Tagarchiv: Auszeichnung

«Adiós»: Sommerhit nach karibischem Muster mit Cembalo | mit Video

An den «Swiss Music Awards» 2019 kann Loco Escrito zusammen mit vier Mitkomponisten auf die begehrten Betonklötze in der Kategorie «Best Hit» für den Song «Adiós» hoffen. Worin die Stärke des Songs liegt, erzählt der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter in seiner Song-Analyse im Video. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

Nicolas Herzig – wie Loco Escrito bürgerlich heisst – scheint die Erfolgsformel für Sommerhits gefunden zu haben. Nachdem er 2017 mit «Sin Ti» in den Schweizer Charts war, setzte er letztes Jahr noch einen obendrauf: Die Single «Adiós» hielt sich 29 Wochen in den Schweizer Charts und kletterte bis auf Platz 4. Damit gehörte der Song 2018 zu den drei erfolgreichsten Schweizer Tracks und ist dieses Jahr für die Auszeichnung als «Best Hit» an den Swiss Music Awards nominiert.

Abwechslungsreich und spannende Dramaturgie

Interessant am Song sei die Instrumentierung der Strophen, meint Hans Feigenwinter. Er ist selber Musiker und unterrichtet an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften. Im Video analysiert er den Song ausführlich.

Für Nicolas Herzig und den Mitkomponisten und Produzenten Henrik Amschler war es wichtig, dass «Adiós» abwechslungsreich bleibt und eine spannende Dramaturgie hat. Im schriftlichen Interview sagt Amschler: «Da der Song zum Beispiel keine klassische Bridge mit einem Akkordwechsel nach dem zweiten Chorus hat sondern drei Parts, war es uns wichtig, dass jeder Part auf seine Weise speziell ist.» Die verschiedenen Songparts haben entsprechend auch andere Stimmungen, wie Amschler hinzufügt: «Der erste Teil des zweiten Parts ist rhythmisch und animiert zum Tanzen. Der erste Teil des dritten Parts hingegen ist sphärisch und sehr emotional.»

(Internationales) Teamwork beim Songwriting

Neben Amschler und Herzig waren noch drei weitere Musiker am Songwriting von «Adiós» beteiligt. Der Bündner Komponist Sandro Dietrich und der ebenfalls aus Graubünden stammende Latin-Rapper, Sänger, Perkussionist und Musikproduzent Lou Geniuz alias Lou Zarra legten die musikalische Grundlage, die schon sehr weit ausgearbeitet war, wie Amschler sagt. Für die Lyrics wurde Nicolas Herzig vom kolumbianischen Musiker Jonathan Ruiz Mejia unterstützt. «Danach lag es an Loco und mir, es weiter zu führen, den Song anzupassen und fertig zu machen», schreibt Amschler.

Die Songwriter und der Produzent haben bewusst darauf verzichtet, zu viele Instrumente zu verwenden. « Wir hatten eigentlich noch mehr Instrumente vorgesehen, beispielsweise im Chorus», erklärt Henrik Amschler. «Im Endeffekt entschieden wir uns dann aber zu reduzieren, um der Stimme mit diversen Harmonien noch mehr Platz zu geben.» Dennoch überrascht «Adiós» mit interessanten Klängen, wie beispielsweise einem Cembalo-ähnlichen Sound – was für Pop-Musik eher unüblich sei, meint Hans Feigenwinter.

«Swiss Music Awards»: SUISA ehrt die Songwriter des «Best Hit»

«Adiós» gehört zu den drei nominierten Songs für den «Best Hit» bei den nächsten «Swiss Music Awards», die am Samstag, 16. Februar 2019, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) verliehen werden. Die SUISA ist «Supporting Partner» der Veranstaltung. Bereits zum vierten Mal werden im Namen der SUISA beim «Best Hit»-Award auch die Komponisten und Textautoren des Siegersongs geehrt. Nominiert sind:

  • «079» von Lo & Leduc (Songwriter: Lorenz Häberli, Maurice Könz, Luc Oggier)
  • «Adiós» von Loco Escrito (Songwriter: Henrik Amschler, Sandro Dietrich, Nicolas Herzig, Jonathan Ruiz Mejia, Luigi Zarra)
  • «Us Mänsch» von Bligg feat. Marc Sway (Songwriter: Marco Bliggensdorfer, Fred Herrmann, Marc Sway)

www.locoescrito.com
www.henrik-hsa-amschler.ch

Hans Feigenwinter stammt aus Basel. In jungen Jahren spielte er in Pop- und Indierockbands. Später studierte er Klavier an der Swiss Jazz School in Bern und war seither als Pianist und Komponist in diversen Formation aktiv. Aktuell ist er neben Solo-Konzerten vor allem in den Trios Hans Feigenwinter ZINC und Feigenwinter Oester Pfammatter zu hören. Er ist Dozent an den Musikhochschulen in Basel und Luzern. www.hansfeigenwinter.ch
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An den «Swiss Music Awards» 2019 kann Loco Escrito zusammen mit vier Mitkomponisten auf die begehrten Betonklötze in der Kategorie «Best Hit» für den Song «Adiós» hoffen. Worin die Stärke des Songs liegt, erzählt der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter in seiner Song-Analyse im Video. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

Nicolas Herzig – wie Loco Escrito bürgerlich heisst – scheint die Erfolgsformel für Sommerhits gefunden zu haben. Nachdem er 2017 mit «Sin Ti» in den Schweizer Charts war, setzte er letztes Jahr noch einen obendrauf: Die Single «Adiós» hielt sich 29 Wochen in den Schweizer Charts und kletterte bis auf Platz 4. Damit gehörte der Song 2018 zu den drei erfolgreichsten Schweizer Tracks und ist dieses Jahr für die Auszeichnung als «Best Hit» an den Swiss Music Awards nominiert.

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«Us Mänsch»: Last Minute-Hit mit sehr viel Energie | mit Video

«Us Mänsch» von Bligg und Marc Sway gehörte letztes Jahr zu den erfolgreichsten Schweizer Songs. Dabei rutschte der Song erst in letzter Minute aufs Bligg-Album «KombiNation». Nun ist der Song für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019 nominiert. Der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter hat die Komposition von «Us Mänsch» analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Manu Leuenberger

Bligg und Marc Sway haben zusammen schon ein paar Songs geschrieben. Bei der Single «Us Mänsch» standen sie erstmals gemeinsam am Mikrofon. Mit Erfolg: Die Single wurde 2018 mit Platin ausgezeichnet.

Weshalb ist der Song für die Zuhörer so attraktiv? Hans Feigenwinter, der an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften unterrichtet und selber Pianist und Komponist ist, meint: «Es ist sehr viel Energie da, es ist ein sehr leidenschaftlicher Sprechgesang.» In seiner Song-Analyse, die im Video zu sehen ist, hört er im Stück etwas Feierliches: «Ich musste an eine Predigt denken.»

Last Minute-Hit

Neben Bligg und Marc Sway war auch der langjährige Produzent und Co-Komponist von Bligg, Fred Herrmann, am Songwriting von «Us Mänsch» beteiligt. Im schriftlichen Interview schilderte Fred Herrmann, wie der Song entstand:

«‹Us Mänsch› war ein typischer Last-Minute-Hit! Es war der allerletzte Song, den wir für das Album ‹KombiNation› geschrieben und produziert haben. Bligg meinte, er habe noch eine coole Text-Idee auf Lager mit dem Wortspiel ‹Us Mänsch›, den er unbedingt noch umsetzen wolle. Da wir schon ziemlich hinter dem Zeitplan lagen, haben wir parallel gearbeitet. Während ich an der Komposition und Produktion gearbeitet habe, hat Bligg bei sich zu Hause am Text gefeilt und seine Vocals aufgenommen. Er hat mir immer wieder neue Vocal-Spuren von sich geschickt, die ich entweder gleich einbaute oder wieder in Frage stellte und nach Anpassung verlangte. Es war eine richtige Ping-Pong-Party! Irgendwann hatten wir den Song zusammen, aber wir fanden, dass der Refrain unbedingt von einer männlichen Hammer-Stimme eingesungen werden muss. Uns kam ziemlich schnell Marc Sway in den Sinn, den wir beide schon sehr lange und gut kennen! Mister Sway kam zweimal für je zwei Stunden ins Studio und fertig war der Refrain! Das Schöne am Komponieren ist, dass immer wieder unvorhersehbar ein solcher Song entsteht, bei dem alles passt.»

«Swiss Music Awards»: SUISA ehrt die Songwriter des «Best Hit»

«Us Mänsch» gehört zu den drei nominierten Songs für den «Best Hit» bei den nächsten «Swiss Music Awards», die am Samstag, 16. Februar 2019, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) verliehen werden. Die SUISA ist «Supporting Partner» der Veranstaltung. Bereits zum vierten Mal werden im Namen der SUISA beim «Best Hit»-Award auch die Komponisten und Textautoren des Siegersongs geehrt. Nominiert sind:

  • «079» von Lo & Leduc (Songwriter: Lorenz Häberli, Maurice Könz, Luc Oggier)
  • «Adiós» von Loco Escrito (Songwriter: Henrik Amschler, Sandro Dietrich, Nicolas Herzig, Jonathan Ruiz Mejia, Luigi Zarra)
  • «Us Mänsch» von Bligg feat. Marc Sway (Songwriter: Marco Bliggensdorfer, Fred Herrmann, Marc Sway)

www.bligg.ch
www.marcsway.ch

Hans Feigenwinter stammt aus Basel. In jungen Jahren spielte er in Pop- und Indierockbands. Später studierte er Klavier an der Swiss Jazz School in Bern und war seither als Pianist und Komponist in diversen Formation aktiv. Aktuell ist er neben Solo-Konzerten vor allem in den Trios Hans Feigenwinter ZINC und Feigenwinter Oester Pfammatter zu hören. Er ist Dozent an den Musikhochschulen in Basel und Luzern. www.hansfeigenwinter.ch
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«Us Mänsch» von Bligg und Marc Sway gehörte letztes Jahr zu den erfolgreichsten Schweizer Songs. Dabei rutschte der Song erst in letzter Minute aufs Bligg-Album «KombiNation». Nun ist der Song für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019 nominiert. Der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter hat die Komposition von «Us Mänsch» analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Manu Leuenberger

Bligg und Marc Sway haben zusammen schon ein paar Songs geschrieben. Bei der Single «Us Mänsch» standen sie erstmals gemeinsam am Mikrofon. Mit Erfolg: Die Single wurde 2018 mit Platin ausgezeichnet.

