Tagarchiv: Midem

Midem 2015: Sommer-Premiere top oder flop?

Mit Vertretern aus 75 Ländern und drei neuen Länderständen – Südafrika, Israel und Elfenbeinküste – hat die Musikmesse Midem im Jahr 2015 zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Tore im Sommer geöffnet.

Midem2015-OutsideView

Die Midem fand 2015 zum ersten Mal nicht im Winterhalbjahr sondern vom 5. bis 8 Juni statt. (Foto: zVg / Midem.com)

Nachfolgend ein kurzer Vergleich zwischen der Wintermesse 2014 und dem diesjährigen Sommer-Musikanlass anhand einiger Kennzahlen:

Midem 2014 2015
Teilnehmer 6150 5500
Aussteller 1236 1100
Länder 75 75
Länderpavillons 39 35
Konzerte 46 34
Journalisten 185 145
Konferenzen 120 93
(Angaben von Reed Midem)
Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand
Firmen 37 25
Personen 62 41
(Angaben von FONDATION SUISA)

Jubiläum: 50 Jahre Midem

Nächstes Jahr feiert die Midem einen runden Geburtstag – die 50. Midem – félicitations! Was wird sich ändern, was bleibt gleich? Gut informierte Quellen haben bestätigt, dass die Midem mindestens die folgenden fünf Jahre im Sommer im Palais von Cannes stattfinden soll. Zudem soll sie werktags angesetzt werden und lässt somit den Musikbranchenvertretern die Wochenenden frei. Die Midem 2016 findet von Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni 2016 Dienstag, 28. Juni bis Freitag, 1. Juli 2016 statt.

Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand 2015 zur Midem

Im Anschluss an die diesjährige Messe haben wir einige Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand gefragt, wie sie die Midem 2015 erlebt haben und ob sie voraussichtlich an der nächsten Messe wieder teilnehmen werden.

Midem2015-Oberholzer-Philipp

Marcel Oberholzer (Yes Music AG) und Irène Philipp (SUISA).

Marcel Oberholzer, Yes Music AG, www.djbobo.ch:

«Nachdem ich nun seit 19 Jahren jeweils im Januar oder Februar die Midem besucht habe, finde ich persönlich, dass der Termin im Juni nicht optimal angesetzt ist. Es gilt nun abzuwägen, wie weit sich die Jahresplanungen der Labels an diese neue Messezeit anpassen können oder werden.

Für Newcomer ist das ‹Midem Networking Village› sehr interessant, denn es zeigt die ganze Bandbreite der Musikindustrie 2015. Panels, Networking und Conferences können Business-Neulingen eine moderne und umfassende Übersicht verschaffen. Durch die vielen trendigen und zukunftsorientierten Ideen hat sich meiner Meinung nach das Durchschnittsalter der Midem-Teilnehmer etwas verjüngt.

Mit den älteren und langjährigen Business-Partnern steht man heutzutage aufgrund ‹moderner Kommunikationsmittel› täglich im Kontakt und muss nicht mehr auf das klassische ‹Jahres-Meeting› anlässlich der Midem warten. Diese Situation ist bestimmt auch ein Grund für den Besucherrückgang an der Messe. Trotzdem werden an der Midem sehr viele neue und erfolgversprechende Kontakte geknüpft.

Als Teilnehmer am Schweizer Stand der FONDATION SUISA kann man stark davon profitieren, dass man die eigenen Business-Kontakte direkt zu sich an den Stand einladen kann – das macht die Meetings stressfreier und man kann mehr Personen treffen und Termine vereinbaren, da man nicht von Halle zu Halle oder von Hotel zu Hotel pilgern muss.

Ausserdem kriegt man durch das SUISA-Standpersonal jederzeit eine professionelle und gleichzeitig kollegiale Unterstützung. Den Messestand kann man durchaus als echtes Bijou bezeichnen, denn zur grossen Standfläche gehören auch die Meeting-Plätze draussen auf dem Messe-Balkon, welche eine wunderbare Aussicht auf den Yachthafen und die Altstadt von Cannes bieten – eine traumhafte Location mit echtem Côte-d’Azur-Flair für Geschäftsmeetings.

Der Slogan ‹Music made in Switzerland› wird also am Schweizer Stand so richtig vorgelebt und in die Musikwelt hinausgetragen.»

Midem2015-Schuemichen-Lanzinger

Pia Schümichen (l.) und Annette Lanzinger (beide Dr. Sauter Musikverlag GmbH).

