Tagarchiv: Diskussion

Kleine Rechte, grosse Rechte: Wer macht was?

Wenn es ein Thema gibt, das regelmässig für Diskussionen sorgt, dann sicher die Unterscheidung zwischen kleinen Rechten und grossen Rechten. Erstere betreffen die nicht-theatralischen Musikwerke und fallen unter die Zuständigkeit der SUISA, Letztere stehen in Verbindung mit musikdramatischen Werken und bestimmten Arten von Ballett und werden von der Schweizerischen Autorengesellschaft (SSA) oder direkt von den Verlagen wahrgenommen. Text von Vincent Salvadé

Kleine Rechte, grosse Rechte: Wer macht was?

Bei der Unterscheidung, ob ein Werk als musikdramatisch oder nicht-theatralisch gilt, steht grundsätzlich die Frage im Zentrum, ob die Schöpfung einen szenischen Ablauf hat und ob es Personen gibt, die Rollen spielen. Was bedeutet diese abstrakte Definition von kleinem und grossem Recht in der Praxis? (Foto: Elnur / Shutterstock.com)

Die Unterscheidung von kleinen und grossen Rechten sorgt regelmässig für Diskussionen, denn sie basiert auf unklaren Kriterien, die von Fall zu Fall interpretiert werden müssen. Die folgenden Erläuterungen sollen etwas Klarheit bringen.

Rechtlicher Kontext

Die der SUISA vom Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum (IGE) erteilte Bewilligung zur Rechtewahrnehmung betrifft die «nicht-theatralischen Musikwerke». Diese Bezeichnung wurde in einer Verordnung des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements vom 23. Februar 1972 präzisiert. Heute ist dieser Rechtstext formell nicht mehr in Kraft, doch das Bundesgericht hat entschieden, dass dessen Grundsätze noch immer angewendet werden können, um ein nicht-theatralisches Werk zu definieren: Hier übernimmt nämlich das aktuelle Recht ganz einfach das alte Recht (Urteil 2A_180/1994 vom 10. Mai 1995). Daher integrierte die SUISA die Kriterien der Verordnung von 1972 in ihre Allgemeinen Wahrnehmungsbedingungen, die Teil der Verträge sind, die sie mit ihren Mitgliedern schliesst.

Etwas vereinfacht lässt sich sagen, dass die nicht-theatralische Musik im Zuständigkeitsbereich der SUISA sämtliche Musikwerke umfasst, mit Ausnahme der musikdramatischen Werke und der Musik für bestimmte Ballette. Diese Ausnahmen nennt man die «grossen Rechte».

Wo gelten die grossen Rechte?

Es gibt eine abstrakte Definition der Werke, die unter die grossen Rechte fallen: Es handelt sich um Werke, «deren szenischer Ablauf durch Personen in bestimmten Rollen dargestellt und von der Musik so getragen wird, dass die Werke in der Regel nicht ohne Musik verwendet werden können.»

Ja, klar, … doch was bedeutet das in der Praxis?

  1. Zunächst einmal muss das Werk einen szenischen Ablauf haben. Doch irgendein «Bühneneffekt» reicht nicht: Ein Konzert bleibt im Zuständigkeitsbereich der SUISA, auch wenn Tänzerinnen und Tänzer die Interpreten/innen begleiten, eine Light Show stattfindet oder Kostüme verwendet werden, usw. Damit es sich um ein Werk mit grossen Rechten handelt, müssen Personen auftreten, die bestimmte Rollen spielen. Aus diesem Grund werden die Rechte an Opern, Operetten und Musicals nicht von der SUISA wahrgenommen.
    Die Bedingung, «Rollen zu spielen» ist grundsätzlich erfüllt, wenn sich eine Geschichte auf der Bühne abspielt und Personen auftreten. Doch nicht nur: Abstrakte Ballette beruhen nicht auf einer Handlung, sondern eher auf der Vorstellung, sich durch Tanz auszudrücken. Für ein Werk mit grossen Rechten müssen die Tänzerinnen und Tänzer festgelegte Rollen übernehmen, auch wenn sie keine Geschichte «erzählen». Zum Beispiel: Eine Figur verkörpert das Böse, eine andere das Gute. Eine symbolisiert den Mond, eine die Erde, usw. Das «Rollenspiel» muss demnach eine gewisse Bedeutung für die Darstellung des Werkes haben, es darf nicht nur im Schatten der Musik stehen.
  2. Des Weiteren muss der szenische Ablauf eng mit der Musik verknüpft sein. Hier sei zunächst einmal ein doch recht verbreitetes Missverständnis geklärt: Die Tatsache, dass die Musik eigens für das Bühnenwerk komponiert wurde, ist nicht entscheidend. Bestehende Musikwerke können (mit der Zustimmung der Rechteinhaber/innen) Bestandteil eines musikdramatischen Werkes werden, wenn die Aufführung unter die grossen Rechte fällt. Umgekehrt bleibt eine speziell für ein Theaterstück (als Beispiel) komponierte Musik unter gewissen Umständen ein nicht-theatralisches Musikwerk. Entscheidend ist nämlich, wie eng die Musik mit dem szenischen Ablauf verknüpft ist.
    Juristinnen und Juristen vertreten gewöhnlich die Meinung, dass ein musikdramatisches Werk in der Regel nicht ohne Musik und auch nicht mit anderer Musik gespielt werden kann. Diese Aussage mag vereinfacht tönen, doch sie weist den Weg: Wenn ein Text beispielsweise gesungen wird, ist es schwer vorstellbar, dass die Aufführung ohne Musik oder mit anderer Musik stattfinden kann. Aus diesem Grund sind Opern, Operetten oder Musicals Werke mit grossen Rechten. Wenn hingegen ein Theaterstück eine Szene umfasst, in der sich der Schauspieler ein Lied der Gruppe U2 anhört, so kann man sich durchaus vorstellen, dass das Stück mit einem anderen Lied einer anderen Rockband aus den 1980er-Jahren aufgeführt werden kann. Aus diesem Grund bleibt der Titel von U2 ein Werk mit kleinen Rechten.
    Zwischen diesen beiden Extremen gibt es Situationen, in denen die Unterscheidung schwieriger ist. Wenn eine Komponistin oder ein Komponist ein Musikwerk eigens für eine Aufführung schafft, tut er oder sie das natürlich mit Blick auf ein bestimmtes künstlerisches Ergebnis. Mit anderer Musik wäre das Ergebnis nicht das gleiche. Doch die relevante Frage ist eher: Müsste man mit anderer Musik auch den szenischen Ablauf grundlegend überarbeiten, damit die Aufführung stattfinden kann? Nur wenn diese Frage bejaht wird, würde man in Anbetracht der engen Verknüpfung zwischen der Musik und dem szenischen Ablauf von einem musikdramatischen Werk ausgehen.

Keine Wahlmöglichkeit zwischen der SUISA und der SSA

Die oben erwähnten Fragen sind komplex und die Konsequenzen der Antworten weitreichend: Die Verwertung der kleinen Rechte durch die SUISA unterliegt der staatlichen Kontrolle, was bei der Verwertung der grossen Rechten durch die SSA oder die Verleger/innen nicht der Fall ist. Das bedeutet, dass sich die Verwertungsregeln unterscheiden, insbesondere die Vergütungstarife. Die Urheber/innen und Veranstalter/innen könnten versucht sein, diese Unterschiede auszunutzen: Erstere, um eine höhere Vergütung zu erhalten, Letztere, um weniger zu bezahlen.

Doch sie haben nicht die Wahl: Entweder fällt das genutzte Werk unter die kleinen Rechte und somit in den Zuständigkeitsbereich der SUISA oder es fällt unter die grossen Rechte, und die SSA oder der Musikverlag kommt ins Spiel (vorbehaltlich einiger Ausnahmen, die in der Praxis selten sind: Zum Beispiel, wenn die Urheberin oder der Urheber seine Rechte selber wahrnimmt, oder ein Verlag erteilt der SUISA ein Sondermandat in einem Fall, der eigentlich unter die grossen Rechte fällt). Wenn die SSA oder die Verlage Vereinbarungen treffen in einem Bereich, der unter der Aufsicht des Bundes steht und somit in den Zuständigkeitsbereich der SUISA fällt, begehen sie nach Art. 70 URG (Urheberrechtsgesetz) eine strafbare Handlung. Umgekehrt – wenn die SUISA eine Lizenz erteilt, ohne über die erforderlichen Rechte zu verfügen – ist die Lizenz ungültig und befreit die Veranstalter/innen nicht von ihrer urheberrechtlichen Verantwortung.

Aus rechtlicher Sicht ist es daher wichtig, dass die Zuständigkeiten der verschiedenen Beteiligten respektiert werden. Ist die Situation unklar, arbeiten die SUISA und die SSA zusammen und suchen gemeinsam nach Lösungen, die ein möglichst hohes Mass an Rechtssicherheit gewährleisten.

Melden Sie Ihre Musik mit grossen Rechten dennoch bei der SUISA an!

Die Mitglieder der SUISA, die Musik für ein Werk mit grossen Rechten komponieren, sind gut beraten, diese Musik dennoch auch bei der SUISA anzumelden. Es gibt nämlich Situationen, in denen die SUISA trotzdem für die Verwertung der Musikrechte zuständig ist. Und zwar in den folgenden Fällen:

  1. Die Musik wird ohne szenischen Ablauf verwendet; beispielsweise eine Ballettmusik ohne Tanz, oder ein musikdramatisches Werk, das konzertant aufgeführt wird.
  2. Es werden nur Auszüge aus einem Werk mit grossen Rechten verwendet, insbesondere im Radio oder Fernsehen; unter bestimmten Bedingungen gelten diese Auszüge als nicht-theatralische Musik, für die die SUISA zuständig ist.

Mit der Werkanmeldung bei der SUISA haben die Komponistinnen und Komponisten alles Notwendige unternommen, um eine wirksame Verwertung ihrer Rechte sicherzustellen. Wenn parallel dazu die Verwertung der grossen Rechte der SSA übertragen wurde oder in den Zuständigkeitsbereich eines Verlags fällt, liegt es an den verschiedenen Beteiligten, ihr Bestes zu tun, um die rechtlichen Schwierigkeiten zu beseitigen …

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  1. Moritz sagt:

    Guten Tag,
    danke für diesen Blogbeitrag.

    Eine Frage bleibt für mich immer noch unsicher. Es geht um Musik in zeitgenössischen Tanzproduktionen, die mit bestehenden Werken arbeiten.

    Manche Choreograf:innen choreografieren unabhängig von einem konkreten Werk. Während der ganzen Kreationsphase wird mit verschiedenen bestehenden Werken gearbeitet, und unterschiedliche Werke werden erarbeiteten Choreografien unterlegt, um die Wirkung einer Choreografie mit unterschiedlichen Musikstimmungen zu testen. Manchmal werden noch in den Endproben Werke ausgewechselt.
    Meiner Meinung nach gilt hier für die verwendeten bestehenden Werke das Kleine Recht. Wie schätzen Sie das ein?
    Braucht es in diesem Fall für die Nutzung der Werke die Zustimmung der Rechteinhaber:innen?

