Tagarchiv: Schweizer Musik

«Get Going!» geht in die dritte Runde

«Get Going!» ermöglicht neue Perspektiven: Dem Gedanken von «Get Going!» liegt die Philosophie des «Möglichmachens» zugrunde. Bei «Get Going!» handelt es sich um eine Anstossfinanzierung. Es werden vier solcher Beiträge à 25 000 Franken pro Jahr ausgeschrieben. Text von FONDATION SUISA

«Get Going!» geht in die dritte Runde

Die Empfängerinnen und Empfänger der «Get Going»-Beiträge 2019 (von oben links nach unten rechts): Anna Gosteli, Michel Barengo, Jessiquoi, Félix Bergeron (Iynnu) und Jérémie Zwahlen. (Fotos: zVg)

«Get Going!» soll für möglichst viele musikalisch-kreative Menschen zugänglich sein. Die Musikschaffenden sollten in ihren kreativen Vorstellungen möglichst wenig eingeengt werden.

«Get Going!» 2020: Ausschreibung

Anmeldeschluss: 31.08.2020

Die Ausschreibung ist bewusst offen gehalten und verzichtet auf gängige Genre-, Alters- oder Projektkategorien.

Bewerben können sich Urheberinnen und Urheber, Autorinnen und Autoren sowie Musikerinnen und Musiker, die einen deutlichen Bezug zum aktuellen schweizerischen oder liechtensteinischen Musikschaffen nachweisen können.

Bitte beachten Sie:

  • Wir nehmen keine zusätzlichen Dokumente, weder elektronisch noch in anderer Form, entgegen.
  • Über das Auswahlverfahren können wir keine Korrespondenz führen oder telefonische Auskünfte geben.
  • Bei Bedarf kann die Jury Rückfragen stellen.
  • Die Jury, bestehend aus vier Personen des Stiftungsrates, beurteilt die Bewerbungen und trifft die Wahl. Ein entscheidendes Auswahlkriterium ist dabei die Substanz und Originalität der eingereichten Begründung.

Zur Bewerbung:

Für eine gültige Bewerbung füllen Sie bitte das folgende Online-Formular bis zum 31.08.2020 vollständig aus:

«Get Going!» 2020 Online-Formular

Im Verlauf des Herbstes 2020 wird sich die Jury mit den eingereichten Dossiers auseinandersetzen. Sie erhalten dann eine Rückmeldung zu Ihrer Bewerbung.

www.fondation-suisa.ch/de/werkbeitraege

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«Get Going!» ermöglicht neue Perspektiven: Dem Gedanken von «Get Going!» liegt die Philosophie des «Möglichmachens» zugrunde. Bei «Get Going!» handelt es sich um eine Anstossfinanzierung. Es werden vier solcher Beiträge à 25 000 Franken pro Jahr ausgeschrieben. Text von FONDATION SUISA

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«Get Going!» 2020: Ausschreibung

Anmeldeschluss: 31.08.2020

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Bewerben können sich Urheberinnen und Urheber, Autorinnen und Autoren sowie Musikerinnen und Musiker, die einen deutlichen Bezug zum aktuellen schweizerischen oder liechtensteinischen Musikschaffen nachweisen können.

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«Diese Krise weist auf eine kranke Gesellschaft hin»

Im Rahmen des Projekts «Music for Tomorrow» stellen wir dieses Mal den Schweizer Jazz- und Improvisationsmusiker Cyril Bondi und sein Stück «We Need To Change» vor. Im schriftlichen Interview erzählt Cyril, warum aus seiner Sicht die Politik und nicht der Virus für die jetzige Krise verantwortlich ist. Text von Nina Müller; Video von Cyril Bondi, bearbeitet von Nina Müller

Der 40-jährige Cyril Bondi bezeichnet sich selbst als Experimentator, der es liebt, mit anderen zusammen zu arbeiten. Der gebürtige Genfer bewegt sich musikalisch im Bereich von Jazz und Free Jazz. Als Rückgrat seiner Musik bezeichnet er die Improvisation. «Sie hat es mir ermöglicht, in unterschiedlichen Kontexten zu spielen und mich in einem Jazz-Trio (Plaistow) ebenso wohl zu fühlen wie im experimental/traditional Genre (La Tène), in einem Pop-Rock-Duo (Cyril Cyril) oder bei einer punktuellen Zusammenarbeit für verschiedene Projekte», sagt er im schriftlichen Interview mit der SUISA. Mit seiner Musik überschreitet Cyril regelmässig musikalische Grenzen, die sich die Gesellschaft im Laufe der Jahre gesetzt hat. «Ich versuchte schon immer, Neues zu entwickeln, neue Konzepte, mein Instrument anders zu spielen, es zu dekonstruieren, neu zu erfinden und neue Klänge und Texturen zu suchen», sagt Cyril über seine musikalische Entwicklung.

Exklusiv für «Music for Tomorrow» hat Bondi das Stück «We Need To Change» komponiert. Vor dem Lockdown war Bondi damit beschäftigt, mehrere Stücke für sein kommendes Soloalbum zu schreiben. Wegen der Coronavirus-Pandemie musste er alle Projekte abbrechen. Als er die Einladung zu «Music for Tomorrow» erhielt, wurde ihm bewusst, wie gross sein Bedürfnis nach einer Veränderung ist. Die Erarbeitung des Stückes empfand Cyril als sehr intensiv. «Intensiv, weil ich darin die Chance sah, einem in der heutigen Situation verbreiteten Gefühl Ausdruck zu verleihen, dieser merkwürdigen Mischung zwischen der klaren Feststellung, dass unsere Gesellschaft zusammenbricht und der Verleugnung dieser Situation», erklärt Bondi. «Ich spüre diese Spannung zutiefst, und der kreative Raum, auf den ich mich einliess, hat mir erlaubt, dies auf meine eigene Art und Weise auszudrücken». Ausserdem sei es für ihn ungewohnt, alleine zu arbeiten, da er meist mit Bands oder Orchestren zusammenarbeitet.

Cyril Bondi, wie sieht dein Arbeitsalltag als Komponist während der Corona-Pandemie aus?
Cyril Bondi: Ich organisiere meine Arbeitstage rund um das Familienleben. Ich habe drei Kinder zu Hause, muss mich also immer wieder um sie kümmern, ihnen bei den Hausaufgaben helfen, sie beschäftigen. Damit ich mit meiner Arbeit vorankomme, stehe ich manchmal früh auf oder befasse mich am Abend mit meinen verschiedenen Projekten. Seien wir ehrlich: Diese Pandemie hat die Kulturkreise mit voller Wucht getroffen, und besonders auch die Musikerinnen und Musiker, deren langjährige prekäre Lage nun deutlich zu Tage tritt. Ich verbringe also sehr viel Zeit damit, Konzertabsagen und -verschiebungen zu organisieren und mich über die verschiedenen Unterstützungsbeiträge zu informieren. Ausserdem bin ich Mitglied der Genfer Föderation der Musikschaffenden, die die Berufsmusiker vom Hip-Hop bis zur zeitgenössischen Musik vereint und in der wir für dieses pandemiegebeutelte Umfeld gemeinsame Forderungen ausarbeiten. Es bleibt mir also wenig Zeit für die künstlerische Tätigkeit: Irgendwann musste ich aber zu meiner Kompositionsarbeit zurückkehren; ich schrieb neue Stücke, ohne zu wissen, für wen eigentlich und mit welchem Ziel vor Augen, ausser dass ich mich wieder kreativ betätigte. Zudem nutzte ich die Gelegenheit, die Aufnahmen für das Album Cyril Cyril (Pop, Rock) und für mein Soloalbum (experimental) voranzutreiben.

Was bedeutet diese Krise für dich persönlich?
Diese Krise weist auf eine kranke Gesellschaft hin. Wir befinden uns nämlich in dieser Situation nicht weil sich ein Virus ausgebreitet hat, sondern weil politische Entscheidungen uns in diese Lage geritten haben. Wir sparen bei den öffentlichen Diensten und Spitälern, wir holzen ab, beuten aus, plündern und verbrauchen. Ich versuche nun zu lesen, mich zu informieren, mit anderen zu diskutieren, Musik zu hören. Es ist eine düstere Zeit, die mir vor Augen führt, wie stark wir die Kultur, die Künste, die Künstlerinnen und Künstler brauchen, um uns zu inspirieren, zum Träumen zu bringen, zur Flucht zu bewegen und zum Nachdenken anzuregen. Noch nie brauchten wir sie so sehr.

Wie kann dich das Publikum im Moment unterstützen?
Die Menschen müssen merken, in welcher Notlage sich die Kulturschaffenden befinden, und sie dürfen hinter ihren Computern und Smartphones nicht denken, dass sie damit irgendwie helfen. Sie müssen CDs kaufen, ihre Lieblingskünstler unterstützen, die Musik jener hören, die in ihrem Umfeld leben, und vor allem dürfen sie die Konzertsäle, Theater und Festivals nicht fallenlassen, wenn diese wieder öffnen dürfen. Denn das ist eine meiner Befürchtungen für die Zukunft. Wenn die Leute dann immer noch Angst haben, sich zu treffen, zu berühren, zu umarmen oder zusammen zu tanzen: Wie werden wir dann wieder schöne Momente der Musik teilen können?

Hilft es dir, wenn Leute auf Spotify und Co. mehr deine Musik streamen?
Vermutlich sagen alle dasselbe. Spotify, Youtube, Facebook sind Unternehmen, die so viel Geld wie möglich machen wollen, indem sie die Ressourcen anderer auswerten. Und ich gehöre nun mal zu diesen «anderen». Ich werde nie etwas von dem erhalten, was konsumiert wird.

Was könnte deiner Meinung nach, die momentane Situation an Positives mit sich bringen?
Meine Hoffnung liegt in der kollektiven Erfahrung, die wir gerade durchleben. Sind wir intelligent genug, um zu merken, dass eine Welt mit weniger Flug- und Autoverkehr, mit mehr Natur, einem verlangsamten Rhythmus, mehr Zeit für die Familie und mehr Solidarität eine Welt ist, in der wieder Hoffnung aufkommen kann? Unsere kapitalistische Gesellschaft führt uns in den Untergang, packen wir doch die Gelegenheit, uns eine neue Welt vorzustellen, sie zu erfinden und zu schaffen. Das tönt naiv, doch ich habe das Gefühl, dass heute jeder und jede in der Lage ist, dies zu verstehen!

