Tagarchiv: Musikförderstiftung

Unterwegs im eigenen Universum

Cécile Marti gehört zu den herausragendsten Protagonistinnen zeitgenössischer Musik in der Schweiz. In ihren Werken versucht die Komponistin und Bildhauerin verschiedene Ausdrucksformen zu einem grossen Ganzen zu vereinen. Zum Dialog zwischen Klang und Skulptur soll sich in naher Zukunft auch das Ballett gesellen. Die FONDATION SUISA unterstützt die künstlerische Vision der Zürcherin mit einer Carte Blanche in der Höhe von 80 000 Schweizer Franken. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Cécile Marti: Unterwegs im eigenen Universum

Carte Blanche für Cécile Marti. (Foto: Suzie Maeder)

Normalerweise gilt die Einsicht, dass man das künstlerische Werk von dessen Urheber trennen sollte. Im Falle von Cécile Marti ist dies kaum möglich, weil ein einziger Tag in ihrem Leben sie nicht nur zwang, ihren grossen Traum zu begraben, sondern sie letztlich auch nach langer Leidenszeit auf jenen Weg brachte, mit dem sie heute künstlerische Erfolge feiert.

Die Kompromisslosigkeit, mit der die heute 45-jährige Zürcherin ihre künstlerischen Visionen verfolgt, war schon als kleines Mädchen ausgeprägt: «Von klein auf wusste ich: Ich will Geigerin werden. Geigerin und nichts anderes». Mit acht Jahren begann sie Geige zu spielen, kurz darauf kam das Klavier hinzu. Als sie die Violinistin Bettina Boller an einem Konzert hörte, war auch da klar: «Bei der will ich Unterricht haben». Der Wille versetzt Berge und die junge Cécile bekam als einzige Privatunterricht. «Diese Zeit war wie ein musikalisches Erdbeben für mich», schwärmt Marti. «Bettina Boller brachte mir die Neue Musik näher. Mit 12 hörte ich schon Alfred Schnittke. Danach war für mich definitiv klar: Ich muss ans Konservatorium und die Geige wird zum alleinigen Fokus meines Lebens.»

Aus der Traum

Marti senkt für einen Sekundenbruchteil den Blick, bevor sie weitererzählt: «Mit 17 unterrichtete ich bereits selber, mit 18 folgte das Konsi und Orchesterprojekte von Mahler bis Bruckner. Es war grossartig. Doch dann, mit 20, der Hammer!» Marti erlitt einen Schlaganfall, war halbseitig gelähmt. Von einem Tag auf den anderen: Aus der Traum. «Ich wollte es nicht wahrhaben und habe es mit allen erdenklichen Therapien drei Jahre lang versucht. Ich habe so lange gekämpft, bis ich am Ende meiner Kräfte war.»

Marti verbannte die Geige auf den Dachboden und hörte sich fünf Jahre lang keine Musik mehr an. «Die Wunde war viel zu gross.» Sie fühlte sich in dieser Zeit – wie sie es selber ausdrückt – «wie in einer Wüste». Bis zu jenem Moment, als sich ihr Unterbewusstsein zu melden begann. «Plötzlich hörte ich Musik in mir drin. Und die begann ich dann aufzuschreiben. Das war der Anfang meiner Kompositionstätigkeit.»

Mit Dieter Ammann begann das Kompositionsstudium und die erste Begegnung mit Zeitverläufen im Moment-Bereich. Die Begegnung mit dem österreichischen Komponisten Georg Friedrich Haas während ihres Studiums eröffnete ihr plötzlich eine zusätzliche Dimension bei der Erarbeitung eigener Werke. Haas praktizierte im Gegensatz zu Ammann einen für Marti bis anhin unbekannten Umgang mit zeitlichen Verläufen. «Er liess sich für eine Idee ungemein viel Zeit, bis zum Punkt, in der sie völlig ausgeschöpft ist. Und dann dreht sich diese Idee langsam in eine neue hinein. Diese langsame Verwandlungsform hat mich fasziniert. Daraus ergibt sich ein völlig anderes Hören und Zeitempfinden.»

Skulpturales Hören

Im Nachhinein betrachtet ist es wohl kein Zufall, dass sich Marti von den Möglichkeiten verschiedenster Zeitverläufe in den Bann gezogen fühlte. Und ebenso wenig ist es Zufall, dass sie parallel mit dem Beginn ihrer Kompositionstätigkeit auch mit der Bildhauerei begann. Der durch den Schlaganfall jäh unterbrochene Zeitverlauf des eigenen Lebens, der letztlich in einen Neuen mündete; und der rohe Stein, der mit viel Kraft, Ausdauer und Willenskraft sich in eine vollendete Skulptur verwandelt – die Dialektik zwischen Biographie und künstlerischer Auseinandersetzung ist nicht von der Hand zu weisen.

Sie erklärt auch den Weg, den Marti für sich eingeschlagen hat und der sich klar von der klassischen Karriere unterscheidet. «Normalerweise komponiert man im Auftrag von Jemandem. Ich habe vorwiegend meine eigenen Ideen verfolgt», erklärt sie bestimmt. Ihr Doktorvater in London (Marti doktorierte mit einer Arbeit über musikalische Zeitverläufe) äusserte zu Beginn noch Bedenken, was ihre Kompositionspläne betraf. «Er sagte: ‹Du schreibst einfach ins Blaue hinaus›», erzählt sie lächelnd. «Du wirst wohl nie ein Orchester dafür finden.» Er meinte damit den Orchesterzyklus «Seven Towers», in 7 Teilen und für 120 Musiker von 80 Minuten Dauer, der 2016 durch das SOBS in Biel uraufgeführt wurde und seit seiner Entstehung auch in Teilen durch das Berner Symphonieorchester, der Geneva Camerata und der Sinfonietta Basel gespielt wurde.

In diesem – im wahrsten Sinne – atemberaubenden Werk erinnert das Orchester in seiner Ganzheit auch an eine Skulptur, die sich auf vielfache Weise erfahren lässt. «Die Leute sagen mir, meine Musik höre und fühle sich skulptural an und ich denke, sie ist in der Tat sehr gestisch und formend. Ich mag die Vorstellung, dass man Dinge aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachten kann und zwischen meiner bildhauerischen Arbeit und meinen Kompositionen ist tatsächlich eine Wechselwirkung vorhanden.»

«Das grösste Geschenk»

Diese Wechselwirkung möchte Cécile Marti mit einem neuen Projekt erweitern, und zwar mit einem Ballett. Die Idee kam ihr vor drei Jahren, als sie eine Choreographie der Kanadierin Crystal Pite in einem Londoner Theater sah. «Es war wie ein Blitzschlag für mich», schwärmt Marti. «Bis dahin hatte ich noch nie eine Tanzvorstellung gesehen, bei der ich unmittelbar das Gefühl hatte, mit dieser Choreographin möchte ich zusammenarbeiten.» Pite, so Marti, mache tänzerisch genau das gleiche wie sie musikalisch. «Auch sie arbeitet skulptural und mit Hilfe von grossen Gruppen. Sie formt dann diese Masse in alle erdenklichen Richtungen.»

Dass Pite zwar angetan war vom Projekt, aber als Shooting Star der Tanzszene bis 2026 völlig ausgebucht ist, hält Marti nicht davon ab, die Idee weiterzuverfolgen. Während ihrer musiklosen Zeit schrieb sie Dutzende von Tagebüchern – sie sind nicht nur das Vermächtnis einer düsteren Zeit, sondern schildern auch den Aufbruch in ein neues Leben. Diese Schriften sollen Basis sein für ein autobiographisches Handlungsballett, das es in dieser Form noch nie gegeben hat.

Ob im Falle des Balletts, dessen erster Teil im September 2019 in Warschau vorerst konzertant uraufgeführt wurde, oder bei im selben Monat uraufgeführten 2. Streichquartett, dessen Titel «In Stein gemeisselt» bereits auf die Präsenz von 26 Steinskulpturen hinweist: Die Sichtbarwerdung von Zeitverläufen steht im Zentrum von Martis sowohl kreativer wie forschender Arbeit. Konsequenterweise arbeitet sie deshalb auch weiter am Konzept der «Seven Towers», um auch diese in Zukunft physisch skulptural erfahrbar zu machen.

Die Carte Blanche der FONDATION SUISA ermöglicht es ihr nun, ohne Druck dieses Ziel weiter zu entwickeln. «Die Carte Blanche ist einfach das grösste Geschenk, das man sich vorstellen kann», schwärmt sie. «Ich verfolge Dinge, die mir am Herzen liegen und die vielleicht auf dem Papier unpopulär erscheinen. Aber meine Arbeit soll inhaltlich präzise und so authentisch wie möglich sein. Und deshalb sollte der zeitliche Druck dabei keine Rolle spielen.»

