«Ab is Wälschland» ans Eidgenössische Volksmusikfest

Im Mai trafen sich fünf junge Volksmusikanten unter der Leitung von Dani Häusler in Crans-Montana, um eine Hymne für das Eidgenössische Volksmusikfest 2019 zu komponieren. Das von der SUISA initiierte und in Zusammenarbeit mit dem Organisationskomitee des EVMF durchgeführte Komponierwochenende war ein voller Erfolg. Text von Sibylle Roth und Manu Leuenberger; Video von Sibylle Roth

Nachdem im 2015 die Hymne für das Eidgenössische Volksmusikfest in Aarau als Auftragskomposition von Hanspeter Zehnder im Alleingang komponiert worden war, wollte man dieses Jahr auf den Nachwuchs setzen. Ausgewählt und kontaktiert wurden die Musikanten vom OK des EVMF. «Anfangs dachte ich, ich wurde verwechselt und die Anfrage fürs Komponierwochenende wurde aus Versehen an mich geschickt. Aber ich fühle mich nun sehr geehrt und freue mich riesig», sagte Alessia Heim im Interview.

Bei der Auswahl wurde darauf geachtet, die gängigsten Instrumente der Volksmusik vertreten zu haben. So kam es, dass sich Eva Engler, Klarinette, Alessia Heim, Hackbrett, Jérôme Kuhn, Kontrabass, Florian Wyrsch, Schwyzerörgeli und Siro Odermatt am Akkordeon an einem Samstagmorgen im Mai in Crans-Montana trafen.

Einige der Jugendlichen kannten sich bereits und haben schon zusammen musiziert, für andere war es die erste Erfahrung ausserhalb ihrer gewohnten Formation. Ausser Siro Odermatt, der seit 2017 SUISA-Mitglied ist und bereits mehrere Stücke selber geschrieben hat, besassen die jungen Musikantinnen und Musikanten keine grosse Erfahrung im Komponieren. Deshalb wurde mit Dani Häusler ein erfahrener Volksmusikant als Leiter des Wochenendes engagiert. Doch auch für den Routinier war es keine alltägliche Aufgabe: «Die grösste Herausforderung war, den Mut zu haben, ohne Vorbereitung an dieses Komponierwochenende zu kommen», verriet er im Nachhinein.

Die Teilnehmenden des Komponierwochenendes

Die Teilnehmenden des Komponierwochenendes v.l.n.r. Florian Wyrsch, Alessia Heim, Siro Odermatt, Eva Engler, Jérôme Kuhn, Dani Häusler. (Alle Fotos: Sibylle Roth)

Der Anfang auf dem weissen Blatt Papier

Bevor im Seminarraum des Hotels «La Prairie», wo der Workshop stattfand, die ersten Töne aus den mitgebrachten Instrumenten erklangen, setzte sich die Gruppe an einen Tisch und begann die Arbeit sprichwörtlich auf dem weissen Blatt Papier. Der erste Gedankenaustausch war geprägt von verschwommenen Vorstellungen und unsicheren Gefühlen: Eine Hymne – das ist ein grosses Wort. Was soll das sein? Wie soll das klingen? Was wird von uns erwartet? Wie gehen wir vor? Welche Tanzart ist geeignet? Wie findet man nun Melodien und Akkorde? Und: Kriegen wir bis morgen Sonntag wirklich ein Stück fertig?

Der Workshop-Leiter Dani Häusler gab Denkanstösse, bündelte die Fragen, gemeinsam wurden nach Antworten gesucht, die Ideen und Gedanken auf Papier festgehalten, die Vorstellungen wurden konkretisiert, und bald einmal war eine Grundlage für das Stück definiert – vorerst immer noch auf dem Papier.

Nach anfänglichen Diskussionen über die geeignete Tanzart entschied man sich am Ende für einen Schottisch, «die Königsdisziplin», sagt Jérôme Kuhn. Zudem wollte man gerne einen Text zum Mitsingen haben.

EVMF Komponierwochenende Notizen

Auf Papier wurden die ersten Gedanken zum Stück festgehalten.

