Tagarchiv: Schweizer Musik

«Musicians in Conversation»: Podcast von Helvetiarockt

Unter dem Titel «Musicians in Conversation» lancierte Helvetiarockt, die Schweizer Koordinationsstelle und Vernetzungsplattform für Musikerinnen im Jazz, Pop und Rock, im Dezember 2020 eine Podcast-Reihe. Ab Freitag, 7. Januar 2022, läuft die zweite Staffel. Im Zentrum steht das Sichtbarmachen von Vorbildern sowie die Vernetzung innerhalb der Schweizer Musikszene. Die SUISA ist Partnerin der neuen Podcast-Reihe. Text von Giorgio Tebaldi

«Musicians in Conversation»: Podcast von Helvetiarockt

In der ersten Episode des Helvetiarockt-Podcasts spricht die Musikerin und Tontechnikerin Anna Murphy über den kreativen Prozess beim Songwriting und ihren Weg zur Tontechnikerin – und ermuntert andere Frauen dazu, ebenfalls einen Weg in die Musikproduktion einzuschlagen. (Foto: Valentina Mahler)

Anna Murphy, La Nefera, Jessiquoi und Jasmin Albash – dies sind einige der weiblichen, non-binären, trans oder intersex Musiker/innen und DJs, die in der zweiten Staffel des Podcasts «Musicians in Conversation» von Helvetiarockt zu Wort kommen. Im Podcast wird über Musik im Allgemeinen, kreative Prozesse und Erfahrungen im Musikbusiness gesprochen. Mit diesem Angebot will Helvetiarockt für Musiker/innen eine Vielzahl an Vorbildern schaffen.

Die Podcast-Gäste und ihre Geschichten haben Vorbildcharakter und machen Mut. Sie zeigen auf, dass es verschiedene Wege und Möglichkeiten gibt, sich in der Musikwelt professionell zu bewegen, und dass niemand allein ist, der diesen Schritt wagen will. Der Podcast richtet sich allerdings nicht nur an aufstrebende Musiker/innen, sondern will grundsätzlich inspirieren und erlaubt allen – auch Nicht-Musiker/innen – einen Blick hinter die Kulissen des Musikbusiness.

Die Interviews führt die in Genf ansässige Londoner Musikerin, DJ und Journalistin Natalia Anderson. «Wir versuchen zu entmystifizieren und aufzuzeigen, wie unterschiedlich man sich in der Musik involvieren kann», wird Natalia Anderson in der Medienmitteilung von Helvetiarockt zitiert. «Mit dem Podcast machen wir unterrepräsentierte Gruppen in der Schweizer Musikszene sichtbar – in all ihren Facetten.»

Frauen in der Musikbranche

In der Schweizer Musikszene sind Frauen gegenüber den männlichen Kollegen in der Minderheit: Der Anteil Musikerinnen auf Schweizer Bühnen beträgt laut Helvetiarockt gerade mal 11%, in der Musikproduktion sind es mit 2% sogar noch weniger.

Dies widerspiegelt sich auch beim Anteil weiblicher SUISA-Mitglieder: Dieser beträgt aktuell 19 Prozent. Auch wenn die Tendenz leicht steigend ist – in den letzten Jahren lag der Frauenanteil bei den Neumitgliedern der SUISA jeweils bei 21% (2018, 2019) respektive 23% (2020) und zuletzt im 2021 bei 26% Prozent –, so gibt es in der Schweizer Musikbranche verglichen zum weiblichen Bevölkerungsanteil von über 50 Prozent aber nach wie vor ein Ungleichgewicht.

Der Podcast von Helvetiarockt will diesen (noch) kleineren Teil der Musikschaffenden sichtbar machen und aufstrebende Musiker/innen auf ihrem Weg ins Musikbusiness unterstützen und stärken.

Die SUISA ist Partnerin von Helvetiarockt

Die SUISA ist Partnerin für die zweite Staffel von «Musicians in Conversation». Sie unterstützt Helvetiarockt seit 2019 im Rahmen eines Sponsoring-Engagements finanziell und hinsichtlich Visibilität.

Die zweite Staffel des Podcasts läuft ab Freitag, 7. Januar 2022 und erscheint zweiwöchentlich. In der ersten Episode des Helvetiarockt-Podcasts spricht die Musikerin und Tontechnikerin Anna Murphy über den kreativen Prozess beim Songwriting und ihren Weg zur Tontechnikerin – und ermuntert andere Frauen dazu, ebenfalls einen Weg in die Musikproduktion einzuschlagen.

Die Podcasts «Musicians in Conversation» von Helvetiarockt findet ihr hier:
www.helvetiarockt.ch/podcasts

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Unter dem Titel «Musicians in Conversation» lancierte Helvetiarockt, die Schweizer Koordinationsstelle und Vernetzungsplattform für Musikerinnen im Jazz, Pop und Rock, im Dezember 2020 eine Podcast-Reihe. Ab Freitag, 7. Januar 2022, läuft die zweite Staffel. Im Zentrum steht das Sichtbarmachen von Vorbildern sowie die Vernetzung innerhalb der Schweizer Musikszene. Die SUISA ist Partnerin der neuen Podcast-Reihe. Text von Giorgio Tebaldi

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In der ersten Episode des Helvetiarockt-Podcasts spricht die Musikerin und Tontechnikerin Anna Murphy über den kreativen Prozess beim Songwriting und ihren Weg zur Tontechnikerin – und ermuntert andere Frauen dazu, ebenfalls einen Weg in die Musikproduktion einzuschlagen. (Foto: Valentina Mahler)

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Ein unscheinbares Medium, das mehr Beachtung verdient

Die Schweizer Musikzeitung ist weit mehr als ein Mitteilungsblatt schweizerischer Musikverbände. Sie hat sich zu einer anregenden Plattform entwickelt, auf der Genre-, Sprachen- und Regionen-übergreifend über musikalische Themen berichtet wird. Text von Gastautor Markus Ganz

Schweizer Musikzeitung: Ein unscheinbares Medium, das mehr Beachtung verdient

Die Schweizer Musikzeitung versteht sich als Plattform der vielfältigen Schweizer Musikszene. (Grafik: Hubert Neidhart / SMZ)

Seit bald 24 Jahren erscheint die Schweizer Musikzeitung (SMZ) – eine lange Zeit, in der sich die Medienwelt radikal verändert hat, Stichwort Internet. Da fragt sich: Warum braucht es diese Zeitung noch, die trotz Online-Präsenz neunmal jährlich auf Zeitungspapier gedruckt wird? Oder anders gefragt: Wie würde man die Notwendigkeit dieses Fachblatts begründen, wenn es noch nicht existieren würde und man ein solches Projekt lancieren wollte?

Katrin Spelinova, die die SMZ seit 2007 als Chefredaktorin leitet, zögert keinen Moment: «Es braucht in der Schweiz eine Stimme für die Musik, eine, die auch ausserhalb der Welt der Musik wahrgenommen wird.» Damit spielt sie darauf an, dass die Politik eine einzige Stimme der Musikverbände wünsche.

Solide Basis

Tatsächlich hängt die Gründung der SMZ mit dem Bundesamt für Kultur (BAK) zusammen. «1998 änderte das BAK seine Strategie und kürzte Musikverbänden finanzielle Beiträge», erklärt Katrin Spelinova. «Ein Argument war, die Musikverbände sollten doch ihre Zeitschriften zusammenlegen.» So geschah es. Mittlerweile ist die SMZ offizielles Mitteilungsorgan von 12, inklusive Unterorganisationen sogar von rund 30 Musikverbänden. Die SUISA ist mit der SMZ partnerschaftlich verbunden und nutzt den Publikationskanal, um ihre Themen in Zusammenhang mit Urheberrechten an Musik und der Genossenschaft zusätzlich zu streuen.

Katrin Spelinova betont, dass die SMZ keine Subventionen vom BAK erhalte. «Wir wurden aber von der Pro Helvetia unterstützt, als wir mit dem Relaunch 2013 auch den Online-Auftritt erneuerten. Sonst tragen uns die Verbände und das Inserategeschäft, das für uns sehr wichtig ist.» Die Art der Finanzierung durch die Verbände ist seit dem Relaunch 2013 gleichgeblieben. «Es ist ein zweistufiges Finanzierungsmodell. Die Verbände buchen jährlich ein Seitenpaket, das ihrem Bedarf entspricht, in der Regel fünf, neun oder 18 Seiten pro Jahr. Der zu zahlende Betrag richtet sich aber nicht nur nach der Anzahl dieser Seiten, sondern auch nach der Anzahl registrierter Abonnements der Verbandsmitglieder.» Wobei man sagen müsse, dass der Maximalpreis für ein solches Verbands-Jahresabo nur gerade fünf Franken betrage, was knapp das Porto decke. «Diese Einnahmen machen 25-30% unserer Gesamteinnahmen aus, der Rest kommt von Inseraten sowie den normalen Abos, die Fr. 70.- kosten.» Der Hauptteil der rund 18’500 Abos (WEMF 2021) geht an die Verbände.

