Festival Archipel: Rendez-vous mit der zeitgenössischen Musik

Bereits zum 26. Mal lädt das Festival Archipel vom 24. März bis 2. April 2017 nach Genf zum Rendez-vous mit dem zeitgenössischen Musikschaffen ein. Erstmals engagiert sich dieses Jahr die SUISA beim Festival Archipel. Mit Unterstützung der SUISA findet am 1. April 2017 ein Informationstag für junge Musikschaffende sowie eine öffentliche Gesprächsrunde mit Komponisten statt. Mehr im schriftlich geführten Interview mit dem Festivaldirektor Marc Texier. Text/Interview von Manu Leuenberger

Festival Archipel: Rendez-vous mit der zeitgenössischen Musik

«Das Festival Archipel hat einen doppelten Auftrag: Es soll talentierte junge Künstlerinnen und Künstler ausfindig machen und es soll die zeitgenössische Musik in all ihren Formen präsentieren», schreibt Marc Texier, Direktor des Genfer Festivals Archipel. (Foto: Festival Archipel / Isabelle Meister)

Marc Texier, die 26. Durchführung des Festivals Archipel vom 24. März bis 2. April 2017 in Genf steht unter dem Motto «Ensemble». Was steckt hinter dieser Parole?
Marc Texier: Archipel 2017 feiert unter dem Motto «Ensemble» die wichtige Kunst des Gemeinsamen, die man gerne auch auf andere Gemeinschaften übertragen sähe und die von der jungen Musikergeneration ausgiebig praktiziert wird. Ihr möchten wir eine breite Konzertplattform bieten.

Welches ist die grössere Motivation bei der Organisation des Festivals: Der Wunsch, den zeitgenössischen Komponisten und Interpreten ein Schaufenster zu ermöglichen, oder eine breitere Zuhörerschaft für die Neue Musik zu begeistern?
Das Festival hat einen doppelten Auftrag: Es soll talentierte junge Künstlerinnen und Künstler ausfindig machen und ihnen den Schritt vom Studium ins Berufsleben erleichtern. Dann soll es auch die zeitgenössische Musik in all ihren Formen präsentieren und einer breiten Zuhörerschaft den Weg zu dieser Neuen Musik ebnen. Das Festival folgt einer Dramaturgie und bringt lebendes Material einer sich neu erfindenden Kunst zum Klingen.

Werke von zeitgenössischen Komponisten fristen in den Programmen von traditionellen Konzerthäusern oft ein Schattendasein. Weshalb wird lieber Bach interpretiert als Neue Musik aufgeführt?
Und wenn es noch Bach wäre; aber es ist doch eher Tschaikowsky. Diese Frage müsste man den Vertretern von Orchestern und Konzerthäusern stellen. Woher kommt diese starke Zurückhaltung gegenüber dem zeitgenössischen Musikschaffen? Sie wird nicht von der Zuhörerschaft diktiert, denn diese ist neugierig, wie ich immer wieder feststellen konnte. Es sind die Strukturen, Orchester, Opernhäuser, Radios, die an der Musik festhalten, die zum Zeitpunkt ihres Entstehens, im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts vorherrschte. Dabei geht vergessen, dass sie damals die wichtigsten Träger der Moderne waren. Musealer Ansatz statt Entdeckungsfreude. Zum Glück gibt es viele Ausnahmen.

Im Rahmen der erstmals stattfindenden Académie Archipel Ose! unter der Leitung von Kaija Saariaho und Daniel Kawka können 6 junge Komponisten einen einwöchigen Kurs in symphonischer Komposition belegen. Wozu braucht es noch Ausbildung, wo heutzutage in der Musik sowieso keine Regeln mehr gelten und alles gestattet ist?
Edgar Varèse, einer der Väter der Neuen Musik, wollte die Regeln (die Grammatik) abbauen und nur noch den (vor allem akustischen) Gesetzen folgen. Hier stehen wir nun. Es gibt im Grunde genommen keine Regeln mehr, nur noch jene, die es zur Kanalisierung der eigenen Fantasie braucht. Doch es gelten nach wie vor die physikalischen Gesetze des Schalls, seiner Quelle und seiner Ausbreitung. Es gibt tausende Techniken der Konstruktion eines Werks, der Beherrschung seiner Form, des musikalischen Diskurses. Und schliesslich gehört auch die Informatik zum pragmatischen und notwendigen Instrumentarium der Musikkomposition. Wenn das alles mal erworben ist, dann kommt das Wesentlichste hinzu: seine Stimme zu finden, etwas Eigenes zu schaffen. Dabei helfen die Akademien, wo sich Menschen unterschiedlichster Herkunft und mit verschiedenen Werdegängen treffen: Nachdem die jungen Musiker im Konservatorium die «Gesetze» gelernt haben, entdecken sie ihr «Ich» in der Begegnung mit anderen Komponisten ihrer Generation.

Welche Herausforderungen muss ein angehender Schweizer Komponist meistern, dass seine Werke international gehört werden?
Dieselben wie ein Franzose oder eine Koreanerin. Seit dem Mauerfall und dem Zugang zahlreicher Länder zu relativem Wohlstand hat sich das Musikschaffen stark internationalisiert. Die Kandidaten für die Académie Archipel Ose! stammten aus nicht weniger als 30 Ländern von fünf Kontinenten. Von ihnen erwartet man solide theoretische und praktische Grundkenntnisse, Einfallsreichtum und Originalität, da sie ja weltweit von Akademie zu Akademie reisen, damit sie ihre Ausbildung vervollständigen und sich international bekannt machen können.

Am Samstag, 1. April 2017, wird in Koproduktion mit der SUISA ein «Journée d’orientation professionnelle» für junge Komponisten und Interpreten durchgeführt. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung im L’Abri ist kostenlos. Was bringt dieser Anlass einem jungen Musikschaffenden?
Als Neueinsteiger haben wir alle die beunruhigende Erfahrung gemacht, dass unsere Berufsvorstellung und die berufliche Realität auseinander klaffen. Wir können das nicht vollständig aus der Welt schaffen, doch wir helfen den jungen Musikern, Komponistinnen und Interpreten, das Umfeld kennenzulernen, in dem sie tätig sein werden. Dazu gehören auch die administrativen, rechtlichen, technischen und menschlichen Zwänge, denen sie bei der Ausübung ihrer Musik, in der sie spezifisch ausgebildet wurden, unterworfen sind. Die Computerisierung des Musikschaffens, die Entmaterialisierung der Träger, das Verschwinden der Grenzen zwischen den Kunstformen, der Ersatz der herkömmlichen Verbreitungskanäle wie TV, Radio und Printmedien durch die sozialen Netzwerke haben die Musikberufe – vom Musikkritiker zum Notenverleger und vom Orchestermusiker zum Tonschöpfer – grundlegend verändert. Die zur Tagung eingeladenen Fachpersonen werden auf diese Problematik eingehen.

Welche Veranstaltungen aus dem diesjährigen Festivalprogramm werden Sie sich persönlich auf keinen Fall entgehen lassen?
Ich werde selbstverständlich alle besuchen und kann diese Frage daher schlecht beantworten. Als Kenner der Neuen Musik würde ich die Kreationen unserer vier wichtigsten zeitgenössischen Komponisten auf keinen Fall verpassen wollen: Murail, Kyburz, Gervasoni und Blank im Rahmen des Konzerts des Lemanic Modern Ensemble am 1. April. Wenn ich eine Einführung in mir unbekannte zeitgenössische Musik wünschte und in einem angenehmen Ambiente unterschiedlichen Künstlern Fragen stellen wollte, würde ich mir den Nachmittag des 2. Aprils mit den «salons de musique», die sich der Kontrabassklarinette und dem Schlagzeug widmen, nicht entgehen lassen.

