Tagarchiv: Schweizer Musik

«Songs müssen für mich eine lyrische Tiefe haben»

Am 25. Mai 2022 wird an den Swiss Music Awards per Publikumsvoting auch der «Best Hit» für die beste Komposition ermittelt. Nominiert für die von der SUISA präsentierte Auszeichnung sind Zian, Joya Marleen und Lo & Leduc. Wir haben bei Zian und Henrik Amschler nachgefragt, welche Rolle der Text für den Song «Show You» spielt. Interview von Gastautor Markus Ganz

Zian und Henrik Amschler: «Songs müssen für mich eine lyrische Tiefe haben»

Zian (links) und Henrik Amschler. (Fotos: Jen Ries; Nina Müller)

Wie wichtig sind eurer Meinung nach die Lyrics für einen Song?

Zian: Für mich ist ganz klar: Die Lyrics sind entscheidend, ob ein Song sich länger halten kann oder nicht. Alle Songs, die über Jahrzehnte immer wieder angehört werden, sind Songs, die auch eine lyrische Tiefe haben. Deshalb sind Texte extrem wichtig. Kurzfristig mag ihre Bedeutung gleich gross wie die der Musik sein, was der Tantièmen-Aufteilung der SUISA entspricht. In längerer Hinsicht sind Texte aber wohl wichtiger, weil sie eine zusätzliche Ebene schaffen.

Ist die Musik bzw. der Sound also vergänglicher als ein guter Text?

Zian: Ich glaube, dass der Sound vor allem den Text unterstreicht. Wer zuhört, muss sich in einem Sound finden, der den Text unterstützt. Den alleinstehenden Text kann man zwar als Poesie verstehen, wenn es ein guter Text ist. Aber wir zielen ja darauf hin, in drei Minuten eine Geschichte zu erzählen, die vielleicht über mehrere Jahre passiert ist.
Henrik Amschler: Ich finde Vergänglichkeit nicht schlecht. Texte sind aber per se nicht so vergänglich wie Musik, die immer auch Trends folgt. Dies ist jedoch stark abhängig von den Künstlern und der Art ihrer Musik; in der Dancemusic etwa braucht es keine Tiefe in den Texten – sie soll zum Tanzen animieren. Bei Künstlern wie Zian ist es hingegen sehr wichtig, was sie in den Texten sagen, entsprechend sind die Songs weniger vergänglich.

Mit englischen Texten erweitert ihr den potentiellen Hörerkreis. Aber wären Mundarttexte nicht naheliegender beim Schreiben?

Henrik Amschler: Man darf nicht vergessen, dass sowohl der Schweizer Musikmarkt wie auch die Leute in der Schweiz allgemein stark international beeinflusst sind, vor allem vom englischen Sprachraum. Das heisst, bei gewissen Stilrichtungen kann man mit Texten in Englisch auf einer anderen Ebene starten, als dies mit Mundarttexten der Fall wäre. Viele Schweizer Künstler haben auch gezeigt, dass man zuerst im Ausland Erfolg haben muss, damit man in der Schweiz überhaupt wahrgenommen, auch ernstgenommen wird.

Habt ihr eine typische Vorgehensweise beim Schreiben von Songtexten?

Henrik Amschler: Tendenziell kann man schon sagen, dass wir ein Muster haben. Oft stellt mir Zian eine Idee vor und fragt nach meiner Meinung. Wenn ich begeistert bin, sage ich «Let’s go», sonst diskutieren wir weiter. Im Prozess bin ich dann aber eher für die musikalischen Aspekte zuständig. Zian steht immer im Mittelpunkt, denn der Text muss von ihm, aus seiner Persönlichkeit herauskommen.
Zian: Ja, denn er muss ehrlich sein.

Die Glaubwürdigkeit der Zian-Songs hängt also davon ab, dass man beim Hören spürt, dass Zian über etwas Persönliches singt?

Henrik Amschler: Die lyrische Absicht muss immer klar erkennbar von ihm kommen, deshalb ist er beim Text mehr involviert als ich; ich habe mehr eine stützende Funktion. Der Song «Show You» ist denn auch aus einer persönlichen Geschichte von Zian heraus entstanden, wie eigentlich alle unsere Lieder.

Was ist üblicherweise der Triggerpunkt für einen Text, für einen Song?

Beide: Das kann alles sein.
Zian: Oft ist es irgendeine Situation, und dann spürt man plötzlich, dass da etwas ist und dass man daran weiterarbeiten kann.
Henrik Amschler: Bei Zian merkt man auch beim Schreiben der Texte, dass er sehr musikalisch ist, er ist ja ein Multiinstrumentalist.
Zian: Es ist für mich vor allem eine starke Gefühlssache, da ist viel Herz dabei.
Henrik Amschler: Oft entscheidet auch, auf was wir gerade Lust haben, was gerade im Kopf ist und raus muss, in einen Text gefasst werden will, und dann machen wir die Musik dazu.
Zian: Oft kristallisiert sich dann ein Wort heraus, und wir spüren, in welcher Welt sich dieser Song befindet, das kann traurig sein und sich dann doch Richtung «happy» entwickeln.

Entwickelt ihr Musik und Text dann parallel weiter?

Zian: Ja, bis zu einem gewissen Punkt, wo es sich dann lohnt, den Text festzulegen, weil wir die Welt des Songs definiert haben; bis dahin ist ein Teil des Textes noch unverständliches «Mumble-Englisch».
Henrik Amschler: Ja, wenn wir die Rahmenbedingungen des Songs festgelegt haben, gehen wir tiefer in die Lyrics, und auch tiefer in die Produktion.

Müsst ihr Texte manchmal noch an eine fortgeschrittene Produktion anpassen?

Zian: Kaum, denn irgendwann ist der Text fertig; die Perfektion anstreben ist gut, aber erreichen kann man sie nicht. Er muss vor allem vom Gefühl her stimmen, und natürlich zur Musik passen, der Welt, die wir mit diesem Song geschaffen haben.
Henrik Amschler: Für mich ist klar: Ich priorisiere stets Zian mit seiner einzigartigen Stimme und seinen tiefgründigen Texten.
Zian: Man muss aber auch verstehen, dass wir uns im Popbereich bewegen, allzu komplex und abstrakt sollte der Text nicht werden – die Leute sollen ihn verstehen können. Je mehr Wörter man braucht, desto weniger Interpretationsspielraum haben die Leute beim Anhören.

«Show You»
Kompositon und Text: Tizian Hugenschmidt, Henrik Amschler.

www.zianmusic.com
www.henrik-hsa-amschler.ch

Swiss Music Awards: SUISA ehrt die Songwriter/innen des «Best Hit»
In der Kategorie «Best Hit» werden an den Swiss Music Awards jeweils die erfolgreichsten nationalen Songs der Schweizer Hitparade des Vorjahres nominiert und das Siegerlied wird während der TV-Show per Publikumsvoting ermittelt. Die SUISA ist dieses Jahr zum ersten Mal Presenting Partner des «Best Hit»-Award und stellt die Arbeit der Songwriterinnen, Songwriter, Textautorinnen und Textautoren des Siegersongs in den Vordergrund. 2022 sind in der Kategorie «Best Hit» die Songs «Show You», «Tribut» und «Nightmare» nominiert. (Text: Giorgio Tebaldi)
www.swissmusicawards.ch
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Zian und Henrik Amschler: «Songs müssen für mich eine lyrische Tiefe haben»

Zian (links) und Henrik Amschler. (Fotos: Jen Ries; Nina Müller)

Wie wichtig sind eurer Meinung nach die Lyrics für einen Song?

Zian: Für mich ist ganz klar: Die Lyrics sind entscheidend, ob ein Song sich länger halten kann oder nicht. Alle Songs, die über Jahrzehnte immer wieder angehört werden, sind Songs, die auch eine lyrische Tiefe haben. Deshalb sind Texte extrem wichtig. Kurzfristig mag ihre Bedeutung gleich gross wie die der Musik sein, was der…Weiterlesen

«Die Musik setzt den Text in einen Kontext»

Am 25. Mai 2022 wird an den Swiss Music Awards per Publikumsvoting auch der «Best Hit» für die beste Komposition ermittelt. Nominiert für die von der SUISA präsentierte Auszeichnung sind Lo & Leduc, Zian und Joya Marleen. Wir haben bei Lo & Leduc nachgefragt, welche Rolle der Text für den Song «Tribut» spielt. Interview von Gastautor Markus Ganz

Lo und Leduc: «Die Musik setzt den Text in einen Kontext»

Lo und Leduc. (Foto: Maximilian Lederer)

Wie wichtig sind eurer Meinung nach die Lyrics für einen Song?

