Tagarchiv: Schweizer Musik

«Get Going!» geht in die zweite Runde: «Wir haben den Nerv der Zeit getroffen»

Letztes Jahr vergab die FONDATION SUISA unter dem Titel «Get Going!» erstmals vier Anstossbeiträge, um innovative Kreativansätze ausserhalb der gängigen Schubladen zu fördern. Die positiven Reaktionen darauf waren überwältigend. Ende Juni 2019 geht die Ausschreibung in die zweite Runde. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA: «Get Going!» geht in die zweite Runde: «Wir haben den Nerv der Zeit getroffen»

Die Empfängerinnen und Empfänger der «Get Going»-Beiträge 2018 (von oben links nach unten rechts): Beat Gysin, das Duo Eclecta, Michael Künstle und Bertrand Denzler. (Fotos: Anna Katharina Scheidegger; Andrea Ebener; Zak van Biljon; Rui Pinheiro)

«Statt einem Künstler, einer Künstlerin im Nachhinein mithilfe eines Preises auf die Schulter zu klopfen, investieren wir nun das uns zur Verfügung stehende Geld stärker in die Zukunft», erklärte vor einem Jahr Urs Schnell, Direktor der FONDATION SUISA, die vom Stiftungsrat beschlossene neue Förderpolitik. Fördern statt urteilen wolle man und «so den Blick verstärkt nach vorne richten.»

Gesagt, getan. Die erste Ausschreibung von «Get Going!» mündete in über 90 Bewerbungen. Dieses grosse Interesse für etwas völlig Neues sei für ihn schlicht überwältigend, meint Schnell. «Wir haben damit wirklich den Nerv der Zeit getroffen. Das durften wir in diesem Ausmass nicht erwarten, da eine solch offen formulierte Ausschreibung trotz aller Analysen ein innovativer Schuss ins Blaue war.»

Bertrand Denzler, Michael Künstle, Beat Gysin und das Duo Eclecta (Andrina Bollinger und Marena Whitcher) hiessen die ersten Empfängerinnen und Empfänger im Rahmen von «Get Going!». Der Betrag von je 25 000 Franken wurde ihnen zugesprochen, weil sie die Fachjury mit ihren kreativen Visionen zu überzeugen vermochten. Da die Anstossfinanzierung nicht an ein Resultat gebunden ist, ermöglicht diese den Musikerinnen und Musikern, befreit von finanziellem und zeitlichem Druck arbeiten zu können. «Ich glaube, dass der Faktor Zeit in einem immer hektischer werdenden Umfeld ein in seiner Kostbarkeit nicht zu unterschätzendes Gut geworden ist», erklärt Schnell einen der Vorzüge von «Get Going!».

Ausschreibung «Get Going!» 2019 ab Ende Juni

Ab Ende Juni können sich Urheberinnen und Urheber, Autorinnen und Autoren sowie Musikerinnen und Musiker, die einen deutlichen Bezug zum aktuellen schweizerischen oder liechtensteinischen Musikschaffen nachweisen können, erneut für einen «Get Going!»-Beitrag bewerben. Auch 2019 werden vier solche Anstossfinanzierungen in der Höhe von je 25 000 Franken durch eine Fachjury vergeben.

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass «Get Going!» die anderen Förderangebote der FONDATION SUISA, insbesondere das geltende Gesuchswesen, die bestehenden Partnerschaften, die Messen und Events im Ausland sowie das Klassenmusizieren, weder konkurriert noch tangiert.

«Im Gegenteil», erläutert Schnell, «als gewichtige Starthilfe ist das neue Modell eine Ergänzung zur bisherigen Förderung. Wir wollen neue kreative Orte ausmachen und in Zukunft verhindern, dass gewisse Projekte zwischen Stuhl und Bank fallen.»

Urs Schnell weiss, dass die bewusst weit offen gehaltene Formulierung der «Get Going!»-Ausschreibung zu Beginn etwas verwirrend sein könnte: «Musikerinnen und Musiker wurden in den letzten Jahrzehnten durch die traditionellen Förderinstrumente auf ein gewisses Gesuchsdenken konditioniert. Uns geht es mit der neuen Ausrichtung darum, uns als Förderin auf die Künstlerinnen und Künstler zu zu bewegen, um mit dieser Umkehr das freie kreative Denken wieder in den Mittelpunkt zu rücken.» Um die Möglichkeiten von «Get Going!» aufzuzeigen, werden deshalb im Laufe der nächsten Wochen sowohl auf der Website der FONDATION SUISA wie auch auf dem SUISAblog Porträts der Empfängerinnen und Empfänger der letztjährigen «Get Going!»-Beiträge veröffentlicht.

www.fondation-suisa.ch

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KT Gorique erobert die Deutschschweiz

Das SUISA-Mitglied KT Gorique war an dem von der SUISA organisierten Panel «Hit the World» beim M4music Festival 2019 als Expertin für Songwriting im Genre Rap eingeladen. Kurze Zeit später wurde bekannt, dass sie zu den Preisträgerinnen des Schweizer Musikpreises 2019 gehört. Ein Interview mit der im Wallis lebenden Rapperin, die ihre Musik in die ganze Schweiz trägt. Gastbeitrag von José Tippenhauer, Swissmusic.ch

KT Gorique erobert die Deutschschweiz

«Sie ist schon im Senegal, in Kanada und in ganz Europa aufgetreten und ist aus der Schweizer Rapszene nicht mehr wegzudenken», schreibt das Bundesamt für Kultur über die frisch gekürte Gewinnerin des Schweizer Musikpreises 2019, KT Gorique. (Foto: Jérémie Carron)

KT Gorique wird ihrem Spitznamen «Schweizer Taschenmesser» wirklich gerecht. Nachdem sie 2012 den internationalen Rap-Improvisationswettbewerb «End of the Week» in New York gewonnen hatte, spielte sie im Film «Brooklyn» von Pascal Tessaud die junge Rapperin Coralie. 2016 veröffentlichte sie ihr erstes Album «Tentative de Survie». Letztes Jahr hat sie es mit ihrem Projekt «Kunta Kita» bis in die Charts geschafft. Wenige Wochen nach der Nominierung für die Swiss Music Awards setzt sie ihren Aufstieg fort. Sie wird am Konzert von Nicki Minaj im Hallenstadion Zürich als Eröffnungs-Act auftreten und ist eine der wenigen französischsprachigen Künstler am Openair Frauenfeld. 2019 ist ein vielversprechendes Jahr für die Walliser Rapperin, mit der wir über die Schweiz, ihr kreatives Schaffen und ihre Inspirationsquellen gesprochen haben.

«Kunta Kita» kam im Juli 2018 heraus. Wie ging es danach für dich weiter?
KT Gorique: Dieses Projekt hat meine Karriere in ganz neue Bahnen gelenkt. Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass es so einschlagen würde.
Nach der Veröffentlichung hatte ich über vierzig Auftritte, darunter auch meine ersten Auftritte als Headlinerin. Einige Veranstaltungen waren sogar ausverkauft (u. a. in St. Gallen und Luzern) In den sechs Jahren zuvor hatte ich immer nur kleine Konzerte gegeben, ich war nicht besonders bekannt. Seit «Kunta Kita» habe ich nun richtige Fans. Das Paradoxe daran ist, dass die meisten von ihnen aus der Deutschschweiz kommen, obwohl ich auf Französisch singe. Das ist unglaublich!
Ein wichtiger Grund dafür war auch, dass das Album von einem Zürcher Label, FarMore Records, herausgebracht wurde. Und im September hat mich SRF3 zum «Best Talent» des Monats gekürt. Das ist ein Mainstream-Radiosender, bei dem viele Menschen, die nicht unbedingt Hip-Hop-Fans sind, meine Lieder hörten. Dadurch hat mich ein ganz neues Publikum entdeckt, was ich auch bei meinen Konzerten bemerke. Es kommen Hip-Hop-Fans, Punks, Rastas und Rock-Fans – und zwar junge wie alte. Das ist für mich das schönste Geschenk. Ich mache Musik für alle, nicht nur für eingefleischte Rap-Fans.

Wie empfindest du, nachdem du nun sehr oft in der Deutschschweiz auf Tour bist, den berühmten Röstigraben, die symbolische Kulturgrenze zwischen der deutschsprachigen und der französischsprachigen Schweiz?
Ein grosser Unterschied besteht darin, wie viel Geld die Zuhörer auszugeben bereit sind. Kürzlich hatte ich einen Auftritt in Lausanne mit Künstlern aus der Romandie. Da kostete der Eintritt 25 Franken. Ich dachte sofort, dass die Leute das teuer finden würden. Und tatsächlich war der Saal nicht voll. In der darauffolgenden Woche war ich in der Deutschschweiz. Auf der Bühne standen ich und ein Eröffnungs-Act, und der Eintritt kostete 30 Franken. Es war voll!
Ich habe den Eindruck, dass wir Romands unsere Identität auf der französischen Seite suchen. Die Deutschschweizer dagegen sind im Kopf Schweizer! Wenn sie Schweizer Künstler sehen, die sie begeistern, sagen sie: «Das ist cool, weil sie gut sind und ganz besonders, weil sie Schweizer sind», und sie unterstützen diese Künstler. Wir in der Romandie identifizieren uns stärker mit den Franzosen und beurteilen unsere Künstler eher danach, wie sie in Frankreich oder generell ausserhalb der Schweiz wahrgenommen werden. Glücklicherweise beginnt sich dies zu ändern. Kürzlich hatte ich einen Auftritt mit Danitsa, Comme1Flocon, SWK und Chien Bleu. Ein ähnliches Line-up, nur Romands, kein einziger Ausländer. Noch vor drei Jahren wäre das unmöglich gewesen.
Um auf den Röstigraben zurückzukommen: Das ist ganz witzig. Denn wenn ich in der Romandie erzähle, dass ich Konzerte in der Deutschschweiz gebe, fragt man mich: «Sind die Leute dort nicht viel verschlossener?» Aber ganz im Gegenteil: Ich bemerke, dass sie sehr viel offener sind als wir! Das zeigt sich daran, dass wir in der Deutschschweiz auftreten, während Deutschschweizer Rapper hier unbekannt sind.

