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Die Lizenzierung von Livestreams durch die SUISA

Mit der Pandemie hat das Livestreaming in den verschiedensten Veranstaltungsbereichen an Bedeutung gewonnen. Dank dieser Technologie ist es möglich, einen Anlass trotz der geltenden Verbote und Einschränkungen mit einem virtuell anwesenden Publikum zu teilen. Dieser Artikel stellt die Lizenzierungspraxis und die Konditionen für Livestreams vor, wie sie die SUISA anwendet. Text von Martin Korrodi

Die Lizenzierung von Livestreams durch die SUISA

Das Konzert in der Wohnstube: Veranstalterinnen und Veranstalter, die einen Event mit Musik in Echtzeit im Internet übertragen, müssen den Livestream bei der SUISA anmelden und lizenzieren. (Foto: Scharfsinn / Shutterstock.com)

Während der Coronavirus-Pandemie wurden Tanz- und Fitnesslektionen, Gottesdienste, Generalversammlungen und zunehmend auch Konzerte ins Internet verlagert und als Livestream durchgeführt, um den untersagten Live-Anlass zu ersetzen. Im Oktober 2020 soll in ein virtuelles Konzert der südkoreanischen Boygroup BTS 44 Millionen Dollar eingebracht und weltweit über 900 000 Fans angezogen haben.

Diese Online-Events sind regelmässig Diskussionsthema in den Medien, ebenso unter Musikschaffenden und natürlich bei den Veranstalterinnen und Veranstaltern, die solche Livestreamings anbieten. Dabei geht es oft auch um die Frage, zu welchen Konditionen die dazu erforderlichen Rechte lizenziert werden sollen.

Was ist ein Livestream?

Von einem Livestream wird dann gesprochen, wenn ein Einzelereignis in Echtzeit im Internet übertragen wird. Das Publikum kann sich also zum Startzeitpunkt des Events in den Stream einwählen und dabei das Ereignis live mitverfolgen – entweder gratis oder gegen ein Entgelt. Abzugrenzen ist der Livestream zum einen von Angeboten on demand, bei welchen das Publikum den Inhalt zu einem frei wählbaren Zeitpunkt abrufen kann. Zum anderen handelt es sich beim Livestream nicht um eine Sendung – bei dieser werden Inhalte zwar ebenfalls in Echtzeit übertragen, jedoch sind es dort nicht Einzelereignisse, sondern Programme mit einer Folge von Sendungen. Eine Lizenzierung als Livestream ist also immer dann erforderlich, wenn ein gefilmtes Einzelereignis simultan im Internet gestreamt wird und das Publikum den Zeitpunkt für den Zugang nicht selber bestimmen kann.

Die Lizenzbedingungen für Livestreams richten sich nach den Aufführungstarifen

Da es sich bei den gestreamten Ereignissen regelmässig um Anlässe handelt, die ebenso gut live mit anwesendem Publikum stattfinden könnten oder als Ersatz für diese durchgeführt werden, orientieren sich die Lizenzbedingungen an den Konditionen der korrespondierenden Aufführungstarife. So werden etwa bei einem gestreamten Konzert die gleichen Prozentsätze angewendet, wie sie auch in einem Konzert mit physisch anwesendem Publikum im Rahmen des Gemeinsamen Tarifs K (GT K) zur Anwendung gelangen. Dieses Vorgehen in Analogie zu den Aufführungstarifen stellt sicher, dass virtuelle und physische Konzertveranstalter gleich behandelt werden, da ihre Events dazu tendieren, sich gegenseitig zu ersetzen.

Die Lizenzbedingungen unterscheiden die Kategorien Konzerte, DJ-Sets, Shows & Ballettaufführungen sowie Theaterstücke. Dabei wird jeweils der entsprechende Prozentsatz auf die Einnahmen oder die Kosten berechnet, wie das auch in den Aufführungstarifen vorgesehen ist (GT K und GT Hb). Auch die proportionale Anpassung des Prozentsatzes an die Dauer der Verwendung von geschützter Musik wird genau gleich wie in den Aufführungstarifen vorgenommen (sogenannte Pro rata temporis-Regel). Zusätzlich zu diesen Kategorien werden weitere Eventarten wie Sportanlässe, Abendunterhaltungen, Tagungen, Gottesdienste, Veranstaltungen in Heimen und Spitälern usw. in der Kategorie andere Anlässe zusammengefasst – für diese gilt ein pauschaler Prozentsatz von 2% der Bruttoeinnahmen oder -kosten.

Sind die Einnahmen tiefer als die Kosten oder werden keine Einnahmen erzielt, so werden die Prozentsätze auf die Kosten angewendet. Wie auch bei den Aufführungstarifen wird hier auf die musikrelevanten Bruttokosten abgestellt, welche sich aus den folgenden Positionen zusammensetzen: Gagen und Spesen der Musikerinnen und Musiker, Miete von Tontechnik und Übertragungsequipment (Mikrophone, Mischpult, Kamera etc.), Instrumentenmieten sowie Saalmieten.

Anlässe mit Publikum, welche zusätzlich gestreamt werden

Es kommt häufig vor, dass eine Liveveranstaltung vor Ort mit einem verkleinerten Publikum stattfinden kann und gleichzeitig auch noch als Livestream im Internet verbreitet wird, um die Reichweite zu vergrössern. In diesen Fällen benötigt der Veranstalter oder die Veranstalterin eine «normale» Lizenz für die Aufführungsrechte und zusätzlich eine Lizenz für den Livestream. In der Regel führt das dazu, dass wir neben der Rechnung gemäss Aufführungstarif zusätzlich noch die Mindestentschädigung für den Livestream von 40 Franken verrechnen, da die Einnahmen bzw. Kosten des Events bereits bei der Lizenzierung der Aufführung voll berücksichtigt werden. Etwas anderes gilt nur dann, wenn für den Livestream separate Einnahmen generiert werden – dann wird die Lizenz für den Stream auf Basis dieser Einnahmen berechnet.

Abruf von Streams nach dem Live-Event

Viele Veranstalter/-innen von Livestreams stellen Aufzeichnungen der Streams nach dem Live-Event für eine bestimmte Zeit im Netz zum Abruf bereit – so können Interessierte, welche den offiziellen Termin verpasst haben, zu einem späteren Zeitpunkt auf die Inhalte zugreifen. Sofern der effektive Livestream korrekt angemeldet und lizenziert wird, erlaubt die SUISA die anschliessende Einspeicherung des Livestreams zum weiteren Abruf gegen eine Pauschale von 100 Franken für Konzerte und DJ-Sets – für alle anderen Kategorien beträgt die Pauschale 50 Franken.

Welche Rechte sind von der Lizenz erfasst?

Wenn sich die Veranstalterin oder der Veranstalter in der Schweiz oder Liechtenstein befindet und sich die Streams im Wesentlichen an ein lokales Publikum (Schweiz und Liechtenstein) richten, so kann die SUISA im Bereich der Urheberrechte das Weltrepertoire vergeben. Handelt es sich um einen internationalen Veranstalter, welcher seine Streams unter anderem an das Publikum in der Schweiz und Liechtenstein richtet, so können wir für die Nutzungen in unserem Territorium ebenfalls das Weltrepertoire vergeben, basieren die Berechnung der Lizenz jedoch nur auf dem Umsatz, welcher in der Schweiz und Liechtenstein erzielt wird.

Im Bereich der Livestreams verfügt die SUISA lediglich über die Urheberrechte an der Musik. Alle anderen allfällig betroffenen Rechte wie z. B. verwandte Schutzrechte oder Synchronisationsrechte sind mit den entsprechenden Rechteinhaberinnen und -inhabern abzuklären.

Livestreams mit Musik müssen bei der SUISA angemeldet werden

Die Lizenzbedingungen, das Anmeldeformular und weiterführende Informationen zu Livestreams finden Sie auf unserer Website:
www.suisa.ch/de/kunden/online/video/livestreams.html

Für eine vollständige Anmeldung sind folgende Angaben notwendig:

  • Kontaktangaben des Kunden/der Kundin
  • Kategorie des Livestreams
  • Angaben zum Stream: Titel, Dauer, Datum, URL der Webseite, Anzahl Views
  • Gesamteinnahmen
  • Kosten (brutto)
  • Findet eine anschliessende Einspeicherung zum späteren Abruf statt? (ja/nein)
  • Liste der Musikwerke, welche im Livestream enthalten sind

Eine Lizenz ist auch dann erforderlich, wenn der Stream über eine externe Plattform abgewickelt und auf der eigenen Webseite eingebettet wird (z. B. Facebook Live, Instagram Live, Youtube Live oder Twitch).

Allfällige Ausnahmeregelungen im Bereich der Livestreams, welche aufgrund der Massnahmen des Bundes zur Bekämpfung der Corona-Pandemie temporär gelten, sind jeweils aktuell auf unserer Webseite publiziert:
www.suisa.ch/de/suisa/massnahmen-der-suisa-bezueglich-der-corona-pandemie/informationen-fuer-kunden.html

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Verhandeln in Zeiten von Corona … und im Angesicht von Covid-19

Verhandeln gehört zu den Aufgaben der SUISA. Beim Aushandeln von Tarifen und Verträgen muss die SUISA die Interessen ihrer Mitglieder vertreten, Verständnis für deren legitime Forderungen wecken und schliesslich die bestmöglichen Bedingungen für das Musikschaffen erwirken. Dies geschieht mit Diskussionen und Kompromissen – das ganze Vorgehen beruht also auf menschlichen Beziehungen. Doch seit diesem Frühjahr hat sich ein unerwarteter Gast an den Verhandlungstisch gedrängt: Covid-19. Von Vincent Salvadé, Deputy CEO

Verhandeln in Zeiten von Corona … und im Angesicht von Covid-19

Die Tarife, die jetzt während der Corona-Krise verhandelt werden, gelten für bessere Zeiten, in denen die Musik hoffentlich wieder spielt. (Foto: Tabea Hüberli & Dirk Hoogendoorn)

Die Dynamik hat sich angesichts des Coronavirus verändert. Die Diskussionen werden heute meistens per Videokonferenz geführt. Das heisst, zwischen den Menschen stehen Bildschirme. Unter diesen Voraussetzungen ist es schwieriger, die nonverbalen Reaktionen auf einen Vorschlag wahrzunehmen, und auch manchmal schwieriger, den Partner oder die Partnerin zu verstehen. Anpassung ist angesagt … und man sehnt sich nach den Zeiten zurück, als Vereinbarungen per Handschlag besiegelt werden konnten.

Eine Krise kann dazu führen, dass Positionen zementiert werden. Die Wirtschaft wird beeinträchtigt, es gibt keine Grossveranstaltungen mehr, und auf Einschränkungen folgen Lockerungen, dann wieder Einschränkungen. Das Einkommen der Künstlerinnen, Künstler und Kreativschaffenden befindet sich im freien Fall. Unter solchen Voraussetzungen ist es schwieriger, Zugeständnisse zu machen und Kompromisse zu finden. Letztlich ist jeder darum bemüht, das Wenige, das ihm noch bleibt, zu verteidigen.

Welche Strategie soll die SUISA unter diesen Umständen verfolgen?

Zunächst sei festgehalten, dass gewisse Bereiche weniger von der Krise betroffen sind als andere. Das Online-Angebot kommt nicht zu kurz, denn auch wenn man zögert, ins Kino zu gehen – oder eben gar nicht gehen kann –, dann schaut man sich die Filme über Video-on-Demand an. Auch der Konsum von Musik über Streaming-Plattformen läuft gut. Die SUISA sollte daher zuerst in diesen Bereichen gute Bedingungen für ihre Mitglieder aushandeln. Denn die Mitglieder der SUISA haben ihrerseits mit den Folgen der Krise besonders stark zu kämpfen.

«Es liegt an uns, die Zukunft zu planen und heute in der Gegenwart eine faire Anwendung der Rechtsgrundsätze zugunsten unserer Mitglieder zu verfechten.»

Doch wir dürfen nicht in eine Falle tappen. Ein Rückgang der Einnahmen bei den Musikanbieterinnen und -anbietern hat in vielen Bereichen automatisch negative Folgen für die Urheberinnen und Urheber: Die Vergütungen werden nämlich als Prozentsatz des bei der Nutzung erwirtschafteten Umsatzes berechnet. Daher sollte die Krise von den Nutzerinnen und Nutzer nicht als Gelegenheit ausgenützt werden, um von der SUISA günstigere Bedingungen zu erwirken. Denn dann würden die Urheber doppelt verlieren: einmal, weil der Vergütungsbetrag wegen dem Einnahmenrückgang tiefer ist, und ein zweites Mal, weil die Konditionen schlechter sind als vorher. Wir mussten unsere Partnerinnen und Partner gelegentlich bereits daran erinnern.