Weshalb ist der Song für die Zuhörer so attraktiv? Hans Feigenwinter, der an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften unterrichtet und selber Pianist und Komponist ist, meint: «Es ist sehr viel Energie da, es ist ein sehr leidenschaftlicher Sprechgesang.»…Weiterlesen

«079»: Eine tragikomische Hit-Geschichte | mit Video

Mit «079» haben Lo & Leduc und ihr Mitkomponist Maurice «Dr. Mo» Könz Geschichte geschrieben: Im letzten Jahr hielt sich der Song ganze 21 Wochen an der Spitze der hiesigen Hitparade – und erzielte damit einen Schweizer Rekord. «079» ist einer der drei nominierten Songs für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019. Der Musiker und Dozent für Musikwissenschaften Hans Feigenwinter hat die Hit-Komposition analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

Wie «079» den Weg in die Schweizer Charts fand, ist bereits eine bemerkenswerte Geschichte. Lo & Leduc boten den Song und das dazugehörige Album «Update 4.0» im Februar 2018 kostenlos zum Streamen und Herunterladen auf ihrer Website an – «aus Freude», wie sie damals in einem Interview sagten. Dem Publikum gefiel der Song so gut, dass er immer zahlreicher gekauft und eifrig gestreamt wurde. Damit schaffte es «079» auf Platz 1 der Schweizer Single-Hitparade und behielt dort 21 Wochen lang die Spitzenposition inne.

Geschrieben wurde der Song von Lorenz Häberli (Lo), Luc Oggier (Leduc) und dem Berner Komponisten, DJ und Performer Maurice Könz, besser bekannt als Dr. Mo. Letzterer schrieb die Melodie, zu der Lo & Leduc den Text beisteuerten. «Der Text und die Musik entstanden unabhängig voneinander», erzählt Dr. Mo über die Entstehung des Stücks im schriftlichen Interview. Beide Elemente seien schon fast fertig gewesen, als sie schliesslich kombiniert wurden. «Wir hatten versucht, den Text mit einem anderen Beat zu kombinieren, beziehungsweise einen anderen Text über den Beat zu machen», schreibt Dr. Mo. «Aber diese Ideen wurden schnell verworfen. Als wir dann den Text mit dem Beat kombinierten, wussten wir sofort, dass alles passt.»

Originell, rührig, etwas absurd

Zum Erfolg beigetragen hat nicht zuletzt die Geschichte, die im Song erzählt wird. «Es ist eine tragikomische Geschichte. Sie ist originell, sie ist nachvollziehbar, sie ist rührig; das Ganze hat etwas Absurdes», sagt der Pianist und Komponist Hans Feigenwinter, der an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften unterrichtet. Seine Analyse des Songs ist im Video zu sehen.

Dass die Suche nach den passenden Wörtern bisweilen sehr zeitintensiv ist, erläutert Dr. Mo an einem konkreten Beispiel: «Am längsten dauerte die Suche nach dem passenden Personalpronomen. Wir waren unsicher, ob man die Geschichte versteht, wenn zwei verschiedene Sänger aus der Ich-Perspektive singen, aber dieselbe Person darstellen. Wir überlegten uns also auch von ‹ihm› zu erzählen, was die personelle Verwirrung auflösen würde. Dies verursachte jedoch Probleme bei Konjugationen, Reimen und emotionaler Zugänglichkeit. Schliesslich haben wir uns zu Recht dafür entschieden, dem Hörer die Ich-Perspektive zuzumuten.»

«Swiss Music Awards»: SUISA ehrt die Songwriter des «Best Hit»

«079» gehört zu den drei nominierten Songs für den «Best Hit» bei den nächsten «Swiss Music Awards», die am Samstag, 16. Februar 2019, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) verliehen werden. Die SUISA ist «Supporting Partner» der Veranstaltung. Bereits zum vierten Mal werden im Namen der SUISA beim «Best Hit»-Award auch die Komponisten und Textautoren des Siegersongs geehrt. Nominiert sind:

  • «079» von Lo & Leduc (Songwriter: Lorenz Häberli, Maurice Könz, Luc Oggier)
  • «Adiós» von Loco Escrito (Songwriter: Henrik Amschler, Sandro Dietrich, Nicolas Herzig, Jonathan Ruiz Mejia, Luigi Zarra)
  • «Us Mänsch» von Bligg feat. Marc Sway (Songwriter: Marco Bliggensdorfer, Fred Herrmann, Marc Sway)

www.lo-leduc.ch
www.drmo.ch

Hans Feigenwinter stammt aus Basel. In jungen Jahren spielte er in Pop- und Indierockbands. Später studierte er Klavier an der Swiss Jazz School in Bern und war seither als Pianist und Komponist in diversen Formationen aktiv. Aktuell ist er neben Solo-Konzerten vor allem in den Trios Hans Feigenwinter ZINC und Feigenwinter Oester Pfammatter zu hören. Er ist Dozent an den Musikhochschulen in Basel und Luzern. www.hansfeigenwinter.ch
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Kreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit VideoKreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit Video Zum zweiten Mal führte die SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions ein Songwriting Camp durch. Austragungsort waren wie bei der Premiere vergangenes Jahr die Powerplay Studios in Maur. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung im Juni 2018 teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Weiterlesen
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Alle Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es etwas dauern. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines verfassten Kommentars. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, die den Nutzungsbedingungen widersprechen, nicht zu veröffentlichen.

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Mit «079» haben Lo & Leduc und ihr Mitkomponist Maurice «Dr. Mo» Könz Geschichte geschrieben: Im letzten Jahr hielt sich der Song ganze 21 Wochen an der Spitze der hiesigen Hitparade – und erzielte damit einen Schweizer Rekord. «079» ist einer der drei nominierten Songs für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019. Der Musiker und Dozent für Musikwissenschaften Hans Feigenwinter hat die Hit-Komposition analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

Wie «079» den Weg in die Schweizer Charts fand, ist bereits eine bemerkenswerte Geschichte. Lo & Leduc boten den Song und das dazugehörige Album «Update 4.0» im Februar 2018 kostenlos zum Streamen und Herunterladen auf ihrer Website an – «aus Freude», wie sie damals in einem Interview sagten. Dem Publikum gefiel der Song so gut, dass er…Weiterlesen

«Intuition und emotionale Wirkung sind für mich wichtiger als starre Konzepte»

Die FONDATION SUISA zeichnet Balz Bachmann mit dem Filmmusikpreis 2017 für seine Originalkompositionen zu Wilfried Meichtrys Dokumentarfilm «Bis ans Ende der Träume» aus. Gastautor Markus Ganz im Gespräch mit Balz Bachmann.

Balz Bachmann: «Intuition und emotionale Wirkung sind für mich wichtiger als starre Konzepte»

«Jeder Film ist äussert individuell, deshalb suche ich für jeden Film eine eigene musikalische Sprache», erklärt Balz Bachmann. (Foto: Patrick Hari)

Balz Bachmann, wie kam es, dass Sie die Filmmusik zu Wilfried Meichtrys Dokumentarfilm «Bis ans Ende der Träume» schaffen konnten?
Balz Bachmann: Es war das erste Mal, das ich mit Wilfried Meichtry gearbeitet habe. Und es war sein Debüt als Regisseur, denn bislang hatte der promovierte Historiker im Filmbereich nur als Drehbuchautor gewirkt. Wir kamen an den Solothurner Filmtagen ins Gespräch und redeten bald über die Thematik des Filmprojektes, aber auch über die Art einer möglichen Zusammenarbeit. Nach weiteren Gesprächen mit Involvierten erhielt ich das Drehbuch, las es und diskutierte mit Wilfried Meichtry, dem Produzenten Urs Schnell (DokLab GmbH, Bern) und der Editorin Annette Brütsch.

Wie begannen Sie konkret mit der Arbeit?
Zunächst war es der klassische Ablauf: Ich bekam gewisses Filmmaterial, manchmal grob geschnitten, damit ich ein Gefühl für die Grundstimmung erhielt. Dann begann ich, musikalische Skizzen zu erstellen, schickte sie in den Schnitt. Wir haben dann geschaut, wo im Zusammenspiel mit dem Bild was geschieht. So entstand eine Art Ping-Pong zwischen meiner Musik und dem Schnitt, das eine reagierte auf das andere und umgekehrt.

Was war speziell?
Ich musste eine Dramaturgie finden für eine komplexe Kombination von sowohl dokumentarischem als auch fiktionalem Bildmaterial. Die Herausforderung war, trotzdem einen dramaturgischen Bogen über den ganzen Film zu schaffen. Es war eine enge Zusammenarbeit mit der Editorin, dem Regisseur und mir, um herauszufinden, was es dazu braucht. Zu Beginn dachten wir, dass etwa 25 Minuten Musik reichen sollten (der Film ist 82 Minuten lang). Aber wir merkten, dass das Bildmaterial relativ statisch ist, weil es viele Fotos enthält, und auch bewusst so inszeniert wurde, auch in den fiktionalen Teilen. Entsprechend wurde uns bewusst, dass es dort eine Bewegung braucht, eine weitere Ebene, die die Geschichte miterzählt und kommentiert: mehr Musik.

Haben Sie zu Beginn eine passende Sound-Bibliothek für die Filmmusik zusammengestellt?
Das wär ein interessanter Ansatz gewesen, doch ich habe es anders gemacht. Ich muss jeweils ausprobieren, wie Bild und Ton zusammenkommen. Ich versuche intuitiv herauszuspüren, was mit mir als Zuschauer geschieht, wenn ich gewisse Stimmungen, Klangfarben und musikalischen Themen einsetze. Bei diesem Film suchte ich eine breite Palette an Klangfarben, um die unterschiedlichen Zeiten und Orte erlebbar zu machen. Ich habe auch stilistisch bewusst sehr unterschiedliche Elemente eingesetzt: klassische Teile mit Bratsche etwa, aber auch solche, die Bezug auf die Orte nahmen, mehr musikalisch als klanglich. Denn ich wollte nicht das Klischee der Ethno-Musik.

«Man muss eine eigene musikalische Sprache entwickeln für einen Film, und das ist nur möglich, wenn man Musik extra dafür komponiert.»

Keine folkloristische Südsee-Romantik also für den Ort, wo sich die beiden Protagonisten kennen- und lieben lernten?
Genau, die Musik sollte auch dort eine eigene Erzählform sein, in der der Ort wohl mitschwingt, aber eigenständig umgesetzt wird. Deshalb reicht die Palette der von mir eingesetzten Filmmusik bis zu rein elektronischer Musik, die beispielsweise einen interessanten Kontrast zur alten Frau schafft. Ich war mir lange nicht sicher, ob dies funktioniert, ob man es als Zuschauer glaubt. Das ist bei der Filmmusik ähnlich wie beim Schauspiel: Man nimmt eine Person wahr und muss von ihr eingenommen werden, ohne zu realisieren, dass diese gespielt wird. So muss einen die Musik emotional in den Film hineinsaugen, das ist mein oberstes Gebot.

Haben Sie dokumentarisches und fiktionales Material anders vertont, um den Unterschied zu verdeutlichen?
Nein, ich habe im Gegenteil versucht, die beiden Arten von Material zu verbinden oder überlappen zu lassen. Ich wollte, dass sie fliessend ineinander übergehen, damit man als Zuschauer unmerklich aus den dokumentarischen in die fiktionalen Szenen hineinkommt.