In deinem Song «Outta Road» kritisierst du Menschen, die gelbe Westen tragen. Das war vor dem Aufkommen der Gelbwesten-Bewegung. Aber in «NAYUNO Session» sprichst du von den «echten» Gelbwesten und sagst: «Gelb ist in diesen Winter, sie tragen es als Weste, aber ich will es überall.» Ist das eine kleine Stichelei?
Ganz im Gegenteil, das ist ermutigend gemeint. Wenn ich Französin wäre, wäre ich täglich mit auf der Strasse, mit den Gelbwesten, überall, sogar zu Fuss.
Alles, was ich schreibe, kommt aus meinem Inneren. Wenn ich sehe, wie sich Menschen, die nicht unbedingt demselben gesellschaftlichen Milieu entstammen, zusammentun, um für ihre Rechte zu kämpfen, weil ihnen Ungerechtigkeit zuteil wird und sie nicht gut leben können, dann finde ich das gut! «Ich will es überall» soll heissen «Ich stehe euch bei bis zum Ende»!

Kommen wir zu deinem kreativen Schaffen. Was verstehst du unter «instinktivem Schreiben»?
Um Texte zu schreiben, brauche ich vor allem einen Beat. Wenn ich den nicht habe, dann schreibe ich vielleicht ein paar Zeilen, aber es wird nie etwas «Ganzes». Wenn ich mich an einen Song mache, brauche ich automatisch Musik, denn diese gibt mir die Worte vor.
Als Inspirationsquelle dient mir der Alltag. Es gibt viele Dinge im Leben, die mich berühren. Das können Dinge sein, die ich sehe, erlebe oder höre, Erfahrungen, die die Menschen in meinem Umfeld, meiner Familie machen, oder Schwierigkeiten, denen ich begegne. Es kann etwas sehr Persönliches sein, aber auch etwas Allgemeineres wie die Gelbwestenbewegung.
Von da aus leiten mich dann die Musik und meine Gefühle. Ich versuche, in mich hineinzufühlen und dem Ganzen einen Rhythmus zu verleihen. Ich schreibe viel am Computer. Aber wenn ich sehr genau und instinktiv arbeiten möchte, dann schreibe ich die Texte direkt im Kopf. Ich schreibe einen Satz nach dem anderen, und ich versuche, sie mir Stück für Stück zu merken, ohne dazu ein Blatt Papier zu brauchen. Die Melodien und der Flow folgen dann ganz natürlich, abhängig von dem, was ich erzählen möchte. So habe ich das Gefühl, viel instinktiver zu arbeiten und direkter das zu sagen, was ich sagen will und wie ich mich geben möchte.

Du schreibst nicht nur deine eigenen Texte, sondern komponierst auch die Beats dazu. Wie gehst du dabei vor? Mit welchen Klängen beginnst du?
Ja, ich komponiere manchmal auch. Im Prinzip beginne ich mit einer Basis, einem kleinen Vibe, einer Art Energie. Diese kann beispielsweise melancholisch sein oder in Richtung Reggae oder Cainfri (Anmerkung der Red.: «afrikanisch») gehen. Ich gehe immer von einer Art Farbe aus, die ich im Kopf habe. Das ist wirklich sehr abstrakt. Ich versuche, das, was in meinem Kopf ist, in eine Melodie umzuwandeln. Dazu nutze ich zahlreiche Samples auf meiner MIDI-Tastatur. Ich suche und suche … bis ich den Sound oder die Noten finde, die mich ansprechen. Ich beginne mit der Basismelodie und baue den Rest drumherum. So mache ich weiter, bis von instrumenteller Seite alles fertig ist.

KT Gorique auf Youtube

Das Interview mit KT Gorique entstand im Rahmen des Dossiers «A la découverte du rap romand» von Swissmusic.ch und ist dort im März 2019 zuerst erschienen.

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Das SUISA-Mitglied KT Gorique war an dem von der SUISA organisierten Panel «Hit the World» beim M4music Festival 2019 als Expertin für Songwriting im Genre Rap eingeladen. Kurze Zeit später wurde bekannt, dass sie zu den Preisträgerinnen des Schweizer Musikpreises 2019 gehört. Ein Interview mit der im Wallis lebenden Rapperin, die ihre Musik in die ganze Schweiz trägt. Gastbeitrag von José Tippenhauer, Swissmusic.ch

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«Adiós»: Sommerhit nach karibischem Muster mit Cembalo | mit Video

An den «Swiss Music Awards» 2019 kann Loco Escrito zusammen mit vier Mitkomponisten auf die begehrten Betonklötze in der Kategorie «Best Hit» für den Song «Adiós» hoffen. Worin die Stärke des Songs liegt, erzählt der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter in seiner Song-Analyse im Video. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

Nicolas Herzig – wie Loco Escrito bürgerlich heisst – scheint die Erfolgsformel für Sommerhits gefunden zu haben. Nachdem er 2017 mit «Sin Ti» in den Schweizer Charts war, setzte er letztes Jahr noch einen obendrauf: Die Single «Adiós» hielt sich 29 Wochen in den Schweizer Charts und kletterte bis auf Platz 4. Damit gehörte der Song 2018 zu den drei erfolgreichsten Schweizer Tracks und ist dieses Jahr für die Auszeichnung als «Best Hit» an den Swiss Music Awards nominiert.

Abwechslungsreich und spannende Dramaturgie

Interessant am Song sei die Instrumentierung der Strophen, meint Hans Feigenwinter. Er ist selber Musiker und unterrichtet an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften. Im Video analysiert er den Song ausführlich.

Für Nicolas Herzig und den Mitkomponisten und Produzenten Henrik Amschler war es wichtig, dass «Adiós» abwechslungsreich bleibt und eine spannende Dramaturgie hat. Im schriftlichen Interview sagt Amschler: «Da der Song zum Beispiel keine klassische Bridge mit einem Akkordwechsel nach dem zweiten Chorus hat sondern drei Parts, war es uns wichtig, dass jeder Part auf seine Weise speziell ist.» Die verschiedenen Songparts haben entsprechend auch andere Stimmungen, wie Amschler hinzufügt: «Der erste Teil des zweiten Parts ist rhythmisch und animiert zum Tanzen. Der erste Teil des dritten Parts hingegen ist sphärisch und sehr emotional.»

(Internationales) Teamwork beim Songwriting

Neben Amschler und Herzig waren noch drei weitere Musiker am Songwriting von «Adiós» beteiligt. Der Bündner Komponist Sandro Dietrich und der ebenfalls aus Graubünden stammende Latin-Rapper, Sänger, Perkussionist und Musikproduzent Lou Geniuz alias Lou Zarra legten die musikalische Grundlage, die schon sehr weit ausgearbeitet war, wie Amschler sagt. Für die Lyrics wurde Nicolas Herzig vom kolumbianischen Musiker Jonathan Ruiz Mejia unterstützt. «Danach lag es an Loco und mir, es weiter zu führen, den Song anzupassen und fertig zu machen», schreibt Amschler.

Die Songwriter und der Produzent haben bewusst darauf verzichtet, zu viele Instrumente zu verwenden. « Wir hatten eigentlich noch mehr Instrumente vorgesehen, beispielsweise im Chorus», erklärt Henrik Amschler. «Im Endeffekt entschieden wir uns dann aber zu reduzieren, um der Stimme mit diversen Harmonien noch mehr Platz zu geben.» Dennoch überrascht «Adiós» mit interessanten Klängen, wie beispielsweise einem Cembalo-ähnlichen Sound – was für Pop-Musik eher unüblich sei, meint Hans Feigenwinter.

«Swiss Music Awards»: SUISA ehrt die Songwriter des «Best Hit»

«Adiós» gehört zu den drei nominierten Songs für den «Best Hit» bei den nächsten «Swiss Music Awards», die am Samstag, 16. Februar 2019, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) verliehen werden. Die SUISA ist «Supporting Partner» der Veranstaltung. Bereits zum vierten Mal werden im Namen der SUISA beim «Best Hit»-Award auch die Komponisten und Textautoren des Siegersongs geehrt. Nominiert sind:

  • «079» von Lo & Leduc (Songwriter: Lorenz Häberli, Maurice Könz, Luc Oggier)
  • «Adiós» von Loco Escrito (Songwriter: Henrik Amschler, Sandro Dietrich, Nicolas Herzig, Jonathan Ruiz Mejia, Luigi Zarra)
  • «Us Mänsch» von Bligg feat. Marc Sway (Songwriter: Marco Bliggensdorfer, Fred Herrmann, Marc Sway)

www.locoescrito.com
www.henrik-hsa-amschler.ch

Hans Feigenwinter stammt aus Basel. In jungen Jahren spielte er in Pop- und Indierockbands. Später studierte er Klavier an der Swiss Jazz School in Bern und war seither als Pianist und Komponist in diversen Formation aktiv. Aktuell ist er neben Solo-Konzerten vor allem in den Trios Hans Feigenwinter ZINC und Feigenwinter Oester Pfammatter zu hören. Er ist Dozent an den Musikhochschulen in Basel und Luzern. www.hansfeigenwinter.ch
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«Us Mänsch»: Last Minute-Hit mit sehr viel Energie | mit Video«Us Mänsch»: Last Minute-Hit mit sehr viel Energie | mit Video «Us Mänsch» von Bligg und Marc Sway gehörte letztes Jahr zu den erfolgreichsten Schweizer Songs. Dabei rutschte der Song erst in letzter Minute aufs Bligg-Album «KombiNation». Nun ist der Song für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019 nominiert. Der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter hat die Komposition von «Us Mänsch» analysiert. Weiterlesen
Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit VideoAuszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit Video Der Newcomer Nickless und der renommierte Produzent Thomas Fessler gewannen den ersten Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards 2016. Der gemeinsam komponierte Siegersong «Waiting» ist nicht vom Himmel gefallen sondern bedeutete viel Arbeit im Teamwork. Auch bei den Swiss Music Awards 2017 zeichnet die SUISA die Leistung der Komponisten und Textautoren mit einer Auszeichnung aus. Weiterlesen
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An den «Swiss Music Awards» 2019 kann Loco Escrito zusammen mit vier Mitkomponisten auf die begehrten Betonklötze in der Kategorie «Best Hit» für den Song «Adiós» hoffen. Worin die Stärke des Songs liegt, erzählt der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter in seiner Song-Analyse im Video. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

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«Us Mänsch»: Last Minute-Hit mit sehr viel Energie | mit Video

«Us Mänsch» von Bligg und Marc Sway gehörte letztes Jahr zu den erfolgreichsten Schweizer Songs. Dabei rutschte der Song erst in letzter Minute aufs Bligg-Album «KombiNation». Nun ist der Song für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019 nominiert. Der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter hat die Komposition von «Us Mänsch» analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Manu Leuenberger

Bligg und Marc Sway haben zusammen schon ein paar Songs geschrieben. Bei der Single «Us Mänsch» standen sie erstmals gemeinsam am Mikrofon. Mit Erfolg: Die Single wurde 2018 mit Platin ausgezeichnet.

