Tagarchiv: Songwriter

«Besonders spannend finde ich es, wenn ich zunächst nicht weiss, in welche Richtung ein Song geht»

James Gruntz veröffentlichte kürzlich sein neues Album «Waves». Eine wichtige Rolle bei der Entstehung spielte das Werkjahr, das der 30-jährige Songwriter, Multiinstrumentalist, Produzent und Sänger von der FONDATION SUISA erhalten hat. Text von Gastautor Markus Ganz

James Gruntz: «Besonders spannend finde ich es, wenn ich zunächst nicht weiss, in welche Richtung ein Song geht»

«Die Realität ist, dass ich das Geld für meinen Lebensunterhalt mit den Konzertgagen und den Vergütungen der Verwertungsgesellschaften bestreite», erklärt James Gruntz. (Foto: Gregor Brändli)

Mit dem Album «Belvedere» gelang James Gruntz 2014 der Durchbruch, was sich in guten Hitparadenplatzierungen und mehreren Auszeichnungen bestätigte («Basler Pop-Preis» 2014 und zwei «Swiss Music Awards» 2015). Für die Entstehung des kürzlich erschienenen Nachfolgealbums «Waves» dürfte dadurch der Druck auf den Musiker gewachsen sein, der in Nidau bei Biel aufgewachsen ist, mit 16 nach Basel kam, in Zürich den Pop-Master an der Zürcher Hochschule der Künste machte und nun in einer Fabrikloft in Dulliken bei Olten wohnt und an Songs arbeitet.

James Gruntz relativiert diesen Druck im Gespräch. «Musik war für mich schon immer ein sehr wichtiger Teil meines Lebens – und das wird so bleiben, ganz unabhängig davon, ob ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen kann oder nicht.» Der Songwriter, Multiinstrumentalist, Produzent und Sänger betont denn auch, dass sein Debütalbum bereits vor zehn Jahren erschien und das kürzlich erschienene «Waves» bereits sein sechstes ist. «Es gab eine stetige Entwicklung: Irgendwann liefen Songs von mir am Radio, und es gab immer mehr Engagements für Konzerte. Und bis jetzt hat sich noch jedes Album besser verkauft als das vorherige.»

Die Freude am Scat

Dann irritiert James Gruntz mit der Bemerkung, dass er froh sei, dass er die goldene Zeit der Musikindustrie nicht miterlebt habe. «Deshalb habe ich keine grossen kommerziellen Erwartungen an das Album-Format. Denn die Realität ist, dass ich das Geld für meinen Lebensunterhalt mit den Konzertgagen und den Vergütungen der Verwertungsgesellschaften bestreite.» Für ihn gehe es finanziell auf, weil er sowohl Urheber wie Interpret und auch Produzent seiner Songs ist. Von den Album-Verkäufen erwarte er lediglich, dass er die damit verbundenen Kosten decken könne.

Zum Glück hat James Gruntz trotzdem das neue Album «Waves» realisiert, denn es besticht mit einer reizvollen Mischung aus Soul, Pop und Elektronik. Eine Vorstellung, wie das neue Album werden sollte, hatte er zu Beginn jedoch nicht. «Klar war einzig, dass ich wie auf dem letzten Album beim Stück ‹Heart Keeps Dancing› wieder etwas mit Scat-Gesang machen wollte.» Das spezielle Schnalzen mit der Zunge habe er damals zum ersten Mal probiert und das sei sehr gut angekommen. Und da er dies «extrem gern» mache, wollte er auf dem neuen Album mehr in dieser Art machen und sich dabei auch mehr getrauen.

Kein Selbstzweck

Der eigenwillige Einsatz der Stimme prägt die Musik noch mehr als auf dem letzten Album, auch mit dem zuweilen an Prince erinnernden Falsett und mehrstimmigem Harmonizer-Gesang, der eine eigentümliche Verfremdung schafft. «Der spielerische Umgang mit Gesang macht mir eben Spass. Wichtig aber ist, dass man es nicht nur macht, weil man es kann oder es technisch toll ist. Es muss eigenständig funktionieren und Sinn machen.» Letztlich verleiht die Stimme dem Album einen hohen Wiedererkennungswert.

Die neuen Stücke sind sehr unterschiedlich entstanden. James Gruntz hat immer ein Diktiergerät dabei und nimmt damit Ideen auf. Von Zeit zu Zeit hört es sich dann diese Aufnahmen durch und sucht Ideen, «bei denen ich Lust verspüre, daraus etwas zu entwickeln». Dann arbeite er zuhause im Heimstudio allein daran weiter, bis die Songform stehe. «Ich finde es besonders spannend, wenn ich zunächst nicht weiss, in welche Richtung der Song geht. Erst wenn mir das klar geworden ist, wenn ich meine Version gefunden habe, suche ich die Zusammenarbeit mit anderen Musikern – und bin offen für deren Ideen.»

Unterschiedliche Entstehung

Die Idee für die erste Single, «You», sei ihm bereits vor drei Jahren gekommen, also kurz nach der Veröffentlichung des letzten Albums. «Dieses Stück hat sich bis zur Fertigstellung enorm entwickelt, ist sehr anders geworden.» Andere Songs wie «Waves» habe er hingegen quasi aus dem Nichts in einem Tag nahezu fertiggestellt. «Dieses Stück ist gewissermassen immer noch das Demo. Das war möglich, weil es näher bei einer Stimmung ist als bei einem Song und dadurch auch limitierter für den Ausbau ist.»

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Albums spielte das mit 80 000 Franken dotierte Werkjahr, das James Gruntz 2016 von der FONDATION SUISA erhalten hat. Eigentlich sollte «Waves» bereits diesen Frühling erscheinen. «Ich merkte dann aber, dass ich mehr Zeit brauchte, um das Album so zu gestalten, wie es mir vorschwebte. So konnte ich die Veröffentlichung des Albums um ein halbes Jahr verschieben, ohne Angst zu bekommen, dass mein Konto unter Null sinken würde.»

Ist das Buch die neue CD?

Das Werkjahr ermöglichte zudem ein ganz spezielles Projekt: James Gruntz veröffentlicht auf die Tournee hin noch ein 64-seitiges Buch. «Es ist ein Experiment, das ich mir ohne das Geld der FONDATION SUISA zweimal überlegt hätte.» Für jeden Song des neuen Albums wurde je ein Autor oder eine Autorin angefragt, einen Text dazu zu schreiben, ohne jede Auflage. «Entstanden sind Gedichte und Geschichten, die auch für mich sehr interessant sind, weil sie zeigen, was meine Musik auslösen kann.»

Hinter diesem Buchprojekt steht die Überlegung von James Gruntz, dass «die CD trotz der besseren Tonqualität auf dem absteigenden Ast ist». Er ist aber überzeugt, dass die meisten Leute trotzdem wie er beim Musikhören etwas in den Händen halten wollten. «Und ein Buch ist doch ein viel schöneres Objekt als eine CD! Es enthält zudem auch die Songtexte, was für diejenigen Hörer gut ist, die meine Musik streamen.» Möglich wurde dieses Projekt auch dadurch, dass sein Album beim Verlag Zytglogge erscheint, der auch Bücher im Sortiment hat. Deshalb kann sich James Gruntz nun freuen, dass seine Musik in die von ihm geliebten Buchhandlungen kommt, denn im Buch ist auch ein Download-Code für sein Album enthalten (das Buch wird auch an seinen Konzerten erhältlich sein).

Konzerte 2017/18: 17. Nov. Schüür Luzern, 18. Nov. Eintracht Kirchberg SG, 24. Nov. Gaswerk Seewen, 25. Nov. Kaserne Basel, 1. Dez. Kofmehl Solothurn, 2. Dec. L’Usine Genève, 8. Dez. Salzhaus Brugg, 9. Dez. Hotel Wetterhorn Hasliberg, 17. Dez. Zauberwald Lenzerheide, 12. Jan. 2018 Salzhaus Winterthur, 19. Jan. Chollerhalle Zug, 20. Jan Mokka Thun, 16. Feb. Kulturkarussell Rössli Stäfa, 23. Feb. Kulturfabrik KUFA Lyss, 24. Feb. Casino Herisau, 27. Apr. Kühltür Grosshöchstetten.

www.jamesgruntz.com, offizielle Website von James Gruntz

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SUISA-Mitglieder können sich für das Schedler Music Songwritercamp 2018 bewerben

Bereits zum sechsten Mal richtet die Rudi Schedler Musikverlag GmbH vom 13. bis 18. Januar 2018 das internationale «Pop & Schlager Songwritercamp» aus. SUISA-Mitglieder können bis 31. Oktober 2017 ihre Bewerbung für einen Teilnahmeplatz am Schedler Music Songwritercamp 2018 einreichen. Text von Fiona Schedler, Schedler Music

SUISA-Mitglieder können sich für das Schedler Music Songwritercamp 2018 bewerben

Internationale Team-Arbeit am Schedler Music Songwriter Camp 2016: Der Berner Luca Hänni (rechts im Hintergrund) komponierte einen Song zusammen mit dem US-Amerikaner Dillon Dixon (links) und dem Schweden Erik Wigelius. (Foto: Ratko Photography)

Am «Pop & Schlager Songwritercamp» von Schedler Music schreiben Songwriter aus über 7 Nationen unter dem Motto «It’s all about the song» 5 Tage lang in 3er-Teams an potentiellen Hits von morgen. Insgesamt nehmen 35 nationale und internationale Musikschaffende daran teil, wobei 5 Plätze speziell für SUISA-Mitglieder zur Verfügung stehen. KomponistInnen, TexterInnen und ProduzentInnen können sich ab sofort bis spätestens 31. Oktober 2017 für die Teilnahme am Schedler Music Songwritercamp, das vom 13. bis 18. Januar 2018 in Steeg, Österreich, stattfindet, bewerben.

Bewerbung, Auswahlverfahren, Teilnahme

Die Teilnahmeplätze werden über ein Auswahlverfahren vergeben. Wenn du als Komponist, Texter oder Produzent am «Pop & Schlager Songwritercamp» teilnehmen möchtest, sende bitte:

  • eine Kurzbiographie (Stichworte reichen)
  • und Referenzsongs (mp3-Dateien oder Links)

per Mail mit dem Betreff «Bewerbung – Pop & Schlager Songwritercamp» an folgende Adresse: summit (at) schedlermusic (dot) com. Bitte erwähne in der Bewerbung, dass du SUISA-Mitglied bist. Einsendeschluss ist am 31.10.2017. Die ausgewählten Songwriter werden Ende November von Schedler Music informiert.

SUISA-Mitglieder können sich für das Schedler Music Songwritercamp 2018 bewerben

Mit Begeisterung beim Songwriter Camp 2016 mit dabei: das slowenische Songwriter-Gespann Sasa Lendero (Mitte) und Mihael Hercog (links) mit dem deutschen Texter Oliver Lukas. (Foto: Ratko Photography)

Schedler Music Summit 2018

Im Anschluss an das Songwritercamp findet am 18. und 19. Januar 2018 erneut der Musikbranchentreff «Schedler Music Summit» statt. Bei dieser Gelegenheit werden die neu entstandenen Songs aus dem Camp im Rahmen einer «Song-Präsentation» am Donnerstag, 18. Januar 2018 (ab 20:00 Uhr) vor Branchenpublikum präsentiert.