Dr. Sauter Musikverlag GmbH, www.sautermusik.de:

«Wir finden den Monat Juni eigentlich ganz ok – fanden es aber schade, dass trotz dem tollen Wetter draußen so wenig geboten wurde, wie zum Beispiel Auftritte von kleineren Bands in den Kneipen rundherum. Wir haben nur zufällig eine Band in einer kleinen Bar gesehen – und das war cool.

Nach unserer Einschätzung gab es zudem auch nicht mehr Besucher als im Januar.
Die Themen der diesjährigen Vorträge waren unserer Meinung nach zu einseitig – Synch, Streaming. Insgesamt fanden wir die Midem im Juni gut. Leider werden es jedes Jahr weniger Messeteilnehmer und somit werden auch die Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen, geringer. Wir haben festgestellt, dass zwar einige Kollegen vor Ort sind, sie sich aber nicht für die Messe akkreditieren, sondern ihre Termine einfach außerhalb der Messe vereinbaren. Das liegt sicher auch an den hohen Kosten für die Akkreditierung.»

Stefan Planta, TBA/Phonag:

«Ob wir nächstes Jahr die Midem besuchen, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt bestimmen.»

Midem2015-Martinuzzi-Prinz-Hoerhager

V.l.n.r.: Giancarlo Martinuzzi, Andy Prinz, David Hörhager.

Andy Prinz, Andy Prinz Publishing, www.andyprinz-publishing.com:

«Die Midem 2015 war für uns ein voller Erfolg. Zweifelsohne war die Atmosphäre zu dieser Jahreszeit viel entspannter, und das hat sich positiv auf unser Business ausgewirkt.

Wir werden definitiv an der nächsten MIDEM teilnehmen, auch dank der hervorragenden Konditionen via FONDATION SUISA als Mitaussteller.»

Midem2015-Brunko-White

Pascal Brunko und Violeta White.

Pascal Brunko und Violeta White, Damp Music, www.damp-music.com:

«Für uns ist die Midem sehr erfolgreich verlaufen. Am Stand der FONDATION SUISA war für die Treffen mit unseren Kunden alles sehr gut vorbereitet und die Terrasse war ein willkommener Luxus. Das SUISA-Team am Stand war sehr nett und dynamisch und hat uns viele nützliche Hinweise für eine erfolgreiche Midem 2015 gegeben. Wir freuen uns schon auf 2016!»

Serge Gauya Management / SG Productions Editions (SGPE International), www.sergegauya.com:

«Ich fand den Stand wie immer gut und habe die professionelle Atmosphäre, zu der das ganze Team beigetragen hat, sehr geschätzt. Wenn ich ich dieser Zeit nicht gerade gebucht bin, bin ich auch 2016 wieder mit dabei, kann es aber noch nicht mit Sicherheit sagen.»

Midem2015-Jones-Ruessel-Allain

V.l.n.r.: Sabine Jones (SJ Consultancy) Marcus Ruessel (Gigmit) und Michel Allain (Fasttrack).

Sabine Jones, SJ Consultancy, sjconsultancy.net:

«Als selbständige Konsulentin, deren Kundenstamm schwerpunktmässig in der Schweiz, Deutschland und Österreich, aber auch weitläufiger – USA, Brasilien – angesiedelt ist, macht der Midem-Besuch als Gelegenheit fürs Networking durchaus Sinn. Beklagenswert war heuer leider die Tatsache, dass viele Teilnehmer wohl lieber ‹ohne Pass› dem schönen Wetter in Meetings ausserhalb des Palais frönten, anstatt den Weg zu den Ständen zu finden. Selbst gute Panels waren nicht immer voll besucht – was eventuell auch daran lag, dass eine Vortragsbuehne mitten im Korridor angelegt war.

Aus meiner Sicht wäre eine Midem im März oder April sinnvoll, aber im Hochsommer wird sie darunter leiden, dass Ferienzeit ist und einige meiner Businesskontakte schon heuer angedeutet haben, dass bei ihnen der Juni- oder Juli-Termin zu kurz vor der Hauptabrechnung oder anderen ‹important dates› liegt, und sie daher nicht teilnehmen. Daher kann es sein, dass auch ich meine Teilnahme für 2016 ueberdenke, da es immerhin eine sehr grosse Investition ist, denn Cannes in der Hochsaison ist schon etwas anderes als an den bisherigen Januar-Terminen.»