Weshalb ist der Song für die Zuhörer so attraktiv? Hans Feigenwinter, der an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften unterrichtet und selber Pianist und Komponist ist, meint: «Es ist sehr viel Energie da, es ist ein sehr leidenschaftlicher Sprechgesang.» In seiner Song-Analyse, die im Video zu sehen ist, hört er im Stück etwas Feierliches: «Ich musste an eine Predigt denken.»

Last Minute-Hit

Neben Bligg und Marc Sway war auch der langjährige Produzent und Co-Komponist von Bligg, Fred Herrmann, am Songwriting von «Us Mänsch» beteiligt. Im schriftlichen Interview schilderte Fred Herrmann, wie der Song entstand:

«‹Us Mänsch› war ein typischer Last-Minute-Hit! Es war der allerletzte Song, den wir für das Album ‹KombiNation› geschrieben und produziert haben. Bligg meinte, er habe noch eine coole Text-Idee auf Lager mit dem Wortspiel ‹Us Mänsch›, den er unbedingt noch umsetzen wolle. Da wir schon ziemlich hinter dem Zeitplan lagen, haben wir parallel gearbeitet. Während ich an der Komposition und Produktion gearbeitet habe, hat Bligg bei sich zu Hause am Text gefeilt und seine Vocals aufgenommen. Er hat mir immer wieder neue Vocal-Spuren von sich geschickt, die ich entweder gleich einbaute oder wieder in Frage stellte und nach Anpassung verlangte. Es war eine richtige Ping-Pong-Party! Irgendwann hatten wir den Song zusammen, aber wir fanden, dass der Refrain unbedingt von einer männlichen Hammer-Stimme eingesungen werden muss. Uns kam ziemlich schnell Marc Sway in den Sinn, den wir beide schon sehr lange und gut kennen! Mister Sway kam zweimal für je zwei Stunden ins Studio und fertig war der Refrain! Das Schöne am Komponieren ist, dass immer wieder unvorhersehbar ein solcher Song entsteht, bei dem alles passt.»

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  • «Adiós» von Loco Escrito (Songwriter: Henrik Amschler, Sandro Dietrich, Nicolas Herzig, Jonathan Ruiz Mejia, Luigi Zarra)
  • «Us Mänsch» von Bligg feat. Marc Sway (Songwriter: Marco Bliggensdorfer, Fred Herrmann, Marc Sway)

www.bligg.ch
www.marcsway.ch

Hans Feigenwinter stammt aus Basel. In jungen Jahren spielte er in Pop- und Indierockbands. Später studierte er Klavier an der Swiss Jazz School in Bern und war seither als Pianist und Komponist in diversen Formation aktiv. Aktuell ist er neben Solo-Konzerten vor allem in den Trios Hans Feigenwinter ZINC und Feigenwinter Oester Pfammatter zu hören. Er ist Dozent an den Musikhochschulen in Basel und Luzern. www.hansfeigenwinter.ch
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Kreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit VideoKreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit Video Zum zweiten Mal führte die SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions ein Songwriting Camp durch. Austragungsort waren wie bei der Premiere vergangenes Jahr die Powerplay Studios in Maur. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung im Juni 2018 teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Weiterlesen
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«Us Mänsch» von Bligg und Marc Sway gehörte letztes Jahr zu den erfolgreichsten Schweizer Songs. Dabei rutschte der Song erst in letzter Minute aufs Bligg-Album «KombiNation». Nun ist der Song für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019 nominiert. Der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter hat die Komposition von «Us Mänsch» analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Manu Leuenberger

Bligg und Marc Sway haben zusammen schon ein paar Songs geschrieben. Bei der Single «Us Mänsch» standen sie erstmals gemeinsam am Mikrofon. Mit Erfolg: Die Single wurde 2018 mit Platin ausgezeichnet.

Weshalb ist der Song für die Zuhörer so attraktiv? Hans Feigenwinter, der an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften unterrichtet und selber Pianist und Komponist ist, meint: «Es ist sehr viel Energie da, es ist ein sehr leidenschaftlicher Sprechgesang.»…Weiterlesen

«079»: Eine tragikomische Hit-Geschichte | mit Video

Mit «079» haben Lo & Leduc und ihr Mitkomponist Maurice «Dr. Mo» Könz Geschichte geschrieben: Im letzten Jahr hielt sich der Song ganze 21 Wochen an der Spitze der hiesigen Hitparade – und erzielte damit einen Schweizer Rekord. «079» ist einer der drei nominierten Songs für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019. Der Musiker und Dozent für Musikwissenschaften Hans Feigenwinter hat die Hit-Komposition analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

Wie «079» den Weg in die Schweizer Charts fand, ist bereits eine bemerkenswerte Geschichte. Lo & Leduc boten den Song und das dazugehörige Album «Update 4.0» im Februar 2018 kostenlos zum Streamen und Herunterladen auf ihrer Website an – «aus Freude», wie sie damals in einem Interview sagten. Dem Publikum gefiel der Song so gut, dass er immer zahlreicher gekauft und eifrig gestreamt wurde. Damit schaffte es «079» auf Platz 1 der Schweizer Single-Hitparade und behielt dort 21 Wochen lang die Spitzenposition inne.

Geschrieben wurde der Song von Lorenz Häberli (Lo), Luc Oggier (Leduc) und dem Berner Komponisten, DJ und Performer Maurice Könz, besser bekannt als Dr. Mo. Letzterer schrieb die Melodie, zu der Lo & Leduc den Text beisteuerten. «Der Text und die Musik entstanden unabhängig voneinander», erzählt Dr. Mo über die Entstehung des Stücks im schriftlichen Interview. Beide Elemente seien schon fast fertig gewesen, als sie schliesslich kombiniert wurden. «Wir hatten versucht, den Text mit einem anderen Beat zu kombinieren, beziehungsweise einen anderen Text über den Beat zu machen», schreibt Dr. Mo. «Aber diese Ideen wurden schnell verworfen. Als wir dann den Text mit dem Beat kombinierten, wussten wir sofort, dass alles passt.»

Originell, rührig, etwas absurd

Zum Erfolg beigetragen hat nicht zuletzt die Geschichte, die im Song erzählt wird. «Es ist eine tragikomische Geschichte. Sie ist originell, sie ist nachvollziehbar, sie ist rührig; das Ganze hat etwas Absurdes», sagt der Pianist und Komponist Hans Feigenwinter, der an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften unterrichtet. Seine Analyse des Songs ist im Video zu sehen.

Dass die Suche nach den passenden Wörtern bisweilen sehr zeitintensiv ist, erläutert Dr. Mo an einem konkreten Beispiel: «Am längsten dauerte die Suche nach dem passenden Personalpronomen. Wir waren unsicher, ob man die Geschichte versteht, wenn zwei verschiedene Sänger aus der Ich-Perspektive singen, aber dieselbe Person darstellen. Wir überlegten uns also auch von ‹ihm› zu erzählen, was die personelle Verwirrung auflösen würde. Dies verursachte jedoch Probleme bei Konjugationen, Reimen und emotionaler Zugänglichkeit. Schliesslich haben wir uns zu Recht dafür entschieden, dem Hörer die Ich-Perspektive zuzumuten.»

«Swiss Music Awards»: SUISA ehrt die Songwriter des «Best Hit»

«079» gehört zu den drei nominierten Songs für den «Best Hit» bei den nächsten «Swiss Music Awards», die am Samstag, 16. Februar 2019, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) verliehen werden. Die SUISA ist «Supporting Partner» der Veranstaltung. Bereits zum vierten Mal werden im Namen der SUISA beim «Best Hit»-Award auch die Komponisten und Textautoren des Siegersongs geehrt. Nominiert sind:

