Tagarchiv: Schweizer Musik

10 Jahre Helvetiarockt: Die Stimme der Frauen* verstärken

Der Verein Helvetiarockt setzt sich seit zehn Jahren dafür ein, dass Frauen* in der Musikszene besser vertreten sind. Zeit für eine Bilanz. Gastbeitrag von Markus Ganz

10 Jahre Helvetiarockt: Die Stimme der Frauen* verstärken

Isabella Eder (links) und Muriel Rhyner von der Zuger Band Delilahs rocken die Bühne beim PFF FFS Openair Menzingen 2015. (Foto: Tabea Hüberli)

Wer Konzerte besucht oder sich die Informationen von Musikproduktionen ansieht, wird nicht überrascht sein vom Befund, dass Frauen* in der Musikszene stark untervertreten sind. Der Verein Helvetiarockt schätzt, dass im Bereich von Pop, Rock und Jazz der Frauen*anteil auf der Bühne bei 15 Prozent liegt, in der Musikproduktion gar nur bei 2 Prozent.

Präzise Zahlen gibt es von der SUISA, die Supporterin von Helvetiarockt ist und gezielt Projekte des Vereins unterstützt: Ende 2018 lag der Anteil der Frauen* bei den Urheber*innen bei 15,7 Prozent. In einer Vorstudie zum Frauenanteil in der Basler Popszene kam man zu einem noch schlechteren Ergebnis: Nur gerade 10 Prozent der Personen, die in den Jahren von 2008 bis 2017 Musik machten, waren weiblich. Diese Zahlen sind umso ernüchternder, als nach Schätzung von Helvetiarockt in den Musikschulen der Anteil der Mädchen* noch rund 50 Prozent beträgt.

Förderung und Sensibilisierung

Helvetiarockt setzt sich seit 2009 für eine «signifikante Erhöhung des Frauen*anteils in der Schweizer Musikbranche» ein. Dies tut der Verein in erster Linie mit einem zunehmend breiten und spezifischen Angebot von Workshops wie etwa einem «Songwriting Camp» und Veranstaltungen wie etwa Panelgesprächen.

Damit will Helvetiarockt einerseits junge Frauen* dazu motivieren, in der Musikszene aktiv zu werden. Zum andern will der Verein gezielt professionelle Musikerinnen* fördern und vernetzen sowie die Branche für das Thema sensibilisieren. Entsprechend wichtig ist, dass die vielen im Verein engagierten Frauen* meistens auch selbst in der Musikbranche aktiv sind.

Bewusstsein geschaffen

Chantal Bolzern ist Anwältin* und arbeitete von 2004 bis 2017 bei der SUISA. Seit 2015 wirkt sie bei Helvetiarockt mit, gibt etwa Input-Referate zum Thema «Musik und Recht» und ist seit Anfang 2018 Co-Präsidentin* des Vereins. Zu den wichtigsten Errungenschaften zählt für sie, dass Helvetiarockt auf breiter Ebene das Bewusstsein für das Hauptanliegen des Vereins schaffen konnte. «Es muss mittlerweile kaum mehr diskutiert werden, ob die Gleichstellung der Frauen* in der Musikbranche wichtig ist. Damit haben wir eine gute Basis, um mehr bewirken zu können.»

Geschützter Rahmen

Manuela Jutzi stellt zufrieden fest, dass sie die Frage mittlerweile nicht mehr zu hören bekomme, ob es Helvetiarockt denn brauche. Sie ist Co-Geschäftsleiterin* des Vereins und übernahm bereits im Jahr 2014 die Leitung des «Female* Bandworkshops». «Bei der Durchführung zeigt sich immer wieder die Bedeutung für junge Frauen*, dass sie in einem geschützten Rahmen die ersten Schritte des Musizierens machen können.» Viele seien zu Beginn noch immer gehemmt ‒ ob das nun an der Sozialisation oder alten Rollenbildern liege. «Aber ich kann eine Verbesserung über die Jahre erkennen, und das liegt meiner Meinung nach zu einem guten Teil daran, dass die jungen Frauen* vermehrt Vorbilder auf der Bühne erleben können.»

Vorbildsfunktion

Tatsächlich ist es nicht mehr wie Ende des letzten Jahrtausends, als nur wenige selbstbewusste Schweizer Musikerinnen* wie Vera Kaa, Betty Legler oder Sina mit ihren Songs für Aufsehen sorgten ‒ und so zu Vorbildern werden konnten. Heute gibt es viele Beispiele wie etwa Nicole Bernegger, Heidi Happy, Stefanie Heinzmann, Sophie Hunger, Anna Rossinelli, Valeska Steiner (Boy) usw. Und längst auch in bisher für Schweizer Musikerinnen* eher untypischen Stilrichtungen, man denke an Anna Aaron, Big Zis, KT Gorique, Anna Murphy (Eluveitie) und Steff la Cheffe.

Als Vorbild kann auch Muriel Rhyner wirken, die sich bei Helvetiarockt seit Beginn engagiert, Mitglied des Teams ist und das ‒ 2019 von der SUISA unterstützte ‒ «Female* Songwriting Camp» leitet. Auch sie stellt einen deutlichen Wandel fest. «Als ich 2005 im Alter von 17 Jahren mit The Delilahs, damals eine reine Frauen*band, ernsthaft eine Musikkarriere einschlug, fühlte ich mich schon sehr allein. Ich konnte mich nicht mit anderen Musikerinnen* austauschen ‒ was auch menschlich sehr wichtig ist, wie ich an Anlässen von Helvetiarockt immer wieder erfahren kann.» Am «Female* Songwriting Camp» stelle sie nach wie vor fest, dass die Teilnehmerinnen* zunächst sehr unsicher seien. «Dann aber pushen sie sich zunehmend gegenseitig ‒ und eine solche Eigendynamik erhoffe ich mir auch für die Bestrebungen von Helvetiarockt.»

Entwicklung und Ausblick

Es ist schwer zu sagen, wie stark sich der Anteil der Frauen* in der Musikszene verbessert hat. Bei der SUISA ergab eine Auswertung immerhin, dass der Frauenanteil bei den Neumitgliedern in den letzten fünf Jahren grösser war als derjenige aller Urheber*innen (Ende 2018: 15,7 Prozent): Er betrug jeweils zwischen 19 und 21 Prozent. Das ist eine gute Ausgangslage für die weitere Arbeit von Helvetiarockt.

Nach Jahren des Aufbaus und des Erklärens könne sich Helvetiarockt nun verstärkt an die Umsetzung der Vereinsziele machen, meint denn auch Chantal Bolzern. «Wir haben auch gute neue Instrumente dazu wie etwa die mit Partnerinstitutionen geschaffene Diversity Roadmap, die Veranstaltern aufzeigt, wie sie der Diversität und Gleichstellung in Clubs und an Festivals Rechnung tragen können.» Hinzu kommen demnächst neue Angebote für professionelle Musikerinnen* sowie eine Erweiterung des bisherigen Kontakt-Pools.

Das Hauptziel des Vereins

«Wir kreieren eine neue Datenbank, die sich nicht auf Musikerinnen* beschränkt», verrät Manuela Jutzi. «Sie soll auch anderen Frauen* offenstehen, die in der Musikbranche tätig sind. Damit können wir die Sichtbarkeit von Frauen* in der Musikbranche erhöhen und gleichzeitig den Austausch unter ihnen erleichtern.» Das Hauptziel für Manuela Jutzi aber ist, «dass es Helvetiarockt dereinst nicht mehr braucht». Dies wäre ihrer Ansicht nach der Fall, wenn mindestens jede dritte Person in der Musikszene weiblich wäre.

Weitere Informationen: www.helvetiarockt.ch

* In diesem Text wird ausnahmsweise die Schreibweise mit dem Gender-Stern verwendet, wie sie von Helvetiarockt eingesetzt wird.

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«The Director’s Blog» – «Wir wollen unsere Arbeit sichtbarer machen»

Als gemeinnützige Stiftung fördert die FONDATION SUISA seit 1989 das aktuelle Schweizer Musikschaffen. Wie dies im Detail geschieht, lässt sich nun im neu aufgeschalteten «Director’s Blog» nachlesen. Stiftungsdirektor Urs Schnell will damit die «Visibilität unserer Tätigkeit» erhöhen. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

FONDATION SUISA: «The Director’s Blog»

Das Ziel des «The Director’s Blog» ist, die Tätigkeit der FONDATION SUISA für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer machen. (Foto: FONDATION SUISA)

Was genau macht eigentlich eine Stiftung wie die FONDATION SUISA? Ihre Tätigkeit lässt sich allgemein formuliert zwar auf der eigenen Webseite nachlesen, doch wie sieht die Arbeit im Konkreten aus? Was geschieht mit den rund 2,7 Millionen Franken, die sie jährlich von der SUISA Genossenschaft zugewiesen erhält? Ein Betrag, der 2,5% der SUISA-Einnahmen aus den Aufführungs- und Senderechten in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein entspricht. Und wie wirkt sich die Förderung auf den verschiedenen Ebenen letztlich aus?