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Fragen. Die von Ihnen geschilderten Umstände deuten darauf hin, dass die Musikwerke in solchen Fällen «austauschbar» sind, der szenische Ablauf also nicht eng mit einer bestimmten Musik verknüpft ist. Aus diesem Grund teilen wir Ihre Ansicht, dass diese Nutzung unter die kleinen Rechte fallen sollte. In den meisten Fällen muss die Einwilligung der Rechteinhaber/innen für die schlussendlich in der Aufführung verwendete Musik trotzdem eingeholt werden. Eine solche Einwilligung ist nämlich erforderlich, um ein Werk zweiter Hand zu schaffen (Art. 11 Abs. 1 lit. b URG). Und die aus Choreographie und Musik zusammengesetzte Aufführung wird häufig eine eigene Individualität haben und damit die notwendige Schöpfungshöhe besitzen, um als Werk zweiter Hand betrachtet zu werden, das selbst urheberrechtlich geschützt ist. Letzteres gilt selbst dann, wenn der Fall an sich unter die kleinen Rechte fällt.
      Freundliche Grüsse, Vincent Salvadé / SUISA Deputy CEO

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SUISA-Panel am M4music: Welchen Einfluss hat Streaming aufs Songwriting? │ mit Video

Musik wird heute häufig über Streaming-Plattformen konsumiert. Bei Millionen von verfügbaren Songs gehen einzelne Stücke rasch einmal unter. Und oft müssen Songs die Hörerin oder den Hörer in den ersten Sekunden packen – der nächste Song ist nur einen Klick entfernt. Beeinflusst der Streaming-Vertriebskanal das Songwriting? Diese Frage wird am SUISA-Panel am M4music Festival 2022 diskutiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Lisa Burth

Vorbei sind die Zeiten, in denen die Musikkonsumentinnen und -konsumenten ein Album vom ersten bis zum letzten Song durchhörten. 2021 machten laut dem Branchenverband Ifpi CDs und Schallplatten in der Schweiz etwas mehr als 10% der Musikverkäufe aus, die restlichen 90% fallen auf den Online-Bereich, davon über 80% auf Streaming.

Die Verlagerung von Tonträgern zu Streaming ist für die Künstler/innen in mehrerer Hinsicht relevant. Bei den CDs und LPs erfolgt die Entlohnung für die Vervielfältigung und den Verkauf von physischen Einheiten in kompletter Form. Heute werden die Urheber/innen, Interpreten/innen und Produzenten/innen für einzelne Streams bezahlt; und diese zählen nur, wenn ein Stück für mindestens 30 Sekunden angehört wird. Die Krux dabei ist: Für die Musikkonsumentinnen und -konsumenten ist das nächste Stück nur einen Klick entfernt. Für die Songwriter/innen und Interpreten/innen bedeutet dies, dass sie die Hörer/innen schon in den ersten Sekunden eines Songs überzeugen müssen weiterzuhören.

Einen ersten Einblick wie Komponistinnen und Komponisten mit dem heutigen Verhalten der Hörer/innen umgehen, gibt die Zürcher Musikerin Evelinn Trouble im Videointerview.

SUISA-Panel am M4music: «How Streaming is Changing Songwriting»

Welchen Einfluss das geänderte Musik-Konsumverhalten für Songwriter/innen und Labels hat, wird am SUISA-Panel am diesjährigen M4music Festival diskutiert. Unter dem Titel «How Streaming ist Changing Songwriting» diskutieren Komponistinnen, Komponisten, Produzenten und Label-Verantwortliche darüber, welchen Einfluss Streaming hat auf die Art und Weise, wie Songs geschrieben, produziert und veröffentlicht werden.

Die Panelteilnehmer/innen sind:

  • Evelinn Trouble, Songwriterin, Sängerin, Produzentin und Visual Artist aus Zürich
  • Julie Born, Managing Director von Sony Music Schweiz
  • Henrik Amschler aka HSA, Songwriter und Produzent aus Zürich
  • Loris Cimino, Produzent und Songwriter aus Frankfurt/Zürich

Moderiert wird das Panel von Nina Havel.

Das SUISA-Panel findet am Freitag, 25. März 2022 um 16:00 Uhr in der Matchbox im Zürcher Schiffbau statt. Das Panel ist kostenlos und frei zugänglich.

Das M4music Festival 2022

Nachdem das Festival aufgrund der Corona-Pandemie 2020 abgesagt werden musste und 2021 in verkleinert Form durchgeführt wurde, findet das Popmusikfestival des Migros-Kulturprozent dieses Jahr wieder in gewohnter Form am Freitag und Samstag, 25.und 26. März 2022, im Schiffbau in Zürich statt. Neben Podiumsdiskussionen, Workshops und Panels zu aktuellen Themen des Musikbusiness treten am Festival auch zahlreiche Schweizer und internationale Künstler/innen auf.

www.m4music.ch

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Partnerschaftlich gestärkt durch Krisenzeiten

An einem Round-Table-Gespräch sprachen mit Christoph Bill und Alexander Bücheli zwei Vertreter von SUISA-Kunden aus dem Veranstalterbereich und Irène Philipp Ziebold, COO SUISA, über die Krisenbewältigung während der Pandemie. Auch die Zusammenarbeit mit der SUISA war ein Thema. Moderation und Transkript: Markus Ganz, Gastautor

Partnerschaftlich gestärkt durch Krisenzeiten

Round-Table-Gespräch mit Christoph Bill (Heitere Events AG und Präsident SMPA), Irène Philipp Ziebold (COO SUISA) und Alexander Bücheli (Geschäftsführer Bar & Club Kommission Zürich). (Fotos: Manu Leuenberger)

Wie haben Sie und die durch Sie vertretenen Betriebe die Corona-Krise bisher erlebt?

Christoph Bill: Als Präsident des Branchenverbands SMPA glaube ich, dass es alle unsere Mitglieder auf dem linken Fuss erwischt hat; wir waren nicht auf ein solches Szenario vorbereitet. Aber wir haben als Branche relativ schnell reagiert, haben uns zusammengetan, Sofortmassnahmen definiert (z. B. bezüglich Tickets bei Verschiebungen und Absagen) und laufend die nächsten Schritte besprochen. Der Rest ist Geschichte.
Alexander Bücheli: Auch wir wurden auf dem linken Fuss erwischt; es waren schlicht Zustände und Situationen, die nicht voraussehbar, geschweige denn antizipierbar waren. Danach gewannen die Verbände für die Mitglieder an Bedeutung, konkret erhielten sie bei uns eine wichtige Funktion der Übersetzung von Beamtendeutsch in die Sprache unserer Mitglieder. Bei uns kam noch eine moralische Komponente hinzu: In der Pandemie haben wir gemerkt, dass wir als Spassgesellschaft gelten, dass Partys einen anderen Ruf als Festivals oder Konzerte haben. Nach den Vorfällen in Ischgl im März 2020, wurde uns das Gefühl vermittelt, dass es ohne uns Corona nicht geben würde; das war für unsere Mitglieder auch emotional schwierig. Und vor dieser Moralfrage haben wir jetzt, da die Zahlen wieder steigen, wieder Angst: Kommt wieder der Ruf nach Klubschliessungen?
Irène Philipp Ziebold: Auch für die SUISA war diese Zeit herausfordernd. Auf beiden von uns betreuten Seiten, nämlich die der Mitglieder (Urheber und Verleger) und die der Kunden (Musiknutzer), haben in gewissen Märkten die Einnahmen sehr schnell und stark abgenommen. Es hat uns in einem Segment der Einnahmen getroffen, in dem wir keinen solchen Rückgang erwartet hatten: beim Aufführungsrecht, wo die Einnahmen in den letzten Jahren vor allem im Konzertbereich stetig angestiegen waren, während sie im Vervielfältigungsbereich seit Jahren zurückgingen. Wir waren entsprechend nicht darauf vorbereitet und konnten sie nicht einfach mit anderen Einnahmen kompensieren.
Die neue Situation hat uns auch in der Dienstleistung, besonders in der Beratung, stark herausgefordert. Aber es hat auch positive Seiten hervorgebracht. Es hat uns erstens gezeigt, dass wir uns als Partner von Mitgliedern und Kunden verstehen können, denn wir haben relativ schnell gehandelt und Massnahmen ergriffen. Und zweitens intern: Innerhalb von zwei Wochen haben 90 Prozent unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Home-Office gearbeitet. Dabei haben wir auch gemerkt, dass wir technologisch fähig sind, das Unternehmen mit rund 250 Angestellten aus der Ferne weiterzuführen. Schwieriger war die Umstellung auf menschlicher Ebene, das soziale Element, das auch in einer so grossen Firma eine dynamische Wirkung hat und von einem Tag auf den anderen wegfiel.

Gab es denn keine Notfallszenarien für den Fall, dass alles zugeht?

Christoph Bill: Ich habe mich oft gefragt, ob wir nicht unsere Mitglieder auf eine solche Gefahr hätten aufmerksam machen sollen. Aber ein solches Szenario war sehr weit weg, auch wenn es in einigen wenigen Notfallkonzepten auftauchte. Ich habe mir dies auch ab und zu vorgeworfen, aber was hätten wir denn anders gemacht? Wir haben sofort reagiert und uns unkompliziert als Branche engagiert. Damit meine ich nicht nur die SMPA, vielmehr haben wir es sogar geschafft, der Kultur- und Veranstaltungsbranche insgesamt eine Stimme zu geben. Dies ist auf politischer und medialer Ebene ein grosser Vorteil, und dies hätten wir eigentlich schon lange tun sollen, nun hat es eben die Pandemie ausgelöst. Und es zeigt sich, dass wir trotz der Breite der vertretenen Kultur sehr viele gemeinsame Nenner haben.

Versicherungen und gestreamte Konzerte

Herr Bücheli, in der Klubszene gab es im Kleinen seit Jahren schon Probleme wie angedrohte Schliessungen wegen Drogen und Lärmklagen – deshalb wurde die Bar & Club Kommission Zürich ja auch gegründet …

Alexander Bücheli: Ja, aber die Pandemie ist ein ganz anderes Problem, weil man sich nicht dagegen wehren kann wie bei Lärmklagen. Das ist das Extreme daran: Man muss vieles einfach hinnehmen. Wir haben beispielsweise mit Anfragen bei der Science Taskforce versucht, etwas zu lernen (bezüglich der Virenübertragung in Bars und Klubs), aber erfolglos. Keiner der Betriebe hatte ein Notfallkonzept, aber 80 bis 90 Prozent hatten eine Epidemie- oder Pandemieversicherung, doch viele Versicherungen haben sich gedrückt zu zahlen. In Zürich hatten wir das Glück, dass sich viele Mitglieder an einer Pool-Lösung beteiligt hatten, die die Pandemie-Zeit abdeckte, sogar zweimal: der zweite Lockdown wurde als zweiter Schadensfall betrachtet. Diese Versicherung wurde dann per Ende 2021 von den Versicherungsanstalten gekündigt – und existiert nicht mehr.
Wir hatten auch keine Alternativen zu einer Schliessung wie die Restaurants: Wir konnten keine Take-Away-Klubabende anbieten. Wir veranstalteten zwar im März 2021 das virtuelle Klubfestival «Limmatstream», an dem die Leute als Avatare durch die Klubs tanzen konnten. Da hatten wir über 3000 Beteiligte, man konnte auch Video-Chats mit anderen Avataren machen. Das war irgendwie toll, konnte aber ein richtiges Klub-Erlebnis nicht ersetzen. Zudem stellte sich die Frage, ob die Leute bereit gewesen wären, für ein solches virtuelles Erlebnis 10 bis 15 Franken zu zahlen, die man als Veranstalter bräuchte, um finanziell herauszukommen; wir boten es kostenlos an.
Christoph Bill: Zu den Versicherungen: Bei unseren Mitgliedern war es genau umgekehrt, da hatten höchstens 20 Prozent eine Versicherung und die haben in der Regel gezahlt. Aber wenn wir zurückschauen, war der Anfang der Pandemie eigentlich einfacher, weil es ein klares Verbot gab für Grossveranstaltungen. Schon Ende April 2020 wussten wir etwa, dass das «Heitere»-Festival im August nicht stattfinden kann, das ist zeitlich eine komfortable Situation für Veranstalter. Alle Kolleginnen und Kollegen haben damals gewusst, dass sie ihre Veranstaltungen innerhalb eines gewissen Zeitraumes verschieben müssen. Das bedeutet zwar einen riesigen Aufwand, aber es gab von allen Seiten viel Verständnis dafür. Schwierig wurde es danach, als Vorgaben für die Folgeperioden auf sich warten liessen und es keine klaren oder kantonal unterschiedliche Auflagen und Informationen gab. Entsprechend mussten wir kurzfristiger und in verschiedenen Szenarien planen.

