Tagarchiv: Komposition

Spannende Einblicke und Konzerte am Festival Zeiträume

Möchten Sie Komponistinnen und Komponisten bei ihrer Arbeit über die Schultern blicken? Sie möchten fragen, was sie inspiriert und animiert, uns mit ihren Werken neue Welten zu eröffnen? Die Biennale Zeiträume Basel bietet Ihnen in Zusammenarbeit mit der SUISA die Möglichkeit, sich persönlich mit Urheberinnen und Urhebern der Werke zu unterhalten, die die während dem Festival gespielt werden. Text von Erika Weibel

Spannende Einblicke und Konzerte am Festival Zeiträume

Zeiträume Pavillon, Treffpunkt des Festivals. Er wurde erstellt durch Zeiträume Basel mit Unterstützung der SUISA und der Basler Kantonalbank in Koproduktion mit der Hochschule für Musik FHNW / Musik-Akademie Basel. (Foto: Johanna Köhler)

In Kooperation mit der SUISA macht das Festival Zeiträume erlebbar, wie heute Musik entsteht. Denn 2019 legt das Festivalprogramm einen besonderen Schwerpunkt auf den kreativen Entstehungsprozess von Kompositionen. In den SUISA Talks mit Komponistinnen und Komponisten, deren Werke beim Festival erklingen, können die Festivalbesucherinnen und -besucher in deren Welt eintauchen, einen Eindruck von ihrer Motivation, ihrer Inspiration und unterschiedlichen Arbeitsweisen erhalten. Die Zuschauerinnen und Zuschauer können in einer lockeren Atmosphäre auch selbst Fragen an die Komponistinnen und Komponisten richten.

Das kann den Besuch des anschliessenden oder vorher bereits gehörten Konzerts um einiges spannender machen und somit die Vorfreude schüren oder das musikalische Erlebnis vertiefen. Die Gespräche sind für das Publikum kostenlos, werden professionell moderiert und finden an unterschiedlichen Standorten statt.

SUISA Talks am Festival Zeiträume 2019

SO 15.09. Katharina Rosenberger, Baldur Brönnimann | Wir sind Meer | Mitteldeck
MO 16.09. Mitglieder FIM Basel | Das grosse Rauschen| Unternehmen Mitte
MO 16.09. Marianne Schuppe | Die Summe | ZeitRäume Pavillon
MI 18.09. Elisabeth Flunger & Gäste | Das grosse Rauschen | Unternehmen Mitte
MI 18.09. Team Rohrwerk. Fabrique sonore | Kunstmuseum
DO 19.09. Team Rohrwerk. Fabrique sonore | Kunstmuseum
SA 21.09. Team Rohrwerk. Fabrique sonore | Kunstmuseum
SA 21.09. Hannes Seidel, Andreas Wenger | Überläufer* | Zollhalle St. Johann
SA 21.09. Kollektiv Mycelium | Cyber String Species | Gare du Nord
SA 21.09. Mike Svoboda | Freude | Antoniuskirche
SO 22.09. Team Ivan Wyschnegradsky: La Coupole | Markthalle Basel

Darüber hinaus werden täglich am Pavillon Talks zwischen 16.30 und 19.00 Uhr stattfinden. Den genauen Zeitplan dafür wird das Festival Zeiträume allerdings erst kurz davor auf seiner Website veröffentlichen.

Moderation: Bernhard Günther, Dorothea Lübbe, Johannes Joseph, Anja Wernicke

Festival Pavillon

Der Basler Architekt Marco Zünd (Buol & Zünd Architekten) hat im Auftrag von Zeiträume Basel 2019, unterstützt von der SUISA, in prominenter Lage am Rheinufer bei der Mittleren Brücke eine einladende, temporäre Sammelstelle entworfen. Ein aufklappbarer Würfel dient zwei Wochen lang als Informationsstelle, Treffpunkt rund um diverse Festivalaktivitäten und Ort künstlerischer Interventionen. Das Publikum begegnet dort auch Komponistinnen und Komponisten in Aktion während der gesamten Dauer des Festivals.

Öffnungszeiten Pavillon
DI 10.09.–SO 22.09. | täglich 11:00–19:00 Uhr | Wohlterasse an der Mittleren Brücke

Würfel Talks mit Festivalkünstlerinnen und -künstlern: täglich 16:30 Uhr – 19:00 Uhr
(ausgenommen während der Performances)
DI 10.09. | SUISA Talk mit Marco Zünd
MO 16.09. | SUISA Talk mit Marianne Schuppe

Performances: MI 11.09., DO 12.09., DI, 17.09., MI 18.09. | jeweils 12:30–14:00 Uhr & 17:00–18:30 Uhr

www.zeitraeumebasel.com

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«Ab is Wälschland» ans Eidgenössische Volksmusikfest

Im Mai trafen sich fünf junge Volksmusikanten unter der Leitung von Dani Häusler in Crans-Montana, um eine Hymne für das Eidgenössische Volksmusikfest 2019 zu komponieren. Das von der SUISA initiierte und in Zusammenarbeit mit dem Organisationskomitee des EVMF durchgeführte Komponierwochenende war ein voller Erfolg. Text von Sibylle Roth und Manu Leuenberger; Video von Sibylle Roth

Nachdem im 2015 die Hymne für das Eidgenössische Volksmusikfest in Aarau als Auftragskomposition von Hanspeter Zehnder im Alleingang komponiert worden war, wollte man dieses Jahr auf den Nachwuchs setzen. Ausgewählt und kontaktiert wurden die Musikanten vom OK des EVMF. «Anfangs dachte ich, ich wurde verwechselt und die Anfrage fürs Komponierwochenende wurde aus Versehen an mich geschickt. Aber ich fühle mich nun sehr geehrt und freue mich riesig», sagte Alessia Heim im Interview.

Bei der Auswahl wurde darauf geachtet, die gängigsten Instrumente der Volksmusik vertreten zu haben. So kam es, dass sich Eva Engler, Klarinette, Alessia Heim, Hackbrett, Jérôme Kuhn, Kontrabass, Florian Wyrsch, Schwyzerörgeli und Siro Odermatt am Akkordeon an einem Samstagmorgen im Mai in Crans-Montana trafen.

Einige der Jugendlichen kannten sich bereits und haben schon zusammen musiziert, für andere war es die erste Erfahrung ausserhalb ihrer gewohnten Formation. Ausser Siro Odermatt, der seit 2017 SUISA-Mitglied ist und bereits mehrere Stücke selber geschrieben hat, besassen die jungen Musikantinnen und Musikanten keine grosse Erfahrung im Komponieren. Deshalb wurde mit Dani Häusler ein erfahrener Volksmusikant als Leiter des Wochenendes engagiert. Doch auch für den Routinier war es keine alltägliche Aufgabe: «Die grösste Herausforderung war, den Mut zu haben, ohne Vorbereitung an dieses Komponierwochenende zu kommen», verriet er im Nachhinein.

Die Teilnehmenden des Komponierwochenendes

Die Teilnehmenden des Komponierwochenendes v.l.n.r. Florian Wyrsch, Alessia Heim, Siro Odermatt, Eva Engler, Jérôme Kuhn, Dani Häusler. (Alle Fotos: Sibylle Roth)

Der Anfang auf dem weissen Blatt Papier

Bevor im Seminarraum des Hotels «La Prairie», wo der Workshop stattfand, die ersten Töne aus den mitgebrachten Instrumenten erklangen, setzte sich die Gruppe an einen Tisch und begann die Arbeit sprichwörtlich auf dem weissen Blatt Papier. Der erste Gedankenaustausch war geprägt von verschwommenen Vorstellungen und unsicheren Gefühlen: Eine Hymne – das ist ein grosses Wort. Was soll das sein? Wie soll das klingen? Was wird von uns erwartet? Wie gehen wir vor? Welche Tanzart ist geeignet? Wie findet man nun Melodien und Akkorde? Und: Kriegen wir bis morgen Sonntag wirklich ein Stück fertig?

Der Workshop-Leiter Dani Häusler gab Denkanstösse, bündelte die Fragen, gemeinsam wurden nach Antworten gesucht, die Ideen und Gedanken auf Papier festgehalten, die Vorstellungen wurden konkretisiert, und bald einmal war eine Grundlage für das Stück definiert – vorerst immer noch auf dem Papier.

Nach anfänglichen Diskussionen über die geeignete Tanzart entschied man sich am Ende für einen Schottisch, «die Königsdisziplin», sagt Jérôme Kuhn. Zudem wollte man gerne einen Text zum Mitsingen haben.

EVMF Komponierwochenende Notizen

Auf Papier wurden die ersten Gedanken zum Stück festgehalten.