Rudi Schedler Musikverlag GmbH, www.schedlermusic.com:

«Wir entscheiden erst im Frühjahr 2016, ob beziehungsweise an welchem Stand wir wiederum teilnehmen.»

Stephan Heim, Head of Marketing & Administration www.adon.ch:

«Persönlich finde ich, dass eine Midem im Sommer sehr viel Sinn macht, ich fand es angenehmer und vor allem auch kreativer und offener als im Februar. Grund: Im Sommer werden die Lokale am Strand in die Midem miteinbezogen, es gibt open air Showcases und die Messe wird so mehr raus getragen, was ich sehr sinnvoll finde. Und ja, nächstes Jahr nehmen wir voraussichtlich unbedingt wieder teil.»

Midem2015-Kruesi-Sauder-Heim

V.l.n.r.: Andreas Krüsi (Adon), Sabrina Sauder, Stephan Heim (Adon).

Sabrina Sauder, www.sabrinasauder.ch:

«Die Midem nun zum ersten Mal im Sommer war zwar toll, weil ich sie gleich mit ein paar Tagen Urlaub verbinden konnte, jedoch hatte ich den Eindruck, dass der neue Termin noch weniger Leute aus der Musik-Industrie nach Cannes gebracht hat. Viele waren wahrscheinlich mit ihren Künstlern auf Tournee und so ist die Teilnehmerzahl nochmals geschrumpft. Ich muss auch ehrlich sagen, dass diese warmen Temperaturen mich eher an den Strand getrieben haben als ins Messegelände.

Der SUISA-Stand war wie eh und je top ausgerüstet und mit super nettem Personal versehen. Auch der Apéro war der absolute Renner! Ebenfalls geschätzt habe ich den eigenen Rooter, den ihr besorgt habt. Endlich mal funktionierendes Internet!

Ich kann noch nicht sagen, ob ich an der nächsten Midem teilnehmen werde. Dieses Jahr hat es mich von den anwesenden Personen her nicht so überzeugt und es lässt sich nur schwer abschätzen, ob das mit einem noch späteren Termin wirklich besser wird …»

Walter Holzbaur, www.wintrup.de:

«Die Midem war auch für uns ziemlich ‹heiss› und so haben wir die meiste Zeit im Carlton und umliegenden Strandbars verbracht. Schade eigentlich, denn die Gastfreundschaft am Schweizer Stand ist ja immer großartig! Der Termin im nächsten Jahr ist noch schlechter als der diesjährige. Ob und wie wir teilnehmen, werden wir erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, wir warten mal ab wie die Tendenz sich entwickelt. Die Midem ist inzwischen in zwei Lager gespalten, das eine befindet sich im Palais und bei den dort stattfindenden nicht besonders interessanten Panels, das andere und für uns wesentlich wichtigere im Carlton und Umgebung – da reichen dann auch 2 Tage im 30-Minuten Takt.»

Midem2015-Schnell-Schiess-Wegener

V.l.n.r.: Urs Schnell (FONDATION SUISA), Martin Schiess (K-tel), Poto Wegener (SWISSPERFORM).

Martin Schiess, Managing Director, www.k-tel.ch:

«Midem 2016: Dienstag, 28. Juni bis Freitag, 1. Juli 2016 finde ich kein gutes Datum, anfangs Juni wie in diesem Jahr war o.k.. Zudem geht mir bei einer Messe, die vollständig unter der Woche stattfindet, zu viel Zeit verloren. Wochenende war perfekt. Wenn die Messe wie angekündigt stattfindet, werde ich voraussichtlich nicht teilnehmen.»

Grégoire Liechti, www.sidomusic.com:

«Das Midem-Büro hatte es angekündigt: ‹Der führende internationale Business-Event für die Musikwelt findet künftig zu einem neuen Zeitpunkt statt!› Nun ist Juni, wir treffen uns bei sommerlichen Temperaturen und herrlichem Sonnenschein in Cannes.

Mir persönlich hat diese Midem sehr gefallen, auch wenn tatsächlich weniger Besucher da waren als auch schon. Wie jedes Jahr konnte ich unsere ausländischen Partner und die von uns vertretenen Verleger treffen, aber auch neue Leute kennenlernen. Nur an der Midem können wir am gleichen Tag Verleger aus einem Schwellenland (Urheberrechte) und einen in London ansässigen Creative Director treffen.

