Kandidaturen für den Filmmusikpreis 2016 der FONDATION SUISA

Filmmusik wird häufig unterschätzt. Mit dem Filmmusikpreis der FONDATION SUISA wird die Wichtigkeit der musikalischen Arbeiten im Film hervorgehoben. Kandidaturen für den diesjährigen Preis in der Kategorie Spielfilm können bis am 13. Mai 2016 eingereicht werden.

Filmmusikpreis Locarno Piazza

Die Verleihung des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA findet im August im Rahmen des Internationalen Filmfestivals Locarno statt. (Foto: Vogel / Shutterstock.com)

«Es gibt eigentlich keinen Grund, warum nicht ein anspruchsvoller Komponist, der mit einem intelligenten Produzenten an einem künstlerisch ergiebigen Filmprojekt arbeitet, Anspruch darauf hätte, daß seine Filmmusik nach denselben Maßstäben bewertet wird, die an seine Konzertmusik angelegt werden.»

Die Aussage von Aaron Copland, zitiert nach dem Buch «Filmmusik: die grossen Filmkomponisten – ihre Kunst und ihre Technik» von Tony Thomas, stammt aus dem Jahr 1949. Copland, der die zeitgenössische amerikanische E-Musik wesentlich prägte, komponierte auch Filmmusik.

Die Wichtigkeit der Filmmusik

Noch heute wird Filmmusik oft unterschätzt: «Gerade dann, wenn sie ihre Aufgabe sehr gut erfüllt. Dann nimmt man sie häufig gar nicht richtig wahr, weil man nicht bewusst zuhört – und das ist meistens auch ihre Aufgabe», sagte Mathias Spohr im Interview auf dem SUISAblog. Der Musik- und Medienwissenschafter war der künstlerische Leiter der von der FONDATION SUISA herausgegebenen Box «Swiss Film Music». Diese Anthologie bietet mit drei CDs, einer DVD und einem Buch einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Schweizer Filmmusik von 1923 bis 2012.

Die Fachjury des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA hört bei den eingereichten Kompositionen sehr bewusst und genau hin. Seit mehr als 15 Jahren vergibt die Musikförderstiftung der SUISA diesen Preis und unterstreicht damit die Wichtigkeit von musikalischen Arbeiten in der 7. Kunst.

Preis 2016 in der Kategorie Spielfilm

Auf der Liste der bisherigen Preisträger finden sich die Namen von renommierten Schweizer Filmmusikkomponisten wie Alex Kirschner (Preisträger im Jahr 2000), Balz Bachmann (2003 und 2006), Niki Reiser (2001 und 2011), die Geschwister Baldenweg (2010) und Marcel Vaid (2009). Die letztjährige Auszeichnung, erstmals vergeben in der Kategorie Dokumentarfilm, wurde an Peter Scherer verliehen, der den Preis nach 2007 zum zweiten Mal erhielt.

2016 wird der mit 25 000 Franken dotierte Preis in der Kategorie Spielfilm vergeben. Zugelassen sind Originalkompositionen zu Spielfilmen ab einer Gesamtdauer von 60 Minuten, veröffentlicht entweder 2015 oder 2016. Kandidaturen können bis am Freitag, 13. Mai 2016, eingereicht werden.

Mehr Informationen zur Ausschreibung und das Reglement des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA gibt es unter: www.fondation-suisa.ch/filmmusikpreis

Filmmusikpreis-2015«Die schwierigste Frage ist, welcher Klang zum Film passt»Anlässlich des Festival del film Locarno im August ist der Schweizer Komponist Peter Scherer mit dem Filmmusikpreis 2015 der FONDATION SUISA ausgezeichnet worden. Er erhielt den mit 25 000 Schweizer Franken dotierten Preis für seine Musik zum Film «Dark Star – HR Gigers Welt» von Regisseurin Belinda Sallin. Im Gespräch im Vorfeld der Preisverleihung erzählte das SUISA-Mitglied Peter Scherer unter anderem von den Herausforderungen beim Komponieren von Filmmusik. Weiterlesen
Swiss-Film-Music-Anthologie«Schweizer Filmmusik zeigt eine grosse Vielfalt und hohe Qualität»Die von der FONDATION SUISA herausgegebene Box «Swiss Film Music» bietet mit drei CDs, einer DVD und einem Buch einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Schweizer Filmmusik von 1923 bis 2012. Ein Gespräch mit dem Musik- und Medienwissenschaftler Mathias Spohr, der als künstlerischer Leiter wirkte. Weiterlesen

 

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Filmmusik wird häufig unterschätzt. Mit dem Filmmusikpreis der FONDATION SUISA wird die Wichtigkeit der musikalischen Arbeiten im Film hervorgehoben. Kandidaturen für den diesjährigen Preis in der Kategorie Spielfilm können bis am 13. Mai 2016 eingereicht werden.

Filmmusikpreis Locarno Piazza

Die Verleihung des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA findet im August im Rahmen des Internationalen Filmfestivals Locarno statt. (Foto: Vogel / Shutterstock.com)

«Es gibt eigentlich keinen Grund, warum nicht ein anspruchsvoller Komponist, der mit einem intelligenten Produzenten an einem künstlerisch ergiebigen Filmprojekt arbeitet, Anspruch darauf hätte, daß seine Filmmusik nach denselben Maßstäben bewertet wird, die an seine Konzertmusik angelegt werden.»

Die Aussage von Aaron Copland, zitiert nach dem Buch «Filmmusik: die grossen Filmkomponisten – ihre Kunst und ihre Technik» von Tony Thomas, stammt aus dem Jahr 1949. Copland, der die zeitgenössische amerikanische E-Musik wesentlich prägte, komponierte auch Filmmusik.

Die Wichtigkeit…Weiterlesen

Lionel Friedli, ein vielseitiger Impulsgeber

Die FONDATION SUISA hat Lionel Friedli mit dem diesjährigen Jazzpreis ausgezeichnet. Der Bieler Schlagzeuger kombiniert in seinem dynamischen Spiel die Wucht des Rock mit den Freiheiten des Jazz. Damit prägt er die Musik vieler unterschiedlicher Gruppen. Gastbeitrag von Markus Ganz

Lionel-Friedli

Ein «Sideman», der «jedem Projekt, in dem er mitspielt, einen Mehrwert verleiht», sagt die Jury des Jazzpreises der FONDATION SUISA über den diesjährigen Gewinner Lionel Friedli. (Foto: Fabrice Nobs)

Trotz unzähliger Konzerte ist Lionel Friedli in einer breiteren Öffentlichkeit noch wenig bekannt. Der 40-jährige Bieler hat eben keine eigene Band. Und in den vielen Gruppen, in denen der gefragte Musiker spielt, drängt er sich nicht in den Vordergrund. Er versteht sich bescheiden als begleitender «Sideman» ‒ und bewirkt mit seinem wuchtigen und doch vielfältigen Spiel doch viel mehr, weil er Impulse an seine Mitmusiker zu geben versteht. Lionel Friedli ist auch deshalb schwer zu fassen, weil er nicht ein reiner Jazz-Schlagzeuger ist. Er gehört zu einer neuen Generation von Jazzmusikern, die einen breiten stilistischen Hintergrund haben und diesen in ihr Spiel einfliessen lassen.

Frühe Prägung

«Jazz war der Soundtrack meiner Kindheit, weil meine Eltern Jazz-Fans waren und deshalb oft solche Musik zuhause lief», erklärt Lionel Friedli. «Diese klangliche Umgebung hat mich aber eher unbewusst beeinflusst, denn ich war schon früh ein Fan von Madonna und Michael Jackson, später kamen James Brown und Rockmusiker hinzu.» Im Alter von 15 bis 18 habe er Jazz schliesslich altmodisch gefunden. Durch ein Album von John Pattitucci fand er zurück zum Jazz, insbesondere zur Fusion, war fasziniert von der Virtuosität. «Dadurch wurde ich angestachelt, die Vinylsammlung meiner Eltern neu zu entdecken. Ich hörte mir die Musik nun mit neuen Ohren an ‒ bewusst.» Und Lionel Friedli begeisterte sich bald für wegweisende Jazzer wie John Coltrane, Charlie Parker und Miles Davis. Dann kam eine Phase, in der er vom Free Jazz angezogen wurde.

Der Jazz war auch wichtig für Lionel Friedlis musikalische Ausbildung. «Da ich schon als Primarschüler von Schlagzeugern fasziniert war und ständig auf Karton trommelte, suchte meine Mutter nach einem passenden Lehrer am Konservatorium Biel.» Sie stiess auf Norbert Pfammatter, der den damals Elfjährigen zu unterrichten begann ‒ und etliche Jahre später auch zu seinen Dozenten an der Musikhochschule Luzern gehörte. Der bekannte Jazzmusiker brachte ihm schon zu Beginn nicht nur Jazz-Rhythmen bei. «Ich lernte die Grundlagen, und dazu gehörten etwa auch afro-kubanische Rhythmen, die ich selbst selten einsetze. Aber sie waren als Koordinationsübungen für das unabhängige Spiel der Glieder sehr wichtig.»

Dichte und Dynamik

Aus der oft zu hörenden Wucht von Lionel Friedlis Spiel spricht deutlich der Rock. «Ich mag das Binäre dieses Genres», bestätigt der Bieler, «aber ich will damit improvisieren können.» Es kann denn auch nicht überraschen, dass er von ähnlich orientierten Schlagzeugern wie Jim Black und Joey Baron schwärmt. Und wie bei diesen ist nicht die reine Wucht das Ziel, sondern die Dynamik, die er damit in die Musik bringen kann. Dazu gehört, dass er die Dichte seines Spiels variiert, «um die Textur der Musik zu verändern». Weniger offensichtlich ist der Einfluss des Hip-Hop. «Ich habe ihn erst spät entdeckt», gesteht Lionel Friedli. «Aber mir wurde klar, dass auch er Wurzeln im Jazz hat und heute einen ähnlichen Spirit der Alternative bietet, eine andere Perspektive auf die Politik etwa.» Dass Lionel Friedli auch einen musikalischen Bezug zu diesem Genre hat, zeigt sich in einer begeisterten Aufzählung von den Beastie Boys über Dr. Dre («diese Beats!») bis zu D’Angelo mit Questlove («grandios»). «Bis heute gefällt mir einiges, aber die Attitüde nervt mich oft.»