«Wir wurden in den letzten Jahren immer wieder mit diesen Fragen konfrontiert», sagt Urs Schnell. «Und wir haben realisiert, dass unsere Tätigkeit in einer Welt, die zwar von Social Media dominiert wird, sich aber letztlich immer entsolidarisierter präsentiert, kaum mehr in ihrer ganzen Vielfalt wahrgenommen wird. Wie also», so Schnell weiter, «kann eine Stiftung offen und transparent in einer Gesellschaft kommunizieren, deren Wahrnehmung sich nicht zuletzt durch die Digitalisierung drastisch verändert hat?»

Blog gibt Einblick in die Stiftungstätigkeit

Mit «The Director’s Blog» wird nun die Internetpräsenz erhöht und zugleich die Stiftungsarbeit personalisiert, indem der Direktor in seiner Rolle als Blogger als Sprachrohr fungiert. «Wir kehren das Innere nach aussen», begründet Schnell den Entscheid, «und wir tun dies in Zeiten der Individualisierung auf eine persönlichere Art und Weise als bis anhin gewohnt.»

Ziel des Blogs ist es, die laufende Tätigkeit in schneller und aktueller Form zu vermitteln, ohne sich der hektischen Oberflächlichkeit der sozialen Medien anzupassen. Dabei wird der Hintergrund zum Vordergrund: «Die vertiefte Arbeit und die Gedanken und Strategien, die dahinter stecken, machen wir sichtbar, um so unsere Tätigkeit für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer zu machen.»

Der Direktor als interner Chronist

Dies geschieht mit regelmässigen Beiträgen über aktuelle Events, über die Präsenz der Stiftung auf internationaler und nationaler Ebene, aber auch anhand von Gedankenanstössen zu stiftungsrelevanten Themen oder mit Porträts von Empfängerinnen und Empfängern von Werkbeiträgen mit Magazin-Charakter. «Für Letzteres erlaube ich mir dann ab und zu auch einen Gastbeitrag zu veröffentlichen», sagt Schnell. Und fügt an: «Die Authentizität ist ein elementarer Punkt des Blogs, deshalb wäre es wenig glaubwürdig, wenn ich meine Rolle als interner Chronist verlassen würde.»

Auf jeden Fall blickt der Direktor mit Vorfreude auf kommende Rückmeldungen über das neue Gefäss. Und sollte «The Director’s Blog» Anlass für leidenschaftliche Diskussionen werden, dann – so Schnell – «sei das umso besser.»

blog.fondation-suisa.ch

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Von der unendlichen Lust am Experiment

Das Duo Eclecta, der in Zürich und Winterthur ansässigen Andrina Bollinger und Marena Whitcher, experimentiert mit Klängen jenseits gängiger Definitionen und sucht den interdisziplinären Austausch mit anderen Künsten. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Eclecta: Von der unendlichen Lust am Experiment

Das Duo Eclecta. (Foto: Andrea Ebener)

Dort, wo die verbalen Definitionen der verschiedenen Künste implodieren; wo stilistische Schubladen nur noch als Relikt vergangener Zeiten existieren; dort, wo sich alles frei fliegend entfalten kann und sich laufend in immer neuen Mustern fortbewegt: Genau dort fühlen sich Eclecta zuhause. Eclecta, das sind Andrina Bollinger und Marena Whitcher – beide Solokünstlerinnen, Multiinstrumentalistinnen, Sängerinnen. Und beide sind – wie sie sich unisono beschreiben – «einfach neugierig». Das ist eine bescheidene Umschreibung. Es ist die pure Lust am Experiment, die die beiden antreibt. Obwohl Ende Zwanzig haben beide das jugendliche Staunen nicht verlernt, paaren dieses aber mit reifer Reflektion und schaffen es immer wieder, zusätzliche Elemente so in ihre Kunst einzubauen, dass das Resultat stets homogen bleibt.

Kennengelernt haben sich Andrina Bollinger und Marena Whitcher auf der Jazzschule, doch das war eigentlich bereits das zweite Aufeinandertreffen. «Wir waren uns schon als Kinder im Circolino Pipistrello begegnet», sagt Bollinger. Whitcher lacht und fügt hinzu: «Das haben wir aber erst später herausgefunden, dass das so war.» Dem Schicksal ist nicht zu entkommen und so kam es, wie es kommen musste: «Als Marena angefragt wurde für ein Solokonzert, hatte sie zu wenig Material, um den Auftritt alleine bestreiten zu können. So fragte sie mich an. Wir legten dann unsere Songs zusammen, damit hat alles begonnen», erzählt Bollinger.

«A Symmetry» hiess 2016 ihr erstes Album und das Wortspiel, das sich im Titel verbirgt, ist mehr als nur Programm, sind doch die beiden Frauen in ihrer Art und in ihrer Kunst eigentlich überzeugte Individualistinnen, die in zahlreichen Kollaborationen und Soloauftritten ihren eigenen Weg gehen. «Wir haben von Anfang an mit den zwei Figuren gespielt, die völlig anders sind. Eclecta lebt von dieser Dualität, dieser Asymmetrie, aber gleichzeitig haben wir eben auch die Möglichkeit uns ineinander zu verschmelzen», erklärt Whitcher und Bollinger ergänzt: «Wir können uns stimmlich angleichen, so dass man uns kaum auseinanderhalten kann. Der Albumtitel beschreibt dieses fortlaufende Spiel zwischen Symmetrie und Asymmetrie.»

Die 15 Songs, die wie erwähnt, jegliche Schubladisierung ignorieren und bewusst die zum Experiment ladenden stilistischen Zwischenräume kartographieren, sind in ihrer Summe ein schillerndes Kaleidoskop von Euphorie und Melancholie, von Lust und Nachdenklichkeit. Und so verblüffend «A Symmetry» auf den Hörer auch drei Jahre nach Erscheinen noch wirkt und immer neue Details an den Tag zu bringen vermag: Für die Protagonistinnen steht die Platte heute nur noch für eine Momentaufnahme in ihrem künstlerischen Prozess. «Auf unserem kommenden Album, das voraussichtlich Anfang 2020 erscheinen wird, wollen wir dieses Spiel noch weiter treiben, so dass sich das Ganze immer weiter verzahnt und verschachtelt.»

«Der Get Going!-Beitrag schenkt uns etwas Kostbares, nämlich Zeit. Für die ungemein lange Zeit, die man investiert, um sich mit Themen zu befassen, zu recherchieren und Songs zu schreiben, wird man ansonsten nie bezahlt.»

Wie dies dann klingen wird, «das bleibt zu diesem Zeitpunkt noch ein Geheimnis», meinen die beiden augenzwinkernd. Wenn sie von ihren Einflüssen erzählen, so reichen diese von gesellschaftlichen Themen bis hin zu Malerei, vom Theater bis zur Performance-Kunst, von Literatur bis zur Philosophie. Whitcher, die väterlicherseits amerikanische Wurzeln hat, ist von den Surrealisten begeistert und geht in ihren Auftritten Fragen nach wie «Was sind Monster heutzutage und weshalb brauchen wir sie?» oder «Luxusprobleme haben und Kunst machen – geht das zusammen?». Auch Bollinger ist es wichtig, politische und gesellschaftliche Aktualität in ihr Schaffen zu integrieren. So schreibt sie über Themen wie den Klimawandel, über Meinungsfreiheit oder die Digitalisierung und sucht nach Orten, wo uns Zahlen und Codes nicht beherrschen. Sie wiederum pendelt zwischen Zürich, Berlin und ihrer Engadiner Heimat und versucht mit einem Zoom-Recorder die Klänge dieser unterschiedlichen Räume einzufangen, weil – wie sie sagt – «es entscheidend ist, wo man sich befindet, wenn man kreativ tätig ist.»

Einer dieser kreativen Spielplätze ist auch die Bühne. Mit selbstgebastelten Instrumenten und Kostümen verwandeln sie einen Auftritt in eine Art Gesamtkunstwerk. Deshalb wollen sie in Zukunft auch verstärkt das Medium Video nutzen, um ihre Musik zu visualisieren. Aber dies ist nur eine von gefühlten tausend Ideen, mit der sich beide beschäftigen. Am Ende soll Eclecta auch ein Statement gegen den Zeitgeist sein: «In unserer individualisierten Gesellschaft ist jeder nur noch auf sich bezogen und der Blick nach aussen fällt völlig weg. Dafür ist doch Gemeinschaft ein Urbedürfnis des Menschen», meint Whitcher und Bollinger fügt an: «Ich sehe das schon auch als eine unserer Aufgaben an, mit unserer Kunst die Welt zu reflektieren und eine andere Denkweise anzuregen.»

