Tagarchiv: Swiss Pop

Von der unendlichen Lust am Experiment

Das Duo Eclecta, der in Zürich und Winterthur ansässigen Andrina Bollinger und Marena Whitcher, experimentiert mit Klängen jenseits gängiger Definitionen und sucht den interdisziplinären Austausch mit anderen Künsten. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Eclecta: Von der unendlichen Lust am Experiment

Das Duo Eclecta. (Foto: Andrea Ebener)

Dort, wo die verbalen Definitionen der verschiedenen Künste implodieren; wo stilistische Schubladen nur noch als Relikt vergangener Zeiten existieren; dort, wo sich alles frei fliegend entfalten kann und sich laufend in immer neuen Mustern fortbewegt: Genau dort fühlen sich Eclecta zuhause. Eclecta, das sind Andrina Bollinger und Marena Whitcher – beide Solokünstlerinnen, Multiinstrumentalistinnen, Sängerinnen. Und beide sind – wie sie sich unisono beschreiben – «einfach neugierig». Das ist eine bescheidene Umschreibung. Es ist die pure Lust am Experiment, die die beiden antreibt. Obwohl Ende Zwanzig haben beide das jugendliche Staunen nicht verlernt, paaren dieses aber mit reifer Reflektion und schaffen es immer wieder, zusätzliche Elemente so in ihre Kunst einzubauen, dass das Resultat stets homogen bleibt.

Kennengelernt haben sich Andrina Bollinger und Marena Whitcher auf der Jazzschule, doch das war eigentlich bereits das zweite Aufeinandertreffen. «Wir waren uns schon als Kinder im Circolino Pipistrello begegnet», sagt Bollinger. Whitcher lacht und fügt hinzu: «Das haben wir aber erst später herausgefunden, dass das so war.» Dem Schicksal ist nicht zu entkommen und so kam es, wie es kommen musste: «Als Marena angefragt wurde für ein Solokonzert, hatte sie zu wenig Material, um den Auftritt alleine bestreiten zu können. So fragte sie mich an. Wir legten dann unsere Songs zusammen, damit hat alles begonnen», erzählt Bollinger.

«A Symmetry» hiess 2016 ihr erstes Album und das Wortspiel, das sich im Titel verbirgt, ist mehr als nur Programm, sind doch die beiden Frauen in ihrer Art und in ihrer Kunst eigentlich überzeugte Individualistinnen, die in zahlreichen Kollaborationen und Soloauftritten ihren eigenen Weg gehen. «Wir haben von Anfang an mit den zwei Figuren gespielt, die völlig anders sind. Eclecta lebt von dieser Dualität, dieser Asymmetrie, aber gleichzeitig haben wir eben auch die Möglichkeit uns ineinander zu verschmelzen», erklärt Whitcher und Bollinger ergänzt: «Wir können uns stimmlich angleichen, so dass man uns kaum auseinanderhalten kann. Der Albumtitel beschreibt dieses fortlaufende Spiel zwischen Symmetrie und Asymmetrie.»

Die 15 Songs, die wie erwähnt, jegliche Schubladisierung ignorieren und bewusst die zum Experiment ladenden stilistischen Zwischenräume kartographieren, sind in ihrer Summe ein schillerndes Kaleidoskop von Euphorie und Melancholie, von Lust und Nachdenklichkeit. Und so verblüffend «A Symmetry» auf den Hörer auch drei Jahre nach Erscheinen noch wirkt und immer neue Details an den Tag zu bringen vermag: Für die Protagonistinnen steht die Platte heute nur noch für eine Momentaufnahme in ihrem künstlerischen Prozess. «Auf unserem kommenden Album, das voraussichtlich Anfang 2020 erscheinen wird, wollen wir dieses Spiel noch weiter treiben, so dass sich das Ganze immer weiter verzahnt und verschachtelt.»

«Der Get Going!-Beitrag schenkt uns etwas Kostbares, nämlich Zeit. Für die ungemein lange Zeit, die man investiert, um sich mit Themen zu befassen, zu recherchieren und Songs zu schreiben, wird man ansonsten nie bezahlt.»

Wie dies dann klingen wird, «das bleibt zu diesem Zeitpunkt noch ein Geheimnis», meinen die beiden augenzwinkernd. Wenn sie von ihren Einflüssen erzählen, so reichen diese von gesellschaftlichen Themen bis hin zu Malerei, vom Theater bis zur Performance-Kunst, von Literatur bis zur Philosophie. Whitcher, die väterlicherseits amerikanische Wurzeln hat, ist von den Surrealisten begeistert und geht in ihren Auftritten Fragen nach wie «Was sind Monster heutzutage und weshalb brauchen wir sie?» oder «Luxusprobleme haben und Kunst machen – geht das zusammen?». Auch Bollinger ist es wichtig, politische und gesellschaftliche Aktualität in ihr Schaffen zu integrieren. So schreibt sie über Themen wie den Klimawandel, über Meinungsfreiheit oder die Digitalisierung und sucht nach Orten, wo uns Zahlen und Codes nicht beherrschen. Sie wiederum pendelt zwischen Zürich, Berlin und ihrer Engadiner Heimat und versucht mit einem Zoom-Recorder die Klänge dieser unterschiedlichen Räume einzufangen, weil – wie sie sagt – «es entscheidend ist, wo man sich befindet, wenn man kreativ tätig ist.»

Einer dieser kreativen Spielplätze ist auch die Bühne. Mit selbstgebastelten Instrumenten und Kostümen verwandeln sie einen Auftritt in eine Art Gesamtkunstwerk. Deshalb wollen sie in Zukunft auch verstärkt das Medium Video nutzen, um ihre Musik zu visualisieren. Aber dies ist nur eine von gefühlten tausend Ideen, mit der sich beide beschäftigen. Am Ende soll Eclecta auch ein Statement gegen den Zeitgeist sein: «In unserer individualisierten Gesellschaft ist jeder nur noch auf sich bezogen und der Blick nach aussen fällt völlig weg. Dafür ist doch Gemeinschaft ein Urbedürfnis des Menschen», meint Whitcher und Bollinger fügt an: «Ich sehe das schon auch als eine unserer Aufgaben an, mit unserer Kunst die Welt zu reflektieren und eine andere Denkweise anzuregen.»

Den Get Going!-Beitrag der FONDATION SUISA betrachten sie auf jeden Fall als eine extreme Befreiung. «Er schenkt uns etwas Kostbares, nämlich Zeit», sagt Bollinger. «Genau», unterstreicht Whitcher, «für die ungemein lange Zeit, die man investiert, um sich mit Themen zu befassen, zu recherchieren und Songs zu schreiben, wird man ansonsten nie bezahlt.» So gesehen ist Eclecta für diese Art von Förderung geradezu ein Paradebeispiel, weil sich die beiden jungen Frauen auf noch nicht gepflügten Äckern bewegen und mit ihrer Experimentierlust nun nicht mehr Gefahr laufen, zwischen Stuhl und Bank zu fallen.

www.eclecta.ch

2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Unter dem Titel Get Going! werden kreative und künstlerische Prozesse finanziell angestossen, die sich ausserhalb der gängigen Kategorien befinden. In einer Porträtserie stellen wir die Empfängerinnen und Empfänger dieser Get Going!-Beiträge vor.

Artikel zum Thema
FONDATION SUISA: «Get Going!» geht in die zweite Runde: «Wir haben den Nerv der Zeit getroffen»«Get Going!» geht in die zweite Runde: «Wir haben den Nerv der Zeit getroffen» Letztes Jahr vergab die FONDATION SUISA unter dem Titel «Get Going!» erstmals vier Anstossbeiträge, um innovative Kreativansätze ausserhalb der gängigen Schubladen zu fördern. Die positiven Reaktionen darauf waren überwältigend. Ende Juni 2019 geht die Ausschreibung in die zweite Runde. Weiterlesen
Die ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label SuisseDie ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label Suisse Vom 14. bis 16. September 2018 hat zum achten Mal das Festival Label Suisse in Lausanne stattgefunden. Das Festival ist dem Schweizer Musikschaffen gewidmet und bietet dem Publikum alle zwei Jahre einen breitgefächerten Panoramablick auf die aktuelle Musiklandschaft der Schweiz. Weiterlesen
Kreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit VideoKreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit Video Zum zweiten Mal führte die SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions ein Songwriting Camp durch. Austragungsort waren wie bei der Premiere vergangenes Jahr die Powerplay Studios in Maur. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung im Juni 2018 teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Weiterlesen
Artikel einklappen

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es etwas dauern. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines verfassten Kommentars. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, die den Nutzungsbedingungen widersprechen, nicht zu veröffentlichen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das Duo Eclecta, der in Zürich und Winterthur ansässigen Andrina Bollinger und Marena Whitcher, experimentiert mit Klängen jenseits gängiger Definitionen und sucht den interdisziplinären Austausch mit anderen Künsten. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Eclecta: Von der unendlichen Lust am Experiment

Das Duo Eclecta. (Foto: Andrea Ebener)

Dort, wo die verbalen Definitionen der verschiedenen Künste implodieren; wo stilistische Schubladen nur noch als Relikt vergangener Zeiten existieren; dort, wo sich alles frei fliegend entfalten kann und sich laufend in immer neuen Mustern fortbewegt: Genau dort fühlen sich Eclecta zuhause. Eclecta, das sind Andrina Bollinger und Marena Whitcher – beide Solokünstlerinnen, Multiinstrumentalistinnen, Sängerinnen. Und beide sind – wie sie sich unisono beschreiben – «einfach neugierig». Das ist eine bescheidene Umschreibung. Es ist die pure Lust am Experiment, die die beiden antreibt. Obwohl Ende…Weiterlesen

