Tagarchiv: Showszene

«Alle meine Stücke habe ich frei aus dem Bauch heraus komponiert»

Beim Prix Walo 2018 ist Martin Nauer einer der drei Nominierten in der Sparte Volksmusik. Der Akkordeonist spielte mehr als vier Jahrzehnte lang bei der Ländlerkapelle Carlo Brunner. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat Martin Nauer im Zusammenhang mit seiner Nomination schriftlich ein paar Fragen gestellt. Text/Interview von Sibylle Roth

Martin Nauer: «Alle meine Stücke habe ich frei aus dem Bauch heraus komponiert»

Martin Nauer hat bereits als Fünfjähriger das Akkordeonspiel gelernt. (Foto: Monika Nussbaumer)

Der junge Martin Nauer fuhr mit dem «Töffli» oft nach Meierskappel, um von Walter Grob neue Fingersätze auf der Handorgel zu lernen. Er hörte seinen Vorbildern so oft wie möglich zu, denn alle Griffe und Akkorde lernte er nach Gehör. 1975 gründete er zusammen mit Carlo Brunner die Kapelle Carlo Brunner und legte damit den Grundstein für seine Karriere. Nauer absolvierte unzählige Auftritte in der Schweiz und im Ausland und spielte bei mehrere Platten- respektive CD-Aufnahmen mit.

Martin Nauer, Sie haben viele Stücke für Carlo Brunners Kapelle geschrieben: Wie sind diese Stücke genau entstanden? Haben Sie Vorgaben erhalten oder konnten Sie frei komponieren?
Martin Nauer: Gesamthaft habe ich zirka 50 Melodien komponiert. Sie alle sind auf irgendeiner der vielen CDs verewigt, die wir als Kapelle Carlo Brunner produziert haben. Bei meinen Kompositionen habe ich nie irgendwelche Vorgaben respektive Tipps bekommen oder musste mich an Empfehlungen halten. Alle meine Stücke habe ich also frei aus dem Bauch heraus komponiert.

Sie sind seit 1976 SUISA-Mitglied und viele Ihrer Kompositionen wurden von verschiedenen Verlagen herausgegeben. Können Sie mit den Vergütungen aus Ihrer SUISA-Mitgliedschaft ein finanziell sorgenfreies Leben geniessen?
Seit 1976 SUISA-Mitglied? Wie doch die Zeit vergeht! Nein, von den Vergütungen, die mir als Komponist zustehen und über die SUISA abgerechnet werden, kann ich selbstverständlich kein sorgenfreies Leben geniessen. So viele Kompositionen von mir gibt’s ja nun auch wieder nicht und so häufig werden die auch nicht gespielt, als dass die Entschädigungen viel Geld abwerfen würden. Die Tantiemen sind aber alleweil ein willkommener Zustupf, von dem sich doch auch mal was geniessen lässt.

Sie haben sich Ende 2017 aus der Kapelle von Carlo Brunner zurückgezogen. Haben Sie jetzt mehr Zeit, um eigene Stücke zu komponieren?
Meine durch den Rückzug aus der Kapelle Carlo Brunner gewonnene Zeit verwende ich nicht ausschliesslich zum Komponieren. Gleichwohl bin ich mit der Volksmusik weiterhin sehr stark verbunden, und wenn mir eine Melodie einfällt oder wenigstens die Sequenz eines neuen Tanzes, dann nehme ich die Töne auf eine Tonbandkasette auf in der offenen Erwartung, dass vielleicht mal etwas daraus wird. Da ich Noten weder schreiben noch lesen kann, bin ich auf Hilfe angewiesen, damit eine neue Melodie dann auch noch aufgeschrieben wird.

Was bedeutet die Prix-Walo-Nomination für Sie?
Die Prix-Walo-Nomination ist eine riesengrosse Freude für mich und zugleich natürlich auch eine tolle Überraschung. Als Mitglied in der Formation und als Partner von Carlo Brunner – seit über 43 Jahren – durfte ich immer auch am Erfolg von Carlo teilhaben, wenn dieser den Prix-Walo gewann. Und das war bis heute doch schon viermal der Fall. Auch für uns Kapellenmitglieder bedeuteten die Auszeichnungen jeweils eine grosse Anerkennung. Dass ich jetzt aber sogar selber für den Preis nominiert bin, damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Wie gesagt, ich habe eine Riesenfreude und bin auch stolz darauf, alleine schon mit der Nominierung diese grosse Ehre erfahren zu haben.

www.prixwalo.ch, Website des Prix Walo

Die Galaverleihung des 44. Prix Walo findet am 13. Mai 2018 in den TPC-Studios in Zürich statt und wird live auf Star TV ab 20.00 Uhr übertragen. Beim Prix Walo werden Schweizer Künstler aus. Beim Prix Walo werden Schweizer Künstler aus verschiedenen Sparten ausgezeichnet. Ziel des Prix Walo ist, die Schweizer Showbranche im Allgemeinen und den Künstlernachwuchs im Unterhaltungssektor zu fördern. Die SUISA unterstützt den Prix Walo finanziell und übergibt dieses Jahr den Preis in der Sparte Volksmusik.
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«Jedem von uns fällt mal ein Stück oder eine Melodie ein»