Danach wurde erstmals mit den Instrumenten musiziert: Die Jugendlichen setzten sich zu zweit oder zu dritt zusammen und sammelten gemeinsam musikalische Ideen. Was in den Kleingruppen erarbeitet worden war, wurde hernach vor voller Runde präsentiert und mit möglichen Begleitstimmen ergänzt. Aber wie es manchmal so ist, will die Inspiration nicht immer dann fliessen, wenn sie sollte. «Wir hatten etwas Startschwierigkeiten, aber plötzlich hat es dann trotzdem funktioniert», sagte Eva Engler im Interview.

Eine grosse Unterstützung für den passenden musikalischen Wurf, der in der Folge zum fertigen Stück ausgearbeitet wurde, war die Kompositionserfahrung von Siro Odermatt. «Ich spiele oft bestehende Stücke und schweife dann in andere Melodien ab, so finde ich dann meist meine eigene Komposition», sagt Siro Odermatt. So fand sich nach den Startschwierigkeiten die zündende Idee im Verlauf des Samstagnachmittags, und bis zum Abendessen war das Gerüst der Hymne fertiggestellt.

Zu diesem Gerüst gehörte auch bereits der Entwurf für einen Text zum Stück, aus dem neben dem titelgebenden Ausruf «Ab is Wälschland …!» eine kernige Sprechgesangzeile sofort im Gedächtnis haften bleibt: «Glich oder glich ned glich». Jérôme Kuhn sagte im Interview dazu: «In der ganzen Schweiz gibt es Volksmusik, aber in vielen Gebieten gibt es verschiedene Stilrichtungen.» Ob «gleich oder doch nicht gleich», dies können Neugierige am kommenden Eidgenössischen Volksmusikfest in Crans-Montana erfahren.

Gruppenarbeit

Die Formation «Wälschland Express» beim Ausarbeiten des Stücks.

Die erste Aufführung

Am Sonntagmorgen wurde an den einzelnen Teilen des Stücks vor allem hinsichtlich Arrangement weitergefeilt. In Gruppen oder alleine übten die Musikantinnen und Musikanten ihre Einzelstimmen. Dani Häusler gab hilfreiche Tipps und stand mit Rat und Tat zur Seite, wenn es kleine Verwirrungen mit verschiedenen Tonarten oder Probleme bei der Stimmfindung zu lösen galt.

Noten

Dani Häusler beim Schreiben der ersten Noten.

Nachdem alle Stimmen der einzelnen Instrumente finalisiert und von Dani Häusler Noten des Stücks angefertigt worden waren, war das neu geschaffene Werk dann erstmals im Gesamten zu hören und wurde in weiteren Probedurchläufen ständig verfeinert. «Es ist ein ‹ghörfälliges› Stück entstanden, das etwas Einzigartiges hat und doch fürs grosse Publikum geeignet ist», sagte Siro Odermatt gegen das Ende des erfolgreichen Komponierwochenendes.

Alle Beteiligten sind sehr zufrieden mit dem Endergebnis und freuen sich auf das Eidgenössische Volksmusikfest im September. Auf die Frage, was er sich denn für das Stück wünsche, antwortete Dani Häusler: «Das Schönste wäre natürlich, wenn das Stück am Volksmusikfest auf der Strasse und von anderen auftretenden Formationen gespielt werden würde und es durch Sendungen auf dem Radio bei den Leuten bereits bekannt ist».

Die Kurzportraits der jungen Musikanten finden Sie auf unseren Social Media Kanälen «SUISA Music Stories» bei Facebook, Instagram und Youtube.

Die Hymne wurde im Nachhinein mit den Musikanten und Dani Häusler im Studio professionell aufgenommen und kann auf CD gekauft werden. Der Verkaufserlös kommt vollumfänglich dem VSV-Nachwuchsfonds zugute.

Das 13. Eidgenössische Volksmusikfest findet vom 19. – 22. September 2019 in Crans-Montana statt. www.cransmontana2019.ch

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Musikalisches Schaffen im Zeitalter der verschiedensten Einflüsse

Eine Diskussion zum – nur auf den ersten Blick – einfachen Thema der «Einflüsse in der Musik» hat zahlreiche Denkanstösse geliefert und noch einmal deutlich gemacht, dass über Musik und Ideen gesprochen werden muss, um einander besser und umfassender zu verstehen. Gastbeitrag von Zeno Gabaglio

Jazz in Bess: Musikalisches Schaffen im Zeitalter der verschiedensten Einflüsse

Diskussion am runden Tisch zum Thema musikalisches Schaffen im Zeitalter der verschiedensten Einflüsse: Zeno Gabaglio, Nadir Vassena, Maurizio Chiaruttini (Moderation), Gabriele Pezzoli und Carlo Piccardi (von links nach rechts). (Foto: Giorgio Tebaldi)

Wenn einem die Aufgabe zuteil wird, einen Bericht über eine Veranstaltung zu schreiben, an der man selbst aktiv teilgenommen hat, steht man vor einem ziemlichen Interessenkonflikt. Man ist parteiisch und kann so den berechtigten Erwartungen an einen objektiven Bericht nicht gerecht werden. Die Leserinnen und Leser dieses Textes müssen sich also bewusst sein, dass jedes Detail des folgenden Artikels subjektiver nicht sein könnte.

Doch gehen wir einen Schritt zurück. Am vergangenen 7. Juni 2019 fand in Lugano, dem gastfreundlichen Austragungsort des Jazz in Bess (was jener Veranstaltungsort ist, der im Tessin einem Jazz-Club am nächsten kommt, aber diesem magischen Ort müsste man eigentlich einen eigenen Artikel widmen …), eine Diskussion am runden Tisch zum Thema Musikalisches Schaffen im Zeitalter der verschiedensten Einflüsse statt. Eingeladen waren vier Vertreter der Tessiner Musikszene: Nadir Vassena (Komponist, Dozent und seit mehr als zwanzig Jahren wichtiger Bestandteil der Kulturszene, auch auf europäischer Ebene), Gabriele Pezzoli (Komponist und Jazzpianist, Protagonist eines ziemlich persönlichen und gleichzeitig vielfältigen Autorenwerks), Carlo Piccardi (Musikwissenschaftler, viele Jahre Direktor von Rete Due und einer der Kenner und unermüdlicher Vertreter der musikgeschichtlichen Kultur der italienischen Schweiz) sowie der Verfasser dieses Beitrags, Zeno Gabaglio.

Eine vielseitige Mischung würde man in einem anderen Zusammenhang, zum Beispiel auf einer Pralinenpackung, lesen. Keiner gleicht dem anderen, und bereits ihre unterschiedlichen Werdegänge lassen vermuten, dass sie auch unterschiedliche Vorstellungen von Musik haben. Eine Vielzahl von Meinungen, die zum Ausdruck kamen, dank der Moderation und des Inputs von Maurizio Chiaruttini, Journalist und ehemaliger Produzent des RSI.

Eine eigene musikalische Identität finden

«Es scheint, als seien Einflüsse für sämtliche künstlerischen Ausdrucksformen geradezu ein Muss geworden: Fusion verschiedener Genres, Vermischung verschiedener Sprachen – kultiviert und volkstümlich, akademisch und kommerziell, Akustik und Techno –, Verschmelzung verschiedener kultureller Ausdrucksweisen unterschiedlichen Ursprungs. Was bedeutet es vor diesem Hintergrund, eine eigene musikalische Identität zu finden, einen eigenen Stil, eine Glaubwürdigkeit des eigenen künstlerischen Ausdrucks?»

Dies war der Ausgangspunkt der Diskussion und, gegen jegliche dramaturgische Regel verstossend, verrate ich an dieser Stelle bereits, dass wir zu keiner Schlussfolgerung gekommen sind, oder besser gesagt: nicht nur zu einer Schlussfolgerung.

Bereits beim Begriff der «Einflüsse» gingen die Vorstellungen auseinander: Während die einen vor allem die negative Konnotation hervorhoben (immerhin denkt man schnell auch an negative Einflüsse oder Einflussnahme), verwiesen die anderen darauf, dass durch verschiedene Einflüsse eine Andersartigkeit erzeugt wird, die sich von Konzepten wie «Reinheit» und «Identität» abgrenzt. Ein Musiker, der von anderen «beeinflusst» ist, kann natürlich nicht mehr «rein» sein und verliert so einen Teil seiner Identität zugunsten von etwas anderem.

Im Zusammenhang mit den Begrifflichkeiten schlug Gabriele Pezzoli schliesslich ein Synonym vor: die «Hybridisierung» – diese sei weniger negativ konnotiert und offener für die vielen verschiedenen Stimuli, die das Zeitgenössische bietet und in denen sich Pezzoli wiederfindet.