Den Get Going!-Beitrag der FONDATION SUISA betrachten sie auf jeden Fall als eine extreme Befreiung. «Er schenkt uns etwas Kostbares, nämlich Zeit», sagt Bollinger. «Genau», unterstreicht Whitcher, «für die ungemein lange Zeit, die man investiert, um sich mit Themen zu befassen, zu recherchieren und Songs zu schreiben, wird man ansonsten nie bezahlt.» So gesehen ist Eclecta für diese Art von Förderung geradezu ein Paradebeispiel, weil sich die beiden jungen Frauen auf noch nicht gepflügten Äckern bewegen und mit ihrer Experimentierlust nun nicht mehr Gefahr laufen, zwischen Stuhl und Bank zu fallen.

www.eclecta.ch

2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Unter dem Titel Get Going! werden kreative und künstlerische Prozesse finanziell angestossen, die sich ausserhalb der gängigen Kategorien befinden. In einer Porträtserie stellen wir die Empfängerinnen und Empfänger dieser Get Going!-Beiträge vor.

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«Get Going!» geht in die zweite Runde: «Wir haben den Nerv der Zeit getroffen»

Letztes Jahr vergab die FONDATION SUISA unter dem Titel «Get Going!» erstmals vier Anstossbeiträge, um innovative Kreativansätze ausserhalb der gängigen Schubladen zu fördern. Die positiven Reaktionen darauf waren überwältigend. Ende Juni 2019 geht die Ausschreibung in die zweite Runde. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA: «Get Going!» geht in die zweite Runde: «Wir haben den Nerv der Zeit getroffen»

Die Empfängerinnen und Empfänger der «Get Going»-Beiträge 2018 (von oben links nach unten rechts): Beat Gysin, das Duo Eclecta, Michael Künstle und Bertrand Denzler. (Fotos: Anna Katharina Scheidegger; Andrea Ebener; Zak van Biljon; Rui Pinheiro)

«Statt einem Künstler, einer Künstlerin im Nachhinein mithilfe eines Preises auf die Schulter zu klopfen, investieren wir nun das uns zur Verfügung stehende Geld stärker in die Zukunft», erklärte vor einem Jahr Urs Schnell, Direktor der FONDATION SUISA, die vom Stiftungsrat beschlossene neue Förderpolitik. Fördern statt urteilen wolle man und «so den Blick verstärkt nach vorne richten.»

Gesagt, getan. Die erste Ausschreibung von «Get Going!» mündete in über 90 Bewerbungen. Dieses grosse Interesse für etwas völlig Neues sei für ihn schlicht überwältigend, meint Schnell. «Wir haben damit wirklich den Nerv der Zeit getroffen. Das durften wir in diesem Ausmass nicht erwarten, da eine solch offen formulierte Ausschreibung trotz aller Analysen ein innovativer Schuss ins Blaue war.»

Bertrand Denzler, Michael Künstle, Beat Gysin und das Duo Eclecta (Andrina Bollinger und Marena Whitcher) hiessen die ersten Empfängerinnen und Empfänger im Rahmen von «Get Going!». Der Betrag von je 25 000 Franken wurde ihnen zugesprochen, weil sie die Fachjury mit ihren kreativen Visionen zu überzeugen vermochten. Da die Anstossfinanzierung nicht an ein Resultat gebunden ist, ermöglicht diese den Musikerinnen und Musikern, befreit von finanziellem und zeitlichem Druck arbeiten zu können. «Ich glaube, dass der Faktor Zeit in einem immer hektischer werdenden Umfeld ein in seiner Kostbarkeit nicht zu unterschätzendes Gut geworden ist», erklärt Schnell einen der Vorzüge von «Get Going!».

Ausschreibung «Get Going!» 2019 ab Ende Juni

Ab Ende Juni können sich Urheberinnen und Urheber, Autorinnen und Autoren sowie Musikerinnen und Musiker, die einen deutlichen Bezug zum aktuellen schweizerischen oder liechtensteinischen Musikschaffen nachweisen können, erneut für einen «Get Going!»-Beitrag bewerben. Auch 2019 werden vier solche Anstossfinanzierungen in der Höhe von je 25 000 Franken durch eine Fachjury vergeben.

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass «Get Going!» die anderen Förderangebote der FONDATION SUISA, insbesondere das geltende Gesuchswesen, die bestehenden Partnerschaften, die Messen und Events im Ausland sowie das Klassenmusizieren, weder konkurriert noch tangiert.

«Im Gegenteil», erläutert Schnell, «als gewichtige Starthilfe ist das neue Modell eine Ergänzung zur bisherigen Förderung. Wir wollen neue kreative Orte ausmachen und in Zukunft verhindern, dass gewisse Projekte zwischen Stuhl und Bank fallen.»

Urs Schnell weiss, dass die bewusst weit offen gehaltene Formulierung der «Get Going!»-Ausschreibung zu Beginn etwas verwirrend sein könnte: «Musikerinnen und Musiker wurden in den letzten Jahrzehnten durch die traditionellen Förderinstrumente auf ein gewisses Gesuchsdenken konditioniert. Uns geht es mit der neuen Ausrichtung darum, uns als Förderin auf die Künstlerinnen und Künstler zu zu bewegen, um mit dieser Umkehr das freie kreative Denken wieder in den Mittelpunkt zu rücken.» Um die Möglichkeiten von «Get Going!» aufzuzeigen, werden deshalb im Laufe der nächsten Wochen sowohl auf der Website der FONDATION SUISA wie auch auf dem SUISAblog Porträts der Empfängerinnen und Empfänger der letztjährigen «Get Going!»-Beiträge veröffentlicht.

www.fondation-suisa.ch

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KT Gorique erobert die Deutschschweiz

Das SUISA-Mitglied KT Gorique war an dem von der SUISA organisierten Panel «Hit the World» beim M4music Festival 2019 als Expertin für Songwriting im Genre Rap eingeladen. Kurze Zeit später wurde bekannt, dass sie zu den Preisträgerinnen des Schweizer Musikpreises 2019 gehört. Ein Interview mit der im Wallis lebenden Rapperin, die ihre Musik in die ganze Schweiz trägt. Gastbeitrag von José Tippenhauer, Swissmusic.ch

KT Gorique erobert die Deutschschweiz

«Sie ist schon im Senegal, in Kanada und in ganz Europa aufgetreten und ist aus der Schweizer Rapszene nicht mehr wegzudenken», schreibt das Bundesamt für Kultur über die frisch gekürte Gewinnerin des Schweizer Musikpreises 2019, KT Gorique. (Foto: Jérémie Carron)

KT Gorique wird ihrem Spitznamen «Schweizer Taschenmesser» wirklich gerecht. Nachdem sie 2012 den internationalen Rap-Improvisationswettbewerb «End of the Week» in New York gewonnen hatte, spielte sie im Film «Brooklyn» von Pascal Tessaud die junge Rapperin Coralie. 2016 veröffentlichte sie ihr erstes Album «Tentative de Survie». Letztes Jahr hat sie es mit ihrem Projekt «Kunta Kita» bis in die Charts geschafft. Wenige Wochen nach der Nominierung für die Swiss Music Awards setzt sie ihren Aufstieg fort. Sie wird am Konzert von Nicki Minaj im Hallenstadion Zürich als Eröffnungs-Act auftreten und ist eine der wenigen französischsprachigen Künstler am Openair Frauenfeld. 2019 ist ein vielversprechendes Jahr für die Walliser Rapperin, mit der wir über die Schweiz, ihr kreatives Schaffen und ihre Inspirationsquellen gesprochen haben.

«Kunta Kita» kam im Juli 2018 heraus. Wie ging es danach für dich weiter?
KT Gorique: Dieses Projekt hat meine Karriere in ganz neue Bahnen gelenkt. Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass es so einschlagen würde.
Nach der Veröffentlichung hatte ich über vierzig Auftritte, darunter auch meine ersten Auftritte als Headlinerin. Einige Veranstaltungen waren sogar ausverkauft (u. a. in St. Gallen und Luzern) In den sechs Jahren zuvor hatte ich immer nur kleine Konzerte gegeben, ich war nicht besonders bekannt. Seit «Kunta Kita» habe ich nun richtige Fans. Das Paradoxe daran ist, dass die meisten von ihnen aus der Deutschschweiz kommen, obwohl ich auf Französisch singe. Das ist unglaublich!
Ein wichtiger Grund dafür war auch, dass das Album von einem Zürcher Label, FarMore Records, herausgebracht wurde. Und im September hat mich SRF3 zum «Best Talent» des Monats gekürt. Das ist ein Mainstream-Radiosender, bei dem viele Menschen, die nicht unbedingt Hip-Hop-Fans sind, meine Lieder hörten. Dadurch hat mich ein ganz neues Publikum entdeckt, was ich auch bei meinen Konzerten bemerke. Es kommen Hip-Hop-Fans, Punks, Rastas und Rock-Fans – und zwar junge wie alte. Das ist für mich das schönste Geschenk. Ich mache Musik für alle, nicht nur für eingefleischte Rap-Fans.