Eine von drei Nominierten beim Prix Walo 2018 in der Sparte Volksmusik ist die Formation Ils Fränzlis da Tschlin. In der Besetzung mit Domenic und Curdin Janett und deren Töchter Anna Staschia, Cristina und Madlaina musizieren sie angelehnt an die «Ur-Fränzlimusig» aus dem 19. Jahrhundert seit 2014 zusammen. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat Madlaina Janett, der Bratschistin der Formation, schriftlich Fragen über ihre Musik, das Komponieren und die Nomination gestellt. Text/Interview von Sibylle Roth

«Jedem von uns fällt mal ein Stück oder eine Melodie ein»

Ils Fränzlis da Tschlin: «Wir sind Botschafter jener Stücke, die auf ihrer Reise durch die Tanzsäle Europas im Engadin hängengeblieben sind». (Foto: Flurin Bertschinger)

Die Ur-Fränzlis aus dem 19. Jahrhundert hat Franz-Josef Waser, der aufgrund seiner kleinen Statur «Fränzli» genannt wurde, ins Leben gerufen. Sie spielten Tanzmusik und man erzählte sich bis weit ins 20. Jahrhundert hinein von den legendären Fränzlis. Die neuen Fränzlis wurden 1982 von Men Steiner und Domenic Janett gegründet. Seit 2012 spielen sie in der Besetzung mit Klarinette, Geige, Cello, Bratsche und Kontrabass. Nach den letzten Besetzungwechseln – hinzu kamen Cristina am Cello und Anna Staschia an der Violine – sind die Frauen gegenüber den Männern in der Formation in der Überzahl.

Madlaina Janett, Ils Fränzlis da Tschlin sind seit Jahrzehnten Botschafter für Engadiner Tanzmusik. Wie ist bei Ihnen das Verhältnis zwischen traditionellen Werken und Eigenkompositionen?
Madlaina Janett, Ils Fränzlis da Tschlin: Wenn wir ein konzertantes Programm zusammenstellen, schauen wir, dass wir ungefähr zu gleichen Teilen Neukompositionen – von uns selbst und von anderen Komponisten – und überlieferte Tänzen einbauen. Dabei verfolgen wir nicht das Ziel, die Tradition zu renovieren oder zu erneuern. Wir wollen einfach eine schöne Dramaturgie im Konzert haben, die viel Abwechslung bietet und bei der wir die Zuhörer zwischendurch auch mit ungewohnteren Tönen überraschen können. Wenn wir zum Tanz spielen – was leider nur noch sehr selten vorkommt – überwiegen die traditionellen Stücke, da diese meist tanzbarer sind als die Neukompositionen, welche oft extra für die Konzertsituation geschrieben werden und wurden.
An dieser Stelle möchten wir aber noch ganz kurz einen Kommentar zum Stichwort «Botschafter der Engadiner Tanzmusik» loswerden: Wir selber würden uns nicht als solche bezeichnen. Einerseits, weil wir wie oben erwähnt nur ganz selten zum Tanz spielen und zweitens, weil es fast nicht möglich ist, zu sagen, was denn genau «Engadiner Musik» sein soll. Unsere Vorbilder, die Ur-Fränzlis des 19. Jahrhunderts, waren ja gar keine Engadiner – sie stammten aus der Innerschweiz – und haben alles Mögliche gespielt: vom Gassenhauer, über die Operettenmelodie bis zum überlieferten Walzer. Und wenn man den sogenannten «überlieferten» Stücken etwas nachforscht, kommt oft heraus, dass sie eine lange Odyssee durch die Tanzsäle des ganzen Alpenraums hinter sich haben und dass es absolut unmöglich ist, zu sagen, ob ein Stück im Engadin oder doch eher im Burgenland oder in Italien entstanden ist. Wir sind also – wenn schon – Botschafter jener Stücke, die auf ihrer Reise durch die Tanzsäle Europas im Engadin hängengeblieben sind und im Stil der lokalen Musikanten weiterentwickelt wurden.

Wie gehen Sie beim Komponieren von neuen Stücken vor? Ihre Werke wurden ja oft von jemandem alleine komponiert; haben Sie da verschiedene Vorgehensweisen?
Die Vorgehensweisen der einzelnen Fränzlimitglieder sind recht unterschiedlich: Curdin und Domenic komponieren und arrangieren viel im Auftrag und für die verschiedensten Besetzungen. Die jüngere Generation komponiert eher spontan: Wenn einem etwas in den Sinn kommt, wird es notiert. Für die Programme der Fränzlis haben wir meist keinen speziellen Druck, etwas zu komponieren. Jedem von uns fällt mal ein Stück oder eine Melodie ein. Man bringt das fertige Stück oder das Fragment in die Probe, und dann wird gemeinsam ausprobiert, ob es zu unserer Formation passt oder nicht. Genauso gehen wir übrigens vor, wenn wir Werke von Komponisten ins Programm aufnehmen, die nicht bei uns mitspielen.

