Tagarchiv: Konzert

Absage eines Konzerts infolge von Covid-19: rechtliche Folgen

Aufgrund des Coronavirus mussten und müssen Musikveranstaltungen leider abgesagt werden. Welche Folgen ergeben sich aus diesen Annullierungen für die Künstler und Konzertveranstalterinnen? Ist das vertraglich vereinbarte Honorar für die Künstler trotzdem geschuldet? Text von Céline Troillet

Absage eines Konzerts infolge von Covid-19: rechtliche Folgen

Wenn die Bühnen und Säle leer bleiben: Wie sieht die rechtliche Situation bei der Absage von Musikveranstaltungen wegen Covid-19 aus? (Foto: Disq)

Die Corona-Krise versetzt uns in Unbehagen und Unsicherheit. Wir müssen uns so gut wie möglich an eine noch nie dagewesene Situation anpassen, die wir zurzeit kaum kontrollieren können. Auf gesundheitliche und wirtschaftliche Fragen, die die Krise aufwirft, gibt es keine klaren Antworten, ausserdem bestehen Rechtsunsicherheiten. Dazu stellen sich viele Fragen.

Gibt es einen Vertrag?

Wenn Sie einen Vertrag (oder eine E-Mail-Vereinbarung) haben, sollten sie überprüfen, ob die Absage eines Konzerts aufgrund höherer Gewalt/Pandemie und deren Auswirkung auf die Vergütung darin geregelt ist. Das ist zwar eher selten, aber nicht unmöglich. Leider vereinbaren die Parteien in einem solchen Fall meistens eine Streichung der Gage. Auch eine Reduzierung oder Rückerstattung bereits entstandener Kosten ist in den Verträgen eher selten vorgesehen.

A. Ohne Vertrag

Wenn keine schriftliche Vereinbarung vorliegt, stellt sich die Frage, welche Rechtsbestimmungen angewendet werden sollen. Um dies herauszufinden, müssen Sie schrittweise vorgehen:

1. Prüfen Sie, welche Vertragstyp des Obligationenrechts (OR) in ihrem Fall verbindlich sein könnte: Leider gibt es in der Schweiz zur rechtlichen Qualifizierung eines Engagement-Vertrags mit einem Künstler keinen Entscheid, weil eine nachgewiesene Rechtsprechung oder -praxis zu diesem Thema fehlt. Daher sind mehrere Auslegungen möglich. So muss jeder Fall einzeln analysiert und rechtlicher Rat eingeholt werden.

Die für das Engagement eines Künstlers möglichen Vertragstypen sind: der Werkvertrag (Art. 363 ff. OR), der Arbeitsvertrag (Art. 319 ff. OR) oder der Auftrag (Art. 394 ff. OR). Die Bedingungen und Unterschiede der einzelnen Vertragstypen sind weiter unten unter B. beschrieben.

2. Wenn feststeht, an welchen Vertragstyp Sie gebunden sind, prüfen Sie in den nachstehenden Erläuterungen zum Vertragstyp (vgl. unter B), inwiefern eine Entschädigung möglich sein könnte.

3. Wenn es sich um keinen der erwähnten Vertragstypen gemäss OR handelt, gibt es im Vertragsrecht noch eine eine allgemeine Bestimmung welche die Auswirkungen der nicht erbrachten Leistung regelt. Es handelt sich um Artikel 119 OR:

⇒ Begriffe und Bedingungen in Artikel 119 OR:

Gemäss dieser Bestimmung erlischt die Forderung einer Partei, wenn nach Vertragsabschluss ein Ereignis (das sie nicht zu verantworten hat) eintritt und die Leistung einer der Parteien aus diesem Grund verunmöglicht ist. Das Gesetz spricht hier von «nachträglicher Unmöglichkeit», für die drei Bedingungen erfüllt sein müssen:

• Die Leistung des Schuldners (der eine Leistung zu erbringen hat) ist unmöglich geworden (objektive Unmöglichkeit);
• Die Unmöglichkeit muss sich aus einem Ereignis ergeben, das nach Vertragsabschluss eingetreten ist. Das zufällige Ereignis (das nicht vom Willen einer Partei abhängt) ist ein Beispiel dafür;
• Der Schuldner hat die Unmöglichkeit nicht zu verantworten (es ist nicht sein Fehler, wenn er seiner Verpflichtung nicht nachkommen kann).

⇒ Objektive Unmöglichkeit, die der Schuldner nicht zu verantworten hat:

Der Entscheid, ob die zu erbringende Leistung unmöglich ist und der Schuldner dies nicht zu verantworten hat, liegt im Ermessen eines Richters.

Wenn die öffentliche Ordnung oder die innere Sicherheit bedroht ist wie etwa in Zeiten einer Pandemie, ist der Bundesrat gemäss der Schweizer Bundesverfassung verpflichtet, Verordnungen zu erlassen und dringende Entscheide zu treffen (Art. 185 BV). Der Richter ist dann im Rahmen seines Ermessensspielraums verpflichtet, die Normen und Entscheide der Bundesbehörden zu berücksichtigen. Daraus folgt, dass bei einer Absage von Konzerten aufgrund eines offiziellen Entscheids wahrscheinlich eine objektive Unmöglichkeit anerkannt wird, die keine der Parteien zu verantworten hat.

⇒ Rechtliche Folgen für die Parteien:

Eine Unmöglichkeit im Sinne von Artikel 119 OR entbindet nicht nur den Schuldner (der die Leistung zu erbringen hat), sondern auch den Gläubiger (für den der Schuldner die Leistung erbringen sollte) von seiner Verpflichtung (Art. 119 Abs. 2 OR).

Das bedeutet mit anderen Worten, dass bei einem Vertragsabschluss (zwischen einem Künstler und einem Konzertveranstalter) die Parteien (der Künstler und der Veranstalter) jeweils von ihren Verpflichtungen entbunden sind (der Künstler muss nicht mehr auftreten; der Veranstalter muss dem Künstler kein Honorar zahlen), wenn die Person, die handeln sollte (der Künstler) unverschuldet (wegen Covid-19 und nicht wegen eines Verschuldens des Künstlers) daran gehindert wird, seiner Verpflichtung nachzukommen (auf der Bühne aufzutreten).

B. Die einzelnen Vertragstypen gemäss OR

Werkvertrag (Art. 363 ff. OR):

Im Allgemeinen fallen die Leistungen eines Künstlers oder einer Künstlergruppe unter den Werkvertrag (der Künstler erbringt eine einmalige Leistung gemäss einem festgelegten Programm, was einem Werk gleichzustellen ist).

In diesem Bereich ist der Fall der höheren Gewalt in Artikel 378 OR geregelt. Diese Bestimmung sieht vor, dass wenn die Vollendung des Werks infolge eines beim Besteller eingetretenen Zufalls unmöglich wird, der Unternehmer Anspruch hat auf die Vergütung der geleisteten Arbeit und auf eine Rückerstattung der im Preis nicht inbegriffenen Auslagen.

Bei einer formellen Absage eines Konzerts aufgrund des Coronavirus, sollte die Unmöglichkeit der Vertragserfüllung durch den Besteller (dem Konzertveranstalter) anerkannt werden, soweit er ohne eigenes Verschulden an der Organisation des Konzerts des Künstlers gehindert ist. Das bedeutet, dass Artikel 378 OR anwendbar wäre und der Künstler folglich eine Vergütung für seine bereits geleistete Arbeit (z.B. Proben) und Auslagen erhalten könnte.

Der Arbeitsvertrag (Art. 319 ff. OR):

Unter gewissen Umständen kann der Anstellungsvertrag eines Künstlers als ein Arbeitsvertrag betrachtet werden (untergeordnetes Verhältnis zwischen dem Künstler und dem Veranstalter, bei dem das Spielen von Musik eher ein Bedürfnis des Arbeitgebers als ein Bedürfnis des Künstlers als solchem ist).

Artikel 324 OR befasst sich mit dem Lohn des Arbeitnehmers bei Verhinderung der Arbeitsleistung. Es ist umstritten, ob diese Bestimmung auch ein Ereignis höherer Gewalt abdeckt, im vorliegenden Fall die Absage eines Konzerts infolge der Massnahmen, die wegen des Coronavirus ergriffen wurden. Eine Mehrheit würde diese Frage eher bejahen, was bedeuten würde, dass der Künstler das Recht hätte, seinen Lohn zu erhalten.

Der Auftrag (Art. 394 ff. OR):

Entspricht der Engagement-Vertrag mit dem Künstler weder einen Werkvertrag noch einem Arbeitsvertrag, wird er im Allgemeinen als Auftrag betrachtet (der Künstler handelt als Beauftragter und erbringt eine Dienstleistung für den Veranstalter).

Der Auftrag befasst sich nicht mit dem Fall höherer Gewalt. Bei einer Absage eines Konzerts infolge der Massnahmen, die wegen des Coronavirus ergriffen wurden, wäre wahrscheinlich Artikel 119 OR anwendbar und somit wäre keine Vergütung geschuldet. Unter Vorbehalt, dass die Absage zur Unzeit erfolgen würde (z.B. unmittelbar vor dem Auftritt). In einer solchen Situation könnte dem Künstler eine Entschädigung für den entstandenen Schaden (nicht die Gage) gezahlt werden (Art. 404 OR).

C. Schlussfolgerung

Es ist wichtig, im Engagement-Vertrag die Möglichkeit einer Konzertabsage und deren Auswirkungen auf das Rechtsverhältnis anzusprechen. Wenn diese Punkte geklärt sind und sich eine solche Situation ergibt, wissen der Künstler und der Veranstalter, was sie voneinander fordern und wie sie finanzielle und andere Schäden vermeiden können.