Wie empfindest du, nachdem du nun sehr oft in der Deutschschweiz auf Tour bist, den berühmten Röstigraben, die symbolische Kulturgrenze zwischen der deutschsprachigen und der französischsprachigen Schweiz?
Ein grosser Unterschied besteht darin, wie viel Geld die Zuhörer auszugeben bereit sind. Kürzlich hatte ich einen Auftritt in Lausanne mit Künstlern aus der Romandie. Da kostete der Eintritt 25 Franken. Ich dachte sofort, dass die Leute das teuer finden würden. Und tatsächlich war der Saal nicht voll. In der darauffolgenden Woche war ich in der Deutschschweiz. Auf der Bühne standen ich und ein Eröffnungs-Act, und der Eintritt kostete 30 Franken. Es war voll!
Ich habe den Eindruck, dass wir Romands unsere Identität auf der französischen Seite suchen. Die Deutschschweizer dagegen sind im Kopf Schweizer! Wenn sie Schweizer Künstler sehen, die sie begeistern, sagen sie: «Das ist cool, weil sie gut sind und ganz besonders, weil sie Schweizer sind», und sie unterstützen diese Künstler. Wir in der Romandie identifizieren uns stärker mit den Franzosen und beurteilen unsere Künstler eher danach, wie sie in Frankreich oder generell ausserhalb der Schweiz wahrgenommen werden. Glücklicherweise beginnt sich dies zu ändern. Kürzlich hatte ich einen Auftritt mit Danitsa, Comme1Flocon, SWK und Chien Bleu. Ein ähnliches Line-up, nur Romands, kein einziger Ausländer. Noch vor drei Jahren wäre das unmöglich gewesen.
Um auf den Röstigraben zurückzukommen: Das ist ganz witzig. Denn wenn ich in der Romandie erzähle, dass ich Konzerte in der Deutschschweiz gebe, fragt man mich: «Sind die Leute dort nicht viel verschlossener?» Aber ganz im Gegenteil: Ich bemerke, dass sie sehr viel offener sind als wir! Das zeigt sich daran, dass wir in der Deutschschweiz auftreten, während Deutschschweizer Rapper hier unbekannt sind.

In deinem Song «Outta Road» kritisierst du Menschen, die gelbe Westen tragen. Das war vor dem Aufkommen der Gelbwesten-Bewegung. Aber in «NAYUNO Session» sprichst du von den «echten» Gelbwesten und sagst: «Gelb ist in diesen Winter, sie tragen es als Weste, aber ich will es überall.» Ist das eine kleine Stichelei?
Ganz im Gegenteil, das ist ermutigend gemeint. Wenn ich Französin wäre, wäre ich täglich mit auf der Strasse, mit den Gelbwesten, überall, sogar zu Fuss.
Alles, was ich schreibe, kommt aus meinem Inneren. Wenn ich sehe, wie sich Menschen, die nicht unbedingt demselben gesellschaftlichen Milieu entstammen, zusammentun, um für ihre Rechte zu kämpfen, weil ihnen Ungerechtigkeit zuteil wird und sie nicht gut leben können, dann finde ich das gut! «Ich will es überall» soll heissen «Ich stehe euch bei bis zum Ende»!

Kommen wir zu deinem kreativen Schaffen. Was verstehst du unter «instinktivem Schreiben»?
Um Texte zu schreiben, brauche ich vor allem einen Beat. Wenn ich den nicht habe, dann schreibe ich vielleicht ein paar Zeilen, aber es wird nie etwas «Ganzes». Wenn ich mich an einen Song mache, brauche ich automatisch Musik, denn diese gibt mir die Worte vor.
Als Inspirationsquelle dient mir der Alltag. Es gibt viele Dinge im Leben, die mich berühren. Das können Dinge sein, die ich sehe, erlebe oder höre, Erfahrungen, die die Menschen in meinem Umfeld, meiner Familie machen, oder Schwierigkeiten, denen ich begegne. Es kann etwas sehr Persönliches sein, aber auch etwas Allgemeineres wie die Gelbwestenbewegung.
Von da aus leiten mich dann die Musik und meine Gefühle. Ich versuche, in mich hineinzufühlen und dem Ganzen einen Rhythmus zu verleihen. Ich schreibe viel am Computer. Aber wenn ich sehr genau und instinktiv arbeiten möchte, dann schreibe ich die Texte direkt im Kopf. Ich schreibe einen Satz nach dem anderen, und ich versuche, sie mir Stück für Stück zu merken, ohne dazu ein Blatt Papier zu brauchen. Die Melodien und der Flow folgen dann ganz natürlich, abhängig von dem, was ich erzählen möchte. So habe ich das Gefühl, viel instinktiver zu arbeiten und direkter das zu sagen, was ich sagen will und wie ich mich geben möchte.

Du schreibst nicht nur deine eigenen Texte, sondern komponierst auch die Beats dazu. Wie gehst du dabei vor? Mit welchen Klängen beginnst du?
Ja, ich komponiere manchmal auch. Im Prinzip beginne ich mit einer Basis, einem kleinen Vibe, einer Art Energie. Diese kann beispielsweise melancholisch sein oder in Richtung Reggae oder Cainfri (Anmerkung der Red.: «afrikanisch») gehen. Ich gehe immer von einer Art Farbe aus, die ich im Kopf habe. Das ist wirklich sehr abstrakt. Ich versuche, das, was in meinem Kopf ist, in eine Melodie umzuwandeln. Dazu nutze ich zahlreiche Samples auf meiner MIDI-Tastatur. Ich suche und suche … bis ich den Sound oder die Noten finde, die mich ansprechen. Ich beginne mit der Basismelodie und baue den Rest drumherum. So mache ich weiter, bis von instrumenteller Seite alles fertig ist.

KT Gorique auf Youtube

Das Interview mit KT Gorique entstand im Rahmen des Dossiers «A la découverte du rap romand» von Swissmusic.ch und ist dort im März 2019 zuerst erschienen.

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Das SUISA-Mitglied KT Gorique war an dem von der SUISA organisierten Panel «Hit the World» beim M4music Festival 2019 als Expertin für Songwriting im Genre Rap eingeladen. Kurze Zeit später wurde bekannt, dass sie zu den Preisträgerinnen des Schweizer Musikpreises 2019 gehört. Ein Interview mit der im Wallis lebenden Rapperin, die ihre Musik in die ganze Schweiz trägt. Gastbeitrag von José Tippenhauer, Swissmusic.ch

KT Gorique erobert die Deutschschweiz

«Sie ist schon im Senegal, in Kanada und in ganz Europa aufgetreten und ist aus der Schweizer Rapszene nicht mehr wegzudenken», schreibt das Bundesamt für Kultur über die frisch gekürte Gewinnerin des Schweizer Musikpreises 2019, KT Gorique. (Foto: Jérémie Carron)

KT Gorique wird ihrem Spitznamen «Schweizer Taschenmesser» wirklich gerecht. Nachdem sie 2012 den internationalen Rap-Improvisationswettbewerb «End of the Week» in New York gewonnen hatte, spielte sie im Film «Brooklyn» von…Weiterlesen

«Adiós»: Sommerhit nach karibischem Muster mit Cembalo | mit Video

An den «Swiss Music Awards» 2019 kann Loco Escrito zusammen mit vier Mitkomponisten auf die begehrten Betonklötze in der Kategorie «Best Hit» für den Song «Adiós» hoffen. Worin die Stärke des Songs liegt, erzählt der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter in seiner Song-Analyse im Video. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

Nicolas Herzig – wie Loco Escrito bürgerlich heisst – scheint die Erfolgsformel für Sommerhits gefunden zu haben. Nachdem er 2017 mit «Sin Ti» in den Schweizer Charts war, setzte er letztes Jahr noch einen obendrauf: Die Single «Adiós» hielt sich 29 Wochen in den Schweizer Charts und kletterte bis auf Platz 4. Damit gehörte der Song 2018 zu den drei erfolgreichsten Schweizer Tracks und ist dieses Jahr für die Auszeichnung als «Best Hit» an den Swiss Music Awards nominiert.

Abwechslungsreich und spannende Dramaturgie

Interessant am Song sei die Instrumentierung der Strophen, meint Hans Feigenwinter. Er ist selber Musiker und unterrichtet an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften. Im Video analysiert er den Song ausführlich.

Für Nicolas Herzig und den Mitkomponisten und Produzenten Henrik Amschler war es wichtig, dass «Adiós» abwechslungsreich bleibt und eine spannende Dramaturgie hat. Im schriftlichen Interview sagt Amschler: «Da der Song zum Beispiel keine klassische Bridge mit einem Akkordwechsel nach dem zweiten Chorus hat sondern drei Parts, war es uns wichtig, dass jeder Part auf seine Weise speziell ist.» Die verschiedenen Songparts haben entsprechend auch andere Stimmungen, wie Amschler hinzufügt: «Der erste Teil des zweiten Parts ist rhythmisch und animiert zum Tanzen. Der erste Teil des dritten Parts hingegen ist sphärisch und sehr emotional.»