Weitere Informationen über das Camp gibt es auf folgender Website: www.schedlermusicsummit.com.
Einen guten Eindruck vermittelt auch der Camp/Summit Aftermovie 2017.

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New Jersey, südlich von Bern

Polo Hofer erhält den Preis der FONDATION SUISA 2017 in der Kategorie «Textautoren/innen». Was das Schaffen des Preisträgers auszeichnet, schildert der Berner Singer/Songwriter Christoph Trummer im Gastbeitrag.

New Jersey, südlich von Bern - Polo Hofer Preis der FONDATION SUISA 2017

Polo Hofer, Gewinner des Preises der FONDATION SUISA 2017, hat mit seinen Songtexten Eingang in die Volkskultur gefunden und das Lebensgefühl Rock’n’Roll für die Deutschschweiz übersetzt. (Foto: Patric Spahni)

Man könnte es kurz machen: Der Preis der FONDATION SUISA ist ein Anerkennungspreis für besonderes Schaffen. 2017 wird er zum ersten Mal an eine Textautorin oder einen Textautoren vergeben. Polo Hofer war nominiert. Was sonst hätte die Jury tun sollen?

Aber diesem würdigen Preisträger und seinem Werk widmen wir gerne etwas mehr Worte.

Menschen, die mit Jahrgängen nach 1970 in der Deutschschweiz aufgewachsen sind, dürften Mühe haben, sich ihre Schulzeit, ihre Jugend und das Leben in der Schweiz an sich vorzustellen ohne Polo Hofer und seine Songs und Texte. Einige, wie «Bin i gopfriedstutz e Kiosk» bis «Bim Sytesprung im Minimum e Gummi drum», sind zu Bonmots geworden, die aus der Alltagssprache nicht wegzudenken sind. «Alperose» können auch Menschen mitsingen, bei denen nicht mal die Eltern eine Polo-Hofer-CD besitzen.

Songtexte wurden zu Volkskultur

Diese Texte sind Volkskultur geworden, mit Sicherheit im deutschsprachigen Landesteil. Mit Polos Diskografie seit den frühen Rumpelstilz-Jahren lässt sich auch die Geschichte einer bewegten Schweiz nacherzählen. Der «Summer 68», als man (offenbar) zum Kiffen nach Kabul gereist ist. Die wilden 70er als Jahre des Aufbruchs, mit Rosmarie bis nach Spanien, freie Liebe neben dem «Teddybär». Die dunkle Seite des Traums in Form einer «Silbernaadle töif im Arm». Und schon damals, abgelöscht von der Konsumwelt voll im «Waarehuus Blues».

Polos Texte sind manchmal explizit politisch: «Da isch nüt vo Grächtigkeit / So wie’s i dr Verfassig schteit» («Um WAS geits?») Aber er erzählt auch Weltgeschichte als persönliche Geschichte, wenn eine alte Liebe mit dem Fall der Mauer endlich eine Chance bekommt («Wenn in Berlin bisch»). Und übt Gesellschaftskritik mit Rollenprosa, die ihre Poesie am Stammtisch gefunden hat, etwa wenn der Bauernsohn von der Lochmatt über die leeren Versprechen eines Lebens in den Lichtern der Stadt resümiert: «Lah mi vergässe bim rote Wy». Das ist volkstümlich im besten Sinne, und es hat auch seine Nebenwirkungen.

Manchmal geht ob der lauten Rolle des Polo National etwas unter, dass er als Texter auch anders kann. Wenn er «Im letschte Tram» über seine Endlichkeit sinniert, oder «I dr Gartebeiz vom Hotel Eden» im Wortsinn Gott und die Welt verhandelt, ohne sich dabei ins Intellektuelle zu versteigen.

Rock’n’Roll für die Schweiz übersetzt

Einige von Polo Hofers grossen Songs sind kongeniale Übersetzungen: Tom Waits «Jersey Girl» als «Meitschi vom Wyssebüehl», Todd Sniders «Alright Guy» als «Liebe Siech», Dylans «Leopard-Skin Pill- Box Hat» als «Schlangelädergurt». Und damit kommt man einer weiteren Rolle auf die Spur, die ihn (nicht nur) für die Mundartmusik in der Schweiz so bedeutsam macht: Er ist ein Übersetzer. Nicht nur ein Übersetzer von Songtexten, sondern einer der wichtigsten Übersetzer von Rock’n’Roll und Popkultur in unsere Kultur, in unsere Gepflogenheiten.

Polo Hofer hat die Sehnsüchte, auch die jugendliche Lüsternheit mit ihren halbstarken Zoten, die Rebellion gegen ein verhocktes System, kurz: das Lebensgefühl des Rock’n’Roll für die Deutschschweiz zum Klingen gebracht. D’Stüehl ewäg, mir sy giggerig u wei schwoofe. Er hat sich inspirieren lassen, er hat einige seiner Themen im Mythenkatalog des Rock’n’Roll gefunden und in die Schweiz gebracht: Mit Bobby McGee per Autostopp auf dem Highway würden wir kaum reisen, aber mit Rosmarie per Anhalter von Paris nach Gibraltar. Wyssebüehl ist näher als New Jersey.

Polo Hofer als zentrale Figur unserer Geschichte hat Türen geöffnet, durch die nun auch viele andere gehen konnten, selbst, wenn sie seine Musik gar nicht wirklich kennen sollten. Nun wird er ausgezeichnet für diese Arbeit. Und damit ist der Preis der FONDATION SUISA 2017 auch eine Art «Lifetime Achievement Award». Wir gratulieren von Herzen!

www.polohofer.ch

Der Preis der FONDATION SUISA ist ein Anerkennungspreis für besonderes Schaffen. Die FONDATION SUISA vergibt diesen Preis an Urheberinnen und Urheber sowie Verlegerinnen und Verleger, die mit ihrem Schaffen besonders zur Bereicherung des kulturellen Erbes unseres Landes beitragen. Der mit Fr. 25 000.- dotierte Preis wird jährlich in einer anderen Kategorie vergeben.

Christoph Trummer gewann den Preis der FONDATION SUISA 2011 in der Kategorie «Singer/Songwriter». Der Gastautor ist 1978 geboren und in Frutigen (BE) aufgewachsen. Neben seiner musikalischen Tätigkeit ist er Präsident des Vereins Musikschaffende Schweiz.

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«Der Preis der FONDATION SUISA 2015 gibt uns einen Schub für die Zukunft!»«Der Preis der FONDATION SUISA 2015 gibt uns einen Schub für die Zukunft!» Das Duo Aliose erhält den diesjährigen Preis der FONDATION SUISA für seine herausragenden Leistungen im musikalischen Genre «Musique de variété». Seit dem Erscheinen ihres Debütalbums 2009 haben Aliose mehr als 250 Konzerte, davon ein Drittel ausserhalb der Schweiz, gespielt. Begegnet sind sich Alizé Oswald und Xavier Michel vor über 10 Jahren bei einem Workshop für Autoren, Komponisten und Interpreten. Die Preisträgerin und der Preisträger haben uns schriftlich Auskunft über ihre Musik, das Komponieren, den Preisgewinn und ihr nächstes Album gegeben. Weiterlesen
Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit VideoAuszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit Video Der Newcomer Nickless und der renommierte Produzent Thomas Fessler gewannen den ersten Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards 2016. Der gemeinsam komponierte Siegersong «Waiting» ist nicht vom Himmel gefallen sondern bedeutete viel Arbeit im Teamwork. Auch bei den Swiss Music Awards 2017 zeichnet die SUISA die Leistung der Komponisten und Textautoren mit einer Auszeichnung aus. Weiterlesen
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New Jersey, südlich von Bern - Polo Hofer Preis der FONDATION SUISA 2017

Polo Hofer, Gewinner des Preises der FONDATION SUISA 2017, hat mit seinen Songtexten Eingang in die Volkskultur gefunden und das Lebensgefühl Rock’n’Roll für die Deutschschweiz übersetzt. (Foto: Patric Spahni)

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Marco Zappa: 50 anni di musica

Eine 50-jährige Erfolgsgeschichte: Die einzige nachhaltige Karriere der Schweiz rund um die «canzone italiana» – in all ihren Dimensionen. Ein unbestreitbarer und zweifellos auch wesentlicher Fakt über den Liedermacher Marco Zappa aus Bellinzona, der Anfang dieses Jahres erneut in den Mittelpunkt der Musikkultur der italienischen Schweiz rückt. Mit dem neuen Album «PuntEBarrier», das 18 unveröffentlichte Songs enthält, und einer Schweizer Tournee, die am 14. März 2017 im Teatro Sociale Bellinzona startet. Interview/Text von Zeno Gabaglio – La versione italiana del testo si trova sotto.

Marco Zappa: 50 anni di musica

Interview mit Marco Zappa im Studio MarcoZappaMusic in Sementina. (Fotos: Manu Leuenberger)

50 Jahre Musik: Dies ist eine gute Gelegenheit, um Marco zu treffen und einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Wir lassen uns von ihm erzählen, wie alles begann und wie sich seine Beziehung zur musikalischen Kreativität entwickelt hat; im Tessin – einer Region, die sich im Hinblick auf die «canzone italiana», Songs in italienischer Sprache, nie besonders hervorgetan hat.

Marco Zappa: Alles begann mit meiner Mutter, die mich als Pianist in der klassischen Musik sah. Wir wohnten damals in Bellinzona und ich war fast noch ein Kind. Ich spielte zwei Jahre lang mehr oder weniger gezwungenermassen Klavier und ich erinnere mich, dass ich es nicht mochte: Ich musste jeden Tag üben, aber ich hatte in diesem Alter ganz andere Dinge im Kopf. Bei den Pfadfindern fing ich dann an, Mundharmonika zu spielen, ein Instrument, das man im Gegensatz zum Klavier mitnehmen und mit dem man die Musik mit anderen teilen konnte. Die Schwester meiner Mutter spielte Gitarre. Sie hat mir die ersten Akkorde gezeigt, genau in der Zeit, als in Italien Adriano Celentano und die ersten „schreienden Sänger“ wüteten. Ich war von Anfang an begeistert und konnte mich sofort damit identifizieren. Ich gründete zusammen mit meinen Kollegen von der Kanti eine kleine Band, in der wir an Schulfesten spielten.

Marco Zappa (l.) und Zeno Gabaglio.

Zeno Gabaglio: Welche Möglichkeiten hatten diejenigen, die Musik machen und möglichst auch mit anderen teilen wollten?
Es gab effektiv das Bedürfnis, sich zu Musik zu treffen, aber meist ging es dabei um Volksmusik. Auch ich habe einige Jahre damit verbracht, la Verzaschina, il Boccalino und die verschiedenen Lieder, die man heute als Folk bezeichnet, zu singen und zu spielen. Für Livemusik gab es jedoch im Tessin noch ein recht gutes Angebot an Kapellen, die Unterhaltungsmusik spielten, also Gruppen (auch mit nur 4–5 Musikern), die auftraten mit einem Repertoire zwischen Jazz, Swing und Schlager. Auf dem Nachhauseweg von der Schule blieb ich immer vor den Bars in Locarno stehen, in denen sie spielten, um ihnen zuzuhören. Und ich war völlig bezaubert und lernte neue Akkorde.