Lo: Darüber kann man sich streiten. In unserem Fall sind sie aber wichtig; ich habe sicher ein grösseres Talent für Texte als für Gesang. Aus unserer Sicht ist Musikmachen mit schweizerdeutschen Texten grundsätzlich anspruchsvoller als mit englischen Texten, weil diese automatisch eine grössere Distanz zum Inhalt schaffen. Und mit Mundarttexten macht man Musik für ein vergleichsweise sehr kleines Publikum.
Leduc: Die Texte sind für uns das primäre Handwerk.

Habt ihr eine typische Vorgehensweise beim Schreiben der Songtexte?

Lo: Sehr unterschiedlich, es ist alles möglich. Meistens hat einer von uns eine Idee – das kann auch schon ein Refrain oder eine Melodie sein. Danach arbeiten wir teilweise einzeln, manchmal auch bereits zusammen. Spätestens gegen Schluss finalisieren wir alle Texte gemeinsam. Manchmal heisst das Feinschliff, manchmal aber auch: Wir schreiben die zweite Strophe und müssen dann die erste neu schreiben. Es gibt kein fixes Vorgehen, das Einzige, was sich eingebürgert hat, ist, dass ich ein Textarchiv führe und Luc ein Fotoarchiv.
Leduc: Es ist fast schon krankhaft, wie ich versuche, unsere Momente zu kategorisieren, weil ich Struktur benötige, um innerhalb der Ordner denken und arbeiten zu können. Es ist oft sehr spannend, wenn man derart eine neue Idee beim anderen platzieren kann. Wichtig ist auch, dass wir eigene Perspektiven einbringen. Mit einem neuen Ansatz sammelt man nicht nur Einfälle, man filtert unbewusst auch die Einfälle heraus, die für das Lied in Frage kommen könnten. Dann lassen wir der Songidee jeweils Zeit, zu gären, und köcheln die Idee später zusammen ein.

Die Musik des Songs «Tribut» stammt vom Produzenten-Team Jugglerz. Wie lief die Zusammenarbeit ab, gerade auch die Abstimmung von Text und Musik?

Lo: Dieses Lied ist ein Spezialfall. Die Idee zum Text ist etwa zehn Jahre alt, blieb aber unvollendet und deshalb liegen. Als wir 2020/21 mit den Jugglerz zu arbeiten begannen, haben wir sehr viele Beats und Songskizzen von ihnen durchgehört und sind dabei auf ein Gitarrenriff gestossen, das uns gepackt hat: Das passt zu diesem uralten Text! Also haben wir ihn wieder hervorgenommen, umgeschrieben und an die Musik angepasst.

War diese alte Textfassung ohne Musik?

Lo: Nein, es gab bereits Musik dazu, und wir haben in den letzten zehn Jahren einige Male versucht, einen Song daraus zu machen, sind aber immer stecken geblieben.
Leduc: Es ist ein schönes Beispiel dafür, dass die Zeit für einen Song manchmal noch nicht reif ist. «Tribut» enthält nun die älteste Zeile des aktuellen Albums «Mercato», aber auch die neuste: Der Schluss des Refrains war der letzte Teil, den wir für das Album geschrieben haben, ein grosser Spagat also.

Wie klar war die Zusammenarbeit mit den Jugglerz definiert?

Leduc: Manchmal verwischt die Arbeitsteilung zwischen Musik und Text, hier aber haben wir klar vorgängige Versionen gezeigt und festgestellt, dass ihre Skizzen zu unseren passen. Und dann haben wir unseren Text an den neuen Beat von ihnen angepasst.

«Tribut» hat einen vielschichtigen Text darüber, was Songs ausdrücken können und was nicht. Was war der Ausgangspunkt der ursprünglichen Version?

Lo: Die Grundidee ist am Anfang der ersten Strophe zu finden: das Gefühl, ein Liebeslied zu schreiben im Wissen, dass man der Liebe damit nicht gerecht werden kann, dieser Widerspruch. Da heisst es «aber Liebi isch kes Lied»; dies öffnet die Welt für dieses Lied und endet, dass Musik eben doch ein Vehikel ist, um solche Gefühle einzufangen, aber nicht so direkt.
Leduc: Textlich war wirklich schon alles vorhanden in der sehr frühen Version. Mir haben dann den Aspekt der Musik noch verstärkt, dass sie eine Art Datenspeicher von Erinnerungen ist, sogar wenn keine Musik ertönt: Bei Vinyl oder Kassetten kann man sogar die Pausen zwischen den Songs erkennen und in das Gesamte einordnen.

Wie weit haben sich in der Entwicklung des Songs dann euer Text und die Musik der Jugglerz gegenseitig beeinflusst?

Lo: Zuerst haben wir die Tonart ihrer Beat-Skizze angepasst, die ein rund 30-sekündiger Loop ohne Arrangement war. Dann haben wir den Text angepasst und zusammen mit Jonas Lang im Studio das Arrangement festgelegt: die Längen von Strophe, Pre-Chorus etc. Danach mussten wir den Refraintext praktisch neu schreiben, weil der nicht mehr funktionierte. Den Text an die Musik anpassen mussten wir auch am Schluss nochmals, wo die Ursprungsversion der Beat-Skizze zu hören ist.
Leduc: Darin zeigt sich schön, dass die Erinnerung an diesen ursprünglichen Beat zum Song geführt hat.

Oft entwickelt ein Songtext erst mit der Musik seine Wirkung, seinen Sinn. Was trägt die Musik zur Wirkung des eigentlich selbsterklärenden Textes von «Tribut» bei?

Leduc: Sie setzt den Text in einen Kontext; ein schönes Beispiel ist der Moment, wo sie am Schluss bricht und zur Moll-Paralleltonart wechselt: Das Bekannte wechselt in eine Art Parallelwelt.
Lo: Ich glaube schon vorher. Die Stimmung ist nicht traurig, aber es liegt eine gewisse Wehmut in der Musik.
Leduc: Ja, ich habe das Gefühl, dass die sehr konsequente Trap-Ästhetik hilft, eine Art Gegenpol zu schaffen, eine Balance zu finden, damit daraus nicht ein nostalgisches Lied wird, was im Mundartpop viel zu häufig passiert.

«Tribut»
Komposition: Jonas Lang (DJ Jopez), Joachim Piehl (Sir Jai), Martin Willumeit (DJ Meska) (Produzenten-Team bekannt als Jugglerz).
Text: Lorenz Häberli (Lo), Luc Oggier (Leduc).

www.lo-leduc.ch

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Lo und Leduc. (Foto: Maximilian Lederer)

Wie wichtig sind eurer Meinung nach die Lyrics für einen Song?

Lo: Darüber kann man sich streiten. In unserem Fall sind sie aber wichtig; ich habe sicher ein grösseres Talent für Texte als für Gesang. Aus unserer Sicht ist Musikmachen mit schweizerdeutschen Texten grundsätzlich anspruchsvoller als mit englischen Texten, weil diese automatisch eine grössere Distanz zum Inhalt schaffen. Und mit Mundarttexten macht man Musik für ein vergleichsweise sehr kleines Publikum.
Leduc: Die Texte…Weiterlesen

«Wenn alles klar verständlich wäre, würde der Text langweilig»

Am 25. Mai 2022 wird an den Swiss Music Awards per Publikumsvoting auch der «Best Hit» für die beste Komposition ermittelt. Nominiert für die von der SUISA präsentierte Auszeichnung sind Joya Marleen, Lo & Leduc und Zian. Wir haben bei Joya Marleen und Thomas Fessler nachgefragt, welche Rolle der Text für den Song «Nightmare» spielt. Interview von Gastautor Markus Ganz

Swiss Music Awards: «Wenn alles klar verständlich wäre, würde der Text langweilig»

Joya Marleen und Thomas Fessler. (Fotos: Rouven Niedermaier; Emanuel Muhl)

Wie wichtig sind eurer Meinung nach die Lyrics für einen Song?

Joya Marleen: Mega wichtig, die Lyrics sind essentiell! Olivia Rodrigo etwa hat sehr schöne, aber auch direkte, krasse Lyrics geschrieben, wo alles zusammenpasst, auch Amy Winehouse hat mich mit der sehr persönlichen Ehrlichkeit ihrer Texte beeindruckt.
Thomas Fessler: Ja, die Lyrics sind sehr wichtig, das zeigt nicht zuletzt, dass ihr Tantièmen-Anteil bei der SUISA 50 Prozent beträgt, also gleich viel wie derjenige der Musik.

Habt ihr eine typische Vorgehensweise beim Schreiben der Songtexte?

