verboten immense volkswirtschaftliche Schäden entstanden sind und weiter entstehen. Die künftigen Steuereinnahmen werden zurückgehen, während die Staatsverschuldung wegen der Hilfsmassnahmen zunimmt.

Wie rasch in finanziell schwierigen Situationen der Sparhebel zuerst bei Kultur und Bildung angesetzt wird, kennt man aus der Vergangenheit. Im Verbund können die Kulturverbände und -institutionen gemeinsam ihre Stimme erheben und mittel- bis langfristig dafür sorgen, dass die gesellschaftliche und politische Bedeutung von Kunst und Kultur gestärkt und geachtet wird. Denn künstlerische Ausdrucksformen und der Zugang zu ihnen müssen selbstverständlich als Grundbedarf der Menschen anerkannt sein. Man kann und darf sie nicht wegsperren.

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  1. Markus Hefti sagt:

    Unverhältnismässige und existenzbedrohende Beschlüsse „ unserer „
    Politiker schüren das Unverständnis in der Bevölkerung. Aber da sie nie für ihre Fehler
    zur Rechenschaft gezogen werden ist es ihnen scheinbar Egal ☹️

    • Danke für Ihren Kommentar. Dass es Massnahmen gegen die Covid-19-Pandemie braucht, stellen wir nicht in Frage. Es braucht allerdings differenziertere Massnahmen, die gewisse Wirtschaftszweige gegenüber anderen nicht benachteiligen.
      Andreas Wegelin, SUISA CEO

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Vor einem Jahr, am 28. Februar 2020, wurden die ersten Einschränkungen für kulturelle Veranstaltungen erlassen. Zuerst galt eine Obergrenze von 1000 Personen, Mitte März kam der erste Lockdown, im Sommer gab es dank Schutzkonzepten kleine Erleichterungen, welche schon im Herbst schrittweise rückgängig gemacht wurden. Seit Mitte Januar 2021 sitzen wir im zweiten Lockdown fest: ohne Musikveranstaltungen, ohne Zugang zu realen – nicht virtuellen – Kulturerlebnissen. Von Andreas Wegelin, CEO

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Doch was ist der tägliche Grundbedarf?…Weiterlesen

Vorausplanung in der Krisensituation

Gerade in Krisenzeiten ist die Vorausplanung besonders wichtig. In den Sitzungen vom Dezember 2020 hat sich der Vorstand der SUISA neben dem Schwerpunktthema Budget mit weiteren relevanten Zukunftsthemen beschäftigt. Bericht aus dem Vorstand von Andreas Wegelin

Bericht aus dem Vorstand: Vorausplanung in der Krisensituation

Die SUISA macht Musik trotz eingetrübten Budgetaussichten auch 2021 möglich. Das Foto zeigt eine Szene vom letztjährigen Festival Label Suisse, bei dem die SUISA als Sponsoringpartnerin mit dabei war. (Foto: Tabea Hüberli & Dirk Hoogendoorn)

Der SUISA-Vorstand hat sich in seinen Dezembersitzungen schwerpunktmässig dem Budget für 2021 gewidmet. In der gegenwärtigen Krisensituation wegen der Pandemie sind die Prognosen im Vergleich zu 2019 schwieriger. Es kann beim Grad der Erfüllung beim Budget grössere Abweichungen geben. Vergangenes Jahr wurde zudem Ende April das Budget 2020 während dem laufenden Geschäftsjahr revidiert und die Geschäftsleitung arbeitete gemäss einem Corona-Budget mit neuen Vorgaben für die verbleibenden acht Monate.

Im Dezember genehmigte der Vorstand folgende Eckpunkte für das Budget 2021:

Die Einnahmen 2021 sind gegenüber dem Ergebnis 2019, also dem Geschäftsjahr vor Beginn der Krise, um 20,7% tiefer budgetiert. Gegenüber dem sehr vorsichtigen Corona-Budget 2020 jedoch um 6,7% höher. Die Einnahmen aus Aufführungsrechten werden aufgrund der von den Corona-Verordnungen verursachten Veranstaltungsverbote um 37% unter dem Ergebnis 2019 budgetiert.

Die Kosten 2021 sind um rund 5% tiefer budgetiert als für das Jahr 2019. Sie sind jedoch um 20% tiefer als im revidierten Corona-Budget 2020 vorgesehen war.

Verschiedene Faktoren spielen bei der Kostenentwicklung eine Rolle: Neben den Einsparungen bei den Personalkosten gibt es wesentliche Kostenblöcke im Bereich Informatik und Wertschriftenaufwand. Bei den Personalkosten sind Einsparungen vorgesehen, einerseits durch Pensionierungen und damit verbundene Umstrukturierungen sowie durch die Ausgliederung von 11 Personen in die Tochterfirma Mint Digital Services AG.

Im Bereich Informatik ist es dem Vorstand wichtiger, die Innovationskraft zu erhalten und teilweise auszubauen, um damit die Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren, als reine Sparmassnahmen durchzuführen. Zu strikte Sparbemühungen rächen sich meistens und führen zu einer unerwünschten Verlangsamung der Entwicklung unserer Dienstleistungen.

Der Wertschriftenaufwand schliesslich ist eine Grösse im Budget, die per se nur sehr schwer einschätzbar ist. Glücklicherweise konnte der Vorstand feststellen, dass der Einbruch an den Finanzmärkten im März 2020 inzwischen wieder ausgebügelt ist und die Finanzanlagen wieder auf dem Vorjahresniveau sind. Er hat für 2021 einen wesentlich geringeren Finanzaufwand als noch im Corona-Budget 2020 vorgesehen budgetiert.

Trotz der eingetrübten Budgetaussichten beschloss der Vorstand für die Abrechnungen 2021 unveränderte Kostenabzüge. Geschäftsleitung und Vorstand erwarten, dass die Beträge aus freiwerdenden Abrechnungsverpflichtungen den Rückgang der Einnahmen und damit ein Anstieg des Verhältnisses Kosten zu Einnahmen ausgleichen können.

Neuer Dienstleistungskatalog und Mindestbetrag für die SUISA Mitgliedschaft

Der Vorstand befasste sich an der Dezembersitzung auch mit dem Dienstleistungskatalog für Mitglieder und Auftraggeber. Die SUISA zählt mittlerweile über 12 600 stimmberechtigte Mitglieder und 26 700 Auftraggeber. Leider generieren von diesen total knapp 40 000 Bezugsberechtigten nur 60% wesentliche Einnahmen. Mehr als ein Drittel aller Bezugsberechtigten erhält gar nie eine Abrechnung, weil deren Werke weder aufgeführt, aufgenommen, gesendet noch online genutzt werden. Alle Bezugsberechtigten konnten bis anhin alle Dienstleistungen der SUISA in Anspruch nehmen. Die Digitalisierung hat zum Aufbau von Online-Services («Mein Konto»-Portal) geführt. Die im Portal möglichen Selfservices für die Bezugsberechtigten werden weiter ausgebaut.

Die Geschäftsleitung hatte deshalb Vorschläge erarbeitet, wie eine Kosteneinsparung erreicht werden könnte, indem den Auftraggebern die Dienstleistungen nur noch online angeboten würden. Diese Massnahme würde Arbeitszeit und damit Personalkosten einsparen. Der Vorstand beschloss nun, die Bedingungen für die Mitgliedschaft anzupassen. Neu werden jene Personen Mitglied der SUISA, welche während mindestens eines Jahres bei der SUISA Auftraggeber waren und mindestens 3000 Franken (bisher 2000 Franken) ausbezahlt bekommen haben. Den Auftraggebern werden ab 2022 die Dienstleistungen ausschliesslich über das Online-Portal «Mein Konto» zur Verfügung stehen.

Änderungen im Verteilungs- und Anlagereglement

Weitere Geschäfte im Vorstand waren die Genehmigung neuer Verteilungsregeln unter anderem für die Einnahmen aus der Leerträgervergütung und die Änderung des Anlagereglements in Bezug auf die Berücksichtigung des Kriteriums der Nachhaltigkeit bei Finanzanlagen.

Flexible Führung in Krisenzeiten

Schliesslich hat der Vorstand beschlossen eine Präsidentenkonferenz zu bilden, welche die bisherige Corona-Task-Force ersetzen soll. Sie soll monatlich aufgrund der Berichterstattung der Geschäftsleitung den Einfluss der behördlichen Anordnungen auf den Geschäftsgang der SUISA beurteilen und dem Vorstand Handlungsbedarf aufzeigen. Mitglieder der Präsidentenkonferenz sind Géraldine Savary, Roman Camenzind, Rainer Bischof, Marco Neeser und Xavier Dayer.