Die rund 16 bis 20 Seiten der Verbände pro Ausgabe, die passend als «Basis» bezeichnet werden, sind kein Handicap für die Glaubwürdigkeit der SMZ. Einerseits sind sie grafisch klar abgegrenzt vom Mantelteil der Redaktion. Andererseits beinhalten sie nicht nur — naturgemäss oft eher trockene — Verbandsmitteilungen, sondern immer wieder auch spannende Artikel, etwa über die Tradition und Bedeutung der Musikkritik (Nr. 5/2021) oder den hinreissend beschriebenen «Don-Juan-Taumel: Russische Pianisten – Gendern nicht nötig – und die Paraphrasen über Mozart-Opern von Liszt» (Nr. 6/2021).

Schweizer Musikzeitung: Katrin Spelinova

Katrin Spelinova, Chefredaktorin der SMZ seit 2007. (Foto: SMZ)

Katrin Spelinova betont zudem: «Im von der Redaktion produzierten Mantelteil versuchen wir so unabhängig wie möglich zu sein.» Der Mantelteil ist selbsterklärend in die Bereiche «Focus», «Critiques», «Resonance», «Campus» und «Service» aufgeteilt. Das Filetstück der gedruckten Ausgabe ist der Themenschwerpunkt («Focus»), der online nicht publiziert wird. Hier kann man jeweils mehrere vertiefende Texte zu Themen wie «Hausmusik», «Portemonnaie», «Stimme», «Tiere», «Pause», «Corona», «Nebenfiguren» lesen.

Inhalt ohne Stilgrenzen

Zentral für den Inhalt ist die Ausrichtung auf das Zielpublikum. Katrin Spelinova: «Damit sind eindeutig die aktiv Musizierenden gemeint, ob Profis oder Amateure, ob aus Orchestern oder Bands, inklusive den Unterrichtenden und den Eltern von Musikschülern, auch Leute, die grundsätzlich an der Musik interessiert sind.» Entscheidend für die Themenwahl ist, dass die Schweizer Musikzeitung als Plattform der Schweizer Musikszene gedacht ist. «Wir berichten über alles, was die Musik in der Schweiz betrifft, sei es Unterricht, Vorführungen, Tonträger oder das Leben der Musikschaffenden – und zwar nicht das der Stars, das schon in anderen Medien abgehandelt wird. Wir möchten, dass die Leserschaft auch hinter die Kulissen sehen kann, dass sie Anstösse erhält, um ganz allgemein über die Musik nachzudenken.»

In den letzten Jahren wurde das stilistische Spektrum – und damit auch die Zielgruppe – zunehmend auf Jazz und Pop/Rock ausgeweitet. Katrin Spelinova will an dieser Erweiterung festhalten. «Es ist auch eine Erfahrung der Musikschulen, dass man mit dem Schubladendenken – der Einteilung in Klassik, Jazz, Pop/Rock, Weltmusik etc. – nicht weiterkommt, nicht zuletzt auch, weil sich die Stile vermischen.» Online mache man diese Unterteilung zwar noch, um den Zugriff zu vereinfachen. «Aber ich hoffe, dass dieses Schubladendenken dereinst wegfällt, dass man einfach nur noch über Musik und was dazugehört redet und schreibt.»

Katrin Spelinova bestätigt allerdings den Eindruck, dass die SMZ im Bereich klassischen Musikschaffens gut bekannt ist, in den Bereichen Pop/Rock und Jazzbereich aber deutlich weniger, trotz publizistischen Anstrengungen mit Stories aus diesen Bereichen. Sie ist aber optimistisch: «Durch die Fusion des Schweizerischen Tonkünstlervereins mit dem Verein Musikschaffende Schweiz und anderen Verbänden zu Sonart haben wir nun mehr Leserinnen und Leser aus diesem Bereich, und das wird sicher noch zunehmen.»

Das Zeitungsformat und die etwas brave und trockene Gestaltung sind aber ein Handicap bei einem eher jüngeren Publikumssegment, das sich vor allem im Internet bewegt und eine attraktivere, farbige Gestaltung gewöhnt ist. Das ist sich auch Katrin Spelinova bewusst. «Das ist sicher ein Punkt, den wir verstärkt beachten müssen, besonders um die Studierenden der Musikhochschulen mehr auf die SMZ aufmerksam zu machen. Wir versuchen, auf den Social-Media-Kanälen Instagram, Facebook und Twitter präsent zu sein. Aber wenn solche Auftritte wirklich überzeugen sollen, bedingt dies einen enormen Aufwand.»

Print trotz Online-Präsenz

Es fragt sich ohnehin, weshalb die SMZ trotz ausgebauter Online-Präsenz noch eine gedruckte Zeitung herausgibt, ist das nicht anachronistisch? Katrin Spelinova betont, dass man die SMZ auch als E-Paper abonnieren könne, doch dieser Anteil sei verschwindend klein, betrage weniger als ein Prozent der Leserschaft. «Es ist absolut wichtig, dass diese Zeitung in den Briefkasten kommt, damit die Leserinnen und Leser – neunmal im Jahr – daran erinnert werden, was ihr Verband für sie tut. Durch unseren recht ausgebauten Mantelteil haben sie auch die Gelegenheit, etwas zu lesen über Aspekte, nach denen sie nicht aktiv im Internet suchen würden, weil es gar nicht auf dem Radar ist.» Hinzu komme ein geschäftlicher Grund: «Online könnten wir uns nicht finanzieren – das Inserategeschäft läuft hauptsächlich immer noch über die Print-Ausgabe.»

Schweizer Musikzeitung: Druckerei

Die SMZ wird neben der ausgebauten Online-Präsenz weiterhin neunmal jährlich auf Zeitungspapier gedruckt. (Foto: Pia Schwab / SMZ)

Entsprechend fragt sich, wie sich Online- und Print-Version unterscheiden. Katrin Spelinova: «Da wir nur noch neun Mal jährlich erscheinen, können wir in der Sommerpause einen aktuellen Bericht online bringen, der bei der nächsten Print-Ausgabe im September zu spät käme. Und, sehr wichtig, wir können längere Texte, die im Heft nicht mehr Platz haben, im Heft anteasern und mit einem QR-Code auf die integrale Online-Version verweisen. Dadurch erhalten wir Spielraum.»

Interessant ist die Chat-Seite im Printteil, wo sich zwei Persönlichkeiten zu einem Thema austauschen. Dies hat vor allem online Potential, um Diskussionen anzustossen, indem der Chat als moderierte Online-Diskussionsplattform ausgebaut würde, die regelmässig ein Thema setzt, das von Fachleuten kontrovers erörtert wird und dann von der Leserschaft weiterdiskutiert werden kann. Darin sieht auch Katrin Spelinova eine Chance. «Wir haben relativ wenig direktes Feedback, auch nicht über die Kommentarfunktion. Letztes Jahr haben wir zum Beethoven-Jubiläum jede Woche ein Werk vorgestellt und die Leser aufgefordert, ihre Beziehungen zu oder ihre Erfahrungen mit dieser Komposition kundzutun. Aber es ging sehr wenig, wir konnten nur wenig vom Publikum spüren.»

Brückenfunktion zwischen Sprachen und Regionen

Dank der Online-Präsenz sind News auch wirklich News. Hier zeigt sich die Qualität der SMZ durch eine sorgfältige Auswahl, etwa mit Hinweisen zu Erkenntnissen aus der Musikforschung. Katrin Spelinova betreut vor allem, was die Verbände betrifft, und wird bestens von Wolfgang Böhler unterstützt, der vielen Leuten noch vom Online-Magazin «Codex flores» bekannt sein dürfte. «Er hat einen sehr guten Überblick über das, was in der Kulturpolitik in den Kantonen und Gemeinden geschieht.» Hinzu kommen News von Jean-Daniel Humair, der in Lausanne den französischen Teil der SMZ betreut; im Redaktionsteam wirkt zudem Pia Schwab mit. «Aber es ist ein Kapazitätsproblem, den französischen Teil ebenso ausgiebig zu betreuen wie den deutschen Teil.»