KT Gorique erobert die Deutschschweiz

Das SUISA-Mitglied KT Gorique war an dem von der SUISA organisierten Panel «Hit the World» beim M4music Festival 2019 als Expertin für Songwriting im Genre Rap eingeladen. Kurze Zeit später wurde bekannt, dass sie zu den Preisträgerinnen des Schweizer Musikpreises 2019 gehört. Ein Interview mit der im Wallis lebenden Rapperin, die ihre Musik in die ganze Schweiz trägt. Gastbeitrag von José Tippenhauer, Swissmusic.ch

KT Gorique erobert die Deutschschweiz

«Sie ist schon im Senegal, in Kanada und in ganz Europa aufgetreten und ist aus der Schweizer Rapszene nicht mehr wegzudenken», schreibt das Bundesamt für Kultur über die frisch gekürte Gewinnerin des Schweizer Musikpreises 2019, KT Gorique. (Foto: Jérémie Carron)

KT Gorique wird ihrem Spitznamen «Schweizer Taschenmesser» wirklich gerecht. Nachdem sie 2012 den internationalen Rap-Improvisationswettbewerb «End of the Week» in New York gewonnen hatte, spielte sie im Film «Brooklyn» von Pascal Tessaud die junge Rapperin Coralie. 2016 veröffentlichte sie ihr erstes Album «Tentative de Survie». Letztes Jahr hat sie es mit ihrem Projekt «Kunta Kita» bis in die Charts geschafft. Wenige Wochen nach der Nominierung für die Swiss Music Awards setzt sie ihren Aufstieg fort. Sie wird am Konzert von Nicki Minaj im Hallenstadion Zürich als Eröffnungs-Act auftreten und ist eine der wenigen französischsprachigen Künstler am Openair Frauenfeld. 2019 ist ein vielversprechendes Jahr für die Walliser Rapperin, mit der wir über die Schweiz, ihr kreatives Schaffen und ihre Inspirationsquellen gesprochen haben.

«Kunta Kita» kam im Juli 2018 heraus. Wie ging es danach für dich weiter?
KT Gorique: Dieses Projekt hat meine Karriere in ganz neue Bahnen gelenkt. Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass es so einschlagen würde.
Nach der Veröffentlichung hatte ich über vierzig Auftritte, darunter auch meine ersten Auftritte als Headlinerin. Einige Veranstaltungen waren sogar ausverkauft (u. a. in St. Gallen und Luzern) In den sechs Jahren zuvor hatte ich immer nur kleine Konzerte gegeben, ich war nicht besonders bekannt. Seit «Kunta Kita» habe ich nun richtige Fans. Das Paradoxe daran ist, dass die meisten von ihnen aus der Deutschschweiz kommen, obwohl ich auf Französisch singe. Das ist unglaublich!
Ein wichtiger Grund dafür war auch, dass das Album von einem Zürcher Label, FarMore Records, herausgebracht wurde. Und im September hat mich SRF3 zum «Best Talent» des Monats gekürt. Das ist ein Mainstream-Radiosender, bei dem viele Menschen, die nicht unbedingt Hip-Hop-Fans sind, meine Lieder hörten. Dadurch hat mich ein ganz neues Publikum entdeckt, was ich auch bei meinen Konzerten bemerke. Es kommen Hip-Hop-Fans, Punks, Rastas und Rock-Fans – und zwar junge wie alte. Das ist für mich das schönste Geschenk. Ich mache Musik für alle, nicht nur für eingefleischte Rap-Fans.

Wie empfindest du, nachdem du nun sehr oft in der Deutschschweiz auf Tour bist, den berühmten Röstigraben, die symbolische Kulturgrenze zwischen der deutschsprachigen und der französischsprachigen Schweiz?
Ein grosser Unterschied besteht darin, wie viel Geld die Zuhörer auszugeben bereit sind. Kürzlich hatte ich einen Auftritt in Lausanne mit Künstlern aus der Romandie. Da kostete der Eintritt 25 Franken. Ich dachte sofort, dass die Leute das teuer finden würden. Und tatsächlich war der Saal nicht voll. In der darauffolgenden Woche war ich in der Deutschschweiz. Auf der Bühne standen ich und ein Eröffnungs-Act, und der Eintritt kostete 30 Franken. Es war voll!
Ich habe den Eindruck, dass wir Romands unsere Identität auf der französischen Seite suchen. Die Deutschschweizer dagegen sind im Kopf Schweizer! Wenn sie Schweizer Künstler sehen, die sie begeistern, sagen sie: «Das ist cool, weil sie gut sind und ganz besonders, weil sie Schweizer sind», und sie unterstützen diese Künstler. Wir in der Romandie identifizieren uns stärker mit den Franzosen und beurteilen unsere Künstler eher danach, wie sie in Frankreich oder generell ausserhalb der Schweiz wahrgenommen werden. Glücklicherweise beginnt sich dies zu ändern. Kürzlich hatte ich einen Auftritt mit Danitsa, Comme1Flocon, SWK und Chien Bleu. Ein ähnliches Line-up, nur Romands, kein einziger Ausländer. Noch vor drei Jahren wäre das unmöglich gewesen.
Um auf den Röstigraben zurückzukommen: Das ist ganz witzig. Denn wenn ich in der Romandie erzähle, dass ich Konzerte in der Deutschschweiz gebe, fragt man mich: «Sind die Leute dort nicht viel verschlossener?» Aber ganz im Gegenteil: Ich bemerke, dass sie sehr viel offener sind als wir! Das zeigt sich daran, dass wir in der Deutschschweiz auftreten, während Deutschschweizer Rapper hier unbekannt sind.

In deinem Song «Outta Road» kritisierst du Menschen, die gelbe Westen tragen. Das war vor dem Aufkommen der Gelbwesten-Bewegung. Aber in «NAYUNO Session» sprichst du von den «echten» Gelbwesten und sagst: «Gelb ist in diesen Winter, sie tragen es als Weste, aber ich will es überall.» Ist das eine kleine Stichelei?
Ganz im Gegenteil, das ist ermutigend gemeint. Wenn ich Französin wäre, wäre ich täglich mit auf der Strasse, mit den Gelbwesten, überall, sogar zu Fuss.
Alles, was ich schreibe, kommt aus meinem Inneren. Wenn ich sehe, wie sich Menschen, die nicht unbedingt demselben gesellschaftlichen Milieu entstammen, zusammentun, um für ihre Rechte zu kämpfen, weil ihnen Ungerechtigkeit zuteil wird und sie nicht gut leben können, dann finde ich das gut! «Ich will es überall» soll heissen «Ich stehe euch bei bis zum Ende»!

Kommen wir zu deinem kreativen Schaffen. Was verstehst du unter «instinktivem Schreiben»?
Um Texte zu schreiben, brauche ich vor allem einen Beat. Wenn ich den nicht habe, dann schreibe ich vielleicht ein paar Zeilen, aber es wird nie etwas «Ganzes». Wenn ich mich an einen Song mache, brauche ich automatisch Musik, denn diese gibt mir die Worte vor.
Als Inspirationsquelle dient mir der Alltag. Es gibt viele Dinge im Leben, die mich berühren. Das können Dinge sein, die ich sehe, erlebe oder höre, Erfahrungen, die die Menschen in meinem Umfeld, meiner Familie machen, oder Schwierigkeiten, denen ich begegne. Es kann etwas sehr Persönliches sein, aber auch etwas Allgemeineres wie die Gelbwestenbewegung.
Von da aus leiten mich dann die Musik und meine Gefühle. Ich versuche, in mich hineinzufühlen und dem Ganzen einen Rhythmus zu verleihen. Ich schreibe viel am Computer. Aber wenn ich sehr genau und instinktiv arbeiten möchte, dann schreibe ich die Texte direkt im Kopf. Ich schreibe einen Satz nach dem anderen, und ich versuche, sie mir Stück für Stück zu merken, ohne dazu ein Blatt Papier zu brauchen. Die Melodien und der Flow folgen dann ganz natürlich, abhängig von dem, was ich erzählen möchte. So habe ich das Gefühl, viel instinktiver zu arbeiten und direkter das zu sagen, was ich sagen will und wie ich mich geben möchte.

Du schreibst nicht nur deine eigenen Texte, sondern komponierst auch die Beats dazu. Wie gehst du dabei vor? Mit welchen Klängen beginnst du?
Ja, ich komponiere manchmal auch. Im Prinzip beginne ich mit einer Basis, einem kleinen Vibe, einer Art Energie. Diese kann beispielsweise melancholisch sein oder in Richtung Reggae oder Cainfri (Anmerkung der Red.: «afrikanisch») gehen. Ich gehe immer von einer Art Farbe aus, die ich im Kopf habe. Das ist wirklich sehr abstrakt. Ich versuche, das, was in meinem Kopf ist, in eine Melodie umzuwandeln. Dazu nutze ich zahlreiche Samples auf meiner MIDI-Tastatur. Ich suche und suche … bis ich den Sound oder die Noten finde, die mich ansprechen. Ich beginne mit der Basismelodie und baue den Rest drumherum. So mache ich weiter, bis von instrumenteller Seite alles fertig ist.

KT Gorique auf Youtube

Das Interview mit KT Gorique entstand im Rahmen des Dossiers «A la découverte du rap romand» von Swissmusic.ch und ist dort im März 2019 zuerst erschienen.