Meisterwerke sind das Ergebnis verschiedener Prozesse

Daraufhin erinnerte Piccardi daran, dass es sich bei Einflüssen um ein umfassendes historisches Phänomen handle, das schon weit vor der zeitgenössischen Kunst zu finden gewesen sei. Die grossen Werke der Geschichte – also die Meisterwerke, die nicht infrage gestellt und von allen sofort wiedererkannt werden – seien immer das Ergebnis verschiedener Prozesse gewesen. Die Prozesse aber, die notwendig sind, um ein Werk zu schaffen, seien so gut wie nie weitergegeben worden, geschweige denn erinnere man sich an diese. Doch gerade in diesen Prozessen haben Einflüsse immer eine entscheidende Rolle gespielt – und zwar bereits über die letzten zwei Jahrtausende der europäischen Musikgeschichte.

Insgesamt konnte am Ende der Diskussion also keine einzige Schlussfolgerung gezogen werden, könnte man sagen. Doch die Diskussion über ein auf den ersten Blick so einfaches und klar definiertes Thema wie das der «Einflüsse in der Musik» hat zusätzliche Fragen aufgeworfen und Beobachtungen hervorgebracht, die, in einer Zeit, in der eher das Gegenteil zu gelten scheint, gezeigt haben, dass wir über Musik sprechen, unsere Vorstellungen und Träume miteinander abgleichen und auch versuchen wollen, uns besser und umfassender zu verstehen.

www.jazzinbess.ch

Der Gastautor – Zeno Gabaglio – ist Musiker, Komponist und Vorstandsmitglied der SUISA.

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Unterwegs im und mit dem Raum

Ort, Zeit und Raum spielen in den Arbeiten des Komponisten Beat Gysin eine zentrale Rolle. In seiner sechsteiligen «Leichtbautenreihe» konzipiert er dafür speziell Räume, um das Publikum mit wechselnden Klang- und Raumerfahrungen zu konfrontieren. Ab 2021 soll der zweite Teil des aufwändigen Projekt realisiert werden. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Beat Gysin: Unterwegs im und mit dem Raum

Der Basler Komponist Beat Gysin in einer Aufnahme aus dem Jahr 2010. (Foto: Anna Katharina Scheidegger)

Chemie und Musik: Geht das zusammen? Was anfänglich wie ein Widerspruch erscheint, macht in der Biografie von Beat Gysin durchaus Sinn. Aufgewachsen in einer Musikerfamilie, hat sich Gysin dafür entschieden, neben Komposition und Musiktheorie auch noch Chemie zu studieren. Der wissenschaftliche Ansatz und das empirische Auswerten eines experimentellen Ansatzes sind für ihn genauso wichtig wie das musische Element. «Ich wollte mit meiner Musik nie berühmt werden. Ich wollte mit und in der Musik immer Antworten finden», erklärt der heute 50jährige Basler.

Sein Werkverzeichnis ist beeindruckend. Noch beeindruckender allerdings ist die Art und Weise, wie er seine Kompositionen zur Aufführung bringt. Gysin bewegt sich konsequent jenseits der Vervielfältigung und von Tonkonserven. Ort, Zeit und vor allem der Raum sind zwingende Elemente seiner Aufführungspraxis. In dieser Hinsicht ist Gysin weitaus mehr als «nur» Komponist und Musiker. Man muss schon Umschreibungen wie Forscher, Architekt, Vermittler und Philosoph bemühen, um letztlich das Gysinsche Universum zu begreifen.

«Mein Kern ist tatsächlich ein philosophischer», meint er dazu. «Es geht um die Wahrnehmung und ich stelle fest, dass die Musik in ihrer ganzen Rezeption aus dem Raum gefallen ist.» Man betrachte die Musik heute losgelöst von ihrer Aufführung, fügt er an und verweist damit auf einen zentralen Punkt seiner Arbeit: Das konsequente Zusammenspiel von Raum und Klang. «Wenn man ein Stück von mir aus dem Raum herausnimmt, dann ist dies etwa so, als würde man von einem Orchesterwerk eine Klavierpartitur anfertigen. Man kennt zwar dann die Töne, aber man hört das Orchester nicht.»

Mit bemerkenswerter Konsequenz, Akribie und Lust am Experiment lotet Gysin in seinen zahlreichen Projekten immer wieder aufs Neue das komplexe Zusammenspiel von Raum, Klang und der sich daraus ergebenden Wahrnehmung von Musik aus. Der Aufführungsraum wird Teil des Kunstwerks, das letztlich dem Publikum nicht nur eine völlig neue sinnliche Erfahrung bietet, sondern Gysin immer wieder neue Erkenntnisse liefert, um in der Folge wiederum einen neuen Ansatz und ein nächstes Projekt zu gestalten. «Ich will Dinge finden. Und erfinden», umschreibt er fast lakonisch seinen künstlerischen Antrieb. Dabei steht er als Komponist nicht zwingend im Mittelpunkt, sondern oft auch «nur» als konzeptioneller Leiter. Um den Austausch zu fördern, hat er in Basel den Verein Studio-Klangraum sowie das Festival ZeitRäume Basel gegründet.

«Wenn man ein Stück von mir aus dem Raum herausnimmt, dann ist dies etwa so, als würde man von einem Orchesterwerk eine Klavierpartitur anfertigen. Man kennt zwar dann die Töne, aber man hört das Orchester nicht.»

Ob in Kirchen mit ihren unterschiedlichen Klangeigenschaften, in leeren Wasserwerken mit einem bis zu 30 Sekunden dauernden Echo oder in stillgelegten Bergwerken, in denen eine fast perfekte Stille herrscht: Gysin entdeckt immer wieder neue Räume, die sich klanglich kartographieren lassen. Und wo der natürliche Raum für ein Weiterkommen nicht vorhanden ist, werden sie architektonisch konzipiert. Die sechsteilige «Leichtbautenreihe» ist nicht nur des verbundenen Aufwands wegen eines der zentralen Werke in Gysins Schaffen. Es repräsentiert auch den logischen nächsten Schritt: Räume zu schaffen, die sich transportieren lassen. Es handelt sich um sechs abstrakte Raumkonzepte, umgesetzt als pavillonartige Architekturen, die ungewohnte Hörsituationen und damit eine neue Wahrnehmung von Musik ermöglichen. «Chronos» bestand aus einer Karussell-artigen Drehbühne, bei «Gitter» wurden die Musiker «sphärisch» rund um das Publikum angeordnet, bei «Haus» in bestehenden Häusern Klangraumwanderungen möglich gemacht und in «Rohre», das kurz vor der Umsetzung steht (Uraufführung im Rahmen von ZeitRäume Basel im September 2019 im Innenhof des Kunstmuseums Basel), treffen das Publikum und die Musiker im wahrsten Sinne des Wortes in begehbaren Rohren aufeinander.

«In den abschliessenden zwei Teilen ab 2023», so Gysin, «möchte ich der Frage mobiler Anordnungen und ihrem Einfluss auf das Hören nachgehen. Beim einen Projekt sitzen Musiker und Publikum auf sich ständig bewegenden Wägelchen. Alles bleibt in Bewegung und der Raum wird ständig neu definiert. Und beim letzten Teil handelt es sich um einen aufgehängten Raum, der einem Ballon ähnlich immer wieder implodiert und sich wieder aufblasen lässt.» Solch aufwendige Projekte sind für einen Künstler nicht leicht zu finanzieren. «Man ist schon bei der Konzeption auf Hilfe angewiesen, und die kostet», weiss er und fügt gleich an: «Der Get Going!-Beitrag der FONDATION SUISA ist die perfekte Antwort auf diese Herausforderung. Es handelt sich um eine Art Finanzierung von Vorprojekten. Das existierte bislang in dieser Form nicht.»

In Zeiten der Eventisierung der Kultur, in der die Marketing-Experten dem Formalen mehr Beachtung schenken als dem Inhaltlichen, symbolisiert die «Leichtbautenreihe» auch eine Form der künstlerischen Gegenbewegung. «Der Vorteil ist, dass ich als Künstler das Event als Ganzes konzipiere», sagt Gysin und ergänzt: «Als Musiker ist man heute verpflichtet, sich in einer Welt der Reizüberflutung wieder selbst darum zu kümmern, die Musik zu verorten, weil sie ausserhalb ihres Kontextes nicht mehr verstanden werden kann.»

www.beatgysin.ch

2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Unter dem Titel Get Going! werden kreative und künstlerische Prozesse finanziell angestossen, die sich ausserhalb der gängigen Kategorien befinden. In einer Porträtserie stellen wir die Empfängerinnen und Empfänger dieser Get Going!-Beiträge vor.

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«Orchestral Spaces» oder wenn Musik beim Hören räumlich fassbar wird

Der Komponist Michael Künstle setzt sich in seinem Werk mit dem Wechselspiel zwischen klanglicher Dramaturgie und dramaturgischen Klängen auseinander. Nun möchte der 27-jährige Basler in seiner Forschung noch einen Schritt weiter gehen und den Klang eines Orchesters für den Hörer räumlich erfahrbar werden lassen. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem «Get Going!»-Beitrag. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Michael Kuenstle: «Orchestral Spaces» oder wenn Musik beim Hören räumlich fassbar wird

Der Basler Komponist Michael Künstle (links) bei der Arbeit im Tonstudio. (Foto: Oliver Hochstrasser)

Als Michael Künstle 2012 den 1. Internationalen Filmmusikwettbewerb des Zurich Film Festivals gewann, kam dies für den damals erst 21-Jährigen völlig überraschend. «Ich stand damals erst am Anfang meines Studiums», sagt er heute und fügt gleich hinzu: «Ich begreife erst jetzt die Bedeutung dieses Preises. Er war eine Art Initialzündung, auch weil er bis heute eine Kompetenzauszeichnung ist, die einem niemand wegnehmen kann.»