Fehlt ein schriftlicher Vertrag oder wurde dieser Punkt nicht geregelt, ist die Situation heikler. Da die Rechtsnatur eines Engagement-Vertrags mit einem Künstler unklar ist, muss die Beziehung zwischen den Parteien interpretiert werden, damit man weiss, welchem Vertrag sie unterliegt (Werkvertrag, Arbeitsvertrag oder Auftrag). Je nach den anwendbaren Bestimmungen werden sich die rechtlichen Folgen unterscheiden. Die Beibehaltung des Honorars wird in manchen Fällen gerechtfertigt, in anderen Fällen ungerechtfertigt sein.

Wie aus den vorigen Ausführungen hervorgeht, ist es schwierig, eine klare Antwort auf die Frage zu geben, welche rechtlichen Folgen eine Konzertannullierung aufgrund des Coronavirus nach sich zieht. Jeder Fall muss einzeln analysiert werden. In Ermangelung eines Vertrags wäre ein Kompromiss zwischen den Parteien die ideale Lösung. Eine Verschiebung der Leistung oder die vollständige oder teilweise Rückerstattung ihrer Ausgaben sind ebenfalls mögliche Lösungen.

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Label Suisse und SUISA machen Schweizer Musik möglich | mit Video

Vom 18. bis 20. September 2020 findet in Lausanne die neunte Ausgabe des Label Suisse Festivals statt. Die Programmierung dieses biennalen Festivals widmet sich der Schweizer Musikszene in ihrer ganzen Vielfalt. Ein besonderes Highlight: Künstlerinnen und Künstler aus allen Genres haben eigens für das Label Suisse Werke komponiert. Diese Werke werden am Festival zum ersten Mal live aufgeführt. Die SUISA beteiligt sich auch dieses Jahr wieder als einer der Hauptpartner am Festival. Text von Erika Weibel

Label Suisse ist in der Schweiz einzigartig: Alle zwei Jahre bietet das Festival in Lausanne dem Publikum einen Einblick in das Schweizer Musikschaffen – über geografische und Genre-Grenzen hinweg – und weist damit auf den aktuellen Horizont eidgenössischer Musikerinnen und Musiker der zeitgenössischen Musik des Pop, Rock, Jazz, der Klassik und Neuen Volksmusik in ihren unterschiedlichsten Ausdrucksformen hin. Über 60 etablierte wie auch aufstrebende Künstlerinnen und Künstler treten im Rahmen des vielseitigen Programms während drei Tagen in verschiedenen Locations in Lausanne auf.

Spannende Kompositionsprojekte vervollständigen das abwechslungsreiche Konzertangebot. So haben Komponistinnen und Komponisten aus unterschiedlichen Musiksparten für das Festival Werke geschaffen, die dort uraufgeführt werden.

Das Festival richtet sich nicht nur an ein musikbegeistertes Publikum, sondern ist auch ein Stelldichein der Schweizer und ausländischen Musik- und Veranstaltungsszene. Die SUISA, als Genossenschaft der Komponisten, Textautoren und Verleger von Musik, ist auch dieses Jahr wieder als einer der Hauptpartner des Festivals dabei und macht damit zusammen mit dem Label Suisse Musik in der Schweiz möglich.

Kompositionsprojekte

Folgende Kompositionen wurden eigens für das Label Suisse 2020 geschaffen:

Jazz
Nik Bärtsch, Komposition und Klavier.
Projekt im Partenariat mit der Zürcher Hochschule der Künste und des Jazzcampus Basel mit der Beteiligung von jungen Musikern.
Aufführung: Samstag, 19. September 2020, Salle Paderewski
Weitere Konzerte in den Partnerstädten am Festival Klangbasel (Basel) und im Moods (Zürich)

Klassische Musik
Antoine Chessex, Kompositionsauftrag für Grosse Orgel, Truhenorgel und Hammond
Interpreten: Simone Keller und Dominik Blum
Projekt von der Dauer von 35 Minuten, mit dem Titel «Technosphère & Fragmentation».
Aufführung: Sonntag, 20. September 2020, Eglise St Francois

Isabel Mundry, Komposition
Collegium Novum Zürich (CNZ) ; Brian Archinal, Perkussion solo
Titel des Werks: Noli me tangere (2020)
Aufführung: Samstag, 19. September 2020, Salle Paderewski

Cod.act – André et Michel Décosterd
«Von Roll Twist 4» – Installation für 6 Lautsprecher und einen Performer (Francesco Biamonte)
André et Michel Décosterd kombinieren ihre Fähigkeiten, wobei der erste Musiker, Komponist und Klangkünstler und der zweite Architekt und bildender Künstler ist. Gemeinsam entwickeln sie eine künstlerische Arbeit in Form von Performances und interaktiven Installationen. Am Anfang ihres Ansatzes steht eine Reflexion über Klang und Bewegung und deren mögliche Interaktion.
Aufführung: Samstag, 19. September 2020, D! Club

Neue Volksmusik
Michel Godard
Eigens für diesen Anlass komponierte Werke von Michel Godard, dirigiert von Pascal Emonet. Gespielte von Fanfarenspielern des Walliser Blasmusik und Jazz Konservatoriums in einem wenig bekannten Klangansatz: der italienischen Banda. Dieses Orchester wird von begleitet von Michel Godard, Pierre Favre, Isa Wiss und Matthieu Michel.

Kommen auch Sie und erleben sie, wie die Klänge von ganz neuen Werken zum allerersten Mal an ein Publikum getragen werden.

www.labelsuisse.ch

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«Ab is Wälschland» ans Eidgenössische Volksmusikfest«Ab is Wälschland» ans Eidgenössische Volksmusikfest Im Mai trafen sich fünf junge Volksmusikanten unter der Leitung von Dani Häusler in Crans-Montana, um eine Hymne für das Eidgenössische Volksmusikfest 2019 zu komponieren. Das von der SUISA initiierte und in Zusammenarbeit mit dem Organisationskomitee des EVMF durchgeführte Komponierwochenende war ein voller Erfolg. Weiterlesen
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Spannende Einblicke und Konzerte am Festival Zeiträume

Möchten Sie Komponistinnen und Komponisten bei ihrer Arbeit über die Schultern blicken? Sie möchten fragen, was sie inspiriert und animiert, uns mit ihren Werken neue Welten zu eröffnen? Die Biennale Zeiträume Basel bietet Ihnen in Zusammenarbeit mit der SUISA die Möglichkeit, sich persönlich mit Urheberinnen und Urhebern der Werke zu unterhalten, die während dem Festival gespielt werden. Text von Erika Weibel

Spannende Einblicke und Konzerte am Festival Zeiträume

Zeiträume Pavillon, Treffpunkt des Festivals. Er wurde erstellt durch Zeiträume Basel mit Unterstützung der SUISA und der Basler Kantonalbank in Koproduktion mit der Hochschule für Musik FHNW / Musik-Akademie Basel. (Foto: Johanna Köhler)

In Kooperation mit der SUISA macht das Festival Zeiträume erlebbar, wie heute Musik entsteht. Denn 2019 legt das Festivalprogramm einen besonderen Schwerpunkt auf den kreativen Entstehungsprozess von Kompositionen. In den SUISA Talks mit Komponistinnen und Komponisten, deren Werke beim Festival erklingen, können die Festivalbesucherinnen und -besucher in deren Welt eintauchen, einen Eindruck von ihrer Motivation, ihrer Inspiration und unterschiedlichen Arbeitsweisen erhalten. Die Zuschauerinnen und Zuschauer können in einer lockeren Atmosphäre auch selbst Fragen an die Komponistinnen und Komponisten richten.

Das kann den Besuch des anschliessenden oder vorher bereits gehörten Konzerts um einiges spannender machen und somit die Vorfreude schüren oder das musikalische Erlebnis vertiefen. Die Gespräche sind für das Publikum kostenlos, werden professionell moderiert und finden an unterschiedlichen Standorten statt.

SUISA Talks am Festival Zeiträume 2019

SO 15.09. Katharina Rosenberger, Baldur Brönnimann | Wir sind Meer | Mitteldeck
MO 16.09. Mitglieder FIM Basel | Das grosse Rauschen| Unternehmen Mitte
MO 16.09. Marianne Schuppe | Die Summe | ZeitRäume Pavillon
MI 18.09. Elisabeth Flunger & Gäste | Das grosse Rauschen | Unternehmen Mitte
MI 18.09. Team Rohrwerk. Fabrique sonore | Kunstmuseum
DO 19.09. Team Rohrwerk. Fabrique sonore | Kunstmuseum
SA 21.09. Team Rohrwerk. Fabrique sonore | Kunstmuseum
SA 21.09. Hannes Seidel, Andreas Wenger | Überläufer* | Zollhalle St. Johann
SA 21.09. Kollektiv Mycelium | Cyber String Species | Gare du Nord
SA 21.09. Mike Svoboda | Freude | Antoniuskirche
SO 22.09. Team Ivan Wyschnegradsky: La Coupole | Markthalle Basel

Darüber hinaus werden täglich am Pavillon Talks zwischen 16.30 und 19.00 Uhr stattfinden. Den genauen Zeitplan dafür wird das Festival Zeiträume allerdings erst kurz davor auf seiner Website veröffentlichen.

Moderation: Bernhard Günther, Dorothea Lübbe, Johannes Joseph, Anja Wernicke

Festival Pavillon

Der Basler Architekt Marco Zünd (Buol & Zünd Architekten) hat im Auftrag von Zeiträume Basel 2019, unterstützt von der SUISA, in prominenter Lage am Rheinufer bei der Mittleren Brücke eine einladende, temporäre Sammelstelle entworfen. Ein aufklappbarer Würfel dient zwei Wochen lang als Informationsstelle, Treffpunkt rund um diverse Festivalaktivitäten und Ort künstlerischer Interventionen. Das Publikum begegnet dort auch Komponistinnen und Komponisten in Aktion während der gesamten Dauer des Festivals.