Italienische Texte sind denn auch die grosse Ausnahme, obwohl der Austausch zwischen den Regionen und Sprachen hochgehalten wird. «Wir versuchen es, weil die Brückenfunktion der SMZ wichtig ist. Man darf aber nicht vergessen: Für Tessiner Musikschaffende kann es interessanter sein, wenn man über sie auf Deutsch berichtet, damit sie in der Deutschschweiz besser wahrgenommen werden. Wir haben denn auch letztes Jahr über das Tessin als Randregion berichtet, dieses Jahr wird es der Jura sein, nächstes Jahr Graubünden.»

Wünschenswert wären auch mehr Rezensionen, die gemäss Katrin Spelinova für Musikschaffende wichtig sind. «Entscheidend für uns ist, dass CDs einen Schweizer Bezug haben und nicht von Superstars stammen, die ohnehin schon überall präsent sind. Zudem sollten Konzertbesprechungen – wenn möglich – eine Strömung oder ein Phänomen mit mehreren Beispielen widerspiegeln. Konkret gab es in einer der letzten Ausgaben einen Text über neue Streichquartette von Schweizer Komponistinnen, die innerhalb von zwei Wochen in Brunnen und in Zürich aufgeführt wurden. So kann man auch noch einen Kontext vermitteln, was weit mehr bringt als eine reine Konzertkritik.»

Die beteiligten Musikverbände:
Eidgenössischer Orchesterverband (EOV), Forum Musik Diversität (FMD), Konferenz Musikhochschulen Schweiz (KMHS), Musikhochschule Kalaidos, Schweizerischer Jugendmusikwettbewerb & Arosa Kultur (SJMW), Schweizerische Musikforschende Gesellschaft (SMG), Schweizerische Gesellschaft für Musik-Medizin (SMM), Schweizerischer Musikpädagogischer Verband (SMPV), Schweizer Musikrat & CHorama (SMR), Schweizerischer Musikerverband (SMV), SONART – Musikschaffende Schweiz, Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik (SUISA) und der Verband Musikschulen Schweiz (VMS).

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(Text: SMZ)

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Cla Nett: Leidenschaftlicher Bluesmusiker, engagierter Jurist

Nach langer, schwerer Krankheit verstarb am 27. September 2021 Cla Felice Nett, Jurist, Musiker und SUISA-Mitglied seit 1981. Nachruf von Gastautor Marco Piazzalonga

Cla Nett: Leidenschaftlicher Bluesmusiker, engagierter Jurist

Cla Nett war regelmässiger Besucher der SUISA-Generalversammlung; im Bild an der 90. GV der Genossenschaft im Jahr 2013 im Hotel Schweizerhof in Luzern. (Foto: Beat Felber)

Seine ersten Lebensjahre verbrachte Cla im Engadin. Kurz vor seiner Schulzeit zog seine Familie nach Basel, wo der Vater eine Stelle als Lehrer antrat. Cla durchlief nach der Primarschule zuerst das Humanistische Gymnasium, welches er mit der Matura Typ A beendete, anschliessend absolvierte er ein Jurastudium an der Universität Basel, das er mit dem Lizenziat «cum laude» abschloss.

Schon als Teenager begeisterte sich Cla für den Blues, brachte sich grösstenteils autodidaktisch das Gitarrenspiel bei und trat mit ersten Bands auf. 1975 gründete er mit ein paar Gleichgesinnten die Lazy Poker Blues Band, welche vor allem in den 1980er und 1990er Jahren im In- und Ausland Erfolge feiern konnte.

Cla und seine Formation standen als Schweizer Vertreter beim «Concert for Europe» im Berliner Olympiastadion vor 45 000 Zuschauerinnen und Zuschauern auf der Bühne, begleiteten Joe Cocker als Support für einen Monat durch Deutschland, tourten in der damaligen DDR, nahmen Platten in Chicago auf, bespielten Clubs und Open Airs quer durch unser Land.

Cla Nett gelang es, die Musik mit seiner juristischen Ausbildung zu verknüpfen. Im Vorstandsausschuss und als Präsident der Fachgruppe Phonoausübende bei der Swissperform sowie als Managing Director bei der Schweizerischen Interpretengenossenschaft SIG konnte er sein Wissen und seine Erfahrung einbringen. Zudem arbeitete Cla als nebenamtlicher Richter beim Appellationsgericht Basel.

Aus gesundheitlichen Gründen musste Cla seit einigen Jahren musikalisch und beruflich kürzertreten. Noch diesen Juli kämpfte er sich praktisch aus dem Spitalbett auf die Bühne des Magic Blues Festivals im Valle Maggia, um ein letztes Mal mit seiner Lazy Poker Blues Band aufzutreten. Cla Nett hinterlässt seine Frau, zwei erwachsene Kinder und einen Enkel.

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Cla Nett war regelmässiger Besucher der SUISA-Generalversammlung; im Bild an der 90. GV der Genossenschaft im Jahr 2013 im Hotel Schweizerhof in Luzern. (Foto: Beat Felber)

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«Techno und Ländler liegen sehr nah beieinander»

Elektronisch bearbeitete Alltagsgeräusche gemeinsam mit Elementen der Ländlermusik zu einem neuen Hörerlebnis verschmelzen: Dies will der Kontrabassist und Komponist Pirmin Huber für sein neues Projekt erarbeiten und realisieren. Der «Get Going!»-Beitrag unterstützt ihn bei seinem Vorhaben. Gastbeitrag/Interview von Rudolf Amstutz

Pirmin Huber: «Techno und Ländler liegen sehr nah beieinander»

Der Schwyzer Komponist und Kontrabassist Pirmin Huber. (Foto: Arthur Häberli)

Der Schwyzer Komponist und Kontrabassist Pirmin Huber experimentiert seit dem Abschluss seines Jazzstudiums (Schwerpunkt Komposition) an der Hochschule Luzern mit neuen Möglichkeiten, Schweizer Volksmusik mit anderen Genres zu neuen Sounds zu verbinden. Ob als Solist oder als Mitglied des «Ländlerorchesters», bei «Stereokulisse», «Ambäck» oder in der Formation «Gläuffig»: Huber kartographiert die Volksmusik neu und verbrüdert sie mit Techno, Jazz, Klassik oder Elektronik. Nun will Huber mit Hilfe elektronisch manipulierter Alltagsgeräusche und den volksmusikalischen Klängen seines Kontrabasses und anderer von ihm gespielten Instrument eine Art «field recording»-Forschung betreiben. Das Ganze soll in ein Werk münden, das unsere Hörgewohnheiten herausfordert und so die Welt in dieser aussergewöhnlichen Zeit widerspiegelt.

Pirmin Huber, wie ist die Idee zu diesem Projekt entstanden?
Pirmin Huber: Ich komme ursprünglich aus der Volksmusik, also aus der akustischen Musik, und bin immer mehr in die elektronische Musik hineingerutscht. Durch das Tüfteln mit neuen Aufnahmetechniken sind mir Ideen gekommen, die ich weiterentwickeln möchte. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und wir hatten dort auch eine Schreinerei. Die Geräusche der Säge wie alle anderen Klänge faszinierten mich und ich versuchte schon damals, sie mit meinen Musikinstrumenten nachzuspielen. Bei meinem «Get Going!»-Projekt gehe ich von den Klängen aus, die ich mit meinen Instrumenten, Kontrabass, Schwyzerörgeli, Gitarre, Klavier oder Glarner Zither schaffen kann und verbinde sie mit gesampleten Alltagsgeräuschen, die ich mit Hilfe der Elektronik verfremde. Seit meiner Jugend verfolgt mich die Frage: Wie lässt sich aus diesen Klängen Musik machen? Jetzt kann ich mir einige Tools leisten und erhalte damit die Möglichkeit, mich mit dem Projekt eingehend zu beschäftigen.

Was entsteht dabei zuerst? Die Klangsammlung und danach die Komposition oder ist es umgekehrt?
Es ist ein sowohl als auch, ein Miteinander beider Dinge. Bei der Arbeit eröffnen sich immer neue Möglichkeiten. Es ist ein Prozess. Es ist mir wichtig, dass ich mit meiner Musik eine ganz bestimmte Stimmung erzeuge. Das fertige Werk wird aus mehreren Stücken bestehen, die ineinanderfliessen oder zumindest aufeinander Bezug nehmen. Man könnte es als eine Art Suite bezeichnen.