Lionel Friedli spielt in unüberschaubar vielen Bands. «Wenn sich ein Zeitfenster öffnet und eine interessante Anfrage kommt, mache ich mit», erklärt er schmunzelnd. «Deshalb kann ich ‒ abgesehen von gelegentlichen Vertretungen im Musikunterricht ‒ allein vom Musizieren leben.» Schwierigkeiten bei der menschlichen und musikalischen Integration kenne er trotz der vielen Projekte nicht, da es meist um eine langfristige Zusammenarbeit gehe. «Ich bin nicht ein Session-Dummer. Passend zur Musik der jeweiligen Gruppe versuche ich verschiedene Aspekte meines Spiels einzusetzen. Es ist ein Prozess, der vor allem in den Proben geschieht.» Wenn mit Partituren gearbeitet wird, versucht er seinen Part baldmöglichst auswendig zu lernen. «Ich fühle mich danach freier und kann mich darauf konzentrieren, was rund um mich geschieht, und darauf reagieren.»

Mehr Abenteuer

Ein eigenes Projekt hat Lionel Friedli nach wie vor nicht, obwohl er sich eines wünsche. «Ich will es nicht erzwingen. Es muss sich von alleine ergeben aus der Lust und der Dringlichkeit.» Und eigentlich, meint er augenzwinkernd, komme das Duo Qoniak mit Vincent Membrez einem Soloprojekt schon recht nahe. Was er sich denn sonst noch wünsche? «Noch mehr Abenteuer mit noch mehr Musikern», antwortet er, ohne zu zögern, «denn der Austausch ist mir sehr wichtig». Vor zu vielen Konzerten fürchtet er sich nicht. Zurzeit seien es so 120 bis 130 pro Jahr, es seien auch schon 150 gewesen, aber Cracks wie Jim Black spielten bis zu 230. «Toll fände ich vor allem, wenn ich noch mehr international auftreten könnte. Ich habe schon in Südamerika und in China gespielt, was ich inspirierend fand.»

Lionel Friedli wurde 1975 in Moutier geboren, seit Anfang der 1980er Jahre lebt er in Biel. Mit elf Jahren erhielt er erstmals Schlagzeugunterricht, 2005 schloss er seine Ausbildung an der Musikhochschule Luzern im Bereich Jazz ab. Bereits seit 1998 spielt er im Trio seines Mitstudenten Lucien Dubuis, mit dem er schon sieben Alben eingespielt und auch international viele Konzerte gegeben hat. Lionel Friedli ist schon mit Musikern wie Heiri Känzig, Vera Kappeler, Marc Ribot und Colin Vallon aufgetreten. Zurzeit gehört er u.a. folgenden Formationen an: Sarah Buechi Shadow Garden, Christy Doran’s New Bag, Elgar (mit Hans Koch und Flo Stoffner), Max Frankl Quartet, OZMO (mit Vincent Membrez und Pedro Lenz), Merz feat. Sartorius Drum Ensemble und Whisperings (mit Fred Frith). Am 25. November 2015 wurde ihm von der FONDATION SUISA der mit 15 000 Franken dotierte Jazzpreis verliehen. Damit wird innovatives und kreatives Schaffen im Schweizer Jazz honoriert.

Videoportrait über Lionel Friedli auf Art-tv.ch

 

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  1. JM Tschanz sagt:

    Fait vraiment plaisir de voir ce super batteur récompensé !

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Die FONDATION SUISA hat Lionel Friedli mit dem diesjährigen Jazzpreis ausgezeichnet. Der Bieler Schlagzeuger kombiniert in seinem dynamischen Spiel die Wucht des Rock mit den Freiheiten des Jazz. Damit prägt er die Musik vieler unterschiedlicher Gruppen. Gastbeitrag von Markus Ganz

Lionel-Friedli

Ein «Sideman», der «jedem Projekt, in dem er mitspielt, einen Mehrwert verleiht», sagt die Jury des Jazzpreises der FONDATION SUISA über den diesjährigen Gewinner Lionel Friedli. (Foto: Fabrice Nobs)

Trotz unzähliger Konzerte ist Lionel Friedli in einer breiteren Öffentlichkeit noch wenig bekannt. Der 40-jährige Bieler hat eben keine eigene Band. Und in den vielen Gruppen, in denen der gefragte Musiker spielt, drängt er sich nicht in den Vordergrund. Er versteht sich bescheiden als begleitender «Sideman» ‒ und bewirkt mit seinem wuchtigen und doch vielfältigen Spiel doch viel mehr, weil er Impulse an seine…Weiterlesen

«Die schwierigste Frage ist, welcher Klang zum Film passt»

Anlässlich des Festival del film Locarno im August ist der Schweizer Komponist Peter Scherer mit dem Filmmusikpreis 2015 der FONDATION SUISA ausgezeichnet worden. Er erhielt den mit 25 000 Schweizer Franken dotierten Preis für seine Musik zum Film «Dark Star – HR Gigers Welt» von Regisseurin Belinda Sallin. Im Gespräch im Vorfeld der Preisverleihung erzählte das SUISA-Mitglied Peter Scherer unter anderem von den Herausforderungen beim Komponieren von Filmmusik.

Filmmusikpreis-2015

Über die Vergabe des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA freuten sich am Tag der Preisverleihung am 7. August 2015 im Rahmen des Internationalen Filmfestivals in Locarno (v.l.n.r): Zeno Gabaglio (Jury-Mitglied Filmmusikpreis 2015 und SUISA-Vorstand), Marco Blaser (Festival del film Locarno), Preisträger Peter Scherer und Urs Schnell (Direktor FONDATION SUISA). (Foto: Giorgio Tebaldi)

Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Filmmusikpreises 2015 der FONDATION SUISA. Nach 2007 ist dies bereits das zweite Mal, dass du diesen Preis gewinnst. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?
Es ist natürlich grossartig, anerkannt zu werden, ganz  besonders auch weil dieser Preis von einer Jury von sehr kompetenten Leuten verliehen wird.

Du hast den Filmmusikpreis für den Soundtrack zum Dokumentarfilm «Dark Star – HR Gigers Welt» erhalten. HR Giger war bekannt für seine düsteren, apokalyptischen Bilder und war eine starke Persönlichkeit, die polarisiert hat. Wie bist du beim Komponieren der Musik zu diesem Dokumentarfilm vorgegangen?
Zuerst einmal habe ich sehr ausführlich mit der Regisseurin, Belinda Sallin, gesprochen, um herauszufinden, wie der Protagonist dargestellt wird und was der Film zeigen will. Es könnten unzählige Filme über HR Giger gedreht werden, aber für mich als Musiker war nicht die Frage im Vordergrund, wie ich zu HR Giger oder seinen Bildern stehe, sondern eher: Was ist der Gesichtspunkt des Filmes? Um was geht es in diesem Film und was will er wirklich zeigen?
Dann versuche ich, mir anhand eines Rohschnitts vorzustellen, welcher Klang zu diesem Film passen könnte. Das ist die schwierigste Frage, sowie zu wissen, wo die Musik ansetzen kann. Das ist meistens ein langer Prozess des Suchens, Skizzierens und Auswählens.

HR Giger hat oftmals auch ein spezielles Publikum angesprochen, das sich für düstere Filme oder harte Rockmusik interessiert. Inwiefern hat man beim Komponieren das Publikum im Kopf, das sich den Film anschauen wird?
Natürlich hat man immer einen Betrachter im Kopf, wenn man einen Film macht. Ob beim Drehbuch, beim Schnitt, bei den Schauspielern oder beim Konzept – man stellt sich immer auch einen Rezipienten vor. Man überlegt sich, wie der Film wirkt, was rüberkommt und was nicht. In dieser Hinsicht ist der Zuschauer natürlich wichtig. Aber ob jetzt eine bestimmte Zielgruppe auf ihre Rechnung kommt, spielt weder bei der Entstehung des Films noch beim Komponieren der Filmmusik eine Rolle.

Hast du HR Giger gekannt?
Ich kannte ihn nicht persönlich. Wie wahrscheinlich die meisten Leute kannte ich seine Bilder oder besser: seine exponiertesten und vielleicht auch offensichtlichsten Bilder. Während der Auseinandersetzung mit seiner Person bei der Entstehung des Films habe ich gelernt, dass er neben seiner Kunst ganz viele andere Sachen gemacht hat. Es war eine Absicht der Regisseurin, den Menschen HR Giger zu zeigen, dass er ein faszinierender Mensch war, der ein reiches Leben hatte. Es ging ihr auch darum, gewisse Vorurteile zu neutralisieren und neue Seiten von Giger zu zeigen.

Gab es seitens HR Giger Anforderungen an den Film oder die Filmmusik, oder hat er dir und der Regisseurin freie Hand gelassen?
Er war leider schon gestorben, als ich mit dem Komponieren der Filmmusik begann. Aber ich weiss von der Regisseurin, dass er eine positive Einstellung zum Film hatte.

Neben der Filmmusik komponierst und spielst du auch minimalistische elektronische Musik. Du kennst also verschiedene Facetten des Musikschaffens. Wie empfindest du den Wandel im Musikbusiness, der in den letzten Jahren vor allem bei den Tonträgern stattgefunden hat? Tangiert dieser Wandel einen Filmmusikkomponisten überhaupt?
Es gibt verschiedene Szenen und Realitäten. Zum Beispiel gibt es viele Bands, die vor allem von ihren Konzerten leben. Vom Rückgang im Tonträgermarkt ist man im Filmmusiksektor nicht so direkt betroffen. Tonträger sind nur ein sehr kleiner Teil von dem, was ich mache.

Welche Projekte stehen bei dir als nächstes an?
Ich freue mich darauf, mit Markus Imhof ein Projekt zu realisieren. Er dreht derzeit einen neuen Film zum Thema Migration, ein sehr aktuelles Thema, das mich auch sehr interessiert. Er ist ein grossartiger Regisseur. Zudem schreibe ich die Musik zu einem Dokumentarfilm von Heidi Specogna über ein politisches Thema, das die Republik Zentralafrika betrifft. Über weitere anstehende Projekte darf ich noch keine Angaben machen.

Viel Erfolg und herzlichen Dank für das Gespräch.