Artikel zum Thema
Die ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label SuisseDie ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label Suisse Vom 14. bis 16. September 2018 hat zum achten Mal das Festival Label Suisse in Lausanne stattgefunden. Das Festival ist dem Schweizer Musikschaffen gewidmet und bietet dem Publikum alle zwei Jahre einen breitgefächerten Panoramablick auf die aktuelle Musiklandschaft der Schweiz. Weiterlesen
Fremde Beats und eigene SongsFremde Beats und eigene Songs Die Melodie ist ein Ohrwurm, aber der Groove passt nicht. Seit Tagen fehlt der Rhythmus im Blut, während der geniale Text auf den Lippen liegt. Es gibt viele Gründe, weshalb man einen fremden Beat als Rohmaterial für den eigenen Song zu Hilfe nimmt. Mit diesen rechtlichen Hinweisen und praktischen Tipps zum Umgang mit eingekauften Beats bleibt man auch formell im Takt. Weiterlesen
Marc Sway: «Man schreibt viel mehr Songs, als es für ein Album braucht» | mit Video«Man schreibt viel mehr Songs, als es für ein Album braucht» | mit Video Bei einem Besuch in seinem Studio im Januar 2018 hat das langjährige SUISA-Mitglied Marc Sway einen Einblick in sein Schaffen und sein Berufsleben als Musiker gegeben. Mitte Oktober 2018 erschien mit der Single «Beat Of My Heart» der erste Vorbote seines nächsten Albums, dessen Entstehungsprozess im Videointerview ein Hauptthema war. Weiterlesen
Artikel einklappen

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es etwas dauern. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines verfassten Kommentars. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, die den Nutzungsbedingungen widersprechen, nicht zu veröffentlichen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das SUISA-Mitglied KT Gorique war an dem von der SUISA organisierten Panel «Hit the World» beim M4music Festival 2019 als Expertin für Songwriting im Genre Rap eingeladen. Kurze Zeit später wurde bekannt, dass sie zu den Preisträgerinnen des Schweizer Musikpreises 2019 gehört. Ein Interview mit der im Wallis lebenden Rapperin, die ihre Musik in die ganze Schweiz trägt. Gastbeitrag von José Tippenhauer, Swissmusic.ch

KT Gorique erobert die Deutschschweiz

«Sie ist schon im Senegal, in Kanada und in ganz Europa aufgetreten und ist aus der Schweizer Rapszene nicht mehr wegzudenken», schreibt das Bundesamt für Kultur über die frisch gekürte Gewinnerin des Schweizer Musikpreises 2019, KT Gorique. (Foto: Jérémie Carron)

KT Gorique wird ihrem Spitznamen «Schweizer Taschenmesser» wirklich gerecht. Nachdem sie 2012 den internationalen Rap-Improvisationswettbewerb «End of the Week» in New York gewonnen hatte, spielte sie im Film «Brooklyn» von…Weiterlesen

Die Schweiz tritt mit Luca Hänni und einem Song aus dem SUISA Songwriting Camp am Eurovision Song Contest an | mit Video

Zum zweiten Mal in Folge stammt der Schweizer Beitrag für den Eurovision Song Contest aus dem SUISA Songwriting Camp. Der Song «She Got Me» wurde im letzten Juni in den Powerplay Studios vom SUISA-Mitglied Luca Hänni zusammen mit den kanadischen Songwritern Laurell Barker und Frazer Mac sowie dem schwedischen Produzenten Jon Hällgren komponiert. Text und Video von Sibylle Roth

Der Song «She Got Me», der während der Entstehung den Arbeitstitel «Dirty Dancing» trug, wurde im SUISA Songwriting Camp im Juni 2018 von einem Team bestehend aus vier Personen geschrieben. Nachdem Deutschland mit dem Song «Sister» bereits mit einer Komposition aus dem SUISA Songwriting Camp 2018 am Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv antreten wird, ist dies ein weiterer grosser Erfolg für das Songwriting Camp, das von der SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions organisiert wurde.

«Es ist eine riesige Freude», sagt Luca Hänni , der seit 2015 SUISA-Mitglied ist. Der Berner wurde dank dem Auftritt in einer deutschen Castingshow im Jahr 2012 in einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Seitdem hat er vier Alben und diverse Singles veröffentlicht, zuletzt stand er mit Helene Fischer auf der Bühne. Der ESC ist das nächste grosse Abenteuer in seiner Karriere: Er sei aufgeregt, sagt Hänni, «und ich möchte einfach die beste Show abliefern, die es gibt.»

Luca Hänni nahm letztes Jahr zum ersten Mal am SUISA Songwriting Camp teil. Die kanadischen Songwriter Laurell Barker und Frazer Mac waren bereits zum zweiten Mal mit dabei. Für Laurell Barker ist das Schweizer Camp eine Erfolgsgeschichte: Sie war schon am letztjährigen ESC-Beitrag der Schweiz beteiligt. Den Song «Stones» hat sie zusammen mit ZiBBZ, bestehend aus den SUISA-Mitgliedern Corinne und Stefan Gfeller, geschrieben. Jon Hällgren, der schwedische Produzent, ist der vierte Komponist im Bunde. In Zusammenarbeit mit seinem Sohn Lukas Hällgren hat er im Nachgang zum Camp den Song «She Got Me» für den ESC 2019 ausproduziert.

Das Schweizer Radio und Fernsehen hat den Beitrag für den ESC in Tel Aviv von 20 internationalen Fachjuroren und einem 100-köpfigen Zuschauer-Panel in einem mehrstufigen Verfahren auswählen lassen. Eingereicht wurden über 420 Songs.

Die Schweiz kämpft am 16. Mai 2019 (SRF zwei um 21.00 Uhr) am Eurovision Song Contest in Tel Aviv um den Finaleinzug. Die ESC-Finalshow findet am 18. Mai 2019 (SRF 1 um 20.00 Uhr) statt.

Das SUISA Songwriting Camp fand im Juni 2018 zum zweiten Mal statt. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung in den Powerplay Studios in Maur teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Das Camp wurde von Pele Loriano Productions und der SUISA organisiert.

www.lucamusic.ch

Artikel zum Thema
Eurovision Song Contest: Song aus dem SUISA Songwriting Camp in der deutschen Vorausscheidung | mit VideoEurovision Song Contest: Song aus dem SUISA Songwriting Camp in der deutschen Vorausscheidung | mit Video Erfolg für das SUISA Songwriting Camp: Der Song «Sister» aus dem letztjährigen Camp steht im deutschen ESC-Vorfinal. Das Stück wurde von einem internationalen Songwriting-Team bestehend aus Marine Kaltenbacher, Laurell Barker, Tom Oehler und Thomas Stengaard komponiert und produziert. Weiterlesen
Eurovision Song Contest - Zibbz: «Wir wollten einen Song schreiben, der zu uns passt» | mit Video «Wir wollten einen Song schreiben, der zu uns passt» | mit Video Mit ihrem Song «Stones» stehen die SUISA-Mitglieder Co und Stee Gfeller, bekannt als ZiBBZ, im Wettbewerb um den Einzug ins Finale des Eurovision Song Contest. Geschrieben haben sie das Stück zusammen mit der kanadischen Songwriterin Laurell Barker am Songwriting Camp von Pele Loriano Productions und der SUISA im August 2017. Im Videobeitrag erzählen die Geschwister mehr über die Entstehung des Songs und weshalb solche Songwriting Camps wichtig sind. Weiterlesen
Kreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit VideoKreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit Video Zum zweiten Mal führte die SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions ein Songwriting Camp durch. Austragungsort waren wie bei der Premiere vergangenes Jahr die Powerplay Studios in Maur. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung im Juni 2018 teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Weiterlesen
Artikel einklappen

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es etwas dauern. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines verfassten Kommentars. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, die den Nutzungsbedingungen widersprechen, nicht zu veröffentlichen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Zum zweiten Mal in Folge stammt der Schweizer Beitrag für den Eurovision Song Contest aus dem SUISA Songwriting Camp. Der Song «She Got Me» wurde im letzten Juni in den Powerplay Studios vom SUISA-Mitglied Luca Hänni zusammen mit den kanadischen Songwritern Laurell Barker und Frazer Mac sowie dem schwedischen Produzenten Jon Hällgren komponiert. Text und Video von Sibylle Roth

Der Song «She Got Me», der während der Entstehung den Arbeitstitel «Dirty Dancing» trug, wurde im SUISA Songwriting Camp im Juni 2018 von einem Team bestehend aus vier Personen geschrieben. Nachdem Deutschland mit dem Song «Sister» bereits mit einer Komposition aus dem SUISA Songwriting Camp 2018 am Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv antreten wird, ist dies ein weiterer grosser Erfolg für das Songwriting Camp, das von der SUISA in Zusammenarbeit mit…Weiterlesen

«Adiós»: Sommerhit nach karibischem Muster mit Cembalo | mit Video

An den «Swiss Music Awards» 2019 kann Loco Escrito zusammen mit vier Mitkomponisten auf die begehrten Betonklötze in der Kategorie «Best Hit» für den Song «Adiós» hoffen. Worin die Stärke des Songs liegt, erzählt der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter in seiner Song-Analyse im Video. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

Nicolas Herzig – wie Loco Escrito bürgerlich heisst – scheint die Erfolgsformel für Sommerhits gefunden zu haben. Nachdem er 2017 mit «Sin Ti» in den Schweizer Charts war, setzte er letztes Jahr noch einen obendrauf: Die Single «Adiós» hielt sich 29 Wochen in den Schweizer Charts und kletterte bis auf Platz 4. Damit gehörte der Song 2018 zu den drei erfolgreichsten Schweizer Tracks und ist dieses Jahr für die Auszeichnung als «Best Hit» an den Swiss Music Awards nominiert.

Abwechslungsreich und spannende Dramaturgie

Interessant am Song sei die Instrumentierung der Strophen, meint Hans Feigenwinter. Er ist selber Musiker und unterrichtet an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften. Im Video analysiert er den Song ausführlich.

Für Nicolas Herzig und den Mitkomponisten und Produzenten Henrik Amschler war es wichtig, dass «Adiós» abwechslungsreich bleibt und eine spannende Dramaturgie hat. Im schriftlichen Interview sagt Amschler: «Da der Song zum Beispiel keine klassische Bridge mit einem Akkordwechsel nach dem zweiten Chorus hat sondern drei Parts, war es uns wichtig, dass jeder Part auf seine Weise speziell ist.» Die verschiedenen Songparts haben entsprechend auch andere Stimmungen, wie Amschler hinzufügt: «Der erste Teil des zweiten Parts ist rhythmisch und animiert zum Tanzen. Der erste Teil des dritten Parts hingegen ist sphärisch und sehr emotional.»