Der Schicksalsschlag, den Marti 20-jährig widerfuhr, muss sich wie ein Schwarzes Loch angefühlt haben, in dem sämtliche Materie verschwand. Umso beeindruckender erscheint der nach Jahren der Dunkelheit erfolgte Urknall, aus dem heraus sie ein ganz neues, einzigartiges und noch längst nicht bis in alle Ecken erforschtes Universum erschaffen hat.

www.cecilemarti.ch

2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Die «Carte Blanche» in der Höhe von 80 000 Franken, die nicht ausgeschrieben, sondern alle zwei Jahre direkt von einer Fachjury vergeben wird, soll es Musikschaffenden erlauben, sich ohne finanziellen Druck auf seine oder ihre künstlerische Weiterentwicklung zu konzentrieren.

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Cécile Marti gehört zu den herausragendsten Protagonistinnen zeitgenössischer Musik in der Schweiz. In ihren Werken versucht die Komponistin und Bildhauerin verschiedene Ausdrucksformen zu einem grossen Ganzen zu vereinen. Zum Dialog zwischen Klang und Skulptur soll sich in naher Zukunft auch das Ballett gesellen. Die FONDATION SUISA unterstützt die künstlerische Vision der Zürcherin mit einer Carte Blanche in der Höhe von 80 000 Schweizer Franken. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Cécile Marti: Unterwegs im eigenen Universum

Carte Blanche für Cécile Marti. (Foto: Suzie Maeder)

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«The Director’s Blog» – «Wir wollen unsere Arbeit sichtbarer machen»

Als gemeinnützige Stiftung fördert die FONDATION SUISA seit 1989 das aktuelle Schweizer Musikschaffen. Wie dies im Detail geschieht, lässt sich nun im neu aufgeschalteten «Director’s Blog» nachlesen. Stiftungsdirektor Urs Schnell will damit die «Visibilität unserer Tätigkeit» erhöhen. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

FONDATION SUISA: «The Director’s Blog»

Das Ziel des «The Director’s Blog» ist, die Tätigkeit der FONDATION SUISA für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer machen. (Foto: FONDATION SUISA)

Was genau macht eigentlich eine Stiftung wie die FONDATION SUISA? Ihre Tätigkeit lässt sich allgemein formuliert zwar auf der eigenen Webseite nachlesen, doch wie sieht die Arbeit im Konkreten aus? Was geschieht mit den rund 2,7 Millionen Franken, die sie jährlich von der SUISA Genossenschaft zugewiesen erhält? Ein Betrag, der 2,5% der SUISA-Einnahmen aus den Aufführungs- und Senderechten in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein entspricht. Und wie wirkt sich die Förderung auf den verschiedenen Ebenen letztlich aus?

«Wir wurden in den letzten Jahren immer wieder mit diesen Fragen konfrontiert», sagt Urs Schnell. «Und wir haben realisiert, dass unsere Tätigkeit in einer Welt, die zwar von Social Media dominiert wird, sich aber letztlich immer entsolidarisierter präsentiert, kaum mehr in ihrer ganzen Vielfalt wahrgenommen wird. Wie also», so Schnell weiter, «kann eine Stiftung offen und transparent in einer Gesellschaft kommunizieren, deren Wahrnehmung sich nicht zuletzt durch die Digitalisierung drastisch verändert hat?»

Blog gibt Einblick in die Stiftungstätigkeit

Mit «The Director’s Blog» wird nun die Internetpräsenz erhöht und zugleich die Stiftungsarbeit personalisiert, indem der Direktor in seiner Rolle als Blogger als Sprachrohr fungiert. «Wir kehren das Innere nach aussen», begründet Schnell den Entscheid, «und wir tun dies in Zeiten der Individualisierung auf eine persönlichere Art und Weise als bis anhin gewohnt.»

Ziel des Blogs ist es, die laufende Tätigkeit in schneller und aktueller Form zu vermitteln, ohne sich der hektischen Oberflächlichkeit der sozialen Medien anzupassen. Dabei wird der Hintergrund zum Vordergrund: «Die vertiefte Arbeit und die Gedanken und Strategien, die dahinter stecken, machen wir sichtbar, um so unsere Tätigkeit für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer zu machen.»

Der Direktor als interner Chronist

Dies geschieht mit regelmässigen Beiträgen über aktuelle Events, über die Präsenz der Stiftung auf internationaler und nationaler Ebene, aber auch anhand von Gedankenanstössen zu stiftungsrelevanten Themen oder mit Porträts von Empfängerinnen und Empfängern von Werkbeiträgen mit Magazin-Charakter. «Für Letzteres erlaube ich mir dann ab und zu auch einen Gastbeitrag zu veröffentlichen», sagt Schnell. Und fügt an: «Die Authentizität ist ein elementarer Punkt des Blogs, deshalb wäre es wenig glaubwürdig, wenn ich meine Rolle als interner Chronist verlassen würde.»

Auf jeden Fall blickt der Direktor mit Vorfreude auf kommende Rückmeldungen über das neue Gefäss. Und sollte «The Director’s Blog» Anlass für leidenschaftliche Diskussionen werden, dann – so Schnell – «sei das umso besser.»

blog.fondation-suisa.ch

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FONDATION SUISA: «The Director’s Blog»

Das Ziel des «The Director’s Blog» ist, die Tätigkeit der FONDATION SUISA für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer machen. (Foto: FONDATION SUISA)

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Rückschau auf die SUISA-Generalversammlung 2019

Rund 150 stimmberechtigte SUISA-Mitglieder kamen am 21. Juni 2019 an die ordentliche Generalversammlung ins Bieler Kongresszentrum und bestimmten die Geschicke ihrer Genossenschaft mit. Unter anderem wählten sie Sylvie Reinhard und Grégoire Liechti neu in den Vorstand. Im Zusammenhang mit der Urheberrechtsrevision verabschiedeten die SUISA-Mitglieder zudem eine Resolution für faire Bedingungen für Musikschaffende. Text von Giorgio Tebaldi

Rückschau auf die SUISA-Generalversammlung 2019

Die SUISA-Mitglieder bei der Wahl des Vorstands für die Amtsperiode 2019 –2023 an der SUISA-Generalversammlung 2019 vom 21. Juni 2019 im Konzertsaal des Kongresszentrums in Biel. (Foto: Sibylle Roth)

«Sphärisch, aber kantiger als Trip-Hop, emotionsgeladener als Popmusik und so organisch wie Folk», beschrieb der scheidende SUISA-Vize-Präsident Marco Zanotta in seiner Ansage die Zürcher Musikerin Annakin, die die SUISA-Generalversammlung eröffnete. Zusammen mit dem Gitarristen Simon Rupp, Philipp Kuhn an den Keyboards und dem Beatboxer Marzel (alias Marcel Zysset) spielte Annakin – bürgerlich: Ann Kathrin Lüthi – Songs aus ihrem neusten Album «The End of Eternity» sowie «Sting Of Love» vom 2014 erschienenen Werk «Stand Your Ground».

Während der Umbaupause nach dem Kurzkonzert konnten die anwesenden SUISA-Mitglieder, Gäste und SUISA-Mitarbeitenden in einer Videoeinspielung sehen, wie «She Got Me», der von Luca Hänni gesungene Schweizer Beitrag für den diesjährigen Eurovision Song Contest entstanden ist. Das Stück wurde im Juni 2018 am SUISA Songwriting Camp vom SUISA-Mitglied Luca Hänni, den kanadischen Songwritern Laurell Barker und Frazer Mac sowie dem schwedischen Produzenten Jon Hällgren komponiert. «She Got Me» erreichte am Grand Final des ESC den hervorragenden 4. Platz, wurde mehr als 30 Millionen mal gestreamt und war Nummer 1 der Schweizer Single Charts.

Mehr Frauen in die Musik

In seiner Begrüssung nahm der SUISA-Präsident Xavier Dayer den schweizweiten Frauenstreiktag, der eine Woche zuvor stattgefunden hatte, zum Anlass, um über den Frauenanteil in der Musik zu sprechen. Dieser macht bei den SUISA-Mitgliedern gerade mal etwas mehr als 16% aus – es besteht noch grosses Steigerungspotential. Dies ist einer der Gründe dafür, dass die SUISA seit 2019 eine Partnerschaft mit Helvetiarockt, der Koordinations- und Vernetzungsstelle für Musikerinnen aus Jazz, Pop und Rock, eingegangen ist und sie dazu eingeladen hatte, mit einem Informationsstand an der Generalversammlung präsent zu sein.

Danach galt es, die Jahresrechnung und den Lagebericht zu genehmigen. Da die SUISA für das Jahr 2018 aufgrund der beiden Tochtergesellschaften SUISA Digital Licensing AG und Mint Digital Services zum ersten Mal auch eine Konzernrechnung erstellt hatte, galt es auch diese zu genehmigen. Die Generalversammlung erteilte zudem dem Vorstand, der Geschäftsleitung und der Revisionsstelle Décharge für das vergangene Jahr und bestätigte das Mandat der Revisionsstelle BDO für 2019.