Praxisfremdheit und fehlende Planbarkeit

Alexander Bücheli: Das ist ein wichtiger Punkt: Die klare Ansage des Bundes fehlte. Wenn man weiss, ob man offen haben kann oder schliessen muss, dann kann man sich darauf einstellen. Wir hatten noch eine Zwischenphase, in der die Zürcher Kantonsregierung sagte, man solle nicht mehr tanzen gehen, die Klubs müssten eigentlich geschlossen sein, aber uns nicht die Weisung gab, zu schliessen. Der moralische Druck wurde so gross, wie wird das früher noch nie erlebt haben; es kam sogar zu anonymen Beschimpfungen und Drohungen.
Christoph Bill: Ich habe damals auch eine Praxisfremdheit der Behörden festgestellt, lange auch keine Dialogbereitschaft. Wir sind auch viele Stellen angegangen, aber die haben den Ball einander zugeschoben und zu uns kam nichts zurück, statt dass sie uns einbezogen hätten für nachvollziehbare, praxistaugliche Massnahmen mit etwas Vorlaufzeit. Wie lange ist es gegangen, bis wir erstmals mit Leuten des Bundesamtes für Gesundheit sprechen konnten! Wir sind ja die letzten, die eine Veranstaltung um jeden Preis durchziehen wollen. Aber wir müssen eine behördliche Stütze haben, damit wir rechtzeitig sagen können, eine Veranstaltung muss abgesagt oder verschoben werden. Eine rollende Planung auf drei Monate hinaus wäre für uns ideal gewesen. Einen Klub kann man vielleicht von einer Woche auf die nächste öffnen, für ein Grosskonzert oder ein Festival aber braucht es diese Vorlaufzeit.

Durch das Verbot von Veranstaltungen konnte man sich also mehr oder weniger auf eine Situation einstellen. Kam es deshalb zu Kurzarbeit, Entlassungen oder sogar zu Konkursen?

Christoph Bill: Bei unseren Mitgliedern gibt es bis jetzt keinen einzigen Konkurs. Die Hilfspakete haben schnell und gut gewirkt; wir haben uns dafür auch bedankt. Die Probleme sind aber noch längst nicht ausgestanden: Z.B. ist die Nachfrage noch verhalten, Unterstützungen werden abgebaut und Fachkräfte fehlen. Deshalb bin ich kurzfristig nicht so zuversichtlich; die Stunde der Wahrheit, die schlägt erst noch.

Schnelle Hilfe und nur wenige Entlassungen

Alexander Bücheli: Die Schnelligkeit der Covid-Kredite und die Unterstützung bei der Kurzarbeit: Das war sehr wichtig für uns, auch wie unbürokratisch das gesprochen wurde – ein Schlüsselerlebnis. In Bezug auf die für das Überleben wichtigen A-fonds-perdu-Gelder muss man aber sagen, dass es sechs bis acht Monate ging, bis die ersten Beträge ausbezahlt wurden, es waren zudem nur Entschädigungen für Kulturunternehmen. Wir mussten sehr viel unternehmen, dass auch Klubs als Kulturunternehmen anerkannt und entschädigt werden – und dies gelang nur in gewissen Kantonen. Betriebe die dann Härtefallgelder erhielten, mussten über ein Jahr auf Unterstützung warten.
Christoph Bill: Die kantonal unterschiedlichen Auslegungen waren auch bei unseren Mitgliedern ein Problem, das bis heute anhält. An sich griffige Instrumente wie aktuell etwa der Schutzschirm für Publikumsanlässe werden in einigen Kantonen gar nicht eingeführt und in etlichen anderen ganz unterschiedlich angewendet. Da sind die Reserven, die man über 20, 30 Jahre in einem Geschäft mit sehr dünnen Margen aufgebaut hat, ziemlich bald aufgebraucht. Immerhin wurde bei der Kurzarbeit sehr schnell und unbürokratisch reagiert.
Alexander Bücheli: Entlassungen gab es in unserem Bereich nur wenige. Es war eher so, dass die Angestellten darum gebeten haben, weil sie in einem anderen Bereich arbeiten wollten. Konkurse gab es bei Betrieben, die schon vorher nicht so gut liefen, oder solchen, die erst auf den Markt gekommen waren. Dank privaten und betrieblichen Reserven, gab es nur wenig Konkurse.

Es gab in den letzten 20 Monaten viel weniger Konzerte, da könnte man annehmen, dass es bei der SUISA auch viel weniger zu tun gab …

Irène Philipp Ziebold: Wegen Corona wurden bei uns keine Entlassungen gesprochen. Wenn wir Leute nicht mehr ersetzt haben, dann war es aus allgemeinen Gründen, vor allem weil wir viele einfache Arbeiten automatisieren, also durch Computer ersetzen können. Man hat aber über Kurzarbeit gesprochen, genau mit der Argumentation der weggefallenen Konzerte. Wir haben dies dann genau angeschaut. Die Mitglieder- und Dokumentationsabteilung als auch der Kundendienst für den Medien- und den Online-Bereich waren kaum von Corona betroffen bzw. wir hatten dort mehr Aufwand, weil sich viele beraten liessen und wir zudem einen Nothilfefonds gegründet haben.
Nur der Kundendienst für die Aufführungsrechte bzw. Events hatte weniger zu tun. Dies gab Gelegenheit, Rückstände abzuarbeiten und die MitarbeiterInnen konnten in anderen Abteilungen eingesetzt werden, etwa im Bereich online, wo coronabedingt mehr Arbeit anfiel. Deshalb mussten wir wegen Corona niemanden entlassen oder in Kurzarbeit versetzen. Und wenn man das Betriebsergebnis von 2020 anschaut, haben wir auch ein relativ gutes Ergebnis in dieser Krise erreicht.

Notbudget und Mehraufwand

Hat das auch damit zu tun, dass die SUISA mit einem Notbudget gearbeitet habt, das rollend angepasst wurde?

Irène Philipp Ziebold: Absolut. Der Vorstand wollte wissen, wohin die Reise geht: Können wir die Kosten so weit reduzieren, wie die Einnahmen einbrechen? Dies wäre nur mit einer massiven Reduktion des Personals gegangen. Wir wussten aber, dass wenn wir Leute entlassen würden, dass diese dann fehlen würden am Tag X, wenn das Geschäft wieder normal läuft. Ein grosses Fachwissen , das für diese Aufgaben nötig ist, wäre nicht mehr vorhanden; neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen immer eine gewisse Einarbeitungszeit. Es wäre deshalb fahrlässig gewesen, in einer solchen Situation viele Leute zu entlassen.

Wie gross ist für Veranstalter der Zusatzaufwand, der durch immer wieder ändernde Corona-Regelungen entsteht?

Christoph Bill: Es ist unglaublicher Mehraufwand, den die Mitglieder der SMPA deshalb haben, das kann ich auch aus persönlicher Erfahrung vom «Heitere»-Festival her sagen. Das Entwickeln und Anpassen etlicher Szenarien, das Einholen, Verhandeln und Umsetzen der gesundheitspolizeilichen Bewilligung, das Ausarbeiten und Umsetzen des Schutzkonzeptes, die Absicherung der Risiken, der Umgang mit der Unsicherheit und das bei der Stangehalten aller Beteiligten gab und gibt für einen Veranstalter enorm viel zu tun, ganz abgesehen von den Zusatzaufwendungen vor Ort für Infrastruktur und Personal. Beim Heitere haben wir 2021 zusätzlich zur Vor-Ort-Ausgabe noch ein virtuelles Festival lanciert, eine wertvolle Erfahrung zwar, aber parallel ebenfalls ein enormer Aufwand.

Wie ist die Situation in angegliederten Bereichen, etwa bei den Technikern und der Security?

Christoph Bill: Zunehmend zum Problem werden dürfte der Fachkräftemangel, einerseits bedingt durch Entlassungen, die einige Firmen trotz allem aussprechen mussten. Andererseits orientieren sich immer mehr Leute aus diesen Bereichen anders, je länger die Krise dauert, auch wenn man sie gerne behalten würde. Und wer nun z.B. als Elektriker arbeitet, wird noch etwas zuwarten, bis er wieder zum Tontechniker-Beruf zurückgeht; er hat vielleicht auch die geregelteren Arbeitszeiten schätzen gelernt.
Dabei wird der Bedarf eher noch grösser als früher, denn unsere Mitglieder haben viele Veranstaltungen auf 2022 verschoben; das wird zu gewissen Zeiten eine grosse Massierung geben, weil die verschobenen und neue Veranstaltungen zusammenkommen. Das muss man irgendwie bewältigen. Und diese Tickets muss auch irgendjemand kaufen.
Alexander Bücheli: Anfang 2022 wird bei uns entscheidend sein, auch abhängig davon, wie das Adventsgeschäft mit Firmenanlässen läuft, das in einigen Betrieben 30 bis 50 Prozent des Jahresumsatzes ausmachen kann.

Gemeinsame Stimme und schnelle Reaktion

Wie wichtig war es, dass sich verschiedene Verbände früh zusammengetan haben, um vor allem beim Bund eine Stimme zu erhalten?

Christoph Bill: Das war absolut entscheidend. Wenn es auch lange nicht zu einem richtigen Dialog gekommen ist, viele unserer Botschaften sind schneller angekommen, als wir das Gefühl hatten. Was umgesetzt wurde, ging grösstenteils in die richtige Richtung. Es war wichtig, die Stimmen aus dem Kultur- und Veranstaltungsbereich zu bündeln statt einzeln vorzupreschen. Es ist gerade auch für Politikerinnen und Politiker enorm wichtig, dass sie nicht von allen Seiten mit Stellungnahmen eingedeckt werden, sondern dass es einen kleinsten gemeinsamen Nenner gibt – den haben wir immer gesucht. Als Verband spielten wir plötzlich eine grössere und sichtbarere Rolle. Wir haben schon in den letzten sechs bis zehn Jahren ein Klima der Offenheit und des Miteinanders geschaffen. Darauf konnten wir bauen.

Wie hat sich die Stellung der SUISA in dieser Krisenzeit verändert?

Irène Philipp Ziebold: Auf der Seite der Mitglieder und Verlage sind wir gestärkt worden, weil wir für sie da waren und nicht in Kurzarbeit verschwanden. Die Beratung war für die Mitglieder immens wichtig. Wir haben weiterhin unseren Auftrag erledigt, dass wir Geld generiert haben – die Jahresrechnung 2020 zeigt, dass das nicht schlecht gelang. Wir haben zudem einen Nothilfefonds erstellt, bei dem wir gerade im Gegensatz zu gewissen Unterstützungen des Bundes noch etwas pragmatischer sind. Wir sind weder oberflächlich noch fahrlässig, aber wir verlangen weniger Angaben und können deshalb schneller gewisse Unterstützungen leisten. Wir haben auch unsere Vorschussregelungen geändert, grosszügiger gemacht, aber immer in Abwägung des Risikos. Wir haben auch noch eine Urheber- und Verlegerfürsorge, die ebenfalls Unterstützung leistet. Wir haben agiert, und dies hat uns bei unseren Mitgliedern nochmals gestärkt.

Und bei den Kunden?

Irène Philipp Ziebold: Auch dort haben wir sehr schnell reagiert, und auch Massnahmen getroffen, die wir nicht hätten machen müssen, etwa die Zahlungsfristen zu verlängern und Mahnungen zu sistieren. Da sind wir ziemlich agil und partnerschaftlich aufgetreten. Das hat uns viel Goodwill gebracht.

Und betreffend einer Stimme?

Irène Philipp Ziebold: Hier kann ich auf den Schweizer Musikrat hinweisen. Als dessen Mitglied sind wir gut in der Taskforce Culture vertreten. Erstmals sind Veranstalter und Mitglieder quasi an einem Tisch mit der gleichen Forderung mit einer Stimme gekommen, das hat auch in der Politik gut gewirkt. Die Taskforce Culture konnte einen gewissen Einfluss ausüben, war einbezogen, auch bei Gesprächem mit Bundesrat Berset. Es war und ist ein Erfolg, den man weitertragen sollte.

Unkomplizierte Lösungen und verzögerte Normalisierung

Wie stufen die Veranstalter die Krisen-Zusammenarbeit mit der SUISA ein?