Künstle setzte sich damals gegen 144 Mitbewerberinnen und -bewerber aus 27 Ländern durch, die alle die exakt selbe Aufgabe erfüllen mussten: die Vertonung des Kurztrickfilms «Evermore» von Philip Hofmänner. Wer sich den Film heute ansieht, kann erahnen, was die Jury damals beeindruckt haben mag: Künstle verblüffte mit subtilen Klängen, die sich ganz in den Dienst der filmischen Erzählung stellten.

«Das Tolle an Filmmusik ist, dass sie das Resultat eines engen Austausches mit anderen ist. Ein Film ist ein Zusammenspiel von unzähligen Leuten und es gilt, sämtliche Aspekte zu berücksichtigen: Kameraführung, Farbsetzung oder Ausstattung», erklärt Künstle seine Faszination für das Genre. «Die grösste Herausforderung ist im Film, mit der Musik die Dinge zu sagen, die durch das Visuelle oder das Gesprochene noch nicht gesagt wurden, aber massgeblich wichtig sind, um die Geschichte richtig zu Ende zu erzählen.»

Ob in Gabriel Baurs «Glow», «Sohn meines Vaters» von Jeshua Dreyfus oder «Cadavre Exquis» von Viola von Scarpatetti: Die Liste der Filme, in denen Künstle für den Soundtrack verantwortlich zeichnet wird immer länger. Die Begeisterung mit der Künstle sein Fachwissen und seinen Wissensdurst vermittelt, wirkt im Gespräch ansteckend. Auch wenn er von den Grossen des Fachs erzählt: Über das kompositorische Wissen eines Bernard Herrmanns etwa oder von der einzigartigen Fähigkeit von John Williams, «dessen Werke ohne Film klar wie Orchesterwerke klingen, und dennoch sind sie perfekt auf den Film abgestimmt. Das ist unglaublich schwierig zu bewerkstelligen, weil die symphonische Musik traditionellerweise dichtere Erzählstrukturen erlaubt als ein Film.»

«In der zeitgenössischen Musik setzt man den Raum oft gleich mit anderen kompositorischen Elementen wie Motiv oder Rhythmus, nur geht dieser wesentliche Aspekt in der Aufnahme häufig verloren.»

Obwohl er in seiner eigenen Arbeit zwischen Konzertmusik und Filmscore klar unterscheidet, gibt er zu, «dass man das eine, wenn man das andere macht, nie gänzlich abstellen kann.» Elemente, die er in Zusammenarbeit mit der Regisseurin Gabriel Baur für den Film «Glow» erarbeitet hatte, flossen ein in das Stück «Résonance», das 2016 vom Trio Eclipse aufgeführt wurde. «Aber in meiner Konzertmusik geht es hauptsächlich um kompositorische Formen und strukturelle Ideen, die sich im Film nicht umsetzen lassen.»

Aus einem anderen wichtigen Aspekt in Künstles Schaffen ist letztlich auch die Idee für das Projekt entstanden, das nun von der FONDATION SUISA im Rahmen von «Get Going!» mitfinanziert wird. Künstle verfolgt – wie er betont – eine Philosophie des «Echten» und dazu gehört auch eine möglichst genaue Abbildung einer Aufführung durch modernste Aufnahmemöglichkeiten. Gemeinsam mit seinem Arbeitspartner Daniel Dettwiler, der in Basel das «Idee und Klang»-Studio besitzt und seit Jahren an neuen Aufnahmemöglichkeiten forscht, möchte Künstle versuchen, eine Raum-Komposition zu schaffen, und zwar so, dass sie auf eine noch nie dagewesene Weise auditiv erlebbar wird.

«In der zeitgenössischen Musik setzt man den Raum oft gleich mit anderen kompositorischen Elementen wie Motiv oder Rhythmus, nur geht dieser wesentliche Aspekt in der Aufnahme häufig verloren», erläutert er den Ausgangspunkt. «Ich will erreichen, dass man den dreidimensionalen Raum, der vom Orchester während der Aufnahme ausgefüllt wurde, sich unter Kopfhörer so anhört, als könne man die Musik förmlich anfassen.» Lange Jahre war diese Erforschung und in gewisser Weise auch die Eroberung dieser «Orchestral Spaces» für Künstle nur eine Idee, weil – wie er betont – «man dies nur umsetzen kann in einem Studio mit dem bestmöglichen Klang und mit den besten Mikrophonen, die es gibt».

Dank «Get Going!» wird nun dieser nächste Schritt in dieser audiophilen Revolution Realität, und zwar in den altehrwürdigen Abbey Road Studios in London mit einem 80-köpfigen Orchester. Dafür wird Künstle eine Komposition schreiben, in dem der Raum, in dem aufgenommen wird, eine zentrale Rolle spielt. «Ich möchte den Kompositionsprozess umdrehen», unterstreicht er das Anliegen seines Projektes. Das sei wie bei der Filmmusik, fügt er noch an. Auch dort gehe man zuallererst vom Gehörten aus. Womit der Kreis wieder geschlossen wäre.

www.michaelkuenstle.ch

2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Unter dem Titel Get Going! werden kreative und künstlerische Prozesse finanziell angestossen, die sich ausserhalb der gängigen Kategorien befinden. In einer Porträtserie stellen wir die Empfängerinnen und Empfänger dieser Get Going!-Beiträge vor.

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Der Komponist Michael Künstle setzt sich in seinem Werk mit dem Wechselspiel zwischen klanglicher Dramaturgie und dramaturgischen Klängen auseinander. Nun möchte der 27-jährige Basler in seiner Forschung noch einen Schritt weiter gehen und den Klang eines Orchesters für den Hörer räumlich erfahrbar werden lassen. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem «Get Going!»-Beitrag. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Michael Kuenstle: «Orchestral Spaces» oder wenn Musik beim Hören räumlich fassbar wird

Der Basler Komponist Michael Künstle (links) bei der Arbeit im Tonstudio. (Foto: Oliver Hochstrasser)

Als Michael Künstle 2012 den 1. Internationalen Filmmusikwettbewerb des Zurich Film Festivals gewann, kam dies für den damals erst 21-Jährigen völlig überraschend. «Ich stand damals erst am Anfang meines Studiums», sagt er heute und fügt gleich hinzu: «Ich begreife erst jetzt die Bedeutung dieses Preises. Er war eine Art Initialzündung, auch weil er bis heute eine Kompetenzauszeichnung ist, die einem…Weiterlesen

«Get Going!» geht in die zweite Runde: «Wir haben den Nerv der Zeit getroffen»

Letztes Jahr vergab die FONDATION SUISA unter dem Titel «Get Going!» erstmals vier Anstossbeiträge, um innovative Kreativansätze ausserhalb der gängigen Schubladen zu fördern. Die positiven Reaktionen darauf waren überwältigend. Ende Juni 2019 geht die Ausschreibung in die zweite Runde. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA: «Get Going!» geht in die zweite Runde: «Wir haben den Nerv der Zeit getroffen»

Die Empfängerinnen und Empfänger der «Get Going»-Beiträge 2018 (von oben links nach unten rechts): Beat Gysin, das Duo Eclecta, Michael Künstle und Bertrand Denzler. (Fotos: Anna Katharina Scheidegger; Andrea Ebener; Zak van Biljon; Rui Pinheiro)

«Statt einem Künstler, einer Künstlerin im Nachhinein mithilfe eines Preises auf die Schulter zu klopfen, investieren wir nun das uns zur Verfügung stehende Geld stärker in die Zukunft», erklärte vor einem Jahr Urs Schnell, Direktor der FONDATION SUISA, die vom Stiftungsrat beschlossene neue Förderpolitik. Fördern statt urteilen wolle man und «so den Blick verstärkt nach vorne richten.»

Gesagt, getan. Die erste Ausschreibung von «Get Going!» mündete in über 90 Bewerbungen. Dieses grosse Interesse für etwas völlig Neues sei für ihn schlicht überwältigend, meint Schnell. «Wir haben damit wirklich den Nerv der Zeit getroffen. Das durften wir in diesem Ausmass nicht erwarten, da eine solch offen formulierte Ausschreibung trotz aller Analysen ein innovativer Schuss ins Blaue war.»