www.archipel.org, Website des Festivals

«Journée d’orientation professionnelle»
Ich bin ein junger Komponist, ein Interpret am Anfang meiner Karriere. Wo kann ich meine Ausbildung vervollständigen? An welcher Akademie? Wie stelle ich mich vor? Ich habe ein Ensemble gegründet: Wie mache ich es bekannt, wie entwickle und leite ich es? Muss ich mich bei einer Verwertungsgesellschaft anmelden? Sind Papier- oder entmaterialisierte Editionen besser? Kann ich meine Musik frei im Internet aufschalten? Wie arbeite ich interdisziplinär? Wo verbreite ich meine Arbeit? Diese Fragen und viele mehr stellen sich die jungen Künstler am Anfang ihres Berufslebens. Wir versuchen, sie im Rahmen von Treffen mit Juristen, Verlegerinnen, Lehrpersonen, Musikproduzenten zu beantworten. Die Tagung unter der Federführung der SUISA soll den Berufseinstieg junger Musikerinnen und Musiker erleichtern. Sie steht allen offen. (Text: Festival Archipel)
Samstag, 1. April 2017 im L’Abri – A2, freier Eintritt
10:00-10:10 h Begrüssungsrede Bernard Meier – Präsident des Verbands Archipel, verantwortlich für die Workshops der Musikhochschule HEM
10:10-10:30 h Nicolas Pont – Leiter des Rechtsdienstes der SUISA
10:30-10:50 h David Johnson – zuständig für das Westschweizer Büro von Swissperform
10:50-11:10 h Johannes Knapp – Direktor des STV/ASM
11:20-11:40 h Damien Pousset – Gründer des Labels Aeon
11:40-12:00 h Andri Hardmeier – Leiter der Abteilung Musik von Pro Helvetia
12:00-12:20 h François Passard (Direktor) und Alain Renaud (Leiter des Produktionsstudios) von L’Abri
Pause
13:30-13:50 h Marc Texier – Direktor von Archipel
13:50-14:10 h Daniel Zea – Komponist und Gründungsmitglied des Ensembles Vortex
14:10-14:30 h Tzairi Santos Garcia – verantwortlich für die Digitalentwicklung bei Outhere Music
14:30-14:50 h Lucas Fagin – Komponist und Ko-Direktor von Babelscores
15:00-15:20 h Bruno Serrou – Musikkritiker
15:20-15:40 h Marie-Christine Papillon – Direktorin des Verlagshauses Papillon
15:40-16.00 h Zusammenfassung/Debriefing
Komponisten im Gespräch
Mit Hanspeter Kyburz, Stefano Gervasoni, William Blank, Tristan Murail, Xavier Dayer. Moderiert von Marc Texier.

Samstag, 1. April 2017, 20h
Alhambra, freier Eintritt

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La Tessinoise: Viel Lärm ums Tessin

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Barbara Lehnhoff (links) und Aris Bassetti (rechts) sind in erster Linie Musikschaffende und bekannt für ihre Projekte Peter Kernel und Camilla Sparksss. Daneben betreiben sie ihr eigenes Label On the Camper Records und organisieren das Festival La Tessinoise. (Foto: Robert Huber)

Letztes Jahr hat das Tessiner Label On the Camper Records sein zehnjähriges Bestehen mit einem Festival gefeiert. Dazu haben die Labelgründer Aris Bassetti und Barbara Lehnhoff Musik-Professionals aus ganz Europa eingeladen und im Raum Lugano zahlreiche Konzerte veranstaltet. Festival und Zusammentreffen von Musikbusiness und Künstlern waren so erfolgreich, dass sich die Organisatoren entschieden haben, die Veranstaltung unter dem Namen «La Tessinoise» weiterzuführen.

So werden auch dieses Jahr vom 14. bis 16. April 2017 viele Bands an unterschiedlichen Veranstaltungsorten rund um Lugano die Bühnen betreten. Dabei steht das Tessiner Musikschaffen im Vordergrund. Es werden jedoch auch Acts aus dem Rest der Schweiz und aus dem Ausland auftreten. Was dieses Festival auszeichnet, ist, dass sämtliche Bands neues Repertoire spielen werden. Das Publikum wird folglich jeden Abend Uraufführungen von neuen Songs miterleben können.

Wer also an Ostern in der Schweizer Sonnenstube Indie-Musik geniessen und dabei zusätzlich die Gelegenheit zu informelle Treffen mit Personen aus dem Musikbusiness aus ganz Europa wahrnehmen möchte, der findet in Lugano dazu eine ausgezeichnete Gelegenheit.

Weiterführende Informationen:
Konzertprogramm, Tickets, u. W.: www.latessinoise.com, Website des Festivals
Website des Labels On the Camper Records: www.onthecamper.com

Die SUISA und FONDATION SUISA, die Musikförderstiftung der SUISA, unterstützen das Festival La Tessinoise. Am Samstag, 15. April 2017, um 10:30 Uhr lädt die SUISA im Rahmen des Festivals zu einem Brunch ein – Zutritt nur für eingeladene Gäste.

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20 Jahre M4music – und die SUISA mittendrin

Über die letzten 20 Jahre ist das Festival M4music zu einem wichtigen Stelldichein der schweizerischen Pop-Musikbranche geworden. Zum Jubiläum bietet das Festival bei der Ausgabe 2017 zahlreiche Networking-Gelegenheiten, Informationsveranstaltungen, Abendkonzerte sowie eine Showcase Stage für junge Schweizer Talente. Diese Vielfalt an Aktivitäten ermöglichen es dem Publikum, einen fundierten und breit gefächerten Einblick auf das aktuelle Musikgeschehen zu erhaschen. Text von Erika Weibel

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Über 700 Songs wurden für die Demotape Clinic 2016 eingesandt. Veronica Fusaro (Bild) erhielt für den Song «Come To Naught» den Hauptpreis «Demo of the Year» und den «FONDATION SUISA Award» in der Kategorie Pop. (Foto: Alessandro Della Bella)

Die SUISA engagiert sich beim Festival M4music schon seit Jahren. Auch in diesem Jahr können Musikschaffende auf zwei Panels direkt vom Fachwissen von SUISA-Mitarbeitenden profitieren und am alljährlichen Professional-Apéro netzwerken. Zudem unterstützt die SUISA die Showcase Stage, auf der Schweizer Newcomer ihre Musik dem Festivalpublikum präsentieren können.

Die FONDATION SUISA, die Musikförderstiftung der SUISA, ist Hauptpartnerin der etablierten Demotape Clinic, die im Rahmen des Festivals M4music stattfindet. In den Sparten Rock, Pop, Urban und Electronic werden die besten Songs unter den eingesandten Demos mit den «FONDATION SUISA Awards» ausgezeichnet. Zudem wird gemeinsam mit dem Migros-Kulturprozent der Hauptpreis «Demo of the Year» verliehen. Die Award-Show findet am Samstag, 1. April 2017, um 19.00 Uhr in der Box im Schiffbau statt. Im selben Rahmen verleiht die FONDATION SUISA gemeinsam mit den Solothurner Filmtagen und M4music auch die Preise für die Best Swiss Video Clips 2017.

Sämtliche Informationsveranstaltungen und die Darbietungen auf der Showcase Stage sind für das Publikum kostenlos.

Panels am M4music 2017 mit SUISA-Beteiligung

Freitag, 31.3.2017, 14:45 Uhr, Matchbox
Urheberrechtsstreitgespräch: Sampling, Remix, Mashup

Samples und Remixes sind in der Musikbranche weit verbreitet. Dennoch führt gerade dieses Thema oft zu emotionalen Diskussionen und wirft auch bei Profimusikern Fragen auf: Was darf man, was darf man nicht? Wo muss man ab wann bei wem welche Rechte einholen? Fragen, die in Zeiten der Digitalisierung an neuer Schärfe gewinnen. Kann das geltende Urheberrechtsgesetz hier zeitgemässe Antworten liefern? Das Panel wird präsentiert von der SUISA.

Samstag, 1.4.2017, 17:45 Uhr, Matchbox
Blockchain: Mehr als ein Hype?

Blockchain ist die Technologie der Stunde. Kein anderes Thema beflügelt die Phantasien von Gründern, Investoren und IT-Strategen wie das der Digitalwährung Bitcoin entlehnte Konzept. In der Finanzindustrie spricht man der Blockchain das Potenzial zu, ganze Wirtschaftszweige grundlegend zu verändern. Die Blockchain ermöglicht blitzschnelle und fälschungssichere Transaktionen ohne Zwischenhändler. Das sorgt auch für Diskussionen in der Musikindustrie: Einnahmen könnten damit automatisch und sicher unter Rechteinhabern verteilt und die Kräfteverhältnisse auch in der Musikbranche kräftig verändert werden. Doch wie funktioniert die Blockchain genau? Diese Veranstaltung vermittelt Einstiegswissen und diskutiert die Chancen und Herausforderungen für Musiker und Verwertungsgesellschaften. Am Gespräch teilnehmen wird als Referent Andreas Wegelin, Generaldirektor der SUISA.

www.m4music.ch

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Zweiter Anlauf für die Revision des Schweizer Urheberrechtsgesetzes Der Vorentwurf des Bundesrats für eine Revision des Schweizer Urheberrechtsgesetzes hat sich in der Vernehmlassung als nicht mehrheitsfähig erwiesen. Die zuständige Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat in der Folge erneut eine Arbeitsgruppe einberufen. Die AGUR12 II soll bis Ende 2016 entlang des bereits seit mehr als 2 Jahren feststehenden Kompromisses der AGUR12 konkrete Gesetzesvorschläge ausarbeiten. Weiterlesen
Texte zu Musik: «Erlaubt ist, was gelingt» Die FONDATION SUISA schreibt ihren mit 25 000 Franken dotierten Anerkennungspreis dieses Jahr für Textautorinnen und Textautoren musikalischer Werke aus. Was aber zeichnet einen gelungenen Songtext aus? Gastautor Markus Ganz im Gespräch mit dem Journalisten Jean-Martin Büttner. Weiterlesen
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Konzerte und Festivals in der Schweiz

In einem Kommentar für das IQ Magazine, das von der International Live Music Conference (ILMC) herausgegeben wird, schreibt Chantal Bolzern, Leiterin der Abteilung für Aufführungsrechte bei der SUISA, über die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen Verwertungsgesellschaften und Konzertveranstaltern.