Öffnungszeiten Pavillon
DI 10.09.–SO 22.09. | täglich 11:00–19:00 Uhr | Wohlterasse an der Mittleren Brücke

Würfel Talks mit Festivalkünstlerinnen und -künstlern: täglich 16:30 Uhr – 19:00 Uhr
(ausgenommen während der Performances)
DI 10.09. | SUISA Talk mit Marco Zünd
MO 16.09. | SUISA Talk mit Marianne Schuppe

Performances: MI 11.09., DO 12.09., DI, 17.09., MI 18.09. | jeweils 12:30–14:00 Uhr & 17:00–18:30 Uhr

www.zeitraeumebasel.com

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Positives Echo auf den «SUISA-Tag» am Festival Murten ClassicsPositives Echo auf den «SUISA-Tag» am Festival Murten Classics Ein ganzer Tag lang zeitgenössische Musik stand am 25. August 2018 auf dem Programm des Festivals Murten Classics in der Konzertreihe «Offen für Neues». Der von der SUISA unterstützte Konzerttag wurde von Radio SRF 2 Kultur aufgezeichnet und stiess rundum auf positive Resonanz. Weiterlesen
Beat Gysin: Unterwegs im und mit dem RaumUnterwegs im und mit dem Raum Ort, Zeit und Raum spielen in den Arbeiten des Komponisten Beat Gysin eine zentrale Rolle. In seiner sechsteiligen «Leichtbautenreihe» konzipiert er dafür speziell Räume, um das Publikum mit wechselnden Klang- und Raumerfahrungen zu konfrontieren. Ab 2021 soll der zweite Teil des aufwändigen Projekt realisiert werden. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Weiterlesen
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Änderungen bei der Verteilung der Einnahmen der Gemeinsamen Tarife K und Z

Die 20-Franken-Grenze bei der Verteilung der Einnahmen aus den Gemeinsamen Tarifen K (Konzerte) und Z (Zirkus) wird aufgehoben. Damit verbunden werden die Zuweisungen, die bis anhin in die Verteilungsklasse 4C geflossen sind, neu geregelt. Die beschlossenen Anpassungen betreffen die Ziffern 4.1, 4.2, 5.4 und 5.5 des SUISA-Verteilungsreglements. Text von Irène Philipp Ziebold

Änderungen bei der Verteilung der Einnahmen der Gemeinsamen Tarife K und Z

Die SUISA hat die Verteilungsregeln für die Vergütungen aus Live-Aufführungen optimiert. (Foto: Tabea Hüberli)

Die Einnahmen aus dem GT K und dem GT Z wurden bis anhin zwei unterschiedlichen Verteilungsklassen (VK) zugewiesen. Erträge von mehr als Fr. 20.— pro Werk wurden der VK 4B «Konzerte und andere Aufführungen mit Erträgen von durchschnittlich über 20 Franken pro Werk» zugeordnet. In dieser Verteilungsklasse erfolgte die Verteilung pro Dossier. Dagegen flossen Einnahmen aus einer Aufführung bis Fr. 20.— pro Werk in die VK 4C «Konzerte mit Erträgen von durchschnittlich bis 20 Franken pro Werk» und es kam eine Pauschalverteilung zur Anwendung.

Diese Handhabung führte nicht immer zu zufriedenstellenden Ergebnissen, was in der Natur der Sache einer «pauschalen» Regelung liegt, die sich den tatsächlichen Umständen höchstens bestmöglich annähern kann. Im Fall der Verteilungsklasse 4C kam jeweils ein pauschaler Punktwert zur Anwendung, der berechnet wurde aufgrund der Einnahmen und Programmmeldungen von sämtlichen Veranstaltungen, die dieser Verteilungsklasse zugewiesen wurden.

Verteilung nach tatsächlicher Werk-Nutzung von Vorteil

Der pauschal berechnete Punktwert konnte tiefer oder höher liegen als der tatsächliche Punktwert einer einzelnen Veranstaltung. Deshalb konnte es vorkommen, dass zum Beispiel für eine Veranstaltung, für die bloss die Mindestentschädigung des Tarifs K bezahlt worden war, die Bezugsberechtigten eine höhere Vergütung ausbezahlt erhielten, als der Veranstalter tatsächlich bezahlt hatte. Natürlich war auch der umgekehrte Fall möglich. Die potentielle Benachteiligung oder Bevorteilung für die Bezugsberechtigten der Verteilungsklasse 4C wird durch die nun eingeführten Anpassungen im Verteilungsreglement bereinigt.

Konkret werden mit den Änderungen die 20-Franken-Grenze aufgehoben und die Verteilungsklasse 4C aufgelöst. Neu werden alle Einnahmen aus den Tarifen GT K und GT Z – unabhängig von der Betragshöhe pro Werk respektive Punktwert – in der Verteilungsklasse 4B verteilt. Die Regeln der VK 4B selbst bleiben unverändert, einzig die Überschrift dieser Verteilungsklasse wurde angepasst. Sie heisst neu: «Konzerte und konzertähnliche Darbietungen.»

Die bisherigen Zuweisungen an die aufgelöste VK 4C fliessen ebenfalls in die Verteilungsklasse 4B. Im Detail bestehen diese Zuweisungen aus den Einnahmen ohne Programmeingang aus den Tarifen Hb, L, Ma, 3a, 7, 8, K und Z sowie die Einnahmen der Orchestervereine (mit Programmeingang) aus dem Tarif B.

Übersicht über die Anpassungen im Verteilungsreglement

Ein zusammenfassender Überblick über die Vorteile der geänderten Verteilungsregeln:

  • Auch kleinere Beträge werden nun zielgerichtet pro Dossier verteilt, sofern eine Programmmeldung vorhanden ist. Dies entspricht einer Verteilung nach Werk-Nutzung, bei welcher der Inkassobetrag eines Anlasses direkt an die Berechtigten verteilt wird.
  • Bis anhin haben nur die Bezugsberechtigten der VK 4C von den oben aufgelisteten Zuweisungen profitiert. Da es sich aber bei beiden Verteilungsklassen (4B und 4C) um konzertantes Repertoire handelte, gab es keine stichhaltigen Gründe, nicht auch die Werke der VK 4B bei der Verteilung der Zuweisungen zu berücksichtigen. Aufgrund der beschlossenen Anpassung geschieht dies nun.
  • Mit der Einführung einer Pro-Dossier-Verteilung für alle Aufführungen des Tarifs K und Z erhöht sich die Transparenz der Abrechnung. Für das Mitglied ist aus der Abrechnung nun klarer ersichtlich, wie sich seine Einnahmen aus diesen Tarifen, also die Vergütungen aus seinen Live-Aufführungen, zusammensetzen.

Diese Änderungen im Verteilungsreglement kommen erstmals bei der Verteilung im September 2019 zur Anwendung.

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Änderungen bei der Verteilung der Einnahmen aus Nutzungen im RadioÄnderungen bei der Verteilung der Einnahmen aus Nutzungen im Radio Die Einstufungen bei den Radiosendern sind angepasst worden. Für die Stufe D (Tonsignete, Jingles, Hintergrundmusik etc.) wird ab Verteilung 2019 ein Faktor von 0,25 und für die Stufe E (übrige Musik) ein Faktor von 1,5 angewendet. Zudem erfolgt die Abrechnung nach Sekunden anstelle von Minuten. Weiterlesen
«Hands-on»: der neue Gemeinsame Tarif K«Hands-on»: der neue Gemeinsame Tarif K Der neue Gemeinsame Tarif K gilt für Veranstaltungen, die seit dem 1. Januar 2017 durchgeführt werden. Ein Überblick über die Neuerungen beim aktuell gültigen Konzerttarif und ein paar Antworten auf häufige Fragen, die sich aufgrund der Erfahrungen mit den neuen Regeln in den ersten Monaten ergeben haben. Weiterlesen
Seit Dezember 2017 Zustellung der Abrechnungen über «Mein Konto»Seit Dezember 2017 Zustellung der Abrechnungen über «Mein Konto» Dank dem passwortgeschützten Mitgliederbereich «Mein Konto» behalten unsere Mitglieder den Überblick über ihre Abrechnungen und Abrechnungserträge. Zahlreiche Mitglieder baten uns, den Postversand einzustellen. Diesem vielfachen Wunsch haben wir Rechnung getragen und die Möglichkeit eingeführt, auf den Postversand zu verzichten. Weiterlesen

 

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Festival Archip-elles – Frauenpower

Das Genfer Festival für zeitgenössisches Musikschaffen hat sich für die Ausgabe 2019 der Musik aus der Feder von Frauen verschrieben. Archip-elles bietet Werke von Komponistinnen unterschiedlicher Generationen, Herkunft und Ästhetik. Am Freitag, 5. April 2019, sind SUISA-Mitglieder zu einem Besuch am Festival eingeladen. Text von Erika Weibel

Festival Archip-elles – Frauenpower

Beim Festival Archip-elles 2019 steht die Musik von zeitgenössischen Komponistinnen im Fokus. (Bild: Festival Archipel)

«In einem Artikel aus der Zeitung ‹Guardian›, ‹Female composers largely ignored by concert line-ups›, veröffentlicht am 13. Juni 2018, wurden 1445 klassische Konzerte betrachtet, die rund um den Globus in der Saison 2018-2019 geplant sind, und dabei festgestellt, dass nur in 76 Veranstaltungen ein Werk von einer Frau aufgeführt wird», schreibt Festivaldirektor Marc Texier im Editorial des diesjährigen Festivalführers. Das Genfer Festival für zeitgenössisches Musikschaffen hält diesem geschlechtlichen Ungleichgewicht im Konzertbetrieb entgegen und verschafft bei der Ausgabe 2019 der Musik von Komponistinnen Gehör.