  • «079» von Lo & Leduc (Songwriter: Lorenz Häberli, Maurice Könz, Luc Oggier)
  • «Adiós» von Loco Escrito (Songwriter: Henrik Amschler, Sandro Dietrich, Nicolas Herzig, Jonathan Ruiz Mejia, Luigi Zarra)
  • «Us Mänsch» von Bligg feat. Marc Sway (Songwriter: Marco Bliggensdorfer, Fred Herrmann, Marc Sway)

www.lo-leduc.ch
www.drmo.ch

Hans Feigenwinter stammt aus Basel. In jungen Jahren spielte er in Pop- und Indierockbands. Später studierte er Klavier an der Swiss Jazz School in Bern und war seither als Pianist und Komponist in diversen Formationen aktiv. Aktuell ist er neben Solo-Konzerten vor allem in den Trios Hans Feigenwinter ZINC und Feigenwinter Oester Pfammatter zu hören. Er ist Dozent an den Musikhochschulen in Basel und Luzern. www.hansfeigenwinter.ch
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Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit VideoAuszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit Video Der Newcomer Nickless und der renommierte Produzent Thomas Fessler gewannen den ersten Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards 2016. Der gemeinsam komponierte Siegersong «Waiting» ist nicht vom Himmel gefallen sondern bedeutete viel Arbeit im Teamwork. Auch bei den Swiss Music Awards 2017 zeichnet die SUISA die Leistung der Komponisten und Textautoren mit einer Auszeichnung aus. Weiterlesen
Marc Sway: «Man schreibt viel mehr Songs, als es für ein Album braucht» | mit Video«Man schreibt viel mehr Songs, als es für ein Album braucht» | mit Video Bei einem Besuch in seinem Studio im Januar 2018 hat das langjährige SUISA-Mitglied Marc Sway einen Einblick in sein Schaffen und sein Berufsleben als Musiker gegeben. Mitte Oktober 2018 erschien mit der Single «Beat Of My Heart» der erste Vorbote seines nächsten Albums, dessen Entstehungsprozess im Videointerview ein Hauptthema war. Weiterlesen
Kreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit VideoKreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit Video Zum zweiten Mal führte die SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions ein Songwriting Camp durch. Austragungsort waren wie bei der Premiere vergangenes Jahr die Powerplay Studios in Maur. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung im Juni 2018 teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Weiterlesen
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Mit «079» haben Lo & Leduc und ihr Mitkomponist Maurice «Dr. Mo» Könz Geschichte geschrieben: Im letzten Jahr hielt sich der Song ganze 21 Wochen an der Spitze der hiesigen Hitparade – und erzielte damit einen Schweizer Rekord. «079» ist einer der drei nominierten Songs für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019. Der Musiker und Dozent für Musikwissenschaften Hans Feigenwinter hat die Hit-Komposition analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

Wie «079» den Weg in die Schweizer Charts fand, ist bereits eine bemerkenswerte Geschichte. Lo & Leduc boten den Song und das dazugehörige Album «Update 4.0» im Februar 2018 kostenlos zum Streamen und Herunterladen auf ihrer Website an – «aus Freude», wie sie damals in einem Interview sagten. Dem Publikum gefiel der Song so gut, dass er…Weiterlesen

«Get Going!»-Beiträge und «Carte Blanche» erstmals vergeben

Im Rahmen ihrer neuen Förderpolitik hat die FONDATION SUISA erstmals vier «Get Going!»-Beiträge sowie eine «Carte Blanche» vergeben. Eine «Get Going!»-Anstossfinanzierung von je 25 000 Franken erhalten Beat Gysin, Bertrand Denzler, Michael Künstle und das Duo Eclecta. Die alle zwei Jahre vergebene «Carte Blanche» von 80 000 Franken geht an Cécile Marti. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA: «Get Going!»-Beiträge und «Carte Blanche» erstmals vergeben

Die Komponistin Cécile Marti erhält die alle zwei Jahre vergebene «Carte Blanche» der FONDATION SUISA. (Foto: Ingo Höhn)

In der neuen Förderpolitik der FONDATION SUISA geht es darum, auf die sich rasch wandelnden Musikszenen zu reagieren. Im «Dazwischen», also abseits gängiger Genre-, Alters- oder Projektkategorien finden kreative und künstlerische Prozesse statt, die beim gängigen Gesuchswesen zwischen Stuhl und Bank zu fallen drohen.

Deshalb wurden im Juni erstmals vier «Get Going!»-Beiträge zu je 25 000 Franken ausgeschrieben. «Mit dieser jährlichen Ausschreibung versuchen wir, kreative Orte und künstlerische Visionen auszumachen, die es verdienen, gefördert zu werden», sagt Urs Schnell, Direktor der FONDATION SUISA. «Deshalb ist die Ausschreibung auch bewusst offen gehalten.»

Mit über 90 eingereichten Gesuchen sind die «Get Going!»-Beiträge bei den Musikschaffenden auf viel Resonanz gestossen. «Die Fachjury hat es sich nicht einfach gemacht, aus den vielen hoch interessanten Anfragen vier Empfängerinnen und Empfänger auszuwählen», so Schnell. In der Beschreibung der nun geförderten künstlerischen Absichten lässt sich sehr gut ablesen, um was es bei dieser Art der Anstossfinanzierung geht. «Letztlich geht es auch in der Musik immer wieder darum, neue Welten zu erforschen, Dinge hör- und sichtbar zu machen, neue Perspektiven auszuloten», meint Schnell.

«Get Going!»-Beiträge 2018

So kreiert etwa der Komponist Beat Gysin im Rahmen seiner «Leichtbautenreihe» architektonische Räume, in denen ungewohnte Hörsituationen eine neue Wahrnehmung von Musik ermöglichen. Gysin forscht so nach den dynamischen Möglichkeiten, die sich in der Beziehung zwischen Raum, Musik sowie Empfänger/Hörer ergeben.

Um «Raum» geht es auch Michael Künstle. Der Komponist von Film- und Konzertmusik paart orchestrale Tradition mit moderner kompositorischer sowie aufnahmetechnischer Innovation, um so eine Raum-Komposition zu schaffen, die als dreidimensionales Hörerlebnis zugänglich wird.

Saxophonist und Komponist Bertrand Denzler wiederum ortet neue kompositorische Möglichkeiten in der bewussten Nicht-Verortung seines Schaffens. Er versucht mit einer «wandernden Residenz» improvisatorisch und kompositorisch den Austausch mit fremden Kulturen. Der stete Dialog mit sich wandelnden Einflüssen soll jenen Weg aufzeigen, der am Ende in kompositorischen Resultaten mündet.

Und Andrina Bollinger und Marena Whitcher wandeln als Duo Eclecta durch interdisziplinäres Gelände. Als Sängerinnen, Performerinnen, Multiinstrumentalistinnen, Produzentinnen und Komponistinnen kollaborieren sie unentwegt mit anderen Künsten, um neue hör-, sicht- und fühlbare Erlebniswelten zu erschaffen.

«Carte Blanche» an Cécile Marti

Die «Carte Blanche» in der Höhe von 80 000 Franken, die nicht ausgeschrieben, sondern alle zwei Jahre direkt von einer Fachjury vergeben wird, soll es Musikschaffenden erlauben, sich ohne finanziellen Druck auf seine oder ihre künstlerische Weiterentwicklung zu konzentrieren.

Wer in den letzten Jahren den kreativen Weg von Cécile Marti verfolgt hat, weiss, dass die aus dem Kanton Zürich stammende Künstlerin eine würdige Empfängerin dieser «Carte Blanche» ist. Vor allem ihr Orchesterzyklus «Seven Towers», in 7 Teilen und für 120 Musiker, der 2016 durch das SOBS in Biel uraufgeführt wurde und seit seiner Entstehung auch durch das Berner Symphonieorchester, der Geneva Camerata und der Sinfonietta Basel gespielt wurde, sorgte für Aufsehen.

Parallel dazu doktorierte Marti mit einer Arbeit, die sich mit musikalischen Zeitverläufen befasst. Die «Carte Blanche» ermöglicht es ihr nun, die initiierte Forschung auf diesem Gebiet in einen künstlerischen Kontext zu stellen. Die erforschten Zeitverläufe sollen mit Hilfe eines Balletts und in skulpturaler Form (Marti ist auch Steinbildhauerin) sichtbar gemacht werden.

www.fondation-suisa.ch

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Im Rahmen ihrer neuen Förderpolitik hat die FONDATION SUISA erstmals vier «Get Going!»-Beiträge sowie eine «Carte Blanche» vergeben. Eine «Get Going!»-Anstossfinanzierung von je 25 000 Franken erhalten Beat Gysin, Bertrand Denzler, Michael Künstle und das Duo Eclecta. Die alle zwei Jahre vergebene «Carte Blanche» von 80 000 Franken geht an Cécile Marti. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA: «Get Going!»-Beiträge und «Carte Blanche» erstmals vergeben

Die Komponistin Cécile Marti erhält die alle zwei Jahre vergebene «Carte Blanche» der FONDATION SUISA. (Foto: Ingo Höhn)

In der neuen Förderpolitik der FONDATION SUISA geht es darum, auf die sich rasch wandelnden Musikszenen zu reagieren. Im «Dazwischen», also abseits gängiger Genre-, Alters- oder Projektkategorien finden kreative und künstlerische Prozesse statt, die beim gängigen Gesuchswesen zwischen Stuhl und Bank zu fallen drohen.

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Die ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label Suisse

Vom 14. bis 16. September 2018 hat zum achten Mal das Festival Label Suisse in Lausanne stattgefunden. Das Festival ist dem Schweizer Musikschaffen gewidmet und bietet dem Publikum alle zwei Jahre einen breitgefächerten Panoramablick auf die aktuelle Musiklandschaft der Schweiz. Text/Interviews von Erika Weibel

Die ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label Suisse

Die Hauptbühne des Festivals Label Suisse auf dem «Place Centrale» in Lausanne während des Auftritts des Genfer Hip-Hop-Kollektivs Superwak Clique am Samstag, 15. September 2018. (Foto: Anne Bichsel)

Bei der achten Ausgabe des Festivals Label Suisse konnten 90 000 Besucher bei über 60 Konzerten an 10 Standorten im Stadtzentrum von Lausanne Darbietungen mannigfaltiger Musikrichtungen lauschen. Die Zuhörerinnen und Zuhörer durften sich freuen über elektronische Musik, Pop-Rock, zeitgenössische und klassische Musik, Jazz, neue Volksmusik – die ganze Vielfalt der Schweizer Musik an einem Festival!

Die Programmverantwortlichen des Festivals legen grossen Wert darauf, dass sowohl erfahrenen als auch aufstrebenden Schweizer Künstlern eine Bühne geboten wird. Sämtliche Konzerte sind für das Publikum kostenlos zugänglich, da die Aufwände von den Sponsoren des Festivals getragen werden. Die SUISA unterstützt Label Suisse seit 2006 finanziell und war auch 2018 einer der Hauptpartner des Festivals.

