Tagarchiv: Schweizer Musik

Camilla Sparksss: «Ein schönes Weihnachtsgeschenk» | mit Video

Wo die Songs von Camilla Sparksss entstehen, war einst die Klause eines Mönchs. Noch heute wirkt die von da sichtbare Seenlandschaft idyllisch. Doch dann erkennt man, dass sie von der Nord-Süd-Autobahn und der Landepiste des Flughafens Lugano-Agno durchschnitten wird. Auch bei Camilla Sparksss ist vieles anders, als es zunächst scheint. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Manu Leuenberger

Die 1983 geborene Musikerin zeigt sich im Gespräch sanft und herzlich ‒ nicht wild wie auf der Bühne. Bürgerlich heisst sie Barbara Lehnhoff und ist in Kanada aufgewachsen. Mit 17 zog sie ins Tessin, von wo ihre Mutter stammt, um zu studieren. Bald lernte sie den Tessiner Rockgitarristen und Songwriter Aris Bassetti kennen und lieben, begann mit ihm unter dem Bandnamen Peter Kernel zu musizieren. Dies entwickelte sich derart erfreulich, dass sie ihre langjährige Anstellung als Filmemacherin beim Tessiner Fernsehen im Jahr 2012 aufgab, um sich voll der Musik zu widmen.

«Das Tessin ist im Vergleich zu Kanada ein strategisch guter Ort, um Musik zu machen und zu touren», erklärt Barbara Lehnhoff. «Man muss nicht gleich ein Flugzeug nehmen, wie dies in Nordamerika der Fall ist.» Sie liebt zudem das deutlich wärmere Klima, was nicht nur für ihr Wohlbefinden wichtig ist. «Hier kann man zu jeder Jahreszeit einfach rausgehen, um ein Video oder ein Foto-Shooting zu machen.» Die alte Heimat beeinflusst trotzdem bis heute ihre künstlerische Vision. «Ich wuchs in einer Art Indianerreservat mit starkem Kontakt zur Natur auf ‒ sehr unterschiedlich zu Europa.»

Peter Kernel elektronisch

Die Aussage mag verwirrend klingen, dass Camilla Sparksss «weniger ein Solo- als ein Nebenprojekt von Peter Kernel» ist. Doch Barbara Lehnhoff betont, dass sie auch die Stücke von Camilla Sparksss zusammen mit Aris Bassetti komponiert. «Wir machen alles zusammen, 24 Stunden pro Tag, und wir ergänzen uns auch beim Schreiben der Songs gut. Aris pflegt einen eher melodischen italienischen Stil und kümmert sich um die Arrangements. Ich bin direkter und mehr punkig.» Diese Seite kommt bei Camilla Sparksss stärker zum Ausdruck. Dieses Projekt entstand aus dem Bedürfnis heraus, eine Art elektronische Version von Peter Kernel zu schaffen; nicht zuletzt, um an den Konzerten weniger Equipment schleppen zu müssen. «Bei Camilla Sparksss ist die Musik verspielter und mehr auf Fun ausgelegt. Und wenn wir eine Idee haben, können wir sie am Computer sofort ausprobieren.»

Der Ursprung eines Songs liegt allerdings meist im Gitarrenspiel von Aris Bassetti, wenn er nach einer Melodie sucht. «Wir entscheiden erst im Verlauf des Songwritings, für welches Projekt wir das Stück verwenden. Falls es für Camilla Sparksss ist, wandeln wir es in einen elektronischen Song um.» Sobald sie Arrangements ausprobieren wollen, wechseln sie von der Wohnung in einen nahe gelegenen Übungsraum. «Dort können wir viel Lärm machen, weil er sich im Untergeschoss befindet», meint Barbara Lehnhoff lachend. «Wenn wir die Gesangsteile schreiben, müssen wir auch schreien können.» Sie bezeichnet den Stil von Camilla Sparksss als Hyper Pop. «Bezüglich Melodien und Arrangements kann man diese Songs zum Pop zählen. Aber wie wir an die Grenzen gehen, ist es hyper – das gehört zu unserem Punk-Approach.»

Girl-Power auf der Bühne

Camilla-Sparksss-VideostillErst am Konzert kommen die Songs richtig zur Geltung. «Die Live-Darbietung ist der Grund für alles, was wir mit den beiden Projekten tun. Erst auf der Bühne wird unser künstlerisches Schaffen vollendet.» Bei Camilla Sparksss wird es zu einer regelrechten Performance, die wie die schrille Show eines Girl-Power-Projekts wirkt. Barbara Lehnhoff singt lauthals und spielt Synthesizer zu den Rhythmen einer Schlagzeugmaschine, während eine weitere Frau dazu tanzt. «Die Tänzerin repräsentiert gewissermassen die körperliche Seite der Schlagzeugmaschine – und schwitzt entsprechend wie ein Schlagzeuger.»

Nicht zuletzt dank der vielen Konzerte können Barbara Lehnhoff und Aris Bassetti seit 2012 von der Musik leben. Für einige Tourneen, die sie sogar nach Kanada und in die USA geführt haben, erhielten sie auch Unterstützung von der FONDATION SUISA. «Aber es ist hart, von der Musik zu leben», meint Barbara Lehnhoff trocken. «Und es ist nur möglich, weil wir auch alles darum herum selbst machen: die Videos, die Grafik, das Management, unser Label On The Camper Records.» Aber die beiden Musiker machen eben nicht Pop im kommerziellen Sinn. Deshalb werden sie nur selten am Radio gespielt und erhalten entsprechend nicht viel Geld. «Die Abrechnungen der SUISA sind für uns aber immer wie ein schönes Weihnachtsgeschenk», meint Barbara Lehnhoff lachend.

www.camillasparksss.com, offizielle Website

Wo-neue-Musik-entsteht_Cover«Wo neue Musik entsteht»

Der Wert der Ideen der Musikschaffenden ist das Herzstück der Arbeit der SUISA. Für die Broschüre «Wo neue Musik entsteht» geben fünf Persönlichkeiten und Gruppen aus verschiedenen Musikgenres und Sprachregionen der Schweiz Einblick in ihren kreativen Schaffensprozess und ihre musikalische Tätigkeit. Neben Barbara Lehnhoff aka Camilla Sparksss wurden bereits Carrousel und Marcel Oetiker mit Video auf dem SUISAblog.ch und in der Broschüre Ausgabe 2015 (PDF, 8.17 MB) vorgestellt. Barbara Lehnhoff und Aris Bassetti gehörten als Duo Peter Kernel zu den Nominierten für den Schweizer Musikpreis 2016.

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Marcel-Oetiker-Video_PosterMarcel Oetiker: «Beim Reisen werde ich oft inspiriert» | mit Video Beim Zürcher Bahnhof Hardbrücke brausen Züge vorbei, kreischen in den Kurven, ächzen beim Anfahren und beim Bremsen. Doch Marcel Oetiker hat diesen Ort nicht als Treffpunkt gewählt, weil solche Geräusche manche Künstler zu kreativen Höhenflügen anregen. Weiterlesen
Carrousel-Video-PosterCarrousel: «Manchmal hilft ein Toy-Piano bei der Suche nach der Melodie» | mit Video Farbig, quirlig und charmant klingen die Chansons von Carrousel. Kaum vorstellbar, dass sie in der kargen und einsamen Landschaft des Juras entstehen und nicht in den Gassen von Paris. Weiterlesen
Wo-neue-Musik-entsteht-CoverDie SUISA ist da, wo neue Musik entsteht Mehr als 80 neue Werke melden die Mitglieder durchschnittlich jeden Tag bei der SUISA an. Mit ihrer Dienstleistung verschafft die SUISA den Komponisten und Textautoren Freiraum, um neue Musik zu schaffen. Als Bindeglied zwischen den Urhebern und jenen, die Musik ausserhalb des privaten Rahmens nutzen, ermöglicht sie, dass Musik öffentlich aufgeführt, gesendet oder online angeboten und dadurch vom Publikum entdeckt werden kann. Diesen Gedanken will die SUISA in ihrer Kommunikation verstärkt hervorheben. Weiterlesen
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Wo die Songs von Camilla Sparksss entstehen, war einst die Klause eines Mönchs. Noch heute wirkt die von da sichtbare Seenlandschaft idyllisch. Doch dann erkennt man, dass sie von der Nord-Süd-Autobahn und der Landepiste des Flughafens Lugano-Agno durchschnitten wird. Auch bei Camilla Sparksss ist vieles anders, als es zunächst scheint. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Manu Leuenberger

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Label Suisse 2016: 70 Künstler, 7 Bühnen und 100 000 Zuschauer

Rock, Pop, Folk, elektronische Musik, Hip-Hop, Jazz, Chanson, Chorgesang und klassische Musik: Schweizer Musik so weit das Ohr reicht. Gleichzeitig interessante Panels und Gelegenheiten, um sich unter Musik-Professionals zu treffen und vernetzen.

Label-Suisse-Place-Centrale

Grosse Bühne für die Schweizer Musik: Dicht besetzter Place Central vor der Open-Air-Hauptbühne des Festivals Label Suisse in Lausanne. (Foto: Joseph Carlucci)

Schon zum 7. Mal bringt das Festival Label Suisse in Lausanne das Schweizer Musikschaffen ins Rampenlicht. Dank der Unterstützung von diversen Sponsoren wie der SUISA, dem Bundesamt für Kultur, Pro Helvetia und SRF/RSI ist der Besuch der Konzerte für das Publikum kostenfrei. Die Auswahl der auftretenden Künstler unterschiedlicher Genres bietet dem Publikum einen weitreichenden Überblick über die aktuelle schweizerische Musikszene.

Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat sich entschieden, im Rahmen von Label Suisse auch den Schweizer Grand Prix Musik zu verleihen. Einige der Künstler, die für den Musikpreis des BAK nominiert sind, werden auf den Bühnen des Festivals Label Suisse ihr Können zum Besten geben.

Kommen auch Sie und geniessen Sie 3 Tage lang Schweizer Musik im malerischen Lausanne am Genfersee.

Der Terminplan für Professionals sieht wie folgt aus:
Flyer Label Suisse (PDF)

Das Musikprogramm finden sie hier:
https://labelsuisse.ch/site/de/programm

Am Donnerstag, 15. September 2016, verleiht das Bundesamt für Kultur zum 3. Mal den Schweizer Grand Prix Musik. Nominiert sind 15 Musikschaffende aus der ganzen Schweiz und aus unterschiedlichen Musiksparten. Ausgezeichnet wird die Gewinnerin oder der Gewinner in Anwesenheit von Bundesrat Alain Berset an der Preisverleihung im Saal Métropole in Lausanne.
http://www.schweizermusikpreis.ch/de/
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Label-SuisseSchweizer Musik als Erlebnisreise am Festival Label Suisse 86 Veranstaltungen, 7 Konzertsäle, eine Open-Air-Bühne, der «Marché de la Musique» plus die Verleihung des ersten Schweizer Musikpreises durch das Bundesamt für Kultur (BAK). Das reichhaltige Angebot am Label Suisse 2014 erforderte einen handfesten Plan für die persönliche Entdeckungs- und Genussreise durch das Festivalprogramm. Alles mitkriegen und nichts verpassen war unmöglich. Mein Plan für die 3 Tage in Lausanne: mich durch die Vielfalt des Schweizer Musikschaffens treiben lassen. Weiterlesen
Label-Suisse-2008Festival Label Suisse: Am Pulsschlag der Schweizer Musik im Herzen von Lausanne Vom 19. bis 21. September 2014 findet in Lausanne zum 6. Mal das Musikfestival Label Suisse statt. Auf 8 Bühnen in 7 Lokalitäten im Zentrum der olympischen Hauptstadt präsentiert das Festival an drei Tagen eine breite Palette schweizerisches Musikschaffens. Der Eintritt zu den Konzerten ist frei. Im schriftlichen Interview gibt Julien Gross, Präsident des organisierenden Vereins von Label Suisse, Auskunft über das aussergewöhnliche Festival. Weiterlesen
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Traditionelle Volksmusik als Basis für komplexere Kompositionen

Der Komponist und Akkordeonist Franz «Fränggi» Gehrig erhält den Preis der FONDATION SUISA 2016. Der jährlich verliehene Anerkennungspreis der Musikförderstiftung der SUISA wird 2016 in der Kategorie «neue, aktuelle Schweizer Volksmusik» vergeben. Ein Interview mit dem 30-jährigen Urner Preisträger über die Auszeichnung, sein musikalisches Schaffen und den Reiz von alter wie neuer Volksmusik.

Fraenggi-Gehrig-Preis-der-FONDATION-2016

Fränggi Gehrig begann als 8-Jähriger Akkordeon zu spielen. An der Hochschule Luzern studiert er Akkordeon im Profil Jazz mit Schwerpunkt Volksmusik und belegt das Fach Komposition. (Foto: Blatthirsch.ch)

Fränggi Gehrig, Sie werden mit dem Preis der FONDATION SUISA 2016 in der Kategorie «neue, aktuelle Schweizer Volksmusik» ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Fränggi Gehrig: Die Auszeichnung kam für mich total unerwartet, denn ich hatte bei der Eingabe des Preises keine Ahnung, ob ich mir überhaupt Chancen ausrechnen kann. Umso mehr freue ich mich natürlich jetzt und ich fühle mich wirklich sehr geehrt, dass ich diese Auszeichung entgegennehmen darf.

Mit der Volksmusik sind viele Traditionen verbunden. Was sind die Herausforderungen, wenn man Volksmusik neu und aktuell gestalten will?
Das Wichtigste finde ich, dass man dabei seine Wurzeln nicht vergisst. Man muss aufpassen, dass man nicht willkürlich Melodien anders harmonisiert oder rhythmisch verändert und dabei sagt, es handle sich jetzt um neue Volksmusik.
Ich glaube, dass die Verbindung zwischen «Traditionellem» und «Neuem» gar nicht gelingt, wenn man diese Traditionen nicht über eine sehr lange Zeit intensiv gelebt hat. Gerade die traditionelle Volksmusik ist sehr schwierig zu erlernen. Es braucht während Jahrzehnten etliche Freinächte und eben so viele Stunden Übung im stillen Kämmerlein, um in dieser richtig heimisch zu werden. Meine Meinung ist, dass man diesen Background benötigt, um die Volksmusik sinnvoll neu und aktuell zu gestalten.

Man kann Sie zum einen häufig am Akkordeon als Interpret von alten volkstümlichen Werken hören. Zum anderen schreiben Sie für Formationen wie Rumpus, Stegreif GmbH oder die Alpini Vernähmlassig, wo Sie ebenfalls mitspielen, auch eigene Kompositionen. Was macht für Sie den Reiz einerseits am Interpretieren von alter und anderseits am Komponieren von neuer Musik aus?
Ich mag grundsätzlich die Abwechslung und die Vielfalt an verschiedenen Projekten in meiner Tätigkeit.  Wie schon gesagt, die traditionelle, «alte» Musik ist meine Basis, damit bin ich gross geworden und ich spiele sie immer noch sehr gerne. Ich finde, diese passt auch besser in eine gemütliche Beiz, wo getanzt wird, anstatt in einen Konzertsaal. Auf der anderen Seite eignen sich meine etwas komplexeren Kompositionen besser für Konzertsituationen. Das Zielpublikum ist dabei zum Teil total verschieden, man bewegt sich praktisch in zwei Welten. Diese Abwechslung gefällt mir und gibt mir den Anreiz, nach wie vor beides zu machen und manchmal zu kombinieren.

Vor 6 Jahren sind Sie der Schweizer Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik beigetreten. Welchen Nutzen hat die Mitgliedschaft bei der SUISA für Sie?
Ich kann meine Werke urheberrechtlich schützen lassen und profitiere natürlich davon, wenn meine Kompositionen in der Öffentlichkeit gespielt werden.

Haben Sie bereits Idee, wozu Sie das Preisgeld, das Ihnen durch die Auszeichnung der FONDATION SUISA zuteil wird, verwenden werden?
Ich werde mir ziemlich sicher ein gutes Instrument gönnen, mit dessen Kauf ich schon länger geliebäugelt habe.

Welche der vielen Formationen, in denen Sie mitwirken, liegt Ihnen im Moment oder in der nächsten Zukunft besonders am Herzen?
Mein Ziel ist es, mein eigenes Quintett in Zukunft etwas voranzutreiben. Daneben hoffe ich, dass ich wie bisher mit meinen Formationen, Musikkolleginnen und -kollegen weiterhin viele tolle Momente erleben darf.

Offizielle Website: www.fraenggigehrig.com

Der Preis der FONDATION SUISA ist ein Anerkennungspreis, mit dem herausragendes Schaffen ausgezeichnet wird, das zur Bereicherung des musikalischen Erbes der Schweiz beiträgt. Der Preis wird von der Musikförderstiftung der SUISA jährlich in abwechselnden Kategorien vergeben und ist mit 25 000 Franken dotiert. Die letzten Preisträger waren: Aliose (Kategorie «Musique de variéte»), Gary Berger («instrumentale/vokale Komposition und Elektronik»), Ruh Musik AG («Musikverlagswesen»), Trummer («Singer/Songwriter») sowie Michel Steiner und Willi Valotti («Schweizer Volksmusik»).

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Aliose«Der Preis der FONDATION SUISA 2015 gibt uns einen Schub für die Zukunft!» Das Duo Aliose erhält den diesjährigen Preis der FONDATION SUISA für seine herausragenden Leistungen im musikalischen Genre «Musique de variété». Seit dem Erscheinen ihres Debütalbums 2009 haben Aliose mehr als 250 Konzerte, davon ein Drittel ausserhalb der Schweiz, gespielt. Begegnet sind sich Alizé Oswald und Xavier Michel vor über 10 Jahren bei einem Workshop für Autoren, Komponisten und Interpreten. Die Preisträgerin und der Preisträger haben uns schriftlich Auskunft über ihre Musik, das Komponieren, den Preisgewinn und ihr nächstes Album gegeben. Weiterlesen
Lionel-FriedliLionel Friedli, ein vielseitiger Impulsgeber Die FONDATION SUISA hat Lionel Friedli mit dem Jazzpreis 2015 ausgezeichnet. Der Bieler Schlagzeuger kombiniert in seinem dynamischen Spiel die Wucht des Rock mit den Freiheiten des Jazz. Damit prägt er die Musik vieler unterschiedlicher Gruppen. Weiterlesen
Fondation-Jubiläum-Klangturm25 Jahre FONDATION SUISA – eine Erfolgsgeschichte Die FONDATION SUISA, die gemeinnützige Musikförderstiftung der SUISA, feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Seit ihrer Gründung 1989 hat sie das Schweizer Musikschaffen im In- und Ausland mit über 36 Millionen Franken unterstützt. Gründungsmitglied Roy Oppenheim wirft im SUISAblog einen persönlichen Blick zurück. Weiterlesen
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Der Komponist und Akkordeonist Franz «Fränggi» Gehrig erhält den Preis der FONDATION SUISA 2016. Der jährlich verliehene Anerkennungspreis der Musikförderstiftung der SUISA wird 2016 in der Kategorie «neue, aktuelle Schweizer Volksmusik» vergeben. Ein Interview mit dem 30-jährigen Urner Preisträger über die Auszeichnung, sein musikalisches Schaffen und den Reiz von alter wie neuer Volksmusik.