Was möchtest du deinen Fans mit auf den Weg geben?
Hört Musik, singt, tanzt, geht aus!

www.cyrilbondi.net

«Music for Tomorrow»
Die Covid19-Krise trifft die Mitglieder der SUISA besonders hart. Die Haupteinnahmequelle vieler Komponistinnen, Komponisten, Verlegerinnen und Verleger fällt komplett weg: Auftritte jeglicher Art sind bis auf Weiteres vom Bund verboten worden. In den nächsten Wochen porträtieren wir auf dem SUISAblog einige unserer Mitglieder. Sie erzählen uns, was sie während der Covid19-Krise bewegt, was ihre Herausforderungen sind und wie ihr Arbeitsalltag derzeit aussieht. Die Musikerinnen und Musiker haben zudem für den SUISAblog zu Hause oder in ihrem Studio eine Eigenkomposition performt und gefilmt. Die SUISA bezahlt den Musikerinnen und Musikern für diese Aktion eine Gage.
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Im Rahmen des Projekts «Music for Tomorrow» stellen wir dieses Mal den Schweizer Jazz- und Improvisationsmusiker Cyril Bondi und sein Stück «We Need To Change» vor. Im schriftlichen Interview erzählt Cyril, warum aus seiner Sicht die Politik und nicht der Virus für die jetzige Krise verantwortlich ist. Text von Nina Müller; Video von Cyril Bondi, bearbeitet von Nina Müller

Der 40-jährige Cyril Bondi bezeichnet sich selbst als Experimentator, der es liebt, mit anderen zusammen zu arbeiten. Der gebürtige Genfer bewegt sich musikalisch im Bereich von Jazz und Free Jazz. Als Rückgrat seiner Musik bezeichnet er die Improvisation. «Sie hat es mir ermöglicht, in unterschiedlichen Kontexten zu spielen und mich in einem Jazz-Trio (Plaistow) ebenso wohl zu fühlen wie im experimental/traditional Genre (La Tène), in einem Pop-Rock-Duo (Cyril Cyril) oder bei einer punktuellen…Weiterlesen

Erinnerung an einen aussergewöhnlichen Menschen und begnadeten Musiker

Der Pianist Willy Bischof war eine feste Grösse in der Schweizer Jazzszene und prägte als Musikredaktor und Programmleiter die Programme von Radio DRS. Im Dezember 2019 ist das langjährige SUISA-Mitglied im Alter von 74 Jahren gestorben. Nachruf von Gastautor Pietro Schaller

Willy Bischof: Erinnerung an einen aussergewöhnlichen Menschen und begnadeten Musiker

Willy Bischof im Studio Mulinetti in Genua anlässlich der CD-Produktion zu «A Pianist In Paris» im September 2004. (Foto: Pietro Schaller)

Lieber, caro Willy

1968 sah und hörte und dich zum ersten Mal – als Pianist eines Quintetts in einem Tanzlokal. Als Gitarrist und Posaunist musizierte ich ebenfalls in einer Dancingband. Den Entschluss «auszusteigen» fällte ich Mitte Mai 1978. Auslöser war ein Kontakt zu Radio Bern, welches Juli 1974 eine Live-Aufnahme unserer Band im Kursaal Bern produzierte – Georges Pilloud war der Initiator.

Ende Mai 1978 kontaktierte ich dich im Radio Studio Bern: «Benötigt ihr einen Archivmitarbeiter?» «Nein! Ein Produzent wird dringend benötigt, komm nach Bern, Details werden später besprochen.» Das erste Treffen mit dir fand im Hörspiel-Studio statt. Du am Steinway Concert Grand. «Kennst du Cantaloupe Island?» fragte ich, du spieltest es sofort. Möglicherweise war dies der Auftakt zu unserer langjährigen Beziehung.

Montag, 3. Juli 1978, war mein erster Arbeitstag im Radiostudio Bern. Kein Willy war da, ich war auf mich allein gestellt, denn dein Arbeitsplatz war am Jazzfestival Montreux – zusammen mit Ruedi Kaspar. Mehrere Jahre wart ihr das «Radio Dreamteam» in Montreux – unvergessen sind eure mehrsprachigen Interviews mit Weltklasse-Musikern. Dass du Jahre zuvor einen brillanten Coup gelandet hast, indem du die Senderechte für alle Liveübertagungen auf Radio DRS2 erwarbst, war mir damals nicht bekannt.

Die folgenden 2 Monate waren ein Crashkurs «So funktioniert Radio DRS»: Abteilungsstrukturen, Lesen und Interpretieren von Sitzungsprotokollen, sowie Redeweise und Befindlichkeiten von Medienschaffenden. Bei Überschreitung der «ordentlichen» Arbeitszeit wurden diese Nachhilfestunden in den Garten einer nahegelegenen Wirtschaft verlegt.

Den Programmbereich Unterhaltungsmusik DRS1 zu leiten war dein Plan. Zusammen mit Ruedi Kaspar erfandst du «5 nach 4», die erste Radiosendung mit Pop-und Rockmusik. Polo Hofer war eine Entdeckung von euch beiden, die Präsenz in dieser Sendung war der Grundstein zu Polos Karriere und des Mundart-Rock.

Deine Vorgaben für ein ausgewogenes Musikprogramm DRS1 waren für mich mit Leichtigkeit einzuhalten. Wie du hatte ich keine Berührungsängste mit jeglicher Art von Musik: Es musste nach unserer Auffassung gut musiziert werden und gut klingen. Schallplatten fast jeglichen Genres waren zahlreich vorhanden, alle MusikredaktorInnen unterhielten umfangreiche eigene Archive. Mir war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, dass du mittels vorzüglicher Beziehungen zur Schallplattenindustrie schätzungsweise 5 Jahre zuvor eine unentgeltliche Bemusterung ins Leben riefst – eine klassische win-win Situation. Ohne dieses Husarenstück wären deine Vorstellungen von einem erfolgreichen DRS1 RadioMusikprogramm gescheitert – schlicht und ergreifend, weil das erwünschte Musikrepertoire nicht vorhanden war.

Die Berufung zum «Chef Unterhaltungsmusik Radio DRS1» erfolgte 1978. Im folgenden Jahr war dein neuer Arbeitsort das Studio Zürich, Ruedi Kaspar «dislozierte» ins Studio Basel. Dass dies der Auftakt zu DRS3 war mir unbekannt. Allerdings wurde Radio-intern vermutet, dass ein 3. Radioprogramm in der Projektierungsphase sein könnte. Im Herbst 1982 folgte ich deinem Ruf zum Wechsel ins Studio Zürich, um den «Zürcher»-Anteil der Musikredaktion aufzubauen. Mit dem Erfolg von Radio 24 (Sendestart 28.11.1979) erhöhte Radio DRS das Realisierungstempo.

Am 1. November 1983 betätigte SRG -Generaldirektor Leo Schürmann symbolisch den Startknopf: DRS3 sendete zu ersten Mal.

Die anschliessenden 5 Jahre waren die erfolgreichsten von DRS3, trotz teilweise gewichtiger Meinungsverschiedenheiten der drei Redaktionen in Basel, Bern und Zürich. Du als «Ressortleiter Musik» bewältigtest diese Schwierigkeiten mit grossem Sachverstand, mit Behutsamkeit und sanftem Druck.

1988 erfolgte der Weggang von DRS3 in Richtung DRS2. Möglicherweise hinterliessen immer wieder aufkeimende Grundsatzdiskussionen zum Thema «Musik» sowie überbordende Sitzungen und Bürokratie ihre Spuren. Mag auch sein, dass deine Liebe zu Jazz und Musizieren als Kadermitglied bei DRS3 zu kurz kam. Die Übernahme des Ressort «Jazz» war der Auftakt zur Etablierung der «CHJazzszene», welche mit Studiosessions für den Nachwuchs und weniger bekannten Formationen eine wertvolle Plattform wurden. Für Radio DRS2 ein wichtiges Unterfangen, das den Sender auch als Kulturförderungsinstitution etablierte.

1991 war das Geburtsjahr des «Apéro» die von dir konzipierte Radiosendung auf DRS2. Anlässlich einer jährlich stattfindenden Studioparty im Studio 2 in Zürich spieltest du am Konzertflügel ein Duke Ellington-Medley, bei dem allen Anwesenden – Radiodirektor Andreas Blum war auch dabei – bewusst wurde, dass du ein brillanter Pianist bist.

Schon seit jeher war ich ein grosser Hazy Osterwald-Fan. Meine Idee war, das Jazz-Repertoire des Osterwald-Sextets mit einer identischen Formation bestehend aus dir und ehemaligen DRS-Band Musikern neu zu produzieren. Gemeinsam entdeckten wir im Zürcher Radioarchiv mehr als 70 Aufnahmen von Hazys bester Formation aus den Jahren 1951-1964. Jazz von allerhöchstem Niveau in hervorragender Aufnahmequalität, produziert von Radio Beromünster im Studio in Basel mit Eddie Brunner als Tonmeister – ehemals Mitglied und später Bandleader der famosen Teddy Stauffer Band. Mit deiner Hilfe gelang 1994 ein bedeutsames Dokument des Schweizer Jazzʼ aus den Jahren 1951-1964, die CD-Box «50 Years of Music with a Touch of Swing» wurde ein grosser Erfolg.

Unser Vorhaben, eine Produktion mit den nachproduzierten «Hazy Osterwald Jazz Hits» zu realisieren wurde nach reiflicher Überlegung nicht verwirklicht: Sound, Charme, Groove dieser Epoche waren zu einmalig und konnten nicht reproduziert werden … Ein kluger Entscheid und ein Hinweis auf die grossartige Aufnahmetechnik von Radio Beromünster und dem Producing von Eddie.

Im November des gleichen Jahres fanden im «Bierhübeli» die «Berner Song-Tage» statt. Deine 1993 gegründete Formation, das Willy Bischof Jazztet mit Hazy Osterwald, Willy Schmid, Peter Schmidlin und Stefan Kurmann wurde als Ehrengast eingeladen. Radio DRS1 zeichnete das Konzert auf. Die anschliessende CD «Swiss Air» ist heute noch erhältlich.