Sylvie Reinhard und Grégoire Liechti in den Vorstand gewählt

Für die langjährigen Vorstandsmitglieder Bertrand Liechti und Marco Zanotta war dies die letzte Generalversammlung – sie traten nach 20 Jahren im obersten Leitungsgremium der SUISA aufgrund der Amtszeitbeschränkung aus. Als Ersatz wählten die anwesenden SUISA-Mitglieder die Unternehmerin und Verwaltungsratspräsidentin des Digital-Magazins «Republik» Sylvie Reinhard und den Genfer Musikverleger Grégoire Liechti neu in den Vorstand. Die restlichen 12 Vorstandsmitglieder sowie die Mitglieder der Verteilungs- und Werkkommission wurden ohne Gegenstimmen in ihren Ämtern bestätigt. Weiter wählte die Generalversammlung Marco Zanotta in die 2018 geschaffene Beschwerdekommission und folgte damit dem Vorschlag des SUISA-Vorstandes.

Aufgrund der 2018 revidierten SUISA-Statuten und der damit verbundenen erweiterten Zuständigkeiten der Generalversammlung stimmten die anwesenden Mitglieder neu über das Entschädigungsreglement für die Mitglieder des Vorstands und seiner Kommissionen sowie über die allgemeine Anlagepolitik der SUISA ab.

Resolution für ein faires Urheberrechtsgesetz

In ihrem Gastreferat sprach Géraldine Savary, Ständerätin und Mitglied des SUISA-Vorstands, über die laufende Revision des Urheberrechtsgesetzes (URG). Dabei kam sie insbesondere auf zwei für die Musikschaffenden kritische Punkte zu sprechen: Zum einen sollen – wenn es nach dem Nationalrat geht – Hoteliers, Besitzer von Ferienwohnungen sowie Spitäler und Gefängnisse keine Urheberrechtsvergütungen mehr bezahlen müssen, wenn ihre Gäste, Patienten und Insassen auf den zur Verfügung gestellten Radio-/TV-Geräten Musik hören oder Filme anschauen. Zum anderen ist im URG eine neue Vergütung für Video on Demand (VoD) vorgesehen, die zwar den Filmschaffenden eine Verbesserung bringt, für die Musikschaffenden hingegen kontraproduktiv ist – Letztere haben bereits vertragliche Lösungen mit den VoD-Plattformen ausgehandelt. Entsprechend muss die Musiknutzung aus dieser neuen VoD-Regelung ausgenommen werden. Um den Nationalrat in der kommenden Herbstsession auf die Wichtigkeit dieser beiden Punkte hinzuweisen, wurde an der Generalversammlung eine entsprechende Resolution verabschiedet.

Es folgten Informationen über das laufende Geschäftsjahr von Vincent Salvadé, Irène Philipp Ziebold und Andreas Wegelin. Urs Schnell, Direktor der FONDATION SUISA, berichtete anschliessend über das Geschäftsjahr der Musikförderstiftung der SUISA.

Gegen 14 Uhr schloss Xavier Dayer die Generalversammlung und verwies auf die nächste Generalversammlung, die am Freitag, 26. Juni 2020, im Bierhübeli in Bern stattfinden wird.

Danach nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Stehlunch die Gelegenheit, um im Foyer des Kongresszentrums angeregt mit SUISA-Mitarbeitenden, Gästen oder Kolleginnen und Kollegen zu diskutieren, die Resolution zu unterzeichnen, sich am Stand von Helvetiarockt über deren Projekte zu informieren oder sogar um neue Musikprojekte zu starten.

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Rund 150 stimmberechtigte SUISA-Mitglieder kamen am 21. Juni 2019 an die ordentliche Generalversammlung ins Bieler Kongresszentrum und bestimmten die Geschicke ihrer Genossenschaft mit. Unter anderem wählten sie Sylvie Reinhard und Grégoire Liechti neu in den Vorstand. Im Zusammenhang mit der Urheberrechtsrevision verabschiedeten die SUISA-Mitglieder zudem eine Resolution für faire Bedingungen für Musikschaffende. Text von Giorgio Tebaldi

Rückschau auf die SUISA-Generalversammlung 2019

Die SUISA-Mitglieder bei der Wahl des Vorstands für die Amtsperiode 2019 –2023 an der SUISA-Generalversammlung 2019 vom 21. Juni 2019 im Konzertsaal des Kongresszentrums in Biel. (Foto: Sibylle Roth)

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Von der unendlichen Lust am Experiment

Das Duo Eclecta, der in Zürich und Winterthur ansässigen Andrina Bollinger und Marena Whitcher, experimentiert mit Klängen jenseits gängiger Definitionen und sucht den interdisziplinären Austausch mit anderen Künsten. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Eclecta: Von der unendlichen Lust am Experiment

Das Duo Eclecta. (Foto: Andrea Ebener)

Dort, wo die verbalen Definitionen der verschiedenen Künste implodieren; wo stilistische Schubladen nur noch als Relikt vergangener Zeiten existieren; dort, wo sich alles frei fliegend entfalten kann und sich laufend in immer neuen Mustern fortbewegt: Genau dort fühlen sich Eclecta zuhause. Eclecta, das sind Andrina Bollinger und Marena Whitcher – beide Solokünstlerinnen, Multiinstrumentalistinnen, Sängerinnen. Und beide sind – wie sie sich unisono beschreiben – «einfach neugierig». Das ist eine bescheidene Umschreibung. Es ist die pure Lust am Experiment, die die beiden antreibt. Obwohl Ende Zwanzig haben beide das jugendliche Staunen nicht verlernt, paaren dieses aber mit reifer Reflektion und schaffen es immer wieder, zusätzliche Elemente so in ihre Kunst einzubauen, dass das Resultat stets homogen bleibt.

Kennengelernt haben sich Andrina Bollinger und Marena Whitcher auf der Jazzschule, doch das war eigentlich bereits das zweite Aufeinandertreffen. «Wir waren uns schon als Kinder im Circolino Pipistrello begegnet», sagt Bollinger. Whitcher lacht und fügt hinzu: «Das haben wir aber erst später herausgefunden, dass das so war.» Dem Schicksal ist nicht zu entkommen und so kam es, wie es kommen musste: «Als Marena angefragt wurde für ein Solokonzert, hatte sie zu wenig Material, um den Auftritt alleine bestreiten zu können. So fragte sie mich an. Wir legten dann unsere Songs zusammen, damit hat alles begonnen», erzählt Bollinger.

«A Symmetry» hiess 2016 ihr erstes Album und das Wortspiel, das sich im Titel verbirgt, ist mehr als nur Programm, sind doch die beiden Frauen in ihrer Art und in ihrer Kunst eigentlich überzeugte Individualistinnen, die in zahlreichen Kollaborationen und Soloauftritten ihren eigenen Weg gehen. «Wir haben von Anfang an mit den zwei Figuren gespielt, die völlig anders sind. Eclecta lebt von dieser Dualität, dieser Asymmetrie, aber gleichzeitig haben wir eben auch die Möglichkeit uns ineinander zu verschmelzen», erklärt Whitcher und Bollinger ergänzt: «Wir können uns stimmlich angleichen, so dass man uns kaum auseinanderhalten kann. Der Albumtitel beschreibt dieses fortlaufende Spiel zwischen Symmetrie und Asymmetrie.»

Die 15 Songs, die wie erwähnt, jegliche Schubladisierung ignorieren und bewusst die zum Experiment ladenden stilistischen Zwischenräume kartographieren, sind in ihrer Summe ein schillerndes Kaleidoskop von Euphorie und Melancholie, von Lust und Nachdenklichkeit. Und so verblüffend «A Symmetry» auf den Hörer auch drei Jahre nach Erscheinen noch wirkt und immer neue Details an den Tag zu bringen vermag: Für die Protagonistinnen steht die Platte heute nur noch für eine Momentaufnahme in ihrem künstlerischen Prozess. «Auf unserem kommenden Album, das voraussichtlich Anfang 2020 erscheinen wird, wollen wir dieses Spiel noch weiter treiben, so dass sich das Ganze immer weiter verzahnt und verschachtelt.»

«Der Get Going!-Beitrag schenkt uns etwas Kostbares, nämlich Zeit. Für die ungemein lange Zeit, die man investiert, um sich mit Themen zu befassen, zu recherchieren und Songs zu schreiben, wird man ansonsten nie bezahlt.»

