Tagarchiv: Jazz in der Schweiz

Lionel Friedli, ein vielseitiger Impulsgeber

Die FONDATION SUISA hat Lionel Friedli mit dem diesjährigen Jazzpreis ausgezeichnet. Der Bieler Schlagzeuger kombiniert in seinem dynamischen Spiel die Wucht des Rock mit den Freiheiten des Jazz. Damit prägt er die Musik vieler unterschiedlicher Gruppen. Gastbeitrag von Markus Ganz

Lionel-Friedli

Ein «Sideman», der «jedem Projekt, in dem er mitspielt, einen Mehrwert verleiht», sagt die Jury des Jazzpreises der FONDATION SUISA über den diesjährigen Gewinner Lionel Friedli. (Foto: Fabrice Nobs)

Trotz unzähliger Konzerte ist Lionel Friedli in einer breiteren Öffentlichkeit noch wenig bekannt. Der 40-jährige Bieler hat eben keine eigene Band. Und in den vielen Gruppen, in denen der gefragte Musiker spielt, drängt er sich nicht in den Vordergrund. Er versteht sich bescheiden als begleitender «Sideman» ‒ und bewirkt mit seinem wuchtigen und doch vielfältigen Spiel doch viel mehr, weil er Impulse an seine Mitmusiker zu geben versteht. Lionel Friedli ist auch deshalb schwer zu fassen, weil er nicht ein reiner Jazz-Schlagzeuger ist. Er gehört zu einer neuen Generation von Jazzmusikern, die einen breiten stilistischen Hintergrund haben und diesen in ihr Spiel einfliessen lassen.

Frühe Prägung

«Jazz war der Soundtrack meiner Kindheit, weil meine Eltern Jazz-Fans waren und deshalb oft solche Musik zuhause lief», erklärt Lionel Friedli. «Diese klangliche Umgebung hat mich aber eher unbewusst beeinflusst, denn ich war schon früh ein Fan von Madonna und Michael Jackson, später kamen James Brown und Rockmusiker hinzu.» Im Alter von 15 bis 18 habe er Jazz schliesslich altmodisch gefunden. Durch ein Album von John Pattitucci fand er zurück zum Jazz, insbesondere zur Fusion, war fasziniert von der Virtuosität. «Dadurch wurde ich angestachelt, die Vinylsammlung meiner Eltern neu zu entdecken. Ich hörte mir die Musik nun mit neuen Ohren an ‒ bewusst.» Und Lionel Friedli begeisterte sich bald für wegweisende Jazzer wie John Coltrane, Charlie Parker und Miles Davis. Dann kam eine Phase, in der er vom Free Jazz angezogen wurde.

Der Jazz war auch wichtig für Lionel Friedlis musikalische Ausbildung. «Da ich schon als Primarschüler von Schlagzeugern fasziniert war und ständig auf Karton trommelte, suchte meine Mutter nach einem passenden Lehrer am Konservatorium Biel.» Sie stiess auf Norbert Pfammatter, der den damals Elfjährigen zu unterrichten begann ‒ und etliche Jahre später auch zu seinen Dozenten an der Musikhochschule Luzern gehörte. Der bekannte Jazzmusiker brachte ihm schon zu Beginn nicht nur Jazz-Rhythmen bei. «Ich lernte die Grundlagen, und dazu gehörten etwa auch afro-kubanische Rhythmen, die ich selbst selten einsetze. Aber sie waren als Koordinationsübungen für das unabhängige Spiel der Glieder sehr wichtig.»

Dichte und Dynamik

Aus der oft zu hörenden Wucht von Lionel Friedlis Spiel spricht deutlich der Rock. «Ich mag das Binäre dieses Genres», bestätigt der Bieler, «aber ich will damit improvisieren können.» Es kann denn auch nicht überraschen, dass er von ähnlich orientierten Schlagzeugern wie Jim Black und Joey Baron schwärmt. Und wie bei diesen ist nicht die reine Wucht das Ziel, sondern die Dynamik, die er damit in die Musik bringen kann. Dazu gehört, dass er die Dichte seines Spiels variiert, «um die Textur der Musik zu verändern». Weniger offensichtlich ist der Einfluss des Hip-Hop. «Ich habe ihn erst spät entdeckt», gesteht Lionel Friedli. «Aber mir wurde klar, dass auch er Wurzeln im Jazz hat und heute einen ähnlichen Spirit der Alternative bietet, eine andere Perspektive auf die Politik etwa.» Dass Lionel Friedli auch einen musikalischen Bezug zu diesem Genre hat, zeigt sich in einer begeisterten Aufzählung von den Beastie Boys über Dr. Dre («diese Beats!») bis zu D’Angelo mit Questlove («grandios»). «Bis heute gefällt mir einiges, aber die Attitüde nervt mich oft.»