1998 wurde dir für die Radiosendung «Apéro» der längst fällige «Prix Walo» überreicht.

Willy Bischof beim Warm-up im Studio. (Foto: Pietro Schaller)

2004 reifte bei mir die Idee, eine Aufnahme mit dir als Solopianist zu produzieren. Vorgesehen war das Studio Mulinetti in Genua. Zur Diskussion standen Versionen von italienischen Klassikern wie beispielsweise Roma Nun Faʼ Stupido Stasera oder Estaté. Keine Überzeugungsarbeit benötigte es meinerseits – du warst sofort begeistert von dem Vorhaben. Das Repertoire stellten wir gemeinsam zusammen. Victor Eugster von «Activ Records» finanzierte das Projekt. Produktionstermin war Ende September 2004. Jedoch kurz vor dem Aufnahmetermin wechseltest du die Meinung: «Ich möchte lieber französische Chansons in meinen eigenen Versionen aufnehmen – ein CD Titel ist schon vorhanden – ‹A Pianist In Paris›» … Passende Chansons waren schnell evaluiert. Ich reiste nach Camogli – 30 km östlich von Genua – damals meine zweite Heimat um die Produktion vorzubereiten.

Die Session war erfolgreich – alle Beteiligten verstanden sich ausgezeichnet, und du spieltest wie immer hervorragend. Mir bleibt die Erinnerung, dass dies eventuell einer deiner glücklisten musikalischen Momente war.

Deine Pensionierung 2005 ermutigte mich, ein Jahr später ebenfalls in den Ruhestand zu gehen. In den folgenden Jahren wurden unsere Treffen seltener – auf Umwegen erfuhr ich, dass deine Gesundheit instabil geworden sei. Letzter persönlicher Kontakt war anlässlich eines von mir organisierten Konzerts mit deinem Trio am 21. Januar 2011 im Hotel Palace Luzern.

Zurück bleibt die Erinnerung an einen aussergewöhnlichen Menschen und begnadeten Musiker. Als
Vorgesetzter erschienst du mir nicht, ein Freund warst Du.

Addio Willy

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Der Pianist Willy Bischof war eine feste Grösse in der Schweizer Jazzszene und prägte als Musikredaktor und Programmleiter die Programme von Radio DRS. Im Dezember 2019 ist das langjährige SUISA-Mitglied im Alter von 74 Jahren gestorben. Nachruf von Gastautor Pietro Schaller

Willy Bischof: Erinnerung an einen aussergewöhnlichen Menschen und begnadeten Musiker

Willy Bischof im Studio Mulinetti in Genua anlässlich der CD-Produktion zu «A Pianist In Paris» im September 2004. (Foto: Pietro Schaller)

Lieber, caro Willy

1968 sah und hörte und dich zum ersten Mal – als Pianist eines Quintetts in einem Tanzlokal. Als Gitarrist und Posaunist musizierte ich ebenfalls in einer Dancingband. Den Entschluss «auszusteigen» fällte ich Mitte Mai 1978. Auslöser war ein Kontakt zu Radio Bern, welches Juli 1974 eine Live-Aufnahme unserer Band im Kursaal Bern produzierte – Georges Pilloud war der Initiator.

Ende Mai 1978 kontaktierte ich dich im Radio Studio Bern: «Benötigt…Weiterlesen

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Mit dem Projekt «Music for Tomorrow» möchte die SUISA ihre Mitglieder in dieser schwierigen Zeit unterstützen. Wir bieten den Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform, auf der sie über ihre aktuelle Situation im Lockdown erzählen und eines ihrer Werke vorstellen dürfen. Diese Woche stellen wir euch den Schweizer Pianisten, Komponisten und Musikproduzenten Nik Bärtsch und sein Stück «Modul 5» vor. Im Interview erzählt Nik von seinem Lockdown-Alltag mit seiner Familie und was er mit einem australischen Notarzt gemeinsam hat. Text von Nina Müller; Video von Nik Bärtsch, ergänzt von Nina Müller

Nik Bärtsch (48) ist ein erfolgreicher Jazz-Pianist, der mit seiner Familie in Zürich zuhause ist. Nebst Musik hat der gebürtige Zürcher auch Philosophie, Linguistik und Musikwissenschaften studiert. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Musik für ihn eine tiefere Bedeutung hat. Auf seiner Website beschreibt er seine Musik folgendermassen: «Ein Stück kann wie ein Raum betreten, bewohnt werden. Durch obsessive Drehmomente, Überlagerungen verschiedener Metren und Mikrointerplay bewegt sich die Musik fort und verändert ihre Zustände. Die Aufmerksamkeit wird auf die minimen Variationen und Phrasierungen gelenkt. Die Band wird so zum Integralen Organismus – wie ein Tier, ein Biotop, ein urbaner Raum. Man soll mit Ohren und Händen denken.»

Mit seiner Band Ronin lebt er diese Philosophie und tourte bereits in Europa, Asien und den USA. Mit seinen Formationen Nik Bärtsch’s Ronin und Nik Bärtsch’s Mobile sowie auch solo hat der Musiker über dreizehn Tonträger veröffentlicht, die bei wöchentlichen Auftritten im Rahmen seiner Konzertreihe im Zürcher Club Exil performt werden. Seit 2006 hat er sein eigenes Label «Ronin Rhythm Records».

Für «Music for Tomorrow» hat Nik Bärtsch das Stück «Modul 5» performt. Er sagt zu dem Stück: «Das Stück besteht aus einem kleinen komplexen Pattern in 6/4, welches sich im Laufe des Stücks über das ganze Klavier ausbreitet. Ich bin auf dieses Pattern recht früh gestossen in meiner musikalischen Entwicklung und es hat mich ständig begleitet über die Jahre. So erlebt das an sich früh komponierte Stück eine ständige Evolution wie auch ich selber. Wir arbeiten quasi gemeinsam daran, dass unsere Beziehung immer einfacher, direkter und trotzdem tiefer und geheimnisvoller wird – so wie auch meine Frau und ich zusammen unser Leben gestalten.»

Nik Bärtsch, wie sieht dein Arbeitsalltag als Komponist während der Corona-Pandemie aus?
Nik Bärtsch: Ich bin ganz selbständig tätig als Komponist, Pianist, Bandleader, Produzent und Verleger. Im Moment ist daher der einzige Unterschied verglichen mit der Zeit vor dem Virus, dass ich viel weniger reise. Alle internationalen Konzerte, Produktionen und Workshops fallen ja aus. Ich habe also nun ständig den Alltag, den ich auch sonst zwischen den Reisen zu Hause habe: Ich komponiere, übe, probe, organisiere und kommuniziere abwechselnd. Dazu teile ich mit meiner beruflich ebenfalls sehr aktiven Frau das Familienleben mit unseren Kindern.
Wie auch sonst braucht es dafür viel Liebe zum Leben, Disziplin, Struktur aber auch Kreativität und Lust auf Überraschungen.
Da wir dies alles auch sonst auf hohem Niveau organisieren und pflegen wollen, war es für uns keine grosse Umstellung. Unsere Kinder sind auch sonst oft zu Hause und nicht im Hort oder sonst irgendwo versorgt. Wir machen alle Kampfkunst und daher haben wir auch die Möglichkeit, gemeinsam auf der Wiese vor dem Haus zu trainieren.
Unsere Montags-Konzert-Serie im EXIL Club führen wir vorläufig als reines Streaming weiter (www.yourstage.live). Der Montag bleibt also der ritualisierte lokale Konzerttag und die Community und die verschiedenen Teams bleiben so auch konstant in Kontakt.

Was bedeutet diese Krise für dich persönlich?
Sie zeigt mir wie alle heftigen Krisen genau, wo ich stehe als Künstler und Mensch und fordert wiedermal bedingungslos meine Kreativität, Integrität und Resilienz.
Als selbständiger Musiker ist dies aber ja oft sowieso der Normalzustand. Die grosse Frage ist aber: Wie überleben Gruppen, Ensembles, Bands und Konzertorte mittelfristig den momentanen Wandel? Wir sind da alle stark auch als Gemeinschaft gefordert. Die Fragen, die sich stellen, sind aber nützlich: Was bedeutet mir als Profi Musik? Was bedeutet sie uns allen? Wie zahlen wir für Musik und die Leistungen dahinter? Wie verbinden wir die Wertschätzungs- mit der Wertschöpfungskette sinnvoll?

Wie kann dich das Publikum im Moment unterstützen?
Indem es meine und unsere Leistungen honoriert: Also indem es unsere kostenpflichtigen Streams anschaut und unsere Musik auch auf allen anderen Medien konsumiert und weiterverbreitet. Und indem es sich genau informiert, wie Musikproduktion und -präsentation funktioniert: Wie viele Menschen und deren Leistungen stecken doch dahinter, wenn mir ein wunderbarer Song durch den Tag hilft.

Hilft es dir, wenn Leute auf Spotify und Co. mehr deine Musik streamen?
Die Anzahl Streams muss schon sehr hoch sein, damit diese Art von Bezahlung funktioniert. Es hilft aber trotzdem. Alles hängt zusammen und je mehr auch unabhängigere Artists gehört und geteilt werden, desto besser. Die lokale, authentische und spezielle Kunst und Initiative nährt letztlich die globale kommerzielle Entwicklung. Das haben wir auf unseren Tourneen um die Welt überall feststellen können.

Was könnte deiner Meinung nach die momentane Situation an Positivem mit sich bringen?
Ich versuche immer in jeder Situation das Positive herauszulesen und etwas zu lernen. Die momentane Situation prüft unseren Wohlstand, unsere Sicherheit und damit auch unsere Arbeitstechnik wieder Mal grundsätzlich. Das ist wertvoll. Nur wenn wir erkennen, wie überlebenswichtig die Musik, ihr inspirierendes Umfeld und ihre wunderbaren Möglichkeiten sind, können wir auch den professionellen Umgang damit wertschätzen. Die SUISA und zum Beispiel der Verband der Schweizer Musikschaffenden kommunizieren dies sehr gut. Jede und jeder Musikschaffende sollte dies ebenso lustvoll und professionell tun.