Was halten Sie von den zwei grundsätzlichen Ansätzen der Filmmusik, dass diese entweder verstärkend oder kontrastierend wirken soll?
Ich habe nicht gerne starre oder rein theoretische Musik-Konzepte, ich liebe intuitives Erarbeiten. Jeder Film ist äusserst individuell, stellt eine eigene Welt dar, deshalb suche ich für jeden eine eigene musikalische Sprache. Deshalb gibt es ja überhaupt Filmmusik, obwohl es sehr viel bereits existierende Musik gibt. Aber dies ist genau der Punkt: Man muss eine eigene Sprache entwickeln für einen Film, und das ist nur möglich, wenn man Musik extra dafür komponiert.

Dann arbeiten Sie wohl auch nicht mit «Temp Tracks» (provisorischer Soundtrack mit bereits existierender Musik, um die Wirkung des vorliegenden Filmmaterials testen zu können)?
Für einen Filmkomponisten wie mich ist dies natürlich ein Reizwort (lacht). Vor allem Editoren setzen sie für die Rhythmisierung der Bilder ein oder weil sie Angst haben, dass eine Szene nicht trägt. Ich halte solche Argumente für nicht richtig, weil man meiner Meinung nach den Rhythmus der Bilder ohne provisorische Musik besser wahrnimmt. Deshalb finde ich es sinnvoller, wenn man es «trocken» ohne Temp-Track macht. Es gibt auch die meiner Meinung nach sehr interessante Möglichkeit, allein auf die Grundlage eines Drehbuchs zu komponieren, ohne dass man Bilder hat. Ich als Komponist kann dann aus der Vision schöpfen, die ich mir durch das Lesen des Drehbuchs zu dieser Geschichte mache. Ich erhalte dadurch viel Raum und Freiheit.

Sie können sich dann eine eigenständigere Ebene schaffen, die nicht schon durch Bilder vorgeprägt ist?
Genau. Der zweite Vorteil ist, dass man bereits während des Schnitts mit dafür geschaffener Musik arbeiten und ausprobieren kann, wie sie wirkt. Der dritte Vorteil ist, dass man von Beginn weg eine grosse Eigenständigkeit hat. Denn der grosse Nachteil von Temp-Musik ist, dass sie – speziell für den Regisseur und den Editor – unweigerlich zu einer Referenz wird, von der man sich kaum mehr lösen kann. Der Mensch verbindet die beiden Ebenen von Bild und Ton automatisch auf emotionale Weise, weshalb es sehr schwierig ist, diese wieder voneinander zu trennen.

«Im Dokumentarfilm muss man die Dramaturgie anders entwickeln als bei einem Spielfilm, wo die Szenen und die Dramaturgie schon viel stärker durch das Drehbuch vorgegeben sind.»

Der Soundtrack ist immer auch ein Mittel, um den Zuschauer zu unterstützen beim Erzählen der Story. Verknüpfen Sie Figuren und Orte mit Sounds und Motiven?
Ja, ich verwende in fast jedem Film Motive, die für etwas stehen und sich wiederholen, was den Zuschauern die Orientierung erleichtert. Wenn man eine Szene mit einer Musik erlebt hat und sich die Musik später wiederholt, erhält man automatisch und schnell einen Zugang zur nächsten Szene, weil sie verknüpft wird. Und deshalb ist es oft auch ein Einstieg in ein Projekt, dass ich bei einem Ort oder einem Charakter einhake. Je mehr ich mich auf einen Charakter einlasse und ihm musikalisch etwas zuordne, desto mehr verstärkt dies die Struktur des Films, vor allem auf emotionaler Ebene.

Geschieht ein Grossteil Ihrer Arbeit parallel zum Schnitt?
Ja, das ist in der Regel so, aber nicht in dem grossen Mass wie beim Film «Bis ans Ende der Träume». Hier lief die Arbeit an der Musik und am Schnitt während fast eines halben Jahres fast synchron ab und war auch fast gleichzeitig fertig. Der Grund dafür war, dass sich der Schnitt stärker als üblich an der Musik orientiert hat. Im Dokumentarfilm muss man die Dramaturgie eben anders entwickeln als bei einem Spielfilm, wo die Szenen und die Dramaturgie schon viel stärker durch das Drehbuch vorgegeben sind.

Die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und der Editorin Annette Brütsch war also sehr rege?
Ja, denn es ist ein Prozess, bei dem der Schnitt und die Musik gegenseitig aufeinander reagieren. Reagieren müssen, denn es gab sehr verschiedene thematische Blöcke: etwa die Reisen und die Jahrhunderte alte Benediktiner-Priorei in der Westschweiz, in das sich die Frau später völlig zurückzog – gewissermassen das Gegenteil, denn in jungen Jahren war sie ohne Geld alleine in Ländern gereist, wo Frauen das sonst nicht taten. Wir merkten, dass das marode Haus eine Atmosphäre braucht. Aber es war auch klar, dass melodische Musik zu viel Raum einnehmen, zu viel erzählen würde. Ich fand es zunächst interessant, mit dem Raumklang des Hauses etwas zu machen. Aber ich merkte, dass der Raum allein es nicht ausmacht. Es lief darauf hinaus, dass ich einen speziellen statischen Klang für dieses Haus schuf.

Wie sind Sie mit der Herausforderung umgegangen, über 82 Minuten einen Spannungsbogen zu schaffen?
Es ist wichtig, dass man sich bei den Visionierungen den Film am Stück ansieht, weil ich stets nur an einzelnen Szenen arbeite. Dann merkt man sofort, wenn am Rhythmus des Films etwas nicht stimmt, denn der ist ausschlaggebend. Und wir stellten irgendwann fest, dass man immer dann ein bisschen in ein Loch fiel, wenn keine Musik mehr zu hören war. So ergab es sich, dass immer mehr Musik dazukam – nun sind es etwa 60 Minuten, was sehr viel ist, zumal ich normalerweise Filme mit wenig Musik lieber mag. Aber in diesem Film machte es einfach Sinn, weil es ein wichtiges Element, um Emotion zu vermitteln.

Anderhalb Stunden sind nicht nur die übliche Länge von Kinofilmen, sondern auch von Konzerten. Sie sind auch als Live-Musiker tätig, etwa in der Band von Sophie Hunger: Gibt es Parallelen?
Was vergleichbar ist, ob bei einer Aufführung als Konzert oder als Film im Kino: Ich bin genauso aufgeregt. Denn ich höre die Musik ganz anders, wenn Publikum anwesend ist, ich habe meine Fühler viel weiter offen. Was anders ist bei einem Film wie zum Beispiel «Bis ans Ende der Träume»: Ich hatte ein halbes Jahr Zeit, um eine Dramaturgie aufzubauen.

Beeinflusst ihre Erfahrung als Live-Musiker auch ihre Arbeit an Soundtracks?
Auf jeden Fall. Als Live-Musiker geht es um Glücksmomente, bei denen etwas Spezielles entsteht. Und die suche ich auch in der Filmmusik.

Balz Bachmann (geb. 1971 in Zürich) ist gelernter Drucker und studierte an der Swiss Jazz School Bern Kontrabass. Seit 1997 komponiert er hauptberuflich für Spiel- und Dokumentarfilme, darunter «Yalom`s Cure (2015)», «Die Schwarzen Brüder» (2013), «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» (2012), «Day is Done» (2011), «Giulias Verschwinden» (2009), «Sternenberg» (2004) und «Ernstfall in Havanna» (2002). Balz Bachmann ist auch als Musiker tätig und spielte viele Konzerte u.a. mit Sophie Hunger und Band. Er ist zudem Präsident der Smeca, des Berufsverbands der Schweizer Medienkomponisten.
Balz Bachmann erhielt den Filmmusikpreis der Fondation SUISA bereits 2003 (zu «Little Girl Blue») und 2006 (zu «Jeune homme», zusammen mit Peter Bräker, der zusammen mit Michael Künstle auch an der Entwicklung der musikalischen Themen zum aktuellen Film «Bis ans Ende der Träume» beteiligt war). Die Auszeichnung ist mit 25 000 Franken dotiert und wird jährlich alternierend in der Kategorie Spielfilm oder Dokumentarfilm vergeben.
Der Film «Bis ans Ende der Träume» erzählt sowohl in dokumentarischen wie auch in fiktionalen Sequenzen die Geschichte der Schweizer Reisejournalistin Katharina von Arx (1928 – 2013) und des französischen Fotografen Freddy Drilhon (1926 – 1976). Die beiden waren Abenteurer, Weltenbummler und Liebende. Das Paar lässt sich in einer Klosterruine in der Westschweiz nieder und steht bald vor der Frage, wie stark Liebe denn ist. Der Film soll 2018 in die Kinos kommen.

Informationen zum Filmmusikpreis der FONDATION SUISA
Video-Beitrag zum Filmmusikpreis 2017 der FONDATION SUISA auf Art-tv.ch

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Revision der Verteilungsklassen 1C/1D und 2C/2DRevision der Verteilungsklassen 1C/1D und 2C/2D Die Regeln für die Verteilung der Urheberrechtsvergütungen für gesendete Musik in Fernseh-Sendeprogrammen der SRG und von TV-Privatsendern werden teilweise geändert. Die Anpassungen im Verteilungsreglement der SUISA betreffen die Verteilungsklassen 1C, 1D, 2C und 2D. Weiterlesen
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Die FONDATION SUISA zeichnet Balz Bachmann mit dem Filmmusikpreis 2017 für seine Originalkompositionen zu Wilfried Meichtrys Dokumentarfilm «Bis ans Ende der Träume» aus. Gastautor Markus Ganz im Gespräch mit Balz Bachmann.

Balz Bachmann: «Intuition und emotionale Wirkung sind für mich wichtiger als starre Konzepte»

«Jeder Film ist äussert individuell, deshalb suche ich für jeden Film eine eigene musikalische Sprache», erklärt Balz Bachmann. (Foto: Patrick Hari)

Balz Bachmann, wie kam es, dass Sie die Filmmusik zu Wilfried Meichtrys Dokumentarfilm «Bis ans Ende der Träume» schaffen konnten?
Balz Bachmann: Es war das erste Mal, das ich mit Wilfried Meichtry gearbeitet habe. Und es war sein Debüt als Regisseur, denn bislang hatte der promovierte Historiker im Filmbereich nur als Drehbuchautor gewirkt. Wir kamen an den Solothurner Filmtagen ins Gespräch und redeten bald über die Thematik des Filmprojektes, aber auch über die Art einer möglichen Zusammenarbeit. Nach weiteren Gesprächen mit Involvierten…Weiterlesen

New Jersey, südlich von Bern

Polo Hofer erhält den Preis der FONDATION SUISA 2017 in der Kategorie «Textautoren/innen». Was das Schaffen des Preisträgers auszeichnet, schildert der Berner Singer/Songwriter Christoph Trummer im Gastbeitrag.