Doch Tatsache ist: Der «Live»-Sektor kämpft ums Überleben. In diesem Frühjahr setzten wir gewisse Verhandlungen aus, in der Hoffnung, sie bei schönerem Wetter wieder aufzunehmen. Eine Zeit lang war es mild, nun nimmt die Bewölkung wieder zu. Und Tarifverfahren brauchen Zeit. Ende 2020 müssen wir Tarife aushandeln, die erst 2022 in Kraft treten, wenn wir die Krise überwunden haben werden (zumindest wagen wir das zu hoffen …). So liegt es an uns, die Zukunft zu planen und heute in der Gegenwart eine faire Anwendung der Rechtsgrundsätze zugunsten unserer Mitglieder zu verfechten. Es ist sicher nicht leicht, wenn unsere Verhandlungspartnerinnen und -partner Einbussen erleiden, doch die Verantwortung für eine bessere Zukunft liegt bei uns.

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Die Praxis der Online-Lizenzierung verlangt frühzeitiges Anmelden der Werke

Der Online-Musikvertrieb eröffnet aus verkäuferischer Sicht enorme Möglichkeiten. Mit wenig Aufwand kann Musik innert Kürze einem weltweiten Publikum zugänglich gemacht werden. Dagegen ist die Abrechnung der Urheberrechtsvergütungen für Online-Nutzungen komplex, auch weil die Prozesse anders sind als bei Aufführungs- oder Senderechten. Der wichtigste Ratschlag lautet: Zuerst das Werk möglichst frühzeitig bei der SUISA anmelden, erst dann online veröffentlichen. Text von Andreas Wegelin und Manu Leuenberger

Die Praxis der Online-Lizenzierung verlangt frühzeitiges Anmelden der Werke

Wer seine Musik über Online-Musikanbieter vertreibt, geht mit Vorteil nach folgendem Merksatz vor: Zuerst das Werk bei der SUISA anmelden, erst dann online veröffentlichen. (Foto: Anutr Yossundara / Shutterstock.com)

Im Internet macht der Handel vor Landesgrenzen keinen Halt. Insbesondere dann, wenn die Güter nicht physisch sondern rein digital vom Anbieter zum Kunden transportiert werden können – wie es bei Musik der Fall ist. Ein Online-Musikanbieter wie zum Beispiel Apple Music, Spotify oder Youtube bringt seine Produkte per Streaming oder Download auf direktem Weg zum Publikum: Zwischen der Plattform im Internet und den Abspielgeräten der Hörerinnen und Hörer passiert das Musikprodukt weder einen Zoll noch gibt es einen Zwischenhändler (vom Telekommunikationsanbieter des Internetzugangs einmal abgesehen).

Entscheidend an dieser Handelskette ist: Im Online-Musikvertrieb sind Gebietsbeschränkungen nicht nur für die Konsumentinnen und Konsumenten sondern auch bei der Lizenzierung der Urheberrechte weitgehend aufgehoben worden. Der Abrechnungsprozess unterscheidet sich grundlegend von der bisherigen Praxis im «Offline-Bereich», also bei Aufführungs- oder Senderechten oder bei der Lizenzierung von Tonträgern. Im Offline-Bereich lizenziert die SUISA nur das Territorium Schweiz und Fürstentum Liechtenstein, dafür aber für alle verwendeten Werke, auch jene von Mitgliedern unserer Schwestergesellschaften im Ausland. Durch Gegenseitigkeitsverträge kann sichergestellt werden, dass die Mitglieder der anderen Schwestergesellschaften den Anteil an in der Schweiz genutzten Werken erhalten. Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt: Wenn Werke von SUISA-Mitgliedern im Ausland aufgeführt werden, fordert die für das Gebiet verantwortliche Schwestergesellschaft die Vergütungen ein und leitet diese an die SUISA zur Verteilung an die Bezugsberechtigten weiter.

Im Online-Bereich funktioniert das anders. Diese andere Praxis hat sich etabliert seit der Empfehlung der EU-Wettbewerbskommission aus dem Jahr 2006, wonach bei der Verwertung von Urheberrechten online mehr Wettbewerb entstehen soll. Eine entsprechende EU-Richtlinie, die vor fünf Jahren beschlossen wurde, besagt, dass jeder Rechteinhaber für seine Online-Lizenzen wählen kann, ob er sie selbst vergeben möchte oder einen Partner wie eine Verwertungsgesellschaft seiner Wahl beauftragen will, diese europaweit (sogenannt paneuropäisch) wahrzunehmen.

SUISA seit 2012 mit Direktlizenzierung im Online-Bereich

Die grossen Musikverlage lassen schon seit 10 Jahren ihre Anteile an Werken grenzüberschreitend wahrnehmen. Diese Art der Lizenzierung wird Direktlizenzierung genannt. Konkret rechnen hierbei die Rechteinhaber, also die Verlage oder die Verwertungsgesellschaften, mit den «Digital Service Provider» (kurz: DSP) wie Apple Music, Spotify oder Youtube die Vergütungen für ihr Repertoire grenzüberschreitend direkt ab. Das bedeutet: Wenn Werke von SUISA-Mitgliedern auf den Plattformen der Online-Musikanbieter von Nutzern im Ausland angehört werden, fordert die SUISA die Vergütungen für diese Nutzungen direkt beim Anbieter ein. Zwischen dem Digital Service Provider und der SUISA gibt es also keinen «Zwischenhändler» mehr, wie er im herkömmlichen Offline-Bereich in Form der ausländischen Schwestergesellschaften vorhanden ist.

Viele Gesellschaften in Europa sind bereits übergegangen zu dieser Praxis der Direktlizenzierung der Werke ihrer Mitglieder weltweit. Die SUISA lizenziert seit 2012 bei einer stetig steigenden Zahl von Online-Musikanbietern die Rechte ihrer Mitglieder nicht nur für die Schweiz sondern grenzüberschreitend für weitere Territorien. Am Anfang waren das die europäischen Länder, seit 2018 kommen immer mehr Territorien auch ausserhalb Europas dazu. Mittlerweile vergibt die SUISA in der Regel weltweite Lizenzen an die DSP, mit den folgenden Ausnahmen: USA, Kanada, Südamerika, Nordkorea, Südkorea, Japan, Syrien und Australasien. Es ist aber geplant, in Zukunft auch in diese Territorien zu expandieren.

Direktlizenzierung hat in der Praxis zur Folge, dass die SUISA nur noch Lizenzrechnungen stellen kann für Werke, bei welchen sie die Dokumentation hat, da es jetzt auf die einzelnen Werkanteile ankommt, nicht mehr allein nur auf die Tatsache, dass eine Urheberin oder ein Urheber Mitglied der SUISA ist.

Trotzdem kommt es häufig vor, dass die Digital Service Provider von mehreren Gesellschaften Rechnung bekommen für Anteile am selben Werk, die am Ende zu sogenannten «overclaims» oder «underclaims» führen. Solche Über- oder Unter-(Rechts-)Ansprüche können entstehen, wenn zwischen den rechnungsstellenden Gesellschaften nicht klar ist, wer in welchen Territorium für welche Anteile an einem Werk die Vergütungen für ihre Auftraggeber beanspruchen kann. Auch kommt es zu «no claims», wenn gar keine Gesellschaft Rechnung stellt.

Das hat dazu geführt, dass die Anbieter den Rechteinhabern bei «overclaims» mehr als die vereinbarte Vergütung auszahlten, bei «underclaims» oder «no claims» zu wenig oder gar nichts. Es gibt auch Service Provider, die bei «overclaims» die Zahlung zurückhalten. Wenn also die Ansprüche aller rechnungsstellenden Gesellschaften für ein Werk zusammengerechnet über 100% ergeben, wird keine Vergütung entrichtet, solange nicht definiert ist, wer tatsächlich welchen Anteil fakturieren darf.

Abrechnungsprozess mit Online-Musikanbietern

Eine Arbeitsgruppe der Verwertungsgesellschaften, der Major-Verlage und der wichtigsten Online-Musikanbieter hat sich dem Problem angenommen und folgende Lösung vereinbart:

Die Rechnungsstellung gegenüber einem DSP läuft über mehrere Stufen. Die Verwertungsgesellschaft erhält vom Digital Service Provider die Nutzungsdaten zur Verfügung gestellt. Anhand dieser Nutzungsmeldungen, die jeweils eine Zeitperiode von einem oder drei Monate umfassen, wird dem Anbieter Rechnung gestellt für alle Werkanteile an Titeln, für welche die Gesellschaft die Nutzungsrechte eines Urhebers oder Verlegers hält. Stimmen die gestellten Rechnungen der verschiedenen Verwertungsgesellschaften bei einem Werktitel nicht überein, entstehen sogenannte «Disputes».

Die Gesellschaften haben 18 Monate Zeit, solche Anspruchskonflikte zu bereinigen. Innerhalb dieser Frist überprüft die SUISA die Daten der Nutzungsmeldungen ein weiteres Mal und vergleicht diese mit der aktualisierten SUISA-Werk-Dokumentation. Wenn bei diesem Suchlauf entsprechende neue Einträge zutage kommen, werden diese nachträglich in Rechnung gestellt. Was nach 18 Monaten nicht bereinigt ist, fällt in die sogenannten «Residuals»; das ist das Lizenzentgelt für Werkanteile, die nicht oder nicht vollständig in Rechnung gestellt wurden («underclaims» und «no claims»).

Die «Residuals», diese bei den DSP nicht beanspruchten Vergütungen aus «underclaims» und «no claims», werden von der SUISA als Zuschlag auf die in derselben Abrechnungsperiode genutzten Werke verteilt. Ein Werk, das nicht angemeldet war, konnte damit auch keinen Zuschlag erhalten.

Zuerst Werk anmelden, erst dann online veröffentlichen

Der wichtigste Ratschlag für SUISA-Mitglieder, die ihre Kompositionen über den Online-Musikvertrieb zugänglich machen, lautet: Zuerst das Werk möglichst frühzeitig bei der SUISA anmelden, erst dann die Veröffentlichung online vornehmen!

Wer nach diesem Merksatz vorgeht, schafft die Grundlage dafür, dass bei Online-Nutzungsmeldungen die Werke von Anfang an erkannt und den Digital Service Provider in Rechnung gestellt werden können. Der Abrechnungsprozess mit den Online-Musikanbietern kennt Fristen und die Aufmerksamkeit des Publikums im Internet ist häufig rasch verflogen. Bei zu später Registrierung von Werken besteht die Gefahr, dass dadurch Nutzungen nicht erfasst und Vergütungen nicht zugewiesen werden können.

Wenn die Werkanmeldung vor dem Erscheinen der ersten Aufnahme des Werks zum Streamen oder Downloaden erfolgt, kann die SUISA bereits von Beginn an bei den Digital Service Provider die Werkanteile geltend machen. Die Metadaten der Werkanmeldung sollten der einfachen automatischen Identifikation wegen genau gleich lauten, wie die Daten, welche dem DSP zu dem Werk vorliegen.

Metadaten sind zusätzliche Angaben und Informationen, die andere Daten genauer beschreiben. Dank solchen Zusatzangaben können bei Suchläufen durch grosse Datenmengen einzelne Elemente daraus besser bestimmt und somit gefunden werden. Zu einem musikalischen Werktitel gehören neben den üblichen Angaben zu Komponist, Textautor, Verlag etc. idealerweise auch die Informationen über den oder die Interpreten sowie allenfalls vorhandene alternative Werktitel von anderen Sprachfassungen als auch Remix-/Edit-Versionen, also zum Beispiel: «Songtitel – Radio Edit» oder «Songtitel – Extended Version». Vollständige und korrekte Metadaten sind von grossem Vorteil, wenn es darum geht, beim maschinellen Abgleich der Nutzungsmeldungen mit der Werkdatenbank eine Übereinstimmung zu finden.

Diese Voraussetzungen sind entscheidend, damit ein Werk in allen von der SUISA direkt lizenzierten Gebieten und bei allen von der SUISA direkt lizenzierten Online-Musikanbietern korrekt abgerechnet werden kann.

