Tagarchiv: Schweizer Musik

Der Klang des Berges

Dieses Jahr findet zum ersten Mal das Floating Notes Festival beim San Bernardino in Graubünden statt. Das Floating Notes steht im Zeichen von experimenteller Musik. Die Festivalmacher, Künstlerinnen und Künstler beschreiben in diesem Blogbeitrag, wie die einzigartige Landschaft die Musik und die Auftritte beeinflusst. Die SUISA ist Sponsoring-Partnerin des Festivals. Gastbeitrag von Elena Rotondi

Floating Notes Festival: Der Klang des Berges

Das Floating Notes Festival findet vom 23. bis 25. Juli 2021 in Mesocco beim San Bernardino statt. (Foto: Sebastiano Piattini)

Kety Fusco, Gründerin und Programmgestalterin des Floating Notes Festivals, hat eine sehr genaue Vorstellung davon, was der Herzschlag ihres Festivals sein wird: Die Künstler werden eine experimentelle und unveröffentlichte Klangforschung betreiben, die sich unter Berücksichtigung ihres eigenen künstlerischen und musikalischen Hintergrunds an den Ort der Aufführung anpasst und es unmöglich macht, den Inhalt der Aufführung von dem Ort zu lösen, an dem er entstanden ist. Aus diesem Grund wird das Floating Notes Festival ein völlig neuartiges Ereignis sein, denn Musik und Ort werden in einer einzigartigen Performance zusammengeführt.

Kety Fusco wird mit ihrer elektrischen Harfe die Eröffnungsnacht des Festivals an der Quelle des San Bernardino (GR) am Freitag, 23. Juli, eröffnen. Dies, so erzählt sie, soll ein Manifest der Idee sein, die hinter dem Festival steht: das Bedürfnis, die Ästhetik und die Geschichte des San Bernardino zu vereinen, einen Ort wiederzubeleben, der historisch gesehen schon immer ein Anziehungspunkt für internationale Reisende war und der auch heute noch – dank der unberührten Schönheit, die man an einigen Stellen trifft – viele Besucher anzieht. All dies mit Blick auf die Zukunft, durch die stimmungsvolle, innovative und experimentelle Musik, die diese Umgebung bevölkern und sie mit einer neuen Bedeutung füllen wird.

Die Künstlerinnen und Künstler im Programm wurden gefragt, wie ihr kreativer Prozess ihre Vorbereitung auf das Festival und ihre Performance auf der Bühne steuert. Camilla Sparksss, die am Abend in der Fonte Minerale auftritt, erzählt uns, wie sie eigens für das Floating Notes Festival mit einem Live-Set experimentiert: «Es entstehen Klänge, die meiner Meinung nach dem Klang des Berges in seiner Erhabenheit, mit seinen Echos und seinen Gefahren sehr nahe kommen. Es wird eine Performance sein, die für jemanden sehr experimentell scheinen könnte. Aber man muss einfach die Augen schliessen und sich sich eine Reise ins Innere der Felsen vorstellen, um sich eins mit den Bergen zu fühlen.»

Interessant ist auch, wie der junge Musiker Adriano Koch, der den Abend des Freitags, 23. Juli, beschließen wird, seinen Auftritt mit dem Ort verknüpft, an dem er auftritt: «Es ist immer wieder motivierend zu sehen, wie ein Ort die Energie und die künstlerische Botschaft eines Songs verändern kann. Deshalb ist es für mich wichtig, eine Aufführung aufzunehmen, um diesen speziellen Moment, der nie wieder da sein wird, festzuhalten.»

Dieses Festival in Graubünden könnte nicht ohne die Anwesenheit des Pioniers der Instrumental- und Klangforschung weitergehen: Am nächsten Tag, dem Samstag, 24. Juli, wird Simon Berz auf dem San-Bernardino-Pass eine Live-Performance mit Steinen spielen. Der Musiker erklärt: «Ich habe mein Instrument Tectonic aus vulkanischen Klangsteinen gebaut, die ich in Island gefunden habe. Die Steine werden nun in einem anderen ‹Steinraum› spielen, dem in San Bernardino.»

Das Floating Notes Festival zeichnet sich auch durch eine Veranstaltung aus, die Musik und Körper miteinander verbindet: eine geführte Meditation von Keri Gonzato, die von der Musik von Federica Furlani, alias Effe Effe, ab Tonträger begleitet wird. Eine Klanglandschaft, wie geschaffen für die Meditation auf mehr als 2000 Metern Höhe.

Am Samstag, den 24. Juli, wird der Soundtrack des Festivals uraufgeführt. Dieser wurde bei der Tessiner Musikerin Chiara Dubey in Auftrag gegeben. Sie beschreibt den kreativen Prozess ihrer Komposition wie folgt: «Am Anfang stand die Idee, dass ich mich wahrscheinlich von den Klängen der natürlichen Elemente inspirieren lassen würde, in die ich nach meiner Ankunft in San Bernardino eintauchen würde. Zum Beispiel vom Rascheln der Tannenbäume oder dem Plätschern des Wassers. Da dieses Konzert mein erster Vorgeschmack auf die Berge nach einem seltsamen Jahr gemeinsamer Einsamkeit und ohrenbetäubender Stille ist, beschloss ich für dieses Stück, nach innen zu schauen: Ich lauschte meinen Gedanken und es war, als würde ich nach langer Zeit einen alten Freund wiederfinden. Ich bin sicher, dass ich nicht die Einzige war, der diese Erfahrung gemacht hat. Und ich hoffe, dass es sowohl für mich als auch für alle Anwesenden befreiend sein wird, diesen Song, ‘Stranger’, in der Nacht des Festivals donnern zu lassen, auch weil unsere Bühne von einer spektakulären Berglandschaft umgeben sein wird, von einer rohen, natürlichen, freien Schönheit».

Den Abschluss des Samstagabends bildem Peter Kernel, ein bekanntes Tessiner Duo, das sich in einem ungewöhnlichen Kontext und mit einem ebenso ungewöhnlichen Auftritt am Festival sein wird. So werden Aris Bassetti und Barbara Lehnhoff nicht als typische Rockband auftreten, sondern ein exklusives DJ-Set vorbereiten, das aus Musik aus der Vergangenheit besteht und in die Zukunft führt, so dass sie in den Furchen der umliegenden Berge am besten widerhallt: «Für uns ist es zentral, eine gewisse Verbindung mit dem Publikum herzustellen; wir müssen uns verstehen, um ein unvergessliches Erlebnis zu schaffen. Für Floating Notes haben wir uns entschieden, etwas Exklusives zu machen, etwas, das wir sonst nie machen. Wir werden kein normales Konzert spielen, sondern ein experimentelles DJ-Set. Wir werden Musik spielen, die irgendwie gut in den Kontext von Bergen und frischer Luft passt; und wir werden versuchen, sie auf unsere eigene Art zu mischen.»

Das Floating Notes Festival findet vom 23. bis 25. Juli 2021 in Mesocco (GR) beim San Bernardino statt. Auftreten werden die Schweizer Künstlerinnen und Künstler Kety Fusco, Camilla Sparksss, Chiara Dubey, Leoni Leoni, Peter Kernel und Adriano Koch, die Italienerin Federica Furlani (Effe Effe) sowie der Musiker Simon Berz. Zudem gibt es eine geführte Meditation mit Keri Gonzato. Weitere Informationen findet man unter www.facebook.com/floatingnotesfestival.
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Dieses Jahr findet zum ersten Mal das Floating Notes Festival beim San Bernardino in Graubünden statt. Das Floating Notes steht im Zeichen von experimenteller Musik. Die Festivalmacher, Künstlerinnen und Künstler beschreiben in diesem Blogbeitrag, wie die einzigartige Landschaft die Musik und die Auftritte beeinflusst. Die SUISA ist Sponsoring-Partnerin des Festivals. Gastbeitrag von Elena Rotondi

Floating Notes Festival: Der Klang des Berges

Das Floating Notes Festival findet vom 23. bis 25. Juli 2021 in Mesocco beim San Bernardino statt. (Foto: Sebastiano Piattini)

Kety Fusco, Gründerin und Programmgestalterin des Floating Notes Festivals, hat eine sehr genaue Vorstellung davon, was der Herzschlag ihres Festivals sein wird: Die Künstler werden eine experimentelle und unveröffentlichte Klangforschung betreiben, die sich unter Berücksichtigung ihres eigenen künstlerischen und musikalischen Hintergrunds an den Ort der Aufführung anpasst und es unmöglich macht, den Inhalt der Aufführung von dem Ort zu…Weiterlesen

«Get Going!» geht in die vierte Runde

Seit 2018 ist «Get Going!» fester Bestandteil des Förder-Portfolios der FONDATION SUISA. Nun geht die Anstossfinanzierung, die innovative Kreativansätze ausserhalb der gängigen Schubladen fördert, in die vierte Runde. Text von FONDATION SUISA

Fondation Suisa: «Get Going!» geht in die vierte Runde

Die letztjährigen Empfänger/-innen von «Get Going!» (von oben links im Uhrzeigersinn): Isandro Ojeda-García, OY, Réka Csiszér, Pirmin Huber. (Fotos: Caio Licínio; Sash Seurat Samson; Romina Kalsi; Gian Marco Castelberg)

Als «Get Going!» 2018 erstmals ausgeschrieben wurde, war dies «ein Schuss ins Blaue», sagt Urs Schnell, Direktor der FONDATION SUISA. Es sei damals darum gegangen, den Blick nach vorne zu richten. «Statt einem Künstler, einer Künstlerin im Nachhinein mithilfe eines Preises auf die Schulter zu klopfen, investieren wir nun das uns zur Verfügung stehende Geld stärker in die Zukunft.»