Christoph Bill: Auch wenn es die SMPA-Mitglieder weniger betroffen hat, so hat die SUISA in einigen Bereichen schnell und unkompliziert Lösungen gefunden. Danke, Kompliment! Der Dialog mit uns als Verband war schon vorher gut, wurde aber noch besser. Wir haben das Bewusstsein gespürt, dass man im selben Boot sitzt. Und es wurde auch klar, dass man die Zukunft nur zusammen meistern kann und vielleicht auch neue Wege gehen muss.
Alexander Bücheli: Es war ein bisschen wie bei der Taskforce Culture. Wir haben zu Beginn der SUISA geschrieben, weil wir das Problem haben, dass die Klubs quartalsmässig Rechnungen zahlen und nicht anhand von Veranstaltungen, die stattfinden. Die SUISA hat sehr unkompliziert eine Lösung gefunden, für die wir sehr dankbar sind. Unabhängig von Covid sollten wir vermehrt versuchen, einander zu verstehen und sich auch zu treffen. Und es ist ein gutes Zeichen, dass niemand unserer Mitglieder sich bei mir seit der Pandemie über die SUISA beklagt hat, also funktioniert es.

Wie sind die Erwartungen an eine Normalisierung der Situation, hat sich beim Publikum ein Bedürfnis nach Veranstaltungen aufgestaut?

Christoph Bill: Das ist für mich immer noch ein Blick in die Glaskugel. Nein, ich denke nicht, dass sich da noch viel aufgestaut hat. Viele Menschen werden erst verzögert an Konzerte und Festivals zurückkehren. Das zeigt sich darin, dass die Nachfrage bei Veranstaltungen unserer Mitglieder – abgesehen von einigen Ausnahmen – 20 bis 30 Prozent tiefer liegt als üblich und dass ein höherer Anteil der Gäste, die ein Ticket haben, nicht erscheinen. Diese Verzögerung ist neben der für die Organisation benötigten Vorlaufzeit zu beachten: Wir versuchen den Live-Betrieb wieder in Gang zu bringen. Aber wir können den Hebel nicht einfach umstellen. Es braucht dafür wohl auch Anschubhilfen und Instrumente wie etwa, dass die SUISA weiterhin Zahlungsfristen erstreckt.

Das Round-Table-Gespräch fand am 12. November 2021 statt. Die Teilnehmer waren: Christoph Bill, Heitere Events AG und Präsident SMPA (Swiss Music Promoters Association); Alexander Bücheli, Geschäftsführer Bar & Club Kommission Zürich; Irène Philipp Ziebold, COO SUISA und Vize-Präsidentin Schweizer Musikrat.

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SUISA und die Covid-KriseSUISA und die Covid-Krise Seit Ende Februar 2020 steht nicht nur die Musikbranche vor einer ungeahnten Herausforderung. Wie geht die SUISA als Genossenschaft der Urheber/innen und Verleger/innen von Musik und als Verwertungsgesellschaft mit der bald einmal zwei Jahre andauernden Covid-Krise um? Weiterlesen
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An einem Round-Table-Gespräch sprachen mit Christoph Bill und Alexander Bücheli zwei Vertreter von SUISA-Kunden aus dem Veranstalterbereich und Irène Philipp Ziebold, COO SUISA, über die Krisenbewältigung während der Pandemie. Auch die Zusammenarbeit mit der SUISA war ein Thema. Moderation und Transkript: Markus Ganz, Gastautor

Partnerschaftlich gestärkt durch Krisenzeiten

Round-Table-Gespräch mit Christoph Bill (Heitere Events AG und Präsident SMPA), Irène Philipp Ziebold (COO SUISA) und Alexander Bücheli (Geschäftsführer Bar & Club Kommission Zürich). (Fotos: Manu Leuenberger)

Wie haben Sie und die durch Sie vertretenen Betriebe die Corona-Krise bisher erlebt?

Christoph Bill: Als Präsident des Branchenverbands SMPA glaube ich, dass es alle unsere Mitglieder auf dem linken Fuss erwischt hat; wir waren nicht auf ein solches Szenario vorbereitet. Aber wir haben als Branche relativ schnell reagiert, haben uns zusammengetan, Sofortmassnahmen definiert (z. B. bezüglich Tickets bei Verschiebungen und Absagen) und laufend…Weiterlesen

«Musicians in Conversation»: Podcast von Helvetiarockt

Unter dem Titel «Musicians in Conversation» lancierte Helvetiarockt, die Schweizer Koordinationsstelle und Vernetzungsplattform für Musikerinnen im Jazz, Pop und Rock, im Dezember 2020 eine Podcast-Reihe. Ab Freitag, 7. Januar 2022, läuft die zweite Staffel. Im Zentrum steht das Sichtbarmachen von Vorbildern sowie die Vernetzung innerhalb der Schweizer Musikszene. Die SUISA ist Partnerin der neuen Podcast-Reihe. Text von Giorgio Tebaldi

«Musicians in Conversation»: Podcast von Helvetiarockt

In der ersten Episode des Helvetiarockt-Podcasts spricht die Musikerin und Tontechnikerin Anna Murphy über den kreativen Prozess beim Songwriting und ihren Weg zur Tontechnikerin – und ermuntert andere Frauen dazu, ebenfalls einen Weg in die Musikproduktion einzuschlagen. (Foto: Valentina Mahler)

Anna Murphy, La Nefera, Jessiquoi und Jasmin Albash – dies sind einige der weiblichen, non-binären, trans oder intersex Musiker/innen und DJs, die in der zweiten Staffel des Podcasts «Musicians in Conversation» von Helvetiarockt zu Wort kommen. Im Podcast wird über Musik im Allgemeinen, kreative Prozesse und Erfahrungen im Musikbusiness gesprochen. Mit diesem Angebot will Helvetiarockt für Musiker/innen eine Vielzahl an Vorbildern schaffen.

Die Podcast-Gäste und ihre Geschichten haben Vorbildcharakter und machen Mut. Sie zeigen auf, dass es verschiedene Wege und Möglichkeiten gibt, sich in der Musikwelt professionell zu bewegen, und dass niemand allein ist, der diesen Schritt wagen will. Der Podcast richtet sich allerdings nicht nur an aufstrebende Musiker/innen, sondern will grundsätzlich inspirieren und erlaubt allen – auch Nicht-Musiker/innen – einen Blick hinter die Kulissen des Musikbusiness.

Die Interviews führt die in Genf ansässige Londoner Musikerin, DJ und Journalistin Natalia Anderson. «Wir versuchen zu entmystifizieren und aufzuzeigen, wie unterschiedlich man sich in der Musik involvieren kann», wird Natalia Anderson in der Medienmitteilung von Helvetiarockt zitiert. «Mit dem Podcast machen wir unterrepräsentierte Gruppen in der Schweizer Musikszene sichtbar – in all ihren Facetten.»

Frauen in der Musikbranche

In der Schweizer Musikszene sind Frauen gegenüber den männlichen Kollegen in der Minderheit: Der Anteil Musikerinnen auf Schweizer Bühnen beträgt laut Helvetiarockt gerade mal 11%, in der Musikproduktion sind es mit 2% sogar noch weniger.

Dies widerspiegelt sich auch beim Anteil weiblicher SUISA-Mitglieder: Dieser beträgt aktuell 19 Prozent. Auch wenn die Tendenz leicht steigend ist – in den letzten Jahren lag der Frauenanteil bei den Neumitgliedern der SUISA jeweils bei 21% (2018, 2019) respektive 23% (2020) und zuletzt im 2021 bei 26% Prozent –, so gibt es in der Schweizer Musikbranche verglichen zum weiblichen Bevölkerungsanteil von über 50 Prozent aber nach wie vor ein Ungleichgewicht.

Der Podcast von Helvetiarockt will diesen (noch) kleineren Teil der Musikschaffenden sichtbar machen und aufstrebende Musiker/innen auf ihrem Weg ins Musikbusiness unterstützen und stärken.

Die SUISA ist Partnerin von Helvetiarockt

Die SUISA ist Partnerin für die zweite Staffel von «Musicians in Conversation». Sie unterstützt Helvetiarockt seit 2019 im Rahmen eines Sponsoring-Engagements finanziell und hinsichtlich Visibilität.

Die zweite Staffel des Podcasts läuft ab Freitag, 7. Januar 2022 und erscheint zweiwöchentlich. In der ersten Episode des Helvetiarockt-Podcasts spricht die Musikerin und Tontechnikerin Anna Murphy über den kreativen Prozess beim Songwriting und ihren Weg zur Tontechnikerin – und ermuntert andere Frauen dazu, ebenfalls einen Weg in die Musikproduktion einzuschlagen.

Die Podcasts «Musicians in Conversation» von Helvetiarockt findet ihr hier:
www.helvetiarockt.ch/podcasts

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Musik und Kultur gehören zum täglichen Grundbedarf – öffnet nicht nur Lebensmittelläden!

Vor einem Jahr, am 28. Februar 2020, wurden die ersten Einschränkungen für kulturelle Veranstaltungen erlassen. Zuerst galt eine Obergrenze von 1000 Personen, Mitte März kam der erste Lockdown, im Sommer gab es dank Schutzkonzepten kleine Erleichterungen, welche schon im Herbst schrittweise rückgängig gemacht wurden. Seit Mitte Januar 2021 sitzen wir im zweiten Lockdown fest: ohne Musikveranstaltungen, ohne Zugang zu realen – nicht virtuellen – Kulturerlebnissen. Von Andreas Wegelin, CEO

Musik und Kultur gehören zum täglichen Grundbedarf – öffnet nicht nur Lebensmittelläden!

Für Andreas Wegelin, CEO der SUISA, ist Kunst und Kultur ein lebensnotwendiges Grundnahrungsmittel für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. (Foto: Beat Felber)

Um die Verbreitung des Virus zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen, haben die Behörden zu drastischen Massnahmen gegriffen. Im Grundsatz sind alle Angebote ausserhalb des täglichen Grundbedarfs nur noch erschwert zugänglich oder dürfen gar nicht mehr durchgeführt werden.

Doch was ist der tägliche Grundbedarf? Wer definiert diesen?

Zum Grundbedarf der Menschen gehören doch auch Dinge, über die man sich geistig erfreuen kann! Der Besuch eines Konzerts, der Gang ins Kino, oder die Besichtigung einer Ausstellung: Warum sind Museen geschlossen worden, wo Ausstellungen doch selten – ausser bei Blockbuster-Sonderschauen – mit einem Besucherandrang zu kämpfen haben? Weshalb müssen Kleinkunstbühnen geschlossen bleiben? Sie könnten Schweizer Künstlerinnen und Künstlern Auftritte bieten und jeweils ein kleines, aber sicher dankbares Publikum erfreuen.

Ein im Internet gestreamtes Konzert ist kein Ersatz für Live-Veranstaltungen. Es fehlt die Interaktion, das gemeinsame Erleben einer künstlerischen Darbietung, welche beide Seiten, Aufführende und Publikum, gegenseitig befruchten, und ein Konzert erst zu einem denkwürdigen Anlass machen.

Mittlerweile ist es so weit, dass man Geisterkonzerte veranstaltet wie das «Ghost Festival»: Ein Festival mit rund 300 Bands – beteiligt sind knapp 1300 Musikschaffende inklusive Techniker/-innen, Booker-/innen, Manager/-innen und Weiteren –, das gar nicht stattfindet, weil schlicht niemand hingehen kann. Die SUISA unterstützt dieses Nicht-Festival durch ein Sponsoring, aber auch durch Ticketkäufe ihrer Belegschaft.

Kultur- und Kreativwirtschaft ist relevant

Viele Veranstalterinnen und Veranstalter hatten in den Sommermonaten 2020 zuverlässige Schutzkonzepte erarbeitet und mit nicht geringen Zusatzkosten auch umgesetzt. Nun stehen sie trotzdem faktisch vor einem Berufsverbot. Seit gesamthaft schon über 6 Monaten ist nichts mehr erlaubt. Durch die Corona-Verbote entstehen grosse finanzielle Einbussen. Bund und Kantone haben zwar Hilfsprogramme beschlossen, aber diese sind schlecht an die Situation der vielen freischaffenden Künstlerinnen und Künstler sowie der Veranstalterinnen und Veranstalter als Einzelunternehmen angepasst.

