Tagarchiv: Ländler

«Alle meine Stücke habe ich frei aus dem Bauch heraus komponiert»

Beim Prix Walo 2018 ist Martin Nauer einer der drei Nominierten in der Sparte Volksmusik. Der Akkordeonist spielte mehr als vier Jahrzehnte lang bei der Ländlerkapelle Carlo Brunner. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat Martin Nauer im Zusammenhang mit seiner Nomination schriftlich ein paar Fragen gestellt. Text/Interview von Sibylle Roth

Martin Nauer: «Alle meine Stücke habe ich frei aus dem Bauch heraus komponiert»

Martin Nauer hat bereits als Fünfjähriger das Akkordeonspiel gelernt. (Foto: Monika Nussbaumer)

Der junge Martin Nauer fuhr mit dem «Töffli» oft nach Meierskappel, um von Walter Grob neue Fingersätze auf der Handorgel zu lernen. Er hörte seinen Vorbildern so oft wie möglich zu, denn alle Griffe und Akkorde lernte er nach Gehör. 1975 gründete er zusammen mit Carlo Brunner die Kapelle Carlo Brunner und legte damit den Grundstein für seine Karriere. Nauer absolvierte unzählige Auftritte in der Schweiz und im Ausland und spielte bei mehrere Platten- respektive CD-Aufnahmen mit.

Martin Nauer, Sie haben viele Stücke für Carlo Brunners Kapelle geschrieben: Wie sind diese Stücke genau entstanden? Haben Sie Vorgaben erhalten oder konnten Sie frei komponieren?
Martin Nauer: Gesamthaft habe ich zirka 50 Melodien komponiert. Sie alle sind auf irgendeiner der vielen CDs verewigt, die wir als Kapelle Carlo Brunner produziert haben. Bei meinen Kompositionen habe ich nie irgendwelche Vorgaben respektive Tipps bekommen oder musste mich an Empfehlungen halten. Alle meine Stücke habe ich also frei aus dem Bauch heraus komponiert.

Sie sind seit 1976 SUISA-Mitglied und viele Ihrer Kompositionen wurden von verschiedenen Verlagen herausgegeben. Können Sie mit den Vergütungen aus Ihrer SUISA-Mitgliedschaft ein finanziell sorgenfreies Leben geniessen?
Seit 1976 SUISA-Mitglied? Wie doch die Zeit vergeht! Nein, von den Vergütungen, die mir als Komponist zustehen und über die SUISA abgerechnet werden, kann ich selbstverständlich kein sorgenfreies Leben geniessen. So viele Kompositionen von mir gibt’s ja nun auch wieder nicht und so häufig werden die auch nicht gespielt, als dass die Entschädigungen viel Geld abwerfen würden. Die Tantiemen sind aber alleweil ein willkommener Zustupf, von dem sich doch auch mal was geniessen lässt.

Sie haben sich Ende 2017 aus der Kapelle von Carlo Brunner zurückgezogen. Haben Sie jetzt mehr Zeit, um eigene Stücke zu komponieren?
Meine durch den Rückzug aus der Kapelle Carlo Brunner gewonnene Zeit verwende ich nicht ausschliesslich zum Komponieren. Gleichwohl bin ich mit der Volksmusik weiterhin sehr stark verbunden, und wenn mir eine Melodie einfällt oder wenigstens die Sequenz eines neuen Tanzes, dann nehme ich die Töne auf eine Tonbandkasette auf in der offenen Erwartung, dass vielleicht mal etwas daraus wird. Da ich Noten weder schreiben noch lesen kann, bin ich auf Hilfe angewiesen, damit eine neue Melodie dann auch noch aufgeschrieben wird.

