Tagarchiv: Volksmusik

Rückschau auf die SUISA-Generalversammlung 2018

Am 22. Juni 2018 strömten 208 stimmberechtigte SUISA-Mitglieder ins Bierhübeli in Bern. Sie wollten die Geschicke ihrer Genossenschaft mitbestimmen sowie vom Networking- und Informationstreffen profitieren. Zusammen mit Mitgliedern des Vorstands, der Geschäftsleitung, Gästen aus Kultur und Politik plus Mitarbeitenden der SUISA nahmen sie an der ordentlichen Generalversammlung 2018 teil. Text von Dora Zeller

Rückschau auf die SUISA-Generalversammlung 2018

Der vollbesetzte Saal im Bierhübeli in Bern während einer Abstimmung an der SUISA-Generalversammlung vom 22. Juni 2018. (Foto: Manu Leuenberger)

Die Ad-hoc-Formation Swiss Ländlermix, zusammengesetzt aus Bruno Brodt, Jost Ribary, Dani Häusler, René Wicky, Robin Mark, Jacqueline Wachter, Kurt Albert und Stefan Schwarz, eröffnete die Generalversammlung mit einer volksmusikalischen Überraschung. Der Querschnitt durch die traditionelle wie zeitgenössische helvetische Volksmusikszene versetzte das Publikum in Schwung für die anschliessende Versammlung.

Swiss Laendlermix

Zum Auftakt der GV spielte die Ad-hoc-Formation Swiss Ländlermix einen musikalischen Streifzug durch die Schweizer Volksmusik. (Foto: Sibylle Roth)

Vor den statutarischen Geschäften wurde mit einem Film auf den anfangs Jahr eingeführten Social-Media-Auftritt aufmerksam gemacht. Neben dem SUISAblog gibt es nun auch SUISA Music Stories auf Instagram, Facebook und Youtube.

Danach galt es, Jahresbericht, Lagebericht, Bilanz, Erfolgsrechnung, Geldflussrechnung, Anhang 2017 und den Bericht der Revisionsstelle zu genehmigen; dem Vorstand und der Revisionsstelle Décharge für das vergangene Jahr zu erteilen und das Mandat der Revisionsstelle für 2018 zu bestätigen.

Statutenrevision und Wahl der Beschwerdekommission

Hauptpunkt der Versammlung war die Statutenänderung. Andreas Wegelin erläuterte, warum die Statuten an das liechtensteinische Verwertungsgesellschaftengesetz und die Richtlinie der Europäischen Union zur kollektiven Wahrnehmung von Urheberrechten (CRM-Richtlinie) angepasst werden sollen. Er erwähnte die wichtigsten Revisionspunkte, nämlich das Diskriminierungsverbot, die zusätzliche Kompetenzen der Generalversammlung und die stärkere Einflussnahme der Mitglieder. Nach verschiedenen Anregungen aus dem Publikum als auch Klärungsfragen genehmigte die Generalversammlung die beantragten Änderungen ohne Gegenstimme.

Die Generalversammlung war auch einverstanden mit der Kandidatin und den Kandidaten für die neu zu schaffende Beschwerdekommission. Mit grossen Mehr gewählt wurden die Vorstandsmitglieder Marco Neeser und Christian Fighera sowie als externe Vertreterin Danièle Wüthrich-Meyer (Vize-Präsidentin der Wettbewerbskommission). Das gleiche galt für die Ersatzmitglieder Roman Camenzind und Zeno Gabaglio (beide SUISA-Vorstand) wie für die Externen Daniel Alder und Gregor Wild (beide Rechtsanwälte und Mitglieder der Eidgenössischen Schiedskommission). Den Vorsitz der Kommission übernimmt der Leiter des SUISA-Rechtsdienstes, Bernhard Wittweiler. Er ist von Amtes wegen Mitglied, musste daher nicht von der Generalversammlung gewählt werden.

Natalie Riede

Mit der Verlegerin Natalie Riede (im Bild) wurde eine Vertreterin aus der Schweizer Elektromusikszene in die Verteilungs- und Werkkommission gewählt. (Foto: Manu Leuenberger)

Weiter wurde Natalie Riede als neues Mitglied in die Verteilungs- und Werkkommission gewählt, in der sie Guido Röösli ersetzt. Natalie Riede ist seit 2014 mit ihrem Verlag Black Music Management SUISA-Mitglied, verwaltet hauptsächlich Werke aus dem Bereich Electronica und vertritt die Schweizer Elektroszene.

In ihrem Gastreferat stellte Danièle Wüthrich-Meyer, Präsidentin Swissperform, die Arbeit der fünf Verwertungsgesellschaften vor mit Blick auf den formalen, gesetzlichen Aspekt, den konsensualen aufgrund von Verträgen und Statuten sowie den faktischen Bereich.

Podium

Die Geschäftsleitung der SUISA informierte über das aktuelle Geschäftsjahr. Auf dem Podium von links nach rechts: Irène Philipp Ziebold, Vincent Salvadé, Präsident Xavier Dayer, Vize-Präsident Marco Zanotta sowie Andreas Wegelin am Rednerpult. (Foto: Sibylle Roth)

Es folgten Informationen über das laufende Geschäftsjahr von Vincent Salvadé und Irène Philipp. Andreas Wegelin berichtete über das Joint Venture Mint Digital Services und erörterte aktuelle politischen Entwicklungen, die einen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit der Genossenschaft haben. Urs Schnell, Direktor der FONDATION SUISA, berichtete anschliessend über das Geschäftsjahr der Musikförderstiftung der SUISA.

Gegen 14 Uhr schloss der Präsident der SUISA, Xavier Dayer, die ebenso inhaltsreiche wie spannende Generalversammlung. Er verwies auf die nächste Generalversammlung, die am Freitag, 21. Juni 2019, in Biel stattfinden wird.

Nach dem Sitzungsende diskutierten die Versammlungsteilnehmer beim offerierten Stehlunch im Garten des Bierhübeli angeregt weiter und nutzten die Gelegenheit für Gespräche mit SUISA-Mitarbeitenden oder Kollegen und Kolleginnen.

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Am 22. Juni 2018 strömten 208 stimmberechtigte SUISA-Mitglieder ins Bierhübeli in Bern. Sie wollten die Geschicke ihrer Genossenschaft mitbestimmen sowie vom Networking- und Informationstreffen profitieren. Zusammen mit Mitgliedern des Vorstands, der Geschäftsleitung, Gästen aus Kultur und Politik plus Mitarbeitenden der SUISA nahmen sie an der ordentlichen Generalversammlung 2018 teil. Text von Dora Zeller

Rückschau auf die SUISA-Generalversammlung 2018

Der vollbesetzte Saal im Bierhübeli in Bern während einer Abstimmung an der SUISA-Generalversammlung vom 22. Juni 2018. (Foto: Manu Leuenberger)

Die Ad-hoc-Formation Swiss Ländlermix, zusammengesetzt aus Bruno Brodt, Jost Ribary, Dani Häusler, René Wicky, Robin Mark, Jacqueline Wachter, Kurt Albert und Stefan Schwarz, eröffnete die Generalversammlung mit einer volksmusikalischen Überraschung. Der Querschnitt durch die traditionelle wie zeitgenössische helvetische Volksmusikszene versetzte das Publikum in Schwung für die anschliessende Versammlung.

Swiss Laendlermix

Zum Auftakt der GV spielte die Ad-hoc-Formation Swiss Ländlermix einen musikalischen Streifzug durch…Weiterlesen

«Alle meine Stücke habe ich frei aus dem Bauch heraus komponiert»

Beim Prix Walo 2018 ist Martin Nauer einer der drei Nominierten in der Sparte Volksmusik. Der Akkordeonist spielte mehr als vier Jahrzehnte lang bei der Ländlerkapelle Carlo Brunner. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat Martin Nauer im Zusammenhang mit seiner Nomination schriftlich ein paar Fragen gestellt. Text/Interview von Sibylle Roth

Martin Nauer: «Alle meine Stücke habe ich frei aus dem Bauch heraus komponiert»

Martin Nauer hat bereits als Fünfjähriger das Akkordeonspiel gelernt. (Foto: Monika Nussbaumer)

Der junge Martin Nauer fuhr mit dem «Töffli» oft nach Meierskappel, um von Walter Grob neue Fingersätze auf der Handorgel zu lernen. Er hörte seinen Vorbildern so oft wie möglich zu, denn alle Griffe und Akkorde lernte er nach Gehör. 1975 gründete er zusammen mit Carlo Brunner die Kapelle Carlo Brunner und legte damit den Grundstein für seine Karriere. Nauer absolvierte unzählige Auftritte in der Schweiz und im Ausland und spielte bei mehrere Platten- respektive CD-Aufnahmen mit.