Wie dies dann klingen wird, «das bleibt zu diesem Zeitpunkt noch ein Geheimnis», meinen die beiden augenzwinkernd. Wenn sie von ihren Einflüssen erzählen, so reichen diese von gesellschaftlichen Themen bis hin zu Malerei, vom Theater bis zur Performance-Kunst, von Literatur bis zur Philosophie. Whitcher, die väterlicherseits amerikanische Wurzeln hat, ist von den Surrealisten begeistert und geht in ihren Auftritten Fragen nach wie «Was sind Monster heutzutage und weshalb brauchen wir sie?» oder «Luxusprobleme haben und Kunst machen – geht das zusammen?». Auch Bollinger ist es wichtig, politische und gesellschaftliche Aktualität in ihr Schaffen zu integrieren. So schreibt sie über Themen wie den Klimawandel, über Meinungsfreiheit oder die Digitalisierung und sucht nach Orten, wo uns Zahlen und Codes nicht beherrschen. Sie wiederum pendelt zwischen Zürich, Berlin und ihrer Engadiner Heimat und versucht mit einem Zoom-Recorder die Klänge dieser unterschiedlichen Räume einzufangen, weil – wie sie sagt – «es entscheidend ist, wo man sich befindet, wenn man kreativ tätig ist.»

Einer dieser kreativen Spielplätze ist auch die Bühne. Mit selbstgebastelten Instrumenten und Kostümen verwandeln sie einen Auftritt in eine Art Gesamtkunstwerk. Deshalb wollen sie in Zukunft auch verstärkt das Medium Video nutzen, um ihre Musik zu visualisieren. Aber dies ist nur eine von gefühlten tausend Ideen, mit der sich beide beschäftigen. Am Ende soll Eclecta auch ein Statement gegen den Zeitgeist sein: «In unserer individualisierten Gesellschaft ist jeder nur noch auf sich bezogen und der Blick nach aussen fällt völlig weg. Dafür ist doch Gemeinschaft ein Urbedürfnis des Menschen», meint Whitcher und Bollinger fügt an: «Ich sehe das schon auch als eine unserer Aufgaben an, mit unserer Kunst die Welt zu reflektieren und eine andere Denkweise anzuregen.»

Den Get Going!-Beitrag der FONDATION SUISA betrachten sie auf jeden Fall als eine extreme Befreiung. «Er schenkt uns etwas Kostbares, nämlich Zeit», sagt Bollinger. «Genau», unterstreicht Whitcher, «für die ungemein lange Zeit, die man investiert, um sich mit Themen zu befassen, zu recherchieren und Songs zu schreiben, wird man ansonsten nie bezahlt.» So gesehen ist Eclecta für diese Art von Förderung geradezu ein Paradebeispiel, weil sich die beiden jungen Frauen auf noch nicht gepflügten Äckern bewegen und mit ihrer Experimentierlust nun nicht mehr Gefahr laufen, zwischen Stuhl und Bank zu fallen.

www.eclecta.ch

2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Unter dem Titel Get Going! werden kreative und künstlerische Prozesse finanziell angestossen, die sich ausserhalb der gängigen Kategorien befinden. In einer Porträtserie stellen wir die Empfängerinnen und Empfänger dieser Get Going!-Beiträge vor.

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Die ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label SuisseDie ganze Vielfalt der Schweizer Musik am Label Suisse Vom 14. bis 16. September 2018 hat zum achten Mal das Festival Label Suisse in Lausanne stattgefunden. Das Festival ist dem Schweizer Musikschaffen gewidmet und bietet dem Publikum alle zwei Jahre einen breitgefächerten Panoramablick auf die aktuelle Musiklandschaft der Schweiz. Weiterlesen
Kreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit VideoKreatives Teamwork am SUISA Songwriting Camp 2018 | mit Video Zum zweiten Mal führte die SUISA in Zusammenarbeit mit Pele Loriano Productions ein Songwriting Camp durch. Austragungsort waren wie bei der Premiere vergangenes Jahr die Powerplay Studios in Maur. Insgesamt nahmen 36 Musikerinnen und Musiker aus 8 Ländern an der 3-tägigen Veranstaltung im Juni 2018 teil. Entstanden sind 19 Pop-Songs von unterschiedlicher stilistischer Ausprägung. Weiterlesen
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Dort, wo die verbalen Definitionen der verschiedenen Künste implodieren; wo stilistische Schubladen nur noch als Relikt vergangener Zeiten existieren; dort, wo sich alles frei fliegend entfalten kann und sich laufend in immer neuen Mustern fortbewegt: Genau dort fühlen sich Eclecta zuhause. Eclecta, das sind Andrina Bollinger und Marena Whitcher – beide Solokünstlerinnen, Multiinstrumentalistinnen, Sängerinnen. Und beide sind – wie sie sich unisono beschreiben – «einfach neugierig». Das ist eine bescheidene Umschreibung. Es ist die pure Lust am Experiment, die die beiden antreibt. Obwohl Ende…Weiterlesen

Unterwegs im und mit dem Raum

Ort, Zeit und Raum spielen in den Arbeiten des Komponisten Beat Gysin eine zentrale Rolle. In seiner sechsteiligen «Leichtbautenreihe» konzipiert er dafür speziell Räume, um das Publikum mit wechselnden Klang- und Raumerfahrungen zu konfrontieren. Ab 2021 soll der zweite Teil des aufwändigen Projekt realisiert werden. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Beat Gysin: Unterwegs im und mit dem Raum

Der Basler Komponist Beat Gysin in einer Aufnahme aus dem Jahr 2010. (Foto: Anna Katharina Scheidegger)

Chemie und Musik: Geht das zusammen? Was anfänglich wie ein Widerspruch erscheint, macht in der Biografie von Beat Gysin durchaus Sinn. Aufgewachsen in einer Musikerfamilie, hat sich Gysin dafür entschieden, neben Komposition und Musiktheorie auch noch Chemie zu studieren. Der wissenschaftliche Ansatz und das empirische Auswerten eines experimentellen Ansatzes sind für ihn genauso wichtig wie das musische Element. «Ich wollte mit meiner Musik nie berühmt werden. Ich wollte mit und in der Musik immer Antworten finden», erklärt der heute 50jährige Basler.

Sein Werkverzeichnis ist beeindruckend. Noch beeindruckender allerdings ist die Art und Weise, wie er seine Kompositionen zur Aufführung bringt. Gysin bewegt sich konsequent jenseits der Vervielfältigung und von Tonkonserven. Ort, Zeit und vor allem der Raum sind zwingende Elemente seiner Aufführungspraxis. In dieser Hinsicht ist Gysin weitaus mehr als «nur» Komponist und Musiker. Man muss schon Umschreibungen wie Forscher, Architekt, Vermittler und Philosoph bemühen, um letztlich das Gysinsche Universum zu begreifen.

«Mein Kern ist tatsächlich ein philosophischer», meint er dazu. «Es geht um die Wahrnehmung und ich stelle fest, dass die Musik in ihrer ganzen Rezeption aus dem Raum gefallen ist.» Man betrachte die Musik heute losgelöst von ihrer Aufführung, fügt er an und verweist damit auf einen zentralen Punkt seiner Arbeit: Das konsequente Zusammenspiel von Raum und Klang. «Wenn man ein Stück von mir aus dem Raum herausnimmt, dann ist dies etwa so, als würde man von einem Orchesterwerk eine Klavierpartitur anfertigen. Man kennt zwar dann die Töne, aber man hört das Orchester nicht.»

Mit bemerkenswerter Konsequenz, Akribie und Lust am Experiment lotet Gysin in seinen zahlreichen Projekten immer wieder aufs Neue das komplexe Zusammenspiel von Raum, Klang und der sich daraus ergebenden Wahrnehmung von Musik aus. Der Aufführungsraum wird Teil des Kunstwerks, das letztlich dem Publikum nicht nur eine völlig neue sinnliche Erfahrung bietet, sondern Gysin immer wieder neue Erkenntnisse liefert, um in der Folge wiederum einen neuen Ansatz und ein nächstes Projekt zu gestalten. «Ich will Dinge finden. Und erfinden», umschreibt er fast lakonisch seinen künstlerischen Antrieb. Dabei steht er als Komponist nicht zwingend im Mittelpunkt, sondern oft auch «nur» als konzeptioneller Leiter. Um den Austausch zu fördern, hat er in Basel den Verein Studio-Klangraum sowie das Festival ZeitRäume Basel gegründet.

«Wenn man ein Stück von mir aus dem Raum herausnimmt, dann ist dies etwa so, als würde man von einem Orchesterwerk eine Klavierpartitur anfertigen. Man kennt zwar dann die Töne, aber man hört das Orchester nicht.»