(Internationales) Teamwork beim Songwriting

Neben Amschler und Herzig waren noch drei weitere Musiker am Songwriting von «Adiós» beteiligt. Der Bündner Komponist Sandro Dietrich und der ebenfalls aus Graubünden stammende Latin-Rapper, Sänger, Perkussionist und Musikproduzent Lou Geniuz alias Lou Zarra legten die musikalische Grundlage, die schon sehr weit ausgearbeitet war, wie Amschler sagt. Für die Lyrics wurde Nicolas Herzig vom kolumbianischen Musiker Jonathan Ruiz Mejia unterstützt. «Danach lag es an Loco und mir, es weiter zu führen, den Song anzupassen und fertig zu machen», schreibt Amschler.

Die Songwriter und der Produzent haben bewusst darauf verzichtet, zu viele Instrumente zu verwenden. « Wir hatten eigentlich noch mehr Instrumente vorgesehen, beispielsweise im Chorus», erklärt Henrik Amschler. «Im Endeffekt entschieden wir uns dann aber zu reduzieren, um der Stimme mit diversen Harmonien noch mehr Platz zu geben.» Dennoch überrascht «Adiós» mit interessanten Klängen, wie beispielsweise einem Cembalo-ähnlichen Sound – was für Pop-Musik eher unüblich sei, meint Hans Feigenwinter.

«Swiss Music Awards»: SUISA ehrt die Songwriter des «Best Hit»

«Adiós» gehört zu den drei nominierten Songs für den «Best Hit» bei den nächsten «Swiss Music Awards», die am Samstag, 16. Februar 2019, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) verliehen werden. Die SUISA ist «Supporting Partner» der Veranstaltung. Bereits zum vierten Mal werden im Namen der SUISA beim «Best Hit»-Award auch die Komponisten und Textautoren des Siegersongs geehrt. Nominiert sind:

  • «079» von Lo & Leduc (Songwriter: Lorenz Häberli, Maurice Könz, Luc Oggier)
  • «Adiós» von Loco Escrito (Songwriter: Henrik Amschler, Sandro Dietrich, Nicolas Herzig, Jonathan Ruiz Mejia, Luigi Zarra)
  • «Us Mänsch» von Bligg feat. Marc Sway (Songwriter: Marco Bliggensdorfer, Fred Herrmann, Marc Sway)

www.locoescrito.com
www.henrik-hsa-amschler.ch

Hans Feigenwinter stammt aus Basel. In jungen Jahren spielte er in Pop- und Indierockbands. Später studierte er Klavier an der Swiss Jazz School in Bern und war seither als Pianist und Komponist in diversen Formation aktiv. Aktuell ist er neben Solo-Konzerten vor allem in den Trios Hans Feigenwinter ZINC und Feigenwinter Oester Pfammatter zu hören. Er ist Dozent an den Musikhochschulen in Basel und Luzern. www.hansfeigenwinter.ch
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«Us Mänsch»: Last Minute-Hit mit sehr viel Energie | mit Video«Us Mänsch»: Last Minute-Hit mit sehr viel Energie | mit Video «Us Mänsch» von Bligg und Marc Sway gehörte letztes Jahr zu den erfolgreichsten Schweizer Songs. Dabei rutschte der Song erst in letzter Minute aufs Bligg-Album «KombiNation». Nun ist der Song für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019 nominiert. Der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter hat die Komposition von «Us Mänsch» analysiert. Weiterlesen
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An den «Swiss Music Awards» 2019 kann Loco Escrito zusammen mit vier Mitkomponisten auf die begehrten Betonklötze in der Kategorie «Best Hit» für den Song «Adiós» hoffen. Worin die Stärke des Songs liegt, erzählt der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter in seiner Song-Analyse im Video. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

Nicolas Herzig – wie Loco Escrito bürgerlich heisst – scheint die Erfolgsformel für Sommerhits gefunden zu haben. Nachdem er 2017 mit «Sin Ti» in den Schweizer Charts war, setzte er letztes Jahr noch einen obendrauf: Die Single «Adiós» hielt sich 29 Wochen in den Schweizer Charts und kletterte bis auf Platz 4. Damit gehörte der Song 2018 zu den drei erfolgreichsten Schweizer Tracks und ist dieses Jahr für die Auszeichnung als «Best Hit» an den Swiss Music Awards nominiert.

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«Us Mänsch»: Last Minute-Hit mit sehr viel Energie | mit Video

«Us Mänsch» von Bligg und Marc Sway gehörte letztes Jahr zu den erfolgreichsten Schweizer Songs. Dabei rutschte der Song erst in letzter Minute aufs Bligg-Album «KombiNation». Nun ist der Song für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019 nominiert. Der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter hat die Komposition von «Us Mänsch» analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Manu Leuenberger

Bligg und Marc Sway haben zusammen schon ein paar Songs geschrieben. Bei der Single «Us Mänsch» standen sie erstmals gemeinsam am Mikrofon. Mit Erfolg: Die Single wurde 2018 mit Platin ausgezeichnet.

Weshalb ist der Song für die Zuhörer so attraktiv? Hans Feigenwinter, der an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften unterrichtet und selber Pianist und Komponist ist, meint: «Es ist sehr viel Energie da, es ist ein sehr leidenschaftlicher Sprechgesang.» In seiner Song-Analyse, die im Video zu sehen ist, hört er im Stück etwas Feierliches: «Ich musste an eine Predigt denken.»

Last Minute-Hit

Neben Bligg und Marc Sway war auch der langjährige Produzent und Co-Komponist von Bligg, Fred Herrmann, am Songwriting von «Us Mänsch» beteiligt. Im schriftlichen Interview schilderte Fred Herrmann, wie der Song entstand:

«‹Us Mänsch› war ein typischer Last-Minute-Hit! Es war der allerletzte Song, den wir für das Album ‹KombiNation› geschrieben und produziert haben. Bligg meinte, er habe noch eine coole Text-Idee auf Lager mit dem Wortspiel ‹Us Mänsch›, den er unbedingt noch umsetzen wolle. Da wir schon ziemlich hinter dem Zeitplan lagen, haben wir parallel gearbeitet. Während ich an der Komposition und Produktion gearbeitet habe, hat Bligg bei sich zu Hause am Text gefeilt und seine Vocals aufgenommen. Er hat mir immer wieder neue Vocal-Spuren von sich geschickt, die ich entweder gleich einbaute oder wieder in Frage stellte und nach Anpassung verlangte. Es war eine richtige Ping-Pong-Party! Irgendwann hatten wir den Song zusammen, aber wir fanden, dass der Refrain unbedingt von einer männlichen Hammer-Stimme eingesungen werden muss. Uns kam ziemlich schnell Marc Sway in den Sinn, den wir beide schon sehr lange und gut kennen! Mister Sway kam zweimal für je zwei Stunden ins Studio und fertig war der Refrain! Das Schöne am Komponieren ist, dass immer wieder unvorhersehbar ein solcher Song entsteht, bei dem alles passt.»

«Swiss Music Awards»: SUISA ehrt die Songwriter des «Best Hit»

«Us Mänsch» gehört zu den drei nominierten Songs für den «Best Hit» bei den nächsten «Swiss Music Awards», die am Samstag, 16. Februar 2019, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) verliehen werden. Die SUISA ist «Supporting Partner» der Veranstaltung. Bereits zum vierten Mal werden im Namen der SUISA beim «Best Hit»-Award auch die Komponisten und Textautoren des Siegersongs geehrt. Nominiert sind:

  • «079» von Lo & Leduc (Songwriter: Lorenz Häberli, Maurice Könz, Luc Oggier)
  • «Adiós» von Loco Escrito (Songwriter: Henrik Amschler, Sandro Dietrich, Nicolas Herzig, Jonathan Ruiz Mejia, Luigi Zarra)
  • «Us Mänsch» von Bligg feat. Marc Sway (Songwriter: Marco Bliggensdorfer, Fred Herrmann, Marc Sway)

www.bligg.ch
www.marcsway.ch

Hans Feigenwinter stammt aus Basel. In jungen Jahren spielte er in Pop- und Indierockbands. Später studierte er Klavier an der Swiss Jazz School in Bern und war seither als Pianist und Komponist in diversen Formation aktiv. Aktuell ist er neben Solo-Konzerten vor allem in den Trios Hans Feigenwinter ZINC und Feigenwinter Oester Pfammatter zu hören. Er ist Dozent an den Musikhochschulen in Basel und Luzern. www.hansfeigenwinter.ch
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«Us Mänsch» von Bligg und Marc Sway gehörte letztes Jahr zu den erfolgreichsten Schweizer Songs. Dabei rutschte der Song erst in letzter Minute aufs Bligg-Album «KombiNation». Nun ist der Song für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019 nominiert. Der Musiker und Musikhochschuldozent Hans Feigenwinter hat die Komposition von «Us Mänsch» analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Manu Leuenberger

Bligg und Marc Sway haben zusammen schon ein paar Songs geschrieben. Bei der Single «Us Mänsch» standen sie erstmals gemeinsam am Mikrofon. Mit Erfolg: Die Single wurde 2018 mit Platin ausgezeichnet.