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  1. hermann sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren
    ich habe ihren Artikel mit Aufmerksamkeit gelesen und ich habe absolut Verständnis für die Aussagen und Denkweisen. Sie haben die Aufgabe ihre Mitglieder und Auftraggeber bestmöglich zu versorgen.
    Meine Sicht der Dinge ist etwas differenzierter. Die vielen Betriebe und Vereine die durch Covid 19 stark eingeschränkt wurden, von Bundesgeldern und auch von rückzahlbaren Krediten (Covid19-Krediten) belastet sind, sollen den Jahresbeitrag ohne Berücksichtigung der aktuellen Situation bezahlen.
    Das sehe ich auf keinen Fall so, denn der FC Ebikon ist einer der betroffenen Fussballvereine in der Schweiz, die ihren Betrieb einstellen musste. Das heisst, das der Trainingsbetrieb und aber auch der Betrieb unseres Clubhauses eingestellt werden musste, dies wurde so angeordnet. Somit hatten wir nicht die Möglichkeit das gesellschaftliche Leben, den Clubbetrieb mit Musik, Filmen, Videos etc zu nützen. Das heisst konkret, dass wir die Rechnung nicht in diesem Umfange bezahlen werden, sondern im Umfange der Nutzungsmöglichkeiten die staatlich verordnet sind.
    Falls der Trainingsbetrieb per 1.3. oder dann hoffentlich per 1.4.21 wieder gestartet werden kann, erwarte ich eine angepasste Rechnung von Ihnen. Weiter hätte ich erwartet, dass sie der aktuellen Corona Situation Rechnung tragen und sie eine partnerschaftliche und faire Rechnung versenden.
    Für eine Stellungnahme bitte ich sie und grüsse Sie freundlich
    Sebastian Hermann
    Finanzchef FC Ebikon

    • Sehr geehrter Herr Hermann

      Danke für Ihre Nachricht.

      Die SUISA ist sich bewusst, dass viele Betriebe und auch Sportvereine wie der FC Ebikon unter den Folgen der behördlichen Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie leiden. Denn den Musikschaffenden, den Mitgliedern der SUISA, ergeht es in diesen schwierigen Zeiten gleich.

      Damit verbunden hält die SUISA ihre Dienstleistung aufrecht, öffentliche Musiknutzungen zu erlauben, aber hat schon im Frühling 2020 zugunsten der Lizenznehmerinnen und -nehmer einige ihrer Modalitäten den ausserordentlichen Umständen angepasst.

      Die Kundinnen und Kunden der SUISA sind in den verschiedensten Wirtschaftszweigen tätig. Teilweise sind und waren aufgrund der behördlichen Verordnungen die Musiknutzungen sogar regional unterschiedlich verunmöglicht. Für die nachweislich nicht erfolgten Nutzungen entfallen die Vergütungen für die Urheberrechte.

      Damit der Nachlass korrekt dem individuellen Einzelfall entsprechend in Abzug gebracht werden kann, kommen aus administrativ-technischen Gründen differenzierte Verfahren zur Anwendung. Speziell bei Lizenznehmerinnen und -nehmern des Gemeinsamen Tarifs 3a (GT 3a) für Hintergrundunterhaltung können die Termine der Betriebsschliessungen von Unternehmen zu Unternehmen sehr stark variieren.

      Die konkreten Daten der Betriebsschliessung können deshalb über ein elektronisches Kontaktformular gemeldet werden. Nach Prüfung der Angaben erfolgt eine Gutschrift gemäss dem Gemeinsamen Tarif 3a. Der Wert dieser Gutschrift kann je nach behördlich verordneten Schliessungen wegen Covid-19 variieren.Die Gutschrift wird in der folgenden Jahresrechnung abgezogen.

      Das Kontaktformular steht zur Verfügung unter: http://www.suisa.ch/3a. Dort sind auch weitere Informationen zu finden, wie die SUISA ihren Kundinnen und Kunden entgegenkommt: http://www.suisa.ch/de/suisa/massnahmen-der-suisa-bezueglich-der-corona-pandemie/informationen-fuer-kunden.html

      Für Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.
      Freundliche Grüsse
      Kundendienst GT 3a

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Gerade in Krisenzeiten ist die Vorausplanung besonders wichtig. In den Sitzungen vom Dezember 2020 hat sich der Vorstand der SUISA neben dem Schwerpunktthema Budget mit weiteren relevanten Zukunftsthemen beschäftigt. Bericht aus dem Vorstand von Andreas Wegelin

Bericht aus dem Vorstand: Vorausplanung in der Krisensituation

Die SUISA macht Musik trotz eingetrübten Budgetaussichten auch 2021 möglich. Das Foto zeigt eine Szene vom letztjährigen Festival Label Suisse, bei dem die SUISA als Sponsoringpartnerin mit dabei war. (Foto: Tabea Hüberli & Dirk Hoogendoorn)

Der SUISA-Vorstand hat sich in seinen Dezembersitzungen schwerpunktmässig dem Budget für 2021 gewidmet. In der gegenwärtigen Krisensituation wegen der Pandemie sind die Prognosen im Vergleich zu 2019 schwieriger. Es kann beim Grad der Erfüllung beim Budget grössere Abweichungen geben. Vergangenes Jahr wurde zudem Ende April das Budget 2020 während dem laufenden Geschäftsjahr revidiert und die Geschäftsleitung arbeitete gemäss einem Corona-Budget mit neuen Vorgaben für…Weiterlesen

Verhandeln in Zeiten von Corona … und im Angesicht von Covid-19

Verhandeln gehört zu den Aufgaben der SUISA. Beim Aushandeln von Tarifen und Verträgen muss die SUISA die Interessen ihrer Mitglieder vertreten, Verständnis für deren legitime Forderungen wecken und schliesslich die bestmöglichen Bedingungen für das Musikschaffen erwirken. Dies geschieht mit Diskussionen und Kompromissen – das ganze Vorgehen beruht also auf menschlichen Beziehungen. Doch seit diesem Frühjahr hat sich ein unerwarteter Gast an den Verhandlungstisch gedrängt: Covid-19. Von Vincent Salvadé, Deputy CEO

Verhandeln in Zeiten von Corona … und im Angesicht von Covid-19

Die Tarife, die jetzt während der Corona-Krise verhandelt werden, gelten für bessere Zeiten, in denen die Musik hoffentlich wieder spielt. (Foto: Tabea Hüberli & Dirk Hoogendoorn)

Die Dynamik hat sich angesichts des Coronavirus verändert. Die Diskussionen werden heute meistens per Videokonferenz geführt. Das heisst, zwischen den Menschen stehen Bildschirme. Unter diesen Voraussetzungen ist es schwieriger, die nonverbalen Reaktionen auf einen Vorschlag wahrzunehmen, und auch manchmal schwieriger, den Partner oder die Partnerin zu verstehen. Anpassung ist angesagt … und man sehnt sich nach den Zeiten zurück, als Vereinbarungen per Handschlag besiegelt werden konnten.

Eine Krise kann dazu führen, dass Positionen zementiert werden. Die Wirtschaft wird beeinträchtigt, es gibt keine Grossveranstaltungen mehr, und auf Einschränkungen folgen Lockerungen, dann wieder Einschränkungen. Das Einkommen der Künstlerinnen, Künstler und Kreativschaffenden befindet sich im freien Fall. Unter solchen Voraussetzungen ist es schwieriger, Zugeständnisse zu machen und Kompromisse zu finden. Letztlich ist jeder darum bemüht, das Wenige, das ihm noch bleibt, zu verteidigen.

Welche Strategie soll die SUISA unter diesen Umständen verfolgen?

Zunächst sei festgehalten, dass gewisse Bereiche weniger von der Krise betroffen sind als andere. Das Online-Angebot kommt nicht zu kurz, denn auch wenn man zögert, ins Kino zu gehen – oder eben gar nicht gehen kann –, dann schaut man sich die Filme über Video-on-Demand an. Auch der Konsum von Musik über Streaming-Plattformen läuft gut. Die SUISA sollte daher zuerst in diesen Bereichen gute Bedingungen für ihre Mitglieder aushandeln. Denn die Mitglieder der SUISA haben ihrerseits mit den Folgen der Krise besonders stark zu kämpfen.

«Es liegt an uns, die Zukunft zu planen und heute in der Gegenwart eine faire Anwendung der Rechtsgrundsätze zugunsten unserer Mitglieder zu verfechten.»

Doch wir dürfen nicht in eine Falle tappen. Ein Rückgang der Einnahmen bei den Musikanbieterinnen und -anbietern hat in vielen Bereichen automatisch negative Folgen für die Urheberinnen und Urheber: Die Vergütungen werden nämlich als Prozentsatz des bei der Nutzung erwirtschafteten Umsatzes berechnet. Daher sollte die Krise von den Nutzerinnen und Nutzer nicht als Gelegenheit ausgenützt werden, um von der SUISA günstigere Bedingungen zu erwirken. Denn dann würden die Urheber doppelt verlieren: einmal, weil der Vergütungsbetrag wegen dem Einnahmenrückgang tiefer ist, und ein zweites Mal, weil die Konditionen schlechter sind als vorher. Wir mussten unsere Partnerinnen und Partner gelegentlich bereits daran erinnern.