Lionel Friedli spielt in unüberschaubar vielen Bands. «Wenn sich ein Zeitfenster öffnet und eine interessante Anfrage kommt, mache ich mit», erklärt er schmunzelnd. «Deshalb kann ich ‒ abgesehen von gelegentlichen Vertretungen im Musikunterricht ‒ allein vom Musizieren leben.» Schwierigkeiten bei der menschlichen und musikalischen Integration kenne er trotz der vielen Projekte nicht, da es meist um eine langfristige Zusammenarbeit gehe. «Ich bin nicht ein Session-Dummer. Passend zur Musik der jeweiligen Gruppe versuche ich verschiedene Aspekte meines Spiels einzusetzen. Es ist ein Prozess, der vor allem in den Proben geschieht.» Wenn mit Partituren gearbeitet wird, versucht er seinen Part baldmöglichst auswendig zu lernen. «Ich fühle mich danach freier und kann mich darauf konzentrieren, was rund um mich geschieht, und darauf reagieren.»

Mehr Abenteuer

Ein eigenes Projekt hat Lionel Friedli nach wie vor nicht, obwohl er sich eines wünsche. «Ich will es nicht erzwingen. Es muss sich von alleine ergeben aus der Lust und der Dringlichkeit.» Und eigentlich, meint er augenzwinkernd, komme das Duo Qoniak mit Vincent Membrez einem Soloprojekt schon recht nahe. Was er sich denn sonst noch wünsche? «Noch mehr Abenteuer mit noch mehr Musikern», antwortet er, ohne zu zögern, «denn der Austausch ist mir sehr wichtig». Vor zu vielen Konzerten fürchtet er sich nicht. Zurzeit seien es so 120 bis 130 pro Jahr, es seien auch schon 150 gewesen, aber Cracks wie Jim Black spielten bis zu 230. «Toll fände ich vor allem, wenn ich noch mehr international auftreten könnte. Ich habe schon in Südamerika und in China gespielt, was ich inspirierend fand.»

Lionel Friedli wurde 1975 in Moutier geboren, seit Anfang der 1980er Jahre lebt er in Biel. Mit elf Jahren erhielt er erstmals Schlagzeugunterricht, 2005 schloss er seine Ausbildung an der Musikhochschule Luzern im Bereich Jazz ab. Bereits seit 1998 spielt er im Trio seines Mitstudenten Lucien Dubuis, mit dem er schon sieben Alben eingespielt und auch international viele Konzerte gegeben hat. Lionel Friedli ist schon mit Musikern wie Heiri Känzig, Vera Kappeler, Marc Ribot und Colin Vallon aufgetreten. Zurzeit gehört er u.a. folgenden Formationen an: Sarah Buechi Shadow Garden, Christy Doran’s New Bag, Elgar (mit Hans Koch und Flo Stoffner), Max Frankl Quartet, OZMO (mit Vincent Membrez und Pedro Lenz), Merz feat. Sartorius Drum Ensemble und Whisperings (mit Fred Frith). Am 25. November 2015 wurde ihm von der FONDATION SUISA der mit 15 000 Franken dotierte Jazzpreis verliehen. Damit wird innovatives und kreatives Schaffen im Schweizer Jazz honoriert.

Videoportrait über Lionel Friedli auf Art-tv.ch

 

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  1. JM Tschanz sagt:

    Fait vraiment plaisir de voir ce super batteur récompensé !