Weshalb ist der Song für die Zuhörer so attraktiv? Hans Feigenwinter, der an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften unterrichtet und selber Pianist und Komponist ist, meint: «Es ist sehr viel Energie da, es ist ein sehr leidenschaftlicher Sprechgesang.»…Weiterlesen

«079»: Eine tragikomische Hit-Geschichte | mit Video

Mit «079» haben Lo & Leduc und ihr Mitkomponist Maurice «Dr. Mo» Könz Geschichte geschrieben: Im letzten Jahr hielt sich der Song ganze 21 Wochen an der Spitze der hiesigen Hitparade – und erzielte damit einen Schweizer Rekord. «079» ist einer der drei nominierten Songs für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019. Der Musiker und Dozent für Musikwissenschaften Hans Feigenwinter hat die Hit-Komposition analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

Wie «079» den Weg in die Schweizer Charts fand, ist bereits eine bemerkenswerte Geschichte. Lo & Leduc boten den Song und das dazugehörige Album «Update 4.0» im Februar 2018 kostenlos zum Streamen und Herunterladen auf ihrer Website an – «aus Freude», wie sie damals in einem Interview sagten. Dem Publikum gefiel der Song so gut, dass er immer zahlreicher gekauft und eifrig gestreamt wurde. Damit schaffte es «079» auf Platz 1 der Schweizer Single-Hitparade und behielt dort 21 Wochen lang die Spitzenposition inne.

Geschrieben wurde der Song von Lorenz Häberli (Lo), Luc Oggier (Leduc) und dem Berner Komponisten, DJ und Performer Maurice Könz, besser bekannt als Dr. Mo. Letzterer schrieb die Melodie, zu der Lo & Leduc den Text beisteuerten. «Der Text und die Musik entstanden unabhängig voneinander», erzählt Dr. Mo über die Entstehung des Stücks im schriftlichen Interview. Beide Elemente seien schon fast fertig gewesen, als sie schliesslich kombiniert wurden. «Wir hatten versucht, den Text mit einem anderen Beat zu kombinieren, beziehungsweise einen anderen Text über den Beat zu machen», schreibt Dr. Mo. «Aber diese Ideen wurden schnell verworfen. Als wir dann den Text mit dem Beat kombinierten, wussten wir sofort, dass alles passt.»

Originell, rührig, etwas absurd

Zum Erfolg beigetragen hat nicht zuletzt die Geschichte, die im Song erzählt wird. «Es ist eine tragikomische Geschichte. Sie ist originell, sie ist nachvollziehbar, sie ist rührig; das Ganze hat etwas Absurdes», sagt der Pianist und Komponist Hans Feigenwinter, der an den Musikhochschulen in Basel und Luzern Musikwissenschaften unterrichtet. Seine Analyse des Songs ist im Video zu sehen.

Dass die Suche nach den passenden Wörtern bisweilen sehr zeitintensiv ist, erläutert Dr. Mo an einem konkreten Beispiel: «Am längsten dauerte die Suche nach dem passenden Personalpronomen. Wir waren unsicher, ob man die Geschichte versteht, wenn zwei verschiedene Sänger aus der Ich-Perspektive singen, aber dieselbe Person darstellen. Wir überlegten uns also auch von ‹ihm› zu erzählen, was die personelle Verwirrung auflösen würde. Dies verursachte jedoch Probleme bei Konjugationen, Reimen und emotionaler Zugänglichkeit. Schliesslich haben wir uns zu Recht dafür entschieden, dem Hörer die Ich-Perspektive zuzumuten.»

«Swiss Music Awards»: SUISA ehrt die Songwriter des «Best Hit»

«079» gehört zu den drei nominierten Songs für den «Best Hit» bei den nächsten «Swiss Music Awards», die am Samstag, 16. Februar 2019, im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) verliehen werden. Die SUISA ist «Supporting Partner» der Veranstaltung. Bereits zum vierten Mal werden im Namen der SUISA beim «Best Hit»-Award auch die Komponisten und Textautoren des Siegersongs geehrt. Nominiert sind:

  • «079» von Lo & Leduc (Songwriter: Lorenz Häberli, Maurice Könz, Luc Oggier)
  • «Adiós» von Loco Escrito (Songwriter: Henrik Amschler, Sandro Dietrich, Nicolas Herzig, Jonathan Ruiz Mejia, Luigi Zarra)
  • «Us Mänsch» von Bligg feat. Marc Sway (Songwriter: Marco Bliggensdorfer, Fred Herrmann, Marc Sway)

www.lo-leduc.ch
www.drmo.ch

Hans Feigenwinter stammt aus Basel. In jungen Jahren spielte er in Pop- und Indierockbands. Später studierte er Klavier an der Swiss Jazz School in Bern und war seither als Pianist und Komponist in diversen Formationen aktiv. Aktuell ist er neben Solo-Konzerten vor allem in den Trios Hans Feigenwinter ZINC und Feigenwinter Oester Pfammatter zu hören. Er ist Dozent an den Musikhochschulen in Basel und Luzern. www.hansfeigenwinter.ch
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Mit «079» haben Lo & Leduc und ihr Mitkomponist Maurice «Dr. Mo» Könz Geschichte geschrieben: Im letzten Jahr hielt sich der Song ganze 21 Wochen an der Spitze der hiesigen Hitparade – und erzielte damit einen Schweizer Rekord. «079» ist einer der drei nominierten Songs für die «Best Hit»-Auszeichnung an den «Swiss Music Awards» 2019. Der Musiker und Dozent für Musikwissenschaften Hans Feigenwinter hat die Hit-Komposition analysiert. Text von Giorgio Tebaldi; Video von Sibylle Roth

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«Get Going!»-Beiträge und «Carte Blanche» erstmals vergeben

Im Rahmen ihrer neuen Förderpolitik hat die FONDATION SUISA erstmals vier «Get Going!»-Beiträge sowie eine «Carte Blanche» vergeben. Eine «Get Going!»-Anstossfinanzierung von je 25 000 Franken erhalten Beat Gysin, Bertrand Denzler, Michael Künstle und das Duo Eclecta. Die alle zwei Jahre vergebene «Carte Blanche» von 80 000 Franken geht an Cécile Marti. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA: «Get Going!»-Beiträge und «Carte Blanche» erstmals vergeben

Die Komponistin Cécile Marti erhält die alle zwei Jahre vergebene «Carte Blanche» der FONDATION SUISA. (Foto: Ingo Höhn)

In der neuen Förderpolitik der FONDATION SUISA geht es darum, auf die sich rasch wandelnden Musikszenen zu reagieren. Im «Dazwischen», also abseits gängiger Genre-, Alters- oder Projektkategorien finden kreative und künstlerische Prozesse statt, die beim gängigen Gesuchswesen zwischen Stuhl und Bank zu fallen drohen.

Deshalb wurden im Juni erstmals vier «Get Going!»-Beiträge zu je 25 000 Franken ausgeschrieben. «Mit dieser jährlichen Ausschreibung versuchen wir, kreative Orte und künstlerische Visionen auszumachen, die es verdienen, gefördert zu werden», sagt Urs Schnell, Direktor der FONDATION SUISA. «Deshalb ist die Ausschreibung auch bewusst offen gehalten.»

Mit über 90 eingereichten Gesuchen sind die «Get Going!»-Beiträge bei den Musikschaffenden auf viel Resonanz gestossen. «Die Fachjury hat es sich nicht einfach gemacht, aus den vielen hoch interessanten Anfragen vier Empfängerinnen und Empfänger auszuwählen», so Schnell. In der Beschreibung der nun geförderten künstlerischen Absichten lässt sich sehr gut ablesen, um was es bei dieser Art der Anstossfinanzierung geht. «Letztlich geht es auch in der Musik immer wieder darum, neue Welten zu erforschen, Dinge hör- und sichtbar zu machen, neue Perspektiven auszuloten», meint Schnell.

«Get Going!»-Beiträge 2018

So kreiert etwa der Komponist Beat Gysin im Rahmen seiner «Leichtbautenreihe» architektonische Räume, in denen ungewohnte Hörsituationen eine neue Wahrnehmung von Musik ermöglichen. Gysin forscht so nach den dynamischen Möglichkeiten, die sich in der Beziehung zwischen Raum, Musik sowie Empfänger/Hörer ergeben.