Sie wandeln mit einer Leichtigkeit durch verschiedene Stile. Als Bassist sind Sie stets der Pulsgeber. Lassen sich aus dieser Position Verwandtschaften oder Schnittstellen ausmachen zwischen Volksmusik, Klassik, Jazz, Pop, Rock oder Techno?
Das kann sein. Auf jeden Fall liegen Techno und Ländler sehr nah beieinander. Dies mag von aussen schwer nachvollziehbar sein (lacht), aber die Energie, die beim Spielen entsteht, ist sowohl bei Techno wie bei der Ländlermusik, die ja auch Tanzmusik ist, dieselbe. Ich glaube, man muss erstmal beides gespielt haben, um diese Gemeinsamkeit zu erfahren. Ich versuche denn auch in meinem Projekt eine Art modernen Ländler mit Elektronik und Grooves zu schaffen.

Natur und Urbanität: Sind diese Reibungspunkte für Sie notwendige Inspiration?
Ich brauche beides. Sobald das eine nicht mehr da ist, fehlt mir etwas. Deshalb ist es wohl auch logisch, dass ich diese Pole zusammenfügen möchte. Ich habe seit längerer Zeit drei Standbeine: Volksmusik, zeitgenössische Musik und Techno. In meiner Empfindung sind sie aber eins.

Der «Get Going!»-Beitrag ist als Anstossfinanzierung gedacht und befreit von einem Resultat. Was halten Sie von diesem Fördermodell?
Ich finde es grossartig! Die so gewonnene Freiheit gibt einem Ansporn, etwas Grösseres dann wirklich auch durchziehen zu können. Die Idee für mein Projekt hatte ich ja schon seit Längerem, aber dann kamen immer wieder Dinge dazwischen. Und vieles hängt letztlich daran, ob man ein solches Projekt finanziell stemmen und auch stressfrei durchziehen kann. «Get Going!» erlaubt es mir, genau dies zu tun.

2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Unter dem Titel «Get Going!» werden kreative und künstlerische Prozesse finanziell angestossen, die sich ausserhalb der gängigen Kategorien befinden. In einer Porträtserie stellen wir jedes Jahr die Empfängerinnen und Empfänger dieser «Get Going!»-Beiträge vor.
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Marcel Oetiker: «Beim Reisen werde ich oft inspiriert» | mit VideoMarcel Oetiker: «Beim Reisen werde ich oft inspiriert» | mit Video Beim Zürcher Bahnhof Hardbrücke brausen Züge vorbei, kreischen in den Kurven, ächzen beim Anfahren und beim Bremsen. Doch Marcel Oetiker hat diesen Ort nicht als Treffpunkt gewählt, weil solche Geräusche manche Künstler zu kreativen Höhenflügen anregen. Weiterlesen
Neue Förderungsstrategie: «Wir wollen den Blick nach vorne richten»Neue Förderungsstrategie: «Wir wollen den Blick nach vorne richten» Die FONDATION SUISA verstärkt ihr Engagement in der Förderung von Musik in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein: Jährlich sollen unter dem Titel «Get Going!» vier musikalische Projekte angestossen und mit «Carte Blanche» alle zwei Jahre ein grösserer Werkbeitrag gesprochen werden. Weiterlesen
«Ab is Wälschland» ans Eidgenössische Volksmusikfest«Ab is Wälschland» ans Eidgenössische Volksmusikfest Im Mai 2019 trafen sich fünf junge Volksmusikanten unter der Leitung von Dani Häusler in Crans-Montana, um eine Hymne für das Eidgenössische Volksmusikfest 2019 zu komponieren. Das von der SUISA initiierte und in Zusammenarbeit mit dem Organisationskomitee des EVMF durchgeführte Komponierwochenende war ein voller Erfolg. Weiterlesen
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Pirmin Huber: «Techno und Ländler liegen sehr nah beieinander»

Der Schwyzer Komponist und Kontrabassist Pirmin Huber. (Foto: Arthur Häberli)

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Der Klang des Berges

Dieses Jahr findet zum ersten Mal das Floating Notes Festival beim San Bernardino in Graubünden statt. Das Floating Notes steht im Zeichen von experimenteller Musik. Die Festivalmacher, Künstlerinnen und Künstler beschreiben in diesem Blogbeitrag, wie die einzigartige Landschaft die Musik und die Auftritte beeinflusst. Die SUISA ist Sponsoring-Partnerin des Festivals. Gastbeitrag von Elena Rotondi

Floating Notes Festival: Der Klang des Berges

Das Floating Notes Festival findet vom 23. bis 25. Juli 2021 in Mesocco beim San Bernardino statt. (Foto: Sebastiano Piattini)

Kety Fusco, Gründerin und Programmgestalterin des Floating Notes Festivals, hat eine sehr genaue Vorstellung davon, was der Herzschlag ihres Festivals sein wird: Die Künstler werden eine experimentelle und unveröffentlichte Klangforschung betreiben, die sich unter Berücksichtigung ihres eigenen künstlerischen und musikalischen Hintergrunds an den Ort der Aufführung anpasst und es unmöglich macht, den Inhalt der Aufführung von dem Ort zu lösen, an dem er entstanden ist. Aus diesem Grund wird das Floating Notes Festival ein völlig neuartiges Ereignis sein, denn Musik und Ort werden in einer einzigartigen Performance zusammengeführt.

Kety Fusco wird mit ihrer elektrischen Harfe die Eröffnungsnacht des Festivals an der Quelle des San Bernardino (GR) am Freitag, 23. Juli, eröffnen. Dies, so erzählt sie, soll ein Manifest der Idee sein, die hinter dem Festival steht: das Bedürfnis, die Ästhetik und die Geschichte des San Bernardino zu vereinen, einen Ort wiederzubeleben, der historisch gesehen schon immer ein Anziehungspunkt für internationale Reisende war und der auch heute noch – dank der unberührten Schönheit, die man an einigen Stellen trifft – viele Besucher anzieht. All dies mit Blick auf die Zukunft, durch die stimmungsvolle, innovative und experimentelle Musik, die diese Umgebung bevölkern und sie mit einer neuen Bedeutung füllen wird.

Die Künstlerinnen und Künstler im Programm wurden gefragt, wie ihr kreativer Prozess ihre Vorbereitung auf das Festival und ihre Performance auf der Bühne steuert. Camilla Sparksss, die am Abend in der Fonte Minerale auftritt, erzählt uns, wie sie eigens für das Floating Notes Festival mit einem Live-Set experimentiert: «Es entstehen Klänge, die meiner Meinung nach dem Klang des Berges in seiner Erhabenheit, mit seinen Echos und seinen Gefahren sehr nahe kommen. Es wird eine Performance sein, die für jemanden sehr experimentell scheinen könnte. Aber man muss einfach die Augen schliessen und sich sich eine Reise ins Innere der Felsen vorstellen, um sich eins mit den Bergen zu fühlen.»

Interessant ist auch, wie der junge Musiker Adriano Koch, der den Abend des Freitags, 23. Juli, beschließen wird, seinen Auftritt mit dem Ort verknüpft, an dem er auftritt: «Es ist immer wieder motivierend zu sehen, wie ein Ort die Energie und die künstlerische Botschaft eines Songs verändern kann. Deshalb ist es für mich wichtig, eine Aufführung aufzunehmen, um diesen speziellen Moment, der nie wieder da sein wird, festzuhalten.»

Dieses Festival in Graubünden könnte nicht ohne die Anwesenheit des Pioniers der Instrumental- und Klangforschung weitergehen: Am nächsten Tag, dem Samstag, 24. Juli, wird Simon Berz auf dem San-Bernardino-Pass eine Live-Performance mit Steinen spielen. Der Musiker erklärt: «Ich habe mein Instrument Tectonic aus vulkanischen Klangsteinen gebaut, die ich in Island gefunden habe. Die Steine werden nun in einem anderen ‹Steinraum› spielen, dem in San Bernardino.»

Das Floating Notes Festival zeichnet sich auch durch eine Veranstaltung aus, die Musik und Körper miteinander verbindet: eine geführte Meditation von Keri Gonzato, die von der Musik von Federica Furlani, alias Effe Effe, ab Tonträger begleitet wird. Eine Klanglandschaft, wie geschaffen für die Meditation auf mehr als 2000 Metern Höhe.

