Tagarchiv: Chanson

Kreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit Video

Zum zweiten Mal führte die SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions ein Songwriting Camp durch. Austragungsort waren wie bei der Premiere vergangenes Jahr die Powerplay Studios in Maur. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung im Juni 2018 teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Text und Video von Manu Leuenberger

Das musikalische Ziel des SUISA Songwriting Camps 2018 war, radiotaugliche Pop-Songs mit Hitparadenpotential zu komponieren, die stilistisch alle Facetten des zeitgemässen Pop – in der Bandbreite von «urban» bis Singer/Songwriter – umfassen konnten. Die eingeladenen Musikerinnen und Musiker komponierten in Teams von drei bis vier Personen innerhalb eines Tages einen Song. Die personelle Besetzung der Gruppen änderte täglich, sodass die Musikerinnen und Musiker immer wieder mit anderen Kollaborationspartnern an neuen Songs arbeiten.

Songwriting Camp in der Popmusik etabliertes Format

Solche Songwriting-Camps sind im internationalen Popmusik-Geschäft ein etabliertes Produktionsformat. Ein Vorteil dieses Formats sei, dass Musiker zusammenkämen, die sonst nicht miteinander arbeiten würden, erklärte Pele Loriano, der künstlerische Leiter der Veranstaltung, in einem Artikel in der «NZZ» (Ausgabe vom 19.10.2017) im Zusammhang mit dem letztjährigen SUISA-Camp: «Dadurch steigt die Chance, dass in einem Team eine spezielle Chemie entsteht, die die Inspiration begünstigt. Das Tolle am Teamwork ist, dass man auf Ideen kommt, auf die man selbst nicht gekommen wäre.»

Die ausländischen Produzenten und Songwriter reisten auf Einladung von Pele Loriano an den Greifensee und stammten dieses Jahr aus Frankreich, Grossbritannien, Deutschland, Belgien, USA, Schweden und Kanada. Bei der Auswahl der Künstler aus der Schweiz hatte der künstlerische Leiter dieses Mal sprichwörtlich die Qual der Wahl: Auf die öffentliche Ausschreibung der Teilnahmeplätze für SUISA-Mitglieder hin waren 75 Bewerbungen eingegangen. Die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber überstieg damit die Zahl der zur Verfügung stehenden Teilnahmeplätze um ein Vielfaches.

Viele SUISA-Mitglieder interessiert und mit dabei

Um dem grossen Interesse gerecht zu werden, wurden die geplanten fünf Teams kurzerhand auf sechs Songwriting-Gruppen pro Tag aufgestockt. Dadurch konnten noch mehr Mitglieder der SUISA als ursprünglich vorgesehen vom Angebot profitieren, gemeinsam mit internationalen und nationalen Songwritern zu komponieren und sich vom musikalischen Austausch inspirieren zu lassen.

Verteilt über die drei Veranstaltungstage vom 18. bis 20. Juni 2018 nahmen insgesamt 36 Musikschaffende am Songwriting Camp teil. Von den 26 teilnehmenden SUISA-Mitgliedern stammten sechs aus der welschen Schweiz sowie drei aus dem Tessin und die restlichen aus der Deutschschweiz. Rund 40% aller Teilnehmenden waren Musikerinnen (14 Künstlerinnen, 22 Künstler).

An der abschliessenden «Listening Session» am Mittwochabend konnten sich Künstler und Gäste – darunter Vertreter von Musikverlagen – die vielseitigen Arbeitsresultate aus den Songwriting-Sessions anhören. Entstanden sind 19 Pop-Songs unterschiedlichster musikalischer Couleur; von Ballade über Chanson bis zu «Indie-Pop» und Dance-Track, mit Texten ebenso in französischer, italienischer wie englischer Sprache. Die Zukunft wird weisen, wie erfolgreich diese Demo-Songs aus der «Hit-Schmiede made in Switzerland», wie die «Aargauer Zeitung» das SUISA Songwriting Camp in der Ausgabe vom 1.2.2018 nannte, ihren Weg zu den Zuhörerinnen und Zuhörern finden werden.