Dreimal wurden bislang je vier «Get Going!»-Beiträge zu je Fr. 25 000.— vergeben. Das ungebrochene Interesse an diesem Förderbeitrag unterstreicht die sich in vielen Belangen veränderten Bedingungen der Musikschaffenden. Da die Anstossfinanzierung nicht an ein Resultat gebunden ist, ermöglicht diese den Musikerinnen und Musikern, befreit von finanziellem und zeitlichem Druck arbeiten zu können. «Auf der einen Seite ist das Umfeld in den letzten Jahren immer hektischer geworden, auf der anderen liess die Pandemie viele in einem luftleeren Raum. Man kann es drehen wie man will, der Faktor Zeit ist ein in seiner Kostbarkeit nicht zu unterschätzendes Gut geworden», erklärt Schnell.

Bewerbungen für «Get Going!»-Beitrag bis 30. August 2021

«Get Going!» richtet sich an innovative und kreative Projekte, die im herkömmlichen Gesuchswesen zwischen Stuhl und Bank zu fallen drohen. Der FONDATION SUISA gehe es darum, sich mit «Get Going!» als Förderin auf die Künstlerinnen und Künstler zu zu bewegen, meint Schnell und fügt an: «Wir wollen das freie kreative Denken wieder in den Mittelpunkt rücken.»

Ab sofort können sich Urheberinnen und Urheber, Autorinnen und Autoren sowie Musikerinnen und Musiker, die einen deutlichen Bezug zum aktuellen schweizerischen oder liechtensteinischen Musikschaffen nachweisen können, erneut für einen «Get Going!»-Beitrag bewerben. Auch dieses Jahr werden wieder vier solche Anstossfinanzierungen in der Höhe von je Fr. 25 000.— durch eine Fachjury vergeben. Der Eingabeschluss ist der 30. August 2021.

Um die Möglichkeiten von «Get Going!» aufzuzeigen, werden auch dieses Jahr wieder im Laufe der nächsten Wochen sowohl auf der Website der FONDATION SUISA wie auch auf dem SUISAblog Porträts der Empfängerinnen und Empfänger der letztjährigen «Get Going!»-Beiträge veröffentlicht.

«Get Going!» auf der Website der FONDATION SUISA

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Seit 2018 ist «Get Going!» fester Bestandteil des Förder-Portfolios der FONDATION SUISA. Nun geht die Anstossfinanzierung, die innovative Kreativansätze ausserhalb der gängigen Schubladen fördert, in die vierte Runde. Text von FONDATION SUISA

Fondation Suisa: «Get Going!» geht in die vierte Runde

Die letztjährigen Empfänger/-innen von «Get Going!» (von oben links im Uhrzeigersinn): Isandro Ojeda-García, OY, Réka Csiszér, Pirmin Huber. (Fotos: Caio Licínio; Sash Seurat Samson; Romina Kalsi; Gian Marco Castelberg)

Als «Get Going!» 2018 erstmals ausgeschrieben wurde, war dies «ein Schuss ins Blaue», sagt Urs Schnell, Direktor der FONDATION SUISA. Es sei damals darum gegangen, den Blick nach vorne zu richten. «Statt einem Künstler, einer Künstlerin im Nachhinein mithilfe eines Preises auf die Schulter zu klopfen, investieren wir nun das uns zur Verfügung stehende Geld stärker in die Zukunft.»

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Musikexport – quo vadis?

Covid-19, Digitalisierung, Klimakrise: Musikexport in aussergewöhnlichen Zeiten. Erfahrungen und Gedanken zum Thema von Marcel Kaufmann, verantwortlich für die Auslandpräsenz und die Export-Förderung bei der FONDATION SUISA.

Fondation Suisa: Musikexport – quo vadis?

Wird es ein Zurück in «normale» Zeiten wieder geben? Der Schweizer Gemeinschaftsstand an der jazzahead! Bremen 2019. (Foto: Marcel Kaufmann)

Seit der Internet-Revolution der 90er-Jahre hat sich die Wertschöpfung auf dem Musikmarkt zu einem grossen Teil in den Live-Bereich verschoben. Konzerte wurden für viele Musikerinnen zur wichtigsten Einnahmequelle. Als eine der Folgen entstanden zahlreiche Showcase-Events. Künstlerinnen und Künstler konnten sich in kurzen Live-Auftritten dem internationalen Fachpublikum präsentieren. Dies in der Hoffnung, von grösseren Clubs oder Festivals gebucht oder von international tätigen Agenturen unter Vertrag genommen zu werden. Zusammen mit verschiedenen Partnern fördert die FONDATION SUISA die Exportbemühungen der hiesigen Musikschaffenden. Seit vielen Jahren organisiert die Stiftung Schweizer Netzwerkplattformen an internationalen Messen und Events.

Doch dieses gut eingespielte System aus Reisen, Spielen und Händeschütteln wurde durch die Pandemie jäh zum Stillstand gebracht. Den Musikschaffenden brach quasi über Nacht ein Grossteil ihrer Erträge weg, und darüber hinaus auch gleich noch ihre Exportwege.

Was tun? Wie lässt sich diese Zeit überbrücken? Und was, wenn die von uns so geliebte «Normalität» gar nie mehr zurückkehrt?

Die FONDATION SUISA nahm letztes Jahr an zahlreichen Pilotprojekten teil, hat Chat-Tools getestet, Showcase-Videos per Stream gefördert und mit Veranstaltern über mögliche neue Förderansätze verhandelt. «Eine interessante Erfahrung», «eine willkommene Übergangslösung», aber sicher «kein Ersatz für eine Präsenzveranstaltung»: Dies unser Verdikt Ende 2020 – im Einklang mit einer breiten Masse aus Musikschaffenden und Veranstalterinnen.

«Networking über das Internet ist für viele noch recht ungewohnt.»

Die Pandemie brachte es mit sich, dass im Jahr 2020 praktisch alle physischen Musikmessen abgesagt wurden. Einige, wie die Midem oder die WOMEX, versuchten sich an einer virtuellen Version. Doch war damals die Planungsunsicherheit noch zu gross. Es war nicht daran zu denken, dass in naher Zukunft wieder Konzerte organisiert werden könnten. Entsprechend buchten Veranstalterinnen bei diesen Online-Events deutlich weniger Künstler als bei Präsenzveranstaltungen. Auch das Ambiente eines Live-Konzerts lässt sich nicht 1:1 digital nachempfinden. Und Networking über das Internet ist für viele noch recht ungewohnt.

Die jüngst virtuell über die Bühne gegangene jazzahead! in Bremen bestätigte zu grossen Teilen diese Erkenntnisse. Zwar liessen sich im Internet unter den Akkreditierten leichter Kontakte herstellen als auf einem berstend vollen Messegelände. Doch in der Absenz des Kollektiven entpuppte man sich bald einmal als Einzelkämpfer. Wie erfolgreich die Schweizer Präsenz an der grössten Jazzmesse der Welt dieses Jahr wirklich war, wird sich erst in einigen Wochen und nach Umfragen und Gesprächen eruieren lassen. Früher liess sich eine erste Bilanz bereits am letzten Messetag ziehen.

Die beiden Schweizer Live-Acts im offiziellen Showcase-Programm der jazzahead! wählten unterschiedliche Ansätze: Die Formation The True Harry Nulz trat in Bremen live auf vor einer Handvoll Journalistinnen und Journalisten, die zumindest nach jedem Stück applaudierten, was auch im Live-Stream zu hören war. Der Showcase des Luzia von Wyl Ensembles allerdings wurde ohne Publikum im Moods in Zürich vorproduziert und dann gestreamt. Die Stille zwischen den Stücken und fehlende Feedback hinterlassen Künstlerinnen und Künstler in einem luftleeren Raum.

«Wir müssen laufend neue Szenarien entwickeln, offen bleiben und die eigenen Eindrücke kritisch hinterfragen.»