(Internationales) Teamwork beim Songwriting

Neben Amschler und Herzig waren noch drei weitere Musiker am Songwriting von «Adiós» beteiligt. Der Bündner Komponist Sandro Dietrich und der ebenfalls aus Graubünden stammende Latin-Rapper, Sänger, Perkussionist und Musikproduzent Lou Geniuz alias Lou Zarra legten die musikalische Grundlage, die schon sehr weit ausgearbeitet war, wie Amschler sagt. Für die Lyrics wurde Nicolas Herzig vom kolumbianischen Musiker Jonathan Ruiz Mejia unterstützt. «Danach lag es an Loco und mir, es weiter zu führen, den Song anzupassen und fertig zu machen», schreibt Amschler.

Die Songwriter und der Produzent haben bewusst darauf verzichtet, zu viele Instrumente zu verwenden. « Wir hatten eigentlich noch mehr Instrumente vorgesehen, beispielsweise im Chorus», erklärt Henrik Amschler. «Im Endeffekt entschieden wir uns dann aber zu reduzieren, um der Stimme mit diversen Harmonien noch mehr Platz zu geben.» Dennoch überrascht «Adiós» mit interessanten Klängen, wie beispielsweise einem Cembalo-ähnlichen Sound – was für Pop-Musik eher unüblich sei, meint Hans Feigenwinter.

«Swiss Music Awards»: SUISA ehrt die Songwriter des «Best Hit»

«Adiós» gehört zu den drei nominierten Songs für den «Best Hit» bei den nächsten «Swiss Music Awards», die am Samstag, 16. Februar 2019, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) verliehen werden. Die SUISA ist «Supporting Partner» der Veranstaltung. Bereits zum vierten Mal werden im Namen der SUISA beim «Best Hit»-Award auch die Komponisten und Textautoren des Siegersongs geehrt. Nominiert sind:

  • «079» von Lo & Leduc (Songwriter: Lorenz Häberli, Maurice Könz, Luc Oggier)
  • «Adiós» von Loco Escrito (Songwriter: Henrik Amschler, Sandro Dietrich, Nicolas Herzig, Jonathan Ruiz Mejia, Luigi Zarra)
  • «Us Mänsch» von Bligg feat. Marc Sway (Songwriter: Marco Bliggensdorfer, Fred Herrmann, Marc Sway)

www.locoescrito.com
www.henrik-hsa-amschler.ch

Hans Feigenwinter stammt aus Basel. In jungen Jahren spielte er in Pop- und Indierockbands. Später studierte er Klavier an der Swiss Jazz School in Bern und war seither als Pianist und Komponist in diversen Formation aktiv. Aktuell ist er neben Solo-Konzerten vor allem in den Trios Hans Feigenwinter ZINC und Feigenwinter Oester Pfammatter zu hören. Er ist Dozent an den Musikhochschulen in Basel und Luzern. www.hansfeigenwinter.ch
Artikel zum Thema
«079»: Eine tragikomische Hit-Geschichte | mit Video«079»: Eine tragikomische Hit-Geschichte | mit Video Mit «079» haben Lo & Leduc und ihr Mitkomponist Maurice «Dr. Mo» Könz Geschichte geschrieben: Im letzten Jahr hielt sich der Song ganze 21 Wochen an der Spitze der hiesigen Hitparade – und erzielte damit einen Schweizer Rekord. «079» ist einer der drei nominierten Songs für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019. Der Musiker und Dozent für Musikwissenschaften Hans Feigenwinter hat die Hit-Komposition analysiert. Weiterlesen
«Us Mänsch»: Last Minute-Hit mit sehr viel Energie | mit Video«Us Mänsch»: Last Minute-Hit mit sehr viel Energie | mit Video «Us Mänsch» von Bligg und Marc Sway gehörte letztes Jahr zu den erfolgreichsten Schweizer Songs. Dabei rutschte der Song erst in letzter Minute aufs Bligg-Album «KombiNation». Nun ist der Song für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019 nominiert. Der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter hat die Komposition von «Us Mänsch» analysiert. Weiterlesen
Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit VideoAuszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit Video Der Newcomer Nickless und der renommierte Produzent Thomas Fessler gewannen den ersten Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards 2016. Der gemeinsam komponierte Siegersong «Waiting» ist nicht vom Himmel gefallen sondern bedeutete viel Arbeit im Teamwork. Auch bei den Swiss Music Awards 2017 zeichnet die SUISA die Leistung der Komponisten und Textautoren mit einer Auszeichnung aus. Weiterlesen
Artikel einklappen

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es etwas dauern. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines verfassten Kommentars. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, die den Nutzungsbedingungen widersprechen, nicht zu veröffentlichen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

An den «Swiss Music Awards» 2019 kann Loco Escrito zusammen mit vier Mitkomponisten auf die begehrten Betonklötze in der Kategorie «Best Hit» für den Song «Adiós» hoffen. Worin die Stärke des Songs liegt, erzählt der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter in seiner Song-Analyse im Video. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

Nicolas Herzig – wie Loco Escrito bürgerlich heisst – scheint die Erfolgsformel für Sommerhits gefunden zu haben. Nachdem er 2017 mit «Sin Ti» in den Schweizer Charts war, setzte er letztes Jahr noch einen obendrauf: Die Single «Adiós» hielt sich 29 Wochen in den Schweizer Charts und kletterte bis auf Platz 4. Damit gehörte der Song 2018 zu den drei erfolgreichsten Schweizer Tracks und ist dieses Jahr für die Auszeichnung als «Best Hit» an den Swiss Music Awards nominiert.

Abwechslungsreich…Weiterlesen

«Us Mänsch»: Last Minute-Hit mit sehr viel Energie | mit Video

«Us Mänsch» von Bligg und Marc Sway gehörte letztes Jahr zu den erfolgreichsten Schweizer Songs. Dabei rutschte der Song erst in letzter Minute aufs Bligg-Album «KombiNation». Nun ist der Song für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019 nominiert. Der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter hat die Komposition von «Us Mänsch» analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Manu Leuenberger

Bligg und Marc Sway haben zusammen schon ein paar Songs geschrieben. Bei der Single «Us Mänsch» standen sie erstmals gemeinsam am Mikrofon. Mit Erfolg: Die Single wurde 2018 mit Platin ausgezeichnet.

Weshalb ist der Song für die Zuhörer so attraktiv? Hans Feigenwinter, der an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften unterrichtet und selber Pianist und Komponist ist, meint: «Es ist sehr viel Energie da, es ist ein sehr leidenschaftlicher Sprechgesang.» In seiner Song-Analyse, die im Video zu sehen ist, hört er im Stück etwas Feierliches: «Ich musste an eine Predigt denken.»

Last Minute-Hit

Neben Bligg und Marc Sway war auch der langjährige Produzent und Co-Komponist von Bligg, Fred Herrmann, am Songwriting von «Us Mänsch» beteiligt. Im schriftlichen Interview schilderte Fred Herrmann, wie der Song entstand:

«‹Us Mänsch› war ein typischer Last-Minute-Hit! Es war der allerletzte Song, den wir für das Album ‹KombiNation› geschrieben und produziert haben. Bligg meinte, er habe noch eine coole Text-Idee auf Lager mit dem Wortspiel ‹Us Mänsch›, den er unbedingt noch umsetzen wolle. Da wir schon ziemlich hinter dem Zeitplan lagen, haben wir parallel gearbeitet. Während ich an der Komposition und Produktion gearbeitet habe, hat Bligg bei sich zu Hause am Text gefeilt und seine Vocals aufgenommen. Er hat mir immer wieder neue Vocal-Spuren von sich geschickt, die ich entweder gleich einbaute oder wieder in Frage stellte und nach Anpassung verlangte. Es war eine richtige Ping-Pong-Party! Irgendwann hatten wir den Song zusammen, aber wir fanden, dass der Refrain unbedingt von einer männlichen Hammer-Stimme eingesungen werden muss. Uns kam ziemlich schnell Marc Sway in den Sinn, den wir beide schon sehr lange und gut kennen! Mister Sway kam zweimal für je zwei Stunden ins Studio und fertig war der Refrain! Das Schöne am Komponieren ist, dass immer wieder unvorhersehbar ein solcher Song entsteht, bei dem alles passt.»

«Swiss Music Awards»: SUISA ehrt die Songwriter des «Best Hit»

«Us Mänsch» gehört zu den drei nominierten Songs für den «Best Hit» bei den nächsten «Swiss Music Awards», die am Samstag, 16. Februar 2019, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) verliehen werden. Die SUISA ist «Supporting Partner» der Veranstaltung. Bereits zum vierten Mal werden im Namen der SUISA beim «Best Hit»-Award auch die Komponisten und Textautoren des Siegersongs geehrt. Nominiert sind:

  • «079» von Lo & Leduc (Songwriter: Lorenz Häberli, Maurice Könz, Luc Oggier)
  • «Adiós» von Loco Escrito (Songwriter: Henrik Amschler, Sandro Dietrich, Nicolas Herzig, Jonathan Ruiz Mejia, Luigi Zarra)
  • «Us Mänsch» von Bligg feat. Marc Sway (Songwriter: Marco Bliggensdorfer, Fred Herrmann, Marc Sway)

www.bligg.ch
www.marcsway.ch

Hans Feigenwinter stammt aus Basel. In jungen Jahren spielte er in Pop- und Indierockbands. Später studierte er Klavier an der Swiss Jazz School in Bern und war seither als Pianist und Komponist in diversen Formation aktiv. Aktuell ist er neben Solo-Konzerten vor allem in den Trios Hans Feigenwinter ZINC und Feigenwinter Oester Pfammatter zu hören. Er ist Dozent an den Musikhochschulen in Basel und Luzern. www.hansfeigenwinter.ch
Artikel zum Thema
«079»: Eine tragikomische Hit-Geschichte | mit Video«079»: Eine tragikomische Hit-Geschichte | mit Video Mit «079» haben Lo & Leduc und ihr Mitkomponist Maurice «Dr. Mo» Könz Geschichte geschrieben: Im letzten Jahr hielt sich der Song ganze 21 Wochen an der Spitze der hiesigen Hitparade – und erzielte damit einen Schweizer Rekord. «079» ist einer der drei nominierten Songs für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019. Der Musiker und Dozent für Musikwissenschaften Hans Feigenwinter hat die Hit-Komposition analysiert. Weiterlesen
Marc Sway: «Man schreibt viel mehr Songs, als es für ein Album braucht» | mit Video«Man schreibt viel mehr Songs, als es für ein Album braucht» | mit Video Bei einem Besuch in seinem Studio im Januar 2018 hat das langjährige SUISA-Mitglied Marc Sway einen Einblick in sein Schaffen und sein Berufsleben als Musiker gegeben. Mitte Oktober 2018 erschien mit der Single «Beat Of My Heart» der erste Vorbote seines nächsten Albums, dessen Entstehungsprozess im Videointerview ein Hauptthema war. Weiterlesen
Kreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit VideoKreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit Video Zum zweiten Mal führte die SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions ein Songwriting Camp durch. Austragungsort waren wie bei der Premiere vergangenes Jahr die Powerplay Studios in Maur. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung im Juni 2018 teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Weiterlesen
Artikel einklappen