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Zum zweiten Mal führte die SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions ein Songwriting Camp durch. Austragungsort waren wie bei der Premiere vergangenes Jahr die Powerplay Studios in Maur. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung im Juni 2018 teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Text und Video von Manu Leuenberger

Das musikalische Ziel des SUISA Songwriting Camps 2018 war, radiotaugliche Pop-Songs mit Hitparadenpotential zu komponieren, die stilistisch alle Facetten des zeitgemässen Pop – in der Bandbreite von «urban» bis Singer/Songwriter – umfassen konnten. Die eingeladenen Musikerinnen und Musiker komponierten in Teams von drei bis vier Personen innerhalb eines Tages einen Song. Die personelle Besetzung der Gruppen änderte täglich, sodass die Musikerinnen und Musiker immer wieder mit anderen Kollaborationspartnern an neuen Songs arbeiten.

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Carrousel: «Manchmal hilft ein Toy-Piano bei der Suche nach der Melodie» | mit Video

Farbig, quirlig und charmant klingen die Chansons von Carrousel. Kaum vorstellbar, dass sie in der kargen und einsamen Landschaft des Juras entstehen und nicht in den Gassen von Paris. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Manu Leuenberger

«Zu Beginn unserer Zusammenarbeit haben wir es in Paris sechs Monate versucht», erzählt Sophie Burande lachend mit ihrer glasklaren und doch warmen Stimme. «Dank einem Stipendium des Kantons Jura konnten wir ein halbes Jahr in Paris leben und arbeiten.» Sie und ihr Lebenspartner Léonard Gogniat fanden das energiegeladene Leben durchaus anregend, auch das reiche Kulturangebot. «Aber letztlich zogen wir es vor, in die Schweiz zurückzukehren.»

Wohnort im Jura geeignet für konzentrierte Arbeit an der Musik

In der Nähe von Delémont haben die beiden Musiker bessere Voraussetzungen gefunden. «Wir haben hier alles komfortabel beieinander, was wir privat und für die Musik brauchen», erklärt Sophie Burande. Anders als in einer Stadt können sie sich hier viel Raum leisten, sogar für die Lagerung des Live-Equipments. «Wir können hier zudem Lärm machen, ohne Nachbarn zu stören. Und der Wald ist nah, so dass wir zwischendurch spontan einen Spaziergang machen können». Der Hauptgrund aber ist gemäss Léonard Gogniat, dass «wir auf dem Land aufgewachsen sind und uns in der Natur wohler fühlen». Tatsächlich wuchs er in den nahen Franche-Montagnes auf, während Sophie Burande aus der französischen Auvergne stammt. Doch offensichtlich fühlt sie sich hier wie zuhause, denn die Landschaften ähnelten sich stark.

Die umfunktionierte Wohnung in Courtételle hat sich als Rückzugsort bewährt, um konzentriert an der Musik arbeiten zu können. «Wir bringen von unseren Tourneen viele Eindrücke nach Hause und können diese hier in Ruhe ordnen und als Grundlage für die Lieder verwenden», erläutert Léonard Gogniat. Dies bedeutet nicht, dass die Musik nur hier entsteht. Für das aktuelle, dritte Studioalbum «L’euphorie» gingen die Beiden auch je eine Woche nach Südfrankreich und nach Amsterdam, um «aus der gewohnten Umgebung herauszukommen und neue Einflüsse einzubringen».

Text und Melodie beim Komponieren miteinander verbunden

Ausgangspunkt eines neuen Lieds kann ein Graffiti auf einer Mauer oder ein Satz in der Zeitung sein, erklärt Léonard Gogniat. «Dies bringt mich auf eine Idee und dann auf ein Thema, zu dem ich nach Worten suche. Und da die Gitarre nie weit weg ist, beginne ich Akkorde zu spielen, woraus sich die Basis eines neuen Lieds ergibt.» Dann suchen die Beiden meist gemeinsam nach der passenden Melodie. «Manchmal hilft es dabei, auf einem Toy-Piano repetitiv Akkorde zu spielen», fügt Sophie Burande an. Sie erklärt auch, weshalb Musik und Text für sie so stark miteinander verbunden sind. «Wenn mir Worte in den Sinn kommen, muss ich sie im Kopf gleich singen, und damit ergibt sich bereits ein Ansatz für die Melodie. Diese kann sich danach allerdings noch komplett verändern, weil sie letztlich zum Text passen muss.»