Das Konzertprogramm des diesjährigen Festivals Archip-elles wird ergänzt mit Installationen, Round Tables und Workshops. Am Freitag, 5. April 2019, organisiert das Festival in Zusammenarbeit mit der SUISA am Morgen einen Workshop zum Thema Urheberrecht für die Studenten von der «Haute école de musique Genève», des «Conservatoire populaire de musique» und der Teilnehmer der beiden Akademien «Académie Archipel» und «Composer’s Next Generation» (Ensemble Vortex).

Einladung für SUISA-Mitglieder

Weiter laden das Festival Archipel und die SUISA die Mitglieder der SUISA herzlich ein, am 5. April 2019 den Abend am Festival zu verbringen. Die Teilnahme ist für angemeldete SUISA-Mitglieder kostenlos. Gerne nehmen wir Anmeldungen bis spätestens am 31. März 2019 per E-Mail an diese Adresse entgegen: kommunikation (at) suisa (dot) ch

Das detaillerte Abendprogramm, zu dem die SUISA-Mitglieder eingeladen sind, ist nachfolgend aufgeführt. Ein besonderer Programmpunkt an diesem Abend ist die Gesprächsrunde zum Thema «Komponistin sein in der Schweiz».

Gesprächsrunde: Komponistin sein in der Schweiz

Wie erleben es Komponistinnen, sich in einer von Männer dominierten Welt zu behaupten? Weshalb ist es schwieriger für eine Komponistin, dass ihre Werke aufgeführt werden? Warum entscheiden sich nicht mehr Frauen für eine Karriere als Komponistin?

Marc Texier, Direktor des Festivals, geht eben diesen Fragen nach in einem Gespräch mit den beiden Schweizer Komponistinnen Katharina Rosenberger und Annette Schmucki sowie mit Frau Dr. Irene Minder-Jeanneret, Wissenschaftlerin mit Forschungsschwerpunkt Gender und Musik.

Nach dem gesprochenen Wort steht die Bühne frei für den musikalischen Teil des Abends: In einem Konzert mit dem Ensemble Vortex wird unter anderem die Uraufführung eines Werks der Schweizer Komponistin Barblina Meierhans zu hören sein. Im Anschluss gibt Ella Soto noch ein DJ Set zum besten.

Detailprogramm, zu dem SUISA-Mitglieder am Freitag, 5. April 2019, beim Festival Archip-elles in Genf eingeladen sind:

17:00 Uhr, Maison communale de Plainpalais
Besuch der Installationen von Marianthi Papalexandri und Pe Lang

18:00 Uhr, Maison communale de Plainpalais
Umtrunk und Gesprächspanel: Komponistin sein in der Schweiz
Dr. Irene Minder-Jeanneret, Musikwissenschafterin
Katharina Rosenberger, Komponistin
Annette Schmucki, Komponistin
Moderation: Marc Texier

20:00 Uhr, Théâtre Pitoëff
Konzert
Das Ensemble Vortex spielt Werke von Barblina Meierhans, Olga Kokcharova, Eva Reiter, Ann Cleare, Clara Iannotta und Jessie Marino.

22:00 – 1:00 Uhr , Maison communale de Plainpalais
Ella Soto – DJ Set, Carte blanche à La VostokE
La Vostoke ist der erste 100% weibliche Radiosender der Schweiz

www.archipel.org, Website des Festivals

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Das Genfer Festival für zeitgenössisches Musikschaffen hat sich für die Ausgabe 2019 der Musik aus der Feder von Frauen verschrieben. Archip-elles bietet Werke von Komponistinnen unterschiedlicher Generationen, Herkunft und Ästhetik. Am Freitag, 5. April 2019, sind SUISA-Mitglieder zu einem Besuch am Festival eingeladen. Text von Erika Weibel

Festival Archip-elles – Frauenpower

Beim Festival Archip-elles 2019 steht die Musik von zeitgenössischen Komponistinnen im Fokus. (Bild: Festival Archipel)

«In einem Artikel aus der Zeitung ‹Guardian›, ‹Female composers largely ignored by concert line-ups›, veröffentlicht am 13. Juni 2018, wurden 1445 klassische Konzerte betrachtet, die rund um den Globus in der Saison 2018-2019 geplant sind, und dabei festgestellt, dass nur in 76 Veranstaltungen ein Werk von einer Frau aufgeführt wird», schreibt Festivaldirektor Marc Texier im Editorial des diesjährigen Festivalführers. Das Genfer Festival für zeitgenössisches Musikschaffen hält diesem geschlechtlichen Ungleichgewicht im Konzertbetrieb…Weiterlesen

Die ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label Suisse

Vom 14. bis 16. September 2018 hat zum achten Mal das Festival Label Suisse in Lausanne stattgefunden. Das Festival ist dem Schweizer Musikschaffen gewidmet und bietet dem Publikum alle zwei Jahre einen breitgefächerten Panoramablick auf die aktuelle Musiklandschaft der Schweiz. Text/Interviews von Erika Weibel

Die ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label Suisse

Die Hauptbühne des Festivals Label Suisse auf dem «Place Centrale» in Lausanne während des Auftritts des Genfer Hip-Hop-Kollektivs Superwak Clique am Samstag, 15. September 2018. (Foto: Anne Bichsel)

Bei der achten Ausgabe des Festivals Label Suisse konnten 90 000 Besucher bei über 60 Konzerten an 10 Standorten im Stadtzentrum von Lausanne Darbietungen mannigfaltiger Musikrichtungen lauschen. Die Zuhörerinnen und Zuhörer durften sich freuen über elektronische Musik, Pop-Rock, zeitgenössische und klassische Musik, Jazz, neue Volksmusik – die ganze Vielfalt der Schweizer Musik an einem Festival!

Die Programmverantwortlichen des Festivals legen grossen Wert darauf, dass sowohl erfahrenen als auch aufstrebenden Schweizer Künstlern eine Bühne geboten wird. Sämtliche Konzerte sind für das Publikum kostenlos zugänglich, da die Aufwände von den Sponsoren des Festivals getragen werden. Die SUISA unterstützt Label Suisse seit 2006 finanziell und war auch 2018 einer der Hauptpartner des Festivals.

Die mehreren Programmverantwortlichen von Label Suisse widmen sich jeweils einem spezifischen musikalischen Genre. Nach dem Festival haben wir schriftlich bei ihnen nachgefragt, wie sie bei der Künstlerauswahl vorgegangen sind, was sie am Festival besonders reizt und welche Trends und Tendenzen sie in den Genres beobachten. Ausserdem wollten wir vom Festivalpräsidenten Julien Gross wissen, was ihn bei der Ausgabe 2018 besonders bewegt hat.

Label Suisse: Julien Gross

Julien Gross (Foto: Anne Bichsel)

Julien Gross, Präsident des Vereins Label Suisse

Du bist Präsident des Vereins Label Suisse und sorgst seit Jahren für den reibungslosen Ablauf des Festivals. Was macht deiner Meinung nach Label Suisse besonders attraktiv?
Julien Gross: Label Suisse bietet ein einzigartiges künstlerisches Angebot aus einem breiten Spektrum verschiedener Musikstile, die sich in unserem Programm widerspiegeln. Unser Festival vereint während drei Tagen Menschen aller Generationen und Herkunft.
Künstlerinnen und Künstler aus allen vier Sprachregionen treten vor einem neugierigen, treuen und sehr aufmerksamen Publikum auf. Das Radio spielt während dieser drei Tage eine äusserst wichtige Rolle, denn es überträgt das Festival in die ganze Schweiz.

Dies war die 8. Ausgabe von Label Suisse. Das Festival fand 2004 zum ersten Mal und seither alle zwei Jahre statt. Welche Veränderungen hat Label Suisse im Lauf dieser vierzehn Jahre erlebt?
Es ist vor allem die Schweizer Musik, die sich stark entwickelt hat. Auf kreative, innovative und originelle Art und Weise bildet Label Suisse eine Momentaufnahme aller Musikszenen ab.
Wir lösen in gewisser Weise den Wunsch aus, zu entdecken, sich auf ein musikalisches Abenteuer einzulassen. Ausserdem fördern wir die Präsenz bestimmter Musikstile oder präsentieren Neuschöpfungen.

Zahlreiche Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Genres aus der ganzen Schweiz machen bei Label Suisse mit. Welche Auftritte haben dich ganz persönlich am meisten begeistert?
Es hat mir grosses Vergnügen bereitet, über das Festivalgelände zu schlendern, alles zu entdecken und Musik zu hören, die nicht Teil meines Alltagslebens ist. Das ist es, was mich am meisten begeistert.

Label Suisse: Laurence Vinclair

Laurence Vinclair (Foto: Mehdi Benkler)

Laurence Vinclair, Programmgestaltung aktuelle Musik

Welchen Reiz hat es, an einem Festival, das so zahlreiche Genres vereint, für das Programm eines bestimmten Genres verantwortlich zu sein?
Laurence Vinclair: Das Besondere daran ist ganz einfach, dass ich die Ehre habe, während drei Tagen Künstlerinnen und Künstler präsentieren zu dürfen, die Aufmerksamkeit verdienen und deren Entwicklung ich zum Teil bereits über Jahre verfolgt habe. Und natürlich kann ich so einem vielfältigen Publikum Musikstile näherbringen, die es sonst nicht unbedingt hören würde.

Welches waren die Kriterien, die bei der Auswahl der verschiedenen Gruppen/Bands zum Zug gekommen sind?
Die Kriterien sind Qualität, Aktualität, Motivation der Künstlerinnen und Künstler und ihr Entwicklungspotenzial.