Jetzt, da angesichts der Impfkampagnen endlich wieder Licht am Horizont auftaucht, wäre es ein Leichtes, in ein hoffnungsvolles Warten zu verfallen und die Online-Welt als reine Übergangslösung abzutun. Doch in einer Zeit, in der unsere ganze Arbeitswelt durch die Digitalisierung massgeblich verändert wird, stellen sich viele Fragen: Steckt vielleicht doch mehr Exportpotential in der Online-Welt als bisher angenommen? Können wir uns das alte «Normal» überhaupt noch leisten in Zeiten einer globalen Klimakrise, die jede Pandemie überdauern wird? Einer Krise, die Generationen von künftigen Musikschaffenden nachhaltig beeinflussen und sie vieler Möglichkeiten berauben könnte?

Noch gibt es keine abschliessenden Antworten auf all diese Fragen. Die wichtigsten Entwicklungen passieren nicht online, sondern in unseren Köpfen. Und diese Entwicklungen brauchen mehr Zeit als die technologischen. Bis dahin müssen wir laufend neue Szenarien entwickeln, offen bleiben und die eigenen Eindrücke kritisch hinterfragen. Das Wichtigste dabei: den Musikschaffenden zuhören. Denn deren Kunst muss auch in Zukunft ihren Weg über die Landesgrenzen hinausfinden können. Für sie wird die FONDATION SUISA die Entwicklungen im Musikexport weiterhin aktiv mitverfolgen und mitgestalten.

Neue Get Going!-Ausschreibung
Zum vierten Mal wird die FONDATION SUISA Ende Juni / Anfang Juli Get Going!-Beiträge ausschreiben. Mehr Informationen über die Anstossfinanzierungen für aussergewöhnliche Projekte finden Sie zeitgerecht auf der Stiftungs-Website: www.fondation-suisa.ch
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Alle Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es etwas dauern. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines verfassten Kommentars. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, die den Nutzungsbedingungen widersprechen, nicht zu veröffentlichen.

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Covid-19, Digitalisierung, Klimakrise: Musikexport in aussergewöhnlichen Zeiten. Erfahrungen und Gedanken zum Thema von Marcel Kaufmann, verantwortlich für die Auslandpräsenz und die Export-Förderung bei der FONDATION SUISA.

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Wird es ein Zurück in «normale» Zeiten wieder geben? Der Schweizer Gemeinschaftsstand an der jazzahead! Bremen 2019. (Foto: Marcel Kaufmann)

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«Komponistinnen und Komponisten sind eigentlich immer wieder Anfänger» | mit Video

Christian Henking bezieht sich in seiner Komposition für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» auf die Melodie des von Beethoven verwendeten Schweizer Liedes. In seinen sechs Variationen setzt er jeweils unterschiedliche Prinzipien ein. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Manu Leuenberger

Christian Henking hat durchaus Respekt vor Ludwig van Beethoven, «diesem Monument, diesem Granitfels in der Musikgeschichte». «Er ist mir immer wieder ein Lehrmeister, unabhängig von der Ästhetik; fantastisch, was er formal geleistet hat.» Umso mehr haben ihn Beethovens «Variationen über ein Schweizerlied» irritiert, wie er im Gespräch von Ende Januar 2020 erklärt. «Ich begreife sie ehrlich gesagt nicht, dachte, sie könnten nicht von Beethoven sein.»

Da der Komponist aus Biel und Bern keinen Zugang zu diesen Variationen fand, befasste er sich genauer mit dem ursprünglichen Lied, «Es hätt e Bur es Töchterli». Aber auch das sei an sich merkwürdig, er finde die Melodie komisch für ein Volkslied, es fehle ihm auch die Eleganz des «Guggisbergliedes». «Zugleich hat es aber die unglaubliche Spannung des grossen tonalen Umfangs. Auch das Geradlinige, Pulsartige ist interessant; es gibt nicht wirklich einen Rhythmus, nur diese Viertel, die ‹herumhängen›. Das Lied hat deshalb eine gewisse Leere und bietet damit auch eine Offenheit.» Deshalb entschloss sich Christian Henking dazu, sich für seine Komposition auf die Melodie des Volksliedes zu beziehen. Dann hat er «wie Beethoven, aber eher zufällig» ebenfalls sechs Variationen geschrieben.

Christian Henking erklärt, dass er diese Melodie zunächst analysiert und dann in einzelne Abschnitte zerschnitten habe. «In meinen ersten vier Variationen betrachte ich gewissermassen einzelne Abschnitte des Lieds. Die letzten zwei beziehen sich auf das ganze Lied.» Er sei also ganz beim Material – oder ganz nicht beim Material geblieben: «In der zweiten Variation vermeide ich bei der Suche nach dieser Variation gerade alle Töne, die im Originalstück vorkommen.»

Der Grundansatz war, bei jeder Variation eine andere Arbeitsweise beziehungsweise unterschiedliche Prinzipien anzuwenden. Das Konzept hat sich mit dem Komponieren konkretisiert und weiterentwickelt. «Ich wusste, dass ich Miniaturen komponieren will, kurze Variationen-Sätze. Zuerst habe ich die 5. Variation geschrieben. Dann wurde mir klar, dass ich nicht so maschinell anfangen will, also machte ich vorher etwas sehr Freies als Gegenstück. So hat sich das eine auf das andere ausgewirkt. Und aus solchen Bedingtheiten haben sich viele Zusammenhänge ergeben.»

Christian Henking arbeitet sehr häufig am Schreibtisch, komponiert im Kopf. Um die Phantasie anzuregen, spielt er aber oft Klavier oder Cello. «Übers Improvisieren kommen mir oft Ideen, ganz naiv. Das ist meine altmodische Ader; ich bin beim Komponieren wirklich weit weg vom Computer, ich schreibe ja von Hand ins Notenblatt.» Dazu gehört auch, dass er sämtliche Instrumente seiner Partituren auch einmal selbst spielt. «Ich mag es, wenn ich das Instrument in den Fingern habe. Nicht um es zu hören – ich bin ja Pianist, nicht Streicher –, sondern um als Laie die Griffe, Klänge und Bogenstellungen selber zu spielen. Das Haptische hilft mir komischerweise beim Komponieren, auch wenn es nicht nötig wäre; es gibt mir eine Art von Boden.»

Die Kombination von Streichtrio mit Flöte wählte Christian Henking zum einen, weil er eine kleine Besetzung wollte, damit nicht jemand dirigieren müsse. Vor allem findet er aber diese Besetzung faszinierend. «Ich habe einen nahen Bezug zum Streichtrio an sich. Und dann kommt noch die Flöte als eine Art Aussenseiterin, die sich mit dem Klang des Trios verschmelzt.»

Man darf nicht eine «typische Henking-Komposition» erwarten. Er versteht es als «die Aufgabe von Komponistinnen und Komponisten, dass wir jedes Stück als neu betrachten, wir sind eigentlich immer wieder Anfänger». Christian Henking hat sogar bei jeder seiner Variationen innerhalb des Stücks bei null angefangen und bewusst mit unterschiedlichen Ansätzen und Techniken gearbeitet: «Das macht die Vielfalt des Komponierens aus». Bei null anzufangen, bedeute aber auch, vor einem Berg mit Möglichkeiten zu stehen. Angesichts der vielen Freiheiten müsse man reflektieren. Er sieht denn auch die Gefahr, dass man ein Mittel oder eine Methode zu schnell einsetzt, weil es an einer Stelle funktioniert und sich sonst schon bewährt hat. «Die Routine ist eine Gefahr, und dagegen kämpfe ich bei jeder Note an.»

Beim Gespräch von Ende Januar 2020 war der Kompositionsprozess weitgehend abgeschlossen. «Alles liegt nun da», erklärt Christian Henking und zeigt auf unzählige Notenblätter. «Ich denke nun nochmals über alles nach, so dass es noch zu Korrekturen und anderen Veränderungen kommen kann.» Dann aber steht die Komposition bis ins Detail fest. Im Unterschied zu anderen Werken gewährt Christian Henking den Interpreten hier keine Freiheiten.

Christian Henking wurde 1961 in Basel geboren. Am Konservatorium Bern studierte er Musiktheorie bei Theo Hirsbrunner und liess sich von Ewald Körner zum Kapellmeister ausbilden. Danach studierte er Komposition bei Cristobal Halffter und Edison Denisov, in Meisterkursen bei Wolfgang Rihm und Heinz Holliger. Diverse Auszeichnungen, u.a. Kulturpreis der Bürgi-Willert-Stiftung (2000), Anerkennungspreis des Kantons Bern (2002) und Musikpreis des Kantons Bern (2016). Er ist Dozent an der Hochschule der Künste Bern für Komposition, theoretische Fächer und Kammermusik. www.christianhenking.ch
Schweizer Beethoven-Reflexionen: Ein Projekt von Murten Classics und der SUISA zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven hatte nur wenig mit der Schweiz zu tun. Aber er hat «Sechs Variationen über ein Schweizerlied» geschrieben, bei dem es sich um das Volkslied «Es hätt e Bur es Töchterli» handelt. Dies ist der Ausgangspunkt für Kompositionsaufträge, die die Sommerfestspiele Murten Classics zusammen mit der SUISA an acht Schweizer Komponistinnen und Komponisten verschiedener Generationen, Ästhetik und Herkunft vergeben haben.