Aber die Musik der Tanzkapellen war doch eine „alte“ Musik! Wie kam es, dass Marco Zappa den moderneren Weg zur Rockmusik fand?
Die E-Gitarre. An einem Abend, an dem ich mit meiner Gruppe im Oratorium in Minusio auftrat, spielte uns der Pfarrer, der das Treffen organisiert hatte, das Stück Apache von The Shadows ab, mit diesen wunderschönen Anfangstönen einer verzerrten E-Gitarre. Es war Liebe vom ersten Ton an. Da waren natürlich auch noch die Songs der Beatles! …

Neues Album «PuntEBarrier».

Die Rockkarriere von Marco Zappa geht also auf einen modernen Pfarrer zurück?
Gewissermassen schon: auf einen erleuchteten Pfarrer! Aber so – ganz plötzlich – mit dem Virus E-Gitarre infiziert, gab es für uns junge Leute ein Problem: Wie konnten wir unsere Instrumente so verändern, dass wir exakt diesen Ton hinbekamen? Ein Freund, der Elektrotechniker war, sagte mir, dass man, wenn man den unteren Teil eines Telefonhörers abschraubte (also den Teil, in den man hineinspricht), ein Mikrofon erhielt. Das tat ich und befestigte das Teil an meiner Gitarre, schloss dann die beiden Drähte an den Verstärker des alten Radios meiner Eltern an und schon hatte ich meine erste E-Gitarre. Ich erinnere mich noch daran, wie ich die Stadt mit dem alten, am Moped festgemachten Radio durchquerte, auf dem Weg zu den Proben …

Kurz darauf fingst du – mit der Teenager Band – ernsthaft mit dem Musikmachen an, auch wenn du das Gravitationszentrum deines musikalischen Universums erst einige Jahre später erreichen solltest, mit dem Wechsel vom Englisch zum Italienisch. Kannst du uns diese wichtige Entwicklung erklären?
Ich war aufgewachsen mit englischen Rockstücken, die ich auf meinem Plattenspieler hörte. Ich spielte 1000 Mal die Singles ab, um die Gitarrensoli zu üben und die Texte auswendig zu lernen. Obwohl unsere Englischkenntnisse nicht überragend waren, schrieben und sangen wir in dieser Sprache, weil wir damals vor allem englischen Rock hörten. Paradoxerweise kritisiere ich heute ein wenig Musiker, die – obwohl Italienisch ihre Muttersprache ist – nur auf Englisch singen, und ich glaube, das steht mir zu, eben deshalb, weil auch ich im Grunde so angefangen habe! Die ersten beiden LPs haben wir auf Englisch gemacht, und wir waren stolz, dass EMI (die Plattenfirma der Beatles!) sie produzierte; in einer anderen Sprache als Englisch hätte sie die LPs nie mit uns produziert.

«Die Worte, die du wählst, sind wie Finger auf einer Gitarre: Du musst fühlen, dass es deine sind. Wenn das nicht der Fall ist, ist das musikalische Ergebnis nicht aufrichtig.» – Marco Zappa

Und wann hast du zum Italienisch gewechselt?
Der Übergang zum Italienischen erfolgte 1979. Um uns herum hatte sich der Musikgeschmack geändert, und auch bestimmte Verbindungen zum Konzept der «canzone italiana»; aber vor allem war es so, dass in mir ein neues Bewusstsein entstanden war: Die Sprache, die du verwendest, ist wie Instrument, das dir gehören muss. Die Worte, die du wählst, sind wie Finger auf einer Gitarre: Du musst fühlen, dass es deine sind. Wenn das nicht der Fall ist, ist das musikalische Ergebnis nicht aufrichtig. Seither ist es so: Wenn ich eine Geschichte im Dialekt erlebe, muss ich sie im Dialekt schreiben, und wenn ich sie auf Italienisch erlebe, muss ich sie auf Italienisch schreiben. Das gilt auch für die weiteren Sprachen. Das ist keine Entscheidung, die ich im Voraus treffen muss, es ist die Story selbst, die ich erzählen möchte, die mich auf den unvermeidlichen expressiven Weg führt.

Und schliesslich die Musik. Es ist so, dass du dich sehr schnell von der jugendlichen Konvention des Englischen gelöst hast, und genau so war es mit deiner ausschliesslich an der Rockmusik orientierten Vision von Musik. Du hast dich auf die Suche nach weniger vorhersehbaren und zweifellos gewagteren Lösungen gemacht. Wer hat dich in diese Richtung gebracht?
Wegen dem Wechsel zu italienischen Texten wählte ich eine ungewöhnliche musikalische Aufmachung: ein Trio mit Flöte und Cello. Vielleicht wollte ich damals unbewusst etwas machen, das auch meiner Mutter gefallen würde. Die Ausrichtung Band schien klassisch zu sein, aber der Geist war eindeutig dem Rock verschrieben, auch wenn damals viele der Meinung waren, dass man nur mit einer Stratocaster mit Verzerrung Rockmusik machen konnte. Seither habe ich stets versucht, mich für die musikalische Zusammenarbeit mit immer neuen Musikern, Instrumenten und Ideen zu öffnen. Das Prinzip ist das gleiche, das auch für den Text gilt: Die Story, die du erzählen willst, suggeriert unterschiedliche technische und poetische Lösungen – und manchmal gibt sie diese auch vor. Denn wenn du jedes Mal die gleichen Steine verwendest und sie immer auf die gleiche Weise übereinander setzt, kommt immer die gleiche Mauer dabei heraus.

www.marcozappa.ch, offizielle Website


Marco Zappa: 50 anni di musica

Cinquant’anni di carriera: l’unica duratura carriera della canzone svizzera che si sia svolta dentro (ma anche sopra, sotto e accanto) alla lingua italiana. Questo è il dato incontrovertibile – e incontrovertibilmente fondamentale – che riguarda Marco Zappa, e che ancora una volta in questo inizio di 2017 ripropone il cantautore bellinzonese al centro della cultura musicale della Terza Svizzera. Con un nuovo disco con 18 inediti – «PuntEBarrier» – e con un tour nazionale che inizierà il prossimo 14 marzo al Teatro Sociale di Bellinzona. Intervista/testo: Zeno Gabaglio

L’occasione è dunque imperdibile per incontrare Marco e fare qualche passo indietro, per farci raccontare com’è iniziato e come si è sviluppato il suo rapporto con la creatività musicale; in una regione – il Ticino – che dal punto di vista della canzone in lingua italiana non aveva mai offerto esempi illuminanti.

Marco Zappa: È iniziato tutto da mia madre, che mi vedeva come interprete-pianista in ambito classico. Abitavamo ancora a Bellinzona ed ero appena un bambino. Ho suonato due anni quasi per forza il pianoforte e mi ricordo che non mi piaceva: dovevo studiare ogni giorno ma avevo ben altre cose per la testa, a quell’età. Negli scout ho poi cominciato a suonare l’armonica a bocca, uno strumento che, a differenza del pianoforte, si poteva portare in giro e con cui si poteva condividere la musica. La sorella di mia madre suonava invece la chitarra, e fu lei a mostrarmi i primi accordi, proprio nel periodo in cui in Italia imperversavano Celentano e i primi “cantanti urlatori”. Mi sono subito appassionato e immedesimato, raccogliendo i miei compagni di ginnasio in un piccolo gruppo con cui suonavamo alle feste degli studenti.

Zeno Gabaglio: Che possibilità c’erano per chi voleva fare musica, e magari anche condividerla con gli altri?
Il bisogno di trovarsi attorno al fare musica effettivamente c’era, ma in genere si rivolgeva alla musica popolare. Anch’io ho passato diversi anni a cantare e suonare la Verzaschina, il Boccalino e le varie canzoni che oggi diremmo folk. Per la musica dal vivo in Ticino c’era però ancora una buona offerta di orchestre di musica leggera, cioè gruppi (di anche solo 4-5 elementi) che si esibivano in repertori tra il jazz, lo swing e la canzone; tornando a casa da scuola mi fermavo sempre ad ascoltarli davanti ai bar di Locarno in cui si esibivano, restando sempre affascinato dalla musica che facevano ed imparando accordi nuovi.

Ma quella delle orchestrine era comunque una musica «vecchia»! Cosa portò invece Marco Zappa sulla strada ben più moderna del rock?
La chitarra elettrica. Durante una serata in cui – con il mio gruppo – suonammo all’Oratorio di Minusio, il prete che organizzava l’incontro diffuse dall’impianto il brano Apache degli Shadows, con quei meravigliosi suoni iniziali di chitarra elettrica riverberata. Fu un colpo di fulmine, e poi, naturalmente, le canzoni dei Beatles! …

Quindi all’origine del percorso rock di Marco Zappa ci fu la modernità di un prete?
In un certo senso sì: di un prete illuminato! Ma contagiato così – all’improvviso – dal germe della chitarra elettrica, per noi giovanissimi rimaneva un problema: come trasformare i nostri strumenti per cercare di ottenere esattamente quel suono lì? Un amico elettrotecnico mi disse che dalla cornetta del telefono, svitando la parte inferiore (cioè quella in cui si parlava), si poteva ricavare un microfono. Così feci, togliendolo e incollandolo alla chitarra, collegai poi i due fili risultanti all’amplificatore della radio dei miei genitori e ottenni la mia prima chitarra elettrica. Ancora mi ricordo quando attraversavo la città con la vecchia radio legata sul motorino per andare a fare le prove …

Di lì a poco – con la band Teenagers – avresti cominciato a fare le cose decisamente sul serio, anche se il centro gravitazionale del tuo universo musicale lo avresti raggiunto qualche anno più tardi, passando dalla lingua inglese a quella italiana. Ci puoi spiegare questa tua fondamentale evoluzione?
Ero cresciuto ascoltando pezzi rock inglesi sul mio giradischi, ascoltando mille volte i 45 giri per imparare gli assoli di chitarra e memorizzare i testi. E se anche la conoscenza della lingua era per tutti approssimativa, si scriveva e si cantava in inglese proprio perché i nostri ascolti di quel periodo erano focalizzati sul rock britannico. Oggi paradossalmente critico un po’ quei musicisti che – pur essendo di lingua madre italiana – cantano solo in inglese, e credo di poterlo fare proprio perché anch’io, in fondo, ho cominciato così. I primi due LP li realizzammo in inglese, e l’orgoglio fu che a produrceli c’era la EMI (la casa discografica dei Beatles!) che senza l’inglese non ce li avrebbe mai prodotti.

«Le parole che scegli sono come le tue dita su una chitarra: devi sentirle tue, e se non è così il risultato musicale non sarà sincero.» – Marco Zappa

E l’italiano quando arrivò?
Il passaggio all’italiano è avvenuto nel 1979. Attorno a noi erano cambiati certi gusti musicali e certi rapporti con l’idea della canzone; ma soprattutto avevo maturato io una nuova consapevolezza: la lingua che usi è come uno strumento, che ti deve appartenere. Le parole che scegli sono come le tue dita su una chitarra: devi sentirle tue, e se non è così il risultato musicale non sarà sincero. Da allora se una storia la vivo in dialetto, non posso che scriverla in dialetto, e se la vivo in italiano, devo scriverla in italiano, e così per le altre lingue. Non si tratta di una scelta obbligatoria e a priori che mi impongo prima di scrivere qualcosa, ma è la stessa storia che voglio raccontare a portarmi sull’inevitabile strada linguistico-espressiva.