Die mehreren Programmverantwortlichen von Label Suisse widmen sich jeweils einem spezifischen musikalischen Genre. Nach dem Festival haben wir schriftlich bei ihnen nachgefragt, wie sie bei der Künstlerauswahl vorgegangen sind, was sie am Festival besonders reizt und welche Trends und Tendenzen sie in den Genres beobachten. Ausserdem wollten wir vom Festivalpräsidenten Julien Gross wissen, was ihn bei der Ausgabe 2018 besonders bewegt hat.

Label Suisse: Julien Gross

Julien Gross (Foto: Anne Bichsel)

Julien Gross, Präsident des Vereins Label Suisse

Du bist Präsident des Vereins Label Suisse und sorgst seit Jahren für den reibungslosen Ablauf des Festivals. Was macht deiner Meinung nach Label Suisse besonders attraktiv?
Julien Gross: Label Suisse bietet ein einzigartiges künstlerisches Angebot aus einem breiten Spektrum verschiedener Musikstile, die sich in unserem Programm widerspiegeln. Unser Festival vereint während drei Tagen Menschen aller Generationen und Herkunft.
Künstlerinnen und Künstler aus allen vier Sprachregionen treten vor einem neugierigen, treuen und sehr aufmerksamen Publikum auf. Das Radio spielt während dieser drei Tage eine äusserst wichtige Rolle, denn es überträgt das Festival in die ganze Schweiz.

Dies war die 8. Ausgabe von Label Suisse. Das Festival fand 2004 zum ersten Mal und seither alle zwei Jahre statt. Welche Veränderungen hat Label Suisse im Lauf dieser vierzehn Jahre erlebt?
Es ist vor allem die Schweizer Musik, die sich stark entwickelt hat. Auf kreative, innovative und originelle Art und Weise bildet Label Suisse eine Momentaufnahme aller Musikszenen ab.
Wir lösen in gewisser Weise den Wunsch aus, zu entdecken, sich auf ein musikalisches Abenteuer einzulassen. Ausserdem fördern wir die Präsenz bestimmter Musikstile oder präsentieren Neuschöpfungen.

Zahlreiche Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Genres aus der ganzen Schweiz machen bei Label Suisse mit. Welche Auftritte haben dich ganz persönlich am meisten begeistert?
Es hat mir grosses Vergnügen bereitet, über das Festivalgelände zu schlendern, alles zu entdecken und Musik zu hören, die nicht Teil meines Alltagslebens ist. Das ist es, was mich am meisten begeistert.

Label Suisse: Laurence Vinclair

Laurence Vinclair (Foto: Mehdi Benkler)

Laurence Vinclair, Programmgestaltung aktuelle Musik

Welchen Reiz hat es, an einem Festival, das so zahlreiche Genres vereint, für das Programm eines bestimmten Genres verantwortlich zu sein?
Laurence Vinclair: Das Besondere daran ist ganz einfach, dass ich die Ehre habe, während drei Tagen Künstlerinnen und Künstler präsentieren zu dürfen, die Aufmerksamkeit verdienen und deren Entwicklung ich zum Teil bereits über Jahre verfolgt habe. Und natürlich kann ich so einem vielfältigen Publikum Musikstile näherbringen, die es sonst nicht unbedingt hören würde.

Welches waren die Kriterien, die bei der Auswahl der verschiedenen Gruppen/Bands zum Zug gekommen sind?
Die Kriterien sind Qualität, Aktualität, Motivation der Künstlerinnen und Künstler und ihr Entwicklungspotenzial.

Was sind die aktuellen Trends und Tendenzen im von Ihnen programmierten Genre? Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf die Vertreter der Schweizer Musikszene?
Der deutlichste Trend liegt beim Hip-Hop oder der urbanen Musik. Dieses Genre hat die Führung übernommen, wie man seit zwei Jahren an der Programmgestaltung von Klubs und Festivals beobachten kann.

Label Suisse: Stefano Saccon

Stefano Saccon (Foto: Claude Berthelier)

Stefano Saccon, Programmgestaltung Jazz

Welchen Reiz hat es, an einem Festival, das so zahlreiche Genres vereint, für das Programm eines bestimmten Genres verantwortlich zu sein?
Stefano Saccon: Die Klugheit und Stärke dieses Festivals besteht darin, dass für jeden Bereich kompetente Fachleute beigezogen und so die repräsentativsten Musikerinnen und Musiker gezielt ausgewählt werden. Teil eines Fachkomitees zu sein, ist eine Herausforderung und regt dazu an, ein sinnvolles, ausgewogenes Programm zu gestalten.

Welches waren die Kriterien, die bei der Auswahl der verschiedenen Gruppen/Bands zum Zug gekommen sind?
Die Vielfältigkeit des Jazz verlangt einen breiten Blick und Kriterien, die sich dem künstlerischen Prozess anpassen. Ein Projekt muss in jedem Fall originell sein und dem Programm einen Mehrwert geben. Es soll in seine Zeit passen und trotzdem spürbar in der Tradition verankert sein, und es muss eine gewisse Reife, aber auch Entwicklungspotenzial zeigen.

Was sind die aktuellen Trends und Tendenzen im von Ihnen programmierten Genre? Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf die Vertreter der Schweizer Musikszene?
Es gibt meiner Meinung nach drei Arten von Trends:
a) die Verbindung von akustischer und elektronischer Musik, die Neugier der DJs auf der ganzen Welt und die Schöpfung neuer Klangtexturen;
b) den Minimalismus, der in einem traditionelleren Ansatz die Gruppe zulasten der Solisten ins Zentrum stellt;
c) den Willen, Kompositionen auf komplexen rhythmischen Strukturen aufzubauen.
Heutzutage sind die Musikerinnen und Musiker, die dem Jazz zugeordnet werden, Meister ihrer Instrumente und besitzen eine enorme Neugier, die zu grenzenloser Kreativität anregt. Angesichts des wachsenden Angebots und der daraus entstehenden zunehmenden Konkurrenz erhalten sich die Musikerinnen und Musiker eine bemerkenswerte Bescheidenheit und beispielhaften gegenseitigen Respekt.

Label Suisse: Johannes Rühl

Johannes Rühl (Foto: Roland Zemp)

Johannes Rühl, Programmgestaltung neue Volksmusik

Welchen Reiz hat es, an einem Festival, das so zahlreiche Genres vereint, für das Programm eines bestimmten Genres verantwortlich zu sein?
Johannes Rühl: Es gibt nur wenige Festivals, die stilistisch so breit aufgestellt sind wie Label Suisse. Das ist grundsätzlich schon einmal eine grosse Leistung. Für die Programmauswahl heisst das, dass jede Musik neben den anderen Angeboten bestehen muss. Zudem ist zu erwarten, dass ganz unterschiedliches Publikum zu den Konzerten kommt. Solch ein Festival ist für neugierige Menschen wirklich einzigartig. Es ist das beste Publikum, das man sich wünschen kann.

Welches waren die Kriterien, die bei der Auswahl der verschiedenen Gruppen/Bands zum Zug gekommen sind?
Die neue Volksmusik ist ja im Wesentlichen eine Musik der deutschsprachigen Schweiz. Zuhörern aus anderen Landesteilen muss man diese Musik schmackhaft machen, zumal sie manchmal auch gewöhnungsbedürftig ist. Deshalb sollen Gruppen nach Lausanne kommen, die eine gewisse stilistische Offenheit mitbringen. Vor allem darauf haben wir geachtet, neben der Qualität natürlich.

Was sind die aktuellen Trends und Tendenzen im von Ihnen programmierten Genre? Wie werden diese Entwicklungen im Schweizer Musikschaffen gelebt?
Die neue Volksmusik der Schweiz ist letztlich ein Erbe des Folk des vergangenen Jahrhunderts. Damals war die Musik Protest; heute haben die Musikerinnen und Musiker eine grosse Zuneigung zur Tradition. Sie beleben das Material ohne Scheuklappen und schaffen so etwas ganz Neues, Ungehörtes. Wichtig für das Genre ist die Hochschule Luzern – Musik, die seit ein paar Jahren herausragende Talente hervorbringt. Die Entwicklung ist noch lange nicht zu Ende und ich glaube, wir haben von dort noch sehr viel Gutes zu erwarten.

Label Suisse: Claire Brawand

Claire Brawand (Foto: Nathalie Langlois)

Claire Brawand, Programmgestaltung klassische und zeitgenössische Musik

Welchen Reiz hat es, an einem Festival, das so zahlreiche Genres vereint, für das Programm eines bestimmten Genres verantwortlich zu sein?
Claire Brawand: Die Programmgestaltung findet immer in einem spezifischen Kontext statt, der berücksichtigt werden muss. Im Fall von Label Suisse (stilistische Vielfalt mit Schwergewicht auf «Musique Actuelle», nationale Dimension, örtliche Vielfalt, freier Eintritt, sehr grosses Publikum, darunter viele junge Menschen) weicht der Kontext stark vom gewohnten Rahmen der klassischen Musik (vom Barock bis heute) ab, die für gewöhnlich von erfahrenen Musikliebhabern gehört wird. Ich sehe darin ein sehr fruchtbares Experimentierfeld, was meine Aufgabe der Programmgestaltung noch stimulierender macht. Eines der Hauptziele ist dabei, die Besucherinnen und Besucher des Festivals dazu anzuregen, das Universum der klassischen Musik durch eine bestimmte Persönlichkeit, durch die vorherrschende Energie oder durch ein spezielles Konzertformat zu entdecken. Die grosse Freiheit am Festival Label Suisse, entweder sich von Konzert zu Konzert zu bewegen oder aber im gleichen Saal nacheinander die verschiedensten Musikstile zu geniessen, machen dies möglich.