Fraenggi-Gehrig-Preis-der-FONDATION-2016

Fränggi Gehrig begann als 8-Jähriger Akkordeon zu spielen. An der Hochschule Luzern studiert er Akkordeon im Profil Jazz mit Schwerpunkt Volksmusik und belegt das Fach Komposition. (Foto: Blatthirsch.ch)

Fränggi Gehrig, Sie werden mit dem Preis der FONDATION SUISA 2016 in der Kategorie «neue, aktuelle Schweizer Volksmusik» ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Fränggi Gehrig: Die Auszeichnung kam für mich total unerwartet, denn ich hatte bei der Eingabe des Preises keine Ahnung, ob ich mir überhaupt Chancen ausrechnen kann. Umso mehr freue…Weiterlesen

Carrousel: «Manchmal hilft ein Toy-Piano bei der Suche nach der Melodie» | mit Video

Farbig, quirlig und charmant klingen die Chansons von Carrousel. Kaum vorstellbar, dass sie in der kargen und einsamen Landschaft des Juras entstehen und nicht in den Gassen von Paris. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Manu Leuenberger

«Zu Beginn unserer Zusammenarbeit haben wir es in Paris sechs Monate versucht», erzählt Sophie Burande lachend mit ihrer glasklaren und doch warmen Stimme. «Dank einem Stipendium des Kantons Jura konnten wir ein halbes Jahr in Paris leben und arbeiten.» Sie und ihr Lebenspartner Léonard Gogniat fanden das energiegeladene Leben durchaus anregend, auch das reiche Kulturangebot. «Aber letztlich zogen wir es vor, in die Schweiz zurückzukehren.»

Wohnort im Jura geeignet für konzentrierte Arbeit an der Musik

In der Nähe von Delémont haben die beiden Musiker bessere Voraussetzungen gefunden. «Wir haben hier alles komfortabel beieinander, was wir privat und für die Musik brauchen», erklärt Sophie Burande. Anders als in einer Stadt können sie sich hier viel Raum leisten, sogar für die Lagerung des Live-Equipments. «Wir können hier zudem Lärm machen, ohne Nachbarn zu stören. Und der Wald ist nah, so dass wir zwischendurch spontan einen Spaziergang machen können». Der Hauptgrund aber ist gemäss Léonard Gogniat, dass «wir auf dem Land aufgewachsen sind und uns in der Natur wohler fühlen». Tatsächlich wuchs er in den nahen Franche-Montagnes auf, während Sophie Burande aus der französischen Auvergne stammt. Doch offensichtlich fühlt sie sich hier wie zuhause, denn die Landschaften ähnelten sich stark.

Die umfunktionierte Wohnung in Courtételle hat sich als Rückzugsort bewährt, um konzentriert an der Musik arbeiten zu können. «Wir bringen von unseren Tourneen viele Eindrücke nach Hause und können diese hier in Ruhe ordnen und als Grundlage für die Lieder verwenden», erläutert Léonard Gogniat. Dies bedeutet nicht, dass die Musik nur hier entsteht. Für das aktuelle, dritte Studioalbum «L’euphorie» gingen die Beiden auch je eine Woche nach Südfrankreich und nach Amsterdam, um «aus der gewohnten Umgebung herauszukommen und neue Einflüsse einzubringen».

Text und Melodie beim Komponieren miteinander verbunden

Ausgangspunkt eines neuen Lieds kann ein Graffiti auf einer Mauer oder ein Satz in der Zeitung sein, erklärt Léonard Gogniat. «Dies bringt mich auf eine Idee und dann auf ein Thema, zu dem ich nach Worten suche. Und da die Gitarre nie weit weg ist, beginne ich Akkorde zu spielen, woraus sich die Basis eines neuen Lieds ergibt.» Dann suchen die Beiden meist gemeinsam nach der passenden Melodie. «Manchmal hilft es dabei, auf einem Toy-Piano repetitiv Akkorde zu spielen», fügt Sophie Burande an. Sie erklärt auch, weshalb Musik und Text für sie so stark miteinander verbunden sind. «Wenn mir Worte in den Sinn kommen, muss ich sie im Kopf gleich singen, und damit ergibt sich bereits ein Ansatz für die Melodie. Diese kann sich danach allerdings noch komplett verändern, weil sie letztlich zum Text passen muss.»

Manchmal gefällt den Beiden eine daraus entstandene Demoversion eines Lieds nicht mehr. «Dann versuchen wir meist, den Text zu behalten, und ändern stattessen die Instrumente und die Arrangements», erklärt Léonard Gogniat «So entstehen oft mehrere Versionen eines Lieds mit demselben Text; manchmal erkennt man das ursprüngliche Lied dann gar nicht mehr.» Diesen Vorrang des Texts gegenüber der Musik erklärt er mit dem Gebrauch der Muttersprache, zumal diese an sich bereits über eine gewisse Musikalität verfüge. «Wir singen französisch, weil wir etwas sagen und Gefühle vermitteln wollen, auch eine gewisse Poesie. Die Texte sagen aber nicht, wie man denken oder handeln soll. Sie sind offener, damit sich die Hörer eigene Bilder zu den Texten machen können.»

Ausarbeitung und Entstehung von Songs im Ping-Pong-Verfahren

Carrousel-Video-PosterFür das aktuelle Album «L’euphorie» hat Carrousel erstmals mit einem Produzenten zusammengearbeitet. «Wir waren an einen Punkt gelangt, wo wir uns von den ersten beiden Alben lösen wollten, um uns nicht zu wiederholen», erklärt Léonard Gogniat. «Wir waren an eine Grenze gestossen, was den möglichen Einsatz von zusätzlichen Instrumenten und Arrangements betrifft.» Die Beiden wählten Jean-Louis Piérot, weil dieser selbst Musiker ist und schon für Künstler wie Bashung, Etienne Daho und Miossec gearbeitet hat, deren Musik sie lieben. Und die Erwartungen haben sich erfüllt, «auch wenn wir oft überrascht waren, welche neue Farben die Lieder angenommen haben».

Die Zusammenarbeit lief im Ping-Pong-Verfahren ab, erinnert sich Léonard Gogniat. «Wir haben Jean-Louis Piérot zuerst die Basis-Demos geschickt, die wir nur mit Gitarre und Gesang aufgenommen haben. Der Produzent hat dann einiges als Vorschlag hinzugefügt und uns die Lieder zurückgeschickt. Einiges fanden wir super, anderes haben wir geändert und mit weiteren Vorschlägen zurückgeschickt.» So ging es hin und her ‒ und dann ins Studio.

Neu war den Beiden das Ping-Pong-Verfahren nicht, wie Léonard Gogniat mit einem Beispiel illustriert. «Wenn Sophie einen Liedtext geschaffen hat, kommt sie damit zu mir. Ich kann ihr dann vielleicht passende Musik dazu liefern. Wir versuchen dann diese Teile zusammenzubringen, bis es aufgeht.“ Sophie Burande ergänzt, dass dieses Verfahren auch helfe, «Blockaden zu lösen und die Musik zu bereichern, weil alle ‒ auch der Produzent ‒ so ihre speziellen Qualitäten einbringen können».

SUISA ein Partner für den Lebensunterhalt als Berufsmusiker

Seit 2012 können die Beiden «allein von der Musik, von unserer Passion leben». Aus Sophie Burandes Worten spricht nicht nur Stolz, sondern auch die Erleichterung, dass sie nicht mehr wegen Nebenjobs Konzertanfragen ablehnen müssen wie einst. Das Ausland hat für Carrousel schnell an Bedeutung gewonnen, vor allem was die Konzerte betrifft. Umso wichtiger ist es für Léonard Gogniat, dass «die SUISA ein Partner ist, der sich um die Abgeltungen kümmert». Er relativiert aber auch: «Die Ausschüttungen der SUISA sind für uns bisher eher eine Art Bonus». Sophie Burande findet es aber wichtig, dass «die SUISA für die Anerkennung jener Arbeit sorgt, die man nicht sieht ‒ das Schreiben der Kompositionen».

www.carrousel-musique.com

Wo-neue-Musik-entsteht_Cover«Wo neue Musik entsteht»

Der Wert der Ideen der Musikschaffenden ist das Herzstück der Arbeit der SUISA. Für die Broschüre «Wo neue Musik entsteht» gaben fünf Persönlichkeiten und Gruppen aus verschiedenen Musikgenres und Sprachregionen der Schweiz Einblick in ihren kreativen Schaffensprozess und ihre musikalische Tätigkeit. Neben Sophie Burande und Léonard Gogniat von Carrousel werden Marcel Oetiker, Camilla Sparksss, Oliver Waespi und Eriah auf dem SUISAblog.ch und in der 2015 erstmals erschienenen Broschüre (PDF, 8.17 MB) vorgestellt.

