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«Der Funke ist eigentlich das Interessante an der grossen Explosion» | mit Video

Fortunat Frölich hat für das Kompositionsprojekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» mit Gegensätzen gearbeitet. Er bezieht sich auch auf den Inhalt des originalen Volksliedes «Es hätt en Bur es Töchterli». Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Fortunat Frölich: «Der Funke ist eigentlich das Interessante an der grossen Explosion»

Fortunat Frölich erläutert im Mai 2020 seine Komposition «Lövschtori». (Foto: Manu Leuenberger)

Fortunat Frölich wohnt und arbeitet im Haus der Grosseltern in Zürich, wo die klassische Musik stets eine grosse Rolle spielte. «Trotzdem würde ich sagen, dass ich nicht speziell gefördert worden bin», erklärt der in Chur geborene und aufgewachsene Komponist zur Frage der Berufswahl. «Letztlich war es meine Entscheidung.» Schon als Bub sei er von einer Aufführung der «Matthäus-Passion» in der Martinskirche in Chur so ergriffen gewesen, dass dies vermutlich den Weg für seine Laufbahn gelegt habe. «Aber einen Weg mit langen Umwegen, Krisen auch, als ich nicht mit klassischer Musik weitermachen wollte.» So wechselte er zur Popmusik, integrierte dann aber wieder das als Kind gelernte Cello, weil er «etwas Anderes» machen wollte. Seit er als 17-Jähriger begann, die Welt zu bereisen, beeinflussen ihn auch andere Musikkulturen.

«Aus all dem hat sich ein Komponieren ergeben, das sich nie wirklich einer Richtung verschrieben hat.» Dies sei damals noch ein Problem gewesen, weil man zwischen Stuhl und Bank gefallen sei, was sowohl das Publikum als auch die Unterstützung betroffen habe. «Ich habe es aber unehrlich gefunden, einen einheitlichen Stil zu pflegen und mir gleichzeitig Pink Floyd, Bach und romantische Kompositionen anzuhören, Jazz zu machen und freie Improvisation zu lieben, Pop natürlich auch. Das musste für mich irgendwie alles aufgefangen werden, wenn ich kreativ wurde.»

Fortunat Frölich hat schon vor dem Auftrag für die «Schweizer Beethoven-Reflexionen» drei Werke komponiert, die sich auf Beethoven beziehen. Er betrachte sich aber weder als Beethoven-Spezialisten noch als Musikwissenschaftler. Trotzdem finde er, dass Beethoven zwar grandiose Werke komponiert habe, diese Variationen über ein Schweizerlied aber eher «eine Fingerübung» seien. «Ich verstehe nicht, wieso er dieses Volkslied abänderte, sich daraus aber beispielsweise keine andere Harmonie ergeben hat.» Variationen könne man durchaus als Übung der Kreativität betrachten: Wie viel Fantasie habe ich, dasselbe auf zehn verschiedene Arten zu sagen? «Das war für mich aber ein etwas langweiliger, allzu klassischer Ansatz.»

Da spiele etwas Biederes mit, fährt Fortunat Frölich nachdenklich fort. «Und da ist dieses Volksliedlein und das Geschichtlein, das ja auch voll banal ist: Mäitli und Bueb, die sich nicht kriegen, und er zieht in den Krieg und so.» Er habe lange nicht verstanden, was an der Biederkeit interessant sein soll. Die Epoche des Biedermeiers verstehe man erst richtig, wenn man verstehe, «dass der Funke eigentlich das Interessante an der grossen Explosion ist. «Im Grunde trägt alles dieses Paradox in sich – gleichzeitig belanglos und grossartig zu sein. Die Kunst befasst sich mit der Tiefe der Dinge, mit ihrer Bedeutsamkeit.» Die Aufmerksamkeit, die Beethoven der kleinen Melodie aus der Schweiz schenke, sei doch beachtlich und gehe in diese Richtung der Vertiefung eines unbedeutend scheinenden Details. Frölich findet es toll, dass Beethoven «sich doch bestimmt einen ganzen Morgen lang mit diesem Liedlein befasst und daraus etwas macht.» Man merke, dass er das Lied ernst nehme, denn es sei sorgfältig ausgearbeitet. «Und auch andere nehmen es ernst, es wird gespielt und weitergetragen – das ist ganz grossartig.»

Auch diese kleine Liebesgeschichte sei grandios, obwohl es unzählige dieser Art gebe. «Denn wenn es wirklich geschieht, dann ist das, was passiert: grenzenlos.» Das ergebe einen grossen Kontrast zum einfachen Lied, weshalb er dessen einfache Melodie in seine Komposition integriert habe. «Und ich wollte auch die ganze Brisanz, die eben doch in diesem einfachen Lied drin ist, zum Klingen bringen.» Welche Brisanz? Fortunat Frölich antwortet mit gravitätischer Betonung: «Ein Mädchen mit schönen Zöpfen. – Er hat sich verliebt. – Der Vater sagt: Sie ist noch zu jung. – Die Vernunft, die einfährt und alles zunichte macht.»

Zum musikalischen Ansatz meint Fortunat Frölich, er habe es reizvoll gefunden, die sehr gefasste und intellektualisierte Vorgehensweise von Beethoven aufzubrechen, in Beziehung zum Emotionsgehalt zu setzen. Denn es sei doch typisch, dass Beethoven in seinen Variationen die Geschichte nicht erzähle. «Er verwendet einfach die Melodie, aber der Inhalt ist ihm egal. Deshalb erzähle ich die Geschichte, und zwar so ernst, dass die Musiker nicht nur als Instrumentalisten, sondern auch als Performer gefordert sind. Sie müssen quasi mit einem Rap anfangen: Es-hät-en-Pur-es-Töch-ter-li… Den Rest der Geschichte erzähle ich dann mit der Musik – Dursli und Bäbeli verlieben sich ineinander, Dursli hält um Bäbelis Hand an, ‹nein!› sagt der Vater, die Jungen sind verzweifelt, die Kriegstrommeln, die schon die ganze Zeit latent im Hintergrund vorhanden sind, werden lauter, verschlucken schliesslich alles. Dann – als Abspann – die verklärte Nostalgie, mit der ganzen Verzweiflung, dass Liebe immer so weh tut.»

Besonders fasziniert hat Fortunat Frölich die Metrik des Volksliedes: «Auf zwei 3er-Takte folgt ein 4er, zum Abschluss wieder ein 3er». Diese für ein Volkslied doch recht ungewohnte Form werde erst ersichtlich, «wenn man die durchgängig im 2/4-Takt notierte Melodie in ihre Phrasen aufteilt: tagetege ta-te ta , tagetege ta-te ta , tagetege tagetege tagetege ta-te ta. Deshalb war mir klar, dass das Stück zu Beginn am Klavier in diesen Rhythmus hineinkommen muss, denn das ist bereits das Kriegsmotiv, auch das Motiv des Weggehens.» Dann komme die Passage des Verliebens mit einer delikaten Stelle der künstlerischen Umsetzung: «ein ziemlich deftiges Duett von Flöte und Cello». Er fordere die Musiker mit seinem Stück heraus, das leicht szenisch, fast schon eine Oper sei. «Es reizt mich, am Stil des klassischen Konzertes zu kratzen.»

Ein Ausschnitt seiner in Indien geschriebenen Komposition deutet an, dass Fortunat Frölich wiederum mit einer gewissen Widersprüchlichkeit arbeitet. «Es geht ins Chaos, klingt aber auch süss und brav», bestätigt er. «Ich arbeite mit Polaritäten, um Spannung zu erzeugen. Mich interessieren die Kontraste und die Übergänge dazwischen. Die Übergänge sind vielleicht das Interessanteste an meiner Musik. In diesem Bereich, wo ich selber nicht weiss, wie ich von A nach B komme, weil die Positionen so weit von einander entfernt sind, weil A vielleicht die Vernunft des Vaters ist und B die Verzweiflung und Wut der Jungen – in dieser Polarität errege ich mich und werde kreativ.» Er langweile sich schnell, wenn er eine musikalische Entwicklung voraussagen könne. Entsprechend wollte er sich auch stilistisch nicht festlegen. «Den Anspruch, in einem bestimmten Stil zu schreiben, habe ich immer abwegig gefunden. Ich liebe stilistische Verkrallungen.»

Wie in einigen seiner neueren Werke setzt Fortunat Frölich auch hier rhythmisierte Stimmgeräusche der Musiker ein. «Ich mache das, um die Musiker noch persönlicher mit dem Inhalt meiner Kompositionen zu verbinden und damit die Musiker das Publikum noch direkter ansprechen» Er verstehe dies auch ein wenig als Provokation, um das «Klassische» aufzubrechen, «wo alles so geordnet ist und der Inhalt manchmal in der Form untergeht». Er wünscht sich denn auch, dass die Musiker auf der Bühne vor allem dies ausstrahlen: «Wir haben Spass daran – und ihr hoffentlich auch». Nachdenklich fügt er hinzu: «Das ist alles. Und das ist viel».

Fortunat Frölich wurde 1954 in Chur geboren. Er studierte in Zürich, Neapel und Leipzig Gesang, Violoncello und Orchesterleitung. Er hat mehrere interkulturelle Projekte realisiert und mit Linard Bardill auch Werke für ein junges Publikum geschaffen. Für die offiziellen Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen des Bundestaates erhielt Frölich einen Kompositionsauftrag vom Bundesamt für Kultur. Er hat auch Werke mit den Schriftstellern Urs Widmer («Föhn») und Beat Brechbühl («missaverde») geschaffen. www.fortunatfroelich.com
Schweizer Beethoven-Reflexionen: Ein Projekt von Murten Classics und der SUISA zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven hatte nur wenig mit der Schweiz zu tun. Aber er hat «Sechs Variationen über ein Schweizerlied» geschrieben, bei dem es sich um das Volkslied «Es hätt e Bur es Töchterli» handelt. Dies ist der Ausgangspunkt für Kompositionsaufträge, die die Sommerfestspiele Murten Classics zusammen mit der SUISA an acht Schweizer Komponistinnen und Komponisten verschiedener Generationen, Ästhetik und Herkunft vergeben haben.

Oscar Bianchi, Xavier Dayer, Fortunat Frölich, Aglaja Graf, Christian Henking, Alfred Schweizer, Marina Sobyanina und Katharina Weber konnten sich auf die Variationen, auf das von Beethoven verwendete Volkslied selbst oder auf Beethoven im Allgemeinen beziehen. Die Kompositionen wurden für das Ensemble Paul Klee geschrieben, das folgende Maximalbesetzung erlaubt: Flöte (auch Piccolo, G- oder Bassflöte), Klarinette (in B oder A), Violine, Viola, Cello, Kontrabass und Klavier.