Oscar Bianchi, Xavier Dayer, Fortunat Frölich, Aglaja Graf, Christian Henking, Alfred Schweizer, Marina Sobyanina und Katharina Weber konnten sich auf die Variationen, auf das von Beethoven verwendete Volkslied selbst oder auf Beethoven im Allgemeinen beziehen. Die Kompositionen wurden für das Ensemble Paul Klee geschrieben, das folgende Maximalbesetzung erlaubt: Flöte (auch Piccolo, G- oder Bassflöte), Klarinette (in B oder A), Violine, Viola, Cello, Kontrabass und Klavier.

Initiant dieses 2019 begonnenen Projekts ist Kaspar Zehnder, der während 22 Jahren künstlerischer Leiter von Murten Classics war. Wegen der Corona-Krise und den von den Behörden verordneten Massnahmen war die Durchführung sowohl der 32. Ausgabe im August 2020 als auch des vorgesehenen Ersatzfestivals in den anschliessenden Wintermonaten nicht möglich. Der «SUISA-Tag» mit den acht Kompositionen dieses Projekts wurde – ohne Publikum – am 28. Januar 2021 im KiB Murten dennoch aufgeführt und aufgezeichnet. Die Aufnahmen sind bei Radio SRF 2 Kultur in der Sendung «Neue Musik im Konzert» (5. Mai 2021, 21 Uhr) zu hören und werden auf der Plattform Neo.mx3 erscheinen. Im SUISAblog und auf den Social Media-Kanälen der SUISA wird das Projekt mit multimedialen Beiträge online dokumentiert.

www.murtenclassics.ch

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Christian Henking bezieht sich in seiner Komposition für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» auf die Melodie des von Beethoven verwendeten Schweizer Liedes. In seinen sechs Variationen setzt er jeweils unterschiedliche Prinzipien ein. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Manu Leuenberger

Christian Henking hat durchaus Respekt vor Ludwig van Beethoven, «diesem Monument, diesem Granitfels in der Musikgeschichte». «Er ist mir immer wieder ein Lehrmeister, unabhängig von der Ästhetik; fantastisch, was er formal geleistet hat.» Umso mehr haben ihn Beethovens «Variationen über ein Schweizerlied» irritiert, wie er im Gespräch von Ende Januar 2020 erklärt. «Ich begreife sie ehrlich gesagt nicht, dachte, sie könnten nicht von Beethoven sein.»

Da der Komponist aus Biel und Bern keinen Zugang zu diesen Variationen fand, befasste er sich genauer mit dem ursprünglichen Lied, «Es hätt e Bur es Töchterli». Aber…Weiterlesen

«Wir wollen, dass die Motoren weiterlaufen»

Mit «Keep Going!» erweitert die FONDATION SUISA temporär ihr Förder-Portfolio. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA Keep Going!

«Keep Going!» soll es der Schweizer Musikszene in Krisenzeiten ermöglichen, ihre Tätigkeit weiter aufrecht zu erhalten. (Bild: FONDATION SUISA)

Die FONDATION SUISA fördert Projekte mit Bezug zum aktuellen schweizerischen und liechtensteinischen Musikschaffen, explizit die Kreation und die Verbreitung von Repertoire. «Das ist unser Stiftungszweck und an ihn sind wir gebunden», erklärt Stiftungsdirektor Urs Schnell und fügt an: «Aber wir überprüfen laufend unser Portfolio und erweitern es gegebenenfalls mit neuen Programmen.»

Für Schnell ist klar, dass sich durch die Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns, der Alltag der Schweizer Musikschaffenden in den letzten Monaten dramatisch verschlechtert hat. «Als Stiftung mussten wir handeln», meint er und zeigt sich sichtlich erfreut, dass der Stiftungsrat rasch und unkompliziert einer Flexibilisierung der Förderprogramme im Rahmen des Stiftungszweckes zugestimmt hat.

«Keep Going!» heisst das zusätzlich angebotene, temporäre Fördermodell, das – darauf weist Schnell ausdrücklich hin – die bestehenden Angebote nicht ersetzt, sondern ergänzt. «Keep Going!» soll es der Schweizer Musikszene in Krisenzeiten ermöglichen, ihre Tätigkeit weiter aufrecht zu erhalten. «Wir sind überzeugt, dass auch in Zeiten, in denen die Kultur praktisch stillsteht, sich Musikschaffende neue Wege erarbeiten müssen, um ihre selbst gesteckten Ziele weiterhin erfüllen zu können», sagt Schnell. «Und dies betrifft sowohl die Erarbeitung neuer musikalischer Werke wie auch deren Verbreitung.» Letzteres wird unterstrichen durch die Tatsache, dass das neue Fördermodell nicht nur Einzelpersonen oder Gruppen vorenthalten ist, sondern auch Organisationen miteinschliesst.

«Keep Going!» soll gemäss Schnell die Musikschaffenden und -Organisationen genau an jener Stelle abholen, wo sie sich zurzeit gerade befinden und ihnen erlauben, sich den neuen Gegebenheiten bei Bedarf anzupassen: «Mit dieser Förderung wollen wir dazu beitragen, dass der Motor bei bestehenden Projekten nicht ins Stottern gerät.»

Das «Aussergewöhnliche» oder das «Noch nie dagewesene» – Faktoren, die beim vor drei Jahren eingeführten Fördermodell «Get Going!» eine wesentliche Rolle spielen – werden zwar nicht explizit ausgeschlossen, sind aber für «Keep Going!» nicht ausschlaggebend.

Mit «Keep Going!» unterstreicht die FONDATION SUISA ihr oberstes Anliegen, auch in ungewissen Zeiten und unter anspruchsvolleren Umständen die Entfaltung kreativer Ideen zu fördern und deren Umsetzung zu ermöglichen.

In einer ersten Tranche werden im April 10mal Fr. 5 000.– vergeben. «Danach sehen wir weiter», so Schnell. «Wir werden die Gesamtheit der eingegangenen Gesuche analysieren und daraus unsere Schlüsse ziehen.» Geplant ist, «Keep Going!» alle zwei Monate neu auszuschreiben.

Informationen zu «Keep Going» auf der Website der FONDATION SUISA:
www.fondation-suisa.ch/de/werkbeitraege/keep-going-2021/

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Mit «Keep Going!» erweitert die FONDATION SUISA temporär ihr Förder-Portfolio. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA Keep Going!

«Keep Going!» soll es der Schweizer Musikszene in Krisenzeiten ermöglichen, ihre Tätigkeit weiter aufrecht zu erhalten. (Bild: FONDATION SUISA)

Die FONDATION SUISA fördert Projekte mit Bezug zum aktuellen schweizerischen und liechtensteinischen Musikschaffen, explizit die Kreation und die Verbreitung von Repertoire. «Das ist unser Stiftungszweck und an ihn sind wir gebunden», erklärt Stiftungsdirektor Urs Schnell und fügt an: «Aber wir überprüfen laufend unser Portfolio und erweitern es gegebenenfalls mit neuen Programmen.»

Für Schnell ist klar, dass sich durch die Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns, der Alltag der Schweizer Musikschaffenden in den letzten Monaten dramatisch verschlechtert hat. «Als Stiftung mussten wir handeln», meint er und zeigt sich sichtlich erfreut, dass der Stiftungsrat rasch und unkompliziert einer Flexibilisierung der Förderprogramme im Rahmen…Weiterlesen

Julien-François Zbinden: eine aussergewöhnliche Persönlichkeit

Am 8. März 2021 verstarb der Schweizer Komponist und Jazzpianist Julien-François Zbinden im Alter von 103 Jahren. Julien-François Zbinden war von 1987 bis 1991 Präsident der SUISA. Nachruf von Xavier Dayer, Präsident der SUISA

Nachruf Julien-François Zbinden: eine aussergewöhnliche Persönlichkeit

Julien-François Zbinden in einer Aufnahme aus dem Jahr 2000. (Foto: Jean-Pierre Mathez)

Mit grosser Trauer haben wir vom Tod von Julien-François Zbinden erfahren. Unser Ehrenmitglied und ehemaliger Präsident (von 1987 bis 1991) hat uns im Alter von 103 Jahren verlassen. Wir alle werden seine funkelnden Blicke nie vergessen. Und auch sein 100. Geburtstag, den er mit seinen nächsten Freunden oberhalb von Lausanne feierte, ist noch in frischer Erinnerung. Welche Energie, welch aussergewöhnliche Persönlichkeit. Vor allen Gästen erhob er sich und hielt eine immer noch sehr präsidiale und geistreiche Rede.