Konzerte und Festivals in der Schweiz

Chantal Bolzern hat früher selber Konzerte veranstaltet und einen Kulturmanagerinnen-Lehrgang absolviert. 2004 begann sie bei der SUISA im Rechtsdienst zu arbeiten. Seit 2010 ist sie Abteilungsleiterin Aufführungsrechte. (Foto: Sebastian Vollmert)

Die Schweizer lieben ganz offensichtlich Konzerte und Festivals – jedes Jahr gibt es neue Festivals, die gar in den entlegensten Bergregionen stattfinden. Einige sind kurzlebig und verschwinden nach kurzer Zeit wieder, andere bestehen bereits seit über 40 Jahren. Dazu kommt ein breites Spektrum an Konzertklubs mit alternativer Musik, die jede Woche eine große Besucheranzahl anlocken.

Im Jahr 2015 lizenzierte die SUISA über 20‘000 Konzerte und Festivals, an denen mehr als 360‘000 verschiedene Songs aufgeführt wurden. Der Konzerttarif brachte Vergütungen in der Höhe von Fr. 20,3 Mio. im Jahr 2015 ein, fast 50% aller Einnahmen aus Aufführungsrechten. Wenn man bedenkt, dass die Schweiz nur 8 Mio. Einwohner hat, dann sind das schon beeindruckende Zahlen.

SUISA – ein Knotenpunkt für Urheber und Konzertveranstalter

Um all dies zu ermöglichen, braucht es einen guten Song als Grundlage; und Interpreten, die den Song in einen inspirierenden Liveauftritt umsetzen. Und zu guter Letzt einen Veranstalter, der das Ereignis organisiert und sicherstellt, dass alles glatt läuft und die Besucher zufrieden sind.

SUISA ist eine Art Knotenpunkt in diesem Business. Als Genossenschaft gehören wir unseren Mitgliedern und daher ist es unser Ziel, Urhebern und Verlegern zu helfen, am Einkommen teilzuhaben, welches andere mit ihren Liedern generieren. Andererseits wollen wir den Veranstaltern einen vereinfachten Rechtezugang verschaffen, als Basis für ihre Eventorganisation und zur Schaffung ihrer Einkommensgrundlage.

Zwei Jahre lang hat die SUISA einen neuen Konzert- und Festivaltarif mit den zuständigen Verbänden verhandelt, um die Berechnung der Lizenzentschädigungen für Veranstalter zu vereinfachen. Der Tarif legt eine Rate für Konzerte oder Festivals zwischen 7% und 10% der Ticketeinnahmen fest, und sieht Rabatte für Mitglieder von Berufsverbänden vor. Weiter funktioniert unser Tarif als «one-stop-shop» für Leistungsschutzrechte. Dies erleichtert insbesondere die Tätigkeit der Festivalveranstalter.

Respekt hilft, neue Herausforderungen im Livemusik-Business-Ökosystem zu bewältigen

Die eingenommen Vergütungen werden alle 3 Monate von uns verteilt – mit detaillierten Einzelaufstellungen, so dass Urheber und Verleger den Ursprung ihrer Gelder nachvollziehen können. Wir bieten in Sachen Einnahmequellen volle Transparenz. Der Verwaltungskostensatz für jegliche Arbeiten im Hinblick auf Lizenzen und Verteilung beträgt nur 12%.

Das Livemusik-Business ist ein Ökosystem, in welchem sich alle Beteiligten gegenseitig brauchen, um fortzubestehen. Wenn jeder einen guten Beitrag leistet, macht die Arbeit nicht nur Spaß, sie führt auch dazu, dass alle Geld damit verdienen. Dies gibt Komponisten wiederum die Gelegenheit, neue Songs zu schreiben, welche die Grundlage für neue Aufführungen und Konzerte bilden. Daher sollten wir alle unseren jeweiligen Beiträge und Anstrengungen schätzen und respektieren, und zusammen an Lösungen für neue Herausforderungen arbeiten.

Dieser Beitrag wurde verfasst für das IQ Magazine, wo er in der Print-Ausgabe vom Januar 2017 auf Seite 27 wie auch online auf der Website des Magazins erschienen ist. Das IQ Magazine ist die 6x jährlich erscheinende Zeitschrift der International Live Music Conference (ILMC).

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Neuer Konzerttarif ab 2017 Die SUISA und die Branchenverbände der Konzertveranstalter haben sich nach intensiven Verhandlungen auf einen neuen Konzerttarif geeinigt. Der neue Gemeinsame Tarif K soll die beiden noch bis Ende 2016 gültigen Tarife GT Ka und GT Kb ersetzen und am 1. Januar 2017 in Kraft treten. Weiterlesen
Wenn Band und Veranstalter ein Konzert gemeinsam organisieren Die Urheberrechtsentschädigung für ein Konzert muss vom Veranstalter bezahlt werden. Wie ist die rechtliche Situation, wenn Musiker und Veranstalter den Anlass in einer Form der Kooperation gemeinsam durchführen? Für die Bezahlung der Urheberechtsentschädigung bei Engagement-Verträgen ist der Konzertveranstalter verantwortlich. Es kommt vor, dass Anlässe von Bands selber oder in Kooperation mit einem Dritten durchgeführt werden. In diesen Fällen ist die Form der Kooperation zwischen Band und Veranstalter ausschlaggebend dafür, wer die Urheberrechtsentschädigung zahlen muss. Weiterlesen
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Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards | mit Video

Der Newcomer Nickless und der renommierte Produzent Thomas Fessler gewannen den ersten Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards 2016. Der gemeinsam komponierte Siegersong «Waiting» ist nicht vom Himmel gefallen sondern bedeutete viel Arbeit im Teamwork. Auch bei den Swiss Music Awards 2017 zeichnet die SUISA die Leistung der Komponisten und Textautoren mit einer Auszeichnung aus.

Die erste Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards ging an einen Newcomer und einen Routinier: Der 21-jährige Zürcher Nickless und der Produzent Thomas Fessler erhielten den Preis für den gemeinsam komponierten Song «Waiting».

Hinter dem Song steckt neben Inspiration viel Arbeit, die sich über eine lange Zeitdauer erstreckte. «Waiting» erreichte im April 2015 als Höchstposition Platz 14 in der Schweizer Single-Hitparade und wurde 2016 mit dem Swiss Music Award in der Kategorie «Best Hit» ausgezeichnet.

In Zusammenarbeit mit der SUISA wurden im Rahmen dieser Kategorie 2016 erstmals auch die Komponisten und Textautoren geehrt. Durch den Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards könne das Publikum merken, dass Songs nicht vom Himmel fielen sondern viel Arbeit und Herzblut darin stecke, meinte der Produzent Thomas Fessler im Interview. Nickless freute sich über die Bestätigung für das Werk, die er durch die Auszeichnung erhalten habe.

«Hinter jedem grossem Hit stehen Komponisten und Textautoren», sagt Andreas Wegelin, Generaldirektor der SUISA. «Für die SUISA ist es wichtig, dass auch die Arbeit dieser Urheber an den Swiss Music Awards gewürdigt wird.» Deshalb wird 2017 zum zweiten Mal ein Award an die Songwriter des Siegertitels in der Kategorie «Best Hit» vergeben.