Initiant dieses 2019 begonnenen Projekts war Kaspar Zehnder, der während 22 Jahren künstlerischer Leiter von Murten Classics gewesen war. Wegen der Corona-Krise und den von den Behörden verordneten Massnahmen war die Durchführung sowohl der 32. Ausgabe im August 2020 als auch des vorgesehenen Ersatzfestivals in den anschliessenden Wintermonaten nicht möglich. Der «SUISA-Tag» mit den acht Kompositionen dieses Projekts wurde – ohne Publikum – am 28. Januar 2021 im KiB Murten dennoch aufgeführt und aufgezeichnet. Die Aufnahmen waren bei Radio SRF 2 Kultur in der Sendung «Neue Musik im Konzert» zu hören und sind auf der Plattform Neo.mx3 erschienen. Im SUISAblog und auf den Social Media-Kanälen der SUISA ist das Projekt mit multimedialen Beiträge online dokumentiert.

www.murtenclassics.ch

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Fortunat Frölich hat für das Kompositionsprojekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» mit Gegensätzen gearbeitet. Er bezieht sich auch auf den Inhalt des originalen Volksliedes «Es hätt en Bur es Töchterli». Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Fortunat Frölich: «Der Funke ist eigentlich das Interessante an der grossen Explosion»

Fortunat Frölich erläutert im Mai 2020 seine Komposition «Lövschtori». (Foto: Manu Leuenberger)

Fortunat Frölich wohnt und arbeitet im Haus der Grosseltern in Zürich, wo die klassische Musik stets eine grosse Rolle spielte. «Trotzdem würde ich sagen, dass ich nicht speziell gefördert worden bin», erklärt der in Chur geborene und aufgewachsene Komponist zur Frage der Berufswahl. «Letztlich war es meine Entscheidung.» Schon als Bub sei er von einer Aufführung der «Matthäus-Passion» in der Martinskirche in Chur so ergriffen gewesen, dass dies vermutlich den Weg für seine Laufbahn gelegt habe. «Aber einen Weg mit langen Umwegen, Krisen auch, als…Weiterlesen

SUISA-Workshop am «Soundtrack Zurich»

Fragen zur Vergütung für Online-Nutzungen von Musik in Filmen, Serien oder Werbung? Besuchen Sie den SUISA-Workshop am «Soundtrack Zurich» im Rahmen des Zürich Film Festivals. Text von Erika Weibel

SUISA-Workshop am «Soundtrack Zurich»

Workshop an der zweiten Ausgabe von «Soundtrack Zurich», der Fachveranstaltung zu Film- und Medienmusik, im Jahr 2021. (Foto: STZ / ZFF)

Bereits zum dritten Mal findet während des Zürich Film Festivals «Soundtrack Zurich» statt, eine mehrtägige Fachveranstaltung zu Film- und Medienmusik. Die Veranstaltung besteht aus Workshops, Panels und Case Studies zu aktuellen Themen der heutigen Film- und Medienmusikszene und will mit Networking Sessions die Vernetzung mit Business-Partnern/innen ebenso wie mit den internationalen Gästen des Zürich Film Festivals ermöglichen.

In Zusammenarbeit mit der SUISA bietet «Soundtrack Zurich» den Musikschaffenden auch eine Plattform an, um ihre Fragen zu Einnahmen im audiovisionellen Bereich zu klären. Kernthema des diesjährigen SUISA-Workshops ist die Vergütung für Online-Nutzungen von Musik in Filmen, Serien und Werbung.

SUISA-Workshop am Zürich Film Festival
Mittwoch, 28.9.2022, Festival Center (Sechseläutenplatz)
12:00 – 13:00 Uhr SUISA Digital Challenge: Vergütung für Online-Nutzungen von Filmen, Serien, Werbung
Hands-on Workshop in deutscher Sprache mit Irène Philipp (COO SUISA) und Michael Wohlgemuth (Legal Counsel/Licensing Manager SUISA)
Moderation: Martin Skalsky
Ein Video mit der Aufzeichnung von der Veranstaltung werden wir anfangs Oktober hier verlinken.

Die Schweizer Filmmusik-Konferenz «Soundtrack Zurich» wird kuratiert von Michael P. Aust («Soundtrack Cologne») und organisiert von FFM (Forum Filmmusik) in Zusammenarbeit mit der ZHdK (Zurich University of Arts) und «Soundtrack Cologne».

Das detaillierte Programm und Akkreditierungen für die Konferenz unter:
www.soundtrackzurich.com

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SUISA-Workshop am «Soundtrack Zurich»

Workshop an der zweiten Ausgabe von «Soundtrack Zurich», der Fachveranstaltung zu Film- und Medienmusik, im Jahr 2021. (Foto: STZ / ZFF)

Bereits zum dritten Mal findet während des Zürich Film Festivals «Soundtrack Zurich» statt, eine mehrtägige Fachveranstaltung zu Film- und Medienmusik. Die Veranstaltung besteht aus Workshops, Panels und Case Studies zu aktuellen Themen der heutigen Film- und Medienmusikszene und will mit Networking Sessions die Vernetzung mit Business-Partnern/innen ebenso wie mit den internationalen Gästen des Zürich Film Festivals ermöglichen.

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«Eine Melodie wie eine Erinnerung von weit weg» | mit Video

Xavier Dayer liess sich für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» nicht nur von der Melodie des von Beethoven verwendeten Schweizer Lieds inspirieren. Er bezog auch die Situation mit ein, in der sich der damals noch junge Komponist befand. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Xavier Dayer: Eine Melodie wie eine Erinnerung von weit weg

Xavier Dayer im Interview über sein Werk «Cantus VII» Ende Januar 2020. (Foto: Manu Leuenberger)

Xavier Dayer ist überzeugt davon, dass die zentrale Bedeutung von Ludwig van Beethoven weit über den Kreis der Komponistinnen und Komponisten wie auch der Musikerinnen und Musiker hinausgeht. «Ich würde sogar sagen, dass er am Anfang des Bildes steht, das man in der breiten Öffentlichkeit von der Romantik und der klischierten Figur des Komponisten hat.» Bei aller Bewunderung für Beethoven stuft er dessen Variationen über ein Schweizer Volkslied nüchtern ein. «Ich denke nicht, dass es sein eindrücklichstes Stück ist», erklärt der in Genf geborene und in Bern wohnende Komponist im Gespräch von Ende Januar 2020 knapp.

Die Variationen liessen Xavier Dayer jedoch über den Zeitpunkt der Entstehung nachdenken: Im Jahr 1792 war Beethoven 22 Jahre alt und stand kurz davor, nach Wien zu ziehen. Entsprechend versteht Xavier Dayer die Variationen als eine Art Übung zu einer Zeit, als Beethoven im Enthusiasmus seiner eigenen Musik gestanden sei. Dies müsse man vor einem breiteren Hintergrund verstehen. «Man glaubte damals an die Modernität, den Fortschritt; auch die Komponisten. Und diese Vorliebe für die Modernität wurde mit einer für die Heimat assoziiert – hier traf sich die Vorliebe für die Romantik mit der für die Nation, womit ich immer ein Problem hatte.»

Xavier Dayer befasste sich bei der Entwicklung seiner Komposition zunächst mit der Melodie dieses Lieds, «noch mehr als mit den Variationen von Beethoven und dessen Harmonisierung». Diese Melodie sei derart einfach, dass sie etwas habe, dem er sich von seinem eigenen Schaffen annähern könne. Er habe sie wie einen Cantus firmus verwendet, eine Melodie, die von aussen gegeben ist und die er in seiner eigenen Musik eher verstecke. «Sie ist wie eine Erinnerung von weit weg, als ob man sich diesen verlorenen Enthusiasmus wieder ins Gedächtnis rufen würde, der verdeckt ist in meiner Musik, die unruhig und beunruhigend sein möchte.»

Konkret hat Xavier Dayer die Melodie des Liedanfangs verwendet. «Wir haben vom Enthusiasmus gesprochen, und diesbezüglich liegt etwas rein Positives in dieser Melodie, die auch harmonisch sehr klar ist, ohne jeglichen Zweifel darin. (…) Sie wird bei meiner Komposition aber in eine Art von Nebel getaucht sein.» Für die Instrumentierung hat Xavier Dayer ein Quartett für Flöte, Klarinette, Geige und Cello gewählt, «eine Besetzung, für die es noch nicht allzu viele Referenzen gibt». Dies habe ihn interessiert, weil dies weniger Druck der Tradition bedeute und dadurch mehr Freiheiten ermögliche. Man mag sich wundern, dass trotz des Beethoven-Bezugs das Piano nicht zum Zug kommt. Doch Xavier Dayer betont, dass er nicht als Pianist, sondern als Gitarrist ausgebildet wurde und deshalb eine Art Komplex in Bezug auf Komponisten-Pianisten empfindet. Gleichwohl benutzt er das Klavier häufig als Werkzeug für seine Arbeit, vor allem um die harmonischen Progressionen kontrollieren zu können.

Wie die Komposition dereinst tönen wird, bleibt in diesem Entwicklungsstadium offen. Aber auch wenn das Stück fertig geschrieben sei, bleibe immer noch enorm viel Raum für die Interpreten. «In der Abfolge der kreativen Schritte bin ich derjenige, der Zeichen vorschlägt, die andere dann mit ihrer Sensibilität und Erfahrung interpretieren werden. Ich verehre die Kunst der Interpretation über alles.» Xavier Dayer betont, dass er es besonders als Zuhörer liebe, zu entdecken, wie sich die Interpreten eine Komposition aneignen. «In diesem Sinn ist auch dieser Teil der Kreation ein essentieller Moment, weil sie erstmals in einem Raum erscheint.» Hinzu kommt die Bedeutung des Publikums. Eine Komposition sei wie ein Liebesbrief, der an sich nicht viel bedeute – vor allem, wenn ihn niemand lese, und insbesondere, wenn ihn niemand beantworte (lacht).

Die Rolle des Komponisten ist zudem in Frage gestellt, spätestens seit Beethovens nur skizzenhaft komponierte 10. Sinfonie zum Jubiläumsjahr mit einem speziell trainierten Algorithmus vollendet wurde. Xavier Dayer betrachtet dies nicht etwa als Gefahr, sondern als «äusserst stimulierende Herausforderung». Er sehe, dass sich auch seine Studierenden mit der Frage befassen, was die Kreation eines Individuums heute noch bedeute. «Ich bewundere Künstler, die den Akt der Kreation hinterfragen. (…) Vielleicht sind wir am Ende eines Zyklus’, in der das kreierende Individuum als eine Art von Genie gesehen und ein Kult darum gemacht wurde.» Dies hat nach seiner Meinung auch komplexe Folgen gezeitigt. «Jede Note von Beethoven, jeder Satz von Goethe vermittelte uns den Eindruck, im Vergleich ganz klein zu sein.» Er denke, dass man nicht einfach weitermachen könne mit dieser Einordnung des Künstlers, der «alles» zu sagen habe. «Heute wird der Künstler wohl anders betrachtet: als jemand, der weder darüber noch darunter, sondern einfach im Kontinuum der sozialen Bindungen steht.»