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Die FONDATION SUISA hat Lionel Friedli mit dem diesjährigen Jazzpreis ausgezeichnet. Der Bieler Schlagzeuger kombiniert in seinem dynamischen Spiel die Wucht des Rock mit den Freiheiten des Jazz. Damit prägt er die Musik vieler unterschiedlicher Gruppen. Gastbeitrag von Markus Ganz

Lionel-Friedli

Ein «Sideman», der «jedem Projekt, in dem er mitspielt, einen Mehrwert verleiht», sagt die Jury des Jazzpreises der FONDATION SUISA über den diesjährigen Gewinner Lionel Friedli. (Foto: Fabrice Nobs)

Trotz unzähliger Konzerte ist Lionel Friedli in einer breiteren Öffentlichkeit noch wenig bekannt. Der 40-jährige Bieler hat eben keine eigene Band. Und in den vielen Gruppen, in denen der gefragte Musiker spielt, drängt er sich nicht in den Vordergrund. Er versteht sich bescheiden als begleitender «Sideman» ‒ und bewirkt mit seinem wuchtigen und doch vielfältigen Spiel doch viel mehr, weil er Impulse an seine…Weiterlesen

Die Schweiz ist jazzahead!-Partnerland 2016

Die jazzahead! in Bremen ist das wichtigste internationale Jazz-Fachtreffen des Jahres. Der Partnerland-Status 2016 bietet der Schweiz die Mögichkeit, die hiesige Jazzszene in ihrer ganzen Vielfalt zu präsentieren. Text von Urs Schnell, FONDATION SUISA

jazzahead2015-Schweizer-Stand

Der Schweizer Gemeinschaftsstand an der diesjährigen jazzahead! in Bremen. 2016 wird die Schweiz offizielles Partnerland der jazzahead! sein! (Foto: Marcel Kaufmann)

Der Schweizer Gemeinschaftsstand wartet auf Ihre Anmeldung

Die FONDATION SUISA und Pro Helvetia offerieren allen Schweizer Fachteilnehmenden die Möglichkeit, sich zum vergünstigten Tarif von 120 Euro (exkl. MwSt) für die jazzahead! zu akkreditieren und dazu kostenlos den Schweizer Gemeinschaftsstand in Halle 6 als Plattform und Treffpunkt an der Messe zu nutzen.

Ab sofort können Sie sich online als Mitaussteller anmelden: www.fondation-suisa.ch/jazzahead

Info-Veranstaltung jazzahead! 2016 am Jazzfestival Willisau

Das Schweizer Musik Syndikat (SMS) läd ein zum Info-Anlass jazzahead! 2016 im Rahmen des Sommer-Apéros am Jazzfestival Willisau am 29. August 2015 von 17.00 bis 19.30 Uhr in der Stadtmühle Willisau. Informationen dazu erhalten Sie über: info(at)musiksyndikat(dot)ch

Weitere Informationen zum Partnerland-Programm 2016 folgen. Für Fragen wenden Sie sich an: messen(at)fondation-suisa(dot)ch

www.jazzahead.de

Der Schweizer Schwerpunkt in Bremen wird von der FONDATION SUISA und Pro Helvetia in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Musik Syndikat (SMS) koordiniert.

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Die jazzahead! in Bremen ist das wichtigste internationale Jazz-Fachtreffen des Jahres. Der Partnerland-Status 2016 bietet der Schweiz die Mögichkeit, die hiesige Jazzszene in ihrer ganzen Vielfalt zu präsentieren. Text von Urs Schnell, FONDATION SUISA

jazzahead2015-Schweizer-Stand

Der Schweizer Gemeinschaftsstand an der diesjährigen jazzahead! in Bremen. 2016 wird die Schweiz offizielles Partnerland der jazzahead! sein! (Foto: Marcel Kaufmann)

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Info-Veranstaltung jazzahead! 2016 am Jazzfestival Willisau

Das Schweizer Musik Syndikat (SMS) läd ein zum Info-Anlass jazzahead! 2016 im Rahmen des Sommer-Apéros…Weiterlesen

Rückblick und Ausblick auf die jazzahead!