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  1. Claire Chalut sagt:

    Vous ne parlez que de „Apple Music“, „Spotify“ et „Youtube“ (cette dernière plateforme touche surtout la VIDEO et quid ? de „Soundcloud“ (destinée à l’audio). Qu’en est-il avec „Soundcloud“ ? (qui est beaucoup utilisé), avez-vous des relations avec eux ??? ET, comment ?? Merci de votre réponse.

    Autre remarque (qui n’a rien à voir avec cet article) : comment se fait-il que l’on ne retrouve pas les oeuvres déposées dans votre banque de données (souvent il est réponde „inconnu“ ou „pas trouvé“, etc.

    C. Chalout

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«Die Krise fühlt sich für mich ein wenig wie ein Aufenthalt in einer Entzugsklinik an»

Während der Corona-Krise bietet die SUISA einigen Mitgliedern im Rahmen des Projekts «Music for Tomorrow» eine Plattform, auf der sie über ihr Schaffen und ihre Herausforderungen in dieser Zeit berichten. Dieses Mal erzählt die Walliser Musikerin und Songwriterin Tanya Barany, warum sie hofft, dass die Menschen in dieser Krise ihr Bewusstsein für Dinge wie Fürsorge, Wertschätzung, Solidarität oder Reflexion geschärft haben und performt exklusiv ihren Song «Cotton Clouds». Text von Giorgio Tebaldi; Video von Tanya Barany, ergänzt von Nina Müller

«Dunkel wie mein britischer Humor, aber mit einem Hauch frischer Bergluft», so beschreibt Tanya Barany ihren «Dark Pop». Geboren und aufgewachsen im Oberwallis, hat Tanja Zimmermann, wie sie bürgerlich heisst, schon früh zur Musik gefunden: «Ich singe, tanze und performe schon mein Leben lang. Die Bühnen sind einfach mit der Zeit etwas grösser geworden», sagt sie im schriftlichen Interview. «Was zu Beginn mein Bett war, ist zu einer Open-Air-Gampel-Bühne mutiert.» Ihre musikalische Karriere begann mit ihrem ersten Solo-Auftritt mit Gitarre an einer Kinderhitparade im Alter von 11 Jahren. Mit 14 gründete sie das Girl-Power-Trio Labyrinthzero, mit dem sie ihre erste EP mit Eigenkompositionen herausbrachte und über 150 Konzerte im In- und Ausland spielte.

Das musikalische Zuhause gefunden

Massgebend für ihre musikalische Karriere war die Begegnung mit Jonas Ruppen, der als Keyboarder in ihrer Band spielt und die Videos erstellt: «Er hat mir die Welt von Radiohead, James Blake usw. gezeigt – und plötzlich hatte ich mein musikalisches Zuhause gefunden!» Die beiden spielen seit nunmehr zehn Jahren zusammen Musik und und arbeiten gemeinsam am Gesamtkonzept von «Tanya Barany» – Tanya als Songwriterin und Jonas als Videoproduzent.

Ihre musikalische Ausbildung begann sie 2014 mit dem Musikstudium an der Zürcher Hochschule der Künste, wo sie von tollen Dozentinnen und Dozenten habe profitieren können. «Gleichzeitig erlernte ich auch den Umgang mit dem Aufnahmeprogramm LogicX, was mein Songwriting in eine ganz andere Richtung lenkte – mein ‹Dark Pop› erblickte das Licht der Welt!»

Das Debütalbum «Lights Disappear»

2019 erschien Tanya Baranys Debütalbum «Lights Disappear». Es folgten mehrere Auftritte auf Bühnen im In- und Ausland, z. B. Gampel Openair, Zermatt Unplugged, Swiss Live Talents oder am Blue Balls Festival.

Nebst ihrem Projekt Tanya Barany ist sie hauptberuflich als Studiosängerin und -musikerin, Songwriterin, Texterin und Vocal Coach tätig.

«Cotton Clouds»

Für «Music for Tomorrow» hat Tanya Barany den Song «Cotton Clouds» performt und aufgenommen. Zum Stück sagt sie: «‹Cotton Clouds› beschreibt das Gefühl des Eintauchens in Wasser, wo plötzlich alles herum stumm wird; wo plötzlich eine andere Welt zum Vorschein kommt. Die Wasserwände sind einerseits bedrückend (schon fast erdrückend), andererseits erinnern sie an die Geborgenheit einer Umarmung. ‹Cotton Clouds› ist mein unveröffentlichter ‹Hidden Track›. Wie meine Songs des Albums ‹Lights Disappear› ist ‹Cotton Clouds› aus meiner dunklen Herzensecke herausgewachsen, jedoch fand der Track keinen Platz auf dem Album. Ich hatte ‹Cotton Clouds› damals am Piano komponiert; Klavier spiele ich eigentlich am liebsten alleine für mich, ohne dass mir jemand zuhört. ‹Cotton Clouds› habe ich für ‹Music for Tomorrow› ausgewählt, weil ich die Zuhörer somit in meine kleine Stube einladen und euch auf eine kleine, persönliche Reise mitnehmen möchte … :-)»

Tanya Barany, wie sieht dein Arbeitsalltag als Komponistin und Textautorin während der Corona-Pandemie aus?
Tanya Barany: Momentan habe ich mehr Zeit, meine Liederideen zu fertigen Songs umzuwandeln. Deshalb versuche ich, so viel Output wie möglich zu generieren – nicht nur für mich als Tanya Barany, sondern auch als Ghostwriterin für andere Künstlerinnen und Künstler. Mein Partner, David Friedli – auch Musiker und Komponist –, und ich schreiben oft zusammen. Dabei bewegen wir uns in allen möglichen Stilrichtungen – von Folk zu Rock zu Schlager zu Electro Pop zu Soul usw. – das macht echt Spass!

Was bedeutet diese Krise für dich persönlich?
Die Krise fühlt sich für mich ein wenig wie ein Aufenthalt in einer Entzugsklinik an. Ich will eigentlich gar nicht dort sein – ich vermisse das Live-Performen, das Kulturleben und sogar das Vorausplanen – wer hätte das gedacht – und kann es kaum erwarten, wenn wieder Normalität eingekehrt.
Andererseits bringt diese Krise auch etwas Wertvolles mit sich: Zeit! Die Welt scheint sich einfach etwas langsamer zu drehen. Dabei darf ich mich plötzlich auf irgendwelche Dinge konzentrieren, die nicht unbedingt auf meiner Must-to-do-Liste sind sondern auf der Nice-to-do-Liste – das tut unglaublich gut! Diese geschenkte Zeit hat «Reboot» ermöglicht, nun fühle ich mich viel energievoller und kreativer als vor der Krise.

Wie kann dich das Publikum im Moment unterstützen?
Mein Publikum kann mich am besten unterstützen, indem es allen Freunden und Verwandten von meiner Musik erzählt und ihnen sagt, dass sie uuuunbedingt die «Lights Disappear»-CD kaufen sollen! :-) Dunkle Songs helfen durch dunkle Zeiten … :-)

Hilft es dir, wenn Leute auf Spotify und Co deine Musik mehr streamen?
Bei der Auswahl von Live-Acts schauen die Veranstalterinnen und Veranstalter u. a. auf die Anzahl «Listens» auf Spotify, Youtube usw. Deshalb ist es sicher von Vorteil, wenn meine Musik auf diesen Plattformen regelmässig gestreamt wird. Es ist auch schön zu sehen, dass meine Songs sogar am anderen Ende der Welt gehört werden! Um mich als Künstlerin aber direkt zu unterstützen, bin ich immer sehr dankbar um gekaufte Musik auf iTunes usw. oder direkt an Konzerten.

Was könnte deiner Meinung nach die momentane Situation an Positives mit sich bringen?
Ich hoffe sehr, dass das Bewusstsein der Menschen etwas geschärft wird – und zwar auf allen Ebenen! Ein bisschen mehr Fürsorge, Wertschätzung, Solidarität, Reflexion – das würde uns allen gut tun!

Was möchtest du deinen Fans mit auf den Weg geben?
Liebe Fans, zwar scheint es momentan ruhiger um Tanya Barany zu sein, jedoch arbeite ich fleissig im Hintergrund an einem neuen Konzept, damit es danach umso mehr kracht – also geniesst die Ruhe vor dem Sturm! :-) Ich freue mich jetzt schon, euch neue Songs präsentieren zu können! Danke für eure bisherige Unterstützung! Take care <3

www.tanyabarany.ch

«Music for Tomorrow»
Die Covid19-Krise trifft die Mitglieder der SUISA besonders hart. Die Haupteinnahmequelle vieler Komponistinnen, Komponisten, Verlegerinnen und Verleger fällt komplett weg: Auftritte jeglicher Art sind bis auf Weiteres vom Bund verboten worden. In den nächsten Wochen porträtieren wir auf dem SUISAblog einige unserer Mitglieder. Sie erzählen uns, was sie während der Covid19-Krise bewegt, was ihre Herausforderungen sind und wie ihr Arbeitsalltag derzeit aussieht. Die Musikerinnen und Musiker haben zudem für den SUISAblog zu Hause oder in ihrem Studio eine Eigenkomposition performt und gefilmt. Die SUISA bezahlt den Musikerinnen und Musikern für diese Aktion eine Gage.
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Informationen zu Livestreams für SUISA-MitgliederInformationen zu Livestreams für SUISA-Mitglieder Die Corona-Massnahmen führten für die Musikschaffenden zu einem Ausfall von Auftritts- und Verdienstmöglichkeiten und für die Musikkonsumenten zu einem schmerzvollen Verlust von Live-Musik. Livestreaming erfreut sich deshalb gerade in diesen Zeiten grosser Beliebtheit und übernimmt eine relevante Rolle im Kulturbetrieb. Weiterlesen
Kety Fusco: «Diese Situation wird alle – Musiker, Techniker, Insider – auf die Probe stellen»«Diese Situation wird alle – Musiker, Techniker, Insider – auf die Probe stellen» Mit dem Projekt «Music for Tomorrow» möchte die SUISA ihre Mitglieder in dieser schwierigen Zeit unterstützen. Wir bieten den Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform, auf der sie über ihre aktuelle Situation im Lockdown erzählen und eines ihrer Werke vorstellen dürfen. Den Auftakt macht die Tessiner Komponistin und Harfenistin Kety Fusco. Im schriftlichen Interview spricht sie über ihren Alltag im Lockdown und warum sich bei ihr eigentlich gar nicht so viel geändert hat. Weiterlesen
Warum Mitglieder der SUISA auch einen Beitritt zu SWISSPERFORM in Betracht ziehen solltenWarum Mitglieder der SUISA auch einen Beitritt zu SWISSPERFORM in Betracht ziehen sollten Komponisten und Texter mit einer Mitgliedschaft bei der SUISA, die auch als Interpreten und/oder Produzenten aktiv sind und deren Darbietungen von Schweizer oder ausländischen Radio- und TV-Stationen ausgestrahlt werden, haben ein Recht auf Lizenzgebühren von SWISSPERFORM. Für all diese Urheber-Komponisten-Interpreten/Produzenten ist eine Mitgliedschaft bei SWISSPERFORM deshalb eine notwendige Ergänzung zu derjenigen bei der SUISA, um ihre Rechte und die volle Vergütung, die ihnen zusteht, zu sichern. Weiterlesen
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Während der Corona-Krise bietet die SUISA einigen Mitgliedern im Rahmen des Projekts «Music for Tomorrow» eine Plattform, auf der sie über ihr Schaffen und ihre Herausforderungen in dieser Zeit berichten. Dieses Mal erzählt die Walliser Musikerin und Songwriterin Tanya Barany, warum sie hofft, dass die Menschen in dieser Krise ihr Bewusstsein für Dinge wie Fürsorge, Wertschätzung, Solidarität oder Reflexion geschärft haben und performt exklusiv ihren Song «Cotton Clouds». Text von Giorgio Tebaldi; Video von Tanya Barany, ergänzt von Nina Müller

«Dunkel wie mein britischer Humor, aber mit einem Hauch frischer Bergluft», so beschreibt Tanya Barany ihren «Dark Pop». Geboren und aufgewachsen im Oberwallis, hat Tanja Zimmermann, wie sie bürgerlich heisst, schon früh zur Musik gefunden: «Ich singe, tanze und performe schon mein Leben lang. Die Bühnen sind einfach mit der Zeit etwas…Weiterlesen

Informationen zu Livestreams für SUISA-Mitglieder

Die Corona-Massnahmen führten für die Musikschaffenden zu einem Ausfall von Auftritts- und Verdienstmöglichkeiten und für die Musikkonsumenten zu einem schmerzvollen Verlust von Live-Musik. Livestreaming erfreut sich deshalb gerade in diesen Zeiten grosser Beliebtheit und übernimmt eine relevante Rolle im Kulturbetrieb. Text von Michael Wohlgemuth

Informationen zu Livestreams für SUISA-Mitglieder

Musik per Video als Ersatz für abgesagte Konzerte: Der Jazz- und Improvisationsmusiker Cyril Bondi hat für die Beitragsserie «Music for Tomorrow» sein Werk «We Need To Change» gespielt; zu hören und zu sehen auf dem SUISAblog und den Social Media-Kanälen SUISA Music Stories. (Foto: Screenshot Video Cyril Bondi)

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Livestreams zu übertragen: Die Auswahl reicht von der eigenen Website über Social Media-Plattformen wie Youtube, Facebook, Instagram oder Dailymotion bis zu reinen Livestreaming-Plattformen wie Twitch. Darüber hinaus tauchen zurzeit zusätzlich kleinere internationale, aber auch nationale Plattformen auf, bei welchen man sich als Musikschaffender zwecks Livestreaming anmelden und allfällige über die Plattform erzielte Einnahmen mit dieser teilen kann.