Martin Nauer, Sie haben viele Stücke für Carlo Brunners Kapelle geschrieben: Wie sind diese Stücke genau entstanden? Haben Sie Vorgaben erhalten oder konnten Sie frei komponieren?
Martin Nauer: Gesamthaft habe ich zirka 50 Melodien komponiert. Sie alle sind auf irgendeiner der vielen CDs verewigt, die wir als Kapelle Carlo Brunner produziert haben. Bei meinen Kompositionen habe ich nie irgendwelche Vorgaben respektive Tipps bekommen oder musste mich an Empfehlungen halten. Alle meine Stücke habe ich also frei aus dem Bauch heraus komponiert.

Sie sind seit 1976 SUISA-Mitglied und viele Ihrer Kompositionen wurden von verschiedenen Verlagen herausgegeben. Können Sie mit den Vergütungen aus Ihrer SUISA-Mitgliedschaft ein finanziell sorgenfreies Leben geniessen?
Seit 1976 SUISA-Mitglied? Wie doch die Zeit vergeht! Nein, von den Vergütungen, die mir als Komponist zustehen und über die SUISA abgerechnet werden, kann ich selbstverständlich kein sorgenfreies Leben geniessen. So viele Kompositionen von mir gibt’s ja nun auch wieder nicht und so häufig werden die auch nicht gespielt, als dass die Entschädigungen viel Geld abwerfen würden. Die Tantiemen sind aber alleweil ein willkommener Zustupf, von dem sich doch auch mal was geniessen lässt.

Sie haben sich Ende 2017 aus der Kapelle von Carlo Brunner zurückgezogen. Haben Sie jetzt mehr Zeit, um eigene Stücke zu komponieren?
Meine durch den Rückzug aus der Kapelle Carlo Brunner gewonnene Zeit verwende ich nicht ausschliesslich zum Komponieren. Gleichwohl bin ich mit der Volksmusik weiterhin sehr stark verbunden, und wenn mir eine Melodie einfällt oder wenigstens die Sequenz eines neuen Tanzes, dann nehme ich die Töne auf eine Tonbandkasette auf in der offenen Erwartung, dass vielleicht mal etwas daraus wird. Da ich Noten weder schreiben noch lesen kann, bin ich auf Hilfe angewiesen, damit eine neue Melodie dann auch noch aufgeschrieben wird.

Was bedeutet die Prix-Walo-Nomination für Sie?
Die Prix-Walo-Nomination ist eine riesengrosse Freude für mich und zugleich natürlich auch eine tolle Überraschung. Als Mitglied in der Formation und als Partner von Carlo Brunner – seit über 43 Jahren – durfte ich immer auch am Erfolg von Carlo teilhaben, wenn dieser den Prix-Walo gewann. Und das war bis heute doch schon viermal der Fall. Auch für uns Kapellenmitglieder bedeuteten die Auszeichnungen jeweils eine grosse Anerkennung. Dass ich jetzt aber sogar selber für den Preis nominiert bin, damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Wie gesagt, ich habe eine Riesenfreude und bin auch stolz darauf, alleine schon mit der Nominierung diese grosse Ehre erfahren zu haben.

www.prixwalo.ch, Website des Prix Walo

Die Galaverleihung des 44. Prix Walo findet am 13. Mai 2018 in den TPC-Studios in Zürich statt und wird live auf Star TV ab 20.00 Uhr übertragen. Beim Prix Walo werden Schweizer Künstler aus. Beim Prix Walo werden Schweizer Künstler aus verschiedenen Sparten ausgezeichnet. Ziel des Prix Walo ist, die Schweizer Showbranche im Allgemeinen und den Künstlernachwuchs im Unterhaltungssektor zu fördern. Die SUISA unterstützt den Prix Walo finanziell und übergibt dieses Jahr den Preis in der Sparte Volksmusik.
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Beim Prix Walo 2018 ist Martin Nauer einer der drei Nominierten in der Sparte Volksmusik. Der Akkordeonist spielte mehr als vier Jahrzehnte lang bei der Ländlerkapelle Carlo Brunner. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat Martin Nauer im Zusammenhang mit seiner Nomination schriftlich ein paar Fragen gestellt. Text/Interview von Sibylle Roth

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Martin Nauer hat bereits als Fünfjähriger das Akkordeonspiel gelernt. (Foto: Monika Nussbaumer)

Der junge Martin Nauer fuhr mit dem «Töffli» oft nach Meierskappel, um von Walter Grob neue Fingersätze auf der Handorgel zu lernen. Er hörte seinen Vorbildern so oft wie möglich zu, denn alle Griffe und Akkorde lernte er nach Gehör. 1975 gründete er zusammen mit Carlo Brunner die Kapelle Carlo Brunner und legte damit den Grundstein für seine Karriere. Nauer absolvierte unzählige…Weiterlesen

«Jedem von uns fällt mal ein Stück oder eine Melodie ein»

Eine von drei Nominierten beim Prix Walo 2018 in der Sparte Volksmusik ist die Formation Ils Fränzlis da Tschlin. In der Besetzung mit Domenic und Curdin Janett und deren Töchter Anna Staschia, Cristina und Madlaina musizieren sie angelehnt an die «Ur-Fränzlimusig» aus dem 19. Jahrhundert seit 2014 zusammen. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat Madlaina Janett, der Bratschistin der Formation, schriftlich Fragen über ihre Musik, das Komponieren und die Nomination gestellt. Text/Interview von Sibylle Roth

«Jedem von uns fällt mal ein Stück oder eine Melodie ein»

Ils Fränzlis da Tschlin: «Wir sind Botschafter jener Stücke, die auf ihrer Reise durch die Tanzsäle Europas im Engadin hängengeblieben sind». (Foto: Flurin Bertschinger)

Die Ur-Fränzlis aus dem 19. Jahrhundert hat Franz-Josef Waser, der aufgrund seiner kleinen Statur «Fränzli» genannt wurde, ins Leben gerufen. Sie spielten Tanzmusik und man erzählte sich bis weit ins 20. Jahrhundert hinein von den legendären Fränzlis. Die neuen Fränzlis wurden 1982 von Men Steiner und Domenic Janett gegründet. Seit 2012 spielen sie in der Besetzung mit Klarinette, Geige, Cello, Bratsche und Kontrabass. Nach den letzten Besetzungwechseln – hinzu kamen Cristina am Cello und Anna Staschia an der Violine – sind die Frauen gegenüber den Männern in der Formation in der Überzahl.

Madlaina Janett, Ils Fränzlis da Tschlin sind seit Jahrzehnten Botschafter für Engadiner Tanzmusik. Wie ist bei Ihnen das Verhältnis zwischen traditionellen Werken und Eigenkompositionen?
Madlaina Janett, Ils Fränzlis da Tschlin: Wenn wir ein konzertantes Programm zusammenstellen, schauen wir, dass wir ungefähr zu gleichen Teilen Neukompositionen – von uns selbst und von anderen Komponisten – und überlieferte Tänzen einbauen. Dabei verfolgen wir nicht das Ziel, die Tradition zu renovieren oder zu erneuern. Wir wollen einfach eine schöne Dramaturgie im Konzert haben, die viel Abwechslung bietet und bei der wir die Zuhörer zwischendurch auch mit ungewohnteren Tönen überraschen können. Wenn wir zum Tanz spielen – was leider nur noch sehr selten vorkommt – überwiegen die traditionellen Stücke, da diese meist tanzbarer sind als die Neukompositionen, welche oft extra für die Konzertsituation geschrieben werden und wurden.
An dieser Stelle möchten wir aber noch ganz kurz einen Kommentar zum Stichwort «Botschafter der Engadiner Tanzmusik» loswerden: Wir selber würden uns nicht als solche bezeichnen. Einerseits, weil wir wie oben erwähnt nur ganz selten zum Tanz spielen und zweitens, weil es fast nicht möglich ist, zu sagen, was denn genau «Engadiner Musik» sein soll. Unsere Vorbilder, die Ur-Fränzlis des 19. Jahrhunderts, waren ja gar keine Engadiner – sie stammten aus der Innerschweiz – und haben alles Mögliche gespielt: vom Gassenhauer, über die Operettenmelodie bis zum überlieferten Walzer. Und wenn man den sogenannten «überlieferten» Stücken etwas nachforscht, kommt oft heraus, dass sie eine lange Odyssee durch die Tanzsäle des ganzen Alpenraums hinter sich haben und dass es absolut unmöglich ist, zu sagen, ob ein Stück im Engadin oder doch eher im Burgenland oder in Italien entstanden ist. Wir sind also – wenn schon – Botschafter jener Stücke, die auf ihrer Reise durch die Tanzsäle Europas im Engadin hängengeblieben sind und im Stil der lokalen Musikanten weiterentwickelt wurden.