Peter Scherer ist Komponist, Pianist und Gitarrist. Er wurde 1953 in Zürich geboren. Sein Klavierdiplom machte er 1977 am Konservatorium Basel und studierte im Anschluss Theorie und Komposition an der Hamburger Hochschule für Musik und darstellende Kunst. 1980 zog er nach New York, wo er sich insbesondere mit elektronischer Musik beschäftigte und das Noise-Pop-Duo Ambitious Lovers gründete. Als Studiomusiker, Produzent oder Arrangeur arbeitete Peter Scherer mit Künstlern zusammen wie Laurie Anderson, Arto Lindsay, Caetano Veloso, John Zorn und Bill Frisell. Ab Ende der Achtzigerjahre schrieb er regelmässig Musik für Tanz- und Multimediaprojekte. Seit 2010 lebt Peter Scherer wieder in seiner Heimatstadt Zürich und konzentriert sich heute vor allem auf die Filmmusik. Für seine Kompositionen zum Spielfilm «Marmorera» (Regie: Markus Fischer) erhielt er 2007 erstmals den Filmmusikpreis der FONDATION SUISA. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt die Musik zu Markus Imhofs «More Than Honey», für den Peter Scherer 2013 den Schweizer Filmpreis für die beste Musik erhielt. (Text: FONDATION SUISA)
Der Filmmusikpreis der FONDATION SUISA ist mit CHF 25 000.- dotiert. Er honoriert ausserordentliche Leistungen im Bereich der Filmmusikkomposition und hat zum Ziel, die Preisträgerinnen und Preisträger zu unterstützen sowie im In- und Ausland bekannt zu machen. Der Preis wird jährlich anlässlich des Festival del film in Locarno alternierend in den Kategorien Spielfilm und Dokumentarfilm vergeben.

Die Jury des Filmmusikpreises 2015:
Jürg von Allmen (Digiton Tonstudio Zürich)
André Bellmont (Zürcher Hochschule der Künste, Zürich)
Mario Beretta (Bühnen- und Filmmusikkomponist, Zürich)
Zeno Gabaglio (Komponist und Interpret, Vacallo)
Corinne Rossi (Praesens Film, Zürich)
Yvonne Söhner (ehem. Schweizer Radio und Fernsehen SRF, Ehrendingen)

Beitrag zu Peter Scherer und seiner Filmmusik für «Dark Star – HR Gigers Welt» auf art-tv

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Filmmusikpreis-2015

Über die Vergabe des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA freuten sich am Tag der Preisverleihung am 7. August 2015 im Rahmen des Internationalen Filmfestivals in Locarno (v.l.n.r): Zeno Gabaglio (Jury-Mitglied Filmmusikpreis 2015 und SUISA-Vorstand), Marco Blaser (Festival del film Locarno), Preisträger Peter Scherer und Urs Schnell (Direktor FONDATION SUISA). (Foto: Giorgio Tebaldi)

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Die Schweiz ist jazzahead!-Partnerland 2016

Die jazzahead! in Bremen ist das wichtigste internationale Jazz-Fachtreffen des Jahres. Der Partnerland-Status 2016 bietet der Schweiz die Mögichkeit, die hiesige Jazzszene in ihrer ganzen Vielfalt zu präsentieren. Text von Urs Schnell, FONDATION SUISA

jazzahead2015-Schweizer-Stand

Der Schweizer Gemeinschaftsstand an der diesjährigen jazzahead! in Bremen. 2016 wird die Schweiz offizielles Partnerland der jazzahead! sein! (Foto: Marcel Kaufmann)

Der Schweizer Gemeinschaftsstand wartet auf Ihre Anmeldung

Die FONDATION SUISA und Pro Helvetia offerieren allen Schweizer Fachteilnehmenden die Möglichkeit, sich zum vergünstigten Tarif von 120 Euro (exkl. MwSt) für die jazzahead! zu akkreditieren und dazu kostenlos den Schweizer Gemeinschaftsstand in Halle 6 als Plattform und Treffpunkt an der Messe zu nutzen.

Ab sofort können Sie sich online als Mitaussteller anmelden: www.fondation-suisa.ch/jazzahead

Info-Veranstaltung jazzahead! 2016 am Jazzfestival Willisau

Das Schweizer Musik Syndikat (SMS) läd ein zum Info-Anlass jazzahead! 2016 im Rahmen des Sommer-Apéros am Jazzfestival Willisau am 29. August 2015 von 17.00 bis 19.30 Uhr in der Stadtmühle Willisau. Informationen dazu erhalten Sie über: info(at)musiksyndikat(dot)ch

Weitere Informationen zum Partnerland-Programm 2016 folgen. Für Fragen wenden Sie sich an: messen(at)fondation-suisa(dot)ch

www.jazzahead.de

Der Schweizer Schwerpunkt in Bremen wird von der FONDATION SUISA und Pro Helvetia in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Musik Syndikat (SMS) koordiniert.

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jazzahead2015-Schweizer-Stand

Der Schweizer Gemeinschaftsstand an der diesjährigen jazzahead! in Bremen. 2016 wird die Schweiz offizielles Partnerland der jazzahead! sein! (Foto: Marcel Kaufmann)

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Info-Veranstaltung jazzahead! 2016 am Jazzfestival Willisau

Das Schweizer Musik Syndikat (SMS) läd ein zum Info-Anlass jazzahead! 2016 im Rahmen des Sommer-Apéros…Weiterlesen

Midem 2015: Sommer-Premiere top oder flop?

Mit Vertretern aus 75 Ländern und drei neuen Länderständen – Südafrika, Israel und Elfenbeinküste – hat die Musikmesse Midem im Jahr 2015 zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Tore im Sommer geöffnet.

Midem2015-OutsideView

Die Midem fand 2015 zum ersten Mal nicht im Winterhalbjahr sondern vom 5. bis 8 Juni statt. (Foto: zVg / Midem.com)

Nachfolgend ein kurzer Vergleich zwischen der Wintermesse 2014 und dem diesjährigen Sommer-Musikanlass anhand einiger Kennzahlen:

Midem 2014 2015
Teilnehmer 6150 5500
Aussteller 1236 1100
Länder 75 75
Länderpavillons 39 35
Konzerte 46 34
Journalisten 185 145
Konferenzen 120 93
(Angaben von Reed Midem)
Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand
Firmen 37 25
Personen 62 41
(Angaben von FONDATION SUISA)

Jubiläum: 50 Jahre Midem

Nächstes Jahr feiert die Midem einen runden Geburtstag – die 50. Midem – félicitations! Was wird sich ändern, was bleibt gleich? Gut informierte Quellen haben bestätigt, dass die Midem mindestens die folgenden fünf Jahre im Sommer im Palais von Cannes stattfinden soll. Zudem soll sie werktags angesetzt werden und lässt somit den Musikbranchenvertretern die Wochenenden frei. Die Midem 2016 findet von Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni 2016 Dienstag, 28. Juni bis Freitag, 1. Juli 2016 statt.

Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand 2015 zur Midem

Im Anschluss an die diesjährige Messe haben wir einige Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand gefragt, wie sie die Midem 2015 erlebt haben und ob sie voraussichtlich an der nächsten Messe wieder teilnehmen werden.

Midem2015-Oberholzer-Philipp

Marcel Oberholzer (Yes Music AG) und Irène Philipp (SUISA).

Marcel Oberholzer, Yes Music AG, www.djbobo.ch:

«Nachdem ich nun seit 19 Jahren jeweils im Januar oder Februar die Midem besucht habe, finde ich persönlich, dass der Termin im Juni nicht optimal angesetzt ist. Es gilt nun abzuwägen, wie weit sich die Jahresplanungen der Labels an diese neue Messezeit anpassen können oder werden.

Für Newcomer ist das ‹Midem Networking Village› sehr interessant, denn es zeigt die ganze Bandbreite der Musikindustrie 2015. Panels, Networking und Conferences können Business-Neulingen eine moderne und umfassende Übersicht verschaffen. Durch die vielen trendigen und zukunftsorientierten Ideen hat sich meiner Meinung nach das Durchschnittsalter der Midem-Teilnehmer etwas verjüngt.

Mit den älteren und langjährigen Business-Partnern steht man heutzutage aufgrund ‹moderner Kommunikationsmittel› täglich im Kontakt und muss nicht mehr auf das klassische ‹Jahres-Meeting› anlässlich der Midem warten. Diese Situation ist bestimmt auch ein Grund für den Besucherrückgang an der Messe. Trotzdem werden an der Midem sehr viele neue und erfolgversprechende Kontakte geknüpft.

Als Teilnehmer am Schweizer Stand der FONDATION SUISA kann man stark davon profitieren, dass man die eigenen Business-Kontakte direkt zu sich an den Stand einladen kann – das macht die Meetings stressfreier und man kann mehr Personen treffen und Termine vereinbaren, da man nicht von Halle zu Halle oder von Hotel zu Hotel pilgern muss.

Ausserdem kriegt man durch das SUISA-Standpersonal jederzeit eine professionelle und gleichzeitig kollegiale Unterstützung. Den Messestand kann man durchaus als echtes Bijou bezeichnen, denn zur grossen Standfläche gehören auch die Meeting-Plätze draussen auf dem Messe-Balkon, welche eine wunderbare Aussicht auf den Yachthafen und die Altstadt von Cannes bieten – eine traumhafte Location mit echtem Côte-d’Azur-Flair für Geschäftsmeetings.

Der Slogan ‹Music made in Switzerland› wird also am Schweizer Stand so richtig vorgelebt und in die Musikwelt hinausgetragen.»

Midem2015-Schuemichen-Lanzinger

Pia Schümichen (l.) und Annette Lanzinger (beide Dr. Sauter Musikverlag GmbH).

Dr. Sauter Musikverlag GmbH, www.sautermusik.de:

«Wir finden den Monat Juni eigentlich ganz ok – fanden es aber schade, dass trotz dem tollen Wetter draußen so wenig geboten wurde, wie zum Beispiel Auftritte von kleineren Bands in den Kneipen rundherum. Wir haben nur zufällig eine Band in einer kleinen Bar gesehen – und das war cool.

Nach unserer Einschätzung gab es zudem auch nicht mehr Besucher als im Januar.
Die Themen der diesjährigen Vorträge waren unserer Meinung nach zu einseitig – Synch, Streaming. Insgesamt fanden wir die Midem im Juni gut. Leider werden es jedes Jahr weniger Messeteilnehmer und somit werden auch die Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen, geringer. Wir haben festgestellt, dass zwar einige Kollegen vor Ort sind, sie sich aber nicht für die Messe akkreditieren, sondern ihre Termine einfach außerhalb der Messe vereinbaren. Das liegt sicher auch an den hohen Kosten für die Akkreditierung.»

Stefan Planta, TBA/Phonag:

«Ob wir nächstes Jahr die Midem besuchen, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt bestimmen.»

Midem2015-Martinuzzi-Prinz-Hoerhager

V.l.n.r.: Giancarlo Martinuzzi, Andy Prinz, David Hörhager.

Andy Prinz, Andy Prinz Publishing, www.andyprinz-publishing.com:

«Die Midem 2015 war für uns ein voller Erfolg. Zweifelsohne war die Atmosphäre zu dieser Jahreszeit viel entspannter, und das hat sich positiv auf unser Business ausgewirkt.