Was sind die aktuellen Trends und Tendenzen im von Ihnen programmierten Genre? Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf die Vertreter der Schweizer Musikszene?
Der deutlichste Trend liegt beim Hip-Hop oder der urbanen Musik. Dieses Genre hat die Führung übernommen, wie man seit zwei Jahren an der Programmgestaltung von Klubs und Festivals beobachten kann.

Label Suisse: Stefano Saccon

Stefano Saccon (Foto: Claude Berthelier)

Stefano Saccon, Programmgestaltung Jazz

Welchen Reiz hat es, an einem Festival, das so zahlreiche Genres vereint, für das Programm eines bestimmten Genres verantwortlich zu sein?
Stefano Saccon: Die Klugheit und Stärke dieses Festivals besteht darin, dass für jeden Bereich kompetente Fachleute beigezogen und so die repräsentativsten Musikerinnen und Musiker gezielt ausgewählt werden. Teil eines Fachkomitees zu sein, ist eine Herausforderung und regt dazu an, ein sinnvolles, ausgewogenes Programm zu gestalten.

Welches waren die Kriterien, die bei der Auswahl der verschiedenen Gruppen/Bands zum Zug gekommen sind?
Die Vielfältigkeit des Jazz verlangt einen breiten Blick und Kriterien, die sich dem künstlerischen Prozess anpassen. Ein Projekt muss in jedem Fall originell sein und dem Programm einen Mehrwert geben. Es soll in seine Zeit passen und trotzdem spürbar in der Tradition verankert sein, und es muss eine gewisse Reife, aber auch Entwicklungspotenzial zeigen.

Was sind die aktuellen Trends und Tendenzen im von Ihnen programmierten Genre? Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf die Vertreter der Schweizer Musikszene?
Es gibt meiner Meinung nach drei Arten von Trends:
a) die Verbindung von akustischer und elektronischer Musik, die Neugier der DJs auf der ganzen Welt und die Schöpfung neuer Klangtexturen;
b) den Minimalismus, der in einem traditionelleren Ansatz die Gruppe zulasten der Solisten ins Zentrum stellt;
c) den Willen, Kompositionen auf komplexen rhythmischen Strukturen aufzubauen.
Heutzutage sind die Musikerinnen und Musiker, die dem Jazz zugeordnet werden, Meister ihrer Instrumente und besitzen eine enorme Neugier, die zu grenzenloser Kreativität anregt. Angesichts des wachsenden Angebots und der daraus entstehenden zunehmenden Konkurrenz erhalten sich die Musikerinnen und Musiker eine bemerkenswerte Bescheidenheit und beispielhaften gegenseitigen Respekt.

Label Suisse: Johannes Rühl

Johannes Rühl (Foto: Roland Zemp)

Johannes Rühl, Programmgestaltung neue Volksmusik

Welchen Reiz hat es, an einem Festival, das so zahlreiche Genres vereint, für das Programm eines bestimmten Genres verantwortlich zu sein?
Johannes Rühl: Es gibt nur wenige Festivals, die stilistisch so breit aufgestellt sind wie Label Suisse. Das ist grundsätzlich schon einmal eine grosse Leistung. Für die Programmauswahl heisst das, dass jede Musik neben den anderen Angeboten bestehen muss. Zudem ist zu erwarten, dass ganz unterschiedliches Publikum zu den Konzerten kommt. Solch ein Festival ist für neugierige Menschen wirklich einzigartig. Es ist das beste Publikum, das man sich wünschen kann.

Welches waren die Kriterien, die bei der Auswahl der verschiedenen Gruppen/Bands zum Zug gekommen sind?
Die neue Volksmusik ist ja im Wesentlichen eine Musik der deutschsprachigen Schweiz. Zuhörern aus anderen Landesteilen muss man diese Musik schmackhaft machen, zumal sie manchmal auch gewöhnungsbedürftig ist. Deshalb sollen Gruppen nach Lausanne kommen, die eine gewisse stilistische Offenheit mitbringen. Vor allem darauf haben wir geachtet, neben der Qualität natürlich.

Was sind die aktuellen Trends und Tendenzen im von Ihnen programmierten Genre? Wie werden diese Entwicklungen im Schweizer Musikschaffen gelebt?
Die neue Volksmusik der Schweiz ist letztlich ein Erbe des Folk des vergangenen Jahrhunderts. Damals war die Musik Protest; heute haben die Musikerinnen und Musiker eine grosse Zuneigung zur Tradition. Sie beleben das Material ohne Scheuklappen und schaffen so etwas ganz Neues, Ungehörtes. Wichtig für das Genre ist die Hochschule Luzern – Musik, die seit ein paar Jahren herausragende Talente hervorbringt. Die Entwicklung ist noch lange nicht zu Ende und ich glaube, wir haben von dort noch sehr viel Gutes zu erwarten.

Label Suisse: Claire Brawand

Claire Brawand (Foto: Nathalie Langlois)

Claire Brawand, Programmgestaltung klassische und zeitgenössische Musik

Welchen Reiz hat es, an einem Festival, das so zahlreiche Genres vereint, für das Programm eines bestimmten Genres verantwortlich zu sein?
Claire Brawand: Die Programmgestaltung findet immer in einem spezifischen Kontext statt, der berücksichtigt werden muss. Im Fall von Label Suisse (stilistische Vielfalt mit Schwergewicht auf «Musique Actuelle», nationale Dimension, örtliche Vielfalt, freier Eintritt, sehr grosses Publikum, darunter viele junge Menschen) weicht der Kontext stark vom gewohnten Rahmen der klassischen Musik (vom Barock bis heute) ab, die für gewöhnlich von erfahrenen Musikliebhabern gehört wird. Ich sehe darin ein sehr fruchtbares Experimentierfeld, was meine Aufgabe der Programmgestaltung noch stimulierender macht. Eines der Hauptziele ist dabei, die Besucherinnen und Besucher des Festivals dazu anzuregen, das Universum der klassischen Musik durch eine bestimmte Persönlichkeit, durch die vorherrschende Energie oder durch ein spezielles Konzertformat zu entdecken. Die grosse Freiheit am Festival Label Suisse, entweder sich von Konzert zu Konzert zu bewegen oder aber im gleichen Saal nacheinander die verschiedensten Musikstile zu geniessen, machen dies möglich.

Welches waren die Kriterien, die bei der Auswahl der verschiedenen Gruppen/Bands zum Zug gekommen sind?
Für die Programmgestaltung in der klassischen Musik habe ich starken, einzigartigen Musikerinnen und Musikern – Interpretinnen und Interpreten ebenso wie Komponistinnen und Komponisten – den Vorzug gegeben, deren Vorgehen gut zur Identität des Festivals passt. Sie sollten zeitgenössisch, also aktuell, und experimentierfreudig sein. Eine solche Veranlagung auf Seiten der klassischen Künstlerinnen und Künstler ist für den speziellen Kontext von Label Suisse notwendig. Aus diesen Gründen haben wir uns auf das Repertoire des 20. und 21. Jahrhunderts konzentriert (darunter auch Neuschöpfungen) und den Schwerpunkt bei Schweizer Komponistinnen und Komponisten aus allen Generation gesetzt.

Was sind die aktuellen Trends und Tendenzen im von Ihnen programmierten Genre? Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf die Vertreter der Schweizer Musikszene?
Die Verknüpfung zwischen den Künsten (visuell, akustisch, kompositorisch) und den Ästhetiken nimmt zu. In der Art wie die jüngere Generation führender Musiker ihre Konzertprogramme gestaltet, findet eine grosse Erneuerung statt. Sie arbeiten heute an einer «klassischen» Musik, die keine Grenzen kennt, wie es sie in früheren Generationen oft noch gab.

www.labelsuisse.ch

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Vom 14. bis 16. September 2018 hat zum achten Mal das Festival Label Suisse in Lausanne stattgefunden. Das Festival ist dem Schweizer Musikschaffen gewidmet und bietet dem Publikum alle zwei Jahre einen breitgefächerten Panoramablick auf die aktuelle Musiklandschaft der Schweiz. Text/Interviews von Erika Weibel

Die ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label Suisse

Die Hauptbühne des Festivals Label Suisse auf dem «Place Centrale» in Lausanne während des Auftritts des Genfer Hip-Hop-Kollektivs Superwak Clique am Samstag, 15. September 2018. (Foto: Anne Bichsel)

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Die Programmverantwortlichen des Festivals legen grossen Wert…Weiterlesen

Schallschutzgesetzgebung wird nur rudimentär angepasst

Im Februar 2018 wurde die Verordnung zum Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdung durch nichtionisierende Strahlung und Schall in die Vernehmlassung geschickt. Im Verordnungsentwurf waren strengere Auflagen für Veranstaltungen mit elektrisch verstärktem Schall sowie neu auch Auflagen für nicht verstärkte Veranstaltungen vorgesehen. Anfang Oktober wurde bekannt, dass das Bundesamt für Gesundheit auf die meisten Verschärfungen verzichten möchte. Text von Sarah Coopman

V-NISSG: Schallschutzgesetzgebung wird nur rudimentär angepasst

Viel Lärm um (fast) nichts: Nach vehementem Widerstand von betroffenen Branchenvertretern will das Bundesamt für Gesundheit von grossen Änderungen in der Schallschutzgesetzgebung (auch für Grosskonzerte wie im Bild) absehen. (Foto: Marcel Grubenmann)

Wer sich heute darüber informieren möchte, welche Grenzwerte und Auflagen für Schall bei Veranstaltungen gelten, schaut in der Schall- und Laserverordnung («SLV») nach. Dort ist zunächst einmal festgehalten, dass Veranstaltungen mit einem Beschallungspegel von weniger als 93 dB(A) keiner Auflage unterliegen. Massgebend für die Grenzwerte ist der durchschnittliche Schallpegel während einer Stunde. Auflagen für die Veranstalter gemäss aktueller SLV gelten erst ab 93 dB(A) pro Stunde bei Veranstaltungen mit elektrisch verstärktem Schall.