Wie gehen Sie beim Komponieren von neuen Stücken vor? Ihre Werke wurden ja oft von jemandem alleine komponiert; haben Sie da verschiedene Vorgehensweisen?
Die Vorgehensweisen der einzelnen Fränzlimitglieder sind recht unterschiedlich: Curdin und Domenic komponieren und arrangieren viel im Auftrag und für die verschiedensten Besetzungen. Die jüngere Generation komponiert eher spontan: Wenn einem etwas in den Sinn kommt, wird es notiert. Für die Programme der Fränzlis haben wir meist keinen speziellen Druck, etwas zu komponieren. Jedem von uns fällt mal ein Stück oder eine Melodie ein. Man bringt das fertige Stück oder das Fragment in die Probe, und dann wird gemeinsam ausprobiert, ob es zu unserer Formation passt oder nicht. Genauso gehen wir übrigens vor, wenn wir Werke von Komponisten ins Programm aufnehmen, die nicht bei uns mitspielen.

Die beiden Ältesten und die Jüngste der aktuellen Formation sind SUISA-Mitglieder, Sie selber und Cristina jedoch nicht. Wie kommt das? Sind sie nicht an den Kompositionen beteiligt?
Das bedeutet nichts anderes, als dass Cristina und ich schlicht zu faul waren, um sich um das Thema SUISA zu kümmern.
Mit den je zwei Kompositionen, die es anzumelden gäbe, besteht aber auch noch nicht so ein gewaltiger Handlungsbedarf. Aber das kommt schon noch …

Was bedeutet die Prix-Walo-Nomination für Sie?
Ganz ehrlich: Wir fragen uns nach wie vor, wie man auf uns gekommen ist.
Den Prix Walo haben wir bis jetzt mit der grossen Show- und Fernsehwelt, mit Glitzerkleidern und Dirndl in Verbindung gebracht und sicher nicht mit einer Formation wie der unserigen, die fast immer in kleinen Sälen auftritt, unverstärkt und in dezentes Schwarz gekleidet.
Aber natürlich freut es uns sehr, dass man an uns gedacht hat und dass wir offenbar wahrgenommen werden, obwohl wir in vielem nicht den Anforderungen der Show- und Entertainment-Szene entsprechen.

www.fraenzlis.ch, Website Ils Fränzlis da Tschlin
www.prixwalo.ch, Website des Prix Walo

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Eine von drei Nominierten beim Prix Walo 2018 in der Sparte Volksmusik ist die Formation Ils Fränzlis da Tschlin. In der Besetzung mit Domenic und Curdin Janett und deren Töchter Anna Staschia, Cristina und Madlaina musizieren sie angelehnt an die «Ur-Fränzlimusig» aus dem 19. Jahrhundert seit 2014 zusammen. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat Madlaina Janett, der Bratschistin der Formation, schriftlich Fragen über ihre Musik, das Komponieren und die Nomination gestellt. Text/Interview von Sibylle Roth

«Jedem von uns fällt mal ein Stück oder eine Melodie ein»

Ils Fränzlis da Tschlin: «Wir sind Botschafter jener Stücke, die auf ihrer Reise durch die Tanzsäle Europas im Engadin hängengeblieben sind». (Foto: Flurin Bertschinger)

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«Vieles in unserer Volksmusik kommt von der Klassik her»

Dani Häusler ist einer von drei Nominierten beim Prix Walo 2018 in der Sparte Volksmusik. Häusler hat bereits früh angefangen Klarinette zu spielen und ist heute in diversen Formationen aktiv. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat den Nominierten schriftlich interviewt. Text/Interview von Sibylle Roth

Dani Häusler: «Vieles in unserer Volksmusik kommt von der Klassik her»

Der Klarinettist Dani Häusler ist einer der jüngsten Träger des «Goldenen Violinschlüssels». (Foto: Pit Bühler)

Mit 11 Jahren hat Dani Häusler angefangen, Klarinette und Saxophon zu spielen, und trat kurz darauf bereits mit seiner ersten Band, den Gupfbuebä, auf. Er hat klassische Musik studiert und mit den Formationen Pareglish und Hujässler die moderne Volksmusik geprägt. 1987 ist Dani Häusler der SUISA beigetreten. Er unterrichtet Klarinette, ist Volksmusikredaktor beim SRF, Dozent an der Hochschule Luzern und wurde letztes Jahr mit dem Goldenen Violinschlüssel geehrt.

Dani Häusler, Sie haben klassische Musik studiert und auch schon klassische Stücke für die Volksmusik arrangiert, zum Beispiel «Ländlerische Tänze» von Mozart. Wie vermischen sich die beiden Musikrichtungen?
Dani Häusler: Vieles in unserer Volksmusik kommt von der Klassik her. Mozart-Tänze kann man vom Notentext her ziemlich genau eins zu eins übernehmen. Der Unterschied zeigt sich dann aber in der Interpretation – klassische Musiker spielen gepflegter, Volksmusiker ungehobelter. Hier drin liegt ein grosser Reiz für mich.

Sie widmen sich sowohl der neuen als auch der traditionellen Volksmusik. Wie unterscheiden sich die beiden Stile und was machen Sie lieber: Neues komponieren oder das Traditionelle interpretieren?
Die «neue» Volksmusik ist grundsätzlich anspruchsvoller. Vieles ist auf eine Konzertsituation ausgerichtet. Die traditionelle Volksmusik zelebriert eher das gemütliche Beisammensein mit Essen, Trinken und Tanzen. Komponieren kann man traditionell oder modern – wobei das «Neue» meist mit mehr Aufwand verbunden ist. Leider fehlt mir seit einigen Jahren die Zeit dazu.

Sie sind Volksmusikredaktor bei der Musikwelle. Wie sieht es aktuell mit der Volksmusik in der Schweiz aus?
Gut. Aber es kommt immer drauf an, wo man hinschaut. Die Schwyzerörgeli-Formationen boomen wie verrückt, Bläserkapellen sind massiv zurückgegangen. Grundsätzlich fehlt aber am meisten das Publikum. Grossanlässe boomen zwar, Volksmusik-Abende in Restaurants jedoch werden immer schwieriger durchzuführen.

Was bedeutet die Prix-Walo-Nomination für Sie?
Ich freue mich – mein Leben wird sich aber nicht ändern.

www.danihaeusler.ch, Website von Dani Häusler
www.prixwalo.ch, Website des Prix Walo

Die Galaverleihung des 44. Prix Walo findet am 13. Mai 2018 in den TPC-Studios in Zürich statt und wird live auf Star TV ab 20.00 Uhr übertragen. Beim Prix Walo werden Schweizer Künstler aus verschiedenen Sparten ausgezeichnet. Ziel des Prix Walo ist, die Schweizer Showbranche im Allgemeinen und den Künstlernachwuchs im Unterhaltungssektor zu fördern. Die SUISA unterstützt den Prix Walo finanziell und übergibt dieses Jahr den Preis in der Sparte Volksmusik.
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Dani Häusler ist einer von drei Nominierten beim Prix Walo 2018 in der Sparte Volksmusik. Häusler hat bereits früh angefangen Klarinette zu spielen und ist heute in diversen Formationen aktiv. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat den Nominierten schriftlich interviewt. Text/Interview von Sibylle Roth

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Der Klarinettist Dani Häusler ist einer der jüngsten Träger des «Goldenen Violinschlüssels». (Foto: Pit Bühler)

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Traditionelle Volksmusik als Basis für komplexere Kompositionen