Manchmal gefällt den Beiden eine daraus entstandene Demoversion eines Lieds nicht mehr. «Dann versuchen wir meist, den Text zu behalten, und ändern stattessen die Instrumente und die Arrangements», erklärt Léonard Gogniat «So entstehen oft mehrere Versionen eines Lieds mit demselben Text; manchmal erkennt man das ursprüngliche Lied dann gar nicht mehr.» Diesen Vorrang des Texts gegenüber der Musik erklärt er mit dem Gebrauch der Muttersprache, zumal diese an sich bereits über eine gewisse Musikalität verfüge. «Wir singen französisch, weil wir etwas sagen und Gefühle vermitteln wollen, auch eine gewisse Poesie. Die Texte sagen aber nicht, wie man denken oder handeln soll. Sie sind offener, damit sich die Hörer eigene Bilder zu den Texten machen können.»

Ausarbeitung und Entstehung von Songs im Ping-Pong-Verfahren

Carrousel-Video-PosterFür das aktuelle Album «L’euphorie» hat Carrousel erstmals mit einem Produzenten zusammengearbeitet. «Wir waren an einen Punkt gelangt, wo wir uns von den ersten beiden Alben lösen wollten, um uns nicht zu wiederholen», erklärt Léonard Gogniat. «Wir waren an eine Grenze gestossen, was den möglichen Einsatz von zusätzlichen Instrumenten und Arrangements betrifft.» Die Beiden wählten Jean-Louis Piérot, weil dieser selbst Musiker ist und schon für Künstler wie Bashung, Etienne Daho und Miossec gearbeitet hat, deren Musik sie lieben. Und die Erwartungen haben sich erfüllt, «auch wenn wir oft überrascht waren, welche neue Farben die Lieder angenommen haben».

Die Zusammenarbeit lief im Ping-Pong-Verfahren ab, erinnert sich Léonard Gogniat. «Wir haben Jean-Louis Piérot zuerst die Basis-Demos geschickt, die wir nur mit Gitarre und Gesang aufgenommen haben. Der Produzent hat dann einiges als Vorschlag hinzugefügt und uns die Lieder zurückgeschickt. Einiges fanden wir super, anderes haben wir geändert und mit weiteren Vorschlägen zurückgeschickt.» So ging es hin und her ‒ und dann ins Studio.

Neu war den Beiden das Ping-Pong-Verfahren nicht, wie Léonard Gogniat mit einem Beispiel illustriert. «Wenn Sophie einen Liedtext geschaffen hat, kommt sie damit zu mir. Ich kann ihr dann vielleicht passende Musik dazu liefern. Wir versuchen dann diese Teile zusammenzubringen, bis es aufgeht.“ Sophie Burande ergänzt, dass dieses Verfahren auch helfe, «Blockaden zu lösen und die Musik zu bereichern, weil alle ‒ auch der Produzent ‒ so ihre speziellen Qualitäten einbringen können».

SUISA ein Partner für den Lebensunterhalt als Berufsmusiker

Seit 2012 können die Beiden «allein von der Musik, von unserer Passion leben». Aus Sophie Burandes Worten spricht nicht nur Stolz, sondern auch die Erleichterung, dass sie nicht mehr wegen Nebenjobs Konzertanfragen ablehnen müssen wie einst. Das Ausland hat für Carrousel schnell an Bedeutung gewonnen, vor allem was die Konzerte betrifft. Umso wichtiger ist es für Léonard Gogniat, dass «die SUISA ein Partner ist, der sich um die Abgeltungen kümmert». Er relativiert aber auch: «Die Ausschüttungen der SUISA sind für uns bisher eher eine Art Bonus». Sophie Burande findet es aber wichtig, dass «die SUISA für die Anerkennung jener Arbeit sorgt, die man nicht sieht ‒ das Schreiben der Kompositionen».

