Tagarchiv: Kompositionsauftrag

Der Klang des Berges

Dieses Jahr findet zum ersten Mal das Floating Notes Festival beim San Bernardino in Graubünden statt. Das Floating Notes steht im Zeichen von experimenteller Musik. Die Festivalmacher, Künstlerinnen und Künstler beschreiben in diesem Blogbeitrag, wie die einzigartige Landschaft die Musik und die Auftritte beeinflusst. Die SUISA ist Sponsoring-Partnerin des Festivals. Gastbeitrag von Elena Rotondi

Floating Notes Festival: Der Klang des Berges

Das Floating Notes Festival findet vom 23. bis 25. Juli 2021 in Mesocco beim San Bernardino statt. (Foto: Sebastiano Piattini)

Kety Fusco, Gründerin und Programmgestalterin des Floating Notes Festivals, hat eine sehr genaue Vorstellung davon, was der Herzschlag ihres Festivals sein wird: Die Künstler werden eine experimentelle und unveröffentlichte Klangforschung betreiben, die sich unter Berücksichtigung ihres eigenen künstlerischen und musikalischen Hintergrunds an den Ort der Aufführung anpasst und es unmöglich macht, den Inhalt der Aufführung von dem Ort zu lösen, an dem er entstanden ist. Aus diesem Grund wird das Floating Notes Festival ein völlig neuartiges Ereignis sein, denn Musik und Ort werden in einer einzigartigen Performance zusammengeführt.

Kety Fusco wird mit ihrer elektrischen Harfe die Eröffnungsnacht des Festivals an der Quelle des San Bernardino (GR) am Freitag, 23. Juli, eröffnen. Dies, so erzählt sie, soll ein Manifest der Idee sein, die hinter dem Festival steht: das Bedürfnis, die Ästhetik und die Geschichte des San Bernardino zu vereinen, einen Ort wiederzubeleben, der historisch gesehen schon immer ein Anziehungspunkt für internationale Reisende war und der auch heute noch – dank der unberührten Schönheit, die man an einigen Stellen trifft – viele Besucher anzieht. All dies mit Blick auf die Zukunft, durch die stimmungsvolle, innovative und experimentelle Musik, die diese Umgebung bevölkern und sie mit einer neuen Bedeutung füllen wird.

Die Künstlerinnen und Künstler im Programm wurden gefragt, wie ihr kreativer Prozess ihre Vorbereitung auf das Festival und ihre Performance auf der Bühne steuert. Camilla Sparksss, die am Abend in der Fonte Minerale auftritt, erzählt uns, wie sie eigens für das Floating Notes Festival mit einem Live-Set experimentiert: «Es entstehen Klänge, die meiner Meinung nach dem Klang des Berges in seiner Erhabenheit, mit seinen Echos und seinen Gefahren sehr nahe kommen. Es wird eine Performance sein, die für jemanden sehr experimentell scheinen könnte. Aber man muss einfach die Augen schliessen und sich sich eine Reise ins Innere der Felsen vorstellen, um sich eins mit den Bergen zu fühlen.»

Interessant ist auch, wie der junge Musiker Adriano Koch, der den Abend des Freitags, 23. Juli, beschließen wird, seinen Auftritt mit dem Ort verknüpft, an dem er auftritt: «Es ist immer wieder motivierend zu sehen, wie ein Ort die Energie und die künstlerische Botschaft eines Songs verändern kann. Deshalb ist es für mich wichtig, eine Aufführung aufzunehmen, um diesen speziellen Moment, der nie wieder da sein wird, festzuhalten.»

Dieses Festival in Graubünden könnte nicht ohne die Anwesenheit des Pioniers der Instrumental- und Klangforschung weitergehen: Am nächsten Tag, dem Samstag, 24. Juli, wird Simon Berz auf dem San-Bernardino-Pass eine Live-Performance mit Steinen spielen. Der Musiker erklärt: «Ich habe mein Instrument Tectonic aus vulkanischen Klangsteinen gebaut, die ich in Island gefunden habe. Die Steine werden nun in einem anderen ‹Steinraum› spielen, dem in San Bernardino.»

Das Floating Notes Festival zeichnet sich auch durch eine Veranstaltung aus, die Musik und Körper miteinander verbindet: eine geführte Meditation von Keri Gonzato, die von der Musik von Federica Furlani, alias Effe Effe, ab Tonträger begleitet wird. Eine Klanglandschaft, wie geschaffen für die Meditation auf mehr als 2000 Metern Höhe.