Ob in Kirchen mit ihren unterschiedlichen Klangeigenschaften, in leeren Wasserwerken mit einem bis zu 30 Sekunden dauernden Echo oder in stillgelegten Bergwerken, in denen eine fast perfekte Stille herrscht: Gysin entdeckt immer wieder neue Räume, die sich klanglich kartographieren lassen. Und wo der natürliche Raum für ein Weiterkommen nicht vorhanden ist, werden sie architektonisch konzipiert. Die sechsteilige «Leichtbautenreihe» ist nicht nur des verbundenen Aufwands wegen eines der zentralen Werke in Gysins Schaffen. Es repräsentiert auch den logischen nächsten Schritt: Räume zu schaffen, die sich transportieren lassen. Es handelt sich um sechs abstrakte Raumkonzepte, umgesetzt als pavillonartige Architekturen, die ungewohnte Hörsituationen und damit eine neue Wahrnehmung von Musik ermöglichen. «Chronos» bestand aus einer Karussell-artigen Drehbühne, bei «Gitter» wurden die Musiker «sphärisch» rund um das Publikum angeordnet, bei «Haus» in bestehenden Häusern Klangraumwanderungen möglich gemacht und in «Rohre», das kurz vor der Umsetzung steht (Uraufführung im Rahmen von ZeitRäume Basel im September 2019 im Innenhof des Kunstmuseums Basel), treffen das Publikum und die Musiker im wahrsten Sinne des Wortes in begehbaren Rohren aufeinander.

«In den abschliessenden zwei Teilen ab 2023», so Gysin, «möchte ich der Frage mobiler Anordnungen und ihrem Einfluss auf das Hören nachgehen. Beim einen Projekt sitzen Musiker und Publikum auf sich ständig bewegenden Wägelchen. Alles bleibt in Bewegung und der Raum wird ständig neu definiert. Und beim letzten Teil handelt es sich um einen aufgehängten Raum, der einem Ballon ähnlich immer wieder implodiert und sich wieder aufblasen lässt.» Solch aufwendige Projekte sind für einen Künstler nicht leicht zu finanzieren. «Man ist schon bei der Konzeption auf Hilfe angewiesen, und die kostet», weiss er und fügt gleich an: «Der Get Going!-Beitrag der FONDATION SUISA ist die perfekte Antwort auf diese Herausforderung. Es handelt sich um eine Art Finanzierung von Vorprojekten. Das existierte bislang in dieser Form nicht.»

In Zeiten der Eventisierung der Kultur, in der die Marketing-Experten dem Formalen mehr Beachtung schenken als dem Inhaltlichen, symbolisiert die «Leichtbautenreihe» auch eine Form der künstlerischen Gegenbewegung. «Der Vorteil ist, dass ich als Künstler das Event als Ganzes konzipiere», sagt Gysin und ergänzt: «Als Musiker ist man heute verpflichtet, sich in einer Welt der Reizüberflutung wieder selbst darum zu kümmern, die Musik zu verorten, weil sie ausserhalb ihres Kontextes nicht mehr verstanden werden kann.»

www.beatgysin.ch

2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Unter dem Titel Get Going! werden kreative und künstlerische Prozesse finanziell angestossen, die sich ausserhalb der gängigen Kategorien befinden. In einer Porträtserie stellen wir die Empfängerinnen und Empfänger dieser Get Going!-Beiträge vor.

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Beat Gysin: Unterwegs im und mit dem Raum

Der Basler Komponist Beat Gysin in einer Aufnahme aus dem Jahr 2010. (Foto: Anna Katharina Scheidegger)

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«Orchestral Spaces» oder wenn Musik beim Hören räumlich fassbar wird

Der Komponist Michael Künstle setzt sich in seinem Werk mit dem Wechselspiel zwischen klanglicher Dramaturgie und dramaturgischen Klängen auseinander. Nun möchte der 27-jährige Basler in seiner Forschung noch einen Schritt weiter gehen und den Klang eines Orchesters für den Hörer räumlich erfahrbar werden lassen. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem «Get Going!»-Beitrag. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Michael Kuenstle: «Orchestral Spaces» oder wenn Musik beim Hören räumlich fassbar wird

Der Basler Komponist Michael Künstle (links) bei der Arbeit im Tonstudio. (Foto: Oliver Hochstrasser)

Als Michael Künstle 2012 den 1. Internationalen Filmmusikwettbewerb des Zurich Film Festivals gewann, kam dies für den damals erst 21-Jährigen völlig überraschend. «Ich stand damals erst am Anfang meines Studiums», sagt er heute und fügt gleich hinzu: «Ich begreife erst jetzt die Bedeutung dieses Preises. Er war eine Art Initialzündung, auch weil er bis heute eine Kompetenzauszeichnung ist, die einem niemand wegnehmen kann.»

Künstle setzte sich damals gegen 144 Mitbewerberinnen und -bewerber aus 27 Ländern durch, die alle die exakt selbe Aufgabe erfüllen mussten: die Vertonung des Kurztrickfilms «Evermore» von Philip Hofmänner. Wer sich den Film heute ansieht, kann erahnen, was die Jury damals beeindruckt haben mag: Künstle verblüffte mit subtilen Klängen, die sich ganz in den Dienst der filmischen Erzählung stellten.

«Das Tolle an Filmmusik ist, dass sie das Resultat eines engen Austausches mit anderen ist. Ein Film ist ein Zusammenspiel von unzähligen Leuten und es gilt, sämtliche Aspekte zu berücksichtigen: Kameraführung, Farbsetzung oder Ausstattung», erklärt Künstle seine Faszination für das Genre. «Die grösste Herausforderung ist im Film, mit der Musik die Dinge zu sagen, die durch das Visuelle oder das Gesprochene noch nicht gesagt wurden, aber massgeblich wichtig sind, um die Geschichte richtig zu Ende zu erzählen.»

Ob in Gabriel Baurs «Glow», «Sohn meines Vaters» von Jeshua Dreyfus oder «Cadavre Exquis» von Viola von Scarpatetti: Die Liste der Filme, in denen Künstle für den Soundtrack verantwortlich zeichnet wird immer länger. Die Begeisterung mit der Künstle sein Fachwissen und seinen Wissensdurst vermittelt, wirkt im Gespräch ansteckend. Auch wenn er von den Grossen des Fachs erzählt: Über das kompositorische Wissen eines Bernard Herrmanns etwa oder von der einzigartigen Fähigkeit von John Williams, «dessen Werke ohne Film klar wie Orchesterwerke klingen, und dennoch sind sie perfekt auf den Film abgestimmt. Das ist unglaublich schwierig zu bewerkstelligen, weil die symphonische Musik traditionellerweise dichtere Erzählstrukturen erlaubt als ein Film.»

«In der zeitgenössischen Musik setzt man den Raum oft gleich mit anderen kompositorischen Elementen wie Motiv oder Rhythmus, nur geht dieser wesentliche Aspekt in der Aufnahme häufig verloren.»

Obwohl er in seiner eigenen Arbeit zwischen Konzertmusik und Filmscore klar unterscheidet, gibt er zu, «dass man das eine, wenn man das andere macht, nie gänzlich abstellen kann.» Elemente, die er in Zusammenarbeit mit der Regisseurin Gabriel Baur für den Film «Glow» erarbeitet hatte, flossen ein in das Stück «Résonance», das 2016 vom Trio Eclipse aufgeführt wurde. «Aber in meiner Konzertmusik geht es hauptsächlich um kompositorische Formen und strukturelle Ideen, die sich im Film nicht umsetzen lassen.»

Aus einem anderen wichtigen Aspekt in Künstles Schaffen ist letztlich auch die Idee für das Projekt entstanden, das nun von der FONDATION SUISA im Rahmen von «Get Going!» mitfinanziert wird. Künstle verfolgt – wie er betont – eine Philosophie des «Echten» und dazu gehört auch eine möglichst genaue Abbildung einer Aufführung durch modernste Aufnahmemöglichkeiten. Gemeinsam mit seinem Arbeitspartner Daniel Dettwiler, der in Basel das «Idee und Klang»-Studio besitzt und seit Jahren an neuen Aufnahmemöglichkeiten forscht, möchte Künstle versuchen, eine Raum-Komposition zu schaffen, und zwar so, dass sie auf eine noch nie dagewesene Weise auditiv erlebbar wird.

«In der zeitgenössischen Musik setzt man den Raum oft gleich mit anderen kompositorischen Elementen wie Motiv oder Rhythmus, nur geht dieser wesentliche Aspekt in der Aufnahme häufig verloren», erläutert er den Ausgangspunkt. «Ich will erreichen, dass man den dreidimensionalen Raum, der vom Orchester während der Aufnahme ausgefüllt wurde, sich unter Kopfhörer so anhört, als könne man die Musik förmlich anfassen.» Lange Jahre war diese Erforschung und in gewisser Weise auch die Eroberung dieser «Orchestral Spaces» für Künstle nur eine Idee, weil – wie er betont – «man dies nur umsetzen kann in einem Studio mit dem bestmöglichen Klang und mit den besten Mikrophonen, die es gibt».