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es etwas dauern. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines verfassten Kommentars. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, die den Nutzungsbedingungen widersprechen, nicht zu veröffentlichen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

«Us Mänsch» von Bligg und Marc Sway gehörte letztes Jahr zu den erfolgreichsten Schweizer Songs. Dabei rutschte der Song erst in letzter Minute aufs Bligg-Album «KombiNation». Nun ist der Song für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019 nominiert. Der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter hat die Komposition von «Us Mänsch» analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Manu Leuenberger

Bligg und Marc Sway haben zusammen schon ein paar Songs geschrieben. Bei der Single «Us Mänsch» standen sie erstmals gemeinsam am Mikrofon. Mit Erfolg: Die Single wurde 2018 mit Platin ausgezeichnet.

Weshalb ist der Song für die Zuhörer so attraktiv? Hans Feigenwinter, der an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften unterrichtet und selber Pianist und Komponist ist, meint: «Es ist sehr viel Energie da, es ist ein sehr leidenschaftlicher Sprechgesang.»…Weiterlesen

«079»: Eine tragikomische Hit-Geschichte | mit Video

Mit «079» haben Lo & Leduc und ihr Mitkomponist Maurice «Dr. Mo» Könz Geschichte geschrieben: Im letzten Jahr hielt sich der Song ganze 21 Wochen an der Spitze der hiesigen Hitparade – und erzielte damit einen Schweizer Rekord. «079» ist einer der drei nominierten Songs für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019. Der Musiker und Dozent für Musikwissenschaften Hans Feigenwinter hat die Hit-Komposition analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

Wie «079» den Weg in die Schweizer Charts fand, ist bereits eine bemerkenswerte Geschichte. Lo & Leduc boten den Song und das dazugehörige Album «Update 4.0» im Februar 2018 kostenlos zum Streamen und Herunterladen auf ihrer Website an – «aus Freude», wie sie damals in einem Interview sagten. Dem Publikum gefiel der Song so gut, dass er immer zahlreicher gekauft und eifrig gestreamt wurde. Damit schaffte es «079» auf Platz 1 der Schweizer Single-Hitparade und behielt dort 21 Wochen lang die Spitzenposition inne.

Geschrieben wurde der Song von Lorenz Häberli (Lo), Luc Oggier (Leduc) und dem Berner Komponisten, DJ und Performer Maurice Könz, besser bekannt als Dr. Mo. Letzterer schrieb die Melodie, zu der Lo & Leduc den Text beisteuerten. «Der Text und die Musik entstanden unabhängig voneinander», erzählt Dr. Mo über die Entstehung des Stücks im schriftlichen Interview. Beide Elemente seien schon fast fertig gewesen, als sie schliesslich kombiniert wurden. «Wir hatten versucht, den Text mit einem anderen Beat zu kombinieren, beziehungsweise einen anderen Text über den Beat zu machen», schreibt Dr. Mo. «Aber diese Ideen wurden schnell verworfen. Als wir dann den Text mit dem Beat kombinierten, wussten wir sofort, dass alles passt.»

Originell, rührig, etwas absurd

Zum Erfolg beigetragen hat nicht zuletzt die Geschichte, die im Song erzählt wird. «Es ist eine tragikomische Geschichte. Sie ist originell, sie ist nachvollziehbar, sie ist rührig; das Ganze hat etwas Absurdes», sagt der Pianist und Komponist Hans Feigenwinter, der an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften unterrichtet. Seine Analyse des Songs ist im Video zu sehen.

Dass die Suche nach den passenden Wörtern bisweilen sehr zeitintensiv ist, erläutert Dr. Mo an einem konkreten Beispiel: «Am längsten dauerte die Suche nach dem passenden Personalpronomen. Wir waren unsicher, ob man die Geschichte versteht, wenn zwei verschiedene Sänger aus der Ich-Perspektive singen, aber dieselbe Person darstellen. Wir überlegten uns also auch von ‹ihm› zu erzählen, was die personelle Verwirrung auflösen würde. Dies verursachte jedoch Probleme bei Konjugationen, Reimen und emotionaler Zugänglichkeit. Schliesslich haben wir uns zu Recht dafür entschieden, dem Hörer die Ich-Perspektive zuzumuten.»

«Swiss Music Awards»: SUISA ehrt die Songwriter des «Best Hit»

«079» gehört zu den drei nominierten Songs für den «Best Hit» bei den nächsten «Swiss Music Awards», die am Samstag, 16. Februar 2019, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) verliehen werden. Die SUISA ist «Supporting Partner» der Veranstaltung. Bereits zum vierten Mal werden im Namen der SUISA beim «Best Hit»-Award auch die Komponisten und Textautoren des Siegersongs geehrt. Nominiert sind:

  • «079» von Lo & Leduc (Songwriter: Lorenz Häberli, Maurice Könz, Luc Oggier)
  • «Adiós» von Loco Escrito (Songwriter: Henrik Amschler, Sandro Dietrich, Nicolas Herzig, Jonathan Ruiz Mejia, Luigi Zarra)
  • «Us Mänsch» von Bligg feat. Marc Sway (Songwriter: Marco Bliggensdorfer, Fred Herrmann, Marc Sway)

www.lo-leduc.ch
www.drmo.ch

Hans Feigenwinter stammt aus Basel. In jungen Jahren spielte er in Pop- und Indierockbands. Später studierte er Klavier an der Swiss Jazz School in Bern und war seither als Pianist und Komponist in diversen Formationen aktiv. Aktuell ist er neben Solo-Konzerten vor allem in den Trios Hans Feigenwinter ZINC und Feigenwinter Oester Pfammatter zu hören. Er ist Dozent an den Musikhochschulen in Basel und Luzern. www.hansfeigenwinter.ch
Artikel zum Thema
Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit VideoAuszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit Video Der Newcomer Nickless und der renommierte Produzent Thomas Fessler gewannen den ersten Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards 2016. Der gemeinsam komponierte Siegersong «Waiting» ist nicht vom Himmel gefallen sondern bedeutete viel Arbeit im Teamwork. Auch bei den Swiss Music Awards 2017 zeichnet die SUISA die Leistung der Komponisten und Textautoren mit einer Auszeichnung aus. Weiterlesen
Marc Sway: «Man schreibt viel mehr Songs, als es für ein Album braucht» | mit Video«Man schreibt viel mehr Songs, als es für ein Album braucht» | mit Video Bei einem Besuch in seinem Studio im Januar 2018 hat das langjährige SUISA-Mitglied Marc Sway einen Einblick in sein Schaffen und sein Berufsleben als Musiker gegeben. Mitte Oktober 2018 erschien mit der Single «Beat Of My Heart» der erste Vorbote seines nächsten Albums, dessen Entstehungsprozess im Videointerview ein Hauptthema war. Weiterlesen
Kreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit VideoKreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit Video Zum zweiten Mal führte die SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions ein Songwriting Camp durch. Austragungsort waren wie bei der Premiere vergangenes Jahr die Powerplay Studios in Maur. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung im Juni 2018 teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Weiterlesen
Artikel einklappen

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es etwas dauern. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines verfassten Kommentars. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, die den Nutzungsbedingungen widersprechen, nicht zu veröffentlichen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mit «079» haben Lo & Leduc und ihr Mitkomponist Maurice «Dr. Mo» Könz Geschichte geschrieben: Im letzten Jahr hielt sich der Song ganze 21 Wochen an der Spitze der hiesigen Hitparade – und erzielte damit einen Schweizer Rekord. «079» ist einer der drei nominierten Songs für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019. Der Musiker und Dozent für Musikwissenschaften Hans Feigenwinter hat die Hit-Komposition analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

Wie «079» den Weg in die Schweizer Charts fand, ist bereits eine bemerkenswerte Geschichte. Lo & Leduc boten den Song und das dazugehörige Album «Update 4.0» im Februar 2018 kostenlos zum Streamen und Herunterladen auf ihrer Website an – «aus Freude», wie sie damals in einem Interview sagten. Dem Publikum gefiel der Song so gut, dass er…Weiterlesen

«Man schreibt viel mehr Songs, als es für ein Album braucht» | mit Video

Bei einem Besuch in seinem Studio im Januar 2018 hat das langjährige SUISA-Mitglied Marc Sway einen Einblick in sein Schaffen und sein Berufsleben als Musiker gegeben. Mitte Oktober 2018 erschien mit der Single «Beat Of My Heart» der erste Vorbote seines nächsten Albums, dessen Entstehungsprozess im Videointerview ein Hauptthema war. Text und Video von Sibylle Roth

Marc Sway ist Mitglied bei der SUISA seit dem Jahr 2003. Nachdem er zuletzt sehr viel live auftreten durfte, freut er sich derzeit umso mehr auf sein nächstes Album. Der letzte Longplayer, «Black & White», erschien 2014.