Am Samstag, den 24. Juli, wird der Soundtrack des Festivals uraufgeführt. Dieser wurde bei der Tessiner Musikerin Chiara Dubey in Auftrag gegeben. Sie beschreibt den kreativen Prozess ihrer Komposition wie folgt: «Am Anfang stand die Idee, dass ich mich wahrscheinlich von den Klängen der natürlichen Elemente inspirieren lassen würde, in die ich nach meiner Ankunft in San Bernardino eintauchen würde. Zum Beispiel vom Rascheln der Tannenbäume oder dem Plätschern des Wassers. Da dieses Konzert mein erster Vorgeschmack auf die Berge nach einem seltsamen Jahr gemeinsamer Einsamkeit und ohrenbetäubender Stille ist, beschloss ich für dieses Stück, nach innen zu schauen: Ich lauschte meinen Gedanken und es war, als würde ich nach langer Zeit einen alten Freund wiederfinden. Ich bin sicher, dass ich nicht die Einzige war, der diese Erfahrung gemacht hat. Und ich hoffe, dass es sowohl für mich als auch für alle Anwesenden befreiend sein wird, diesen Song, ‘Stranger’, in der Nacht des Festivals donnern zu lassen, auch weil unsere Bühne von einer spektakulären Berglandschaft umgeben sein wird, von einer rohen, natürlichen, freien Schönheit».

Den Abschluss des Samstagabends bildem Peter Kernel, ein bekanntes Tessiner Duo, das sich in einem ungewöhnlichen Kontext und mit einem ebenso ungewöhnlichen Auftritt am Festival sein wird. So werden Aris Bassetti und Barbara Lehnhoff nicht als typische Rockband auftreten, sondern ein exklusives DJ-Set vorbereiten, das aus Musik aus der Vergangenheit besteht und in die Zukunft führt, so dass sie in den Furchen der umliegenden Berge am besten widerhallt: «Für uns ist es zentral, eine gewisse Verbindung mit dem Publikum herzustellen; wir müssen uns verstehen, um ein unvergessliches Erlebnis zu schaffen. Für Floating Notes haben wir uns entschieden, etwas Exklusives zu machen, etwas, das wir sonst nie machen. Wir werden kein normales Konzert spielen, sondern ein experimentelles DJ-Set. Wir werden Musik spielen, die irgendwie gut in den Kontext von Bergen und frischer Luft passt; und wir werden versuchen, sie auf unsere eigene Art zu mischen.»

Das Floating Notes Festival findet vom 23. bis 25. Juli 2021 in Mesocco (GR) beim San Bernardino statt. Auftreten werden die Schweizer Künstlerinnen und Künstler Kety Fusco, Camilla Sparksss, Chiara Dubey, Leoni Leoni, Peter Kernel und Adriano Koch, die Italienerin Federica Furlani (Effe Effe) sowie der Musiker Simon Berz. Zudem gibt es eine geführte Meditation mit Keri Gonzato. Weitere Informationen findet man unter www.facebook.com/floatingnotesfestival.
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Dieses Jahr findet zum ersten Mal das Floating Notes Festival beim San Bernardino in Graubünden statt. Das Floating Notes steht im Zeichen von experimenteller Musik. Die Festivalmacher, Künstlerinnen und Künstler beschreiben in diesem Blogbeitrag, wie die einzigartige Landschaft die Musik und die Auftritte beeinflusst. Die SUISA ist Sponsoring-Partnerin des Festivals. Gastbeitrag von Elena Rotondi

Floating Notes Festival: Der Klang des Berges

Das Floating Notes Festival findet vom 23. bis 25. Juli 2021 in Mesocco beim San Bernardino statt. (Foto: Sebastiano Piattini)

Kety Fusco, Gründerin und Programmgestalterin des Floating Notes Festivals, hat eine sehr genaue Vorstellung davon, was der Herzschlag ihres Festivals sein wird: Die Künstler werden eine experimentelle und unveröffentlichte Klangforschung betreiben, die sich unter Berücksichtigung ihres eigenen künstlerischen und musikalischen Hintergrunds an den Ort der Aufführung anpasst und es unmöglich macht, den Inhalt der Aufführung von dem Ort zu…Weiterlesen

«Komponistinnen und Komponisten sind eigentlich immer wieder Anfänger» | mit Video

Christian Henking bezieht sich in seiner Komposition für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» auf die Melodie des von Beethoven verwendeten Schweizer Liedes. In seinen sechs Variationen setzt er jeweils unterschiedliche Prinzipien ein. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Manu Leuenberger

Christian Henking hat durchaus Respekt vor Ludwig van Beethoven, «diesem Monument, diesem Granitfels in der Musikgeschichte». «Er ist mir immer wieder ein Lehrmeister, unabhängig von der Ästhetik; fantastisch, was er formal geleistet hat.» Umso mehr haben ihn Beethovens «Variationen über ein Schweizerlied» irritiert, wie er im Gespräch von Ende Januar 2020 erklärt. «Ich begreife sie ehrlich gesagt nicht, dachte, sie könnten nicht von Beethoven sein.»

Da der Komponist aus Biel und Bern keinen Zugang zu diesen Variationen fand, befasste er sich genauer mit dem ursprünglichen Lied, «Es hätt e Bur es Töchterli». Aber auch das sei an sich merkwürdig, er finde die Melodie komisch für ein Volkslied, es fehle ihm auch die Eleganz des «Guggisbergliedes». «Zugleich hat es aber die unglaubliche Spannung des grossen tonalen Umfangs. Auch das Geradlinige, Pulsartige ist interessant; es gibt nicht wirklich einen Rhythmus, nur diese Viertel, die ‹herumhängen›. Das Lied hat deshalb eine gewisse Leere und bietet damit auch eine Offenheit.» Deshalb entschloss sich Christian Henking dazu, sich für seine Komposition auf die Melodie des Volksliedes zu beziehen. Dann hat er «wie Beethoven, aber eher zufällig» ebenfalls sechs Variationen geschrieben.