Xavier Dayer wurde 1972 in Genf geboren. Dort studierte er Komposition mit Eric Gaudibert und in Paris mit Tristan Murail und Brian Ferneyhough (IRCAM – Forschungsinstitut für Akustik/Musik). Er ist Professor für Komposition an der Hochschule der Künste Bern und seit 2009 Beauftragter vom «Master of arts in Composition/Theory». Seit 2011 ist er Präsident der SUISA. Der Kanton Bern zeichnete ihn mit dem Musikpreis 2020 aus. www.xavierdayer.com
Schweizer Beethoven-Reflexionen: Ein Projekt von Murten Classics und der SUISA zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven hatte nur wenig mit der Schweiz zu tun. Aber er hat «Sechs Variationen über ein Schweizerlied» geschrieben, bei dem es sich um das Volkslied «Es hätt e Bur es Töchterli» handelt. Dies ist der Ausgangspunkt für Kompositionsaufträge, die die Sommerfestspiele Murten Classics zusammen mit der SUISA an acht Schweizer Komponistinnen und Komponisten verschiedener Generationen, Ästhetik und Herkunft vergeben haben.

Oscar Bianchi, Xavier Dayer, Fortunat Frölich, Aglaja Graf, Christian Henking, Alfred Schweizer, Marina Sobyanina und Katharina Weber konnten sich auf die Variationen, auf das von Beethoven verwendete Volkslied selbst oder auf Beethoven im Allgemeinen beziehen. Die Kompositionen wurden für das Ensemble Paul Klee geschrieben, das folgende Maximalbesetzung erlaubt: Flöte (auch Piccolo, G- oder Bassflöte), Klarinette (in B oder A), Violine, Viola, Cello, Kontrabass und Klavier.

Initiant dieses 2019 begonnenen Projekts war Kaspar Zehnder, der während 22 Jahren künstlerischer Leiter von Murten Classics gewesen war. Wegen der Corona-Krise und den von den Behörden verordneten Massnahmen war die Durchführung sowohl der 32. Ausgabe im August 2020 als auch des vorgesehenen Ersatzfestivals in den anschliessenden Wintermonaten nicht möglich. Der «SUISA-Tag» mit den acht Kompositionen dieses Projekts wurde – ohne Publikum – am 28. Januar 2021 im KiB Murten dennoch aufgeführt und aufgezeichnet. Die Aufnahmen waren bei Radio SRF 2 Kultur in der Sendung «Neue Musik im Konzert» zu hören und sind auf der Plattform Neo.mx3 erschienen. Im SUISAblog und auf den Social Media-Kanälen der SUISA ist das Projekt mit multimedialen Beiträge online dokumentiert.

www.murtenclassics.ch

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Xavier Dayer liess sich für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» nicht nur von der Melodie des von Beethoven verwendeten Schweizer Lieds inspirieren. Er bezog auch die Situation mit ein, in der sich der damals noch junge Komponist befand. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

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Xavier Dayer ist überzeugt davon, dass die zentrale Bedeutung von Ludwig van Beethoven weit über den Kreis der Komponistinnen und Komponisten wie auch der Musikerinnen und Musiker hinausgeht. «Ich würde sogar sagen, dass er am Anfang des Bildes steht, das man in der breiten Öffentlichkeit von der Romantik und der klischierten Figur des Komponisten hat.» Bei aller Bewunderung für Beethoven stuft er dessen Variationen über ein Schweizer Volkslied nüchtern ein. «Ich denke…Weiterlesen

Label Suisse: Ein buntes Feuerwerk aus Schweizer Musik

Vom 16. bis 18. September 2022 lädt das Festival Label Suisse zum 10. Mal ein, in Lausanne Schweizer Musik aus zahlreichen Sparten zu lauschen. Text von Erika Weibel

Label Suisse: Ein buntes Feuerwerk aus Schweizer Musik

Das dreitägige Festival Label Suisse rückt das Schweizer Musikschaffen ins Rampenlicht. (Foto: Tabea Hüberli & Dirk Hoogendoorn)

Label Suisse findet seit 2004 statt und überrascht bei jeder Austragung mit einer sehr vielseitigen Programmierung. Die bisher 700 000 Zuschauer bei 600 Konzerten und neun Ausgaben zeugen vom Erfolg des Festivals.

Das Festival öffnet alle zwei Jahre seine Tore und ist für das Publikum kostenlos, da die Kosten für die Musik von den Sponsoren getragen werden. 69 Konzerte auf 10 Bühnen: Das Programm präsentiert die musikalische Vielfalt der Schweiz und reicht von Klassik über Neue Volksmusik, Hip-Hop, Pop, Rock, Elektronik, Jazz und Experimentalmusik bis hin zu zeitgenössischer Musik. Das bunte Feuerwerk aus verschiedensten Genres verwandelt Lausanne während der Festivaltage zum Epizentrum der Schweizer Musik.

Geburtsstätte zahlreicher Kompositionen

Im Vorfeld von Label Suisse werden bei jeder Ausgabe Komponistinnen und Komponisten beauftragt, neue Werke zu schaffen, die während dem dreitägigen Festival uraufgeführt werden. Eine der Kreationen dieser Ausgabe entstand in Zusammenarbeit mit dem Radiosender RTS, um das Jubiläum von 100 Radio in der Schweiz zu feiern. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftswerk von Yilian Cañizares und Arthur Hnatek, beide bereits mit dem Schweizer Musikpreis ausgezeichnet. Ein weiteres neu geschaffenes Werk namens «Dédale» wird vom L’Orchestre du Grand Eustache uraufgeführt. Antoine Auberson hat zudem mit dem Organisten Benjamin Righetti für das diesjährige Label Suisse «La Pastorale Alpine» komponiert. Auch das Orchester Harmonie Lausannoise hat sich mit Michel Godard zusammengetan und eine maßgeschneiderte Kreation mit Yumi Ito, Benz Oester und Lucas Niggli erarbeitet.

Der Pianist Colin Vallon wiederum hat Studenten der Hochschule Luzern und Zürich zusammengebracht, um gemeinsam eine neue Komposition zu schaffen. Die Künstlerin Lisa Tatin wird zudem am Sonntag, dem 18. September ein Werk zum Leben erwecken, bei dem sich die Grenzen zwischen Konzert und künstlerischer Performance verwischen.

Somit bietet Label Suisse sowohl den Interpretinnen und Interpreten als auch den Komponistinnen und Komponisten eine wichtige Bühne, was den Besuch des Festivals für das Publikum noch spannender macht.

Das detaillierte Programm und weitere Informationen auf der Website des Festivals:
www.labelsuisse.ch

Die SUISA ist Sponsor dieses vielseitigen und spannenden Festivals, welches den Fokus auf dem Schweizer Musikschaffen hat.

Artikel zum Thema
Label Suisse und SUISA machen Schweizer Musik möglichLabel Suisse und SUISA machen Schweizer Musik möglich | mit Video Vom 18. bis 20. September 2020 findet in Lausanne die neunte Ausgabe des Label Suisse Festivals statt. Die Programmierung dieses biennalen Festivals widmet sich der Schweizer Musikszene in ihrer ganzen Vielfalt. Ein besonderes Highlight: Künstlerinnen und Künstler aus allen Genres haben eigens für das Label Suisse Werke komponiert. Diese Werke werden am Festival zum ersten Mal live aufgeführt. Die SUISA beteiligt sich auch dieses Jahr wieder als einer der Hauptpartner am Festival. Weiterlesen
Musikexport – quo vadis?Musikexport – quo vadis? Covid-19, Digitalisierung, Klimakrise: Musikexport in aussergewöhnlichen Zeiten. Erfahrungen und Gedanken zum Thema von Marcel Kaufmann, verantwortlich für die Auslandpräsenz und die Export-Förderung bei der FONDATION SUISA. Weiterlesen
Warum Mitglieder der SUISA auch einen Beitritt zu SWISSPERFORM in Betracht ziehen solltenWarum Mitglieder der SUISA auch einen Beitritt zu SWISSPERFORM in Betracht ziehen sollten Komponisten und Texter mit einer Mitgliedschaft bei der SUISA, die auch als Interpreten und/oder Produzenten aktiv sind und deren Darbietungen von Schweizer oder ausländischen Radio- und TV-Stationen ausgestrahlt werden, haben ein Recht auf Lizenzgebühren von SWISSPERFORM. Für all diese Urheber-Komponisten-Interpreten/Produzenten ist eine Mitgliedschaft bei SWISSPERFORM deshalb eine notwendige Ergänzung zu derjenigen bei der SUISA, um ihre Rechte und die volle Vergütung, die ihnen zusteht, zu sichern. Weiterlesen
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Vom 16. bis 18. September 2022 lädt das Festival Label Suisse zum 10. Mal ein, in Lausanne Schweizer Musik aus zahlreichen Sparten zu lauschen. Text von Erika Weibel

Label Suisse: Ein buntes Feuerwerk aus Schweizer Musik

Das dreitägige Festival Label Suisse rückt das Schweizer Musikschaffen ins Rampenlicht. (Foto: Tabea Hüberli & Dirk Hoogendoorn)

Label Suisse findet seit 2004 statt und überrascht bei jeder Austragung mit einer sehr vielseitigen Programmierung. Die bisher 700 000 Zuschauer bei 600 Konzerten und neun Ausgaben zeugen vom Erfolg des Festivals.