Am Samstag, den 24. Juli, wird der Soundtrack des Festivals uraufgeführt. Dieser wurde bei der Tessiner Musikerin Chiara Dubey in Auftrag gegeben. Sie beschreibt den kreativen Prozess ihrer Komposition wie folgt: «Am Anfang stand die Idee, dass ich mich wahrscheinlich von den Klängen der natürlichen Elemente inspirieren lassen würde, in die ich nach meiner Ankunft in San Bernardino eintauchen würde. Zum Beispiel vom Rascheln der Tannenbäume oder dem Plätschern des Wassers. Da dieses Konzert mein erster Vorgeschmack auf die Berge nach einem seltsamen Jahr gemeinsamer Einsamkeit und ohrenbetäubender Stille ist, beschloss ich für dieses Stück, nach innen zu schauen: Ich lauschte meinen Gedanken und es war, als würde ich nach langer Zeit einen alten Freund wiederfinden. Ich bin sicher, dass ich nicht die Einzige war, der diese Erfahrung gemacht hat. Und ich hoffe, dass es sowohl für mich als auch für alle Anwesenden befreiend sein wird, diesen Song, ‘Stranger’, in der Nacht des Festivals donnern zu lassen, auch weil unsere Bühne von einer spektakulären Berglandschaft umgeben sein wird, von einer rohen, natürlichen, freien Schönheit».

Den Abschluss des Samstagabends bildem Peter Kernel, ein bekanntes Tessiner Duo, das sich in einem ungewöhnlichen Kontext und mit einem ebenso ungewöhnlichen Auftritt am Festival sein wird. So werden Aris Bassetti und Barbara Lehnhoff nicht als typische Rockband auftreten, sondern ein exklusives DJ-Set vorbereiten, das aus Musik aus der Vergangenheit besteht und in die Zukunft führt, so dass sie in den Furchen der umliegenden Berge am besten widerhallt: «Für uns ist es zentral, eine gewisse Verbindung mit dem Publikum herzustellen; wir müssen uns verstehen, um ein unvergessliches Erlebnis zu schaffen. Für Floating Notes haben wir uns entschieden, etwas Exklusives zu machen, etwas, das wir sonst nie machen. Wir werden kein normales Konzert spielen, sondern ein experimentelles DJ-Set. Wir werden Musik spielen, die irgendwie gut in den Kontext von Bergen und frischer Luft passt; und wir werden versuchen, sie auf unsere eigene Art zu mischen.»

Das Floating Notes Festival findet vom 23. bis 25. Juli 2021 in Mesocco (GR) beim San Bernardino statt. Auftreten werden die Schweizer Künstlerinnen und Künstler Kety Fusco, Camilla Sparksss, Chiara Dubey, Leoni Leoni, Peter Kernel und Adriano Koch, die Italienerin Federica Furlani (Effe Effe) sowie der Musiker Simon Berz. Zudem gibt es eine geführte Meditation mit Keri Gonzato. Weitere Informationen findet man unter www.facebook.com/floatingnotesfestival.
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Dieses Jahr findet zum ersten Mal das Floating Notes Festival beim San Bernardino in Graubünden statt. Das Floating Notes steht im Zeichen von experimenteller Musik. Die Festivalmacher, Künstlerinnen und Künstler beschreiben in diesem Blogbeitrag, wie die einzigartige Landschaft die Musik und die Auftritte beeinflusst. Die SUISA ist Sponsoring-Partnerin des Festivals. Gastbeitrag von Elena Rotondi

Floating Notes Festival: Der Klang des Berges

Das Floating Notes Festival findet vom 23. bis 25. Juli 2021 in Mesocco beim San Bernardino statt. (Foto: Sebastiano Piattini)

Kety Fusco, Gründerin und Programmgestalterin des Floating Notes Festivals, hat eine sehr genaue Vorstellung davon, was der Herzschlag ihres Festivals sein wird: Die Künstler werden eine experimentelle und unveröffentlichte Klangforschung betreiben, die sich unter Berücksichtigung ihres eigenen künstlerischen und musikalischen Hintergrunds an den Ort der Aufführung anpasst und es unmöglich macht, den Inhalt der Aufführung von dem Ort zu…Weiterlesen

«Get Going!» geht in die vierte Runde

Seit 2018 ist «Get Going!» fester Bestandteil des Förder-Portfolios der FONDATION SUISA. Nun geht die Anstossfinanzierung, die innovative Kreativansätze ausserhalb der gängigen Schubladen fördert, in die vierte Runde. Text von FONDATION SUISA

Fondation Suisa: «Get Going!» geht in die vierte Runde

Die letztjährigen Empfänger/-innen von «Get Going!» (von oben links im Uhrzeigersinn): Isandro Ojeda-García, OY, Réka Csiszér, Pirmin Huber. (Fotos: Caio Licínio; Sash Seurat Samson; Romina Kalsi; Gian Marco Castelberg)

Als «Get Going!» 2018 erstmals ausgeschrieben wurde, war dies «ein Schuss ins Blaue», sagt Urs Schnell, Direktor der FONDATION SUISA. Es sei damals darum gegangen, den Blick nach vorne zu richten. «Statt einem Künstler, einer Künstlerin im Nachhinein mithilfe eines Preises auf die Schulter zu klopfen, investieren wir nun das uns zur Verfügung stehende Geld stärker in die Zukunft.»

Dreimal wurden bislang je vier «Get Going!»-Beiträge zu je Fr. 25 000.— vergeben. Das ungebrochene Interesse an diesem Förderbeitrag unterstreicht die sich in vielen Belangen veränderten Bedingungen der Musikschaffenden. Da die Anstossfinanzierung nicht an ein Resultat gebunden ist, ermöglicht diese den Musikerinnen und Musikern, befreit von finanziellem und zeitlichem Druck arbeiten zu können. «Auf der einen Seite ist das Umfeld in den letzten Jahren immer hektischer geworden, auf der anderen liess die Pandemie viele in einem luftleeren Raum. Man kann es drehen wie man will, der Faktor Zeit ist ein in seiner Kostbarkeit nicht zu unterschätzendes Gut geworden», erklärt Schnell.

Bewerbungen für «Get Going!»-Beitrag bis 30. August 2021

«Get Going!» richtet sich an innovative und kreative Projekte, die im herkömmlichen Gesuchswesen zwischen Stuhl und Bank zu fallen drohen. Der FONDATION SUISA gehe es darum, sich mit «Get Going!» als Förderin auf die Künstlerinnen und Künstler zu zu bewegen, meint Schnell und fügt an: «Wir wollen das freie kreative Denken wieder in den Mittelpunkt rücken.»

Ab sofort können sich Urheberinnen und Urheber, Autorinnen und Autoren sowie Musikerinnen und Musiker, die einen deutlichen Bezug zum aktuellen schweizerischen oder liechtensteinischen Musikschaffen nachweisen können, erneut für einen «Get Going!»-Beitrag bewerben. Auch dieses Jahr werden wieder vier solche Anstossfinanzierungen in der Höhe von je Fr. 25 000.— durch eine Fachjury vergeben. Der Eingabeschluss ist der 30. August 2021.

Um die Möglichkeiten von «Get Going!» aufzuzeigen, werden auch dieses Jahr wieder im Laufe der nächsten Wochen sowohl auf der Website der FONDATION SUISA wie auch auf dem SUISAblog Porträts der Empfängerinnen und Empfänger der letztjährigen «Get Going!»-Beiträge veröffentlicht.

«Get Going!» auf der Website der FONDATION SUISA

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Seit 2018 ist «Get Going!» fester Bestandteil des Förder-Portfolios der FONDATION SUISA. Nun geht die Anstossfinanzierung, die innovative Kreativansätze ausserhalb der gängigen Schubladen fördert, in die vierte Runde. Text von FONDATION SUISA

Fondation Suisa: «Get Going!» geht in die vierte Runde

Die letztjährigen Empfänger/-innen von «Get Going!» (von oben links im Uhrzeigersinn): Isandro Ojeda-García, OY, Réka Csiszér, Pirmin Huber. (Fotos: Caio Licínio; Sash Seurat Samson; Romina Kalsi; Gian Marco Castelberg)

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Musikexport – quo vadis?

Covid-19, Digitalisierung, Klimakrise: Musikexport in aussergewöhnlichen Zeiten. Erfahrungen und Gedanken zum Thema von Marcel Kaufmann, verantwortlich für die Auslandpräsenz und die Export-Förderung bei der FONDATION SUISA.

Fondation Suisa: Musikexport – quo vadis?