Christian Henking erklärt, dass er diese Melodie zunächst analysiert und dann in einzelne Abschnitte zerschnitten habe. «In meinen ersten vier Variationen betrachte ich gewissermassen einzelne Abschnitte des Lieds. Die letzten zwei beziehen sich auf das ganze Lied.» Er sei also ganz beim Material – oder ganz nicht beim Material geblieben: «In der zweiten Variation vermeide ich bei der Suche nach dieser Variation gerade alle Töne, die im Originalstück vorkommen.»

Der Grundansatz war, bei jeder Variation eine andere Arbeitsweise beziehungsweise unterschiedliche Prinzipien anzuwenden. Das Konzept hat sich mit dem Komponieren konkretisiert und weiterentwickelt. «Ich wusste, dass ich Miniaturen komponieren will, kurze Variationen-Sätze. Zuerst habe ich die 5. Variation geschrieben. Dann wurde mir klar, dass ich nicht so maschinell anfangen will, also machte ich vorher etwas sehr Freies als Gegenstück. So hat sich das eine auf das andere ausgewirkt. Und aus solchen Bedingtheiten haben sich viele Zusammenhänge ergeben.»

Christian Henking arbeitet sehr häufig am Schreibtisch, komponiert im Kopf. Um die Phantasie anzuregen, spielt er aber oft Klavier oder Cello. «Übers Improvisieren kommen mir oft Ideen, ganz naiv. Das ist meine altmodische Ader; ich bin beim Komponieren wirklich weit weg vom Computer, ich schreibe ja von Hand ins Notenblatt.» Dazu gehört auch, dass er sämtliche Instrumente seiner Partituren auch einmal selbst spielt. «Ich mag es, wenn ich das Instrument in den Fingern habe. Nicht um es zu hören – ich bin ja Pianist, nicht Streicher –, sondern um als Laie die Griffe, Klänge und Bogenstellungen selber zu spielen. Das Haptische hilft mir komischerweise beim Komponieren, auch wenn es nicht nötig wäre; es gibt mir eine Art von Boden.»

Die Kombination von Streichtrio mit Flöte wählte Christian Henking zum einen, weil er eine kleine Besetzung wollte, damit nicht jemand dirigieren müsse. Vor allem findet er aber diese Besetzung faszinierend. «Ich habe einen nahen Bezug zum Streichtrio an sich. Und dann kommt noch die Flöte als eine Art Aussenseiterin, die sich mit dem Klang des Trios verschmelzt.»

Man darf nicht eine «typische Henking-Komposition» erwarten. Er versteht es als «die Aufgabe von Komponistinnen und Komponisten, dass wir jedes Stück als neu betrachten, wir sind eigentlich immer wieder Anfänger». Christian Henking hat sogar bei jeder seiner Variationen innerhalb des Stücks bei null angefangen und bewusst mit unterschiedlichen Ansätzen und Techniken gearbeitet: «Das macht die Vielfalt des Komponierens aus». Bei null anzufangen, bedeute aber auch, vor einem Berg mit Möglichkeiten zu stehen. Angesichts der vielen Freiheiten müsse man reflektieren. Er sieht denn auch die Gefahr, dass man ein Mittel oder eine Methode zu schnell einsetzt, weil es an einer Stelle funktioniert und sich sonst schon bewährt hat. «Die Routine ist eine Gefahr, und dagegen kämpfe ich bei jeder Note an.»

Beim Gespräch von Ende Januar 2020 war der Kompositionsprozess weitgehend abgeschlossen. «Alles liegt nun da», erklärt Christian Henking und zeigt auf unzählige Notenblätter. «Ich denke nun nochmals über alles nach, so dass es noch zu Korrekturen und anderen Veränderungen kommen kann.» Dann aber steht die Komposition bis ins Detail fest. Im Unterschied zu anderen Werken gewährt Christian Henking den Interpreten hier keine Freiheiten.

Christian Henking wurde 1961 in Basel geboren. Am Konservatorium Bern studierte er Musiktheorie bei Theo Hirsbrunner und liess sich von Ewald Körner zum Kapellmeister ausbilden. Danach studierte er Komposition bei Cristobal Halffter und Edison Denisov, in Meisterkursen bei Wolfgang Rihm und Heinz Holliger. Diverse Auszeichnungen, u.a. Kulturpreis der Bürgi-Willert-Stiftung (2000), Anerkennungspreis des Kantons Bern (2002) und Musikpreis des Kantons Bern (2016). Er ist Dozent an der Hochschule der Künste Bern für Komposition, theoretische Fächer und Kammermusik. www.christianhenking.ch
Schweizer Beethoven-Reflexionen: Ein Projekt von Murten Classics und der SUISA zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven hatte nur wenig mit der Schweiz zu tun. Aber er hat «Sechs Variationen über ein Schweizerlied» geschrieben, bei dem es sich um das Volkslied «Es hätt e Bur es Töchterli» handelt. Dies ist der Ausgangspunkt für Kompositionsaufträge, die die Sommerfestspiele Murten Classics zusammen mit der SUISA an acht Schweizer Komponistinnen und Komponisten verschiedener Generationen, Ästhetik und Herkunft vergeben haben.