New Jersey, südlich von Bern - Polo Hofer Preis der FONDATION SUISA 2017

Polo Hofer, Gewinner des Preises der FONDATION SUISA 2017, hat mit seinen Songtexten Eingang in die Volkskultur gefunden und das Lebensgefühl Rock’n’Roll für die Deutschschweiz übersetzt. (Foto: Patric Spahni)

Man könnte es kurz machen: Der Preis der FONDATION SUISA ist ein Anerkennungspreis für besonderes Schaffen. 2017 wird er zum ersten Mal an eine Textautorin oder einen Textautoren vergeben. Polo Hofer war nominiert. Was sonst hätte die Jury tun sollen?

Aber diesem würdigen Preisträger und seinem Werk widmen wir gerne etwas mehr Worte.

Menschen, die mit Jahrgängen nach 1970 in der Deutschschweiz aufgewachsen sind, dürften Mühe haben, sich ihre Schulzeit, ihre Jugend und das Leben in der Schweiz an sich vorzustellen ohne Polo Hofer und seine Songs und Texte. Einige, wie «Bin i gopfriedstutz e Kiosk» bis «Bim Sytesprung im Minimum e Gummi drum», sind zu Bonmots geworden, die aus der Alltagssprache nicht wegzudenken sind. «Alperose» können auch Menschen mitsingen, bei denen nicht mal die Eltern eine Polo-Hofer-CD besitzen.

Songtexte wurden zu Volkskultur

Diese Texte sind Volkskultur geworden, mit Sicherheit im deutschsprachigen Landesteil. Mit Polos Diskografie seit den frühen Rumpelstilz-Jahren lässt sich auch die Geschichte einer bewegten Schweiz nacherzählen. Der «Summer 68», als man (offenbar) zum Kiffen nach Kabul gereist ist. Die wilden 70er als Jahre des Aufbruchs, mit Rosmarie bis nach Spanien, freie Liebe neben dem «Teddybär». Die dunkle Seite des Traums in Form einer «Silbernaadle töif im Arm». Und schon damals, abgelöscht von der Konsumwelt voll im «Waarehuus Blues».

Polos Texte sind manchmal explizit politisch: «Da isch nüt vo Grächtigkeit / So wie’s i dr Verfassig schteit» («Um WAS geits?») Aber er erzählt auch Weltgeschichte als persönliche Geschichte, wenn eine alte Liebe mit dem Fall der Mauer endlich eine Chance bekommt («Wenn in Berlin bisch»). Und übt Gesellschaftskritik mit Rollenprosa, die ihre Poesie am Stammtisch gefunden hat, etwa wenn der Bauernsohn von der Lochmatt über die leeren Versprechen eines Lebens in den Lichtern der Stadt resümiert: «Lah mi vergässe bim rote Wy». Das ist volkstümlich im besten Sinne, und es hat auch seine Nebenwirkungen.

Manchmal geht ob der lauten Rolle des Polo National etwas unter, dass er als Texter auch anders kann. Wenn er «Im letschte Tram» über seine Endlichkeit sinniert, oder «I dr Gartebeiz vom Hotel Eden» im Wortsinn Gott und die Welt verhandelt, ohne sich dabei ins Intellektuelle zu versteigen.

Rock’n’Roll für die Schweiz übersetzt

Einige von Polo Hofers grossen Songs sind kongeniale Übersetzungen: Tom Waits «Jersey Girl» als «Meitschi vom Wyssebüehl», Todd Sniders «Alright Guy» als «Liebe Siech», Dylans «Leopard-Skin Pill- Box Hat» als «Schlangelädergurt». Und damit kommt man einer weiteren Rolle auf die Spur, die ihn (nicht nur) für die Mundartmusik in der Schweiz so bedeutsam macht: Er ist ein Übersetzer. Nicht nur ein Übersetzer von Songtexten, sondern einer der wichtigsten Übersetzer von Rock’n’Roll und Popkultur in unsere Kultur, in unsere Gepflogenheiten.

Polo Hofer hat die Sehnsüchte, auch die jugendliche Lüsternheit mit ihren halbstarken Zoten, die Rebellion gegen ein verhocktes System, kurz: das Lebensgefühl des Rock’n’Roll für die Deutschschweiz zum Klingen gebracht. D’Stüehl ewäg, mir sy giggerig u wei schwoofe. Er hat sich inspirieren lassen, er hat einige seiner Themen im Mythenkatalog des Rock’n’Roll gefunden und in die Schweiz gebracht: Mit Bobby McGee per Autostopp auf dem Highway würden wir kaum reisen, aber mit Rosmarie per Anhalter von Paris nach Gibraltar. Wyssebüehl ist näher als New Jersey.

Polo Hofer als zentrale Figur unserer Geschichte hat Türen geöffnet, durch die nun auch viele andere gehen konnten, selbst, wenn sie seine Musik gar nicht wirklich kennen sollten. Nun wird er ausgezeichnet für diese Arbeit. Und damit ist der Preis der FONDATION SUISA 2017 auch eine Art «Lifetime Achievement Award». Wir gratulieren von Herzen!

www.polohofer.ch

Der Preis der FONDATION SUISA ist ein Anerkennungspreis für besonderes Schaffen. Die FONDATION SUISA vergibt diesen Preis an Urheberinnen und Urheber sowie Verlegerinnen und Verleger, die mit ihrem Schaffen besonders zur Bereicherung des kulturellen Erbes unseres Landes beitragen. Der mit Fr. 25 000.- dotierte Preis wird jährlich in einer anderen Kategorie vergeben.

Christoph Trummer gewann den Preis der FONDATION SUISA 2011 in der Kategorie «Singer/Songwriter». Der Gastautor ist 1978 geboren und in Frutigen (BE) aufgewachsen. Neben seiner musikalischen Tätigkeit ist er Präsident des Vereins Musikschaffende Schweiz.

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Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit VideoAuszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit Video Der Newcomer Nickless und der renommierte Produzent Thomas Fessler gewannen den ersten Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards 2016. Der gemeinsam komponierte Siegersong «Waiting» ist nicht vom Himmel gefallen sondern bedeutete viel Arbeit im Teamwork. Auch bei den Swiss Music Awards 2017 zeichnet die SUISA die Leistung der Komponisten und Textautoren mit einer Auszeichnung aus. Weiterlesen
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Polo Hofer erhält den Preis der FONDATION SUISA 2017 in der Kategorie «Textautoren/innen». Was das Schaffen des Preisträgers auszeichnet, schildert der Berner Singer/Songwriter Christoph Trummer im Gastbeitrag.

New Jersey, südlich von Bern - Polo Hofer Preis der FONDATION SUISA 2017

Polo Hofer, Gewinner des Preises der FONDATION SUISA 2017, hat mit seinen Songtexten Eingang in die Volkskultur gefunden und das Lebensgefühl Rock’n’Roll für die Deutschschweiz übersetzt. (Foto: Patric Spahni)

Man könnte es kurz machen: Der Preis der FONDATION SUISA ist ein Anerkennungspreis für besonderes Schaffen. 2017 wird er zum ersten Mal an eine Textautorin oder einen Textautoren vergeben. Polo Hofer war nominiert. Was sonst hätte die Jury tun sollen?

Aber diesem würdigen Preisträger und seinem Werk widmen wir gerne etwas mehr Worte.

Menschen, die mit Jahrgängen nach 1970 in der Deutschschweiz aufgewachsen sind, dürften Mühe haben, sich ihre Schulzeit, ihre Jugend und das Leben in der Schweiz an…Weiterlesen

Texte zu Musik: «Erlaubt ist, was gelingt»

Die FONDATION SUISA schreibt ihren mit 25 000 Franken dotierten Anerkennungspreis dieses Jahr für Textautorinnen und Textautoren musikalischer Werke aus. Was aber zeichnet einen gelungenen Songtext aus? Gastautor Markus Ganz im Gespräch mit Jean-Martin Büttner

Texte zu Musik: «Erlaubt ist, was gelingt»

«Auf dem Papier funktionieren Songtexte meist nicht», meint der Journalist Jean-Martin Büttner. (Foto: Dominic Büttner)

Jean-Martin, was hältst Du von einem Liedtext mit der Zeile «A Wop bop a loo bop a lop bam boom»?
Jean-Martin Büttner: Er ist ein gutes Beispiel für einen codierten Songtext. Denn «Tutti Frutti» von Little Richard handelt heimlich von schwarzen Drag-Queens und sexuellen Praktiken, zumindest im Original von 1955. Dazu muss man wissen, dass der Sänger dreifach benachteiligt war: Richard war schwarz, schwul und aus dem amerikanischen Süden. Der amerikanische Politologe Greil Marcus erklärte die erstaunliche Wirkung in einem Interview treffend. Auch wenn man den Text nicht verstehe, empfinde man aus der schieren Freude von Little Richards Gesang, dass es um etwas Unanständiges gehe. Es mag komisch klingen, aber dies ist ein zentraler Text der Rockmusik ‒ nicht weil er etwas sagt, sondern weil er etwas ausdrückt.

Nik Cohn schrieb 1971 in seinem zum Klassiker der Rockliteratur gewordenen Buch «AWopBopaLooBopALopBamBoom», dass diese Worte «als Zusammenfassung dessen, um was es im Rock’n’Roll wirklich ging», meisterhaft seien. Er schrieb aber auch, dass Rock’n’Roll-Texte eine Art «Geheimcode der Teens» seien. Jugendkultur aber ist einem ständigen Wandel unterworfen. Bedeutet dies, dass dieser Text in seiner Zeit gefangen ist?
Ich glaube, dass dies für jeden Songtext und auch viele Gedichte gilt. Nur die Grössten wie Shakespeare, Rilke oder Dylan können Texte schreiben, die über ihre Zeit hinausweisen. Dieser Text von Little Richard ist eindeutig in seiner Zeit gefangen, schon weil er zum Nonsens heruntercodiert werden musste, um die Zensur der weissen Radiostationen zu unterlaufen. Ironischerweise gilt das genauso für explizite, vulgäre und drastische Hip-Hop-Lyrics, die nichts auslassen. Frauen als Champagner-Huren zu bezeichnen und Hymnen zu schreiben auf den eigenen Turnschuh, ermüdet extrem schnell.

Welche Bedeutung hat dieser Songtext von Little Richard behalten?
«Tutti Frutti» ist ein historischer Text. Aber man muss auch sehen, dass Nik Cohn eine anti-intellektuelle Haltung gegenüber der Deutung des Rock’n’Roll hatte. Und dass sein Buch eines der ersten über Rockmusik war. Ich liebe es bis heute, weil er so radikal schrieb. Nik Cohn, als irischer Jude ein Aussenseiter von Anfang an, hat Sätze geschrieben wie jene, wonach es im Rock’n’Roll so gut wie nie richtige Texte gebe. Ich denke, dass er das auch als Provokation verstand, aber nicht nur. Es war eine Attacke auf Künstler wie Dylan oder die Beatles, die seiner Meinung den Rock’n’Roll mit ihren textlichen Anmassungen ruiniert hätten.

