Neue Mitglieder im Vorstand der SUISA

An der Generalversammlung der SUISA vom 19. Juni 2015 in Freiburg sind Marie Louise Werth und Zeno Gabaglio in den Vorstand der SUISA gewählt worden. Sie ersetzen Monika Kaelin und Massimiliano Pani, die aus dem Vorstand ausgeschieden sind und an der Versammlung mit Dank für ihre Mitarbeit im obersten Leitungsgremium der SUISA verabschiedet wurden. Wer sind die neuen Vorstandsmitglieder? Eine Vorstellung der Neugewählten im Interview und in Kurzbiografien.

_H6F5451

Zeno Gabaglio und Marie Louise Werth nach der erfolgreichen Wahl in den Vorstand der SUISA an der Genossenschafts-Generalversammlung 2015 im Hotel «NH Fribourg». (Foto: Robert Huber)

Marie Louise Werth, SUISA-Mitglied seit 1988

Was ist Ihre Motivation, im Vorstand der SUISA mitzuwirken?
Kunst ist die reinste Form der Liebe. Sie ist unsterblich und der Freude gewidmet. Gründe genug, Ihr respektvoll zu begegnen und Ihr mit viel Herzblut gemeinsam zu dienen. In diesem Sinne freue ich mich sehr auf die neuen Herausforderungen- und Aufgaben als Vorstandsmitglied der SUISA.

Welches Wissen und welche Erfahrungen bringen Sie für die Vorstandstätigkeit mit?
Die letzten 20 Jahre Mitgliedschaft in der Verteil- und Werkkommission der SUISA waren für
mich sehr lehrreich und interessant. Auch als Vollblutmusikerin mit über 30 Jahren Bühnenpräsenz konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln, die ich gerne im neuen Amt der SUISA miteinfliessen lassen werde.

Was für Themen werden Ihnen als SUISA-Vorstandsmitglied besonders am Herzen liegen?
Als Kulturschaffende ist mir der Schutz der Urheberrechte wie auch eine gerechte Verteilung der zustehenden Entlöhnung für das der SUISA anvertraute “Geistige Eigentum“ eines jeden Mitglieds das zentrale Anliegen. Kulturelle Förderungsbeiträge im Allgemeinen sowie eine gesunde Transparenz- und positive Volksnähe der SUISA-Gesellschaft gegenüber der Öffentlichkeit liegen mir ebenso am Herzen.

Welches Lied oder Musikstück hätten Sie gerne selber komponiert und warum?
Die geniale Liedkomposition «HAPPY BIRTHDAY TO YOU»/ …«GOOD MORNING TO YOU» der Hill-Schwestern Mildred J. und Petty Smith hätte ich gerne selber zu Papier gebracht – ich denke, es gibt wohl kaum ein Lied, das tagtäglich weltweit unermüdlich abermals erklingt und zelebriert wird wie dieses, und das zugleich die wunderbare Kraft besitzt, Emotionen in Windeseile freizusetzen.

Marie Louise Werth, geboren 1963, ist in Disentis aufgewachsen und seit 1991 im Kanton OW sesshaft. Sie studierte am Konservatorium Zürich Klavier und Orgel. 1987 erwarb sie das Lehrdiplom für Klavier, gefolgt von einer 5-jährigen Gesangsausbildung in Luzern. Parallel dazu feierte sie von 1987 bis 1989 mit der Gruppe «Furbaz» Grosserfolge. Mit der Eigenkomposition «Viver Senza Tei» gewannen sie 1989 den nationalen Concours Eurovision de la Chanson und vertraten – als erster und bis anhin einziger rätoromanischer Beitrag – damit die Schweiz am internationalen Contest.
1992 startete Marie Louise Werth ihre Solokarriere. Mit neuen musikalischen Projekten steht sie mittlerweile seit über 30 Jahren auf der Bühne. Seit dem Comeback der «Furbaz» 2004 bestreitet sie jährlich exklusiv mit ihnen eine Weihnachtstournee der Superlativen. 2014 gewannen sie nach 25 Jahren erneut den PRIX WALO als «Publikumslieblinge für ausserordentliche Leistungen in 2013».
Von 1993 bis 2015 war Marie Louise Werth Mitglied der Verteilungs- und Werkkommission der SUISA.