Ja, Julien-François Zbinden hat die Schweizer Musik über viele Jahre mit Charme und grosser Überzeugung geprägt. Seine stilistische Offenheit zwischen Klassik und Jazz, die er so wunderbar verkörperte, und die intensive Schaffenskraft dieses Mannes, der ganz für die Musik lebte, sind legendär. Er kam mit vielen Grössen in Kontakt, unter anderem mit Francis Poulenc, Igor Strawinsky, Clara Haskil, Django Reinhardt & Stéphane Grappelli, Fernandel und Juliette Gréco.

Seine Präsidentschaft und seine Verlässlichkeit prägten die SUISA positiv. Wann immer er konnte, nahm er an unseren Generalversammlungen teil, und wenn er aus gesundheitlichen Gründen verhindert war, schrieb er uns eine Notiz voller Wertschätzung und Anerkennung. Denn er stammte aus einer Zeit, in der die Umgangsformen anderen Codes folgten als heute. Eine Zeit, die weit entfernt ist vom permanenten Informationsfluss und den multiplen Anforderungen, wie wir sie heute kennen.

Sich mit Julien-François Zbinden zu unterhalten bedeutete, das Rad der Zeit zurückzudrehen und in eine verlorene Dimension einzutauchen. Doch nie hörte man aus seinen Worten Nostalgie oder Verbitterung, ganz im Gegenteil: Der Flieger (mit Mitte fünfzig hatte er die Pilotenlizenz erworben!) liebte das Neue: neue Entdeckungen und neue Erfahrungen. Sein beispielloses Interesse faszinierte auch seine Gesprächspartner. So verstand er es, während seiner langen und glanzvollen Karriere bei Radio RSR, den Hörerinnen und Hörern die verschiedensten Musikgenres näherzubringen. Denn jegliche Abschottung lag ihm fern.

Diese Offenheit und seine Fähigkeit, Dialoge zu führen und Brücken zu schlagen ermöglichten es ihm, seine verschiedenen Präsidentschaften mit Bravour zu erfüllen (neben der SUISA war er von 1973 bis 1979 Präsident des Schweizerischen Tonkünstlervereins). Heute gibt es zahllose Hommagen an ihn, die höchst berechtigt sind, denn seine Präsenz, die ihm eigene Aufmerksamkeit und seine stimulierende Lebendigkeit werden der Schweizer Musiklandschaft fehlen.

Dank der Erinnerungen an den bereichernden Austausch mit ihm wird unser Ehrenmitglied uns noch lange erhalten bleiben.

Xavier Dayer

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  1. greg sagt:

    henry hubert accordeoniste et moi meme greg lewis pianiste rendont hommage a monsieur Zbinden en faisant aujourd hui notre adhesion a la suisa sincere amitiés a sa famille

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Nachruf Julien-François Zbinden: eine aussergewöhnliche Persönlichkeit

Julien-François Zbinden in einer Aufnahme aus dem Jahr 2000. (Foto: Jean-Pierre Mathez)

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Ja, Julien-François Zbinden hat die Schweizer Musik über viele Jahre mit…Weiterlesen

Ghost Festival: Die grosse Stille

Am kommenden Wochenende findet mit dem Ghost Festival die grösste Konzertveranstaltung der Schweiz statt. Rund 300 Bands, Künstlerinnen und Künstler stehen auf dem Line-up. Bloss: Es gibt weder Auftritte noch Musik oder Lichtshow. Konzipiert als Solidaritätsaktion für die Schweizer Musikszene, steht das Ghost Festival sinnbildlich für die desaströse Lage der Kulturschaffenden in der Corona-Krise. Die SUISA unterstützt das Festival als Sponsor. Und hat mit Baldy Minder, Mitorganisator des Festivals, ein Videointerview über die Hintergründe des Nicht-Festivals geführt. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Nina Müller

Das Line-up des Ghost Festivals lässt das Herz eines jeden Liebhabers Schweizer Pop- und Rockmusik höher schlagen: Etablierte Grössen wie Stephan Eicher, Patent Ochsner oder Dodo stehen neben «jungen Wilden» wie Crème Solaire, Annie Taylor oder KT Gorique. Doch leider bleibt es grösstenteils nur bei den Namen. Musik wird man an diesem Anlass vermissen, genauso wie fulminante Live-Shows oder ganz einfach das normale Festival-Feeling mit Zelten, Catering-Ständen und Anstehen vor den mobilen Toiletten.

Das Ghost Festival ist «das Festival, das nicht stattfindet». Nicht stattfinden wird es am Wochenende vom 27. und 28. Februar 2021.

Geisterspiele im Fussball standen Pate für das Ghost Festival

Ins Leben gerufen von einigen Berner Musikbegeisterten – dem Ghost Club –, ist das Ghost Festival ein Solidaritätsakt für Schweizer Musikschaffende. Ein Mitglied des Ghost Clubs ist Baldy Minder, Booker und Manager von Acts wie dem Berner Hip-Hop-Kollektiv Chlyklass oder der Rapperin 11Ä. Im Videointerview erzählt er uns im Backstage-Bereich des Zürcher Konzertlokals Exil, was die Grundidee des Ghost Festivals ist: «Im Fussball gibt es Geisterspiele. Und als solidarischer Fussballfan erneuerst Du heutzutage dein Saison-Abo trotzdem, obwohl die Zukunft ungewiss ist. Und so entstand die Idee für das Ghost Festival.»

Konkret können Musikfans Tickets kaufen für das Festival: Einen 1-Tagespass für 20 Franken, einen 2-Tagespass für 50 Franken oder ein VIP-Ticket für 100 Franken. Und weil es ja nicht stattfindet, sind die Tickets nie ausverkauft. Zudem gibt es von T-Shirts über Mützen bis zu Hoodies und Jacken eine breite Palette an Ghost-Festival-Merchandising zu kaufen. Die Einnahmen fliessen an die Künstlerinnen und Künstler sowie ihre Booker, Licht- und Tontechniker und andere. Dieses Geld für die Kulturschaffenden ist mehr als nur ein netter Zustupf: In der aktuellen Lage fällt für die meisten Musikschaffenden – im weitesten Sinne – die wichtigste Einnahmequelle weg: die Konzerte. Und diese Situation dauert – mit einigen kurzen Lockerungen im Sommer 2020 – nun genau ein Jahr an. Eine Besserung ist noch nicht in Sicht.

Ein Loch von über 50 000 Franken in den Kassen der Urheber und Verleger von Musik

Dies widerspiegelt sich bei der SUISA auch in den Einnahmen aus den Aufführungsrechten, zu denen unter anderem Konzerte und Festivals gehören. Am Beispiel des Ghost Festivals lässt sich dies gut aufzeigen: Rund 15 000 Tickets wurden bis anhin für das Festival verkauft. Würde es sich um einen normalen Anlass handeln, an welchem die Künstlerinnen und Künstler ihre Songs spielen, erhielten die Komponisten, Textautoren und Verleger der aufgeführten Stücke über 50 000 Franken an Urheberrechtseinnahmen. Da aber keine Musik gespielt wird, fallen diese Einnahmen weg.

Rund 400 Festivals finden in der Regel jedes Jahr in der Schweiz – dem Land mit der weltweit grössten Festivaldichte – statt. Die meisten dieser Festivals mussten letztes Jahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Entsprechend sind bei der SUISA 2020 die Urheberrechtseinnahmen aus Konzerten um über 50% tiefer ausgefallen als im Jahr zuvor. In absoluten Zahlen sind dies im Vergleich zu 2019 rund 12 Millionen Franken weniger, die den Musikschaffenden aus den Konzerteinnahmen 2020 verteilt werden. Und diese Misere wird auch 2021 und voraussichtlich 2022 andauern.

Eine Solidaritätsaktion auch für Booker, Tontechniker, Roadies und weitere

Und dies sind nur die Einnahmen für diejenigen, die Musikstücke komponiert oder getextet haben oder als Verleger tätig sind. Für die Musiker kommen noch Gagenausfälle hinzu, die in der Regel um einiges höher sind als die Urheberrechtsvergütungen. Die Konzert- und Festivalausfälle machen allerdings nicht nur den Musikerinnen und Musikern zu schaffen: Unter der mittlerweile seit rund einem Jahr dauernden Krise leiden auch diejenigen Personen, die ein solches Festival und Konzerte allgemein möglich machen: Booker, Ton- und Lichttechniker, Roadies, Tour-Manager, Merchandise-Verkäufer, Sicherheitspersonal oder natürlich auch die Konzertveranstalter selber.

«Die Idee ist, dass nicht nur die Bands profitieren, sondern dass es eine ganzheitliche Förderung oder Unterstützung gibt von Leuten, die in dieser Szene arbeiten», sagt Baldy Minder. «Wenn Bands unterwegs sind, dann haben sie noch einen Tour-Manager, Licht-Engineering oder einen Tontechniker; Bands, die mit Instrumenten unterwegs sind, haben Stage-Hands, die helfen, Sachen zu tragen. Es sind ganz viele Leute involviert, die momentan viel weniger zu tun haben und viel weniger Einnahmen haben.»