Die 10. jazzahead! vom 23. bis 26. April 2015 in Bremen bescherte einige Neuigkeiten: eine neue Location, einen neuen Teilnehmerrekord und einen neuen Schweizer Gemeinschaftsstand. Ganz zum Schluss folgte dann auch noch die Bekanntgabe des Partnerlands der nächsten jazzahead!: An der Messe 2016 wird die Jazzszene der Schweiz im Mittelpunkt stehen. Text von Marcel Kaufmann, FONDATION SUISA

Jazzahead-2015-Schweizer-Stand

«Music made in Switzerland» im Zentrum des Geschehens an der jazzahead!: Der zentral gelegene Schweizer Gemeinschaftsstand an der diesjährigen Musikfachmesse in Bremen war ein Dreh- und Angelpunkt. 2016 wird die Schweiz offizielles Partnerland der jazzahead! sein! (Foto: Marcel Kaufmann)

Es war höchste Zeit für mehr Platz: Zu ihrer Jubiläumsausgabe gönnte sich die jazzahead! einen Umzug in die grösseren Hallen 6 und 7 der Messe Bremen. Der internationale Fach-Event für Jazz war über die letzten Jahre derart rasant gewachsen, dass die bisher belegten Räumlichkeiten im Congress Centrum für die mittlerweile über 3000 Besucherinnen und Besucher nicht mehr genügend Fläche boten.

Aus 55 Ländern waren sie angereist, die Festival- und Club-Booker, die Vertreter von Labels, Verlagen, Export-Offices, Medienschaffende, Künstlerinnen und Künstler und weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Jazzszene. Sie alle nutzten die 10. jazzahead! zwischen dem 23. und dem 26. April 2015 zum Aufbau und zur Pflege von Geschäftsbeziehungen, zum Musikhören und zum Musikmachen.

«Music made in Switzerland» an der Musikfachmesse

Vom erweiterten Platzangebot in der neuen Messehalle profitierten auch jene 42 Schweizer Personen und Institutionen, die sich für den vergrösserten Gemeinschaftsstand von der FONDATION SUISA und Pro Helvetia angemeldet hatten. An prominenter Lage im Herzen der Messehalle verlieh der Stand unter dem Motto «Music made in Switzerland» der Schweizer Delegation ein gemeinsames Gesicht und gab im Messe-Getümmel eine gute Drehscheibe zum Finden und Gefundenwerden ab.

Vier Schweizer Formationen hatten einen Platz im offiziellen Showcase-Programm erhalten und konnten sich auf diesem Weg live dem internationalen Fachpublikum präsentieren. Der Berner Kontrabassist Bänz Oester und seine Rainmakers überzeugten das Publikum am Freitagabend. Die Zürcher Band Weird Beard um Saxophonist Florian Egli, das Luzerner Fischermanns Orchestra und das Florian Favre Trio aus der Westschweiz gaben ihr Können am Samstag zum Besten.

Schweiz ist Partnerland der jazzahead! 2016

Am Morgen des letzten Messsetages wurde bekanntgegeben, welche Nation im nächsten Jahr das offizielle Partnerland des Anlasses sein wird. Das Partnerland-Programm rückt jedes Jahr eine bestimmte Nation und deren Jazzszene in den Fokus. An der jazzahead! 2016 wird die Schweiz im Mittelpunkt stehen! Diesen Sonderstatus hatte dieses Jahr das Partnerland Frankreich inne. In den Jahren zuvor waren bereits Spanien, die Türkei, Israel und Dänemark im Rampenlicht gestanden.

Der Schweizer Schwerpunkt an der jazzahead! 2016 in Bremen wird von der FONDATION SUISA, der Musikförderstiftung der SUISA, und Pro Helvetia in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Musik Syndikat (SMS) organisiert. Nächstes Jahr findet die internationale Jazz-Musikfachmesse vom 21. bis 24. April 2016 statt.

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Jazzahead-2015-Schweizer-Stand

«Music made in Switzerland» im Zentrum des Geschehens an der jazzahead!: Der zentral gelegene Schweizer Gemeinschaftsstand an der diesjährigen Musikfachmesse in Bremen war ein Dreh- und Angelpunkt. 2016 wird die Schweiz offizielles Partnerland der jazzahead! sein! (Foto: Marcel Kaufmann)

Es war höchste Zeit für mehr Platz: Zu ihrer Jubiläumsausgabe gönnte sich die jazzahead! einen Umzug in die grösseren Hallen 6 und 7 der Messe Bremen. Der internationale Fach-Event für Jazz war über die letzten Jahre derart…Weiterlesen

Trompeterin Hilaria Kramer erhält den Jazzpreis 2014 der FONDATION SUISA

Der Jazzpreis der FONDATION SUISA wird für innovatives und kreatives Schaffen im Schweizer Jazz verliehen. 2014 geht der mit 15 000 Schweizer Franken dotierte Preis an die Trompeterin und Komponistin Hilaria Kramer.