Ist die Adelung der Songtexte durch den Literatur-Nobelpreis an Bob Dylan demnach auch ein Verlust für die Tradition der ins Absurde getriebenen Texte?
Überhaupt nicht, denn zum Glück gibt es keine Instanz, die darüber entscheidet, was ein richtiger Songtext ist. Zudem hat Dylan selber surreale Texte geschrieben, die zwar mit Worten spielen und lustig sind, aber eigentlich keinen nachvollziehbaren Sinn ergeben, etwa «Subterranean Homesick Blues» von 1965. In diesem Song greift Dylan, was er nie bestritt, auf Chuck Berrys «Too Much Monkey Business» zurück ‒ das ist nicht weit weg von Little Richard, Dylan war also näher bei Nik Cohns Helden, als dieser zugeben mochte. Dylan gab als Berufsziel einst sogar an, er wolle bei Little Richard Klavier spielen.

«Poesie ist immer auch eine mündliche Kunst. Dichter trugen schon in der Antike ihre Texte vor.»

Trotzdem: Haben die Songtexte nicht zunehmend ihren ursprünglichen Charakter verloren?
Ja, die Sinnfrage. Ich habe mich immer gegen die absurde Vorstellung gewehrt, dass die Rockmusik die Jugendmusik bleiben müsse, die sie ursprünglich war. Vielmehr hat sie sich als Kultur erwiesen, die mit ihren Autoren wächst, mit ihnen älter geworden ist. Bob Dylan, Johnny Cash oder Leonard Cohen sind oder waren bis übers Rentenalter hinaus relevant. Ausserdem ist Poesie immer auch eine mündliche Kunst. Dichter trugen schon in der Antike ihre Texte vor.

Little Richard hat nicht zuletzt provoziert ‒ und das ist heute schwierig geworden …
Dieser Gestus ist schon lange überholt. Lady Gaga ist ein gutes Beispiel dafür, weil ihre Provokationen derart Teil des Marketings wurden. Ihre letzte Provokation, sich ohne Schminke zu präsentieren, zeigt ihre Verzweiflung. Heute wirkt es geradezu rührend, dass David Bowie einen Skandal auslöste mit der Aussage, er sei homosexuell ‒ was gar nicht stimmte. Solche Schockeffekte, von Alice Cooper bis Marilyn Manson, haben sich komplett verbraucht. Immerhin: Gute Musik bleibt gut.

In der Rockmusik ist der Text sehr stark von anderen Aspekten wie dem Sound oder der Phrasierung abhängig und erhält erst dadurch seinen Sinn. Aber hat der Text überhaupt noch dieselbe Bedeutung wie damals?
Ich staune immer wieder, wie wenig die Leute auf die Texte achten. Vermutlich war das schon immer so. Tatsächlich schrieben auch die Beatles bis 1965 vorwiegend banale Texte nach der Manier von «She Loves You», obwohl ihre Ironie und ihr lyrisches Talent schon damals weit mehr ermöglicht hätten. Interessant ist, dass gerade im Hip-Hop die Texte eine zentrale Rolle spielen, wo die Musik meist eintönig und repetitiv ist. Zudem fällt auf, dass in den letzten Jahrzehnten zunehmend nicht mehr englisch, sondern etwa bei uns deutsch, italienisch und französisch gesungen und gerappt wird. Entsprechend ist es logisch, dass Texte wieder eine stärkere Bedeutung spielen. Zum Beispiel Peter Fox (Seeed): Sein Soloalbum «Stadtaffe» ist eine Hymne auf seine Heimatstadt Berlin ‒ und nur dank den deutschen Texten konnten sich die Berliner darin wiedererkennen.

«Texte sind kein Schulfach. Es soll jedem Einzelnen überlassen sein, was er mit einem Songtext anfängt.»

Dieses Beispiel zeigt auch, dass manchmal der Hintergrund eines Textes die Voraussetzung zu dessen Verständnis ist. Aber darf ein Autor von seinen Zuhörern erwarten, dass sie sich mit seinen Songtexten auseinandersetzen?
Texte sind kein Schulfach. Es soll jedem Einzelnen überlassen sein, was er mit einem Songtext anfängt. Eine Freundin von mir unterrichtete lange Hip-Hop-Tanz. Sie realisierte nicht, dass die verwendeten Stücke oft frauenverachtende Texte enthielten, da die Musik nur dem Tanzen diente. Aber das ist doch okay.
Andererseits fällt mir an Konzerten immer wieder auf, dass es wegen der fehlenden Kenntnis der Texte zu Missverständnissen kommt. Ein klassisches Beispiel, das selbst die Amerikaner missverstanden, ist «Born in the U.S.A.» von Bruce Springsteen. Das Stück handelt vom Schicksal der Vietnam-Veteranen, ist aber voller Ambivalenz, da es mit einer Fanfare beginnt und Springsteen auf dem Cover vor einer amerikanischen Flagge gezeigt wird. Linke Botschaft, rechter Refrain. Reagan hörte nur Letzteres und war begeistert, Springsteen distanzierte sich auf eigentümlich murmelnde Weise. Die Platte machte ihn zum Millionär.

Aber bleibt nicht trotzdem etwas von der eigentlichen Botschaft hängen?
Der bereits erwähnte Greil Marcus beschrieb in einem Essay, warum alles, was Springsteen singt, ohne Konsequenz bleibe. Egal wie oft dieser von der kaputten Familie und der Armut in den USA erzähle, es falle auf, dass niemand etwas entgegne. Dieses Schweigen beweise, dass all seine Verlautbarungen wirkungslos blieben. Wie sollte es anders sein. Ich habe den Komiker Eddie Izzard gefragt, ob Komik etwas bewirken könne. Und er sagte: nein, nur Politik bewirke etwas, deshalb kandidiere er für das Parlament. Wenn man etwas ändern will, muss man die Gesetze ändern.

Songtexter sagen oft, dass sie mit ihren Texten in den Zuhörern assoziativ etwas auslösen wollten, damit diese ihre eigenen Geschichten daraus machen könnten …
Eine wichtige Rolle spielte etwa in den 1960er Jahren, dass schwarze Jugendliche James Brown hörten, der sang: «Say it loud – I’m black and I’m proud». Das war eine Anleitung zu einer schwarzen Identität ‒ dass man auch als Teil einer Minderheit jemand sein kann, der existiert, der in Amerika wichtig ist, weil er eine Stimme bekommt.

Er machte Mut, selbstbewusst aufzutreten …
Genau, viele Songtexte spielten für die Bürgerrechtsbewegung eine wichtige Rolle. Songs spielten auch bei der Bewegung gegen den Vietnamkrieg eine bestimmende Rolle. Warum wurde ausgerechnet «Sloop John B» von den Beach Boys zu einer Hymne für die GIs in Vietnam, obwohl diese Coverversion bloss einen Streit auf einem Schiff verhandelt? Weil es im Refrain heisst: «Why don’t they let me go home, this is the worst trip I’ve ever been on». Kein Wunder, kam das an in Vietnam. Oder: «Nowhere To Run» von Martha And The Vandellas war als Liebeslied formuliert, wurde aber zum Slogan linker Demonstranten gegen den Staat.

Ein Text kann auch eine völlig neue Bedeutung erhalten …
Ein Beispiel dafür ist das Stück «Another Brick In The Wall» von Pink Floyd, das in Südafrika bei weissen und schwarzen Schülern zur Hymne gegen die Apartheid umdefiniert wurde. Der deutsche Kulturwissenschaftler Diedrich Diederichsen sagte einmal, Pop sei ein offener Kanal. Das ist das Tolle daran: Man kann machen, was man will. Wenn das Publikum beschliesst, dass ein Song dies und das bedeute, dann ist es eben so.

«Eines der bekanntesten Beispiele eines Songs, der zunächst keinen ernst zu nehmenden Text hatte, ist ‹Yesterday› von Paul McCartney. Der ursprüngliche Text dazu lautete ‹scrambled eggs, baby I love your hairy legs›.»

Viele Musiker haben sich in den letzten Monaten gegen Donald Trump als Präsident ausgesprochen, doch bis zur Einsetzung gab es nur wenige explizite Songs …
Die englische Journalistin Julie Burchill schrieb einmal, dass nichts eine politische Botschaft so gründlich kastriere wie ein pulsender Backbeat. Bob Dylan merkte das schnell und hörte auf, Fingerzeig-Lieder zu schreiben, er dachte weit voraus. Seine explizit politischen Songs wie «Now Ain’t The Time For Your Tears» sind viel schlechter gealtert als seine Songs, die ein allgemeines Unbehagen gegen den Krieg ausdrücken wie «Masters of War». Ich denke, dass grosse Künstler nicht in Wochen oder Jahren denken, darum sind alle grossen politischen Songs nicht spezifisch. Gil Scott-Herons «The Revolution Will Not Be Televised» ist ein universeller Song, zumal noch Humor und Ironie hinzukommen ‒ was bei Protestmusikern leider selten ist.

Viele Songwriter bekennen, dass ihre Texte erst entstehen, wenn die Musik bereits fertiggestellt ist. Wie erklärst Du Dir das?
Eines der bekanntesten Beispiele eines Songs, der zunächst keinen ernst zu nehmenden Text hatte, ist «Yesterday» von Paul McCartney. Der ursprüngliche Text dazu lautete «scrambled eggs, baby I love your hairy legs». Brian Eno erzählte an seiner letztjährigen Pressekonferenz in Genf, dass die meisten Sänger in den Proben zunächst irgendetwas singen, eine Art Scat-Gesang. Daraus ergibt sich dann ein Refrain oder ein Hook, aus dem der Text entwickelt wird. Viele Musiker wenden dieses Verfahren an, Bono etwa oder auch Mick Jagger. Das Texten fällt übrigens auch Autoren schwer, die für ihre Lyrics berühmt sind. Randy Newman etwa sagte mir im Gespräch, dass ihm das Schreiben von Melodien leichter falle als das von Texten ‒ letzteres sei ein Albtraum.

Aber ist es nicht so, dass Songtexte oft nebensächlich sind, nur gesanglich die Melodie tragen müssen?
Das kann täuschen, wie das Beispiel Abba zeigt. Man kann natürlich sagen, dass «I do, I do, I do, I do, I do» keinen Songtext formuliert, der in die Hall Of Fame gehört. Aber «Knowing Me, Knowing You» ist ein Stück, das eine bittere Botschaft mit einer berückenden Melodie versüsst. Der Text handelt von einer Scheidung und gehört zu den liebsten Songs von Elvis Costello. Auch «The Day Before You Came», die letzte, verzweifelt traurige Abba-Single, kombiniert einen exzellenten Text mit einem unglaublich traurigen Stück.

Bekanntermassen entstehen viele Songtexte eher zufällig aus dem Moment heraus …
Das wohl berühmteste Beispiel für einen quasi als Unfall entstandenen Song ist «Smoke On The Water» von Deep Purple. Vereinfacht gesagt, beobachtete die Band über den See, wie das Casino in Montreux brannte ‒ und schrieb in Kürze diesen packenden, aber eigentlich rein beschreibenden Song darüber. Auch Bob Dylan gerät manchmal in einen solchen Kreativitätsrausch: Sämtliche Texte für «Time Out Of Mind» hatte er in zwei Wochen beieinander, obwohl es lange Strophen sind.