Die beiden Ältesten und die Jüngste der aktuellen Formation sind SUISA-Mitglieder, Sie selber und Cristina jedoch nicht. Wie kommt das? Sind sie nicht an den Kompositionen beteiligt?
Das bedeutet nichts anderes, als dass Cristina und ich schlicht zu faul waren, um sich um das Thema SUISA zu kümmern.
Mit den je zwei Kompositionen, die es anzumelden gäbe, besteht aber auch noch nicht so ein gewaltiger Handlungsbedarf. Aber das kommt schon noch …

Was bedeutet die Prix-Walo-Nomination für Sie?
Ganz ehrlich: Wir fragen uns nach wie vor, wie man auf uns gekommen ist.
Den Prix Walo haben wir bis jetzt mit der grossen Show- und Fernsehwelt, mit Glitzerkleidern und Dirndl in Verbindung gebracht und sicher nicht mit einer Formation wie der unserigen, die fast immer in kleinen Sälen auftritt, unverstärkt und in dezentes Schwarz gekleidet.
Aber natürlich freut es uns sehr, dass man an uns gedacht hat und dass wir offenbar wahrgenommen werden, obwohl wir in vielem nicht den Anforderungen der Show- und Entertainment-Szene entsprechen.

www.fraenzlis.ch, Website Ils Fränzlis da Tschlin
www.prixwalo.ch, Website des Prix Walo

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Eine von drei Nominierten beim Prix Walo 2018 in der Sparte Volksmusik ist die Formation Ils Fränzlis da Tschlin. In der Besetzung mit Domenic und Curdin Janett und deren Töchter Anna Staschia, Cristina und Madlaina musizieren sie angelehnt an die «Ur-Fränzlimusig» aus dem 19. Jahrhundert seit 2014 zusammen. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat Madlaina Janett, der Bratschistin der Formation, schriftlich Fragen über ihre Musik, das Komponieren und die Nomination gestellt. Text/Interview von Sibylle Roth

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«Vieles in unserer Volksmusik kommt von der Klassik her»

Dani Häusler ist einer von drei Nominierten beim Prix Walo 2018 in der Sparte Volksmusik. Häusler hat bereits früh angefangen Klarinette zu spielen und ist heute in diversen Formationen aktiv. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat den Nominierten schriftlich interviewt. Text/Interview von Sibylle Roth

Dani Häusler: «Vieles in unserer Volksmusik kommt von der Klassik her»

Der Klarinettist Dani Häusler ist einer der jüngsten Träger des «Goldenen Violinschlüssels». (Foto: Pit Bühler)

Mit 11 Jahren hat Dani Häusler angefangen, Klarinette und Saxophon zu spielen, und trat kurz darauf bereits mit seiner ersten Band, den Gupfbuebä, auf. Er hat klassische Musik studiert und mit den Formationen Pareglish und Hujässler die moderne Volksmusik geprägt. 1987 ist Dani Häusler der SUISA beigetreten. Er unterrichtet Klarinette, ist Volksmusikredaktor beim SRF, Dozent an der Hochschule Luzern und wurde letztes Jahr mit dem Goldenen Violinschlüssel geehrt.

Dani Häusler, Sie haben klassische Musik studiert und auch schon klassische Stücke für die Volksmusik arrangiert, zum Beispiel «Ländlerische Tänze» von Mozart. Wie vermischen sich die beiden Musikrichtungen?
Dani Häusler: Vieles in unserer Volksmusik kommt von der Klassik her. Mozart-Tänze kann man vom Notentext her ziemlich genau eins zu eins übernehmen. Der Unterschied zeigt sich dann aber in der Interpretation – klassische Musiker spielen gepflegter, Volksmusiker ungehobelter. Hier drin liegt ein grosser Reiz für mich.

Sie widmen sich sowohl der neuen als auch der traditionellen Volksmusik. Wie unterscheiden sich die beiden Stile und was machen Sie lieber: Neues komponieren oder das Traditionelle interpretieren?
Die «neue» Volksmusik ist grundsätzlich anspruchsvoller. Vieles ist auf eine Konzertsituation ausgerichtet. Die traditionelle Volksmusik zelebriert eher das gemütliche Beisammensein mit Essen, Trinken und Tanzen. Komponieren kann man traditionell oder modern – wobei das «Neue» meist mit mehr Aufwand verbunden ist. Leider fehlt mir seit einigen Jahren die Zeit dazu.

Sie sind Volksmusikredaktor bei der Musikwelle. Wie sieht es aktuell mit der Volksmusik in der Schweiz aus?
Gut. Aber es kommt immer drauf an, wo man hinschaut. Die Schwyzerörgeli-Formationen boomen wie verrückt, Bläserkapellen sind massiv zurückgegangen. Grundsätzlich fehlt aber am meisten das Publikum. Grossanlässe boomen zwar, Volksmusik-Abende in Restaurants jedoch werden immer schwieriger durchzuführen.

Was bedeutet die Prix-Walo-Nomination für Sie?
Ich freue mich – mein Leben wird sich aber nicht ändern.

www.danihaeusler.ch, Website von Dani Häusler
www.prixwalo.ch, Website des Prix Walo

Die Galaverleihung des 44. Prix Walo findet am 13. Mai 2018 in den TPC-Studios in Zürich statt und wird live auf Star TV ab 20.00 Uhr übertragen. Beim Prix Walo werden Schweizer Künstler aus verschiedenen Sparten ausgezeichnet. Ziel des Prix Walo ist, die Schweizer Showbranche im Allgemeinen und den Künstlernachwuchs im Unterhaltungssektor zu fördern. Die SUISA unterstützt den Prix Walo finanziell und übergibt dieses Jahr den Preis in der Sparte Volksmusik.
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Dani Häusler ist einer von drei Nominierten beim Prix Walo 2018 in der Sparte Volksmusik. Häusler hat bereits früh angefangen Klarinette zu spielen und ist heute in diversen Formationen aktiv. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat den Nominierten schriftlich interviewt. Text/Interview von Sibylle Roth