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Ein weltweites Netz für die Rechte der SUISA-Mitglieder Musik kennt keine Grenzen. Auch im örtlichem Sinn: Ist der Sprung ins Ausland einmal geschafft, kann ein gut funktionierendes Netzwerk von lokalen Helfern von grossem Nutzen sein. Das gilt insbesondere für die administrativen Arbeiten und dabei vor allem auch für Urheberrechte, die nicht bar vor Ort in die Hände ausbezahlt werden können. Die SUISA ist weltweit vernetzt und setzt sich in Zusammenarbeit mit ihren ausländischen Schwestergesellschaften dafür ein, die Rechte der SUISA-Mitglieder möglichst umfassend wahrzunehmen. Weiterlesen
«Der Preis der FONDATION SUISA 2015 gibt uns einen Schub für die Zukunft!» Das Duo Aliose erhält den diesjährigen Preis der FONDATION SUISA für seine herausragenden Leistungen im musikalischen Genre «Musique de variété». Seit dem Erscheinen ihres Debütalbums 2009 haben Aliose mehr als 250 Konzerte, davon ein Drittel ausserhalb der Schweiz, gespielt. Begegnet sind sich Alizé Oswald und Xavier Michel vor über 10 Jahren bei einem Workshop für Autoren, Komponisten und Interpreten. Die Preisträgerin und der Preisträger haben uns schriftlich Auskunft über ihre Musik, das Komponieren, den Preisgewinn und ihr nächstes Album gegeben. Weiterlesen
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Farbig, quirlig und charmant klingen die Chansons von Carrousel. Kaum vorstellbar, dass sie in der kargen und einsamen Landschaft des Juras entstehen und nicht in den Gassen von Paris. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Manu Leuenberger

«Zu Beginn unserer Zusammenarbeit haben wir es in Paris sechs Monate versucht», erzählt Sophie Burande lachend mit ihrer glasklaren und doch warmen Stimme. «Dank einem Stipendium des Kantons Jura konnten wir ein halbes Jahr in Paris leben und arbeiten.» Sie und ihr Lebenspartner Léonard Gogniat fanden das energiegeladene Leben durchaus anregend, auch das reiche Kulturangebot. «Aber letztlich zogen wir es vor, in die Schweiz zurückzukehren.»

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Kultur und Medien in der Westschweiz

Im Grossen und Ganzen entwickelt sich die Lage positiv. Die Kultur- und Kunstschaffenden werden von unseren Medien stärker beachtet und akzeptiert. Es hat ein Bewusstseinswandel stattgefunden: Die Westschweizer Kulturschaffenden werden nicht mehr systematisch mit jenen aus Paris (oder London, New York usw.) verglichen. Ihre Qualitäten und auch die Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, sind ernst zu nehmen – da ist man sich inzwischen einig. Carte Blanche von Claude Prélo, Präsident der Académie Romande

Claude-Prelo-Portrait

Claude Prélo, Präsident der Académie Romande, ist seit 1959 Mitglied der SUISA. (Foto: zVg)

Mich interessiert in erster Linie die Situation der «Chansonniers», Autoren, Komponisten (ob Interpreten oder nicht). In diesem Bereich ergeben sich gegenüber den Schriftstellern, Poeten, Dramaturgen, den Filmemachern, den klassischen Komponisten und den Opernsängern die grössten Probleme, weil es hier keine Kriterien gibt (im Gegensatz zum Operngesang, beispielsweise). Und genau deshalb füllen andere Merkmale diese Lücke: Bekanntheitsgrad, technische Perfektion, letztlich – direkt oder indirekt – auch Glück. Oder manchmal schlicht Anmut und Charme …

Wenden wir uns nun den unbekannten oder lokal bekannten Künstlerinnen und Künstlern zu. Sie gehen für ihren Lebensunterhalt einer Arbeit nach und haben neben dieser Anstellung nur wenig Zeit übrig. Für die Produktion einer CD benötigen sie mehrere Jahre: vielleicht fünf, manchmal auch zehn (solche Beispiele gibt es einige). Sie müssen alles selber machen, die Musik von Grund auf beherrschen und mehrere Instrumente spielen. Sie sind vielleicht sogar für die Tonaufnahme und die Tonmischung zuständig und entwerfen selber die Hülle und das Booklet ihrer CD, was viele Arbeitsstunden erfordert.

Diese Leistung ist bewundernswert und verdient Respekt und sollte unterstützt und nicht mit Missachtung, Stillschweigen (keine Antwort) oder mit Antworten abgetan werden wie «Ihre Chansons sind unfertig» oder «sie können 80 Jahre alt werden und ihre Stücke werden nicht gespielt werden». Hat man sie sich überhaupt angehört? Nicht immer, wie wir wissen. Wenn Ja: Wurden sie vom Anfang bis zum Ende gehört? Selten, bekanntlich. BESTENFALLS EIN EINZIGES MAL. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, mit jenen Chansons zu konkurrieren, die man seit Jahrzehnten, möglicherweise sogar seit über 50 Jahren zu hören bekommt!

Deshalb waren die meisten Programmleiter lange Zeit nicht in der Lage, die Qualität neuer Lieder zu bewerten: Es wurden nur die (alt-)bekannten Werke nach ihrem wahren Wert beurteilt (sogar in Paris, während des goldenen Zeitalters des «Show-biz», gab es nur wenige Experten, die beim Hören unbekannter Chansons voraussagen konnten, welche den Zuhörern gefallen und bei einer grossen Verbreitung vermutlich sogar erfolgreich sein würden). Solche Fähigkeiten setzen ein gutes Gespür und eine entsprechende Ausbildung voraus. Doch auch hier tut sich was.

Was die Westschweizer Künstler betrifft, so wussten sie lange ganz genau, dass all ihre Kompositionen, ALLES, WAS SIE MACHTEN, von vornherein als «ungenügend», «veraltet» und «nicht ins Programm passend» taxiert würde.

Noch heute leiden einige von ihnen unter langjährigen starken Depressionen, die in gewissen Fällen sogar zum Suizid führten. Dies, obwohl die kreativen Kunstschaffenden nichts Schlechtes machen, das wissen sie.

Wie gesagt: Ihre Alben hätten nie mit den OFFIZIELLEN Produktionen aus Paris und anderen Metropolen verglichen werden dürfen.

Schauen wir uns das Leben eines bekannten Künstlers aus der Pariser Region, aus Amerika usw. einmal näher an. Oft wurde er in eine Künstlerfamilie hineingeboren, vielleicht war ein Elternteil bereits ein Star! Er kann sich VOLLZEIT und mit ganzer Energie seiner künstlerischen Tätigkeit widmen. Er ist berühmt, wohlhabend und in ein Beziehungsnetz eingebettet (das ja bekanntlich austauschbar ist). Die Technik, das Material, die Versorgung bieten ihm keine Probleme. Die besten Autoren, Komponisten, Instrumentatoren, Musiker und Studios stehen ihm zur Verfügung. Bei Bedarf kann er die Dienste der bekanntesten Gesangslehrer und Fachärzte für Stimm- und Sprechpflege sowie bewährter Coiffeure, Visagisten, Fotografen und Schneider anfordern. Manchmal (oder regelmässig) importiert man eigens für ihn bekannte Musikproduktionen aus den Vereinigten Staaten, Brasilien oder anderswoher, deren Erfolg im Voraus gesichert ist. Ausserdem kümmern sich die wichtigsten Labels um die psychologischen und wirtschaftlichen Aspekte der Produktion, Präsentation und Promotion seiner CDs. Und es kann sogar durchaus sein, dass besagter Künstler auf dem Titelblatt von «France Dimanche», «Ici Paris» oder «Paris Match» erscheint!

Glücklicherweise gehören die Vergleiche zwischen den Westschweizer und den «offiziellen» Künstlern aus grossen Ländern heute der Vergangenheit an. Denn solche Vergleiche waren aus den oben genannten Gründen völlig irrational und unsinnig und schlossen gleich sämtliche Schweizer Kulturschaffenden aus. So sagte ein lokaler Radiomacher einmal: «Wenn ich eine CD aus der Westschweiz erhalte, höre ich sie mir nicht einmal an. Sie wandert gleich in den Müll!»

Ein älterer «Chansonnier» aus der Romandie beklagte sich einst: «Dass wir mit unseren Chansons keine internationalen Stars werden können, ist das Eine. Aber dass wir GAR NICHTS daraus machen können, das werden wir nie akzeptieren können!»

Doch langsam aber sicher beginnt sich eine Idee durchzusetzen: die eines viersprachigen Landesradios, das sich (ausschliesslich) den Schweizer Kulturen – insbesondere ihrer Musik widmet. Unseres Erachtens ist ein Sender eigens für die Westschweizer Musikkultur unerlässlich. Er könnte der Diskriminierung der Musik aus der Romandie endlich ein Ende setzen.
Was spricht dagegen? Eine berechtigte Frage! …

Abschliessend wäre es interessant zu wissen, ob die Deutschschweizer Kunstschaffenden unter der Konkurrenz aus Berlin und unsere italienischsprachigen Kollegen unter jener aus Rom (oder Mailand?) leiden, wie das bei uns mit Paris der Fall ist.