Infine la musica. Perché se è vero che ti sei presto allontanato dalla convenzione giovanilistica dell’inglese, altrettanto hai fatto da una visione musicale esclusivamente rock, andando a cercare soluzioni meno scontate e – indubbiamente – più ardite. Chi ti ha spinto in questa direzione?
Proprio per la svolta testuale in italiano scelsi una veste musicale inusitata: un trio con flauto e violoncello. Forse inconsciamente volevo fare qualcosa che piacesse anche a mia madre. La formazione sembrava classica, ma lo spirito era chiaramente rock, anche se per molti si poteva fare rock solo usando una Stratocaster con distorsione. Da allora ho sempre cercato di aprirmi a collaborazioni musicali con musicisti, strumenti e idee ogni volta diversi, e il principio è lo stesso che vale per il testo: è la storia da raccontare che suggerisce – a volte imponendole – soluzioni tecniche e poetiche differenti. Perché altrimenti se usi ogni volta gli stessi mattoni e ogni volta li sovrapponi allo stesso modo, il risultato sarà sempre lo stesso muro.

www.marcozappa.ch

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Eine 50-jährige Erfolgsgeschichte: Die einzige nachhaltige Karriere der Schweiz rund um die «canzone italiana» – in all ihren Dimensionen. Ein unbestreitbarer und zweifellos auch wesentlicher Fakt über den Liedermacher Marco Zappa aus Bellinzona, der Anfang dieses Jahres erneut in den Mittelpunkt der Musikkultur der italienischen Schweiz rückt. Mit dem neuen Album «PuntEBarrier», das 18 unveröffentlichte Songs enthält, und einer Schweizer Tournee, die am 14. März 2017 im Teatro Sociale Bellinzona startet. Interview/Text von Zeno Gabaglio – La versione italiana del testo si trova sotto.

Marco Zappa: 50 anni di musica

Interview mit Marco Zappa im Studio MarcoZappaMusic in Sementina. (Fotos: Manu Leuenberger)

50 Jahre Musik: Dies ist eine gute Gelegenheit, um Marco zu treffen und einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Wir lassen uns von ihm erzählen, wie alles begann und wie sich seine Beziehung zur musikalischen Kreativität entwickelt…Weiterlesen

Texte zu Musik: «Erlaubt ist, was gelingt»

Die FONDATION SUISA schreibt ihren mit 25 000 Franken dotierten Anerkennungspreis dieses Jahr für Textautorinnen und Textautoren musikalischer Werke aus. Was aber zeichnet einen gelungenen Songtext aus? Gastautor Markus Ganz im Gespräch mit Jean-Martin Büttner

Texte zu Musik: «Erlaubt ist, was gelingt»

«Auf dem Papier funktionieren Songtexte meist nicht», meint der Journalist Jean-Martin Büttner. (Foto: Dominic Büttner)

Jean-Martin, was hältst Du von einem Liedtext mit der Zeile «A Wop bop a loo bop a lop bam boom»?
Jean-Martin Büttner: Er ist ein gutes Beispiel für einen codierten Songtext. Denn «Tutti Frutti» von Little Richard handelt heimlich von schwarzen Drag-Queens und sexuellen Praktiken, zumindest im Original von 1955. Dazu muss man wissen, dass der Sänger dreifach benachteiligt war: Richard war schwarz, schwul und aus dem amerikanischen Süden. Der amerikanische Politologe Greil Marcus erklärte die erstaunliche Wirkung in einem Interview treffend. Auch wenn man den Text nicht verstehe, empfinde man aus der schieren Freude von Little Richards Gesang, dass es um etwas Unanständiges gehe. Es mag komisch klingen, aber dies ist ein zentraler Text der Rockmusik ‒ nicht weil er etwas sagt, sondern weil er etwas ausdrückt.

Nik Cohn schrieb 1971 in seinem zum Klassiker der Rockliteratur gewordenen Buch «AWopBopaLooBopALopBamBoom», dass diese Worte «als Zusammenfassung dessen, um was es im Rock’n’Roll wirklich ging», meisterhaft seien. Er schrieb aber auch, dass Rock’n’Roll-Texte eine Art «Geheimcode der Teens» seien. Jugendkultur aber ist einem ständigen Wandel unterworfen. Bedeutet dies, dass dieser Text in seiner Zeit gefangen ist?
Ich glaube, dass dies für jeden Songtext und auch viele Gedichte gilt. Nur die Grössten wie Shakespeare, Rilke oder Dylan können Texte schreiben, die über ihre Zeit hinausweisen. Dieser Text von Little Richard ist eindeutig in seiner Zeit gefangen, schon weil er zum Nonsens heruntercodiert werden musste, um die Zensur der weissen Radiostationen zu unterlaufen. Ironischerweise gilt das genauso für explizite, vulgäre und drastische Hip-Hop-Lyrics, die nichts auslassen. Frauen als Champagner-Huren zu bezeichnen und Hymnen zu schreiben auf den eigenen Turnschuh, ermüdet extrem schnell.

Welche Bedeutung hat dieser Songtext von Little Richard behalten?
«Tutti Frutti» ist ein historischer Text. Aber man muss auch sehen, dass Nik Cohn eine anti-intellektuelle Haltung gegenüber der Deutung des Rock’n’Roll hatte. Und dass sein Buch eines der ersten über Rockmusik war. Ich liebe es bis heute, weil er so radikal schrieb. Nik Cohn, als irischer Jude ein Aussenseiter von Anfang an, hat Sätze geschrieben wie jene, wonach es im Rock’n’Roll so gut wie nie richtige Texte gebe. Ich denke, dass er das auch als Provokation verstand, aber nicht nur. Es war eine Attacke auf Künstler wie Dylan oder die Beatles, die seiner Meinung den Rock’n’Roll mit ihren textlichen Anmassungen ruiniert hätten.

Ist die Adelung der Songtexte durch den Literatur-Nobelpreis an Bob Dylan demnach auch ein Verlust für die Tradition der ins Absurde getriebenen Texte?
Überhaupt nicht, denn zum Glück gibt es keine Instanz, die darüber entscheidet, was ein richtiger Songtext ist. Zudem hat Dylan selber surreale Texte geschrieben, die zwar mit Worten spielen und lustig sind, aber eigentlich keinen nachvollziehbaren Sinn ergeben, etwa «Subterranean Homesick Blues» von 1965. In diesem Song greift Dylan, was er nie bestritt, auf Chuck Berrys «Too Much Monkey Business» zurück ‒ das ist nicht weit weg von Little Richard, Dylan war also näher bei Nik Cohns Helden, als dieser zugeben mochte. Dylan gab als Berufsziel einst sogar an, er wolle bei Little Richard Klavier spielen.

«Poesie ist immer auch eine mündliche Kunst. Dichter trugen schon in der Antike ihre Texte vor.»

Trotzdem: Haben die Songtexte nicht zunehmend ihren ursprünglichen Charakter verloren?
Ja, die Sinnfrage. Ich habe mich immer gegen die absurde Vorstellung gewehrt, dass die Rockmusik die Jugendmusik bleiben müsse, die sie ursprünglich war. Vielmehr hat sie sich als Kultur erwiesen, die mit ihren Autoren wächst, mit ihnen älter geworden ist. Bob Dylan, Johnny Cash oder Leonard Cohen sind oder waren bis übers Rentenalter hinaus relevant. Ausserdem ist Poesie immer auch eine mündliche Kunst. Dichter trugen schon in der Antike ihre Texte vor.

Little Richard hat nicht zuletzt provoziert ‒ und das ist heute schwierig geworden …
Dieser Gestus ist schon lange überholt. Lady Gaga ist ein gutes Beispiel dafür, weil ihre Provokationen derart Teil des Marketings wurden. Ihre letzte Provokation, sich ohne Schminke zu präsentieren, zeigt ihre Verzweiflung. Heute wirkt es geradezu rührend, dass David Bowie einen Skandal auslöste mit der Aussage, er sei homosexuell ‒ was gar nicht stimmte. Solche Schockeffekte, von Alice Cooper bis Marilyn Manson, haben sich komplett verbraucht. Immerhin: Gute Musik bleibt gut.

In der Rockmusik ist der Text sehr stark von anderen Aspekten wie dem Sound oder der Phrasierung abhängig und erhält erst dadurch seinen Sinn. Aber hat der Text überhaupt noch dieselbe Bedeutung wie damals?
Ich staune immer wieder, wie wenig die Leute auf die Texte achten. Vermutlich war das schon immer so. Tatsächlich schrieben auch die Beatles bis 1965 vorwiegend banale Texte nach der Manier von «She Loves You», obwohl ihre Ironie und ihr lyrisches Talent schon damals weit mehr ermöglicht hätten. Interessant ist, dass gerade im Hip-Hop die Texte eine zentrale Rolle spielen, wo die Musik meist eintönig und repetitiv ist. Zudem fällt auf, dass in den letzten Jahrzehnten zunehmend nicht mehr englisch, sondern etwa bei uns deutsch, italienisch und französisch gesungen und gerappt wird. Entsprechend ist es logisch, dass Texte wieder eine stärkere Bedeutung spielen. Zum Beispiel Peter Fox (Seeed): Sein Soloalbum «Stadtaffe» ist eine Hymne auf seine Heimatstadt Berlin ‒ und nur dank den deutschen Texten konnten sich die Berliner darin wiedererkennen.

«Texte sind kein Schulfach. Es soll jedem Einzelnen überlassen sein, was er mit einem Songtext anfängt.»

Dieses Beispiel zeigt auch, dass manchmal der Hintergrund eines Textes die Voraussetzung zu dessen Verständnis ist. Aber darf ein Autor von seinen Zuhörern erwarten, dass sie sich mit seinen Songtexten auseinandersetzen?
Texte sind kein Schulfach. Es soll jedem Einzelnen überlassen sein, was er mit einem Songtext anfängt. Eine Freundin von mir unterrichtete lange Hip-Hop-Tanz. Sie realisierte nicht, dass die verwendeten Stücke oft frauenverachtende Texte enthielten, da die Musik nur dem Tanzen diente. Aber das ist doch okay.
Andererseits fällt mir an Konzerten immer wieder auf, dass es wegen der fehlenden Kenntnis der Texte zu Missverständnissen kommt. Ein klassisches Beispiel, das selbst die Amerikaner missverstanden, ist «Born in the U.S.A.» von Bruce Springsteen. Das Stück handelt vom Schicksal der Vietnam-Veteranen, ist aber voller Ambivalenz, da es mit einer Fanfare beginnt und Springsteen auf dem Cover vor einer amerikanischen Flagge gezeigt wird. Linke Botschaft, rechter Refrain. Reagan hörte nur Letzteres und war begeistert, Springsteen distanzierte sich auf eigentümlich murmelnde Weise. Die Platte machte ihn zum Millionär.