Das Festival öffnet alle zwei Jahre seine Tore und ist für das Publikum kostenlos, da die Kosten für die Musik von den Sponsoren getragen werden. 69 Konzerte auf 10 Bühnen: Das Programm präsentiert die musikalische Vielfalt der Schweiz und reicht von Klassik über Neue Volksmusik, Hip-Hop, Pop, Rock, Elektronik, Jazz und Experimentalmusik bis hin zu zeitgenössischer Musik.…Weiterlesen

«Die Feinarbeit der Notation benötigt fast mehr Zeit als das Komponieren an sich» | mit Video

Aglaia Graf entwickelte für das Kompositionsprojekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» ein Konzept mit mehreren Sätzen. Diesen liegen je zwei, drei Motive oder Themen zugrunde, die von einem Werk Beethovens inspiriert sind. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Aglaia Graf: Die Feinarbeit der Notation benötigt fast mehr Zeit als das Komponieren an sich»

Aglaia Graf während des Gesprächs über ihre Komposition im März 2020. (Foto: Manu Leuenberger)

Bei diesem Projekt war es kein einfaches Unterfangen für Aglaia Graf, den geeigneten Weg zu ihrer Komposition zu finden. Als erstes schaute sich die Komponistin und Pianistin aus Basel die Noten des von Beethoven verwendeten Schweizer Volkslieds an und las den Text. Dann ging sie mit dem Hund spazieren und sang das Lied – in der Erwartung, dass es etwas in ihr auslöse und zu ihrer Komposition inspiriere. «Doch irgendwie kam nichts, ich fand keinen griffigen Anknüpfungspunkt.» Auch nicht beim Studium von Beethovens Variationen. «Ich muss sagen, dass ich nicht so begeistert bin von diesem Werk, auch wenn man gut nachvollziehen kann, mit welchen Elementen er seine Variationen aufbaut.» Es sei sicher eine Art Studienwerk von ihm, und deshalb hat es mich für meine Komposition nicht direkt inspiriert.

Dann dachte Aglaia Graf, dass sie das allgemeine Element des Volkslieds aufgreifen könnte und suchte andere Schweizer Volkslieder, die sie ansprachen. «Ich fand sehr schöne, schaute, ob darunter Material sei, mit dem ich arbeiten könnte.» Doch auch davon wendete sie sich wieder ab. Sie kam zum Schluss, dass sie ein Konzept entwickeln müsse, um wirklich anfangen zu können. So entschloss sie sich, auf Beethoven im Allgemeinen einzugehen.

Auf die Frage nach der persönlichen Bedeutung von Ludwig van Beethoven stellt Aglaia Graf eine Gegenfrage: «Für welchen Musiker hat Beethoven keine spezielle Bedeutung?». Gerade im Leben eines Pianisten, einer Pianistin sei er von Anfang an wichtig und begleite einen das ganze Leben lang. «Man wächst an seiner Musik, man entwickelt sich mit ihr.» Er sei auch ein absoluter Referenzpunkt, wenn man komponiere. «Durch das Spielen seiner Werke lernt man indirekt auch kompositorisch enorm viel. Das ging auch mir so, bewusst wie auch unterbewusst, hat er sicher viele Spuren hinterlassen.»

Aglaia Graf hat bei Beethoven auch sonst spezielle Erfahrungen gemacht. «Wenn ich als Komponistin oder Pianistin über seinen Stücken sitze, kann es durchaus passieren, dass ich über wenigen Noten stundenlang brüte. Die Wahrnehmung einer bestimmten Stelle ist ein Erlebnis, die Zeitspanne enorm lang. Das Publikum aber, welches das Stück hört, erlebt diesen Moment in vielleicht zwei Sekunden.»

Für Aglaia Graf ist nicht nur die analytische Herleitung spannend. «Beethoven hatte wie fast kein anderer Komponist ein Gespür dafür, wie man seine Musik beim Hören zeitlich erlebt.» Als Komponistin geschehe es schnell, dass man – weil man so viel Zeit mit so wenig Noten verbringe – zu komplex werde und zu viel hineinpacke. Für die Zuhörerschaft sei es dann oft gar nicht mehr erlebbar in der kurzen Zeit, in der sie es hören. Bei Beethoven hingegen schon, das habe sie schon immer fasziniert. «Wenn man im Konzert sitzt, sieht, respektive hört man förmlich, wie ein Gebäude aufgebaut wird, ein Stein nach dem anderen. Das hat mich sehr geprägt, als Musikerin, als Komponistin, als Mensch.»

Mit dem Entscheid, mit ihrer Komposition auf Beethoven im Allgemeinen einzugehen, kam Aglaia Graf dann schnell vorwärts. Sie entwickelte das Konzept von mehreren Sätzen, denen je zwei, drei Motive oder Themen zugrunde liegen, die von einem Werk Beethovens inspiriert sind. «Das könnte auch für das Publikum reizvoll sein: als kleine Höraufgabe, von welchem Stück Beethovens eine solche Passage angeregt ist.» Sie begann mit einem Brainstorming danach zu suchen, welche Motive oder Themen einfliessen könnten: «welche sind mir im Gedächtnis, welche sind einem breiten Publikum bekannt, so dass sie einen Wiedererkennungseffekt haben». Davon traf sie eine Auswahl und überlegte sich, welche sich für welchen Satz eignen, damit sich eine sinnvolle Abfolge ergibt.

Zuerst wollte Aglaia Graf diese Motive und Themen nur als Anknüpfungspunkte verwenden. «Aber es ergab sich nun tatsächlich, dass im letzten Satz daraus Variationen entstanden sind.» Diese beziehen sich auf das Thema des letzten Satzes des «Gassenhauer-Trios» – womit sich der Kreis zu den sechs Variationen von Beethoven über das Schweizer Lied schliesst. «Mein erster Satz bezieht sich zudem auf den ersten Satz des ‹Gassenhauer-Trios›, enthält aber wie die anderen Sätze keine Variationen.» Aglaia Graf betont, dass sie die Motive von Beethoven natürlich nicht «1:1» übernommen habe. Beim volksliedhaften Thema im letzten Satz des «Gassenhauer-Trios» habe sie natürlich nicht die Melodie als Element übernommen, sondern «den Rhythmus und den Charakter, den ich leicht geändert habe – im Original tänzerisch-volksnah, bei mir humoristisch.»

Bereits Anfang 2020 war der Plan entstanden, vier kurze Trio-Sätze für Klavier, Cello und Klarinette zu schreiben. «Meine letzte Auftragskomposition war für Klarinette solo, so war ich schon in dieser Klangwelt. Ich spiele zudem mit dem englischen Cellisten Benjamin Gregor-Smith in einem Duo. So hat sich diese Besetzung herauskristallisiert; zudem schrieb auch Beethoven für diese Besetzung, eben das berühmte ‹Gassenhauer-Trio›.»

Zur Zeit des Gesprächs Mitte März 2020 hatte sie für diese Besetzung bereits grosse Teile des ersten, zweiten und vierten Satzes komponiert – «wenn auch teilweise erst im Hinterkopf», wie sie lachend anfügt. «Der erste Satz ist eigentlich fertig, auch im Notenbild mit allen Details, bei den anderen zwei Sätzen stehen erst die Noten. Die Feinarbeit der Notation, die in meinem Kopf längst klar ist, benötigt fast mehr Zeit als das Komponieren an sich.» Für den dritten Satz tendiert sie nun dazu, diesen als eine Art Interludium zum letzten Satz zu gestalten, vermutlich für Cello solo. Bei den Kompositionsteilen, die nicht auf Motiven basieren, «habe ich gewisse kompositorische Elemente, die bei Beethoven oder in der Klassik allgemein sehr wichtig sind, aufgegriffen, besonders im ersten Satz».

Aglaia Graf wurde 1986 in Basel geboren. Sie schloss dort ihr Konzertdiplom als Pianistin mit Auszeichnung ab und setzte ihr Studium in Wien und Paris fort. Sie besuchte Meisterkurse von Andràs Schiff, Paul Badura-Skoda, Dimitri Bashkirov, Klaus Hellwig u.v.a. Seit ihrem 15. Lebensjahr komponierte sie viele Werke, v. a. für Klavier und Cello/Klavier. Sie leitet eine Klavierklasse an der Musikakademie Basel und gibt Masterclasses wie zuletzt in Russland. 2006 wurde ihr der Europäische Kulturförderpreis verliehen. www.aglaiagraf.com
Schweizer Beethoven-Reflexionen: Ein Projekt von Murten Classics und der SUISA zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven hatte nur wenig mit der Schweiz zu tun. Aber er hat «Sechs Variationen über ein Schweizerlied» geschrieben, bei dem es sich um das Volkslied «Es hätt e Bur es Töchterli» handelt. Dies ist der Ausgangspunkt für Kompositionsaufträge, die die Sommerfestspiele Murten Classics zusammen mit der SUISA an acht Schweizer Komponistinnen und Komponisten verschiedener Generationen, Ästhetik und Herkunft vergeben haben.

Oscar Bianchi, Xavier Dayer, Fortunat Frölich, Aglaja Graf, Christian Henking, Alfred Schweizer, Marina Sobyanina und Katharina Weber konnten sich auf die Variationen, auf das von Beethoven verwendete Volkslied selbst oder auf Beethoven im Allgemeinen beziehen. Die Kompositionen wurden für das Ensemble Paul Klee geschrieben, das folgende Maximalbesetzung erlaubt: Flöte (auch Piccolo, G- oder Bassflöte), Klarinette (in B oder A), Violine, Viola, Cello, Kontrabass und Klavier.

Initiant dieses 2019 begonnenen Projekts war Kaspar Zehnder, der während 22 Jahren künstlerischer Leiter von Murten Classics gewesen war. Wegen der Corona-Krise und den von den Behörden verordneten Massnahmen war die Durchführung sowohl der 32. Ausgabe im August 2020 als auch des vorgesehenen Ersatzfestivals in den anschliessenden Wintermonaten nicht möglich. Der «SUISA-Tag» mit den acht Kompositionen dieses Projekts wurde – ohne Publikum – am 28. Januar 2021 im KiB Murten dennoch aufgeführt und aufgezeichnet. Die Aufnahmen waren bei Radio SRF 2 Kultur in der Sendung «Neue Musik im Konzert» zu hören und sind auf der Plattform Neo.mx3 erschienen. Im SUISAblog und auf den Social Media-Kanälen der SUISA ist das Projekt mit multimedialen Beiträge online dokumentiert.

www.murtenclassics.ch

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Aglaia Graf entwickelte für das Kompositionsprojekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» ein Konzept mit mehreren Sätzen. Diesen liegen je zwei, drei Motive oder Themen zugrunde, die von einem Werk Beethovens inspiriert sind. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Aglaia Graf: Die Feinarbeit der Notation benötigt fast mehr Zeit als das Komponieren an sich»

Aglaia Graf während des Gesprächs über ihre Komposition im März 2020. (Foto: Manu Leuenberger)

Bei diesem Projekt war es kein einfaches Unterfangen für Aglaia Graf, den geeigneten Weg zu ihrer Komposition zu finden. Als erstes schaute sich die Komponistin und Pianistin aus Basel die Noten des von Beethoven verwendeten Schweizer Volkslieds an und las den Text. Dann ging sie mit dem Hund spazieren und sang das Lied – in der Erwartung, dass es etwas in ihr auslöse und zu ihrer Komposition inspiriere. «Doch irgendwie kam nichts, ich fand keinen griffigen Anknüpfungspunkt.» Auch nicht beim Studium…Weiterlesen

«Beethovens Musik ist sehr groovy. Ich denke, wenn er heute leben würde, wäre er wohl der Modern-Jazzrock-Freak.» | mit Video

Marina Sobyanina bezieht sich in ihrer Komposition für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» auf viele Aspekte des grossen Komponisten. Sie setzte aber auch viele moderne Methoden ein und stellte sich musikalische Passagen auch als grafische Figuren vor. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Marina Sobyanina: Beethovens Musik ist sehr groovy

Marina Sobyanina beim Interview über ihre Komposition «Quasi una Fantasia» im Februar 2020. (Foto: Manu Leuenberger)

Ludwig van Beethoven hat eine spezielle Bedeutung für Marina Sobyanina. «Die ersten richtigen Stücke, die ich als Kind im Klavierunterricht spielen konnte, waren Pianosonaten von Beethoven», erklärt die in Russland geborene und in Bern lebende Komponistin. «Meine Schwester hatte einen grossen Einfluss auf mich, weil sie zwölf Jahre älter ist als ich und damals – neben meiner Klavierlehrerin – die wichtigste musikalische Bezugsperson für mich war. Sie ist klassische Pianistin und denkt noch immer, dass man wie Beethoven komponieren sollte.»