Der Komponist und Akkordeonist Franz «Fränggi» Gehrig erhält den Preis der FONDATION SUISA 2016. Der jährlich verliehene Anerkennungspreis der Musikförderstiftung der SUISA wird 2016 in der Kategorie «neue, aktuelle Schweizer Volksmusik» vergeben. Ein Interview mit dem 30-jährigen Urner Preisträger über die Auszeichnung, sein musikalisches Schaffen und den Reiz von alter wie neuer Volksmusik. Text/Interview von Manu Leuenberger

Fraenggi-Gehrig-Preis-der-FONDATION-2016

Fränggi Gehrig begann als 8-Jähriger Akkordeon zu spielen. An der Hochschule Luzern studiert er Akkordeon im Profil Jazz mit Schwerpunkt Volksmusik und belegt das Fach Komposition. (Foto: Blatthirsch.ch)

Fränggi Gehrig, Sie werden mit dem Preis der FONDATION SUISA 2016 in der Kategorie «neue, aktuelle Schweizer Volksmusik» ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Fränggi Gehrig: Die Auszeichnung kam für mich total unerwartet, denn ich hatte bei der Eingabe des Preises keine Ahnung, ob ich mir überhaupt Chancen ausrechnen kann. Umso mehr freue ich mich natürlich jetzt und ich fühle mich wirklich sehr geehrt, dass ich diese Auszeichung entgegennehmen darf.

Mit der Volksmusik sind viele Traditionen verbunden. Was sind die Herausforderungen, wenn man Volksmusik neu und aktuell gestalten will?
Das Wichtigste finde ich, dass man dabei seine Wurzeln nicht vergisst. Man muss aufpassen, dass man nicht willkürlich Melodien anders harmonisiert oder rhythmisch verändert und dabei sagt, es handle sich jetzt um neue Volksmusik.
Ich glaube, dass die Verbindung zwischen «Traditionellem» und «Neuem» gar nicht gelingt, wenn man diese Traditionen nicht über eine sehr lange Zeit intensiv gelebt hat. Gerade die traditionelle Volksmusik ist sehr schwierig zu erlernen. Es braucht während Jahrzehnten etliche Freinächte und eben so viele Stunden Übung im stillen Kämmerlein, um in dieser richtig heimisch zu werden. Meine Meinung ist, dass man diesen Background benötigt, um die Volksmusik sinnvoll neu und aktuell zu gestalten.

Man kann Sie zum einen häufig am Akkordeon als Interpret von alten volkstümlichen Werken hören. Zum anderen schreiben Sie für Formationen wie Rumpus, Stegreif GmbH oder die Alpini Vernähmlassig, wo Sie ebenfalls mitspielen, auch eigene Kompositionen. Was macht für Sie den Reiz einerseits am Interpretieren von alter und anderseits am Komponieren von neuer Musik aus?
Ich mag grundsätzlich die Abwechslung und die Vielfalt an verschiedenen Projekten in meiner Tätigkeit.  Wie schon gesagt, die traditionelle, «alte» Musik ist meine Basis, damit bin ich gross geworden und ich spiele sie immer noch sehr gerne. Ich finde, diese passt auch besser in eine gemütliche Beiz, wo getanzt wird, anstatt in einen Konzertsaal. Auf der anderen Seite eignen sich meine etwas komplexeren Kompositionen besser für Konzertsituationen. Das Zielpublikum ist dabei zum Teil total verschieden, man bewegt sich praktisch in zwei Welten. Diese Abwechslung gefällt mir und gibt mir den Anreiz, nach wie vor beides zu machen und manchmal zu kombinieren.

Vor 6 Jahren sind Sie der Schweizer Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik beigetreten. Welchen Nutzen hat die Mitgliedschaft bei der SUISA für Sie?
Ich kann meine Werke urheberrechtlich schützen lassen und profitiere natürlich davon, wenn meine Kompositionen in der Öffentlichkeit gespielt werden.

Haben Sie bereits Idee, wozu Sie das Preisgeld, das Ihnen durch die Auszeichnung der FONDATION SUISA zuteil wird, verwenden werden?
Ich werde mir ziemlich sicher ein gutes Instrument gönnen, mit dessen Kauf ich schon länger geliebäugelt habe.

Welche der vielen Formationen, in denen Sie mitwirken, liegt Ihnen im Moment oder in der nächsten Zukunft besonders am Herzen?
Mein Ziel ist es, mein eigenes Quintett in Zukunft etwas voranzutreiben. Daneben hoffe ich, dass ich wie bisher mit meinen Formationen, Musikkolleginnen und -kollegen weiterhin viele tolle Momente erleben darf.

Offizielle Website: www.fraenggigehrig.com

Der Preis der FONDATION SUISA ist ein Anerkennungspreis, mit dem herausragendes Schaffen ausgezeichnet wird, das zur Bereicherung des musikalischen Erbes der Schweiz beiträgt. Der Preis wird von der Musikförderstiftung der SUISA jährlich in abwechselnden Kategorien vergeben und ist mit 25 000 Franken dotiert. Die letzten Preisträger waren: Aliose (Kategorie «Musique de variéte»), Gary Berger («instrumentale/vokale Komposition und Elektronik»), Ruh Musik AG («Musikverlagswesen»), Trummer («Singer/Songwriter») sowie Michel Steiner und Willi Valotti («Schweizer Volksmusik»).

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Aliose«Der Preis der FONDATION SUISA 2015 gibt uns einen Schub für die Zukunft!» Das Duo Aliose erhält den diesjährigen Preis der FONDATION SUISA für seine herausragenden Leistungen im musikalischen Genre «Musique de variété». Seit dem Erscheinen ihres Debütalbums 2009 haben Aliose mehr als 250 Konzerte, davon ein Drittel ausserhalb der Schweiz, gespielt. Begegnet sind sich Alizé Oswald und Xavier Michel vor über 10 Jahren bei einem Workshop für Autoren, Komponisten und Interpreten. Die Preisträgerin und der Preisträger haben uns schriftlich Auskunft über ihre Musik, das Komponieren, den Preisgewinn und ihr nächstes Album gegeben. Weiterlesen
Lionel-FriedliLionel Friedli, ein vielseitiger Impulsgeber Die FONDATION SUISA hat Lionel Friedli mit dem Jazzpreis 2015 ausgezeichnet. Der Bieler Schlagzeuger kombiniert in seinem dynamischen Spiel die Wucht des Rock mit den Freiheiten des Jazz. Damit prägt er die Musik vieler unterschiedlicher Gruppen. Weiterlesen
Fondation-Jubiläum-Klangturm25 Jahre FONDATION SUISA – eine Erfolgsgeschichte Die FONDATION SUISA, die gemeinnützige Musikförderstiftung der SUISA, feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Seit ihrer Gründung 1989 hat sie das Schweizer Musikschaffen im In- und Ausland mit über 36 Millionen Franken unterstützt. Gründungsmitglied Roy Oppenheim wirft im SUISAblog einen persönlichen Blick zurück. Weiterlesen
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Der Komponist und Akkordeonist Franz «Fränggi» Gehrig erhält den Preis der FONDATION SUISA 2016. Der jährlich verliehene Anerkennungspreis der Musikförderstiftung der SUISA wird 2016 in der Kategorie «neue, aktuelle Schweizer Volksmusik» vergeben. Ein Interview mit dem 30-jährigen Urner Preisträger über die Auszeichnung, sein musikalisches Schaffen und den Reiz von alter wie neuer Volksmusik. Text/Interview von Manu Leuenberger

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Fränggi Gehrig begann als 8-Jähriger Akkordeon zu spielen. An der Hochschule Luzern studiert er Akkordeon im Profil Jazz mit Schwerpunkt Volksmusik und belegt das Fach Komposition. (Foto: Blatthirsch.ch)

Fränggi Gehrig, Sie werden mit dem Preis der FONDATION SUISA 2016 in der Kategorie «neue, aktuelle Schweizer Volksmusik» ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Fränggi Gehrig: Die Auszeichnung kam für mich total unerwartet, denn ich hatte bei der Eingabe des Preises keine Ahnung, ob ich mir überhaupt Chancen ausrechnen…Weiterlesen

«Der Kleine Prix Walo ist ein schönes Erfolgserlebnis für die Seerugge Feger»

Die Seerugge Feger aus dem Kanton Thurgau haben den Kleinen Prix Walo 2015 in der Kategorie Volksmusik gewonnen. Der Songschreiber der Band, Philipp Manser, ist vor Kurzem neu der SUISA beigetreten. Eine Spurensuche, wie der «Feger-Sound» entsteht und was man damit erreichen kann. Text von Manu Leuenberger

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Philipp Manser im Proberaum der Seerugge Feger: Im Keller des elterlichen Wohnhauses feilt die Band ein Mal wöchentlich an Songs und Sound. (Foto: Manu Leuenberger)

«Der Sieg beim Kleinen Prix Walo ist ein weiteres schönes Erfolgserlebnis für die Seerugge Feger», sagt Philipp Manser. Er ist der Leadsänger und spielt Schwyzerörgeli im Quartett, das neben ihm aus seinem Bruder Fabian Manser (Gesang, Schlagzeug) sowie den Cousins Tobias Manser (Gesang, Schwyzerörgeli) und Sandro Holenstein (Gesang, E-Bass) besteht. Mit der Band Seerugge Feger haben die Musiker, alle zwischen 23 bis 25 Jahre alt, den Kleinen Prix Walo 2015 in der Kategorie Volksmusik gewonnen.