www.carrousel-musique.com

Wo-neue-Musik-entsteht_Cover«Wo neue Musik entsteht»

Der Wert der Ideen der Musikschaffenden ist das Herzstück der Arbeit der SUISA. Für die Broschüre «Wo neue Musik entsteht» gaben fünf Persönlichkeiten und Gruppen aus verschiedenen Musikgenres und Sprachregionen der Schweiz Einblick in ihren kreativen Schaffensprozess und ihre musikalische Tätigkeit. Neben Sophie Burande und Léonard Gogniat von Carrousel werden Marcel Oetiker, Camilla Sparksss, Oliver Waespi und Eriah auf dem SUISAblog.ch und in der 2015 erstmals erschienenen Broschüre (PDF, 8.17 MB) vorgestellt.

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Marcel Oetiker: «Beim Reisen werde ich oft inspiriert» | mit Video Beim Zürcher Bahnhof Hardbrücke brausen Züge vorbei, kreischen in den Kurven, ächzen beim Anfahren und beim Bremsen. Doch Marcel Oetiker hat diesen Ort nicht als Treffpunkt gewählt, weil solche Geräusche manche Künstler zu kreativen Höhenflügen anregen. «Ich bin beruflich meist mit dem ÖV unterwegs und fahre oft über Zürich», erklärt der 1979 geborene Komponist und Schwyzerörgeli-Virtuose aus Altendorf. «Und Reisen kann sehr inspirierend sein. Ich halte meine Ideen dann nach Möglichkeit auf dem Laptop oder einem Blatt Papier fest». Weiterlesen
Ein weltweites Netz für die Rechte der SUISA-Mitglieder Musik kennt keine Grenzen. Auch im örtlichem Sinn: Ist der Sprung ins Ausland einmal geschafft, kann ein gut funktionierendes Netzwerk von lokalen Helfern von grossem Nutzen sein. Das gilt insbesondere für die administrativen Arbeiten und dabei vor allem auch für Urheberrechte, die nicht bar vor Ort in die Hände ausbezahlt werden können. Die SUISA ist weltweit vernetzt und setzt sich in Zusammenarbeit mit ihren ausländischen Schwestergesellschaften dafür ein, die Rechte der SUISA-Mitglieder möglichst umfassend wahrzunehmen. Weiterlesen
«Der Preis der FONDATION SUISA 2015 gibt uns einen Schub für die Zukunft!» Das Duo Aliose erhält den diesjährigen Preis der FONDATION SUISA für seine herausragenden Leistungen im musikalischen Genre «Musique de variété». Seit dem Erscheinen ihres Debütalbums 2009 haben Aliose mehr als 250 Konzerte, davon ein Drittel ausserhalb der Schweiz, gespielt. Begegnet sind sich Alizé Oswald und Xavier Michel vor über 10 Jahren bei einem Workshop für Autoren, Komponisten und Interpreten. Die Preisträgerin und der Preisträger haben uns schriftlich Auskunft über ihre Musik, das Komponieren, den Preisgewinn und ihr nächstes Album gegeben. Weiterlesen
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Farbig, quirlig und charmant klingen die Chansons von Carrousel. Kaum vorstellbar, dass sie in der kargen und einsamen Landschaft des Juras entstehen und nicht in den Gassen von Paris. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Manu Leuenberger

«Zu Beginn unserer Zusammenarbeit haben wir es in Paris sechs Monate versucht», erzählt Sophie Burande lachend mit ihrer glasklaren und doch warmen Stimme. «Dank einem Stipendium des Kantons Jura konnten wir ein halbes Jahr in Paris leben und arbeiten.» Sie und ihr Lebenspartner Léonard Gogniat fanden das energiegeladene Leben durchaus anregend, auch das reiche Kulturangebot. «Aber letztlich zogen wir es vor, in die Schweiz zurückzukehren.»