Diese Carte Blanche spiegelt die persönliche Meinung des Autors und muss sich nicht zwingend mit jener der Redaktion oder der SUISA decken.

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Im Grossen und Ganzen entwickelt sich die Lage positiv. Die Kultur- und Kunstschaffenden werden von unseren Medien stärker beachtet und akzeptiert. Es hat ein Bewusstseinswandel stattgefunden: Die Westschweizer Kulturschaffenden werden nicht mehr systematisch mit jenen aus Paris (oder London, New York usw.) verglichen. Ihre Qualitäten und auch die Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, sind ernst zu nehmen – da ist man sich inzwischen einig. Carte Blanche von Claude Prélo, Präsident der Académie Romande

Claude-Prelo-Portrait

Claude Prélo, Präsident der Académie Romande, ist seit 1959 Mitglied der SUISA. (Foto: zVg)

Mich interessiert in erster Linie die Situation der «Chansonniers», Autoren, Komponisten (ob Interpreten oder nicht). In diesem Bereich ergeben sich gegenüber den Schriftstellern, Poeten, Dramaturgen, den Filmemachern, den klassischen Komponisten und den Opernsängern die grössten Probleme, weil es hier keine Kriterien gibt (im Gegensatz…Weiterlesen

Swiss Business Mixer: «Für Bands sehr wichtige und nützliche Events»

Die Schweizer Bands From Kid und Stevans sind am letztjährigen MaMA in Paris im Rahmen des offiziellen Festivalprogramms aufgetreten. Zudem spielten sie Showcases am Swiss Business Mixer. Der Networking-Anlass, organisiert von der FONDATION SUISA und Swiss Music Export, will Schweizer Musikschaffenden die Türen ins Ausland öffnen. Im Interview sagen From Kid und Stevans: «Solche Anlässe sind sehr nützlich und wichtig.»

Stevans live

Stevans waren am MaMA Festival 2014 sowohl bei einem Showcase am Swiss Business Mixer als auch bei einem Konzert im offiziellen Festivalprogramm zu hören. (Foto: Effigie Studio)

 3 Fragen an Yvan Franel, Sänger, Gitarrist und Pianist bei Stevans

Ihr habt 2014 am MaMA teilgenommen und konntet sogar im offiziellen Festivalprogramm auftreten. Wie kam es dazu?
Wir haben in Frankreich einen Vertrag mit einem ganz neuen Label, R17, unterzeichnet, das letzten Sommer einen Vertreter der Booking-Agentur Bobun Production zu unserem Konzert am Montreux Jazz Festival eingeladen hat. Die Agentur war von unserer Darbietung begeistert und hat sich dafür eingesetzt, dass wir am MaMa-Festival auftreten können. Ziel ist es, dass uns so viele Leute wie möglich aus der französischen und internationalen Musikszene kennen, damit wir 2015 zahlreiche Konzert-Engagements bekommen.

Die FONDATION SUISA und der SME hat auch letztes Jahr einen Swiss Business Mixer am MaMA organisiert, an dem ihr zusätzlich ein Showcase gespielt habt. Was meint ihr: Sind solche Business Mixer nützlich? Würdet ihr andern Musikern raten, diese Anlässe zu besuchen?
Der MaMA-Business-Mixer ist mehr als nützlich, er ist sogar wegweisend! Schweizer Künstler brauchen finanzielle Unterstützung, um auch im Ausland bekannt zu werden und zu zeigen, wie viele unglaubliche Talente es in unserem kleinen Land gibt. Auch wenn man es ins Radio geschafft hat und schon recht präsent ist, braucht es zum Weiterkommen stetig weitere Unterstützung. Wir sind ein bisschen wie ein kleines Start-up-Unternehmen, das Hilfe von aussen braucht, bevor es richtig rentabel wird. Der MaMA-Business-Mixer hilft auch, Kontakte zu knüpfen, was ebenfalls sehr wichtig ist.

Was sind eure nächsten Projekte und Konzerte?
Unsere Ziele für 2015 sind Frankreich, Deutschland und andere Länder, in denen man beginnt, sich für uns zu interessieren. Aber solange noch nichts bestätigt ist, sollte man auch noch nicht darüber sprechen. Ich glaube, dass Stevans eine sehr gute Zukunft bevorsteht, und das freut mich!

FromKid live Les Trois Baudets Paris 2014

Die Schweizer Band From Kid bei ihrem Auftritt am MaMA Festival 2014 im Club «Les Trois Baudets» in Paris. (Foto: Damian Caduff)

3 Fragen an Andrin und Gian Reto von From Kid

Ihr habt letztes Jahr am MaMA teilgenommen und konntet sogar im offiziellen Festivalprogramm auftreten. Wie kam es dazu?
Wir haben uns dafür einfach beworben und wurden daraufhin in das wunderschöne «Les Trois Baudets» in Paris eingeladen. Was uns sehr gefreut hat.

Die FONDATION SUISA und der SME hat auch 2014 einen Swiss Business Mixer am MaMA organisiert, an dem ihr zusätzlich ein Showcase gespielt habt. Was meint ihr: Sind solche Business Mixer nützlich? Würdet ihr andern Musikern raten, diese Anlässe zu besuchen?
Wir finden, dass solche Anlässe für Bands sehr wichtig sind, wenn man im Ausland Fuss fassen möchte. Einerseits ist es eine spannende Erfahrung in anderen Ländern zu spielen. Andererseits sind solche Anlässe natürlich auch nützlich, um neue Kontakte zu knüpfen und sich einem breiten Publikum zu präsentieren. Daher können wir auch anderen Musikern empfehlen, solche Anlässe zu besuchen.

Was sind eure nächsten Projekte und Konzerte?
Am 30. Januar werden wir unser Debutalbum releasen. Damit verbunden ist eine Tour durch Deutschland und Österreich im kommenden April. Zusätzlich stehen natürlich auch noch viele Konzerte in der Schweiz an. Unser Wunsch ist es auch, für jeden Song auf dem Album einen Videoclip zu produzieren. Auch dieses Projekt wird uns für die kommenden Monaten beschäftigen.

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Die Schweizer Bands From Kid und Stevans sind am letztjährigen MaMA in Paris im Rahmen des offiziellen Festivalprogramms aufgetreten. Zudem spielten sie Showcases am Swiss Business Mixer. Der Networking-Anlass, organisiert von der FONDATION SUISA und Swiss Music Export, will Schweizer Musikschaffenden die Türen ins Ausland öffnen. Im Interview sagen From Kid und Stevans: «Solche Anlässe sind sehr nützlich und wichtig.»

Stevans live

Stevans waren am MaMA Festival 2014 sowohl bei einem Showcase am Swiss Business Mixer als auch bei einem Konzert im offiziellen Festivalprogramm zu hören. (Foto: Effigie Studio)

 3 Fragen an Yvan Franel, Sänger, Gitarrist und Pianist bei Stevans

Ihr habt 2014 am MaMA teilgenommen und konntet sogar im offiziellen Festivalprogramm auftreten. Wie kam es dazu?
Wir haben in Frankreich einen Vertrag mit einem ganz neuen Label, R17, unterzeichnet, das letzten Sommer einen Vertreter der Booking-Agentur Bobun…Weiterlesen

Oh Yeah! Ein kleiner Tempel für Popmusik in der Schweiz

Die Ausstellung «Oh Yeah!» im Museum für Kommunikation in Bern widmet sich der Popmusik in der Schweiz von den 1950ern bis heute. Die Reise durch das Abenteuer von Schweizer Beats und Bands ist seit November bis am 19. Juli 2015 zu sehen.

Ausstellung Oh Yeah Besucher vor Videoscreen

Die Ausstellung «Oh Yeah!» im Museum für Kommunikation in Bern zeigt 60 Jahre Schweizer Popkultur als multimediales Erlebnis. (Foto: Hannes Saxer / Museum für Kommunikation)

Wer kennt sie nicht, die Songs, die sich für ewig in die Erinnerungen jedes Einzelnen eingebrannt haben: Der Soundtrack vom ersten Kuss, zum ersten Herzschmerz, das erste Konzert.

60 Jahre Popkultur zum Schwelgen

Kurt Stadelmann und Samuel Mumenthaler haben mit ihrem Team das letzte Jahr damit verbracht, persönliche und kollektive Musikmeilensteine der schweizerischen Popkultur zu sammeln, zu büscheln und in ein allgemein zugängliches Format zu komprimieren. Berücksichtigt wurden dabei die letzten 60 Jahre und unzählige Musikrichtungen, die der schweizerischen Popkultur ihren Stempel aufgesetzt haben. Dazu gehören zum Beispiel Beat, Rock, Punk, New Wave, Mundart, Techno und Rap.

Musik trifft auf Lebensgefühl

So entstand eine Ausstellung, die sowohl Musiknerds als auch allen anderen Interessierten spannende Einblicke darüber verschafft, was in den letzten 60 Jahren die Schweiz(er) bewegt hat. Denn es geht nicht ausschliesslich um Musik sondern auch um unterschiedliche Lebensentwürfe, die sich über die Musik definiert haben.