Der Erfolg beschränkt sich nicht nur auf den Pokal, den Prix-Walo-Stern, den sie beim Final im Dezember 2015 im aargauischen Birr als Gewinner entgegennehmen durften und «auf den man als Erinnerungstück zurückschauen kann». Die Teilnahme am Nachwuchswettbewerb brachte sie in Kontakt mit Leuten aus dem Musikgeschäft. «Zudem wurde und wird dadurch über unsere Gruppe in den Medien berichtet», freut sich Philipp Manser: «Wir dürfen auch an der Gala des ‹grossen› Prix Walo mit dabei sein und werden dort auftreten können.»

Beim Songschreiben kommt zuerst der Text

Am Final des Kleinen Prix-Walo haben die Seerugge Feger das Stück «Alles was i bruch» zum Besten gegeben. Ein Stück, das Philipp Manser komponiert und getextet hat. «Das hat mich persönlich sehr gefreut, dass wir die Jury mit einem selbst geschriebenen Titel überzeugen konnten», sagt der 23-Jährige.

Bei der Gründung vor fünf Jahren hiess die Band zunächst Seerugge-Trio. Mit der Erweiterung zum Quartett wenig später wurde sie in Seerugge Feger umbenannt. Auf der Website der Gruppe sind die Funktionen der Bandmitglieder klar definiert. Fabian ist zuständig für das Booking. Sandro kümmert sich um die Finanzen. Tobias zeichnet verantwortlich für die Technik. Philipp ist der Songschreiber.

«Meine Cousins und mein Bruder mögen meine Stücke mit schweizerdeutschem Text», sagt Philipp Manser, «meistens jedenfalls kriege ich von ihnen für meine Textideen den Daumen hoch gezeigt.» Ein neues Stück fängt der Songschreiber der Seerugge Feger mit dem Text an. Der Text gibt eine Atmosphäre, eine Stimmung für den Song vor. Daraus entsteht eine Melodie. Um die Melodie herum wird die Begleitung, das Arrangement geschaffen.

Schwyzerörgeli ersetzen Gitarren

Jeden Montag trifft sich die Band zur gemeinsamen Probe. Die sorgsam verklebten Eierkartons an der Decke zeugen von enthusiastischer Handarbeit bei der Einrichtung des Übungsraums im Keller des Wohnhauses, in dem Philipp Manser zusammen mit seinem Bruder noch bei den Eltern in Hörhausen im Thurgau in ländlicher Umgebung lebt.

Bei den Proben kriegen die Bandmitglieder die musikalischen Ideen zu den Texten zu hören. «Ich sehe es ihren Gesichtern schon nach wenigen Takten an, ob für die Idee Begeisterung oder keine Begeisterung besteht», erzählt Philipp Manser. Gefällige Ideen werden ausgearbeitet oder Änderungsvorschläge gemeinsam besprochen und die Stücke angepasst.

«Wir wollen, dass unsere Songs den typischen ‹Feger-Sound› haben», sagt der Songschreiber Manser. «Vom Prinzip her übernehmen wir Gitarrensachen auf dem Schwyzerörgeli, soweit das möglich ist, und Schlagzeug und Bass spielen einen speziellen Groove.» Ihre Musik soll modern daherkommen, ist das erklärte Ziel der vier Musiker, die auf ihrer Website als Lieblingsbands Coldplay, AC/DC und Status Quo angeben.

Auftritte im Fernsehen und im Vatikan

Der «Feger-Sound» wird immer mehr Hörern volkstümlicher Musik bekannt. «Wir durften mit der Band schon einige schöne Dinge erleben», erzählt Philipp Manser. Gerne und lebhaft erinnert er sich an die Auftritte in der Sendung «Samstig-Jass» im Schweizer Fernsehen, beim Fest zum 1. August der Schweizer Garde im Vatikan in Rom, und natürlich an den Nachwuchswettbewerb des «Musikantenstadl», dank dem sie Ende 2014 in der 4-stündigen TV-Gala «Silvesterstadl» in Graz auftreten konnten.

Im Zusammenhang mit dem Auftritt im «Silvesterstadl» nahmen die Seerugge Feger ihr erstes Album auf. Die CD «Made in Switzerland» entstand in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Uwe Altenried, dem Ex-Keyboarder der Klostertaler, und ist seit 2015 erhältlich. Eine neue CD befindet sich in Entstehung.

Aus Versehen erst erst seit Kurzem bei der SUISA

Das erste Schwyzerörgeli bekam Philipp Manser von seinem Onkel geschenkt. Dieser gab ihm im Bubenalter auch den ersten Unterricht. In der Folge wurde er mehrere Jahre lang an der Musikschule auf dem Instrument unterrichtet. Die ersten eigenen Stücke habe er für die Formation Die jungen Manser Buebe im Alter von 16 oder 17 Jahren komponiert, vermutet er, kann sich an das genaue Jahr aber nicht mehr erinnern.

Der SUISA ist Philipp Manser erst im Herbst 2015 beigetreten. «Das war ein Versehen», erklärt er, «wir sind davon ausgegangen, dass mich die Plattenfirma längst angemeldet hat.» Als er bei der SUISA etwas nachfragen wollte, ist das Versehen aufgefallen und die Anmeldung wurde nachgeholt.

Mittlerweile hat er im Frühling die erste Abrechnung von der SUISA erhalten. Mit den ausbezahlten Vergütungen kann er keine grossen Sprünge machen. Den Lebensunterhalt vom Musikmachen zu bestreiten, steht für ihn im Moment ohnehin nicht zur Diskussion.

Kleiner Prix Walo weiterer Meilenstein für Seerugge Feger

«Wir sprechen ab und zu in der Band darüber, wie wir reagieren würden, wenn sich die Chance auf den grossen Durchbruch ergäbe», sagt Philipp Manser. Vorderhand arbeiten die Bandmitglieder alle noch in einem anderen Hauptberuf und betreiben die Musik nebenher.

Seit der Veröffentlichung der ersten CD letztes Jahr spielt die Band durchschnittlich drei bis vier Konzerte pro Monat. Die Konzertanfragen nehmen zu, häufig können die Musiker aus Zeitgründen nicht zusagen.«Wir sind zufrieden und gut ausgelastet, so wie es im Moment läuft», sagt Philipp Manser. Die Seerugge Feger nehmen Schritt für Schritt in ihrer Musikkarriere. Der Gewinn des Kleinen Prix Walo 2015 ist ein weiterer Meilenstein auf ihrem Weg.

www.seeruggefeger.ch, offizielle Band-Website

Der Prix Walo wird seit 1974 vom Verein Show Szene Schweiz vergeben. Mit der Auszeichnung werden die erfolgreichsten Schweizer Unterhaltungskünstlerinnen und –künstler in verschiedenen Sparten – von Pop/Rock, Hip Hop, Jazz/Blues, Blasmusik über Kabarett/Comedy, Film-, Bühnen- bis TV-Produktion und Schauspieler – geehrt. Die 42. Preisverleihung des Prix Walo findet am Sonntag, 8. Mai 2016, im Kongresshaus Zürich statt und wird live auf Star TV ausgestrahlt. Die SUISA unterstützt den Verein Show Szene Schweiz.