Noch ist es zu früh, etwas über die nächste Midem zu sagen. Aber angesichts des angekündigten Datums kann man schon jetzt davon ausgehen, dass vielleicht sogar noch weniger Leute kommen werden als 2015.»

Midem2015-Gelewski-Liechti

V.l.n.r.: Lysander Gelewski (Mymusicrights) und Grégoire Liechti (Sidomusic).

Lysander Gelewski, Mymusicrights Sàrl, www.mymusicrights.ch:

«Midem 2015 – eine kleine persönliche Nachlese: Ich gebe es offen zu, nach 8 Stunden Key Notes, Speedmeetings, Legal Summit und bilateralen Verhandlungen mit Sub-Verlegern aus aller Welt war es eine Wohltat, gleich vor dem Palais des Festivals in die weichen Wogen des warmen Mittelmeers zu springen. ‹No regrets› also bezüglich meteorologischer Migration der Midem vom Januar in den Juni.

Ich betrachte es als grosses Privileg, dass wir immer noch über einen eigenen Schweizer Stand mit stets freundlichem, hilfsbereitem und kompetentem Personal verfügen. So gut gelegen, dass meine Geschäftspartner meist wünschten: ‹Can we meet on the nice terrace of the Swiss stand?› Andererseits ist es schade, dass Jahr für Jahr weitere Länder- oder Firmenstände verschwinden. Und viele Meetings in Hotellobbies verschoben werden.

Für unsere kleine Firma habe ich eine gute Balance aus Informationsveranstaltungen und geschäftlichen Sitzungen gefunden. Spannend und hochkarätig besetzt waren für mich vor allem: die ‹Legal Workshops› mit Schwergewicht auf Revision des amerikanischen Copyright Act, neuste Entwicklungen auf EU-Ebene, strategische Ausrichtung der grossen Verwertungsgesellschaften, internationaler Datenaustausch, usw. Viel neues Know-how nach Hause mitnehmen konnte ich von den zahlreichen ‹Synch-Sessions›. Ein auch für Schweizer Musik wichtiger Zukunftsmarkt.

Alles rosarot und eitel Sonnenschein? Nein, buchstäblich sauer stiessen mir die Preiserhöhungen in Hotels und Restaurants auf. 10 bis 30% Prozent sind die Norm. Eine kleine Anekdote: Am Dienstag nach der Midem sassen wir zu zweit in der Rue Saint-Antoine auf einer der kitschigen Terrassen: Das gleiche Menü war einmal mit € 33 und einmal mit € 39 angegeben. Peinlich berührt sagte unser Garçon: ‹Sorry, € 39 war der Preis während der Midem …› Es geht nicht um ein paar Euros, sondern um dieses unangenehme Gefühl, das Polo Hofer im ‹Kiosk› so schön besungen hat.

Zähneknirschend werde ich wohl auch 2016 nach Cannes reisen. Denn die Midem bleibt die Musik-Messe par excellence, auch wenn sie sich vom ‹Deal-Maker› zum ‹Trend-Setter› gewandelt hat. Und wer kann schon dem Charme von Erika, Nadia und Marcel am Schweizer Stand widerstehen?»

Sofern nicht anders vermerkt, Fotos von Erika Weibel und Marcel Kaufmann.

Der Schweizer Gemeinschaftsstand an der Midem wird in Zusammenarbeit organisiert von der Stiftung Phonoproduzierende, der FONDATION SUISA und der SUISA.

Update, 1.3.2016: Der Veranstaltungstermin der Midem 2016 wurde nach Publikation dieses Beitrags verschoben. Die Messe findet vom 3. bis 6. Juni 2016 statt. Die Daten sind im Text korrigiert.

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  1. Nina sagt:

    Hallo!

    Die MIDEM 2016 findet vom 3.-6. Juni 2016 statt, und nicht wie hier steht, vom 28. Juni – 1. Juli 2016 …

    Nina

    • Manu Leuenberger sagt:

      Liebe Nina
      Vielen Dank für den Hinweis. Der Veranstaltungstermin der Midem 2016 wurde nach Publikation dieses Beitrags verschoben. Die neuen Daten haben wir nun im Beitrag ergänzt.
      Manu Leuenberger, Kommunikation SUISA

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Mit Vertretern aus 75 Ländern und drei neuen Länderständen – Südafrika, Israel und Elfenbeinküste – hat die Musikmesse Midem im Jahr 2015 zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Tore im Sommer geöffnet.