Welches waren die Kriterien, die bei der Auswahl der verschiedenen Gruppen/Bands zum Zug gekommen sind?
Für die Programmgestaltung in der klassischen Musik habe ich starken, einzigartigen Musikerinnen und Musikern – Interpretinnen und Interpreten ebenso wie Komponistinnen und Komponisten – den Vorzug gegeben, deren Vorgehen gut zur Identität des Festivals passt. Sie sollten zeitgenössisch, also aktuell, und experimentierfreudig sein. Eine solche Veranlagung auf Seiten der klassischen Künstlerinnen und Künstler ist für den speziellen Kontext von Label Suisse notwendig. Aus diesen Gründen haben wir uns auf das Repertoire des 20. und 21. Jahrhunderts konzentriert (darunter auch Neuschöpfungen) und den Schwerpunkt bei Schweizer Komponistinnen und Komponisten aus allen Generation gesetzt.

Was sind die aktuellen Trends und Tendenzen im von Ihnen programmierten Genre? Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf die Vertreter der Schweizer Musikszene?
Die Verknüpfung zwischen den Künsten (visuell, akustisch, kompositorisch) und den Ästhetiken nimmt zu. In der Art wie die jüngere Generation führender Musiker ihre Konzertprogramme gestaltet, findet eine grosse Erneuerung statt. Sie arbeiten heute an einer «klassischen» Musik, die keine Grenzen kennt, wie es sie in früheren Generationen oft noch gab.

www.labelsuisse.ch

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Vom 14. bis 16. September 2018 hat zum achten Mal das Festival Label Suisse in Lausanne stattgefunden. Das Festival ist dem Schweizer Musikschaffen gewidmet und bietet dem Publikum alle zwei Jahre einen breitgefächerten Panoramablick auf die aktuelle Musiklandschaft der Schweiz. Text/Interviews von Erika Weibel

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Die Hauptbühne des Festivals Label Suisse auf dem «Place Centrale» in Lausanne während des Auftritts des Genfer Hip-Hop-Kollektivs Superwak Clique am Samstag, 15. September 2018. (Foto: Anne Bichsel)

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Offen für Neues am Festival Murten Classics

Am Samstag, 25. August 2018, lädt das Festival Murten Classics zusammen mit der SUISA ein, einen Tag lang in die Welt der zeitgenössischen Musik einzutauchen. Es werden drei Konzerte mit Werken von 13 Komponistinnen und Komponisten unterschiedlicher Generation, Herkunft und Ästhetik, gespielt. Das Rahmenprogramm des Tages gibt dem Publikum die Möglichkeit, mehr über das Unterwegssein im heutigen musikalischen Umfeld zu erfahren oder über die neuen Kompositionen zu diskutieren. Text von Erika Weibel und Manu Leuenberger

Offen für Neues am Festival Murten Classics

Die Komponistin Cécile Marti war für ihre musikalischen Studien unterwegs in Zürich, Luzern und Basel und erarbeitete in London ihre Dissertation. Ihr Streichquartett «Trapez» ist eines von 13 Werken, das am 25.8.2018 in der Konzertreihe «Offen für Neues» am Festival Murten Classics zu hören sein wird. (Foto: Suzie Maeder)

Das Festival Murten Classics feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Die Jubiläumsausgabe findet vom 12. August bis am 2. September 2018 statt. Das diesjährige Festivalprogramm unter dem Motto «unterwegs – en chemin» will eine musikalische Zeitreise durch fünf Jahrhunderte ermöglichen und stellt dabei die negativ behafteten Begriffe Flucht, Migration und Emigration bewusst an die Seite inspirierender Wanderungen und Reisen von Komponisten und Künstlern.

Seit Langem pflegt das Festival Murten Classics in seinem Programm mit der Konzertreihe «Offen für Neues» das Repertoire der zeitgenössischen Musik. «Diese Konzerte appellieren an die Neugierde des Publikums, und das Publikum wird meistens nicht enttäuscht», erklärte der künstlerische Leiter des Festivals, Kaspar Zehnder, in einem Interview mit den «Freiburger Nachrichten».

In Zusammenarbeit mit der SUISA offeriert das Festivalprogramm dieses Jahr gleich einen ganzen Tag der Begegnungen: Im Rahmen der Konzertreihe «Offen für Neues» werden am Samstag, 25. August 2018, im Kulturzentrum im Beaulieupark in Murten vom Vormittag bis am späteren Nachmittag drei Konzerte mit Werken von 13 verschiedenen zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten zu hören sein.

In einem Rahmenprogramm inklusive der Möglichkeit zum Mittagessen kann das Publikum von Fachpersonen und Künstlern mehr über das heutige Dasein als Musikschaffender und das aktuelle Musikschaffen erfahren oder darüber diskutieren. Neben einer Einführung zum Auftakt am Morgen finden tagsüber zu den Konzerten moderierte Gesprächsrunden mit den anwesenden Komponisten statt, bei denen das Publikum auch Fragen zu Entstehung und Werdegang der Werke stellen kann.

Getreu dem diesjährigen Festivalmotto «unterwegs – en chemin» stammen die an diesem Tag aufgeführten Werke von Urhebern, die mit der Schweiz verbunden «unterwegs» sind. Diese Komponistinnen und Komponisten sind aus der Schweiz ausgewandert, in die Schweiz eingewandert, stets an einem anderen Ort oder von Ort zu Ort geflüchtet.

Welche Klangwelten sich durch diese Lebenswege und -erfahrungen entfalten, können Zuhörer an diesem Tag der musikalischen Begegnungen erleben und erfahren. Tageskarten für diese Veranstaltung vom 25. August 2018 in der Konzertreihe «Offen für Neues» sind inklusive oder exklusive Mittagessen erhältlich auf der Website des Festivals.


Programm: «Offen für Neues», ein Tag der Begegnungen am Murten Classics

Samstag, 25. August 2018

Veranstaltungsort
Das Kleintheater KiB (Kultur im Beaulieu)

Motto: Unterwegs – en chemin.
Verschiedene Lesarten eines Festivalthemas
Aus der Schweiz emigriert
In die Schweiz immigriert
Stets unterwegs
Auf der Flucht

10 Uhr – EINFÜHRUNG
Dr. Irène Minder-Jeanneret
Moderation: Dr. Roman Brotbeck

Konzert 1 (ca. 11–12 Uhr)
WAVES FROM ANOTHER WORLD

Giorgio Tedde (*1958): Atlas (2005) für Flöte und Streichtrio
Katrin Frauchiger (*1967): Mare nostrum (2015) für Flöte und Streichtrio
Aram Hovhannisyan (*1984): Litanies I-IV (2008/09) für Klavier
Jean-Luc Darbellay (*1946): Waves (2011) für Flöte und Altflöte
Fritz Voegelin (*1943): Dual (2009/10) für Altflöte und Streichtrio

Ana Ioana Oltean, Flöte
Gilles Grimaître, Klavier
Ensemble mit vier: Kaspar Zehnder, Flöte/Altflöte; Charlotte Zehnder, Violine; Dorothee Schmid,Viola; Urs Fischer, Violoncello

Konzert 2 (ca. 13.30 – 14.30 Uhr)
IMMIGRATION – EMIGRATION

Maria Niederberger (*1949): Mountain visions (2009/10) für Violine solo
Maria Niederberger (*1949): Hommage à Frédéric Chopin (2008/09) für Klavier solo
Thomas Fortmann (*1951): Burleske «Elena e Greta»für zwei Flöten und Klavier
Jan Beran (*1959): «Strange words the wind tossed» für Violine und Klavier
Jan Beran (*1959): «Leis wie eine Märchenweise» für Klavier solo
Wael Sami Elkholy (*1976): «Skies’ Calls» (2011) für Stimme und Tonband

René Kubelik, Violine
Patrizio Mazzola, Klavier
Ana Ioana Oltean, Flöte
Kaspar Zehnder, Flöte
Wael Sami Elkholy, Stimme

Konzert 3 (ca. 16–17 Uhr)
ROOTS AND GREAT PLACES

Daniel Schnyder (*1961): 4. Streichquartett «Great places» – Shanghai 1928, Havana 1952, Paris 1901, Casablanca 1933, New York City 1964
Cécile Marti (*1973): Trapez (2012)
Iris Szeghy (*1956): Aria (2007/16)
Marco Antonio Perez-Ramirez (*1964): Primitive Dream (2009)

Belenus Quartett: Seraina Pfenninger, Violine; Anne Battegay, Violine; Esther Fritzsche, Viola; Jonas Vischi, Violoncello

www.murtenclassics.ch

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Beruf und Berufung | mit VideoBeruf und Berufung | mit Video Wie gründe und betreibe ich ein Ensemble für zeitgenössische Musik? Von wem erhalte ich Fördergelder für meine Musikprojekte? Wozu ist die SUISA und die Swissperform da? Wie vertreibe ich meine Werke im Internet? Impressionen vom erstmals durchgeführten «Journée d’orientation professionnelle» am Festival Archipel 2017. Weiterlesen
Schweizer Kompositionen am Festival ArchipelSchweizer Kompositionen am Festival Archipel Die zeitgenössischen Schweizer Komponistinnen und Komponisten haben viel zu bieten. Der Beweis dafür war am Festival Archipel am 21. März 2018 anlässlich eines Konzerts zu Ehren von vier einheimischen Komponisten zu hören. Weiterlesen
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Am Samstag, 25. August 2018, lädt das Festival Murten Classics zusammen mit der SUISA ein, einen Tag lang in die Welt der zeitgenössischen Musik einzutauchen. Es werden drei Konzerte mit Werken von 13 Komponistinnen und Komponisten unterschiedlicher Generation, Herkunft und Ästhetik, gespielt. Das Rahmenprogramm des Tages gibt dem Publikum die Möglichkeit, mehr über das Unterwegssein im heutigen musikalischen Umfeld zu erfahren oder über die neuen Kompositionen zu diskutieren. Text von Erika Weibel und Manu Leuenberger

Offen für Neues am Festival Murten Classics

Die Komponistin Cécile Marti war für ihre musikalischen Studien unterwegs in Zürich, Luzern und Basel und erarbeitete in London ihre Dissertation. Ihr Streichquartett «Trapez» ist eines von 13 Werken, das am 25.8.2018 in der Konzertreihe «Offen für Neues» am Festival Murten Classics zu hören sein wird. (Foto: Suzie Maeder)

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Neue Förderungsstrategie: «Wir wollen den Blick nach vorne richten»

Die FONDATION SUISA verstärkt ihr Engagement in der Förderung von Musik in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein: Jährlich sollen unter dem Titel «Get Going!» vier musikalische Projekte angestossen und mit «Carte Blanche» alle zwei Jahre ein grösserer Werkbeitrag gesprochen werden. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA - Neue Förderungsstrategie: «Wir wollen den Blick nach vorne richten»

Mit ihrer revidierten Förderpolitik will die FONDATION SUISA neue kreative Orte ausmachen und Projekte anstossen, bei denen die Musikschaffenden in ihren kreativen Vorstellungen möglichst wenig eingeengt werden. (Foto: Alberto Andrei Rosu / Shutterstock.com)

Der Stiftungsrat der FONDATION SUISA hat beschlossen, einen Teil seiner Förderungspolitik neu aufzugleisen und neue Perspektiven einfliessen zu lassen. Damit will die Stiftung den zeitgemässen Ansprüchen an das Schweizer Musikschaffen mehr Rechnung tragen. In Zukunft wird weniger in den Rückspiegel geschaut, dafür vermehrt nach vorne. Vier Anstossbeiträge sowie ein Werkbeitrag treten an die Stelle der bisherigen Preispolitik.