Aber bleibt nicht trotzdem etwas von der eigentlichen Botschaft hängen?
Der bereits erwähnte Greil Marcus beschrieb in einem Essay, warum alles, was Springsteen singt, ohne Konsequenz bleibe. Egal wie oft dieser von der kaputten Familie und der Armut in den USA erzähle, es falle auf, dass niemand etwas entgegne. Dieses Schweigen beweise, dass all seine Verlautbarungen wirkungslos blieben. Wie sollte es anders sein. Ich habe den Komiker Eddie Izzard gefragt, ob Komik etwas bewirken könne. Und er sagte: nein, nur Politik bewirke etwas, deshalb kandidiere er für das Parlament. Wenn man etwas ändern will, muss man die Gesetze ändern.

Songtexter sagen oft, dass sie mit ihren Texten in den Zuhörern assoziativ etwas auslösen wollten, damit diese ihre eigenen Geschichten daraus machen könnten …
Eine wichtige Rolle spielte etwa in den 1960er Jahren, dass schwarze Jugendliche James Brown hörten, der sang: «Say it loud – I’m black and I’m proud». Das war eine Anleitung zu einer schwarzen Identität ‒ dass man auch als Teil einer Minderheit jemand sein kann, der existiert, der in Amerika wichtig ist, weil er eine Stimme bekommt.

Er machte Mut, selbstbewusst aufzutreten …
Genau, viele Songtexte spielten für die Bürgerrechtsbewegung eine wichtige Rolle. Songs spielten auch bei der Bewegung gegen den Vietnamkrieg eine bestimmende Rolle. Warum wurde ausgerechnet «Sloop John B» von den Beach Boys zu einer Hymne für die GIs in Vietnam, obwohl diese Coverversion bloss einen Streit auf einem Schiff verhandelt? Weil es im Refrain heisst: «Why don’t they let me go home, this is the worst trip I’ve ever been on». Kein Wunder, kam das an in Vietnam. Oder: «Nowhere To Run» von Martha And The Vandellas war als Liebeslied formuliert, wurde aber zum Slogan linker Demonstranten gegen den Staat.

Ein Text kann auch eine völlig neue Bedeutung erhalten …
Ein Beispiel dafür ist das Stück «Another Brick In The Wall» von Pink Floyd, das in Südafrika bei weissen und schwarzen Schülern zur Hymne gegen die Apartheid umdefiniert wurde. Der deutsche Kulturwissenschaftler Diedrich Diederichsen sagte einmal, Pop sei ein offener Kanal. Das ist das Tolle daran: Man kann machen, was man will. Wenn das Publikum beschliesst, dass ein Song dies und das bedeute, dann ist es eben so.

«Eines der bekanntesten Beispiele eines Songs, der zunächst keinen ernst zu nehmenden Text hatte, ist ‹Yesterday› von Paul McCartney. Der ursprüngliche Text dazu lautete ‹scrambled eggs, baby I love your hairy legs›.»

Viele Musiker haben sich in den letzten Monaten gegen Donald Trump als Präsident ausgesprochen, doch bis zur Einsetzung gab es nur wenige explizite Songs …
Die englische Journalistin Julie Burchill schrieb einmal, dass nichts eine politische Botschaft so gründlich kastriere wie ein pulsender Backbeat. Bob Dylan merkte das schnell und hörte auf, Fingerzeig-Lieder zu schreiben, er dachte weit voraus. Seine explizit politischen Songs wie «Now Ain’t The Time For Your Tears» sind viel schlechter gealtert als seine Songs, die ein allgemeines Unbehagen gegen den Krieg ausdrücken wie «Masters of War». Ich denke, dass grosse Künstler nicht in Wochen oder Jahren denken, darum sind alle grossen politischen Songs nicht spezifisch. Gil Scott-Herons «The Revolution Will Not Be Televised» ist ein universeller Song, zumal noch Humor und Ironie hinzukommen ‒ was bei Protestmusikern leider selten ist.

Viele Songwriter bekennen, dass ihre Texte erst entstehen, wenn die Musik bereits fertiggestellt ist. Wie erklärst Du Dir das?
Eines der bekanntesten Beispiele eines Songs, der zunächst keinen ernst zu nehmenden Text hatte, ist «Yesterday» von Paul McCartney. Der ursprüngliche Text dazu lautete «scrambled eggs, baby I love your hairy legs». Brian Eno erzählte an seiner letztjährigen Pressekonferenz in Genf, dass die meisten Sänger in den Proben zunächst irgendetwas singen, eine Art Scat-Gesang. Daraus ergibt sich dann ein Refrain oder ein Hook, aus dem der Text entwickelt wird. Viele Musiker wenden dieses Verfahren an, Bono etwa oder auch Mick Jagger. Das Texten fällt übrigens auch Autoren schwer, die für ihre Lyrics berühmt sind. Randy Newman etwa sagte mir im Gespräch, dass ihm das Schreiben von Melodien leichter falle als das von Texten ‒ letzteres sei ein Albtraum.

Aber ist es nicht so, dass Songtexte oft nebensächlich sind, nur gesanglich die Melodie tragen müssen?
Das kann täuschen, wie das Beispiel Abba zeigt. Man kann natürlich sagen, dass «I do, I do, I do, I do, I do» keinen Songtext formuliert, der in die Hall Of Fame gehört. Aber «Knowing Me, Knowing You» ist ein Stück, das eine bittere Botschaft mit einer berückenden Melodie versüsst. Der Text handelt von einer Scheidung und gehört zu den liebsten Songs von Elvis Costello. Auch «The Day Before You Came», die letzte, verzweifelt traurige Abba-Single, kombiniert einen exzellenten Text mit einem unglaublich traurigen Stück.

Bekanntermassen entstehen viele Songtexte eher zufällig aus dem Moment heraus …
Das wohl berühmteste Beispiel für einen quasi als Unfall entstandenen Song ist «Smoke On The Water» von Deep Purple. Vereinfacht gesagt, beobachtete die Band über den See, wie das Casino in Montreux brannte ‒ und schrieb in Kürze diesen packenden, aber eigentlich rein beschreibenden Song darüber. Auch Bob Dylan gerät manchmal in einen solchen Kreativitätsrausch: Sämtliche Texte für «Time Out Of Mind» hatte er in zwei Wochen beieinander, obwohl es lange Strophen sind.

Dies ist eher die Vorgehensweise von Singer-Songwritern, die eine Geschichte auf die Essenz reduzieren. Bei diesen findet man manchmal auch das andere Extrem, dass der Text lediglich musikalisch verpackt wird …
Man merkt das, wenn der Text die Musik derart überwältigt, dass die Musik zum Vorwand wird. Bei einem guten Songwriter wie Dylan ist dies aber anders. «It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding)» etwa formuliert eine Kaskade von Worten ‒ und funktioniert trotzdem, weil die Sprache zu einem Rhythmusinstrument wird. Als das Gegenteil davon kann man den von John Lennon verfassten Beatles-Song «I Want You (She’s So Heavy)» nennen: Trotz seiner Länge von fast acht Minuten besteht er aus einem einzigen Satz mit Variationen. Dies zeigt, dass die Freiheiten sehr gross sind. Es gibt von Max Frisch den schönen Satz: «Erlaubt ist, was gelingt».

«Man muss mit der Vorstellung aufhören, dass Songtexte gelesen werden können: auf dem Papier funktionieren sie meist nicht, sind sie tot.»

Dies könnte man auch als Leitsatz für Songtexte über die Liebe verwenden, immer noch das Hauptthema der Popmusik. Ein Love-Song kann von der Wortwahl her klischiert erscheinen und doch grossartig wirken. Was macht den Unterschied aus?
Ein Beispiel, wie der gleiche Text je nach Instrumentierung und Interpretation völlig anders wirken kann, ist «I Will Always Love You». Der Song stammt ja nicht von Whitney Houston, sondern von Dolly Parton. Und ihre Originalversion von 1974 ist grossartig, obwohl der Text unglaublich banal ist: Die Aufnahme lebt von der Performance.

Derselbe Songtext kann in verschiedenen Interpretationen aber auch unterschiedliche Bedeutungen erhalten …
Ein gutes Beispiel dafür ist «You Can Leave Your Hat On» von Randy Newman. In seiner Originalversion ist dieses Liebeslied lauernd, der Protagonist ist ein Stalker, man bekommt Angst vor ihm. In der Version von Joe Cocker aber mutiert das Lied eines sexuellen Gewalttäters zur Hymne auf Sex und Freiheit ‒ und so wurde es im Film «9 1/2 Weeks» auch verwendet.

Die Texte zweier Liebeslieder können von der Wortwahl her fast identisch sein und doch kann der eine abgedroschen und der andere packend wirken. Wieso?
Man muss mit der Vorstellung aufhören, dass Songtexte gelesen werden können: auf dem Papier funktionieren sie meist nicht, sind sie tot. Einer der Gründe dafür ist, dass bei Songtexten die Technik der Wiederholungen wichtig ist; Texte etwa von Nick Cave wirken auf dem Papier absurd.
Zu den grossen Ausnahmen zählen Songtexte von Leonard Cohen. Aber das erklärt sich damit, dass er zuerst drei Bücher und zwei Gedichtbände geschrieben hat, bevor er erstmals ins Studio ging. Er griff zur Gitarre, weil er dachte, dass er damit ein grösseres Publikum erreichen könne. Die Magie eines Songtextes entsteht aber meistens erst durch das Singen, man denke etwa an Marvin Gayes «Hitch Hike». Sein Gesang verlieh den Songs eine laszive Eleganz.

Mit dem Gesang kann man auch das Stereotype eines Textes brechen oder eine ironische Note hinzufügen …
Lyle Lovett machte es im Song «She’s Leaving Me Because She Really Wants To» gerade umgekehrt. Der Text im Titel ist von seiner typischen Ironie geprägt, doch er sang es in einer greinenden, absolut unironisch klingenden Country-Nummer. Die Brechung besteht hier darin, dass er einem unkonventionellen Text, der das Genre persifliert, völlig konventionell interpretiert.

Der Songwriter und Produzent Roman Camenzind meinte einmal, man könne einen authentischen Songtext nur in seiner Muttersprache schreiben …
Das ist eine gute These, auch wenn es Gegenbeispiele gibt. Bei Rammstein fasziniert mich, dass die Konzertbesucher auch an Orten wie Mexico City oder New York die deutschen Texte mitsingen. Sänger Till Lindemann sagte mir, dass seiner Meinung nach die meisten die Worte nur phonetisch mitsingen würden und nicht verstünden, womit etwa «Du hast» ‒ ein Songtitel ‒ phonetisch spielt. Sowieso ist Englisch trügerisch. Es ist wie beim Gitarrenspielen: Man kann schnell drei Griffe, und das klingt schon nicht schlecht. Aber dann wird es schnell komplex. Und das merkt man den Texten von Autoren meistens an, die nicht englischer Muttersprache sind.

Und in der Schweiz?
Wir haben mit Songwritern wie Kutti MC, Endo Anaconda (Stiller Has), Kuno Lauener (Züri West) und Carlos Leal (Sens Unik) zwar grossartige Texter. Aber die Realität in der Schweiz ist natürlich, dass die Mundart das Publikum massiv einschränkt; da ist die Voraussetzung in Deutschland völlig anders.