Joya Marleen: Ich gehe gerne von Wörtern aus, die irgendwie gut tönen oder eine Idee vermitteln, wohin sich der Song entwickeln soll oder wie eine Geschichte aussieht. Dementsprechend habe ich dann vielleicht drei Wörter, die im Song vorkommen müssen und dazu kommen dann die Gefühle, die dazugehören. Daraus kann sich dann der Song bilden. Aber meistens schreibe ich zuerst die Melodie zu den drei Wörtern.
Thomas Fessler: In diesen Wörtern ist bereits die Stimmung des Songs enthalten. Der Rest ist zunächst «Joghurttext»: unverständlicher oder sinnloser Text für die Stellen, wo der Text noch nicht feststeht.

Der nominierte Song «Nightmare» (Albtraum) zeigt, wie wichtig ein einziges Wort sein kann und bereits viele Emotionen auslösen kann. Joya, brachte das Wort Nightmare die Initialzündung für den Text des gleichnamigen Songs?

Joya Marleen: Ja, zusammen mit «Hold on, hold on», das ergibt schon fast einen Seemanns-Vibe, ein Albtraum auf einem Schiff, diese Atmosphäre passt gut.

Entstand die Musik daraus, quasi aus dem Schaukeln dieser drei Worte?

Thomas Fessler: Joya hatte diesen Refrain, die Kombination dieser Wörter und der Melodie, in einer Vorversion mit dem Smartphone aufgenommen und mir geschickt. Und ich dachte, uh, das ist etwas Besonderes, daraus kann man einen tollen Song machen.
Joya Marleen: Zu Beginn hatte der Song einen starken Reggae-Einschlag …

… der immer noch leicht herauszuhören ist in der rhythmischen Betonung, im Schaukeln dieser drei Wörter …

Beide: Ja!

Joya, wusstest du schon beim Wort «Nightmare», um was es in diesem Song gehen soll? Oder hat sich der Sinn des Songs erst nach und nach entwickelt?

Joya Marleen: Ich wollte, dass aus diesem Wort eine bizarre Stimmung entsteht. Deshalb habe ich diese Person beschrieben, die auf einen Albtraum wartet, weil es ihr langweilig ist. Der Albtraum ist für sie essentiell im Leben, sie sucht eine toxische Herausforderung. Der Song klingt bizarr, ist aber eigentlich sehr melancholisch, trotz der gegensätzlichen Gesangsstelle «Hold on!», und dies erzeugt eine Spannung.

Entstand der Rest des Textes dann parallel zur Musik?

Thomas Fessler: Joya hat während der Musikaufnahme auch am Text gefeilt, hier auf dem Sofa des Regieraums – und ihn dann auf der Heimfahrt im Zug fertig geschrieben, so wie sie es jeweils macht … Der Text hat keine klare Storyline, schafft eher eine Stimmung, ist quirlig und frisch, etwas schräg und auch etwas chaotisch. Das ist auch gut so, denn wenn alles klar verständlich wäre, würde der Text langweilig. Man muss sich beim Zuhören noch etwas vorstellen können.

«Nightmare»
Komposition: Joya Marleen und Thomas Fessler.
Text: Joya Marleen.

www.joyamarleen.com
www.571.ch

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Wie wichtig sind eurer Meinung nach die Lyrics für einen Song?

Joya Marleen: Mega wichtig, die Lyrics sind essentiell! Olivia Rodrigo etwa hat sehr schöne, aber auch direkte, krasse Lyrics geschrieben, wo alles zusammenpasst, auch Amy Winehouse hat mich mit der sehr persönlichen Ehrlichkeit ihrer Texte beeindruckt.
Thomas Fessler: Ja, die Lyrics sind sehr wichtig, das zeigt nicht zuletzt, dass ihr Tantièmen-Anteil bei der SUISA 50 Prozent…Weiterlesen

Endo Anaconda forever!

Am 1. Februar 2022 verstarb der Poet, Komponist und Musiker Endo Anaconda. Der Sänger der Berner Mundart-Band Stiller Has war SUISA-Mitglied seit 1990. Nachruf von Gastautor Jürg Halter

Endo Anaconda forever!

Der Schriftsteller, Lyriker und Spoken Word Artist Jürg Halter gedenkt im Gastbeitrag seinem Freund Endo Anaconda. (Foto: Nina Rieben)

Da Endo gestorben, aber längst nicht tot ist, kann ich vom grössten Schweizer Mundartpoeten nur in Gegenwartsform schreiben – Endo Anaconda bleibt für immer so jung wie alterswild. Das Leben gestaltet sich zuweilen als Geisterbahn und Endo wirkt als beeindruckender Geisterwellenreiter – ebenso swingt er als hasenselig singender Dandy, Zigarette im Mundwinkel, unterwegs in seinem roten Cabriolet auf Never-Ending-Tour irgendwo zwischen Bern, Trub, Venedig, den Alabama Hills, Olten, Wien und Wallisellen.

Endo wirkt als tröstender Herzensalpinist wider das widrige Leben und das böse Alter. Er ist ein tänzelnder Störenfried, Endo stört den Betrieb leidenschaftlich, er rockt die Szene als genuin postpubertäre Betriebsstörung auf Stelzen. Endo ist ein höchst sensibler und aufmerksamer Mensch, der sich klug einmischt. Er merkt nicht nur, dass in unserer Gesellschaft vieles nicht stimmt, er kann es in Songtexten, Kolumnen und Gesprächen auch eigensinnig präzise und schmerzlich wahr benennen und poetisieren. Aber nie mit herablassenden, selbstherrlichen Gesten, denn er weiss, dass er, wie wir alle, Teil des Problems Menschheit ist. Endo hat ein historisches Bewusstsein für unsere Abgründe. Endo glänzt als Unangepasster inmitten von Angepassten. Er ist als Künstler unvergleichlich. Tom Waits, Jim Morrison, Neil Young, Bob Dylan, Biggie oder Leonard Cohen würden ihn um manch einen Songtext beneiden. Aber die Mundart ist auch ein Gefängnis – Bern ist überall? – Nein, danke.

Endos Poesie ist welthaltig reich, er lebt sie und sie lebt ihn. Bis zum Letzten. Seine Kunst, seine Poesie ist existenziell, im schönsten wie im selbstzerstörerischsten Sinne. Endos schwarzer Humor leuchtet in der Dunkelheit auf. Wie die Aare im Mondschein. Siehe da! Erzengel Endo, Erzendo. Immer zu wenig oder zu viel, aber nie genug.

Endo ist masslos. Liebend. Liebesbedürftig. Er liebt seine drei Kinder, er liebt die Frauen, er liebt die Menschen. Endo ist eine grosszügige, zärtliche, herzliche Umarmung. Hemmungslos. Endo lässt Verletzung zu, zeigt seine Wunden, ungefragt – schön verdorben. Endo ist ein humaner Einzelgänger. Ein Gewerkschafter. Ein crazy spottendes Chicken im Wolfsfell. Ein Widerspruch. Ein grantiger Kater. Ein Pfadfinder auf heissen Kohlen sitzend. Ein Landjäger. Ein lonely Cowboy gegen die Sonne reitend. Flüchtig wie ein Schmetterling. Flüchtig wie das Leben … bitte nicht!
Vielleicht würde Endo an dieser Stelle rufen: «Lacht doch mal! Lacht doch endlich! Ich will euch endlich lachen sehen!» Dann würde er höchstselbst in sein herzhaftes, rauchiges, fein ratterndes Lachen ausbrechen.

Ja! Seien wir dankbar verstört, poetisch beseelt, dass wir ihn unter uns wussten und wissen. Und weil einer wie Endo mehr als Applaus und Gedenkminuten verdient, sollten wir jetzt für ihn lachen, über uns lachen, für uns. Dem Tod zum Trotz, für das Leben lachen. Möge Endo nun irgendwo da draussen federleicht, neue und alte Melodien pfeifend, durchs Weltall fliegen. Das Weltall, indem wir Lebenden und Toten uns alle befinden und Suchende bleiben. Es gibt keinen Ausweg, weil das verdammte All ist überall. Mein Herz blutet – Endo Anaconda forever!

Der Poet, Komponist und Musiker Endo Anaconda wurde 1955 in Burgdorf als Andreas Flückiger geboren. Bekanntheit erlangte er vor allem als Sänger der Berner Band Stiller Has – nicht nur in der Schweiz sondern auch im nahen Ausland. Er wurde im Laufe seiner Karriere mit verschiedenen Schweizer und internationalen Auszeichnungen geehrt, wie dem Salzburger Stier (1995), dem Deutschen Kleinkunstpreis (1995) und dem Schweizer Musikpreis (2017).
Endo Anaconda hat zwölf Studio- und drei Live-Alben veröffentlicht und über 250 000 Tonträger verkauft.
Jürg Halter, geboren 1980 in Bern, Schriftsteller, Lyriker und Spoken Word Artist. Regelmäßig Auftritte in ganz Europa, in den U.S.A., in Afrika, Russland, Südamerika und Japan. Zahlreiche Buch- und CD-Veröffentlichungen. Zuletzt erschien der Gedichtband «Gemeinsame Sprache» (Dörlemann, 2021), indem auch das Endo Anaconda gewidmete Gedicht «Schwarze Tauben fliegen auf» zu finden ist.
www.juerghalter.com
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  1. Renate sagt:

    Ach Jürg… Du fehlst – mir – die Schweiz ist so leer ohne Dich.