Bertrand Denzler, Michael Künstle, Beat Gysin und das Duo Eclecta (Andrina Bollinger und Marena Whitcher) hiessen die ersten Empfängerinnen und Empfänger im Rahmen von «Get Going!». Der Betrag von je 25 000 Franken wurde ihnen zugesprochen, weil sie die Fachjury mit ihren kreativen Visionen zu überzeugen vermochten. Da die Anstossfinanzierung nicht an ein Resultat gebunden ist, ermöglicht diese den Musikerinnen und Musikern, befreit von finanziellem und zeitlichem Druck arbeiten zu können. «Ich glaube, dass der Faktor Zeit in einem immer hektischer werdenden Umfeld ein in seiner Kostbarkeit nicht zu unterschätzendes Gut geworden ist», erklärt Schnell einen der Vorzüge von «Get Going!».

Ausschreibung «Get Going!» 2019 ab Ende Juni

Ab Ende Juni können sich Urheberinnen und Urheber, Autorinnen und Autoren sowie Musikerinnen und Musiker, die einen deutlichen Bezug zum aktuellen schweizerischen oder liechtensteinischen Musikschaffen nachweisen können, erneut für einen «Get Going!»-Beitrag bewerben. Auch 2019 werden vier solche Anstossfinanzierungen in der Höhe von je 25 000 Franken durch eine Fachjury vergeben.

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass «Get Going!» die anderen Förderangebote der FONDATION SUISA, insbesondere das geltende Gesuchswesen, die bestehenden Partnerschaften, die Messen und Events im Ausland sowie das Klassenmusizieren, weder konkurriert noch tangiert.

«Im Gegenteil», erläutert Schnell, «als gewichtige Starthilfe ist das neue Modell eine Ergänzung zur bisherigen Förderung. Wir wollen neue kreative Orte ausmachen und in Zukunft verhindern, dass gewisse Projekte zwischen Stuhl und Bank fallen.»

Urs Schnell weiss, dass die bewusst weit offen gehaltene Formulierung der «Get Going!»-Ausschreibung zu Beginn etwas verwirrend sein könnte: «Musikerinnen und Musiker wurden in den letzten Jahrzehnten durch die traditionellen Förderinstrumente auf ein gewisses Gesuchsdenken konditioniert. Uns geht es mit der neuen Ausrichtung darum, uns als Förderin auf die Künstlerinnen und Künstler zu zu bewegen, um mit dieser Umkehr das freie kreative Denken wieder in den Mittelpunkt zu rücken.» Um die Möglichkeiten von «Get Going!» aufzuzeigen, werden deshalb im Laufe der nächsten Wochen sowohl auf der Website der FONDATION SUISA wie auch auf dem SUISAblog Porträts der Empfängerinnen und Empfänger der letztjährigen «Get Going!»-Beiträge veröffentlicht.

www.fondation-suisa.ch

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Letztes Jahr vergab die FONDATION SUISA unter dem Titel «Get Going!» erstmals vier Anstossbeiträge, um innovative Kreativansätze ausserhalb der gängigen Schubladen zu fördern. Die positiven Reaktionen darauf waren überwältigend. Ende Juni 2019 geht die Ausschreibung in die zweite Runde. Text von FONDATION SUISA

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Klangraumvermesser und Raumklangforscher

Der Saxophonist Bertrand Denzler arbeitet im Spannungsfeld zwischen Improvisation und Komposition an immer neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Nun beabsichtigt der 55-jährige Genfer mit Wohnsitz Paris anhand einer «wandernden Residenz» die Grenzen seines künstlerischen Dialogs mit anderen weiter auszudehnen. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Bertrand Denzler: Klangraumvermesser und Raumklangforscher

Bertrand Denzler (Foto: Dmitry Shubin)

Unermüdlich, vielseitig und umtriebig sind nur drei Umschreibungen, wie man das künstlerische Wirken von Bertrand Denzler charakterisieren könnte. Wer sich auf seiner Website umsieht, fühlt sich erstmal ob der schieren Menge seiner Projekte und Formationen erschlagen. Denzler lacht: «Ich habe mittlerweile das Ganze etwas übersichtlicher gebündelt». In der Tat: Auf den zweiten Blick macht alles Sinn. Und wer in der Folge in die online verfügbaren Sounds eintaucht, kann sich Denzlers künstlerischer Vision kaum mehr entziehen. Die fein austarierten Klangskulpturen scheinen im ersten Moment eine einladende Einfachheit zu offenbaren. Doch dahinter lauert eine fast hypnotische Komplexität mit ungeheurer Sogwirkung.

«In meinen Kompositionen geht es nicht primär um die narrative Form, sondern um die innere Struktur. Deshalb erscheinen die Stücke relativ einfach, obwohl sie nicht einfach zu spielen sind. Der Musiker soll nicht von allzu vielen Ideen abgelenkt werden, er soll sich voll und ganz auf den Klang und dessen Präzision konzentrieren können», erklärt Denzler seine Absicht.

Er bezeichnet seine prozessorientierten Kompositionen als Raum. Meist sind sie nicht traditionell notiert, sondern in ihrer Struktur vorgegeben. «Ich will, dass man als Musiker involviert ist, mitdenken muss», betont Denzler. Und fügt an: «Oft ist bloss die zeitliche Struktur festgelegt, nicht aber die rhythmische. Die vorgegebenen Regeln lassen immer sehr viele Möglichkeiten offen.»

Denzler praktiziert dieses Vermessen des Raumes mit der gleichzeitigen Erforschung des Raumklangs mit verschiedensten Formationen, darunter das Trio Sowari, Hubbub, Denzler-Gerbal-Dörner, The Seen, Onceim oder Denzler-Grip-Johansson. Gleichzeitig bricht er auch immer wieder aus, improvisiert als Gastmusiker in Formationen wie Jonas Kocher’s internationalem Šalter Ensemble, im Duo mit Hans Koch oder ganz einfach solo.

Sein Lebenslauf, meint Denzler, sei eigentlich ziemlich typisch für einen europäischen Musiker seiner Generation. Angefangen hat dies mit klassischer Musik und gleichzeitigem privaten Hören von Pop und Rock. Der pure Wissensdurst hat ihn aber auch relativ rasch mit den verschiedensten Arten, wie auf dieser Welt musiziert wird, bekannt gemacht. «Und irgendwann», so Denzler, «wurde der Jazz zu meiner Hauptbeschäftigung, weil mich die Improvisation, also die Umsetzung des Denkens in Echtzeit, fasziniert hat.»

Auf den Jazz folgte die freie Musik, auch wenn Denzler heute noch von der Philosophie und dem improvisatorischen Ansatz von Grössen wie Albert Ayler und John Coltrane beeindruckt und wohl auch weiterhin beeinflusst ist. Im Gegensatz zu vielen Improvisatoren, die – wenn sie sich mal vom kompositorischen Ansatz abgewandt haben – nie mehr zurückkehren, hat Denzler für sich jenen Raum gefunden, der sich architektonisch aus dem Spannungsfeld von Improvisation und Komposition immer wieder aufs Neue bilden kann. «In den letzten zehn Jahren kam in mir das Gefühl auf, dass ich im immer gleichen System improvisiere. Ich hatte plötzlich wieder das Bedürfnis, innerhalb meiner Musik Strukturen aufzubauen.»

Die künstlerische Vision Denzlers ist nicht nur im übertragenen Sinne eine Art Forschungsreise: Er möchte diesen «Raum» als «wandernde Residenz» an geographisch unterschiedliche Orte tragen, um dort andere Musikerinnen und Musiker zu treffen und gemeinsam mit ihnen neue Musik entstehen zu lassen. Das Vorhaben scheiterte bislang nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch weil ein solch offenes Projekt nicht den Rahmenbedingungen herkömmlicher Förderpolitik entspricht. Die Anstossfinanzierung durch den Get Going!-Beitrag der FONDATION SUISA macht die Umsetzung nun möglich, weil – so Denzler – «sie es mir erlaubt, der Kreativität zu folgen anstelle einer vordefinierten Bedingung.» Strahlend fügt er noch hinzu, es sei, als wäre der Werkbeitrag auf ihn zugeschnitten worden. Und in der Tat erinnert er in seiner Definition fast an eine Denzlersche Komposition, in der die vom Urheber definierten Strukturen noch ungeahnte Möglichkeiten offen lassen …

www.bertranddenzler.com

2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Unter dem Titel Get Going! werden kreative und künstlerische Prozesse finanziell angestossen, die sich ausserhalb der gängigen Kategorien befinden. In einer Porträtserie stellen wir die Empfängerinnen und Empfänger dieser Get Going!-Beiträge vor.

