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20 Jahre «respect copyright!»

Urheberrecht verständlich, kreativ und nah an der Lebenswelt der Jugendlichen

Urheberrecht verständlich, kreativ und nah an der Lebenswelt der Jugendlichen
So hat es angefangen: Betty Legler (am Flügel) und Claudia Kempf moderierten gemeinsam die erste offizielle «respect copyright!»-Veranstaltung, die am 6. Februar 2006 an der Oberstufe Wetzikon stattfand.
Foto: Roy Oppenheim
Text von Erika Weibel
Seit 20 Jahren bringt «respect copyright!» das Thema Urheberrecht schweizweit dorthin, wo junge Menschen täglich mit Fragen zum Konsum von Medien, Musik, Bildern, Texten und Videos in Berührung kommen: direkt ins Klassenzimmer, wo Antworten nicht nach Gesetzeskommentar klingen sollten.

Die Schulveranstaltungsreihe wurde 2006 von den fünf Schweizer Verwertungsgesellschaften SUISA, SUISSIMAGE, ProLitteris, SSA und SWISSPERFORM ins Leben gerufen. Ziel war und ist es, Jugendliche ab 12 Jahren für das Urheberrecht, den Wert kreativen Schaffens und die Bedeutung einer lebendigen Kultur zu sensibilisieren.

Seither hat «respect copyright!» 550 Schulen besucht und rund 66 574 Jugendliche und Lehrpersonen erreicht.

Von der Internet-Tauschbörse bis zur künstlichen Intelligenz

Als «respect copyright!» startete, sah die digitale Welt noch etwas anders aus. Internet-Tauschbörsen waren weit verbreitet, Musik und Filme wurden häufig kostenlos heruntergeladen oder weitergegeben, oft ohne grosses Bewusstsein dafür, dass damit Rechte von Künstlerinnen, Künstlern und weiteren Kreativen betroffen waren. Heute gibt es zwar viele legale Angebote und Streamingdienste. Die Fragen rund um die Nutzung von Werken sind deshalb nicht verschwunden, sie haben sozusagen ein Update erhalten.

Denn urheberrechtlich geschützte Inhalte sind im Internet und auf Social Media jederzeit verfügbar. Sie lassen sich mit wenigen Klicks teilen, bearbeiten oder weiterverbreiten. Und als wäre das nicht schon genug Stoff für eine Unterrichtsstunde, kommen neue Entwicklungen wie die künstliche Intelligenz hinzu, die den Umgang mit Werken nochmals verändern.

Genau hier setzt «respect copyright!» an. Die Schulveranstaltungsreihe vermittelt Wissen nicht trocken oder moralisierend, sondern interaktiv, spielerisch und kreativ. Im Rahmen des Schulunterrichts erhalten Schülerinnen und Schüler eine professionell vorbereitete Lektion. Gemeinsam mit einer Künstlerin oder einem Künstler texten sie einen Song, stellen Fragen und erhalten Einblicke in den Alltag von Kulturschaffenden.

Dabei erfahren sie, wie Musik, Texte, Bilder, Filme oder andere Werke entstehen und wovon kreative Menschen leben. So wird deutlich: Hinter jedem Werk stehen Ideen, Zeit, Können, Arbeit und oft auch ein ganzes Netzwerk von Beteiligten. Kurz gesagt: Kreativität fällt selten einfach vom Himmel. Und wenn doch, steckt meistens trotzdem viel Arbeit dahinter.

Respektiere den kreativen Menschen

Ein wichtiger Grundsatz von «respect copyright!» ist es, Jugendliche nicht zu belehren oder ihnen gar mit dem Mahnfinger zu drohen. Vielmehr soll Verständnis entstehen: für Kreative, für ihre Rechte und für die kulturelle Vielfalt, die nur bestehen kann, wenn künstlerisches Schaffen respektiert wird.

Die Jugendlichen erkennen dabei auch, dass sie selbst kreativ tätig sind: wenn sie schreiben, fotografieren, filmen, Musik machen oder eigene Inhalte auf Social Media veröffentlichen. Als Kreative haben auch sie Rechte und ein Interesse daran, dass ihre Werke respektiert werden.