Dani Häusler: «Vieles in unserer Volksmusik kommt von der Klassik her»

Der Klarinettist Dani Häusler ist einer der jüngsten Träger des «Goldenen Violinschlüssels». (Foto: Pit Bühler)

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«Der Kleine Prix Walo ist ein schönes Erfolgserlebnis für die Seerugge Feger»

Die Seerugge Feger aus dem Kanton Thurgau haben den Kleinen Prix Walo 2015 in der Kategorie Volksmusik gewonnen. Der Songschreiber der Band, Philipp Manser, ist vor Kurzem neu der SUISA beigetreten. Eine Spurensuche, wie der «Feger-Sound» entsteht und was man damit erreichen kann. Text von Manu Leuenberger

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Philipp Manser im Proberaum der Seerugge Feger: Im Keller des elterlichen Wohnhauses feilt die Band ein Mal wöchentlich an Songs und Sound. (Foto: Manu Leuenberger)

«Der Sieg beim Kleinen Prix Walo ist ein weiteres schönes Erfolgserlebnis für die Seerugge Feger», sagt Philipp Manser. Er ist der Leadsänger und spielt Schwyzerörgeli im Quartett, das neben ihm aus seinem Bruder Fabian Manser (Gesang, Schlagzeug) sowie den Cousins Tobias Manser (Gesang, Schwyzerörgeli) und Sandro Holenstein (Gesang, E-Bass) besteht. Mit der Band Seerugge Feger haben die Musiker, alle zwischen 23 bis 25 Jahre alt, den Kleinen Prix Walo 2015 in der Kategorie Volksmusik gewonnen.

Der Erfolg beschränkt sich nicht nur auf den Pokal, den Prix-Walo-Stern, den sie beim Final im Dezember 2015 im aargauischen Birr als Gewinner entgegennehmen durften und «auf den man als Erinnerungstück zurückschauen kann». Die Teilnahme am Nachwuchswettbewerb brachte sie in Kontakt mit Leuten aus dem Musikgeschäft. «Zudem wurde und wird dadurch über unsere Gruppe in den Medien berichtet», freut sich Philipp Manser: «Wir dürfen auch an der Gala des ‹grossen› Prix Walo mit dabei sein und werden dort auftreten können.»

Beim Songschreiben kommt zuerst der Text

Am Final des Kleinen Prix-Walo haben die Seerugge Feger das Stück «Alles was i bruch» zum Besten gegeben. Ein Stück, das Philipp Manser komponiert und getextet hat. «Das hat mich persönlich sehr gefreut, dass wir die Jury mit einem selbst geschriebenen Titel überzeugen konnten», sagt der 23-Jährige.

Bei der Gründung vor fünf Jahren hiess die Band zunächst Seerugge-Trio. Mit der Erweiterung zum Quartett wenig später wurde sie in Seerugge Feger umbenannt. Auf der Website der Gruppe sind die Funktionen der Bandmitglieder klar definiert. Fabian ist zuständig für das Booking. Sandro kümmert sich um die Finanzen. Tobias zeichnet verantwortlich für die Technik. Philipp ist der Songschreiber.

«Meine Cousins und mein Bruder mögen meine Stücke mit schweizerdeutschem Text», sagt Philipp Manser, «meistens jedenfalls kriege ich von ihnen für meine Textideen den Daumen hoch gezeigt.» Ein neues Stück fängt der Songschreiber der Seerugge Feger mit dem Text an. Der Text gibt eine Atmosphäre, eine Stimmung für den Song vor. Daraus entsteht eine Melodie. Um die Melodie herum wird die Begleitung, das Arrangement geschaffen.

Schwyzerörgeli ersetzen Gitarren

Jeden Montag trifft sich die Band zur gemeinsamen Probe. Die sorgsam verklebten Eierkartons an der Decke zeugen von enthusiastischer Handarbeit bei der Einrichtung des Übungsraums im Keller des Wohnhauses, in dem Philipp Manser zusammen mit seinem Bruder noch bei den Eltern in Hörhausen im Thurgau in ländlicher Umgebung lebt.

Bei den Proben kriegen die Bandmitglieder die musikalischen Ideen zu den Texten zu hören. «Ich sehe es ihren Gesichtern schon nach wenigen Takten an, ob für die Idee Begeisterung oder keine Begeisterung besteht», erzählt Philipp Manser. Gefällige Ideen werden ausgearbeitet oder Änderungsvorschläge gemeinsam besprochen und die Stücke angepasst.

«Wir wollen, dass unsere Songs den typischen ‹Feger-Sound› haben», sagt der Songschreiber Manser. «Vom Prinzip her übernehmen wir Gitarrensachen auf dem Schwyzerörgeli, soweit das möglich ist, und Schlagzeug und Bass spielen einen speziellen Groove.» Ihre Musik soll modern daherkommen, ist das erklärte Ziel der vier Musiker, die auf ihrer Website als Lieblingsbands Coldplay, AC/DC und Status Quo angeben.