Wohnort im Jura geeignet für konzentrierte Arbeit an der Musik

In der Nähe von Delémont haben die beiden Musiker bessere Voraussetzungen gefunden. «Wir haben hier alles komfortabel beieinander, was wir privat…Weiterlesen

«Der Preis der FONDATION SUISA 2015 gibt uns einen Schub für die Zukunft!»

Das Duo Aliose erhält den diesjährigen Preis der FONDATION SUISA für seine herausragenden Leistungen im musikalischen Genre «Musique de variété». Seit dem Erscheinen ihres Debütalbums 2009 haben Aliose mehr als 250 Konzerte, davon ein Drittel ausserhalb der Schweiz, gespielt. Begegnet sind sich Alizé Oswald und Xavier Michel vor über 10 Jahren bei einem Workshop für Autoren, Komponisten und Interpreten. Die Preisträgerin und der Preisträger haben uns schriftlich Auskunft über ihre Musik, das Komponieren, den Preisgewinn und ihr nächstes Album gegeben. Text/Interview von Marcel Kaufmann, FONDATION SUISA, und Manu Leuenberger

Aliose

«Seit drei Jahren ist die Musik, vor allem dank Aliose, unsere wichtigste Einnahmequelle. Die Urheberrechte sind ein wesentlicher Teil davon.» Alizé Oswald und Xavier Michel, Gewinner des Preises der FONDATION SUISA 2015, sind seit 2005 respektive 2006 bei der SUISA angemeldet. (Foto: Amélie Blanc)

Alizé, Xavier, ihr seid sowohl Komponisten als auch Interpreten eurer eigenen Musik. Mit dem Preis der FONDATION SUISA werdet ihr für eure Leistungen als Komponisten und Textautoren geehrt. Welchen Stellenwert nimmt das Komponieren bei Aliose ein?
Alizé & Xavier: Die Komposition und die Texte sind uns sehr wichtig. Auch wenn manche Titel das Ergebnis einer Zusammenarbeit sind (mit Fabien Bœuf, Patrice Genet, Stéphane Gonnu), schreiben wir doch den grössten Teil des Repertoires von Aliose selber. Der kreative Prozess ist uns ein grosses Anliegen. Wir texten in unserer Muttersprache Französisch – der Sprache unseres Herzens. Sie ist facettenreich und anspruchsvoll, vor allem wenn es darum geht, sie musikalisch umzusetzen. Es ist die Sprache, in der wir unsere Botschaften und Gefühle ehrlich ausdrücken können, auch wenn das Publikum vielleicht kein Französisch versteht. Unsere Erfahrungen im Ausland, insbesondere in Asien und in Südamerika, waren überraschend gut und motivierend: Die Leute verstehen nicht unbedingt, was wir singen, aber sie lassen sich berühren und fühlen die Emotionen, die wir über die Musik vermitteln möchten. Deshalb sind uns die Melodien wichtig, wogegen sie in gewissen Strömungen der heutigen «chanson française» keine vorrangige Rolle mehr spielen. Für uns bleiben Musik und Text im Vordergrund. Wir freuen uns immer wieder riesig aufs gemeinsame Schreiben und Komponieren, obwohl das nicht einfach ist – aber spannend!

Ihr arbeitet im Duo. Wie funktioniert eure Zusammenarbeit beim Komponieren?
Alizé & Xavier: Wir schreiben beide gern, und wir komponieren beide gern. Im Gegensatz zu vielen anderen Duos, die methodisch vorgehen und die Rollen klar definieren, gibt es bei uns keine Regeln. Alle Möglichkeiten sind offen: Manchmal schreibt einer den Text, der andere die Musik, oft ist es umgekehrt. Es kommt auch vor, dass wir nur für den Text oder nur für die Musik zusammenarbeiten. Hin und wieder schreiben wir alles, Text und Musik, gemeinsam. Und genau das ist vermutlich unser Plus, weil wir jeweils beim anderen nichts durchgehen lassen und keine Schwächen akzeptieren. Die Ansprüche sind bestimmt höher, als wenn man allein arbeitet. Bei Xavier ist die literarische, bei Alizé die musikalische Ader etwas stärker ausgeprägt. Wir ergänzen uns bestens, das ist schön. Wir arbeiten aber auch oft allein oder mit anderen Autoren und Komponisten.