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20 000 Franken und ein imaginäres Kompositionsprojekt20 000 Franken und ein imaginäres Kompositionsprojekt Über das kreative Schaffen zu diskutieren, ist alles andere als einfach. Der Verein Jazzy Jams und die SUISA haben sich deshalb anlässlich des Festivals Jazz in Bess in Lugano etwas Besonderes einfallen lassen. Die Tessiner Komponistin Maria Bonzanigo und die Komponisten Pietro Viviani und Damiano Merzari erarbeiteten vor Publikum ein imaginäres Kompositionsprojekt. Das Ergebnis war äusserst spannend und nahm die Zuschauer mit auf die Reise in die Gedankenwelt von Urhebern. Weiterlesen
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Der Saxophonist Bertrand Denzler arbeitet im Spannungsfeld zwischen Improvisation und Komposition an immer neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Nun beabsichtigt der 55-jährige Genfer mit Wohnsitz Paris anhand einer «wandernden Residenz» die Grenzen seines künstlerischen Dialogs mit anderen weiter auszudehnen. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

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Die Bearbeitung geschützter Werke

Musikalische Werke, die urheberrechtlich frei sind, können ohne Weiteres bearbeitet werden. Wenn ein Werk jedoch noch geschützt ist, das heisst, dessen Urheber noch nicht mehr als 70 Jahre tot sind, muss der Rechteinhaber die Bearbeitung bewilligen. Doch wie erhält man eine solche Bearbeitungserlaubnis und welche Punkte müssen darin geregelt sein, damit eine Bearbeitung bei der SUISA angemeldet werden kann? Text von Claudia Kempf und Michael Wohlgemuth

Die Bearbeitung geschützter Werke

Für die Bearbeitung eines geschützten Werkes, dessen Urheber noch nicht länger als 70 Jahre tot sind, muss bei den Rechteinhabern die Erlaubnis eingeholt werden. (Foto: Tabea Hüberli)

Ein Urheber hat das Recht darüber zu entscheiden, ob sein Werk bearbeitet und somit auf Basis des Originalwerks ein «Werk zweiter Hand» bzw. eine «Bearbeitung» geschaffen werden darf. Dieses Recht wird durch den Wahrnehmungsvertrag nicht an die SUISA übertragen sondern verbleibt beim Urheber. Möchte jemand ein Werk bearbeiten, so muss er sich an den Urheber wenden und bei ihm direkt die Erlaubnis für die Bearbeitung einholen.

In der Regel räumt der Urheber aber oft einem Verlag mittels eines Verlagsvertrags das Bearbeitungsrecht ein. Der Verleger darf auf dieser Basis einem Dritten erlauben, das Werk zu bearbeiten, oder einen Dritten damit beauftragen, neue Versionen eines Werks zu erstellen. In einem Verlagsvertrag sollte geregelt werden, ob der Verleger in gewissen Fällen eigenständig Bearbeitungen erlauben bzw. in Auftrag geben darf oder er immer Rücksprache mit dem Urheber nehmen muss. Sofern ein Werk also verlegt ist, ist der Ansprechpartner für die Bearbeitungserlaubnis der Verlag.

Bei international erfolgreichem Repertoire kann das Einholen einer Bearbeitungserlaubnis langwierig sein und ist nicht immer von Erfolg gekrönt. Gewisse Rechteinhaber begrüssen es, wenn ihre Werke bearbeitet und so weiterverbreitet werden. Andere Rechteinhaber werten die sogenannte «Werkintegrität» höher und verweigern nahezu jegliche Bearbeitungen. Für die Rechteklärung ist in jedem Fall genügend Zeit im Vorfeld einer Bearbeitung einzuberechnen.

Wichtig: Wurden bereits viele Anfragen an den Urheber oder Verlag gestartet und blieben diese unbeantwortet, kann nicht einfach davon ausgegangen werden, dass ein Werk im Sinne einer «stillschweigenden Einwilligung» bearbeitet werden darf, nur weil man sich um die Bearbeitungserlaubnis «bemüht» hat. Grundsätzlich gilt: Die Bearbeitung eines Werks ohne eine Bearbeitungserlaubnis stellt eine Urheberrechtsverletzung dar und kann zivil- sowie strafrechtliche Konsequenzen mit sich ziehen.

Selbst wenn eine Bearbeitungserlaubnis vorliegt, kann der Bearbeiter nicht in jedem Fall komplett frei über das Werk verfügen. Eine Bearbeitungserlaubnis kann nämlich auch nur für eine bestimmte Art von Bearbeitung erteilt werden (bspw. Übersetzung eines Songtextes in eine andere Sprache, Kürzung des Werks, Remix, Neuinstrumentierung etc.). Darüber hinaus kann sich ein Urheber von Gesetzes wegen immer gegen die «Entstellung» eines Werks wehren, auch wenn er eine Bearbeitungserlaubnis erteilt hat. In diesen (oftmals schwierig zu beurteilenden) Fällen liegt eine Verletzung des «Urheberpersönlichkeitsrechts» vor.

Wesentliche Punkte einer Bearbeitungserlaubnis

Wenn ein Urheber oder Verlag einer Bearbeitung zustimmt, sollte diese Zustimmung, diese Bearbeitungserlaubnis oder Bearbeitungsgenehmigung, schriftlich in einem kurzen Vertrag festgehalten werden. Folgende Punkte sollten darin geregelt werden:

a) Name und Adresse der Vertragspartner (evtl. Künstlernamen)

b) Einräumung der Bearbeitungserlaubnis: Das Werk, das bearbeitet werden darf, muss zwingend genannt sein. Weiter sollte festgehalten werden, inwieweit dieses Werk musikalisch oder textlich bearbeitet werden darf. Zudem ist zu regeln, ob und wie das neu geschaffene Werk bei der SUISA als Bearbeitung angemeldet werden kann.

Gut zu wissen: Die Registrierung eines Werks als Bearbeitung macht nur Sinn, wenn bereits das Originalwerk bei der SUISA angemeldet wurde und beide Werke (Originalwerk und Bearbeitung) nebeneinander (und unabhängig) voneinander genutzt werden sollen. Oftmals werden im Rahmen eines Songwritingprozesses «Bearbeiteranteile» an Mitmusiker vergeben, obwohl noch kein Originalwerk besteht, welches separat genutzt werden soll. Damit keine Missverständnisse entstehen, ist es in diesen Fällen empfehlenswert, die Mitmusiker als Mitkomponisten anstatt als Bearbeiter zu beteiligen.

c) Beteiligung: Das SUISA-Verteilungsreglement weist dem Bearbeiter bei unverlegten Werken ohne Text 20% zu, bei verlegten Werken ohne Text 16,67%. Bei Werken mit Text wird der Bearbeiter mit 15% (unverlegtes Werk) respektive 11,67% (verlegtes Werk) beteiligt. Der Anteil des Bearbeiters ist grundsätzlich frei festlegbar. Branchenüblich sind Beteiligungen, die zwischen 0 und 25% liegen. Eine Ausnahme macht das Verteilungsreglement der SUISA jedoch bei einer Bearbeitungserlaubnis, welche durch einen Verlag erteilt wird: In solchen Fällen darf der Anteil des Bearbeiters nicht höher sein als die reglementarischen Schlüssel. Damit soll verhindert werden, dass die Originalrechteinhaber übermässig geschmälert werden können. Ebenfalls kann ein Rechteinhaber die Bearbeitung erlauben, ohne den Bearbeiter am Werkertrag zu beteiligen.

d) Inverlagnahme der Bearbeitung: Bei der Bearbeitung eines bereits verlegten Werks ist es sinnvoll, in der Bearbeitungserlaubnis festzulegen, ob die Bearbeitung wiederum beim Originalverlag verlegt werden muss (damit der Verlag die Kontrolle der Verlagsrechte bei sich behält). In der Regel wird der Originalverlag darauf bestehen. In diesem Fall ist der zusätzliche Abschluss eines Verlagsvertrages zwischen Originalverlag und Bearbeiter empfehlenswert.

e) Gewährleistung der Rechte: Der Rechteinhaber muss gewährleisten, dass er über die entsprechenden Rechte verfügt, diese Bearbeitungserlaubnis zu erteilen.

f) Ort, Datum, Unterschrift des Rechteinhabers

g) Rechtswahl und Gerichtsstand

Der Sonderfall «Subbearbeitung»

Mit dem Subverlagsvertrag wird häufig auch das Bearbeitungsrecht vom Originalverlag an den Subverleger weitergegeben. Der Subverleger ist somit berechtigt, Bearbeitungen zu erlauben bzw. in Auftrag zu geben. In diesen Fällen wird der Bearbeiter als «Subbearbeiter» oder im Falle eines neuen Textes, z.B. in einer anderen Sprache, als «Subtextautor» registriert. Das SUISA-Verteilungsreglement sieht auch hier vor, dass die Anteile der Subbearbeiter nicht höher sein dürfen als die reglementarischen Schlüssel.

Wie ist eine Bearbeitung bei der SUISA zu melden?