Auftritte im Fernsehen und im Vatikan

Der «Feger-Sound» wird immer mehr Hörern volkstümlicher Musik bekannt. «Wir durften mit der Band schon einige schöne Dinge erleben», erzählt Philipp Manser. Gerne und lebhaft erinnert er sich an die Auftritte in der Sendung «Samstig-Jass» im Schweizer Fernsehen, beim Fest zum 1. August der Schweizer Garde im Vatikan in Rom, und natürlich an den Nachwuchswettbewerb des «Musikantenstadl», dank dem sie Ende 2014 in der 4-stündigen TV-Gala «Silvesterstadl» in Graz auftreten konnten.

Im Zusammenhang mit dem Auftritt im «Silvesterstadl» nahmen die Seerugge Feger ihr erstes Album auf. Die CD «Made in Switzerland» entstand in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Uwe Altenried, dem Ex-Keyboarder der Klostertaler, und ist seit 2015 erhältlich. Eine neue CD befindet sich in Entstehung.

Aus Versehen erst erst seit Kurzem bei der SUISA

Das erste Schwyzerörgeli bekam Philipp Manser von seinem Onkel geschenkt. Dieser gab ihm im Bubenalter auch den ersten Unterricht. In der Folge wurde er mehrere Jahre lang an der Musikschule auf dem Instrument unterrichtet. Die ersten eigenen Stücke habe er für die Formation Die jungen Manser Buebe im Alter von 16 oder 17 Jahren komponiert, vermutet er, kann sich an das genaue Jahr aber nicht mehr erinnern.

Der SUISA ist Philipp Manser erst im Herbst 2015 beigetreten. «Das war ein Versehen», erklärt er, «wir sind davon ausgegangen, dass mich die Plattenfirma längst angemeldet hat.» Als er bei der SUISA etwas nachfragen wollte, ist das Versehen aufgefallen und die Anmeldung wurde nachgeholt.

Mittlerweile hat er im Frühling die erste Abrechnung von der SUISA erhalten. Mit den ausbezahlten Vergütungen kann er keine grossen Sprünge machen. Den Lebensunterhalt vom Musikmachen zu bestreiten, steht für ihn im Moment ohnehin nicht zur Diskussion.

Kleiner Prix Walo weiterer Meilenstein für Seerugge Feger

«Wir sprechen ab und zu in der Band darüber, wie wir reagieren würden, wenn sich die Chance auf den grossen Durchbruch ergäbe», sagt Philipp Manser. Vorderhand arbeiten die Bandmitglieder alle noch in einem anderen Hauptberuf und betreiben die Musik nebenher.

Seit der Veröffentlichung der ersten CD letztes Jahr spielt die Band durchschnittlich drei bis vier Konzerte pro Monat. Die Konzertanfragen nehmen zu, häufig können die Musiker aus Zeitgründen nicht zusagen.«Wir sind zufrieden und gut ausgelastet, so wie es im Moment läuft», sagt Philipp Manser. Die Seerugge Feger nehmen Schritt für Schritt in ihrer Musikkarriere. Der Gewinn des Kleinen Prix Walo 2015 ist ein weiterer Meilenstein auf ihrem Weg.

www.seeruggefeger.ch, offizielle Band-Website

Der Prix Walo wird seit 1974 vom Verein Show Szene Schweiz vergeben. Mit der Auszeichnung werden die erfolgreichsten Schweizer Unterhaltungskünstlerinnen und –künstler in verschiedenen Sparten – von Pop/Rock, Hip Hop, Jazz/Blues, Blasmusik über Kabarett/Comedy, Film-, Bühnen- bis TV-Produktion und Schauspieler – geehrt. Die 42. Preisverleihung des Prix Walo findet am Sonntag, 8. Mai 2016, im Kongresshaus Zürich statt und wird live auf Star TV ausgestrahlt. Die SUISA unterstützt den Verein Show Szene Schweiz.

Mit dem Nachwuchswettbewerb Prix-Walo-Sprungbrett und der Verleihung des Kleinen Prix Walo sollen Schweizer Talente aus der der Showszene gefördert werden. Informationen inklusive Anmeldemöglichkeit für die Prix-Walo-Sprungbrett-Veranstaltungen 2016 finden sich auf der Website des Prix Walo.

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Philipp-Manser-Portraet_2

Philipp Manser im Proberaum der Seerugge Feger: Im Keller des elterlichen Wohnhauses feilt die Band ein Mal wöchentlich an Songs und Sound. (Foto: Manu Leuenberger)

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Adieu grosser Jörg Schneider!

Jörg Schneider gehörte ohne Zweifel zu den beliebtesten Schauspielern der Schweiz. Überdies führte er unter anderem Regie, lieh seine Stimme der Figur «Kasperli» und schrieb Märchen und Musicals. Als Textautor von über 200 Liedern, deren Musik er teilweise auch selbst komponierte, war er seit langem Mitglied bei der SUISA. Ende August 2015 ist Jörg Schneider im Alter von 80 Jahren gestorben. Nachruf von Gastautorin Monika Kaelin

Joerg Schneider Portrait

Jörg Schneider, im Bild in einer Aufnahme von 2013, schrieb viele Liedtexte und komponierte bei einigen auch die Musik dazu. (Foto: Christoph Kaminski)

Viel zu früh musste er von uns gehen. Er, der sich immer gesund ernährte, nie über die Stränge haute, sondern sich voll und ganz den Brettern, die die Welt bedeuten, verschrieben hatte. Jörg Schneider war Perfektionist in Person, übersetzte unzählige Stücke aus dem Englischen und Hochdeutschen ins Schweizerdeutsche, schrieb über 200 Liedtexte, spielte in all seinen Boulevard-Eigenproduktionen die Hauptrolle, war in TV-Serien wie «Polizischt Wäckerli» und in «Motel» als Koni Frei erfolgreich, überzeugte beim Soap-Dauerbrenner «Lüthi und Blanc» als Buchhalter Oskar Wehrli, führte nebenbei Regie, schrieb Märchen und Musicals, lieh seine Stimme der Figur «Kasperli» und musste sich nach über 55 Jahren Bühnenpräsenz mit einem Schlag der unheilbaren Krankheit Krebs entgegenstellen.