Wir werden definitiv an der nächsten MIDEM teilnehmen, auch dank der hervorragenden Konditionen via FONDATION SUISA als Mitaussteller.»

Midem2015-Brunko-White

Pascal Brunko und Violeta White.

Pascal Brunko und Violeta White, Damp Music, www.damp-music.com:

«Für uns ist die Midem sehr erfolgreich verlaufen. Am Stand der FONDATION SUISA war für die Treffen mit unseren Kunden alles sehr gut vorbereitet und die Terrasse war ein willkommener Luxus. Das SUISA-Team am Stand war sehr nett und dynamisch und hat uns viele nützliche Hinweise für eine erfolgreiche Midem 2015 gegeben. Wir freuen uns schon auf 2016!»

Serge Gauya Management / SG Productions Editions (SGPE International), www.sergegauya.com:

«Ich fand den Stand wie immer gut und habe die professionelle Atmosphäre, zu der das ganze Team beigetragen hat, sehr geschätzt. Wenn ich ich dieser Zeit nicht gerade gebucht bin, bin ich auch 2016 wieder mit dabei, kann es aber noch nicht mit Sicherheit sagen.»

Midem2015-Jones-Ruessel-Allain

V.l.n.r.: Sabine Jones (SJ Consultancy) Marcus Ruessel (Gigmit) und Michel Allain (Fasttrack).

Sabine Jones, SJ Consultancy, sjconsultancy.net:

«Als selbständige Konsulentin, deren Kundenstamm schwerpunktmässig in der Schweiz, Deutschland und Österreich, aber auch weitläufiger – USA, Brasilien – angesiedelt ist, macht der Midem-Besuch als Gelegenheit fürs Networking durchaus Sinn. Beklagenswert war heuer leider die Tatsache, dass viele Teilnehmer wohl lieber ‹ohne Pass› dem schönen Wetter in Meetings ausserhalb des Palais frönten, anstatt den Weg zu den Ständen zu finden. Selbst gute Panels waren nicht immer voll besucht – was eventuell auch daran lag, dass eine Vortragsbuehne mitten im Korridor angelegt war.

Aus meiner Sicht wäre eine Midem im März oder April sinnvoll, aber im Hochsommer wird sie darunter leiden, dass Ferienzeit ist und einige meiner Businesskontakte schon heuer angedeutet haben, dass bei ihnen der Juni- oder Juli-Termin zu kurz vor der Hauptabrechnung oder anderen ‹important dates› liegt, und sie daher nicht teilnehmen. Daher kann es sein, dass auch ich meine Teilnahme für 2016 ueberdenke, da es immerhin eine sehr grosse Investition ist, denn Cannes in der Hochsaison ist schon etwas anderes als an den bisherigen Januar-Terminen.»

Rudi Schedler Musikverlag GmbH, www.schedlermusic.com:

«Wir entscheiden erst im Frühjahr 2016, ob beziehungsweise an welchem Stand wir wiederum teilnehmen.»

Stephan Heim, Head of Marketing & Administration www.adon.ch:

«Persönlich finde ich, dass eine Midem im Sommer sehr viel Sinn macht, ich fand es angenehmer und vor allem auch kreativer und offener als im Februar. Grund: Im Sommer werden die Lokale am Strand in die Midem miteinbezogen, es gibt open air Showcases und die Messe wird so mehr raus getragen, was ich sehr sinnvoll finde. Und ja, nächstes Jahr nehmen wir voraussichtlich unbedingt wieder teil.»

Midem2015-Kruesi-Sauder-Heim

V.l.n.r.: Andreas Krüsi (Adon), Sabrina Sauder, Stephan Heim (Adon).

Sabrina Sauder, www.sabrinasauder.ch:

«Die Midem nun zum ersten Mal im Sommer war zwar toll, weil ich sie gleich mit ein paar Tagen Urlaub verbinden konnte, jedoch hatte ich den Eindruck, dass der neue Termin noch weniger Leute aus der Musik-Industrie nach Cannes gebracht hat. Viele waren wahrscheinlich mit ihren Künstlern auf Tournee und so ist die Teilnehmerzahl nochmals geschrumpft. Ich muss auch ehrlich sagen, dass diese warmen Temperaturen mich eher an den Strand getrieben haben als ins Messegelände.

Der SUISA-Stand war wie eh und je top ausgerüstet und mit super nettem Personal versehen. Auch der Apéro war der absolute Renner! Ebenfalls geschätzt habe ich den eigenen Rooter, den ihr besorgt habt. Endlich mal funktionierendes Internet!

Ich kann noch nicht sagen, ob ich an der nächsten Midem teilnehmen werde. Dieses Jahr hat es mich von den anwesenden Personen her nicht so überzeugt und es lässt sich nur schwer abschätzen, ob das mit einem noch späteren Termin wirklich besser wird …»

Walter Holzbaur, www.wintrup.de:

«Die Midem war auch für uns ziemlich ‹heiss› und so haben wir die meiste Zeit im Carlton und umliegenden Strandbars verbracht. Schade eigentlich, denn die Gastfreundschaft am Schweizer Stand ist ja immer großartig! Der Termin im nächsten Jahr ist noch schlechter als der diesjährige. Ob und wie wir teilnehmen, werden wir erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, wir warten mal ab wie die Tendenz sich entwickelt. Die Midem ist inzwischen in zwei Lager gespalten, das eine befindet sich im Palais und bei den dort stattfindenden nicht besonders interessanten Panels, das andere und für uns wesentlich wichtigere im Carlton und Umgebung – da reichen dann auch 2 Tage im 30-Minuten Takt.»

Midem2015-Schnell-Schiess-Wegener

V.l.n.r.: Urs Schnell (FONDATION SUISA), Martin Schiess (K-tel), Poto Wegener (SWISSPERFORM).

Martin Schiess, Managing Director, www.k-tel.ch:

«Midem 2016: Dienstag, 28. Juni bis Freitag, 1. Juli 2016 finde ich kein gutes Datum, anfangs Juni wie in diesem Jahr war o.k.. Zudem geht mir bei einer Messe, die vollständig unter der Woche stattfindet, zu viel Zeit verloren. Wochenende war perfekt. Wenn die Messe wie angekündigt stattfindet, werde ich voraussichtlich nicht teilnehmen.»

Grégoire Liechti, www.sidomusic.com:

«Das Midem-Büro hatte es angekündigt: ‹Der führende internationale Business-Event für die Musikwelt findet künftig zu einem neuen Zeitpunkt statt!› Nun ist Juni, wir treffen uns bei sommerlichen Temperaturen und herrlichem Sonnenschein in Cannes.

Mir persönlich hat diese Midem sehr gefallen, auch wenn tatsächlich weniger Besucher da waren als auch schon. Wie jedes Jahr konnte ich unsere ausländischen Partner und die von uns vertretenen Verleger treffen, aber auch neue Leute kennenlernen. Nur an der Midem können wir am gleichen Tag Verleger aus einem Schwellenland (Urheberrechte) und einen in London ansässigen Creative Director treffen.

Noch ist es zu früh, etwas über die nächste Midem zu sagen. Aber angesichts des angekündigten Datums kann man schon jetzt davon ausgehen, dass vielleicht sogar noch weniger Leute kommen werden als 2015.»

Midem2015-Gelewski-Liechti

V.l.n.r.: Lysander Gelewski (Mymusicrights) und Grégoire Liechti (Sidomusic).

Lysander Gelewski, Mymusicrights Sàrl, www.mymusicrights.ch:

«Midem 2015 – eine kleine persönliche Nachlese: Ich gebe es offen zu, nach 8 Stunden Key Notes, Speedmeetings, Legal Summit und bilateralen Verhandlungen mit Sub-Verlegern aus aller Welt war es eine Wohltat, gleich vor dem Palais des Festivals in die weichen Wogen des warmen Mittelmeers zu springen. ‹No regrets› also bezüglich meteorologischer Migration der Midem vom Januar in den Juni.

Ich betrachte es als grosses Privileg, dass wir immer noch über einen eigenen Schweizer Stand mit stets freundlichem, hilfsbereitem und kompetentem Personal verfügen. So gut gelegen, dass meine Geschäftspartner meist wünschten: ‹Can we meet on the nice terrace of the Swiss stand?› Andererseits ist es schade, dass Jahr für Jahr weitere Länder- oder Firmenstände verschwinden. Und viele Meetings in Hotellobbies verschoben werden.

Für unsere kleine Firma habe ich eine gute Balance aus Informationsveranstaltungen und geschäftlichen Sitzungen gefunden. Spannend und hochkarätig besetzt waren für mich vor allem: die ‹Legal Workshops› mit Schwergewicht auf Revision des amerikanischen Copyright Act, neuste Entwicklungen auf EU-Ebene, strategische Ausrichtung der grossen Verwertungsgesellschaften, internationaler Datenaustausch, usw. Viel neues Know-how nach Hause mitnehmen konnte ich von den zahlreichen ‹Synch-Sessions›. Ein auch für Schweizer Musik wichtiger Zukunftsmarkt.

Alles rosarot und eitel Sonnenschein? Nein, buchstäblich sauer stiessen mir die Preiserhöhungen in Hotels und Restaurants auf. 10 bis 30% Prozent sind die Norm. Eine kleine Anekdote: Am Dienstag nach der Midem sassen wir zu zweit in der Rue Saint-Antoine auf einer der kitschigen Terrassen: Das gleiche Menü war einmal mit € 33 und einmal mit € 39 angegeben. Peinlich berührt sagte unser Garçon: ‹Sorry, € 39 war der Preis während der Midem …› Es geht nicht um ein paar Euros, sondern um dieses unangenehme Gefühl, das Polo Hofer im ‹Kiosk› so schön besungen hat.

Zähneknirschend werde ich wohl auch 2016 nach Cannes reisen. Denn die Midem bleibt die Musik-Messe par excellence, auch wenn sie sich vom ‹Deal-Maker› zum ‹Trend-Setter› gewandelt hat. Und wer kann schon dem Charme von Erika, Nadia und Marcel am Schweizer Stand widerstehen?»

Sofern nicht anders vermerkt, Fotos von Erika Weibel und Marcel Kaufmann.

Der Schweizer Gemeinschaftsstand an der Midem wird in Zusammenarbeit organisiert von der Stiftung Phonoproduzierende, der FONDATION SUISA und der SUISA.

Update, 1.3.2016: Der Veranstaltungstermin der Midem 2016 wurde nach Publikation dieses Beitrags verschoben. Die Messe findet vom 3. bis 6. Juni 2016 statt. Die Daten sind im Text korrigiert.

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  1. Nina sagt:

    Hallo!

