Jazzahead! 2016: Der Schweizer Jazz im Fokus

Grosse Ehre für die eidgenössische Jazzszene: Die Schweiz ist das offizielle Gastland an der Jazz-Fachmesse Jazzahead! vom 21. bis 24. April und dem dazugehörigen Festival vom 7. bis 24. April 2016 in Bremen. Der Schweizer Schwerpunkt wird von der FONDATION SUISA und Pro Helvetia in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Musik Syndikat organisiert. Der Projektverantwortliche der FONDATION SUISA, Marcel Kaufmann, erklärt im Gespräch, weshalb die Jazzahead! für den Schweizer Jazz wichtig ist.

Jazzahead-Aushang-Eingang

Über 3000 Teilnehmer aus 55 Ländern besuchten 2015 die Fachmesse Jazzahead! in Bremen. (Foto: Marcel Kaufmann)

Marcel Kaufmann, der Schweizer Jazz erhält dieses Jahr an der Jazzahead! eine grossartige Plattform. Was machen die FONDATION SUISA und ihre Partner, um die hiesige Jazzszene an diesem internationalen Festival zu promoten?
Marcel Kaufmann: Zunächst organisieren wir einen gemeinschaftlichen Schweizer Auftritt im Rahmen der Jazzahead! und geben der Schweiz und allen Schweizer Messeteilnehmern damit an einem zentralen Ort an der Messe ein Gesicht. Als Hauptplattform zum Finden und Gefunden werden steht der Schweizer Gemeinschaftsstand auch dieses Jahr kostenlos zur Verfügung. Über die Website der FONDATION SUISA kann man sich noch bis zu Beginn der Messe anmelden.
Zusätzlich werden dieses Jahr noch diverse andere Spots und Events den Schweizer Jazz und dessen Vertreter ins Zentrum rücken. Allen voran die «Swiss Night», die Eröffnungsnacht des Showcase-Festivals am 21. April. Hier präsentieren sich acht Schweizer Jazz-Acts dem internationalen Fachpublikum.
Als Gastland steht die Schweiz im Fokus und wird deshalb vom internationalen Messepublikum noch stärker wahrgenommen werden als in den vergangenen Jahren. Wir besitzen eine starke und ungewöhnlich vielschichtige Jazzszene. Unser Ziel ist es, unsere Qualitäten und unsere Vielseitigkeit unter dem Motto «schweizsuissesvizzerasvizra» den Menschen so zu präsentieren, dass der Nachklang unseres Auftrittes weit über das Ende der Messe anhalten wird.

Die FONDATION SUISA, Pro Helvetia und das Schweizer Musik Syndikat haben im Zusammenhang mit der Jazzahead! 2016 die Website www.switzerland-jazzahead.com ins Leben gerufen. Was ist das Ziel dieser Website?
Die Website ist ein Kompass und Info-Tool zur Schweizer Partnerland-Präsenz an der jazzahead! 2016. Hier kann man sich vor und während der Messe jederzeit einen Überblick über das Schweizer Programm verschaffen und sich seine persönlichen Highlights herauspicken. Dazu beleuchtet die Website die Künstlerinnen und Künstler, gibt Auskunft zur Schweizer Teilnehmerschaft in Bremen und enthält auch allgemeine Informationen rund um das Thema Jazz in und aus der Schweiz. Und natürlich gibt es auf der Website auch Musik zu hören.

Die Freude war gross, als letztes Jahr die Schweiz als Gastland der Jazzahead! 2016 bekanntgegeben wurde. Wie ist es dazu gekommen, dass der Schweiz diese Ehre zuteil wurde?
Das Partnerland wird durch die Messeleitung bestimmt. Dabei legt die Jazzahead! grossen Wert darauf, dass die Wahl aufgrund von künstlerischen, und nicht etwa finanziellen Kriterien erfolgt. Die Schweiz hat sich in Bremen in den vergangenen Jahren als starke Jazz-Nation bemerkbar gemacht. So gab es kaum ein anderes Land, von dem es mehr Showcase-Acts ins offizielle Programm schafften: In fünf Jahren waren es 14 Bands, hinzu kommen acht dieses Jahr. Mit Hildegard lernt fliegen schaffte 2012 eine Band dank einem Jazzahead!-Showcase den internationalen Durchbruch.
Ausserdem ist die Fachteilnehmerzahl aus der Schweiz seit 2011 Jahr für Jahr gestiegen. Und schliesslich dürfte auch das jahrelange Engagement der FONDATION SUISA und Pro Helvetia mit der Schweizer Gemeinschaftspräsenz seinen Teil dazu beigesteuert haben.
Alles in allem hat sich die Schweiz für diese Ehre wohl auf gut schweizerische Art empfohlen: mit Qualität und Kontinuität.

Weshalb sollte man als Schweizer Jazzmusiker oder Veranstalter von Jazz-Konzerten an der Jazzahead! anwesend sein?
Für Musiker ist es besonders interessant, einen der heissbegehrten Showcase-Plätze zu erwischen. Diese werden jeweils zwischen September und November ausgeschrieben und anschliessend von einer unabhängigen Jury bestimmt. Das Fachpublikum ist hochkarätig bestückt mit Veranstaltern von renommierten internationalen Festivals und Clubs. Aber auch Label-Chefs und Jazzjournalisten sind jeweils in grosser Zahl vor Ort. Zudem gibt es im Gegensatz zu anderen Showcase-Festivals nur wenige Bühnen, so dass sich das Publikum nicht allzu sehr verteilt.
Konnte man für sich keinen Showcase ergattern, so lohnt es sich dennoch, die Messe zu besuchen, denn das oben erwähnte Fachpublikum ist auch tagsüber da. Man trifft sich, man begegnet sich auf dem Gang oder am Stand. Die grosse Kunst besteht darin, Kontakte zu knüpfen. Hier versuchen wir, eine gewisse Hilfestellung zu bieten.
Für Veranstalter mit internationaler Ausrichtung ist das Showcase-Festival ein Must. Es gibt keinen zweiten Ort, an dem man als Jazz-Veranstalter mit so vielen Vertretern derselben Berufsgattung aus den unterschiedlichsten Nationen in Kontakt kommt. Aber natürlich auch mit vielversprechenden Künstlerinnen und Künstlern und deren Entourage. Diese Beziehungen werden geknüpft und gepflegt.
Ein langjähriger Jazzahead!-Teilnehmer hatte es mir gegenüber einmal so beschrieben: «Nirgends lässt sich der Puls des internationalen Jazz besser fühlen als an der Jazzahead!.»