Mit dem Nachwuchswettbewerb Prix-Walo-Sprungbrett und der Verleihung des Kleinen Prix Walo sollen Schweizer Talente aus der der Showszene gefördert werden. Informationen inklusive Anmeldemöglichkeit für die Prix-Walo-Sprungbrett-Veranstaltungen 2016 finden sich auf der Website des Prix Walo.

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Zehnder-MusikzimmerWie die Hymne für das Eidgenössische Volksmusikfest 2015 in Aarau entstand – Das Eidgenössische Volksmusikfest 2015 in Aarau hat eine eigene Hymne bekommen: den Schottisch «Z’Aarau esch de Adler los». Der Kompositionsauftrag für das neue Werk wurde vom Fest-Organisationskomitee an Hanspeter Zehnder vergeben. Bei einem Treffen an seinem Wohnort in Sins (AG) erzählte der Komponist über die Entstehung der Festhymne und seine musikalische Tätigkeit. Weiterlesen
Marcel-Oetiker-Video_VorschauMarcel Oetiker: «Beim Reisen werde ich oft inspiriert» | mit Video Beim Zürcher Bahnhof Hardbrücke brausen Züge vorbei, kreischen in den Kurven, ächzen beim Anfahren und beim Bremsen. Doch Marcel Oetiker hat diesen Ort nicht als Treffpunkt gewählt, weil solche Geräusche manche Künstler zu kreativen Höhenflügen anregen. Weiterlesen
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Die Seerugge Feger aus dem Kanton Thurgau haben den Kleinen Prix Walo 2015 in der Kategorie Volksmusik gewonnen. Der Songschreiber der Band, Philipp Manser, ist vor Kurzem neu der SUISA beigetreten. Eine Spurensuche, wie der «Feger-Sound» entsteht und was man damit erreichen kann. Text von Manu Leuenberger

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Philipp Manser im Proberaum der Seerugge Feger: Im Keller des elterlichen Wohnhauses feilt die Band ein Mal wöchentlich an Songs und Sound. (Foto: Manu Leuenberger)

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Eidg. Volksmusikfest 2015: Ein Festakt, ein Bundesrat und eine Hymne

Rund 100‘000 Besucher, über 1‘500 Musiker, ein Bundesrat und viel (Polit-)Prominenz – nach drei Tagen im Zeichen der Volksmusik geht heute das Eidg. Volksmusikfest 2015 in Aarau zu Ende. Musikalischer Höhepunkt war die Vorführung der Hymne «z Aarau esch de Adler los», die mit finanzieller Unterstützung der FONDATION SUISA eigens für diesen Anlass komponiert wurde. Text: Giorgio Tebaldi

EVF_Komposition_Gruppenbild

Am Festakt wurde die Hymne «z Aarau esch de Adler los» des Komponisten Hanspeter Zehnder (2.v.r.) aufgeführt: Erika Weibel, Kommunikation SUISA, Andreas Wegelin, Generaldirektor SUISA, Christine Egerszegi, OK-Präsidentin des Eidg. Volksmusikfestes 2015, Hanspeter Zehnder, Urs Schnell, Direktor FONDATION SUISA (Foto: Giorgio Tebaldi)

Heute geht das Eidgenössische Volksmusikfest 2015 in Aarau zu Ende. Auf dem Programm standen neben dem Umzug durch Aarau auch der Festakt mit einer Rede unseres Kulturministers Alain Berset. Musikalischer Höhepunkt war die Aufführung der Hymne «z Aarau esch de Adler los» der «Ländler-Wurlitzer», die eigens für diesen Anlass vom Aargauer Komponisten Hanspeter Zehnder geschrieben wurde. Finanziell unterstützt wurde die Komposition durch die FONDATION SUISA, der Musikförderstiftung der SUISA.

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Rund 100‘000 Besucher, über 1‘500 Musiker, ein Bundesrat und viel (Polit-)Prominenz – nach drei Tagen im Zeichen der Volksmusik geht heute das Eidg. Volksmusikfest 2015 in Aarau zu Ende. Musikalischer Höhepunkt war die Vorführung der Hymne «z Aarau esch de Adler los», die mit finanzieller Unterstützung der FONDATION SUISA eigens für diesen Anlass komponiert wurde. Text: Giorgio Tebaldi

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Am Festakt wurde die Hymne «z Aarau esch de Adler los» des Komponisten Hanspeter Zehnder (2.v.r.) aufgeführt: Erika Weibel, Kommunikation SUISA, Andreas Wegelin, Generaldirektor SUISA, Christine Egerszegi, OK-Präsidentin des Eidg. Volksmusikfestes 2015, Hanspeter Zehnder, Urs Schnell, Direktor FONDATION SUISA (Foto: Giorgio Tebaldi)

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Der Adler ist los: Die SUISA am Eidgenössischen Volksmusikfest in Aarau

Seit Donnerstag steht Aarau ganz im Zeichen von Ländler, Blaskapellen und Co. In der Aargauer Kantonshauptstadt findet dieses Jahr das Eidgenössische Volksmusikfest statt. Auch die SUISA engagiert sich bei diesem Grossanlass der Volksmusik. Text: Giorgio Tebaldi

SUISA

Volksmusik, so weit das Ohr reicht. Unterstützt wird der Grossanlass auch von der SUISA und der FONDATION SUISA (Foto: Giorgio Tebaldi)

Ausgelassene Stimmung: Bei schönem Wetter finden sich Jung und Alt in der Aarauer Altstadt ein und lauschen den Volksmusikklängen. Vorgetragen werden die Lieder von über 1‘500 Musikern. Mit dabei ist auch die SUISA, die den Volksmusikanlass zusammen mit ihrer Musikförderstiftung, der FONDATION SUISA, finanziell unterstützt. Und wir freuen uns auf den Festakt, den Umzug und die Hymne des Volksmusikfestes morgen Sonntag.

Mer send do, wo nöi löpfigi Musig entstoht…

Über 1‘500 Musiker spielen am Eidgenössischen Volksmusikfest. Hier einige Impressionen (Fotos: Giorgio Tebaldi):

Formation

Alphorn

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Seit Donnerstag steht Aarau ganz im Zeichen von Ländler, Blaskapellen und Co. In der Aargauer Kantonshauptstadt findet dieses Jahr das Eidgenössische Volksmusikfest statt. Auch die SUISA engagiert sich bei diesem Grossanlass der Volksmusik. Text: Giorgio Tebaldi

SUISA

Volksmusik, so weit das Ohr reicht. Unterstützt wird der Grossanlass auch von der SUISA und der FONDATION SUISA (Foto: Giorgio Tebaldi)

Ausgelassene Stimmung: Bei schönem Wetter finden sich Jung und Alt in der Aarauer Altstadt ein und lauschen den Volksmusikklängen. Vorgetragen werden die Lieder von über 1‘500 Musikern. Mit dabei ist auch die SUISA, die den Volksmusikanlass zusammen mit ihrer Musikförderstiftung, der FONDATION SUISA, finanziell unterstützt. Und wir freuen uns auf den Festakt, den Umzug und die Hymne des Volksmusikfestes morgen Sonntag.

Mer send do, wo nöi löpfigi Musig entstoht…

Über 1‘500 Musiker spielen am Eidgenössischen Volksmusikfest. Hier einige…Weiterlesen

Wie die Hymne für das Eidgenössische Volksmusikfest 2015 in Aarau entstand

Das Eidgenössische Volksmusikfest 2015 in Aarau hat eine eigene Hymne bekommen: den Schottisch «Z’Aarau esch de Adler los». Der Kompositionsauftrag für das neue Werk wurde vom Fest-Organisationskomitee an Hanspeter Zehnder vergeben. Bei einem Treffen an seinem Wohnort in Sins (AG) erzählte der Komponist über die Entstehung der Festhymne und seine musikalische Tätigkeit. Text/Interview: Manu Leuenberger

Hanspeter Zehnder am Piano im Musikzimmer

Hanspeter Zehnder hat im Soussol seines Wohnhauses ein Musikzimmer eingerichtet. Dort kann der zweifache Familienvater komponieren und musizieren, «sobald die Kinder im Bett sind». (Foto: Manu Leuenberger)

Hanspeter, wie hast du dich gefühlt, als du Mitte Mai von der Vergabe des Kompositionsauftrags erfahren hast?
Ich habe mich gefreut und geehrt gefühlt, dass das Organisationskomitee mich ausgewählt hatte. Ich bin hier im Aargau zuhause – da macht es mich natürlich auch stolz, dass ich die Hymne für den grossen Festanlass in der Kantonshauptstadt komponieren darf.