Doch Tatsache ist: Der «Live»-Sektor kämpft ums Überleben. In diesem Frühjahr setzten wir gewisse Verhandlungen aus, in der Hoffnung, sie bei schönerem Wetter wieder aufzunehmen. Eine Zeit lang war es mild, nun nimmt die Bewölkung wieder zu. Und Tarifverfahren brauchen Zeit. Ende 2020 müssen wir Tarife aushandeln, die erst 2022 in Kraft treten, wenn wir die Krise überwunden haben werden (zumindest wagen wir das zu hoffen …). So liegt es an uns, die Zukunft zu planen und heute in der Gegenwart eine faire Anwendung der Rechtsgrundsätze zugunsten unserer Mitglieder zu verfechten. Es ist sicher nicht leicht, wenn unsere Verhandlungspartnerinnen und -partner Einbussen erleiden, doch die Verantwortung für eine bessere Zukunft liegt bei uns.

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Verhandeln gehört zu den Aufgaben der SUISA. Beim Aushandeln von Tarifen und Verträgen muss die SUISA die Interessen ihrer Mitglieder vertreten, Verständnis für deren legitime Forderungen wecken und schliesslich die bestmöglichen Bedingungen für das Musikschaffen erwirken. Dies geschieht mit Diskussionen und Kompromissen – das ganze Vorgehen beruht also auf menschlichen Beziehungen. Doch seit diesem Frühjahr hat sich ein unerwarteter Gast an den Verhandlungstisch gedrängt: Covid-19. Von Vincent Salvadé, Deputy CEO

Verhandeln in Zeiten von Corona … und im Angesicht von Covid-19

Die Tarife, die jetzt während der Corona-Krise verhandelt werden, gelten für bessere Zeiten, in denen die Musik hoffentlich wieder spielt. (Foto: Tabea Hüberli & Dirk Hoogendoorn)

Die Dynamik hat sich angesichts des Coronavirus verändert. Die Diskussionen werden heute meistens per Videokonferenz geführt. Das heisst, zwischen den Menschen stehen Bildschirme. Unter diesen Voraussetzungen ist es schwieriger, die nonverbalen Reaktionen auf einen Vorschlag wahrzunehmen, und…Weiterlesen

Absage eines Konzerts infolge von Covid-19: rechtliche Folgen

Aufgrund des Coronavirus mussten und müssen Musikveranstaltungen leider abgesagt werden. Welche Folgen ergeben sich aus diesen Annullierungen für die Künstler und Konzertveranstalterinnen? Ist das vertraglich vereinbarte Honorar für die Künstler trotzdem geschuldet? Text von Céline Troillet

Absage eines Konzerts infolge von Covid-19: rechtliche Folgen

Wenn die Bühnen und Säle leer bleiben: Wie sieht die rechtliche Situation bei der Absage von Musikveranstaltungen wegen Covid-19 aus? (Foto: Disq)

Die Corona-Krise versetzt uns in Unbehagen und Unsicherheit. Wir müssen uns so gut wie möglich an eine noch nie dagewesene Situation anpassen, die wir zurzeit kaum kontrollieren können. Auf gesundheitliche und wirtschaftliche Fragen, die die Krise aufwirft, gibt es keine klaren Antworten, ausserdem bestehen Rechtsunsicherheiten. Dazu stellen sich viele Fragen.

Gibt es einen Vertrag?

Wenn Sie einen Vertrag (oder eine E-Mail-Vereinbarung) haben, sollten sie überprüfen, ob die Absage eines Konzerts aufgrund höherer Gewalt/Pandemie und deren Auswirkung auf die Vergütung darin geregelt ist. Das ist zwar eher selten, aber nicht unmöglich. Leider vereinbaren die Parteien in einem solchen Fall meistens eine Streichung der Gage. Auch eine Reduzierung oder Rückerstattung bereits entstandener Kosten ist in den Verträgen eher selten vorgesehen.

A. Ohne Vertrag

Wenn keine schriftliche Vereinbarung vorliegt, stellt sich die Frage, welche Rechtsbestimmungen angewendet werden sollen. Um dies herauszufinden, müssen Sie schrittweise vorgehen:

1. Prüfen Sie, welche Vertragstyp des Obligationenrechts (OR) in ihrem Fall verbindlich sein könnte: Leider gibt es in der Schweiz zur rechtlichen Qualifizierung eines Engagement-Vertrags mit einem Künstler keinen Entscheid, weil eine nachgewiesene Rechtsprechung oder -praxis zu diesem Thema fehlt. Daher sind mehrere Auslegungen möglich. So muss jeder Fall einzeln analysiert und rechtlicher Rat eingeholt werden.

Die für das Engagement eines Künstlers möglichen Vertragstypen sind: der Werkvertrag (Art. 363 ff. OR), der Arbeitsvertrag (Art. 319 ff. OR) oder der Auftrag (Art. 394 ff. OR). Die Bedingungen und Unterschiede der einzelnen Vertragstypen sind weiter unten unter B. beschrieben.

2. Wenn feststeht, an welchen Vertragstyp Sie gebunden sind, prüfen Sie in den nachstehenden Erläuterungen zum Vertragstyp (vgl. unter B), inwiefern eine Entschädigung möglich sein könnte.

3. Wenn es sich um keinen der erwähnten Vertragstypen gemäss OR handelt, gibt es im Vertragsrecht noch eine eine allgemeine Bestimmung welche die Auswirkungen der nicht erbrachten Leistung regelt. Es handelt sich um Artikel 119 OR:

⇒ Begriffe und Bedingungen in Artikel 119 OR:

Gemäss dieser Bestimmung erlischt die Forderung einer Partei, wenn nach Vertragsabschluss ein Ereignis (das sie nicht zu verantworten hat) eintritt und die Leistung einer der Parteien aus diesem Grund verunmöglicht ist. Das Gesetz spricht hier von «nachträglicher Unmöglichkeit», für die drei Bedingungen erfüllt sein müssen:

• Die Leistung des Schuldners (der eine Leistung zu erbringen hat) ist unmöglich geworden (objektive Unmöglichkeit);
• Die Unmöglichkeit muss sich aus einem Ereignis ergeben, das nach Vertragsabschluss eingetreten ist. Das zufällige Ereignis (das nicht vom Willen einer Partei abhängt) ist ein Beispiel dafür;
• Der Schuldner hat die Unmöglichkeit nicht zu verantworten (es ist nicht sein Fehler, wenn er seiner Verpflichtung nicht nachkommen kann).

⇒ Objektive Unmöglichkeit, die der Schuldner nicht zu verantworten hat:

Der Entscheid, ob die zu erbringende Leistung unmöglich ist und der Schuldner dies nicht zu verantworten hat, liegt im Ermessen eines Richters.

Wenn die öffentliche Ordnung oder die innere Sicherheit bedroht ist wie etwa in Zeiten einer Pandemie, ist der Bundesrat gemäss der Schweizer Bundesverfassung verpflichtet, Verordnungen zu erlassen und dringende Entscheide zu treffen (Art. 185 BV). Der Richter ist dann im Rahmen seines Ermessensspielraums verpflichtet, die Normen und Entscheide der Bundesbehörden zu berücksichtigen. Daraus folgt, dass bei einer Absage von Konzerten aufgrund eines offiziellen Entscheids wahrscheinlich eine objektive Unmöglichkeit anerkannt wird, die keine der Parteien zu verantworten hat.

⇒ Rechtliche Folgen für die Parteien:

Eine Unmöglichkeit im Sinne von Artikel 119 OR entbindet nicht nur den Schuldner (der die Leistung zu erbringen hat), sondern auch den Gläubiger (für den der Schuldner die Leistung erbringen sollte) von seiner Verpflichtung (Art. 119 Abs. 2 OR).

Das bedeutet mit anderen Worten, dass bei einem Vertragsabschluss (zwischen einem Künstler und einem Konzertveranstalter) die Parteien (der Künstler und der Veranstalter) jeweils von ihren Verpflichtungen entbunden sind (der Künstler muss nicht mehr auftreten; der Veranstalter muss dem Künstler kein Honorar zahlen), wenn die Person, die handeln sollte (der Künstler) unverschuldet (wegen Covid-19 und nicht wegen eines Verschuldens des Künstlers) daran gehindert wird, seiner Verpflichtung nachzukommen (auf der Bühne aufzutreten).

B. Die einzelnen Vertragstypen gemäss OR

Werkvertrag (Art. 363 ff. OR):

Im Allgemeinen fallen die Leistungen eines Künstlers oder einer Künstlergruppe unter den Werkvertrag (der Künstler erbringt eine einmalige Leistung gemäss einem festgelegten Programm, was einem Werk gleichzustellen ist).

In diesem Bereich ist der Fall der höheren Gewalt in Artikel 378 OR geregelt. Diese Bestimmung sieht vor, dass wenn die Vollendung des Werks infolge eines beim Besteller eingetretenen Zufalls unmöglich wird, der Unternehmer Anspruch hat auf die Vergütung der geleisteten Arbeit und auf eine Rückerstattung der im Preis nicht inbegriffenen Auslagen.