Zeno Gabaglio, SUISA-Mitglied seit 2003

Was ist Ihre Motivation, im Vorstand der SUISA mitzuwirken?
Für denjenigen, der daran glaubt, dass der Mensch heute und in Zukunft sich selbst – seine Freude, seine Schmerzen, seine Gedanken  –  durch Musik ausdrücken kann, für den ist und bleibt die Rolle der SUISA von fundamentaler Bedeutung: Sie räumt den Urhebern die besten Konditionen und Garantien für ihr Schaffen ein. Vorstandsmitglied der SUISA zu sein, bedeutet, diesen unausweichlichen Grundgedanken stets im Hinterkopf zu behalten und ihn aktiv in alle Herausforderungen – menschlicher, künstlerischer oder technischer Art – einzubeziehen, mit denen wir heutzutage stets auf Neue konfrontiert werden.

Welches Wissen und welche Erfahrungen bringen Sie für die Vorstandstätigkeit mit?
Ich bringe eine vielseitige Erfahrung ein – von der «reinen» Musik bis zur Musik für Filme oder Theaterstücke, von der Livearbeit bis hin zur Studioarbeit. Dies ermöglicht eine präzise Herangehensweise an bestimmte Themen, aber auch einen transversalen Ansatz in Bezug auf die verschiedenen Spezialisierungen. Denn es geht dabei immer um die Musik, und wenn man sich für Musik generell einsetzt, kann man einfach nicht zulassen, dass jemand davon ausgeschlossen wird.

Was für Themen werden Ihnen als SUISA-Vorstandsmitglied besonders am Herzen liegen?
Eine der grössten Herausforderungen besteht darin, die Folgen der Onlinevermarktung von Musik zu erfassen, denn wie man weiss, wird die physisch vorhandene Disk mengenmässig gesehen immer unbedeutender, wohingegen die verschiedenen Onlinedienste zur Verbreitung und zum Verkauf von Musik sich unkontrollierbar verbreiten. Weitere interessante Themen sind das Prinzip der Gegenseitigkeit bei der Auszahlung der Urheberrechte mit den Schwestergesellschaften – hier denke ich insbesondere an die Beziehungen mit der SIAE und Italien – und die etwas unklare Regelung bei Musikproduktionen (für Theater, Oper und Musical), die nicht primär durch die SUISA geschützt werden.

Welches Lied oder Musikstück hätten Sie gerne selber komponiert und warum?
Das ist eine Frage, die man im Lauf des Jahres immer anders beantworten würde. Gegenwärtig – es mag daran liegen, dass der Sommer bevorsteht – höre ich oft und mit grosser Bewunderung das Stück «Índia», das 1973 von der brasilianischen Sängerin Gal Costa herausgebracht wurde: eine sehr ergreifende Melodie und ein unglaublich reiches Arrangement. Abgesehen davon entdeckt man dann, dass vor ihr das Gesangsduo Cascatinha und Inhana bereits in den Fünfzigerjahren damit erfolgreich war und dass – vor ihrer Zeit – der Komponist des Stücks, José Asunción Flores, gar kein Brasilianer war: ein Stück, das in Paraguay entstanden ist, mit einem spanischen Text und einem völlig anderen musikalischen Verlauf!

Zeno Gabaglio, geboren 1979, hat zusätzlich zu einem Studium in Philosophie ein Diplom
in Cello und einen Master in Improvisation abgeschlossen (Lugano, Basel und Florenz). Nach der Ausbildungszeit widmete er sich der Musik unter verschiedenen Gesichtspunkten, bevorzugt hat er aber immer die authentischen und vielleicht die am wenigsten voraussehbaren Formen. Seine drei bisherigen Tonträger-Veröffentlichungen («Niton», Pulver & Asche, 2013; «Gadamer», Altrisuoni, 2009; «Uno», Pulver & Asche, 2007) wurden von internationalen Kritikern mit Enthusiasmus aufgenommen. Aus seiner Feder stammen die Filmmusiken zu rund 20 europäischen Filmen, die bei wichtigen internationalen Festivals ausgezeichnet wurden. Weiter hat er mannigfach Musik fürs Theater geschaffen.
Er ist an Konzerten in unterschiedlichstem musikalischem Umfeld und an bedeutenden Locations in Europa, USA und Asien aufgetreten. Im Verlauf seiner Karriere hat er bereits zusammengearbeitet mit u. a. Bugge Wesseltoft, Michel Godard, Villi Hermann, Frankie Hi NRG, Teho Teardo, Vinko Globokar, Peter Kernel und René Burri.
Zeno Gabaglio ist seit jeher auch als Kritiker und Promoter neuer Musik in der italienischen Schweiz aktiv. Zudem ist er Mitglied in der Jury des Schweizer Musikpreises und der kantonalen Subkommission der Musik.
zurück

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es etwas dauern. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines verfassten Kommentars. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, die den Nutzungsbedingungen widersprechen, nicht zu veröffentlichen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.