Die Songs für das kommende Album sind in den vergangenen drei Jahren entstanden, gemeinsam mit seinen langjährigen Textpartnern und Musikern. «Wenn man zusammen Musik macht, ist man so oft und so nahe zusammen, dass man das nur mit richtig guten Freunden machen möchte», sagt Marc Sway. «Deshalb arbeite ich seit Jahren mit denselben Songwriting-Partnern zusammen.»

Im Gespräch erzählt der 39-Jährige, dass das Songwriting einen enorm grossen Einfluss darauf hat, wie ein Album tönen wird, denn mit den Kompositionen legt er die ersten Pfeiler. Er habe gerne ein Ziel und ein Konzept vor Augen, erklärt Marc Sway und ist überzeugt: «Jedes Album ist eine Chance, sich neu zu erfinden.»

Die Single «Beat Of My Heart» ist Mitte Oktober 2018 erschienen, das neue Album «Way Back Home» wird im Frühling 2019 erscheinen.

www.marcsway.ch, Webseite von Marc Sway

Artikel zum Thema
Yannick Nanette: «Im Blues spiegelt sich die Seele»«Im Blues spiegelt sich die Seele» Yannick Nanette ist 2015 neu der SUISA beigetreten. Der Sänger, Gitarrist und Mundharmonikaspieler aus Mauritius lebt in Lausanne und bildet zusammen mit Thierry Jaccard die Blues-Band The Two, die schon am Zermatt Unplugged und am Montreux Jazz Festival aufgetreten ist. In den USA erreichte das Duo den Halbfinal der International Blues Challenge in Memphis. Weiterlesen
Warum Mitglieder der SUISA auch einen Beitritt zu SWISSPERFORM in Betracht ziehen solltenWarum Mitglieder der SUISA auch einen Beitritt zu SWISSPERFORM in Betracht ziehen sollten Komponisten und Texter mit einer Mitgliedschaft bei der SUISA, die auch als Interpreten und/oder Produzenten aktiv sind und deren Darbietungen von Schweizer oder ausländischen Radio- und TV-Stationen ausgestrahlt werden, haben ein Recht auf Lizenzgebühren von SWISSPERFORM. Für all diese Urheber-Komponisten-Interpreten/Produzenten ist eine Mitgliedschaft bei SWISSPERFORM deshalb eine notwendige Ergänzung zu derjenigen bei der SUISA, um ihre Rechte und die volle Vergütung, die ihnen zusteht, zu sichern. Weiterlesen
Lars the music guy Christen: «Es war ein grosser Gewinn, am Songwriting Camp teilzunehmen» | mit Video«Es war ein grosser Gewinn, am Songwriting Camp teilzunehmen» | mit Video «Compass» ist einer der sechs Schweizer Finalsongs für den Eurovision Song Contest 2018. Interpretiert wird das Stück von Alejandro Reyes, der den Song zusammen mit der Kanadierin Laurell Barker und dem Schweizer Komponisten und Produzenten Lars Christen komponiert hat. Im Interview mit der SUISA schildert Lars Christen den Songwriting-Prozess. Zudem erzählt er, weshalb das Songwriting Camp für ihn eine wertvolle Erfahrung war. Weiterlesen
Artikel einklappen

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es etwas dauern. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines verfassten Kommentars. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, die den Nutzungsbedingungen widersprechen, nicht zu veröffentlichen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bei einem Besuch in seinem Studio im Januar 2018 hat das langjährige SUISA-Mitglied Marc Sway einen Einblick in sein Schaffen und sein Berufsleben als Musiker gegeben. Mitte Oktober 2018 erschien mit der Single «Beat Of My Heart» der erste Vorbote seines nächsten Albums, dessen Entstehungsprozess im Videointerview ein Hauptthema war. Text und Video von Sibylle Roth

Marc Sway ist Mitglied bei der SUISA seit dem Jahr 2003. Nachdem er zuletzt sehr viel live auftreten durfte, freut er sich derzeit umso mehr auf sein nächstes Album. Der letzte Longplayer, «Black & White», erschien 2014.

Die Songs für das kommende Album sind in den vergangenen drei Jahren entstanden, gemeinsam mit seinen langjährigen Textpartnern und Musikern. «Wenn man zusammen Musik macht, ist man so oft und so nahe zusammen, dass man das nur mit richtig guten…Weiterlesen

Kreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit Video

Zum zweiten Mal führte die SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions ein Songwriting Camp durch. Austragungsort waren wie bei der Premiere vergangenes Jahr die Powerplay Studios in Maur. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung im Juni 2018 teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Text und Video von Manu Leuenberger

Das musikalische Ziel des SUISA Songwriting Camps 2018 war, radiotaugliche Pop-Songs mit Hitparadenpotential zu komponieren, die stilistisch alle Facetten des zeitgemässen Pop – in der Bandbreite von «urban» bis Singer/Songwriter – umfassen konnten. Die eingeladenen Musikerinnen und Musiker komponierten in Teams von drei bis vier Personen innerhalb eines Tages einen Song. Die personelle Besetzung der Gruppen änderte täglich, sodass die Musikerinnen und Musiker immer wieder mit anderen Kollaborationspartnern an neuen Songs arbeiten.

Songwriting Camp in der Popmusik etabliertes Format

Solche Songwriting-Camps sind im internationalen Popmusik-Geschäft ein etabliertes Produktionsformat. Ein Vorteil dieses Formats sei, dass Musiker zusammenkämen, die sonst nicht miteinander arbeiten würden, erklärte Pele Loriano, der künstlerische Leiter der Veranstaltung, in einem Artikel in der «NZZ» (Ausgabe vom 19.10.2017) im Zusammhang mit dem letztjährigen SUISA-Camp: «Dadurch steigt die Chance, dass in einem Team eine spezielle Chemie entsteht, die die Inspiration begünstigt. Das Tolle am Teamwork ist, dass man auf Ideen kommt, auf die man selbst nicht gekommen wäre.»

Die ausländischen Produzenten und Songwriter reisten auf Einladung von Pele Loriano an den Greifensee und stammten dieses Jahr aus Frankreich, Grossbritannien, Deutschland, Belgien, USA, Schweden und Kanada. Bei der Auswahl der Künstler aus der Schweiz hatte der künstlerische Leiter dieses Mal sprichwörtlich die Qual der Wahl: Auf die öffentliche Ausschreibung der Teilnahmeplätze für SUISA-Mitglieder hin waren 75 Bewerbungen eingegangen. Die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber überstieg damit die Zahl der zur Verfügung stehenden Teilnahmeplätze um ein Vielfaches.

Viele SUISA-Mitglieder interessiert und mit dabei

Um dem grossen Interesse gerecht zu werden, wurden die geplanten fünf Teams kurzerhand auf sechs Songwriting-Gruppen pro Tag aufgestockt. Dadurch konnten noch mehr Mitglieder der SUISA als ursprünglich vorgesehen vom Angebot profitieren, gemeinsam mit internationalen und nationalen Songwritern zu komponieren und sich vom musikalischen Austausch inspirieren zu lassen.

Verteilt über die drei Veranstaltungstage vom 18. bis 20. Juni 2018 nahmen insgesamt 36 Musikschaffende am Songwriting Camp teil. Von den 26 teilnehmenden SUISA-Mitgliedern stammten sechs aus der welschen Schweiz sowie drei aus dem Tessin und die restlichen aus der Deutschschweiz. Rund 40% aller Teilnehmenden waren Musikerinnen (14 Künstlerinnen, 22 Künstler).

An der abschliessenden «Listening Session» am Mittwochabend konnten sich Künstler und Gäste – darunter Vertreter von Musikverlagen – die vielseitigen Arbeitsresultate aus den Songwriting-Sessions anhören. Entstanden sind 19 Pop-Songs unterschiedlichster musikalischer Couleur; von Ballade über Chanson bis zu «Indie-Pop» und Dance-Track, mit Texten ebenso in französischer, italienischer wie englischer Sprache. Die Zukunft wird weisen, wie erfolgreich diese Demo-Songs aus der «Hit-Schmiede made in Switzerland», wie die «Aargauer Zeitung» das SUISA Songwriting Camp in der Ausgabe vom 1.2.2018 nannte, ihren Weg zu den Zuhörerinnen und Zuhörern finden werden.

Mehr Videos und SUISA Music Stories:
auf Instagram, Facebook und Youtube

Artikel zum Thema
Lars Christen: «Es war ein grosser Gewinn, am Songwriting Camp teilzunehmen» | mit Video«Es war ein grosser Gewinn, am Songwriting Camp teilzunehmen» | mit Video «Compass» ist einer der sechs Schweizer Finalsongs für den Eurovision Song Contest 2018. Interpretiert wird das Stück von Alejandro Reyes, der den Song zusammen mit der Kanadierin Laurell Barker und dem Schweizer Komponisten und Produzenten Lars Christen komponiert hat. Im Interview mit der SUISA schildert Lars Christen den Songwriting-Prozess. Zudem erzählt er, weshalb das Songwriting Camp für ihn eine wertvolle Erfahrung war. Weiterlesen
«Nichts und gar nichts schlägt den gut geschriebenen Song»«Nichts und gar nichts schlägt den gut geschriebenen Song» Der internationale Erfolg mit Bonaparte ist der vorläufige Höhepunkt der bereits lange andauernden Songschreiberkarriere von Tobias Jundt. Aus seiner Feder stammen mehrere hundert Titel, in grosser stilistischer Vielfalt geschrieben auch für oder zusammen mit anderen Künstlern. Sein Wissen und seine Erfahrungen als Komponist gibt der in Berlin lebende Berner als Gastdozent an der Zürcher Hochschule der Künste im Fach «Songwriting» weiter. Ein Interview mit dem SUISA-Mitglied, das 2016 für den Grand Prix Musik nominiert war. Weiterlesen
Animor: Schedler Music Summit 2018 mit Romina KalsiSchedler Music Summit 2018 mit Romina Kalsi Die sechste Ausgabe des Schedler Music Summits, des jährlichen internationalen Songwriting Camps, das vom Musikverlag Schedler Music organisiert wird, fand vom 13. bis 18. Januar 2018 im österreichischen Lechtal statt. Fünf Tage lang traf sich ein Team von 42 Musikern aus den unterschiedlichsten musikalischen und geografischen Kontexten mit der Aufgabe, mindestens einen Song pro Tag zu komponieren. Romina Kalsi, seit 2014 Mitglied der SUISA, wurde von den Camp- und Summit-Verantwortlichen, Fiona Schedler und Alexander Schedler, als eine von neun Summit-TeilnehmerInnen aus der Schweiz ausgewählt. Weiterlesen
Artikel einklappen