Nominiert für den Swiss Music Award 2017 in der Kategorie «Best Hit» und damit auch für die Auszeichnung für Songwriter sind folgende Künstler respektive Songs:

«Angelina»
Komponisten und Textautoren: Andreas «DJ Arts» Christen, Dabu Bucher, Gianluca Giger
Interpret: Dabu Fantastic

«Thank You»
Komponisten und Textautoren: Arie Storm, DJ Antoine, Eric Lumière, Fabio «Mad Mark» Antoniali
Interpret: DJ Antoine

«Monbijou»
Komponisten und Textauoren: Joachim Piehl, Lucien Spielmann, Manillio
Interpret: Manillio

Die Auszeichnung für Songwriter wird im Namen der SUISA, der Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik, vergeben anlässlich der Preisverleihung der Swiss Music Awards am 10. Februar 2017 im Hallenstadion in Zürich.

Nickless, Website
571 Recording Studios, Website
Swiss Music Awards, Website

Die SUISA ist Mitglied des Vereins Press Play. Der 2012 gegründete Verein ist offizieller Preisverleiher der Swiss Music Awards.

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SMA-2016-Interpreten-PortraitsDie Arbeit der Komponisten an Hits aus dem Schweizer Pop-Musikjahr 2015 Die Swiss Music Awards warten dieses Jahr mit einer Neuerung auf: Zum ersten Mal werden auch Songwriter geehrt. Am 12. Februar 2016 erhalten im Zürcher Hallenstadion die Komponisten und Textautoren des «Best Hit» im Namen der SUISA eine Auszeichnung. Nominiert sind «Waiting» von Nickless, «La Bambele» von Müslüm und «Hippie-Bus» von Dodo. Insgesamt 10 Komponisten und Textautoren haben zur Entstehung dieser Songs beigetragen. Weiterlesen
Carrousel-Video-PosterCarrousel: «Manchmal hilft ein Toy-Piano bei der Suche nach der Melodie» | mit Video Farbig, quirlig und charmant klingen die Chansons von Carrousel. Kaum vorstellbar, dass sie in der kargen und einsamen Landschaft des Juras entstehen und nicht in den Gassen von Paris. «Wir haben hier alles komfortabel beieinander, was wir privat und für die Musik brauchen», erklärt Sophie Burande. «Wir können hier zudem Lärm machen, ohne Nachbarn zu stören. Und der Wald ist nah, so dass wir zwischendurch spontan einen Spaziergang machen können». Weiterlesen

 

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Der Newcomer Nickless und der renommierte Produzent Thomas Fessler gewannen den ersten Preis für Songwriter bei den Swiss Music Awards 2016. Der gemeinsam komponierte Siegersong «Waiting» ist nicht vom Himmel gefallen sondern bedeutete viel Arbeit im Teamwork. Auch bei den Swiss Music Awards 2017 zeichnet die SUISA die Leistung der Komponisten und Textautoren mit einer Auszeichnung aus.

Die erste Auszeichnung für Songwriter bei den Swiss Music Awards ging an einen Newcomer und einen Routinier: Der 21-jährige Zürcher Nickless und der Produzent Thomas Fessler erhielten den Preis für den gemeinsam komponierten Song «Waiting».

Hinter dem Song steckt neben Inspiration viel Arbeit, die sich über eine lange Zeitdauer erstreckte. «Waiting» erreichte im April 2015 als Höchstposition Platz 14 in der Schweizer Single-Hitparade und wurde 2016 mit dem Swiss Music Award in der Kategorie «Best Hit»…Weiterlesen

This beating heart

Am Dienstagabend, 25. Oktober 2016, hat sein Herz aufgehört zu schlagen: Pädu Anliker, der «Master of Ceremony» im Café/Bar Mokka Thun wurde 59 Jahre alt. Über 30 Jahre lang prägte Beat «Pädu» Anliker das Lokal, das vom Jugendhaus am Waisenhausplatz zu einem der renommiertesten Musikclubs der Schweiz an der Allmendstrasse wurde. Nachruf von Gastautor Christoph Trummer

Paedu-Anliker-2015

Unter der Leitung des «Master of Ceremony» entstand mit dem Café/Bar Mokka in Thun ein bedeutender Konzertveranstaltungsort: Pädu Anliker in einer Aufnahme vom 7. April 2015. (Foto: Chris Iseli / az Aargauer Zeitung)

Seit dem Bekanntwerden von Pädu Anlikers Hinschied ist eine Welle von bewegten Nachrufen und Erinnerungen an den MC und seinen unvergleichlichen Club durch das Netz geschwappt. Die Musikszene ist zur Familie geworden: Wir haben unseren extravaganten und kontroversen Lieblingsonkel verloren. Er hat uns nie geschmeichelt, er hat uns manchmal Angst gemacht, aber seine unermüdliche Arbeit, seine herzliche Gastfreundschaft und seine verwirrende und faszinierende Authentizität waren Beweis genug, wie stark und wild sein Herz für uns und die Musik geschlagen hat. Durch alle Widrigkeiten hindurch musste sein Kulturprogramm nie einer lukrativeren Party weichen, und mit dem Festival Am Schluss hat er relevante und oft quere Musik in die Mitte des braven Stadtsommers programmiert.

Ich war 15, als unsere Band ihren ersten Auftritt ausserhalb einer Schulaula an der Mokka-Regionaltonwoche hatte. 12 Jahre nach meinem ersten Auftritt dort, viele Mokka-Konzerte später, habe ich das erste Kompliment von MC Anliker erhalten. So lange habe ich immer wieder Chancen bekommen. Ich und so viele andere Oberländer MusikerInnen, denen er für ihre Entwicklung Zeit, eine Bühne und eben auch kritischen Anreiz gegeben hat.

Aber Pädus Mokka war für uns mehr als ein Musikclub. Generationen von lebenshungrigen OberländerInnen haben in diesem behördenfreien Zentrum für Jugendarbeit eine Stube gefunden. Der MC hat die Erziehung unserer Herzen geprägt: Er war ein wandelndes Beispiel für Selbstentfaltung als Selbst-Entwicklung. «Respect», stand am Eingang. Ruhe, wenn die Band spielt! Hört auf, die Samen zu rauchen! 80 Franken für frische Blumen, hat er argumentiert, bringen mehr Deeskalation als 800 Franken für Security.

Auch bei der Kundschaft und seiner Stadt hat er sich nie eingeschmeichelt. In seinen legendären Programmheft-Vorworten hat er manchmal dermassen gewettert gegen «3600 FuckThisTown-Thun», gegen ein konsumorientiertes Publikum, ohne Rücksicht auf die spiessige Rechtschreibung oder gängige Marketingregeln, sodass wir schon vor 20 Jahren fürchteten, er höre bald auf.

Hat er aber nicht. Der MC hat halt mit offenem Ventil gearbeitet. Darauf musste man vorbereitet sein, auch als auftretende Band. Einmal hat er eine Viertelstunde darüber geflucht, dass wir das Schlagzeug nicht nur mit zwei Mikrofonen abnehmen wollten, aber am Ende der Viertelstunde war alles mikrofoniert. Nach einem schönen Gig sassen wir dann Backstage in einer entspannten Diskussion über die Kartoffelsorten der Schweiz. Später hat er eine Kiste mit Flyern und Tapes hervorgeholt und mit leuchtenden Augen gezeigt, wie die gesamte Oberländer Musikprominenz irgendwann in einer trümligen Band mit furchtbarem Namen im Mokka gestartet hat.

Auch die Stadt Thun hat Frieden geschlossen mit ihrem unbequemen Original: Am 1. November hätte MC Anliker den Thunpreis verliehen bekommen. Und während wir uns dort trauernd wünschen werden, er wäre uns länger erhalten geblieben, wird sein Herz doch weiterschlagen, in seinem einmaligen Club, in unseren Herzen und unserer Musik, für die er so viel getan hat, in denen seine Arbeit so tiefe Spuren hinterlassen hat. Danke MC! Respect.

Beat «Pädu» Anliker hat das Lokal Café/Bar Mokka in Thun (BE) über 30 Jahre geprägt, während es vom Jugendhaus am Waisenhausplatz zu einem der renommiertesten Musikclubs der Schweiz an der Allmendstrasse wurde. Anliker war mit seinem auffälligen Make-Up und seiner glamourös-eigenwilligen Mode auch ein Thuner Stadtoriginal. Tausende nationale und internationale Bands haben im Mokka gespielt, und einige haben sich in Thun auch von Pädu veranstalten lassen, als der Club längst zu klein war für sie (Element Of Crime, ZüriWest, Patent Ochsner usw.). Seit 11 Jahren hat er zudem das Festival Am Schluss auf dem Mühleplatz organisiert, wo während zwei Wochen Bands aus aller Welt gespielt haben, von afrikanischem Wüsten-Blues bis zu schweizerdeutschem Hip-Hop. Am 25. Oktober 2016 ist Beat Anliker mit 59 Jahren an einem Herzstillstand gestorben. Am 1. November 16 wird ihm posthum der Thunpreis verliehen, die wichtigste Auszeichnung der Stadt Thun.