Folgender Leitfaden soll für SUISA-Mitglieder eine Hilfestellung im Livestreaming-Dschungel bieten:

Infos für Musikschaffende, die Livestreams selbst veranstalten

Brauche ich/Brauchen wir eine Lizenz der SUISA?
Sei es als Band, Singer-Songwriter, Orchester oder als Chor: Veranstaltet man auf seiner eigenen Website oder seinem eigenen Social-Media-Kanal einen Livestream und führt ausschliesslich selbst geschriebene und/oder gemeinfreie (Urheberin oder Urheber ist länger als 70 Jahre verstorben) Musik auf, braucht man keine Lizenz der SUISA.

Aber Vorsicht: Diese Form der «Eigennutzung» von eigener Musik auf den eigenen Web-Kanälen ist nur dann zulässig, wenn alle Songs zu 100% von den Interpreten und Interpretinnen selbst geschrieben sind. Sobald Dritte an nur einem der aufgeführten Werke beteiligt sind, handelt es sich um keine reine Eigennutzung mehr. Wenn es also Miturheberinnen -und urheber gibt, die nicht bei der Darbietung des Livestreams mitwirken, oder ein Verlag am Song beteiligt ist oder sonst fremde, geschützte Musik aufgeführt (bspw. Covers) wird, so braucht man eine Lizenz von der SUISA gemäss den «Lizenzbedingungen Livestreams».

Eine Ausnahme gilt für nicht-kommerzielle Livestreams auf Social Media-Plattformen: Diese sind bereits durch die Verträge von der SUISA und auch anderen Rechteverwertern mit den Social Media-Plattformen gedeckt und müssen deshalb in der Regel nicht separat lizenziert werden. Zurzeit bestehen abgeschlossene Verträge der SUISA mit Youtube und Facebook (inkl. Instagram). In Verhandlungen steht die SUISA mit Dailymotion, Vimeo und Twitch, für die das Gleiche gelten wird.

Nicht-kommerziell in diesem Zusammenhang bedeutet, dass kein Geld für den Livestream verlangt wird und er nicht für ein Unternehmen produziert wird. Auch Spendenaktionen, deren Einnahmen vollständig Hilfsbedürftigen zukommen, gelten für die SUISA als nicht-kommerziell.

Livestreams von DJ-Sets
DJ-Sets beinhalten nicht nur Kompositionen, sondern auch Aufnahmen, über deren Rechte das Tonträgerunternehmen bzw. das «Label» verfügt. Da die wenigsten DJs ausschliesslich selbst komponierte und selbst veröffentlichte Musik verwenden, müssen für Livestreams von DJ-Sets in der Regel gleich mehrere Lizenzen eingeholt werden: Für die Urheberrechte braucht es eine Lizenz von der SUISA (mit Ausnahme von nicht-kommerziellen Livestreams auf Social-Media, siehe Abschnitt «Braucht es eine Lizenz der SUISA?») und für die Rechte an den gespielten Aufnahmen – die sogenannten verwandten Schutzrechte – Lizenzen der Plattenfirmen/Labels. Bei DJ-Sets auf Social Media sind die Plattformen selbst dafür verantwortlich.
Die zurzeit einzige der SUISA bekannte Plattform, welche mit den meisten grösseren Labels einen Vertrag für DJ-Livestreams geschlossen hat, ist Mixcloud.

Der Livestream meines Konzerts oder DJ-Sets auf Social Media wurde blockiert: Weshalb und wie kann ich das vermeiden?
Die Ursache für eine Blockierung ist meistens das Aufführen fremder Musik, und damit zusammenhängend das Fehlen einer bestimmten Lizenzvereinbarung der Social Media-Plattform mit einem Rechteinhaber (oft ein Label oder ein Verlag). Grundsätzlich sind nämlich die Social Media-Unternehmen für den Inhalt auf ihren Plattformen verantwortlich und blockieren zu ihrer eigenen Absicherung unlizenzierte Inhalte mithilfe von Audioerkennungstechnologien.

Man kann Blockierungen auf Social Media also am einfachsten aus dem Weg gehen, indem man im Falle eines Live-Konzerts in erster Linie selbst komponierte Musik aufführt. Coverbands ist aus komplexen rechtlichen Gründen zu empfehlen, die Livestreams nicht auf Social Media, sondern auf der eigenen Website zu veranstalten.

DJ-Sets auf Social Media-Plattformen sollten möglichst vermieden werden, ausser es werden eigene Aufnahmen verwendet. Der Grund dafür ist, dass die wenigsten Labels das Livestreaming ihrer Aufnahmen auf Social Media zulassen. Insbesondere Facebook und Youtube verfügen über ausgereifte Audioerkennungstechnologien und erkennen damit sehr rasch unlizenzierte Aufnahmen. Allerspätestens wenn man eine Aufzeichnung des Livestreams mit unlizenzierter Musik auf der Plattform lässt, wird diese von der Software automatisch gesperrt.

Kann ich mit meinen Livestreams Geld verdienen?
Man kann mit seinen Livestreams auf verschiedenste Arten Geld verdienen:
Die einfachste Form ist das Anbieten des Livestreams gegen Bezahlung. Auf der eigenen Website könnte man zum Beispiel gegen Bezahlung den Link für den Livestream bekanntgeben. Dieses Bezahlmodell liesse sich auch auf Social Media-Plattformen übertragen, indem man den Livestream nur in einer geschlossenen Gruppe bereitstellt, zur welcher das Publikum nur gegen ein Entgelt Zugriff erhält.

Zum jetzigen Zeitpunkt muss dafür noch auf klassische, von der Social Media-Plattform unabhängige, Zahlungssysteme wie bspw. die Kontoverbindung zurückgegriffen werden. Es ist aber damit zu rechnen, dass die Social Media-Plattformen vermehrt integrierte Zahlungslösungen anbieten werden, mit welchen die Zuschauerinnen und Zuschauer direkt über die Plattform bezahlen können. So hat beispielsweise Facebook angekündigt, auf der Facebook-Live-Plattform direkte Zahlungen über die Plattform zu ermöglichen.

Weitere potenzielle Einnahmequellen sind bspw. Werbeunterbrechungen oder das Sponsoring des Livestreams. Ebenfalls könnten im Rahmen des Livestreams Merchandising-Artikel angeboten oder freiwillige Spenden ermöglicht werden.

Infos für Musikschaffende, deren Livestream von einem Veranstalter durchgeführt wird

Wer kommt als Veranstalter in Frage?
Als Livestream-Veranstalter kommen vor allem Konzertveranstalter und Clubbetriebe, aber auch (Medien-) Unternehmen, Stiftungen, Vereine oder sonstige Gesellschaften in Frage.

Wo werden diese Veranstaltungen live gestreamt?
Einerseits auf Social Media, anderseits auch auf eigenen Plattformen, die speziell für Livestreaming-Events ins Leben gerufen wurden. Ein nationales Beispiel ist Artonair. Ein internationales Beispiel für einen solchen Livestream-Veranstalter ist Stageit.

Ich wurde/Wir wurden für einen Livestream angefragt: Muss der Veranstalter mich für meinen Auftritt vergüten?
Die SUISA ist grundsätzlich der Ansicht, dass Engagements für Livestreams mit Engagements für Konzerte zu vergleichen sind und somit auch eine Gage angebracht ist. Diese sollte nebst den Auftrittsmodalitäten in einem Engagement-Vertrag geregelt werden.

Sind die Veranstalter auch für die Urheberrechtsgebühren verantwortlich?
Ja, genauso wie im Offline-Bereich müssen sich die Veranstalter um die Urheberrechte an der aufgeführten Musik kümmern. Internationale Anbieter brauchen eine Lizenz von jedem betroffenen Rechteinhaber der aufgeführten Musik (Verwertungsgesellschaften, Verlage etc.). Für nationale Anbieter reicht eine Lizenz der SUISA.

In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, die AGBs des jeweiligen Anbieters zu studieren und darauf zu achten, dass man dem Veranstalter keine Rechte einräumt, über welche man nicht verfügen kann oder möchte. Beispielsweise sollte man als SUISA-Mitglied speziell darauf achten, keine Aufführungsrechte dem Veranstalter einzuräumen, da dies bereits die SUISA für einen übernimmt.

Gibt es also eine Vergütung der SUISA für meinen Auftritt in einem Livestream?
Wurde ein Livestream von der SUISA an einen Veranstalter lizenziert, so können die an der Musik beteiligten Urheberinnen und Urheber und Verlage eine entsprechende Entschädigung von der SUISA erwarten (abzgl. des momentanen Kostensatzes von 15%). Die Höhe der Entschädigung ist in erster Linie davon abhängig, ob und wie viel Einnahmen durch den Veranstalter erzielt werden. Verteilt werden die Lizenzeinnahmen auf Basis des Programms, der «Setliste», die der Veranstalter bei der SUISA einreicht.

Weitere Informationen:
Haben Sie als SUISA-Mitglied rechtliche Fragen oder Anliegen in Zusammenhang mit Livestreams? Gerne berät Sie dazu unser Rechtsdienst: legalservices (at) suisa (dot) ch

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  1. Michael sagt:

    Wie schaut es bei „nicht-kommerzielle Livestreams“ in Bezug mit Gottesdienste aus? Wenn dort Musik gespielt wird und Gesungen als Teil des Gottesdienstes und das auch Live z.b. auf Youtube übertragen wird, inkl. Einbindung von Songtexten zum mitsingen.
    Ist das dann eine nicht-kommerzielle Veranstaltung? Und was ist, wenn in Rahmen dieses Gottesdienstes ein Aufruf zu Spenden, z.b. an Missionsstellen gemacht wird?

    • Guten Tag
      Grundsätzlich werden Livestreams von Kirchen in unserer Praxis mit solchen von Unternehmen gleichgesetzt: Sie benötigen eine Lizenz von der SUISA. Eine Ausnahme gilt momentan für Kirchen, welche bereits eine Vergütung der SUISA auf Basis des Gemeinsamen Tarifs C (GT C) bezahlen. In diesen Fällen erachten wir die Livestreams als bereits abgegolten, sofern diese auf von den Kirchen selbst bewirtschafteten und durch den Tarif GT C abgedeckten Online-Plattformen/-Kanälen übertragen werden. Wenn Kirchen, die keine Vergütung gemäss dem Tarif GT C entrichten, in live gestreamten religiösen Feiern – wozu auch kirchliche Hochzeiten gehören – am Rand der Zeremonie zu Spenden aufrufen, kann der Livestream unter Umständen als nicht-kommerziell behandelt werden. Was das Einblenden von Songtexten betrifft, so muss in jedem Fall eine zusätzliche Lizenz von den Rechteinhabern (in der Regel Verlage) eingeholt werden, da die SUISA diese Rechte nicht vergeben kann – weder direkt, noch über einen Vertrag mit einer Social-Media Plattform.
      Freundliche Grüsse, Michael Wohlgemuth, SUISA Rechtsdienst

  2. M. Badertscher sagt:

    Was bedeutet „nicht-kommerzielle Livestreams“ genau?
    Wenn der Stream für alle sichtbar ist (keine Zugangsbeschränkung), man Musik im Hintergrund laufen lässt und der Zuschauer freiwillig für den Stream etwas bezahlen kann aber nicht muss, dann ist das doch auch kommerziell? Der Streamer verdient ja auch damit. Einfach auf freiwilliger Basis.