Ihr schreibt auch regelmässig Musik für andere Künstler. Wie kam es dazu?
Xavier: Ehrlich gesagt, was mich betrifft, so schrieb ich früher lieber für andere Künstler. Ich sah mich mehr als Textautor (und später als Komponist) denn als Interpret. Dann begann ich, auf der Bühne meine eigenen Chansons zu interpretieren. Doch das Meiste, das ich schreibe oder komponiere, ist für andere Künstler bestimmt (Maria Mettral (und Thierry Romanens), Au hasard des faubourgs, Terre des hommes Valais, Mélanie René usw.), auch wenn die Projekte nicht immer zustande kommen … Ich mag es auch, ein Lied für Aliose zu schreiben, das Alizé dann allein singt.
Alizé: Ich hatte mir früher nie vorgestellt, dass ich eines Tages für andere Künstler schreiben würde. Ich begann sehr zaghaft damit, nur für einige wenige Personen. Dann aber freute ich mich sehr, für das Album von Maria Mettral schreiben zu dürfen. Ich finde das wunderbar, in eine andere Haut zu schlüpfen und zu versuchen, für den Künstler, der uns diese Arbeit anvertraut, die passenden Worte zu finden. Neben Aliose arbeite ich am liebsten mit Arthur Le Forestier (Sohn von Maxime Le Forestier). Wir befassen uns von Anfang an gemeinsam mit den Texten und der Musik, bis die Chansons fertig sind. Das finde ich extrem bereichernd und interessant.

Was unterscheidet die Musik, die ihr selber spielt, von jener, die ihr für andere Musikerinnen und Musiker komponiert?
Xavier: Meine Möglichkeiten als Interpret sind ziemlich beschränkt. Ich schreibe gerne Stücke, die ich aber nicht singen kann, weil deren unterschiedliche Stile nicht zu mir passen. Wie zum Beispiel die Musikkomödie «Au hasard des faubourgs», die seit Oktober 2014 läuft. Das wäre nichts für mich. Ich schreibe zudem gern für «grosse Stimmen». Ich selbst mag zwar eine charakteristische Stimme haben, doch sie ist begrenzt. In der Komposition gibt es keine Grenzen! Wichtig ist, der jeweiligen Person die Musik «auf den Leib» zu schreiben. Das ist schwierig, aber faszinierend. Dasselbe gilt für die Texte: Jedes Wort sollte zum Interpreten passen. Für andere können wir Texte schreiben, die wir selbst nie singen könnten. Das ist eine grosse Freiheit. Dennoch braucht es die HandschriftAliose von Aliose – häufig erkennen die Leute unseren Stil, auch wenn wir für andere schreiben.
Alizé: Wenn ich für jemand anderen schreibe, komme ich mir wie eine Stylistin vor, die ein schönes Mannequin kleiden muss. Keine Stylistin wird dieselben Kleider tragen, die sie für ihr Mannequin entworfen hat. Natürlich habe ich eine eigene Handschrift, vor allem bei den Melodien. So erkennt man meinen «Stempel» wie man jenen von Coco Chanel oder von Jean-Paul Gaultier erkennt – auf einem anderen Niveau, natürlich!

Als Komponisten seid Ihr auch Mitglied bei der SUISA. Welchen Nutzen hat die Mitgliedschaft für Euch?
Alizé & Xavier: Seit drei Jahren ist die Musik, vor allem dank Aliose, unsere wichtigste Einnahmequelle. Die Urheberrechte sind ein wesentlicher Teil davon. Viele unserer Stücke werden regelmässig genutzt. Es wäre uns kaum möglich, alle Vergütungen aus Radio- und Fernsehsendungen, Konzerten, Reproduktionen in der Schweiz und im Ausland selber einzutreiben. Geht man professionell vor, dann kommen noch die Aspekte rund um die Sozialleistungen, Vorsorgebeiträge usw. ins Spiel, die ja auch wichtig sind.