Dieser Ansicht ist Marina Sobyanina bestimmt nicht. Und trotzdem darf man vermuten, dass sie sich in einer aktuellen Komposition auf ihn bezog. Denn 2018 benannte sie ein Stück «Taub’N» und liess damit an Beethovens Ertauben denken: Wie wäre es, Musik zu komponieren, ohne etwas hören zu können? Dies sei tatsächlich ihre erste Idee für die «Schweizer Beethoven-Reflexionen» gewesen, bestätigt sie. «Aber damit würde ich mich ja wiederholen, da ich diese Vorstellung bereits ausgedrückt habe.» Kurz hatte die Komponistin auch die Idee, «Micro Variations» zu kreieren. «Ich wollte ein kleines Motiv nehmen und es dann zu Hunderten von Variationen entwickeln. Aber ich gab die Idee auf, weil man dazu ein Computer sein müsste – und das wollte ich nicht, weil ich es nicht bin.»

Als weiteren Ansatz wählte Marina Sobyanina dann Beethovens Methode mit kurzen Motiven: Wie er diese überarbeitete, Teile wegschnitt und dies dann wiederholte. Es sei eine Art von zyklischer Arbeit mit Motiven, was wiederum zum Text des Schweizer Volkslieds passe. Dort verspricht Dursli ja, jedes Jahr in die Heimat zurückzukommen und bei den Eltern des geliebten Babeli erneut um deren Hand anzuhalten. Dann begann sie nach Motiven zu suchen, die sich in Beethovens Werk oft wiederholen, «aber nicht so leicht erkennbar sind, da es meine Komposition bleiben sollte». Marina Sobyanina gab jedoch auch diese Idee bald auf. «Auch dies wäre limitierend gewesen, eine Art von Puzzle, bei dem man nur die Teile zusammenfügen muss.»

Sie konzentrierte sich stattdessen auf Beethovens Variationen über ein Schweizerlied, vor allem auf die erste und zweite. «Ich behielt zudem einige Motive, die sehr charakteristisch für Beethoven sind. Und Arbeitsmethoden wie das Spiel mit der Oktavierung, Modulationen mit Arpeggi, die in den tieferen Lagen folgen, grosse Akkorde, die unterschiedliche und auch gegensätzliche Register kombinieren sowie Aspekte, die seinen Pianostil erkennbar machen.»

Schliesslich befasste sich Marina Sobyanina mit der ersten Variation, die sie während des Gesprächs Ende Februar 2020 gleich vorspielt. Sie stellte sich vor, dass die melodischen Linien für die rechte und die linke Hand keine Noten mit bestimmten Parametern wie Tonhöhe usw. sind, sondern Konturen einer Silhouette. Wenn man den Raum zwischen diesen Rändern visuell ausfülle, entstehe eine Art Bild. Und in diesem sah die Komponistin verschiedene Gestalten ineinanderfliessen (siehe Bild), was «eigenartige musikalische Assoziationen entstehen liess».

Quasi una Fantasia

Auszug aus der Partitur. (Foto: Marina Sobyanina)

Sie erklärt dies so: «Wenn ich meine Augen schloss und mir meine Musik vorzustellen versuchte, dann waren da immer humoristische Passagen von Arpeggi, Tremoli oder (spielt etwa vor). Als ich dann versuchte, diese musikalischen Passagen nur als grafische Figuren zu sehen, fand ich, dass dieser Teil wie ein Typ auf einem Pony aussieht, der auf die andere Seite zeigt.» So habe sie eine Einleitung geschaffen, welche von einer C-Variation ausgehe (singt gleich vor).

In diesen bildhaften Vorstellungen von Marina Sobyanina tauchen Cartoon-Figuren auf, die zu fliegen versuchen, und Schwäne, die sie in den Rücken treten. «Ich versuche mir einfach vorzustellen, welche Art von Musik dies sein sollte. Deshalb habe ich auch einen Teil namens ‹The Train› komponiert, der mit sehr tiefen Arpeggi beginnt, etwas in der Art zwischen Beethoven und Strawinski, sich dann beschleunigt und in die höheren Tonlagen aufsteigt.»

In den folgenden zwei Teilen wollte Marina Sobyanina einfach ihre Vorstellungskraft fliessen zu lassen und sich nicht zu fest an die grafische Partitur zu klammern. Dabei habe sie immer wieder die oben erwähnten Methoden aus Beethovens Werk eingesetzt, auch die massiven Akkorde, die er so geliebt habe. «Ich verwendete auch einige Zitate, etwa eines aus ‹Fidelio›. Ein weiteres Zitat ist die Harmonie vom Beginn der neunten Sinfonie (spielt vor). Und ich verwende auch ein Motiv aus einer Sonate, das die exakt gleiche Melodielinie hat wie in der C-Dur-Messe (spielt und singt vor). Fragmente dieser Melodie tauchen durch das ganze Stück immer wieder auf, jedoch moduliert.»

Marina Sobyanina ist der Ansicht, dass Beethovens Musik etwas sehr Körperliches habe. «Sie ist auch sehr groovy. Ich denke, wenn er heute leben würde, wäre er wohl der Modern-Jazzrock-Freak.» Entsprechend hat sie eine Passage mit präpariertem Piano komponiert, die sehr groovy sei. «Der Pianist spielt da wie ein Schlagzeuger, anderswo kratzt er mit einem Ring auf den Saiten.» Und dann gebe es auch eine kurze Öffnung in ein anderes musikalisches Universum – wie ein Bebop-Fragment. Dies habe sie aber noch nicht ausgeschrieben, weil der entsprechende Musiker dies eventuell besser improvisieren als sie es komponieren könne.

Die Idee der Improvisation hat sich auch in der von Marina Sobyanina verwendeten Methode des «Micro Loopings» niedergeschlagen. «Ich wollte reflektieren, dass auch Beethoven viel über den ausgeschriebenen Kadenzen improvisierte.» In einem Teil ihrer Komposition spiele nun jedes Instrument einen Loop mit einem eigenen Tempo und ungefähr den selben Akzenten zu jedem Ton, deshalb erschienen alle Töne an einer anderen Stelle. «Die Loops verschieben sich so horizontal, kommen dann aber beim Einsatz eines Instrumentes wieder zusammen, wie dies der nächste Teil erfordert.»

Marina Sobyanina wurde 1986 in Russland geboren und studierte bis 2010 in Russland Kunstgeschichte. 2014 machte sie an der Hochschule der Künste in Bern den Bachelor of Arts in «Jazz & Vocal Performance» und 2017 den Master of Arts in «Composition & Theory». Seither verfolgt sie ein breites Feld von Projekten zwischen zeitgenössischer Musik, experimentellem Jazz, Theater und Film. www.marinasobyanina.com
Schweizer Beethoven-Reflexionen: Ein Projekt von Murten Classics und der SUISA zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven hatte nur wenig mit der Schweiz zu tun. Aber er hat «Sechs Variationen über ein Schweizerlied» geschrieben, bei dem es sich um das Volkslied «Es hätt e Bur es Töchterli» handelt. Dies ist der Ausgangspunkt für Kompositionsaufträge, die die Sommerfestspiele Murten Classics zusammen mit der SUISA an acht Schweizer Komponistinnen und Komponisten verschiedener Generationen, Ästhetik und Herkunft vergeben haben.

Oscar Bianchi, Xavier Dayer, Fortunat Frölich, Aglaja Graf, Christian Henking, Alfred Schweizer, Marina Sobyanina und Katharina Weber konnten sich auf die Variationen, auf das von Beethoven verwendete Volkslied selbst oder auf Beethoven im Allgemeinen beziehen. Die Kompositionen wurden für das Ensemble Paul Klee geschrieben, das folgende Maximalbesetzung erlaubt: Flöte (auch Piccolo, G- oder Bassflöte), Klarinette (in B oder A), Violine, Viola, Cello, Kontrabass und Klavier.

Initiant dieses 2019 begonnenen Projekts war Kaspar Zehnder, der während 22 Jahren künstlerischer Leiter von Murten Classics gewesen war. Wegen der Corona-Krise und den von den Behörden verordneten Massnahmen war die Durchführung sowohl der 32. Ausgabe im August 2020 als auch des vorgesehenen Ersatzfestivals in den anschliessenden Wintermonaten nicht möglich. Der «SUISA-Tag» mit den acht Kompositionen dieses Projekts wurde – ohne Publikum – am 28. Januar 2021 im KiB Murten dennoch aufgeführt und aufgezeichnet. Die Aufnahmen waren bei Radio SRF 2 Kultur in der Sendung «Neue Musik im Konzert» zu hören und sind auf der Plattform Neo.mx3 erschienen. Im SUISAblog und auf den Social Media-Kanälen der SUISA ist das Projekt mit multimedialen Beiträge online dokumentiert.