    • Michael Wohlgemuth sagt:

      Besten Dank für die berechtigte Frage. In der Tat würden wir solche Livestreams auch als kommerziell betrachten. Sobald in irgendeiner Form Geld fliesst, handelt es sich aus unserer Sicht um ein kommerzielles Angebot.
      Beste Grüsse, Michael Wohlgemuth, SUISA Rechtsdienst

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Die Corona-Massnahmen führten für die Musikschaffenden zu einem Ausfall von Auftritts- und Verdienstmöglichkeiten und für die Musikkonsumenten zu einem schmerzvollen Verlust von Live-Musik. Livestreaming erfreut sich deshalb gerade in diesen Zeiten grosser Beliebtheit und übernimmt eine relevante Rolle im Kulturbetrieb. Text von Michael Wohlgemuth

Informationen zu Livestreams für SUISA-Mitglieder

Musik per Video als Ersatz für abgesagte Konzerte: Der Jazz- und Improvisationsmusiker Cyril Bondi hat für die Beitragsserie «Music for Tomorrow» sein Werk «We Need To Change» gespielt; zu hören und zu sehen auf dem SUISAblog und den Social Media-Kanälen SUISA Music Stories. (Foto: Screenshot Video Cyril Bondi)

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Livestreams zu übertragen: Die Auswahl reicht von der eigenen Website über Social Media-Plattformen wie Youtube, Facebook, Instagram oder Dailymotion bis zu reinen Livestreaming-Plattformen wie Twitch. Darüber hinaus tauchen zurzeit zusätzlich kleinere internationale, aber auch nationale Plattformen auf,…Weiterlesen

«Diese Krise weist auf eine kranke Gesellschaft hin»

Im Rahmen des Projekts «Music for Tomorrow» stellen wir dieses Mal den Schweizer Jazz- und Improvisationsmusiker Cyril Bondi und sein Stück «We Need To Change» vor. Im schriftlichen Interview erzählt Cyril, warum aus seiner Sicht die Politik und nicht der Virus für die jetzige Krise verantwortlich ist. Text von Nina Müller; Video von Cyril Bondi, bearbeitet von Nina Müller

Der 40-jährige Cyril Bondi bezeichnet sich selbst als Experimentator, der es liebt, mit anderen zusammen zu arbeiten. Der gebürtige Genfer bewegt sich musikalisch im Bereich von Jazz und Free Jazz. Als Rückgrat seiner Musik bezeichnet er die Improvisation. «Sie hat es mir ermöglicht, in unterschiedlichen Kontexten zu spielen und mich in einem Jazz-Trio (Plaistow) ebenso wohl zu fühlen wie im experimental/traditional Genre (La Tène), in einem Pop-Rock-Duo (Cyril Cyril) oder bei einer punktuellen Zusammenarbeit für verschiedene Projekte», sagt er im schriftlichen Interview mit der SUISA. Mit seiner Musik überschreitet Cyril regelmässig musikalische Grenzen, die sich die Gesellschaft im Laufe der Jahre gesetzt hat. «Ich versuchte schon immer, Neues zu entwickeln, neue Konzepte, mein Instrument anders zu spielen, es zu dekonstruieren, neu zu erfinden und neue Klänge und Texturen zu suchen», sagt Cyril über seine musikalische Entwicklung.

Exklusiv für «Music for Tomorrow» hat Bondi das Stück «We Need To Change» komponiert. Vor dem Lockdown war Bondi damit beschäftigt, mehrere Stücke für sein kommendes Soloalbum zu schreiben. Wegen der Coronavirus-Pandemie musste er alle Projekte abbrechen. Als er die Einladung zu «Music for Tomorrow» erhielt, wurde ihm bewusst, wie gross sein Bedürfnis nach einer Veränderung ist. Die Erarbeitung des Stückes empfand Cyril als sehr intensiv. «Intensiv, weil ich darin die Chance sah, einem in der heutigen Situation verbreiteten Gefühl Ausdruck zu verleihen, dieser merkwürdigen Mischung zwischen der klaren Feststellung, dass unsere Gesellschaft zusammenbricht und der Verleugnung dieser Situation», erklärt Bondi. «Ich spüre diese Spannung zutiefst, und der kreative Raum, auf den ich mich einliess, hat mir erlaubt, dies auf meine eigene Art und Weise auszudrücken». Ausserdem sei es für ihn ungewohnt, alleine zu arbeiten, da er meist mit Bands oder Orchestren zusammenarbeitet.

Cyril Bondi, wie sieht dein Arbeitsalltag als Komponist während der Corona-Pandemie aus?
Cyril Bondi: Ich organisiere meine Arbeitstage rund um das Familienleben. Ich habe drei Kinder zu Hause, muss mich also immer wieder um sie kümmern, ihnen bei den Hausaufgaben helfen, sie beschäftigen. Damit ich mit meiner Arbeit vorankomme, stehe ich manchmal früh auf oder befasse mich am Abend mit meinen verschiedenen Projekten. Seien wir ehrlich: Diese Pandemie hat die Kulturkreise mit voller Wucht getroffen, und besonders auch die Musikerinnen und Musiker, deren langjährige prekäre Lage nun deutlich zu Tage tritt. Ich verbringe also sehr viel Zeit damit, Konzertabsagen und -verschiebungen zu organisieren und mich über die verschiedenen Unterstützungsbeiträge zu informieren. Ausserdem bin ich Mitglied der Genfer Föderation der Musikschaffenden, die die Berufsmusiker vom Hip-Hop bis zur zeitgenössischen Musik vereint und in der wir für dieses pandemiegebeutelte Umfeld gemeinsame Forderungen ausarbeiten. Es bleibt mir also wenig Zeit für die künstlerische Tätigkeit: Irgendwann musste ich aber zu meiner Kompositionsarbeit zurückkehren; ich schrieb neue Stücke, ohne zu wissen, für wen eigentlich und mit welchem Ziel vor Augen, ausser dass ich mich wieder kreativ betätigte. Zudem nutzte ich die Gelegenheit, die Aufnahmen für das Album Cyril Cyril (Pop, Rock) und für mein Soloalbum (experimental) voranzutreiben.

Was bedeutet diese Krise für dich persönlich?
Diese Krise weist auf eine kranke Gesellschaft hin. Wir befinden uns nämlich in dieser Situation nicht weil sich ein Virus ausgebreitet hat, sondern weil politische Entscheidungen uns in diese Lage geritten haben. Wir sparen bei den öffentlichen Diensten und Spitälern, wir holzen ab, beuten aus, plündern und verbrauchen. Ich versuche nun zu lesen, mich zu informieren, mit anderen zu diskutieren, Musik zu hören. Es ist eine düstere Zeit, die mir vor Augen führt, wie stark wir die Kultur, die Künste, die Künstlerinnen und Künstler brauchen, um uns zu inspirieren, zum Träumen zu bringen, zur Flucht zu bewegen und zum Nachdenken anzuregen. Noch nie brauchten wir sie so sehr.

Wie kann dich das Publikum im Moment unterstützen?
Die Menschen müssen merken, in welcher Notlage sich die Kulturschaffenden befinden, und sie dürfen hinter ihren Computern und Smartphones nicht denken, dass sie damit irgendwie helfen. Sie müssen CDs kaufen, ihre Lieblingskünstler unterstützen, die Musik jener hören, die in ihrem Umfeld leben, und vor allem dürfen sie die Konzertsäle, Theater und Festivals nicht fallenlassen, wenn diese wieder öffnen dürfen. Denn das ist eine meiner Befürchtungen für die Zukunft. Wenn die Leute dann immer noch Angst haben, sich zu treffen, zu berühren, zu umarmen oder zusammen zu tanzen: Wie werden wir dann wieder schöne Momente der Musik teilen können?

Hilft es dir, wenn Leute auf Spotify und Co. mehr deine Musik streamen?
Vermutlich sagen alle dasselbe. Spotify, Youtube, Facebook sind Unternehmen, die so viel Geld wie möglich machen wollen, indem sie die Ressourcen anderer auswerten. Und ich gehöre nun mal zu diesen «anderen». Ich werde nie etwas von dem erhalten, was konsumiert wird.

Was könnte deiner Meinung nach, die momentane Situation an Positives mit sich bringen?
Meine Hoffnung liegt in der kollektiven Erfahrung, die wir gerade durchleben. Sind wir intelligent genug, um zu merken, dass eine Welt mit weniger Flug- und Autoverkehr, mit mehr Natur, einem verlangsamten Rhythmus, mehr Zeit für die Familie und mehr Solidarität eine Welt ist, in der wieder Hoffnung aufkommen kann? Unsere kapitalistische Gesellschaft führt uns in den Untergang, packen wir doch die Gelegenheit, uns eine neue Welt vorzustellen, sie zu erfinden und zu schaffen. Das tönt naiv, doch ich habe das Gefühl, dass heute jeder und jede in der Lage ist, dies zu verstehen!

Was möchtest du deinen Fans mit auf den Weg geben?
Hört Musik, singt, tanzt, geht aus!

www.cyrilbondi.net

«Music for Tomorrow»
Die Covid19-Krise trifft die Mitglieder der SUISA besonders hart. Die Haupteinnahmequelle vieler Komponistinnen, Komponisten, Verlegerinnen und Verleger fällt komplett weg: Auftritte jeglicher Art sind bis auf Weiteres vom Bund verboten worden. In den nächsten Wochen porträtieren wir auf dem SUISAblog einige unserer Mitglieder. Sie erzählen uns, was sie während der Covid19-Krise bewegt, was ihre Herausforderungen sind und wie ihr Arbeitsalltag derzeit aussieht. Die Musikerinnen und Musiker haben zudem für den SUISAblog zu Hause oder in ihrem Studio eine Eigenkomposition performt und gefilmt. Die SUISA bezahlt den Musikerinnen und Musikern für diese Aktion eine Gage.
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«Répondez-Moi»: Dritter Schweizer ESC-Song aus dem SUISA Songwriting Camp«Répondez-Moi»: Dritter Schweizer ESC-Song aus dem SUISA Songwriting Camp Mit «Répondez-Moi» schickt die Schweiz zum ersten Mal seit 2010 wieder einen französischsprachigen Beitrag zum Eurovision Song Contest. Geschrieben wurde der Song von Gjon Muharremaj (Gjon’s Tears) und den SUISA-Mitgliedern Alizé Oswald und Xavier Michel vom Duo Aliose zusammen mit dem belgischen Produzenten Jeroen Swinnen am SUISA Songwriting Camp. Weiterlesen
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Im Rahmen des Projekts «Music for Tomorrow» stellen wir dieses Mal den Schweizer Jazz- und Improvisationsmusiker Cyril Bondi und sein Stück «We Need To Change» vor. Im schriftlichen Interview erzählt Cyril, warum aus seiner Sicht die Politik und nicht der Virus für die jetzige Krise verantwortlich ist. Text von Nina Müller; Video von Cyril Bondi, bearbeitet von Nina Müller

Der 40-jährige Cyril Bondi bezeichnet sich selbst als Experimentator, der es liebt, mit anderen zusammen zu arbeiten. Der gebürtige Genfer bewegt sich musikalisch im Bereich von Jazz und Free Jazz. Als Rückgrat seiner Musik bezeichnet er die Improvisation. «Sie hat es mir ermöglicht, in unterschiedlichen Kontexten zu spielen und mich in einem Jazz-Trio (Plaistow) ebenso wohl zu fühlen wie im experimental/traditional Genre (La Tène), in einem Pop-Rock-Duo (Cyril Cyril) oder bei einer punktuellen…Weiterlesen

«Wir sind da alle stark auch als Gemeinschaft gefordert»

Mit dem Projekt «Music for Tomorrow» möchte die SUISA ihre Mitglieder in dieser schwierigen Zeit unterstützen. Wir bieten den Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform, auf der sie über ihre aktuelle Situation im Lockdown erzählen und eines ihrer Werke vorstellen dürfen. Diese Woche stellen wir euch den Schweizer Pianisten, Komponisten und Musikproduzenten Nik Bärtsch und sein Stück «Modul 5» vor. Im Interview erzählt Nik von seinem Lockdown-Alltag mit seiner Familie und was er mit einem australischen Notarzt gemeinsam hat. Text von Nina Müller; Video von Nik Bärtsch, ergänzt von Nina Müller

Nik Bärtsch (48) ist ein erfolgreicher Jazz-Pianist, der mit seiner Familie in Zürich zuhause ist. Nebst Musik hat der gebürtige Zürcher auch Philosophie, Linguistik und Musikwissenschaften studiert. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Musik für ihn eine tiefere Bedeutung hat. Auf seiner Website beschreibt er seine Musik folgendermassen: «Ein Stück kann wie ein Raum betreten, bewohnt werden. Durch obsessive Drehmomente, Überlagerungen verschiedener Metren und Mikrointerplay bewegt sich die Musik fort und verändert ihre Zustände. Die Aufmerksamkeit wird auf die minimen Variationen und Phrasierungen gelenkt. Die Band wird so zum Integralen Organismus – wie ein Tier, ein Biotop, ein urbaner Raum. Man soll mit Ohren und Händen denken.»