Oscar Bianchi, Xavier Dayer, Fortunat Frölich, Aglaja Graf, Christian Henking, Alfred Schweizer, Marina Sobyanina und Katharina Weber konnten sich auf die Variationen, auf das von Beethoven verwendete Volkslied selbst oder auf Beethoven im Allgemeinen beziehen. Die Kompositionen wurden für das Ensemble Paul Klee geschrieben, das folgende Maximalbesetzung erlaubt: Flöte (auch Piccolo, G- oder Bassflöte), Klarinette (in B oder A), Violine, Viola, Cello, Kontrabass und Klavier.

Initiant dieses 2019 begonnenen Projekts ist Kaspar Zehnder, der während 22 Jahren künstlerischer Leiter von Murten Classics war. Wegen der Corona-Krise und den von den Behörden verordneten Massnahmen war die Durchführung sowohl der 32. Ausgabe im August 2020 als auch des vorgesehenen Ersatzfestivals in den anschliessenden Wintermonaten nicht möglich. Der «SUISA-Tag» mit den acht Kompositionen dieses Projekts wurde – ohne Publikum – am 28. Januar 2021 im KiB Murten dennoch aufgeführt und aufgezeichnet. Die Aufnahmen sind bei Radio SRF 2 Kultur in der Sendung «Neue Musik im Konzert» (5. Mai 2021, 21 Uhr) zu hören und werden auf der Plattform Neo.mx3 erscheinen. Im SUISAblog und auf den Social Media-Kanälen der SUISA wird das Projekt mit multimedialen Beiträge online dokumentiert.

www.murtenclassics.ch

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Festival Archipel – eine etablierte Werkschmiede | mit Video

Vom 16. bis 25. April 2021 macht das Festival Archipel aus Genf zahlreiche neue Werke einem grossen Publikum zugänglich. Die Zuschauerinnen und Zuschauer können von zu Hause aus in das Festival eintauchen und sich dort bei rund 70 Veranstaltungen einklinken, die jeweils am Nachmittag stattfinden. Text von Erika Weibel; Video von Nina Müller

Das gesamte Festivalprogramm wird per Streaming ausgestrahlt und steht über die Archipel-Website kostenlos zur Verfügung. Es wird auch die Möglichkeit angeboten, sich online mit den Künstlerinnen und Künstlernn zu treffen, an Diskussionen teilzunehmen, Quizfragen zu beantworten, sich einen Eindruck vom Wetter zu verschaffen und einen Blick in die Räumllichkeiten des Veranstaltungsortes zu werfen.

Archipel bietet ein Festival «unter Beobachtung» mit einem WebTV-Team, welches zehn Tage lang von mittags bis Mitternacht live sendet. Ein einzigartiges, experimentelles und künstlerisches Projekt, an dem das Publikum aktiv on air teilnehmen kann.

Feuertaufe für neue Komponistinnen und Komponisten

Auch in diesem Jahr hat das Festival Archipel Komponistinnen/-en mit Kompositionsaufträgen die Möglichkeit gegeben, das Publikum mit neuen Werken zu beglücken. So hat zum Beispiel Salômé Guillemin-Poeuf, eine junge Komponistin aus Genf, das Werk «50 Hertz» geschaffen, dessen Uraufführung am 21. April 2021 um 19:00 Uhr stattfinden wird.

Salome Guillemin-Poeuf ist eine Designerin und Musikerin, die in Genf lebt und arbeitet. Sie erschafft interaktive Klanginstallationen, Performances und Musikinstrumente. Ihre Werke waren schon auf zahlreichen internationalen Bühnen zu hören und zu sehen. Die kreative und vielseitige Künstlerin hat sich kürzlich als Auftraggeberin bei der SUISA angemeldet.

Zusammenarbeit mit Archipel

Die SUISA ist erneut Sponsor des Festivals. Es ist erfreulich, dass die Archipel-Verantwortlichen einen kreativen Weg gefunden haben, sich den Umständen anzupassen und das Festival unter Einhaltung von strengen Auflagen in einer neuen Form durchzuführen – und somit vielen neuen Werken eine Aufführung zu ermöglichen.