Wo liegt der Grund für die Geringachtung des Kulturbetriebs?

Es mangelt offenbar am kulturellen Bewusstsein bei den Entscheidungsträgerinnen und -trägern in der Politik und der Verwaltung. Obwohl gemäss einer neuen Studie von Ernst & Young (EY) der Kulturbereich gemessen an der Anzahl Beschäftigten in Europa an vierter Stelle steht: www.rebuilding-europe.eu

Ein Aufruf geht deshalb an die politisch und behördlich lenkenden Personen und Institutionen: Kultur ist lebensnotwendig! Sie ist ein Grundnahrungsmittel für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Lasst sie auch in Zeiten des Lockdowns gedeihen! Sie erfreut die Menschen, gibt ihnen Perspektive über die Pandemie hinaus und gibt vor allem den Künstlerinnen und Künstlern ein Auskommen.

Schafft differenzierte Regeln: Kleinveranstaltungen und Veranstaltungen mit reduzierter Besucherzahl müssen möglich sein, ebenso offene Museen, Kulturstätten, wo sich interessierte Menschen und Künstlerinnen und Künstler – natürlich unter Einhaltung der gesundheitlichen Vorschriften – treffen und gemeinsam etwas erleben können. Solche Orte sind für die Gesellschaft und den Alltag genauso wichtig wie die Läden, in denen Einkäufe für den täglich Bedarf getätigt werden. Mit wissenschaftlichen Studien ist nachgewiesen, dass bei Kulturveranstaltungen mit guten Schutzkonzepten keine erhöhte Gefahr in Bezug auf die weitere Ausbreitung des Corona-Virus besteht: nachzulesen in der Aerosolstudie des Fraunhofer-Instituts am Konzerthaus Dortmund sowie im Abschlussbericht des probeweisen Testbetriebes der Bayerischen Staatsoper (PDF) mit erhöhter Zuschauerzahl.

Kulturelles Bewusstsein stärker verankern

Die Corona-Krise in der Kultur zeigt noch etwas Weiteres: Erst beim Verbot und dadurch dem Wegfall von kulturellen Veranstaltungen wird vielen bewusst, wie wichtig Kultur und Unterhaltung für uns Menschen ist und wie aufbauend der kulturelle Austausch zwischen Kunstschaffenden und Publikum für beide Seiten ist.

Dieses kulturelle Bewusstsein sollte in der Schweizer Bevölkerung viel stärker verankert werden. Beginnend schon bei der Ausbildung: Durch Bildung und dem Ermöglichen des Zugangs zu kulturellen Errungenschaften werden junge Menschen an die Künste herangeführt. Mit der Initiative Jugend & Musik wurde zwar einiges erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun, insbesondere auch in anderen Kunstsparten als der Musik.

Das gesellschaftliche Interesse an Musik, bildender Kunst, Film, Literatur, Tanz und Performancekunst erweitert sich durch Anregung zu eigenem Schaffen und durch Förderung der Vermittlung der aktuellen künstlerischen Produktion und des künstlerischen Erbes. Je mehr Menschen mit künstlerischen Ausdrucksformen in Berührung kommen, desto mehr steigt auch das Bedürfnis nach Kunst und Kultur. Wodurch die Gesellschaft schliesslich nachhaltiger einfordert, dass dieser Bedarf erfüllt wird und die nötigen Voraussetzungen dazu aufgebracht werden.

Gemeinsame starke Stimme für die Kultur nötig

Für die Erhöhung und vertiefte Verankerung des Bedarfs nach Kunst und Kultur müssen sich die kulturellen Institutionen dieses Landes zusammenschliessen und die Verbreitung des kulturellen Schaffens gemeinsam viel nachdrücklicher fordern und fördern.

Mit der «Taskforce Culture» hat sich während der Pandemie erstmals eine starke gemeinsame Stimme gebildet. Als Gesprächspartnerin der Politik und der Verwaltung ist es dieser Task-Force in den letzten Monaten schon sehr gut gelungen, die Kräfte aus den verschiedensten Kultursparten, von den Künstlerverbänden bis zu den Veranstaltern und Kulturvermittlern, zu bündeln und für kulturspezifische Anliegen einzutreten. Denn es ist noch längst nicht in allen Köpfen angekommen, dass künstlerisches Schaffen andere Voraussetzungen hat als die Arbeit in vielen Produktions- und Dienstleistungsbereichen.

Ein Zusammenschluss der kulturellen Institutionen und Verbände kann ähnlich den grossen Wirtschaftsverbänden und Arbeitnehmerorganisationen eine gewichtige Rolle als Ansprechpartner für gesellschaftliche und politische Entwicklungen in der Schweiz übernehmen. Eine solche gemeinsame starke Stimme für die Kultur wird in den kommenden Monaten und Jahren noch zusätzliche Relevanz bekommen. Die öffentliche Hand wird ganz einschneidend sparen müssen, weil durch die Bekämpfung der Pandemie mit Verboten immense volkswirtschaftliche Schäden entstanden sind und weiter entstehen. Die künftigen Steuereinnahmen werden zurückgehen, während die Staatsverschuldung wegen der Hilfsmassnahmen zunimmt.

Wie rasch in finanziell schwierigen Situationen der Sparhebel zuerst bei Kultur und Bildung angesetzt wird, kennt man aus der Vergangenheit. Im Verbund können die Kulturverbände und -institutionen gemeinsam ihre Stimme erheben und mittel- bis langfristig dafür sorgen, dass die gesellschaftliche und politische Bedeutung von Kunst und Kultur gestärkt und geachtet wird. Denn künstlerische Ausdrucksformen und der Zugang zu ihnen müssen selbstverständlich als Grundbedarf der Menschen anerkannt sein. Man kann und darf sie nicht wegsperren.

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  1. Markus Hefti sagt:

    Unverhältnismässige und existenzbedrohende Beschlüsse „ unserer „
    Politiker schüren das Unverständnis in der Bevölkerung. Aber da sie nie für ihre Fehler
    zur Rechenschaft gezogen werden ist es ihnen scheinbar Egal ☹️

    • Danke für Ihren Kommentar. Dass es Massnahmen gegen die Covid-19-Pandemie braucht, stellen wir nicht in Frage. Es braucht allerdings differenziertere Massnahmen, die gewisse Wirtschaftszweige gegenüber anderen nicht benachteiligen.
      Andreas Wegelin, SUISA CEO

      • Ndiaye sagt:

        Une contribution de haute facture . La culture inspire de belles ouvertures au monde .
        Alassane ndiaye membre Suisa Sénégal

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«Night of Light»: Die SUISA setzt sich für die Event- und Kulturbranche ein

Am Montag, 22. Juni 2020, wurden von 22 Uhr bis Mitternacht Gebäude in der ganzen Schweiz in rotes Licht getaucht. Anlass war die «Night of Light». Mit dieser Aktion sollte die breite Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht werden, dass sich viele Veranstalter und Kulturschaffende aufgrund der Corona-Krise in einer prekären Lage befinden. Auch die SUISA beteiligte sich an dieser Aktion und liess ihren Hauptsitz in Zürich rot leuchten. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Nina Müller

Am Montagabend leuchteten mehr als 900 Gebäude in der ganzen Schweiz rot. Von 22 Uhr bis Mitternacht setzten Unternehmen und Organisationen im Rahmen der Aktion «Night of Light» gemeinsam ein Zeichen für die Veranstaltungs- und Kulturbranche, die von der Corona-Krise besonders stark betroffen ist.

Als Genossenschaft der Komponistinnen, Textautoren und Verlegerinnen von Musik hat sich auch die SUISA an der «Night of Light» beteiligt und ihren Hauptsitz in Zürich Wollishofen für zwei Stunden in rotes Licht getaucht. Bilder dieser Aktion sind im Video zu sehen. Damit setzt sich die SUISA für die Belange ihrer Mitglieder, der Urheberinnen und Verleger von Musik in der Schweiz und in Liechtenstein, sowie für ihre Kunden aus der Veranstaltungs- und Kulturbranche ein.

Das Ziel der Aktion war es, die Öffentlichkeit sowie Politikerinnen und Politiker auf die durch die Corona-Krise bedingte prekäre Situation der Event- und Kulturbranche aufmerksam zu machen. Die Koordinatorinnen und Koordinatoren, Verbände aus der Veranstaltungs- und Kulturindustrie, wollen mit den politischen Verantwortlichen im Rahmen eines Branchendialogs ins Gespräch kommen, wie die milliardenschwere, heterogene Veranstaltungs- und Kulturbranche vor einer massiven Insolvenzwelle gerettet werden und der Erhalt von schweizweit Tausenden Arbeitsplätzen gesichert werden kann.

«Die Veranstaltungsbranche war der erste Wirtschaftszweig, der von der Covid-19-Krise getroffen wurde und er wird auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am längsten und tiefgreifendsten von den Auswirkungen betroffen sein», schreiben die Organisatorinnen und Organisatoren der Schweizer «Night of Light». Ab dem 16. März 2020 wurde einem kompletten Wirtschaftszweig die Arbeitsgrundlage massiverschwert und Konzerte, Festivals, Theateraufführungen, Geschäftsanlässe waren bis vor kurzem komplett verunmöglicht und sind auch jetzt nur erschwert möglich.

Auch wenn der Bundesrat am 19. Juni 2020 weitere Lockerungen bekanntgegeben hat und nun Anlässe bis zu 1000 Personen unter Einhaltung entsprechender Sicherheits- und Hygienekonzepte erlaubt sind, bleibt die Lage im Event- und Kulturbereich nach wie vor äusserst schwierig. Erstens benötigen Veranstaltungen wie z. B. Tourneen eine Planungszeit von oftmals mehreren Monaten und können deshalb nicht von einem Tag auf den anderen wieder stattfinden. Zweitens können viele Veranstaltungen auch mit den neuen Lockerungen kaum wirtschaftlich durchgeführt werden, da sich die Veranstalter nach wie an strenge Auflagen halten müssen.

Hinzu kommt, dass der Anspruch auf Kurzarbeit für Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung Ende Mai erlosch und die Auflagen für Unterstützungszahlungen verschärft wurden. Dies trifft insbesondere KMUs und Freiberufler aus der Eventbranche und aus dem Kreis der Kulturschaffenden, da diese Berufsbereiche zu grossen Teilen aus kleinen inhabergeführten Unternehmen und Selbständigerwerbenden besteht. Die Eventbranche und die Kulturschaffenden sind also dringend darauf angewiesen, dass die Unterstützung fortgeführt wird, bis wieder ein Normalbetrieb möglich ist.

Die SUISA unterstützt die Forderungen der Kulturverbände, die Unterstützungsmassnahmen für Veranstalter und Kulturschaffende weiterzuführen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass viele dieser Selbständigen, Klein- und Kleinstunternehmen Konkurs anmelden müssen und aus der Schweizer Kulturlandschaft verschwinden. Letztlich stehen Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel in einer Industrie, die jährlich 70 Milliarden Schweizer Franken umsetzt.

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Am Montagabend leuchteten mehr als 900 Gebäude in der ganzen Schweiz rot. Von 22 Uhr bis Mitternacht setzten Unternehmen und Organisationen im Rahmen der Aktion «Night of Light» gemeinsam ein Zeichen für die Veranstaltungs- und Kulturbranche, die von der Corona-Krise besonders stark betroffen ist.

Als Genossenschaft der Komponistinnen, Textautoren und Verlegerinnen von Musik hat sich auch die SUISA…Weiterlesen

Wie schreibt man einen Streaming-Erfolg?

Tipps und Reflexionen zu modernen Songstrukturen von erfolgreichen Songwriterinnen und Songwriter sowie Personen aus dem Musikbusiness beim SUISA-Panel «How Streaming is Changing Songwriting» im Rahmen des Festivals M4music am Samstag, 21. März 2020, im Moods. Text von Erika Weibel

M4music 2019 SUISA Panel Hit the World

KT Gorique, Laurell Barker und Shelly Peiken (v.l.n.r.) im Gespräch über Songwriting am SUISA-Panel «Hit the World – so arbeiten internationale Hit-Komponistinnen» am Festival M4music 2019. (Foto: Ennio Leanza / M4music)

Selbst die kreativsten Songwriter bleiben unbemerkt, wenn sie nicht in der Lage sind, ihrer Musik Gehör zu verschaffen. In einem hochgradig wettbewerbsorientierten und übersättigten Umfeld müssen Songwriter auffallen. Sie müssen sich von unzähligen weiteren professionellen Autoren unterscheiden. Gerade im Pop-/Urban-Genre muss man zudem ein Publikum für sich gewinnen, dessen Hörverhalten stark vom Konsum der Musik über Streaming-Dienste beeinflusst ist.