Was möchtest du deinen Fans mit auf den Weg geben?
Sei ehrlich in Deinem Umgang mit der Musik: Kein Mensch nimmt in der Bäckerei einfach ein Brot gratis mit.
Also geniesse die Musik mit dem Bewusstsein, dass Menschen liebevoll und mit bedingungsloser Hingabe daran gearbeitet haben.
Ich habe kürzlich ein E-Mail eines Notarztes aus Australien erhalten. Er hat sich bei mir bedankt für die Musik. Er gehe jede Herausforderung der letzten Jahre – das Hochwasser, das Buschfeuer und jetzt den Virus – an, indem er am Morgen einen meiner Tracks höre und einen Kaffee dazu trinke. Dann wisse er, warum er das alles tue und ertrage auch Tod, Schmerz und Gefahr. Die Musik gebe ihm Kraft, Menschen zu bergen, zu retten und ihnen zu helfen. Ich habe da begriffen, dass ich mich besser bedingungslos auf die Musik konzentriere als überall auch noch ein bisschen mitzuhelfen. Die Inspirationskette funktioniert in diesem Fall präzis: Wir konzentrieren uns beide auf das Wesentliche. Seine Integrität, sein Talent und seine Professionalität helfen mir und umgekehrt. So helfen wir beide wieder anderen. Die gesellschaftliche Wertschätzung- und Wertschöpfung funktioniert nur gemeinsam.

www.nikbaertsch.com

«Music for Tomorrow»
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Bertrand Denzler: Klangraumvermesser und RaumklangforscherKlangraumvermesser und Raumklangforscher Der Saxophonist Bertrand Denzler arbeitet im Spannungsfeld zwischen Improvisation und Komposition an immer neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Nun beabsichtigt der 55-jährige Genfer mit Wohnsitz Paris anhand einer «wandernden Residenz» die Grenzen seines künstlerischen Dialogs mit anderen weiter auszudehnen. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Weiterlesen
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Nik Bärtsch (48) ist ein erfolgreicher Jazz-Pianist, der mit seiner Familie in Zürich zuhause ist. Nebst Musik hat der gebürtige Zürcher auch Philosophie, Linguistik und Musikwissenschaften studiert. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Musik für ihn eine tiefere Bedeutung hat. Auf seiner Website…Weiterlesen

«Diese Situation wird alle – Musiker, Techniker, Insider – auf die Probe stellen»

Mit dem Projekt «Music for Tomorrow» möchte die SUISA ihre Mitglieder in dieser schwierigen Zeit unterstützen. Wir bieten den Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform, auf der sie über ihre aktuelle Situation im Lockdown erzählen und eines ihrer Werke vorstellen dürfen. Den Auftakt macht die Tessiner Komponistin und Harfenistin Kety Fusco. Im schriftlichen Interview spricht sie über ihren Alltag im Lockdown und warum sich bei ihr eigentlich gar nicht so viel geändert hat. Text von Nina Müller; Video von Kety Fusco, bearbeitet von Nina Müller

Kety Fusco (27) spielt elektrische Harfe und komponiert ihre eigenen Songs. Sie begann bereits mit sechs Jahren Harfe zu spielen. Die klassische Harfe wurde ihr dann aber irgendwann zu langweilig und so entdeckte sie die elektronische Harfe für sich. Kety Fusco ist auch Teils des Kollektivs «Peter Kernel and their wicked orchestra» vom Duo Barbara Lehnhoff (Camilla Sparksss) und Aris Bassetti, welche ebenfalls SUISA-Mitglieder sind. 2018 durfte Kety Fusco am Locarno Film Festival vor Bundesrat Alain Berset auftreten. Am 8. Mai erscheint ihr Debutalbum «Dazed» beim Label Sugar Music. Kety Fusco ist in Arbedo (TI) zu Hause und ist seit 2018 Mitglied der SUISA.

Für «Music for Tomorrow» hat Kety Fusco den bisher unveröffentlichten Song «Saceba» performt. Sie sagt zu dem Song: «‹Saceba› wurde in einer ehemaligen Zementfabrik in der Talsohle des südlichsten Tals der Schweiz geboren. Ich war an diesem Ort, bezaubernd und düster zugleich, um einer Tanz- und Musik-Aufführung Leben einzuhauchen.

Schon am ersten Tag, als ich das Hauptgebäude betrat, wurde mir nach und nach klar, dass sich dort ein Klangschatz verbarg. Am nächsten Tag ging ich mit verschiedenen Gegenständen (Steinen, Werkzeugen, Instrumenten) und meinem Aufnahmegerät zurück, um vom ersten bis zum obersten Stockwerk das ganze Saceba (so hieß die Fabrik) aufzunehmen: das Reiben des Betons und den Klang der großen Echos dieser wunderbaren Industriearchäologie.

Zu Hause angekommen, lud ich alle Klänge auf meinen Computer herunter und baute das Stück auf, indem ich meine Schritte gedanklich nachvollzog und mir eine Geschichte vorstellte, die sich innerhalb der Mauern der Fabrik abspielte. Dann fügte ich mit meiner Harfe echte Musik hinzu und betrachtete sie als den Soundtrack, den ich gerne gehört hätte, als ich das Saceba zum ersten Mal betrat: den Soundtrack der Zementfabrik.»

Kety Fusco, wie sieht dein Arbeitsalltag als Komponistin/Textautorin während der Corona-Pandemie aus?
Kety Fusco: Ich spiele jeden Tag vier Stunden lang klassische Harfe, wobei ich zwei Stunden an der Technik des Instruments arbeite und die anderen zwei Stunden Stücke spiele, die ich aufnehmen möchte. Ich spiele noch etwa zwei Stunden oder so mit meiner elektrischen Harfe und bereite mein neues Live-Set vor.

Was bedeutet diese Krise für dich persönlich?
Ich halte nie mit der Welt Schritt, weil mir alles zu schnell geht. Wenn ich nicht auf Tournee bin, bleibe ich gerne zu Hause, nehme mir viel Zeit zum Spielen, Studieren und widme mich meinen Harfen. Mein Debütalbum «Dazed» wird am 8. Mai bei Sugar Music erscheinen, und ich arbeite an meinem neuen Live-Set. Ich bin sehr inspiriert, wenn um mich herum nichts passiert und ich alles in meinem Kopf lebe. Der Virus hat meine Art, die Dinge zu tun, nicht verändert – er hat meine Art zu sein, verbessert. Wenn ich auf der Straße herumlaufe und den Lärm der Autos nicht höre, fühle ich mich gut. Zu wissen, dass niemand außerhalb meines Hauses ist und das tägliche Leben lebt, aber eine «tägliche Überraschung» zu erleben, inspiriert mich dazu, mir Geschichten in meinem Kopf vorzustellen. Ich glaube, dass alle vergessen werden, was wir durchgemacht haben. Es muss für einige wie ein schlechter Traum gewesen sein und für andere wie eine schwierige Erinnerung.

Wie kann dich das Publikum im Moment unterstützen?
Ich würde mich wirklich freuen, wenn das Publikum mein Debütalbum hören würde und damit einen Beitrag zum Streaming-Musikmarkt leisten würde, von dem ein Teil meines Einkommens abhängt.

Hilft es dir, wenn Leute auf Spotify und Co. mehr deine Musik streamen?
Ja, absolut. Mit der Krise fielen die Streams um 33%, und für die gesamte Musikindustrie war das ein schwerer Schlag.

Was könnte deiner Meinung nach, die momentane Situation an Positives mit sich bringen?
Für Musiker gibt es meiner Meinung nach nichts Positives, auch wenn ich über Kreativität nachdenke: Für mich kommt sie nicht unbedingt dann, wenn ich aufhöre, wie es beim Covid-19 der Fall ist … in der Tat fühle ich mich meistens kreativer, wenn ich keine Zeit dafür habe. Diese Situation wird alle – Musiker, Techniker, Insider – auf die Probe stellen. Der Musikmarkt ist noch nie ganz verstanden worden, und ich glaube, es gibt nur sehr wenige Menschen, die verstehen, was es bedeutet, ein ganzes Jahr lang Konzerte verloren zu haben.

Was möchtest du deinen Fans mit auf den Weg geben?
Ich möchte alle meine Fans wissen lassen, dass ich sie alle umarmen möchte.

www.ketyfusco.com

«Music for Tomorrow»
Die Covid19-Krise trifft die Mitglieder der SUISA besonders hart. Die Haupteinnahmequelle vieler Komponistinnen, Komponisten, Verlegerinnen und Verleger fällt komplett weg: Auftritte jeglicher Art sind bis auf Weiteres vom Bund verboten worden. In den nächsten Wochen porträtieren wir auf dem SUISAblog einige unserer Mitglieder. Sie erzählen uns, was sie während der Covid19-Krise bewegt, was ihre Herausforderungen sind und wie ihr Arbeitsalltag derzeit aussieht. Die Musikerinnen und Musiker haben zudem für den SUISAblog zu Hause oder in ihrem Studio eine Eigenkomposition performt und gefilmt. Die SUISA bezahlt den Musikerinnen und Musikern für diese Aktion eine Gage.
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Mit dem Projekt «Music for Tomorrow» möchte die SUISA ihre Mitglieder in dieser schwierigen Zeit unterstützen. Wir bieten den Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform, auf der sie über ihre aktuelle Situation im Lockdown erzählen und eines ihrer Werke vorstellen dürfen. Den Auftakt macht die Tessiner Komponistin und Harfenistin Kety Fusco. Im schriftlichen Interview spricht sie über ihren Alltag im Lockdown und warum sich bei ihr eigentlich gar nicht so viel geändert hat. Text von Nina Müller; Video von Kety Fusco, bearbeitet von Nina Müller

Kety Fusco (27) spielt elektrische Harfe und komponiert ihre eigenen Songs. Sie begann bereits mit sechs Jahren Harfe zu spielen. Die klassische Harfe wurde ihr dann aber irgendwann zu langweilig und so entdeckte sie die elektronische Harfe für sich. Kety Fusco ist auch Teils des Kollektivs «Peter Kernel…Weiterlesen

«Répondez-Moi»: Dritter Schweizer ESC-Song aus dem SUISA Songwriting Camp

Mit «Répondez-Moi» schickt die Schweiz zum ersten Mal seit 2010 wieder einen französischsprachigen Beitrag zum Eurovision Song Contest. Geschrieben wurde der Song von Gjon Muharremaj (Gjon’s Tears) und den SUISA-Mitgliedern Alizé Oswald und Xavier Michel vom Duo Aliose zusammen mit dem belgischen Produzenten Jeroen Swinnen am SUISA Songwriting Camp. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Manu Leuenberger

Am 4. März 2020 hat das Schweizer Fernsehen SRF den Schweizer Beitrag für den diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) bekanntgegeben. Die Schweiz geht dieses Mal mit «Répondez-moi» gesungen vom Westschweizer Singer-Songwriter Gjon’s Tears ins Rennen. Damit stammt nach «Stones» von ZiBBZ (2018) und «She Got Me» von Luca Hänni (2019) der Schweizer ESC-Song zum dritten Mal in Folge aus dem von Pele Loriano Productions und der SUISA organisierten Songwriting Camp.