    Die MIDEM 2016 findet vom 3.-6. Juni 2016 statt, und nicht wie hier steht, vom 28. Juni – 1. Juli 2016 …

    Nina

    • Manu Leuenberger sagt:

      Liebe Nina
      Vielen Dank für den Hinweis. Der Veranstaltungstermin der Midem 2016 wurde nach Publikation dieses Beitrags verschoben. Die neuen Daten haben wir nun im Beitrag ergänzt.
      Manu Leuenberger, Kommunikation SUISA

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Mit Vertretern aus 75 Ländern und drei neuen Länderständen – Südafrika, Israel und Elfenbeinküste – hat die Musikmesse Midem im Jahr 2015 zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Tore im Sommer geöffnet.

Midem2015-OutsideView

Die Midem fand 2015 zum ersten Mal nicht im Winterhalbjahr sondern vom 5. bis 8 Juni statt. (Foto: zVg / Midem.com)

Nachfolgend ein kurzer Vergleich zwischen der Wintermesse 2014 und dem diesjährigen Sommer-Musikanlass anhand einiger Kennzahlen:

Midem 2014 2015
Teilnehmer 6150 5500
Aussteller 1236 1100
Länder 75 75
Länderpavillons 39 35
Konzerte 46 34
Journalisten 185 145
Konferenzen 120 93
(Angaben von Reed Midem)
Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand
Firmen 37 25
Personen 62 41
(Angaben von FONDATION SUISA)

Jubiläum: 50 Jahre Midem

Nächstes Jahr feiert die Midem einen runden Geburtstag – die 50. Midem – félicitations! Was wird sich ändern, was bleibt gleich? Gut informierte Quellen haben bestätigt, dass die Midem mindestens die folgenden fünf Jahre im Sommer im Palais von Cannes stattfinden soll. Zudem soll sie werktags angesetzt werden und lässt somit den Musikbranchenvertretern…Weiterlesen

Präsentation ist Innovation: die vierte Ausgabe der Classical:NEXT

Es war schon ein mutiger Schritt von Veranstalter Piranha Arts, die Classical:NEXT nach zwei Ausgaben vom altehrwürdigen Wiener Parkett an einen neuen Ort zu verlegen. Der Umzug in die Rotterdamer Konzerthalle de Doelen könnte sich aber auch als cleverer Schachzug herausstellen. Denn im Geist der niederländischen Hafenstadt mit ihrer wagemutigen, bunten und modernen Architektur spiegelt sich das Ziel des Musiktreffens anschaulich wieder: die Präsentation aktueller und innovativer Strömungen und Unternehmungen der internationalen Klassik-Szene. Gastbeitrag von Lisa Nolte

Classical-Next-2015-Kaleidoscope-String-Quartet

Beim Showcase des Schweizer Kaleidoscope String Quartets an der Classical:NEXT 2015 blieb unerwartet ein Stuhl leer. Für die kurzfristig zum Streichtrio-Programm umarrangierte Performance gab es begeisterten Applaus. (Foto: Eric van Nieuwland)

Vom 20. bis 23. Mai 2015 hat in Rotterdam die vierte Ausgabe der Musikmesse Classical:NEXT stattgefunden. Seit nun drei Jahren dabei gewesen ist die Schweiz mit ihrem von der FONDATION SUISA mitgetragenen Gemeinschaftsstand. Und wie die gesamte Classical:NEXT mit ihren rund 1000 Teilnehmern, kann auch «Music made in Switzerland» 2015 einen kleinen Rekord verzeichnen: Insgesamt 20 Ensembles, Labels, Veranstalter, Verbände und Stiftungen aus unterschiedlichsten Landesteilen haben den Weg ins De Doelen gefunden – vom Lucerne Festival über die J. S. Bach-Stiftung St. Gallen und die Basler Madrigalisten bis hin zu DC Audio Engineering.

Viel Betrieb am Schweizer Gemeinschaftsstand

Dass sich der etwas weitere Weg bis in die Niederlande immer noch auszahlt, beweisen die Standteilnehmer, die zum wiederholten Mal zur Messe anreisen und die «Pop-up-Büros», die sie sich im Arcadis Zaal im ersten Stock eingerichtet haben, rege für Meetings nutzen. Dass Gastland Kanada seine Zelte gleich neben dem Schweizer Stand aufgeschlagen hat, trägt sicher zu dem gleichmässigen Strom von Laufkundschaft an diesem etwas abgelegen Standort bei. Richtig voll wird es aber erst zum Tradition gewordenen Apéro «Alpine cocktail» von Schweiz und Österreich, der sogar Jasper Renema, den Kulturreferenten der Schweizer Botschaft, ins De Doelen lockt.

Von den Erfahrungen der alteingesessenen C:N-Teilnehmer können indes die Neuzuwächse profitieren. So beschreibt Felix Heri, Co-Geschäftsleiter der Basel Sinfonietta, seine erste Erfahrung hier: «Die Atmosphäre ist sehr speziell. Es ist wahnsinnig viel los und man kann praktisch pausenlos unterwegs sein zwischen Konferenz und Ständen. Für das Netzwerk ist es super, einen Insider wie Etienne Abelin zur Seite zu haben, der als Türöffner helfen kann, Kontakte zu knüpfen.»

Der Violinist Etienne Abelin fügt sich als Mitglied der Showcase-Jury dieses Jahr in die Reihe der Schweizer Aushängeschilder bei der C:N. Er hält die Umlegung der Messe nach Rotterdam für einen guten Schritt: «Klassik wird hier ganz anders gedacht, als das oft in den deutschsprachigen Ländern der Fall ist. Es wird grosser Wert auf eine organische Verbindung von Inhalt, Präsentation und Kommunikation gelegt. Vermittlung ist in gewisser Weise mitgedacht und nicht vom Inhalt getrennt.»

Showcase-Konzerte und Innovation Awards

Dass die Präsentation bei der C:N eine vorrangige Rolle spielt, wird eindrücklich sichtbar in den Showcase-Konzerten: Videokunst, atmosphärisches Bühnenlicht oder Kehlkopfgesag, begleitet von expressiver Bewegungswut kurz vorm Ausdruckstanz bieten dabei nur einige der zahlreichen Reize fürs Auge.

Fast traditionell wirkt zwischen diesen inszenierten Konzerten der Auftritt des Schweizer Kaleidoscope String Quartet – wäre da nicht der Kunstgriff, mit dem die Formation überrascht. Denn in Ermangelung der zweiten Geige musste das Quartett kurzfristig seine Stücke zum Streichtrio-Programm umarrangieren. Dass die drei verbliebenen Musiker es in ihrer Performance dennoch in keinem Moment an Engagement fehlen lassen, wird dafür am Ende mit besonders begeistertem Applaus und Jubelrufen belohnt.

Zu einem letzten Höhepunkt der Schweizer Präsenz 2015 in Rotterdam bei der Abschlussgala wird die Verleihung des ersten Innovation Awards. Dessen Träger kürt die «Classical:NEXT-Community» (wie die Veranstalter gern das Gesamt aller Akkreditierten seit der ersten Messeausgabe nennen) per Online-Abstimmung. Ein erster Platz ging an das Ark Nova-Projekt des Lucerne Festival, das mit einer aufblasbaren Konzerthalle Musik ins erdbeben- und tsunamigeschüttelte Tohoku-Gebiet in Japan brachte. «Innovation kann in jedem Moment und überall entstehen», so Lucerne Festival-Intendant Michael Haefliger, «sie findet statt an den Schnittstellen von Kunst, Gemeinschaft und Zweck.»

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Es war schon ein mutiger Schritt von Veranstalter Piranha Arts, die Classical:NEXT nach zwei Ausgaben vom altehrwürdigen Wiener Parkett an einen neuen Ort zu verlegen. Der Umzug in die Rotterdamer Konzerthalle de Doelen könnte sich aber auch als cleverer Schachzug herausstellen. Denn im Geist der niederländischen Hafenstadt mit ihrer wagemutigen, bunten und modernen Architektur spiegelt sich das Ziel des Musiktreffens anschaulich wieder: die Präsentation aktueller und innovativer Strömungen und Unternehmungen der internationalen Klassik-Szene. Gastbeitrag von Lisa Nolte

Classical-Next-2015-Kaleidoscope-String-Quartet

Beim Showcase des Schweizer Kaleidoscope String Quartets an der Classical:NEXT 2015 blieb unerwartet ein Stuhl leer. Für die kurzfristig zum Streichtrio-Programm umarrangierte Performance gab es begeisterten Applaus. (Foto: Eric van Nieuwland)

Vom 20. bis 23. Mai 2015 hat in Rotterdam die vierte Ausgabe der Musikmesse Classical:NEXT stattgefunden. Seit nun drei Jahren dabei gewesen ist die Schweiz…Weiterlesen

«Schweizer Filmmusik zeigt eine grosse Vielfalt und hohe Qualität»

Die von der FONDATION SUISA herausgegebene Box «Swiss Film Music» bietet mit drei CDs, einer DVD und einem Buch einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Schweizer Filmmusik von 1923 bis 2012. Ein Gespräch mit dem Musik- und Medienwissenschaftler Mathias Spohr, der als künstlerischer Leiter wirkte. Gastbeitrag von Markus Ganz

Mathias-Spohr-Portrait

Mathias Spohr, der künstlerische Leiter der «Swiss Film Music Anthology», ist Musik- und Medienwissenschafter mit Lehraufträgen an den Universitäten Bayreuth, Bern und Wien. (Foto: Markus Ganz)

Filmmusik wird in der Regel kaum beachtet. Wird sie ihrer Meinung nach unterschätzt?
Ja, gerade dann, wenn sie ihre Aufgabe sehr gut erfüllt. Dann nimmt man sie häufig gar nicht richtig wahr, weil man nicht bewusst zuhört ‒ und das ist meistens auch ihre Aufgabe. Umgekehrt nimmt man die Filmmusik häufig wahr, wenn sie nicht so gut passt. Natürlich gibt es Konzeptionen von Filmmusik, die von diesem Prinzip abweichen.

Ist nicht gerade diese Funktionalität der Filmmusik der Grund dafür, dass sie oft geringgeschätzt wird? Denn bedeutet dies nicht auch, dass die Filmmusik ohne die Bilder nicht wirken würde?
Nein, in dieser Anthologie ist viel Filmmusik ohne Film vertreten, und ich finde nicht, dass sie an Wirkung verliert. Bei einigen Stücken muss man nachlesen, in welchem Zusammenhang sie stehen. Aber die Musik wirkt auch so, und man merkt, wie sie gedacht ist. Man nimmt strukturelle Eigenschaften und die Komplexität mancher Filmmusik sogar besser wahr ohne Film; dort verschmilzt beides.