Regeln der aktuellen Schall- und Laserverordnung

Die erforderlichen Schallschutzmassnahmen unterscheiden sich je nach durchschnittlichem Beschallungspegel und lassen sich in drei Kategorien unterscheiden: Die erste Kategorie von Veranstaltungen sind solche mit einem durchschnittlichen Stundenpegel zwischen 93 dB(A) und 96 dB(A). Diese Events müssen vom Veranstalter vierzehn Tage im Voraus bei der Vollzugsbehörde gemeldet werden. An der Veranstaltung selbst ist das Publikum sodann über die mögliche Gefährdung des Gehörs mittels eines Plakats zu informieren und es müssen gratis Gehörschutze abgeben werden. Schliesslich schreibt die SLV vor, dass der Schallpegel während der Veranstaltung mit einem Messgerät überwacht werden muss. Solche Messgeräte müssen keine besonderen Anforderungen erfüllen.

Der durchschnittliche Stundenpegel an einer Veranstaltung mit elektrisch verstärktem Schall darf 100 dB(A) nicht übersteigen. Für Veranstaltungen mit einem Pegel zwischen 96 dB(A) und 100 dB(A) gelten dieselben Anforderungen wie für Veranstaltungen der ersten Kategorie, vorausgesetzt, die Beschallung dauert insgesamt nicht länger als drei Stunden. Auch hier gelten für die Veranstalter folgende Verpflichtungen: Meldepflicht für die Veranstaltung, Pflicht zur Information des Publikums und Abgabe von Ohrenstöpseln sowie eine Überwachungspflicht während der ganzen Veranstaltung.

Bisher keine Auflagen für unverstärkten Schall

Übersteigt die Beschallungsdauer jedoch drei Stunden, gelten strengere Auflagen. In diesem Fall muss der Veranstalter zusätzlich den Schallpegel aufzeichnen und eine Ausgleichszone schaffen. In dieser Ausgleichszone darf der mittlere Schallpegel die 85-Dezibelgrenze nicht überschreiten.

Der maximale Schallpegel, also die lauteste punktuell gemessene Schallbelastung, darf 125 dB(A) zu keinem Zeitpunkt überschreiten. Unverstärkter Schall unterliegt bisher keinen Auflagen. Sowohl ein Sinfonieorchester als auch eine Opernsängerin oder eine Guggenmusik müssen sich somit an keine der genannten Grenzwerte und die damit verbundenen Auflagen halten. So lauten die Regelungen für Veranstaltungen mit elektrisch verstärktem Schall gemäss der aktuell geltenden Schallverordnung.

Widerstand gegen Verordnungsentwurf V-NISSG

Im Entwurf der neuen Verordnung zum Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdung durch nichtionisierende Strahlung und Schall, genannt «V-NISSG», waren diese Regelungen grösstenteils übernommen und punktuell angepasst worden. Zum einen sah der Verordnungsentwurf neu auch Auflagen für Veranstaltungen ohne verstärkten Schall vor. Zum anderen wäre die Pflicht zur Aufnahme des Schallpegels auf alle Veranstaltungen mit einem durchschnittlichen Pegel von über 93 dB(A) ausgedehnt worden. Der Bund wollte zudem höhere Anforderungen an die Aufnahmegeräte stellen.

Im Laufe der Vernehmlassung zeigten die Branchenvertreter vehementen Widerstand gegen die beabsichtigten Änderungen. Nach den Gesprächen mit den Branchenvertretern, die Ende September stattfanden, lässt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) nun von diesen Änderungen ab und wird dem Bundesrat die Streichung der ausgedehnten Aufnahmepflicht beantragen. Damit bleibt in Bezug auf die Aufnahmepflicht alles beim Alten und die Aufnahmepflicht besteht nur für Veranstaltungen mit einem Durchschnittspegel von über 96 dB(A) bei einer Beschallung von mehr als drei Stunden.

BAG will von Verschärfungen grösstenteils absehen

Als Auflage für Veranstaltungen mit unverstärktem Schall über 93 dB(A) wird vom BAG nur noch eine Pflicht zur Information des Publikums sowie die Pflicht zur Abgabe von kostenlosen Gehörschutzen beantragt, die vorgängige Meldepflicht soll ebenfalls gestrichen werden. Für Orchesterauftritte, klassische Konzerte oder ähnliche Veranstaltungen werden in Zukunft voraussichtlich minime Auflagen gelten, vorausgesetzt, der Grenzwert von 93 dB(A) ist erreicht.

Die verschärften Anforderungen an die Messgeräte werden voraussichtlich ebenfalls nicht umgesetzt. Vielmehr sollen die Anforderungen an die Messgeräte sowie das Messverfahren an sich anhand einer Branchenempfehlung definiert werden.

Grosse Änderungen in der Schallschutzgesetzgebung sind somit aufgrund der neusten Entwicklungen nicht zu erwarten. Insbesondere die geltenden Grenzwerte bleiben unverändert. Diese sind nach Angaben des BAG von den Branchenvertretern akzeptiert und wurden im Laufe der Vernehmlassung nicht in Frage gestellt. Inwiefern doch noch Änderungen in die neue Verordnung integriert werden, ist zum momentanen Zeitpunkt nicht restlos klar. Der Bundesrat entscheidet Anfang 2019 endgültig über die Umsetzung und die Inkraftsetzung des Verordnungsentwurfs.

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Im Februar 2018 wurde die Verordnung zum Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdung durch nichtionisierende Strahlung und Schall in die Vernehmlassung geschickt. Im Verordnungsentwurf waren strengere Auflagen für Veranstaltungen mit elektrisch verstärktem Schall sowie neu auch Auflagen für nicht verstärkte Veranstaltungen vorgesehen. Anfang Oktober wurde bekannt, dass das Bundesamt für Gesundheit auf die meisten Verschärfungen verzichten möchte. Text von Sarah Coopman

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Positives Echo auf den «SUISA-Tag» am Festival Murten Classics

Ein ganzer Tag lang zeitgenössische Musik stand am 25. August 2018 auf dem Programm des Festivals Murten Classics in der Konzertreihe «Offen für Neues». Der von der SUISA unterstützte Konzerttag wurde von Radio SRF 2 Kultur aufgezeichnet und stiess rundum auf positive Resonanz. Text von Manu Leuenberger

Belenus Quartett: Positives Echo auf den «SUISA-Tag» am Festival Murten Classics

Das Belenus Quartett interpretierte im dritten und letzten Konzert des «Offen für Neues»-Tages am 25. August 2018 am Festival Murten Classics Werke von Daniel Schnyder, Cécile Marti, Iris Szeghy und Marco Antonio Perez-Ramirez. (Foto: Willi Piller)

Das Programm an diesem aussergewöhnlichen Konzerttag am Festival Murten Classic begann früh: Bereits vor 10 Uhr morgens, rechtzeitig zum Eröffnungsreferat der Musikwissenschafterin Dr. Irène Minder-Jeanneret, trafen die Gäste zahlreich im Konzertsaal des KiB – Kultur im Beaulieu in Murten ein. Die Serie von drei Konzerten mit Werken von 13 zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten habe über die Grenzen der Region hinaus Interesse geweckt, konstatierten die «Freiburger Nachrichten» in einer zwei Tage später erschienenen Besprechnung des Anlasses: «Die Stühle im Kulturzentrum waren fast bis auf den letzten Platz besetzt.»

Der Festivalführer hatte den von der SUISA unterstützten Konzerttag in der Reihe «Offen für Neues» als «einen Tag der Begegnungen» angekündigt. Das Versprechen erfüllte sich an diesem Samstag, 25. August 2018, in mehrerer Hinsicht: Das Publikum konnte in der grossen Palette der aufgeführten Werke die klangliche Vielfalt der zeitgenössischen Kompositionen entdecken. Viele der Komponistinnen und Komponisten, deren Stücke gespielt wurden, waren persönlich nach Murten gereist und gaben in kurzen Einführungsgesprächen einen Einblick in ihre musikalische Gedanken- welt. Unter den anwesenden Musikschaffenden ergab sich in den Pausen zwischen den drei Konzerten ebenfalls ein reger Austausch.

Gut programmiert, interpretiert und integriert

Eine Idee des Tages sei gewesen, erklärte Roman Brotbeck, der als Moderator durch das Programm führte, «nicht mit Uraufführungen zu bluffen, sondern ein breites musikalisches Spektrum zu zeigen». Dieses Vorhaben hielt Andreas Zurbriggen in seinem Rückblick in der «Schweizer Musikzeitung» (Ausgabe September/Oktober 2018) für erfreulich – denn von Uraufführungen gäbe es anderweitig genug, was von Zweit- und Drittaufführungen zeitgenössischer Werke nicht gesagt werden könne – und ausserdem für gelungen, denn der künstlerische Leiter, Kaspar Zehnder, habe beim Zusammenstellen des Programms ein glückliches Händchen bewiesen und «unterschiedliche Welten aufeinander prallen lassen». «Und: Die Interpretationen, etwa des Belenus-Quartetts, des Pianisten Gilles Grimaître und des ‹Ensembles mit vier›, erreichten ein sehr hohes Niveau», schrieb der Rezensent an gleicher Stelle.

Es sei schön, «dass solche Experimente neben den populären Konzerten Platz im Festivalprogramm finden», lautete das abschliessende Fazit in der Besprechung des Konzerttages in den «Freiburger Nachrichten». Das ambitionierte «Offen für Neues»-Tagesprojekt des Festivals Murten Classics und der SUISA stiess rundum auf positive Resonanz, wie auch aus den nachfolgenden Stimmen von Beteiligten hervorgeht.