Midem2015-OutsideView

Die Midem fand 2015 zum ersten Mal nicht im Winterhalbjahr sondern vom 5. bis 8 Juni statt. (Foto: zVg / Midem.com)

Nachfolgend ein kurzer Vergleich zwischen der Wintermesse 2014 und dem diesjährigen Sommer-Musikanlass anhand einiger Kennzahlen:

Midem 2014 2015
Teilnehmer 6150 5500
Aussteller 1236 1100
Länder 75 75
Länderpavillons 39 35
Konzerte 46 34
Journalisten 185 145
Konferenzen 120 93
(Angaben von Reed Midem)
Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand
Firmen 37 25
Personen 62 41
(Angaben von FONDATION SUISA)

Jubiläum: 50 Jahre Midem

Nächstes Jahr feiert die Midem einen runden Geburtstag – die 50. Midem – félicitations! Was wird sich ändern, was bleibt gleich? Gut informierte Quellen haben bestätigt, dass die Midem mindestens die folgenden fünf Jahre im Sommer im Palais von Cannes stattfinden soll. Zudem soll sie werktags angesetzt werden und lässt somit den Musikbranchenvertretern…Weiterlesen

Die Midem setzt auf Sommernähe

Die Musikfachmesse Midem findet neu im Juni statt. Sie können mit von der Partie sein, wenn sich von 5. – 8. Juni 2015 die Musikindustrie-Vertreter aus der ganzen Welt in Cannes treffen. Als Schweizer Teilnehmerin oder Teilnehmer haben Sie die Möglichkeit, sich über die FONDATION SUISA vergünstigt für die Midem zu akkreditieren.

Midem-2014-Panel

Quo vadis, Midem? Der Weg durch Terminverschiebung in Richtung Sommernähe ist die wesentlichste Veränderung: Die Musikfachmasse in Cannes findet dieses Mal von 5. – 8. Juni 2015 statt. (Foto: Valentin Desjardins / Midem.com)

Seit knapp einem halben Jahrhundert hat  in Cannes jeweils Ende Januar einer der wichtigsten Events der internationalen Musikbranche stattgefunden: Die Musikmesse Midem. Mit einem couragierten Entscheid haben die Messeveranstalter den gewohnten Winter-Termin verschoben und neu auf Anfang Juni angesetzt.

Vom Geschäftstreffen zur Erfolgsfeier und wieder zurück

Am Anfang war die Midem vor allem ein Geschäftstreffen von bedeutenden Musikverlegern. In den Boom-Jahren der Musikindustrie wandelte sich der Anlass zu einer riesigen Musikmesse. Die Midem war der Glamour-Anlass des internationalen Musikbusiness schlechthin. Das Musikgeschäft wurde zelebriert, gefeiert und feierte sich selbst, inklusive ausgiebigen Partys.

Nach dem finanziellen Einbruch in der Tonträgerindustrie wurde in Cannes die Ausstellerfläche immer kleiner. Der Geschäftsgedanke gewann wieder klar Oberhand gegenüber dem Partyspirit.

Schweizer Überzeugungstäter mittendrin

Seit 26 Jahren organisiert die SUISA in Zusammenarbeit mit der FONDATION SUISA und der Stiftung Phonoproduzierende Schweiz den Schweizer Länderstand an der Midem. Über uns können sich Schweizer Musikschaffende vergünstigt akkreditieren und von der Infrastruktur des Gemeinschaftsstands profitieren.

Die Anzahl der eidgenössischen Teilnehmer ist seit 10 Jahren konstant, beziehungsweise zeigt einen leichten Aufwärtstrend. Auch das Feedback der Schweizer Messeteilnehmer war bislang stets vorwiegend positiv. Nach den Aussagen von Messebesuchern werden an der Midem nach wie vor viele internationale Musikgeschäfte abgewickelt. Ausserdem sei die Fachmesse ein ausgezeichnetes Tor zum amerikanischen und asiatischen Musikmarkt.

Diese Meinung scheint jedoch nicht von allen geteilt zu werden, denn viele vor allem europäische Gemeinschaftsstände verbuchen seit Jahren einen Rücklauf bei den Anmeldungen.

Konkurrenz für die Midem gewachsen

Die aktuelle Situation der Midem sieht so aus: Eine augenscheinliche Reduktion der vermieteten Standfläche, immer weniger europäische Messeteilnehmer, immer mehr Publikum aus Asien und Amerika, währenddem zur selben Zeit Festivals wie zum Beispiel Eurosonic, das Reeperbahn Festival oder das MaMA in Europa herausragende Erfolge mit internationalen Fachteilnehmern verzeichnen.