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Marina Sobyanina bezieht sich in ihrer Komposition für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» auf viele Aspekte des grossen Komponisten. Sie setzte aber auch viele moderne Methoden ein und stellte sich musikalische Passagen auch als grafische Figuren vor. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Marina Sobyanina: Beethovens Musik ist sehr groovy

Marina Sobyanina beim Interview über ihre Komposition «Quasi una Fantasia» im Februar 2020. (Foto: Manu Leuenberger)

Ludwig van Beethoven hat eine spezielle Bedeutung für Marina Sobyanina. «Die ersten richtigen Stücke, die ich als Kind im Klavierunterricht spielen konnte, waren Pianosonaten von Beethoven», erklärt die in Russland geborene und in Bern lebende Komponistin. «Meine Schwester hatte einen grossen Einfluss auf mich, weil sie zwölf Jahre älter ist als ich und damals – neben meiner Klavierlehrerin – die wichtigste musikalische Bezugsperson für mich war. Sie ist klassische Pianistin und denkt…Weiterlesen

Floating Notes Festival: abseits des Mainstreams

Am vergangenen Wochenende fand die zweite Ausgabe des Floating Notes Festivals in San Bernardino (GR) statt. Der Anlass bot dem Publikum auch dieses Jahr wieder experimentelle und avantgardistische Musik. Sechs Künstlerinnen und Künstler respektive Bands zeigten dem Publikum ein breites Spektrum musikalischen Schaffens. Die SUISA war auch dieses Jahr wieder Partnerin des Festivals. Text von Giorgio Tebaldi

Floating Notes Festival: abseits des Mainstreams

Das Floating Notes Festival bietet experimentelle und avantgardistische Musik im Fabrikgebäude der Mineralwasserquelle von San Bernardino auf 1600 Meter über Meer. (Foto: Giorgio Tebaldi)

Es braucht Mut, um in der Schweiz ein neues Musikfestival aus dem Boden zu stampfen; besitzen wir doch hierzulande eine der höchsten Festivaldichten weltweit. Und vor allem muss man sich bei dieser Fülle an Festivals differenzieren, um ein Publikum anzuziehen.

Klangexperimente

Genau das macht das Floating Notes Festival, das 2021 von der Komponistin und Harfenistin Kety Fusco in Leben gerufen wurde und am Wochenende des 22./23. Juli 2022 zum zweiten Mal stattfand. Das Festival will musikalische Grenzen sprengen und dem Publikum Künstlerinnen und Künstler präsentieren, deren Musik fernab des Mainstreams liegt. Im Zentrum steht experimentelle Musik. Und mit «experimentell» sind am Floating Notes nicht nur die Klänge gemeint, sondern auch die Instrumente. So spielte bei der ersten Ausgabe 2021 beispielsweise der Schweizer Klangkünstler Simon Berz auf seinem Instrument «Tectonic», das er aus vulkanischen Klangsteinen aus Island gebaut hat. Bei der diesjährigen Ausgabe präsentierte der Berner Komponist, Akkordeonist und Klangkünstler Mario Batkovic nach dem Set auf dem traditionellen Akkordeon auch sein eigen konstruiertes «digitales Akkordeon».

Experimentelle und avantgardistische Musik gab es auch von den anderen Künstlerinnen und Künstlern am Floating Notes Festival. Am ersten Abend spielten die Zürcher Komponistin und Klangkünstlerin Noémi Büchi, die Westschweizer Komponistin, Künstlerin, Perkussionistin und Preisträgerin des Schweizer Musikpreises Béatrice Graf sowie das Tessiner Künstlerkollektiv Niton (Zeno Gabaglio, El Toxyque und Luca Xelius Martegani). Am zweiten Abend standen neben Mario Batkovic auch die italienische Songwriterin und Musikerin Marta del Grandi mit ihren Mitmusikerinnen auf der Bühne sowie Víz, das Solo-Projekt der in Zürich ansässigen Komponistin, Künstlerin, Musikerin und Performerin Réka Csiszér.

Musik an der Quelle

Ebenso wenig Mainstream wie die Musik und die Künstler/innen ist auch der Ort: Das Festival findet jeweils im Fabrikgebäude der Mineralwasserquelle von San Bernardino auf 1600 Meter über Meer statt – rund 40 Minuten Fahrt von Bellinzona und eine Stunde von Chur entfernt. Das italienischsprachige Dorf im Kanton Graubünden ist vielen vor allem als Tourismusort bekannt – mit dem Floating Notes Festival kommt nun auch noch eine kulturelle Attraktion hinzu.

www.floating-notes.com

Die SUISA ist seit der ersten Ausgabe Sponsoringpartnerin des Floating Notes Festivals.

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Am vergangenen Wochenende fand die zweite Ausgabe des Floating Notes Festivals in San Bernardino (GR) statt. Der Anlass bot dem Publikum auch dieses Jahr wieder experimentelle und avantgardistische Musik. Sechs Künstlerinnen und Künstler respektive Bands zeigten dem Publikum ein breites Spektrum musikalischen Schaffens. Die SUISA war auch dieses Jahr wieder Partnerin des Festivals. Text von Giorgio Tebaldi

Floating Notes Festival: abseits des Mainstreams

Das Floating Notes Festival bietet experimentelle und avantgardistische Musik im Fabrikgebäude der Mineralwasserquelle von San Bernardino auf 1600 Meter über Meer. (Foto: Giorgio Tebaldi)

Es braucht Mut, um in der Schweiz ein neues Musikfestival aus dem Boden zu stampfen; besitzen wir doch hierzulande eine der höchsten Festivaldichten weltweit. Und vor allem muss man sich bei dieser Fülle an Festivals differenzieren, um ein Publikum anzuziehen.

Klangexperimente

Genau das macht das Floating Notes Festival, das 2021 von der Komponistin und…Weiterlesen

«Die Klarinette soll als Individuum wirken, das kämpft und den Weg sucht» | mit Video

Katharina Weber bezieht sich in ihrer Kompositionsarbeit für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» nicht nur auf Beethovens Variationen über ein Schweizer Lied und dessen Text. Sie lässt auch die Klangwelt von John Cage einfliessen. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Katharina Weber: «Die Klarinette soll als Individuum wirken, das kämpft und den Weg sucht»

Katharina Weber im Gespräch über ihr Werk «Badurbelisli», das sich zum Zeitpunkt des Interviews im Februar 2020 noch in Entstehung befand. (Foto: Manu Leuenberger)

Ludwig van Beethoven und seine «Variationen über ein Schweizerlied» haben eine spezielle Bedeutung für Katharina Weber. «Diese Variationen gehören zu den ersten Stücken eines grossen Komponisten, die ich als Kind spielen durfte.» Die Berner Pianistin und Komponistin erklärt im Gespräch von Anfang Februar 2020 auch, dass Musik im Leben der Familie stets wichtig gewesen sei, da die Grossmutter als Geigerin wirkte und der Grossvater fast Pianist geworden war.

Katharina Weber findet Beethovens Variationen noch heute spannend, weil jede auf ihre Weise sehr charakteristisch sei. «Und ich habe mich gefragt, ob Beethoven sich auch auf den Text bezogen hat, etwa mit den mal marschartigen, dann wieder ganz weichen, lyrischen Teilen.» Die Geschichte des Originalliedes stand denn auch am Anfang der Überlegungen, wie sie den Kompositionsauftrag umsetzen könnte. Der Text handelt vom Dursli, der Babeli zur Frau haben will, von deren Eltern aber abgewiesen wird, weil Babeli noch zu klein sei, und deshalb in fremde Kriegsdienste nach Flandern geht.

Diese Geschichte hat Katharina Weber sogleich berührt, weshalb der Gedanke nahelag, darauf Bezug zu nehmen. «Es ist eine tragische Liebesgeschichte, gerade wenn man bedenkt, dass auch heute noch viele Leute ihre Heimat verlassen müssen.» Sie versteht die Geschichte persönlich auch als Metapher für die Liebe als Ideal: «Er verspricht, dass er sein Leben lang an ihr festhalten werde». Es gehe letztlich um die Polarität zwischen realistischen Zwängen und idealistischen Wünschen.

In den Weihnachtsferien 2019 entwarf Katharina Weber nicht nur das Grundkonzept des Stücks und begann improvisierend, Töne zu notieren. «Ich habe damals beschlossen, die Klarinette als Individuum gegenüber den Streichern einzusetzen, die gewissermassen als Familie von Babeli oder auch als die Gesellschaft wirken. Der Klavier-Teil wird sich auf die Variationen von Beethoven beziehen, jedoch nicht harmonisch, sondern mehr mit den rhythmischen Varianten, so dass man den Bezug zu Beethoven erkennen kann.» Es soll aber «eine ganz andere Klangwelt» vorherrschen, und damit kommen wir zu John Cage.

Katharina Weber erzählt, dass einst der Komponist Urs Peter Schneider im Unterricht viel von Cage geredet habe. «Er sagte mir, dass Cage Beethoven und dessen Streben nach Höherem und die Suche nach fernem Geliebtem gar nicht mochte, dass Mozart viel mehr im Leben gestanden habe. Er stellte eine Polarität zwischen Beethoven und Mozart her, die mich damals sehr beschäftigt hat.» Von Cage stammten zudem die ersten modernen Stücke, die Katharina Weber im Alter von etwa 13 Jahren mit der Klavierlehrerin Janka Wyttenbach, der Frau des Komponisten Jürg Wyttenbach, gespielt hat. «Wir spielten die Klavierstücke von Cage, die ich zuerst auf dem normalen Flügel zuhause geübt hatte, im Konservatorium dann auf dem präparierten Flügel – und es klang so anders, das war ein wirklich besonderes Erlebnis.»

Nun nimmt Katharina Weber in ihrer Komposition Bezug auf John Cage, indem sie den Klavierklang mit Magneten an den Saiten verfremdet, wie Cage dies in den «Sonatas and Interludes» entwickelt hatte. Cage sei ihr auch wichtig, «weil er lehrte, den Zufall anzunehmen». Sie wolle aber keineswegs das Monument der Moderne gegen die beiden der Vergangenheit, Beethoven und Mozart, ausspielen. Sie versuche vielmehr, diese drei zusammenzubringen.

Gut einen Monat nach den Weihnachtsferien hat Katharina Weber einiges festgelegt. Die Streicherklänge, die die Familie repräsentieren, sollen harmonische Strukturen ergeben. Die Klarinette als Soloinstrument soll hingegen melodisch wirken und Bewegung hineinbringen – «als Individuum, das kämpft und den Weg sucht». Sie setze aber auch den Kontrabass als Gegensatz zur «Familie» von Geige, Bratsche und Cello ein, entsprechend zum Hauptmann, der Dursli als Söldner anheuert. Dass der Vater sein Töchterchen partout nicht hergeben will und Dursli trotzdem das erstrebte Ziel nicht aufgibt, will die Komponistin im gesamten Stück «mit Flageolett-Tönen der Geige andeuten, die sehr fern wirken, einer Ebene des Himmelweiten».