Danach wurde erstmals mit den Instrumenten musiziert: Die Jugendlichen setzten sich zu zweit oder zu dritt zusammen und sammelten gemeinsam musikalische Ideen. Was in den Kleingruppen erarbeitet worden war, wurde hernach vor voller Runde präsentiert und mit möglichen Begleitstimmen ergänzt. Aber wie es manchmal so ist, will die Inspiration nicht immer dann fliessen, wenn sie sollte. «Wir hatten etwas Startschwierigkeiten, aber plötzlich hat es dann trotzdem funktioniert», sagte Eva Engler im Interview.

Eine grosse Unterstützung für den passenden musikalischen Wurf, der in der Folge zum fertigen Stück ausgearbeitet wurde, war die Kompositionserfahrung von Siro Odermatt. «Ich spiele oft bestehende Stücke und schweife dann in andere Melodien ab, so finde ich dann meist meine eigene Komposition», sagt Siro Odermatt. So fand sich nach den Startschwierigkeiten die zündende Idee im Verlauf des Samstagnachmittags, und bis zum Abendessen war das Gerüst der Hymne fertiggestellt.

Zu diesem Gerüst gehörte auch bereits der Entwurf für einen Text zum Stück, aus dem neben dem titelgebenden Ausruf «Ab is Wälschland …!» eine kernige Sprechgesangzeile sofort im Gedächtnis haften bleibt: «Glich oder glich ned glich». Jérôme Kuhn sagte im Interview dazu: «In der ganzen Schweiz gibt es Volksmusik, aber in vielen Gebieten gibt es verschiedene Stilrichtungen.» Ob «gleich oder doch nicht gleich», dies können Neugierige am kommenden Eidgenössischen Volksmusikfest in Crans-Montana erfahren.

Gruppenarbeit

Die Formation «Wälschland Express» beim Ausarbeiten des Stücks.

Die erste Aufführung

Am Sonntagmorgen wurde an den einzelnen Teilen des Stücks vor allem hinsichtlich Arrangement weitergefeilt. In Gruppen oder alleine übten die Musikantinnen und Musikanten ihre Einzelstimmen. Dani Häusler gab hilfreiche Tipps und stand mit Rat und Tat zur Seite, wenn es kleine Verwirrungen mit verschiedenen Tonarten oder Probleme bei der Stimmfindung zu lösen galt.

Noten

Dani Häusler beim Schreiben der ersten Noten.

Nachdem alle Stimmen der einzelnen Instrumente finalisiert und von Dani Häusler Noten des Stücks angefertigt worden waren, war das neu geschaffene Werk dann erstmals im Gesamten zu hören und wurde in weiteren Probedurchläufen ständig verfeinert. «Es ist ein ‹ghörfälliges› Stück entstanden, das etwas Einzigartiges hat und doch fürs grosse Publikum geeignet ist», sagte Siro Odermatt gegen das Ende des erfolgreichen Komponierwochenendes.

Alle Beteiligten sind sehr zufrieden mit dem Endergebnis und freuen sich auf das Eidgenössische Volksmusikfest im September. Auf die Frage, was er sich denn für das Stück wünsche, antwortete Dani Häusler: «Das Schönste wäre natürlich, wenn das Stück am Volksmusikfest auf der Strasse und von anderen auftretenden Formationen gespielt werden würde und es durch Sendungen auf dem Radio bei den Leuten bereits bekannt ist».

Die Kurzportraits der jungen Musikanten finden Sie auf unseren Social Media Kanälen «SUISA Music Stories» bei Facebook, Instagram und Youtube.

Die Hymne wurde im Nachhinein mit den Musikanten und Dani Häusler im Studio professionell aufgenommen und kann auf CD gekauft werden. Der Verkaufserlös kommt vollumfänglich dem VSV-Nachwuchsfonds zugute.

Das 13. Eidgenössische Volksmusikfest findet vom 19. – 22. September 2019 in Crans-Montana statt. www.cransmontana2019.ch

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