Bei einer formellen Absage eines Konzerts aufgrund des Coronavirus, sollte die Unmöglichkeit der Vertragserfüllung durch den Besteller (dem Konzertveranstalter) anerkannt werden, soweit er ohne eigenes Verschulden an der Organisation des Konzerts des Künstlers gehindert ist. Das bedeutet, dass Artikel 378 OR anwendbar wäre und der Künstler folglich eine Vergütung für seine bereits geleistete Arbeit (z.B. Proben) und Auslagen erhalten könnte.

Der Arbeitsvertrag (Art. 319 ff. OR):

Unter gewissen Umständen kann der Anstellungsvertrag eines Künstlers als ein Arbeitsvertrag betrachtet werden (untergeordnetes Verhältnis zwischen dem Künstler und dem Veranstalter, bei dem das Spielen von Musik eher ein Bedürfnis des Arbeitgebers als ein Bedürfnis des Künstlers als solchem ist).

Artikel 324 OR befasst sich mit dem Lohn des Arbeitnehmers bei Verhinderung der Arbeitsleistung. Es ist umstritten, ob diese Bestimmung auch ein Ereignis höherer Gewalt abdeckt, im vorliegenden Fall die Absage eines Konzerts infolge der Massnahmen, die wegen des Coronavirus ergriffen wurden. Eine Mehrheit würde diese Frage eher bejahen, was bedeuten würde, dass der Künstler das Recht hätte, seinen Lohn zu erhalten.

Der Auftrag (Art. 394 ff. OR):

Entspricht der Engagement-Vertrag mit dem Künstler weder einen Werkvertrag noch einem Arbeitsvertrag, wird er im Allgemeinen als Auftrag betrachtet (der Künstler handelt als Beauftragter und erbringt eine Dienstleistung für den Veranstalter).

Der Auftrag befasst sich nicht mit dem Fall höherer Gewalt. Bei einer Absage eines Konzerts infolge der Massnahmen, die wegen des Coronavirus ergriffen wurden, wäre wahrscheinlich Artikel 119 OR anwendbar und somit wäre keine Vergütung geschuldet. Unter Vorbehalt, dass die Absage zur Unzeit erfolgen würde (z.B. unmittelbar vor dem Auftritt). In einer solchen Situation könnte dem Künstler eine Entschädigung für den entstandenen Schaden (nicht die Gage) gezahlt werden (Art. 404 OR).

C. Schlussfolgerung

Es ist wichtig, im Engagement-Vertrag die Möglichkeit einer Konzertabsage und deren Auswirkungen auf das Rechtsverhältnis anzusprechen. Wenn diese Punkte geklärt sind und sich eine solche Situation ergibt, wissen der Künstler und der Veranstalter, was sie voneinander fordern und wie sie finanzielle und andere Schäden vermeiden können.

Fehlt ein schriftlicher Vertrag oder wurde dieser Punkt nicht geregelt, ist die Situation heikler. Da die Rechtsnatur eines Engagement-Vertrags mit einem Künstler unklar ist, muss die Beziehung zwischen den Parteien interpretiert werden, damit man weiss, welchem Vertrag sie unterliegt (Werkvertrag, Arbeitsvertrag oder Auftrag). Je nach den anwendbaren Bestimmungen werden sich die rechtlichen Folgen unterscheiden. Die Beibehaltung des Honorars wird in manchen Fällen gerechtfertigt, in anderen Fällen ungerechtfertigt sein.

Wie aus den vorigen Ausführungen hervorgeht, ist es schwierig, eine klare Antwort auf die Frage zu geben, welche rechtlichen Folgen eine Konzertannullierung aufgrund des Coronavirus nach sich zieht. Jeder Fall muss einzeln analysiert werden. In Ermangelung eines Vertrags wäre ein Kompromiss zwischen den Parteien die ideale Lösung. Eine Verschiebung der Leistung oder die vollständige oder teilweise Rückerstattung ihrer Ausgaben sind ebenfalls mögliche Lösungen.

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Die Praxis der Online-Lizenzierung verlangt frühzeitiges Anmelden der Werke

Der Online-Musikvertrieb eröffnet aus verkäuferischer Sicht enorme Möglichkeiten. Mit wenig Aufwand kann Musik innert Kürze einem weltweiten Publikum zugänglich gemacht werden. Dagegen ist die Abrechnung der Urheberrechtsvergütungen für Online-Nutzungen komplex, auch weil die Prozesse anders sind als bei Aufführungs- oder Senderechten. Der wichtigste Ratschlag lautet: Zuerst das Werk möglichst frühzeitig bei der SUISA anmelden, erst dann online veröffentlichen. Text von Andreas Wegelin und Manu Leuenberger

Die Praxis der Online-Lizenzierung verlangt frühzeitiges Anmelden der Werke

Wer seine Musik über Online-Musikanbieter vertreibt, geht mit Vorteil nach folgendem Merksatz vor: Zuerst das Werk bei der SUISA anmelden, erst dann online veröffentlichen. (Foto: Anutr Yossundara / Shutterstock.com)

Im Internet macht der Handel vor Landesgrenzen keinen Halt. Insbesondere dann, wenn die Güter nicht physisch sondern rein digital vom Anbieter zum Kunden transportiert werden können – wie es bei Musik der Fall ist. Ein Online-Musikanbieter wie zum Beispiel Apple Music, Spotify oder Youtube bringt seine Produkte per Streaming oder Download auf direktem Weg zum Publikum: Zwischen der Plattform im Internet und den Abspielgeräten der Hörerinnen und Hörer passiert das Musikprodukt weder einen Zoll noch gibt es einen Zwischenhändler (vom Telekommunikationsanbieter des Internetzugangs einmal abgesehen).

Entscheidend an dieser Handelskette ist: Im Online-Musikvertrieb sind Gebietsbeschränkungen nicht nur für die Konsumentinnen und Konsumenten sondern auch bei der Lizenzierung der Urheberrechte weitgehend aufgehoben worden. Der Abrechnungsprozess unterscheidet sich grundlegend von der bisherigen Praxis im «Offline-Bereich», also bei Aufführungs- oder Senderechten oder bei der Lizenzierung von Tonträgern. Im Offline-Bereich lizenziert die SUISA nur das Territorium Schweiz und Fürstentum Liechtenstein, dafür aber für alle verwendeten Werke, auch jene von Mitgliedern unserer Schwestergesellschaften im Ausland. Durch Gegenseitigkeitsverträge kann sichergestellt werden, dass die Mitglieder der anderen Schwestergesellschaften den Anteil an in der Schweiz genutzten Werken erhalten. Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt: Wenn Werke von SUISA-Mitgliedern im Ausland aufgeführt werden, fordert die für das Gebiet verantwortliche Schwestergesellschaft die Vergütungen ein und leitet diese an die SUISA zur Verteilung an die Bezugsberechtigten weiter.

Im Online-Bereich funktioniert das anders. Diese andere Praxis hat sich etabliert seit der Empfehlung der EU-Wettbewerbskommission aus dem Jahr 2006, wonach bei der Verwertung von Urheberrechten online mehr Wettbewerb entstehen soll. Eine entsprechende EU-Richtlinie, die vor fünf Jahren beschlossen wurde, besagt, dass jeder Rechteinhaber für seine Online-Lizenzen wählen kann, ob er sie selbst vergeben möchte oder einen Partner wie eine Verwertungsgesellschaft seiner Wahl beauftragen will, diese europaweit (sogenannt paneuropäisch) wahrzunehmen.

SUISA seit 2012 mit Direktlizenzierung im Online-Bereich

Die grossen Musikverlage lassen schon seit 10 Jahren ihre Anteile an Werken grenzüberschreitend wahrnehmen. Diese Art der Lizenzierung wird Direktlizenzierung genannt. Konkret rechnen hierbei die Rechteinhaber, also die Verlage oder die Verwertungsgesellschaften, mit den «Digital Service Provider» (kurz: DSP) wie Apple Music, Spotify oder Youtube die Vergütungen für ihr Repertoire grenzüberschreitend direkt ab. Das bedeutet: Wenn Werke von SUISA-Mitgliedern auf den Plattformen der Online-Musikanbieter von Nutzern im Ausland angehört werden, fordert die SUISA die Vergütungen für diese Nutzungen direkt beim Anbieter ein. Zwischen dem Digital Service Provider und der SUISA gibt es also keinen «Zwischenhändler» mehr, wie er im herkömmlichen Offline-Bereich in Form der ausländischen Schwestergesellschaften vorhanden ist.