Kann man die Qualität der Filmmusik an sich also ohne die Bilder besser wahrnehmen?
Ja, aber es kommt sehr auf die Art der Musik an. Es gibt Filmmusik, die sich nicht vom Bild trennen lässt, und es gibt solche, die man sich sehr gut ohne Film anhören kann.

Sie haben zu den drei CDs dieser Anthologie eine DVD hinzugefügt, die auch die Bilder zur Musik dieser Beispiele bietet. Was waren die Kriterien für die DVD-Auswahl?
Bei einigen Beispielen ist die Abstimmung der Musik aufs Bild entscheidend, um ihre Qualität wahrnehmen zu können. Dies gilt besonders für Trickfilme und Werbefilme, wo in wenigen Sekunden etwas vermittelt werden muss. Wir beschränkten uns bei der DVD zudem auf Kurzfilme, die wir als Ganzes bringen konnten, so dass stets auch die Gesamtkonzeption der Musik erkenntlich wird. Mit Kurzfilmen ist es leichter, das Zusammenwirken von Musik und Bild zu vermitteln, als mit Ausschnitten, die aus einem unbekannten Zusammenhang stammen.

Wie kam dieses aufwändige Projekt zustande?
Die FONDATION SUISA wollte im Rahmen ihrer Anthologien etwas über Schweizer Filmmusik machen. Wir diskutierten viele Umsetzungsmöglichkeiten, denn es ist ein kompliziertes Feld. Es gibt keinen Stil und kein Genre «Filmmusik», da alle Arten von Musik dafür verwendet werden, es gibt auch nur wenige wissenschaftliche Werke, die sich mit Schweizer Filmmusik auseinandergesetzt haben. Es wurde dann entschieden, dass unsere Anthologie die Geschichte der Schweizer Filmmusik zeigen soll. Daraufhin wurde eine Arbeitsgruppe formiert, die hauptsächlich aus Musik- und Filmwissenschaftlern bestand, plus je zwei Vertreter der FONDATION SUISA und der Cinémathèque Suisse. Man traf sich mehrmals und arbeitete ein Konzept aus.

Wie haben die beteiligten Fachleute die Beispiele ausgesucht?
Wir arbeiteten mit einem Kriterienkatalog, der sehr unterschiedliche Aspekte umfasste. Der Schwerpunkt sollte auf Schweizer Filme und Schweizer Sujets gelegt werden, aber nicht ausschliesslich. Auch ausländische Filme, die von Schweizer Komponisten vertont wurden, sollten berücksichtigt werden.

Und dann wurde in den Archiven gesucht?
Ja, ich etwa war für historische Beispiele häufig in den Archiven der Zentralbibliothek Zürich oder der Paul-Sacher-Stiftung in Basel, die Musikpartituren von Filmen besitzen. In den meisten Fällen gibt es aber keine Noten mehr, weil sich die Kreation von Musik in den letzten 30 Jahren stark auf den Computer verlagert hat.

Aber ging es nicht um konkrete Aufnahmen?
Doch, aber wir wollten im Buch auch Notenbeispiele zeigen und brauchten sie als Grundlage für die Kommentare. Für die Aufnahmen gibt es viele Archive, in denen wir gesucht haben, etwa das Medieninformationszentrum der ZHdK und die Cinémathèque Suisse.

Was hat Sie am meisten überrascht beim ersten Durchhören des gesamten Materials?
Die grosse Vielfalt und eine hohe Qualität, und zwar von Beginn bis heute. Dies zu zeigen, war meine Motivation, zumal dies kaum bekannt ist.

Wie zeigt sich diese Vielfalt? Sie schreiben im Begleitbuch, dass Sie nichts spezifisch Schweizerisches in der Filmmusik entdeckt hätten.
Hier spielt sicherlich eine Rolle, dass in der Schweiz drei Sprachregionen zusammenkommen. Dies führt zu Kontakten im gleichsprachigen Ausland; Berlin, Paris oder die italienische Cinecittà haben als Produktionsorte auch für die Schweiz eine Bedeutung.

Haben Sie auffallende Unterschiede zur Filmmusik in anderen Ländern festgestellt, die ja teilweise viel grössere und deshalb spezialisierte Filmszenen kennen?
Ein grundsätzlicher Unterschied rührt daher, dass die Schweiz nicht zentralistisch ist. Im Ausland gibt es für viele Bereiche grosse Zentren ‒ die eine entsprechende Sogwirkung haben. In der Schweiz hingegen können sich kleine Nischen besser behaupten. Vielen Produkten, nicht nur Filmen und Filmmusik, sieht man an, dass sie aus einer Nischenkultur stammen, die nicht von einem Zentrum aufgesogen wird.

Hat vielleicht gerade dies zur grossen Vielfalt beigetragen?
Ja, dies hängt sicherlich damit zusammen.

Werbe-Jingles sorgen wegen ihres kommerziellen Charakters oft für ein Naserümpfen. In der Anthologie fallen allerdings frühe Beispiele auf, deren Musik überraschend modern klingt ‒ wie erklären Sie sich diese Offenheit?
In der Zeit der ersten TV-Werbespots hatte man noch nicht so viel Erfahrung mit dieser Art von Werbung: Man liess die Musiker machen, gab ihnen die Freiheit, zu experimentieren. Heute reden viel mehr Leute mit, auch weil das Risiko gewachsen ist. Aber wenn es dem Produkt nützt, ist auch heute sehr viel möglich.

Die Anthologie reicht bis 1923 zurück. Haben Sie markante Wendepunkte festgestellt, bei denen sich die Musik oder der künstlerische Zugang zur Vertonung verändert hat?
Es gibt natürlich Modeerscheinungen. Viele Veränderungen sind aber auch auf technische Grundlagen zurückzuführen. Zu Beginn des Tonfilms musste die Musik bei den Dreharbeiten parallel zum Dialog eingespielt werden. Diese Musik ist zwangsläufig anders, als wenn man sie separat auf Tonband aufnehmen kann, wie dies später erst möglich wurde. Eine völlig neue Situation ist mit dem Heimstudio entstanden, in dem man ohne grossen technischen Aufwand zuhause Musik schaffen und aufnehmen kann, zunächst mit dem Tonband, später mit dem Computer. Auch die Videotechnik vereinfachte sich. Wichtig war etwa die Neuerung, dass man Bild und Ton auf demselben Träger aufnehmen und bearbeiten kann. All dies hat die Filmmusik beeinflusst, natürlich auch die Medien von Radio, TV, Kino bis zum Internet.

Überraschend früh wurden schon elektronische Instrumente eingesetzt …
Ja, schon in der Stummfilmzeit gab es das Russolophon, mit dem man Geräusche machen konnte, später kamen die Ondes Martenot hinzu.

Diese wurden bereits in den 1920er Jahren in der Filmmusik eingesetzt. Das ist sehr früh, wenn man bedenkt, dass sich elektronische Instrumente erst sehr viel später breit durchsetzen konnten …
Ja, dies war von Anfang an problemlos möglich. Es scheint mit dem Medium Film zusammenzuhängen, dass man offener gegenüber dem Einsatz von neuer Technik war. Arthur Honegger setzte die Ondes Martenot mehrmals ein, sowohl als Solo- wie als Orchesterinstrument, wie man am Beispiel «L’Idée» gut hören kann. Er verlangte provokativ, dass die elektronischen Instrumente ins Sinfonieorchester aufgenommen werden ‒ was bis heute höchstens für einzelne Projekte geschehen ist.

Was ist ihnen wichtig nach Abschluss dieser grossen Arbeit?
Am Herzen liegt mir, dass das „Kapitel Filmmusik“ nicht als erledigt betrachtet wird. Ich verstehe diese Anthologie als Anfangspunkt und als gute Voraussetzung, um sich weiter mit Filmmusik zu beschäftigen. Ich könnte mir etwa vorstellen, dass die zur Anthologie eingerichtete Website die Grundlage für eine Art Filmmusik-Wiki wird, zu der alle Interessierten etwas beitragen können.

«Swiss Film Music Anthology 1923 – 2012». Box mit drei Audio-CDs, einer DVD und einem 400-seitigen Buch in deutscher, französischer, italienischer und englischer Sprache. Hrsg. Mathias Spohr im Auftrag der FONDATION SUISA (Chronos Verlag, ISBN 978-3-0340-1265-2, 69 Franken).
Swiss-Film-Music-Anthologie

Die «Swiss Film Music Anthology 1923 – 2012» ist im Buch- und Handel erhältlich oder kann über die Website www.swissfilmmusic.ch bestellt werden. (Foto: zVg)

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Die von der FONDATION SUISA herausgegebene Box «Swiss Film Music» bietet mit drei CDs, einer DVD und einem Buch einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Schweizer Filmmusik von 1923 bis 2012. Ein Gespräch mit dem Musik- und Medienwissenschaftler Mathias Spohr, der als künstlerischer Leiter wirkte. Gastbeitrag von Markus Ganz

Mathias-Spohr-Portrait

Mathias Spohr, der künstlerische Leiter der «Swiss Film Music Anthology», ist Musik- und Medienwissenschafter mit Lehraufträgen an den Universitäten Bayreuth, Bern und Wien. (Foto: Markus Ganz)

Filmmusik wird in der Regel kaum beachtet. Wird sie ihrer Meinung nach unterschätzt?
Ja, gerade dann, wenn sie ihre Aufgabe sehr gut erfüllt. Dann nimmt man sie häufig gar nicht richtig wahr, weil man nicht bewusst zuhört ‒ und das ist meistens auch ihre Aufgabe. Umgekehrt nimmt man die Filmmusik häufig wahr, wenn sie nicht so gut passt.…Weiterlesen

Bühne frei für Schweizer Musik in Hamburg, Wien und Paris

Wer vertritt die Schweiz dieses Jahr am Reeperbahn Festival in Hamburg, am Waves Vienna oder am MaMA-Event in Paris? Schweizer Musikschaffende können sich für einen Auftritt an den Festivals bewerben oder von den Förderaktivitäten der FONDATION SUISA und von Swiss Music Export profitieren. Text von Marcel Kaufmann, FONDATION SUISA, und Erika Weibel

Reeperbahn-MaMA-Waves-Logos

Die FONDATION SUISA unterstützt die Schweizer Pop/Rock-Szene mit Förderaktivitäten am Reeperbahn Festival, Hamburg, beim MaMA-Event in Paris und am Waves Vienna. (Bild: Manu Leuenberger, Logos: zVg)

Einige Schweizer Bands haben es schon geschafft, an bedeutenden Events der europäischen Pop-/Rock-Szene im offiziellen Programm aufzutreten oder einen Showcase spielen zu dürfen. Diese Auftritte vor einem grossen Publikum, darunter viele Musikbranchenfachleute, können Türen und Tore zum internationalen Musikgeschäft öffnen.