Wird es ein Zurück in «normale» Zeiten wieder geben? Der Schweizer Gemeinschaftsstand an der jazzahead! Bremen 2019. (Foto: Marcel Kaufmann)

Seit der Internet-Revolution der 90er-Jahre hat sich die Wertschöpfung auf dem Musikmarkt zu einem grossen Teil in den Live-Bereich verschoben. Konzerte wurden für viele Musikerinnen zur wichtigsten Einnahmequelle. Als eine der Folgen entstanden zahlreiche Showcase-Events. Künstlerinnen und Künstler konnten sich in kurzen Live-Auftritten dem internationalen Fachpublikum präsentieren. Dies in der Hoffnung, von grösseren Clubs oder Festivals gebucht oder von international tätigen Agenturen unter Vertrag genommen zu werden. Zusammen mit verschiedenen Partnern fördert die FONDATION SUISA die Exportbemühungen der hiesigen Musikschaffenden. Seit vielen Jahren organisiert die Stiftung Schweizer Netzwerkplattformen an internationalen Messen und Events.

Doch dieses gut eingespielte System aus Reisen, Spielen und Händeschütteln wurde durch die Pandemie jäh zum Stillstand gebracht. Den Musikschaffenden brach quasi über Nacht ein Grossteil ihrer Erträge weg, und darüber hinaus auch gleich noch ihre Exportwege.

Was tun? Wie lässt sich diese Zeit überbrücken? Und was, wenn die von uns so geliebte «Normalität» gar nie mehr zurückkehrt?

Die FONDATION SUISA nahm letztes Jahr an zahlreichen Pilotprojekten teil, hat Chat-Tools getestet, Showcase-Videos per Stream gefördert und mit Veranstaltern über mögliche neue Förderansätze verhandelt. «Eine interessante Erfahrung», «eine willkommene Übergangslösung», aber sicher «kein Ersatz für eine Präsenzveranstaltung»: Dies unser Verdikt Ende 2020 – im Einklang mit einer breiten Masse aus Musikschaffenden und Veranstalterinnen.

«Networking über das Internet ist für viele noch recht ungewohnt.»

Die Pandemie brachte es mit sich, dass im Jahr 2020 praktisch alle physischen Musikmessen abgesagt wurden. Einige, wie die Midem oder die WOMEX, versuchten sich an einer virtuellen Version. Doch war damals die Planungsunsicherheit noch zu gross. Es war nicht daran zu denken, dass in naher Zukunft wieder Konzerte organisiert werden könnten. Entsprechend buchten Veranstalterinnen bei diesen Online-Events deutlich weniger Künstler als bei Präsenzveranstaltungen. Auch das Ambiente eines Live-Konzerts lässt sich nicht 1:1 digital nachempfinden. Und Networking über das Internet ist für viele noch recht ungewohnt.

Die jüngst virtuell über die Bühne gegangene jazzahead! in Bremen bestätigte zu grossen Teilen diese Erkenntnisse. Zwar liessen sich im Internet unter den Akkreditierten leichter Kontakte herstellen als auf einem berstend vollen Messegelände. Doch in der Absenz des Kollektiven entpuppte man sich bald einmal als Einzelkämpfer. Wie erfolgreich die Schweizer Präsenz an der grössten Jazzmesse der Welt dieses Jahr wirklich war, wird sich erst in einigen Wochen und nach Umfragen und Gesprächen eruieren lassen. Früher liess sich eine erste Bilanz bereits am letzten Messetag ziehen.

Die beiden Schweizer Live-Acts im offiziellen Showcase-Programm der jazzahead! wählten unterschiedliche Ansätze: Die Formation The True Harry Nulz trat in Bremen live auf vor einer Handvoll Journalistinnen und Journalisten, die zumindest nach jedem Stück applaudierten, was auch im Live-Stream zu hören war. Der Showcase des Luzia von Wyl Ensembles allerdings wurde ohne Publikum im Moods in Zürich vorproduziert und dann gestreamt. Die Stille zwischen den Stücken und fehlende Feedback hinterlassen Künstlerinnen und Künstler in einem luftleeren Raum.

«Wir müssen laufend neue Szenarien entwickeln, offen bleiben und die eigenen Eindrücke kritisch hinterfragen.»

Jetzt, da angesichts der Impfkampagnen endlich wieder Licht am Horizont auftaucht, wäre es ein Leichtes, in ein hoffnungsvolles Warten zu verfallen und die Online-Welt als reine Übergangslösung abzutun. Doch in einer Zeit, in der unsere ganze Arbeitswelt durch die Digitalisierung massgeblich verändert wird, stellen sich viele Fragen: Steckt vielleicht doch mehr Exportpotential in der Online-Welt als bisher angenommen? Können wir uns das alte «Normal» überhaupt noch leisten in Zeiten einer globalen Klimakrise, die jede Pandemie überdauern wird? Einer Krise, die Generationen von künftigen Musikschaffenden nachhaltig beeinflussen und sie vieler Möglichkeiten berauben könnte?

Noch gibt es keine abschliessenden Antworten auf all diese Fragen. Die wichtigsten Entwicklungen passieren nicht online, sondern in unseren Köpfen. Und diese Entwicklungen brauchen mehr Zeit als die technologischen. Bis dahin müssen wir laufend neue Szenarien entwickeln, offen bleiben und die eigenen Eindrücke kritisch hinterfragen. Das Wichtigste dabei: den Musikschaffenden zuhören. Denn deren Kunst muss auch in Zukunft ihren Weg über die Landesgrenzen hinausfinden können. Für sie wird die FONDATION SUISA die Entwicklungen im Musikexport weiterhin aktiv mitverfolgen und mitgestalten.

Neue Get Going!-Ausschreibung
Zum vierten Mal wird die FONDATION SUISA Ende Juni / Anfang Juli Get Going!-Beiträge ausschreiben. Mehr Informationen über die Anstossfinanzierungen für aussergewöhnliche Projekte finden Sie zeitgerecht auf der Stiftungs-Website: www.fondation-suisa.ch
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«Komponistinnen und Komponisten sind eigentlich immer wieder Anfänger» | mit Video

Christian Henking bezieht sich in seiner Komposition für das Projekt «Schweizer Beethoven-Reflexionen» auf die Melodie des von Beethoven verwendeten Schweizer Liedes. In seinen sechs Variationen setzt er jeweils unterschiedliche Prinzipien ein. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Manu Leuenberger

Christian Henking hat durchaus Respekt vor Ludwig van Beethoven, «diesem Monument, diesem Granitfels in der Musikgeschichte». «Er ist mir immer wieder ein Lehrmeister, unabhängig von der Ästhetik; fantastisch, was er formal geleistet hat.» Umso mehr haben ihn Beethovens «Variationen über ein Schweizerlied» irritiert, wie er im Gespräch von Ende Januar 2020 erklärt. «Ich begreife sie ehrlich gesagt nicht, dachte, sie könnten nicht von Beethoven sein.»

Da der Komponist aus Biel und Bern keinen Zugang zu diesen Variationen fand, befasste er sich genauer mit dem ursprünglichen Lied, «Es hätt e Bur es Töchterli». Aber auch das sei an sich merkwürdig, er finde die Melodie komisch für ein Volkslied, es fehle ihm auch die Eleganz des «Guggisbergliedes». «Zugleich hat es aber die unglaubliche Spannung des grossen tonalen Umfangs. Auch das Geradlinige, Pulsartige ist interessant; es gibt nicht wirklich einen Rhythmus, nur diese Viertel, die ‹herumhängen›. Das Lied hat deshalb eine gewisse Leere und bietet damit auch eine Offenheit.» Deshalb entschloss sich Christian Henking dazu, sich für seine Komposition auf die Melodie des Volksliedes zu beziehen. Dann hat er «wie Beethoven, aber eher zufällig» ebenfalls sechs Variationen geschrieben.

Christian Henking erklärt, dass er diese Melodie zunächst analysiert und dann in einzelne Abschnitte zerschnitten habe. «In meinen ersten vier Variationen betrachte ich gewissermassen einzelne Abschnitte des Lieds. Die letzten zwei beziehen sich auf das ganze Lied.» Er sei also ganz beim Material – oder ganz nicht beim Material geblieben: «In der zweiten Variation vermeide ich bei der Suche nach dieser Variation gerade alle Töne, die im Originalstück vorkommen.»