Bei der Anmeldung einer Bearbeitung eines noch geschützten Werks ist zwingend die Bearbeitungserlaubnis beizulegen oder – via Online-Anmeldung – hochzuladen. Der Bearbeiter erhält nur Anteile am Werkertrag, wenn die Bearbeitungserlaubnis Aufschluss darüber gibt, dass der Bearbeiter zu beteiligen ist. Wird kein spezifischer Prozentsatz erwähnt, erhält der Bearbeiter die im Verteilungsreglement festgehaltenen Anteile. Fehlt der Hinweis auf die Beteiligung, erfasst die SUISA den Namen des Bearbeiters bei der Originalversion mit dem Vermerk, dass eine bewilligte Bearbeitung existiert, der Bearbeiter jedoch keine Beteiligung erhält. In diesem Fall erhält der Bearbeiter keine Anteile.

Wenn Verlage neue Versionen von Werken anmelden, die bei ihnen im Originalverlag sind, verzichtet die SUISA auf die Bearbeitungserlaubnis, da der Verlag das Bearbeitungsrecht direkt mit seinen Urhebern klären muss. Dasselbe gilt für Subbearbeitungen.

Zusammenfassung

Um geschützte Werke zu bearbeiten, braucht es immer eine Bearbeitungserlaubnis der Rechteinhaber – je nach Situation ist diese Erlaubnis beim Urheber, bei dessen Erben oder beim zuständigen Verlag einzuholen. Die Bearbeitungserlaubnis ist die Voraussetzung dafür, dass eine Bearbeitung eines noch geschützten Werks bei der SUISA angemeldet werden kann.

Die SUISA unterstützt ihre Mitglieder beim Ausfindigmachen der zuständigen Rechteinhaber. Bei verlegten Werken gibt sie Auskunft über den Verlag und teilt dessen Anschrift mit, damit direkt mit dem Verlag Kontakt aufgenommen werden kann. Bei unverlegten Werken leitet sie die Bearbeitungsanfragen an die Urheber oder deren Erben weiter. Anfragen sind zu richten an: publisher (at) suisa (dot) ch
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Musikalische Werke, die urheberrechtlich frei sind, können ohne Weiteres bearbeitet werden. Wenn ein Werk jedoch noch geschützt ist, das heisst, dessen Urheber noch nicht mehr als 70 Jahre tot sind, muss der Rechteinhaber die Bearbeitung bewilligen. Doch wie erhält man eine solche Bearbeitungserlaubnis und welche Punkte müssen darin geregelt sein, damit eine Bearbeitung bei der SUISA angemeldet werden kann? Text von Claudia Kempf und Michael Wohlgemuth

Die Bearbeitung geschützter Werke

Für die Bearbeitung eines geschützten Werkes, dessen Urheber noch nicht länger als 70 Jahre tot sind, muss bei den Rechteinhabern die Erlaubnis eingeholt werden. (Foto: Tabea Hüberli)

Ein Urheber hat das Recht darüber zu entscheiden, ob sein Werk bearbeitet und somit auf Basis des Originalwerks ein «Werk zweiter Hand» bzw. eine «Bearbeitung» geschaffen werden darf. Dieses Recht wird durch den Wahrnehmungsvertrag nicht an die SUISA übertragen sondern…Weiterlesen

Bearbeitung von freien Werken

Es lohnt sich, bei musikalischen Bearbeitungen die urheberrechtlichen Fallstricke zu kennen, da ein Straucheln unter Umständen teuer zu stehen kommen kann. Text von Ernst Meier und Claudia Kempf

Bearbeitung von freien Werken

Eine musikalische Bearbeitung liegt dann vor, wenn ausgehend von einer bestehenden Komposition ein neues Werk geschrieben wird. (Foto: Tabea Hüberli)

Sich von anderen inspirieren zu lassen, bestehende Werke für andere Besetzungen aufzubereiten oder gar ganze Teile einer bestehenden Komposition in einem neuen Werk zu verwenden, ist eine alte Tradition.

Was gilt es aus urheberrechtlicher Sicht bei musikalischen Bearbeitungen zu beachten? – In einer mehrteiligen Artikelserie soll das Thema auf dem SUISAblog und im SUISAinfo beleuchtet werden. Zum Anfang wird die Bearbeitung eines freien Werkes betrachtet, das heisst eines Werkes, dessen Urheber vor mehr als 70 Jahren verstorben sind.

Was ist eine Bearbeitung?

Die Bearbeitung ist gemäss Urheberrechtsgesetz ein «Werk zweiter Hand». Für eine schutzfähige Bearbeitung gelten die gleichen Bedingungen, wie sie für das «Werk» definiert sind: Bearbeitungen eines Werkes, die persönliche geistige Schöpfungen des Bearbeiters sind, werden wie selbständige Werke geschützt. Die schöpferische Leistung entsteht durch die erkennbare Umformung, Veränderung oder Erweiterung der musikalischen Substanz der Vorlage.

Eine Bearbeitung liegt folglich vor, wenn ein neues Musikwerk unter Verwendung eines bestehenden Werkes so geschaffen wird, dass das verwendete Musikwerk in seinem individuellen Charakter erkennbar bleibt. Die neugeschaffenen Elemente müssen jedoch ebenfalls einen individuellen Charakter haben. Typische Beispiele für Bearbeitungen sind Arrangements von Werken für eine andere Besetzung oder die Übersetzung eines Textes in eine andere Sprache.

Im Verteilungsreglement der SUISA findet sich unter Ziff 1.1.3.5 ein ganzer Katalog von Arbeiten, die keine schutzfähige Bearbeitung ausmachen. In der Praxis hat sich diese Aufstellung vielfach bewährt. Nicht als Bearbeitungen gelten demnach die folgenden Veränderungen von Werken:

  • Hinzufügen von dynamischen oder agogischen Bezeichnungen;
  • Anbringen von Phrasierungszeichen;
  • Eintragen von Fingersätzen;
  • Registrierungen für Orgel oder andere Tasteninstrumente;
  • Verzierungen;
  • Übertragen einer alten Notationsart in die heute gebräuchliche;
  • Berichtigung von Schreibfehlern der Originalvorlage und ähnliche Verrichtungen;
  • Übertragungen in eine andere Tonart oder Stimmlage (Transpositionen);
  • Weglassen einzelner Stimmen;
  • Austauschen oder Verdoppeln von Stimmen;
  • Hinzufügen von blossen Parallelstimmen;
  • Zuweisung von bestehenden Stimmen an andere Instrumente (einfache Transkriptionen).

Ein freies Werk bearbeiten und bei der SUISA anmelden

Musikalische Werke, die urheberrechtlich frei sind, können ohne Zustimmung bearbeitet und verändert werden. Bei der Anmeldung einer Bearbeitung eines freien Werkes muss ein Belegexemplar des neuen Werkes sowie die benützte Vorlage eingereicht werden, damit der Musikdienst der SUISA die Schutzfähigkeit beurteilen kann. Das gilt für Werke, deren Urheber vor 70 oder mehr Jahren gestorben oder unbekannt sind. Weiter gilt das für Werke, die volkstümlich überliefert sind und darum als traditionell gelten.

Der Musikdienst der SUISA prüft bei den eingereichten freien Werken, ob eine urheberrechtlich geschützte Bearbeitung vorliegt. Das geschieht immer mittels Vergleich des Originals zur bearbeiteten Fassung. Dabei spielt die musikalische Qualität des eingereichten Musikstücks oder Satzes keine Rolle.

Welche Arten von Bearbeitungen gibt es und wie wird der Bearbeiter beteiligt?

Die folgende fünf Arten von Bearbeitungen werden bei der Beurteilung unterschieden:

(Grafiken: Crafft Kommunikation)

1. Normale Bearbeitung

Der Normalfall ist das «Arrangement» im engeren Sinn (ca. 90% der Anmeldungen). Eine beliebte Melodie wird durch Zufügen von Stimmen oder Instrumenten für eine bestimmte Besetzung aufbereitet (z. B. für gemischten Chor, Streichquartett, Orchester, Ländlerkapelle, Big Band etc.). Die Melodie oder Hauptstimme wird exakt übernommen, nur die Begleitung wird neu gemacht.

Der Anteil des Bearbeiters beträgt in diesem Fall 15% (bei Werken mit Text) oder 20% (bei Werken ohne Text).

Normale Bearbeitung

2. Mit-Komposition

Die freie Melodie ist nicht zugleich Oberstimme, sondern befindet sich versteckt im Innern des musikalischen Gefüges. Für diesen Spezialfall (z.B. bei Chor- und Orgelmusik) ist die Leistung des Bearbeiters höher zu bewerten, weil er eine eigene Ober- oder Hauptstimme erschaffen muss und die übernommene Melodie meist durch sog. kontrapunktische Techniken in die Musik einbetten muss.

Der Anteil des Bearbeiters beträgt bei diesen Werken 50% des Komponistenanteils.

Mit-Komposition

3. Rekonstruktion

Ein Originalwerk bricht an einer oder mehreren Stellen ab, ist vom Komponisten (oder durch Verluste der Überlieferung) unvollendet hinterlassen und wird vom Bearbeiter vervollständigt.