Der Gastautor Christoph Trummer ist 1978 geboren und in Frutigen (BE) aufgewachsen. Seit 2002 ist er Mitglied bei der SUISA. Der Singer-/Songwriter ist neben seiner musikalischen Tätigkeit Präsident des Vereins Musikschaffende Schweiz.

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  1. Waedi Gysi sagt:

    Merssiviumal Trummer!
    Schöner Text!

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Am Dienstagabend, 25. Oktober 2016, hat sein Herz aufgehört zu schlagen: Pädu Anliker, der «Master of Ceremony» im Café/Bar Mokka Thun wurde 59 Jahre alt. Über 30 Jahre lang prägte Beat «Pädu» Anliker das Lokal, das vom Jugendhaus am Waisenhausplatz zu einem der renommiertesten Musikclubs der Schweiz an der Allmendstrasse wurde. Nachruf von Gastautor Christoph Trummer

Paedu-Anliker-2015

Unter der Leitung des «Master of Ceremony» entstand mit dem Café/Bar Mokka in Thun ein bedeutender Konzertveranstaltungsort: Pädu Anliker in einer Aufnahme vom 7. April 2015. (Foto: Chris Iseli / az Aargauer Zeitung)

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Label Suisse 2016: 70 Künstler, 7 Bühnen und 100 000 Zuschauer

Rock, Pop, Folk, elektronische Musik, Hip-Hop, Jazz, Chanson, Chorgesang und klassische Musik: Schweizer Musik so weit das Ohr reicht. Gleichzeitig interessante Panels und Gelegenheiten, um sich unter Musik-Professionals zu treffen und vernetzen.

Label-Suisse-Place-Centrale

Grosse Bühne für die Schweizer Musik: Dicht besetzter Place Central vor der Open-Air-Hauptbühne des Festivals Label Suisse in Lausanne. (Foto: Joseph Carlucci)

Schon zum 7. Mal bringt das Festival Label Suisse in Lausanne das Schweizer Musikschaffen ins Rampenlicht. Dank der Unterstützung von diversen Sponsoren wie der SUISA, dem Bundesamt für Kultur, Pro Helvetia und SRF/RSI ist der Besuch der Konzerte für das Publikum kostenfrei. Die Auswahl der auftretenden Künstler unterschiedlicher Genres bietet dem Publikum einen weitreichenden Überblick über die aktuelle schweizerische Musikszene.

Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat sich entschieden, im Rahmen von Label Suisse auch den Schweizer Grand Prix Musik zu verleihen. Einige der Künstler, die für den Musikpreis des BAK nominiert sind, werden auf den Bühnen des Festivals Label Suisse ihr Können zum Besten geben.

Kommen auch Sie und geniessen Sie 3 Tage lang Schweizer Musik im malerischen Lausanne am Genfersee.

Der Terminplan für Professionals sieht wie folgt aus:
Flyer Label Suisse (PDF)

Das Musikprogramm finden sie hier:
https://labelsuisse.ch/site/de/programm

Am Donnerstag, 15. September 2016, verleiht das Bundesamt für Kultur zum 3. Mal den Schweizer Grand Prix Musik. Nominiert sind 15 Musikschaffende aus der ganzen Schweiz und aus unterschiedlichen Musiksparten. Ausgezeichnet wird die Gewinnerin oder der Gewinner in Anwesenheit von Bundesrat Alain Berset an der Preisverleihung im Saal Métropole in Lausanne.
http://www.schweizermusikpreis.ch/de/
Artikel zum Thema
Label-SuisseSchweizer Musik als Erlebnisreise am Festival Label Suisse 86 Veranstaltungen, 7 Konzertsäle, eine Open-Air-Bühne, der «Marché de la Musique» plus die Verleihung des ersten Schweizer Musikpreises durch das Bundesamt für Kultur (BAK). Das reichhaltige Angebot am Label Suisse 2014 erforderte einen handfesten Plan für die persönliche Entdeckungs- und Genussreise durch das Festivalprogramm. Alles mitkriegen und nichts verpassen war unmöglich. Mein Plan für die 3 Tage in Lausanne: mich durch die Vielfalt des Schweizer Musikschaffens treiben lassen. Weiterlesen
Label-Suisse-2008Festival Label Suisse: Am Pulsschlag der Schweizer Musik im Herzen von Lausanne Vom 19. bis 21. September 2014 findet in Lausanne zum 6. Mal das Musikfestival Label Suisse statt. Auf 8 Bühnen in 7 Lokalitäten im Zentrum der olympischen Hauptstadt präsentiert das Festival an drei Tagen eine breite Palette schweizerisches Musikschaffens. Der Eintritt zu den Konzerten ist frei. Im schriftlichen Interview gibt Julien Gross, Präsident des organisierenden Vereins von Label Suisse, Auskunft über das aussergewöhnliche Festival. Weiterlesen
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Grosse Bühne für die Schweizer Musik: Dicht besetzter Place Central vor der Open-Air-Hauptbühne des Festivals Label Suisse in Lausanne. (Foto: Joseph Carlucci)

Schon zum 7. Mal bringt das Festival Label Suisse in Lausanne das Schweizer Musikschaffen ins Rampenlicht. Dank der Unterstützung von diversen Sponsoren wie der SUISA, dem Bundesamt für Kultur, Pro Helvetia und SRF/RSI ist der Besuch der Konzerte für das Publikum kostenfrei. Die Auswahl der auftretenden Künstler unterschiedlicher Genres bietet dem Publikum einen weitreichenden Überblick über die aktuelle schweizerische Musikszene.

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Schweizer Jazz an der Jazzahead! 2016 allseits präsent

Die Schweiz war Gastland an der Jazzahead! 2016 in Bremen. Der Schweizer Jazz präsentierte sich den 2750 Fachteilnehmern und 15 000 Festivalbesuchern stilistisch breit gefächert. Ganz nach dem Motto «Schweizsuissesvizzerasvizra». Dieses stand für vier unterschiedliche Arten Schweiz, die doch Schnittmengen aufweisen und zusammengenommen ein bisweilen eigenwilliges, aber sicher nie einseitiges Ganzes ergeben. Text von Urs Schnell, FONDATION SUISA

Jazzahead-2016-Pilgrim-in-concert

Der Zürcher Saxophonist Christoph Irniger trat mit seiner Formation Pilgrim anlässlich der Swiss Night am 21. April 2016 an der Jazzahead! auf. (Foto: Ingo Wagner)

«Schweizsuissesvizzerasvizra» lautete das Motto, unter welchem das Gastland Schweiz seine vielfältige Jazzszene in Bremen präsentiert hat: Vier unterschiedliche Arten Schweiz, die doch Schnittmengen aufweisen und zusammengenommen ein bisweilen eigenwilliges, aber sicher nie einseitiges Ganzes ergeben.

Die kulturelle Durchmischung spiegelten im Vorgang der Messe zwei Wochen Jazzahead! Festival wieder. Quer gedacht konnte diese Vielfalt daher kommen – wie in der Figurentheaterproduktion von Dürrenmatts «Die Physiker» – oder auch mal aufsässig, wenn für die Ausstellung «Stimmvolk – Volksstimme» zur Veranschaulichung von Schweizer Abstimmungskämpfen ein Plakat mit von Schmeissfliegen befallenem Nuggi aus den Archiven hervorgeholt wurde, mit dessen Hilfe dereinst das Heimchen aus der Wahlkabine zurück an den Herd komplementiert werden sollte.

Schweizer Jazz live

Ihre helvetische Showcase-Selektion präsentierte die Jazzahead!-Jury am 21. April im Anschluss an den ersten der vier Messetage an der Swiss Night. Stilistisch breit gefächert war diese: vom umtriebigen Klangforscher Julian Sartorius, der mit seinem «Beat Diary»-Soloprogramm und als Mitglied des Colin Vallon Trios vertreten war, bis zu den Klangflächen perforierenden Beats der Formation Plaistow.

Auch aus vorigen Jahrgängen bekannte Gesichter wie Weird Beard oder das Elina Duni Quartet waren dort zu hören, und beim Galakonzert in der Glocke liessen sich Nick Bärtsch’s Ronin und Hildegard lernt fliegen mit Standing Ovations feiern.