Katharina Weber versucht sich nun vorzustellen, wie die einzelnen Instrumente tönen sollen und kontrolliert dann am Klavier nach; auch die Töne, die sie bereits notiert hat. So lange, bis die verwendeten Töne und Rhythmen «verhäbe», wie sie lachend erklärt. «Der Tonraum der ‘Familie’ etwa ist zunächst recht eng und weitet sich dann durch den Kontrabass, der tief hinab geht.» Von der letzten Strophe, die derart aus dem Rahmen eines Volklieds hinausgehe, dass Katharina Weber sie gleich vorsingt, möchte sie den ganzen Text verwenden, gesprochen oder gesungen oder gar als Sprechgesang:’U wenn der Himmel papierge wär/u jede Stern ä Schriber wär/u jede Schriber hätt siebe, siebe Händ,/si schribe doch all meiner Liebi kes End‘. «Von den anderen zehn Strophen möchte ich nur wenige Worte verwenden, so dass man die Geschichte gerade noch erraten kann.»

Zur Zeit des Gesprächs ist vieles erst skizziert, es kann sich also noch einiges ändern. Trotzdem erwartet Katharina Weber, dass etwas ihr Stück auf eine Weise prägen werde, die typisch für Kompositionen von ihr ist: «Der harmonische Raum, den ich mit den Streichern schaffen möchte, ähnelt demjenigen eines anderen Stücks von mir, in dem jedoch eine Flöte die solistische Rolle spielt». Katharina Weber ist sich zudem sicher, dass es eine bis ins Detail festgelegte Komposition werden wird, obwohl sie sich auch mit improvisierter Musik einen Namen geschaffen hat. «Es wäre schwierig, Freiraum zu lassen; auch weil es ein relativ grosses Ensemble ist und nur kurze Zeit (für die Probe) besteht.» Sie habe eine klare Vorstellung, wie ihre Komposition tönen müsse. «Und doch bin ich jedes Mal erfreut, wenn ich dann die wirklichen Klänge der Instrumente, ihre Sinnlichkeit, höre.»

Katharina Weber wurde 1958 in Bern geboren. Sie studierte in Basel und Bern Klavier mit Jürg Wyttenbach, Urs Peter Schneider, Erika Radermacher und Jörg Ewald Dähler. Zudem besuchte sie Meisterkurse mit Yehudi Menuhin, György Kurtág, Pauline Oliveros, Fred Frith, Alex von Schlippenbach, Barre Phillips u.a. Katharina Weber unterrichtet Klavier und Improvisation an der Musikschule Konservatorium Bern sowie an der Hochschule der Künste Bern. www.katharinaweber.ch
Schweizer Beethoven-Reflexionen: Ein Projekt von Murten Classics und der SUISA zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven hatte nur wenig mit der Schweiz zu tun. Aber er hat «Sechs Variationen über ein Schweizerlied» geschrieben, bei dem es sich um das Volkslied «Es hätt e Bur es Töchterli» handelt. Dies ist der Ausgangspunkt für Kompositionsaufträge, die die Sommerfestspiele Murten Classics zusammen mit der SUISA an acht Schweizer Komponistinnen und Komponisten verschiedener Generationen, Ästhetik und Herkunft vergeben haben.

Oscar Bianchi, Xavier Dayer, Fortunat Frölich, Aglaja Graf, Christian Henking, Alfred Schweizer, Marina Sobyanina und Katharina Weber konnten sich auf die Variationen, auf das von Beethoven verwendete Volkslied selbst oder auf Beethoven im Allgemeinen beziehen. Die Kompositionen wurden für das Ensemble Paul Klee geschrieben, das folgende Maximalbesetzung erlaubt: Flöte (auch Piccolo, G- oder Bassflöte), Klarinette (in B oder A), Violine, Viola, Cello, Kontrabass und Klavier.

Initiant dieses 2019 begonnenen Projekts war Kaspar Zehnder, der während 22 Jahren künstlerischer Leiter von Murten Classics gewesen war. Wegen der Corona-Krise und den von den Behörden verordneten Massnahmen war die Durchführung sowohl der 32. Ausgabe im August 2020 als auch des vorgesehenen Ersatzfestivals in den anschliessenden Wintermonaten nicht möglich. Der «SUISA-Tag» mit den acht Kompositionen dieses Projekts wurde – ohne Publikum – am 28. Januar 2021 im KiB Murten dennoch aufgeführt und aufgezeichnet. Die Aufnahmen waren bei Radio SRF 2 Kultur in der Sendung «Neue Musik im Konzert» zu hören und sind auf der Plattform Neo.mx3 erschienen. Im SUISAblog und auf den Social Media-Kanälen der SUISA ist das Projekt mit multimedialen Beiträge online dokumentiert.

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Katharina Weber bezieht sich in ihrer Kompositionsarbeit für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» nicht nur auf Beethovens Variationen über ein Schweizer Lied und dessen Text. Sie lässt auch die Klangwelt von John Cage einfliessen. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Mike Korner

Katharina Weber: «Die Klarinette soll als Individuum wirken, das kämpft und den Weg sucht»

Katharina Weber im Gespräch über ihr Werk «Badurbelisli», das sich zum Zeitpunkt des Interviews im Februar 2020 noch in Entstehung befand. (Foto: Manu Leuenberger)

Ludwig van Beethoven und seine «Variationen über ein Schweizerlied» haben eine spezielle Bedeutung für Katharina Weber. «Diese Variationen gehören zu den ersten Stücken eines grossen Komponisten, die ich als Kind spielen durfte.» Die Berner Pianistin und Komponistin erklärt im Gespräch von Anfang Februar 2020 auch, dass Musik im Leben der Familie stets wichtig gewesen sei, da die Grossmutter als Geigerin wirkte und der Grossvater fast Pianist geworden…Weiterlesen

«Songs müssen für mich eine lyrische Tiefe haben»

Am 25. Mai 2022 wird an den Swiss Music Awards per Publikumsvoting auch der «Best Hit» für die beste Komposition ermittelt. Nominiert für die von der SUISA präsentierte Auszeichnung sind Zian, Joya Marleen und Lo & Leduc. Wir haben bei Zian und Henrik Amschler nachgefragt, welche Rolle der Text für den Song «Show You» spielt. Interview von Gastautor Markus Ganz

Zian und Henrik Amschler: «Songs müssen für mich eine lyrische Tiefe haben»

Zian (links) und Henrik Amschler. (Fotos: Jen Ries; Nina Müller)

Wie wichtig sind eurer Meinung nach die Lyrics für einen Song?

Zian: Für mich ist ganz klar: Die Lyrics sind entscheidend, ob ein Song sich länger halten kann oder nicht. Alle Songs, die über Jahrzehnte immer wieder angehört werden, sind Songs, die auch eine lyrische Tiefe haben. Deshalb sind Texte extrem wichtig. Kurzfristig mag ihre Bedeutung gleich gross wie die der Musik sein, was der Tantièmen-Aufteilung der SUISA entspricht. In längerer Hinsicht sind Texte aber wohl wichtiger, weil sie eine zusätzliche Ebene schaffen.

Ist die Musik bzw. der Sound also vergänglicher als ein guter Text?

Zian: Ich glaube, dass der Sound vor allem den Text unterstreicht. Wer zuhört, muss sich in einem Sound finden, der den Text unterstützt. Den alleinstehenden Text kann man zwar als Poesie verstehen, wenn es ein guter Text ist. Aber wir zielen ja darauf hin, in drei Minuten eine Geschichte zu erzählen, die vielleicht über mehrere Jahre passiert ist.
Henrik Amschler: Ich finde Vergänglichkeit nicht schlecht. Texte sind aber per se nicht so vergänglich wie Musik, die immer auch Trends folgt. Dies ist jedoch stark abhängig von den Künstlern und der Art ihrer Musik; in der Dancemusic etwa braucht es keine Tiefe in den Texten – sie soll zum Tanzen animieren. Bei Künstlern wie Zian ist es hingegen sehr wichtig, was sie in den Texten sagen, entsprechend sind die Songs weniger vergänglich.

Mit englischen Texten erweitert ihr den potentiellen Hörerkreis. Aber wären Mundarttexte nicht naheliegender beim Schreiben?

Henrik Amschler: Man darf nicht vergessen, dass sowohl der Schweizer Musikmarkt wie auch die Leute in der Schweiz allgemein stark international beeinflusst sind, vor allem vom englischen Sprachraum. Das heisst, bei gewissen Stilrichtungen kann man mit Texten in Englisch auf einer anderen Ebene starten, als dies mit Mundarttexten der Fall wäre. Viele Schweizer Künstler haben auch gezeigt, dass man zuerst im Ausland Erfolg haben muss, damit man in der Schweiz überhaupt wahrgenommen, auch ernstgenommen wird.

Habt ihr eine typische Vorgehensweise beim Schreiben von Songtexten?

Henrik Amschler: Tendenziell kann man schon sagen, dass wir ein Muster haben. Oft stellt mir Zian eine Idee vor und fragt nach meiner Meinung. Wenn ich begeistert bin, sage ich «Let’s go», sonst diskutieren wir weiter. Im Prozess bin ich dann aber eher für die musikalischen Aspekte zuständig. Zian steht immer im Mittelpunkt, denn der Text muss von ihm, aus seiner Persönlichkeit herauskommen.
Zian: Ja, denn er muss ehrlich sein.

Die Glaubwürdigkeit der Zian-Songs hängt also davon ab, dass man beim Hören spürt, dass Zian über etwas Persönliches singt?

Henrik Amschler: Die lyrische Absicht muss immer klar erkennbar von ihm kommen, deshalb ist er beim Text mehr involviert als ich; ich habe mehr eine stützende Funktion. Der Song «Show You» ist denn auch aus einer persönlichen Geschichte von Zian heraus entstanden, wie eigentlich alle unsere Lieder.

Was ist üblicherweise der Triggerpunkt für einen Text, für einen Song?

Beide: Das kann alles sein.
Zian: Oft ist es irgendeine Situation, und dann spürt man plötzlich, dass da etwas ist und dass man daran weiterarbeiten kann.
Henrik Amschler: Bei Zian merkt man auch beim Schreiben der Texte, dass er sehr musikalisch ist, er ist ja ein Multiinstrumentalist.
Zian: Es ist für mich vor allem eine starke Gefühlssache, da ist viel Herz dabei.
Henrik Amschler: Oft entscheidet auch, auf was wir gerade Lust haben, was gerade im Kopf ist und raus muss, in einen Text gefasst werden will, und dann machen wir die Musik dazu.
Zian: Oft kristallisiert sich dann ein Wort heraus, und wir spüren, in welcher Welt sich dieser Song befindet, das kann traurig sein und sich dann doch Richtung «happy» entwickeln.

Entwickelt ihr Musik und Text dann parallel weiter?

Zian: Ja, bis zu einem gewissen Punkt, wo es sich dann lohnt, den Text festzulegen, weil wir die Welt des Songs definiert haben; bis dahin ist ein Teil des Textes noch unverständliches «Mumble-Englisch».
Henrik Amschler: Ja, wenn wir die Rahmenbedingungen des Songs festgelegt haben, gehen wir tiefer in die Lyrics, und auch tiefer in die Produktion.