«Statt einem Künstler, einer Künstlerin im Nachhinein mit Hilfe eines Preises auf die Schulter zu klopfen, investieren wir nun das uns zur Verfügung stehende Geld stärker in die Zukunft», sagt Urs Schnell, Direktor der FONDATION SUISA, und fügt an: «Wir wollen fördern statt urteilen und so den Blick verstärkt nach vorne richten.»

«Get Going!» ermöglicht neue Projekte

Beim sogenannten «Get Going!» handelt es sich um eine Anstossfinanzierung. Es werden vier «Get going!»-Beiträge à 25 000 Franken pro Jahr ausgeschrieben. Erstmals können sich Musikschaffende ab Ende Juni 2018 für einen «Get Going!»-Beitrag bewerben. Wichtig ist, dass «Get Going!» die anderen Förderangebote der FONDATION SUISA, insbesondere das geltende Gesuchswesen, die bestehenden Partnerschaften, die Messen und Events im Ausland sowie das Klassenmusizieren, weder konkurriert noch tangiert.

«Im Gegenteil», erläutert Schnell, «als gewichtige Starthilfe dienen sie als Ergänzung zur bisherigen Förderung. Wir wollen neue kreative Orte ausmachen. Dies vor allem auch ausserhalb der gängigen Schubladen, die sich in der Förderpolitik in Vergangenheit etabliert haben. Zwar haben sich diese durchaus als nützlich erwiesen, gleichzeitig tragen sie aber dazu bei, dass gewisse Projekte zwischen Stuhl und Bank fallen.»

Finanzielle Unabhängigkeit dank der «Carte Blanche»

Nicht ausgeschrieben, sondern alle zwei Jahre direkt von einer Fachjury vergeben, wird die «Carte Blanche» in der Höhe von 80 000 Franken. Die «Carte Blanche» soll es den Begünstigten ermöglichen, sich während eines längeren Zeitraumes vollständig auf ihr musikalisches Schaffen zu konzentrieren. «Die Förderung sowie die künstlerische Entwicklung stehen im Fokus einer ‹Carte Blanche› und weniger das Ergebnis der Arbeit an einem bestimmten Werk», umreisst Schnell den Rahmen dieses substanziellen Förderbeitrages.

Mit beiden Förderprojekten will die FONDATION SUISA auf die sich rasch wandelnden Musikszenen reagieren, in denen immer wieder innovative Kreativansätze scheitern, weil sie nicht in das vorhandene Reglementarium passen. Daher verzichtet die FONDATION SUISA bewusst auf gängige Genre-, Alters- oder Projektkategorien. «Get Going!» und «Carte Blanche» sollen für möglichst viele musikalisch-kreative Menschen zugänglich sein. «Die Musikschaffenden sollten in ihren kreativen Vorstellungen möglichst wenig eingeengt werden», sagt Schnell. «Im Dazwischen, wo herkömmliche Genredefinierungen scheitern, weil sie durch das Raster fallen, wollen wir in Zukunft als konstruktiver Förderer auftreten.»

Die neue Förderpolitik der FONDATION SUISA gilt ab sofort. Die ersten vier «Get Going!»-Beiträge zu je 25 000 Franken werden Ende Juni 2018 ausgeschrieben. Die Informationen rund um die Bewerbung sind ab dann auf der Webseite der Stiftung aufgeschaltet.

www.fondation-suisa.ch

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Die FONDATION SUISA verstärkt ihr Engagement in der Förderung von Musik in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein: Jährlich sollen unter dem Titel «Get Going!» vier musikalische Projekte angestossen und mit «Carte Blanche» alle zwei Jahre ein grösserer Werkbeitrag gesprochen werden. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA - Neue Förderungsstrategie: «Wir wollen den Blick nach vorne richten»

Mit ihrer revidierten Förderpolitik will die FONDATION SUISA neue kreative Orte ausmachen und Projekte anstossen, bei denen die Musikschaffenden in ihren kreativen Vorstellungen möglichst wenig eingeengt werden. (Foto: Alberto Andrei Rosu / Shutterstock.com)

Der Stiftungsrat der FONDATION SUISA hat beschlossen, einen Teil seiner Förderungspolitik neu aufzugleisen und neue Perspektiven einfliessen zu lassen. Damit will die Stiftung den zeitgemässen Ansprüchen an das Schweizer Musikschaffen mehr Rechnung tragen. In Zukunft wird weniger in den Rückspiegel geschaut, dafür vermehrt nach vorne. Vier Anstossbeiträge sowie ein Werkbeitrag treten an die Stelle der bisherigen…Weiterlesen

Subventionierte Sender bieten mehr Vielfalt und mehr SUISA-Repertoire

Die subventionierten Radio- und TV-Sender in der Schweiz und in Liechtenstein räumen der Musik von Mitgliedern der SUISA tendenziell mehr Sendeplatz ein als privat finanzierte Stationen. Zudem spielen die meisten vom Bund unterstützten Sender viel mehr unterschiedliche Musiktitel als die auf Werbeeinnahmen fokussierten Pendants. Im Interesse des hiesigen Musikschaffens und der kulturellen Vielfalt ist eine Abschaffung der solidarischen Abgaben für Service-public-Medien deshalb abzulehnen. Text von Andreas Wegelin und Manu Leuenberger

Subventionierte Sender bieten mehr Vielfalt und mehr SUISA-Repertoire - NEIN zu No Billag

Der Verein Musikschaffende Schweiz vergab 2017 erstmals einen «SwissMusicOnAir-Award». Ausgezeichnet wurde das konzessionierte Privatradio mit dem höchsten Anteil an Schweizer (Pop-)Musik im Programm: der subventionierte Berner Lokalsender Radio BeO. (Bild: Radio BeO)

Die subventionierten Schweizer Radiosender spielen im Durchschnitt einen höheren Anteil an Musik von Mitgliedern der SUISA als private Sendestationen ohne Finanzierung aus der öffentlichen Hand. Bei den vom Bund unterstützten Sendern ist zudem die Anzahl an unterschiedlichen Musiktiteln im Programm zumeist deutlich höher als bei hauptsächlich werbefinanzierten Pendants.

Eine (Mit-)Finanzierung durch den Bund trägt also dazu bei, dass schweizerisches Musikschaffen und Vielfalt in den Sendeprogrammen stattfindet. Dass diese Schlussfolgerung nicht aus der Luft gegriffen ist, geht aus Daten von Nutzungsmeldungen hervor, die den Verwertungsgesellschaften SUISA und Swissperform vorliegen.

Damit ein Unternehmen in der Schweiz und in Liechtenstein Radio- und/oder Fernsehprogramme senden oder in Kabelnetze einspeisen kann, ist ein Lizenzvertrag mit der SUISA nötig. Im Rahmen dieses Vertrags sind die Sender dazu angehalten, der SUISA genaue Angaben zum gesendeten Programm zu liefern.

Sendeanteile für Musik von Mitgliedern der SUISA

In den Angaben zur gesendeten Musik müssen unter anderem die Titel der Musikwerke, Namen der Komponisten und der Interpreten sowie die Sendedauer enthalten sein. Die detaillierten Informationen ermöglichen eine korrekte Verteilung der eingenommenen Vergütungen: Die Einnahmen werden an jene Urheber und Verleger ausbezahlt, deren Werke gemäss den Sendemeldungen in den Programmen gespielt wurden.

Daneben ergibt die Summe der Sendemeldungen einen Überblick über das gesamte Musikprogramm eines Senders. Insbesondere kann die SUISA den Anteil an gespielter Musik von den eigenen Mitgliedern fundiert auswerten. Sobald mindestens einer der Urheber ein SUISA-Mitglied ist, gilt in der Auswertung ein Musikstück als SUISA-Werk. Ein Musiktitel, dessen Komponisten und Textautoren ausschliesslich Nicht-SUISA-Mitglieder sind, zählt bei dieser Anteilsberechnung unabhängig von den Interpreten zum restlichen Repertoire.

Zahlen gerundet, Quelle: SUISA. (Diagrammdesign: Crafft)

Der Blick auf die berechneten Sendeanteile aus dem Jahr 2016 lässt eine eindeutige Tendenz erkennen: Subventionierte Radios räumen der Musik von Mitgliedern der SUISA mehr Platz ein als privat finanzierte Stationen. Dabei ist zu beachten: Nicht nur in den Programmen der SRG wird vermehrt SUISA-Repertoire gespielt, sondern auch bei Lokalsendern wie Radio BeO, Kanal K oder Radio Stadtfilter. Letztere erhalten ebenfalls Anteile der Radio- und TV-Abgaben. Der damit verbundene Programmauftrag zeigt hier seine Wirkung.