«Für uns ging es nach dem Showcase bei der Jazzahead! 2012 so richtig los», berichtet Matthias Wenger, der Saxophonist von Hildegard lernt fliegen. Und obgleich ein Messeauftritt nicht für alle Musiker einen ähnlich kometenhaften Aufstieg bedeutet wie den der sechsköpfigen Formation um Stimmakrobat Andreas Schaerer, füllen sich doch bei vielen die Tourkalender im Anschluss merklich.

Geschäftskontakte knüpfen und pflegen

Wer als Musiker ohne Showcase an die Messe kommt, muss sich jedoch mit anderen Mitteln bemerkbar machen. Violinist Simon Heggendorn war mit dem Kaleidoscope String Quartet bereits an der Messe Classical:Next als Showcase vertreten. «Das hat schon ein paar Kontakte mit sich gebracht, aber dort steht eher die Fachtagung im Vordergrund», so Heggendorn. «Ausserdem sind wir viel mehr eine Band als ein klassisches Streichquartett und passen darum besser hierher. Ich habe mich darum für das Matchmaking registriert.»

Mit dem «Matchmaking» ist eine Art Speed-Dating gemeint, bei dem die Bedürfnisse der Teilnehmer abgefragt werden, um sie nachher mit den richtigen Konterparts zusammenführen zu können. Einen anderen Weg wählt Kulturmanagerin Nicole Mayer: «Ich informiere mich so früh wie möglich, wer bei der Messe präsent ist und versuche, im Vorlauf Termine zu machen mit den Leuten, die für mich interessant sind, oder sie zu erkennen, wenn sie mir zufällig über den Weg laufen. Am Messestand selbst bin ich eigentlich nur, wenn ich hier einen Termin vereinbart habe.»

Gastlandauftritt auf Langzeitwirkung ausgelegt

Weniger strukturiert geht es beim alljährlichen Alpine Cocktail zu: dem Apéro, der bei Schweizer Käse und österreichischem Wein Gelegenheit zum informelleren Kennenlernen gibt. Wer eher Schweizerische Gewächse bevorzugt und dazu lieber ein Stück dunkle Schoggi nimmt, konnte in diesem Jahr zudem in der Swiss Lounge Repräsentanten der Schweizer Musikszene von Label-Mitarbeitern bis zu Stiftungsvertretern zur Gesprächsreihe «Ein Glas Wein mit …» antreffen.

969 Ausstellern (Tendenz steigend), 2750 Fachteilnehmern und 15 000 Festivalbesuchern konnte sich die Schweiz in diesem Jahr an der Jazzahead! präsentieren und war dabei mit ihrer leuchtend roten Messegrafik und dem überlebensgrossen Nik-Bärtsch-Porträt, das als erster Blickfang über dem Geschehen in der Messehalle prangte, auch visuell allseits präsent.

Eine abschliessende Bilanz lässt sich noch nicht ziehen. Der «unternehmerische Erfolg» einer Messepräsenz manifestiert sich in den seltensten Fällen während oder unmittelbar nach einer Musikmesse. «Der Gastlandstatus ist vor allem auf Langzeitwirkung ausgelegt», sagt Marcel Kaufmann, Projektmanager bei der FONDATION SUISA, die gemeinsam mit Pro Helvetia und dem Schweizer Musik Syndikat SMS die Schweizer Messepräsenz organisiert. «Der Jazz aus der Schweiz geniesst international einen ausserordentlich guten Ruf. Unser Ziel war es, den Schweizer Jazz in der weltweiten Wahrnehmung noch präsenter zu machen.»

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Lionel-FriedliLionel Friedli, ein vielseitiger Impulsgeber Die FONDATION SUISA hat Lionel Friedli mit dem Jazzpreis 2015 ausgezeichnet. Der Bieler Schlagzeuger kombiniert in seinem dynamischen Spiel die Wucht des Rock mit den Freiheiten des Jazz. Damit prägt er die Musik vieler unterschiedlicher Gruppen. Weiterlesen
Womex-2015-GruppenfotoHetzen, hadern und hoffen an der Womex Die FONDATION SUISA stellt in Zusammenarbeit mit Pro Helvetia seit 2006 an der Musikmesse Womex einen Schweizer Stand. Doch was bringt die Teilnahme an einer solchen Messe überhaupt? Ane Hebeisen von der Berner Gruppe Da Cruz hat den Selbstversuch gemacht. Ein ungeschönter Erfahrungsbericht aus Budapest. Weiterlesen
Jazzpreis-2014-hilaria-kramer-liveTrompeterin Hilaria Kramer erhält den Jazzpreis 2014 der FONDATION SUISA Der Jazzpreis der FONDATION SUISA wird für innovatives und kreatives Schaffen im Schweizer Jazz verliehen. 2014 geht der mit 15 000 Schweizer Franken dotierte Preis an die Trompeterin und Komponistin Hilaria Kramer. Weiterlesen

 

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Die Schweiz war Gastland an der Jazzahead! 2016 in Bremen. Der Schweizer Jazz präsentierte sich den 2750 Fachteilnehmern und 15 000 Festivalbesuchern stilistisch breit gefächert. Ganz nach dem Motto «Schweizsuissesvizzerasvizra». Dieses stand für vier unterschiedliche Arten Schweiz, die doch Schnittmengen aufweisen und zusammengenommen ein bisweilen eigenwilliges, aber sicher nie einseitiges Ganzes ergeben. Text von Urs Schnell, FONDATION SUISA

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Der Zürcher Saxophonist Christoph Irniger trat mit seiner Formation Pilgrim anlässlich der Swiss Night am 21. April 2016 an der Jazzahead! auf. (Foto: Ingo Wagner)

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Die kulturelle Durchmischung spiegelten im Vorgang der Messe zwei Wochen Jazzahead! Festival wieder. Quer gedacht konnte…Weiterlesen

Rückschau auf das Festival M4music 2016 aus SUISA-Sicht

Mitte April 2016 fand die 19. Ausgabe des Festivals M4music statt. Die SUISA war auch dieses Jahr als Partner mit von der Partie und präsentierte unter anderem je eine Podiumsdiskussion in Lausanne und Zürich. Zudem konnten Musikschaffende am traditionellen Professionals-Apéro von der SUISA und Swissperform ihre Beziehungen pflegen. Text von Michael Welti

M4music-2016-Schiffbau

Das diesjährige M4music lockte rund 6000 Musikbegeisterte und 850 Professionals nach Zürich und Lausanne. (Foto: Migros Kulturprozent)

Neben zahlreichen Konzerten mit Schweizer und internationalen Acts bot das Festival M4music auch dieses Jahr ein reichhaltiges Rahmenprogramm mit Workshops und Panels. Die SUISA beteiligte sich an der Organisation von zwei Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen im hiesigen Musikgeschäft.

Lausanne: Debatte zu Konzertvergütungen im Le Romandie

M4music-2016-Panel-Le-Romandie

Podiumsdiskussion über das Veranstalten von Konzerten in der Schweiz am M4music-Festival in Lausanne mit (v.l.n.r.): Gil Vassaux, Yvan Jaquemet, Patrick David, Michael Drieberg, Nadia Demont und Stéphane Gobbo (Moderation). (Foto: Erika Weibel)

Am Eröffnungstag des Festivals fand im Lausanner Club Le Romandie ein Panel zum Thema «Konzerte veranstalten in der Schweiz: Ausser Spesen nichts gewesen?» statt. Zu Beginn des Panels verdeutlichte Nadia Demont von der SUISA in Lausanne anhand eines Beispiels, dass mehrere Urheber an einem Titel beteiligt sein können.

Bei 20 Titeln von Johnny Hallyday können insgesamt 49 Bezugsberechtigte beteiligt sein, erklärte Demont. Die Gage für den Auftritt geht an den Interpreten Johnny Hallyday. Durch die Vergütung über die SUISA werden auch die Komponisten und Textautoren für ihre Arbeit bezahlt.

Die Diskussionsteilnehmer am Panel in Lausanne unterhielten sich angeregt über das Tarifsystem der SUISA, in dem einige Verbesserungspotential sahen. So wurde zum Beispiel angemerkt, dass nicht transparent sei, wem wie viel Rabatt auf die geforderten Entschädigungen gewährt werde. Dabei ging vergessen, dass die genauen Tarifkonditionen unter anderem auf der SUISA-Website für alle öffentlich einsehbar sind.