Dies ist eher die Vorgehensweise von Singer-Songwritern, die eine Geschichte auf die Essenz reduzieren. Bei diesen findet man manchmal auch das andere Extrem, dass der Text lediglich musikalisch verpackt wird …
Man merkt das, wenn der Text die Musik derart überwältigt, dass die Musik zum Vorwand wird. Bei einem guten Songwriter wie Dylan ist dies aber anders. «It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding)» etwa formuliert eine Kaskade von Worten ‒ und funktioniert trotzdem, weil die Sprache zu einem Rhythmusinstrument wird. Als das Gegenteil davon kann man den von John Lennon verfassten Beatles-Song «I Want You (She’s So Heavy)» nennen: Trotz seiner Länge von fast acht Minuten besteht er aus einem einzigen Satz mit Variationen. Dies zeigt, dass die Freiheiten sehr gross sind. Es gibt von Max Frisch den schönen Satz: «Erlaubt ist, was gelingt».

«Man muss mit der Vorstellung aufhören, dass Songtexte gelesen werden können: auf dem Papier funktionieren sie meist nicht, sind sie tot.»

Dies könnte man auch als Leitsatz für Songtexte über die Liebe verwenden, immer noch das Hauptthema der Popmusik. Ein Love-Song kann von der Wortwahl her klischiert erscheinen und doch grossartig wirken. Was macht den Unterschied aus?
Ein Beispiel, wie der gleiche Text je nach Instrumentierung und Interpretation völlig anders wirken kann, ist «I Will Always Love You». Der Song stammt ja nicht von Whitney Houston, sondern von Dolly Parton. Und ihre Originalversion von 1974 ist grossartig, obwohl der Text unglaublich banal ist: Die Aufnahme lebt von der Performance.

Derselbe Songtext kann in verschiedenen Interpretationen aber auch unterschiedliche Bedeutungen erhalten …
Ein gutes Beispiel dafür ist «You Can Leave Your Hat On» von Randy Newman. In seiner Originalversion ist dieses Liebeslied lauernd, der Protagonist ist ein Stalker, man bekommt Angst vor ihm. In der Version von Joe Cocker aber mutiert das Lied eines sexuellen Gewalttäters zur Hymne auf Sex und Freiheit ‒ und so wurde es im Film «9 1/2 Weeks» auch verwendet.

Die Texte zweier Liebeslieder können von der Wortwahl her fast identisch sein und doch kann der eine abgedroschen und der andere packend wirken. Wieso?
Man muss mit der Vorstellung aufhören, dass Songtexte gelesen werden können: auf dem Papier funktionieren sie meist nicht, sind sie tot. Einer der Gründe dafür ist, dass bei Songtexten die Technik der Wiederholungen wichtig ist; Texte etwa von Nick Cave wirken auf dem Papier absurd.
Zu den grossen Ausnahmen zählen Songtexte von Leonard Cohen. Aber das erklärt sich damit, dass er zuerst drei Bücher und zwei Gedichtbände geschrieben hat, bevor er erstmals ins Studio ging. Er griff zur Gitarre, weil er dachte, dass er damit ein grösseres Publikum erreichen könne. Die Magie eines Songtextes entsteht aber meistens erst durch das Singen, man denke etwa an Marvin Gayes «Hitch Hike». Sein Gesang verlieh den Songs eine laszive Eleganz.

Mit dem Gesang kann man auch das Stereotype eines Textes brechen oder eine ironische Note hinzufügen …
Lyle Lovett machte es im Song «She’s Leaving Me Because She Really Wants To» gerade umgekehrt. Der Text im Titel ist von seiner typischen Ironie geprägt, doch er sang es in einer greinenden, absolut unironisch klingenden Country-Nummer. Die Brechung besteht hier darin, dass er einem unkonventionellen Text, der das Genre persifliert, völlig konventionell interpretiert.

Der Songwriter und Produzent Roman Camenzind meinte einmal, man könne einen authentischen Songtext nur in seiner Muttersprache schreiben …
Das ist eine gute These, auch wenn es Gegenbeispiele gibt. Bei Rammstein fasziniert mich, dass die Konzertbesucher auch an Orten wie Mexico City oder New York die deutschen Texte mitsingen. Sänger Till Lindemann sagte mir, dass seiner Meinung nach die meisten die Worte nur phonetisch mitsingen würden und nicht verstünden, womit etwa «Du hast» ‒ ein Songtitel ‒ phonetisch spielt. Sowieso ist Englisch trügerisch. Es ist wie beim Gitarrenspielen: Man kann schnell drei Griffe, und das klingt schon nicht schlecht. Aber dann wird es schnell komplex. Und das merkt man den Texten von Autoren meistens an, die nicht englischer Muttersprache sind.

Und in der Schweiz?
Wir haben mit Songwritern wie Kutti MC, Endo Anaconda (Stiller Has), Kuno Lauener (Züri West) und Carlos Leal (Sens Unik) zwar grossartige Texter. Aber die Realität in der Schweiz ist natürlich, dass die Mundart das Publikum massiv einschränkt; da ist die Voraussetzung in Deutschland völlig anders.

Wenn man in der Schweiz von der Musik leben will, muss man also versuchen, mit einer internationalen Sprache ein breiteres Publikum zu finden. Geht das zwangsläufig auf Kosten der Authentizität?
Yello ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Gebrauch des Englischen gelingen kann. Dieter Meier hat viele dadaistische Nonsens-Texte, aber das Englisch ist vom Akzent und vom Humor her deutlich schweizerisch. Ausserdem spürt man die Persönlichkeiten der beiden stark heraus, was für Authentizität sorgt. Auch die Young Gods sind auf spezielle Weise erfolgreich, weil Franz Treichler seine englischen Texte mit französischem Akzent singt; doch dort ist vor allem sein Stimme wichtig, nicht die Texte. Für mich sind dies die beiden wichtigsten Schweizer Bands, weil sie trotz ihrer internationalen Ausstrahlung ihre Identität bewahrt haben. Französisch singende Bands wie Sens Unik haben mehr Glück, weil sie eine internationale Sprache als Muttersprache haben.

Jean-Martin Büttner (geb. 1959) wuchs in Basel zweisprachig (Deutsch und Französisch) auf. Er studierte in Zürich Psychologie, Psychopathologie und Englisch und dissertierte über «Sänger, Songs und triebhafte Rede. Rock als Erzählweise» (das 1997 unter diesem Titel erschienene Buch ist vergriffen). Mitte der 1980er Jahre schrieb er regelmässig für das Schweizer Musikmagazin Music Scene, das damals vom Interviewer Markus Ganz geleitet wurde. Seit 1987 ist er beim Tages-Anzeiger angestellt. Er arbeitete als Redaktor in den Ressorts Kultur und Inland sowie als Westschweizer Korrespondent und Bundeshaus-Redaktor. Seit 2010 schreibt er als Reporter über unterschiedliche Themen, darunter auch regelmässig über Musik.
Anerkennungspreis für Textautor/innen
Die FONDATION SUISA schreibt ihren diesjährigen Anerkennungspreis über CHF 25’000.- aus für Textautorinnen und Textautoren musikalischer Werke. Berücksichtigt werden Arbeiten in allen Sprachen. Es werden nicht einzelne Texte, sondern das Gesamtwerk der Kandidatinnen und Kandidaten beurteilt. Alle Teilnehmenden müssen einen Bezug ihres Werks zum aktuellen schweizerischen Musikschaffen ausweisen. Möglich sind auch Kandidaturvorschläge durch Dritte. Eine Fachjury beurteilt die eingereichten Kandidaturen gestützt auf das Preisreglement. Einsendeschluss ist der 24. Februar 2017. Weitere Informationen inklusive Reglement und Anmeldeformular sind auf der Website der FONDATION SUISA abrufbar.
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Die FONDATION SUISA schreibt ihren mit 25 000 Franken dotierten Anerkennungspreis dieses Jahr für Textautorinnen und Textautoren musikalischer Werke aus. Was aber zeichnet einen gelungenen Songtext aus? Gastautor Markus Ganz im Gespräch mit Jean-Martin Büttner

Texte zu Musik: «Erlaubt ist, was gelingt»

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Jean-Martin, was hältst Du von einem Liedtext mit der Zeile «A Wop bop a loo bop a lop bam boom»?
Jean-Martin Büttner: Er ist ein gutes Beispiel für einen codierten Songtext. Denn «Tutti Frutti» von Little Richard handelt heimlich von schwarzen Drag-Queens und sexuellen Praktiken, zumindest im Original von 1955. Dazu muss man wissen, dass der Sänger dreifach benachteiligt war: Richard war schwarz, schwul und aus dem amerikanischen Süden. Der amerikanische Politologe Greil Marcus erklärte die erstaunliche Wirkung in einem Interview treffend. Auch wenn…Weiterlesen

Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit Video

Der Newcomer Nickless und der renommierte Produzent Thomas Fessler gewannen den ersten Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards 2016. Der gemeinsam komponierte Siegersong «Waiting» ist nicht vom Himmel gefallen sondern bedeutete viel Arbeit im Teamwork. Auch bei den Swiss Music Awards 2017 zeichnet die SUISA die Leistung der Komponisten und Textautoren mit einer Auszeichnung aus.

Die erste Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards ging an einen Newcomer und einen Routinier: Der 21-jährige Zürcher Nickless und der Produzent Thomas Fessler erhielten den Preis für den gemeinsam komponierten Song «Waiting».

Hinter dem Song steckt neben Inspiration viel Arbeit, die sich über eine lange Zeitdauer erstreckte. «Waiting» erreichte im April 2015 als Höchstposition Platz 14 in der Schweizer Single-Hitparade und wurde 2016 mit dem Swiss Music Award in der Kategorie «Best Hit» ausgezeichnet.

In Zusammenarbeit mit der SUISA wurden im Rahmen dieser Kategorie 2016 erstmals auch die Komponisten und Textautoren geehrt. Durch den Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards könne das Publikum merken, dass Songs nicht vom Himmel fielen sondern viel Arbeit und Herzblut darin stecke, meinte der Produzent Thomas Fessler im Interview. Nickless freute sich über die Bestätigung für das Werk, die er durch die Auszeichnung erhalten habe.

«Hinter jedem grossem Hit stehen Komponisten und Textautoren», sagt Andreas Wegelin, Generaldirektor der SUISA. «Für die SUISA ist es wichtig, dass auch die Arbeit dieser Urheber an den Swiss Music Awards gewürdigt wird.» Deshalb wird 2017 zum zweiten Mal ein Award an die Songwriter des Siegertitels in der Kategorie «Best Hit» vergeben.

