Analyse der Jahresrechnung 2014 der SUISA: Der Markt zwischen Mythos und Realität

Soeben hat die SUISA ihren Jahresbericht 2014 veröffentlicht und wird an ihrer Generalversammlung vom 19. Juni 2015 die Jahresrechnung erläutern. 2014 betrugen die Tarifeinnahmen aus der Schweiz und aus Liechtenstein 130,3 Millionen Franken. Somit liegt der Betrag höher als in den vergangenen Jahren. Liest man die Zahlen oberflächlich, könnten in Bezug auf den Zustand des Schweizer Marktes falsche Schlüsse gezogen werden. Eine Detailanalyse ist sinnvoll, damit wir zwischen Mythos und Realität unterscheiden können. Text von Vincent Salvadé

SUISA-Jahresbericht-2014

Der Jahresbericht 2014 der SUISA ist am 28.5.2015 erschienen. (Bild: Crafft Kommunikation AG)

Während die Musikindustrie die Piraterie und die «Gratis-Mentalität» anprangert, steigen die Einnahmen der SUISA: Wie ist das möglich?
Das gute Ergebnis 2014 ist grundsätzlich auf zwei Faktoren zurückzuführen. Erstens auf die im Juli 2014 getroffene Vereinbarung zur Nutzung privat kopierter Musik auf Smartphones. Diese setzte einem mehrjährigen Konflikt ein Ende und führte zu einer rückwirkenden Entschädigung für die Zeit vom 1. Juli 2010 bis zum 31. Dezember 2014. Diese Vergleichszahlung beläuft sich auf rund 3,6 Millionen Franken, wovon 2,8 Millionen Franken die Jahre vor 2014 betreffen. Zweitens bewirkten mehrere Streitfälle mit Privatradios, dass wir letztes Jahr Vergütungen für frühere Jahre in Rechnung stellen konnten. Dies erklärt – zumindest teilweise – die deutlich höheren Einnahmen aus dem Gemeinsamen Tarif S (11,4 Mio. Franken im Jahr 2014 gegenüber 9,4 Mio. im Vorjahr). Auch hier sollte man den «rückwirkenden Wert» berücksichtigen, bevor man aus der Marktentwicklung 2014 Schlüsse zieht.

Die SUISA nahm 2014 18,7 Mio. Franken aus Konzerten ein, gegenüber 21,9 Mio. Franken im Jahr 2013. Bricht der Konzertmarkt zusammen?
Die Antwort lautet: Nein. 2013 hatte die SUISA einige Anlässe in Rechnung gestellt, die eigentlich im Jahr 2012 hätten bearbeitet werden müssen. Aus verschiedenen Gründen geschah dies aber nicht, sodass der Betrag aus dem Jahr 2013 teilweise auf diese rückwirkenden Zahlungen zurückzuführen ist. Die Konzerteinnahmen entsprachen 2014 unseren Erwartungen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich der Konzertmarkt auf einem hohen Niveau hält.

Wie sieht es mit der Tonträgerindustrie aus?
Auch hier könnten die Angaben für 2014 täuschen: Wir haben 2,5 Mio. Franken aus Ausland-Lizenzierungen eingenommen (für Verkäufe in der Schweiz), gegenüber 2,3 Mio. Franken im Jahr 2013. Das bedeutet nicht, dass die Tonträgerverkäufe zugenommen haben. Es ist vielmehr so, dass unsere Schwestergesellschaften im Ausland uns die Vergütungen für die Schweiz unregelmässig überweisen. Deshalb ist ein Vergleich zwischen den Jahren aufgrund dieser Zahlen kaum möglich. Will man die Situation auf dem Tonträgermarkt genauer erfassen, ist es besser, sich auf die Lizenzen zu beziehen, die die SUISA direkt für die Schweiz abgegeben hat. Und hier verzeichnen wir einen Rückgang von rund 20 % (von ca. 2,5 Mio. Franken im Jahr 2013 auf ca. 2 Mio. Franken im Jahr 2014). Die Verkäufe der physischen Datenträger brechen also weiterhin ein.

Und nun zum Online-Bereich: Überholt das Streaming demnächst den Download?
In Bezug auf die Jahresrechnung 2014: Nein. Wir stellten für den Download 4,6 Mio. Franken (gegenüber 4,3 Mio. Franken ein Jahr zuvor) und für das Streaming 1,5 Mio. Franken (gegenüber 315 000.– Franken im Jahr 2013) in Rechnung. Doch auch diese Zahlen müssen näher betrachtet werden, denn die Angaben zum Download umfassen auch die Einnahmen aus den paneuropäischen Lizenzierungen der SUISA. Früher erteilte die SUISA nur Lizenzen für die Schweiz und für Liechtenstein. Das bedeutet, dass die Zunahme der Einnahmen eher mit der Zunahme der Lizenzierungs-Gebiete zusammenhängt als mit einer erhöhten Nachfrage nach Download-Angeboten. Daneben hat sich das Streaming enorm entwickelt (+ 362 %). Auch wenn der Download in der Schweiz sich heute noch auf einem hohen Niveau bewegt, ist doch damit zu rechnen, dass es früher oder später wie in anderen Ländern vom Streaming überholt wird.

Lassen sich aus der Jahresrechnung 2014 der SUISA weitere Schlüsse ziehen?
Im audiovisuellen Bereich sind die neuen Systeme des digitalen Fernsehens deutlich im Vormarsch. Sie ermöglichen nicht nur die Übertragung von hunderten Programmen, sondern bieten auch die Möglichkeit des «Catch-up TV». Das zeitversetzte Fernsehen ermöglicht dem Zuschauer, innert einer bestimmten Frist sämtliche Programme nachträglich anzuschauen. Die Jahresrechnung 2014 der SUISA zeigt, wie gut das Publikum auf diese neuen Systeme anspricht: Wir verzeichnen eine Steigerung der Einnahmen aus der Verbreitung von Sendungen (GT 1: von 15,9 Mio. Franken im Jahr 2013 auf 16,8 Mio. Franken ein Jahr später) sowie jener aus dem GT 12 einschliesslich des «Catch-up TV» (von 920 000.– Franken im Jahr 2013 auf 1,3 Mio. Franken im Jahr 2014) . Das Gesetz bestimmt, dass die Rechte auf diesem Gebiet von den Verwertungsgesellschaften wahrgenommen werden müssen (was das «Catch-up TV» betrifft, so ist die Frage noch strittig). Das beweist, dass die kollektive Verwertung die Entwicklung neuer legaler und für das Publikum attraktiver Angebote ermöglicht und gleichzeitig eine angemessene Vergütung für die Rechteinhaber gewährleistet.

«Urheber fassen Fuss im Online-Geschäft» (Medienmitteilung)

Jahresbericht-2014-Cover

Jahresbericht 2014

Die Zahlen, Fakten und Erläuterungen zum Ergebnis des abgeschlossenen Geschäftsjahres der Schweizer Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik stehen unter www.suisa.ch/jahresbericht zum Download zur Verfügung.

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