Wie kann sich ein Besucher vorbereiten, damit er den grösstmöglichen Nutzen vom Messebesuch erzielen kann?
Die Antwort steckt eigentlich schon in der Frage drin: Das A und O ist die Vorbereitung. Wer an die Jazzahead! mit leerem Terminkalender reist, der hat es schwer. Die Agenden sind meist schon vor der Messe gefüllt. Deshalb ist es unbedingt zu empfehlen, die Teilnehmerdatenbank frühzeitig durchzugehen und Termine zu vereinbaren. Gleichzeitig sollte man das Messe- und Festivalprogramm genau studieren. Zum einen, um sich interessante Konzerte und Konferenzen zu merken. Zum anderen aber auch, um abschätzen zu können, wo man vielleicht auch noch «zufällig» auf jemanden stossen könnte, den man im Vorfeld nicht erreicht hat. Mein Tipp: Die Cocktail-Empfänge der Länderstände sind dafür bestens geeignet.
Zudem gilt die Regel: An der Jazzahead! wartet niemand auf dich! Das heisst: Wenn ich meine Musik oder meine Dienstleistung an den Mann oder die Frau bringen will, dann muss ich etwas vorzuweisen haben: Promo-Material, Aufnahmen und Videos gehören ins Gepäck. Und ebenso wichtig: Ich muss eine Geschichte zu erzählen haben. Ansonsten wird es schwierig. Die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht.
Der Schweizer Gemeinschaftsstand bietet die Möglichkeit zur Präsentation von Promo- und Info-Material, aber auch Sitzgelegenheiten für Meetings mit künftigen Geschäftspartnern. Und dies kostenlos. Das Standpersonal ist gerne behilflich beim Knüpfen von Kontakten und Weiterreichen von Informationen.

Die FONDATION SUISA ist mittlerweile zum neunten Mal an der Jazzahead! dabei. Welche Erfahrungen habt Ihr in den vergangenen Jahren mit Eurer Präsenz an dieser Musikfachmesse gemacht? Wieviele Besucher nutzen die Infrastruktur, welche die FONDATION SUISA an der Jazzahead! anbietet?
In erster Linie gelang es uns der Welt zu zeigen, dass eine grossartige und international konkurrenzfähige Schweizer Jazzszene existiert. Als Gastland wollen wir diese Einsicht beim internationalen Publikum nachhaltig zementieren.
Die Jazzahead! ist längst zu einer der wichtigsten Drehscheiben des internationalen Jazz-Business geworden und erlebt als Messe einen eigentlichen Boom. So hat sich die Gesamtzahl der Fachteilnehmer innerhalb der letzten sechs Jahren von 1500 auf 3000 Personen verdoppelt – Tendenz steigend. Wir haben diesen Trend frühzeitig erkannt und uns entsprechend gut positioniert. Der Gemeinschaftsstand ist zum «Schweizer Domizil» geworden, zur ersten Anlaufstation für die internationalen Fachteilnehmer, wenn es um Kontakte oder Informationen geht. Wir stellen deshalb mit Zufriedenheit fest, dass wir mit unseren Fördermassnahmen auf dem richtigen Weg sind. Das bestätigen uns auch Jahr für Jahr die Schweizer Teilnehmer. Für dieses Jahr haben wir bereits über 60 Anmeldungen für unseren Stand. Allerdings ruhen wir uns auf diesen Erfolgszahlen nicht aus. Wir bleiben wachsam, was die Veränderungen in der Jazzszene angeht, und wir nehmen auch konstruktive Kritik unserer Mitaussteller ernst. Das Ziel ist und bleibt es, den Schweizer Jazz auf diesem internationalen Parkett bestmöglichst zu repräsentieren.

Was sind für Dich die Highlights der diesjährigen Jazzahead! – abgesehen vom Schweizer Schwerpunkt?
Ich freue mich sehr auf die Swiss Night vom 21. April. Die Schweizer Showcase-Acts werden ein starkes Zeichen setzen für das Partnerland Schweiz, da bin ich überzeugt. Aber auch das Gala-Konzert in der Bremer Glocke mit Nik Bärtsch’s Ronin und Hildegard lernt fliegen wird zweifellos ein Highlight.

Weiterführende Informationen:
www.switzerland-jazzahead.com
Informationsseite der FONDATION SUISA zur Jazzahead!
www.jazzahead.de (offizielle Website der Musikmesse)

Jazzahead-2015-Schweizer-StandRückblick und Ausblick auf die jazzahead! Die 10. jazzahead! vom 23. bis 26. April 2015 in Bremen bescherte einige Neuigkeiten: eine neue Location, einen neuen Teilnehmerrekord und einen neuen Schweizer Gemeinschaftsstand. Ganz zum Schluss folgte dann auch noch die Bekanntgabe des Partnerlands der nächsten jazzahead!: An der Messe 2016 wird die Jazzszene der Schweiz im Mittelpunkt stehen. Weiterlesen
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