Wenn man in der Schweiz von der Musik leben will, muss man also versuchen, mit einer internationalen Sprache ein breiteres Publikum zu finden. Geht das zwangsläufig auf Kosten der Authentizität?
Yello ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Gebrauch des Englischen gelingen kann. Dieter Meier hat viele dadaistische Nonsens-Texte, aber das Englisch ist vom Akzent und vom Humor her deutlich schweizerisch. Ausserdem spürt man die Persönlichkeiten der beiden stark heraus, was für Authentizität sorgt. Auch die Young Gods sind auf spezielle Weise erfolgreich, weil Franz Treichler seine englischen Texte mit französischem Akzent singt; doch dort ist vor allem sein Stimme wichtig, nicht die Texte. Für mich sind dies die beiden wichtigsten Schweizer Bands, weil sie trotz ihrer internationalen Ausstrahlung ihre Identität bewahrt haben. Französisch singende Bands wie Sens Unik haben mehr Glück, weil sie eine internationale Sprache als Muttersprache haben.

Jean-Martin Büttner (geb. 1959) wuchs in Basel zweisprachig (Deutsch und Französisch) auf. Er studierte in Zürich Psychologie, Psychopathologie und Englisch und dissertierte über «Sänger, Songs und triebhafte Rede. Rock als Erzählweise» (das 1997 unter diesem Titel erschienene Buch ist vergriffen). Mitte der 1980er Jahre schrieb er regelmässig für das Schweizer Musikmagazin Music Scene, das damals vom Interviewer Markus Ganz geleitet wurde. Seit 1987 ist er beim Tages-Anzeiger angestellt. Er arbeitete als Redaktor in den Ressorts Kultur und Inland sowie als Westschweizer Korrespondent und Bundeshaus-Redaktor. Seit 2010 schreibt er als Reporter über unterschiedliche Themen, darunter auch regelmässig über Musik.
Anerkennungspreis für Textautor/innen
Die FONDATION SUISA schreibt ihren diesjährigen Anerkennungspreis über CHF 25’000.- aus für Textautorinnen und Textautoren musikalischer Werke. Berücksichtigt werden Arbeiten in allen Sprachen. Es werden nicht einzelne Texte, sondern das Gesamtwerk der Kandidatinnen und Kandidaten beurteilt. Alle Teilnehmenden müssen einen Bezug ihres Werks zum aktuellen schweizerischen Musikschaffen ausweisen. Möglich sind auch Kandidaturvorschläge durch Dritte. Eine Fachjury beurteilt die eingereichten Kandidaturen gestützt auf das Preisreglement. Einsendeschluss ist der 24. Februar 2017. Weitere Informationen inklusive Reglement und Anmeldeformular sind auf der Website der FONDATION SUISA abrufbar.
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Traditionelle Volksmusik als Basis für komplexere Kompositionen Der Komponist und Akkordeonist Franz «Fränggi» Gehrig erhält den Preis der FONDATION SUISA 2016. Der jährlich verliehene Anerkennungspreis der Musikförderstiftung der SUISA wird 2016 in der Kategorie «neue, aktuelle Schweizer Volksmusik» vergeben. Ein Interview mit dem 30-jährigen Urner Preisträger über die Auszeichnung, sein musikalisches Schaffen und den Reiz von alter wie neuer Volksmusik. Weiterlesen
«Nichts und gar nichts schlägt den gut geschriebenen Song» Der internationale Erfolg mit Bonaparte ist der vorläufige Höhepunkt der bereits lange andauernden Songschreiberkarriere von Tobias Jundt. Aus seiner Feder stammen mehrere hundert Titel, in grosser stilistischer Vielfalt geschrieben auch für oder zusammen mit anderen Künstlern. Sein Wissen und seine Erfahrungen als Komponist gibt der in Berlin lebende Berner als Gastdozent an der Zürcher Hochschule der Künste im Fach «Songwriting» weiter. Ein Interview mit dem SUISA-Mitglied, das 2016 für den Grand Prix Musik nominiert ist und am Festival Label Suisse in Lausanne mit seiner neuen Formation Mule & Man auftrat. Weiterlesen
Zwischen Melodie, Harmonie und Rhythmus vermitteln Die FONDATION SUISA zeichnet Heiri Känzig mit ihrem Jazzpreis 2016 aus. Der Zürcher Musiker gilt als einer der herausragenden Kontrabassisten Europas. Weniger bekannt ist er als profilierter Komponist. In der internationalen Jazzszene ist Heiri Känzig wohl bekannter als in der Schweizer Öffentlichkeit. Der Kontrabassist hat eben nie die Aufmerksamkeit der breiten Masse gesucht, sondern immer mit schlichter Musikalität überzeugt. Weiterlesen
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Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit Video

Der Newcomer Nickless und der renommierte Produzent Thomas Fessler gewannen den ersten Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards 2016. Der gemeinsam komponierte Siegersong «Waiting» ist nicht vom Himmel gefallen sondern bedeutete viel Arbeit im Teamwork. Auch bei den Swiss Music Awards 2017 zeichnet die SUISA die Leistung der Komponisten und Textautoren mit einer Auszeichnung aus.

Die erste Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards ging an einen Newcomer und einen Routinier: Der 21-jährige Zürcher Nickless und der Produzent Thomas Fessler erhielten den Preis für den gemeinsam komponierten Song «Waiting».

Hinter dem Song steckt neben Inspiration viel Arbeit, die sich über eine lange Zeitdauer erstreckte. «Waiting» erreichte im April 2015 als Höchstposition Platz 14 in der Schweizer Single-Hitparade und wurde 2016 mit dem Swiss Music Award in der Kategorie «Best Hit» ausgezeichnet.

In Zusammenarbeit mit der SUISA wurden im Rahmen dieser Kategorie 2016 erstmals auch die Komponisten und Textautoren geehrt. Durch den Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards könne das Publikum merken, dass Songs nicht vom Himmel fielen sondern viel Arbeit und Herzblut darin stecke, meinte der Produzent Thomas Fessler im Interview. Nickless freute sich über die Bestätigung für das Werk, die er durch die Auszeichnung erhalten habe.

«Hinter jedem grossem Hit stehen Komponisten und Textautoren», sagt Andreas Wegelin, Generaldirektor der SUISA. «Für die SUISA ist es wichtig, dass auch die Arbeit dieser Urheber an den Swiss Music Awards gewürdigt wird.» Deshalb wird 2017 zum zweiten Mal ein Award an die Songwriter des Siegertitels in der Kategorie «Best Hit» vergeben.

Nominiert für den Swiss Music Award 2017 in der Kategorie «Best Hit» und damit auch für die Auszeichnung für Songwriter sind folgende Künstler respektive Songs:

«Angelina»
Komponisten und Textautoren: Andreas «DJ Arts» Christen, Dabu Bucher, Gianluca Giger
Interpret: Dabu Fantastic

«Thank You»
Komponisten und Textautoren: Arie Storm, DJ Antoine, Eric Lumière, Fabio «Mad Mark» Antoniali
Interpret: DJ Antoine

«Monbijou»
Komponisten und Textauoren: Joachim Piehl, Lucien Spielmann, Manillio
Interpret: Manillio

Die Auszeichnung für Songwriter wird im Namen der SUISA, der Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik, vergeben anlässlich der Preisverleihung der Swiss Music Awards am 10. Februar 2017 im Hallenstadion in Zürich.

Nickless, Website
571 Recording Studios, Website
Swiss Music Awards, Website

Die SUISA ist Mitglied des Vereins Press Play. Der 2012 gegründete Verein ist offizieller Preisverleiher der Swiss Music Awards.

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SMA-2016-Interpreten-PortraitsDie Arbeit der Komponisten an Hits aus dem Schweizer Pop-Musikjahr 2015 Die Swiss Music Awards warten dieses Jahr mit einer Neuerung auf: Zum ersten Mal werden auch Songwriter geehrt. Am 12. Februar 2016 erhalten im Zürcher Hallenstadion die Komponisten und Textautoren des «Best Hit» im Namen der SUISA eine Auszeichnung. Nominiert sind «Waiting» von Nickless, «La Bambele» von Müslüm und «Hippie-Bus» von Dodo. Insgesamt 10 Komponisten und Textautoren haben zur Entstehung dieser Songs beigetragen. Weiterlesen
Carrousel-Video-PosterCarrousel: «Manchmal hilft ein Toy-Piano bei der Suche nach der Melodie» | mit Video Farbig, quirlig und charmant klingen die Chansons von Carrousel. Kaum vorstellbar, dass sie in der kargen und einsamen Landschaft des Juras entstehen und nicht in den Gassen von Paris. «Wir haben hier alles komfortabel beieinander, was wir privat und für die Musik brauchen», erklärt Sophie Burande. «Wir können hier zudem Lärm machen, ohne Nachbarn zu stören. Und der Wald ist nah, so dass wir zwischendurch spontan einen Spaziergang machen können». Weiterlesen

 

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Der Newcomer Nickless und der renommierte Produzent Thomas Fessler gewannen den ersten Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards 2016. Der gemeinsam komponierte Siegersong «Waiting» ist nicht vom Himmel gefallen sondern bedeutete viel Arbeit im Teamwork. Auch bei den Swiss Music Awards 2017 zeichnet die SUISA die Leistung der Komponisten und Textautoren mit einer Auszeichnung aus.

Die erste Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards ging an einen Newcomer und einen Routinier: Der 21-jährige Zürcher Nickless und der Produzent Thomas Fessler erhielten den Preis für den gemeinsam komponierten Song «Waiting».

Hinter dem Song steckt neben Inspiration viel Arbeit, die sich über eine lange Zeitdauer erstreckte. «Waiting» erreichte im April 2015 als Höchstposition Platz 14 in der Schweizer Single-Hitparade und wurde 2016 mit dem Swiss Music Award in der Kategorie «Best Hit»…Weiterlesen

«Nichts und gar nichts schlägt den gut geschriebenen Song»

Der internationale Erfolg mit Bonaparte ist der vorläufige Höhepunkt der bereits lange andauernden Songschreiberkarriere von Tobias Jundt. Aus seiner Feder stammen mehrere hundert Titel, in grosser stilistischer Vielfalt geschrieben auch für oder zusammen mit anderen Künstlern. Sein Wissen und seine Erfahrungen als Komponist gibt der in Berlin lebende Berner als Gastdozent an der Zürcher Hochschule der Künste im Fach «Songwriting» weiter. Ein Interview mit dem SUISA-Mitglied, das 2016 für den Grand Prix Musik nominiert ist und am Festival Label Suisse in Lausanne mit seiner neuen Formation Mule & Man auftritt.