Auch die Höhe der zu bezahlenden Entschädigungen für Urheberrechte wurde von den Konzertveranstaltern kritisiert. Das ganze finanzielle Risiko liege beim Veranstalter und die Gewinnmargen seien tief. Wobei Michael Drieberg (Live Music Production) anmerkte: «Die schönen Zeiten mit U2 und Tina Turner sind vorbei. Heute ist es die Realität, dass man wenig verdient.»

Zürich: Urheberrecht im Online-Zeitalter

M4music-2016-Panel-Moods

Die Gesprächsrunde an dem von der SUISA präsentierten Panel am M4music in Zürich (v.l.n.r.): Willi Egloff, Martin Steiger, Marina Villa (Moderation), Patrick Dehmer, Fabian Niggemeier. (Foto: Erika Weibel)

Am Nachmittag des zweiten Festivaltags fand im Moods im Zürcher Schiffbau das Podiumsgespräch zur Frage: «Wie viel Urheberrecht braucht’s im Internet?» statt. Welche Rolle spielt das Urheberrecht im Zusammenhang mit den digitalen technologischen Entwicklungen? Hindert es die Kreativität oder macht sie diese erst möglich, da die Urheber für ihre Arbeit Geld bekommen?

Schnell wurde am Panel klar, dass die Diskussion rund um das Urheberrecht komplex ist. Zum einen sollen geschützte Inhalte nutzbar sein, und zum anderen sollen die Urheber für Ihre Arbeit fair entschädigt werden.

Kritik am Verwertungsmodell der Filmindustrie

Die Ursache für Verstösse gegen das Urheberrecht im Internet habe oft mit mangelndem Unrechtsbewusstsein oder Unwissenheit der User zu tun, wurde im Gespräch festgehalten. Auch Verwertungsmodelle mit zeitversetzten Veröffentlichungsterminen wie es die Filmindustrie noch anwende, wurden als mögliche Anregung zu missbräuchlichem Nutzerverhalten genannt.

Willi Egloff vom Schweizerischer Verband der FilmproduzentInnen entgegnete, dass es sich Filmproduzenten finanziell nicht leisten könnten, einen Film weltweit zum gleichen Zeitpunkt in mehreren Sprachen zu veröffentlichen. Die Produktionskosten für einen günstigen Schweizer Film würden etwa 1 Million Schweizer Franken betragen, meinte Egloff. Diese Aufwände seien nur an der Kinokasse und eben durch die Verwertung mit zeitversetzter Veröffentlichung wieder einspielbar.

Gegen das Unrechtsbewusstsein und die Unwissenheit der User könnten Warnhinweise eine nützliche Massnahme sein, meinte Fabian Niggemeier von der SUISA. Zum Beispiel im Fall, wenn die Eltern als Inhaber eines Internet-Anschlusses durch einen Warnhinweis erfahren, dass sich ihre Kinder im Netz widerrechtlich verhalten.

Revision des Urheberrechts nötig

Ob und wie das Blocken von Websites, die gegen das Urheberrecht verstossen, nötig oder machbar ist, war man sich unter den Diskussionsteilnehmern nicht einig. Übereinstimmung hingegen bestand in der Meinung, dass das Urheberrechtsgesetz an die Realitäten des Internets angepasst werden muss.

Das Schweizer Urheberrechtsgesetz sollte jedoch wie bisher technologieneutral sein, mahnte Fabian Niggemeier. Im aktuellen Vorschlag zur Gesetzesrevision ist zum Beispiel die Peer-to-peer- Technologie erwähnt. Das macht keinen Sinn: «In zehn Jahren ist diese Technologie nicht mehr relevant», meinte Fabian Niggemeier. Dafür gäbe es andere, neue Technologien – und jedes Mal müsste danach in einem langwierigen Prozess das Gesetz wieder angepasst werden.

Professional-Apéro, Showcase Stage und Demotape Clinic

Der SUISA-/Swissperform-Professional-Apéro am M4music in Zürich wurde auch dieses Jahr von zahlreichen Musikschaffenden besucht und genutzt, um neue Kontakte zu knüpfen oder bestehende zu pflegen. Zur Netzwerkpflege diente auch der «Coffee and Cake by SUISA» am M4music in Lausanne, der dieses Jahr zum zweiten Mal durchgeführt wurde.

Die SUISA beteiligte sich auch als Partner an der von Swissperform organisierten Showcase Stage. Auf diese Bühne präsentierten sich am Freitag und am Samstag in Zürich Schweizer Bands und Musiker dem interessierten Publikum.

An der diesjährigen Demotape Clinic erhielt Veronica Fusaro & Band aus Thun den Hauptpreis «Demo of the Year 2016» für den Song «Come To Naught». Die «FONDATION SUISA Awards» in den Sparten Rock, Pop, Urban und Electronic gingen an:

  • Kategorie Pop: Veronica Fusaro & Band (BE) für «Come To Naught»
  • Kategorie Electronic: Audio Dope (BS) für «Unconditional (feat. Emilia Anastazja)»
  • Kategorie Rock: John Gailo (ZH) für «Brain»
  • Kategorie Urban: Pink Flamingo (GE) für «She Goes»
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Label-Suisse_IntroSchweizer Musik als Erlebnisreise am Festival Label Suisse 86 Veranstaltungen, 7 Konzertsäle, eine Open-Air-Bühne, der «Marché de la Musique» plus die Verleihung des ersten Schweizer Musikpreises durch das Bundesamt für Kultur (BAK). Das reichhaltige Angebot am Label Suisse 2014 erforderte einen handfesten Plan für die persönliche Entdeckungs- und Genussreise durch das Festivalprogramm. Alles mitkriegen und nichts verpassen war unmöglich. Weiterlesen
MaMA-2015-GruppenfotoZusammenarbeit am MaMA: Ein Erfolg, der sich bestätigt Am Donnerstag, 15. Oktober 2015, hat der dritte Swiss Business Mixer am MaMA Festival in Paris stattgefunden. Anschliessend hat sich Marc Ridet für ein kurzes Interview zur Verfügung gestellt. Marc Ridet ist Direktor des Swiss Music Exports, zuständig vor allem für die Unterstützung von Schweizer Künstlern, die im frankophonen Musikmarkt Fuss fassen wollen. Weiterlesen
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Mitte April 2016 fand die 19. Ausgabe des Festivals M4music statt. Die SUISA war auch dieses Jahr als Partner mit von der Partie und präsentierte unter anderem je eine Podiumsdiskussion in Lausanne und Zürich. Zudem konnten Musikschaffende am traditionellen Professionals-Apéro von der SUISA und Swissperform ihre Beziehungen pflegen. Text von Michael Welti

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Das diesjährige M4music lockte rund 6000 Musikbegeisterte und 850 Professionals nach Zürich und Lausanne. (Foto: Migros Kulturprozent)

Neben zahlreichen Konzerten mit Schweizer und internationalen Acts bot das Festival M4music auch dieses Jahr ein reichhaltiges Rahmenprogramm mit Workshops und Panels. Die SUISA beteiligte sich an der Organisation von zwei Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen im hiesigen Musikgeschäft.

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«Der Kleine Prix Walo ist ein schönes Erfolgserlebnis für die Seerugge Feger»

Die Seerugge Feger aus dem Kanton Thurgau haben den Kleinen Prix Walo 2015 in der Kategorie Volksmusik gewonnen. Der Songschreiber der Band, Philipp Manser, ist vor Kurzem neu der SUISA beigetreten. Eine Spurensuche, wie der «Feger-Sound» entsteht und was man damit erreichen kann.

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Philipp Manser im Proberaum der Seerugge Feger: Im Keller des elterlichen Wohnhauses feilt die Band ein Mal wöchentlich an Songs und Sound. (Foto: Manu Leuenberger)

«Der Sieg beim Kleinen Prix Walo ist ein weiteres schönes Erfolgserlebnis für die Seerugge Feger», sagt Philipp Manser. Er ist der Leadsänger und spielt Schwyzerörgeli im Quartett, das neben ihm aus seinem Bruder Fabian Manser (Gesang, Schlagzeug) sowie den Cousins Tobias Manser (Gesang, Schwyzerörgeli) und Sandro Holenstein (Gesang, E-Bass) besteht. Mit der Band Seerugge Feger haben die Musiker, alle zwischen 23 bis 25 Jahre alt, den Kleinen Prix Walo 2015 in der Kategorie Volksmusik gewonnen.