Anlässlich des SUISA-Panels am Festival M4music 2020 werden erfolgreiche Songwriterinnen und Songwriter mit Personen aus dem Musikbusiness darüber diskutieren, wie ein Song klingen muss, um dem Geschmack des wachsenden Streaming-Publikums gerecht zu werden oder es gar für sich einzunehmen.

Das SUISA-Panel «How Streaming is Changing Songwriting» findet statt am:
Samstag, 21. März 2020, von 13:45 bis 15:00 Uhr im Moods im Schiffbau in Zürich.

Die grossen Herausforderungen der neuen Ära

Der Gründer von Spotify, Daniel Ek, hat im April 2019 informiert, dass täglich fast 40 000 Tracks auf die Spotify-Plattform hochgeladen werden. Hochgerechnet bedeutet das: 280 000 Songs pro Woche, 1,2 Millionen Tracks pro Monat und in einem Jahr satte 14,6 Millionen. Sich in dieser Masse zu differenzieren ist eine grosse Herausforderung.

Ein mögliches Sprungbrett für Songwriter ist es, in einer kuratierten Playlist aufgenommen zu werden. Songs in kuratierten Playlisten sind gruppiert, um ein spezifisches Publikum anzusprechen – das bedeutet mehr Zuhörer, mehr «Shares», mehr Einnahmen für Rechteinhaber. Das bedeutet ausserdem eine bessere Chance, dass der Song einem der «Music-Supervisors», die in den Playlisten nach Songs für aktuelle TV- und Filmproduktionen suchen. Den Sprung in eine Playlist schafft jedoch nur ein kleiner Teil der veröffentlichten Songs.

Eine weitere streamingbedingte neue Herausforderung ist auch, dass Musikschaffende erst dann Tantiemen erhalten, wenn ihr Song 30 Sekunden lang gestreamt wurde. Die Zuhörerinnen und Zuhörer sollen also ja nicht zu früh abspringen, sonst gibt es kein Geld. Zudem gilt zum Beispiel bei Radio oder Fernsehen: je länger der Song, desto mehr Einnahmen. Beim Streaming ist das anders: Man erhält eine Auszahlung pro Stream.

Wie sehr beeinflussen diese neuen Spielregeln des Streamings die Komponistinnen und Komponisten? Gibt es ab sofort nur noch kurze Songs ohne aufbauende Intros und dafür knallende catchy Hooklines ab dem ersten Takt? Welche Rolle spielt heute der Songtext? Wie muss ein Song klingen, um in einer Playlist aufgenommen zu werden?

Kommen Sie an das SUISA-Panel und diskutieren Sie mit!

SUISA-Panel am Festival M4music 2020
«How Streaming is Changing Songwriting»
Samstag, 21. März 2020, von 13:45 bis 15:00 Uhr
im Moods im Schiffbau in Zürich

Speaker:

  • Janine Cathrein, Singer Songwriter, Zürich
    Singer-Songwriterin Janine Cathrein ist Teil von Black Sea Dahu. Nach der Veröffentlichung ihres erfolgreichen Debütalbums «White Creatures» tourt die Bande unermüdlich, allein im Jahr 2019 waren es 120 Konzerte.
  • Julie Born, Managing Director Sony Music Entertainment Switzerland GmbH, Zürich
    Julie Born ist seit mehr als 30 Jahren im Schweizer Musikbusiness tätig. Als Geschäftsführerin von Sony Music Schweiz ist sie mit ihrem Team für den Aufbau und die Etablierung von Künstlern in den verschiedensten Musikbereichen verantwortlich.
  • Henrik Amschler, Producer Songwriter, Zürich
    Geboren 1989 in Zürich, ist bekannt unter dem Namen HSA. Er ist ein renommierter Urban-/Pop-Musik-Produzent und Songwriter. Er hat an zahlreichen Gold- und Platin-Produktionen mitgewirkt und gewann namhafte Auszeichnungen (wie z. B. den Swiss Music Award als Songwriter). Er produziert unter anderem für Loco Escrito und Mimiks.
  • Loris Cimino, Produzent und Songwriter, Reinach AG
    Der 22-jährige Produzent verbucht 2019 nur schon auf Spotify über 2,5 Milionen Streams. Er produziert die Musik von namhaften Künstlern und ist auch als DJ international erfolgreich mit offiziellen Remixes für Künstler wie David Guetta und Meghan Trainor. Ausserdem ist er der Coautor des offiziellen Trailer-Songs der aktuellen Show «America’s got Talent».

Moderation: Nina Havel

www.m4music.ch

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Das erste Jahr der SUISA Digital Licensing AGDas erste Jahr der SUISA Digital Licensing AG Vor etwas mehr als eineinhalb Jahren gründete die SUISA ihre Tochtergesellschaft, die SUISA Digital Licensing AG. Die Tochtergesellschaft hat nun ihr erstes vollständiges Geschäftsjahr hinter sich. Ein Jahr, das vollumfänglich im Zeichen des Aufbaus stand und eine Vielzahl neuer Erkenntnisse brachte. Es ist Zeit für einen Rückblick und ein erstes Zwischenfazit. Weiterlesen
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Tipps und Reflexionen zu modernen Songstrukturen von erfolgreichen Songwriterinnen und Songwriter sowie Personen aus dem Musikbusiness beim SUISA-Panel «How Streaming is Changing Songwriting» im Rahmen des Festivals M4music am Samstag, 21. März 2020, im Moods. Text von Erika Weibel

M4music 2019 SUISA Panel Hit the World

KT Gorique, Laurell Barker und Shelly Peiken (v.l.n.r.) im Gespräch über Songwriting am SUISA-Panel «Hit the World – so arbeiten internationale Hit-Komponistinnen» am Festival M4music 2019. (Foto: Ennio Leanza / M4music)

Selbst die kreativsten Songwriter bleiben unbemerkt, wenn sie nicht in der Lage sind, ihrer Musik Gehör zu verschaffen. In einem hochgradig wettbewerbsorientierten und übersättigten Umfeld müssen Songwriter auffallen. Sie müssen sich von unzähligen weiteren professionellen Autoren unterscheiden. Gerade im Pop-/Urban-Genre muss man zudem ein Publikum für sich gewinnen, dessen Hörverhalten stark vom Konsum der Musik über Streaming-Dienste beeinflusst ist.

Anlässlich des SUISA-Panels am Festival…Weiterlesen

Endlich erhält die Schweiz ein erneuertes Urheberrecht!

Am 27. September 2019 haben der National- und Ständerat in den Schlussabstimmungen die Teilrevision des Schweizerischen Urheberrechtsgesetzes gutgeheissen. Damit endete ein Prozess, der 2010 durch ein Postulat von Géraldine Savary angestossen worden war. Der Bundesrat wird nun, sofern kein Referendum zustande kommt, entscheiden, wann das modernisierte Urheberrecht in Kraft tritt. Von Vincent Salvadé, Deputy CEO

Endlich erhält die Schweiz ein erneuertes Urheberrecht!

Erst am 16. September 2019 willigte der Nationalrat ein, die umstrittene Ausnahme von der Vergütungspflicht für Radio- und TV-Empfang im Hotelzimmer wieder aus dem Entwurf zu streichen, und machte damit den Weg frei für die Annahme des revidierten Urheberrechtsgesetzes durch beide eidgenössischen Räte am 27. September 2019. (Foto: Parlamentsdienste 3003 Bern)

Endlich! Die Revision des Urheberrechts ist unter Dach und Fach. Die letzten Differenzen zwischen dem Nationalrat und dem Ständerat wurden am 16. September 2019 ausgeräumt, sodass der Entwurf in einer Schlussabstimmung am Ende der parlamentarischen Herbstsession angenommen wurde. Somit endet ein langer Prozess für die Musikurheber und -verleger in zufriedenstellender Weise.

Ein Kompromiss und intensive Debatten

Ein kurzer Rückblick: 2012 setzte Bundesrätin Simonetta Sommaruga die Arbeitsgruppe AGUR12 ein und beauftragte sie, Vorschläge für die Urheberrechtsrevision zu unterbreiten. Die AGUR12, die alle interessierten Parteien (Urheber, Werknutzerinnen, Konsumenten usw.) vertrat, schlug Ende 2013 mehrere Massnahmen als Kompromisslösung vor. Leider wich der Bundesrat in seinem Vorentwurf aus dem Jahr 2015 davon ab.

Angesichts der zahlreichen Kritiken im Laufe der Vernehmlassung machte der Bundesrat einen Rückzieher und präsentierte dem Parlament Ende 2017 einen Entwurf, der vollständig auf dem AGUR12-Kompromiss basiert. Nach intensiven Debatten beschlossen die eidgenössischen Räte schliesslich, an diesem Kompromiss festzuhalten und einige neue Fragen (z. B. den Schutz der Zeitungsverleger und Journalistinnen) auf später zu vertagen.

SUISA aktiv am Revisionsprozess beteiligt

Die SUISA hat den Gesetzgebungsprozess seit dessen Beginn vor sieben Jahren begleitet. Zunächst, indem sie in der Delegation von Suisseculture aktiv an der Arbeit der AGUR12 teilnahm. Dann informierte sie die Parlamentsmitglieder bei Anhörungen in den Kommissionen, mit Briefen, Stellungnahmen oder Argumentarien.

Und mit welchem Resultat? Insgesamt wurde der Rechtsschutz verstärkt und das Gesetz modernisiert, insbesondere durch neue Massnahmen zur Bekämpfung der Piraterie und Verbesserungen bei der Rechtewahrnehmung. Sicherlich hätte man in gewissen Punkten noch weitergehen können. Aber ein Kompromiss bleibt ein Kompromiss …

Nach der Revision ist vor der Revision

Doch wir müssen wachsam bleiben. Denn die Piratenpartei hat ein Referendum gegen das revidierte Urheberrechtsgesetz lanciert. Weiter wurde zuletzt im Parlament die Frage diskutiert, ob die Hotels, die in ihren Zimmern Fernsehen, Musik oder Filme anbieten, von ihren Verpflichtungen gegenüber den Urhebern entbunden werden sollen. Der Nationalrat hat diesen Vorschlag schliesslich abgelehnt, aber diese jüngsten Vorgänge zeigen, dass die den Urheberinnen und Urhebern zustehenden Rechte beständiges Ziel von Angriffen bleiben. Wir müssen also darauf achten, dass eine Revision des revidierten Gesetzes zum Nachteil der Urheber und Verleger vermieden wird! Denn sonst müssten wir wieder bei null anfangen …

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Wenn die SUISA Politik machtWenn die SUISA Politik macht Die SUISA und die anderen Schweizer Verwertungsgesellschaften haben sich politisch noch nie so stark engagiert wie im Jahr 2018. Doch ist ein politisches Engagement der SUISA gerechtfertigt? Das politische Engagement der SUISA hat natürlich mit der Urheberrechtsrevision zu tun. Doch die Verwertungsgesellschaften haben auch zu vielen anderen Themen Stellung genommen: zur «No Billag»-Initiative, zum Geldspielgesetz, zur Revision des Fernmeldegesetzes, zu verschiedenen parlamentarischen Motionen, Initiativen usw. Weiterlesen
Anpassung des Urheberrechts an die digitale Verwendung von WerkenAnpassung des Urheberrechts an die digitale Verwendung von Werken Nach monatelangem Protest auf der Strasse und in der Internet-Community hat am 26. März 2019 das EU-Parlament den Vorschlag zur neuen Richtlinie der EU über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt genehmigt. Die Revisionen des Urheberrechts in der Schweiz und in der EU: Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede? Weiterlesen
SUISA macht Musik möglichSUISA macht Musik möglich Ein neues Leitbild, ein neues Organigramm! Fairness, Engagement und Leidenschaft – diese drei Begriffe umreissen das neue Leitbild der SUISA. Im Zentrum steht das Statement «SUISA macht Musik möglich». Auf dem gleichen Grundsatz basiert auch das neue Organigramm der SUISA. Weiterlesen
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Am 27. September 2019 haben der National- und Ständerat in den Schlussabstimmungen die Teilrevision des Schweizerischen Urheberrechtsgesetzes gutgeheissen. Damit endete ein Prozess, der 2010 durch ein Postulat von Géraldine Savary angestossen worden war. Der Bundesrat wird nun, sofern kein Referendum zustande kommt, entscheiden, wann das modernisierte Urheberrecht in Kraft tritt. Von Vincent Salvadé, Deputy CEO