100% der Ticketeinnahmen gehen an die Musikschaffenden

Deshalb konnten die Künstlerinnen, Künstler und Bands zusätzlich noch zwei Personen aus ihrer Entourage angeben, die ebenfalls von den Einnahmen des Ghost Festivals profitieren. Insgesamt sind dies rund 1300 Personen. «Das eingenommene Geld wird auf Köpfe verteilt und nicht auf Bands», erklärt Baldy Minder. Während die Einnahmen aus Ticket- und Merchandisingverkäufen zu 100% an die Musikschaffenden fliessen, wird ein Teil der Sponsorengelder aufgewendet, um die Arbeit der Organisatoren zu bezahlen. «Die Partnerschaften ermöglichen, dass wir unseren Lohn bezahlen können», sagt Baldy Minder. Und fügt an: «Was von den Sponsoringgeldern übrigbleibt, wird an die Künstlerinnen und Künstler verteilt.»

Eine der grössten Herausforderungen für die Organisatoren war das Zeitmanagement: Die Idee entstand Ende November 2020. Es blieben drei Monate, um das grösste Festival der Schweiz auf die Beine zu stellen. Und auch wenn letztlich keine Auftritte stattfinden werden, gibt es einige Parallelen zwischen der Organisation eines Geister-Festivals und eines richtigen Festivals, wie Baldy Minder erzählt: «Ein grosser Teil ist sehr ähnlich wie bei einem richtigen Festival. Du machst ein Booking, du gleist die ganze Promotion-, Social-Media- und Pressekampagne auf. Du hast sehr viel Kontakt mit den Bands. Was wegfällt ist die ganze Infrastruktur. Du musst keinen Zaun aufbauen, keine Bühne aufbauen, wir müssen keine PA-Firma organisieren. Es braucht keine Security. Wir müssen keine SUISA-Abgaben bezahlen, da urheberrechtlich nichts passieren wird – es wird schlussendlich kein Pieps zu hören sein.»

Höchstens Geistertöne

Die Veranstalter haben auch bewusst darauf verzichtet, für das Wochenende Streaming-Konzerte zu organisieren, wie Baldy Minder sagt: «Es fragen viele Leute nach den Streams – aber Nein, es gibt jetzt einfach mal nichts, keine Musik. Jetzt ist einfach mal der Zeitpunkt, an dem man sich zurücklehnen kann und etwas zurückgeben kann.»

Für die Zuschauer des Ghost Festivals, die keine Stille wollen und die Musik vermissen, gibt es dennoch etwas zu hören – auch wenn es keine Musik ist: «Wir werden ein Album rausbringen. Es wird keine Compilation sein, sondern ein Album als «The Ghost Orchestra», lässt Baldy Minder verlauten. Es wird am 26.2. herauskommen, also einen Tag vor dem Festival.» Veröffentlicht wird es als CD – auch hier mit einer klaren Idee dahinter, wie Baldy Minder erzählt: «Die CD ist ja völlig antizyklisch – also auch so etwas wie ein Ghost, der langsam verschwindet.» Auf der mysteriösen CD werden die meisten der Bands auf dem Line-up vertreten sein. Und dies sind Künstlerinnen und Künstler aus allen Sprachregionen der Schweiz. Schliesslich betrifft die Covid-19-Pandemie Musikschaffende in der ganzen Schweiz.

Die SUISA ist Partnerin des Ghost Festivals
Die Covid-19-Krise betrifft die Mitglieder der SUISA in starkem Masse. Aus diesem Grund engagiert sich die SUISA als Sponsoringpartnerin des Ghost Festivals – nicht nur die Genossenschaft selber, sondern auch deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jedes Ticket, das von der SUISA-Belegschaft gekauft wird, wird von der Firma vergoldet: Jedes 1-Tagesticket wird zu einem 2-Tagesticket upgegradet, jedes 2-Tagesticket zu einem VIP-Ticket, und für jedes verkaufte VIP-Ticket erhalten die Mitarbeitenden ein zweites VIP dazu.Darüber hinaus wird die SUISA am Festivalwochenende eine Festivalberichterstattung machen und mit einigen Künstlerinnen, Künstlern und auch Veranstaltern sprechen. Mehr Infos werden in den kommenden Tagen auf www.instagram.com/suisamusicstories veröffentlicht.

 

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Musik und Kultur gehören zum täglichen Grundbedarf – öffnet nicht nur Lebensmittelläden!

Vor einem Jahr, am 28. Februar 2020, wurden die ersten Einschränkungen für kulturelle Veranstaltungen erlassen. Zuerst galt eine Obergrenze von 1000 Personen, Mitte März kam der erste Lockdown, im Sommer gab es dank Schutzkonzepten kleine Erleichterungen, welche schon im Herbst schrittweise rückgängig gemacht wurden. Seit Mitte Januar 2021 sitzen wir im zweiten Lockdown fest: ohne Musikveranstaltungen, ohne Zugang zu realen – nicht virtuellen – Kulturerlebnissen. Von Andreas Wegelin, CEO

Musik und Kultur gehören zum täglichen Grundbedarf – öffnet nicht nur Lebensmittelläden!

Für Andreas Wegelin, CEO der SUISA, ist Kunst und Kultur ein lebensnotwendiges Grundnahrungsmittel für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. (Foto: Beat Felber)

Um die Verbreitung des Virus zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen, haben die Behörden zu drastischen Massnahmen gegriffen. Im Grundsatz sind alle Angebote ausserhalb des täglichen Grundbedarfs nur noch erschwert zugänglich oder dürfen gar nicht mehr durchgeführt werden.

Doch was ist der tägliche Grundbedarf? Wer definiert diesen?

Zum Grundbedarf der Menschen gehören doch auch Dinge, über die man sich geistig erfreuen kann! Der Besuch eines Konzerts, der Gang ins Kino, oder die Besichtigung einer Ausstellung: Warum sind Museen geschlossen worden, wo Ausstellungen doch selten – ausser bei Blockbuster-Sonderschauen – mit einem Besucherandrang zu kämpfen haben? Weshalb müssen Kleinkunstbühnen geschlossen bleiben? Sie könnten Schweizer Künstlerinnen und Künstlern Auftritte bieten und jeweils ein kleines, aber sicher dankbares Publikum erfreuen.

Ein im Internet gestreamtes Konzert ist kein Ersatz für Live-Veranstaltungen. Es fehlt die Interaktion, das gemeinsame Erleben einer künstlerischen Darbietung, welche beide Seiten, Aufführende und Publikum, gegenseitig befruchten, und ein Konzert erst zu einem denkwürdigen Anlass machen.

Mittlerweile ist es so weit, dass man Geisterkonzerte veranstaltet wie das «Ghost Festival»: Ein Festival mit rund 300 Bands – beteiligt sind knapp 1300 Musikschaffende inklusive Techniker/-innen, Booker-/innen, Manager/-innen und Weiteren –, das gar nicht stattfindet, weil schlicht niemand hingehen kann. Die SUISA unterstützt dieses Nicht-Festival durch ein Sponsoring, aber auch durch Ticketkäufe ihrer Belegschaft.

Kultur- und Kreativwirtschaft ist relevant

Viele Veranstalterinnen und Veranstalter hatten in den Sommermonaten 2020 zuverlässige Schutzkonzepte erarbeitet und mit nicht geringen Zusatzkosten auch umgesetzt. Nun stehen sie trotzdem faktisch vor einem Berufsverbot. Seit gesamthaft schon über 6 Monaten ist nichts mehr erlaubt. Durch die Corona-Verbote entstehen grosse finanzielle Einbussen. Bund und Kantone haben zwar Hilfsprogramme beschlossen, aber diese sind schlecht an die Situation der vielen freischaffenden Künstlerinnen und Künstler sowie der Veranstalterinnen und Veranstalter als Einzelunternehmen angepasst.

Wo liegt der Grund für die Geringachtung des Kulturbetriebs?

Es mangelt offenbar am kulturellen Bewusstsein bei den Entscheidungsträgerinnen und -trägern in der Politik und der Verwaltung. Obwohl gemäss einer neuen Studie von Ernst & Young (EY) der Kulturbereich gemessen an der Anzahl Beschäftigten in Europa an vierter Stelle steht: www.rebuilding-europe.eu

Ein Aufruf geht deshalb an die politisch und behördlich lenkenden Personen und Institutionen: Kultur ist lebensnotwendig! Sie ist ein Grundnahrungsmittel für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Lasst sie auch in Zeiten des Lockdowns gedeihen! Sie erfreut die Menschen, gibt ihnen Perspektive über die Pandemie hinaus und gibt vor allem den Künstlerinnen und Künstlern ein Auskommen.