Im Detail sind die Programmaufträge für den nationalen (SRG) und den regionalen (Lokalsender) Service public unterschiedlich. Beiden übergeordnet ist jedoch im Artikel 93 der Bundesverfassung der Grundsatz: «Radio und Fernsehen tragen zur Bildung und kulturellen Entfaltung, zur freien Meinungsbildung und zur Unterhaltung bei. Sie berücksichtigen die Besonderheiten des Landes und die Bedürfnisse der Kantone. Sie stellen die Ereignisse sachgerecht dar und bringen die Vielfalt der Ansichten angemessen zum Ausdruck.»

Vielfalt im Musikprogramm der Schweizer Radiosender

Der Kulturauftrag der SRG umfasst die Kulturberichterstattung ebenso wie die Bildung im kulturellen Bereich und die Kulturförderung. Im Rahmen dieses Leistungsauftrags vereinbarte die SRG mit Verbänden und Institutionen der Musikbranche in der Charta der Schweizer Musik Richtwerte zur Förderung des Schweizer Musikschaffens in den Radio-Programmen. Den positiven Einfluss des Service-public-Auftrags auf die Programmvielfalt belegt eine Analyse von Radiosendungen aus dem Jahr 2015, basierend auf einer Auswertung von Swissperform:

Anteil Schweizer Musik und Programmvielfalt in Schweizer Radiosendern (Auswertung 2015)
Sender SRG Anteil CH-Musik am gesamten Musikprogramm (in %) Anzahl unterschiedliche Musiktitel Sender privat Anteil CH-Musik am gesamten Musikprogramm (in %) Anzahl unterschiedliche Musiktitel
SRF MW 40,31 28’978 Radio 24 12,16 2’320
Swiss Classic 37,38 4’007 Argovia 10,25 2’669
Swiss Jazz 21,07 10’645 Sunshine 11,75 1’746
Virus 57,60 8’206 Central 16,32 6’885
Swiss Pop 36,78 4’929 Zürisee 10,45 4’319
SRF 3 21,25 13’702 Pilatus 11,32 2’389
SRF 2 8,22 16’826 Energy Zürich 1’670
SRF 1 16,95 12’189
Rete Uno 7,45 8’600
Rete Due 8,99 18’335
Rete Tre 14,73 14’209
RTR 37,23 18’176
RTS 1 6,25 12’728
RTS 2 14,28 27’075
RTS 3 20,89 19’220
Option Musique 12,81 6’881
Total 224’706 41’753
Durchschnitt 22,64 14’044 12,04 3’143
Quelle: Swissperform

Gemäss dieser Erhebung waren 2015 auf den Sendern der SRG bei annähernd jedem vierten gespielten Musiktitel Schweizer Musikschaffende beteiligt (Anteil CH-Musik: 23 %). Der durchschnittliche Anteil an gesendeter Schweizer Musik bei werbefinanzierten Privatsendern betrug lediglich 12 Prozent.

Der Vergleich der Anzahl unterschiedlicher Musiktitel verdeutlicht einen weiteren wesentlichen Unterschied in den ausgewerteten Programmen: Das Publikum der SRG-Sender bekam über das ganze Jahr hinweg durchschnittlich 14’044 verschiedene Aufnahmen zu hören. In den Programmen der privaten Radiostationen liefen während zwölf Monaten durchschnittlich 3143 Aufnahmen, also deutlich weniger unterschiedliche Musiktitel. Überspitzt gesagt: Auf diesen Privatsendern rotierten 9 verschiedene Songs pro Tag.

Im Interesse der Schweizer Musik NEIN zu No Billag

Die unter dem trügerischen Namen «No Billag» vermarktete Volksinitiative bezweckt eine gänzliche Abschaffung der Radio- und Fernsehabgaben. Im Visier der Initianten steht nicht das Inkassounternehmen Billag. Vielmehr soll in der Bundesverfassung festgesetzt werden, dass der Bund keine Radio- und Fernsehstationen subventioniert. Gleichzeitig würde bei einer Annahme der Initiative der zuvor erwähnte Grundsatz, wonach Radio und Fernsehen zur kulturellen Entfaltung beizutragen und die Besonderheiten des Landes zu berücksichtigen haben, ersatzlos aus der Bundesverfassung gestrichen.

In einer rein kommerziell orientierten Radio- und Fernsehlandschaft fokussieren sich die Sendeunternehmen zwangsläufig auf ihre Werbeeinnahmen. Die gegenwärtigen Fakten über die Sendeanteile von Schweizer Musik und die Anzahl verschiedener Musiktitel vermitteln einen Eindruck, welche Auswirkung diese wirtschaftliche Ausrichtung auf die Programminhalte hat. Im Interesse des hiesigen Musikschaffens und der kulturellen Vielfalt ist eine Abschaffung der solidarischen Abgaben für Service-public-Medien deshalb entschieden abzulehnen.

Weitere Informationen:
Vollständige Auswertungen der Sendeanteile von SUISA-Werken sowohl in Radiosendungen der SRG als auch in Sendungen von Privatradios aus dem Jahr 2016 sind veröffentlicht unter: www.suisa.ch/hitparaden

NEIN zu No Billag – Kampagnen gegen die Volksinitiative

Unter den Schweizer Kulturschaffenden läuft derzeit eine Unterschriftensammlung für einen Aufruf, mit dem sie sich gemeinsam gegen die No-Billag-Initiative positionieren und sich für eine kulturell vielfältige Schweiz einsetzen. Der Aufruf wird koordiniert von der Schweizerischen Interpretengenossenschaft SIG und der Swissperform und unterstützt von zahlreichen Vertretern aus der Kulturbranche wie SUISA, Musikschaffende, Musikrat und vielen mehr. Im Januar 2018 wollen die Kulturschaffenden mit ihrem gemeinsamen Aufruf an die Öffentlichkeit treten.

Nicht nur aus kulturellen Kreisen hat sich gegen die Initiative Widerstand gebildet. Es gibt Kampagnen von verschiedenen Komitees und Institutionen, die sich für ein NEIN zu No Billag am 4. März 2018 engagieren:

Nein zu No Billag, Initiative der Unikom-Radios und anderen
Nonobillag.ch, Interessensgemeinschaft «NEIN zu No-Billag»
Sendeschluss? Nein!, Verein «Nein zum Sendeschluss»
Nein zum Anschlag auf unsere Demokratie, Operation Libero
NON à No Billag, Association contre la disparition des radios et TV
Medien für alle – Médias pour tous – Media per tutti, Verein Medien für alle – médias pour tous – media per tutti
Amici della RSI, Associazione Amici della RSI
Salviamo la RSI, Pagina indipendente per la difesa del pluralismo svizzero dei media
No Billag No Svizzera, Comitato No Billag No Svizzera

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Die No-Billag-Initiative gefährdet das Schweizer Kulturschaffen!Die No-Billag-Initiative gefährdet das Schweizer Kulturschaffen! Die Initiative bezweckt den gänzlichen Abbau der öffentlich-rechtlichen Finanzierung der elektronischen Medien Radio und Fernsehen. Im Juni 2015 haben die Schweizer Stimmbürger dem Wechsel von einer nutzungsabhängigen Radio/TV-Empfangsgebühr auf eine Haushaltsgebühr zugestimmt. Die Haushaltsgebühr soll per 1.1.2019 eingeführt werden. Das Inkasso für diese Haushaltsgebühr wird durch die Firma Serafe durchgeführt werden. Die Billag wird auf den 31.12.2018 deshalb geschlossen. Der Titel «No Billag» bei der Initiative ist doppelt irreführend. Es geht hier weder um die Firma Billag noch um die Firma Serafe, die beide lediglich Inkassofirmen sind. Das wahre Ziel der Initianten ist, dass der Staat kein Geld mehr an elektronische Medien zahlt. Was einen massiven Programmabbau zur Folge hätte, der besonders auch dem Schweizer Musikschaffen grossen Schaden zufügen würde. Weiterlesen
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  1. Michel sagt:

    Seit mindestens 8 Jahren habe ich weder einen Fernseher noch ein Radio eingeschaltet. Ich beziehe mein Unterhaltungsprogramm und die Musik von anderen Diensten, bei denen ich selbst wählen kann, was ich sehen oder hören möchte. Und DAFÜR bezahle ich auch.

    Wenn jemand an der tollen „Vielfalt“ der subventionierten Sendern hängt, warum soll ICH das bezahlen? Bezahl doch selbst! So wie ich es auch für meine Interessen tue.

    Simples Verursacherprinzip.

    Die Argumente der „Nein zu No-Billag“ sind einfach nur lachhaft.

  2. Guldenfels sagt:

    No Billag, no cultur ?
    Dieser Slogan ist einfach nur Falsch !
    Entstehen doch genau in der Subcultur, weit weg von Subventionen, die Kreativen Würfe dieser Welt.
    Ausserdem gab es schon vor der Billag-Zwangsgebühren Kulturen….

    • Manu Leuenberger sagt:

      Bei der Genossenschaft SUISA sind über 36 000 Komponisten, Textautoren und Verleger aus allen musikalischen Sparten angemeldet. Darunter befinden sich auch zahlreiche Musikschaffende, die aus dem Independent-Bereich stammen oder in musikalischen Nischenmärkten tätig sind. Gerade diese Musikschaffenden haben vor allem auf den subventionierten Sendern eine Chance, verbreitet zu werden. (Mit-)Finanzierung aus öffentlicher Hand hat nachweislich einen günstigen Effekt darauf, dass lokale Musik oder Nischenmusik gesendet wird. Dies zeigen die im Artikel geschilderten Zahlen der Sendeanteile und der Anzahl der unterschiedlichen Musiktitel auf. Man denke an Sender wie Kanal K, Radio Lora oder auch die Plattform mx3, die ohne Beihilfe aus den Gebühren nicht existieren können.

      Manu Leuenberger / SUISA Kommunikation

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