Dank «Get Going!» wird nun dieser nächste Schritt in dieser audiophilen Revolution Realität, und zwar in den altehrwürdigen Abbey Road Studios in London mit einem 80-köpfigen Orchester. Dafür wird Künstle eine Komposition schreiben, in dem der Raum, in dem aufgenommen wird, eine zentrale Rolle spielt. «Ich möchte den Kompositionsprozess umdrehen», unterstreicht er das Anliegen seines Projektes. Das sei wie bei der Filmmusik, fügt er noch an. Auch dort gehe man zuallererst vom Gehörten aus. Womit der Kreis wieder geschlossen wäre.

www.michaelkuenstle.ch

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Kommen Sie zahlreich an unsere Generalversammlung in Biel

Liebe Mitglieder, am Freitag 21. Juni, ist es wieder so weit. Sie werden an unserer Generalversammlung die Gelegenheit haben, mit den Führungsverantwortlichen Ihrer Genossenschaft SUISA in Kontakt zu treten und über die Geschicke Ihrer Verwertungsgesellschaft mitzubestimmen. An diesem Tag sollten Sie möglichst zahlreich nach Biel kommen. Von Andreas Wegelin, CEO

Kommen Sie zahlreich an unsere Generalversammlung in Biel

Bestimmen Sie mit über die Geschicke Ihrer Verwertungsgesellschaft und erfahren Sie Neuigkeiten von Ihrer Genossenschaft aus erster Hand bei Ihrer Teilnahme an der SUISA-Generalversammlung. (Foto: Sibylle Roth)

An der bevorstehenden Generalversammlung gilt es, zwei neue Vorstandsmitglieder zu wählen und – zum ersten Mal in der Geschichte der SUISA – eine Konzernrechnung zu genehmigen. Die SUISA hat sich für das digitale Zeitalter, in welchem das Hören von Musikaufnahmen über das Internet zusehends wichtiger wird, neue Strukturen gegeben: Einerseits beteiligt sich das Mutterhaus an einem Joint Venture mit der amerikanischen SESAC, andrerseits werden die Online-Lizenzen neu europa- oder sogar weltweit von einer Tochtergesellschaft namens SUISA Digital Licensing mit Sitz in Liechtenstein vergeben.

Lassen Sie sich weiter aus erster Hand informieren über die neuesten Entwicklungen bei der Urheberrechtsgesetzgebung. Sowohl auf europäischer Ebene wie auch in der Schweiz ist hier einiges in Bewegung. Die europäische Gesetzesvorlage hat vor allem junge Internetnutzer zu Protesten im Netz und auf die Strasse getrieben. Angefeuert von den Social Media Plattformen wird behauptet, wegen dem neuen Urheberrecht sei die Meinungsäusserungsfreiheit ernsthaft in Gefahr.

Wie es wirklich um den Schutz der Urheber und ihrer Werke beim Austausch auf dem weltweiten Internet-Marktplatz steht, lesen Sie hier auf dem SUISAblog und erfahren sie aus erster Hand, unter anderem von Ständerätin Géraldine Savary an unserer GV.

Auch bei unserer FONDATION SUISA, der Förderstiftung für Schweizer Musik, geht man neue Wege: Anstatt Preise an bereits bekannte Musikerinnen auszurichten, sollen durch Anstossfinanzierungen neue Musikprojekte vermehrt ins Blickfeld kommen. Ich wünsche Ihnen eine bereichernde Lektüre auf unserem SUISAblog] und würde mich sehr freuen, Sie am Freitag, 21. Juni 2019, an unserer Generalversammlung in Biel persönlich begrüssen zu können.

Hier geht’s zur Anmeldung und zu den Unterlagen für die Generalversammlung.

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SUISA-Generalversammlung: Die Meinung der Mitglieder zähltSUISA-Generalversammlung: Die Meinung der Mitglieder zählt Die Generalversammlung der SUISA findet am Freitag, 21. Juni 2019, im Kongresszentrum Biel (Konzertsaal) statt. Zum ersten Mal werden der Generalversammlung zwei Rechnungen präsentiert; ein Novum in der SUISA-Geschichte. Weiter stehen Wahlgeschäfte an: Es geht um die Gesamterneuerung des Vorstands sowie der Verteilungs- und Werkkommission sowie die Ersatzwahl in die Beschwerdekommission. Weiterlesen
Wenn die SUISA Politik machtWenn die SUISA Politik macht Die SUISA und die anderen Schweizer Verwertungsgesellschaften haben sich politisch noch nie so stark engagiert wie im Jahr 2018. Doch ist ein politisches Engagement der SUISA gerechtfertigt? Das politische Engagement der SUISA hat natürlich mit der Urheberrechtsrevision zu tun. Doch die Verwertungsgesellschaften haben auch zu vielen anderen Themen Stellung genommen: zur «No Billag»-Initiative, zum Geldspielgesetz, zur Revision des Fernmeldegesetzes, zu verschiedenen parlamentarischen Motionen, Initiativen usw. Weiterlesen
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  1. Gerhard Hählen sagt:

    Wie kommt man zu einem Anmeldeformular für die GV und mit Programm der GV? Seit ich die digitale Version der Kommunikation angemeldet habe, kriege ich kein Anmeldeformular für die GV mehr?!?

  2. E.Rick Sommer sagt:

    Liebe SUISA am 21. Juni ist die GV in Biel könnten Sie vielleicht die Uhrzeit angeben wann beginnt die GV
    mit Freundlichen Gruss Rick

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Bestimmen Sie mit über die Geschicke Ihrer Verwertungsgesellschaft und erfahren Sie Neuigkeiten von Ihrer Genossenschaft aus erster Hand bei Ihrer Teilnahme an der SUISA-Generalversammlung. (Foto: Sibylle Roth)

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«Get Going!» geht in die zweite Runde: «Wir haben den Nerv der Zeit getroffen»

Letztes Jahr vergab die FONDATION SUISA unter dem Titel «Get Going!» erstmals vier Anstossbeiträge, um innovative Kreativansätze ausserhalb der gängigen Schubladen zu fördern. Die positiven Reaktionen darauf waren überwältigend. Ende Juni 2019 geht die Ausschreibung in die zweite Runde. Text von FONDATION SUISA

FONDATION SUISA: «Get Going!» geht in die zweite Runde: «Wir haben den Nerv der Zeit getroffen»

Die Empfängerinnen und Empfänger der «Get Going»-Beiträge 2018 (von oben links nach unten rechts): Beat Gysin, das Duo Eclecta, Michael Künstle und Bertrand Denzler. (Fotos: Anna Katharina Scheidegger; Andrea Ebener; Zak van Biljon; Rui Pinheiro)

«Statt einem Künstler, einer Künstlerin im Nachhinein mithilfe eines Preises auf die Schulter zu klopfen, investieren wir nun das uns zur Verfügung stehende Geld stärker in die Zukunft», erklärte vor einem Jahr Urs Schnell, Direktor der FONDATION SUISA, die vom Stiftungsrat beschlossene neue Förderpolitik. Fördern statt urteilen wolle man und «so den Blick verstärkt nach vorne richten.»

Gesagt, getan. Die erste Ausschreibung von «Get Going!» mündete in über 90 Bewerbungen. Dieses grosse Interesse für etwas völlig Neues sei für ihn schlicht überwältigend, meint Schnell. «Wir haben damit wirklich den Nerv der Zeit getroffen. Das durften wir in diesem Ausmass nicht erwarten, da eine solch offen formulierte Ausschreibung trotz aller Analysen ein innovativer Schuss ins Blaue war.»

Bertrand Denzler, Michael Künstle, Beat Gysin und das Duo Eclecta (Andrina Bollinger und Marena Whitcher) hiessen die ersten Empfängerinnen und Empfänger im Rahmen von «Get Going!». Der Betrag von je 25 000 Franken wurde ihnen zugesprochen, weil sie die Fachjury mit ihren kreativen Visionen zu überzeugen vermochten. Da die Anstossfinanzierung nicht an ein Resultat gebunden ist, ermöglicht diese den Musikerinnen und Musikern, befreit von finanziellem und zeitlichem Druck arbeiten zu können. «Ich glaube, dass der Faktor Zeit in einem immer hektischer werdenden Umfeld ein in seiner Kostbarkeit nicht zu unterschätzendes Gut geworden ist», erklärt Schnell einen der Vorzüge von «Get Going!».

Ausschreibung «Get Going!» 2019 ab Ende Juni

Ab Ende Juni können sich Urheberinnen und Urheber, Autorinnen und Autoren sowie Musikerinnen und Musiker, die einen deutlichen Bezug zum aktuellen schweizerischen oder liechtensteinischen Musikschaffen nachweisen können, erneut für einen «Get Going!»-Beitrag bewerben. Auch 2019 werden vier solche Anstossfinanzierungen in der Höhe von je 25 000 Franken durch eine Fachjury vergeben.