Müsst ihr Texte manchmal noch an eine fortgeschrittene Produktion anpassen?

Zian: Kaum, denn irgendwann ist der Text fertig; die Perfektion anstreben ist gut, aber erreichen kann man sie nicht. Er muss vor allem vom Gefühl her stimmen, und natürlich zur Musik passen, der Welt, die wir mit diesem Song geschaffen haben.
Henrik Amschler: Für mich ist klar: Ich priorisiere stets Zian mit seiner einzigartigen Stimme und seinen tiefgründigen Texten.
Zian: Man muss aber auch verstehen, dass wir uns im Popbereich bewegen, allzu komplex und abstrakt sollte der Text nicht werden – die Leute sollen ihn verstehen können. Je mehr Wörter man braucht, desto weniger Interpretationsspielraum haben die Leute beim Anhören.

«Show You»
Kompositon und Text: Tizian Hugenschmidt, Henrik Amschler.

www.zianmusic.com
www.henrik-hsa-amschler.ch

Swiss Music Awards: SUISA ehrt die Songwriter/innen des «Best Hit»
In der Kategorie «Best Hit» werden an den Swiss Music Awards jeweils die erfolgreichsten nationalen Songs der Schweizer Hitparade des Vorjahres nominiert und das Siegerlied wird während der TV-Show per Publikumsvoting ermittelt. Die SUISA ist dieses Jahr zum ersten Mal Presenting Partner des «Best Hit»-Award und stellt die Arbeit der Songwriterinnen, Songwriter, Textautorinnen und Textautoren des Siegersongs in den Vordergrund. 2022 sind in der Kategorie «Best Hit» die Songs «Show You», «Tribut» und «Nightmare» nominiert. (Text: Giorgio Tebaldi)
www.swissmusicawards.ch
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Am 25. Mai 2022 wird an den Swiss Music Awards per Publikumsvoting auch der «Best Hit» für die beste Komposition ermittelt. Nominiert für die von der SUISA präsentierte Auszeichnung sind Zian, Joya Marleen und Lo & Leduc. Wir haben bei Zian und Henrik Amschler nachgefragt, welche Rolle der Text für den Song «Show You» spielt. Interview von Gastautor Markus Ganz

Zian und Henrik Amschler: «Songs müssen für mich eine lyrische Tiefe haben»

Zian (links) und Henrik Amschler. (Fotos: Jen Ries; Nina Müller)

Wie wichtig sind eurer Meinung nach die Lyrics für einen Song?

Zian: Für mich ist ganz klar: Die Lyrics sind entscheidend, ob ein Song sich länger halten kann oder nicht. Alle Songs, die über Jahrzehnte immer wieder angehört werden, sind Songs, die auch eine lyrische Tiefe haben. Deshalb sind Texte extrem wichtig. Kurzfristig mag ihre Bedeutung gleich gross wie die der Musik sein, was der…Weiterlesen

«Die Musik setzt den Text in einen Kontext»

Am 25. Mai 2022 wird an den Swiss Music Awards per Publikumsvoting auch der «Best Hit» für die beste Komposition ermittelt. Nominiert für die von der SUISA präsentierte Auszeichnung sind Lo & Leduc, Zian und Joya Marleen. Wir haben bei Lo & Leduc nachgefragt, welche Rolle der Text für den Song «Tribut» spielt. Interview von Gastautor Markus Ganz

Lo und Leduc: «Die Musik setzt den Text in einen Kontext»

Lo und Leduc. (Foto: Maximilian Lederer)

Wie wichtig sind eurer Meinung nach die Lyrics für einen Song?

Lo: Darüber kann man sich streiten. In unserem Fall sind sie aber wichtig; ich habe sicher ein grösseres Talent für Texte als für Gesang. Aus unserer Sicht ist Musikmachen mit schweizerdeutschen Texten grundsätzlich anspruchsvoller als mit englischen Texten, weil diese automatisch eine grössere Distanz zum Inhalt schaffen. Und mit Mundarttexten macht man Musik für ein vergleichsweise sehr kleines Publikum.
Leduc: Die Texte sind für uns das primäre Handwerk.

Habt ihr eine typische Vorgehensweise beim Schreiben der Songtexte?

Lo: Sehr unterschiedlich, es ist alles möglich. Meistens hat einer von uns eine Idee – das kann auch schon ein Refrain oder eine Melodie sein. Danach arbeiten wir teilweise einzeln, manchmal auch bereits zusammen. Spätestens gegen Schluss finalisieren wir alle Texte gemeinsam. Manchmal heisst das Feinschliff, manchmal aber auch: Wir schreiben die zweite Strophe und müssen dann die erste neu schreiben. Es gibt kein fixes Vorgehen, das Einzige, was sich eingebürgert hat, ist, dass ich ein Textarchiv führe und Luc ein Fotoarchiv.
Leduc: Es ist fast schon krankhaft, wie ich versuche, unsere Momente zu kategorisieren, weil ich Struktur benötige, um innerhalb der Ordner denken und arbeiten zu können. Es ist oft sehr spannend, wenn man derart eine neue Idee beim anderen platzieren kann. Wichtig ist auch, dass wir eigene Perspektiven einbringen. Mit einem neuen Ansatz sammelt man nicht nur Einfälle, man filtert unbewusst auch die Einfälle heraus, die für das Lied in Frage kommen könnten. Dann lassen wir der Songidee jeweils Zeit, zu gären, und köcheln die Idee später zusammen ein.

Die Musik des Songs «Tribut» stammt vom Produzenten-Team Jugglerz. Wie lief die Zusammenarbeit ab, gerade auch die Abstimmung von Text und Musik?

Lo: Dieses Lied ist ein Spezialfall. Die Idee zum Text ist etwa zehn Jahre alt, blieb aber unvollendet und deshalb liegen. Als wir 2020/21 mit den Jugglerz zu arbeiten begannen, haben wir sehr viele Beats und Songskizzen von ihnen durchgehört und sind dabei auf ein Gitarrenriff gestossen, das uns gepackt hat: Das passt zu diesem uralten Text! Also haben wir ihn wieder hervorgenommen, umgeschrieben und an die Musik angepasst.

War diese alte Textfassung ohne Musik?

Lo: Nein, es gab bereits Musik dazu, und wir haben in den letzten zehn Jahren einige Male versucht, einen Song daraus zu machen, sind aber immer stecken geblieben.
Leduc: Es ist ein schönes Beispiel dafür, dass die Zeit für einen Song manchmal noch nicht reif ist. «Tribut» enthält nun die älteste Zeile des aktuellen Albums «Mercato», aber auch die neuste: Der Schluss des Refrains war der letzte Teil, den wir für das Album geschrieben haben, ein grosser Spagat also.

Wie klar war die Zusammenarbeit mit den Jugglerz definiert?

Leduc: Manchmal verwischt die Arbeitsteilung zwischen Musik und Text, hier aber haben wir klar vorgängige Versionen gezeigt und festgestellt, dass ihre Skizzen zu unseren passen. Und dann haben wir unseren Text an den neuen Beat von ihnen angepasst.

«Tribut» hat einen vielschichtigen Text darüber, was Songs ausdrücken können und was nicht. Was war der Ausgangspunkt der ursprünglichen Version?

Lo: Die Grundidee ist am Anfang der ersten Strophe zu finden: das Gefühl, ein Liebeslied zu schreiben im Wissen, dass man der Liebe damit nicht gerecht werden kann, dieser Widerspruch. Da heisst es «aber Liebi isch kes Lied»; dies öffnet die Welt für dieses Lied und endet, dass Musik eben doch ein Vehikel ist, um solche Gefühle einzufangen, aber nicht so direkt.
Leduc: Textlich war wirklich schon alles vorhanden in der sehr frühen Version. Mir haben dann den Aspekt der Musik noch verstärkt, dass sie eine Art Datenspeicher von Erinnerungen ist, sogar wenn keine Musik ertönt: Bei Vinyl oder Kassetten kann man sogar die Pausen zwischen den Songs erkennen und in das Gesamte einordnen.

Wie weit haben sich in der Entwicklung des Songs dann euer Text und die Musik der Jugglerz gegenseitig beeinflusst?

Lo: Zuerst haben wir die Tonart ihrer Beat-Skizze angepasst, die ein rund 30-sekündiger Loop ohne Arrangement war. Dann haben wir den Text angepasst und zusammen mit Jonas Lang im Studio das Arrangement festgelegt: die Längen von Strophe, Pre-Chorus etc. Danach mussten wir den Refraintext praktisch neu schreiben, weil der nicht mehr funktionierte. Den Text an die Musik anpassen mussten wir auch am Schluss nochmals, wo die Ursprungsversion der Beat-Skizze zu hören ist.
Leduc: Darin zeigt sich schön, dass die Erinnerung an diesen ursprünglichen Beat zum Song geführt hat.

Oft entwickelt ein Songtext erst mit der Musik seine Wirkung, seinen Sinn. Was trägt die Musik zur Wirkung des eigentlich selbsterklärenden Textes von «Tribut» bei?

Leduc: Sie setzt den Text in einen Kontext; ein schönes Beispiel ist der Moment, wo sie am Schluss bricht und zur Moll-Paralleltonart wechselt: Das Bekannte wechselt in eine Art Parallelwelt.
Lo: Ich glaube schon vorher. Die Stimmung ist nicht traurig, aber es liegt eine gewisse Wehmut in der Musik.
Leduc: Ja, ich habe das Gefühl, dass die sehr konsequente Trap-Ästhetik hilft, eine Art Gegenpol zu schaffen, eine Balance zu finden, damit daraus nicht ein nostalgisches Lied wird, was im Mundartpop viel zu häufig passiert.

«Tribut»
Komposition: Jonas Lang (DJ Jopez), Joachim Piehl (Sir Jai), Martin Willumeit (DJ Meska) (Produzenten-Team bekannt als Jugglerz).
Text: Lorenz Häberli (Lo), Luc Oggier (Leduc).

www.lo-leduc.ch

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Lo und Leduc. (Foto: Maximilian Lederer)

Wie wichtig sind eurer Meinung nach die Lyrics für einen Song?

Lo: Darüber kann man sich streiten. In unserem Fall sind sie aber wichtig; ich habe sicher ein grösseres Talent für Texte als für Gesang. Aus unserer Sicht ist Musikmachen mit schweizerdeutschen Texten grundsätzlich anspruchsvoller als mit englischen Texten, weil diese automatisch eine grössere Distanz zum Inhalt schaffen. Und mit Mundarttexten macht man Musik für ein vergleichsweise sehr kleines Publikum.
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