Was bedeutet die Prix-Walo-Nomination für Sie?
Die Prix-Walo-Nomination ist eine riesengrosse Freude für mich und zugleich natürlich auch eine tolle Überraschung. Als Mitglied in der Formation und als Partner von Carlo Brunner – seit über 43 Jahren – durfte ich immer auch am Erfolg von Carlo teilhaben, wenn dieser den Prix-Walo gewann. Und das war bis heute doch schon viermal der Fall. Auch für uns Kapellenmitglieder bedeuteten die Auszeichnungen jeweils eine grosse Anerkennung. Dass ich jetzt aber sogar selber für den Preis nominiert bin, damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Wie gesagt, ich habe eine Riesenfreude und bin auch stolz darauf, alleine schon mit der Nominierung diese grosse Ehre erfahren zu haben.

www.prixwalo.ch, Website des Prix Walo

Die Galaverleihung des 44. Prix Walo findet am 13. Mai 2018 in den TPC-Studios in Zürich statt und wird live auf Star TV ab 20.00 Uhr übertragen. Beim Prix Walo werden Schweizer Künstler aus. Beim Prix Walo werden Schweizer Künstler aus verschiedenen Sparten ausgezeichnet. Ziel des Prix Walo ist, die Schweizer Showbranche im Allgemeinen und den Künstlernachwuchs im Unterhaltungssektor zu fördern. Die SUISA unterstützt den Prix Walo finanziell und übergibt dieses Jahr den Preis in der Sparte Volksmusik.
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Beim Prix Walo 2018 ist Martin Nauer einer der drei Nominierten in der Sparte Volksmusik. Der Akkordeonist spielte mehr als vier Jahrzehnte lang bei der Ländlerkapelle Carlo Brunner. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat Martin Nauer im Zusammenhang mit seiner Nomination schriftlich ein paar Fragen gestellt. Text/Interview von Sibylle Roth

Martin Nauer: «Alle meine Stücke habe ich frei aus dem Bauch heraus komponiert»

Martin Nauer hat bereits als Fünfjähriger das Akkordeonspiel gelernt. (Foto: Monika Nussbaumer)

Der junge Martin Nauer fuhr mit dem «Töffli» oft nach Meierskappel, um von Walter Grob neue Fingersätze auf der Handorgel zu lernen. Er hörte seinen Vorbildern so oft wie möglich zu, denn alle Griffe und Akkorde lernte er nach Gehör. 1975 gründete er zusammen mit Carlo Brunner die Kapelle Carlo Brunner und legte damit den Grundstein für seine Karriere. Nauer absolvierte unzählige…Weiterlesen

«Vieles in unserer Volksmusik kommt von der Klassik her»

Dani Häusler ist einer von drei Nominierten beim Prix Walo 2018 in der Sparte Volksmusik. Häusler hat bereits früh angefangen Klarinette zu spielen und ist heute in diversen Formationen aktiv. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat den Nominierten schriftlich interviewt. Text/Interview von Sibylle Roth

Dani Häusler: «Vieles in unserer Volksmusik kommt von der Klassik her»

Der Klarinettist Dani Häusler ist einer der jüngsten Träger des «Goldenen Violinschlüssels». (Foto: Pit Bühler)

Mit 11 Jahren hat Dani Häusler angefangen, Klarinette und Saxophon zu spielen, und trat kurz darauf bereits mit seiner ersten Band, den Gupfbuebä, auf. Er hat klassische Musik studiert und mit den Formationen Pareglish und Hujässler die moderne Volksmusik geprägt. 1987 ist Dani Häusler der SUISA beigetreten. Er unterrichtet Klarinette, ist Volksmusikredaktor beim SRF, Dozent an der Hochschule Luzern und wurde letztes Jahr mit dem Goldenen Violinschlüssel geehrt.

Dani Häusler, Sie haben klassische Musik studiert und auch schon klassische Stücke für die Volksmusik arrangiert, zum Beispiel «Ländlerische Tänze» von Mozart. Wie vermischen sich die beiden Musikrichtungen?
Dani Häusler: Vieles in unserer Volksmusik kommt von der Klassik her. Mozart-Tänze kann man vom Notentext her ziemlich genau eins zu eins übernehmen. Der Unterschied zeigt sich dann aber in der Interpretation – klassische Musiker spielen gepflegter, Volksmusiker ungehobelter. Hier drin liegt ein grosser Reiz für mich.