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass «Get Going!» die anderen Förderangebote der FONDATION SUISA, insbesondere das geltende Gesuchswesen, die bestehenden Partnerschaften, die Messen und Events im Ausland sowie das Klassenmusizieren, weder konkurriert noch tangiert.

«Im Gegenteil», erläutert Schnell, «als gewichtige Starthilfe ist das neue Modell eine Ergänzung zur bisherigen Förderung. Wir wollen neue kreative Orte ausmachen und in Zukunft verhindern, dass gewisse Projekte zwischen Stuhl und Bank fallen.»

Urs Schnell weiss, dass die bewusst weit offen gehaltene Formulierung der «Get Going!»-Ausschreibung zu Beginn etwas verwirrend sein könnte: «Musikerinnen und Musiker wurden in den letzten Jahrzehnten durch die traditionellen Förderinstrumente auf ein gewisses Gesuchsdenken konditioniert. Uns geht es mit der neuen Ausrichtung darum, uns als Förderin auf die Künstlerinnen und Künstler zu zu bewegen, um mit dieser Umkehr das freie kreative Denken wieder in den Mittelpunkt zu rücken.» Um die Möglichkeiten von «Get Going!» aufzuzeigen, werden deshalb im Laufe der nächsten Wochen sowohl auf der Website der FONDATION SUISA wie auch auf dem SUISAblog Porträts der Empfängerinnen und Empfänger der letztjährigen «Get Going!»-Beiträge veröffentlicht.

www.fondation-suisa.ch

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Klangraumvermesser und Raumklangforscher

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Bertrand Denzler: Klangraumvermesser und Raumklangforscher

Bertrand Denzler (Foto: Dmitry Shubin)

Unermüdlich, vielseitig und umtriebig sind nur drei Umschreibungen, wie man das künstlerische Wirken von Bertrand Denzler charakterisieren könnte. Wer sich auf seiner Website umsieht, fühlt sich erstmal ob der schieren Menge seiner Projekte und Formationen erschlagen. Denzler lacht: «Ich habe mittlerweile das Ganze etwas übersichtlicher gebündelt». In der Tat: Auf den zweiten Blick macht alles Sinn. Und wer in der Folge in die online verfügbaren Sounds eintaucht, kann sich Denzlers künstlerischer Vision kaum mehr entziehen. Die fein austarierten Klangskulpturen scheinen im ersten Moment eine einladende Einfachheit zu offenbaren. Doch dahinter lauert eine fast hypnotische Komplexität mit ungeheurer Sogwirkung.

«In meinen Kompositionen geht es nicht primär um die narrative Form, sondern um die innere Struktur. Deshalb erscheinen die Stücke relativ einfach, obwohl sie nicht einfach zu spielen sind. Der Musiker soll nicht von allzu vielen Ideen abgelenkt werden, er soll sich voll und ganz auf den Klang und dessen Präzision konzentrieren können», erklärt Denzler seine Absicht.

Er bezeichnet seine prozessorientierten Kompositionen als Raum. Meist sind sie nicht traditionell notiert, sondern in ihrer Struktur vorgegeben. «Ich will, dass man als Musiker involviert ist, mitdenken muss», betont Denzler. Und fügt an: «Oft ist bloss die zeitliche Struktur festgelegt, nicht aber die rhythmische. Die vorgegebenen Regeln lassen immer sehr viele Möglichkeiten offen.»

Denzler praktiziert dieses Vermessen des Raumes mit der gleichzeitigen Erforschung des Raumklangs mit verschiedensten Formationen, darunter das Trio Sowari, Hubbub, Denzler-Gerbal-Dörner, The Seen, Onceim oder Denzler-Grip-Johansson. Gleichzeitig bricht er auch immer wieder aus, improvisiert als Gastmusiker in Formationen wie Jonas Kocher’s internationalem Šalter Ensemble, im Duo mit Hans Koch oder ganz einfach solo.

Sein Lebenslauf, meint Denzler, sei eigentlich ziemlich typisch für einen europäischen Musiker seiner Generation. Angefangen hat dies mit klassischer Musik und gleichzeitigem privaten Hören von Pop und Rock. Der pure Wissensdurst hat ihn aber auch relativ rasch mit den verschiedensten Arten, wie auf dieser Welt musiziert wird, bekannt gemacht. «Und irgendwann», so Denzler, «wurde der Jazz zu meiner Hauptbeschäftigung, weil mich die Improvisation, also die Umsetzung des Denkens in Echtzeit, fasziniert hat.»

Auf den Jazz folgte die freie Musik, auch wenn Denzler heute noch von der Philosophie und dem improvisatorischen Ansatz von Grössen wie Albert Ayler und John Coltrane beeindruckt und wohl auch weiterhin beeinflusst ist. Im Gegensatz zu vielen Improvisatoren, die – wenn sie sich mal vom kompositorischen Ansatz abgewandt haben – nie mehr zurückkehren, hat Denzler für sich jenen Raum gefunden, der sich architektonisch aus dem Spannungsfeld von Improvisation und Komposition immer wieder aufs Neue bilden kann. «In den letzten zehn Jahren kam in mir das Gefühl auf, dass ich im immer gleichen System improvisiere. Ich hatte plötzlich wieder das Bedürfnis, innerhalb meiner Musik Strukturen aufzubauen.»

Die künstlerische Vision Denzlers ist nicht nur im übertragenen Sinne eine Art Forschungsreise: Er möchte diesen «Raum» als «wandernde Residenz» an geographisch unterschiedliche Orte tragen, um dort andere Musikerinnen und Musiker zu treffen und gemeinsam mit ihnen neue Musik entstehen zu lassen. Das Vorhaben scheiterte bislang nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch weil ein solch offenes Projekt nicht den Rahmenbedingungen herkömmlicher Förderpolitik entspricht. Die Anstossfinanzierung durch den Get Going!-Beitrag der FONDATION SUISA macht die Umsetzung nun möglich, weil – so Denzler – «sie es mir erlaubt, der Kreativität zu folgen anstelle einer vordefinierten Bedingung.» Strahlend fügt er noch hinzu, es sei, als wäre der Werkbeitrag auf ihn zugeschnitten worden. Und in der Tat erinnert er in seiner Definition fast an eine Denzlersche Komposition, in der die vom Urheber definierten Strukturen noch ungeahnte Möglichkeiten offen lassen …

www.bertranddenzler.com

2018 hat die FONDATION SUISA mit der Vergabe von neuen Werkbeiträgen begonnen. Unter dem Titel Get Going! werden kreative und künstlerische Prozesse finanziell angestossen, die sich ausserhalb der gängigen Kategorien befinden. In einer Porträtserie stellen wir die Empfängerinnen und Empfänger dieser Get Going!-Beiträge vor.

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FONDATION SUISA: «Get Going!»-Beiträge und «Carte Blanche» erstmals vergeben«Get Going!»-Beiträge und «Carte Blanche» erstmals vergeben Im Rahmen ihrer neuen Förderpolitik hat die FONDATION SUISA erstmals vier «Get Going!»-Beiträge sowie eine «Carte Blanche» vergeben. Eine «Get Going!»-Anstossfinanzierung von je 25 000 Franken erhalten Beat Gysin, Bertrand Denzler, Michael Künstle und das Duo Eclecta. Die alle zwei Jahre vergebene «Carte Blanche» von 80 000 Franken geht an Cécile Marti. Weiterlesen
FONDATION SUISA: Neue Förderungsstrategie: «Wir wollen den Blick nach vorne richten»Neue Förderungsstrategie: «Wir wollen den Blick nach vorne richten» Die FONDATION SUISA verstärkt ihr Engagement in der Förderung von Musik in der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein: Jährlich sollen unter dem Titel «Get Going!» vier musikalische Projekte angestossen und mit «Carte Blanche» alle zwei Jahre ein grösserer Werkbeitrag gesprochen werden. Weiterlesen
20 000 Franken und ein imaginäres Kompositionsprojekt20 000 Franken und ein imaginäres Kompositionsprojekt Über das kreative Schaffen zu diskutieren, ist alles andere als einfach. Der Verein Jazzy Jams und die SUISA haben sich deshalb anlässlich des Festivals Jazz in Bess in Lugano etwas Besonderes einfallen lassen. Die Tessiner Komponistin Maria Bonzanigo und die Komponisten Pietro Viviani und Damiano Merzari erarbeiteten vor Publikum ein imaginäres Kompositionsprojekt. Das Ergebnis war äusserst spannend und nahm die Zuschauer mit auf die Reise in die Gedankenwelt von Urhebern. Weiterlesen
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Der Saxophonist Bertrand Denzler arbeitet im Spannungsfeld zwischen Improvisation und Komposition an immer neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Nun beabsichtigt der 55-jährige Genfer mit Wohnsitz Paris anhand einer «wandernden Residenz» die Grenzen seines künstlerischen Dialogs mit anderen weiter auszudehnen. Die FONDATION SUISA unterstützt dieses Vorhaben finanziell mit einem Get Going!-Beitrag. Gastbeitrag von Rudolf Amstutz