Die Midem reagiert mit verschiedenen Massnahmen. So haben zum Beispiel die neuen Technologien ein wichtiges Fenster an der Messe erhalten. Spannende Panels, Workshops, Meetings und Gesprächsrunden werden angeboten. Ausserdem wurde das Live-Segment mit einem grossen Musikfestival aufgewertet.

Diese Angebote finden sich jedoch praktisch an jedem Festival für Musik-Fachbesucher. Was 2015 wirklich neu sein wird, ist die Verschiebung des Messetermins in den Juni. Gemäss Aussagen von Midem-Mitarbeitenden verspricht man sich davon einen weiteren Zuwachs von asiatischen und amerikanischen Besuchern. Der neue Veranstaltungstermin im Juni macht die Midem zum einzigen europäischen Musikanlass, der zeitlich nahe bei den Sommerfestivals stattfindet. Bei den anderen Messen, die im Frühjahr oder Herbst durchgeführt werden, ist das nicht der Fall.

Ob die Midem mit dem mutigen Entscheid ihre Position als eine der wichtigsten Musikmessen weltweit stärken kann, wird sich zeigen. Das Feedback bei unseren Stand-Habitués lässt aus Schweizer Sicht noch keine definitive Vorschau zu. Die bisherigen Reaktionen reichen von «eine ausgezeichnete Idee, bin gerne im Juni in Cannes» bis zu «sehr schwierig in der Festivalsaison».

Midem vom 5. bis 8. Juni: Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung!

Mit einer Akkreditierung über die FONDATION SUISA können auch Sie vergünstigt an der Midem teilnehmen und von den Vorteilen des Gemeinschaftsstands profitieren. Das heisst konkret: Gratis zur Verfügung stehende Meeting-Tische, Werbung am Stand, offerierter Standcocktail, Schliessfächer, Infodesk und die Möglichkeit, dass Mitteilungen für Sie in Empfang genommen werden, während Sie vielleicht gerade wegen einem Verhandlungsgespräch abwesend sind.

Kommen auch Sie an den Schweizer Stand und knüpfen und pflegen Sie Ihre Geschäftskontakte zu den Vertretern der internationalen Musikindustrie.

Akkreditierungskosten Midem:
395 Euros + MWST pro Person
295 Euros + MWST pro Person, mit Künstler- oder Studentenrabatt

Alle Informationen und den Anmeldelink finden Sie hier: www.fondation-suisa.ch/midem

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Die Musikfachmesse Midem findet neu im Juni statt. Sie können mit von der Partie sein, wenn sich von 5. – 8. Juni 2015 die Musikindustrie-Vertreter aus der ganzen Welt in Cannes treffen. Als Schweizer Teilnehmerin oder Teilnehmer haben Sie die Möglichkeit, sich über die FONDATION SUISA vergünstigt für die Midem zu akkreditieren.

Midem-2014-Panel

Quo vadis, Midem? Der Weg durch Terminverschiebung in Richtung Sommernähe ist die wesentlichste Veränderung: Die Musikfachmasse in Cannes findet dieses Mal von 5. – 8. Juni 2015 statt. (Foto: Valentin Desjardins / Midem.com)

Seit knapp einem halben Jahrhundert hat  in Cannes jeweils Ende Januar einer der wichtigsten Events der internationalen Musikbranche stattgefunden: Die Musikmesse Midem. Mit einem couragierten Entscheid haben die Messeveranstalter den gewohnten Winter-Termin verschoben und neu auf Anfang Juni angesetzt.

Vom Geschäftstreffen zur Erfolgsfeier und wieder zurück

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Die Midem 2014 – back to growth?

Just in dem Jahr, in dem Che Guevara erschossen wurde, der Sechs-Tage-Krieg über die Schwarz-Weiss-Mattscheiben flimmerte, der Zeichentrickfilm «Das Dschungelbuch» die Kinderherzen eroberte und die Beatles ihr legendäres, drogengeschwängertes «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band»-Album veröffentlichten, anno 1967, setzte sich die aufstrebende Musikindustrie an der sonnenverwöhnten Côte d’Azur in Südfrankreich selbst ein Denkmal in Form einer Musikfachmesse – die Midem war geboren. Gastbeitrag von Andy Prinz