Keine leichte Aufgabe für einen quirligen und arbeitsfreudigen Ausnahmekünstler, der sich als ausgebildeter Lehrer und danach diplomierter Berufsschauspieler eigentlich der Klassik verschrieben hatte, schliesslich aber in der leichten Muse sein grosses Publikum fand und jahrelang Millionen von Schweizer Zuschauern erfolgreich begeisterte. Der Volksschauspieler war Bühnenschaffender vor und hinter den Kulissen, der schrieb, produzierte und auch inszenierte. Von Natur aus war der waschechte Zürcher ein fröhlicher Mensch. Wenn ihn etwas störte, räumte er die Begebenheit mit einem sarkastischen Spruch und einem Lachen aus dem Weg.

Vielseitiger Ausnahmekünstler

Die Vielseitigkeit des Ausnahmekünstlers Jörg Schneider zeigt sich besonders eindrücklich bei einem Blick auf seine rege künstlerische Tätigkeit. An der Seite von Ruedi Walter wirkte Jörg Schneider als Wladimir in der vielbeachteten Aufführung des Beckett-Stücks «Warte uf de Godot» in der Mundart-Adaption von Urs Widmer mit. Im Sommertheater Winterthur sowie im Freilufttheater Hohe Promenade in Zürich spielte er in vielen weiteren klassischen Theaterstücken mit.

1963 startete er seine TV-Karriere als junger Schauspieler in «Vico, ist’s wahr?» und reiste an der Seite von Vico Torriani durch die Schweiz. Der grosse Durchbruch gelang ihm ab 1966 mit dem Hörspiel, der Bühnenproduktion und der TV-Serie «Polizischt Wäckerli».

Unvergesslich bleibt Jörg Schneider als Vater von 41 Kasperli-Geschichten, die Generationen von Kindern begeisterten und noch heute ein Renner sind. Für die Zürcher Märchenbühne und das Opernhaus Zürich sind unter seiner Beteiligung unzählige Kindermusicals und -märchenspiele entstanden.

Zürcher Wirkungsstätten waren auch das Schauspielhaus, das Corso-Theater, das Theater am Hechtplatz und vorwiegend das Bernhard-Theater. Im Musical «Z wie Züri» durfte ich 1976 zum ersten Mal als Schauspielerin und Sängerin an seiner Seite mitwirken. Jörg gab mir bei dieser Produktion viele Tipps und erklärte mir zum Beispiel, wie ich etwas sagen sollte, damit ich eine Pointe auf sicher hatte. Seine Ratschläge wurden für mich zur besten Schauspielschule, die ich je erleben durfte, denn ich lernte direkt beim Spielen auf der Bühne.

Grossartiges Lebenswerk

Es folgten in den kommenden Jahren jährlich viele weitere Stücke, die Jörg Schneider im Bernhard-Theater mit seinem Ensemble aufführte und auf Tournee in der Schweiz erfolgreich spielte. 2014 musste er schliesslich aus gesundheitlichen Gründen seine Abschiedstournee mit der Dialekt-Tragikomödie «Häppi Änd» abbrechen. In dieser harten, mit Schmerzen verbundenen Leidenszeit drehte er noch tapfer zusammen mit dem ebenfalls kürzlich verstorbenen Matthias Gnädinger und unter der Regie von Paul Riniker den Kinofilm «Usfahrt Oerlike».Der Film erhielt den «Prix du Public» an den 50. Solothurner Filmtagen, wo das grossartige Schaffen von Jörg Schneider mit Standing Ovations geehrt wurde. Zwei Mal war Jörg Schneider mit dem Prix Walo ausgezeichnet worden: 1995 als Schauspieler, 2014 für sein Lebenswerk.

Im März 2015 erschien sein letztes Werk, die Autobiografie «Äxgüsi». Nach seiner Leidenszeit als Krebskranker schlief Jörg Schneider am 22. August 2015 in den Armen seiner geliebten Frau Romy friedlich zu Hause in Wetzikon ein, befreit von Schmerzen und mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Er war ein guter Mensch und wird uns Schauspielkollegen und seinem geliebten Publikum sehr fehlen. Danke lieber Jörgli für alles, was Du für uns ein Leben lang mit Freude, Liebe und Engagement geschaffen hast.

In Freundschaft Deine
Monika Kaelin

Monika Kaelin ist Komponistin, Texterin, Sängerin, Entertainerin und Moderatorin sowie Theater-, Musik- und Event-Organisatorin, Präsidentin des Vereins Show Szene Schweiz und TV-Produzentin des Prix Walo. Von 1999 bis 2015 war sie Mitglied des Vorstandes der SUISA.