Sie widmen sich sowohl der neuen als auch der traditionellen Volksmusik. Wie unterscheiden sich die beiden Stile und was machen Sie lieber: Neues komponieren oder das Traditionelle interpretieren?
Die «neue» Volksmusik ist grundsätzlich anspruchsvoller. Vieles ist auf eine Konzertsituation ausgerichtet. Die traditionelle Volksmusik zelebriert eher das gemütliche Beisammensein mit Essen, Trinken und Tanzen. Komponieren kann man traditionell oder modern – wobei das «Neue» meist mit mehr Aufwand verbunden ist. Leider fehlt mir seit einigen Jahren die Zeit dazu.

Sie sind Volksmusikredaktor bei der Musikwelle. Wie sieht es aktuell mit der Volksmusik in der Schweiz aus?
Gut. Aber es kommt immer drauf an, wo man hinschaut. Die Schwyzerörgeli-Formationen boomen wie verrückt, Bläserkapellen sind massiv zurückgegangen. Grundsätzlich fehlt aber am meisten das Publikum. Grossanlässe boomen zwar, Volksmusik-Abende in Restaurants jedoch werden immer schwieriger durchzuführen.

Was bedeutet die Prix-Walo-Nomination für Sie?
Ich freue mich – mein Leben wird sich aber nicht ändern.

www.danihaeusler.ch, Website von Dani Häusler
www.prixwalo.ch, Website des Prix Walo

Die Galaverleihung des 44. Prix Walo findet am 13. Mai 2018 in den TPC-Studios in Zürich statt und wird live auf Star TV ab 20.00 Uhr übertragen. Beim Prix Walo werden Schweizer Künstler aus verschiedenen Sparten ausgezeichnet. Ziel des Prix Walo ist, die Schweizer Showbranche im Allgemeinen und den Künstlernachwuchs im Unterhaltungssektor zu fördern. Die SUISA unterstützt den Prix Walo finanziell und übergibt dieses Jahr den Preis in der Sparte Volksmusik.
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Dani Häusler ist einer von drei Nominierten beim Prix Walo 2018 in der Sparte Volksmusik. Häusler hat bereits früh angefangen Klarinette zu spielen und ist heute in diversen Formationen aktiv. Die SUISA übergibt am 44. Prix Walo den Preis in der Sparte Volksmusik und hat den Nominierten schriftlich interviewt. Text/Interview von Sibylle Roth

Dani Häusler: «Vieles in unserer Volksmusik kommt von der Klassik her»

Der Klarinettist Dani Häusler ist einer der jüngsten Träger des «Goldenen Violinschlüssels». (Foto: Pit Bühler)

Mit 11 Jahren hat Dani Häusler angefangen, Klarinette und Saxophon zu spielen, und trat kurz darauf bereits mit seiner ersten Band, den Gupfbuebä, auf. Er hat klassische Musik studiert und mit den Formationen Pareglish und Hujässler die moderne Volksmusik geprägt. 1987 ist Dani Häusler der SUISA beigetreten. Er unterrichtet Klarinette, ist Volksmusikredaktor beim SRF, Dozent an der Hochschule Luzern und wurde letztes Jahr mit dem…Weiterlesen

Der Adler ist los: Die SUISA am Eidgenössischen Volksmusikfest in Aarau

Seit Donnerstag steht Aarau ganz im Zeichen von Ländler, Blaskapellen und Co. In der Aargauer Kantonshauptstadt findet dieses Jahr das Eidgenössische Volksmusikfest statt. Auch die SUISA engagiert sich bei diesem Grossanlass der Volksmusik. Text: Giorgio Tebaldi

SUISA

Volksmusik, so weit das Ohr reicht. Unterstützt wird der Grossanlass auch von der SUISA und der FONDATION SUISA (Foto: Giorgio Tebaldi)

Ausgelassene Stimmung: Bei schönem Wetter finden sich Jung und Alt in der Aarauer Altstadt ein und lauschen den Volksmusikklängen. Vorgetragen werden die Lieder von über 1‘500 Musikern. Mit dabei ist auch die SUISA, die den Volksmusikanlass zusammen mit ihrer Musikförderstiftung, der FONDATION SUISA, finanziell unterstützt. Und wir freuen uns auf den Festakt, den Umzug und die Hymne des Volksmusikfestes morgen Sonntag.