Midem 2014 Teilnehmer

Man trifft sich in Cannes (v.l.n.r.): Cla Nett (Schweizerische Interpretengenossenschaft), Gastautor Andy Prinz, Sergio Fertitta, Devijo alias Giancarlo Martinuzzi. (Foto: Andy Prinz)

Die geballte Ladung Musikindustrie

Jahr für Jahr pilgern Tausende von Verlegern, Labels, Musikern, Produzenten, Managern und Journalisten nach Cannes in das 3-tägige Mekka der Musikindustrie, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, Musik zu lizenzieren, Verträge abzuschliessen oder Beziehungen mit bestehenden Geschäftspartnern aus aller Welt bei einem gemeinsamen Essen zu pflegen.

Die Atmosphäre an der französischen Riviera lädt dazu förmlich ein, und das beschauliche Cannes strahlt auch in der Krisenzeit des Musikbusiness noch eine gehörige Portion Glamour aus; dabei trotzen die teils horrenden Preise in den Grand Hotels, wo sich die einflussreichen A&Rs und Musikmanager die Klinke reichen, der stürmischen See mit stolzer Brust. Überteuerte Drinks und 10-Euro-Cappuccinos schmecken zwar nicht besser, aber sie beruhigen das Gemüt.

Dank der Möglichkeit am Schweizer Gemeinschaftsstand zu stark reduzierten Tarifen als Aussteller teilnehmen zu können, sind die Eintrittspreise an die Fachmesse im Palais glücklicherweise bezahlbar geworden. Die global grösste und beständigste Musikfachmesse leidet zwar ebenfalls an jährlich schwindenden Besucherzahlen und auch die aufstrebenden, inhaltshungrigen Technologieunternehmen vermögen die fehlende Präsenz der Musiklabels nicht zu kompensieren. Es wird jedoch trotzdem viel geboten.

Zum einen besteht die Midem aus der Fachmesse, die leider stark an Bedeutung verliert, und zum anderen aus den Konferenzen und dem Festival. Insgesamt tummeln sich über 6400 Teilnehmer aus aller Welt – umgeben von der salzigen Mittelmeerluft – im temporären Schmelztiegel der Musikindustrie. The show must go on!

Midem 2014 Panel

Illustre Gäste und grosse Themenbandbreite an den Panels der Musikfachmesse. (Foto: Andy Prinz)

An den Panels im Palais erzählen illustre Gäste wie Rita Ora oder Boris Blank von ihren Erfahrungen in der Musikindustrie und ihrem Umgang mit neuen Formen der Vermarktung. Die Bandbreite an Themen ist gross, doch oft reicht die Zeit nicht aus, da die Meetings Vorrang haben und man die meisten Panels auch bequem von zuhause aus im Netz anschauen kann. Ein Highlight in diesem Jahr war definitiv die Keynote mit der A&R-Legende und dem Gründer von Sire Records (Warner), Seymour Stein.

Carlton, Majestic und Co.

Obschon die Major-Companies und meisten Labels zum Leidwesen der Messeveranstalter im grosszügig angelegten Palais durch Absenz brillieren, sind sie dennoch in Cannes vorzufinden, jedoch in den strandnahen Grand Hotels wie dem Majestic oder Carlton.

Dort findet das eigentliche Business statt, fernab von der Messe. Zutritt wird den Hotelgästen und Besitzern eines Fachmesseausweises gewährt – und genau deshalb ist es von Vorteil, solch einen Pass zu besitzen, auch wenn man auf die Messe praktisch verzichten möchte.

Zahlreiche Meetings werden in den Hotel-Lobbies abgehalten und wichtige (zukünftige) Partnerschaften bei einem Nachtessen in den umliegenden Restaurants besiegelt. Dabei bietet die gesundgeschrumpfte Musikindustrie auch seine Vorteile, denn die Teilnehmerzahl ist überschaubarer geworden, und in der fast schon familiär scheinenden Umgebung läuft man sich eher mal über den Weg.

Networking ist nach wie vor das A und O – und je mehr Leute man kennt, desto leichter fällt es, neue Bekanntschaften zu machen und seine eigenen Visitenkarten in alle Welt zu streuen.

Empfehlenswert ist es, sich die frühen Morgenstunden frei zu halten, am Nachmittag Start-Ups und interessante News an der Messe zu erspähen und spätnachmittags und abends in den Lobbies zu verweilen, nach Speis und Trank beim Süd-Franzosen, der seine eigene Küche – ehrlich gesagt – meist überschätzt.