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Erst am 16. September 2019 willigte der Nationalrat ein, die umstrittene Ausnahme von der Vergütungspflicht für Radio- und TV-Empfang im Hotelzimmer wieder aus dem Entwurf zu streichen, und machte damit den Weg frei für die Annahme des revidierten Urheberrechtsgesetzes durch beide eidgenössischen Räte am 27. September 2019. (Foto: Parlamentsdienste 3003 Bern)

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Musikalisches Schaffen im Zeitalter der verschiedensten Einflüsse

Eine Diskussion zum – nur auf den ersten Blick – einfachen Thema der «Einflüsse in der Musik» hat zahlreiche Denkanstösse geliefert und noch einmal deutlich gemacht, dass über Musik und Ideen gesprochen werden muss, um einander besser und umfassender zu verstehen. Gastbeitrag von Zeno Gabaglio

Jazz in Bess: Musikalisches Schaffen im Zeitalter der verschiedensten Einflüsse

Diskussion am runden Tisch zum Thema musikalisches Schaffen im Zeitalter der verschiedensten Einflüsse: Zeno Gabaglio, Nadir Vassena, Maurizio Chiaruttini (Moderation), Gabriele Pezzoli und Carlo Piccardi (von links nach rechts). (Foto: Giorgio Tebaldi)

Wenn einem die Aufgabe zuteil wird, einen Bericht über eine Veranstaltung zu schreiben, an der man selbst aktiv teilgenommen hat, steht man vor einem ziemlichen Interessenkonflikt. Man ist parteiisch und kann so den berechtigten Erwartungen an einen objektiven Bericht nicht gerecht werden. Die Leserinnen und Leser dieses Textes müssen sich also bewusst sein, dass jedes Detail des folgenden Artikels subjektiver nicht sein könnte.

Doch gehen wir einen Schritt zurück. Am vergangenen 7. Juni 2019 fand in Lugano, dem gastfreundlichen Austragungsort des Jazz in Bess (was jener Veranstaltungsort ist, der im Tessin einem Jazz-Club am nächsten kommt, aber diesem magischen Ort müsste man eigentlich einen eigenen Artikel widmen …), eine Diskussion am runden Tisch zum Thema Musikalisches Schaffen im Zeitalter der verschiedensten Einflüsse statt. Eingeladen waren vier Vertreter der Tessiner Musikszene: Nadir Vassena (Komponist, Dozent und seit mehr als zwanzig Jahren wichtiger Bestandteil der Kulturszene, auch auf europäischer Ebene), Gabriele Pezzoli (Komponist und Jazzpianist, Protagonist eines ziemlich persönlichen und gleichzeitig vielfältigen Autorenwerks), Carlo Piccardi (Musikwissenschaftler, viele Jahre Direktor von Rete Due und einer der Kenner und unermüdlicher Vertreter der musikgeschichtlichen Kultur der italienischen Schweiz) sowie der Verfasser dieses Beitrags, Zeno Gabaglio.

Eine vielseitige Mischung würde man in einem anderen Zusammenhang, zum Beispiel auf einer Pralinenpackung, lesen. Keiner gleicht dem anderen, und bereits ihre unterschiedlichen Werdegänge lassen vermuten, dass sie auch unterschiedliche Vorstellungen von Musik haben. Eine Vielzahl von Meinungen, die zum Ausdruck kamen, dank der Moderation und des Inputs von Maurizio Chiaruttini, Journalist und ehemaliger Produzent des RSI.

Eine eigene musikalische Identität finden

«Es scheint, als seien Einflüsse für sämtliche künstlerischen Ausdrucksformen geradezu ein Muss geworden: Fusion verschiedener Genres, Vermischung verschiedener Sprachen – kultiviert und volkstümlich, akademisch und kommerziell, Akustik und Techno –, Verschmelzung verschiedener kultureller Ausdrucksweisen unterschiedlichen Ursprungs. Was bedeutet es vor diesem Hintergrund, eine eigene musikalische Identität zu finden, einen eigenen Stil, eine Glaubwürdigkeit des eigenen künstlerischen Ausdrucks?»

Dies war der Ausgangspunkt der Diskussion und, gegen jegliche dramaturgische Regel verstossend, verrate ich an dieser Stelle bereits, dass wir zu keiner Schlussfolgerung gekommen sind, oder besser gesagt: nicht nur zu einer Schlussfolgerung.

Bereits beim Begriff der «Einflüsse» gingen die Vorstellungen auseinander: Während die einen vor allem die negative Konnotation hervorhoben (immerhin denkt man schnell auch an negative Einflüsse oder Einflussnahme), verwiesen die anderen darauf, dass durch verschiedene Einflüsse eine Andersartigkeit erzeugt wird, die sich von Konzepten wie «Reinheit» und «Identität» abgrenzt. Ein Musiker, der von anderen «beeinflusst» ist, kann natürlich nicht mehr «rein» sein und verliert so einen Teil seiner Identität zugunsten von etwas anderem.

Im Zusammenhang mit den Begrifflichkeiten schlug Gabriele Pezzoli schliesslich ein Synonym vor: die «Hybridisierung» – diese sei weniger negativ konnotiert und offener für die vielen verschiedenen Stimuli, die das Zeitgenössische bietet und in denen sich Pezzoli wiederfindet.

Meisterwerke sind das Ergebnis verschiedener Prozesse

Daraufhin erinnerte Piccardi daran, dass es sich bei Einflüssen um ein umfassendes historisches Phänomen handle, das schon weit vor der zeitgenössischen Kunst zu finden gewesen sei. Die grossen Werke der Geschichte – also die Meisterwerke, die nicht infrage gestellt und von allen sofort wiedererkannt werden – seien immer das Ergebnis verschiedener Prozesse gewesen. Die Prozesse aber, die notwendig sind, um ein Werk zu schaffen, seien so gut wie nie weitergegeben worden, geschweige denn erinnere man sich an diese. Doch gerade in diesen Prozessen haben Einflüsse immer eine entscheidende Rolle gespielt – und zwar bereits über die letzten zwei Jahrtausende der europäischen Musikgeschichte.

Insgesamt konnte am Ende der Diskussion also keine einzige Schlussfolgerung gezogen werden, könnte man sagen. Doch die Diskussion über ein auf den ersten Blick so einfaches und klar definiertes Thema wie das der «Einflüsse in der Musik» hat zusätzliche Fragen aufgeworfen und Beobachtungen hervorgebracht, die, in einer Zeit, in der eher das Gegenteil zu gelten scheint, gezeigt haben, dass wir über Musik sprechen, unsere Vorstellungen und Träume miteinander abgleichen und auch versuchen wollen, uns besser und umfassender zu verstehen.

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Der Gastautor – Zeno Gabaglio – ist Musiker, Komponist und Vorstandsmitglied der SUISA.

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Eine Diskussion zum – nur auf den ersten Blick – einfachen Thema der «Einflüsse in der Musik» hat zahlreiche Denkanstösse geliefert und noch einmal deutlich gemacht, dass über Musik und Ideen gesprochen werden muss, um einander besser und umfassender zu verstehen. Gastbeitrag von Zeno Gabaglio

Jazz in Bess: Musikalisches Schaffen im Zeitalter der verschiedensten Einflüsse

Diskussion am runden Tisch zum Thema musikalisches Schaffen im Zeitalter der verschiedensten Einflüsse: Zeno Gabaglio, Nadir Vassena, Maurizio Chiaruttini (Moderation), Gabriele Pezzoli und Carlo Piccardi (von links nach rechts). (Foto: Giorgio Tebaldi)

Wenn einem die Aufgabe zuteil wird, einen Bericht über eine Veranstaltung zu schreiben, an der man selbst aktiv teilgenommen hat, steht man vor einem ziemlichen Interessenkonflikt. Man ist parteiisch und kann so den berechtigten Erwartungen an einen objektiven Bericht nicht gerecht werden. Die Leserinnen und Leser dieses Textes müssen sich also bewusst sein, dass jedes Detail…Weiterlesen

Anpassung des Urheberrechts an die digitale Verwendung von Werken

Nach monatelangem Protest auf der Strasse und in der Internet-Community hat am 26. März 2019 das EU-Parlament den Vorschlag zur neuen Richtlinie der EU über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt genehmigt. Die Revisionen des Urheberrechts in der Schweiz und in der EU: Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede? Text von Andreas Wegelin

Anpassung des Urheberrechts an die digitale Verwendung von Werken

In den EU-Staaten hat die Reform des Urheberrechts hohe Wellen geworfen und zu Protesten von vor allem jungen Internetnutzern im Netz und auf der Strasse geführt. Angefeuert von Social Media-Plattformen wird behauptet, wegen des neuen Urheberrechts sei die Meinungsäusserungsfreiheit ernsthaft in Gefahr. (Foto: Emmanuele Contini / NurPhoto via Getty Images)

Einige Tage vor dem Entscheid des EU-Parlaments hat der Ständerat am 12. März 2019 die Vorlage zur Revision des Urheberrechts in der Schweiz an seine vorberatende Kommission Wissenschaft Bildung Kultur WBK zurückgewiesen. Der Rat hat dazu seiner Kommission den Auftrag gegeben, die aktuellen Entwicklungen in der EU zu berücksichtigen.

Trotz des von Bundesrätin Sommaruga, der damaligen Justizministerin, sorgfältig austarierten AGUR-Kompromisses drohen der Revision des Urheberrechts noch einmal Verzögerungen und damit auch die Gefahr, dass einzelne Partikularinteressen, welche bisher wegen des geschlossenen Kompromisses in der vorberatenden Arbeitsgruppe Urheberrecht (AGUR) hintangestellt wurden, erneut aufkommen.

Die wichtigsten Revisionspunkte in der europäischen Regelung

In der europäischen Regelung besonders umstritten sind zwei grundsätzliche Verbesserungen des Schutzes für die Urheber:

Die Verantwortlichkeit der Plattformbetreiber für das Teilen von Inhalten, welche von Konsumenten hochgeladen werden
Diese Vorschrift betrifft vor allem die grossen Social Media-Plattformen (Google, Apple, Facebook und Amazon, kurz: GAFA). Gemäss dem geltenden EU-Recht konnten sich deren Betreiber auf den Standpunkt stellen, sie wären lediglich technischer Dienstleister und nicht verantwortlich für den Inhalt, der auf ihren Plattformen zur Verfügung gestellt wird. Diese Haltung geht auf die E-Commerce-Richtlinie der EU aus dem Jahre 2000 zurück, in welcher – zur Ankurbelung der digitalen Wirtschaft – die Haftung der technischen Dienstleister beschränkt wurde (das sogenannte «Safe Harbour»-Prinzip).

Mittlerweile wurde zu Recht anerkannt, dass durch den Upload von geschützten Inhalten durch Private Urheberrechte verletzt werden. Selbst Anbieter wie Google suchten wegen Youtube den Kontakt zu den grossen Rechteinhabern und Verwertungsgesellschaften, allerdings immer um auf «freiwilliger» vertraglicher Basis eine finanzielle Abgeltung zu leisten. Plattformen wie Youtube sind deshalb so beliebt, weil mittlerweile dort praktisch sämtliche Inhalte verfügbar sind und von Musik- oder Filmbegeisterten immer weiter geteilt werden.