Was bedeutet es Euch, dass Ihr mit dem Preis der FONDATION SUISA ausgezeichnet werdet?
Alizé & Xavier: Das ist eine grosse Ehre für uns, und wir freuen uns über die Auszeichnung, die ja gleichzeitig eine Ermunterung ist. Unser Beruf ist spannend, und wir sind uns bewusst, dass wir Glück haben, von unserer Musik leben zu können. Allerdings bedeutet das enorm viel Arbeit, ein unsicheres Einkommen, ein komplexes Management und ein leider wenig anerkannter Status. Das ist manchmal entmutigend. Der Preis sagt uns: «Bleibt dran, eure Arbeit wird geschätzt, ihr arbeitet nicht für die Katz‘, ihr leistet einen Beitrag zur Schweizer Kultur.» Das ist uns sehr wichtig. Seit einigen Jahren sind wir in der Westschweiz sehr aktiv und der Preis gibt uns den nötigen Auftrieb, um weiterzumachen, unsere Bemühungen zu verstärken und auch die Deutschschweiz und vielleicht auch das Tessin anzusprechen. Wir bedauern, dass es zwischen den Sprachregionen kulturelle Barrieren gibt, und freuen uns im Gegenzug über alle Begegnungen und alle Arten der Zusammenarbeit, von Zedrus, über Bastian Baker und die Rambling Wheels, bis hin zu Greis, wobei wir uns hier mal nur auf die Schweizer beschränken. Wenn wir da einige Brücken bauen können, sind wir froh. In diesem Sinne bedeutet uns der Preis der FONDATION SUISA 2015 viel und gibt uns einen Schub für die Zukunft!

Im April habt Ihr in Paris an eurem neuen Album gearbeitet. Könnt ihr uns schon etwas dazu verraten?
Alizé & Xavier: Ein Duo mit Paul McCartney! Nein, Spass beiseite: Wir arbeiten seit einiger Zeit am dritten Album von Aliose, das grösstenteils in einem Pariser Studio aufgenommen wird. Leider ist es grad noch ein klein bisschen zu früh, um irgendwelche Scoops vermelden zu können, da einiges noch unklar ist. Das Einzige, was wir jetzt schon sagen können: Bis jetzt haben wir alles selber über unsere Produktionsfirma Biinôme gemacht. Das könnte nun ändern. Vielleicht finden wir für dieses Album einflussreiche Partner, damit es hoffentlich nicht nur in der Schweiz, sondern auch jenseits unserer Landesgrenzen veröffentlicht werden kann.

www.fondation-suisa.ch/preis-der-stiftung
www.aliose.ch

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  1. Musy Jean-François sagt:

    Félicitations les jeunes !
    Nous allons sortir les massues pour fêter ça !!!
    Croc Magnon
    Nax City

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Das Duo Aliose erhält den diesjährigen Preis der FONDATION SUISA für seine herausragenden Leistungen im musikalischen Genre «Musique de variété». Seit dem Erscheinen ihres Debütalbums 2009 haben Aliose mehr als 250 Konzerte, davon ein Drittel ausserhalb der Schweiz, gespielt. Begegnet sind sich Alizé Oswald und Xavier Michel vor über 10 Jahren bei einem Workshop für Autoren, Komponisten und Interpreten. Die Preisträgerin und der Preisträger haben uns schriftlich Auskunft über ihre Musik, das Komponieren, den Preisgewinn und ihr nächstes Album gegeben. Text/Interview von Marcel Kaufmann, FONDATION SUISA, und Manu Leuenberger

Aliose

«Seit drei Jahren ist die Musik, vor allem dank Aliose, unsere wichtigste Einnahmequelle. Die Urheberrechte sind ein wesentlicher Teil davon.» Alizé Oswald und Xavier Michel, Gewinner des Preises der FONDATION SUISA 2015, sind seit 2005 respektive 2006 bei der SUISA angemeldet. (Foto: Amélie…Weiterlesen