Schafft differenzierte Regeln: Kleinveranstaltungen und Veranstaltungen mit reduzierter Besucherzahl müssen möglich sein, ebenso offene Museen, Kulturstätten, wo sich interessierte Menschen und Künstlerinnen und Künstler – natürlich unter Einhaltung der gesundheitlichen Vorschriften – treffen und gemeinsam etwas erleben können. Solche Orte sind für die Gesellschaft und den Alltag genauso wichtig wie die Läden, in denen Einkäufe für den täglich Bedarf getätigt werden. Mit wissenschaftlichen Studien ist nachgewiesen, dass bei Kulturveranstaltungen mit guten Schutzkonzepten keine erhöhte Gefahr in Bezug auf die weitere Ausbreitung des Corona-Virus besteht: nachzulesen in der Aerosolstudie des Fraunhofer-Instituts am Konzerthaus Dortmund sowie im Abschlussbericht des probeweisen Testbetriebes der Bayerischen Staatsoper (PDF) mit erhöhter Zuschauerzahl.

Kulturelles Bewusstsein stärker verankern

Die Corona-Krise in der Kultur zeigt noch etwas Weiteres: Erst beim Verbot und dadurch dem Wegfall von kulturellen Veranstaltungen wird vielen bewusst, wie wichtig Kultur und Unterhaltung für uns Menschen ist und wie aufbauend der kulturelle Austausch zwischen Kunstschaffenden und Publikum für beide Seiten ist.

Dieses kulturelle Bewusstsein sollte in der Schweizer Bevölkerung viel stärker verankert werden. Beginnend schon bei der Ausbildung: Durch Bildung und dem Ermöglichen des Zugangs zu kulturellen Errungenschaften werden junge Menschen an die Künste herangeführt. Mit der Initiative Jugend & Musik wurde zwar einiges erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun, insbesondere auch in anderen Kunstsparten als der Musik.

Das gesellschaftliche Interesse an Musik, bildender Kunst, Film, Literatur, Tanz und Performancekunst erweitert sich durch Anregung zu eigenem Schaffen und durch Förderung der Vermittlung der aktuellen künstlerischen Produktion und des künstlerischen Erbes. Je mehr Menschen mit künstlerischen Ausdrucksformen in Berührung kommen, desto mehr steigt auch das Bedürfnis nach Kunst und Kultur. Wodurch die Gesellschaft schliesslich nachhaltiger einfordert, dass dieser Bedarf erfüllt wird und die nötigen Voraussetzungen dazu aufgebracht werden.

Gemeinsame starke Stimme für die Kultur nötig

Für die Erhöhung und vertiefte Verankerung des Bedarfs nach Kunst und Kultur müssen sich die kulturellen Institutionen dieses Landes zusammenschliessen und die Verbreitung des kulturellen Schaffens gemeinsam viel nachdrücklicher fordern und fördern.

Mit der «Taskforce Culture» hat sich während der Pandemie erstmals eine starke gemeinsame Stimme gebildet. Als Gesprächspartnerin der Politik und der Verwaltung ist es dieser Task-Force in den letzten Monaten schon sehr gut gelungen, die Kräfte aus den verschiedensten Kultursparten, von den Künstlerverbänden bis zu den Veranstaltern und Kulturvermittlern, zu bündeln und für kulturspezifische Anliegen einzutreten. Denn es ist noch längst nicht in allen Köpfen angekommen, dass künstlerisches Schaffen andere Voraussetzungen hat als die Arbeit in vielen Produktions- und Dienstleistungsbereichen.

Ein Zusammenschluss der kulturellen Institutionen und Verbände kann ähnlich den grossen Wirtschaftsverbänden und Arbeitnehmerorganisationen eine gewichtige Rolle als Ansprechpartner für gesellschaftliche und politische Entwicklungen in der Schweiz übernehmen. Eine solche gemeinsame starke Stimme für die Kultur wird in den kommenden Monaten und Jahren noch zusätzliche Relevanz bekommen. Die öffentliche Hand wird ganz einschneidend sparen müssen, weil durch die Bekämpfung der Pandemie mit Verboten immense volkswirtschaftliche Schäden entstanden sind und weiter entstehen. Die künftigen Steuereinnahmen werden zurückgehen, während die Staatsverschuldung wegen der Hilfsmassnahmen zunimmt.

Wie rasch in finanziell schwierigen Situationen der Sparhebel zuerst bei Kultur und Bildung angesetzt wird, kennt man aus der Vergangenheit. Im Verbund können die Kulturverbände und -institutionen gemeinsam ihre Stimme erheben und mittel- bis langfristig dafür sorgen, dass die gesellschaftliche und politische Bedeutung von Kunst und Kultur gestärkt und geachtet wird. Denn künstlerische Ausdrucksformen und der Zugang zu ihnen müssen selbstverständlich als Grundbedarf der Menschen anerkannt sein. Man kann und darf sie nicht wegsperren.

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Nik Bärtsch: «Wir sind da alle stark auch als Gemeinschaft gefordert»«Wir sind da alle stark auch als Gemeinschaft gefordert» Mit dem Projekt «Music for Tomorrow» möchte die SUISA ihre Mitglieder in dieser schwierigen Zeit unterstützen. Wir bieten den Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform, auf der sie über ihre aktuelle Situation im Lockdown erzählen und eines ihrer Werke vorstellen dürfen. Diese Woche stellen wir euch den Schweizer Pianisten, Komponisten und Musikproduzenten Nik Bärtsch und sein Stück «Modul 5» vor. Im Interview erzählt Nik von seinem Lockdown-Alltag mit seiner Familie und was er mit einem australischen Notarzt gemeinsam hat. Weiterlesen
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  1. Markus Hefti sagt:

    Unverhältnismässige und existenzbedrohende Beschlüsse „ unserer „
    Politiker schüren das Unverständnis in der Bevölkerung. Aber da sie nie für ihre Fehler
    zur Rechenschaft gezogen werden ist es ihnen scheinbar Egal ☹️

    • Danke für Ihren Kommentar. Dass es Massnahmen gegen die Covid-19-Pandemie braucht, stellen wir nicht in Frage. Es braucht allerdings differenziertere Massnahmen, die gewisse Wirtschaftszweige gegenüber anderen nicht benachteiligen.
      Andreas Wegelin, SUISA CEO

      • Ndiaye sagt:

        Une contribution de haute facture . La culture inspire de belles ouvertures au monde .
        Alassane ndiaye membre Suisa Sénégal

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Label Suisse und SUISA machen Schweizer Musik möglich | mit Video

Vom 18. bis 20. September 2020 findet in Lausanne die neunte Ausgabe des Label Suisse Festivals statt. Die Programmierung dieses biennalen Festivals widmet sich der Schweizer Musikszene in ihrer ganzen Vielfalt. Ein besonderes Highlight: Künstlerinnen und Künstler aus allen Genres haben eigens für das Label Suisse Werke komponiert. Diese Werke werden am Festival zum ersten Mal live aufgeführt. Die SUISA beteiligt sich auch dieses Jahr wieder als einer der Hauptpartner am Festival. Text von Erika Weibel

Label Suisse ist in der Schweiz einzigartig: Alle zwei Jahre bietet das Festival in Lausanne dem Publikum einen Einblick in das Schweizer Musikschaffen – über geografische und Genre-Grenzen hinweg – und weist damit auf den aktuellen Horizont eidgenössischer Musikerinnen und Musiker der zeitgenössischen Musik des Pop, Rock, Jazz, der Klassik und Neuen Volksmusik in ihren unterschiedlichsten Ausdrucksformen hin. Über 60 etablierte wie auch aufstrebende Künstlerinnen und Künstler treten im Rahmen des vielseitigen Programms während drei Tagen in verschiedenen Locations in Lausanne auf.

Spannende Kompositionsprojekte vervollständigen das abwechslungsreiche Konzertangebot. So haben Komponistinnen und Komponisten aus unterschiedlichen Musiksparten für das Festival Werke geschaffen, die dort uraufgeführt werden.

Das Festival richtet sich nicht nur an ein musikbegeistertes Publikum, sondern ist auch ein Stelldichein der Schweizer und ausländischen Musik- und Veranstaltungsszene. Die SUISA, als Genossenschaft der Komponisten, Textautoren und Verleger von Musik, ist auch dieses Jahr wieder als einer der Hauptpartner des Festivals dabei und macht damit zusammen mit dem Label Suisse Musik in der Schweiz möglich.