Mer send do, wo nöi löpfigi Musig entstoht…

Über 1‘500 Musiker spielen am Eidgenössischen Volksmusikfest. Hier einige Impressionen (Fotos: Giorgio Tebaldi):

Formation

Alphorn

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Seit Donnerstag steht Aarau ganz im Zeichen von Ländler, Blaskapellen und Co. In der Aargauer Kantonshauptstadt findet dieses Jahr das Eidgenössische Volksmusikfest statt. Auch die SUISA engagiert sich bei diesem Grossanlass der Volksmusik. Text: Giorgio Tebaldi

SUISA

Volksmusik, so weit das Ohr reicht. Unterstützt wird der Grossanlass auch von der SUISA und der FONDATION SUISA (Foto: Giorgio Tebaldi)

Ausgelassene Stimmung: Bei schönem Wetter finden sich Jung und Alt in der Aarauer Altstadt ein und lauschen den Volksmusikklängen. Vorgetragen werden die Lieder von über 1‘500 Musikern. Mit dabei ist auch die SUISA, die den Volksmusikanlass zusammen mit ihrer Musikförderstiftung, der FONDATION SUISA, finanziell unterstützt. Und wir freuen uns auf den Festakt, den Umzug und die Hymne des Volksmusikfestes morgen Sonntag.

Mer send do, wo nöi löpfigi Musig entstoht…

Über 1‘500 Musiker spielen am Eidgenössischen Volksmusikfest. Hier einige…Weiterlesen

Wie die Hymne für das Eidgenössische Volksmusikfest 2015 in Aarau entstand

Das Eidgenössische Volksmusikfest 2015 in Aarau hat eine eigene Hymne bekommen: den Schottisch «Z’Aarau esch de Adler los». Der Kompositionsauftrag für das neue Werk wurde vom Fest-Organisationskomitee an Hanspeter Zehnder vergeben. Bei einem Treffen an seinem Wohnort in Sins (AG) erzählte der Komponist über die Entstehung der Festhymne und seine musikalische Tätigkeit. Text/Interview: Manu Leuenberger

Hanspeter Zehnder am Piano im Musikzimmer

Hanspeter Zehnder hat im Soussol seines Wohnhauses ein Musikzimmer eingerichtet. Dort kann der zweifache Familienvater komponieren und musizieren, «sobald die Kinder im Bett sind». (Foto: Manu Leuenberger)

Hanspeter, wie hast du dich gefühlt, als du Mitte Mai von der Vergabe des Kompositionsauftrags erfahren hast?
Ich habe mich gefreut und geehrt gefühlt, dass das Organisationskomitee mich ausgewählt hatte. Ich bin hier im Aargau zuhause – da macht es mich natürlich auch stolz, dass ich die Hymne für den grossen Festanlass in der Kantonshauptstadt komponieren darf.

Welche Anforderungen wurden an das Stück gestellt?
Vom Organisationskomitee sind nur zwei Auflagen gemacht worden. Diese waren aber nicht einfach umzusetzen: Die Festhymne sollte für möglichst alle spielbar sein, egal ob beispielsweise auf dem Klavier, der Trompete, Klarinette oder von einer Schwyzerörgeli-Formation. Zweitens sollte die Komposition eingängig und rasch verständlich sein, damit man sie mitpfeifen oder mitsummen kann, und nach Möglichkeit einen Wiedererkennungswert haben.

Die Aufgabe war also, eine Ohrwurm-Melodie für jedermann zu schaffen. Wie bist du dabei vorgegangen?
Bei dieser besonderen Komposition hat die Ideenfindung einige Zeit in Anspruch genommen. Lange habe ich auf den Autofahrten zur Arbeit Melodien gesummt, die gefälligsten davon aufgenommen, und mir beim Wiederanhören am Abend gesagt: «Das isch fertige Seich, unbruchbar!» Tolle Melodien kann man nicht erzwingen und kommen einem leider nicht jeden Tag in den Sinn. Jedenfalls ist das bei mir so. Die besten Einfälle habe ich meistens, wenn ich in meinem Musikzimmer Klarinette übe, sobald die Kinder im Bett sind. Die Melodie schreibe ich dann auf und lasse sie für eine Weile liegen. Wenn sie mir ein paar Tage später immer noch gefällt, arbeite ich an der Idee weiter, indem ich die Melodie ausbaue, variiere oder weitere Teile ergänze. Nach der Melodie erfolgt das Arrangement der Stimmen der anderen Instrumente. Für Akkorde, Harmonien und Arrangement benutze ich beim Komponieren gerne das Klavier.