  2. mark sagt:

    ach ist das schön, diesen nachruf zu lesen. so richtig wortgewandte sprachkünstler, die mit ihren volltreffern das herz des schreibgegenstandes wie auch das des lesenden frei legen, als sei es das einfachste der welt, sind leider selten heute. danke jürg halter.

  3. Daniel Blatter sagt:

    Dieses eigenartige Gefühl, wenn sich Lachen und Weinen hin und her wechseln, kurz innehalten, und nicht wissen, ob man erfreut oder traurig ist; Dieses endlich sich wieder spüren, widerfährt mir, beim Lesen dieses Textes, bei Auftritten von Jürg Halter und bei Liedern von Stiller Has. Zum Beispiel bei „Merci“ wo zu diesem beschriebenen Gefühl, noch Ekel und Wut auf den schweizerischen Zeitgeist hinzukommt. Danke den Poeten für die (liebevolle) Treffsicherheit auf unsere Herzen.

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Am 1. Februar 2022 verstarb der Poet, Komponist und Musiker Endo Anaconda. Der Sänger der Berner Mundart-Band Stiller Has war SUISA-Mitglied seit 1990. Nachruf von Gastautor Jürg Halter

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Der Schriftsteller, Lyriker und Spoken Word Artist Jürg Halter gedenkt im Gastbeitrag seinem Freund Endo Anaconda. (Foto: Nina Rieben)

Da Endo gestorben, aber längst nicht tot ist, kann ich vom grössten Schweizer Mundartpoeten nur in Gegenwartsform schreiben – Endo Anaconda bleibt für immer so jung wie alterswild. Das Leben gestaltet sich zuweilen als Geisterbahn und Endo wirkt als beeindruckender Geisterwellenreiter – ebenso swingt er als hasenselig singender Dandy, Zigarette im Mundwinkel, unterwegs in seinem roten Cabriolet auf Never-Ending-Tour irgendwo zwischen Bern, Trub, Venedig, den Alabama Hills, Olten, Wien und Wallisellen.

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«Musicians in Conversation»: Podcast von Helvetiarockt

Unter dem Titel «Musicians in Conversation» lancierte Helvetiarockt, die Schweizer Koordinationsstelle und Vernetzungsplattform für Musikerinnen im Jazz, Pop und Rock, im Dezember 2020 eine Podcast-Reihe. Ab Freitag, 7. Januar 2022, läuft die zweite Staffel. Im Zentrum steht das Sichtbarmachen von Vorbildern sowie die Vernetzung innerhalb der Schweizer Musikszene. Die SUISA ist Partnerin der neuen Podcast-Reihe. Text von Giorgio Tebaldi

«Musicians in Conversation»: Podcast von Helvetiarockt

In der ersten Episode des Helvetiarockt-Podcasts spricht die Musikerin und Tontechnikerin Anna Murphy über den kreativen Prozess beim Songwriting und ihren Weg zur Tontechnikerin – und ermuntert andere Frauen dazu, ebenfalls einen Weg in die Musikproduktion einzuschlagen. (Foto: Valentina Mahler)

Anna Murphy, La Nefera, Jessiquoi und Jasmin Albash – dies sind einige der weiblichen, non-binären, trans oder intersex Musiker/innen und DJs, die in der zweiten Staffel des Podcasts «Musicians in Conversation» von Helvetiarockt zu Wort kommen. Im Podcast wird über Musik im Allgemeinen, kreative Prozesse und Erfahrungen im Musikbusiness gesprochen. Mit diesem Angebot will Helvetiarockt für Musiker/innen eine Vielzahl an Vorbildern schaffen.

Die Podcast-Gäste und ihre Geschichten haben Vorbildcharakter und machen Mut. Sie zeigen auf, dass es verschiedene Wege und Möglichkeiten gibt, sich in der Musikwelt professionell zu bewegen, und dass niemand allein ist, der diesen Schritt wagen will. Der Podcast richtet sich allerdings nicht nur an aufstrebende Musiker/innen, sondern will grundsätzlich inspirieren und erlaubt allen – auch Nicht-Musiker/innen – einen Blick hinter die Kulissen des Musikbusiness.

Die Interviews führt die in Genf ansässige Londoner Musikerin, DJ und Journalistin Natalia Anderson. «Wir versuchen zu entmystifizieren und aufzuzeigen, wie unterschiedlich man sich in der Musik involvieren kann», wird Natalia Anderson in der Medienmitteilung von Helvetiarockt zitiert. «Mit dem Podcast machen wir unterrepräsentierte Gruppen in der Schweizer Musikszene sichtbar – in all ihren Facetten.»

Frauen in der Musikbranche

In der Schweizer Musikszene sind Frauen gegenüber den männlichen Kollegen in der Minderheit: Der Anteil Musikerinnen auf Schweizer Bühnen beträgt laut Helvetiarockt gerade mal 11%, in der Musikproduktion sind es mit 2% sogar noch weniger.

Dies widerspiegelt sich auch beim Anteil weiblicher SUISA-Mitglieder: Dieser beträgt aktuell 19 Prozent. Auch wenn die Tendenz leicht steigend ist – in den letzten Jahren lag der Frauenanteil bei den Neumitgliedern der SUISA jeweils bei 21% (2018, 2019) respektive 23% (2020) und zuletzt im 2021 bei 26% Prozent –, so gibt es in der Schweizer Musikbranche verglichen zum weiblichen Bevölkerungsanteil von über 50 Prozent aber nach wie vor ein Ungleichgewicht.

Der Podcast von Helvetiarockt will diesen (noch) kleineren Teil der Musikschaffenden sichtbar machen und aufstrebende Musiker/innen auf ihrem Weg ins Musikbusiness unterstützen und stärken.

Die SUISA ist Partnerin von Helvetiarockt

Die SUISA ist Partnerin für die zweite Staffel von «Musicians in Conversation». Sie unterstützt Helvetiarockt seit 2019 im Rahmen eines Sponsoring-Engagements finanziell und hinsichtlich Visibilität.

Die zweite Staffel des Podcasts läuft ab Freitag, 7. Januar 2022 und erscheint zweiwöchentlich. In der ersten Episode des Helvetiarockt-Podcasts spricht die Musikerin und Tontechnikerin Anna Murphy über den kreativen Prozess beim Songwriting und ihren Weg zur Tontechnikerin – und ermuntert andere Frauen dazu, ebenfalls einen Weg in die Musikproduktion einzuschlagen.

Die Podcasts «Musicians in Conversation» von Helvetiarockt findet ihr hier:
www.helvetiarockt.ch/podcasts

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Unter dem Titel «Musicians in Conversation» lancierte Helvetiarockt, die Schweizer Koordinationsstelle und Vernetzungsplattform für Musikerinnen im Jazz, Pop und Rock, im Dezember 2020 eine Podcast-Reihe. Ab Freitag, 7. Januar 2022, läuft die zweite Staffel. Im Zentrum steht das Sichtbarmachen von Vorbildern sowie die Vernetzung innerhalb der Schweizer Musikszene. Die SUISA ist Partnerin der neuen Podcast-Reihe. Text von Giorgio Tebaldi

«Musicians in Conversation»: Podcast von Helvetiarockt

In der ersten Episode des Helvetiarockt-Podcasts spricht die Musikerin und Tontechnikerin Anna Murphy über den kreativen Prozess beim Songwriting und ihren Weg zur Tontechnikerin – und ermuntert andere Frauen dazu, ebenfalls einen Weg in die Musikproduktion einzuschlagen. (Foto: Valentina Mahler)

Anna Murphy, La Nefera, Jessiquoi und Jasmin Albash – dies sind einige der weiblichen, non-binären, trans oder intersex Musiker/innen und DJs, die in der zweiten Staffel des Podcasts «Musicians in Conversation» von Helvetiarockt zu…Weiterlesen

Ein unscheinbares Medium, das mehr Beachtung verdient

Die Schweizer Musikzeitung ist weit mehr als ein Mitteilungsblatt schweizerischer Musikverbände. Sie hat sich zu einer anregenden Plattform entwickelt, auf der Genre-, Sprachen- und Regionen-übergreifend über musikalische Themen berichtet wird. Text von Gastautor Markus Ganz

Schweizer Musikzeitung: Ein unscheinbares Medium, das mehr Beachtung verdient

Die Schweizer Musikzeitung versteht sich als Plattform der vielfältigen Schweizer Musikszene. (Grafik: Hubert Neidhart / SMZ)

Seit bald 24 Jahren erscheint die Schweizer Musikzeitung (SMZ) – eine lange Zeit, in der sich die Medienwelt radikal verändert hat, Stichwort Internet. Da fragt sich: Warum braucht es diese Zeitung noch, die trotz Online-Präsenz neunmal jährlich auf Zeitungspapier gedruckt wird? Oder anders gefragt: Wie würde man die Notwendigkeit dieses Fachblatts begründen, wenn es noch nicht existieren würde und man ein solches Projekt lancieren wollte?