Kompositionsprojekte

Folgende Kompositionen wurden eigens für das Label Suisse 2020 geschaffen:

Jazz
Nik Bärtsch, Komposition und Klavier.
Projekt im Partenariat mit der Zürcher Hochschule der Künste und des Jazzcampus Basel mit der Beteiligung von jungen Musikern.
Aufführung: Samstag, 19. September 2020, Salle Paderewski
Weitere Konzerte in den Partnerstädten am Festival Klangbasel (Basel) und im Moods (Zürich)

Klassische Musik
Antoine Chessex, Kompositionsauftrag für Grosse Orgel, Truhenorgel und Hammond
Interpreten: Simone Keller und Dominik Blum
Projekt von der Dauer von 35 Minuten, mit dem Titel «Technosphère & Fragmentation».
Aufführung: Sonntag, 20. September 2020, Eglise St Francois

Isabel Mundry, Komposition
Collegium Novum Zürich (CNZ) ; Brian Archinal, Perkussion solo
Titel des Werks: Noli me tangere (2020)
Aufführung: Samstag, 19. September 2020, Salle Paderewski

Cod.act – André et Michel Décosterd
«Von Roll Twist 4» – Installation für 6 Lautsprecher und einen Performer (Francesco Biamonte)
André et Michel Décosterd kombinieren ihre Fähigkeiten, wobei der erste Musiker, Komponist und Klangkünstler und der zweite Architekt und bildender Künstler ist. Gemeinsam entwickeln sie eine künstlerische Arbeit in Form von Performances und interaktiven Installationen. Am Anfang ihres Ansatzes steht eine Reflexion über Klang und Bewegung und deren mögliche Interaktion.
Aufführung: Samstag, 19. September 2020, D! Club

Neue Volksmusik
Michel Godard
Eigens für diesen Anlass komponierte Werke von Michel Godard, dirigiert von Pascal Emonet. Gespielte von Fanfarenspielern des Walliser Blasmusik und Jazz Konservatoriums in einem wenig bekannten Klangansatz: der italienischen Banda. Dieses Orchester wird von begleitet von Michel Godard, Pierre Favre, Isa Wiss und Matthieu Michel.

Kommen auch Sie und erleben sie, wie die Klänge von ganz neuen Werken zum allerersten Mal an ein Publikum getragen werden.

www.labelsuisse.ch

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Label Suisse ist in der Schweiz einzigartig: Alle zwei Jahre bietet das Festival in Lausanne dem Publikum einen Einblick in das Schweizer Musikschaffen – über geografische und Genre-Grenzen hinweg – und weist damit auf den aktuellen Horizont eidgenössischer Musikerinnen und Musiker der zeitgenössischen Musik des Pop, Rock, Jazz, der Klassik und Neuen Volksmusik in ihren unterschiedlichsten…Weiterlesen

Das Duo Zwahlen/Bergeron will bislang Ungehörtes hör- und sichtbar machen

Auf der einen Seite die Jahrhunderte alte Tradition der Chormusik – auf der anderen die schier unendlichen Möglichkeiten elektronischer Musik. Jérémie Zwahlen und Félix Bergeron experimentieren im Spannungsfeld dieser zwei Pole, um etwas völlig Neues zu erschaffen. Der Get Going!-Beitrag unterstützt sie bei diesem Vorhaben. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Das Duo Zwahlen/Bergeron will bislang Ungehörtes hör- und sichtbar machen

Félix Bergeron und Jérémie Zwahlen (Fotos: Stephane Winter & Laura Morier-Genoud; Alain Kissling)

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Jérémie Zwahlen und Félix Bergeron, beide 33-jährig, sitzen in einem Café in Lausanne und diskutieren über ihr Vorhaben, die lange Tradition der Chormusik mit Hilfe des elektronischen Experimentes neu zu definieren. Bergeron nutzt das Gespräch zu diesem Porträt gleich für ein Brainstorming. Präzise wie es sich für einen Schlagzeuger gehört, zählt er mit zunehmend komplexer werdender Rhythmik immer neue Möglichkeiten auf, wie die Verbindung von Alt und Neu, von Tradition und Avantgarde, umgesetzt werden könnte. Zwahlen hört mit stoischer Ruhe zu und ergänzt ab und zu mit pointierten Sätzen. Diese Art von Dialog scheint für ihn nichts Neues. «Félix ist wie eine ungemein starke Zigarette und ich bin der Superfilter, den man benutzt, um sie zu rauchen», meint Zwahlen und beide lachen.

Eigentlich besuchten die beiden bereits als Jugendliche die gleiche Schule in der Nähe von Lausanne, doch dann trennten sich die Wege. Bergeron trommelte bereits als Sechsjähriger, fand aber nie die endgültige Befriedigung bis er am Jazzfestival Willisau einen Soloauftritt von Lucas Niggli hörte. «Er benutzte neben den Drums auch Elektronik. Ich war völlig baff und wusste, das will ich auch!», erzählt Bergeron. Zwahlen dagegen wuchs in der Tradition der Blasmusik auf, in der er als Trompeter Mitglied einer Kapelle war, genau so wie sein Vater und Grossvater vor ihm. Die Mutter ihrerseits sang im Chor. «Im Gymnasium», so Zwahlen, «erzählten sie mir, ich wäre ein guter Musiklehrer und so begann ich dann meine Ausbildung.»

Chor und Elektronik

Beide besuchten sie die Haute Ecole de Musique Lausanne (HEMU), «aber ich studierte Jazz und Jérémie klassische Musik», erzählt Bergeron, «das waren zwei verschiedene Gebäude.» Was die beiden nicht wussten: Ihre Lebenspartnerinnen waren befreundet und so kam es, dass sie sich nach Jahren an einer Party wieder trafen. Als dann Zwahlen Bergeron bat, die Arbeit des von ihm geführten Chœur Auguste elektronisch zu unterstützen, kam ihnen die Idee einer Zusammenarbeit, die weit über das bislang Gewohnte und Gehörte hinausgehen sollte. «Natürlich gab es das schon, dass man Chor und Elektronik zusammenbrachte», sagt Bergeron, «aber da ersetzte man einfach die Orgel oder das Piano durch einen Synthesizer. So etwas interessiert uns nicht.»

Prädestiniert, um Neuland zu betreten sind beide, kratzen sie doch bereits in ihren individuellen Projekten stets an den stilistischen Grenzen und versuchen die musikalische Landschaft neu zu kartographieren. Zwahlen definiert mit seinen pointierten und konzeptionell ungewohnten Arrangements der Musik von Elvis Presley, Johnny Cash, Camille oder Queen nicht nur die choralen Gesetze neu, sondern betrachtet den Chor in seiner Summe als Körper: «Der Chor ist wie eine Skulptur, die atmet und die man bearbeiten kann. Und auch Félix arbeitet mit physisch erfahrbaren Vibrationen. Am Ende sollte man die Musik förmlich anfassen können.»

Musik als Skulptur

In der Tat ist Bergeron stark vom Skulpturalen beeinflusst. Neben seinen zahlreichen Projekten zwischen abstrakter Improvisation, Folk, Punk und Jazz, arbeitet er auch für das Theater und für Tanzcompagnien. In seinen «Brush Paintings» sorgt der Zufall für bildende Kunst, in dem er die Schlagzeugbesen mit Farbe versieht und die Becken mit Leinwänden. «In der spontanen Arbeit mit Elektronik lässt sich auch mit Willkürlichkeit arbeiten. Das interessiert mich. Ich sehe da unzählige Möglichkeiten, damit die traditionellen Formen der Chormusik aufzubrechen.»

Musik als Skulptur, die dem Publikum auch die Geheimnisse hinter deren Entstehung offenbaren soll. «Wir wollen, dass das Publikum sieht, was geschieht. Wie Komposition, Zufall, Arrangements und Improvisation sich gegenseitig beeinflussen. Unser Projekt soll über alle Sinne, die dem Publikum zur Verfügung stehen, erfahrbar werden», schildert Zwahlen den Ausgangspunkt und betont: «Meine Obsession besteht darin, dass ich sämtliche Arten von Musik so aufarbeiten möchte, dass sie allen Menschen Freude bereitet. Egal, ob es sich dabei um klassische Musik, Volksmusik, Jazz oder experimentelle Musik handelt.»

Es gäbe so viele musikalische, inhaltliche und visuelle Möglichkeiten, mit denen man bei einem solchen Projekt experimentieren könne, meinen beide und betonen, wie wichtig bei einem solchen Vorhaben die Faktoren Zeit und Geld seien. «Dank dem Beitrag von Get Going! ist es uns überhaupt erst möglich, Neuland in dieser Fülle zu betreten», strahlt Bergeron.

Jérémie Zwahlen und Félix Bergeron: Zwei von Musik Besessene, die ihre Begeisterung auch als Lehrer an der HEMU sowie der Ecole de jazz et musique actuelle (EJMA) in Lausanne und – im Falle Bergerons – zusätzlich an der Ecole Jeunesse & Musique in Blonay an nachkommende Generationen weitergeben. Gemeinsam formen sie die einzige Zigarette der Welt, die der Gesundheit nicht schadet. Im Gegenteil.

www.felixbergeronmusic.ch
www.choeurauguste.ch

Seit 2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Unter dem Titel Get Going! werden kreative und künstlerische Prozesse finanziell angestossen, die sich ausserhalb der gängigen Kategorien befinden. In einer Porträtserie stellen wir jedes Jahr die Empfängerinnen und Empfänger dieser Get Going!-Beiträge vor. Die Ausschreibung für 2020 dauert noch bis Ende August.

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