Welche Anforderungen wurden an das Stück gestellt?
Vom Organisationskomitee sind nur zwei Auflagen gemacht worden. Diese waren aber nicht einfach umzusetzen: Die Festhymne sollte für möglichst alle spielbar sein, egal ob beispielsweise auf dem Klavier, der Trompete, Klarinette oder von einer Schwyzerörgeli-Formation. Zweitens sollte die Komposition eingängig und rasch verständlich sein, damit man sie mitpfeifen oder mitsummen kann, und nach Möglichkeit einen Wiedererkennungswert haben.

Die Aufgabe war also, eine Ohrwurm-Melodie für jedermann zu schaffen. Wie bist du dabei vorgegangen?
Bei dieser besonderen Komposition hat die Ideenfindung einige Zeit in Anspruch genommen. Lange habe ich auf den Autofahrten zur Arbeit Melodien gesummt, die gefälligsten davon aufgenommen, und mir beim Wiederanhören am Abend gesagt: «Das isch fertige Seich, unbruchbar!» Tolle Melodien kann man nicht erzwingen und kommen einem leider nicht jeden Tag in den Sinn. Jedenfalls ist das bei mir so. Die besten Einfälle habe ich meistens, wenn ich in meinem Musikzimmer Klarinette übe, sobald die Kinder im Bett sind. Die Melodie schreibe ich dann auf und lasse sie für eine Weile liegen. Wenn sie mir ein paar Tage später immer noch gefällt, arbeite ich an der Idee weiter, indem ich die Melodie ausbaue, variiere oder weitere Teile ergänze. Nach der Melodie erfolgt das Arrangement der Stimmen der anderen Instrumente. Für Akkorde, Harmonien und Arrangement benutze ich beim Komponieren gerne das Klavier.

Die Festhymne soll von möglichst allen Interpreten in den verschiedensten Besetzungen gespielt werden können. Wie gestaltet man in so einem Fall die Partitur?
Bei einem Volksmusikstück gibt es vorweg einen ganz wichtigen Punkt: Es muss auf dem Schwyzerörgeli spielbar sein. Das Schwyzerörgeli gestattet nur ein eingeschränktes harmonisches Spektrum, auch von den Tonarten her. Wenn eine Komposition mit dem Schwyzerörgeli gespielt werden kann, dann ist sie mit den meisten anderen Instrumenten ebenfalls spielbar. Die Notation eines Stücks erfolgt in der Ländlermusik meistens nach folgendem Schema: Man schreibt die erste Stimme, die Melodiestimme, auf. Dazu werden die Harmonien für die Begleitung inklusive Bass notiert. Manchmal wird zusätzlich noch eine zweite Stimme in Noten festgehalten. Häufig wird die zweite Stimme aber individuell von den aufführenden Musikern ergänzt. Die Partituren bestehen in der Regel aus einer bis vielleicht zwei Seiten. Das wird bei der Hymne nicht anders sein.

Wieviel Zeit wird es in Anspruch nehmen, bis die Komposition vom Auftrag bis zur Aufführung gelangt ist?
Uff, eine schwierige Frage! Angefangen bei der Ideenfindung bis zum Proben mit meiner Formation geschieht vieles bei der Entstehung der Komposition nicht am Stück sondern kontinuierlich. Konkreter kann ich sagen, dass ich zusammengerechnet vielleicht etwa zwei Tage für die Ausarbeitung des Arrangements inklusive Erstellung der Partitur gebraucht habe. Das war aber erst möglich, nachdem ich die Hauptmelodie erarbeitet und klar definiert hatte. Vor der Uraufführung wird das Stück von uns vier Mitgliedern der Ländler-Wurlitzer einzeln sowie gemeinsam geprobt und auch noch für eine CD aufgenommen. Danach folgen die Uraufführung und der Auftritt am 13. September beim Festakt des Eidgenössichen Volksmusikfests selber … Der genaue zeitliche Aufwand ist schwierig einzuschätzen.

Du betreibst deine musikalische Tätigkeit neben einem Hauptberuf, bei dem du zu einem 100 % Pensum angestellt bist. Wie kann man als Volksmusiker vom Musikberuf leben?
In der Schweiz nur vom Einkommen als Ländlermusik-Komponist und -Interpret seinen Lebenunterhalt bestreiten? – Ich sage: Das geht nicht, keine Chance. Selbst etablierte Grössen leben nicht von Ländlermusik allein. Auch die Gagen für Auftritte sind in Ländlerkreisen äusserst bescheiden; nicht selten spielt man bei der Stubete für Bier und Cordon bleu als Entgelt. Kommt hinzu, dass in den letzten Jahren einige Ländlermusiklokale, wo grössere oder renommiertere Kapellen auftreten konnten, ihren Konzertbetrieb stark reduziert oder gar eingestellt haben.

Apropos Vergütungen für Musik: Du bist seit 1997 Mitglied bei der SUISA. Weshalb hast du dich bei der Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik angemeldet?
Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich in den Jahren 1996 und 1997 meine ersten eigenen Stücke komponiert. Ich glaube, ältere Kollegen haben mich in der Folge darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich bei der SUISA anmelden und dort meine Stücke angeben soll. Ich finde, die SUISA ist für Urheber eine wichtige Organisation. Als Komponist erhalte ich durch die SUISA eine Vergütung, wenn meine Stücke aufgeführt werden. Meine aktuelle Formation Ländler-Wurlitzer spielt an rund 40 bis 50 Konzerten jährlich meistens ein Stammrepertoire. Die Auftritte melde ich regelmässig. Und wer weiss, vielleicht reicht es ja, dass ich in fortgeschrittenem Alter von der SUISA sogar ein paar Franken Rentengeld ausbezahlt kriege.

Neben den vielen Konzerten haben die Ländler-Wurlitzer 2008 und 2011 auch zwei CDs aufgenommen. Wann erscheint die nächste Veröffentlichung?
Wir haben bereits neue Aufnahmen eingespielt. Ursprünglich hätten wir die CD diesen Sommer herausbringen wollen. Wegen dem Kompositionsauftrag haben wir den Plan geändert: Natürlich wollten wir, dass die Festhymne auch auf der neuen CD enthalten ist. Deshalb werden wir zuerst noch die Festkomposition aufnehmen, damit wir sie als zusätzlichen Titel auf der Neuveröffentlichung integrieren können. Erscheinen wird die CD mit voraussichtlich sieben Stücken rund um das Eidgenössische Volksmusikfest im September.

Welche Hoffnungen und Erwartungen hat ein Komponist für sein Werk, das die Hymne eines grossen Musikfestes wird?
Im besten Fall kommt das Stück bei Zuhörern wie Musikern gut an und wird sowohl am Fest als auch später häufig aufgeführt. Den schlechtesten Fall mag ich mir gar nicht ausmalen. Es lastet aufgrund der besonderen Umstände ein gewisser Druck auf der Komposition, das ist klar. Ich kenne jedoch meine musikalischen Fähigkeiten und weiss, dass ich gefällige Melodien schreiben kann. Mit dieser Überzeugung im Kopf und im Herzen habe ich ein gutes Gefühl für die Festhymne.

Porträt Hanspeter Zehnder mit Klarinette

Neben dem Hauptinstrument Klarinette spielt der 37-jährige Hanspeter Zehnder auch Saxofon, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug. (Foto: Manu Leuenberger)

Der am 27. Mai 1978 geborene Hanspeter Zehnder unternahm seine ersten musikalischen Schritte in der Musikgesellschaft Bennau. Später musizierte er unter anderem in der Swiss Army Concert Band unter Christoph Walter. Als Klarinettist ist er auf Dutzenden Ländlermusik-CDs zu hören. Neben dem Hauptinstrument spielt er auch Saxofon, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug. Noch vor seinem 20. Geburtstag entstanden seine ersten eigenen Kompositionen. Seit 2005 ist er mit seiner eigenen Formation Länder-Wurlitzer aktiv, in der er zusammen mit seiner Ehefrau Cornelia Zehnder spielt. Zusammen mit seiner Familie lebt Hanspeter Zehnder in Sins (AG).