To be or not to be

Ja, Cannes ist ein teures Pflaster und ja, Spotify-Abrechnungen schmerzen. Und wer zu den Ewiggestrigen gehört, der mag sich im Musikbusiness 2.0 verloren fühlen. Unsere Welt ist globalisierter und vernetzter denn je; der persönliche Kontakt mit bestehenden und neuen Partnern in der Sonnenstube des winterlichen Europas ist aber nach wie vor Gold wert und zahlt sich aus.

Gerade in der heutigen, medial reizüberfluteten Zeit mit Hang zum Kommunikations-Overkill, geprägt von überflüssigen Status-Updates, geniessen persönliche Beziehungen und Erfahrungen wieder einen höheren Stellenwert. Und der MIDEM gelingt es nach wie vor, Persönlichkeiten der globalen Musikindustrie aus den verschiedensten Genres für wenige Tage an einem Ort zu vereinen.

Alte Freunde treffen sich und schwelgen in schönen Erinnerungen – die Selbstbeweihräucherung der Musikindustrie weist heilende Kräfte auf. Und wer noch nicht genug davon hat, der liest wiedermal das Kapitel «Midem» im Klassiker «Kill your friends» von John Niven

Midem 2014 Schweizer Gemeinschaftsstand

Networking am Schweizer Gemeinschaftsstand an der Midem 2014. (Foto: Andy Prinz)

Am Schweizer Gemeinschaftsstand im Palais kann man übrigens auch hervorragend mit Landsleuten networken oder die eine oder andere Frage mit den Verwertungs- oder Interpretengesellschaften klären. Ausserdem bietet der Stand auch wertvolle Tools (z.B. WiFi und Schliessfach) und Meeting-Infrastruktur.

Verleger und Lizenzen

Ein ehemaliger Schweizer Boss eines Major-Unternehmens bemerkte einmal augenzwinkernd, die Midem sei nur für Penner und Verleger. Das ist stark übertrieben, doch lässt sich nicht bestreiten, dass die Midem sehr verlagsorientiert ist und die mangelnde Präsenz an Labels zusehends viele davon abhält, nach Cannes zu fahren, da es offensichtlich an Möglichkeiten zur Weiterlizenzierung des eigenen Katalogs fehlt.

Die Technologieunternehmen oder Grosskonzerne wie Google füllen diese Lücke nur mangelhaft aus; obwohl das Thema der Stunde „YouTube-Monetarisierung“ heisst. Umso erfolgreicher werden genrespezifische Messen wie beispielsweise die ADE in Amsterdam oder Get-Togethers à la SXSW in den USA.

Business ist in der global vernetzen Welt von heute 365 Tage im Jahr realisierbar. Es braucht aber auch Plattformen, sowohl national wie international. Künstler träumen auch heute noch von Plattenverträgen, A&Rs von erfolgreichen Signings, Verleger von spannenden neuen Synch-Deals und IT-Firmen von neuen Rekord-Nutzerzahlen. Vielleicht ist gerade jetzt die Teilnahme an einer Fachmesse wie der Midem wichtiger denn je!

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Just in dem Jahr, in dem Che Guevara erschossen wurde, der Sechs-Tage-Krieg über die Schwarz-Weiss-Mattscheiben flimmerte, der Zeichentrickfilm «Das Dschungelbuch» die Kinderherzen eroberte und die Beatles ihr legendäres, drogengeschwängertes «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band»-Album veröffentlichten, anno 1967, setzte sich die aufstrebende Musikindustrie an der sonnenverwöhnten Côte d’Azur in Südfrankreich selbst ein Denkmal in Form einer Musikfachmesse – die Midem war geboren. Gastbeitrag von Andy Prinz

Midem 2014 Teilnehmer

Man trifft sich in Cannes (v.l.n.r.): Cla Nett (Schweizerische Interpretengenossenschaft), Gastautor Andy Prinz, Sergio Fertitta, Devijo alias Giancarlo Martinuzzi. (Foto: Andy Prinz)

Die geballte Ladung Musikindustrie

Jahr für Jahr pilgern Tausende von Verlegern, Labels, Musikern, Produzenten, Managern und Journalisten nach Cannes in das 3-tägige Mekka der Musikindustrie, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, Musik zu lizenzieren, Verträge abzuschliessen oder Beziehungen mit bestehenden Geschäftspartnern aus aller Welt bei einem gemeinsamen…Weiterlesen