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es etwas dauern. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines verfassten Kommentars. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, die den Nutzungsbedingungen widersprechen, nicht zu veröffentlichen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Zum zweiten Mal führte die SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions ein Songwriting Camp durch. Austragungsort waren wie bei der Premiere vergangenes Jahr die Powerplay Studios in Maur. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung im Juni 2018 teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Text und Video von Manu Leuenberger

Das musikalische Ziel des SUISA Songwriting Camps 2018 war, radiotaugliche Pop-Songs mit Hitparadenpotential zu komponieren, die stilistisch alle Facetten des zeitgemässen Pop – in der Bandbreite von «urban» bis Singer/Songwriter – umfassen konnten. Die eingeladenen Musikerinnen und Musiker komponierten in Teams von drei bis vier Personen innerhalb eines Tages einen Song. Die personelle Besetzung der Gruppen änderte täglich, sodass die Musikerinnen und Musiker immer wieder mit anderen Kollaborationspartnern an neuen Songs arbeiten.

Songwriting…Weiterlesen

Der Schattenmann des Mundartrock

Aus seiner Feder stammten die Schweizer Hits, die vor allem Polo Hofer berühmt machten. Nun ist Hanery Amman im Alter von 65 gestorben. Nachruf von Gastautor Ane Hebeisen

Der Schattenmann des Mundartrock

Hanery Amman, SUISA-Mitglied seit 1976, in einer Aufnahme vom 10. November 2009, fotografiert anlässlich eines SUISA-Mitgliedertreffens in Bern. (Foto: Wolfgang Rudigier)

Wurde Hanery Amman nach seinen Träumen befragt, dann antwortete er stets das Gleiche: Er hoffe, bis zum Ende seines Lebens Musik machen zu können. Und auch wenn dieses Leben nicht immer gerecht zu ihm war und immer wieder neue Katastrophen und Enttäuschungen für ihn bereit hielt, blieb ihm zumindest das vergönnt: Er machte bis zuletzt das, was ihm am liebsten war – er machte Musik.

Es wäre vermessen zu behaupten, dass er dabei eine überdurchschnittliche Produktivität an den Tag gelegt hätte. Dafür hatte er zu sehr mit anderem Ungemach zu kämpfen. Von seinem Output wurde in all den Jahren nur ein kleiner Bruchteil veröffentlicht, weshalb anzunehmen ist, dass da irgendwo in Interlaken noch ein berstend voller Archiv-Schatz an Hanery-Amman-Essays und -Etüden auf seine Entdeckung wartet.

Die Seele von Rumpelstilz

Angebahnt wurde seine Musikkarriere indes schon früh. Er spielte schon in der Schule Banjo und Ukulele. Doch im Singsaal des Schulhauses stand dieses Klavier, das den ganzen Werdegang des Hanspeter «Hanery» Amman in andere Bahnen lenken sollte. Er begann darauf zu spielen und spürte schnell, dass sich damit weit grössere Gefühlsregungen erzielen liessen, als mit nasal klingenden Zupfinstrumenten.

Nach einer Lehre als Feinmechaniker und nach einem Abstecher ins Schauspielfach (überliefert ist eine Rolle als General im Stück «Treffpunk Vietnam» am Zürcher Zimmer-Theater), traf er sich 1971 regelmässig mit seinem alten Nachbarn, einem gewissen Urs «Polo» Hofer, zum Musikmachen. Die beiden lebten mit ihren Eltern längere Zeit im selben Haus in Interlaken, Hofers waren Trauzeugen bei der Hochzeit der Ammans, und der sieben Jahre ältere Polo durfte Klein-Hanery zuweilen im Kinderwagen durch die Nachbarschaft schieben.

Damals ahnte noch niemand, dass die beiden bis an ihr Lebensende miteinander verbunden bleiben sollten – mal enger, mal etwas loser – und schon gar nicht, dass in Interlaken dereinst ein Platz nach den beiden benannt werden würde.

Die Aufgaben an ihrem ersten musikalischen Aufeinandertreffen waren klar verteilt. Hanery Amman schrieb die Musik, Polo Hofer die Texte. Hofer war Verkäufer, Sänger und Kühlerfigur, Amman war die Seele des Projekts und prägte den Sound des Mundartrock 1.0 massgeblich. Als musikalische Blaupause diente Udo Lindenberg, der es geschafft hatte, die deutsche Sprache mit der Musik der Zeit zu verquicken. Ziel war es, so etwas auch in Schweizer Mundart möglich zu machen.

Der erste Schweizer Reggae

Rumpelstilz war eine Band, in der diverseste unterschiedliche Kräfte wüteten. Das Tastenspiel des Hanery Amman war beispielsweise von so divergenten Vorbildern wie Elton John und Chick Corea beeinflusst, man bewunderte den Fusion-Jazz-Saxofonisten Jim Pepper ebenso wie Bob Dylan – und weil der Temporär-Perkussionist und spätere Weltmusik-Guru Res Hassenstein auch mit der karibischen Musik vertraut war, beschloss man, auch den Reggae ins Stilrepertoire aufzunehmen.

In dieser Zeit entstanden die ersten grossen Hits aus der Feder des Hanery Amman: «Teddybär» (offiziell der erste Mundart-Reggae) oder der Sechseinhalbminüter «D Rosmarie und i», dem Amman ein signifikant-perlendes Piano-Intro voranstellte, um im Solo in der Mitte des Stücks auf engstem Raum von Boogie über Blues zum Jazz zu schwenken. Er mochte das Fusionieren.

Hanery Amman bezeichnete die Jahre mit Rumpelstilz später als die prägendsten seiner Karriere. Sie seien eine Multikulti-Band gewesen, zu einer Zeit, in der es den Begriff noch gar nicht gab, erzählte er gerne. Er habe mit den Rumpelstilz seinen Stil und seine Eigenart sowohl als Musiker wie auch als Komponist entwickelt.

Auflösung von Rumpelstilz

Die Rumpelstilz waren zwar höchst erfolgreich, ein Nationalheiligtum waren sie damals beileibe nicht. Gerade in Hanery Ammans Heimatstadt Interlaken wurde der Mann mit den langen blonden Haaren noch nicht als guter Hirte des helvetischen Liedguts angesehen, sondern als einer, der besser einer anständigen Arbeit nachgehen solle.

1979 führten Spannungen zwischen Hanery und Polo zum Bruch und zur Auflösung der Band, wie es halt so geht, wenn zwei harte Berner-Oberländer-Gringe aufeinanderprallen. In einem Interview nach der Trennung erklärte Hanery den Streit folgendermassen: «Wir waren zwei Leithammel in einer Band. Polo Hofer ist der Publikumserfolg irgendwann in den Kopf gestiegen. Das hat der Band geschadet.»

Und auch ums Geld ging es: Trotz der grossen Erfolge sei man finanziell immer klamm gewesen, dafür habe niemand eine gute Erklärung gehabt. Mit ein bisschen Distanz beschrieb er das Verhältnis zu Hofer dann etwas nüchterner: «Wir haben uns gebraucht und ergänzt», im Alter bezeichneten sich die beiden als Freunde.

Ein Hit für die Ewigkeit

Polo Hofer gründete nach der Trennung Polos SchmetterDing, während es Hanery Amman unter eigenem Namen und auf eigene Faust versuchte. 1980 erschien sein in Deutschland produziertes Solo-Album «Burning Fire», die Amtssprache war Englisch, stilistisch frönte er einem munteren Americana-Rock, und in Interviews erklärte er, dass er mit seiner Musik auf Reisen gehen wolle und dass Berndeutsch ohnehin nur bedingt eine Rocksprache sei.

Im Oberland kam das nur bedingt gut an. Dafür spielte er einige Konzerte in Deutschland und Österreich. Daneben komponierte er Filmmusik oder schrieb Lieder für die italienische Schlager-Lady Rita Pavone. Seine Zusammenarbeit mit der deutschen Produktionsfirma kündigte er bald auf, richtete sich in Interlaken ein eigenes Studio ein, gab Konzerte und tat das, was er am liebsten tat: er schrieb Songs.

Einer davon hiess «Kentucky Rose» und wäre womöglich ebenfalls im hauseigenen Archiv verstaubt. Polo Hofer, mittlerweile mit der SchmetterBand unterwegs, stattete den bloss auf einem Demo-Tape festgehaltenen Song mit einem berndeutschen Text aus und landete damit einen der grössten Hits des schweizerischen Musikbinnenmarktes: «Alperose» machte Hofer und Amman unsterblich.

Unter dem bisweilen etwas sturen Oberländer Schädel von Hanery Amman schlug stets ein grosses Herz. Freunde sprechen von einem speziellen, aber höchst liebenswerten Charakter. Stets fallen Attribute wie: direkt, ehrlich, bockig und hochsensibel. Der Mann hatte Humor und liess selbst im grössten Zetern immer wieder seinen Schalk und seine Herzlichkeit aufblitzen.