Mit seiner Band Ronin lebt er diese Philosophie und tourte bereits in Europa, Asien und den USA. Mit seinen Formationen Nik Bärtsch’s Ronin und Nik Bärtsch’s Mobile sowie auch solo hat der Musiker über dreizehn Tonträger veröffentlicht, die bei wöchentlichen Auftritten im Rahmen seiner Konzertreihe im Zürcher Club Exil performt werden. Seit 2006 hat er sein eigenes Label «Ronin Rhythm Records».

Für «Music for Tomorrow» hat Nik Bärtsch das Stück «Modul 5» performt. Er sagt zu dem Stück: «Das Stück besteht aus einem kleinen komplexen Pattern in 6/4, welches sich im Laufe des Stücks über das ganze Klavier ausbreitet. Ich bin auf dieses Pattern recht früh gestossen in meiner musikalischen Entwicklung und es hat mich ständig begleitet über die Jahre. So erlebt das an sich früh komponierte Stück eine ständige Evolution wie auch ich selber. Wir arbeiten quasi gemeinsam daran, dass unsere Beziehung immer einfacher, direkter und trotzdem tiefer und geheimnisvoller wird – so wie auch meine Frau und ich zusammen unser Leben gestalten.»

Nik Bärtsch, wie sieht dein Arbeitsalltag als Komponist während der Corona-Pandemie aus?
Nik Bärtsch: Ich bin ganz selbständig tätig als Komponist, Pianist, Bandleader, Produzent und Verleger. Im Moment ist daher der einzige Unterschied verglichen mit der Zeit vor dem Virus, dass ich viel weniger reise. Alle internationalen Konzerte, Produktionen und Workshops fallen ja aus. Ich habe also nun ständig den Alltag, den ich auch sonst zwischen den Reisen zu Hause habe: Ich komponiere, übe, probe, organisiere und kommuniziere abwechselnd. Dazu teile ich mit meiner beruflich ebenfalls sehr aktiven Frau das Familienleben mit unseren Kindern.
Wie auch sonst braucht es dafür viel Liebe zum Leben, Disziplin, Struktur aber auch Kreativität und Lust auf Überraschungen.
Da wir dies alles auch sonst auf hohem Niveau organisieren und pflegen wollen, war es für uns keine grosse Umstellung. Unsere Kinder sind auch sonst oft zu Hause und nicht im Hort oder sonst irgendwo versorgt. Wir machen alle Kampfkunst und daher haben wir auch die Möglichkeit, gemeinsam auf der Wiese vor dem Haus zu trainieren.
Unsere Montags-Konzert-Serie im EXIL Club führen wir vorläufig als reines Streaming weiter (www.yourstage.live). Der Montag bleibt also der ritualisierte lokale Konzerttag und die Community und die verschiedenen Teams bleiben so auch konstant in Kontakt.

Was bedeutet diese Krise für dich persönlich?
Sie zeigt mir wie alle heftigen Krisen genau, wo ich stehe als Künstler und Mensch und fordert wiedermal bedingungslos meine Kreativität, Integrität und Resilienz.
Als selbständiger Musiker ist dies aber ja oft sowieso der Normalzustand. Die grosse Frage ist aber: Wie überleben Gruppen, Ensembles, Bands und Konzertorte mittelfristig den momentanen Wandel? Wir sind da alle stark auch als Gemeinschaft gefordert. Die Fragen, die sich stellen, sind aber nützlich: Was bedeutet mir als Profi Musik? Was bedeutet sie uns allen? Wie zahlen wir für Musik und die Leistungen dahinter? Wie verbinden wir die Wertschätzungs- mit der Wertschöpfungskette sinnvoll?

Wie kann dich das Publikum im Moment unterstützen?
Indem es meine und unsere Leistungen honoriert: Also indem es unsere kostenpflichtigen Streams anschaut und unsere Musik auch auf allen anderen Medien konsumiert und weiterverbreitet. Und indem es sich genau informiert, wie Musikproduktion und -präsentation funktioniert: Wie viele Menschen und deren Leistungen stecken doch dahinter, wenn mir ein wunderbarer Song durch den Tag hilft.

Hilft es dir, wenn Leute auf Spotify und Co. mehr deine Musik streamen?
Die Anzahl Streams muss schon sehr hoch sein, damit diese Art von Bezahlung funktioniert. Es hilft aber trotzdem. Alles hängt zusammen und je mehr auch unabhängigere Artists gehört und geteilt werden, desto besser. Die lokale, authentische und spezielle Kunst und Initiative nährt letztlich die globale kommerzielle Entwicklung. Das haben wir auf unseren Tourneen um die Welt überall feststellen können.

Was könnte deiner Meinung nach die momentane Situation an Positivem mit sich bringen?
Ich versuche immer in jeder Situation das Positive herauszulesen und etwas zu lernen. Die momentane Situation prüft unseren Wohlstand, unsere Sicherheit und damit auch unsere Arbeitstechnik wieder Mal grundsätzlich. Das ist wertvoll. Nur wenn wir erkennen, wie überlebenswichtig die Musik, ihr inspirierendes Umfeld und ihre wunderbaren Möglichkeiten sind, können wir auch den professionellen Umgang damit wertschätzen. Die SUISA und zum Beispiel der Verband der Schweizer Musikschaffenden kommunizieren dies sehr gut. Jede und jeder Musikschaffende sollte dies ebenso lustvoll und professionell tun.

Was möchtest du deinen Fans mit auf den Weg geben?
Sei ehrlich in Deinem Umgang mit der Musik: Kein Mensch nimmt in der Bäckerei einfach ein Brot gratis mit.
Also geniesse die Musik mit dem Bewusstsein, dass Menschen liebevoll und mit bedingungsloser Hingabe daran gearbeitet haben.
Ich habe kürzlich ein E-Mail eines Notarztes aus Australien erhalten. Er hat sich bei mir bedankt für die Musik. Er gehe jede Herausforderung der letzten Jahre – das Hochwasser, das Buschfeuer und jetzt den Virus – an, indem er am Morgen einen meiner Tracks höre und einen Kaffee dazu trinke. Dann wisse er, warum er das alles tue und ertrage auch Tod, Schmerz und Gefahr. Die Musik gebe ihm Kraft, Menschen zu bergen, zu retten und ihnen zu helfen. Ich habe da begriffen, dass ich mich besser bedingungslos auf die Musik konzentriere als überall auch noch ein bisschen mitzuhelfen. Die Inspirationskette funktioniert in diesem Fall präzis: Wir konzentrieren uns beide auf das Wesentliche. Seine Integrität, sein Talent und seine Professionalität helfen mir und umgekehrt. So helfen wir beide wieder anderen. Die gesellschaftliche Wertschätzung- und Wertschöpfung funktioniert nur gemeinsam.

www.nikbaertsch.com

«Music for Tomorrow»
Die Covid19-Krise trifft die Mitglieder der SUISA besonders hart. Die Haupteinnahmequelle vieler Komponistinnen, Komponisten, Verlegerinnen und Verleger fällt komplett weg: Auftritte jeglicher Art sind bis auf Weiteres vom Bund verboten worden. In den nächsten Wochen porträtieren wir auf dem SUISAblog einige unserer Mitglieder. Sie erzählen uns, was sie während der Covid19-Krise bewegt, was ihre Herausforderungen sind und wie ihr Arbeitsalltag derzeit aussieht. Die Musikerinnen und Musiker haben zudem für den SUISAblog zu Hause oder in ihrem Studio eine Eigenkomposition performt und gefilmt. Die SUISA bezahlt den Musikerinnen und Musikern für diese Aktion eine Gage.
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Bertrand Denzler: Klangraumvermesser und RaumklangforscherKlangraumvermesser und Raumklangforscher Der Saxophonist Bertrand Denzler arbeitet im Spannungsfeld zwischen Improvisation und Komposition an immer neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Nun beabsichtigt der 55-jährige Genfer mit Wohnsitz Paris anhand einer «wandernden Residenz» die Grenzen seines künstlerischen Dialogs mit anderen weiter auszudehnen. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Weiterlesen
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Mit dem Projekt «Music for Tomorrow» möchte die SUISA ihre Mitglieder in dieser schwierigen Zeit unterstützen. Wir bieten den Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform, auf der sie über ihre aktuelle Situation im Lockdown erzählen und eines ihrer Werke vorstellen dürfen. Diese Woche stellen wir euch den Schweizer Pianisten, Komponisten und Musikproduzenten Nik Bärtsch und sein Stück «Modul 5» vor. Im Interview erzählt Nik von seinem Lockdown-Alltag mit seiner Familie und was er mit einem australischen Notarzt gemeinsam hat. Text von Nina Müller; Video von Nik Bärtsch, ergänzt von Nina Müller

Nik Bärtsch (48) ist ein erfolgreicher Jazz-Pianist, der mit seiner Familie in Zürich zuhause ist. Nebst Musik hat der gebürtige Zürcher auch Philosophie, Linguistik und Musikwissenschaften studiert. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Musik für ihn eine tiefere Bedeutung hat. Auf seiner Website…Weiterlesen

«Diese Situation wird alle – Musiker, Techniker, Insider – auf die Probe stellen»

Mit dem Projekt «Music for Tomorrow» möchte die SUISA ihre Mitglieder in dieser schwierigen Zeit unterstützen. Wir bieten den Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform, auf der sie über ihre aktuelle Situation im Lockdown erzählen und eines ihrer Werke vorstellen dürfen. Den Auftakt macht die Tessiner Komponistin und Harfenistin Kety Fusco. Im schriftlichen Interview spricht sie über ihren Alltag im Lockdown und warum sich bei ihr eigentlich gar nicht so viel geändert hat. Text von Nina Müller; Video von Kety Fusco, bearbeitet von Nina Müller

Kety Fusco (27) spielt elektrische Harfe und komponiert ihre eigenen Songs. Sie begann bereits mit sechs Jahren Harfe zu spielen. Die klassische Harfe wurde ihr dann aber irgendwann zu langweilig und so entdeckte sie die elektronische Harfe für sich. Kety Fusco ist auch Teils des Kollektivs «Peter Kernel and their wicked orchestra» vom Duo Barbara Lehnhoff (Camilla Sparksss) und Aris Bassetti, welche ebenfalls SUISA-Mitglieder sind. 2018 durfte Kety Fusco am Locarno Film Festival vor Bundesrat Alain Berset auftreten. Am 8. Mai erscheint ihr Debutalbum «Dazed» beim Label Sugar Music. Kety Fusco ist in Arbedo (TI) zu Hause und ist seit 2018 Mitglied der SUISA.

Für «Music for Tomorrow» hat Kety Fusco den bisher unveröffentlichten Song «Saceba» performt. Sie sagt zu dem Song: «‹Saceba› wurde in einer ehemaligen Zementfabrik in der Talsohle des südlichsten Tals der Schweiz geboren. Ich war an diesem Ort, bezaubernd und düster zugleich, um einer Tanz- und Musik-Aufführung Leben einzuhauchen.

Schon am ersten Tag, als ich das Hauptgebäude betrat, wurde mir nach und nach klar, dass sich dort ein Klangschatz verbarg. Am nächsten Tag ging ich mit verschiedenen Gegenständen (Steinen, Werkzeugen, Instrumenten) und meinem Aufnahmegerät zurück, um vom ersten bis zum obersten Stockwerk das ganze Saceba (so hieß die Fabrik) aufzunehmen: das Reiben des Betons und den Klang der großen Echos dieser wunderbaren Industriearchäologie.