Viele Gesellschaften in Europa sind bereits übergegangen zu dieser Praxis der Direktlizenzierung der Werke ihrer Mitglieder weltweit. Die SUISA lizenziert seit 2012 bei einer stetig steigenden Zahl von Online-Musikanbietern die Rechte ihrer Mitglieder nicht nur für die Schweiz sondern grenzüberschreitend für weitere Territorien. Am Anfang waren das die europäischen Länder, seit 2018 kommen immer mehr Territorien auch ausserhalb Europas dazu. Mittlerweile vergibt die SUISA in der Regel weltweite Lizenzen an die DSP, mit den folgenden Ausnahmen: USA, Kanada, Südamerika, Nordkorea, Südkorea, Japan, Syrien und Australasien. Es ist aber geplant, in Zukunft auch in diese Territorien zu expandieren.

Direktlizenzierung hat in der Praxis zur Folge, dass die SUISA nur noch Lizenzrechnungen stellen kann für Werke, bei welchen sie die Dokumentation hat, da es jetzt auf die einzelnen Werkanteile ankommt, nicht mehr allein nur auf die Tatsache, dass eine Urheberin oder ein Urheber Mitglied der SUISA ist.

Trotzdem kommt es häufig vor, dass die Digital Service Provider von mehreren Gesellschaften Rechnung bekommen für Anteile am selben Werk, die am Ende zu sogenannten «overclaims» oder «underclaims» führen. Solche Über- oder Unter-(Rechts-)Ansprüche können entstehen, wenn zwischen den rechnungsstellenden Gesellschaften nicht klar ist, wer in welchen Territorium für welche Anteile an einem Werk die Vergütungen für ihre Auftraggeber beanspruchen kann. Auch kommt es zu «no claims», wenn gar keine Gesellschaft Rechnung stellt.

Das hat dazu geführt, dass die Anbieter den Rechteinhabern bei «overclaims» mehr als die vereinbarte Vergütung auszahlten, bei «underclaims» oder «no claims» zu wenig oder gar nichts. Es gibt auch Service Provider, die bei «overclaims» die Zahlung zurückhalten. Wenn also die Ansprüche aller rechnungsstellenden Gesellschaften für ein Werk zusammengerechnet über 100% ergeben, wird keine Vergütung entrichtet, solange nicht definiert ist, wer tatsächlich welchen Anteil fakturieren darf.

Abrechnungsprozess mit Online-Musikanbietern

Eine Arbeitsgruppe der Verwertungsgesellschaften, der Major-Verlage und der wichtigsten Online-Musikanbieter hat sich dem Problem angenommen und folgende Lösung vereinbart:

Die Rechnungsstellung gegenüber einem DSP läuft über mehrere Stufen. Die Verwertungsgesellschaft erhält vom Digital Service Provider die Nutzungsdaten zur Verfügung gestellt. Anhand dieser Nutzungsmeldungen, die jeweils eine Zeitperiode von einem oder drei Monate umfassen, wird dem Anbieter Rechnung gestellt für alle Werkanteile an Titeln, für welche die Gesellschaft die Nutzungsrechte eines Urhebers oder Verlegers hält. Stimmen die gestellten Rechnungen der verschiedenen Verwertungsgesellschaften bei einem Werktitel nicht überein, entstehen sogenannte «Disputes».

Die Gesellschaften haben 18 Monate Zeit, solche Anspruchskonflikte zu bereinigen. Innerhalb dieser Frist überprüft die SUISA die Daten der Nutzungsmeldungen ein weiteres Mal und vergleicht diese mit der aktualisierten SUISA-Werk-Dokumentation. Wenn bei diesem Suchlauf entsprechende neue Einträge zutage kommen, werden diese nachträglich in Rechnung gestellt. Was nach 18 Monaten nicht bereinigt ist, fällt in die sogenannten «Residuals»; das ist das Lizenzentgelt für Werkanteile, die nicht oder nicht vollständig in Rechnung gestellt wurden («underclaims» und «no claims»).

Die «Residuals», diese bei den DSP nicht beanspruchten Vergütungen aus «underclaims» und «no claims», werden von der SUISA als Zuschlag auf die in derselben Abrechnungsperiode genutzten Werke verteilt. Ein Werk, das nicht angemeldet war, konnte damit auch keinen Zuschlag erhalten.

Zuerst Werk anmelden, erst dann online veröffentlichen

Der wichtigste Ratschlag für SUISA-Mitglieder, die ihre Kompositionen über den Online-Musikvertrieb zugänglich machen, lautet: Zuerst das Werk möglichst frühzeitig bei der SUISA anmelden, erst dann die Veröffentlichung online vornehmen!

Wer nach diesem Merksatz vorgeht, schafft die Grundlage dafür, dass bei Online-Nutzungsmeldungen die Werke von Anfang an erkannt und den Digital Service Provider in Rechnung gestellt werden können. Der Abrechnungsprozess mit den Online-Musikanbietern kennt Fristen und die Aufmerksamkeit des Publikums im Internet ist häufig rasch verflogen. Bei zu später Registrierung von Werken besteht die Gefahr, dass dadurch Nutzungen nicht erfasst und Vergütungen nicht zugewiesen werden können.

Wenn die Werkanmeldung vor dem Erscheinen der ersten Aufnahme des Werks zum Streamen oder Downloaden erfolgt, kann die SUISA bereits von Beginn an bei den Digital Service Provider die Werkanteile geltend machen. Die Metadaten der Werkanmeldung sollten der einfachen automatischen Identifikation wegen genau gleich lauten, wie die Daten, welche dem DSP zu dem Werk vorliegen.

Metadaten sind zusätzliche Angaben und Informationen, die andere Daten genauer beschreiben. Dank solchen Zusatzangaben können bei Suchläufen durch grosse Datenmengen einzelne Elemente daraus besser bestimmt und somit gefunden werden. Zu einem musikalischen Werktitel gehören neben den üblichen Angaben zu Komponist, Textautor, Verlag etc. idealerweise auch die Informationen über den oder die Interpreten sowie allenfalls vorhandene alternative Werktitel von anderen Sprachfassungen als auch Remix-/Edit-Versionen, also zum Beispiel: «Songtitel – Radio Edit» oder «Songtitel – Extended Version». Vollständige und korrekte Metadaten sind von grossem Vorteil, wenn es darum geht, beim maschinellen Abgleich der Nutzungsmeldungen mit der Werkdatenbank eine Übereinstimmung zu finden.

Diese Voraussetzungen sind entscheidend, damit ein Werk in allen von der SUISA direkt lizenzierten Gebieten und bei allen von der SUISA direkt lizenzierten Online-Musikanbietern korrekt abgerechnet werden kann.

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Von Einnahmen und Aufwänden über Investitionen bis zum Jubiläum

Eine breite Themenpalette stand an den Sitzungen des SUISA-Vorstands vom 28. und 29. September 2020 zur Besprechung auf dem Programm. Erstmals nach dem Corona-bedingten Unterbruch tagte in Lausanne ein Teil der Sitzungsteilnehmerinnen und -teilnehmern unter Berücksichtigung von Schutzmassnahmen wieder physisch vor Ort, während sich einige Mitglieder des Vorstands per Videotelefonie aus ihren Homeoffices zuschalteten. Bericht aus dem Vorstand von Andreas Wegelin

Bericht aus dem Vorstand: Von Einnahmen und Aufwänden über Investitionen bis zum Jubiläum

Momentaufnahme vom Label Suisse Festival 2020 in Lausanne (im Bild zu sehen: Corin Curschellas und Ursina Giger vom Trio La Triada). Für die kulturelle Entwicklung und die Förderung der Musik in ihrer ganzen Vielfalt in der Schweiz hat das Verwertungsmonopol der SUISA eine zentrale Bedeutung, ist der SUISA-Vorstand überzeugt. (Foto: Tabea Hüberli & Dirk Hoogendoorn)

Der Vorstand nahm zur Kenntnis, dass die Situation der Einnahmen im Krisenjahr bisher im Vergleich zu den im April getätigten Annahmen stabil blieb. Das während dem Lockdown im Frühling erstellte Corona-Budget wurde einnahmenseitig sogar etwas übertroffen. Dennoch ist damit zu rechnen, dass die SUISA das Geschäftsjahr 2020 mit einem Rückgang der Einnahmen von rund 25% im Vergleich zum Vorjahr abschliessen wird. Die bisherigen Ausgaben liegen ebenfalls innerhalb des Sparbudgets, mit 12,7% weniger Ausgaben als vorgesehen sogar besser.

Christoph Trummer; Leiter der politischen Projekte beim Berufsverband der freischaffenden Musikerinnen und Musiker Sonart, informierte die Vorstandsmitglieder über den aktuellen Stand und die zukünftige Entwicklung der Hilfsmassnahmen für Musikschaffende. Es zeigt sich, dass es den Kulturverbänden in der Covid-19-Krise gelungen ist, gemeinsam und hartnäckig gegenüber dem Parlament, aber auch den Ämtern und Behörden aufzutreten, mit einer Stimme zu sprechen und für die Kulturschaffenden dringend notwendige Unterstützung zu erhalten.