Der Grundansatz war, bei jeder Variation eine andere Arbeitsweise beziehungsweise unterschiedliche Prinzipien anzuwenden. Das Konzept hat sich mit dem Komponieren konkretisiert und weiterentwickelt. «Ich wusste, dass ich Miniaturen komponieren will, kurze Variationen-Sätze. Zuerst habe ich die 5. Variation geschrieben. Dann wurde mir klar, dass ich nicht so maschinell anfangen will, also machte ich vorher etwas sehr Freies als Gegenstück. So hat sich das eine auf das andere ausgewirkt. Und aus solchen Bedingtheiten haben sich viele Zusammenhänge ergeben.»

Christian Henking arbeitet sehr häufig am Schreibtisch, komponiert im Kopf. Um die Phantasie anzuregen, spielt er aber oft Klavier oder Cello. «Übers Improvisieren kommen mir oft Ideen, ganz naiv. Das ist meine altmodische Ader; ich bin beim Komponieren wirklich weit weg vom Computer, ich schreibe ja von Hand ins Notenblatt.» Dazu gehört auch, dass er sämtliche Instrumente seiner Partituren auch einmal selbst spielt. «Ich mag es, wenn ich das Instrument in den Fingern habe. Nicht um es zu hören – ich bin ja Pianist, nicht Streicher –, sondern um als Laie die Griffe, Klänge und Bogenstellungen selber zu spielen. Das Haptische hilft mir komischerweise beim Komponieren, auch wenn es nicht nötig wäre; es gibt mir eine Art von Boden.»

Die Kombination von Streichtrio mit Flöte wählte Christian Henking zum einen, weil er eine kleine Besetzung wollte, damit nicht jemand dirigieren müsse. Vor allem findet er aber diese Besetzung faszinierend. «Ich habe einen nahen Bezug zum Streichtrio an sich. Und dann kommt noch die Flöte als eine Art Aussenseiterin, die sich mit dem Klang des Trios verschmelzt.»

Man darf nicht eine «typische Henking-Komposition» erwarten. Er versteht es als «die Aufgabe von Komponistinnen und Komponisten, dass wir jedes Stück als neu betrachten, wir sind eigentlich immer wieder Anfänger». Christian Henking hat sogar bei jeder seiner Variationen innerhalb des Stücks bei null angefangen und bewusst mit unterschiedlichen Ansätzen und Techniken gearbeitet: «Das macht die Vielfalt des Komponierens aus». Bei null anzufangen, bedeute aber auch, vor einem Berg mit Möglichkeiten zu stehen. Angesichts der vielen Freiheiten müsse man reflektieren. Er sieht denn auch die Gefahr, dass man ein Mittel oder eine Methode zu schnell einsetzt, weil es an einer Stelle funktioniert und sich sonst schon bewährt hat. «Die Routine ist eine Gefahr, und dagegen kämpfe ich bei jeder Note an.»

Beim Gespräch von Ende Januar 2020 war der Kompositionsprozess weitgehend abgeschlossen. «Alles liegt nun da», erklärt Christian Henking und zeigt auf unzählige Notenblätter. «Ich denke nun nochmals über alles nach, so dass es noch zu Korrekturen und anderen Veränderungen kommen kann.» Dann aber steht die Komposition bis ins Detail fest. Im Unterschied zu anderen Werken gewährt Christian Henking den Interpreten hier keine Freiheiten.

Christian Henking wurde 1961 in Basel geboren. Am Konservatorium Bern studierte er Musiktheorie bei Theo Hirsbrunner und liess sich von Ewald Körner zum Kapellmeister ausbilden. Danach studierte er Komposition bei Cristobal Halffter und Edison Denisov, in Meisterkursen bei Wolfgang Rihm und Heinz Holliger. Diverse Auszeichnungen, u.a. Kulturpreis der Bürgi-Willert-Stiftung (2000), Anerkennungspreis des Kantons Bern (2002) und Musikpreis des Kantons Bern (2016). Er ist Dozent an der Hochschule der Künste Bern für Komposition, theoretische Fächer und Kammermusik. www.christianhenking.ch
Schweizer Beethoven-Reflexionen: Ein Projekt von Murten Classics und der SUISA zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven hatte nur wenig mit der Schweiz zu tun. Aber er hat «Sechs Variationen über ein Schweizerlied» geschrieben, bei dem es sich um das Volkslied «Es hätt e Bur es Töchterli» handelt. Dies ist der Ausgangspunkt für Kompositionsaufträge, die die Sommerfestspiele Murten Classics zusammen mit der SUISA an acht Schweizer Komponistinnen und Komponisten verschiedener Generationen, Ästhetik und Herkunft vergeben haben.

Oscar Bianchi, Xavier Dayer, Fortunat Frölich, Aglaja Graf, Christian Henking, Alfred Schweizer, Marina Sobyanina und Katharina Weber konnten sich auf die Variationen, auf das von Beethoven verwendete Volkslied selbst oder auf Beethoven im Allgemeinen beziehen. Die Kompositionen wurden für das Ensemble Paul Klee geschrieben, das folgende Maximalbesetzung erlaubt: Flöte (auch Piccolo, G- oder Bassflöte), Klarinette (in B oder A), Violine, Viola, Cello, Kontrabass und Klavier.

Initiant dieses 2019 begonnenen Projekts ist Kaspar Zehnder, der während 22 Jahren künstlerischer Leiter von Murten Classics war. Wegen der Corona-Krise und den von den Behörden verordneten Massnahmen war die Durchführung sowohl der 32. Ausgabe im August 2020 als auch des vorgesehenen Ersatzfestivals in den anschliessenden Wintermonaten nicht möglich. Der «SUISA-Tag» mit den acht Kompositionen dieses Projekts wurde – ohne Publikum – am 28. Januar 2021 im KiB Murten dennoch aufgeführt und aufgezeichnet. Die Aufnahmen sind bei Radio SRF 2 Kultur in der Sendung «Neue Musik im Konzert» (5. Mai 2021, 21 Uhr) zu hören und werden auf der Plattform Neo.mx3 erscheinen. Im SUISAblog und auf den Social Media-Kanälen der SUISA wird das Projekt mit multimedialen Beiträge online dokumentiert.

www.murtenclassics.ch

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«Wir wollen, dass die Motoren weiterlaufen»

Mit «Keep Going!» erweitert die FONDATION SUISA temporär ihr Förder-Portfolio. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA Keep Going!

«Keep Going!» soll es der Schweizer Musikszene in Krisenzeiten ermöglichen, ihre Tätigkeit weiter aufrecht zu erhalten. (Bild: FONDATION SUISA)

Die FONDATION SUISA fördert Projekte mit Bezug zum aktuellen schweizerischen und liechtensteinischen Musikschaffen, explizit die Kreation und die Verbreitung von Repertoire. «Das ist unser Stiftungszweck und an ihn sind wir gebunden», erklärt Stiftungsdirektor Urs Schnell und fügt an: «Aber wir überprüfen laufend unser Portfolio und erweitern es gegebenenfalls mit neuen Programmen.»

Für Schnell ist klar, dass sich durch die Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns, der Alltag der Schweizer Musikschaffenden in den letzten Monaten dramatisch verschlechtert hat. «Als Stiftung mussten wir handeln», meint er und zeigt sich sichtlich erfreut, dass der Stiftungsrat rasch und unkompliziert einer Flexibilisierung der Förderprogramme im Rahmen des Stiftungszweckes zugestimmt hat.

«Keep Going!» heisst das zusätzlich angebotene, temporäre Fördermodell, das – darauf weist Schnell ausdrücklich hin – die bestehenden Angebote nicht ersetzt, sondern ergänzt. «Keep Going!» soll es der Schweizer Musikszene in Krisenzeiten ermöglichen, ihre Tätigkeit weiter aufrecht zu erhalten. «Wir sind überzeugt, dass auch in Zeiten, in denen die Kultur praktisch stillsteht, sich Musikschaffende neue Wege erarbeiten müssen, um ihre selbst gesteckten Ziele weiterhin erfüllen zu können», sagt Schnell. «Und dies betrifft sowohl die Erarbeitung neuer musikalischer Werke wie auch deren Verbreitung.» Letzteres wird unterstrichen durch die Tatsache, dass das neue Fördermodell nicht nur Einzelpersonen oder Gruppen vorenthalten ist, sondern auch Organisationen miteinschliesst.

«Keep Going!» soll gemäss Schnell die Musikschaffenden und -Organisationen genau an jener Stelle abholen, wo sie sich zurzeit gerade befinden und ihnen erlauben, sich den neuen Gegebenheiten bei Bedarf anzupassen: «Mit dieser Förderung wollen wir dazu beitragen, dass der Motor bei bestehenden Projekten nicht ins Stottern gerät.»