Zu Hause angekommen, lud ich alle Klänge auf meinen Computer herunter und baute das Stück auf, indem ich meine Schritte gedanklich nachvollzog und mir eine Geschichte vorstellte, die sich innerhalb der Mauern der Fabrik abspielte. Dann fügte ich mit meiner Harfe echte Musik hinzu und betrachtete sie als den Soundtrack, den ich gerne gehört hätte, als ich das Saceba zum ersten Mal betrat: den Soundtrack der Zementfabrik.»

Kety Fusco, wie sieht dein Arbeitsalltag als Komponistin/Textautorin während der Corona-Pandemie aus?
Kety Fusco: Ich spiele jeden Tag vier Stunden lang klassische Harfe, wobei ich zwei Stunden an der Technik des Instruments arbeite und die anderen zwei Stunden Stücke spiele, die ich aufnehmen möchte. Ich spiele noch etwa zwei Stunden oder so mit meiner elektrischen Harfe und bereite mein neues Live-Set vor.

Was bedeutet diese Krise für dich persönlich?
Ich halte nie mit der Welt Schritt, weil mir alles zu schnell geht. Wenn ich nicht auf Tournee bin, bleibe ich gerne zu Hause, nehme mir viel Zeit zum Spielen, Studieren und widme mich meinen Harfen. Mein Debütalbum «Dazed» wird am 8. Mai bei Sugar Music erscheinen, und ich arbeite an meinem neuen Live-Set. Ich bin sehr inspiriert, wenn um mich herum nichts passiert und ich alles in meinem Kopf lebe. Der Virus hat meine Art, die Dinge zu tun, nicht verändert – er hat meine Art zu sein, verbessert. Wenn ich auf der Straße herumlaufe und den Lärm der Autos nicht höre, fühle ich mich gut. Zu wissen, dass niemand außerhalb meines Hauses ist und das tägliche Leben lebt, aber eine «tägliche Überraschung» zu erleben, inspiriert mich dazu, mir Geschichten in meinem Kopf vorzustellen. Ich glaube, dass alle vergessen werden, was wir durchgemacht haben. Es muss für einige wie ein schlechter Traum gewesen sein und für andere wie eine schwierige Erinnerung.

Wie kann dich das Publikum im Moment unterstützen?
Ich würde mich wirklich freuen, wenn das Publikum mein Debütalbum hören würde und damit einen Beitrag zum Streaming-Musikmarkt leisten würde, von dem ein Teil meines Einkommens abhängt.

Hilft es dir, wenn Leute auf Spotify und Co. mehr deine Musik streamen?
Ja, absolut. Mit der Krise fielen die Streams um 33%, und für die gesamte Musikindustrie war das ein schwerer Schlag.

Was könnte deiner Meinung nach, die momentane Situation an Positives mit sich bringen?
Für Musiker gibt es meiner Meinung nach nichts Positives, auch wenn ich über Kreativität nachdenke: Für mich kommt sie nicht unbedingt dann, wenn ich aufhöre, wie es beim Covid-19 der Fall ist … in der Tat fühle ich mich meistens kreativer, wenn ich keine Zeit dafür habe. Diese Situation wird alle – Musiker, Techniker, Insider – auf die Probe stellen. Der Musikmarkt ist noch nie ganz verstanden worden, und ich glaube, es gibt nur sehr wenige Menschen, die verstehen, was es bedeutet, ein ganzes Jahr lang Konzerte verloren zu haben.

Was möchtest du deinen Fans mit auf den Weg geben?
Ich möchte alle meine Fans wissen lassen, dass ich sie alle umarmen möchte.

www.ketyfusco.com

«Music for Tomorrow»
Die Covid19-Krise trifft die Mitglieder der SUISA besonders hart. Die Haupteinnahmequelle vieler Komponistinnen, Komponisten, Verlegerinnen und Verleger fällt komplett weg: Auftritte jeglicher Art sind bis auf Weiteres vom Bund verboten worden. In den nächsten Wochen porträtieren wir auf dem SUISAblog einige unserer Mitglieder. Sie erzählen uns, was sie während der Covid19-Krise bewegt, was ihre Herausforderungen sind und wie ihr Arbeitsalltag derzeit aussieht. Die Musikerinnen und Musiker haben zudem für den SUISAblog zu Hause oder in ihrem Studio eine Eigenkomposition performt und gefilmt. Die SUISA bezahlt den Musikerinnen und Musikern für diese Aktion eine Gage.
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  1. Therese Spinas sagt:

    Liebe Kety, ich habe dich gestern in Chur in der Postremise gehört und gesehen, ein Ohr- und Augenschmaus! Ganz herzlichen Dank für das wunderschöne, unvergessliche Konzert zusammen mit Astrid und Billie (Elodie). Da ich in Chur keine Möglichkeit habe einen Tonträger von dir zu kaufen, mache ich mich demnächst auf nach Zürich. Deine Musik hat mich in eine andere Welt versetzt, ich möchte sie immer wieder hören können! Danke, danke, danke und bleib gesund. Hoffentlich auf ein baldiges Wiedersehen im Jazz-Club Chur und alles Gute. Herzlich grüsst dich Therese aus Chur

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Rappenspalten im digitalen Musikvertrieb

Das Geschäft im Online-Bereich ist – nicht nur für Urheberrechtsgesellschaften – durch einen dauernden Wandel geprägt. Im zweiten Teil des Gesprächs macht SUISA-CEO Andreas Wegelin einen Ausblick, was der heutige Stand ist und über welche Szenarien diskutiert wird. Interview von Gastautor Silvano Cerutti

Rappenspalten im digitalen Musikvertrieb

Der Musikkonsum läuft anders als vor 15 Jahren: Aus den Umsätzen der Digital Service Provider entfallen etwa 12 bis 15 Prozent auf die Urheberinnen und Urheber, was Vergütungen im Mikrorappenbereich pro Wiedergabe ergibt. (Bild: LikeBerry)

Andreas Wegelin, reden wir über Relationen und Grössenverhältnisse. Von Streaming-Dienstleistern wie etwa Spotifyerhalten die Komponistinnen und Komponisten Mikrorappenbeträge pro Wiedergabe vergütet. Wieviel Prozent des Umsatzes ist das, wenn man es hochrechnet?
Andreas Wegelin: Wenn man nur die Urheberrechte anschaut, sind das etwa 12 bis 15 Prozent von etwa 70% Gesamtumsatz des Service Providers. Der Rest entfällt für Aufnahme, Produzent, Interpret. Das entspricht in etwa der Situation offline in der Schweiz. Die Urheberrechte der Komponisten sind dort über staatlich genehmigte Tarife geregelt. Diese sind sogar leicht tiefer. Ein Monopol bringt also nicht unbedingt das bessere Ergebnis für die Urheber.

Warum kommt eigentlich nur so wenig für den Urheber zusammen? Ohne den gäbe es das Stück ja gar nicht, das andere interpretieren.
Da gebe ich Ihnen Recht. Wenn ein Komponist auch noch gut singen kann, also sein eigener Interpret ist, erhält er mehr. Das ist aber auch offline so. Da bekommt ein singender Urheber auch mehr von seiner Plattenfirma als von uns – weil der Produzent dem Service Provider auch die Musik-Aufnahme liefert, die abgespielt werden kann. Das tut nicht die SUISA, sondern Firmen wie Sony, Universal etc., die damit auch über die entsprechende Marktmacht verfügen.
Zudem, machen wir mal den Vergleich mit den Radiosendern: Ein Radio richtet sich an eine Vielzahl Hörer, die Streams an einen individuellen Hörer. Bricht man die Radioentschädigung runter auf einen Hörer, so ist die Summe nicht viel höher als im Streaming. Der Grund, warum das Streaming noch tiefer ist, liegt daran, dass ich im Radio fast nur Mainstream habe. Die Auswahl der Songs ist also begrenzt. Auf Streamingdiensten habe ich auch Nischenrepertoire. Mit anderen Worten (man behafte mich nicht auf den Zahlen): Im Radio habe ich eine «heavy rotation» von vielleicht 50 Songs im Monat, auf Spotify von 1000 Songs.

Kann ich davon ausgehen, dass ein Dienst wie Youtube in einem ähnlichen Umfang bezahlt wie Spotify?
Bei Youtube muss man die schwierig zu beantwortende Frage stellen: Worauf beziehen sich diese 12 bis 15 Prozent? Bei Spotify gibt es Abo-Einnahmen, bei Youtube hingegen haben wir nur Werbung: Es Sind also 12 bis 15% der Werbeeinnahmen, die in einem spezifischen Land auf einem spezifischen Video während eines spezifischen Zeitraums erzielt werden. Und wenn keine Werbung auf dem Video läuft, gibt es kein Geld, egal wie viele tausend Klicks insgesamt ausgewiesen werden?

Bei Youtube hat man zusätzlich das Problem, dass alle alles hochladen können, auch ohne Angabe von Rechten. Wie kann man herausfinden, was wem gehört?
Youtube versucht es automatisiert. Das funktioniert zum Teil und teils kommt es zu krassen Fehlentscheiden bei den Zuweisungen. Aber bei dieser Datenmenge geht es nur noch automatisiert. Für eine totale Kontrolle müsste man alle Soundfiles tracken können.

Das heisst, die Zukunft muss der Uploadfilter sein?
Dazu läuft in der EU eine grosse Diskussion. Bislang galt in der EU das Prinzip «safe harbour», das besagte: Ein Digital Service Provider (DSP) ist nicht verantwortlich für die Inhalte, die bei ihm hochgeladen werden. Die Regelung stammt aus dem Jahre 2002 und sollte die Entwicklung des Online-Datenaustauschs fördern. Damals gab es Youtube noch gar nicht. Youtube konnte dann von der Regelung profitieren, obwohl massenweise geschützte Inhalte über Youtube verbreitet werden. Inzwischen kommt dem Schutz des Urhebers wieder grössere Bedeutung zu. Youtube droht jetzt aber, Inhalte zu sperren, weil es zu kompliziert sei, in jedem Einzelfall für eine Abgeltung der Rechte zu sorgen. Damit wären dann gewisse Inhalte nicht mehr verfügbar und das sei eine gravierende Beschneidung der Meinungsfreiheit.

Gibt es denn Alternativen dazu?
Man könnte einen gesetzlichen Vergütungsanspruch für Urheber einführen, so ähnlich wie die Leerträgervergütung für die Privatkopie. Das würde bedeuten: Youtube ist die Verbreitung von Inhalten erlaubt, aber Youtube muss von Gesetzes wegen etwas dafür bezahlen. Bei der Leerträgervergütung war damals die Argumentation: Man kann nicht kontrollieren, was jemand auf Kassette aufnimmt, also braucht es eine Pauschallösung und die könnte sein, dass man auf jedem Leerträger eine Vergütung von z.B. 5 Rappen pro Stunde zu Gunsten der Urheber bezahlt. So etwas Ähnliches wäre auch für Online-Nutzungen möglich, ist aber hoch umstritten.

Welche Lösung wäre besser für die Urheber?
Für die Urheber in unserer Grössenordnung wäre die Pauschale besser, für die grossen Rechteinhaber ist es das heute geltende Verbotsrecht. Das gibt ihnen genügend Macht, um mit Youtube oder Google direkt zu verhandeln. Google kann sie nicht einfach übersehen. Wir hingegen mussten erst selber aktiv werden, um mit Youtube über eine Lizenz zu sprechen. Dies war auch ein Grund für unser Joint Venture und unseren Ansatz, das vertretene Repertoire zu erweitern.

Wie lange braucht man eigentlich, um einen Vertrag mit einer Plattform dieser Grössenordnung auszuhandeln?
Seit wir Teil der Joint License sind und über Mint verarbeiten, hat sich die Dauer verkürzt. Je nach Anbieter dauert es aber zwischen einem und acht Monaten. Und wenn man einen Vertrag erneuern will, sind es vier bis fünf Monate.

Und welche Strategie verfolgt die SUISA, wenn die Vertragsverhandlungen mit einem Anbieter scheitern?
In einem solchen Fall – er ist recht selten, in aller Regel findet man unter vernünftigen Geschäftspartnern eine Lösung – müssen wir um die Anerkennung und die angemessene Vergütung für die Nutzung der Rechte unserer Mitglieder vor Gericht streiten.