Aufwand pro Tarif von Inkasso bis Verteilung

Das erfreuliche Resultat der Kostenträgerrechnung wurde präsentiert. Diese Berechnung zeigt auf, wie hoch der Aufwand pro Tarif vom Inkasso bis zur Verteilung ist. In der Tat ist der Aufwand nicht in allen Tarifen gleich hoch, je nachdem, ob wir viele einzelne Kundinnen und Kunden oder nur wenige abzurechnen haben und inwieweit die Markterfassung aufwändig ist.

So sind beispielsweise die Kosten für das Inkasso und die Verteilung von Urheberrechtsentschädigungen bei Konzerten tiefer als bei Vereinsanlässen. Im ersten Fall haben wir es oft mit professionellen Veranstalterinnen und Veranstaltern zu tun, welche ihre Verpflichtungen gegenüber den Urheberinnen und Urhebern in der Regel kennen. Bei Vereinsanlässen, Turn- und Betriebsfesten hingegen müssen die Organisierenden zuerst auf ihre Verpflichtungen aufmerksam gemacht werden.

Gesamthaft sind aber die Kostenanteile pro Tarif im Beobachtungsjahr 2019 gesunken, weil dank höheren Nebeneinnahmen aus dem Wertschriftenertrag ein Grossteil der Kosten gedeckt werden konnten. Die Geschäftsleitung der SUISA wird weiter alle Möglichkeiten zu einer kostengünstigeren Bearbeitung des Inkassos und der Verteilung unternehmen. Wichtiges Element wird dabei eine noch weitergehende Automatisierung des Lizenzierungsprozesses sein: Die Veranstalterinnen und Veranstalter sollen ihre Anlässe unkompliziert online melden können. Machen sie das nicht, soll das System aufgrund von Stichworten die Anlässe finden und den Inkassoprozess einleiten.

Finanzgeschäfte

Für die Tochtergesellschaft Mint Digital Services genehmigte der SUISA-Vorstand anstelle der noch im Sommer vorgesehenen Bürgschaftsgarantie für die Lizenzierung grosser Verlagskataloge die Verpfändung eines Wertschriftendepots als Sicherheit.

Der Vorstand ist gemäss Statuten zuständig für die Geldanlagen der SUISA. Grundsätzlich sollen die Gelder angelegt werden für die Zeitspanne, welche zwischen dem Zahlungseingang von den Lizenznehmerinnen und -nehmern bis zum Abschluss der Verteilungsarbeiten und der Auszahlung an die Bezugsberechtigten liegt. Die Anlagen werden aufgrund eines Reglements getätigt. Auf Anregung eines Mitglieds des Vorstands wurde dieses Reglement neben den Kriterien «Sicherheit» und «angemessene Rendite» durch das Kriterium der «Nachhaltigkeit» ergänzt.

Vergangenheit und Zukunft

Die SUISA wird im Jahr 2023 100-jährig. Die ersten Vorarbeiten und Planungen für das Jubiläum wurden in Angriff genommen. Angeregt durch einen Vorschlag aus der SUISA-Kommunikationsabteilung wurden Überlegungen angestellt, wie der runde Geburtstag der Genossenschaft angemessen gefeiert werden soll. Mögliche Jubiläumsprojekte sollen weiter ausgearbeitet werden.

Im Weiteren nahm der Vorstand Kenntnis von einem Rechtsgutachten zur Monopolstellung der SUISA und deren Zukunft auf einem sich öffnenden Lizenzmarkt für Urheberrechte. Das Verwertungsmonopol ist im Bereich der Onlinerechte bereits verschwunden. Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass die SUISA auch in anderen Wahrnehmungsbereichen zunehmend mit Konkurrenz konfrontiert ist; zum Beispiel durch ausländische Agenturen, die in der Schweiz stattfindende Konzerte direkt lizenzieren. Währenddessen bleibt die SUISA gemäss den gesetzlichen Bestimmungen weitgehend verpflichtet, die zu ihrem Tätigkeitsbereich gehörenden Rechte möglichst umfassend wahrzunehmen, so hält das Gutachten fest.

Der Vorstand ist der Ansicht, dass das Verwertungsmonopol der SUISA zu bestärken ist, weil es für die kulturelle Entwicklung, die Förderung der Musik in ihrer ganzen Vielfalt in der Schweiz eine zentrale Bedeutung hat, sowohl für die Urheberinnen und Urheber, die Musikveranstalterinnen und -veranstalter wie auch für die Konsumentinnen und Konsumenten. Die Geschäftsleitung wurde beauftragt, entsprechende Massnahmen zur Information der Behörden und des Publikums zu ergreifen.

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Eine breite Themenpalette stand an den Sitzungen des SUISA-Vorstands vom 28. und 29. September 2020 zur Besprechung auf dem Programm. Erstmals nach dem Corona-bedingten Unterbruch tagte in Lausanne ein Teil der Sitzungsteilnehmerinnen und -teilnehmern unter Berücksichtigung von Schutzmassnahmen wieder physisch vor Ort, während sich einige Mitglieder des Vorstands per Videotelefonie aus ihren Homeoffices zuschalteten. Bericht aus dem Vorstand von Andreas Wegelin

Bericht aus dem Vorstand: Von Einnahmen und Aufwänden über Investitionen bis zum Jubiläum

Momentaufnahme vom Label Suisse Festival 2020 in Lausanne (im Bild zu sehen: Corin Curschellas und Ursina Giger vom Trio La Triada). Für die kulturelle Entwicklung und die Förderung der Musik in ihrer ganzen Vielfalt in der Schweiz hat das Verwertungsmonopol der SUISA eine zentrale Bedeutung, ist der SUISA-Vorstand überzeugt. (Foto: Tabea Hüberli & Dirk Hoogendoorn)

Der Vorstand nahm zur Kenntnis, dass die Situation der Einnahmen im Krisenjahr bisher im Vergleich zu den…Weiterlesen

Schweizer Kongress zu Film- und Mediamusik

Von 29. September bis 2. Oktober 2020 findet während dem Zürcher Filmfestival der Film- und Mediamusikkongress «SoundTrack_Zurich» statt. Schweizer Film- und Medienmusikschaffende können diesen Anlass nutzen, um ihr Netzwerk zu vergrößern, ihr Fachwissen zu erweitern und sich mit erfahrenen, international tätigen Businessinsidern auszutauschen. Text von Erika Weibel

Soundtrack Zurich: Schweizer Kongress zu Film- und Mediamusik

Die SUISA unterstützt die erste Austragung des Film- und Medienmusikkongresses «SoundTrack_Zurich», dessen Programm unter www.soundtrackzurich.com abrufbar ist. (Bild: SoundTrack_Zurich)

Komponistinnen und Komponisten aus dem In- und Ausland werden an zwei nahegelegenen Standorten ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit dem anwesenden Publikum teilen. Die Kongressteilnehmenden können sich während des Events mit internationalen Gästen des Zurich Film Festivals (ZFF) in Workshops, Panels, Case Studies und Vorlesungen rund um aktuelle Themen der Schweizer und Europäischen Filmmusikszene austauschen.

«SoundTrack_Zurich» ist eng vernetzt sowohl mit dem ZFF und dessen Gästen als auch mit der ZHdK (Zürcher Hochschule der Künste), wo innerhalb des Frameworks von «International Media Music Competition» und Immsane («International Media Music & Sound Arts – Network in Education») ein reger internationaler Austausch zur Universitätsausbildung bei Film- und Medienmusikschaffenden stattfindet.

Stargast Ray Parker Jr.

Stargast von «SoundTrack_Zurich» ist Ray Parker Jr., der den Titelsong zum Film «Ghostbusters» komponiert hat und bei dieser Gelegenheit als Weltpremiere den Dokumentarfilm «Who You Gonna Call» über seine Karriere vorstellt.

Ray Parker Jr. schrieb und spielte in hunderten Top-25-Hits. Er komponierte Songs, stand auf der Bühne und arbeitete als Session-Musiker mit den größten Ikonen der Branche; darunter Barry White, Aretha Franklin, Diana Ross, Tina Turner, The Temptations, The Carpenters und The Supremes.

Urheberrechtsfragen rund um das Film- und Mediamusikschaffen

Am Vormittag des 29. Septembers finden Vorträge und Informationsveranstaltungen auch zu Urheberrechtsthemen statt. So kann man zum Beispiel von Expertinnen und Experten der SUISA Fragen zu Dokumentation und Cue Sheets beantworten lassen oder auch Auskünfte zum SUISA-Abrechnungswesen erhalten.

Ausserdem wird ein Panel über die «Digital Challenges» des heutigen Zeitalters stattfinden, bei dem IT-Fachleute mit Businessinsidern diskutieren, wie die zukünftige digitale Wertschöpfung beim Filmmusikschaffen aussehen soll.

SUISA-Sponsoringengagement

«Soundtrack_Zurich» wird organisiert von SMECA, kuratiert von Michael P. Aust («SoundTrack_Cologne») und organisiert in Zusammenarbeit mit «SoundTrack_Cologne», Forum Filmmusik, ZHdK (Zürcher Hochschule der Künste) und IMMSANE. «Soundtrack_Zurich» ist organisatorisch und finanziell unabhängig vom Zurich Film Festival.