Hilaria Kramer live

Hilaria Kramer, die Gewinnerin des Jazzpreises 2014 der FONDATION SUISA, ist live zurzeit vor allem mit der Gruppe La Suite und dem Trio Sopa da Pedra zu hören. (Foto: Stefan Postius)

Hilaria Kramer gilt seit Jahren als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der frei improvisierten Musik. Sowohl als Komponistin wie auch als Interpretin hat sich die Ostschweizerin mit ihrer kreativen und mutigen Musik über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Abseits vom Rampenlicht hat sich die Preisträgerin auch in Künstler- und Berufsverbänden für die Entwicklung der Schweizer Jazz-Szene engagiert. Mit dem Jazzpreis 2014 der FONDATION SUISA wird Hilaria Kramer für ihre Leistungen als Musikerin, Komponistin und Bandleaderin wie auch für ihre Verdienste für den Schweizer Jazz auf institutioneller Ebene ausgezeichnet.

Professionelle Jazz-Musikerin seit 30 Jahren

«Seit bald 30 Jahren spiele ich Konzerte und veröffentliche CDs auf dem Musikmarkt», schreibt die 1967 in Frauenfeld geborene Musikerin auf ihrer Website. «Jeder Tag meines Lebens als professionelle Jazz-Musikerin ist eine Herausforderung für mich, mit dem Produzieren und Anpreisen meiner Bands und Projekte weiterzumachen.»

Dabei hat die Absolventin der Jazzschule St. Gallen bereits eine erlebnisreiche Musikerlaufbahn durch ganz Europa absolviert. Sie spielte und spielt unter anderem mit Musikern wie Chet Baker, Steve Lacy, Gianluigi Trovesi, Sal Nisitico, Luca Flores, David Murray und Daniel Humair. Ihre Diskografie umfasst 18 Alben, eingespielt in verschiedenen Besetzungen und mit verschiedenen Formationen. Seit 1987 ist Hilaria Kramer Mitglied bei der SUISA.

Engagement für die Schweizer Jazz-Szene

In ihrem zeitweiligen Wohnkanton Tessin gründete die Trompeterin zusammen mit weiteren Personen den regionalen Künstlerverband AMIT (Associazione Musica Improvvisata Ticino) und blieb bis 2014 dessen Präsidentin. Von 2005 bis 2010 war sie Vorstandsmitglied des Schweizer Musik Syndikats SMS, des Berufsverbands der Jazz- und Improvisationsszene der Schweiz.

Nach Vera Kappeler (Preisträgerin im Jahr 2011) ist Hilaria Kramer die zweite Frau, die den Jazzpreis der FONDATION SUISA erhält. Der Jazzpreis wurde zum 7. Mal vergeben. Die weiteren bisherigen Preisträger sind: Andy Scherrer (2008), Colin Vallon (2009), Danilo Moccia (2010), Ohad Talmor (2012) und Stephan Kurmann (2013).

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Der Jazzpreis der FONDATION SUISA wird für innovatives und kreatives Schaffen im Schweizer Jazz verliehen. 2014 geht der mit 15 000 Schweizer Franken dotierte Preis an die Trompeterin und Komponistin Hilaria Kramer.

Hilaria Kramer live

Hilaria Kramer, die Gewinnerin des Jazzpreises 2014 der FONDATION SUISA, ist live zurzeit vor allem mit der Gruppe La Suite und dem Trio Sopa da Pedra zu hören. (Foto: Stefan Postius)

Hilaria Kramer gilt seit Jahren als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der frei improvisierten Musik. Sowohl als Komponistin wie auch als Interpretin hat sich die Ostschweizerin mit ihrer kreativen und mutigen Musik über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Abseits vom Rampenlicht hat sich die Preisträgerin auch in Künstler- und Berufsverbänden für die Entwicklung der Schweizer Jazz-Szene engagiert. Mit dem Jazzpreis 2014 der FONDATION SUISA wird Hilaria Kramer für ihre Leistungen…Weiterlesen