Wie SRF-Musikredaktor Claudio Landolt treffend in seinem Artikel sagt: «Diese Ausstellung verbindet die Anti-Baby-Pille mit dem Sound der 1960er-Jahre, zeigt eine Züri West-Setliste mit Blutflecken von Jungpunk Kuno Lauener und erklärt unter anderem, weshalb in den 1950er-Jahren hierzulande plötzlich Hawaii-Musik hip wurde.»

Ausstellung Oh Yeah Multimedia Installationen

400 Minuten Ton- und Filmaufnahmen laden zu einer Erinnerungsreise durch die Geschichte der Schweizer Popkultur ein. (Foto: Erika Weibel)

Videos, Plakate, Fotos, Filmausschnitte, Instrumente, Kleider und viele weitere Zeitzeugnisse lassen die vergangenen Tage wieder aufleben und befördern den Museumsbesucher zurück zu seinen ganz persönlichen privaten Erinnerungsschätzen.

Multimedial genial

Ganze 400 Minuten Ton- und Filmaufnahmen stehen zur Verfügung. Mit Kopfhörern ausgerüstet kann man dank den Aufnahmen in Vergangenes abtauchen, in der Gegenwart schwelgen und rätseln, wohin die Zukunft geht. Gezeigt wird nicht nur die helvetische Popmusik in allen Facetten, sondern auch wie die globale Popmusik in der Schweiz Niederschlag gefunden hat. Lass auch du dich entführen!

Wann und wo

Die Ausstellung «Oh Yeah! Pomusik in der Schweiz» ist bis am 19. Juli 2015 im Museum für Kommunikation in Bern zu sehen.

Die SUISA und die FONDATION SUISA haben die Ausstellung «Oh Yeah! Popmusik in der Schweiz» im Museum für Kommunikation finanziell unterstützt.

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Die Ausstellung «Oh Yeah!» im Museum für Kommunikation in Bern widmet sich der Popmusik in der Schweiz von den 1950ern bis heute. Die Reise durch das Abenteuer von Schweizer Beats und Bands ist seit November bis am 19. Juli 2015 zu sehen.

Ausstellung Oh Yeah Besucher vor Videoscreen

Die Ausstellung «Oh Yeah!» im Museum für Kommunikation in Bern zeigt 60 Jahre Schweizer Popkultur als multimediales Erlebnis. (Foto: Hannes Saxer / Museum für Kommunikation)

Wer kennt sie nicht, die Songs, die sich für ewig in die Erinnerungen jedes Einzelnen eingebrannt haben: Der Soundtrack vom ersten Kuss, zum ersten Herzschmerz, das erste Konzert.

60 Jahre Popkultur zum Schwelgen

Kurt Stadelmann und Samuel Mumenthaler haben mit ihrem Team das letzte Jahr damit verbracht, persönliche und kollektive Musikmeilensteine der schweizerischen Popkultur zu sammeln, zu büscheln und in ein allgemein zugängliches Format zu komprimieren. Berücksichtigt wurden…Weiterlesen

Schweizer Musik als Erlebnisreise am Festival Label Suisse

86 Veranstaltungen, 7 Konzertsäle, eine Open-Air-Bühne, der «Marché de la Musique» plus die Verleihung des ersten Schweizer Musikpreises durch das Bundesamt für Kultur (BAK). Das reichhaltige Angebot am Label Suisse 2014 erforderte einen handfesten Plan für die persönliche Entdeckungs- und Genussreise durch das Festivalprogramm. Alles mitkriegen und nichts verpassen war unmöglich. Mein Plan für die 3 Tage in Lausanne: mich durch die Vielfalt des Schweizer Musikschaffens treiben lassen.

Label-Suisse_Intro

Label Suisse 2014: Schweizer Musik im Rampenlicht. (Foto: Manu Leuenberger)

Im Zug nach Lausanne halte ich in Gedanken meine Wünsche für den Besuch am diesjährigen Label Suisse fest. Ich will Neues für mich entdecken, die Bekanntschaft zu bereits Liebgewonnenem auffrischen, mir die unterschiedlichsten Stilrichtungen anhören, kurz: für 3 Tage in das Schweizer Musikschaffen eintauchen. Mein Plan dazu: Ich lasse mich spontan durch das reichhaltige Angebot des Festivalprogramms treiben. Dabei werde ich das Gefühl, etwas verpasst zu haben, schlichtweg verdrängen.

Im Hotel angekommen verkleide ich mich für den einzigen fixen Programmpunkt meiner Entdeckungs- und Genussreise. Wer zusammen mit Bundesrat Alain Berset die Vergabe des ersten Schweizer Musikpreises miterleben darf, sollte sich vielleicht etwas Schickes anziehen, sagt mir mein Taktgefühl. Elegant herausgeputzt begebe ich mich zum ersten und letzten Mal an diesem Wochenende zu Fuss auf den Aufstieg vom Stadtteil «Sous-Gare» den Hang hinauf.

Label-Suisse_We-Love-Machines

Das Berner Elektro-Duo We Love Machines, Gewinner des «Best Composition Award» der FONDATION SUISA beim Swiss Live Talents Final 2013, trat am Eröffnungstag des Label Suisse 2014 im D! Club auf. (Foto: Manuela Haltiner)

Ein Ticket für die Lausanner Métro ist beim Label Suisse ebenso Gold wert wie ein handfester Plan für die Konzertbesuche, denke ich. Übrigens meine ich damit auch einen brauchbaren Stadtplan, denn als Nichteinheimischer kann man sich in den verzweigten Gässchen zu Berg und Tal prächtig und wiederholt verlaufen. Zumal die Wege zu den verschiedenen Festival-Lokalitäten mit eindeutiger Beschilderung bestimmt kenntlicher gemacht werden können, als es dieses Jahr der Fall war.

In der Opéra de Lausanne freue ich mich am Ende der aufwändig inszenierten und mehrheitlich kurzweiligen Show mit und für den Preisträger des ersten Grand Prix Musik, Franz Treichler. Mit dem Entscheid für den «ewigmorgigen» Sänger und Chefdenker der Young Gods sei der «richtige Gewinner zur richtigen Zeit» ausgewählt worden, schreibt «Der Bund» in der Folge: «Es geht [beim Schweizer Musikpreis] um Innovation und um Strahlkraft im In- und Ausland. Der Preis geht an einen Mann, der die Zukunft der Rockmusik vorweggenommen hat.»

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Franz Treichler (Bildmitte) stand nicht nur beim Konzert von The Young Gods im Scheinwerferlicht: Der Freiburger Musiker wurde am Freitag des Festivalwochenendes mit dem erstmals verliehenen Schweizer Musikpreis vom Bundesamt für Kultur ausgezeichnet. (Foto: Giorgio Tebaldi)

Bleibt zu erwähnen: Alle Nominierten wären für mein Empfinden würdige Preisträger des erstmals vom Bundesamt für Kultur (BAK) verliehenen Schweizer Musikpreises gewesen. Angesichts der Qual der Wahl hätte ich mit niemandem aus der 7-köpfigen Jury rund um die Schwyzer Dirigentin Graziella Contratto als Präsidentin an der Spitze tauschen wollen.

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«Domi Chansorn – ganz grosses Kino», meinte das Schweizer Fernsehen einmal. Am Label Suisse entwarf der Emmentaler seine Klangleinwand im Club Le Romandie. (Foto: Manuela Haltiner)

Apropos Qual der Wahl: Ein flüchtiger Blick auf das Label-Suisse-Programm ruft mir in Erinnerung, dass das Festival inzwischen in vollem Gang ist. Die Kollegen haben bereits We Love Machines und Domi Chansorn gehört. Soeben haben Anna Aaron und Polar gespielt. Jetzt steht die Legende Dieter Meier auf der Bühne. Zu Wolfman und Camilla Sparksss wurde mir geraten. Der Jazzer Tobias Preisig sei ein Geheimtipp …

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Rockig, rotzig, unbekümmert: erfrischender Auftritt des Genfer Frauenduos The Chikitas zu später Stunde am ersten Festivaltag. (Foto: Giorgio Tebaldi)

Vom Apéro riche nach der Preisverleihung mache ich mich auf den Weg zur Place de l’Europe. Dort ist mit Verpflegungsständen und Open-Air-Bühne gleich nebenan so eine Art Zentrum des Festivals. Die Zeit reicht noch für den erfrischend unbekümmerten Auftritt des Genfer Frauenrockduos The Chikitas im Club Le Romandie. Die letzten Takte von Stress, der auf der Open-Air-Bühne auf der Place Centrale gefeiert wird, nehme ich mit auf den Rückweg zur Nachtruhe im Hotel.

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Die Bieler Band Pegasus begeisterte mit ihrem Auftritt am Samstagnachmittag das Publikum auf der Place Centrale. (Foto: Manu Leuenberger)

Am Samstag stehen insgesamt 33 Veranstaltungen auf dem Programm. Bereits um 11 Uhr startet der musikalische Reigen mit dem Kiosque à Musiques, bei dem unter anderem die Landstreichmusik, die Klezmer-Jazz-Formation Yanac und das Orchester Les Délices de Suzy mit Chansonnière Yvette Théraulaz zu hören sind.