«SoundTrack_Zurich» soll eine neue Drehscheibe für Akteure des internationalen Filmmusikschaffens werden. Das Film- und Mediamusikschaffen spielt eine sehr wichtige Rolle auch im schweizerischen Musikbusiness. Aus diesem Grund freut es die SUISA, als Sponsor zur Organisation dieses Events beizutragen.

Weblinks zum Anlass und den Kooperationspartnern:

SoundTrack_Zurich
Zurich Film Festival
International Film Music Competition
Immsane.com
Smeca
Forum Filmmusik
ZHdK
SoundTrack_Cologne

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Rappenspalten im digitalen MusikvertriebRappenspalten im digitalen Musikvertrieb Das Geschäft im Online-Bereich ist – nicht nur für Urheberrechtsgesellschaften – durch einen dauernden Wandel geprägt. Im zweiten Teil des Gesprächs macht SUISA-CEO Andreas Wegelin einen Ausblick, was der heutige Stand ist und über welche Szenarien diskutiert wird. Weiterlesen
Das revidierte Urheberrechtsgesetz ist in Kraft getretenDas revidierte Urheberrechtsgesetz ist in Kraft getreten Die Coronavirus-Krise hat das Ereignis zweifellos in den Schatten gestellt. Doch am 1. April 2020 ist das revidierte Urheberrechtsgesetz in Kraft getreten, nachdem der Versuch der Piratenpartei, ein Referendum zu lancieren, gescheitert war. Weiterlesen
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  1. Hallo Erika,
    vielen Dank für die ganzen Infos zum Event. Auf Ray Parker Jr. freue ich mich besonders.
    Werdet ihr im Anschluss wieder darüber berichten?
    Freue mich wieder davon zu lesen.
    Liebe Grüße,
    Christoph

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Von 29. September bis 2. Oktober 2020 findet während dem Zürcher Filmfestival der Film- und Mediamusikkongress «SoundTrack_Zurich» statt. Schweizer Film- und Medienmusikschaffende können diesen Anlass nutzen, um ihr Netzwerk zu vergrößern, ihr Fachwissen zu erweitern und sich mit erfahrenen, international tätigen Businessinsidern auszutauschen. Text von Erika Weibel

Soundtrack Zurich: Schweizer Kongress zu Film- und Mediamusik

Die SUISA unterstützt die erste Austragung des Film- und Medienmusikkongresses «SoundTrack_Zurich», dessen Programm unter www.soundtrackzurich.com abrufbar ist. (Bild: SoundTrack_Zurich)

Komponistinnen und Komponisten aus dem In- und Ausland werden an zwei nahegelegenen Standorten ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit dem anwesenden Publikum teilen. Die Kongressteilnehmenden können sich während des Events mit internationalen Gästen des Zurich Film Festivals (ZFF) in Workshops, Panels, Case Studies und Vorlesungen rund um aktuelle Themen der Schweizer und Europäischen Filmmusikszene austauschen.

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Label Suisse und SUISA machen Schweizer Musik möglich | mit Video

Vom 18. bis 20. September 2020 findet in Lausanne die neunte Ausgabe des Label Suisse Festivals statt. Die Programmierung dieses biennalen Festivals widmet sich der Schweizer Musikszene in ihrer ganzen Vielfalt. Ein besonderes Highlight: Künstlerinnen und Künstler aus allen Genres haben eigens für das Label Suisse Werke komponiert. Diese Werke werden am Festival zum ersten Mal live aufgeführt. Die SUISA beteiligt sich auch dieses Jahr wieder als einer der Hauptpartner am Festival. Text von Erika Weibel

Label Suisse ist in der Schweiz einzigartig: Alle zwei Jahre bietet das Festival in Lausanne dem Publikum einen Einblick in das Schweizer Musikschaffen – über geografische und Genre-Grenzen hinweg – und weist damit auf den aktuellen Horizont eidgenössischer Musikerinnen und Musiker der zeitgenössischen Musik des Pop, Rock, Jazz, der Klassik und Neuen Volksmusik in ihren unterschiedlichsten Ausdrucksformen hin. Über 60 etablierte wie auch aufstrebende Künstlerinnen und Künstler treten im Rahmen des vielseitigen Programms während drei Tagen in verschiedenen Locations in Lausanne auf.

Spannende Kompositionsprojekte vervollständigen das abwechslungsreiche Konzertangebot. So haben Komponistinnen und Komponisten aus unterschiedlichen Musiksparten für das Festival Werke geschaffen, die dort uraufgeführt werden.

Das Festival richtet sich nicht nur an ein musikbegeistertes Publikum, sondern ist auch ein Stelldichein der Schweizer und ausländischen Musik- und Veranstaltungsszene. Die SUISA, als Genossenschaft der Komponisten, Textautoren und Verleger von Musik, ist auch dieses Jahr wieder als einer der Hauptpartner des Festivals dabei und macht damit zusammen mit dem Label Suisse Musik in der Schweiz möglich.

Kompositionsprojekte

Folgende Kompositionen wurden eigens für das Label Suisse 2020 geschaffen:

Jazz
Nik Bärtsch, Komposition und Klavier.
Projekt im Partenariat mit der Zürcher Hochschule der Künste und des Jazzcampus Basel mit der Beteiligung von jungen Musikern.
Aufführung: Samstag, 19. September 2020, Salle Paderewski
Weitere Konzerte in den Partnerstädten am Festival Klangbasel (Basel) und im Moods (Zürich)

Klassische Musik
Antoine Chessex, Kompositionsauftrag für Grosse Orgel, Truhenorgel und Hammond
Interpreten: Simone Keller und Dominik Blum
Projekt von der Dauer von 35 Minuten, mit dem Titel «Technosphère & Fragmentation».
Aufführung: Sonntag, 20. September 2020, Eglise St Francois

Isabel Mundry, Komposition
Collegium Novum Zürich (CNZ) ; Brian Archinal, Perkussion solo
Titel des Werks: Noli me tangere (2020)
Aufführung: Samstag, 19. September 2020, Salle Paderewski

Cod.act – André et Michel Décosterd
«Von Roll Twist 4» – Installation für 6 Lautsprecher und einen Performer (Francesco Biamonte)
André et Michel Décosterd kombinieren ihre Fähigkeiten, wobei der erste Musiker, Komponist und Klangkünstler und der zweite Architekt und bildender Künstler ist. Gemeinsam entwickeln sie eine künstlerische Arbeit in Form von Performances und interaktiven Installationen. Am Anfang ihres Ansatzes steht eine Reflexion über Klang und Bewegung und deren mögliche Interaktion.
Aufführung: Samstag, 19. September 2020, D! Club

Neue Volksmusik
Michel Godard
Eigens für diesen Anlass komponierte Werke von Michel Godard, dirigiert von Pascal Emonet. Gespielte von Fanfarenspielern des Walliser Blasmusik und Jazz Konservatoriums in einem wenig bekannten Klangansatz: der italienischen Banda. Dieses Orchester wird von begleitet von Michel Godard, Pierre Favre, Isa Wiss und Matthieu Michel.

Kommen auch Sie und erleben sie, wie die Klänge von ganz neuen Werken zum allerersten Mal an ein Publikum getragen werden.

www.labelsuisse.ch

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Das Duo Zwahlen/Bergeron will bislang Ungehörtes hör- und sichtbar machenDas Duo Zwahlen/Bergeron will bislang Ungehörtes hör- und sichtbar machen Auf der einen Seite die Jahrhunderte alte Tradition der Chormusik – auf der anderen die schier unendlichen Möglichkeiten elektronischer Musik. Jérémie Zwahlen und Félix Bergeron experimentieren im Spannungsfeld dieser zwei Pole, um etwas völlig Neues zu erschaffen. Der Get Going!-Beitrag unterstützt sie bei diesem Vorhaben. Weiterlesen
Die ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label SuisseDie ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label Suisse Vom 14. bis 16. September 2018 hat zum achten Mal das Festival Label Suisse in Lausanne stattgefunden. Das Festival ist dem Schweizer Musikschaffen gewidmet und bietet dem Publikum alle zwei Jahre einen breitgefächerten Panoramablick auf die aktuelle Musiklandschaft der Schweiz. Weiterlesen
«Ab is Wälschland» ans Eidgenössische Volksmusikfest«Ab is Wälschland» ans Eidgenössische Volksmusikfest Im Mai trafen sich fünf junge Volksmusikanten unter der Leitung von Dani Häusler in Crans-Montana, um eine Hymne für das Eidgenössische Volksmusikfest 2019 zu komponieren. Das von der SUISA initiierte und in Zusammenarbeit mit dem Organisationskomitee des EVMF durchgeführte Komponierwochenende war ein voller Erfolg. Weiterlesen
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Vom 18. bis 20. September 2020 findet in Lausanne die neunte Ausgabe des Label Suisse Festivals statt. Die Programmierung dieses biennalen Festivals widmet sich der Schweizer Musikszene in ihrer ganzen Vielfalt. Ein besonderes Highlight: Künstlerinnen und Künstler aus allen Genres haben eigens für das Label Suisse Werke komponiert. Diese Werke werden am Festival zum ersten Mal live aufgeführt. Die SUISA beteiligt sich auch dieses Jahr wieder als einer der Hauptpartner am Festival. Text von Erika Weibel