Das Radio SRF 2 Kultur spielt Ausschnitte aus den drei Konzerten vom 25.8.2018 in der Sendung «Neue Musik im Konzert» am Mittwoch, 7. November 2018, ab 21 Uhr.

Katrin Frauchiger

Die Berner Komponistin Katrin Frauchiger erläuterte im Einführungsgespräch ihr Werk «Mare nostrum» für Flöte und Streichtrio, das in der Folge im Konzert gespielt wurde. (Foto: Willi Piller)

Katrin Frauchiger, Komponistin und Sängerin, Dozentin HSLU:

«Als Komponistin weiss ich das gemeinsame Engagement von Murten Classics und der SUISA in der Ausrichtung eines ganzen Tages der zeitgenössischen Musik sehr zu schätzen. Der Mut des Veranstalters hier einen bedeutenden Akzent innerhalb des Murten Festivals zu setzen, hat sich in jeder Beziehung ausgezahlt: das Publikum erschien zahlreich, war höchst interessiert und ‹offen für Neues›.
Präsentiert wurden drei frische, sorgfältig kuratierte, durch Vortrag und Einführung vermittelte Konzerte, welche jeweils unter einem für den Hörer inspirierenden Motto standen: Waves from another world / Immigration-Emigration / Roots and great places. Im spontanen Gespräch mit Roman Brotbeck hatte ich – sowie die anderen anwesenden Komponisten – die Gelegenheit mein Werk ‹Mare Nostrum› persönlich einzuführen und so der schönen Aufführung meiner Musik die Tür zu öffnen. Ebenso wertvoll war während des Tages der Austausch unter den anwesenden, teils von weit her angereisten KomponistInnen und dem Publikum.»

Irene Minder-Jeanneret

«Ein Architekt kann von seiner Komposition leben, eine Komponistin oder ein Komponist kaum», sagte die Musikwissenschafterin Dr. Irène Minder-Jeanneret im Eingangsreferat und führte aus, weshalb das Schweizer Musikschaffen mehr Wertschätzung verdient habe. (Foto: Willi Piller)

Dr. Irène Minder-Jeanneret, Musikwissenschaftlerin, Mitglied Steuerungsgruppe Musiklexikon der Schweiz:

«Der SUISA-Tag bot eine wertvolle, seltene tour d’horizon sowohl zum Musikschaffen als auch zum kulturpolitischen Stellenwert der Musik in der Schweiz. Er veranschaulichte bestens den Graben zwischen der lebendigen, qualitätsvollen musikalischen Realität in unserem Land und der mangelnden politischen Wertschätzung. Ein Drittel der Bevölkerung macht aktiv Musik; trotzdem wird die Schweiz nicht als musikalisches Land wahrgenommen. Musik schaffen, machen, unterrichten, verbreiten und dokumentieren stellen gleichwertige Facetten einer wichtigen Kultursparte dar, die es verdienen, auf allen politischen Ebenen anerkannt, gefördert und bekanntgemacht zu werden. Wie im Filmsektor gibt es auch im Bereich der Musik Tätigkeiten, die nicht allein von den Kantonen getragen werden können.
Für mich von der Steuerungsgruppe des Musiklexikons der Schweiz war der SUISA-Tag eine einzigartige Gelegenheit, mit Akteurinnen und Akteure aller Musikbereiche ins Gespräch zu kommen. Bestimmt hat der Anlass auch zur Stärkung der einzelnen Anliegen beigetragen.»

Kaspar Zehnder

Der künstlerische Leiter des Festivals Murten Classics, Kaspar Zehnder, war am «SUISA-Tages» auch als Flötist zu hören. (Foto: Willi Piller)

Kaspar Zehnder, Künstlerischer Leiter Murten Classics und Kurator des ersten «SUISA-Tages» vom 25.8.2018:

«In der Heterogenität und Vielfalt lag die Würze und die Spannung dieses Programms, bei dem sich unterschiedlichste Aesthetiken die Hand reichten, Publikum, Komponist/innen, Moderator/innen und Ausführende in angeregte Gespräche vertieft waren oder gemeinsam wortlos andächtig den Murtener Nidle-Kuchen oder ein Glas Roten vom Vully genossen.
Der SUISA-Tag muss unbedingt zur mindestens biennalen Tradition der Murten Classics werden.»

www.murtenclassics.ch

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Ein ganzer Tag lang zeitgenössische Musik stand am 25. August 2018 auf dem Programm des Festivals Murten Classics in der Konzertreihe «Offen für Neues». Der von der SUISA unterstützte Konzerttag wurde von Radio SRF 2 Kultur aufgezeichnet und stiess rundum auf positive Resonanz. Text von Manu Leuenberger

Belenus Quartett: Positives Echo auf den «SUISA-Tag» am Festival Murten Classics

Das Belenus Quartett interpretierte im dritten und letzten Konzert des «Offen für Neues»-Tages am 25. August 2018 am Festival Murten Classics Werke von Daniel Schnyder, Cécile Marti, Iris Szeghy und Marco Antonio Perez-Ramirez. (Foto: Willi Piller)

Das Programm an diesem aussergewöhnlichen Konzerttag am Festival Murten Classic begann früh: Bereits vor 10 Uhr morgens, rechtzeitig zum Eröffnungsreferat der Musikwissenschafterin Dr. Irène Minder-Jeanneret, trafen die Gäste zahlreich im Konzertsaal des KiB – Kultur im Beaulieu in Murten ein. Die Serie von drei Konzerten mit Werken von 13 zeitgenössischen…Weiterlesen

Offen für Neues am Festival Murten Classics

Am Samstag, 25. August 2018, lädt das Festival Murten Classics zusammen mit der SUISA ein, einen Tag lang in die Welt der zeitgenössischen Musik einzutauchen. Es werden drei Konzerte mit Werken von 13 Komponistinnen und Komponisten unterschiedlicher Generation, Herkunft und Ästhetik, gespielt. Das Rahmenprogramm des Tages gibt dem Publikum die Möglichkeit, mehr über das Unterwegssein im heutigen musikalischen Umfeld zu erfahren oder über die neuen Kompositionen zu diskutieren. Text von Erika Weibel und Manu Leuenberger

Offen für Neues am Festival Murten Classics

Die Komponistin Cécile Marti war für ihre musikalischen Studien unterwegs in Zürich, Luzern und Basel und erarbeitete in London ihre Dissertation. Ihr Streichquartett «Trapez» ist eines von 13 Werken, das am 25.8.2018 in der Konzertreihe «Offen für Neues» am Festival Murten Classics zu hören sein wird. (Foto: Suzie Maeder)

Das Festival Murten Classics feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Die Jubiläumsausgabe findet vom 12. August bis am 2. September 2018 statt. Das diesjährige Festivalprogramm unter dem Motto «unterwegs – en chemin» will eine musikalische Zeitreise durch fünf Jahrhunderte ermöglichen und stellt dabei die negativ behafteten Begriffe Flucht, Migration und Emigration bewusst an die Seite inspirierender Wanderungen und Reisen von Komponisten und Künstlern.

Seit Langem pflegt das Festival Murten Classics in seinem Programm mit der Konzertreihe «Offen für Neues» das Repertoire der zeitgenössischen Musik. «Diese Konzerte appellieren an die Neugierde des Publikums, und das Publikum wird meistens nicht enttäuscht», erklärte der künstlerische Leiter des Festivals, Kaspar Zehnder, in einem Interview mit den «Freiburger Nachrichten».

In Zusammenarbeit mit der SUISA offeriert das Festivalprogramm dieses Jahr gleich einen ganzen Tag der Begegnungen: Im Rahmen der Konzertreihe «Offen für Neues» werden am Samstag, 25. August 2018, im Kulturzentrum im Beaulieupark in Murten vom Vormittag bis am späteren Nachmittag drei Konzerte mit Werken von 13 verschiedenen zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten zu hören sein.

In einem Rahmenprogramm inklusive der Möglichkeit zum Mittagessen kann das Publikum von Fachpersonen und Künstlern mehr über das heutige Dasein als Musikschaffender und das aktuelle Musikschaffen erfahren oder darüber diskutieren. Neben einer Einführung zum Auftakt am Morgen finden tagsüber zu den Konzerten moderierte Gesprächsrunden mit den anwesenden Komponisten statt, bei denen das Publikum auch Fragen zu Entstehung und Werdegang der Werke stellen kann.

Getreu dem diesjährigen Festivalmotto «unterwegs – en chemin» stammen die an diesem Tag aufgeführten Werke von Urhebern, die mit der Schweiz verbunden «unterwegs» sind. Diese Komponistinnen und Komponisten sind aus der Schweiz ausgewandert, in die Schweiz eingewandert, stets an einem anderen Ort oder von Ort zu Ort geflüchtet.

Welche Klangwelten sich durch diese Lebenswege und -erfahrungen entfalten, können Zuhörer an diesem Tag der musikalischen Begegnungen erleben und erfahren. Tageskarten für diese Veranstaltung vom 25. August 2018 in der Konzertreihe «Offen für Neues» sind inklusive oder exklusive Mittagessen erhältlich auf der Website des Festivals.