Als Sponsorin möchten wir insbesondere auf zwei der 70 Anlässe hinweisen:

Uraufführung des Werks «50 Hertz» von Salômé Guillemin-Poeuf
am 21. April 2021 um 19:00 Uhr

SUISA-Gesprächsrunde zum Komponistinnen/-en-Dasein in der Schweiz
am 24. April 2021 um 14:00 Uhr

Austrahlung aus dem Maison communale de Plainpalais auf: www.archipel.org
vom 16. bis 25. April, jeweils von Mittag bis Mitternacht

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Label Suisse und SUISA machen Schweizer Musik möglich | mit VideoLabel Suisse und SUISA machen Schweizer Musik möglich | mit Video Vom 18. bis 20. September 2020 findet in Lausanne die neunte Ausgabe des Label Suisse Festivals statt. Die Programmierung dieses biennalen Festivals widmet sich der Schweizer Musikszene in ihrer ganzen Vielfalt. Ein besonderes Highlight: Künstlerinnen und Künstler aus allen Genres haben eigens für das Label Suisse Werke komponiert. Diese Werke werden am Festival zum ersten Mal live aufgeführt. Die SUISA beteiligt sich auch dieses Jahr wieder als einer der Hauptpartner am Festival. Weiterlesen
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20 000 Franken und ein imaginäres Kompositionsprojekt

Über das kreative Schaffen zu diskutieren, ist alles andere als einfach. Der Verein Jazzy Jams und die SUISA haben sich deshalb anlässlich des Festivals Jazz in Bess in Lugano etwas Besonderes einfallen lassen. Die Tessiner Komponistin Maria Bonzanigo und die Komponisten Pietro Viviani und Damiano Merzari erarbeiteten vor Publikum ein imaginäres Kompositionsprojekt. Das Ergebnis war äusserst spannend und nahm die Zuschauer mit auf die Reise in die Gedankenwelt von Urhebern. Gastbeitrag von Zeno Gabaglio

Jazz in Bess: 20 000 Franken und ein imaginäres Kompositionsprojekt

Zeno Gabaglio (Ko-Moderation), Maria Bonzanigo, Pietro Viviani, Alessandro Zanoli (Moderation) und Damiano Merzari (im Bild v.l.n.r.) haben ihre privatesten kreativen Vorgehensweisen beim Komponieren diskutiert. (Foto: Erika Weibel)

Ein Abend zum Thema des musikalischen Schaffens kann sehr langweilig sein. Vor allem deshalb, weil das Thema an sich Rätsel aufgibt ist – vergleichbar mit jenen Rätseln, die jede Schöpfungsgeschichte umgeben. Die Erklärung des musikalischen Schaffens führt im Allgemeinen zu zwei unerfreulichen Ergebnissen: zielloses Umherirren zwischen widersprüchlichen philosophischen Auffassungen oder die totale Ablehnung von etwas, das von Natur aus Logik und Erklärungen widerspricht.

Im Wissen über diese Ausgangslage haben der Verein Jazzy Jams und die SUISA am Donnerstag, dem 25. Januar 2018, einen Abend in der Schweizerischen Nationalphonothek in Lugano veranstaltet, der dem musikalischen Schaffen gewidmet war. Da stellte sich natürlich die Frage, wie man den Abend gestalten kann, ohne in der oben beschriebenen, schicksalhaften Sackgasse zu landen.

Spontanes Komponieren vor Publikum

Die Idee war, drei eingeladene Musikurheber direkt ins Thema eintauchen zu lassen; in eine Situation, die so praxisbezogen und konkret ist, dass es weder Platz für philosophische Diskussionen noch peinliches Schweigen gibt.

Aber wie genau? Indem wir jedem von ihnen eine Einladung eines imaginären Komitees zukommen liessen. Sie wurden eingeladen, an einem neuen Projekt mitzuarbeiten. Der Text, der erst zu Beginn des Treffens enthüllt wurde, war folgender:

«Jazzy Jams will seinen neuen Saal mit einer Reihe von Konzerten einweihen und lädt Musiker aus der italienischsprachigen Schweiz ein, spontan ein künstlerisches Werk zu konzipieren. Es handelt sich um eine Aufführung in einem modular aufgebauten und technisch gut ausgestatteten Raum mit einer Kapazität von 400 Plätzen. Das Kompositionsbudget beträgt Fr. 5000, für die Realisierung stehen Fr. 15 000 zur Verfügung. Die Zeit für Konzeption/Realisierung beträgt neun Monate. Es gibt keine Vorgaben zu Musikstil oder Dauer, und der Komponist wird einen ganzen Abend für sich haben.»

Bedingung für jeden Urheber respektive die Urheberin war lediglich, der Öffentlichkeit seinen ganz eigenen kreativen schöpferischen Prozess aufzuzeigen – in einer Art laut ausgesprochenem inneren Dialog.

Maria Bonzanigo, Pietro Viviani und Damiano Merzari (von der Band The Pussywarmers) haben sich grosszügig für dieses Projekt zur Verfügung gestellt, indem sie – in einem ungewöhnlichen öffentlichen Brainstorming – ihre normalerweise privatesten kreativen Vorgehensweisen enthüllten.

Verschiedene Musikstile, verschiedene Herangehensweisen

Das Ergebnis war fesselnd: mitreissend, überraschend und manchmal auch ironisch. Unter anderem, weil die Musikgattungen (Theater- und Konzertmusik bei Bonzanigo; Jazz, Soundtracks und Konzertmusik bei Viviani; Independent-Rock bei Merzari) äusserst unterschiedliche Zugänge zum gleichen Phänomen aufgezeigt haben, die wir – einfallslos, aber stolz – alle mit dem gleichen Begriff «Musik» bezeichnen.