Zum Tod von Jazz-Musiker und Big-Band-Ikone Roby Seidel

Am 3. Januar 2014 ist das langjährige SUISA-Mitglied Roby Seidel verstorben. Der 71-jährige Komponist, Arrangeur und Multi-Instrumentalist aus Genf galt als Urgestein des Big-Band-Sounds. Gastbeitrag von Michael Gasser

Roby Seidel

Polyvalenter Musiker, facettenreicher Mensch: Roby Seidel (Foto: Eagle’s Variety Big Band)

In der Deutschschweiz liess der Name Roby Seidel meist nur Jazzkenner aufhorchen. Eigentlich unverständlich, denn: Wer sich etwa seiner der Tochter gewidmeten Komposition «Zelda» annähert, bekommt – zumindest in der Fassung der Big Band Lausanne – ein ebenso zärtliches wie elegantes und klar strukturiertes Jazzstück zu hören. Etwas vom Feinsten.

In der Romandie wurde Seidel, der seit 1970 Mitglied der SUISA war, gerne als das Urgestein der Big-Band-Szene bezeichnet – zu Recht. Der in eine Musikerfamilie hineingeborene Genfer, der zunächst Bratsche, dann Kornett erlernte und später auf das Saxophon umstieg und am Conservatoire de Genève studierte, schuf sich insbesondere als Arrangeur einen exzellenten Namen.

Lange Jahre schrieb er für die Groupe instrumental romand (GIR), natürlich für seine eigene Roby Seidel Big Band und viele weitere Big Bands, insbesondere aus der Westschweiz. Nicht zuletzt hat er auch mehrere hundert Arrangements transkribiert. Erst im vergangenen Herbst erschien noch zu Ehren seiner 10-jährigen Tätigkeit als Leiter der Eagle’s Variety Big Band deren neue CD «Contrepèterie» mit Arrangements von Roby Seidel.

Nun ist der Westschweizer am 3. Januar dieses Jahres im Alter von 71 Jahren verstorben. «Er war ein ebenso polyvalenter wie eklektischer Musiker», rühmte ihn der Schweizer Pianist Alain Morisod. «Vor allem aber war Roby Seidel einer der letzten Mohikaner. Sein Musikwissen war kaum zu übertreffen.»

Auf Radio RTS wurde das Wirken des Künstlers nach seinem Hinschied mit einer rund 80-minütigen Sendung geehrt. Musikalische Weggefährten wie Trompeter Philippe Demierre sowie der Radiomoderator und -produzent Pascal Bernheim äusserten ihre riesige Wertschätzung nicht nur für den Musiker, sondern auch für die Person Roby Seidel.

Dieser sei stets über alle Erwartungen hinausgewachsen und habe immer intensive Arbeit abgeliefert, erinnerte sich Bernheim. «Roby Seidel war ein aussergewöhlicher Mensch mit unglaublich vielen Facetten.» Beschäftigte er sich mit Musik, dann habe der saubere Rhythmus und die Perfektion zu seinen Zielen gehört. Bei aller Professionalität war es ihm jedoch immer auch ein Anliegen, viel Humor an den Tag zu legen.

Roby Seidel hinterlässt eine grosse Lücke – in der Schweizer Musikszene und in seinem Umfeld.

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Am 3. Januar 2014 ist das langjährige SUISA-Mitglied Roby Seidel verstorben. Der 71-jährige Komponist, Arrangeur und Multi-Instrumentalist aus Genf galt als Urgestein des Big-Band-Sounds. Gastbeitrag von Michael Gasser

Roby Seidel

Polyvalenter Musiker, facettenreicher Mensch: Roby Seidel (Foto: Eagle’s Variety Big Band)

In der Deutschschweiz liess der Name Roby Seidel meist nur Jazzkenner aufhorchen. Eigentlich unverständlich, denn: Wer sich etwa seiner der Tochter gewidmeten Komposition «Zelda» annähert, bekommt – zumindest in der Fassung der Big Band Lausanne – ein ebenso zärtliches wie elegantes und klar strukturiertes Jazzstück zu hören. Etwas vom Feinsten.

In der Romandie wurde Seidel, der seit 1970 Mitglied der SUISA war, gerne als das Urgestein der Big-Band-Szene bezeichnet – zu Recht. Der in eine Musikerfamilie hineingeborene Genfer, der zunächst Bratsche, dann Kornett erlernte und später auf das Saxophon umstieg und am Conservatoire de Genève…Weiterlesen