Nominiert für den Swiss Music Award 2017 in der Kategorie «Best Hit» und damit auch für die Auszeichnung für Songwriter sind folgende Künstler respektive Songs:

«Angelina»
Komponisten und Textautoren: Andreas «DJ Arts» Christen, Dabu Bucher, Gianluca Giger
Interpret: Dabu Fantastic

«Thank You»
Komponisten und Textautoren: Arie Storm, DJ Antoine, Eric Lumière, Fabio «Mad Mark» Antoniali
Interpret: DJ Antoine

«Monbijou»
Komponisten und Textauoren: Joachim Piehl, Lucien Spielmann, Manillio
Interpret: Manillio

Die Auszeichnung für Songwriter wird im Namen der SUISA, der Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik, vergeben anlässlich der Preisverleihung der Swiss Music Awards am 10. Februar 2017 im Hallenstadion in Zürich.

Nickless, Website
571 Recording Studios, Website
Swiss Music Awards, Website

Die SUISA ist Mitglied des Vereins Press Play. Der 2012 gegründete Verein ist offizieller Preisverleiher der Swiss Music Awards.

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Der Newcomer Nickless und der renommierte Produzent Thomas Fessler gewannen den ersten Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards 2016. Der gemeinsam komponierte Siegersong «Waiting» ist nicht vom Himmel gefallen sondern bedeutete viel Arbeit im Teamwork. Auch bei den Swiss Music Awards 2017 zeichnet die SUISA die Leistung der Komponisten und Textautoren mit einer Auszeichnung aus.

Die erste Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards ging an einen Newcomer und einen Routinier: Der 21-jährige Zürcher Nickless und der Produzent Thomas Fessler erhielten den Preis für den gemeinsam komponierten Song «Waiting».

Hinter dem Song steckt neben Inspiration viel Arbeit, die sich über eine lange Zeitdauer erstreckte. «Waiting» erreichte im April 2015 als Höchstposition Platz 14 in der Schweizer Single-Hitparade und wurde 2016 mit dem Swiss Music Award in der Kategorie «Best Hit»…Weiterlesen

Zwischen Melodie, Harmonie und Rhythmus vermitteln

Die FONDATION SUISA zeichnet Heiri Känzig mit ihrem Jazzpreis 2016 aus. Der Zürcher Musiker gilt als einer der herausragenden Kontrabassisten Europas. Weniger bekannt ist er als profilierter Komponist. Gastbeitrag von Markus Ganz

Heiri Kaenzig Jazzpreis 2016 FONDATION SUISA

«Sein Variantenreichtum und seine Fingerfertigkeit machen ihn zu einem Virtuosen auf seinem Instrument», schreibt die FONDATION SUISA in der Medienmitteilung zur Vergabe des Jazzpreises über den diesjährigen Gewinner Heiri Känzig. (Foto: Pablo Faccinetto)

In der internationalen Jazzszene ist Heiri Känzig wohl bekannter als in der Schweizer Öffentlichkeit. Der Kontrabassist hat eben nie die Aufmerksamkeit der breiten Masse gesucht, sondern immer mit schlichter Musikalität überzeugt. Der 1957 geborene Zürcher ging zudem der Musik wegen schon in jungen Jahren ins Ausland und lebte lange in Städten wie Wien, München und Paris. Schmunzelnd erinnert sich Heiri Känzig im Gespräch daran, dass ihn Mathias Rüegg dazu ermuntert hatte, das Gymnasium in Schiers abzubrechen und in Graz an der Musikhochschule zu studieren. Später folgte er dem Mitgründer des Vienna Art Orchestras nach Wien, das auch für ihn zum Sprungbrett in die internationale Jazzszene werden sollte.

Wien als Ausgangspunkt

Von 1977 an war Heiri Känzig 15 Jahre lang Mitglied des Vienna Art Orchestras und spielte schon auf deren Debüt, der Single (!) «Jessas na» (1978): «eine verrückte Platte». So wurde er Teil einer innovativen Szene und machte sich offensichtlich schnell eine guten Namen als Kontrabassist. Denn schon 1978 wurde er Begleitmusiker des Bebop-Trompeters Art Farmer. Seither hat Heiri Känzig mit zahlreichen Grössen des Jazz wie Art Lande, Kenny Wheeler, Lauren Newton, Billy Cobham und Ralph Towner gespielt; besonders nah stand ihm Charlie Mariano. Ungewöhnlich ist auch, dass er 1991 als erster Nicht-Franzose Mitglied des französischen «Orchestre National de Jazz» wurde.

Heiri Känzig betont aber, dass er sich nicht einfach als Jazzmusiker fühle: «Mir gefällt es, unterschiedliche Arten von Musik zu spielen». Dies zeigte er etwa mit dem «Tien Shan Schweiz Express» (mit Musikern aus Kirgistan, Chakassien, der Mongolei, der Schweiz und Österreich) oder einem Projekt mit dem algerischen Oud-Spieler Chaouk Smahi. Er hat zudem im Studio auch für Nena und Andreas Vollenweider gespielt. Tatsächlich erstaunt, dass Heiri Känzig, den man vor allem als Live-Musiker kennt, gemäss seiner Biografie auf rund 130 Alben gespielt hat. Mittlerweile seien es wohl deutlich mehr, meint er abwinkend, aber dazu zählten alleine rund dreissig mit dem Vienna Art Orchestra.

Unterschätzter Komponist

Als Konstante von Heiri Känzigs Karriere erweist sich die Zusammenarbeit mit Thierry Lang, die schon vor dessen Vertrag mit dem legendären Label Blue Note begonnen habe. Seit etwa 25 Jahren spiele er mit dem Westschweizer Pianisten zusammen, meistens im Trio, manchmal auch mit Gastmusikern, aktuell sogar mit einem Streichquartett. Und er trage zunehmend auch Kompositionen bei. Als Co-Leader wirkt Heiri Känzig zurzeit vor allem mit dem Jazz-Urgestein Chico Freeman im Duo und im «4-tet», mit dem «Cholet Kaenzig Papaux Trio» und mit Depart, dem 1985 mit Harry Sokal gegründeten Trio, in dem nun Martin Valihora Schlagzeug spielt.

Auf dem spannungsgeladenen letzten Depart-Album «Refire» (2014) stammen die meisten Stück von Heiri Känzig. Trotzdem wird er oft lediglich als «versierter Begleiter» oder ähnlich beschrieben. «Als Bassist ist man nun mal nicht der Frontman, wie es bei einem Trompeter oder Pianist eher der Fall ist», meint er gelassen. «Der Bass ist primär ein Begleitinstrument, ein tiefes zudem, das man auch rein akustisch weniger leicht wahrnimmt als andere Instrumente.» Heiri Känzig bestätigt auch, dass der Bass die Funktion hat, die verschiedenen Arten von Instrumenten zu verbinden. Und er fügt lachend an: «Wir Bassisten sind gewissermassen die Diplomaten unter den Musikern, die zwischen Melodie, Harmonie und Rhythmus vermitteln; deshalb sind wir wohl so konziliante Menschen …».

Virtuosität und Klang

Beim Komponieren mache er sich aber keine Gedanken über die Funktion des Basses, sondern spiele einfach, häufig zudem am Klavier. «Am Anfang einer Komposition stehen entweder Basslinien, die ich mir förmlich erspiele und die mich inspirieren. Dies sind aber eher rhythmische Ansätze, wogegen ich beim Klavier eher den harmonischen Aspekt auslote.» Das sind zwei grundsätzlich verschiedene Vorgehensweisen, und doch gibt es bei der weiteren Entwicklung der Stücke eine Gemeinsamkeit. «Das Komponieren ist ein sehr spannender Vorgang, weil man nicht weiss, wohin es einen führt. Man hat keinen Schimmer, und doch sagt einem immer etwas, wo man durchgehen muss.»

In Medienberichten wird immer wieder die Virtuosität von Heiri Känzig hervorgehoben. «Und natürlich kann man sich sagen», meint er achselzuckend, «dass dies beim Bass gar keinen Sinn macht, da die tiefen Töne ohnehin oft nicht recht zu hören sind. Aber ich füge der Musik damit Farbe hinzu, manchmal schon fast ein Klanggewitter.» Dies trägt stark dazu bei, dass sein Spiel sehr individuell, einzigartig wirkt. Heiri Känzig kann sich dies allerdings nicht recht erklären. «Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass ich ganz selten kopiert habe.»

Heiri Känzig wurde 1957 geboren und wuchs in Zürich und Weiningen auf. In Graz, Wien und Zürich studierte er Musik. Seit 1990 lebt er in Meilen und ist seit 2002 Professor für Kontrabass an der Hochschule für Musik in Luzern. Die Singer-Songwriterin Anna Känzig ist seine Nichte; ein gemeinsamer Auftritt ist im Mai 2017 geplant. ‒ Der mit 15 000 Franken dotierte Jazzpreis 2016 ((2)) wird Heiri Känzig im Rahmen eines besonderen Matinée-Konzertes am Sonntag, 4. Dezember 2016 um 11 Uhr im Moods Zürich ((3)) verliehen. Heiri Känzig wird zusammen mit Chico Freeman und Thierry Lang auftreten, zuerst je im Duo, danach im Trio.
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Traditionelle Volksmusik als Basis für komplexere Kompositionen

Der Komponist und Akkordeonist Franz «Fränggi» Gehrig erhält den Preis der FONDATION SUISA 2016. Der jährlich verliehene Anerkennungspreis der Musikförderstiftung der SUISA wird 2016 in der Kategorie «neue, aktuelle Schweizer Volksmusik» vergeben. Ein Interview mit dem 30-jährigen Urner Preisträger über die Auszeichnung, sein musikalisches Schaffen und den Reiz von alter wie neuer Volksmusik. Text/Interview von Manu Leuenberger

Fraenggi-Gehrig-Preis-der-FONDATION-2016

Fränggi Gehrig begann als 8-Jähriger Akkordeon zu spielen. An der Hochschule Luzern studiert er Akkordeon im Profil Jazz mit Schwerpunkt Volksmusik und belegt das Fach Komposition. (Foto: Blatthirsch.ch)

Fränggi Gehrig, Sie werden mit dem Preis der FONDATION SUISA 2016 in der Kategorie «neue, aktuelle Schweizer Volksmusik» ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Fränggi Gehrig: Die Auszeichnung kam für mich total unerwartet, denn ich hatte bei der Eingabe des Preises keine Ahnung, ob ich mir überhaupt Chancen ausrechnen kann. Umso mehr freue ich mich natürlich jetzt und ich fühle mich wirklich sehr geehrt, dass ich diese Auszeichung entgegennehmen darf.

Mit der Volksmusik sind viele Traditionen verbunden. Was sind die Herausforderungen, wenn man Volksmusik neu und aktuell gestalten will?
Das Wichtigste finde ich, dass man dabei seine Wurzeln nicht vergisst. Man muss aufpassen, dass man nicht willkürlich Melodien anders harmonisiert oder rhythmisch verändert und dabei sagt, es handle sich jetzt um neue Volksmusik.
Ich glaube, dass die Verbindung zwischen «Traditionellem» und «Neuem» gar nicht gelingt, wenn man diese Traditionen nicht über eine sehr lange Zeit intensiv gelebt hat. Gerade die traditionelle Volksmusik ist sehr schwierig zu erlernen. Es braucht während Jahrzehnten etliche Freinächte und eben so viele Stunden Übung im stillen Kämmerlein, um in dieser richtig heimisch zu werden. Meine Meinung ist, dass man diesen Background benötigt, um die Volksmusik sinnvoll neu und aktuell zu gestalten.