Aus der Diskussion sind – neben soliden technischen und poetischen Gewissheiten – auch verschiedene Zweifel und Fragen hervorgegangen. Und vielleicht waren das die interessantesten Momente des Anlasses. Sie enthüllten den kreativen Prozess nicht nur als eine Gleichung, die mit einem einzigen möglichen Ergebnis gelöst werden kann, sondern auch als ein Stück Leben, das es zu bereisen gilt, mit den unvermeidlichen damit einhergehenden Überraschungen.

Im zweiten Teil des Abends ist das Thema des Schaffensprozesses etwas in den Hintergrund gerückt; es ging um die Frage, ob kreatives Schaffen lehrbar sei. Und wenn ja, wie?

Tamara Basaric vom Conservatorio della Svizzera italiana, Giorgio Meuwly und Marco Conti von der Scuola di Musica Moderna sowie Andrés Ortiz von der Scuola di Musica e di Arti Creative waren die Didaktiker (sowie Urheber) und antworteten in einer ebenso fachmännischen wie spannenden Art und Weise.

Links
Jazz in Bess
Maria Bonzanigo
Pietro Viviani
The Pussywarmers

Der Gastautor Zeno Gabaglio ist SUISA-Vorstandsmitglied, Komponist und war Ko-Moderator der Gesprächsrunde am Jazz in Bess.

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Jazz in Bess: 20 000 Franken und ein imaginäres Kompositionsprojekt

Zeno Gabaglio (Ko-Moderation), Maria Bonzanigo, Pietro Viviani, Alessandro Zanoli (Moderation) und Damiano Merzari (im Bild v.l.n.r.) haben ihre privatesten kreativen Vorgehensweisen beim Komponieren diskutiert. (Foto: Erika Weibel)

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Eidg. Volksmusikfest 2015: Ein Festakt, ein Bundesrat und eine Hymne

Rund 100‘000 Besucher, über 1‘500 Musiker, ein Bundesrat und viel (Polit-)Prominenz – nach drei Tagen im Zeichen der Volksmusik geht heute das Eidg. Volksmusikfest 2015 in Aarau zu Ende. Musikalischer Höhepunkt war die Vorführung der Hymne «z Aarau esch de Adler los», die mit finanzieller Unterstützung der FONDATION SUISA eigens für diesen Anlass komponiert wurde. Text: Giorgio Tebaldi

EVF_Komposition_Gruppenbild

Am Festakt wurde die Hymne «z Aarau esch de Adler los» des Komponisten Hanspeter Zehnder (2.v.r.) aufgeführt: Erika Weibel, Kommunikation SUISA, Andreas Wegelin, Generaldirektor SUISA, Christine Egerszegi, OK-Präsidentin des Eidg. Volksmusikfestes 2015, Hanspeter Zehnder, Urs Schnell, Direktor FONDATION SUISA (Foto: Giorgio Tebaldi)

Heute geht das Eidgenössische Volksmusikfest 2015 in Aarau zu Ende. Auf dem Programm standen neben dem Umzug durch Aarau auch der Festakt mit einer Rede unseres Kulturministers Alain Berset. Musikalischer Höhepunkt war die Aufführung der Hymne «z Aarau esch de Adler los» der «Ländler-Wurlitzer», die eigens für diesen Anlass vom Aargauer Komponisten Hanspeter Zehnder geschrieben wurde. Finanziell unterstützt wurde die Komposition durch die FONDATION SUISA, der Musikförderstiftung der SUISA.

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Am Festakt wurde die Hymne «z Aarau esch de Adler los» des Komponisten Hanspeter Zehnder (2.v.r.) aufgeführt: Erika Weibel, Kommunikation SUISA, Andreas Wegelin, Generaldirektor SUISA, Christine Egerszegi, OK-Präsidentin des Eidg. Volksmusikfestes 2015, Hanspeter Zehnder, Urs Schnell, Direktor FONDATION SUISA (Foto: Giorgio Tebaldi)

Heute geht das Eidgenössische Volksmusikfest 2015 in Aarau zu Ende. Auf dem Programm standen neben dem Umzug durch Aarau auch der Festakt mit einer Rede unseres Kulturministers Alain Berset. Musikalischer Höhepunkt war die…Weiterlesen

Wie die Hymne für das Eidgenössische Volksmusikfest 2015 in Aarau entstand

Das Eidgenössische Volksmusikfest 2015 in Aarau hat eine eigene Hymne bekommen: den Schottisch «Z’Aarau esch de Adler los». Der Kompositionsauftrag für das neue Werk wurde vom Fest-Organisationskomitee an Hanspeter Zehnder vergeben. Bei einem Treffen an seinem Wohnort in Sins (AG) erzählte der Komponist über die Entstehung der Festhymne und seine musikalische Tätigkeit. Text/Interview: Manu Leuenberger

Hanspeter Zehnder am Piano im Musikzimmer

Hanspeter Zehnder hat im Soussol seines Wohnhauses ein Musikzimmer eingerichtet. Dort kann der zweifache Familienvater komponieren und musizieren, «sobald die Kinder im Bett sind». (Foto: Manu Leuenberger)

Hanspeter, wie hast du dich gefühlt, als du Mitte Mai von der Vergabe des Kompositionsauftrags erfahren hast?
Ich habe mich gefreut und geehrt gefühlt, dass das Organisationskomitee mich ausgewählt hatte. Ich bin hier im Aargau zuhause – da macht es mich natürlich auch stolz, dass ich die Hymne für den grossen Festanlass in der Kantonshauptstadt komponieren darf.