Katrin Spelinova, die die SMZ seit 2007 als Chefredaktorin leitet, zögert keinen Moment: «Es braucht in der Schweiz eine Stimme für die Musik, eine, die auch ausserhalb der Welt der Musik wahrgenommen wird.» Damit spielt sie darauf an, dass die Politik eine einzige Stimme der Musikverbände wünsche.

Solide Basis

Tatsächlich hängt die Gründung der SMZ mit dem Bundesamt für Kultur (BAK) zusammen. «1998 änderte das BAK seine Strategie und kürzte Musikverbänden finanzielle Beiträge», erklärt Katrin Spelinova. «Ein Argument war, die Musikverbände sollten doch ihre Zeitschriften zusammenlegen.» So geschah es. Mittlerweile ist die SMZ offizielles Mitteilungsorgan von 12, inklusive Unterorganisationen sogar von rund 30 Musikverbänden. Die SUISA ist mit der SMZ partnerschaftlich verbunden und nutzt den Publikationskanal, um ihre Themen in Zusammenhang mit Urheberrechten an Musik und der Genossenschaft zusätzlich zu streuen.

Katrin Spelinova betont, dass die SMZ keine Subventionen vom BAK erhalte. «Wir wurden aber von der Pro Helvetia unterstützt, als wir mit dem Relaunch 2013 auch den Online-Auftritt erneuerten. Sonst tragen uns die Verbände und das Inserategeschäft, das für uns sehr wichtig ist.» Die Art der Finanzierung durch die Verbände ist seit dem Relaunch 2013 gleichgeblieben. «Es ist ein zweistufiges Finanzierungsmodell. Die Verbände buchen jährlich ein Seitenpaket, das ihrem Bedarf entspricht, in der Regel fünf, neun oder 18 Seiten pro Jahr. Der zu zahlende Betrag richtet sich aber nicht nur nach der Anzahl dieser Seiten, sondern auch nach der Anzahl registrierter Abonnements der Verbandsmitglieder.» Wobei man sagen müsse, dass der Maximalpreis für ein solches Verbands-Jahresabo nur gerade fünf Franken betrage, was knapp das Porto decke. «Diese Einnahmen machen 25-30% unserer Gesamteinnahmen aus, der Rest kommt von Inseraten sowie den normalen Abos, die Fr. 70.- kosten.» Der Hauptteil der rund 18’500 Abos (WEMF 2021) geht an die Verbände.

Die rund 16 bis 20 Seiten der Verbände pro Ausgabe, die passend als «Basis» bezeichnet werden, sind kein Handicap für die Glaubwürdigkeit der SMZ. Einerseits sind sie grafisch klar abgegrenzt vom Mantelteil der Redaktion. Andererseits beinhalten sie nicht nur — naturgemäss oft eher trockene — Verbandsmitteilungen, sondern immer wieder auch spannende Artikel, etwa über die Tradition und Bedeutung der Musikkritik (Nr. 5/2021) oder den hinreissend beschriebenen «Don-Juan-Taumel: Russische Pianisten – Gendern nicht nötig – und die Paraphrasen über Mozart-Opern von Liszt» (Nr. 6/2021).

Schweizer Musikzeitung: Katrin Spelinova

Katrin Spelinova, Chefredaktorin der SMZ seit 2007. (Foto: SMZ)

Katrin Spelinova betont zudem: «Im von der Redaktion produzierten Mantelteil versuchen wir so unabhängig wie möglich zu sein.» Der Mantelteil ist selbsterklärend in die Bereiche «Focus», «Critiques», «Resonance», «Campus» und «Service» aufgeteilt. Das Filetstück der gedruckten Ausgabe ist der Themenschwerpunkt («Focus»), der online nicht publiziert wird. Hier kann man jeweils mehrere vertiefende Texte zu Themen wie «Hausmusik», «Portemonnaie», «Stimme», «Tiere», «Pause», «Corona», «Nebenfiguren» lesen.

Inhalt ohne Stilgrenzen

Zentral für den Inhalt ist die Ausrichtung auf das Zielpublikum. Katrin Spelinova: «Damit sind eindeutig die aktiv Musizierenden gemeint, ob Profis oder Amateure, ob aus Orchestern oder Bands, inklusive den Unterrichtenden und den Eltern von Musikschülern, auch Leute, die grundsätzlich an der Musik interessiert sind.» Entscheidend für die Themenwahl ist, dass die Schweizer Musikzeitung als Plattform der Schweizer Musikszene gedacht ist. «Wir berichten über alles, was die Musik in der Schweiz betrifft, sei es Unterricht, Vorführungen, Tonträger oder das Leben der Musikschaffenden – und zwar nicht das der Stars, das schon in anderen Medien abgehandelt wird. Wir möchten, dass die Leserschaft auch hinter die Kulissen sehen kann, dass sie Anstösse erhält, um ganz allgemein über die Musik nachzudenken.»

In den letzten Jahren wurde das stilistische Spektrum – und damit auch die Zielgruppe – zunehmend auf Jazz und Pop/Rock ausgeweitet. Katrin Spelinova will an dieser Erweiterung festhalten. «Es ist auch eine Erfahrung der Musikschulen, dass man mit dem Schubladendenken – der Einteilung in Klassik, Jazz, Pop/Rock, Weltmusik etc. – nicht weiterkommt, nicht zuletzt auch, weil sich die Stile vermischen.» Online mache man diese Unterteilung zwar noch, um den Zugriff zu vereinfachen. «Aber ich hoffe, dass dieses Schubladendenken dereinst wegfällt, dass man einfach nur noch über Musik und was dazugehört redet und schreibt.»

Katrin Spelinova bestätigt allerdings den Eindruck, dass die SMZ im Bereich klassischen Musikschaffens gut bekannt ist, in den Bereichen Pop/Rock und Jazzbereich aber deutlich weniger, trotz publizistischen Anstrengungen mit Stories aus diesen Bereichen. Sie ist aber optimistisch: «Durch die Fusion des Schweizerischen Tonkünstlervereins mit dem Verein Musikschaffende Schweiz und anderen Verbänden zu Sonart haben wir nun mehr Leserinnen und Leser aus diesem Bereich, und das wird sicher noch zunehmen.»

Das Zeitungsformat und die etwas brave und trockene Gestaltung sind aber ein Handicap bei einem eher jüngeren Publikumssegment, das sich vor allem im Internet bewegt und eine attraktivere, farbige Gestaltung gewöhnt ist. Das ist sich auch Katrin Spelinova bewusst. «Das ist sicher ein Punkt, den wir verstärkt beachten müssen, besonders um die Studierenden der Musikhochschulen mehr auf die SMZ aufmerksam zu machen. Wir versuchen, auf den Social-Media-Kanälen Instagram, Facebook und Twitter präsent zu sein. Aber wenn solche Auftritte wirklich überzeugen sollen, bedingt dies einen enormen Aufwand.»

Print trotz Online-Präsenz

Es fragt sich ohnehin, weshalb die SMZ trotz ausgebauter Online-Präsenz noch eine gedruckte Zeitung herausgibt, ist das nicht anachronistisch? Katrin Spelinova betont, dass man die SMZ auch als E-Paper abonnieren könne, doch dieser Anteil sei verschwindend klein, betrage weniger als ein Prozent der Leserschaft. «Es ist absolut wichtig, dass diese Zeitung in den Briefkasten kommt, damit die Leserinnen und Leser – neunmal im Jahr – daran erinnert werden, was ihr Verband für sie tut. Durch unseren recht ausgebauten Mantelteil haben sie auch die Gelegenheit, etwas zu lesen über Aspekte, nach denen sie nicht aktiv im Internet suchen würden, weil es gar nicht auf dem Radar ist.» Hinzu komme ein geschäftlicher Grund: «Online könnten wir uns nicht finanzieren – das Inserategeschäft läuft hauptsächlich immer noch über die Print-Ausgabe.»