Um «Raum» geht es auch Michael Künstle. Der Komponist von Film- und Konzertmusik paart orchestrale Tradition mit moderner kompositorischer sowie aufnahmetechnischer Innovation, um so eine Raum-Komposition zu schaffen, die als dreidimensionales Hörerlebnis zugänglich wird.

Saxophonist und Komponist Bertrand Denzler wiederum ortet neue kompositorische Möglichkeiten in der bewussten Nicht-Verortung seines Schaffens. Er versucht mit einer «wandernden Residenz» improvisatorisch und kompositorisch den Austausch mit fremden Kulturen. Der stete Dialog mit sich wandelnden Einflüssen soll jenen Weg aufzeigen, der am Ende in kompositorischen Resultaten mündet.

Und Andrina Bollinger und Marena Whitcher wandeln als Duo Eclecta durch interdisziplinäres Gelände. Als Sängerinnen, Performerinnen, Multiinstrumentalistinnen, Produzentinnen und Komponistinnen kollaborieren sie unentwegt mit anderen Künsten, um neue hör-, sicht- und fühlbare Erlebniswelten zu erschaffen.

«Carte Blanche» an Cécile Marti

Die «Carte Blanche» in der Höhe von 80 000 Franken, die nicht ausgeschrieben, sondern alle zwei Jahre direkt von einer Fachjury vergeben wird, soll es Musikschaffenden erlauben, sich ohne finanziellen Druck auf seine oder ihre künstlerische Weiterentwicklung zu konzentrieren.

Wer in den letzten Jahren den kreativen Weg von Cécile Marti verfolgt hat, weiss, dass die aus dem Kanton Zürich stammende Künstlerin eine würdige Empfängerin dieser «Carte Blanche» ist. Vor allem ihr Orchesterzyklus «Seven Towers», in 7 Teilen und für 120 Musiker, der 2016 durch das SOBS in Biel uraufgeführt wurde und seit seiner Entstehung auch durch das Berner Symphonieorchester, der Geneva Camerata und der Sinfonietta Basel gespielt wurde, sorgte für Aufsehen.

Parallel dazu doktorierte Marti mit einer Arbeit, die sich mit musikalischen Zeitverläufen befasst. Die «Carte Blanche» ermöglicht es ihr nun, die initiierte Forschung auf diesem Gebiet in einen künstlerischen Kontext zu stellen. Die erforschten Zeitverläufe sollen mit Hilfe eines Balletts und in skulpturaler Form (Marti ist auch Steinbildhauerin) sichtbar gemacht werden.

www.fondation-suisa.ch

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Texte zu Musik: «Erlaubt ist, was gelingt»Texte zu Musik: «Erlaubt ist, was gelingt» Die FONDATION SUISA schreibt ihren mit 25 000 Franken dotierten Anerkennungspreis dieses Jahr für Textautorinnen und Textautoren musikalischer Werke aus. Was aber zeichnet einen gelungenen Songtext aus? Gastautor Markus Ganz im Gespräch mit dem Journalisten Jean-Martin Büttner. Weiterlesen
James Gruntz: «Besonders spannend finde ich es, wenn ich zunächst nicht weiss, in welche Richtung ein Song geht»«Besonders spannend finde ich es, wenn ich zunächst nicht weiss, in welche Richtung ein Song geht» James Gruntz veröffentlichte kürzlich sein neues Album «Waves». Eine wichtige Rolle bei der Entstehung spielte das Werkjahr, das der 30-jährige Songwriter, Multiinstrumentalist, Produzent und Sänger von der FONDATION SUISA erhalten hat. Weiterlesen
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Im Rahmen ihrer neuen Förderpolitik hat die FONDATION SUISA erstmals vier «Get Going!»-Beiträge sowie eine «Carte Blanche» vergeben. Eine «Get Going!»-Anstossfinanzierung von je 25 000 Franken erhalten Beat Gysin, Bertrand Denzler, Michael Künstle und das Duo Eclecta. Die alle zwei Jahre vergebene «Carte Blanche» von 80 000 Franken geht an Cécile Marti. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA: «Get Going!»-Beiträge und «Carte Blanche» erstmals vergeben

Die Komponistin Cécile Marti erhält die alle zwei Jahre vergebene «Carte Blanche» der FONDATION SUISA. (Foto: Ingo Höhn)

In der neuen Förderpolitik der FONDATION SUISA geht es darum, auf die sich rasch wandelnden Musikszenen zu reagieren. Im «Dazwischen», also abseits gängiger Genre-, Alters- oder Projektkategorien finden kreative und künstlerische Prozesse statt, die beim gängigen Gesuchswesen zwischen Stuhl und Bank zu fallen drohen.

Deshalb wurden im Juni erstmals vier «Get Going!»-Beiträge zu je 25 000 Franken ausgeschrieben. «Mit dieser jährlichen Ausschreibung versuchen…Weiterlesen

Die ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label Suisse

Vom 14. bis 16. September 2018 hat zum achten Mal das Festival Label Suisse in Lausanne stattgefunden. Das Festival ist dem Schweizer Musikschaffen gewidmet und bietet dem Publikum alle zwei Jahre einen breitgefächerten Panoramablick auf die aktuelle Musiklandschaft der Schweiz. Text/Interviews von Erika Weibel

Die ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label Suisse

Die Hauptbühne des Festivals Label Suisse auf dem «Place Centrale» in Lausanne während des Auftritts des Genfer Hip-Hop-Kollektivs Superwak Clique am Samstag, 15. September 2018. (Foto: Anne Bichsel)

Bei der achten Ausgabe des Festivals Label Suisse konnten 90 000 Besucher bei über 60 Konzerten an 10 Standorten im Stadtzentrum von Lausanne Darbietungen mannigfaltiger Musikrichtungen lauschen. Die Zuhörerinnen und Zuhörer durften sich freuen über elektronische Musik, Pop-Rock, zeitgenössische und klassische Musik, Jazz, neue Volksmusik – die ganze Vielfalt der Schweizer Musik an einem Festival!

Die Programmverantwortlichen des Festivals legen grossen Wert darauf, dass sowohl erfahrenen als auch aufstrebenden Schweizer Künstlern eine Bühne geboten wird. Sämtliche Konzerte sind für das Publikum kostenlos zugänglich, da die Aufwände von den Sponsoren des Festivals getragen werden. Die SUISA unterstützt Label Suisse seit 2006 finanziell und war auch 2018 einer der Hauptpartner des Festivals.

Die mehreren Programmverantwortlichen von Label Suisse widmen sich jeweils einem spezifischen musikalischen Genre. Nach dem Festival haben wir schriftlich bei ihnen nachgefragt, wie sie bei der Künstlerauswahl vorgegangen sind, was sie am Festival besonders reizt und welche Trends und Tendenzen sie in den Genres beobachten. Ausserdem wollten wir vom Festivalpräsidenten Julien Gross wissen, was ihn bei der Ausgabe 2018 besonders bewegt hat.

Label Suisse: Julien Gross

Julien Gross (Foto: Anne Bichsel)

Julien Gross, Präsident des Vereins Label Suisse

Du bist Präsident des Vereins Label Suisse und sorgst seit Jahren für den reibungslosen Ablauf des Festivals. Was macht deiner Meinung nach Label Suisse besonders attraktiv?
Julien Gross: Label Suisse bietet ein einzigartiges künstlerisches Angebot aus einem breiten Spektrum verschiedener Musikstile, die sich in unserem Programm widerspiegeln. Unser Festival vereint während drei Tagen Menschen aller Generationen und Herkunft.
Künstlerinnen und Künstler aus allen vier Sprachregionen treten vor einem neugierigen, treuen und sehr aufmerksamen Publikum auf. Das Radio spielt während dieser drei Tage eine äusserst wichtige Rolle, denn es überträgt das Festival in die ganze Schweiz.

Dies war die 8. Ausgabe von Label Suisse. Das Festival fand 2004 zum ersten Mal und seither alle zwei Jahre statt. Welche Veränderungen hat Label Suisse im Lauf dieser vierzehn Jahre erlebt?
Es ist vor allem die Schweizer Musik, die sich stark entwickelt hat. Auf kreative, innovative und originelle Art und Weise bildet Label Suisse eine Momentaufnahme aller Musikszenen ab.
Wir lösen in gewisser Weise den Wunsch aus, zu entdecken, sich auf ein musikalisches Abenteuer einzulassen. Ausserdem fördern wir die Präsenz bestimmter Musikstile oder präsentieren Neuschöpfungen.

Zahlreiche Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Genres aus der ganzen Schweiz machen bei Label Suisse mit. Welche Auftritte haben dich ganz persönlich am meisten begeistert?
Es hat mir grosses Vergnügen bereitet, über das Festivalgelände zu schlendern, alles zu entdecken und Musik zu hören, die nicht Teil meines Alltagslebens ist. Das ist es, was mich am meisten begeistert.