Welche Anforderungen wurden an das Stück gestellt?
Vom Organisationskomitee sind nur zwei Auflagen gemacht worden. Diese waren aber nicht einfach umzusetzen: Die Festhymne sollte für möglichst alle spielbar sein, egal ob beispielsweise auf dem Klavier, der Trompete, Klarinette oder von einer Schwyzerörgeli-Formation. Zweitens sollte die Komposition eingängig und rasch verständlich sein, damit man sie mitpfeifen oder mitsummen kann, und nach Möglichkeit einen Wiedererkennungswert haben.

Die Aufgabe war also, eine Ohrwurm-Melodie für jedermann zu schaffen. Wie bist du dabei vorgegangen?
Bei dieser besonderen Komposition hat die Ideenfindung einige Zeit in Anspruch genommen. Lange habe ich auf den Autofahrten zur Arbeit Melodien gesummt, die gefälligsten davon aufgenommen, und mir beim Wiederanhören am Abend gesagt: «Das isch fertige Seich, unbruchbar!» Tolle Melodien kann man nicht erzwingen und kommen einem leider nicht jeden Tag in den Sinn. Jedenfalls ist das bei mir so. Die besten Einfälle habe ich meistens, wenn ich in meinem Musikzimmer Klarinette übe, sobald die Kinder im Bett sind. Die Melodie schreibe ich dann auf und lasse sie für eine Weile liegen. Wenn sie mir ein paar Tage später immer noch gefällt, arbeite ich an der Idee weiter, indem ich die Melodie ausbaue, variiere oder weitere Teile ergänze. Nach der Melodie erfolgt das Arrangement der Stimmen der anderen Instrumente. Für Akkorde, Harmonien und Arrangement benutze ich beim Komponieren gerne das Klavier.

Die Festhymne soll von möglichst allen Interpreten in den verschiedensten Besetzungen gespielt werden können. Wie gestaltet man in so einem Fall die Partitur?
Bei einem Volksmusikstück gibt es vorweg einen ganz wichtigen Punkt: Es muss auf dem Schwyzerörgeli spielbar sein. Das Schwyzerörgeli gestattet nur ein eingeschränktes harmonisches Spektrum, auch von den Tonarten her. Wenn eine Komposition mit dem Schwyzerörgeli gespielt werden kann, dann ist sie mit den meisten anderen Instrumenten ebenfalls spielbar. Die Notation eines Stücks erfolgt in der Ländlermusik meistens nach folgendem Schema: Man schreibt die erste Stimme, die Melodiestimme, auf. Dazu werden die Harmonien für die Begleitung inklusive Bass notiert. Manchmal wird zusätzlich noch eine zweite Stimme in Noten festgehalten. Häufig wird die zweite Stimme aber individuell von den aufführenden Musikern ergänzt. Die Partituren bestehen in der Regel aus einer bis vielleicht zwei Seiten. Das wird bei der Hymne nicht anders sein.

Wieviel Zeit wird es in Anspruch nehmen, bis die Komposition vom Auftrag bis zur Aufführung gelangt ist?
Uff, eine schwierige Frage! Angefangen bei der Ideenfindung bis zum Proben mit meiner Formation geschieht vieles bei der Entstehung der Komposition nicht am Stück sondern kontinuierlich. Konkreter kann ich sagen, dass ich zusammengerechnet vielleicht etwa zwei Tage für die Ausarbeitung des Arrangements inklusive Erstellung der Partitur gebraucht habe. Das war aber erst möglich, nachdem ich die Hauptmelodie erarbeitet und klar definiert hatte. Vor der Uraufführung wird das Stück von uns vier Mitgliedern der Ländler-Wurlitzer einzeln sowie gemeinsam geprobt und auch noch für eine CD aufgenommen. Danach folgen die Uraufführung und der Auftritt am 13. September beim Festakt des Eidgenössichen Volksmusikfests selber … Der genaue zeitliche Aufwand ist schwierig einzuschätzen.

Du betreibst deine musikalische Tätigkeit neben einem Hauptberuf, bei dem du zu einem 100 % Pensum angestellt bist. Wie kann man als Volksmusiker vom Musikberuf leben?
In der Schweiz nur vom Einkommen als Ländlermusik-Komponist und -Interpret seinen Lebenunterhalt bestreiten? – Ich sage: Das geht nicht, keine Chance. Selbst etablierte Grössen leben nicht von Ländlermusik allein. Auch die Gagen für Auftritte sind in Ländlerkreisen äusserst bescheiden; nicht selten spielt man bei der Stubete für Bier und Cordon bleu als Entgelt. Kommt hinzu, dass in den letzten Jahren einige Ländlermusiklokale, wo grössere oder renommiertere Kapellen auftreten konnten, ihren Konzertbetrieb stark reduziert oder gar eingestellt haben.