Schweizer Musikzeitung: Druckerei

Die SMZ wird neben der ausgebauten Online-Präsenz weiterhin neunmal jährlich auf Zeitungspapier gedruckt. (Foto: Pia Schwab / SMZ)

Entsprechend fragt sich, wie sich Online- und Print-Version unterscheiden. Katrin Spelinova: «Da wir nur noch neun Mal jährlich erscheinen, können wir in der Sommerpause einen aktuellen Bericht online bringen, der bei der nächsten Print-Ausgabe im September zu spät käme. Und, sehr wichtig, wir können längere Texte, die im Heft nicht mehr Platz haben, im Heft anteasern und mit einem QR-Code auf die integrale Online-Version verweisen. Dadurch erhalten wir Spielraum.»

Interessant ist die Chat-Seite im Printteil, wo sich zwei Persönlichkeiten zu einem Thema austauschen. Dies hat vor allem online Potential, um Diskussionen anzustossen, indem der Chat als moderierte Online-Diskussionsplattform ausgebaut würde, die regelmässig ein Thema setzt, das von Fachleuten kontrovers erörtert wird und dann von der Leserschaft weiterdiskutiert werden kann. Darin sieht auch Katrin Spelinova eine Chance. «Wir haben relativ wenig direktes Feedback, auch nicht über die Kommentarfunktion. Letztes Jahr haben wir zum Beethoven-Jubiläum jede Woche ein Werk vorgestellt und die Leser aufgefordert, ihre Beziehungen zu oder ihre Erfahrungen mit dieser Komposition kundzutun. Aber es ging sehr wenig, wir konnten nur wenig vom Publikum spüren.»

Brückenfunktion zwischen Sprachen und Regionen

Dank der Online-Präsenz sind News auch wirklich News. Hier zeigt sich die Qualität der SMZ durch eine sorgfältige Auswahl, etwa mit Hinweisen zu Erkenntnissen aus der Musikforschung. Katrin Spelinova betreut vor allem, was die Verbände betrifft, und wird bestens von Wolfgang Böhler unterstützt, der vielen Leuten noch vom Online-Magazin «Codex flores» bekannt sein dürfte. «Er hat einen sehr guten Überblick über das, was in der Kulturpolitik in den Kantonen und Gemeinden geschieht.» Hinzu kommen News von Jean-Daniel Humair, der in Lausanne den französischen Teil der SMZ betreut; im Redaktionsteam wirkt zudem Pia Schwab mit. «Aber es ist ein Kapazitätsproblem, den französischen Teil ebenso ausgiebig zu betreuen wie den deutschen Teil.»

Italienische Texte sind denn auch die grosse Ausnahme, obwohl der Austausch zwischen den Regionen und Sprachen hochgehalten wird. «Wir versuchen es, weil die Brückenfunktion der SMZ wichtig ist. Man darf aber nicht vergessen: Für Tessiner Musikschaffende kann es interessanter sein, wenn man über sie auf Deutsch berichtet, damit sie in der Deutschschweiz besser wahrgenommen werden. Wir haben denn auch letztes Jahr über das Tessin als Randregion berichtet, dieses Jahr wird es der Jura sein, nächstes Jahr Graubünden.»

Wünschenswert wären auch mehr Rezensionen, die gemäss Katrin Spelinova für Musikschaffende wichtig sind. «Entscheidend für uns ist, dass CDs einen Schweizer Bezug haben und nicht von Superstars stammen, die ohnehin schon überall präsent sind. Zudem sollten Konzertbesprechungen – wenn möglich – eine Strömung oder ein Phänomen mit mehreren Beispielen widerspiegeln. Konkret gab es in einer der letzten Ausgaben einen Text über neue Streichquartette von Schweizer Komponistinnen, die innerhalb von zwei Wochen in Brunnen und in Zürich aufgeführt wurden. So kann man auch noch einen Kontext vermitteln, was weit mehr bringt als eine reine Konzertkritik.»

Die beteiligten Musikverbände:
Eidgenössischer Orchesterverband (EOV), Forum Musik Diversität (FMD), Konferenz Musikhochschulen Schweiz (KMHS), Musikhochschule Kalaidos, Schweizerischer Jugendmusikwettbewerb & Arosa Kultur (SJMW), Schweizerische Musikforschende Gesellschaft (SMG), Schweizerische Gesellschaft für Musik-Medizin (SMM), Schweizerischer Musikpädagogischer Verband (SMPV), Schweizer Musikrat & CHorama (SMR), Schweizerischer Musikerverband (SMV), SONART – Musikschaffende Schweiz, Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik (SUISA) und der Verband Musikschulen Schweiz (VMS).

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(Text: SMZ)

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Cla Nett: Leidenschaftlicher Bluesmusiker, engagierter Jurist

Nach langer, schwerer Krankheit verstarb am 27. September 2021 Cla Felice Nett, Jurist, Musiker und SUISA-Mitglied seit 1981. Nachruf von Gastautor Marco Piazzalonga

Cla Nett: Leidenschaftlicher Bluesmusiker, engagierter Jurist

Cla Nett war regelmässiger Besucher der SUISA-Generalversammlung; im Bild an der 90. GV der Genossenschaft im Jahr 2013 im Hotel Schweizerhof in Luzern. (Foto: Beat Felber)

Seine ersten Lebensjahre verbrachte Cla im Engadin. Kurz vor seiner Schulzeit zog seine Familie nach Basel, wo der Vater eine Stelle als Lehrer antrat. Cla durchlief nach der Primarschule zuerst das Humanistische Gymnasium, welches er mit der Matura Typ A beendete, anschliessend absolvierte er ein Jurastudium an der Universität Basel, das er mit dem Lizenziat «cum laude» abschloss.

Schon als Teenager begeisterte sich Cla für den Blues, brachte sich grösstenteils autodidaktisch das Gitarrenspiel bei und trat mit ersten Bands auf. 1975 gründete er mit ein paar Gleichgesinnten die Lazy Poker Blues Band, welche vor allem in den 1980er und 1990er Jahren im In- und Ausland Erfolge feiern konnte.

Cla und seine Formation standen als Schweizer Vertreter beim «Concert for Europe» im Berliner Olympiastadion vor 45 000 Zuschauerinnen und Zuschauern auf der Bühne, begleiteten Joe Cocker als Support für einen Monat durch Deutschland, tourten in der damaligen DDR, nahmen Platten in Chicago auf, bespielten Clubs und Open Airs quer durch unser Land.

Cla Nett gelang es, die Musik mit seiner juristischen Ausbildung zu verknüpfen. Im Vorstandsausschuss und als Präsident der Fachgruppe Phonoausübende bei der Swissperform sowie als Managing Director bei der Schweizerischen Interpretengenossenschaft SIG konnte er sein Wissen und seine Erfahrung einbringen. Zudem arbeitete Cla als nebenamtlicher Richter beim Appellationsgericht Basel.

Aus gesundheitlichen Gründen musste Cla seit einigen Jahren musikalisch und beruflich kürzertreten. Noch diesen Juli kämpfte er sich praktisch aus dem Spitalbett auf die Bühne des Magic Blues Festivals im Valle Maggia, um ein letztes Mal mit seiner Lazy Poker Blues Band aufzutreten. Cla Nett hinterlässt seine Frau, zwei erwachsene Kinder und einen Enkel.

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Nach langer, schwerer Krankheit verstarb am 27. September 2021 Cla Felice Nett, Jurist, Musiker und SUISA-Mitglied seit 1981. Nachruf von Gastautor Marco Piazzalonga

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«Techno und Ländler liegen sehr nah beieinander»

Elektronisch bearbeitete Alltagsgeräusche gemeinsam mit Elementen der Ländlermusik zu einem neuen Hörerlebnis verschmelzen: Dies will der Kontrabassist und Komponist Pirmin Huber für sein neues Projekt erarbeiten und realisieren. Der «Get Going!»-Beitrag unterstützt ihn bei seinem Vorhaben. Gastbeitrag/Interview von Rudolf Amstutz

Pirmin Huber: «Techno und Ländler liegen sehr nah beieinander»

Der Schwyzer Komponist und Kontrabassist Pirmin Huber. (Foto: Arthur Häberli)

Der Schwyzer Komponist und Kontrabassist Pirmin Huber experimentiert seit dem Abschluss seines Jazzstudiums (Schwerpunkt Komposition) an der Hochschule Luzern mit neuen Möglichkeiten, Schweizer Volksmusik mit anderen Genres zu neuen Sounds zu verbinden. Ob als Solist oder als Mitglied des «Ländlerorchesters», bei «Stereokulisse», «Ambäck» oder in der Formation «Gläuffig»: Huber kartographiert die Volksmusik neu und verbrüdert sie mit Techno, Jazz, Klassik oder Elektronik. Nun will Huber mit Hilfe elektronisch manipulierter Alltagsgeräusche und den volksmusikalischen Klängen seines Kontrabasses und anderer von ihm gespielten Instrument eine Art «field recording»-Forschung betreiben. Das Ganze soll in ein Werk münden, das unsere Hörgewohnheiten herausfordert und so die Welt in dieser aussergewöhnlichen Zeit widerspiegelt.