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Jörg Schneider gehörte ohne Zweifel zu den beliebtesten Schauspielern der Schweiz. Überdies führte er unter anderem Regie, lieh seine Stimme der Figur «Kasperli» und schrieb Märchen und Musicals. Als Textautor von über 200 Liedern, deren Musik er teilweise auch selbst komponierte, war er seit langem Mitglied bei der SUISA. Ende August 2015 ist Jörg Schneider im Alter von 80 Jahren gestorben. Nachruf von Gastautorin Monika Kaelin

Joerg Schneider Portrait

Jörg Schneider, im Bild in einer Aufnahme von 2013, schrieb viele Liedtexte und komponierte bei einigen auch die Musik dazu. (Foto: Christoph Kaminski)

Viel zu früh musste er von uns gehen. Er, der sich immer gesund ernährte, nie über die Stränge haute, sondern sich voll und ganz den Brettern, die die Welt bedeuten, verschrieben hatte. Jörg Schneider war Perfektionist in Person, übersetzte unzählige Stücke aus dem Englischen…Weiterlesen

Die Evergreens von Beny Rehmann leben weiter

Beny Rehmann, der beliebte Schweizer Trompeter, Bandleader und Komponist, ist im vergangenen Dezember im Alter von 78 Jahren gestorben. Evergreens wie die «Schiffsfeger-Polka», «Oh Katharina», «Morgenmuffel» oder «Jeden Tag geht die Sonne auf» leben weiter und bleiben der Nachwelt als sein musikalisches Vermächtnis erhalten. Nachruf von Gastautor Hans «Housi» Bracher

Beny-Rehmann-Trompete

Der im Dezember 2014 verstorbene Beny Rehmann war seit 1967 Mitglied bei der SUISA. (Foto: StudioArt.ch)

Beny Rehmann wurde am 11. September 1936 in Kaisten AG als 12. von 13 Kindern geboren. Mit 16 Jahren erhielt er von seinem Bruder eine Trompete geschenkt. Er absolvierte die Rekrutenschule als Trompeter, wurde von Georges Hofer als Solotalent entdeckt und in die Musikgesellschaft Strengelbach (MGS) aufgenommen.

Am Silvester 1962/63 hatte er mit einem Quartett, «Die lustigen Tiroler Musikanten», seinen ersten Auftritt. Der Auftritt mit Stücken wie «Tanz beim Dorfwirt» oder «Die Dorfschöne» von Slavko Avsenik war ein Riesenerfolg. Beny hatte im Radio ein Live-Konzert mit den «Original-Oberkrainern» gehört und war davon so begeistert, dass er sich mit mir zusammentat, um diese wunderbare Art Musik zu spielen. Nur wenige kannten damals in der Schweiz den mitreissenden Oberkrainer-Sound. Eine Musik, die ihren Ursprung in der slowenischen Folklore hat.

Erfolgreich mit eigenen Kompositionen

Ermutigt durch den Erfolg am Silvester 1962/63 begann Beny Rehmann mit eigenen Kompositionen. Bewusst betonte er dabei seinen eigenen Stil, indem er zu Akkordfolgen griff, die in der slowenischen Volksmusik nicht vorkommen.

Beny-Rehmann-Tiroler-Musikanten

Eines der ersten Fotos des Quartetts «Die lustigen Tiroler Musikanten», mit Trompeter Beny Rehmann links, Ueli Aebi mitte, Albert König rechts und Housi Bracher vorne, aufgenommen im Jahr 1963 (Foto: zVg / Privatarchiv Hans Bracher)

1965 nahm er mit seinen «lustigen Tiroler Musikanten» am damals bekannten Blick-Festival teil und belegte am Final im Kursaal Bern hinter Paola del Medico und dem Eugster-Quartett den dritten Platz. Erste Schallplattenaufnahmen waren die Folge.

Beny nannte seine Formation neu «Beny Rehmann Quintett», erweiterte das Ensemble auf ein Sextett, baute die Musikstilrichtungen aus und trat sich schliesslich unter dem Namen «Beny Rehmann Showorchester» auf.

Rund 4000 Live-Konzerte gespielt

Mit rund 4000 Live-Konzerten, Radio-und Fernsehauftritten bei SRF, ORF, ZDF, ARD, beispielsweise acht mal Musikantenstadel mit Karl Moik, war er aus der damaligen Showszene nicht mehr wegzudenken.

Beny Rehmann war ein Pionier in der Szene. So wagte er sich anfangs der 80er-Jahre trotz negativer Voraussagen von diversen Schweizer Konzertagenten auf eine Herbsttournee mit zwanzig Auftritten in bekannten Schweizer Konzertsälen. Das Fazit: Ausverkaufte Konzerte!

Hits von Beny Rehman wurden zu Evergreens

Seine Aufnahmen wurden 16 Mal mit Gold, 7 Mal mit Platin und 1 Mal mit Doppelplatin ausgezeichnet. 1984 erhielt er den Prix Walo als bester Schweizer Showstar. 2012 wurde er nochmals mit einem Prix Walo ausgezeichnet, dieses Mal mit dem Ehrenpreis.

Evergreens wie die «Schiffsfeger-Polka», «Dreamland», «Morgenmuffel», «Jeden Tag geht die Sonne auf» oder «Oh Katharina» leben weiter und bleiben der Nachwelt als sein musikalisches Vermächtnis erhalten.