Die Festhymne soll von möglichst allen Interpreten in den verschiedensten Besetzungen gespielt werden können. Wie gestaltet man in so einem Fall die Partitur?
Bei einem Volksmusikstück gibt es vorweg einen ganz wichtigen Punkt: Es muss auf dem Schwyzerörgeli spielbar sein. Das Schwyzerörgeli gestattet nur ein eingeschränktes harmonisches Spektrum, auch von den Tonarten her. Wenn eine Komposition mit dem Schwyzerörgeli gespielt werden kann, dann ist sie mit den meisten anderen Instrumenten ebenfalls spielbar. Die Notation eines Stücks erfolgt in der Ländlermusik meistens nach folgendem Schema: Man schreibt die erste Stimme, die Melodiestimme, auf. Dazu werden die Harmonien für die Begleitung inklusive Bass notiert. Manchmal wird zusätzlich noch eine zweite Stimme in Noten festgehalten. Häufig wird die zweite Stimme aber individuell von den aufführenden Musikern ergänzt. Die Partituren bestehen in der Regel aus einer bis vielleicht zwei Seiten. Das wird bei der Hymne nicht anders sein.

Wieviel Zeit wird es in Anspruch nehmen, bis die Komposition vom Auftrag bis zur Aufführung gelangt ist?
Uff, eine schwierige Frage! Angefangen bei der Ideenfindung bis zum Proben mit meiner Formation geschieht vieles bei der Entstehung der Komposition nicht am Stück sondern kontinuierlich. Konkreter kann ich sagen, dass ich zusammengerechnet vielleicht etwa zwei Tage für die Ausarbeitung des Arrangements inklusive Erstellung der Partitur gebraucht habe. Das war aber erst möglich, nachdem ich die Hauptmelodie erarbeitet und klar definiert hatte. Vor der Uraufführung wird das Stück von uns vier Mitgliedern der Ländler-Wurlitzer einzeln sowie gemeinsam geprobt und auch noch für eine CD aufgenommen. Danach folgen die Uraufführung und der Auftritt am 13. September beim Festakt des Eidgenössichen Volksmusikfests selber … Der genaue zeitliche Aufwand ist schwierig einzuschätzen.

Du betreibst deine musikalische Tätigkeit neben einem Hauptberuf, bei dem du zu einem 100 % Pensum angestellt bist. Wie kann man als Volksmusiker vom Musikberuf leben?
In der Schweiz nur vom Einkommen als Ländlermusik-Komponist und -Interpret seinen Lebenunterhalt bestreiten? – Ich sage: Das geht nicht, keine Chance. Selbst etablierte Grössen leben nicht von Ländlermusik allein. Auch die Gagen für Auftritte sind in Ländlerkreisen äusserst bescheiden; nicht selten spielt man bei der Stubete für Bier und Cordon bleu als Entgelt. Kommt hinzu, dass in den letzten Jahren einige Ländlermusiklokale, wo grössere oder renommiertere Kapellen auftreten konnten, ihren Konzertbetrieb stark reduziert oder gar eingestellt haben.

Apropos Vergütungen für Musik: Du bist seit 1997 Mitglied bei der SUISA. Weshalb hast du dich bei der Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik angemeldet?
Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich in den Jahren 1996 und 1997 meine ersten eigenen Stücke komponiert. Ich glaube, ältere Kollegen haben mich in der Folge darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich bei der SUISA anmelden und dort meine Stücke angeben soll. Ich finde, die SUISA ist für Urheber eine wichtige Organisation. Als Komponist erhalte ich durch die SUISA eine Vergütung, wenn meine Stücke aufgeführt werden. Meine aktuelle Formation Ländler-Wurlitzer spielt an rund 40 bis 50 Konzerten jährlich meistens ein Stammrepertoire. Die Auftritte melde ich regelmässig. Und wer weiss, vielleicht reicht es ja, dass ich in fortgeschrittenem Alter von der SUISA sogar ein paar Franken Rentengeld ausbezahlt kriege.