Komponiert wurde «Répondez-Moi» im Juni 2019 in den Powerplay Studios in Maur / ZH in einer eintägigen Songwriting Session vom Interpreten des Songs, Gjon Muherramaj (Gjon’s Tears), zusammen mit den SUISA-Mitgliedern Alizé Oswald und Xavier Michel vom Genfer Duo Aliose sowie dem belgischen Songwriter und Produzenten Jeroen Swinnen. Der Song setzte sich im internen Auswahlverfahren des Schweizer Fernsehens SRF durch.

«Zu viele Ideen und zu wenig Zeit»

«Ich erinnere mich, dass eine gute Stimmung untereinander herrschte», meint Xavier Michel. Gleichzeitig standen die vier Komponistinnen und Komponisten unter Zeitdruck, wie Xavier Michel sagt. «In nur einem Tag muss man sich kennenlernen, zusammen mit der Arbeit beginnen, und am Abend muss man etwas Fertiges abgeben.» Und Jeroen Swinnen fügt hinzu: «Wir hatten zu wenig Zeit – die ganze Zeit. Es waren zu viele Ideen da und zu wenig Zeit. Es ist besser, als keine Ideen zu haben.»

«Die Melodie hatten wir ziemlich schnell», sagt Alizée Oswald im Videointerview. « Dann fragten wir uns, welche Wörter dazu gut klingen würden. Denn mit dem Französischen muss man sich das immer fragen. Diese Sprache ist sehr anspruchsvoll, damit sie beispielsweise ebenso gut klingt wie Englisch.»

Einfache, naive Sprache für universelle Themen

Die Suche nach den richtigen Worten war den vier Songwriterinnen und Songwritern sehr wichtig, um die universelle Botschaft des Stücks rüberzubringen. «Die Herausforderung war, dass die Worte sehr einfach klingen, fast schon naiv, als ob ein Kind sprechen würde», erklärt Alizée Oswald. Aus dem Song heraus höre man dann, dass es ein universelles Thema ist, Antworten auf Fragen zu erhalten. Diese Einfachheit war vor allem Gjon Muherramaj ein grosses Anliegen: «Ich erinnere mich, dass ich im ersten Gespräch sagte, dass in meinen Augen die Unschuld das Wichtigste ist», sagt er. «Dass ich diesen Zustand wiederfinden möchte, Damit meine ich den Moment, in dem man etwas lernt, Schönheit entdeckt. Wenn ein Kind plötzlich merkt, dass die Erde rund ist, oder dass es verschiedene Kontinente gibt.» Und er fügt an: «Ich denke, das Lied will dem Zuhörer mitteilen: Auch wenn man viele Fragen hat, auf die man keine Antwort bekommt, muss man daran festhalten, sich sein ganzes Leben lang Fragen zu stellen.»

Zum ersten Mal seit 2010 geht wieder ein Song auf Französisch für die Schweiz an den ESC

Mit «Répondez-Moi» schickt die Schweiz nach Michael von der Heides Song «Il pleu de l‘or» zum ersten Mal seit 2010 wieder einen französischsprachigen Song an den ESC. « Für uns ist die Tatsache, dass wir mit einem französischen Song etwas vom Wichtigsten», sagt Xavier Michel im Videointerview. «Wir stehen ein für eine schöne, für unsere Sprache.»

«Wenn mich ein Song richtig reinzieht, stimmt die Verbindung zwischen dem Text, der Musik und der Stimme», sagt Alizée Oswald. «Bei diesem Lied gab es einen bestimmten Moment, als Gjon beispielsweise die ersten Worte des Refrains sang, die ersten Harmonien kamen, und ich dachte, das kann wirklich super werden.»

Gjon’s Tears wurde einem breiten Publikum in der Schweiz und Frankreich durch seine Teilnahme an der achten Staffel von «The Voice France» bekannt, wo er bis ins Halbfinale vorstiess. 2018 war der Singer-Songwriter zudem Teilnehmer der Gustav Akademie, die vom Fribourger Musiker und SUISA-Mitglied Gustav geleitet wird und junge Schweizer Musikerinnen und Musiker musikalisch sowie auch sprachlich gefördert.

Der Eurovision Songcontest ist der wohl bekannteste Musikwettbewerb der Welt. Mehr als 182 Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt verfolgten 2019 die beiden Halbfinale und das Grand Final am Fernsehen. Die Schweiz erreichte mit Luca Hännis Song «She Got Me» den 4. Platz im Finale. Dieses Jahr findet der ESC vom Dienstag, 12. Mai, bis Samstag, 16. Mai, in Rotterdam in den Niederlanden statt. Der Schweizer Beitrag kämpft im zweiten Halbfinale am 14. Mai um den Einzug in den Grand Final des ESC.

Die SUISA wird zusammen mit Pele Loriano Productions auch dieses Jahr wieder ein Songwriting Camp durchführen. SUISA-Mitglieder werden sich erneut für eine Teilnahme am Camp bewerben können. Informationen zum Bewerbungsverfahren werden demnächst auf dem SUISAblog bekanntgegeben.

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Kreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit VideoKreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit Video Zum zweiten Mal führte die SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions ein Songwriting Camp durch. Austragungsort waren wie bei der Premiere vergangenes Jahr die Powerplay Studios in Maur. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung im Juni 2018 teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Weiterlesen
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Mit «Répondez-Moi» schickt die Schweiz zum ersten Mal seit 2010 wieder einen französischsprachigen Beitrag zum Eurovision Song Contest. Geschrieben wurde der Song von Gjon Muharremaj (Gjon’s Tears) und den SUISA-Mitgliedern Alizé Oswald und Xavier Michel vom Duo Aliose zusammen mit dem belgischen Produzenten Jeroen Swinnen am SUISA Songwriting Camp. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Manu Leuenberger

Am 4. März 2020 hat das Schweizer Fernsehen SRF den Schweizer Beitrag für den diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) bekanntgegeben. Die Schweiz geht dieses Mal mit «Répondez-moi» gesungen vom Westschweizer Singer-Songwriter Gjon’s Tears ins Rennen. Damit stammt nach «Stones» von ZiBBZ (2018) und «She Got Me» von Luca Hänni (2019) der Schweizer ESC-Song zum dritten Mal in Folge aus dem von Pele Loriano Productions und der SUISA organisierten Songwriting Camp.

Komponiert wurde «Répondez-Moi» im Juni 2019…Weiterlesen

Swiss Music Awards: Songwriter werden mit dem «Best Hit»-Award ausgezeichnet

Die Swiss Music Awards zeichnen auch dieses Jahr wieder den Schweizer «Best Hit» des Vorjahres aus. Der Award geht aber nicht nur an die Interpretinnen und Interpreten des besten Hits: Dank der SUISA werden zum fünften Mal auch die Songwriterinnen und Songwriter des Siegersongs ausgezeichnet. In Interviews erzählten die Interpreten und Songwriter über die Entstehung der Songs. Text von Giorgio Tebaldi

Swiss Music Awards: Songwriter werden mit dem «Best Hit»-Award ausgezeichnet

Die Nominierten in der Kategorie «Best Hit» an den Swiss Music Awards: «Punto» von Loco Escrito, «She Got Me» von Luca Hänni und «Für immer uf Di» von Patent Ochsner. Im Namen der SUISA werden auch die Komponistinnen und Komponisten geehrt. (Fotos: Nina Müller)

«She Got Me» von Luca Hänni, «Punto» von Loco Escrito und «Für immer uf Di» von Patent Ochsner waren letztes Jahr die erfolgreichsten Songs in der Schweizer Hitparade und sind damit an den Swiss Music Awards 2020 in der Kategorie «Best Hit» nominiert. Doch ohne Songwriterinnen und Songwriter keine Hits: Im Namen der SUISA werden an der Award-Show am 28. Februar 2020 im Luzerner KKL auch die Komponistinnen und Komponisten des «Best Hit» geehrt.

Mit dieser Auszeichnung soll auch die Arbeit der Songwriterinnen und Songwriter hinter den grossen Hits gezeigt und gewürdigt werden. Für Luca Hänni ist dies eine wichtige Sache, wie er im Videointerview sagt: «Ich finde es megawichtig, dass auch die Songwriter mit im Boot sind. Das ist das A und O. Mit diesen Leuten hast du das Feeling im Studio, schreibst Sachen und bringst die Emotionen in den Computer rein.»

Drei Songs, neun Songwriter

Neben Luca Hänni sind für «She Got Me» fünf weitere Songwriterinnen und Songwriter für den «Best Hit»-Award nominiert: Der Song wurde am SUISA Songwriting Camp 2018 von Luca Hänni, Laurell Barker (CAN), Jon Hällgren (SWE) und Frazer Mac (CAN) an nur einem Tag komponiert. Bis zur fertigen Version, die für die Schweiz am Eurovision Song Contest letztes Jahr den hervorragenden vierten Platz erreichte, wurde zusammen mit Lukas Hällgren (SWE) und Jenson Vaughn (CAN) weiter am Song gefeilt.