Pirmin Huber, wie ist die Idee zu diesem Projekt entstanden?
Pirmin Huber: Ich komme ursprünglich aus der Volksmusik, also aus der akustischen Musik, und bin immer mehr in die elektronische Musik hineingerutscht. Durch das Tüfteln mit neuen Aufnahmetechniken sind mir Ideen gekommen, die ich weiterentwickeln möchte. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und wir hatten dort auch eine Schreinerei. Die Geräusche der Säge wie alle anderen Klänge faszinierten mich und ich versuchte schon damals, sie mit meinen Musikinstrumenten nachzuspielen. Bei meinem «Get Going!»-Projekt gehe ich von den Klängen aus, die ich mit meinen Instrumenten, Kontrabass, Schwyzerörgeli, Gitarre, Klavier oder Glarner Zither schaffen kann und verbinde sie mit gesampleten Alltagsgeräuschen, die ich mit Hilfe der Elektronik verfremde. Seit meiner Jugend verfolgt mich die Frage: Wie lässt sich aus diesen Klängen Musik machen? Jetzt kann ich mir einige Tools leisten und erhalte damit die Möglichkeit, mich mit dem Projekt eingehend zu beschäftigen.

Was entsteht dabei zuerst? Die Klangsammlung und danach die Komposition oder ist es umgekehrt?
Es ist ein sowohl als auch, ein Miteinander beider Dinge. Bei der Arbeit eröffnen sich immer neue Möglichkeiten. Es ist ein Prozess. Es ist mir wichtig, dass ich mit meiner Musik eine ganz bestimmte Stimmung erzeuge. Das fertige Werk wird aus mehreren Stücken bestehen, die ineinanderfliessen oder zumindest aufeinander Bezug nehmen. Man könnte es als eine Art Suite bezeichnen.

Sie wandeln mit einer Leichtigkeit durch verschiedene Stile. Als Bassist sind Sie stets der Pulsgeber. Lassen sich aus dieser Position Verwandtschaften oder Schnittstellen ausmachen zwischen Volksmusik, Klassik, Jazz, Pop, Rock oder Techno?
Das kann sein. Auf jeden Fall liegen Techno und Ländler sehr nah beieinander. Dies mag von aussen schwer nachvollziehbar sein (lacht), aber die Energie, die beim Spielen entsteht, ist sowohl bei Techno wie bei der Ländlermusik, die ja auch Tanzmusik ist, dieselbe. Ich glaube, man muss erstmal beides gespielt haben, um diese Gemeinsamkeit zu erfahren. Ich versuche denn auch in meinem Projekt eine Art modernen Ländler mit Elektronik und Grooves zu schaffen.

Natur und Urbanität: Sind diese Reibungspunkte für Sie notwendige Inspiration?
Ich brauche beides. Sobald das eine nicht mehr da ist, fehlt mir etwas. Deshalb ist es wohl auch logisch, dass ich diese Pole zusammenfügen möchte. Ich habe seit längerer Zeit drei Standbeine: Volksmusik, zeitgenössische Musik und Techno. In meiner Empfindung sind sie aber eins.

Der «Get Going!»-Beitrag ist als Anstossfinanzierung gedacht und befreit von einem Resultat. Was halten Sie von diesem Fördermodell?
Ich finde es grossartig! Die so gewonnene Freiheit gibt einem Ansporn, etwas Grösseres dann wirklich auch durchziehen zu können. Die Idee für mein Projekt hatte ich ja schon seit Längerem, aber dann kamen immer wieder Dinge dazwischen. Und vieles hängt letztlich daran, ob man ein solches Projekt finanziell stemmen und auch stressfrei durchziehen kann. «Get Going!» erlaubt es mir, genau dies zu tun.

2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Unter dem Titel «Get Going!» werden kreative und künstlerische Prozesse finanziell angestossen, die sich ausserhalb der gängigen Kategorien befinden. In einer Porträtserie stellen wir jedes Jahr die Empfängerinnen und Empfänger dieser «Get Going!»-Beiträge vor.
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Marcel Oetiker: «Beim Reisen werde ich oft inspiriert» | mit VideoMarcel Oetiker: «Beim Reisen werde ich oft inspiriert» | mit Video Beim Zürcher Bahnhof Hardbrücke brausen Züge vorbei, kreischen in den Kurven, ächzen beim Anfahren und beim Bremsen. Doch Marcel Oetiker hat diesen Ort nicht als Treffpunkt gewählt, weil solche Geräusche manche Künstler zu kreativen Höhenflügen anregen. Weiterlesen
Neue Förderungsstrategie: «Wir wollen den Blick nach vorne richten»Neue Förderungsstrategie: «Wir wollen den Blick nach vorne richten» Die FONDATION SUISA verstärkt ihr Engagement in der Förderung von Musik in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein: Jährlich sollen unter dem Titel «Get Going!» vier musikalische Projekte angestossen und mit «Carte Blanche» alle zwei Jahre ein grösserer Werkbeitrag gesprochen werden. Weiterlesen
«Ab is Wälschland» ans Eidgenössische Volksmusikfest«Ab is Wälschland» ans Eidgenössische Volksmusikfest Im Mai 2019 trafen sich fünf junge Volksmusikanten unter der Leitung von Dani Häusler in Crans-Montana, um eine Hymne für das Eidgenössische Volksmusikfest 2019 zu komponieren. Das von der SUISA initiierte und in Zusammenarbeit mit dem Organisationskomitee des EVMF durchgeführte Komponierwochenende war ein voller Erfolg. Weiterlesen
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Der Klang des Berges

Dieses Jahr findet zum ersten Mal das Floating Notes Festival beim San Bernardino in Graubünden statt. Das Floating Notes steht im Zeichen von experimenteller Musik. Die Festivalmacher, Künstlerinnen und Künstler beschreiben in diesem Blogbeitrag, wie die einzigartige Landschaft die Musik und die Auftritte beeinflusst. Die SUISA ist Sponsoring-Partnerin des Festivals. Gastbeitrag von Elena Rotondi

Floating Notes Festival: Der Klang des Berges

Das Floating Notes Festival findet vom 23. bis 25. Juli 2021 in Mesocco beim San Bernardino statt. (Foto: Sebastiano Piattini)

Kety Fusco, Gründerin und Programmgestalterin des Floating Notes Festivals, hat eine sehr genaue Vorstellung davon, was der Herzschlag ihres Festivals sein wird: Die Künstler werden eine experimentelle und unveröffentlichte Klangforschung betreiben, die sich unter Berücksichtigung ihres eigenen künstlerischen und musikalischen Hintergrunds an den Ort der Aufführung anpasst und es unmöglich macht, den Inhalt der Aufführung von dem Ort zu lösen, an dem er entstanden ist. Aus diesem Grund wird das Floating Notes Festival ein völlig neuartiges Ereignis sein, denn Musik und Ort werden in einer einzigartigen Performance zusammengeführt.

Kety Fusco wird mit ihrer elektrischen Harfe die Eröffnungsnacht des Festivals an der Quelle des San Bernardino (GR) am Freitag, 23. Juli, eröffnen. Dies, so erzählt sie, soll ein Manifest der Idee sein, die hinter dem Festival steht: das Bedürfnis, die Ästhetik und die Geschichte des San Bernardino zu vereinen, einen Ort wiederzubeleben, der historisch gesehen schon immer ein Anziehungspunkt für internationale Reisende war und der auch heute noch – dank der unberührten Schönheit, die man an einigen Stellen trifft – viele Besucher anzieht. All dies mit Blick auf die Zukunft, durch die stimmungsvolle, innovative und experimentelle Musik, die diese Umgebung bevölkern und sie mit einer neuen Bedeutung füllen wird.

Die Künstlerinnen und Künstler im Programm wurden gefragt, wie ihr kreativer Prozess ihre Vorbereitung auf das Festival und ihre Performance auf der Bühne steuert. Camilla Sparksss, die am Abend in der Fonte Minerale auftritt, erzählt uns, wie sie eigens für das Floating Notes Festival mit einem Live-Set experimentiert: «Es entstehen Klänge, die meiner Meinung nach dem Klang des Berges in seiner Erhabenheit, mit seinen Echos und seinen Gefahren sehr nahe kommen. Es wird eine Performance sein, die für jemanden sehr experimentell scheinen könnte. Aber man muss einfach die Augen schliessen und sich sich eine Reise ins Innere der Felsen vorstellen, um sich eins mit den Bergen zu fühlen.»