Wie viele DSP gibt es insgesamt?
Eigentlich zu viele (lacht). Es sind Dutzende. Man beginnt natürlich bei den Wichtigsten, also bei den Grössten. Es sind etwa 15. Aber Mint will in anderen Territorien ausbauen. In Indien beispielsweise sind die beiden grossen Telekomfirmen auch wichtige Musikprovider, das ergibt andere Konstellationen.

Ich bin Genossenschafter der SUISA, darf ich diese Verträge sehen?
Nein. Ein Provider will verhindern, dass ein Konkurrent den Vertrag sehen kann. Deshalb gibt es immer eine Geheimhaltungsklausel. Ein Genossenschafter der SUISA sieht jedoch am Ende, was er erhält. Wenn ihm das nicht passt, kann er die Rechte jederzeit jemand anderem übertragen. Ich bezweifle aber, dass er dort Einsicht in die Verträge erhält. Das ist eine Folge des Konkurrenzmarktes.

Im Dezember 2019 wurde bekannt, dass die Gema die Mehrheitsbeteiligung an der Zebralution GmbH, einem Digitalvertrieb, erworben hat. Was bedeutet diese Entwicklung für die SUISA?
Die Gema versucht auf diese Weise, verstärkt im Geschäft mit Daten für die Werke ihrer Mitglieder aktiv zu sein. Durch die Zusammenarbeit mit einem Digitalvertrieb kann es der Gema gelingen, ihren Mitgliedern einen rundum-Service anzubieten, also nicht nur die Wahrnehmung der Urheberrechte, sondern auch von verwandten Schutzrechten. Auch die SUISA wird sich überlegen, was für Schritte sinnvoll sind für einen möglichst umfassenden Service für die Mitglieder im Bereich der digitalen Verbreitung von Musik.

Züri West hat mit «I schänke dir mis Härz» Geld verdient, «079» von Lo & Leduc ist mindestens so erfolgreich, aber weit weniger ertragreich.
Wahrscheinlich ist das so. Diesen Unterschied macht es aber nicht nur für Lo & Leduc, sondern für alle, weltweit, weil eben der Musikkonsum anders läuft als vor 15 Jahren. Deshalb sind Konzerte wichtiger geworden und deshalb ist der ganze Sendebereich so wichtig, weil wir dort noch einigermassen stabile Verhältnisse haben …

Aber?
Das Problem ist, dass immer mehr Werbung ins Netz wandert. Die Lizenzgebühr für Senderechte ist abhängig vom Umsatz des Senders, dieser entspringt zu einem grossen Teil der Werbung. Die Einnahmen sinken markant, weil sich die Werbung immer mehr ins Internet verlagert.

Ein ähnliches Szenario wie bei den Zeitungen.
Genau. Das ist schwer in den Griff zu bekommen. Die nächsten Online-Verträge werden mehr Gewicht darauf legen müssen. Das ist hochspannend, eigentlich. Und natürlich gelingt es nicht immer auf Anhieb, sondern es braucht harte Verhandlungen und wenn nötig sogar Gerichtsverfahren. Das hatte man in den 70ern und 80ern ebenfalls, als es darum ging, Vergütungen für die Kabelweitersendung zu erhalten. Es gibt also immer neue Entwicklungen und Angebotsformen für Musik. Diese müssen wir im Auge behalten und es ist unsere spannende und dankbare Aufgabe, zugunsten unserer Mitglieder eine Vergütung auszuhandeln.

Zum ersten Teil des Interviews: «Schöne neue Welt»

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  1. Rolf Hug sagt:

    Very interesting. Also to mention that the big publishing companies don’t play by the code of conduct and
    can get away with anything.

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Schöne neue Welt

«Wenn ich die SUISA mit anderen Gesellschaften vergleiche, die bezüglich Online noch in den Anfängen stecken, sind wir bereits sehr gut unterwegs», ist SUISA-CEO Andreas Wegelin überzeugt. (Foto: Günter Bolzern)

Andreas Wegelin, die Abrechnung der Online-Tantiemen ist von Verzögerungen betroffen, was bei einigen Mitgliedern Enttäuschung ausgelöst hat. Können Sie das verstehen?
Andreas Wegelin: Es ist unser Job, für die Mitglieder möglichst viel herauszuholen, nicht nur online, sondern bei allen Nutzungen. Wenn es zu Kritik kommt, nehmen wir das ernst und gehen ihr nach. Es ist aber auch so, dass einige Mitglieder mehr erhalten haben als auch schon, und die sind nicht enttäuscht.

Ist die Frage falsch gestellt?
Allenfalls ist die Erwartungshaltung zu hoch. Heute wird Musik viel kleinteiliger konsumiert, von einer CD sind es vielleicht noch ein, zwei Lieder, und das schlägt sich auch in den Umsätzen nieder.

Aber die Mitglieder sollten viermal jährlich eine Abrechnung erhalten. Das hat 2019 nicht ganz geklappt. Weshalb?
Das ist richtig. Das liegt unter anderem daran, dass ein grosser Kunde verspätet gezahlt hatte. Bei der Abrechnung im Juni wäre es dann um zu kleine Beträge gegangen: Auf der einen Seite wäre die Abrechnung für viele Mitglieder unter die sogenannte Freigrenze gefallen, sie hätten also gar nichts erhalten, und auf der anderen Seite wären die Verwaltungskosten zu hoch gewesen. Deshalb hatten wir beschlossen, die Abrechnung zu verschieben. Es ist aber unser Ziel, alles quartalsmässig abzurechnen.

Sie haben also kein Problem mit der angelieferten Datenmenge, die Sie zur Berechnung der Online-Tantiemen brauchen?
Nein, das gibt es nicht. Die angelieferte Datenmenge ist zwar riesig und es bedarf einer komplexen Verarbeitung mit vielen Ländern und Währungen; unsere Systeme haben sich aber als äusserst effizient erwiesen.

Jetzt kann ich auf Plattformen wie iMusician mein Werk hochladen, es wird von dort auf verschiedene Service Provider (Spotify etc.) verteilt und ich erhalte angezeigt, wie oft mein Werk wo genutzt wird. Kann das die SUISA auch?
Das sind unterschiedliche Geschäftsmodelle. iMusician beobachtet, wo eine einzelne Aufnahme überall gespielt wird. Die lässt sich natürlich viel besser tracken, als wenn man von einem Werk gleichzeitig Dutzende, wenn nicht Hunderte von Aufnahmen verfolgen muss. Hinzukommt, dass die Musikanbieter genau wissen, wer die Künstler einer Aufnahme sind, aber keine Informationen zu den Komponisten der Songs haben.

Ist die Aufgabe der SUISA ist komplexer?
Natürlich. Kommt hinzu, dass ich eine klare Angabe der Rechte mitliefern muss, wenn ich den Song bei einem solchen Verteildienst hochlade. Bei uns gehen hingegen auch Meldungen von Werken ein, die beispielsweise von einem Fan ohne jegliche Angaben hochgeladen wurden. Wenn ich aber unsere Verwaltungskosten mit den Gebühren von einem Service wie iMusician vergleiche, finde ich: wir können gut mithalten. Aber – solche Verteildienste zeigen uns, wie wir unseren Service künftig verbessern könnten und was am Markt gefragt ist.

Nämlich?
Das Stichwort ist Tracking. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn Werbespots mit Musik von Schweizern im Ausland gesendet werden, erhalte ich die Information über die Anzahl Ausstrahlungen am besten über ein Tracking-System. Heute haben wir – auch aus Kostengründen – ein System, bei dem uns die Sender die Angaben liefern. Da heisst es dann etwa «Nivea-Spot». Ja, welcher jetzt? Wenn ich die Melodie schon als Soundfile habe, kann ich den Spot so erkennen. Das ist eine Zukunft für uns, wenn auch nicht die dringendste Massnahme für online.

Die Automatisierung ist also nur so gut wie die Daten, die sie zur Verfügung hat?
Genau. Und die sind oft unvollständig.

Und was ist mit Monitoring-Dienstleistern wie Utopia Music, die Songs im gesamten Internet suchen können?
Monitoring ist ein grosses Thema. Wir verfolgen das sehr genau, es ist unter anderem ein Pilot geplant. Aber auch hier stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Bei einem internationalen Hitproduzenten kann das stimmen, bei einem Gesamtrepertoire wie dem unseren hingegen kann der Aufwand die Verwaltungskosten in unsinnige Höhen treiben.

Jetzt hat man den Rucksack der Vollständigkeit offline aber schon lange und dort funktioniert die Verteilung relativ gut. Online aber, wo man alles messen könnte, ist es kompliziert.
Das ist ärgerlich, ja. Das Offline-System ist seit bald 100 Jahren eingespielt. Dabei decken wir aber nur die Schweiz und Liechtenstein ab. Online müssen wir weltweit betrachten und haben auch noch Wettbewerb, also Konkurrenz, weil sich gemäss EU jeder Rechteinhaber aussuchen kann, von wem er sich vertreten lässt.

Wie wirkt sich das aus?
Früher hat man der SUISA über die sogenannten Gegenseitigkeitsverträge die Rechte an einem Werk zur Wahrnehmung in der Schweiz und im FL abgetreten. Danach konnte ich jedem Komponisten, egal ob Engländer oder Amerikaner, seinen Anteil aus der Schweiz weiterschicken und erhielt die entsprechenden Anteile aus dem Ausland für Schweizer Urheber.

Online hingegen …
… darf ich eben nur noch für den Rechteinhaber einkassieren, den ich auch selber vertrete, das dafür dann aber weltweit. Plötzlich müssen die Dokumentationen viel genauer und für andere Länder nachgeführt werden, weil es sonst nicht stimmt. Da meldet die eine Gesellschaft, ihr Anteil an diesem Werk betrage 80 Prozent, die andere hingegen sagt, sie vertrete 40 Prozent, ergibt total 120, und solche Dinge passieren andauernd.

Was bedeutet das in der Konsequenz?
Der Provider sagt: Solange ihr nicht wisst, wer wofür abrechnet, zahle ich nichts aus. Oder wir bekommen gar kein Geld, dafür den Hinweis: Ich habe schon an einen anderen gezahlt!

Wie kommt es zu diesen Disputen unter den Rechtevertretern?
Ich habe beispielsweise ein Werk mit einem Komponisten, einem Texter, einem Verlag, der aber einen Subverlag vereinbart hat und auf einem anderen Territorium einen dritten Verlag beauftragt, und jetzt kann sich jeder dieser Beteiligten seine eigene Gesellschaft aussuchen fürs Online. So sind dann vielleicht vier oder fünf Gesellschaften für jeweils einen Teil des Werks zuständig. Jetzt muss genau abgesprochen werden, welcher Teil mir gehört. Da beginnen die «Disputes», weil möglicherweise der Eintrag bei den anderen anders ist.

Gibt es keine Regelung unter den Urheberrechtsgesellschaften, wie man in solchen Situationen verfährt?
Man versucht, in technischen Arbeitsgruppen sich besser zu koordinieren. Aber wegen der neuen Konkurrenzsituation unter den Gesellschaften ist eine vollständige Lösung der Schwierigkeiten noch nicht gefunden.

Kleinteiliger Musikkonsum, noch kleinteiligere Rechtevertretung, internationaler Wettbewerb ohne reibungslose Abläufe – frustriert Sie das?
Nein, das ist ja genau das Spannende! Veränderungen wie das Internet kommen von aussen auf einen zu. Jetzt kann man da den Kopf in den Sand stecken oder eben versuchen, das Beste daraus zu machen. Wenn ich die SUISA mit anderen Gesellschaften vergleiche, die bezüglich Online noch in den Anfängen stecken, sind wir bereits sehr gut unterwegs.

Aber Sie verstehen, wenn die Situation Urheber stresst?
Natürlich, sie stresst uns ja auch (lacht). Wir bauen hier einen neuen Service auf, der hoffentlich rentiert und gefragt ist und der für unsere Mitglieder das Beste herausholt. Das geht nur in kleinen Schritten und mit Rückschlägen, aber es gibt auch Fortschritte: Die Verträge konnten verbessert werden, die Infrastruktur modernisiert und die Dauer von Nutzung bis Verteilung konnte seit 2012 halbiert werden. Ich bin sehr zuversichtlich.

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Andreas Wegelin: Es ist unser Job, für die Mitglieder möglichst viel herauszuholen, nicht nur online, sondern bei allen Nutzungen. Wenn es zu Kritik kommt, nehmen wir das ernst…Weiterlesen