Auch Büne Huber, Sänger von Patent Ochsner, freut sich darüber, dass beim «Best Hit»-Award das Songwriting ausgezeichnet wird: «In vielen Fällen in der Musikgeschichte sind die Leute, die wichtige Inputs zu Songs geben, gar nicht erwähnt», sagt Huber im Videointerview. Als einziger der drei nominierten Songs wurde «Für immer uf Di» von einer einzelnen Person geschrieben: von Büne Huber selber. Die erste Songskizze entstand bereits 1994; erst nach dem Tod seiner Mutter 24 Jahre später schrieb er den Song innert kürzester Zeit zu Ende.

Auf einen Betonklotz für «Punto» kann nicht nur Loco Escrito hoffen sondern auch der Co-Songwriter und Produzent Henrik Amschler. Die beiden schreiben seit Jahren gemeinsam die Songs von Loco Escrito und wurden bereits 2019 für den Song «Adiòs» mit dem «Best Hit»-Award geehrt. Dass sie den Award auch dieses Jahr wieder gewinnen könnten, freut Henrik Amschler: «Es ist eine Riesenbestätigung, dass wir zum zweiten Mal nominiert wurden», sagt er im Gespräch mit der SUISA. Der Song, der vom Ende einer Beziehung handelt, entstand in einer spontanen Session zwischen Amschler und Loco Escrito – was für das eingespielte Team typisch ist.

Der Siegersong wird vom Publikum per Telefonvoting während der Sendung erkoren.

  • «She Got Me»: Luca Hänni
    Songwriter: Laurell Barker, Luca Hänni, Jon Hällgren, Lukas Hällgren, Frazer Mac, Jenson Vaughn
  • «Punto»: Loco Escrito
    Songwriter: Henrik Amschler, Loco Escrito
  • «Für immer uf Di»: Patent Ochsner
    Songwriter: Büne Huber

Videointerviews mit Nominierten

In Interviews haben uns Loco Escrito, Henrik Amschler, Büne Huber und Luca Hänni erzählt, wie ihre Hits entstanden sind und welche Geschichten hinter den Songs stecken. Die Videos von den Gesprächen gibt es auf dem SUISA Music Stories-Kanal auf Youtube zu sehen:

Büne Huber von Patent Ochsner über den Song «Für immer uf di»
Loco Escrito und Henrik Amschler im Interview über «Punto»
Luca Hänni über «She Got Me»

www.swissmusicawards.ch

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«Adiós»: Sommerhit nach karibischem Muster mit Cembalo | mit Video«Adiós»: Sommerhit nach karibischem Muster mit Cembalo | mit Video An den «Swiss Music Awards» 2019 kann Loco Escrito zusammen mit vier Mitkomponisten auf die begehrten Betonklötze in der Kategorie «Best Hit» für den Song «Adiós» hoffen. Worin die Stärke des Songs liegt, erzählt der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter in seiner Song-Analyse im Video. Weiterlesen
Sampling und RemixesSampling und Remixes Die Artikelserie in der Rubrik «Gut zu wissen» über Bearbeitungen hat sich bislang den «klassischen» Bearbeitungen von musikalischen Werken gewidmet. Zwei weitere, spezifische Formen der Bearbeitung sind das Sampling und der Remix. Welche Rechte sind abzuklären, wenn vorbestehende Aufnahmen für die Erstellung eines neuen Werkes, verwendet werden? Welche vertraglichen Vereinbarungen sind dabei zu treffen? Weiterlesen
Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit VideoAuszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit Video Der Newcomer Nickless und der renommierte Produzent Thomas Fessler gewannen den ersten Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards 2016. Der gemeinsam komponierte Siegersong «Waiting» ist nicht vom Himmel gefallen sondern bedeutete viel Arbeit im Teamwork. Auch bei den Swiss Music Awards 2017 zeichnet die SUISA die Leistung der Komponisten und Textautoren mit einer Auszeichnung aus. Weiterlesen
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10 Jahre Helvetiarockt: Die Stimme der Frauen* verstärken

Der Verein Helvetiarockt setzt sich seit zehn Jahren dafür ein, dass Frauen* in der Musikszene besser vertreten sind. Zeit für eine Bilanz. Gastbeitrag von Markus Ganz

10 Jahre Helvetiarockt: Die Stimme der Frauen* verstärken

Isabella Eder (links) und Muriel Rhyner von der Zuger Band Delilahs rocken die Bühne beim PFF FFS Openair Menzingen 2015. (Foto: Tabea Hüberli)

Wer Konzerte besucht oder sich die Informationen von Musikproduktionen ansieht, wird nicht überrascht sein vom Befund, dass Frauen* in der Musikszene stark untervertreten sind. Der Verein Helvetiarockt schätzt, dass im Bereich von Pop, Rock und Jazz der Frauen*anteil auf der Bühne bei 15 Prozent liegt, in der Musikproduktion gar nur bei 2 Prozent.

Präzise Zahlen gibt es von der SUISA, die Supporterin von Helvetiarockt ist und gezielt Projekte des Vereins unterstützt: Ende 2018 lag der Anteil der Frauen* bei den Urheber*innen bei 15,7 Prozent. In einer Vorstudie zum Frauenanteil in der Basler Popszene kam man zu einem noch schlechteren Ergebnis: Nur gerade 10 Prozent der Personen, die in den Jahren von 2008 bis 2017 Musik machten, waren weiblich. Diese Zahlen sind umso ernüchternder, als nach Schätzung von Helvetiarockt in den Musikschulen der Anteil der Mädchen* noch rund 50 Prozent beträgt.

Förderung und Sensibilisierung

Helvetiarockt setzt sich seit 2009 für eine «signifikante Erhöhung des Frauen*anteils in der Schweizer Musikbranche» ein. Dies tut der Verein in erster Linie mit einem zunehmend breiten und spezifischen Angebot von Workshops wie etwa einem «Songwriting Camp» und Veranstaltungen wie etwa Panelgesprächen.

Damit will Helvetiarockt einerseits junge Frauen* dazu motivieren, in der Musikszene aktiv zu werden. Zum andern will der Verein gezielt professionelle Musikerinnen* fördern und vernetzen sowie die Branche für das Thema sensibilisieren. Entsprechend wichtig ist, dass die vielen im Verein engagierten Frauen* meistens auch selbst in der Musikbranche aktiv sind.

Bewusstsein geschaffen

Chantal Bolzern ist Anwältin* und arbeitete von 2004 bis 2017 bei der SUISA. Seit 2015 wirkt sie bei Helvetiarockt mit, gibt etwa Input-Referate zum Thema «Musik und Recht» und ist seit Anfang 2018 Co-Präsidentin* des Vereins. Zu den wichtigsten Errungenschaften zählt für sie, dass Helvetiarockt auf breiter Ebene das Bewusstsein für das Hauptanliegen des Vereins schaffen konnte. «Es muss mittlerweile kaum mehr diskutiert werden, ob die Gleichstellung der Frauen* in der Musikbranche wichtig ist. Damit haben wir eine gute Basis, um mehr bewirken zu können.»

Geschützter Rahmen

Manuela Jutzi stellt zufrieden fest, dass sie die Frage mittlerweile nicht mehr zu hören bekomme, ob es Helvetiarockt denn brauche. Sie ist Co-Geschäftsleiterin* des Vereins und übernahm bereits im Jahr 2014 die Leitung des «Female* Bandworkshops». «Bei der Durchführung zeigt sich immer wieder die Bedeutung für junge Frauen*, dass sie in einem geschützten Rahmen die ersten Schritte des Musizierens machen können.» Viele seien zu Beginn noch immer gehemmt ‒ ob das nun an der Sozialisation oder alten Rollenbildern liege. «Aber ich kann eine Verbesserung über die Jahre erkennen, und das liegt meiner Meinung nach zu einem guten Teil daran, dass die jungen Frauen* vermehrt Vorbilder auf der Bühne erleben können.»

Vorbildsfunktion

Tatsächlich ist es nicht mehr wie Ende des letzten Jahrtausends, als nur wenige selbstbewusste Schweizer Musikerinnen* wie Vera Kaa, Betty Legler oder Sina mit ihren Songs für Aufsehen sorgten ‒ und so zu Vorbildern werden konnten. Heute gibt es viele Beispiele wie etwa Nicole Bernegger, Heidi Happy, Stefanie Heinzmann, Sophie Hunger, Anna Rossinelli, Valeska Steiner (Boy) usw. Und längst auch in bisher für Schweizer Musikerinnen* eher untypischen Stilrichtungen, man denke an Anna Aaron, Big Zis, KT Gorique, Anna Murphy (Eluveitie) und Steff la Cheffe.

Als Vorbild kann auch Muriel Rhyner wirken, die sich bei Helvetiarockt seit Beginn engagiert, Mitglied des Teams ist und das ‒ 2019 von der SUISA unterstützte ‒ «Female* Songwriting Camp» leitet. Auch sie stellt einen deutlichen Wandel fest. «Als ich 2005 im Alter von 17 Jahren mit The Delilahs, damals eine reine Frauen*band, ernsthaft eine Musikkarriere einschlug, fühlte ich mich schon sehr allein. Ich konnte mich nicht mit anderen Musikerinnen* austauschen ‒ was auch menschlich sehr wichtig ist, wie ich an Anlässen von Helvetiarockt immer wieder erfahren kann.» Am «Female* Songwriting Camp» stelle sie nach wie vor fest, dass die Teilnehmerinnen* zunächst sehr unsicher seien. «Dann aber pushen sie sich zunehmend gegenseitig ‒ und eine solche Eigendynamik erhoffe ich mir auch für die Bestrebungen von Helvetiarockt.»

Entwicklung und Ausblick

Es ist schwer zu sagen, wie stark sich der Anteil der Frauen* in der Musikszene verbessert hat. Bei der SUISA ergab eine Auswertung immerhin, dass der Frauenanteil bei den Neumitgliedern in den letzten fünf Jahren grösser war als derjenige aller Urheber*innen (Ende 2018: 15,7 Prozent): Er betrug jeweils zwischen 19 und 21 Prozent. Das ist eine gute Ausgangslage für die weitere Arbeit von Helvetiarockt.

Nach Jahren des Aufbaus und des Erklärens könne sich Helvetiarockt nun verstärkt an die Umsetzung der Vereinsziele machen, meint denn auch Chantal Bolzern. «Wir haben auch gute neue Instrumente dazu wie etwa die mit Partnerinstitutionen geschaffene Diversity Roadmap, die Veranstaltern aufzeigt, wie sie der Diversität und Gleichstellung in Clubs und an Festivals Rechnung tragen können.» Hinzu kommen demnächst neue Angebote für professionelle Musikerinnen* sowie eine Erweiterung des bisherigen Kontakt-Pools.