Label Suisse: Laurence Vinclair

Laurence Vinclair (Foto: Mehdi Benkler)

Laurence Vinclair, Programmgestaltung aktuelle Musik

Welchen Reiz hat es, an einem Festival, das so zahlreiche Genres vereint, für das Programm eines bestimmten Genres verantwortlich zu sein?
Laurence Vinclair: Das Besondere daran ist ganz einfach, dass ich die Ehre habe, während drei Tagen Künstlerinnen und Künstler präsentieren zu dürfen, die Aufmerksamkeit verdienen und deren Entwicklung ich zum Teil bereits über Jahre verfolgt habe. Und natürlich kann ich so einem vielfältigen Publikum Musikstile näherbringen, die es sonst nicht unbedingt hören würde.

Welches waren die Kriterien, die bei der Auswahl der verschiedenen Gruppen/Bands zum Zug gekommen sind?
Die Kriterien sind Qualität, Aktualität, Motivation der Künstlerinnen und Künstler und ihr Entwicklungspotenzial.

Was sind die aktuellen Trends und Tendenzen im von Ihnen programmierten Genre? Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf die Vertreter der Schweizer Musikszene?
Der deutlichste Trend liegt beim Hip-Hop oder der urbanen Musik. Dieses Genre hat die Führung übernommen, wie man seit zwei Jahren an der Programmgestaltung von Klubs und Festivals beobachten kann.

Label Suisse: Stefano Saccon

Stefano Saccon (Foto: Claude Berthelier)

Stefano Saccon, Programmgestaltung Jazz

Welchen Reiz hat es, an einem Festival, das so zahlreiche Genres vereint, für das Programm eines bestimmten Genres verantwortlich zu sein?
Stefano Saccon: Die Klugheit und Stärke dieses Festivals besteht darin, dass für jeden Bereich kompetente Fachleute beigezogen und so die repräsentativsten Musikerinnen und Musiker gezielt ausgewählt werden. Teil eines Fachkomitees zu sein, ist eine Herausforderung und regt dazu an, ein sinnvolles, ausgewogenes Programm zu gestalten.

Welches waren die Kriterien, die bei der Auswahl der verschiedenen Gruppen/Bands zum Zug gekommen sind?
Die Vielfältigkeit des Jazz verlangt einen breiten Blick und Kriterien, die sich dem künstlerischen Prozess anpassen. Ein Projekt muss in jedem Fall originell sein und dem Programm einen Mehrwert geben. Es soll in seine Zeit passen und trotzdem spürbar in der Tradition verankert sein, und es muss eine gewisse Reife, aber auch Entwicklungspotenzial zeigen.

Was sind die aktuellen Trends und Tendenzen im von Ihnen programmierten Genre? Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf die Vertreter der Schweizer Musikszene?
Es gibt meiner Meinung nach drei Arten von Trends:
a) die Verbindung von akustischer und elektronischer Musik, die Neugier der DJs auf der ganzen Welt und die Schöpfung neuer Klangtexturen;
b) den Minimalismus, der in einem traditionelleren Ansatz die Gruppe zulasten der Solisten ins Zentrum stellt;
c) den Willen, Kompositionen auf komplexen rhythmischen Strukturen aufzubauen.
Heutzutage sind die Musikerinnen und Musiker, die dem Jazz zugeordnet werden, Meister ihrer Instrumente und besitzen eine enorme Neugier, die zu grenzenloser Kreativität anregt. Angesichts des wachsenden Angebots und der daraus entstehenden zunehmenden Konkurrenz erhalten sich die Musikerinnen und Musiker eine bemerkenswerte Bescheidenheit und beispielhaften gegenseitigen Respekt.

Label Suisse: Johannes Rühl

Johannes Rühl (Foto: Roland Zemp)

Johannes Rühl, Programmgestaltung neue Volksmusik

Welchen Reiz hat es, an einem Festival, das so zahlreiche Genres vereint, für das Programm eines bestimmten Genres verantwortlich zu sein?
Johannes Rühl: Es gibt nur wenige Festivals, die stilistisch so breit aufgestellt sind wie Label Suisse. Das ist grundsätzlich schon einmal eine grosse Leistung. Für die Programmauswahl heisst das, dass jede Musik neben den anderen Angeboten bestehen muss. Zudem ist zu erwarten, dass ganz unterschiedliches Publikum zu den Konzerten kommt. Solch ein Festival ist für neugierige Menschen wirklich einzigartig. Es ist das beste Publikum, das man sich wünschen kann.

Welches waren die Kriterien, die bei der Auswahl der verschiedenen Gruppen/Bands zum Zug gekommen sind?
Die neue Volksmusik ist ja im Wesentlichen eine Musik der deutschsprachigen Schweiz. Zuhörern aus anderen Landesteilen muss man diese Musik schmackhaft machen, zumal sie manchmal auch gewöhnungsbedürftig ist. Deshalb sollen Gruppen nach Lausanne kommen, die eine gewisse stilistische Offenheit mitbringen. Vor allem darauf haben wir geachtet, neben der Qualität natürlich.

Was sind die aktuellen Trends und Tendenzen im von Ihnen programmierten Genre? Wie werden diese Entwicklungen im Schweizer Musikschaffen gelebt?
Die neue Volksmusik der Schweiz ist letztlich ein Erbe des Folk des vergangenen Jahrhunderts. Damals war die Musik Protest; heute haben die Musikerinnen und Musiker eine grosse Zuneigung zur Tradition. Sie beleben das Material ohne Scheuklappen und schaffen so etwas ganz Neues, Ungehörtes. Wichtig für das Genre ist die Hochschule Luzern – Musik, die seit ein paar Jahren herausragende Talente hervorbringt. Die Entwicklung ist noch lange nicht zu Ende und ich glaube, wir haben von dort noch sehr viel Gutes zu erwarten.

Label Suisse: Claire Brawand

Claire Brawand (Foto: Nathalie Langlois)

Claire Brawand, Programmgestaltung klassische und zeitgenössische Musik

Welchen Reiz hat es, an einem Festival, das so zahlreiche Genres vereint, für das Programm eines bestimmten Genres verantwortlich zu sein?
Claire Brawand: Die Programmgestaltung findet immer in einem spezifischen Kontext statt, der berücksichtigt werden muss. Im Fall von Label Suisse (stilistische Vielfalt mit Schwergewicht auf «Musique Actuelle», nationale Dimension, örtliche Vielfalt, freier Eintritt, sehr grosses Publikum, darunter viele junge Menschen) weicht der Kontext stark vom gewohnten Rahmen der klassischen Musik (vom Barock bis heute) ab, die für gewöhnlich von erfahrenen Musikliebhabern gehört wird. Ich sehe darin ein sehr fruchtbares Experimentierfeld, was meine Aufgabe der Programmgestaltung noch stimulierender macht. Eines der Hauptziele ist dabei, die Besucherinnen und Besucher des Festivals dazu anzuregen, das Universum der klassischen Musik durch eine bestimmte Persönlichkeit, durch die vorherrschende Energie oder durch ein spezielles Konzertformat zu entdecken. Die grosse Freiheit am Festival Label Suisse, entweder sich von Konzert zu Konzert zu bewegen oder aber im gleichen Saal nacheinander die verschiedensten Musikstile zu geniessen, machen dies möglich.

Welches waren die Kriterien, die bei der Auswahl der verschiedenen Gruppen/Bands zum Zug gekommen sind?
Für die Programmgestaltung in der klassischen Musik habe ich starken, einzigartigen Musikerinnen und Musikern – Interpretinnen und Interpreten ebenso wie Komponistinnen und Komponisten – den Vorzug gegeben, deren Vorgehen gut zur Identität des Festivals passt. Sie sollten zeitgenössisch, also aktuell, und experimentierfreudig sein. Eine solche Veranlagung auf Seiten der klassischen Künstlerinnen und Künstler ist für den speziellen Kontext von Label Suisse notwendig. Aus diesen Gründen haben wir uns auf das Repertoire des 20. und 21. Jahrhunderts konzentriert (darunter auch Neuschöpfungen) und den Schwerpunkt bei Schweizer Komponistinnen und Komponisten aus allen Generation gesetzt.

Was sind die aktuellen Trends und Tendenzen im von Ihnen programmierten Genre? Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf die Vertreter der Schweizer Musikszene?
Die Verknüpfung zwischen den Künsten (visuell, akustisch, kompositorisch) und den Ästhetiken nimmt zu. In der Art wie die jüngere Generation führender Musiker ihre Konzertprogramme gestaltet, findet eine grosse Erneuerung statt. Sie arbeiten heute an einer «klassischen» Musik, die keine Grenzen kennt, wie es sie in früheren Generationen oft noch gab.

www.labelsuisse.ch

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Die Hauptbühne des Festivals Label Suisse auf dem «Place Centrale» in Lausanne während des Auftritts des Genfer Hip-Hop-Kollektivs Superwak Clique am Samstag, 15. September 2018. (Foto: Anne Bichsel)

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