Was ihm aber gar nicht gefiel, waren musikalische Unkonzentriertheiten: Im Mai 1984 ging er mit der Hanery Amman Band ins Studio, um ein Album einzuspielen. Doch Amman fand das Ergebnis derart schlecht, dass er es nicht veröffentlichen mochte. Der Grund war bald gefunden: Es soll an der Arbeitsweise der Mitmusiker gelegen haben, wie er in einem Interview schimpfte. Die Band habe zu wenig Motivation an den Tag gelegt. Das Ergebnis: Rückzug! Gruppenkonstellation überdenken!

«Chopin des Berner Oberlandes»

Es folgen schwierige Jahre. Hanery Amman erleidet aufgrund einer Operation nach einer Mittelohrenentzündung einen Tinnitus, der ihm das Musizieren lange Zeit fast verunmöglicht. Dennoch spielt er Konzerte, zettelt eine Rumpelstilz-Reunion an und schneidet im Anker Interlaken (er wohnt direkt über dem Konzertsaal) drei Konzerte mit. Das daraus resultierende Tonwerk «Live im Anker» arriviert zu einem der berühmtesten Konzertalben der Schweiz.

Erst im Jahr 2000 erscheint das nächste Solo-Album von Amman. Es heisst «Solitaire», erntet euphorische Kritiken, schafft es aber nicht über Platz 90 der Schweizer Hitparade hinaus. Die Welt hört Manu Chao, Red Hot Chili Peppers oder Britney Spears, Ammans lange zwischengelagerte und sorgfältig ausarrangierte Mundart-Nummern scheinen ein bisschen aus der Mode gefallen zu sein. Und auch die Mediziner haben keine guten Nachrichten für ihn. 2007 wird bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert. Eine Krankheit, die ihm nun, zehn Jahre später – und fünf Monate nach Polo Hofer –, das Leben gekostet hat.

Sein Verhängnis hat er nie beklagt, auch wenn ihm sein Leben «einen Schicksalstätsch nach dem anderen» verpasst habe, wie er kürzlich sagte. Im Gegenteil: Er verspüre viel Dankbarkeit. Hanery Amman war nie einer, der sich gerne in den Vordergrund gedrängt hat. Berühmt gemacht haben seine Lieder Polo Hofer, nicht ihn. Das Showbusiness sei die Welt der Hochstapler und Blender, so seine Diagnose, er habe sich darin nie richtig wohl gefühlt.

Am wohlsten fühlte er sich, wenn er sich an einen Flügel setzen und seinen Fingern beim Spielen zuhören konnte. Er hat das meist in der Nacht getan (öfter auch nackt, wie er einmal verriet) – es war seine Meditation gegen die Launen der Welt. «Wenn dich alles ‹versecklet› , hast du am Schluss noch die Musik», lautete seine Devise.

Hätte man ihm jemanden zur Seite gestellt, der seine Arbeit ein bisschen geordnet, und ihm die immer wieder aufkommenden Selbstzweifel genommen hätte, der Mann, der von Polo Hofer als «Chopin des Berner Oberlandes» bezeichnet wurde, hätte ein weit grösseres Œuvre hinterlassen. Doch mit Beratern hatte es der Interlakner nicht so.

Trotzdem: Was er veröffentlicht hat, ist im Langzeitgedächtnis der Schweizer Mundartmusik abgespeichert. Bis zuletzt arbeitete er an einem Instrumental-Album, von dem er hoffte, dass er es vor seinem Tod noch vollenden könne. Dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung. Hanery Amman starb in der Nacht auf Silvester im Alter von 65 im engsten Familienkreis.

Wie sang er auf seinem Solo-Album «Solitaire» so schön: «U we de meinsch, die Wält göng under, de si d Stärne geng no da». Nun leuchtet da ein Stern mehr am Firmament.

www.haneryamman.ch

Dieser Nachruf von Ane Hebeisen ist in ähnlicher Form Anfang Januar 2018 bei Der Bund und Tages-Anzeiger erschienen.

Artikel einklappen

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es etwas dauern. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines verfassten Kommentars. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, die den Nutzungsbedingungen widersprechen, nicht zu veröffentlichen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Aus seiner Feder stammten die Schweizer Hits, die vor allem Polo Hofer berühmt machten. Nun ist Hanery Amman im Alter von 65 gestorben. Nachruf von Gastautor Ane Hebeisen

Der Schattenmann des Mundartrock

Hanery Amman, SUISA-Mitglied seit 1976, in einer Aufnahme vom 10. November 2009, fotografiert anlässlich eines SUISA-Mitgliedertreffens in Bern. (Foto: Wolfgang Rudigier)

Wurde Hanery Amman nach seinen Träumen befragt, dann antwortete er stets das Gleiche: Er hoffe, bis zum Ende seines Lebens Musik machen zu können. Und auch wenn dieses Leben nicht immer gerecht zu ihm war und immer wieder neue Katastrophen und Enttäuschungen für ihn bereit hielt, blieb ihm zumindest das vergönnt: Er machte bis zuletzt das, was ihm am liebsten war – er machte Musik.

Es wäre vermessen zu behaupten, dass er dabei eine überdurchschnittliche Produktivität an den Tag gelegt hätte. Dafür hatte er zu…Weiterlesen

«Wir wollten einen Song schreiben, der zu uns passt» | mit Video

Mit ihrem Song «Stones» stehen die SUISA-Mitglieder Co und Stee Gfeller, bekannt als ZiBBZ, im Wettbewerb um den Einzug ins Finale des Eurovision Song Contest. Geschrieben haben sie das Stück zusammen mit der kanadischen Songwriterin Laurell Barker am Songwriting Camp von Pele Loriano Productions und der SUISA im August 2017. Im Videobeitrag erzählen die Geschwister mehr über die Entstehung des Songs und weshalb solche Songwriting Camps wichtig sind. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Manu Leuenberger

Co und Stee Gfeller von ZiBBZ pendeln zwischen Los Angeles und der Schweiz. In ihrem musikalischen Labor in L. A. finden oft Songwriting Sessions mit verschiedenen Musikern statt; in der Schweiz fehlte ihnen dieser kreative Austausch bislang: «Es ist megaschön, dass es nun zum ersten Mal auch in der Schweiz ein Songwriting Camp gab», sagt Co Gfeller im Interview.

Bei ihrer Teilnahme am Songwriting Camp in den Powerplay Studios im August 2017 haben die Geschwister an zwei Tagen zwei Songs geschrieben. Mit dem Song «Stones» stehen sie am 4. Februar 2018 an der SRF-Entscheidungsshow im Wettbewerb um den Einzug ins Finale des ESC in Lissabon.

Komponiert haben die Gfellers den Song gemeinsam mit der kanadischen Songwriterin Laurell Barker. Die Zusammenarbeit im Trio erwies sich als äusserst fruchtbar: In nur 30 Minuten sei das Grundgerüst zum Song fertig gewesen, erklären ZiBBZ im Interview. Fast schon «magically» sei es gewesen, wie das Stück an diesem Tag entstanden sei.

www.zibbz.com

Artikel zum Thema
Eurovision Song Contest: Erfolgreiches Schweizer Songwriting Camp von Pele Loriano Productions und der SUISAEurovision Song Contest: Erfolgreiches Schweizer Songwriting Camp von Pele Loriano Productions und der SUISA Das Schweizer Fernsehen SRF hat heute die sechs Songs für das Rennen um den Schweizer Beitrag am Eurovision Song Contest (ESC) 2018 bekannt gegeben. Von den sechs Beiträgen sind vier im Schweizer Songwriting Camp entstanden, das im August 2017 von Pele Loriano Productions und der SUISA in den Powerplay Studios in Maur durchgeführt wurde. Weiterlesen
Lars Christen: «Es war ein grosser Gewinn, am Songwriting Camp teilzunehmen» | mit Video«Es war ein grosser Gewinn, am Songwriting Camp teilzunehmen» | mit Video «Compass» ist einer der sechs Schweizer Finalsongs für den Eurovision Song Contest 2018. Interpretiert wird das Stück von Alejandro Reyes, der den Song zusammen mit der Kanadierin Laurell Barker und dem Schweizer Komponisten und Produzenten Lars Christen komponiert hat. Im Interview mit der SUISA schildert Lars Christen den Songwriting-Prozess. Zudem erzählt er, weshalb das Songwriting Camp für ihn eine wertvolle Erfahrung war. Weiterlesen
Kate Northrop, lyricist: «Du willst immer den bestmöglichen Song schreiben» | mit Video«Du willst immer den bestmöglichen Song schreiben» | mit Video Die Songwriterin Kate Northrop ist hauptsächlich Textautorin und somit eine kreative Schafferin, die gewöhnlich nicht im Rampenlicht steht. Zusammen mit drei weiteren Miturhebern hat das SUISA-Mitglied den Song «Kiss Me», Naemans Beitrag für den Eurovision Song Contest, komponiert. Im Video-Interview erzählt Kate Northrop, wie der Songtext entstanden ist und wieso das Songwriting Camp der SUISA und von Pele Loriano Productions für sie inspirierend war. Weiterlesen
Artikel einklappen

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es etwas dauern. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines verfassten Kommentars. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, die den Nutzungsbedingungen widersprechen, nicht zu veröffentlichen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mit ihrem Song «Stones» stehen die SUISA-Mitglieder Co und Stee Gfeller, bekannt als ZiBBZ, im Wettbewerb um den Einzug ins Finale des Eurovision Song Contest. Geschrieben haben sie das Stück zusammen mit der kanadischen Songwriterin Laurell Barker am Songwriting Camp von Pele Loriano Productions und der SUISA im August 2017. Im Videobeitrag erzählen die Geschwister mehr über die Entstehung des Songs und weshalb solche Songwriting Camps wichtig sind. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Manu Leuenberger

Co und Stee Gfeller von ZiBBZ pendeln zwischen Los Angeles und der Schweiz. In ihrem musikalischen Labor in L. A. finden oft Songwriting Sessions mit verschiedenen Musikern statt; in der Schweiz fehlte ihnen dieser kreative Austausch bislang: «Es ist megaschön, dass es nun zum ersten Mal auch in der Schweiz ein Songwriting Camp gab», sagt Co…Weiterlesen