Das Hauptziel des Vereins

«Wir kreieren eine neue Datenbank, die sich nicht auf Musikerinnen* beschränkt», verrät Manuela Jutzi. «Sie soll auch anderen Frauen* offenstehen, die in der Musikbranche tätig sind. Damit können wir die Sichtbarkeit von Frauen* in der Musikbranche erhöhen und gleichzeitig den Austausch unter ihnen erleichtern.» Das Hauptziel für Manuela Jutzi aber ist, «dass es Helvetiarockt dereinst nicht mehr braucht». Dies wäre ihrer Ansicht nach der Fall, wenn mindestens jede dritte Person in der Musikszene weiblich wäre.

Weitere Informationen: www.helvetiarockt.ch

* In diesem Text wird ausnahmsweise die Schreibweise mit dem Gender-Stern verwendet, wie sie von Helvetiarockt eingesetzt wird.

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KT Gorique erobert die DeutschschweizKT Gorique erobert die Deutschschweiz Das SUISA-Mitglied KT Gorique war an dem von der SUISA organisierten Panel «Hit the World» beim M4music Festival 2019 als Expertin für Songwriting im Genre Rap eingeladen. Kurze Zeit später wurde bekannt, dass sie zu den Preisträgerinnen des Schweizer Musikpreises 2019 gehört. Ein Interview mit der im Wallis lebenden Rapperin, die ihre Musik in die ganze Schweiz trägt. Weiterlesen
Von der unendlichen Lust am ExperimentVon der unendlichen Lust am Experiment Das Duo Eclecta, der in Zürich und Winterthur ansässigen Andrina Bollinger und Marena Whitcher, experimentiert mit Klängen jenseits gängiger Definitionen und sucht den interdisziplinären Austausch mit anderen Künsten. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Weiterlesen
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  1. Gut möglich, dass Musikerinnen als Urheberinnen noch stark untervertreten sind: Komponieren und Song-Texte schreiben, ist offensichtlich nicht jederfrau’s Interesse und Talent. Hingegen sind gerade Sängerinnen als Interpretinnen (oftmals in Kombination mit Gitarren oder Piano/Keyboards) im Grunde wesentlich zahlreicher, als ihre männlichen Pendants! Wenn sie zudem – wie meistens – auch noch attraktiver aussehen, als singende Männer, verdienen sie auch noch entsprechend besser, als letztere…

    • Elia Meier sagt:

      Guten Tag Jean-Pierre E. Reinle

      Es ist schön, dass Sie den Fakt anerkennen, dass es weniger Musikerinnen und Urheberinnen gibt. Wir denken aber nicht, dass ein Geschlecht etwas darüber aussagt, welche Themen sie oder ihn interessieren oder worin ein Mensch talentiert ist oder nicht. Natürlich kann es sein, dass aufgrund von gesellschaftlichen Normen Menschen gehemmt sein können, ein für sie unbekanntes/untypisches Terrain zu betreten. Dieses Verhalten hat jedoch nichts damit zu tun, dass diese Menschen nicht wollen. Es hat damit zu tun, dass Netzwerke ausschliessend wirken können. Es braucht uns alle um diese Normierungen und Stereotypen aufzubrechen und Menschen zu ermutigen zu machen was sie lieben. So haben wir in einer gleichgestellten Welt hoffentlich auch bald mehr Männer am Gesang und mehr Frauen am Schlagzeug. Ihrem Punkt bezüglich konventioneller Attraktivität, pflichten wir insofern bei, dass es durchaus so ist, dass leider Äusserlichkeiten zu Erfolg beitragen können. Wir sehen diesen Aspekt aber für alle Geschlechter. Nur wird es bei Männern nie herausgehoben. Frauen werden, so wie hier an Ihrem Beispiel, immer wieder systematisch auf ihr äusseres reduziert. Dabei wird ihnen jegliche Expertise abgesprochen. Wir wünschen uns genauso wie Sie, dass es ausschliesslich um Expertise geht. Und, dass diese Expertise unabhängig von äusserlichen Merkmalen und unabhängig von Geschlecht, allen Menschen zugetraut wird. Dafür müssen wir uns alle tagtäglich an der Nase nehmen, gelernte Strukturen zu durchbrechen. Es würde uns freuen Sie dabei an unserer Seite zu wissen.

      Freundliche Grüsse Elia Meier, Helvetiarockt

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Der Verein Helvetiarockt setzt sich seit zehn Jahren dafür ein, dass Frauen* in der Musikszene besser vertreten sind. Zeit für eine Bilanz. Gastbeitrag von Markus Ganz

10 Jahre Helvetiarockt: Die Stimme der Frauen* verstärken

Isabella Eder (links) und Muriel Rhyner von der Zuger Band Delilahs rocken die Bühne beim PFF FFS Openair Menzingen 2015. (Foto: Tabea Hüberli)

Wer Konzerte besucht oder sich die Informationen von Musikproduktionen ansieht, wird nicht überrascht sein vom Befund, dass Frauen* in der Musikszene stark untervertreten sind. Der Verein Helvetiarockt schätzt, dass im Bereich von Pop, Rock und Jazz der Frauen*anteil auf der Bühne bei 15 Prozent liegt, in der Musikproduktion gar nur bei 2 Prozent.

Präzise Zahlen gibt es von der SUISA, die Supporterin von Helvetiarockt ist und gezielt Projekte des Vereins unterstützt: Ende 2018 lag der Anteil der Frauen* bei den Urheber*innen bei 15,7 Prozent. In…Weiterlesen

«The Director’s Blog» – «Wir wollen unsere Arbeit sichtbarer machen»

Als gemeinnützige Stiftung fördert die FONDATION SUISA seit 1989 das aktuelle Schweizer Musikschaffen. Wie dies im Detail geschieht, lässt sich nun im neu aufgeschalteten «Director’s Blog» nachlesen. Stiftungsdirektor Urs Schnell will damit die «Visibilität unserer Tätigkeit» erhöhen. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

FONDATION SUISA: «The Director’s Blog»

Das Ziel des «The Director’s Blog» ist, die Tätigkeit der FONDATION SUISA für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer machen. (Foto: FONDATION SUISA)

Was genau macht eigentlich eine Stiftung wie die FONDATION SUISA? Ihre Tätigkeit lässt sich allgemein formuliert zwar auf der eigenen Webseite nachlesen, doch wie sieht die Arbeit im Konkreten aus? Was geschieht mit den rund 2,7 Millionen Franken, die sie jährlich von der SUISA Genossenschaft zugewiesen erhält? Ein Betrag, der 2,5% der SUISA-Einnahmen aus den Aufführungs- und Senderechten in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein entspricht. Und wie wirkt sich die Förderung auf den verschiedenen Ebenen letztlich aus?

«Wir wurden in den letzten Jahren immer wieder mit diesen Fragen konfrontiert», sagt Urs Schnell. «Und wir haben realisiert, dass unsere Tätigkeit in einer Welt, die zwar von Social Media dominiert wird, sich aber letztlich immer entsolidarisierter präsentiert, kaum mehr in ihrer ganzen Vielfalt wahrgenommen wird. Wie also», so Schnell weiter, «kann eine Stiftung offen und transparent in einer Gesellschaft kommunizieren, deren Wahrnehmung sich nicht zuletzt durch die Digitalisierung drastisch verändert hat?»

Blog gibt Einblick in die Stiftungstätigkeit

Mit «The Director’s Blog» wird nun die Internetpräsenz erhöht und zugleich die Stiftungsarbeit personalisiert, indem der Direktor in seiner Rolle als Blogger als Sprachrohr fungiert. «Wir kehren das Innere nach aussen», begründet Schnell den Entscheid, «und wir tun dies in Zeiten der Individualisierung auf eine persönlichere Art und Weise als bis anhin gewohnt.»

Ziel des Blogs ist es, die laufende Tätigkeit in schneller und aktueller Form zu vermitteln, ohne sich der hektischen Oberflächlichkeit der sozialen Medien anzupassen. Dabei wird der Hintergrund zum Vordergrund: «Die vertiefte Arbeit und die Gedanken und Strategien, die dahinter stecken, machen wir sichtbar, um so unsere Tätigkeit für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer zu machen.»

Der Direktor als interner Chronist

Dies geschieht mit regelmässigen Beiträgen über aktuelle Events, über die Präsenz der Stiftung auf internationaler und nationaler Ebene, aber auch anhand von Gedankenanstössen zu stiftungsrelevanten Themen oder mit Porträts von Empfängerinnen und Empfängern von Werkbeiträgen mit Magazin-Charakter. «Für Letzteres erlaube ich mir dann ab und zu auch einen Gastbeitrag zu veröffentlichen», sagt Schnell. Und fügt an: «Die Authentizität ist ein elementarer Punkt des Blogs, deshalb wäre es wenig glaubwürdig, wenn ich meine Rolle als interner Chronist verlassen würde.»