Das «Aussergewöhnliche» oder das «Noch nie dagewesene» – Faktoren, die beim vor drei Jahren eingeführten Fördermodell «Get Going!» eine wesentliche Rolle spielen – werden zwar nicht explizit ausgeschlossen, sind aber für «Keep Going!» nicht ausschlaggebend.

Mit «Keep Going!» unterstreicht die FONDATION SUISA ihr oberstes Anliegen, auch in ungewissen Zeiten und unter anspruchsvolleren Umständen die Entfaltung kreativer Ideen zu fördern und deren Umsetzung zu ermöglichen.

In einer ersten Tranche werden im April 10mal Fr. 5 000.– vergeben. «Danach sehen wir weiter», so Schnell. «Wir werden die Gesamtheit der eingegangenen Gesuche analysieren und daraus unsere Schlüsse ziehen.» Geplant ist, «Keep Going!» alle zwei Monate neu auszuschreiben.

Informationen zu «Keep Going» auf der Website der FONDATION SUISA:
www.fondation-suisa.ch/de/werkbeitraege/keep-going-2021/

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Helvetiarockt: Die SUISA unterstützt die Stimme der Musikerinnen in der Schweiz | mit VideoHelvetiarockt: Die SUISA unterstützt die Stimme der Musikerinnen in der Schweiz | mit Video Noch immer sind Frauen in der Musik, auf Bühnen und als Produzentinnen untervertreten. Aus diesem Grund setzt sich der Verein Helvetiarockt seit zehn Jahren für Frauen im Pop, Jazz und Rock in der Schweiz ein. Seit 2019 unterstützt die SUISA Helvetiarockt als Partnerin und war letzten August am «Female* Songwriting Camp» im Freiburger Fri-Son dabei. Weiterlesen
Absage eines Konzerts infolge von Covid-19: rechtliche FolgenAbsage eines Konzerts infolge von Covid-19: rechtliche Folgen Aufgrund des Coronavirus mussten und müssen Musikveranstaltungen leider abgesagt werden. Welche Folgen ergeben sich aus diesen Annullierungen für die Künstler und Konzertveranstalterinnen? Ist das vertraglich vereinbarte Honorar für die Künstler trotzdem geschuldet? Weiterlesen
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Mit «Keep Going!» erweitert die FONDATION SUISA temporär ihr Förder-Portfolio. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA Keep Going!

«Keep Going!» soll es der Schweizer Musikszene in Krisenzeiten ermöglichen, ihre Tätigkeit weiter aufrecht zu erhalten. (Bild: FONDATION SUISA)

Die FONDATION SUISA fördert Projekte mit Bezug zum aktuellen schweizerischen und liechtensteinischen Musikschaffen, explizit die Kreation und die Verbreitung von Repertoire. «Das ist unser Stiftungszweck und an ihn sind wir gebunden», erklärt Stiftungsdirektor Urs Schnell und fügt an: «Aber wir überprüfen laufend unser Portfolio und erweitern es gegebenenfalls mit neuen Programmen.»

Für Schnell ist klar, dass sich durch die Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns, der Alltag der Schweizer Musikschaffenden in den letzten Monaten dramatisch verschlechtert hat. «Als Stiftung mussten wir handeln», meint er und zeigt sich sichtlich erfreut, dass der Stiftungsrat rasch und unkompliziert einer Flexibilisierung der Förderprogramme im Rahmen…Weiterlesen

Julien-François Zbinden: eine aussergewöhnliche Persönlichkeit

Am 8. März 2021 verstarb der Schweizer Komponist und Jazzpianist Julien-François Zbinden im Alter von 103 Jahren. Julien-François Zbinden war von 1987 bis 1991 Präsident der SUISA. Nachruf von Xavier Dayer, Präsident der SUISA

Nachruf Julien-François Zbinden: eine aussergewöhnliche Persönlichkeit

Julien-François Zbinden in einer Aufnahme aus dem Jahr 2000. (Foto: Jean-Pierre Mathez)

Mit grosser Trauer haben wir vom Tod von Julien-François Zbinden erfahren. Unser Ehrenmitglied und ehemaliger Präsident (von 1987 bis 1991) hat uns im Alter von 103 Jahren verlassen. Wir alle werden seine funkelnden Blicke nie vergessen. Und auch sein 100. Geburtstag, den er mit seinen nächsten Freunden oberhalb von Lausanne feierte, ist noch in frischer Erinnerung. Welche Energie, welch aussergewöhnliche Persönlichkeit. Vor allen Gästen erhob er sich und hielt eine immer noch sehr präsidiale und geistreiche Rede.

Ja, Julien-François Zbinden hat die Schweizer Musik über viele Jahre mit Charme und grosser Überzeugung geprägt. Seine stilistische Offenheit zwischen Klassik und Jazz, die er so wunderbar verkörperte, und die intensive Schaffenskraft dieses Mannes, der ganz für die Musik lebte, sind legendär. Er kam mit vielen Grössen in Kontakt, unter anderem mit Francis Poulenc, Igor Strawinsky, Clara Haskil, Django Reinhardt & Stéphane Grappelli, Fernandel und Juliette Gréco.

Seine Präsidentschaft und seine Verlässlichkeit prägten die SUISA positiv. Wann immer er konnte, nahm er an unseren Generalversammlungen teil, und wenn er aus gesundheitlichen Gründen verhindert war, schrieb er uns eine Notiz voller Wertschätzung und Anerkennung. Denn er stammte aus einer Zeit, in der die Umgangsformen anderen Codes folgten als heute. Eine Zeit, die weit entfernt ist vom permanenten Informationsfluss und den multiplen Anforderungen, wie wir sie heute kennen.

Sich mit Julien-François Zbinden zu unterhalten bedeutete, das Rad der Zeit zurückzudrehen und in eine verlorene Dimension einzutauchen. Doch nie hörte man aus seinen Worten Nostalgie oder Verbitterung, ganz im Gegenteil: Der Flieger (mit Mitte fünfzig hatte er die Pilotenlizenz erworben!) liebte das Neue: neue Entdeckungen und neue Erfahrungen. Sein beispielloses Interesse faszinierte auch seine Gesprächspartner. So verstand er es, während seiner langen und glanzvollen Karriere bei Radio RSR, den Hörerinnen und Hörern die verschiedensten Musikgenres näherzubringen. Denn jegliche Abschottung lag ihm fern.

Diese Offenheit und seine Fähigkeit, Dialoge zu führen und Brücken zu schlagen ermöglichten es ihm, seine verschiedenen Präsidentschaften mit Bravour zu erfüllen (neben der SUISA war er von 1973 bis 1979 Präsident des Schweizerischen Tonkünstlervereins). Heute gibt es zahllose Hommagen an ihn, die höchst berechtigt sind, denn seine Präsenz, die ihm eigene Aufmerksamkeit und seine stimulierende Lebendigkeit werden der Schweizer Musiklandschaft fehlen.

Dank der Erinnerungen an den bereichernden Austausch mit ihm wird unser Ehrenmitglied uns noch lange erhalten bleiben.

Xavier Dayer

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  1. greg sagt:

    henry hubert accordeoniste et moi meme greg lewis pianiste rendont hommage a monsieur Zbinden en faisant aujourd hui notre adhesion a la suisa sincere amitiés a sa famille

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Am 8. März 2021 verstarb der Schweizer Komponist und Jazzpianist Julien-François Zbinden im Alter von 103 Jahren. Julien-François Zbinden war von 1987 bis 1991 Präsident der SUISA. Nachruf von Xavier Dayer, Präsident der SUISA

Nachruf Julien-François Zbinden: eine aussergewöhnliche Persönlichkeit

Julien-François Zbinden in einer Aufnahme aus dem Jahr 2000. (Foto: Jean-Pierre Mathez)

Mit grosser Trauer haben wir vom Tod von Julien-François Zbinden erfahren. Unser Ehrenmitglied und ehemaliger Präsident (von 1987 bis 1991) hat uns im Alter von 103 Jahren verlassen. Wir alle werden seine funkelnden Blicke nie vergessen. Und auch sein 100. Geburtstag, den er mit seinen nächsten Freunden oberhalb von Lausanne feierte, ist noch in frischer Erinnerung. Welche Energie, welch aussergewöhnliche Persönlichkeit. Vor allen Gästen erhob er sich und hielt eine immer noch sehr präsidiale und geistreiche Rede.

Ja, Julien-François Zbinden hat die Schweizer Musik über viele Jahre mit…Weiterlesen