Der Anteil des Bearbeiters beträgt bei diesen Werken 50% des Komponistenanteils.

Rekonstruktion

4. Komplexere Jazz-Versionen mit wechselnden Solisten

Der Ablauf beginnt mit einer kurzen Vorstellung der freien Originalmelodie. Dann beginnen mehrere Solisten oder «Register» (Saxophone, Posaunen, Klavier, Schlagzeug) nacheinander mit improvisatorischen Umspielungen dieser Melodie, welche den Hauptteil des Werkes ausmachen. Optisch wird das dadurch verdeutlicht, dass die Solisten oder Register beim Solo aufstehen. Als Abschluss wird die Originalmelodie oft gemeinsam wiederholt.

Der Anteil des Bearbeiters beträgt bei diesen Werken 50% oder 100% des Komponistenanteils, je nach Umfang und Bedeutung der Soli.

Komplexere Jazz-Versionen mit wechselnden Solisten

5. Variationszyklen

Variationen über Themen aus der Musikgeschichte (Diabelli-Variationen, Paganini-Variationen, Gershwin-Variationen etc.) sind das Paradebeispiel dafür, dass die Originalvorlage gegenüber der variierten Version total zurücktritt. Das Ausgangs-Thema ist nur noch Vorwand für ein völlig neues Werk. Der einzig Berechtigte ist deshalb der Schöpfer der Variationen. Es heisst: «Die Diabelli-Variationen von Beethoven» etc.

Der Anteil des Bearbeiters beträgt bei diesen Werken 100% des Komponistenanteils.

Variationszyklen

Was heisst «gemeinfrei» oder «Domaine public»?
Mehr Infos zur Schutzfrist von Werken finden Sie im Artikel «Erstmals seit 20 Jahren werden wieder Werke gemeinfrei» (PDF) aus dem SUISAinfo Ausgabe 1.14.
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Es lohnt sich, bei musikalischen Bearbeitungen die urheberrechtlichen Fallstricke zu kennen, da ein Straucheln unter Umständen teuer zu stehen kommen kann. Text von Ernst Meier und Claudia Kempf

Bearbeitung von freien Werken

Eine musikalische Bearbeitung liegt dann vor, wenn ausgehend von einer bestehenden Komposition ein neues Werk geschrieben wird. (Foto: Tabea Hüberli)

Sich von anderen inspirieren zu lassen, bestehende Werke für andere Besetzungen aufzubereiten oder gar ganze Teile einer bestehenden Komposition in einem neuen Werk zu verwenden, ist eine alte Tradition.

Was gilt es aus urheberrechtlicher Sicht bei musikalischen Bearbeitungen zu beachten? – In einer mehrteiligen Artikelserie soll das Thema auf dem SUISAblog und im SUISAinfo beleuchtet werden. Zum Anfang wird die Bearbeitung eines freien Werkes betrachtet, das heisst eines Werkes, dessen Urheber vor mehr als 70 Jahren verstorben sind.

Was ist eine Bearbeitung?

Die Bearbeitung ist gemäss Urheberrechtsgesetz ein…Weiterlesen

20 000 Franken und ein imaginäres Kompositionsprojekt

Über das kreative Schaffen zu diskutieren, ist alles andere als einfach. Der Verein Jazzy Jams und die SUISA haben sich deshalb anlässlich des Festivals Jazz in Bess in Lugano etwas Besonderes einfallen lassen. Die Tessiner Komponistin Maria Bonzanigo und die Komponisten Pietro Viviani und Damiano Merzari erarbeiteten vor Publikum ein imaginäres Kompositionsprojekt. Das Ergebnis war äusserst spannend und nahm die Zuschauer mit auf die Reise in die Gedankenwelt von Urhebern. Gastbeitrag von Zeno Gabaglio

Jazz in Bess: 20 000 Franken und ein imaginäres Kompositionsprojekt

Zeno Gabaglio (Ko-Moderation), Maria Bonzanigo, Pietro Viviani, Alessandro Zanoli (Moderation) und Damiano Merzari (im Bild v.l.n.r.) haben ihre privatesten kreativen Vorgehensweisen beim Komponieren diskutiert. (Foto: Erika Weibel)

Ein Abend zum Thema des musikalischen Schaffens kann sehr langweilig sein. Vor allem deshalb, weil das Thema an sich Rätsel aufgibt ist – vergleichbar mit jenen Rätseln, die jede Schöpfungsgeschichte umgeben. Die Erklärung des musikalischen Schaffens führt im Allgemeinen zu zwei unerfreulichen Ergebnissen: zielloses Umherirren zwischen widersprüchlichen philosophischen Auffassungen oder die totale Ablehnung von etwas, das von Natur aus Logik und Erklärungen widerspricht.

Im Wissen über diese Ausgangslage haben der Verein Jazzy Jams und die SUISA am Donnerstag, dem 25. Januar 2018, einen Abend in der Schweizerischen Nationalphonothek in Lugano veranstaltet, der dem musikalischen Schaffen gewidmet war. Da stellte sich natürlich die Frage, wie man den Abend gestalten kann, ohne in der oben beschriebenen, schicksalhaften Sackgasse zu landen.

Spontanes Komponieren vor Publikum

Die Idee war, drei eingeladene Musikurheber direkt ins Thema eintauchen zu lassen; in eine Situation, die so praxisbezogen und konkret ist, dass es weder Platz für philosophische Diskussionen noch peinliches Schweigen gibt.

Aber wie genau? Indem wir jedem von ihnen eine Einladung eines imaginären Komitees zukommen liessen. Sie wurden eingeladen, an einem neuen Projekt mitzuarbeiten. Der Text, der erst zu Beginn des Treffens enthüllt wurde, war folgender:

«Jazzy Jams will seinen neuen Saal mit einer Reihe von Konzerten einweihen und lädt Musiker aus der italienischsprachigen Schweiz ein, spontan ein künstlerisches Werk zu konzipieren. Es handelt sich um eine Aufführung in einem modular aufgebauten und technisch gut ausgestatteten Raum mit einer Kapazität von 400 Plätzen. Das Kompositionsbudget beträgt Fr. 5000, für die Realisierung stehen Fr. 15 000 zur Verfügung. Die Zeit für Konzeption/Realisierung beträgt neun Monate. Es gibt keine Vorgaben zu Musikstil oder Dauer, und der Komponist wird einen ganzen Abend für sich haben.»

Bedingung für jeden Urheber respektive die Urheberin war lediglich, der Öffentlichkeit seinen ganz eigenen kreativen schöpferischen Prozess aufzuzeigen – in einer Art laut ausgesprochenem inneren Dialog.

Maria Bonzanigo, Pietro Viviani und Damiano Merzari (von der Band The Pussywarmers) haben sich grosszügig für dieses Projekt zur Verfügung gestellt, indem sie – in einem ungewöhnlichen öffentlichen Brainstorming – ihre normalerweise privatesten kreativen Vorgehensweisen enthüllten.

Verschiedene Musikstile, verschiedene Herangehensweisen

Das Ergebnis war fesselnd: mitreissend, überraschend und manchmal auch ironisch. Unter anderem, weil die Musikgattungen (Theater- und Konzertmusik bei Bonzanigo; Jazz, Soundtracks und Konzertmusik bei Viviani; Independent-Rock bei Merzari) äusserst unterschiedliche Zugänge zum gleichen Phänomen aufgezeigt haben, die wir – einfallslos, aber stolz – alle mit dem gleichen Begriff «Musik» bezeichnen.

Aus der Diskussion sind – neben soliden technischen und poetischen Gewissheiten – auch verschiedene Zweifel und Fragen hervorgegangen. Und vielleicht waren das die interessantesten Momente des Anlasses. Sie enthüllten den kreativen Prozess nicht nur als eine Gleichung, die mit einem einzigen möglichen Ergebnis gelöst werden kann, sondern auch als ein Stück Leben, das es zu bereisen gilt, mit den unvermeidlichen damit einhergehenden Überraschungen.

Im zweiten Teil des Abends ist das Thema des Schaffensprozesses etwas in den Hintergrund gerückt; es ging um die Frage, ob kreatives Schaffen lehrbar sei. Und wenn ja, wie?

Tamara Basaric vom Conservatorio della Svizzera italiana, Giorgio Meuwly und Marco Conti von der Scuola di Musica Moderna sowie Andrés Ortiz von der Scuola di Musica e di Arti Creative waren die Didaktiker (sowie Urheber) und antworteten in einer ebenso fachmännischen wie spannenden Art und Weise.

Links
Jazz in Bess
Maria Bonzanigo
Pietro Viviani
The Pussywarmers

Der Gastautor Zeno Gabaglio ist SUISA-Vorstandsmitglied, Komponist und war Ko-Moderator der Gesprächsrunde am Jazz in Bess.

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