Tobias Jundt Bonaparte Interview

Mit seinem neuen Projekt Mule & Man ist Tobias Jundt (liegend) zusammen mit Kid Simius (stehend) am Samstag, 17. September 2016, im Les Docks am Festival Label Suisse live zu erleben. (Foto: Melissa Jundt)

Was bedeutet Ihnen die Nomination für den Musikpreis des Bundesamtes für Kultur?
Tobias Jundt: Es ehrt mich natürlich, dass meine Kunst auch als solche erkannt und gewürdigt wird. Gerade wenn man etwas kreiert, was normalerweise eher zwischen Stuhl und Bank fällt und nicht klar eingeordnet werden kann, braucht es auch seine gute Zeit, um überhaupt als Künstler mit einer eigenen Sprache wahrgenommen zu werden. Es ist ja eigentlich unmöglich, bei der dargebotenen Vielfalt das Schaffen der einen mit dem Œuvre der anderen zu vergleichen oder zu gewichten. Aber ich bin nach 30 Jahren als Songschreiber durchaus geschmeichelt, die kulturelle Sprache meines Landes als eine mögliche musikalische Stimme mitvertreten zu dürfen.

Den Musikpreis vergibt das BAK 2016 im Vorfeld des Festivals Label Suisse. Das Festival in Lausanne bringt an 3 Tagen hauptsächlich Schweizer Musik aus verschiedenen Genres auf die Bühnen. Die Konzerte können kostenlos besucht werden. Weshalb braucht die Schweizer Musik einen Musikpreis vom BAK und ein Festival wie das Label Suisse?
Ich denke, wir können uns einfach dankbar schätzen, einem Staat angehörig zu sein, der sich die Zeit nimmt, Kunst zu würdigen, und glücklicherweise auch noch das Kleingeld in der Tasche sitzen hat, den geehrten Künstlern durch diesen Preis ihr Schaffen temporär ein gutes Stück zu vereinfachen. Alle der hier Nominierten würden auch ohne Preisverleihung unerbittlich das tun, was sie tun, und dem Wellengang des Lebens trotzen. Dass das BAK uns dabei unterstützt und ein wenig silbernen Wind in die Segel bläst, darf man dankend annehmen.
Festivals sind Orte, wo man etwas entdeckt. Zuhörer entdecken Musikkapellen, Künstler entdecken andere Künstler, Kollaborationen entstehen und der Schwyzerörgeli-Fan verliebt sich am Rande in den Stockhausen-Liebhaber. Festivals ersetzen nie das abendfüllende Konzerterlebnis eines Künstlers, aber als Disziplin des Austausches und des Aufeinanderprallens von Ausdruck sind sie sehr wichtig. Sich für eine breite und weltoffene Kultur stark machen ist immer der richtige Weg.

«Es braucht einen sehr langen Atem, einen unermüdlichen Angriffswillen und stoische Hartnäckigkeit, was das Ausleben des künstlerischen Dranges angeht.»

Gegenüber der NZZ haben sie einmal gesagt, dass man in der Schweiz nur mit Mainstream-Pop-Musik oder in stark subventionierten Genres wie Jazz oder Klassik überleben könne. Was muss sich ändern, dass das vielfältige Schweizer Musikschaffen sowohl in der Heimat als auch im Ausland vermehrt gehört wird?
Ein Problem ist, dass eine nur auf die Schweiz bezogene musikalische Nische halt wirklich klein ist, sodass sie nicht als Hauptberuf sondern eher ergänzend ausgeübt werden kann. Man muss also entweder in einem absatzstarken Genre oder einem subventionierten Umfeld tätig sein, oder sich eben geografisch ein grösseres Territorium vorknöpfen. Letzteres braucht einen sehr langen Atem, einen unermüdlichen Angriffswillen und stoische Hartnäckigkeit, was das Ausleben des künstlerischen Dranges angeht. Ausser die Motiviation für diesen künstlerischen Wahnsinn kommt von ganz tief drin, gibt es leider für die meisten Schweizer keinen dringlichen Grund hierfür, die bereits vorherrschende Lebensqualität aufs Spiel zu setzen. Man muss ja schon auch ein wenig verrückt sein, darauf zumindest temporär verzichten zu wollen, um da draussen einen harten musikalischen Acker zu bestellen. Ich treffe auf meinen Reisen immer wieder sehr aktive Auslandschweizer. Es mangelt sicher viel weniger am Talent als an der Einstellung.

Seit 2006 leben und arbeiten Sie in Berlin und haben sich dort etabliert. Wie kann man als Schweizer Songschreiber im Ausland bestehen und wie wird die Schweizer Musik Ihres Erachtens im Ausland wahrgenommen?
Die meisten Menschen dieses Sonnensystems lieben die Schweiz und das, was sie verköpert. Das vergisst man manchmal, wenn man zu lange auf dem Berg sitzt. Wenn ich für andere Künstler in Berlin oder New York Musik schreibe, fragt schlichtweg niemand danach, wo ich aufgewachsen bin. Es geht immer genau nur um eines: für die entsprechende Phase eines Künstlers das richtige Werk zu schreiben. Und da kann es um kommerziellen Erfolg oder um künstlerische Erneuerung gehen. Und wenn ich als Solokünstler Bonaparte von Beijing bis Wellington meine Songs singe, fragt auch niemand nach meiner Herkunft – obwohl ich ehrlich gesagt sehr gerne anfüge, dass ich Schweizer bin – weil es mich gerade von den meisten da draussen unterscheidet und wichtiger Teil meines Wesens ist. Um bestehen zu können, muss man einen wachsamen Geist haben und die verschiedenen Parameter der Kulturen aufsaugen und einsetzen. Jeder kann das, egal wo er herkommt.

«Ich behaupte, dass die Schweiz eine der besten Urheberrechtsgesellschaften der Welt hat. Die SUISA ist, wo ich als Komponist hingehöre.»

Sie wohnen in Deutschland, sind aber bei der Schweizer SUISA Mitglied. Weshalb?
Ich behaupte, – und diesen Standpunkt teilen auch einige ausländische Autoren – dass die Schweiz eine der besten Urheberrechtsgesellschaften der Welt hat. Dies sage ich mit gutem Gewissen und aus eigener Überzeugung. Ich war in der Vergangenheit in den USA auch Mitglied der BMI und betreibe einen Verlag bei der GEMA. Alles gut und recht, aber die SUISA ist, wo ich als Komponist hingehöre. Ich mochte die Zeit unter Poto Wegener sehr und hatte durch seine Unterstützung damals auch begonnen, mich intensiver mit dem Urheberrecht zu befassen. Die guten Beziehungen zum Hause SUISA sind geblieben und ich schätze den gegenseitigen Austausch und Respekt sehr.

An der Zürcher Hochschule der Künste unterrichten Sie im Fach «Songwriting». Kann man lernen, einen Hit zu schreiben? Welche Ratschläge geben Sie den Studenten für das Komponieren mit auf den Weg?
Meistens rate ich ihnen vor allem, alles zu vergessen, was sie zu wissen glauben. Ich äussere gerne meinen Wunsch, dass sie als Menschen und nicht als Musiker Songs schreiben sollen. Natürlich helfen uns analytisches oder theoretisches Wissen und praktische Techniken, um aus musikalischen Sackgassen schneller herauszufinden. Aber im Kern der Ideenfindung unterscheidet uns nicht sehr viel von Herrn und Frau Hugentobler, welche morgens in der Dusche eine Melodie pfeifen. Man kann sich natürlich wie bei allem im Leben – sei dies die Schlägerhaltung des Golfspielers oder das Kamasutra für den Liebhaber – eine Technik aneignen, mit der man es an jedem grauen Tag der Woche schafft, gute Songs zu schreiben. Aber gute Songs gibt es eben auch viele und genug – man muss vielmehr versuchen, diese Songs mit dem gewissen Etwas zu schreiben; die Songs, welche auch nach dem Lebenswerk von Lennon-McCartney und Udo Jürgens und Igor Strawinsky und Daft Punk trotzdem in ihrem Genre noch eine Berechtigung haben, auf die Menschheit losgelassen zu werden. Das gelingt nicht immer, aber dafür muss der Songwriter morgens aufstehen – für den Versuch, einen Song zu schreiben, der diese Welt auf seine Art noch bereichert.

«Das Allerwichtigste, was es überhaupt gibt, noch immer und heute erst recht, ist die musikalische Idee.»

Der Musiker auf der Konzertbühne ist nicht zwingend der Songschreiber, der neben dem Star im Rampenlicht häufig in Vergessenheit gerät. Wie können Komponisten in der öffentlichen Wahrnehmung aus dem Schatten der Interpreten treten?
Die Frage ist, ob er dies muss. Ich singe nur die Songs, die ich keinem anderen Interpreten zutrauen kann. Der psychologische Druck, der auf einen Frontmann und Interpreten zu fallen kommt, kann auf Dauer auch ganz schön anstrengend sein. Ein Songwriter kann jedoch im Hintergrund agieren, irgendwo unbemerkt an sein Klavier sitzen, um sich nur auf den Kern der Musik zu konzentrieren. Und glauben sie mir, das Allerwichtigste, was es überhaupt gibt, noch immer und heute erst recht, ist die musikalische Idee. Nichts und gar nichts schlägt den wirklich gut geschriebenen Song, der das Handwerk geschickt mit dem Orginellen verbindet. Es besteht also durchaus Hoffnung für alle, die den Teufel an die Wand gemalt glaubten. Ich bin sehr froh damit, bei der SUISA ein Dutzend Pseudonyme zu bedienen – songwriterische Rollen, in die ich je nach Stilrichtung oder Stimmung schlüpfen kann und die nicht einmal meine engsten Freunde beim Namen kennen. Ich mag es, dass das professionelle Songschreiben manchmal auch einfach ein Gehemnis zwischen mir und einem Blatt Papier bleibt. Wenn der Musiker auf der Bühne irgendwas Seltsames tut, spricht am Tag darauf jeder darüber. Wenn der Komponist nackt ein kleines Streichquartettchen komponiert und dazu zwei Gläser Erdnussbutter löffelt, interessiert es keinen. Ich finde das gut so. Wichtig ist, dass wir Komponisten uns austauschen und dass unsere Rechte im Wandel der Zeit vertreten werden.

Musik für Dritte komponieren oder wie mit Mule & Man auf der Bühne performen – was macht für Sie den Reiz der beiden Tätigkeiten aus?
Ich hatte durchaus auch elitäre Phasen in meinem Leben, in denen ich nur diese eine Art von Free Jazz oder jene Spielart von Soul als hörenswürdig empfand. Aber am Ende des Tages bin ich leider einfach ein musikalisch gequälter Polyamorist, welcher alle Arten von Musik innigst liebt und eben auch miterfinden muss. Ich finde Befriedigung genauso beim Komponieren von Streicher- oder Bläser-Arrangements, Protestsongs, Punk-Chansons, Filmmusik, elektronischer Musik, experimentellen Geräuschfrickeleien oder Countrymusik für Gehörlose. Ich mag es, dass es zwischen dem Komponisten und dem Zuhörer diese endlose Fülle an kombinatorischen Möglichkeiten auszuschöpfen gibt.