Gemäss Art. 17 der neuen Richtlinie (im Entwurf war es noch Art. 13) wird jetzt definiert, dass die Mitgliedstaaten der EU Regeln vorsehen müssen, dass Dienstanbieter urheberrechtlich verantwortlich sind für Inhalte, welche auf ihren Plattformen geteilt (hochgeladen) werden.

Das wird die GAFAs dazu zwingen, entweder mit sämtlichen Rechteinhabern Lizenzverträge auszuhandeln oder aber durch technische Massnahmen (sogenannte Uploadfilter) zu verhindern, dass geschützte Inhalte überhaupt noch hochgeladen werden können. Die Aussicht auf letztere Massnahme hat die Internet-Community aufgewühlt und zu Demonstrationen vor dem EU-Parlament geführt, da sie eine einschneidende Beschränkung der Meinungsäusserungs- und der Kunstfreiheit befürchten.

Schutz der Presseverlage vor Veröffentlichung ihrer Artikel auf Internet-Plattformen
Auch der Artikel 15 (vormals 11) der neuen Richtlinie war in der Debatte sehr umstritten. Das sogenannte Leistungsschutzrecht für Verleger sollte diesen eine Beteiligung an der Weiterverbreitung ihrer Inhalte, z.B. auf Google News bringen. Interessanterweise kann aber gerade der Hinweis auf Google News die Reichweite für den Presseverlag steigern, und eine blosse Neuigkeit an sich ist urheberrechtlich gar nicht schützbar. Ähnliche Regelungen in einzelnen EU-Ländern erwiesen sich als unwirksam, insbesondere weil die grossen Presseverlage doch lieber von der Gratiswerbung auf Google News profitierten als wegen des drohenden Lizenzanspruchs von Google- News nicht mehr berücksichtigt zu werden.

Die wichtigsten Revisionspunkte der Schweizer Revisionsvorlage

Unterschiedliche Rechtslage zur EU
Das Schweizer Gesetz (URG) und die Rechtslage in der Schweiz kennen einige wesentliche Unterschiede zum EU-Recht und zu den urheberrechtlichen Gesetzesbestimmungen der einzelnen EU-Länder. So gilt die EU-Richtlinie von 2000 zum Binnenmarkt in der Schweiz nicht. GAFAs können sich nicht auf das «Safe Harbour»-Prinzip berufen. Grundsätzlich wäre die Haftung der Plattformbetreiber für die von ihren Benutzern geteilten Inhalten bereits gegeben, allerdings prozessual nur aufwendig und risikoreich durchsetzbar. Das Schweizer URG kennt zudem den Grundsatz, dass der Konsument aufgrund der Bestimmungen zur Privatkopie auch Inhalte aus dem Internet nutzen darf, ungeachtet dessen, ob die Quelle lizenziert ist oder nicht. Das entspricht einer liberalen Haltung und widerspiegelt vor allem die Einsicht, dass der massenhafte Konsum von Inhalten aus dem Internet urheberrechtlich mit vernünftigem Aufwand nur beim Anbieter, aber sicher nicht beim Konsumenten lizenziert werden kann.

Der AGUR-Kompromiss
Im Rahmen dieser erwähnten schweizerischen Grundsätze wurde auch der AGUR-Kompromiss vom März 2017 beschlossen. Darauf aufbauend, allerdings mit einigen Unschärfen zulasten der Urheber, hat der Bundesrat dem Parlament eine Revisionsvorlage vorgelegt. Zur Verschärfung der Haftung der Provider ist eine sogenannte «Stay-Down»-Verpflichtung vorgesehen. Plattformen müssen einmal als rechtswidrig erkannte Inhalte dauerhaft von ihren Plattformen fernhalten. Die URG-Vorlage des Bundesrates enthält neben weiteren wichtigen Verbesserungen für die Urheber, über welche wir bereits verschiedentlich berichtet haben auch Anpassungen an die Digitalisierung, wie beispielsweise eine sogenannte Wissenschaftsschranke für das Text- und Data-Mining, oder die vereinfachte Lizenzvergabe über eine erweiterte Kollektivlizenz. Die letzten beiden Vorschläge sind auch in der eben beschlossenen EU-Richtlinie (Art. 4 bzw. Art. 12) vorgesehen.

Vergütung für Journalisten und Leistungsschutzrecht für Verleger
Die Kommission des Ständerates hat am 12. Februar 2019 nun vorgeschlagen, auch in der Schweiz einen Vergütungsanspruch für Journalisten und einen Leistungsschutz für Verleger einzuführen, wenn ihre Erzeugnisse auf Internet-Plattformen weiterverwendet werden. Zu begrüssen ist sicherlich die Verankerung eines Vergütungsanspruchs für Journalisten, möglicherweise könnte ein solcher auch genügen, wenn die Journalisten als die ursprünglich kreativ tätigen Personen die Verleger an den Ansprüchen beteiligen würden. Es bräuchte dann kein umstrittenes Leistungsschutzrecht mit der oben geschilderten zweifelhaften Wirkung.

Ausnahme für Bibliotheken
In letzter Minute hat die Ständeratskommission zudem eine Gesetzesbestimmung vorgeschlagen, wonach das Vermieten von Werken in öffentlichen Bibliotheken von der seit 1993 geltenden Vergütungspflicht für das Vermieten ausgenommen sein soll. Dahinter steckt ein starkes Lobbying der Bibliotheken, welche gemäss dem bisher geltenden Tarif für das Vermieten von Werken nichts zahlen mussten, wenn das Entgelt als Jahresgebühr, nicht aber als einzelne Gebühr beim Bezug des Werkes bezahlt wurde. Tatsache ist jedoch in all diesen Fällen, dass Bibliotheken ihren Benützern gegen ein geringes Entgelt Bücher, DVDs, CDs oder Musikstreaming zu Verfügung stellen und damit die entsprechenden Märkte konkurrenzieren.

Ausnahme für Weiterleitung in Gästezimmer
Wie schon bei den Bibliotheken weicht auch die Ausnahme für Gästezimmer vom AGUR-Kompromiss zulasten der Urheber ab. Dem intensiven Lobbying der Gastgewerbeverbände ist es zu verdanken, dass der Nationalrat bereits im Dezember 2018 eine Ausnahme für den Empfang von Sendungen in Hotelzimmern und Ferienwohnungen vorgesehen hat. Die Ausnahme wurde zudem ausgedehnt auf Zimmer in Heimen und Gefängniszellen. Auch diese Forderung geht auf einen Tarifstreit mit den Verwertungsgesellschaften zurück. 2017 hat das Bundesgericht klargestellt, dass es sich bei der Nutzung in diesen Räumlichkeiten nicht um eine private Nutzung handelt, wenn der Hotelier oder Vermieter den Empfang ermöglicht und die entsprechenden Geräte zur Verfügung stellt. Beide handeln in diesem Fall mit Gewinnabsicht, das heisst: Die Bereitstellung der Empfangsmöglichkeit von geschützten Inhalten ist ein Verkaufsargument für die Vermieter und beeinflusst deren Umsatz. Es kann nicht sein, dass die Künstler mittels dieser Ausnahme das Gastgewerbe subventionieren und sich ihre Situation im Vergleich zum heutigen Urheberrecht dadurch wesentlich verschlechtert.

Die Schweiz braucht ein erneuertes Urheberrecht jetzt – ohne zusätzliche Ausnahmen!

Seit 2010 wird in der Schweiz um eine Modernisierung des Urheberrechts gerungen. Mit dem AGUR-Kompromiss konnte einiges hinsichtlich einer Anpassung an die zeitgemässen Gegebenheiten erreicht werden. In der parlamentarischen Debatte tauchen wie zuvor erwähnt Einzelinteressen auf, welche dieser Modernisierung zuwiderlaufen und sogar eine Verschlechterung des geltenden Rechts darstellen. Das darf nicht sein. Etwas anders verhält es sich mit dem Anspruch der Journalisten: Die Problematik der Weiterverwendung von Presseerzeugnissen im Internet ist bei einer Modernisierung des Gesetzes ernsthaft zu prüfen. Vielleicht ist aber die Zeit noch nicht reif dafür. Das hat auch die Ständeratskommission an ihrer zweiten Beratung zum Urheberrecht am 29. April erkannt und den Bundesrat auf dem Weg des Postulats aufgefordert, die weitere Entwicklung des Urheberrechts in Europa zu prüfen.

Das Parlament wäre also gut beraten, jetzt in der Sommersession 2019 die Revision des Gesetzes im Rahmen des AGUR-Kompromisses und ohne zusätzliche Ausnahmen für Bibliotheken oder das Gastgewerbe zu beschliessen.

Behutsame Übernahme und Anpassung der EU-Richtlinie an die Schweizer Verhältnisse in naher Zukunft

Die neue EU-Richtlinie könnte künftig trotzdem Vorbild sein für weitere Anpassungen des Schweizer Gesetzes. Die WBK des Ständerates verlangt vom Bundesrat wie erwähnt bereits einen Bericht zur Situation, insbesondere der Journalisten und Zeitungsverleger, in dem die Verantwortlichkeit der Plattformbetreiber genauer untersucht werden soll. Weiter ist das Teilen bzw. der Upload geschützter Inhalte im Internet noch weniger kontrollierbar als die Privatkopie. Die EU-Richtlinie hat deshalb zu Recht eine Verantwortlichkeit der GAFAs festgestellt, weil diese ja das Teilen erst ermöglichen und attraktiv machen. Es dürfte allerdings für die GAFAs schwierig sein, die Nutzung eines jeden hochgeladenen Beitrags bei den betroffenen Rechteinhabern zu lizenzieren.

Eine Möglichkeit wäre eine Verpflichtung der Plattformen, die Rechteinhaber pauschal für das Teilen von Inhalten auf den Plattformen zu entschädigen. Was man nur mit unsinnigem technischem Aufwand kontrollieren kann, wäre besser generell zu erlauben, gleichzeitig aber die Plattformen als Anbieter von Uploadmöglichkeiten zu verpflichten, die Urheber und weiteren Rechteinhabern in einer gesetzlichen Lizenz ähnlich wie bei der Privatkopie über die Verwertungsgesellschaften zu entschädigen. Der Schweizer Gesetzgeber wird sich in den kommenden Jahren mit diesen Fragen – und mit Blick über die Grenzen auf die Umsetzung der EU-Richtlinie – nochmals neu und eingehend befassen müssen.

Nach der Revision ist vor der Revision

Das Urheberrechtsgesetz wird somit voraussichtlich für längere Zeit eine Baustelle bleiben. Durch die Digitalisierung, die Möglichkeit des einfachen weltweiten Austausches von geschützten Werken im Internet und neu aufkommender technologischer Entwicklungen wie künstliche Intelligenz oder maschinellen Lernens, werden die rechtlichen Normen erneut zu überprüfen sein. Somit ist die hoffentlich im Juni 2019 im Sinne des AGUR-Kompromisses abzuschliessende Revision des Schweizer Urheberrechts kaum die letzte, sondern bereits der Auftakt zu einer nächsten.

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Urheberrechtsrevision: Die Urheber und Verleger müssen von der Online-Nutzung ihrer Werke besser profitierenUrheberrechtsrevision: Die Urheber und Verleger müssen von der Online-Nutzung ihrer Werke besser profitieren Der Bundesrat hat die Botschaft zum neuen Urheberrechtsgesetz verabschiedet. Die SUISA ist mit der vorliegenden Fassung des Gesetzes grundsätzlich zufrieden. Die in der Arbeitsgruppe zum Urheberrecht (AGUR12 II) erarbeiteten Lösungen wurden übernommen. Damit auch die Urheber, Interpreten, Verleger und Produzenten von der Digitalisierung profitieren, braucht es aber dringend wichtige Ergänzungen. Zum Beispiel ist der Wertetransfer («Transfer of Value») für die Kulturschaffenden höchst unbefriedigend: Von der Online-Nutzung von Musik und Filmen profitieren nach wie vor nur die Plattformen der Internetgiganten. Die Kulturschaffenden – und damit die Inhaltslieferanten – gehen dagegen fast leer aus. Weiterlesen
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