In den Veranstaltungen werden konkrete Fragen aus dem Alltag der Jugendlichen aufgegriffen: Darf ich Bilder, Texte oder Musik aus dem Internet verwenden? Was darf ich auf Social Media posten? Was muss ich berücksichtigen, wenn ich KI anwende? Was muss ich beachten, wenn ich ein Video produziere? Wie entsteht ein Song? Und welchen Wert hat Kultur für mich persönlich?

Die einfache, aber zentrale Botschaft lautet: Respektiere das künstlerische Schaffen und das geistige Eigentum – respektiere den kreativen Menschen.

Prägende Begegnungen mit Künstlerinnen und Künstlern

Die direkte Begegnung mit Künstlerinnen und Künstlern macht «respect copyright!» besonders wirkungsvoll. Sie schafft Nähe, weckt Interesse und zeigt, dass Urheberrecht kein abstraktes Gesetzesthema ist, sondern unmittelbar mit Menschen, Geschichten und kreativer Arbeit verbunden ist.

Auch für die beteiligten Künstlerinnen und Künstler ist der Austausch wertvoll. Sie kommen mit jungen Menschen ins Gespräch, erfahren deren Sichtweisen und können vermitteln, warum Respekt gegenüber kreativer Arbeit wichtig ist, dies nicht theoretisch, sondern aus dem eigenen Leben.

Zukunft von «respect copyright!»

Nach 20 Jahren ist «respect copyright!» aktueller denn je. Die digitale Nutzung von Werken verändert sich laufend und damit auch die Fragen, die sich im Alltag stellen. Deshalb wird die Schulveranstaltungsreihe in Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern kontinuierlich weiterentwickelt und auf aktuelle Herausforderungen ausgerichtet.

Im Zentrum steht jedoch nach wie vor dieselbe Überzeugung wie zu Beginn: Kultur hat einen Wert. Wer dafür bezahlt, Musik zu hören, Filme zu schauen, Texte zu lesen, Bilder zu teilen oder kreative Inhalte zu nutzen, trägt dazu bei, dass auch in Zukunft neue Werke entstehen können. Für die allermeisten ist das längst selbstverständlich – gerade auch für Jugendliche. Sie sind ausgesprochen kulturaffin: Sie nutzen mehrere Streaming-Abonnements, gehen ins Kino und an Konzerte, lesen Bücher und konsumieren Kultur in vielfältiger Form. Dass sie damit das Kunst- und Kulturschaffen aktiv fördern und einen Beitrag dazu leisten, dass so auch in Zukunft Kunst entstehen kann, wird ihnen oft erst bei der Lektion richtig bewusst.

Mit «respect copyright!» leisten die fünf Schweizer Verwertungsgesellschaften seit zwei Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zur Medienkompetenz junger Menschen. Das Jubiläum zeigt: Sensibilisierung für Urheberrecht ist nicht nur notwendig, sondern kann auch lebendig, unterhaltsam und inspirierend sein.

Informationen zur Schulveranstaltungsreihe: www.respectcopyright.ch

SUISA-Mitglieder, die an «respect copyright!» teilgenommen haben
In den letzten 20 Jahren haben insgesamt 33 SUISA-Mitglieder die Initiative begleitet und unterstützt.
Aktuell involviert sind: Alina Amuri, Dom Lampa, Eriah, Greis, Junior Tshaka, La Gale, La Nefera, Luuk, Manillio, Naveni und Robin Girod.
In der Vergangenheit teilgenommen haben: Anna Luif, Ariel Kinsky, Bastian Baker, Baze, Betty Legler, Bruno Dias, Chocolococolo, DJ Lord, Dodo Jud, Knackeboul, Licia Chery, Mama Rosin, Mark Kelly, Nega, Onésia, Phenomden, Signorino TJ, Sim’s, Steff la Cheffe, Stéphane Blok, Taz und Yves Larock.

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