Das 12. Eidgenössische Volksmusikfest findet vom 10. bis 13. September 2015 in Aarau statt. An den 4 Festtagen werden auf 15 Konzertplätzen, 3 Konzertbühnen und in 5 Wettlokalen rund 300 Formationen und insgesamt 1500 Musikantinnen und Musikanten aus der ganzen Schweiz Volksmusik zum Besten geben. Das Organisationskomitee erwartet über 100 000 Besucherinnen und Besucher am Festanlass.

Die von Hanspeter Zehnder komponierte Festhymne «Z’Aarau esch de Adler los» wurde am 27. August 2015 anlässlich einer Medienkonferenz uraufgeführt. Am Sonntag, 13. September 2015, wird das Stück anlässlich des Festbanketts in der Markthalle in Aarau von den Ländler-Wurlitzer nochmals aufgeführt. Zudem ist die Komposition am Freitag, 11.9.2015, in der Sendung «Zoogä-n-am Boogä» auf Radio SRF Musikwelle und am Samstag, 12.9.2015, im Fernsehen auf SRF 1 in der Sendung «Potzmusig» zu hören.

Der Kompositionsauftrag für die Hymne für das 12. Eidgenössische Volksmusikfest in Aarau wurde unterstützt von der FONDATION SUISA, der Musikförderstiftung der SUISA.

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Das Eidgenössische Volksmusikfest 2015 in Aarau hat eine eigene Hymne bekommen: den Schottisch «Z’Aarau esch de Adler los». Der Kompositionsauftrag für das neue Werk wurde vom Fest-Organisationskomitee an Hanspeter Zehnder vergeben. Bei einem Treffen an seinem Wohnort in Sins (AG) erzählte der Komponist über die Entstehung der Festhymne und seine musikalische Tätigkeit. Text/Interview: Manu Leuenberger

Hanspeter Zehnder am Piano im Musikzimmer

Hanspeter Zehnder hat im Soussol seines Wohnhauses ein Musikzimmer eingerichtet. Dort kann der zweifache Familienvater komponieren und musizieren, «sobald die Kinder im Bett sind». (Foto: Manu Leuenberger)

Hanspeter, wie hast du dich gefühlt, als du Mitte Mai von der Vergabe des Kompositionsauftrags erfahren hast?
Ich habe mich gefreut und geehrt gefühlt, dass das Organisationskomitee mich ausgewählt hatte. Ich bin hier im Aargau zuhause – da macht es mich natürlich auch stolz, dass ich die Hymne für den grossen Festanlass…Weiterlesen

Marcel Oetiker: «Beim Reisen werde ich oft inspiriert» | mit Video

Beim Zürcher Bahnhof Hardbrücke brausen Züge vorbei, kreischen in den Kurven, ächzen beim Anfahren und beim Bremsen. Doch Marcel Oetiker hat diesen Ort nicht als Treffpunkt gewählt, weil solche Geräusche manche Künstler zu kreativen Höhenflügen anregen. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Manu Leuenberger

«Ich bin beruflich meist mit dem ÖV unterwegs und fahre oft über Zürich», erklärt der 1979 geborene Komponist und Schwyzerörgeli-Virtuose aus Altendorf. «Und Reisen kann sehr inspirierend sein. Ich halte meine Ideen dann nach Möglichkeit auf dem Laptop oder einem Blatt Papier fest».

Marcel Oetiker glaubt auch nicht, dass Einflüsse wie solche Geräusche die neue Schweizer Volksmusik geprägt haben, zu der er gezählt wird. Wichtiger ist seiner Meinung nach, dass man Musik studiert und das Gelernte bewusst beim Komponieren anwendet ‒ «dies vermag auch diesem Genre eine neue Perspektive zu öffnen».

Von Volksmusik zum Jazz-Studium

Marcel Oetiker ist ein gutes Beispiel dafür. Der Autodidakt spielte bereits in sehr jungen Jahren traditionelle Ländlermusik und stieg in dieser Szene rasch auf. So kam er in einen Bereich, wo man sich mehr an der Musik selbst als am Unterhaltungswert orientiert.

«Aus einem Status Quo ein spürbares Maximum herauszuholen, das den vielen Wiederholungen so lange wie möglich standhält – das war und ist die Ebene der Volksmusik, die mich faszinierte.» Diesen Ansatz hat er bis heute beibehalten.

Er lernte neue Möglichkeiten kennen durch das Jazz-Studium an der Berner Hochschule der Künste, das er mit einem Master in Komposition und Theorie abschloss. «Der Jazz bietet eine viel differenziertere Harmonik und insbesondere ein Theoriemodell, um die verschiedenen harmonischen Wirkungen der Musik kontrollieren und niederschreiben zu können.» Sogar eine gewisse Nähe zur Neuen Musik ist manchmal herauszuhören, denn er möchte das ganze Spektrum der kompositorischen Möglichkeiten ausnützen können.

Von Notation zu akustischen Partituren

Marcel-Oetiker-Video_VorschauDies hat auch die Kompositionsweise von Marcel Oetiker verändert. Er geht nur noch selten von einem klassischen Motiv aus, weil er nicht in diesem spezifischen Kompositionsstil verbleiben möchte. So kommt er auch zunehmend von der üblichen Notation weg und versucht vermehrt, «ganz auf der akustischen Ebene zu verbleiben». Er liefert den ausführenden Musikern als Annäherung beispielsweise eine akustische Partitur, die er mit Instrumenten oder Geräuschen schafft.

Marcel Oetiker entwickelt auch Werke für mehrere Musiker. «Es ist nicht wie bei einer typischen Band, wo man zusammen an einem Stück tüftelt. Die Kompositionen entstehen aus spezifischen Begebenheiten heraus und sind nicht immer durchgängig notiert, sondern bestehen beispielsweise auch aus Anweisungen.» Trotzdem betont Marcel Oetiker, dass die Stücke meistens sehr durchdacht sind und wenig Freiheiten lassen.

Zuoberst die Musik, erst dann das Geld

Marcel Oetiker ist Berufsmusiker. Neben seiner kompositorischen Tätigkeit leitet er verschiedene Ensembles und unterrichtet an verschiedensten Bildungsstätten. «Wollte ich schnell reich werden, dürfte ich nicht in solch ungewöhnlichen Musikgebieten tätig sein. Ich hatte nie vor, von der Musik zu leben – sondern für die Musik.»

Umso mehr schätzt er, dass er die Wahrung seiner Urheberrechte der SUISA überlassen kann. «Sie nimmt mir sehr viele administrative Belange ab. Das ist, was ich brauche, um mich noch mehr auf die Musik konzentrieren zu können.». Beeindruckt hat ihn vor allem die Beratung. «Ich habe immer eine hilfreiche Antwort erhalten, wenn ich mit einer Frage an sie gelangt bin. Und ich habe dafür nie eine Rechnung erhalten ‒ wo gibt es das noch?»

www.marceloetiker.com

Wo-neue-Musik-entsteht_Cover«Wo neue Musik entsteht»

Der Wert der Ideen der Musikschaffenden ist das Herzstück der Arbeit der SUISA. Für die Broschüre «Wo neue Musik entsteht» gaben fünf Persönlichkeiten und Gruppen aus verschiedenen Musikgenres und Sprachregionen der Schweiz Einblick in ihren kreativen Schaffensprozess und ihre musikalische Tätigkeit. Neben Marcel Oetiker werden Camilla Sparksss, Oliver Waespi, Eriah und Carrousel auf dem SUISAblog.ch und in der 2015 erstmals erschienenen Broschüre (PDF, 8.17 MB) vorgestellt.

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  1. Julien Gilliand sagt:

    Finde das Gespräch interessant und spannend, leider finde ich die Bilder nicht optimal, wie z.B. Bildausschnitte, Kameraführung und Farben sind zu wenig ausgearbeitet und ausgesucht… Zum Teil auch sehr sehr wackelige Bilder, dass mehr Verwirrung stiftet als was anderes…
    Bei der Mikrophonierung hätte ich Anstecker gewählt, die weniger Nebengeräusche aufnehmen. Wenn keine Vorhanden waren, dann hätte ich die Richt-Mikrophone nicht auf die Gleise gerichtet, da sobald ein Zug kommt, man ihn kaum mehr versteht, Zudem finde ich, gehören sie nicht ins Bild (es ist ja keine PK…) Vielleicht hätte es ein geeigneter Interview-Platz auch nicht schlecht getan…

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