Links
Bonaparte, offizielle Website
Mule & Man, offizielle Facebook-Fanseite
Label Suisse, Website des Festivals
Schweizer Musikpreis, Informationsseite des Bundesamtes für Kultur

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Bastian-Baker-live-HardRockCafe-SantiagoEin weltweites Netz für die Rechte der SUISA-Mitglieder  Musik kennt keine Grenzen. Auch im örtlichem Sinn: Ist der Sprung ins Ausland einmal geschafft, kann ein gut funktionierendes Netzwerk von lokalen Helfern von grossem Nutzen sein. Das gilt insbesondere für die administrativen Arbeiten und dabei vor allem auch für Urheberrechte, die nicht bar vor Ort in die Hände ausbezahlt werden können. Die SUISA ist weltweit vernetzt und setzt sich in Zusammenarbeit mit ihren ausländischen Schwestergesellschaften dafür ein, die Rechte der SUISA-Mitglieder möglichst umfassend wahrzunehmen. Weiterlesen
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Label-Suisse_IntroSchweizer Musik als Erlebnisreise am Festival Label Suisse  86 Veranstaltungen, 7 Konzertsäle, eine Open-Air-Bühne, der «Marché de la Musique» plus die Verleihung des ersten Schweizer Musikpreises durch das Bundesamt für Kultur (BAK). Das reichhaltige Angebot am Label Suisse 2014 erforderte einen handfesten Plan für die persönliche Entdeckungs- und Genussreise durch das Festivalprogramm. Alles mitkriegen und nichts verpassen war unmöglich. Mein Plan für die 3 Tage in Lausanne: mich durch die Vielfalt des Schweizer Musikschaffens treiben lassen. Weiterlesen
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Alle Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es etwas dauern. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines verfassten Kommentars. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, die den Nutzungsbedingungen widersprechen, nicht zu veröffentlichen.

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Der internationale Erfolg mit Bonaparte ist der vorläufige Höhepunkt der bereits lange andauernden Songschreiberkarriere von Tobias Jundt. Aus seiner Feder stammen mehrere hundert Titel, in grosser stilistischer Vielfalt geschrieben auch für oder zusammen mit anderen Künstlern. Sein Wissen und seine Erfahrungen als Komponist gibt der in Berlin lebende Berner als Gastdozent an der Zürcher Hochschule der Künste im Fach «Songwriting» weiter. Ein Interview mit dem SUISA-Mitglied, das 2016 für den Grand Prix Musik nominiert ist und am Festival Label Suisse in Lausanne mit seiner neuen Formation Mule & Man auftritt.

Tobias Jundt Bonaparte Interview

Mit seinem neuen Projekt Mule & Man ist Tobias Jundt (liegend) zusammen mit Kid Simius (stehend) am Samstag, 17. September 2016, im Les Docks am Festival Label Suisse live zu erleben. (Foto: Melissa Jundt)

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Die Arbeit der Komponisten an Hits aus dem Schweizer Pop-Musikjahr 2015

Die Swiss Music Awards warten dieses Jahr mit einer Neuerung auf: Zum ersten Mal werden auch Songwriter geehrt. Am 12. Februar 2016 erhalten im Zürcher Hallenstadion die Komponisten und Textautoren des «Best Hit» im Namen der SUISA eine Auszeichnung. Nominiert sind «Waiting» von Nickless, «La Bambele» von Müslüm und «Hippie-Bus» von Dodo. Insgesamt 10 Komponisten und Textautoren haben zur Entstehung dieser Songs beigetragen. Text/Interviews von Erika Weibel und Giorgio Tebaldi

SMA-2016-Interpreten-Portraits

Dodo, Müslüm und Nickless (v.l.n.r.) sind zusammen mit den Komponisten und Textautoren ihrer Songs «Hippie-Bus», «La Bambele» und «Waiting» für den Best Hit an den Swiss Music Awards 2016 nominiert. (Fotos: Nadége Sanz – Dodo; Roger Reist – Müslüm; Christoph Koestlin – Nickless)

Nickless, Müslüm und Dodo dürften vielen Menschen hierzulande bekannt sein. Ihre Hits «Waiting», «La Bambele» und «Hippie-Bus» haben das Pop-Musikjahr 2015 in der Schweiz mitgeprägt. In der Öffentlichkeit weniger bekannt sind die Musiker, die ihre Songs mitkomponiert und –getextet haben. So stehen hinter «La Bambele» neben Müslüm auch Raphael Jakob und Benjamin Mühlethaler. Nickless hat beim Songwriting von «Waiting» Unterstützung erhalten von Thomas Fessler. Und bei «Hippie-Bus» waren Dodo und vier Mitkomponisten am Werk: Dominik Baumgartner, Michele Bochicchio, Marco Jeger und Florian Reichle.

Am 12. Februar werden an den Swiss Music Awards 2016 im Zürcher Hallenstadion sämtliche Komponisten und Textautoren ausgezeichnet, die den Schweizer Hit 2015 mitgeschrieben haben. Im Rahmen des «Best Hit»-Awards erhalten also die Songwriter des Siegersongs im Namen der SUISA eine der begehrten Auszeichnungen. Damit wird auch die Arbeit derjenigen Künstler, die im Hintergrund tätig sind, gewürdigt.

Wie entsteht ein Hit überhaupt? Und was braucht es für einen guten Song? Dies haben wir die drei Interpreten der nominierten Songs gefragt.

Müslüm – «La Bambele»

Musik und Text von Raphael Jakob, Benjamin Mühlethaler und Müslüm.

Wie ist dieser Song entstanden?
Müslüm: So wie die Liebe im Allgemeinen entsteht, ohne Erwartungen. Zuerst war es ein ganz einfaches Wortspiel. Dann wurden die Gedanken immer konkreter. Spielerisch verdichtete sich das Ganze zu einem Muster, wo Melodie und Inhalt eins wurden mit allem. Die Musik zu «La Bambele» komponierte ich gemeinsam mit dem Gitarristen Raphael Jakob. Benjamin Mühlethaler produzierte den Song und gab ihm den nötigen Feinschliff.«Uressenzielles», nämlich das Atmen in ein zeitgemässes Muster zu verpacken, war dabei die grösste Herausforderung.

Was braucht es deiner Meinung nach, um einen wirklich guten Song zu schreiben?
Ich denke, es gibt eine Art «universellen Intellekt», in dem der Mensch in einem Augenblick eins ist mit allem und gewisse Dinge als selbstverständlich erfährt. Ein «Hit» entsteht genau aus diesem selbstverständlichen Gefühl heraus. Das ist das Schwierige an schwerer Arbeit: Dass sie leicht erscheint.

Dodo – «Hippie-Bus»

Musik von Dominik Baumgartner, Michele Bochicchio, Dodo, Marco Jeger und Florian Reichle, Text von Dodo.

Wie ist dieser Song entstanden?
Dodo: Die Melodie zu «Hippie-Bus» hab ich in Brasilien komponiert. Ich habe in einem «Bush bungalow» in Itakare, einem Surferparadies im Norden Brasiliens, ein kleines Studio eingerichtet, wo ich alleine aber auch mit lokalen Musikern jammte. Den Text dazu schrieb ich dann aber wirklich in einem Hippie-Bus. Ich machte mit Freunden einen Ausflug ans Mittelmeer, und auf der Heimreise lag ich hinten im Bus und schrieb den Text während der Fahrt!

Was braucht es deiner Meinung nach, um einen wirklich guten Song zu schreiben?
Ein guter Song muss berühren. Glücklich machen oder traurig. Oder beides gleichzeitig. Ein solcher Song kann meiner Meinung nach nur entstehen, wenn die eigenen Gefühle während dem Schreiben echt sind.

Nickless – «Waiting»

Musik und Text von Thomas Fessler und Nickless.

Wie ist dieser Song entstanden?
Nickless: Die erste Version von «Waiting» habe ich 2012, als ich 17 Jahre alt war, in meinem Zimmer geschrieben und den Song Thomas Fessler geschickt. Er ist mein Musik-Mentor seit ich 14 war, und mit 15 habe ich ein zweijähriges Praktikum in seinem Tonstudio begonnen.
Thomas erkannte bereits damals das Potential des Stücks. Danach ging ich allerdings für eine Weile nach London, und erst anfangs 2014 arbeiteten Thomas und ich wieder am Song weiter. Zusammen mit zwei weiteren Liedern wählten wir ihn für meine erste Demo-CD aus, die bei Phonag Records landete und mir einen Plattenvertrag einbrachte. Für uns alle war klar, dass «Waiting» meine erste Single sein würde: Er war der reifste Song und wir wussten, dass er als Single funktionieren könnte.
Anfangs 2015 arbeiteten wir noch ein letztes Mal an «Waiting». Wir änderten ein paar Kleinigkeiten, und so wurde der Song dann im dritten Anlauf fertig gestellt. Ich denke, dass jedes Stück einen gewissen Abstand und Reifeprozess benötigt; so war das auch bei «Waiting».
Thomas war bei diesem Prozess enorm wichtig – er ist quasi die zweite Hälfte der Band. Die Ursprungsidee mit Text und Melodie kam zwar von mir, aber das ist nur die eine Hälfte des Kuchens. Thomas macht den Kuchen erst schmackhaft.

Was braucht es Deiner Meinung nach, um einen wirklich guten Song zu schreiben?
Ich glaube, es gibt kein wirkliches Rezept, um einen guten Song zu schreiben. Es spielen viele Faktoren zusammen: Was für eine Person den Song schreibt, welches Gefühl das Lied vermittelt, was es in einem selber auslöst usw. Jeder Song braucht eine gewisse Authentizität.
Klar, manchmal ist ein Song auch einfach super witzig und trifft den aktuellen Zeitgeist. Aber selbst solche Songs vermitteln ein Gefühl, das in diesem Fall gute Laune ist. Die Inspiration von «Waiting» kam aus meinem Herzen. Ich finde, man sollte beim Songwriting keine Angst haben. Einfach darauf los schreiben, was man gerade auf dem Herzen hat oder im Kopf vorgeht – löschen kann man im Nachhinein immer.
Es gibt Musiker, die Songs für sich selber schreiben und sich von niemandem reinschwatzen lassen. Das verstehe ich natürlich. Für mich sind Feedbacks und Kritik aber enorm wichtig. Nur so kommt man weiter. Und wer weiss – man kann ja noch überrascht werden, was alles entstehen kann.

«SUISA und Swiss Music Awards zeichnen erstmals auch Songwriter aus», SUISAnews
Swiss Music Awards, Website

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Die Swiss Music Awards warten dieses Jahr mit einer Neuerung auf: Zum ersten Mal werden auch Songwriter geehrt. Am 12. Februar 2016 erhalten im Zürcher Hallenstadion die Komponisten und Textautoren des «Best Hit» im Namen der SUISA eine Auszeichnung. Nominiert sind «Waiting» von Nickless, «La Bambele» von Müslüm und «Hippie-Bus» von Dodo. Insgesamt 10 Komponisten und Textautoren haben zur Entstehung dieser Songs beigetragen. Text/Interviews von Erika Weibel und Giorgio Tebaldi

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Dodo, Müslüm und Nickless (v.l.n.r.) sind zusammen mit den Komponisten und Textautoren ihrer Songs «Hippie-Bus», «La Bambele» und «Waiting» für den Best Hit an den Swiss Music Awards 2016 nominiert. (Fotos: Nadége Sanz – Dodo; Roger Reist – Müslüm; Christoph Koestlin – Nickless)

Nickless, Müslüm und Dodo dürften vielen Menschen hierzulande bekannt sein. Ihre Hits «Waiting», «La Bambele» und «Hippie-Bus» haben das Pop-Musikjahr…Weiterlesen