Man kann Sie zum einen häufig am Akkordeon als Interpret von alten volkstümlichen Werken hören. Zum anderen schreiben Sie für Formationen wie Rumpus, Stegreif GmbH oder die Alpini Vernähmlassig, wo Sie ebenfalls mitspielen, auch eigene Kompositionen. Was macht für Sie den Reiz einerseits am Interpretieren von alter und anderseits am Komponieren von neuer Musik aus?
Ich mag grundsätzlich die Abwechslung und die Vielfalt an verschiedenen Projekten in meiner Tätigkeit.  Wie schon gesagt, die traditionelle, «alte» Musik ist meine Basis, damit bin ich gross geworden und ich spiele sie immer noch sehr gerne. Ich finde, diese passt auch besser in eine gemütliche Beiz, wo getanzt wird, anstatt in einen Konzertsaal. Auf der anderen Seite eignen sich meine etwas komplexeren Kompositionen besser für Konzertsituationen. Das Zielpublikum ist dabei zum Teil total verschieden, man bewegt sich praktisch in zwei Welten. Diese Abwechslung gefällt mir und gibt mir den Anreiz, nach wie vor beides zu machen und manchmal zu kombinieren.

Vor 6 Jahren sind Sie der Schweizer Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik beigetreten. Welchen Nutzen hat die Mitgliedschaft bei der SUISA für Sie?
Ich kann meine Werke urheberrechtlich schützen lassen und profitiere natürlich davon, wenn meine Kompositionen in der Öffentlichkeit gespielt werden.

Haben Sie bereits Idee, wozu Sie das Preisgeld, das Ihnen durch die Auszeichnung der FONDATION SUISA zuteil wird, verwenden werden?
Ich werde mir ziemlich sicher ein gutes Instrument gönnen, mit dessen Kauf ich schon länger geliebäugelt habe.

Welche der vielen Formationen, in denen Sie mitwirken, liegt Ihnen im Moment oder in der nächsten Zukunft besonders am Herzen?
Mein Ziel ist es, mein eigenes Quintett in Zukunft etwas voranzutreiben. Daneben hoffe ich, dass ich wie bisher mit meinen Formationen, Musikkolleginnen und -kollegen weiterhin viele tolle Momente erleben darf.

Offizielle Website: www.fraenggigehrig.com

Der Preis der FONDATION SUISA ist ein Anerkennungspreis, mit dem herausragendes Schaffen ausgezeichnet wird, das zur Bereicherung des musikalischen Erbes der Schweiz beiträgt. Der Preis wird von der Musikförderstiftung der SUISA jährlich in abwechselnden Kategorien vergeben und ist mit 25 000 Franken dotiert. Die letzten Preisträger waren: Aliose (Kategorie «Musique de variéte»), Gary Berger («instrumentale/vokale Komposition und Elektronik»), Ruh Musik AG («Musikverlagswesen»), Trummer («Singer/Songwriter») sowie Michel Steiner und Willi Valotti («Schweizer Volksmusik»).

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Die Arbeit der Komponisten an Hits aus dem Schweizer Pop-Musikjahr 2015

Die Swiss Music Awards warten dieses Jahr mit einer Neuerung auf: Zum ersten Mal werden auch Songwriter geehrt. Am 12. Februar 2016 erhalten im Zürcher Hallenstadion die Komponisten und Textautoren des «Best Hit» im Namen der SUISA eine Auszeichnung. Nominiert sind «Waiting» von Nickless, «La Bambele» von Müslüm und «Hippie-Bus» von Dodo. Insgesamt 10 Komponisten und Textautoren haben zur Entstehung dieser Songs beigetragen. Text/Interviews von Erika Weibel und Giorgio Tebaldi

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Dodo, Müslüm und Nickless (v.l.n.r.) sind zusammen mit den Komponisten und Textautoren ihrer Songs «Hippie-Bus», «La Bambele» und «Waiting» für den Best Hit an den Swiss Music Awards 2016 nominiert. (Fotos: Nadége Sanz – Dodo; Roger Reist – Müslüm; Christoph Koestlin – Nickless)

Nickless, Müslüm und Dodo dürften vielen Menschen hierzulande bekannt sein. Ihre Hits «Waiting», «La Bambele» und «Hippie-Bus» haben das Pop-Musikjahr 2015 in der Schweiz mitgeprägt. In der Öffentlichkeit weniger bekannt sind die Musiker, die ihre Songs mitkomponiert und –getextet haben. So stehen hinter «La Bambele» neben Müslüm auch Raphael Jakob und Benjamin Mühlethaler. Nickless hat beim Songwriting von «Waiting» Unterstützung erhalten von Thomas Fessler. Und bei «Hippie-Bus» waren Dodo und vier Mitkomponisten am Werk: Dominik Baumgartner, Michele Bochicchio, Marco Jeger und Florian Reichle.

Am 12. Februar werden an den Swiss Music Awards 2016 im Zürcher Hallenstadion sämtliche Komponisten und Textautoren ausgezeichnet, die den Schweizer Hit 2015 mitgeschrieben haben. Im Rahmen des «Best Hit»-Awards erhalten also die Songwriter des Siegersongs im Namen der SUISA eine der begehrten Auszeichnungen. Damit wird auch die Arbeit derjenigen Künstler, die im Hintergrund tätig sind, gewürdigt.

Wie entsteht ein Hit überhaupt? Und was braucht es für einen guten Song? Dies haben wir die drei Interpreten der nominierten Songs gefragt.

Müslüm – «La Bambele»

Musik und Text von Raphael Jakob, Benjamin Mühlethaler und Müslüm.

Wie ist dieser Song entstanden?
Müslüm: So wie die Liebe im Allgemeinen entsteht, ohne Erwartungen. Zuerst war es ein ganz einfaches Wortspiel. Dann wurden die Gedanken immer konkreter. Spielerisch verdichtete sich das Ganze zu einem Muster, wo Melodie und Inhalt eins wurden mit allem. Die Musik zu «La Bambele» komponierte ich gemeinsam mit dem Gitarristen Raphael Jakob. Benjamin Mühlethaler produzierte den Song und gab ihm den nötigen Feinschliff.«Uressenzielles», nämlich das Atmen in ein zeitgemässes Muster zu verpacken, war dabei die grösste Herausforderung.

Was braucht es deiner Meinung nach, um einen wirklich guten Song zu schreiben?
Ich denke, es gibt eine Art «universellen Intellekt», in dem der Mensch in einem Augenblick eins ist mit allem und gewisse Dinge als selbstverständlich erfährt. Ein «Hit» entsteht genau aus diesem selbstverständlichen Gefühl heraus. Das ist das Schwierige an schwerer Arbeit: Dass sie leicht erscheint.

Dodo – «Hippie-Bus»

Musik von Dominik Baumgartner, Michele Bochicchio, Dodo, Marco Jeger und Florian Reichle, Text von Dodo.

Wie ist dieser Song entstanden?
Dodo: Die Melodie zu «Hippie-Bus» hab ich in Brasilien komponiert. Ich habe in einem «Bush bungalow» in Itakare, einem Surferparadies im Norden Brasiliens, ein kleines Studio eingerichtet, wo ich alleine aber auch mit lokalen Musikern jammte. Den Text dazu schrieb ich dann aber wirklich in einem Hippie-Bus. Ich machte mit Freunden einen Ausflug ans Mittelmeer, und auf der Heimreise lag ich hinten im Bus und schrieb den Text während der Fahrt!

Was braucht es deiner Meinung nach, um einen wirklich guten Song zu schreiben?
Ein guter Song muss berühren. Glücklich machen oder traurig. Oder beides gleichzeitig. Ein solcher Song kann meiner Meinung nach nur entstehen, wenn die eigenen Gefühle während dem Schreiben echt sind.

Nickless – «Waiting»

Musik und Text von Thomas Fessler und Nickless.

Wie ist dieser Song entstanden?
Nickless: Die erste Version von «Waiting» habe ich 2012, als ich 17 Jahre alt war, in meinem Zimmer geschrieben und den Song Thomas Fessler geschickt. Er ist mein Musik-Mentor seit ich 14 war, und mit 15 habe ich ein zweijähriges Praktikum in seinem Tonstudio begonnen.
Thomas erkannte bereits damals das Potential des Stücks. Danach ging ich allerdings für eine Weile nach London, und erst anfangs 2014 arbeiteten Thomas und ich wieder am Song weiter. Zusammen mit zwei weiteren Liedern wählten wir ihn für meine erste Demo-CD aus, die bei Phonag Records landete und mir einen Plattenvertrag einbrachte. Für uns alle war klar, dass «Waiting» meine erste Single sein würde: Er war der reifste Song und wir wussten, dass er als Single funktionieren könnte.
Anfangs 2015 arbeiteten wir noch ein letztes Mal an «Waiting». Wir änderten ein paar Kleinigkeiten, und so wurde der Song dann im dritten Anlauf fertig gestellt. Ich denke, dass jedes Stück einen gewissen Abstand und Reifeprozess benötigt; so war das auch bei «Waiting».
Thomas war bei diesem Prozess enorm wichtig – er ist quasi die zweite Hälfte der Band. Die Ursprungsidee mit Text und Melodie kam zwar von mir, aber das ist nur die eine Hälfte des Kuchens. Thomas macht den Kuchen erst schmackhaft.

Was braucht es Deiner Meinung nach, um einen wirklich guten Song zu schreiben?
Ich glaube, es gibt kein wirkliches Rezept, um einen guten Song zu schreiben. Es spielen viele Faktoren zusammen: Was für eine Person den Song schreibt, welches Gefühl das Lied vermittelt, was es in einem selber auslöst usw. Jeder Song braucht eine gewisse Authentizität.
Klar, manchmal ist ein Song auch einfach super witzig und trifft den aktuellen Zeitgeist. Aber selbst solche Songs vermitteln ein Gefühl, das in diesem Fall gute Laune ist. Die Inspiration von «Waiting» kam aus meinem Herzen. Ich finde, man sollte beim Songwriting keine Angst haben. Einfach darauf los schreiben, was man gerade auf dem Herzen hat oder im Kopf vorgeht – löschen kann man im Nachhinein immer.
Es gibt Musiker, die Songs für sich selber schreiben und sich von niemandem reinschwatzen lassen. Das verstehe ich natürlich. Für mich sind Feedbacks und Kritik aber enorm wichtig. Nur so kommt man weiter. Und wer weiss – man kann ja noch überrascht werden, was alles entstehen kann.

«SUISA und Swiss Music Awards zeichnen erstmals auch Songwriter aus», SUISAnews
Swiss Music Awards, Website

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