Nutzen auch Sie die Gelegenheit und bewerben Sie sich um einen Gig am Reeperbahn Festival in Hamburg, beim MaMA-Event in Paris 2015 oder am Waves Vienna.

Selbstverständlich kann man auch ohne Auftritt von diesen Festivals profitieren. Ausgezeichnete Networking-Gelegenheiten sowie viele nützliche Informationen und spannende Konzerte erwarten Sie an den folgenden Daten in folgenden Städten:

Reeperbahn Festival, Hamburg, 23.-26. September 2015
Waves Vienna, Wien, 30. September – 4. Oktober 2015
MaMA-Event, Paris, 14.-16. Oktober 2015

Die FONDATION SUISA und Swiss Music Export unterstützen die interessierten Vertreterinnen und Vertretern der Schweizer Pop/Rock-Szene an den erwähnten diesjährigen Festivals mit Förderaktivitäten. Dazu gehören neben dem «Swiss Business Mixer», dem etablierten Schweizer Networking-Event, natürlich auch wieder vergünstigte Akkreditierungen über den Schweizer Promo-Code.

Weitere Angaben über die Förderaktivitäten und zur Akkreditierung finden Sie ab Sommer auf den Websites:

www.fondation-suisa.ch/reeperbahn-festival (Informationen ab Ende Juli verfügbar)
www.fondation-suisa.ch/mama-event (Informationen ab Ende August verfügbar
www.swiss-music-export.com

Wenn Sie per Mail über die Förderaktivitäten der FONDATION SUISA im Rahmen internationaler Messen und Musik-Events auf dem Laufenden gehalten werden möchten, schreiben Sie uns an: messen(at)fondation-suisa(dot)ch

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Reeperbahn-MaMA-Waves-Logos

Die FONDATION SUISA unterstützt die Schweizer Pop/Rock-Szene mit Förderaktivitäten am Reeperbahn Festival, Hamburg, beim MaMA-Event in Paris und am Waves Vienna. (Bild: Manu Leuenberger, Logos: zVg)

Einige Schweizer Bands haben es schon geschafft, an bedeutenden Events der europäischen Pop-/Rock-Szene im offiziellen Programm aufzutreten oder einen Showcase spielen zu dürfen. Diese Auftritte vor einem grossen Publikum, darunter viele Musikbranchenfachleute, können Türen und Tore zum internationalen Musikgeschäft öffnen.

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Schweizer Gemeinschaftsstand an der Womex 2015 in Budapest

Die Womex findet dieses Jahr vom 21. bis 25 Oktober in Budapest statt. An der weltweit grössten Musikmesse für Folk und World Music versammeln sich seit mehr als 20 Jahren Musiker, Booker, Manager und Vertreter von Labels oder Verlagen aus der ganzen Welt. Sie können beim Geschäftstreffen der Folk- und World-Music-Szene mit dabei sein: Für Teilnehmende aus der Schweiz bieten die FONDATION SUISA und Pro Helvetia den Schweizer Gemeinschaftsstand an.

Womex-2014-Showcase-Audience

Tagsüber ein Geschäftstreffen, am Abend ein Musikfest der Folk- und World Music: Begeistertes Publikum an einem der vielen abwechslungsreichen Showcase-Konzerte an der Womex 2014. (Foto: Jacob Crawfurd / Womex.com)

Allen Schweizer Vertreterinnen und Vertretern der traditionellen und ethnischen Musik bieten die FONDATION SUISA und Pro Helvetia den Schweizer Gemeinschaftsstand an der Womex 2015 in Budapest an. Als Mitaussteller am Gemeinschaftsstand können Sie von folgenden Vorteilen profitieren:

  • Vergünstigte Akkreditierung: Sie können sich zum ermässigten Preis für die weltweit grösste Musikmesse für Folk und World Music akkreditieren.
  • Büro an der Womex: Die Infrastruktur des Schweizer Gemeinschaftsstands steht Ihnen zur freien Benutzung zur Verfügung.
  • Schweizer Apéro: Nutzen Sie den Schweizer Stand-Apéro für Networking mit Ihren Geschäftspartnern.
  • Persönlicher Service: Sie werden von einem erfahrenen und engagierten Stand-Team unterstützt.

Business am Tag …

Tagsüber findet in den Messehallen der Womex jeweils das grosse jährliche Geschäftstreffen der Folk- und World-Music-Szene statt. Im informellen Ambiente werden Visitenkarten, CDs und Weblinks ausgetauscht. Konzertbooker, Verleger und Labels sind auf der Suche nach herausragenden Acts. Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Kontinenten und Stilrichtungen treffen aufeinander und gründen gemeinsame Projekte.

Die Atmosphäre ist trotz dem geschäftigen Treiben entspannt: Bei Bier, Pisco Sour, Vodka, Wein oder arabischem Kaffee werden Angebote unterbreitet und begutachtet, Deals abgeschlossen oder persönliche Gedanken über Musik und Geschäft erörtert.

… Musikfest am Abend

Jeden Abend wird die Womex zu einem Musikfest: Bands mit in unseren Breitengraden selten gehörten Instrumenten aus Asien, Formationen mit 15 Bläsern aus Mittelamerika oder Folk aus Skandinavien wechseln sich ab mit Fado, Afrobeat und unterschiedlichsten Crossover-Variationen.

Die Konzerte sind immer rege besucht. Die Vertreter von Labels, Verlagen und Festivals lassen sich von den Acts inspirieren. Musikjournalisten verfolgen gespannt die Trends. Interessierte und Musikbegeisterte können sich von den nicht alltäglichen, abwechslungsreichen Darbietungen fesseln lassen. Auch Erika Stucky und die Berner Band Da Cruz haben an der Womex bereits das Publikum begeistert. Als Schweizer World- oder Folkmusiker ist es unbedingt einen Versuch wert, sich um einen Auftritt im Showcase-Programm zu bewerben.

Praktische Tipps für den Besuch der Musikfachmesse

Sie sind im World- oder Folkmusik-Genre tätig und haben einen Besuch an der Womex ins Auge gefasst? Hier haben wir ein paar Ratschläge für einen erfolgreichen Messebesuch zusammengefasst:

Wenn Sie Musik verkaufen …

  • Beachten Sie, dass Sie ein «pfannenfertiges» Produkt anbieten und präsentieren können. «Pfannenfertig» heisst zum Beispiel: eine Band, die tourneebereit ist, und über eine Website, Promomaterial und professionell aufgenommenen Songs verfügt.
  • Loggen Sie sich auf der virtualWOMEX-Website ein. Über diese Website können Sie vorab Meetings mit den für Sie interessanten Businesspartnern vereinbaren. Vereinbaren Sie die Geschäftstermine rechtzeitig, das heisst: spätestens 2 Wochen vor der Messe.
  • Versuchen Sie frühzeitig, Ihre Band bei einem Womex-Showcase zu platzieren.

Wenn Sie Musik einkaufen …

  • Benutzen Sie auch als «Einkäufer» die virtualWOMEX-Plattform zur rechtzeitigen Vereinbarung Ihrer Geschäftstermine.
  • Viele Showcase-Konzerte überlappen sich. Es empfiehlt, das Programm schon vorher gründlich zu studieren, damit man weiss, was man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen will.

Warum sollte ich an die Womex?

Die wichtigsten Kennzahlen von der Womex 2014 sind überzeugende Argumente:

  • 2400 Delegierte und 1470 Firmen aus über 90 Ländern
  • 950 Konzert- und Festivalbooker und Tour-Promoter
  • 450 Label, Verleger und Distributoren
  • 500 Booking agents, 400 Manager and 250 Produzenten
  • 200 internationale Musikjournalisten
  • mehr als 60 Showcase Acts mit 320 Künstlern auf 7 Bühnen
  • virtualWOMEX – your online gateway to the global music community

Kommen Sie nach Budapest und profitieren auch Sie von der nächsten Womex, der weltweit grössten und wichtigsten Messe für alle Arten von Weltmusik, darunter Ethno, Traditional oder Folk.

Die Kosten des Schweizer Gemeinschaftsstands werden getragen von der FONDATION SUISA, in Zusammenarbeit mit Pro Helvetia und der SUISA.

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Die Womex findet dieses Jahr vom 21. bis 25 Oktober in Budapest statt. An der weltweit grössten Musikmesse für Folk und World Music versammeln sich seit mehr als 20 Jahren Musiker, Booker, Manager und Vertreter von Labels oder Verlagen aus der ganzen Welt. Sie können beim Geschäftstreffen der Folk- und World-Music-Szene mit dabei sein: Für Teilnehmende aus der Schweiz bieten die FONDATION SUISA und Pro Helvetia den Schweizer Gemeinschaftsstand an.

Womex-2014-Showcase-Audience

Tagsüber ein Geschäftstreffen, am Abend ein Musikfest der Folk- und World Music: Begeistertes Publikum an einem der vielen abwechslungsreichen Showcase-Konzerte an der Womex 2014. (Foto: Jacob Crawfurd / Womex.com)

Allen Schweizer Vertreterinnen und Vertretern der traditionellen und ethnischen Musik bieten die FONDATION SUISA und Pro Helvetia den Schweizer Gemeinschaftsstand an der Womex 2015 in Budapest an. Als Mitaussteller am Gemeinschaftsstand können Sie von folgenden…Weiterlesen

«Der Preis der FONDATION SUISA 2015 gibt uns einen Schub für die Zukunft!»