Apropos Vergütungen für Musik: Du bist seit 1997 Mitglied bei der SUISA. Weshalb hast du dich bei der Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik angemeldet?
Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich in den Jahren 1996 und 1997 meine ersten eigenen Stücke komponiert. Ich glaube, ältere Kollegen haben mich in der Folge darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich bei der SUISA anmelden und dort meine Stücke angeben soll. Ich finde, die SUISA ist für Urheber eine wichtige Organisation. Als Komponist erhalte ich durch die SUISA eine Vergütung, wenn meine Stücke aufgeführt werden. Meine aktuelle Formation Ländler-Wurlitzer spielt an rund 40 bis 50 Konzerten jährlich meistens ein Stammrepertoire. Die Auftritte melde ich regelmässig. Und wer weiss, vielleicht reicht es ja, dass ich in fortgeschrittenem Alter von der SUISA sogar ein paar Franken Rentengeld ausbezahlt kriege.

Neben den vielen Konzerten haben die Ländler-Wurlitzer 2008 und 2011 auch zwei CDs aufgenommen. Wann erscheint die nächste Veröffentlichung?
Wir haben bereits neue Aufnahmen eingespielt. Ursprünglich hätten wir die CD diesen Sommer herausbringen wollen. Wegen dem Kompositionsauftrag haben wir den Plan geändert: Natürlich wollten wir, dass die Festhymne auch auf der neuen CD enthalten ist. Deshalb werden wir zuerst noch die Festkomposition aufnehmen, damit wir sie als zusätzlichen Titel auf der Neuveröffentlichung integrieren können. Erscheinen wird die CD mit voraussichtlich sieben Stücken rund um das Eidgenössische Volksmusikfest im September.

Welche Hoffnungen und Erwartungen hat ein Komponist für sein Werk, das die Hymne eines grossen Musikfestes wird?
Im besten Fall kommt das Stück bei Zuhörern wie Musikern gut an und wird sowohl am Fest als auch später häufig aufgeführt. Den schlechtesten Fall mag ich mir gar nicht ausmalen. Es lastet aufgrund der besonderen Umstände ein gewisser Druck auf der Komposition, das ist klar. Ich kenne jedoch meine musikalischen Fähigkeiten und weiss, dass ich gefällige Melodien schreiben kann. Mit dieser Überzeugung im Kopf und im Herzen habe ich ein gutes Gefühl für die Festhymne.

Porträt Hanspeter Zehnder mit Klarinette

Neben dem Hauptinstrument Klarinette spielt der 37-jährige Hanspeter Zehnder auch Saxofon, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug. (Foto: Manu Leuenberger)

Der am 27. Mai 1978 geborene Hanspeter Zehnder unternahm seine ersten musikalischen Schritte in der Musikgesellschaft Bennau. Später musizierte er unter anderem in der Swiss Army Concert Band unter Christoph Walter. Als Klarinettist ist er auf Dutzenden Ländlermusik-CDs zu hören. Neben dem Hauptinstrument spielt er auch Saxofon, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug. Noch vor seinem 20. Geburtstag entstanden seine ersten eigenen Kompositionen. Seit 2005 ist er mit seiner eigenen Formation Länder-Wurlitzer aktiv, in der er zusammen mit seiner Ehefrau Cornelia Zehnder spielt. Zusammen mit seiner Familie lebt Hanspeter Zehnder in Sins (AG).

Das 12. Eidgenössische Volksmusikfest findet vom 10. bis 13. September 2015 in Aarau statt. An den 4 Festtagen werden auf 15 Konzertplätzen, 3 Konzertbühnen und in 5 Wettlokalen rund 300 Formationen und insgesamt 1500 Musikantinnen und Musikanten aus der ganzen Schweiz Volksmusik zum Besten geben. Das Organisationskomitee erwartet über 100 000 Besucherinnen und Besucher am Festanlass.

Die von Hanspeter Zehnder komponierte Festhymne «Z’Aarau esch de Adler los» wurde am 27. August 2015 anlässlich einer Medienkonferenz uraufgeführt. Am Sonntag, 13. September 2015, wird das Stück anlässlich des Festbanketts in der Markthalle in Aarau von den Ländler-Wurlitzer nochmals aufgeführt. Zudem ist die Komposition am Freitag, 11.9.2015, in der Sendung «Zoogä-n-am Boogä» auf Radio SRF Musikwelle und am Samstag, 12.9.2015, im Fernsehen auf SRF 1 in der Sendung «Potzmusig» zu hören.

Der Kompositionsauftrag für die Hymne für das 12. Eidgenössische Volksmusikfest in Aarau wurde unterstützt von der FONDATION SUISA, der Musikförderstiftung der SUISA.

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Hanspeter Zehnder am Piano im Musikzimmer

Hanspeter Zehnder hat im Soussol seines Wohnhauses ein Musikzimmer eingerichtet. Dort kann der zweifache Familienvater komponieren und musizieren, «sobald die Kinder im Bett sind». (Foto: Manu Leuenberger)

Hanspeter, wie hast du dich gefühlt, als du Mitte Mai von der Vergabe des Kompositionsauftrags erfahren hast?
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