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Im Atrium der EJMA gab es schmissige Folk-Pop-Volkslieder mit rätoromanischen Texten von Corin Curschellas und ihren Mitmusikern zu hören. (Foto: Manu Leuenberger)

In der warmen Nachmittagssonne bringt die Bieler Popband Pegasus das Publikum von Jung bis Alt auf der Place Centrale zum Mitsingen und Mitklatschen. Auf zufällig mitgehörten Rat von neben mir stehenden Besuchern begebe ich mich in die EJMA, die «École de Jazz et de Musique Actuelle». Dort entdecke ich die schmissigen Folk-Pop-Volkslieder von Corin Curschellas und ihren Mitmusikern und bin davon begeistert.

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Die Big Band de Suisse Romande spielte mit dem Gast-Solisten Erik Truffaz am Samstag auf der Open-Air-Bühne. (Foto: Manu Leuenberger)

Mir fällt ein, wie zuvor jemand witzelte: «Blasmusik klingt für mich immer nach Guggenmusik.» Das Gegenteil beweist am Frühabend die Big Band de Suisse Romande mit ihrem Gast-Solisten Erik Truffaz. Ich pilgere weiter in die Kirche St-François, wo das Vokal-Ensemble La Sestina aus Neuchâtel Choralstücke des spanischen Renaissance-Komponisten Francisco Guerrero durch die gotischen Bögen des einstigen Franziskanerklosters schweben lässt.

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Das Ensemble La Sestina liess mit seinem Choral-Gesang in der Kirche St-François die Musik der Renaissance aufleben. (Foto: Manu Leuenberger)

Nach einem Happen zu essen von einem der vielen Verpflegungsstände rund ums Festivalzentrum kann ich mir The Young Gods auf der Open-Air-Bühne nicht entgehen lassen. Danach stehen unzählige Menschen vor dem D! Club für The Animen Schlange. Soll ich jetzt noch mit dem Shuttle-Bus ins Les Docks fahren und mir Rootwords anhören? Einen Fussmarsch ins ehemalige Kino Le Bourg zum Konzert vom Imperial Tiger Orchestra unternehmen? Oder doch lieber auf den Auftritt von Kadebostany auf der Open-Air-Bühne warten? Es hat leicht zu regnen begonnen. Ich bin erschöpft. Deshalb entscheide ich mich für die Rückkehr ins Hotel. Morgen ist ein weiterer Festivaltag …

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Der Sonntagmorgen am Label Suisse: Das Orchestre de Chambre de Lausanne, Franz Treichler und Erik Truffaz bringen «Avant l’aube», ein symphonisches Gedicht für Orchester, Trompete und Elektronik zur Aufführung. (Foto: Manu Leuenberger)

Auf dem Weg zum SUISA Contact Corner im etwas abgelegenen «Marché de la Musique» (Bourg-Plage) umfliessen mich am Sonntagmorgen die Klänge von «Avant l’aube», dem Klassik-Jazz-Elektro-Projekt von Erik Truffaz mit Franz Treichler und dem Orchestre de Chambre de Lausanne.

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Mitarbeiter der SUISA standen am Contact Corner für Fragen und Auskünfte zur Verfügung. (Foto: Manu Leuenberger)

Im «Marché de la Musique» ist der Betrieb das ganze Wochenende über leider nicht sehr gross. Am Contact Corner der SUISA ergeben sich dennoch einige interessante Gespräche. Vereinzelt sieht man auch ein paar bekannte Gesichter aus der Schweizer Musikszene in angeregte Diskussionen vertieft.

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Im «Marché de la Musique» angetroffen: Der Berner Singer/Songwriter und Präsident des Vereins Musikschaffende Schweiz Christoph Trummer (l.) im Gespräch mit SUISA-Vorstandsmitglied und Irascible-Music-CEO Christian Wicky (r.). (Foto: Manu Leuenberger)

Gerade als ich mich vom charmanten Bourg-Plage und von den Business-Themen verabschiedet habe, um wieder in die Welt der Musik einzutauchen, erreicht mich wie von einem anderen Stern eine unerwartete Nachricht von zu Hause. Aus privaten Gründen muss ich viel zu früh die Heimreise antreten.

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Er brachte massenweise Familien vor die Open-Air-Bühne auf der Place Centrale und zauberte ein Strahlen auf die Gesichter von Klein bis Gross: Kinderlieder-Star Henri Dès. (Foto: Giorgio Tebaldi)

Vom Kollegen kriege ich tags darauf berichtet, wie der welsche Kinderlieder-Star Henri Dès bei seinem Auftritt die Massen mobilisiert und für strahlende Kinder- wie Elterngesichter sorgt. Hin und her kreisen auf der Rückfahrt die Gedanken, wohin mich meine Entdeckungs- und Genussreise noch geführt hätte. Zu den Jazzrebellen Lukas Niggli und Andreas Schaerer? Zum wiedergeborenen Metal-Trio Coroner? Zum Klang- und Rhythmustüftler Julian Sartorius? Keltischer Pop von den Walliser Anach Cuan? Das Heimspiel von Bastien Baker? Energiegeladener Rock von den Hathors aus Winterthur? …

A la prochaine, Label Suisse!

Die SUISA und die FONDATION SUISA haben das Festival Label Suisse 2014 finanziell unterstützt.

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86 Veranstaltungen, 7 Konzertsäle, eine Open-Air-Bühne, der «Marché de la Musique» plus die Verleihung des ersten Schweizer Musikpreises durch das Bundesamt für Kultur (BAK). Das reichhaltige Angebot am Label Suisse 2014 erforderte einen handfesten Plan für die persönliche Entdeckungs- und Genussreise durch das Festivalprogramm. Alles mitkriegen und nichts verpassen war unmöglich. Mein Plan für die 3 Tage in Lausanne: mich durch die Vielfalt des Schweizer Musikschaffens treiben lassen.

Label-Suisse_Intro

Label Suisse 2014: Schweizer Musik im Rampenlicht. (Foto: Manu Leuenberger)

Im Zug nach Lausanne halte ich in Gedanken meine Wünsche für den Besuch am diesjährigen Label Suisse fest. Ich will Neues für mich entdecken, die Bekanntschaft zu bereits Liebgewonnenem auffrischen, mir die unterschiedlichsten Stilrichtungen anhören, kurz: für 3 Tage in das Schweizer Musikschaffen eintauchen. Mein Plan dazu: Ich lasse mich spontan durch das reichhaltige Angebot…Weiterlesen

In Gedenken an Erwin Ernst Kunz

Musiker, Dirigent, Komponist, Arrangeur, Musiktheoretiker – Erwin Ernst Kunz, oft nur Ernst Kunz genannt, war ein musikalischer Tausendsassa und hat mit seinem vielseitigen Talent und Können in den unterschiedlichsten Bereichen des Schweizer Musikschaffens seine Spuren hinterlassen. Am 11. Juli 2014 ist das langjährige SUISA-Mitglied im Alter von 97 Jahren gestorben.

Erwin-Ernst-Kunz

Erwin Ernst Kunz am Kontrabass bei Musikaufnahmen im Oktober 1988. (Foto: Rolf W. Kunz)

Erwin Ernst Kunz, geboren am 24. März 1917, ist zusammen mit den Brüdern Jakob und Willy im damals ländlichen Uster / ZH aufgewachsen. Als 10-Jähriger erhielt er von der Mutter sein erstes Instrument geschenkt: eine alte, defekte Handorgel. Ein Ustermer Musiklehrer stellte ihm ein bespielbares Instrument zur Verfügung und erteilte dem Knaben Unterricht. Die ärmlichen Verhältnisse in der Arbeiterfamilie boten für musische Betätigungen wenig Spielraum. Ein weitsichtiger Vormund ermöglichte ihm, die Aufnahmeprüfung an das Zürcher Konservatorium zu absolvieren, die er als 17-Jähriger erfolgreich bestand.

Im Rekordtempo zum Berufsmusiker gereift

Gesegnet mit der Gabe des absoluten Musikgehörs erlernte Ernst Kunz das Rüstzeug für den Sprung in ein Sinfonieorchester im Rekordtempo. Mit 20 Jahren wurde er in das Tonhalle-Orchester aufgenommen, dem er als Tubist und Kontrabassist von 1937 bis zur Pensionierung im Jahr 1982 treu blieb. Mit vitalem Interesse studierte er als junger Musiker die Kompositionstechniken der grossen Meister wie Wagner, Brahms oder Bruckner und bildete sich in musiktheoretischen Fächern weiter. Internationale Berufssinfonieorchester von Wien, Mailand, Berlin, über Peking bis Buenos Aires engagierten den Tubisten gerne als Zuzüger. Unter Musikerkollegen war er umgangssprachlich als «Tuba-Kuenz» bekannt.

Neben seiner Tätigkeit als Orchestermusiker engagierte und wirkte der vielseitige Musiker in den unterschiedlichsten Bereichen des Schweizer Musikschaffens. Er dirigierte diverse Berufsmusik- und Amateurformationen wie auch Chöre und amtete als Korrepetitor für Opernsänger und -sängerinnen. Ebenso war er als musikalischer Aufnahmeleiter für Musikstudios tätig: Unter anderem war er verantwortlich für die Produktion einer CD-Reihe mit Schweizer Liedern und Märschen, die anlässlich der 700-Jahre-Feier der Schweizerischen Eidgenossenschaft entstand («Kantons-Märsche aus der ganzen Schweiz» Vol. 1 + Vol. 2, «Schweizer-Lieder aus allen Kantonen» Vol. 1 + Vol. 2, alle erschienen bei K-Tel, 1991).