Der Erfolg beschränkt sich nicht nur auf den Pokal, den Prix-Walo-Stern, den sie beim Final im Dezember 2015 im aargauischen Birr als Gewinner entgegennehmen durften und «auf den man als Erinnerungstück zurückschauen kann». Die Teilnahme am Nachwuchswettbewerb brachte sie in Kontakt mit Leuten aus dem Musikgeschäft. «Zudem wurde und wird dadurch über unsere Gruppe in den Medien berichtet», freut sich Philipp Manser: «Wir dürfen auch an der Gala des ‹grossen› Prix Walo mit dabei sein und werden dort auftreten können.»

Beim Songschreiben kommt zuerst der Text

Am Final des Kleinen Prix-Walo haben die Seerugge Feger das Stück «Alles was i bruch» zum Besten gegeben. Ein Stück, das Philipp Manser komponiert und getextet hat. «Das hat mich persönlich sehr gefreut, dass wir die Jury mit einem selbst geschriebenen Titel überzeugen konnten», sagt der 23-Jährige.

Bei der Gründung vor fünf Jahren hiess die Band zunächst Seerugge-Trio. Mit der Erweiterung zum Quartett wenig später wurde sie in Seerugge Feger umbenannt. Auf der Website der Gruppe sind die Funktionen der Bandmitglieder klar definiert. Fabian ist zuständig für das Booking. Sandro kümmert sich um die Finanzen. Tobias zeichnet verantwortlich für die Technik. Philipp ist der Songschreiber.

«Meine Cousins und mein Bruder mögen meine Stücke mit schweizerdeutschem Text», sagt Philipp Manser, «meistens jedenfalls kriege ich von ihnen für meine Textideen den Daumen hoch gezeigt.» Ein neues Stück fängt der Songschreiber der Seerugge Feger mit dem Text an. Der Text gibt eine Atmosphäre, eine Stimmung für den Song vor. Daraus entsteht eine Melodie. Um die Melodie herum wird die Begleitung, das Arrangement geschaffen.

Schwyzerörgeli ersetzen Gitarren

Jeden Montag trifft sich die Band zur gemeinsamen Probe. Die sorgsam verklebten Eierkartons an der Decke zeugen von enthusiastischer Handarbeit bei der Einrichtung des Übungsraums im Keller des Wohnhauses, in dem Philipp Manser zusammen mit seinem Bruder noch bei den Eltern in Hörhausen im Thurgau in ländlicher Umgebung lebt.

Bei den Proben kriegen die Bandmitglieder die musikalischen Ideen zu den Texten zu hören. «Ich sehe es ihren Gesichtern schon nach wenigen Takten an, ob für die Idee Begeisterung oder keine Begeisterung besteht», erzählt Philipp Manser. Gefällige Ideen werden ausgearbeitet oder Änderungsvorschläge gemeinsam besprochen und die Stücke angepasst.

«Wir wollen, dass unsere Songs den typischen ‹Feger-Sound› haben», sagt der Songschreiber Manser. «Vom Prinzip her übernehmen wir Gitarrensachen auf dem Schwyzerörgeli, soweit das möglich ist, und Schlagzeug und Bass spielen einen speziellen Groove.» Ihre Musik soll modern daherkommen, ist das erklärte Ziel der vier Musiker, die auf ihrer Website als Lieblingsbands Coldplay, AC/DC und Status Quo angeben.

Auftritte im Fernsehen und im Vatikan

Der «Feger-Sound» wird immer mehr Hörern volkstümlicher Musik bekannt. «Wir durften mit der Band schon einige schöne Dinge erleben», erzählt Philipp Manser. Gerne und lebhaft erinnert er sich an die Auftritte in der Sendung «Samstig-Jass» im Schweizer Fernsehen, beim Fest zum 1. August der Schweizer Garde im Vatikan in Rom, und natürlich an den Nachwuchswettbewerb des «Musikantenstadl», dank dem sie Ende 2014 in der 4-stündigen TV-Gala «Silvesterstadl» in Graz auftreten konnten.

Im Zusammenhang mit dem Auftritt im «Silvesterstadl» nahmen die Seerugge Feger ihr erstes Album auf. Die CD «Made in Switzerland» entstand in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Uwe Altenried, dem Ex-Keyboarder der Klostertaler, und ist seit 2015 erhältlich. Eine neue CD befindet sich in Entstehung.

Aus Versehen erst erst seit Kurzem bei der SUISA

Das erste Schwyzerörgeli bekam Philipp Manser von seinem Onkel geschenkt. Dieser gab ihm im Bubenalter auch den ersten Unterricht. In der Folge wurde er mehrere Jahre lang an der Musikschule auf dem Instrument unterrichtet. Die ersten eigenen Stücke habe er für die Formation Die jungen Manser Buebe im Alter von 16 oder 17 Jahren komponiert, vermutet er, kann sich an das genaue Jahr aber nicht mehr erinnern.

Der SUISA ist Philipp Manser erst im Herbst 2015 beigetreten. «Das war ein Versehen», erklärt er, «wir sind davon ausgegangen, dass mich die Plattenfirma längst angemeldet hat.» Als er bei der SUISA etwas nachfragen wollte, ist das Versehen aufgefallen und die Anmeldung wurde nachgeholt.

Mittlerweile hat er im Frühling die erste Abrechnung von der SUISA erhalten. Mit den ausbezahlten Vergütungen kann er keine grossen Sprünge machen. Den Lebensunterhalt vom Musikmachen zu bestreiten, steht für ihn im Moment ohnehin nicht zur Diskussion.

Kleiner Prix Walo weiterer Meilenstein für Seerugge Feger

«Wir sprechen ab und zu in der Band darüber, wie wir reagieren würden, wenn sich die Chance auf den grossen Durchbruch ergäbe», sagt Philipp Manser. Vorderhand arbeiten die Bandmitglieder alle noch in einem anderen Hauptberuf und betreiben die Musik nebenher.

Seit der Veröffentlichung der ersten CD letztes Jahr spielt die Band durchschnittlich drei bis vier Konzerte pro Monat. Die Konzertanfragen nehmen zu, häufig können die Musiker aus Zeitgründen nicht zusagen.«Wir sind zufrieden und gut ausgelastet, so wie es im Moment läuft», sagt Philipp Manser. Die Seerugge Feger nehmen Schritt für Schritt in ihrer Musikkarriere. Der Gewinn des Kleinen Prix Walo 2015 ist ein weiterer Meilenstein auf ihrem Weg.

www.seeruggefeger.ch, offizielle Band-Website

Der Prix Walo wird seit 1974 vom Verein Show Szene Schweiz vergeben. Mit der Auszeichnung werden die erfolgreichsten Schweizer Unterhaltungskünstlerinnen und –künstler in verschiedenen Sparten – von Pop/Rock, Hip Hop, Jazz/Blues, Blasmusik über Kabarett/Comedy, Film-, Bühnen- bis TV-Produktion und Schauspieler – geehrt. Die 42. Preisverleihung des Prix Walo findet am Sonntag, 8. Mai 2016, im Kongresshaus Zürich statt und wird live auf Star TV ausgestrahlt. Die SUISA unterstützt den Verein Show Szene Schweiz.

Mit dem Nachwuchswettbewerb Prix-Walo-Sprungbrett und der Verleihung des Kleinen Prix Walo sollen Schweizer Talente aus der der Showszene gefördert werden. Informationen inklusive Anmeldemöglichkeit für die Prix-Walo-Sprungbrett-Veranstaltungen 2016 finden sich auf der Website des Prix Walo.

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Die Seerugge Feger aus dem Kanton Thurgau haben den Kleinen Prix Walo 2015 in der Kategorie Volksmusik gewonnen. Der Songschreiber der Band, Philipp Manser, ist vor Kurzem neu der SUISA beigetreten. Eine Spurensuche, wie der «Feger-Sound» entsteht und was man damit erreichen kann.

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Philipp Manser im Proberaum der Seerugge Feger: Im Keller des elterlichen Wohnhauses feilt die Band ein Mal wöchentlich an Songs und Sound. (Foto: Manu Leuenberger)

«Der Sieg beim Kleinen Prix Walo ist ein weiteres schönes Erfolgserlebnis für die Seerugge Feger», sagt Philipp Manser. Er ist der Leadsänger und spielt Schwyzerörgeli im Quartett, das neben ihm aus seinem Bruder Fabian Manser (Gesang, Schlagzeug) sowie den Cousins Tobias Manser (Gesang, Schwyzerörgeli) und Sandro Holenstein (Gesang, E-Bass) besteht. Mit der Band Seerugge Feger haben die Musiker, alle zwischen 23 bis 25 Jahre alt,…Weiterlesen