Bertrand Denzler: Klangraumvermesser und Raumklangforscher

Bertrand Denzler (Foto: Dmitry Shubin)

Unermüdlich, vielseitig und umtriebig sind nur drei Umschreibungen, wie man das künstlerische Wirken von Bertrand Denzler charakterisieren könnte. Wer sich auf seiner Website umsieht, fühlt sich erstmal ob der schieren Menge seiner Projekte und Formationen erschlagen. Denzler lacht: «Ich habe mittlerweile das Ganze etwas übersichtlicher gebündelt». In der Tat: Auf den zweiten Blick macht alles Sinn. Und wer in der Folge in die online verfügbaren Sounds eintaucht, kann sich Denzlers künstlerischer Vision kaum mehr entziehen. Die fein…Weiterlesen

Einnahmen aus Aufführungsrechten sollen 2019 steigen

Bei den Sitzungen des Vorstands der SUISA im Dezember liegt der Fokus jeweils auf den Zahlen des Folgejahres. Budget, Stellenplan und Kostenabzüge für das Geschäftsjahr 2019 standen im Mittelpunkt. Bericht aus dem Vorstand von Dora Zeller

Bericht aus dem Vorstand: Einnahmen aus Aufführungsrechten sollen 2019 steigen

Die Neuenburger Reggae-Band Moonraisers im September 2018 auf der Hauptbühne des von der SUISA mitunterstützten Festivals Label Suisse in Lausanne. Bei den Einnahmen aus Aufführungsrechten, wozu unter anderem Konzerte gehören, erwartet die SUISA im Geschäftsjahr 2019 eine Steigerung. (Foto: Anne Bichsel / Label Suisse)

Zum zweiten Mal in der SUISA-Geschichte prüfte der Vorstand neben dem Budget der Genossenschaft SUISA, dem Mutterhaus, auch das Konzernbudget. Dieses fasst die Zahlen des Mutterhauses, der 100%-igen Tochtergesellschaft SUISA Digital Licensing (SUISA Digital) und des 50%-Anteils am Joint Venture Mint Digital Services AG zusammen. Die Budgets von SUISA Digital und Mint werden von den jeweiligen Verwaltungsräten der beiden Unternehmen genehmigt; die Zahlen fliessen dann in die Konzernrechnung.

Anstieg der Einnahmen dank Aufführungsrechten

Im Budget der SUISA für 2019 ist ein Anstieg der Einnahmen aus der Verwertung von Urheberrechten in der Schweiz und Liechtenstein vorgesehen, vor allem dank den Einnahmen aus Aufführungsrechten (mehr Veranstaltungen, höhere Eintrittspreise). Der Rückgang bei den Vervielfältigungsrechten wird sich fortsetzen. Bei den Vergütungsansprüchen wird mit einem Zuwachs gerechnet, ebenso bei den Einnahmen aus Online-Nutzungen. Die Auslandeinnahmen sind analog 2018 veranschlagt, die Nebeneinnahmen sind höher budgetiert.

Für das Geschäftsjahr 2019 ist ein Gesamtumsatz von Fr. 166,5 Mio. budgetiert (2018: 152 Mio.). Der Aufwand dürfte sich von Fr. 29,5 Mio. im Vorjahr auf Fr. 32,5 Mio. erhöhen. Zum Mehraufwand tragen der höhere Personalaufwand für das Inkasso des Tarifs GT 3a (Hintergrundunterhaltung) und zusätzliche Stellen in der Informatikabteilung bei.

Kostenabzüge, Statuten, Reglemente

Bei den Kostenabzügen legt der Vorstand jährlich fest, welcher Prozentsatz bei der Verteilung der Einnahmen im Folgejahr abgezogen werden soll. Für 2019 werden im Offline-Bereich die Vorjahresprozentsätze beibehalten. Im Online-Geschäft verändern sich die Kostenabzüge; Grund dafür ist die Auslagerung der Lizenzierungs- und teilweise Verteilungstätigkeiten an die Tochtergesellschaften.

Die SUISA-Mitglieder hatten an der Generalversammlung im Juni 2018 verschiedenen Statutenänderungen zugestimmt. Die Revision der Statuten geschah im Zusammenhang mit der Anpassung an das liechtensteinische Verwertungsgesellschaftengesetz und die Richtlinie der Europäischen Union zur kollektiven Wahrnehmung von Urheberrechten (CRM-Richtlinie). Als Folge mussten die Kompetenzordnung und das Organisationsreglement angepasst sowie das Reglement für die neu geschaffene Beschwerdekommission ausgearbeitet werden. Der Vorstand hat die gesamten Regelwerke genehmigt.

FONDATION SUISA und Urheberrechtsrevision

Zwischen der SUISA-Vorstandskommission Organisation und Kommunikation und den Verantwortlichen der FONDATION SUISA hat sich ein «Dialogue annuel» eingebürgert, der jeweils zum Ende des Jahres stattfindet. Dieses Mal berichtete Marc Savary, Präsident des Stiftungsrates der FONDATION SUISA, über Anpassungen in den Statuten und Reglementen. Auch gab er einen Überblick zu den Aktivitäten der Musikförderstiftung der SUISA und beantwortete Fragen der Kommissionsmitglieder.

Weiter hat der Vorstand mit Sorge zur Kenntnis genommen, dass der Nationalrat in der Beratung über die Revision des Urheberrechts nicht am Kompromiss der Arbeitsgruppe zum Urheberrecht (AGUR12) festhalten und im Gesetz eine Ausnahme für den TV-Empfang in Gästezimmern vorsehen will. Damit wäre das neue Gesetz schlechter als das bisherige. Der Vorstand hat die Geschäftsleitung beauftragt, geeignete Massnahmen zu ergreifen, dass der Ständerat diesen Entscheid des Nationalrats korrigiert.

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Passt die Blockchain zur Blockflöte?Passt die Blockchain zur Blockflöte? Die Führungsgremien der SUISA beschäftigen sich ständig mit technologischen Entwicklungen, die den Musikbereich betreffen. An den Vorstandssitzungen im Oktober 2018 war neben vielen anderen Traktanden die Blockchain-Technologie ein Schwerpunktthema. Weiterlesen
Die SUISA-Mitglieder in ZahlenDie SUISA-Mitglieder in Zahlen Über 38 000 Urheber und Verleger haben die SUISA mit der Wahrnehmung ihrer Rechte beauftragt. Woher stammen sie, wie alt sind sie und komponieren eher Männer oder Frauen? Die untenstehenden Zahlen und Grafiken geben Auskunft über die Mitgliederstruktur der SUISA. Weiterlesen
Rückschau auf die SUISA-Generalversammlung 2018Rückschau auf die SUISA-Generalversammlung 2018 Am 22. Juni 2018 strömten 208 stimmberechtigte SUISA-Mitglieder ins Bierhübeli in Bern. Sie wollten die Geschicke ihrer Genossenschaft mitbestimmen sowie vom Networking- und Informationstreffen profitieren. Zusammen mit Mitgliedern des Vorstands, der Geschäftsleitung, Gästen aus Kultur und Politik plus Mitarbeitenden der SUISA nahmen sie an der ordentlichen Generalversammlung 2018 teil. Weiterlesen
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Bei den Sitzungen des Vorstands der SUISA im Dezember liegt der Fokus jeweils auf den Zahlen des Folgejahres. Budget, Stellenplan und Kostenabzüge für das Geschäftsjahr 2019 standen im Mittelpunkt. Bericht aus dem Vorstand von Dora Zeller

Bericht aus dem Vorstand: Einnahmen aus Aufführungsrechten sollen 2019 steigen

Die Neuenburger Reggae-Band Moonraisers im September 2018 auf der Hauptbühne des von der SUISA mitunterstützten Festivals Label Suisse in Lausanne. Bei den Einnahmen aus Aufführungsrechten, wozu unter anderem Konzerte gehören, erwartet die SUISA im Geschäftsjahr 2019 eine Steigerung. (Foto: Anne Bichsel / Label Suisse)

Zum zweiten Mal in der SUISA-Geschichte prüfte der Vorstand neben dem Budget der Genossenschaft SUISA, dem Mutterhaus, auch das Konzernbudget. Dieses fasst die Zahlen des Mutterhauses, der 100%-igen Tochtergesellschaft SUISA Digital Licensing (SUISA Digital) und des 50%-Anteils am Joint Venture Mint Digital Services AG zusammen. Die Budgets von SUISA Digital und Mint werden…Weiterlesen