Interessant ist auch, wie der junge Musiker Adriano Koch, der den Abend des Freitags, 23. Juli, beschließen wird, seinen Auftritt mit dem Ort verknüpft, an dem er auftritt: «Es ist immer wieder motivierend zu sehen, wie ein Ort die Energie und die künstlerische Botschaft eines Songs verändern kann. Deshalb ist es für mich wichtig, eine Aufführung aufzunehmen, um diesen speziellen Moment, der nie wieder da sein wird, festzuhalten.»

Dieses Festival in Graubünden könnte nicht ohne die Anwesenheit des Pioniers der Instrumental- und Klangforschung weitergehen: Am nächsten Tag, dem Samstag, 24. Juli, wird Simon Berz auf dem San-Bernardino-Pass eine Live-Performance mit Steinen spielen. Der Musiker erklärt: «Ich habe mein Instrument Tectonic aus vulkanischen Klangsteinen gebaut, die ich in Island gefunden habe. Die Steine werden nun in einem anderen ‹Steinraum› spielen, dem in San Bernardino.»

Das Floating Notes Festival zeichnet sich auch durch eine Veranstaltung aus, die Musik und Körper miteinander verbindet: eine geführte Meditation von Keri Gonzato, die von der Musik von Federica Furlani, alias Effe Effe, ab Tonträger begleitet wird. Eine Klanglandschaft, wie geschaffen für die Meditation auf mehr als 2000 Metern Höhe.

Am Samstag, den 24. Juli, wird der Soundtrack des Festivals uraufgeführt. Dieser wurde bei der Tessiner Musikerin Chiara Dubey in Auftrag gegeben. Sie beschreibt den kreativen Prozess ihrer Komposition wie folgt: «Am Anfang stand die Idee, dass ich mich wahrscheinlich von den Klängen der natürlichen Elemente inspirieren lassen würde, in die ich nach meiner Ankunft in San Bernardino eintauchen würde. Zum Beispiel vom Rascheln der Tannenbäume oder dem Plätschern des Wassers. Da dieses Konzert mein erster Vorgeschmack auf die Berge nach einem seltsamen Jahr gemeinsamer Einsamkeit und ohrenbetäubender Stille ist, beschloss ich für dieses Stück, nach innen zu schauen: Ich lauschte meinen Gedanken und es war, als würde ich nach langer Zeit einen alten Freund wiederfinden. Ich bin sicher, dass ich nicht die Einzige war, der diese Erfahrung gemacht hat. Und ich hoffe, dass es sowohl für mich als auch für alle Anwesenden befreiend sein wird, diesen Song, ‘Stranger’, in der Nacht des Festivals donnern zu lassen, auch weil unsere Bühne von einer spektakulären Berglandschaft umgeben sein wird, von einer rohen, natürlichen, freien Schönheit».

Den Abschluss des Samstagabends bildem Peter Kernel, ein bekanntes Tessiner Duo, das sich in einem ungewöhnlichen Kontext und mit einem ebenso ungewöhnlichen Auftritt am Festival sein wird. So werden Aris Bassetti und Barbara Lehnhoff nicht als typische Rockband auftreten, sondern ein exklusives DJ-Set vorbereiten, das aus Musik aus der Vergangenheit besteht und in die Zukunft führt, so dass sie in den Furchen der umliegenden Berge am besten widerhallt: «Für uns ist es zentral, eine gewisse Verbindung mit dem Publikum herzustellen; wir müssen uns verstehen, um ein unvergessliches Erlebnis zu schaffen. Für Floating Notes haben wir uns entschieden, etwas Exklusives zu machen, etwas, das wir sonst nie machen. Wir werden kein normales Konzert spielen, sondern ein experimentelles DJ-Set. Wir werden Musik spielen, die irgendwie gut in den Kontext von Bergen und frischer Luft passt; und wir werden versuchen, sie auf unsere eigene Art zu mischen.»

Das Floating Notes Festival findet vom 23. bis 25. Juli 2021 in Mesocco (GR) beim San Bernardino statt. Auftreten werden die Schweizer Künstlerinnen und Künstler Kety Fusco, Camilla Sparksss, Chiara Dubey, Leoni Leoni, Peter Kernel und Adriano Koch, die Italienerin Federica Furlani (Effe Effe) sowie der Musiker Simon Berz. Zudem gibt es eine geführte Meditation mit Keri Gonzato. Weitere Informationen findet man unter www.facebook.com/floatingnotesfestival.
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Dieses Jahr findet zum ersten Mal das Floating Notes Festival beim San Bernardino in Graubünden statt. Das Floating Notes steht im Zeichen von experimenteller Musik. Die Festivalmacher, Künstlerinnen und Künstler beschreiben in diesem Blogbeitrag, wie die einzigartige Landschaft die Musik und die Auftritte beeinflusst. Die SUISA ist Sponsoring-Partnerin des Festivals. Gastbeitrag von Elena Rotondi

Floating Notes Festival: Der Klang des Berges

Das Floating Notes Festival findet vom 23. bis 25. Juli 2021 in Mesocco beim San Bernardino statt. (Foto: Sebastiano Piattini)

Kety Fusco, Gründerin und Programmgestalterin des Floating Notes Festivals, hat eine sehr genaue Vorstellung davon, was der Herzschlag ihres Festivals sein wird: Die Künstler werden eine experimentelle und unveröffentlichte Klangforschung betreiben, die sich unter Berücksichtigung ihres eigenen künstlerischen und musikalischen Hintergrunds an den Ort der Aufführung anpasst und es unmöglich macht, den Inhalt der Aufführung von dem Ort zu…Weiterlesen

«Get Going!» geht in die vierte Runde

Seit 2018 ist «Get Going!» fester Bestandteil des Förder-Portfolios der FONDATION SUISA. Nun geht die Anstossfinanzierung, die innovative Kreativansätze ausserhalb der gängigen Schubladen fördert, in die vierte Runde. Text von FONDATION SUISA

Fondation Suisa: «Get Going!» geht in die vierte Runde

Die letztjährigen Empfänger/-innen von «Get Going!» (von oben links im Uhrzeigersinn): Isandro Ojeda-García, OY, Réka Csiszér, Pirmin Huber. (Fotos: Caio Licínio; Sash Seurat Samson; Romina Kalsi; Gian Marco Castelberg)

Als «Get Going!» 2018 erstmals ausgeschrieben wurde, war dies «ein Schuss ins Blaue», sagt Urs Schnell, Direktor der FONDATION SUISA. Es sei damals darum gegangen, den Blick nach vorne zu richten. «Statt einem Künstler, einer Künstlerin im Nachhinein mithilfe eines Preises auf die Schulter zu klopfen, investieren wir nun das uns zur Verfügung stehende Geld stärker in die Zukunft.»

Dreimal wurden bislang je vier «Get Going!»-Beiträge zu je Fr. 25 000.— vergeben. Das ungebrochene Interesse an diesem Förderbeitrag unterstreicht die sich in vielen Belangen veränderten Bedingungen der Musikschaffenden. Da die Anstossfinanzierung nicht an ein Resultat gebunden ist, ermöglicht diese den Musikerinnen und Musikern, befreit von finanziellem und zeitlichem Druck arbeiten zu können. «Auf der einen Seite ist das Umfeld in den letzten Jahren immer hektischer geworden, auf der anderen liess die Pandemie viele in einem luftleeren Raum. Man kann es drehen wie man will, der Faktor Zeit ist ein in seiner Kostbarkeit nicht zu unterschätzendes Gut geworden», erklärt Schnell.

Bewerbungen für «Get Going!»-Beitrag bis 30. August 2021

«Get Going!» richtet sich an innovative und kreative Projekte, die im herkömmlichen Gesuchswesen zwischen Stuhl und Bank zu fallen drohen. Der FONDATION SUISA gehe es darum, sich mit «Get Going!» als Förderin auf die Künstlerinnen und Künstler zu zu bewegen, meint Schnell und fügt an: «Wir wollen das freie kreative Denken wieder in den Mittelpunkt rücken.»

Ab sofort können sich Urheberinnen und Urheber, Autorinnen und Autoren sowie Musikerinnen und Musiker, die einen deutlichen Bezug zum aktuellen schweizerischen oder liechtensteinischen Musikschaffen nachweisen können, erneut für einen «Get Going!»-Beitrag bewerben. Auch dieses Jahr werden wieder vier solche Anstossfinanzierungen in der Höhe von je Fr. 25 000.— durch eine Fachjury vergeben. Der Eingabeschluss ist der 30. August 2021.

Um die Möglichkeiten von «Get Going!» aufzuzeigen, werden auch dieses Jahr wieder im Laufe der nächsten Wochen sowohl auf der Website der FONDATION SUISA wie auch auf dem SUISAblog Porträts der Empfängerinnen und Empfänger der letztjährigen «Get Going!»-Beiträge veröffentlicht.

«Get Going!» auf der Website der FONDATION SUISA

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