Das Duo Aliose erhält den diesjährigen Preis der FONDATION SUISA für seine herausragenden Leistungen im musikalischen Genre «Musique de variété». Seit dem Erscheinen ihres Debütalbums 2009 haben Aliose mehr als 250 Konzerte, davon ein Drittel ausserhalb der Schweiz, gespielt. Begegnet sind sich Alizé Oswald und Xavier Michel vor über 10 Jahren bei einem Workshop für Autoren, Komponisten und Interpreten. Die Preisträgerin und der Preisträger haben uns schriftlich Auskunft über ihre Musik, das Komponieren, den Preisgewinn und ihr nächstes Album gegeben. Text/Interview von Marcel Kaufmann, FONDATION SUISA, und Manu Leuenberger

Aliose

«Seit drei Jahren ist die Musik, vor allem dank Aliose, unsere wichtigste Einnahmequelle. Die Urheberrechte sind ein wesentlicher Teil davon.» Alizé Oswald und Xavier Michel, Gewinner des Preises der FONDATION SUISA 2015, sind seit 2005 respektive 2006 bei der SUISA angemeldet. (Foto: Amélie Blanc)

Alizé, Xavier, ihr seid sowohl Komponisten als auch Interpreten eurer eigenen Musik. Mit dem Preis der FONDATION SUISA werdet ihr für eure Leistungen als Komponisten und Textautoren geehrt. Welchen Stellenwert nimmt das Komponieren bei Aliose ein?
Alizé & Xavier: Die Komposition und die Texte sind uns sehr wichtig. Auch wenn manche Titel das Ergebnis einer Zusammenarbeit sind (mit Fabien Bœuf, Patrice Genet, Stéphane Gonnu), schreiben wir doch den grössten Teil des Repertoires von Aliose selber. Der kreative Prozess ist uns ein grosses Anliegen. Wir texten in unserer Muttersprache Französisch – der Sprache unseres Herzens. Sie ist facettenreich und anspruchsvoll, vor allem wenn es darum geht, sie musikalisch umzusetzen. Es ist die Sprache, in der wir unsere Botschaften und Gefühle ehrlich ausdrücken können, auch wenn das Publikum vielleicht kein Französisch versteht. Unsere Erfahrungen im Ausland, insbesondere in Asien und in Südamerika, waren überraschend gut und motivierend: Die Leute verstehen nicht unbedingt, was wir singen, aber sie lassen sich berühren und fühlen die Emotionen, die wir über die Musik vermitteln möchten. Deshalb sind uns die Melodien wichtig, wogegen sie in gewissen Strömungen der heutigen «chanson française» keine vorrangige Rolle mehr spielen. Für uns bleiben Musik und Text im Vordergrund. Wir freuen uns immer wieder riesig aufs gemeinsame Schreiben und Komponieren, obwohl das nicht einfach ist – aber spannend!

Ihr arbeitet im Duo. Wie funktioniert eure Zusammenarbeit beim Komponieren?
Alizé & Xavier: Wir schreiben beide gern, und wir komponieren beide gern. Im Gegensatz zu vielen anderen Duos, die methodisch vorgehen und die Rollen klar definieren, gibt es bei uns keine Regeln. Alle Möglichkeiten sind offen: Manchmal schreibt einer den Text, der andere die Musik, oft ist es umgekehrt. Es kommt auch vor, dass wir nur für den Text oder nur für die Musik zusammenarbeiten. Hin und wieder schreiben wir alles, Text und Musik, gemeinsam. Und genau das ist vermutlich unser Plus, weil wir jeweils beim anderen nichts durchgehen lassen und keine Schwächen akzeptieren. Die Ansprüche sind bestimmt höher, als wenn man allein arbeitet. Bei Xavier ist die literarische, bei Alizé die musikalische Ader etwas stärker ausgeprägt. Wir ergänzen uns bestens, das ist schön. Wir arbeiten aber auch oft allein oder mit anderen Autoren und Komponisten.

Ihr schreibt auch regelmässig Musik für andere Künstler. Wie kam es dazu?
Xavier: Ehrlich gesagt, was mich betrifft, so schrieb ich früher lieber für andere Künstler. Ich sah mich mehr als Textautor (und später als Komponist) denn als Interpret. Dann begann ich, auf der Bühne meine eigenen Chansons zu interpretieren. Doch das Meiste, das ich schreibe oder komponiere, ist für andere Künstler bestimmt (Maria Mettral (und Thierry Romanens), Au hasard des faubourgs, Terre des hommes Valais, Mélanie René usw.), auch wenn die Projekte nicht immer zustande kommen … Ich mag es auch, ein Lied für Aliose zu schreiben, das Alizé dann allein singt.
Alizé: Ich hatte mir früher nie vorgestellt, dass ich eines Tages für andere Künstler schreiben würde. Ich begann sehr zaghaft damit, nur für einige wenige Personen. Dann aber freute ich mich sehr, für das Album von Maria Mettral schreiben zu dürfen. Ich finde das wunderbar, in eine andere Haut zu schlüpfen und zu versuchen, für den Künstler, der uns diese Arbeit anvertraut, die passenden Worte zu finden. Neben Aliose arbeite ich am liebsten mit Arthur Le Forestier (Sohn von Maxime Le Forestier). Wir befassen uns von Anfang an gemeinsam mit den Texten und der Musik, bis die Chansons fertig sind. Das finde ich extrem bereichernd und interessant.

Was unterscheidet die Musik, die ihr selber spielt, von jener, die ihr für andere Musikerinnen und Musiker komponiert?
Xavier: Meine Möglichkeiten als Interpret sind ziemlich beschränkt. Ich schreibe gerne Stücke, die ich aber nicht singen kann, weil deren unterschiedliche Stile nicht zu mir passen. Wie zum Beispiel die Musikkomödie «Au hasard des faubourgs», die seit Oktober 2014 läuft. Das wäre nichts für mich. Ich schreibe zudem gern für «grosse Stimmen». Ich selbst mag zwar eine charakteristische Stimme haben, doch sie ist begrenzt. In der Komposition gibt es keine Grenzen! Wichtig ist, der jeweiligen Person die Musik «auf den Leib» zu schreiben. Das ist schwierig, aber faszinierend. Dasselbe gilt für die Texte: Jedes Wort sollte zum Interpreten passen. Für andere können wir Texte schreiben, die wir selbst nie singen könnten. Das ist eine grosse Freiheit. Dennoch braucht es die HandschriftAliose von Aliose – häufig erkennen die Leute unseren Stil, auch wenn wir für andere schreiben.
Alizé: Wenn ich für jemand anderen schreibe, komme ich mir wie eine Stylistin vor, die ein schönes Mannequin kleiden muss. Keine Stylistin wird dieselben Kleider tragen, die sie für ihr Mannequin entworfen hat. Natürlich habe ich eine eigene Handschrift, vor allem bei den Melodien. So erkennt man meinen «Stempel» wie man jenen von Coco Chanel oder von Jean-Paul Gaultier erkennt – auf einem anderen Niveau, natürlich!

Als Komponisten seid Ihr auch Mitglied bei der SUISA. Welchen Nutzen hat die Mitgliedschaft für Euch?
Alizé & Xavier: Seit drei Jahren ist die Musik, vor allem dank Aliose, unsere wichtigste Einnahmequelle. Die Urheberrechte sind ein wesentlicher Teil davon. Viele unserer Stücke werden regelmässig genutzt. Es wäre uns kaum möglich, alle Vergütungen aus Radio- und Fernsehsendungen, Konzerten, Reproduktionen in der Schweiz und im Ausland selber einzutreiben. Geht man professionell vor, dann kommen noch die Aspekte rund um die Sozialleistungen, Vorsorgebeiträge usw. ins Spiel, die ja auch wichtig sind.

Was bedeutet es Euch, dass Ihr mit dem Preis der FONDATION SUISA ausgezeichnet werdet?
Alizé & Xavier: Das ist eine grosse Ehre für uns, und wir freuen uns über die Auszeichnung, die ja gleichzeitig eine Ermunterung ist. Unser Beruf ist spannend, und wir sind uns bewusst, dass wir Glück haben, von unserer Musik leben zu können. Allerdings bedeutet das enorm viel Arbeit, ein unsicheres Einkommen, ein komplexes Management und ein leider wenig anerkannter Status. Das ist manchmal entmutigend. Der Preis sagt uns: «Bleibt dran, eure Arbeit wird geschätzt, ihr arbeitet nicht für die Katz‘, ihr leistet einen Beitrag zur Schweizer Kultur.» Das ist uns sehr wichtig. Seit einigen Jahren sind wir in der Westschweiz sehr aktiv und der Preis gibt uns den nötigen Auftrieb, um weiterzumachen, unsere Bemühungen zu verstärken und auch die Deutschschweiz und vielleicht auch das Tessin anzusprechen. Wir bedauern, dass es zwischen den Sprachregionen kulturelle Barrieren gibt, und freuen uns im Gegenzug über alle Begegnungen und alle Arten der Zusammenarbeit, von Zedrus, über Bastian Baker und die Rambling Wheels, bis hin zu Greis, wobei wir uns hier mal nur auf die Schweizer beschränken. Wenn wir da einige Brücken bauen können, sind wir froh. In diesem Sinne bedeutet uns der Preis der FONDATION SUISA 2015 viel und gibt uns einen Schub für die Zukunft!

Im April habt Ihr in Paris an eurem neuen Album gearbeitet. Könnt ihr uns schon etwas dazu verraten?
Alizé & Xavier: Ein Duo mit Paul McCartney! Nein, Spass beiseite: Wir arbeiten seit einiger Zeit am dritten Album von Aliose, das grösstenteils in einem Pariser Studio aufgenommen wird. Leider ist es grad noch ein klein bisschen zu früh, um irgendwelche Scoops vermelden zu können, da einiges noch unklar ist. Das Einzige, was wir jetzt schon sagen können: Bis jetzt haben wir alles selber über unsere Produktionsfirma Biinôme gemacht. Das könnte nun ändern. Vielleicht finden wir für dieses Album einflussreiche Partner, damit es hoffentlich nicht nur in der Schweiz, sondern auch jenseits unserer Landesgrenzen veröffentlicht werden kann.

www.fondation-suisa.ch/preis-der-stiftung
www.aliose.ch

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  1. Musy Jean-François sagt:

    Félicitations les jeunes !
    Nous allons sortir les massues pour fêter ça !!!
    Croc Magnon
    Nax City

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Das Duo Aliose erhält den diesjährigen Preis der FONDATION SUISA für seine herausragenden Leistungen im musikalischen Genre «Musique de variété». Seit dem Erscheinen ihres Debütalbums 2009 haben Aliose mehr als 250 Konzerte, davon ein Drittel ausserhalb der Schweiz, gespielt. Begegnet sind sich Alizé Oswald und Xavier Michel vor über 10 Jahren bei einem Workshop für Autoren, Komponisten und Interpreten. Die Preisträgerin und der Preisträger haben uns schriftlich Auskunft über ihre Musik, das Komponieren, den Preisgewinn und ihr nächstes Album gegeben. Text/Interview von Marcel Kaufmann, FONDATION SUISA, und Manu Leuenberger

Aliose

«Seit drei Jahren ist die Musik, vor allem dank Aliose, unsere wichtigste Einnahmequelle. Die Urheberrechte sind ein wesentlicher Teil davon.» Alizé Oswald und Xavier Michel, Gewinner des Preises der FONDATION SUISA 2015, sind seit 2005 respektive 2006 bei der SUISA angemeldet. (Foto: Amélie…Weiterlesen