Mit der goldenen Trompete Menschen glücklich gemacht

Beny Rehmann war ein offener, ehrlicher, bescheidener, aber auch ehrgeiziger und pedantischer Musiker. Er erhielt grosse Unterstützung von seiner Familie, die ihm alles bedeutete. Seine ganze Seele und sein ganzes Herz legte er in die Kompositionen. Benys brillantes, gefühlvolles Spiel mit der goldenen Trompete war unverkennbar.

Seit dem 19.12.2014 ist Beny Rehmann nicht mehr unter uns. Gesundheitliche Probleme haben ihm seit Jahren zu schaffen gemacht.

Danke Beny, dass ich dich über viele Jahrzehnte als Musikerkollege begleiten und Zehntausende von Menschen mit deiner Musik glücklich machen konnte.

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Beny Rehmann, der beliebte Schweizer Trompeter, Bandleader und Komponist, ist im vergangenen Dezember im Alter von 78 Jahren gestorben. Evergreens wie die «Schiffsfeger-Polka», «Oh Katharina», «Morgenmuffel» oder «Jeden Tag geht die Sonne auf» leben weiter und bleiben der Nachwelt als sein musikalisches Vermächtnis erhalten. Nachruf von Gastautor Hans «Housi» Bracher

Beny-Rehmann-Trompete

Der im Dezember 2014 verstorbene Beny Rehmann war seit 1967 Mitglied bei der SUISA. (Foto: StudioArt.ch)

Beny Rehmann wurde am 11. September 1936 in Kaisten AG als 12. von 13 Kindern geboren. Mit 16 Jahren erhielt er von seinem Bruder eine Trompete geschenkt. Er absolvierte die Rekrutenschule als Trompeter, wurde von Georges Hofer als Solotalent entdeckt und in die Musikgesellschaft Strengelbach (MGS) aufgenommen.

Am Silvester 1962/63 hatte er mit einem Quartett, «Die lustigen Tiroler Musikanten», seinen ersten Auftritt. Der Auftritt mit Stücken wie «Tanz…Weiterlesen

Mit der SUISA an die Swiss Music Awards: 3x 2 VIP-Tickets zu gewinnen

Ihr wolltet schon immer mal mit den Stars über den roten Teppich laufen? An einer Afterparty mit Euren Lieblingen aus der Schweizer Showszene anstossen? Die SUISA macht es möglich. Drei einfache Fragen richtig beantworten und schon nehmt Ihr an der Verlosung von 3x 2 VIP-Tickets für die Swiss Music Awards am 27.2.2015 im Zürcher Hallenstadion teil.

Mit Suisa zu SMA

An den Swiss Music Awards wird das Schaffen der erfolgreichsten Musiker geehrt. Gleichzeitig soll Newcomern eine Plattform gegeben werden, um ihre Musik einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. (Foto: Marcel Grubenmann)

Carlos Leal, Stefanie Heinzmann und Die Fantastischen Vier sind nur einige der Showacts, die an den Swiss Music Awards am 27.2.2015 im Zürcher Hallenstadion auftreten. Dazu gesellen sich viele weitere Persönlichkeiten aus der Schweizer Showszene. Und nach der Show steigt die Afterparty mit den Stars im «Kaufleuten» in Zürich-City.

Wettbewerb mit drei einfachen Fragen zur SUISA

Und so seid Ihr an den Swiss Music Awards mit dabei: Geht auf die Seite www.suisa.ch/sma und beantwortet drei einfache Fragen zur SUISA richtig. Mit etwas Glück gehört Ihr zu den drei Gewinnern, die zusammen mit einer Begleitperson als VIP an diesem Event dabei sein dürfen! Um am Wettbewerb teilnehmen zu können, müsst Ihr mindestens 18 Jahre alt sein.

SUISA ist Supporting Partner der Swiss Music Awards

Die Swiss Music Awards gehören zu den bekanntesten Musikpreisen der Schweiz. Die SUISA ist Supporting Partner und unterstützt den Anlass zusammen mit ihrer Stiftung, der FONDATION SUISA.

Hier geht’s zum Wettbewerb: www.suisa.ch/sma

Weitere Informationen zu den Swiss Music Awards: www.swissmusicawards.ch

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  1. Giorgio Tebaldi sagt:

    Guten Tag Afrodita

    Danke für die Teilnahme am Wettbewerb. Die Gewinner wurden letzte Woche ausgelost und benachrichtigt. Leider haben Sie nicht gewonnen. Vielleicht klappt es beim nächsten Mal.

    Freundliche Grüsse

    Giorgio Tebaldi / Kommunikation SUISA

  2. Afrodita sagt:

    Ich hoffe ich könnte den Preis gewinnen ich habe immer mit gemacht aber habet leider nie gewonnen

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An den Swiss Music Awards wird das Schaffen der erfolgreichsten Musiker geehrt. Gleichzeitig soll Newcomern eine Plattform gegeben werden, um ihre Musik einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. (Foto: Marcel Grubenmann)

Carlos Leal, Stefanie Heinzmann und Die Fantastischen Vier sind nur einige der Showacts, die an den Swiss Music Awards am 27.2.2015 im Zürcher Hallenstadion auftreten. Dazu gesellen sich viele weitere Persönlichkeiten aus der Schweizer Showszene. Und nach der Show steigt die Afterparty mit den Stars im…Weiterlesen