Auf jeden Fall blickt der Direktor mit Vorfreude auf kommende Rückmeldungen über das neue Gefäss. Und sollte «The Director’s Blog» Anlass für leidenschaftliche Diskussionen werden, dann – so Schnell – «sei das umso besser.»

blog.fondation-suisa.ch

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Eclecta: Von der unendlichen Lust am ExperimentVon der unendlichen Lust am Experiment Das Duo Eclecta, der in Zürich und Winterthur ansässigen Andrina Bollinger und Marena Whitcher, experimentiert mit Klängen jenseits gängiger Definitionen und sucht den interdisziplinären Austausch mit anderen Künsten. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Weiterlesen
«Ab is Wälschland» ans Eidgenössische Volksmusikfest«Ab is Wälschland» ans Eidgenössische Volksmusikfest Im Mai trafen sich fünf junge Volksmusikanten unter der Leitung von Dani Häusler in Crans-Montana, um eine Hymne für das Eidgenössische Volksmusikfest 2019 zu komponieren. Das von der SUISA initiierte und in Zusammenarbeit mit dem Organisationskomitee des EVMF durchgeführte Komponierwochenende war ein voller Erfolg. Weiterlesen
Rückschau auf die SUISA-Generalversammlung 2019Rückschau auf die SUISA-Generalversammlung 2019 Rund 150 stimmberechtigte SUISA-Mitglieder kamen am 21. Juni 2019 an die ordentliche Generalversammlung ins Bieler Kongresszentrum und bestimmten die Geschicke ihrer Genossenschaft mit. Unter anderem wählten sie Sylvie Reinhard und Grégoire Liechti neu in den Vorstand. Im Zusammenhang mit der Urheberrechtsrevision verabschiedeten die SUISA-Mitglieder zudem eine Resolution für faire Bedingungen für Musikschaffende. Weiterlesen
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Als gemeinnützige Stiftung fördert die FONDATION SUISA seit 1989 das aktuelle Schweizer Musikschaffen. Wie dies im Detail geschieht, lässt sich nun im neu aufgeschalteten «Director’s Blog» nachlesen. Stiftungsdirektor Urs Schnell will damit die «Visibilität unserer Tätigkeit» erhöhen. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

FONDATION SUISA: «The Director’s Blog»

Das Ziel des «The Director’s Blog» ist, die Tätigkeit der FONDATION SUISA für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer machen. (Foto: FONDATION SUISA)

Was genau macht eigentlich eine Stiftung wie die FONDATION SUISA? Ihre Tätigkeit lässt sich allgemein formuliert zwar auf der eigenen Webseite nachlesen, doch wie sieht die Arbeit im Konkreten aus? Was geschieht mit den rund 2,7 Millionen Franken, die sie jährlich von der SUISA Genossenschaft zugewiesen erhält? Ein Betrag, der 2,5% der SUISA-Einnahmen aus den Aufführungs- und Senderechten in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein entspricht. Und wie wirkt sich die Förderung…Weiterlesen

Von der unendlichen Lust am Experiment

Das Duo Eclecta, der in Zürich und Winterthur ansässigen Andrina Bollinger und Marena Whitcher, experimentiert mit Klängen jenseits gängiger Definitionen und sucht den interdisziplinären Austausch mit anderen Künsten. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Eclecta: Von der unendlichen Lust am Experiment

Das Duo Eclecta. (Foto: Andrea Ebener)

Dort, wo die verbalen Definitionen der verschiedenen Künste implodieren; wo stilistische Schubladen nur noch als Relikt vergangener Zeiten existieren; dort, wo sich alles frei fliegend entfalten kann und sich laufend in immer neuen Mustern fortbewegt: Genau dort fühlen sich Eclecta zuhause. Eclecta, das sind Andrina Bollinger und Marena Whitcher – beide Solokünstlerinnen, Multiinstrumentalistinnen, Sängerinnen. Und beide sind – wie sie sich unisono beschreiben – «einfach neugierig». Das ist eine bescheidene Umschreibung. Es ist die pure Lust am Experiment, die die beiden antreibt. Obwohl Ende Zwanzig haben beide das jugendliche Staunen nicht verlernt, paaren dieses aber mit reifer Reflektion und schaffen es immer wieder, zusätzliche Elemente so in ihre Kunst einzubauen, dass das Resultat stets homogen bleibt.

Kennengelernt haben sich Andrina Bollinger und Marena Whitcher auf der Jazzschule, doch das war eigentlich bereits das zweite Aufeinandertreffen. «Wir waren uns schon als Kinder im Circolino Pipistrello begegnet», sagt Bollinger. Whitcher lacht und fügt hinzu: «Das haben wir aber erst später herausgefunden, dass das so war.» Dem Schicksal ist nicht zu entkommen und so kam es, wie es kommen musste: «Als Marena angefragt wurde für ein Solokonzert, hatte sie zu wenig Material, um den Auftritt alleine bestreiten zu können. So fragte sie mich an. Wir legten dann unsere Songs zusammen, damit hat alles begonnen», erzählt Bollinger.

«A Symmetry» hiess 2016 ihr erstes Album und das Wortspiel, das sich im Titel verbirgt, ist mehr als nur Programm, sind doch die beiden Frauen in ihrer Art und in ihrer Kunst eigentlich überzeugte Individualistinnen, die in zahlreichen Kollaborationen und Soloauftritten ihren eigenen Weg gehen. «Wir haben von Anfang an mit den zwei Figuren gespielt, die völlig anders sind. Eclecta lebt von dieser Dualität, dieser Asymmetrie, aber gleichzeitig haben wir eben auch die Möglichkeit uns ineinander zu verschmelzen», erklärt Whitcher und Bollinger ergänzt: «Wir können uns stimmlich angleichen, so dass man uns kaum auseinanderhalten kann. Der Albumtitel beschreibt dieses fortlaufende Spiel zwischen Symmetrie und Asymmetrie.»

Die 15 Songs, die wie erwähnt, jegliche Schubladisierung ignorieren und bewusst die zum Experiment ladenden stilistischen Zwischenräume kartographieren, sind in ihrer Summe ein schillerndes Kaleidoskop von Euphorie und Melancholie, von Lust und Nachdenklichkeit. Und so verblüffend «A Symmetry» auf den Hörer auch drei Jahre nach Erscheinen noch wirkt und immer neue Details an den Tag zu bringen vermag: Für die Protagonistinnen steht die Platte heute nur noch für eine Momentaufnahme in ihrem künstlerischen Prozess. «Auf unserem kommenden Album, das voraussichtlich Anfang 2020 erscheinen wird, wollen wir dieses Spiel noch weiter treiben, so dass sich das Ganze immer weiter verzahnt und verschachtelt.»

«Der Get Going!-Beitrag schenkt uns etwas Kostbares, nämlich Zeit. Für die ungemein lange Zeit, die man investiert, um sich mit Themen zu befassen, zu recherchieren und Songs zu schreiben, wird man ansonsten nie bezahlt.»

Wie dies dann klingen wird, «das bleibt zu diesem Zeitpunkt noch ein Geheimnis», meinen die beiden augenzwinkernd. Wenn sie von ihren Einflüssen erzählen, so reichen diese von gesellschaftlichen Themen bis hin zu Malerei, vom Theater bis zur Performance-Kunst, von Literatur bis zur Philosophie. Whitcher, die väterlicherseits amerikanische Wurzeln hat, ist von den Surrealisten begeistert und geht in ihren Auftritten Fragen nach wie «Was sind Monster heutzutage und weshalb brauchen wir sie?» oder «Luxusprobleme haben und Kunst machen – geht das zusammen?». Auch Bollinger ist es wichtig, politische und gesellschaftliche Aktualität in ihr Schaffen zu integrieren. So schreibt sie über Themen wie den Klimawandel, über Meinungsfreiheit oder die Digitalisierung und sucht nach Orten, wo uns Zahlen und Codes nicht beherrschen. Sie wiederum pendelt zwischen Zürich, Berlin und ihrer Engadiner Heimat und versucht mit einem Zoom-Recorder die Klänge dieser unterschiedlichen Räume einzufangen, weil – wie sie sagt – «es entscheidend ist, wo man sich befindet, wenn man kreativ tätig ist.»

Einer dieser kreativen Spielplätze ist auch die Bühne. Mit selbstgebastelten Instrumenten und Kostümen verwandeln sie einen Auftritt in eine Art Gesamtkunstwerk. Deshalb wollen sie in Zukunft auch verstärkt das Medium Video nutzen, um ihre Musik zu visualisieren. Aber dies ist nur eine von gefühlten tausend Ideen, mit der sich beide beschäftigen. Am Ende soll Eclecta auch ein Statement gegen den Zeitgeist sein: «In unserer individualisierten Gesellschaft ist jeder nur noch auf sich bezogen und der Blick nach aussen fällt völlig weg. Dafür ist doch Gemeinschaft ein Urbedürfnis des Menschen», meint Whitcher und Bollinger fügt an: «Ich sehe das schon auch als eine unserer Aufgaben an, mit unserer Kunst die Welt zu reflektieren und eine andere Denkweise anzuregen.»

Den Get Going!-Beitrag der FONDATION SUISA betrachten sie auf jeden Fall als eine extreme Befreiung. «Er schenkt uns etwas Kostbares, nämlich Zeit», sagt Bollinger. «Genau», unterstreicht Whitcher, «für die ungemein lange Zeit, die man investiert, um sich mit Themen zu befassen, zu recherchieren und Songs zu schreiben, wird man ansonsten nie bezahlt.» So gesehen ist Eclecta für diese Art von Förderung geradezu ein Paradebeispiel, weil sich die beiden jungen Frauen auf noch nicht gepflügten Äckern bewegen und mit ihrer Experimentierlust nun nicht mehr Gefahr laufen, zwischen Stuhl und Bank zu fallen.

www.eclecta.ch

2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Unter dem Titel Get Going! werden kreative und künstlerische Prozesse finanziell angestossen, die sich ausserhalb der gängigen Kategorien befinden. In einer Porträtserie stellen wir die Empfängerinnen und Empfänger dieser Get Going!-Beiträge vor.

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FONDATION SUISA: «Get Going!» geht in die zweite Runde: «Wir haben den Nerv der Zeit getroffen»«Get Going!» geht in die zweite Runde: «Wir haben den Nerv der Zeit getroffen» Letztes Jahr vergab die FONDATION SUISA unter dem Titel «Get Going!» erstmals vier Anstossbeiträge, um innovative Kreativansätze ausserhalb der gängigen Schubladen zu fördern. Die positiven Reaktionen darauf waren überwältigend. Ende Juni 2019 geht die Ausschreibung in die zweite Runde. Weiterlesen
Die ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label SuisseDie ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label Suisse Vom 14. bis 16. September 2018 hat zum achten Mal das Festival Label Suisse in Lausanne stattgefunden. Das Festival ist dem Schweizer Musikschaffen gewidmet und bietet dem Publikum alle zwei Jahre einen breitgefächerten Panoramablick auf die aktuelle Musiklandschaft der Schweiz. Weiterlesen
Kreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit VideoKreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit Video Zum zweiten Mal führte die SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions ein Songwriting Camp durch. Austragungsort waren wie bei der Premiere vergangenes Jahr die Powerplay Studios in Maur. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung im Juni 2018 teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Weiterlesen
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