Label Suisse ist in der Schweiz einzigartig: Alle zwei Jahre bietet das Festival in Lausanne dem Publikum einen Einblick in das Schweizer Musikschaffen – über geografische und Genre-Grenzen hinweg – und weist damit auf den aktuellen Horizont eidgenössischer Musikerinnen und Musiker der zeitgenössischen Musik des Pop, Rock, Jazz, der Klassik und Neuen Volksmusik in ihren unterschiedlichsten…Weiterlesen

Das Duo Zwahlen/Bergeron will bislang Ungehörtes hör- und sichtbar machen

Auf der einen Seite die Jahrhunderte alte Tradition der Chormusik – auf der anderen die schier unendlichen Möglichkeiten elektronischer Musik. Jérémie Zwahlen und Félix Bergeron experimentieren im Spannungsfeld dieser zwei Pole, um etwas völlig Neues zu erschaffen. Der Get Going!-Beitrag unterstützt sie bei diesem Vorhaben. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Das Duo Zwahlen/Bergeron will bislang Ungehörtes hör- und sichtbar machen

Félix Bergeron und Jérémie Zwahlen (Fotos: Stephane Winter & Laura Morier-Genoud; Alain Kissling)

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Jérémie Zwahlen und Félix Bergeron, beide 33-jährig, sitzen in einem Café in Lausanne und diskutieren über ihr Vorhaben, die lange Tradition der Chormusik mit Hilfe des elektronischen Experimentes neu zu definieren. Bergeron nutzt das Gespräch zu diesem Porträt gleich für ein Brainstorming. Präzise wie es sich für einen Schlagzeuger gehört, zählt er mit zunehmend komplexer werdender Rhythmik immer neue Möglichkeiten auf, wie die Verbindung von Alt und Neu, von Tradition und Avantgarde, umgesetzt werden könnte. Zwahlen hört mit stoischer Ruhe zu und ergänzt ab und zu mit pointierten Sätzen. Diese Art von Dialog scheint für ihn nichts Neues. «Félix ist wie eine ungemein starke Zigarette und ich bin der Superfilter, den man benutzt, um sie zu rauchen», meint Zwahlen und beide lachen.

Eigentlich besuchten die beiden bereits als Jugendliche die gleiche Schule in der Nähe von Lausanne, doch dann trennten sich die Wege. Bergeron trommelte bereits als Sechsjähriger, fand aber nie die endgültige Befriedigung bis er am Jazzfestival Willisau einen Soloauftritt von Lucas Niggli hörte. «Er benutzte neben den Drums auch Elektronik. Ich war völlig baff und wusste, das will ich auch!», erzählt Bergeron. Zwahlen dagegen wuchs in der Tradition der Blasmusik auf, in der er als Trompeter Mitglied einer Kapelle war, genau so wie sein Vater und Grossvater vor ihm. Die Mutter ihrerseits sang im Chor. «Im Gymnasium», so Zwahlen, «erzählten sie mir, ich wäre ein guter Musiklehrer und so begann ich dann meine Ausbildung.»

Chor und Elektronik

Beide besuchten sie die Haute Ecole de Musique Lausanne (HEMU), «aber ich studierte Jazz und Jérémie klassische Musik», erzählt Bergeron, «das waren zwei verschiedene Gebäude.» Was die beiden nicht wussten: Ihre Lebenspartnerinnen waren befreundet und so kam es, dass sie sich nach Jahren an einer Party wieder trafen. Als dann Zwahlen Bergeron bat, die Arbeit des von ihm geführten Chœur Auguste elektronisch zu unterstützen, kam ihnen die Idee einer Zusammenarbeit, die weit über das bislang Gewohnte und Gehörte hinausgehen sollte. «Natürlich gab es das schon, dass man Chor und Elektronik zusammenbrachte», sagt Bergeron, «aber da ersetzte man einfach die Orgel oder das Piano durch einen Synthesizer. So etwas interessiert uns nicht.»

Prädestiniert, um Neuland zu betreten sind beide, kratzen sie doch bereits in ihren individuellen Projekten stets an den stilistischen Grenzen und versuchen die musikalische Landschaft neu zu kartographieren. Zwahlen definiert mit seinen pointierten und konzeptionell ungewohnten Arrangements der Musik von Elvis Presley, Johnny Cash, Camille oder Queen nicht nur die choralen Gesetze neu, sondern betrachtet den Chor in seiner Summe als Körper: «Der Chor ist wie eine Skulptur, die atmet und die man bearbeiten kann. Und auch Félix arbeitet mit physisch erfahrbaren Vibrationen. Am Ende sollte man die Musik förmlich anfassen können.»

Musik als Skulptur

In der Tat ist Bergeron stark vom Skulpturalen beeinflusst. Neben seinen zahlreichen Projekten zwischen abstrakter Improvisation, Folk, Punk und Jazz, arbeitet er auch für das Theater und für Tanzcompagnien. In seinen «Brush Paintings» sorgt der Zufall für bildende Kunst, in dem er die Schlagzeugbesen mit Farbe versieht und die Becken mit Leinwänden. «In der spontanen Arbeit mit Elektronik lässt sich auch mit Willkürlichkeit arbeiten. Das interessiert mich. Ich sehe da unzählige Möglichkeiten, damit die traditionellen Formen der Chormusik aufzubrechen.»

Musik als Skulptur, die dem Publikum auch die Geheimnisse hinter deren Entstehung offenbaren soll. «Wir wollen, dass das Publikum sieht, was geschieht. Wie Komposition, Zufall, Arrangements und Improvisation sich gegenseitig beeinflussen. Unser Projekt soll über alle Sinne, die dem Publikum zur Verfügung stehen, erfahrbar werden», schildert Zwahlen den Ausgangspunkt und betont: «Meine Obsession besteht darin, dass ich sämtliche Arten von Musik so aufarbeiten möchte, dass sie allen Menschen Freude bereitet. Egal, ob es sich dabei um klassische Musik, Volksmusik, Jazz oder experimentelle Musik handelt.»

Es gäbe so viele musikalische, inhaltliche und visuelle Möglichkeiten, mit denen man bei einem solchen Projekt experimentieren könne, meinen beide und betonen, wie wichtig bei einem solchen Vorhaben die Faktoren Zeit und Geld seien. «Dank dem Beitrag von Get Going! ist es uns überhaupt erst möglich, Neuland in dieser Fülle zu betreten», strahlt Bergeron.

Jérémie Zwahlen und Félix Bergeron: Zwei von Musik Besessene, die ihre Begeisterung auch als Lehrer an der HEMU sowie der Ecole de jazz et musique actuelle (EJMA) in Lausanne und – im Falle Bergerons – zusätzlich an der Ecole Jeunesse & Musique in Blonay an nachkommende Generationen weitergeben. Gemeinsam formen sie die einzige Zigarette der Welt, die der Gesundheit nicht schadet. Im Gegenteil.

www.felixbergeronmusic.ch
www.choeurauguste.ch

Seit 2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Unter dem Titel Get Going! werden kreative und künstlerische Prozesse finanziell angestossen, die sich ausserhalb der gängigen Kategorien befinden. In einer Porträtserie stellen wir jedes Jahr die Empfängerinnen und Empfänger dieser Get Going!-Beiträge vor. Die Ausschreibung für 2020 dauert noch bis Ende August.

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Nik Bärtsch: «Wir sind da alle stark auch als Gemeinschaft gefordert»«Wir sind da alle stark auch als Gemeinschaft gefordert» Mit dem Projekt «Music for Tomorrow» möchte die SUISA ihre Mitglieder in dieser schwierigen Zeit unterstützen. Wir bieten den Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform, auf der sie über ihre aktuelle Situation im Lockdown erzählen und eines ihrer Werke vorstellen dürfen. Diese Woche stellen wir euch den Schweizer Pianisten, Komponisten und Musikproduzenten Nik Bärtsch und sein Stück «Modul 5» vor. Im Interview erzählt Nik von seinem Lockdown-Alltag mit seiner Familie und was er mit einem australischen Notarzt gemeinsam hat. Weiterlesen
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Auf der einen Seite die Jahrhunderte alte Tradition der Chormusik – auf der anderen die schier unendlichen Möglichkeiten elektronischer Musik. Jérémie Zwahlen und Félix Bergeron experimentieren im Spannungsfeld dieser zwei Pole, um etwas völlig Neues zu erschaffen. Der Get Going!-Beitrag unterstützt sie bei diesem Vorhaben. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

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Félix Bergeron und Jérémie Zwahlen (Fotos: Stephane Winter & Laura Morier-Genoud; Alain Kissling)

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