Programm: «Offen für Neues», ein Tag der Begegnungen am Murten Classics

Samstag, 25. August 2018

Veranstaltungsort
Das Kleintheater KiB (Kultur im Beaulieu)

Motto: Unterwegs – en chemin.
Verschiedene Lesarten eines Festivalthemas
Aus der Schweiz emigriert
In die Schweiz immigriert
Stets unterwegs
Auf der Flucht

10 Uhr – EINFÜHRUNG
Dr. Irène Minder-Jeanneret
Moderation: Dr. Roman Brotbeck

Konzert 1 (ca. 11–12 Uhr)
WAVES FROM ANOTHER WORLD

Giorgio Tedde (*1958): Atlas (2005) für Flöte und Streichtrio
Katrin Frauchiger (*1967): Mare nostrum (2015) für Flöte und Streichtrio
Aram Hovhannisyan (*1984): Litanies I-IV (2008/09) für Klavier
Jean-Luc Darbellay (*1946): Waves (2011) für Flöte und Altflöte
Fritz Voegelin (*1943): Dual (2009/10) für Altflöte und Streichtrio

Ana Ioana Oltean, Flöte
Gilles Grimaître, Klavier
Ensemble mit vier: Kaspar Zehnder, Flöte/Altflöte; Charlotte Zehnder, Violine; Dorothee Schmid,Viola; Urs Fischer, Violoncello

Konzert 2 (ca. 13.30 – 14.30 Uhr)
IMMIGRATION – EMIGRATION

Maria Niederberger (*1949): Mountain visions (2009/10) für Violine solo
Maria Niederberger (*1949): Hommage à Frédéric Chopin (2008/09) für Klavier solo
Thomas Fortmann (*1951): Burleske «Elena e Greta»für zwei Flöten und Klavier
Jan Beran (*1959): «Strange words the wind tossed» für Violine und Klavier
Jan Beran (*1959): «Leis wie eine Märchenweise» für Klavier solo
Wael Sami Elkholy (*1976): «Skies’ Calls» (2011) für Stimme und Tonband

René Kubelik, Violine
Patrizio Mazzola, Klavier
Ana Ioana Oltean, Flöte
Kaspar Zehnder, Flöte
Wael Sami Elkholy, Stimme

Konzert 3 (ca. 16–17 Uhr)
ROOTS AND GREAT PLACES

Daniel Schnyder (*1961): 4. Streichquartett «Great places» – Shanghai 1928, Havana 1952, Paris 1901, Casablanca 1933, New York City 1964
Cécile Marti (*1973): Trapez (2012)
Iris Szeghy (*1956): Aria (2007/16)
Marco Antonio Perez-Ramirez (*1964): Primitive Dream (2009)

Belenus Quartett: Seraina Pfenninger, Violine; Anne Battegay, Violine; Esther Fritzsche, Viola; Jonas Vischi, Violoncello

www.murtenclassics.ch

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Die Komponistin Cécile Marti war für ihre musikalischen Studien unterwegs in Zürich, Luzern und Basel und erarbeitete in London ihre Dissertation. Ihr Streichquartett «Trapez» ist eines von 13 Werken, das am 25.8.2018 in der Konzertreihe «Offen für Neues» am Festival Murten Classics zu hören sein wird. (Foto: Suzie Maeder)

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Schweizer Kompositionen am Festival Archipel

Die zeitgenössischen Schweizer Komponistinnen und Komponisten haben viel zu bieten. Der Beweis dafür war am Festival Archipel am 21. März 2018 anlässlich eines Konzerts zu Ehren von vier einheimischen Komponisten zu hören. Gastbeitrag von Sébastien Cayet

Schweizer Kompositionen am Festival Archipel

Die in Zürich geborene und in den USA arbeitende Schweizer Komponistin Katharina Rosenberger und Festivaldirektor Marc Texier beim Einführungsgespräch zum «Schweizer Konzertabend» am Festival Archipel am 21. März 2018 in Genf. (Foto: Manu Leuenberger)

Das Festival Archipel lud – unterstützt von der SUISA, der Schweizer Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik – zu einem zweiteiligen Abend ein. Vor dem Konzert empfing der Festivalleiter Marc Texier die Komponistin Katharina Rosenberger und den Komponisten Michael Pelzel zu einem Gespräch. Eine willkommene Gelegenheit, mehr über ihren Arbeitsalltag, die verschiedenen Einflüsse, ihre Kompositionsmethoden und Projekte zu erfahren.

Als Erstes fiel auf, wie gegensätzlich die Einflüsse sind: Katharina Rosenbergers musikalische Referenzen gehen auf die Renaissance, insbesondere auf Willaert und De Rore zurück, während Michael Pelzel für sein Stück aus indischen und afrikanischen Quellen schöpft und dadurch einen Kontrast zwischen westlicher und aussereuropäischer Musik und zwischen Traditionellem und Neuem herstellt. Die Aktivitäten der beiden beschränken sich allerdings nicht auf die Komposition: Sie unterrichtet in den USA, er ist als Organist tätig.

Somit müssen sie ihren Lebensunterhalt nicht ausschliesslich mit Komponieren verdienen, zumal beide bestätigen, dass die Ausbreitung des Streamings auf Kosten der CD und der Live-Darbietung geht und ihnen eine Einkommensquelle raubt oder zumindest stark verkleinert. Glücklicherweise kümmert sich die SUISA um die Urheberrechte, zu denen auch die Vergütungen für Konzerte gehören, in denen ihre Werke gespielt werden.

Schweizer Premieren und Welturaufführungen

Nach dem Gespräch begann das Konzert. Auf dem Programm standen vier Kompositionen: die Schweizer Premieren von Katharina Rosenbergers «Tempi agitati» und Oscar Bianchis «Ante Litteram» sowie die Welturaufführungen des «Etüdenbuchs zu Diabelli» von Michael Pelzel und des «Präludien-Buchs 1-4» von Mischa Käser.

Die Neuen Vocalsolisten Stuttgart, ein Vokalensemble aus Deutschland, interpretierten ein massgeschneidertes Repertoire, war es doch für sie komponiert worden. 2012 führten sie Oscar Bianchis und 2016 Katharina Rosenbergers Werk erstmals auf.

In «Tempi agitati» – an diesem Abend war ein Werkausschnitt zu hören – schafft Katharina Rosenberger kontrastreiche Stimmungen dank wechselnder Ästhetiken und einer der Akustik und der Architektur des Saals angepassten Inszenierung. Zu Beginn herrscht Dunkelheit. Die Solisten sitzen im Publikum. Dann gibt jemand den Auftakt zu einem lautmalerischen Dialog. Die Neuen Vocalsolisten antworten sich, lösen sich ab und unterbrechen sich mit höchster Präzision. Anschliessend begeben sie sich auf die Bühne und stimmen einen polyphonen Gesang im Renaissance-Stil an mit Bezugnahme auf Adrian Willaert und Cipriano de Rore.

Mit ihren Anspielungen auf die Renaissancemusik wollte die Komponistin die «Natürlichkeit der Stimme» wiederfinden. Die Stimmen der Solistinnen und Solisten sind rein, gradlinig und ungekünstelt, jedoch nicht emotionslos. Der Beginn von «Tempi agitati» ist charakteristisch für das Stück; die Sänger bewegen sich im Saal, lösen sich ab oder verbinden die Ästhetiken, Tempi und Charaktere und enden so, wie sie begonnen haben: im Dunkeln, ausserhalb der Bühne und fürs Publikum unsichtbar.

Jeder musikalische Effekt hat Bedeutung

Für «Ante Litteram» liess sich Oscar Bianchi von David Foster Wallaces «Infinite Jest» und von Nietzsches «Der Antichrist» inspirieren, wo er «dieselbe Empathie und Klarsicht in der Erkundung dessen wiederfinde, was den Menschen am Erkennen/Bewusstsein seiner selbst hindere». Drei Themen durchwirken das Stück: das Schlechte, die Moral und das Heil, wobei jeder musikalische Effekt seine Bedeutung hat.

Nach einem homorhythmisch gesprochenen Beginn verschieben sich die Stimmen nach und nach, die Rhythmen und die Gesangsarten ändern. Wie ein klarer und zusammenhängender Gedanke, der sich in mäandernden Reflexionen verliert. Die Dissonanzen zwischen den Soprani evozieren den Schmerz, die Imitationen von Lachen scheinen die Absurdität des Gedankens zu spiegeln, während die Variationen der Tempi den Variationen unserer eigenen inneren Erregung entsprechen.

Das Diabelli in Michael Pelzels Werk spielt weder auf den Komponisten Anton Diabelli noch auf die «Variations Diabelli» von Beethoven an. Das «Etüdenbuch zu Diabelli pour six voix a cappella» basiert auf einer Erzählung von Hermann Burger. Ein Zauberer möchte sein Leben als Künstler beenden. Die Etüden, die in einer beliebigen Reihenfolge gesungen werden können, spielen mit den Rhythmen, die durch die synchronen und asynchronen Stimmen entstehen. Ausserdem bewirken die Frauen- und Männerstimmen mit unterschiedlicher Pulsierung eine Überlagerung der Tempi und stellen so die verschiedenen Stimmen in Opposition zueinander.

Neue Vocalsolisten Stuttgart erfüllten Erwartungen vollends

Die Uraufführung des «Präludien Buchs 1-4» von Mischa Käser rundete den Abend mit einer Fülle von musikalischen Effekten ab: Überlagerung von Elementen – Sprache, Lyrik, Rhythmus –, die die Stimmen voneinander abgrenzen, Dramatisierung mit perfekt synchronisierten Seufzern, Atmungen und Überraschungsmomenten. Der Komponist wollte exotische Gesangstechniken mit bekannten und dadurch verwirrenden Klängen verbinden. Überraschung und Originalität sowie die Dichotomie zwischen der westlichen Form des Präludiums und den «exotischen Techniken» kennzeichnen das Werk.

Die Neuen Vocalsolisten Stuttgart erfüllten die Erwartungen vollends und interpretierten das anspruchsvolle Repertoire mit bewunderswerter Leichtigkeit. Sie bewiesen ihre Vielseitigkeit und meisterten die Werke, Effekte und auch die Formensprache souverän. Ihre Darbietung vermittelte den Eindruck von tiefem Verständnis und perfektem Zusammenwirken zwischen den verschiedenen Ensemblemitgliedern, sodass sie diese facettenreichen Werke in allen Details erfassen und sie in ihrer Interpretation transzendieren konnten.

www.archipel.org

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