Neben den vielen Konzerten haben die Ländler-Wurlitzer 2008 und 2011 auch zwei CDs aufgenommen. Wann erscheint die nächste Veröffentlichung?
Wir haben bereits neue Aufnahmen eingespielt. Ursprünglich hätten wir die CD diesen Sommer herausbringen wollen. Wegen dem Kompositionsauftrag haben wir den Plan geändert: Natürlich wollten wir, dass die Festhymne auch auf der neuen CD enthalten ist. Deshalb werden wir zuerst noch die Festkomposition aufnehmen, damit wir sie als zusätzlichen Titel auf der Neuveröffentlichung integrieren können. Erscheinen wird die CD mit voraussichtlich sieben Stücken rund um das Eidgenössische Volksmusikfest im September.

Welche Hoffnungen und Erwartungen hat ein Komponist für sein Werk, das die Hymne eines grossen Musikfestes wird?
Im besten Fall kommt das Stück bei Zuhörern wie Musikern gut an und wird sowohl am Fest als auch später häufig aufgeführt. Den schlechtesten Fall mag ich mir gar nicht ausmalen. Es lastet aufgrund der besonderen Umstände ein gewisser Druck auf der Komposition, das ist klar. Ich kenne jedoch meine musikalischen Fähigkeiten und weiss, dass ich gefällige Melodien schreiben kann. Mit dieser Überzeugung im Kopf und im Herzen habe ich ein gutes Gefühl für die Festhymne.

Porträt Hanspeter Zehnder mit Klarinette

Neben dem Hauptinstrument Klarinette spielt der 37-jährige Hanspeter Zehnder auch Saxofon, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug. (Foto: Manu Leuenberger)

Der am 27. Mai 1978 geborene Hanspeter Zehnder unternahm seine ersten musikalischen Schritte in der Musikgesellschaft Bennau. Später musizierte er unter anderem in der Swiss Army Concert Band unter Christoph Walter. Als Klarinettist ist er auf Dutzenden Ländlermusik-CDs zu hören. Neben dem Hauptinstrument spielt er auch Saxofon, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug. Noch vor seinem 20. Geburtstag entstanden seine ersten eigenen Kompositionen. Seit 2005 ist er mit seiner eigenen Formation Länder-Wurlitzer aktiv, in der er zusammen mit seiner Ehefrau Cornelia Zehnder spielt. Zusammen mit seiner Familie lebt Hanspeter Zehnder in Sins (AG).

Das 12. Eidgenössische Volksmusikfest findet vom 10. bis 13. September 2015 in Aarau statt. An den 4 Festtagen werden auf 15 Konzertplätzen, 3 Konzertbühnen und in 5 Wettlokalen rund 300 Formationen und insgesamt 1500 Musikantinnen und Musikanten aus der ganzen Schweiz Volksmusik zum Besten geben. Das Organisationskomitee erwartet über 100 000 Besucherinnen und Besucher am Festanlass.

Die von Hanspeter Zehnder komponierte Festhymne «Z’Aarau esch de Adler los» wurde am 27. August 2015 anlässlich einer Medienkonferenz uraufgeführt. Am Sonntag, 13. September 2015, wird das Stück anlässlich des Festbanketts in der Markthalle in Aarau von den Ländler-Wurlitzer nochmals aufgeführt. Zudem ist die Komposition am Freitag, 11.9.2015, in der Sendung «Zoogä-n-am Boogä» auf Radio SRF Musikwelle und am Samstag, 12.9.2015, im Fernsehen auf SRF 1 in der Sendung «Potzmusig» zu hören.

Der Kompositionsauftrag für die Hymne für das 12. Eidgenössische Volksmusikfest in Aarau wurde unterstützt von der FONDATION SUISA, der Musikförderstiftung der SUISA.

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Hanspeter Zehnder am Piano im Musikzimmer

Hanspeter Zehnder hat im Soussol seines Wohnhauses ein Musikzimmer eingerichtet. Dort kann der zweifache Familienvater komponieren und musizieren, «sobald die Kinder im Bett sind». (Foto: Manu Leuenberger)

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