Vielseitig engagiert: Von Volksmusik über Gefangenenchor bis zu Kinderliedern

Über viele Jahre hinweg war Ernst Kunz sonntäglicher Organist und Chorleiter in der Strafanstalt Regensdorf. Unter seinem Dirigat nahm der Chor zusammen mit dem Bläserkorps der Heilsarmee und Solisten anfangs der 1970er-Jahre eine Sammlung an Weihnachtsliedern auf, die mit beachtlichem Erfolg auf dem Tonträger «Der Gefangenenchor der Strafanstalt Regensdorf singt Weihnachtslieder» (Ex-Libris-Verlag) vertrieben wurde.

Regelmässig und zu seinem persönlichen Vergnügen trat er mit Volksmusik-Formationen auf und spielte Tuba oder Kontrabass unter anderem bei der Länderkapelle Edi Bär, der Freudenberger Dorfmusik von Otto Würsch oder der Seldwyler Dorfmusik von Jakob Farner. Nach seiner Pensionierung beim Tonhalle-Orchester unterrichtete er als Lehrer für Tuba am Konservatorium Luzern.

Zeit seines Lebens war E. Ernst Kunz auch als Komponist, Arrangeur und Texter aktiv. Seit 1964 war er Mitglied bei der SUISA. Er komponierte Märsche, Orchester- und Chor-Stücke, Singspiele und schrieb unzählige Orchestrierungen, Arrangements und Bearbeitungen. Eine besondere Vorliebe hatte er für Kinderlieder: Die vielen Lieder, die er geschrieben und vertont hat, wurden im Buch «Kinderlieder: wenn die Kinder singen, lacht der Himmel froh, alle Engel singen laut ein Jubilo» (erschienen im Jahr 2000) verewigt.

Mit «Heavenly Club» und Les Sauterelles Teil der Schweizer Popmusik-Geschichte

Nicht zu letzt war der musikalische Tausendsassa auch an einem veritablen Stück Schweizer Popmusik-Geschichte mitbeteiligt: Für das Album «View To Heaven» von Les Sauterelles verfasste Ernst Kunz die Streicher-Arrangements und dirigierte ein 16-köpfiges Streichorchester bei den Aufnahmen im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg. Zu den von Ernst Kunz orchestrierten Songs gehört auch die Single «Heavenly Club», die es 1968 auf Platz Nr. 1 der Schweizer Hitparade schaffte. Die Single gilt als erste Schweizer Produktion, die in den offiziellen Schweizer Charts den Spitzenplatz erreichte. Dank dem Album mitsamt der Hitsingle gelang den Sauterelles der internationale Durchbruch.

Das erfüllte Leben für die Musik hat im hohen Alter von 97 Jahren ein Ende genommen: Am 11. Juli 2014 ist Erwin Ernst Kunz gestorben.

Wir danken Rolf W. Kunz, dem Neffen des Verstorbenen, für die umfangreichen biographischen Angaben zum Leben und Schaffen von Erwin Ernst Kunz.

 

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Musiker, Dirigent, Komponist, Arrangeur, Musiktheoretiker – Erwin Ernst Kunz, oft nur Ernst Kunz genannt, war ein musikalischer Tausendsassa und hat mit seinem vielseitigen Talent und Können in den unterschiedlichsten Bereichen des Schweizer Musikschaffens seine Spuren hinterlassen. Am 11. Juli 2014 ist das langjährige SUISA-Mitglied im Alter von 97 Jahren gestorben.

Erwin-Ernst-Kunz

Erwin Ernst Kunz am Kontrabass bei Musikaufnahmen im Oktober 1988. (Foto: Rolf W. Kunz)

Erwin Ernst Kunz, geboren am 24. März 1917, ist zusammen mit den Brüdern Jakob und Willy im damals ländlichen Uster / ZH aufgewachsen. Als 10-Jähriger erhielt er von der Mutter sein erstes Instrument geschenkt: eine alte, defekte Handorgel. Ein Ustermer Musiklehrer stellte ihm ein bespielbares Instrument zur Verfügung und erteilte dem Knaben Unterricht. Die ärmlichen Verhältnisse in der Arbeiterfamilie boten für musische Betätigungen wenig Spielraum. Ein weitsichtiger Vormund ermöglichte…Weiterlesen

Festival Label Suisse: Am Pulsschlag der Schweizer Musik im Herzen von Lausanne

Vom 19. bis 21. September 2014 findet in Lausanne zum 6. Mal das Musikfestival Label Suisse statt. Auf 8 Bühnen in 7 Lokalitäten im Zentrum der olympischen Hauptstadt präsentiert das Festival an drei Tagen eine breite Palette schweizerisches Musikschaffens. Der Eintritt zu den Konzerten ist frei. Im schriftlichen Interview gibt Julien Gross, Präsident des organisierenden Vereins von Label Suisse, Auskunft über das aussergewöhnliche Festival.

Label-Suisse-2008-The-Invinczible-Show

Ein Blick von der Open-Air-Bühne im Zentrum von Lausanne, aufgenommen während dem Konzert von DJ Vincz Lee und Gästen («The Invinczible Show») am Label-Suisse-Festival 2008. (Foto: Jérôme Genet)

Julien Gross, was motiviert dich und dein Team, ein Festival zu veranstalten, dass voll und ganz der Schweizer Musik gewidmet ist?
Für die Weiterentwicklung der Schweizer Musik ist es essentiell, dass die Öffentlichkeit eine starke Verbindung zur Schweizer Musikszene hat. Wir wollen die Fülle der Schweizer Musik und die Kreativität unserer Künstler hervorheben. Zudem soll die Vielfältigkeit des Programms einen Austausch über geografischen Grenzen und Sprachbarrieren hinweg ermöglichen.
Seit einem Jahrzehnt erhält die Schweizer Musik immer mehr Anerkennung. Die Vergabe des ersten Schweizer Musikpreises durch das Bundesamt für Kultur (BAK) dieses Jahr ist ein weiterer Beweis. Das sieht man aber auch an den Festivals, bei denen immer mehr Schweizer Künstler auf dem Programm stehen. Natürlich hoffen wir, dass Label Suisse ebenfalls zu dieser Entwicklung beiträgt.

Wie kommt es, dass der Eintritt zu allen Konzerten kostenlos ist?
Das Gratis-Konzept ist seit der ersten Ausgabe eines der Grundprinzipien des Festivals. Wir sind fest davon überzeugt, dass dies zum Entdecken anregt und ein breiteres Publikum für die zahlreichen Stilrichtungen anzieht, die Label Suisse anbietet. Ausserdem soll der kostenlose Eintritt den Familien ermöglichen, dass ihre Kinder Konzerte erleben können, die sie sich zum Standardpreis finanziell vielleicht nicht hätten leisten können.

Du arbeitest auch für das Paléo Festival Nyon. Was ist anders, wenn man ein Festival nur mit Schweizer Künstlern organisiert?
Der grösste Unterschied besteht in der Anzahl verschiedener Stilrichtungen, die wir im Programm haben. Für eine effiziente Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Programmgestaltern und den Veranstaltungsorten, an denen das Festival drei Tage lang über die Bühne geht, mussten wir einen Modus Operandi festsetzen. Ganz wichtig für uns ist, dass wir mit Profis zusammenenarbeiten können, die das ganze Jahr über in diesem Bereich tätig sind.

Inwiefern ist es für euch wichtig, dass die Veranstaltung von der SUISA und der FONDATION SUISA unterstützt wird?
Die Anerkennung der Schweizer Musikszene wird auch dadurch erreicht, dass die Öffentlichkeit ein besseres Verständnis davon hat, welche grundlegende Rolle die SUISA in der Schaffenskette und punkto Anerkennung der Arbeit der Schweizer Künstler spielt. Die Zusammenarbeit zwischen Label Suisse und der SUISA macht es möglich, diese Arbeit in den Vordergrund zu stellen.

Weshalb hat Radio Télévision Suisse die Festivalorganisation letztes Jahr an die Verein «Label Suisse pour la mise en valeur des musiques suisses» übergeben?
Radio Télévision Suisse wollte seine Investitionen wieder mehr auf sein Kerngeschäft, die Gestaltung des Sendeprogramms, konzentrieren. Das Organisieren eines Musikfestivals ist ein anderes Paar Schuhe. Dennoch besteht weiterhin eine sehr intensive Zusammenarbeit mit RTS wie auch mit der Stadt Lausanne, die beide das Festival stark unterstützen. Dank der wertvollen Hilfe von RTS und den Sendern der SRG SSR werden wir dieses Jahr von Lausanne aus erstmals mehrere Dutzend Stunden Schweizer Musik ins ganze Land übertragen: Parallel zu RTS werden auch RSI, SRF und RTR die Sendungen übertragen.

Was für Zukunftspläne gibt es für das Festival?
Label Suisse muss jetzt seine Strukturen festigen und an seiner Bekanntheit in der Deutschschweiz arbeiten. Wenn das Festival seine Mission, die Schweizer Musikszene sichtbarer zu machen, erfolgreich erfüllen will, braucht es eine stärkere Präsenz auf der anderen Seite des Röstigrabens.

Welche Konzerte im diesjährigen Programm möchtest du persönlich unbedingt miterleben?
Auf keinen Fall verpassen möchte ich Dieter Meier, den Pionier der elektronischen Musik, das Mondrian Ensemble, eine Formation aus Basel, die seit fast 15 Jahren den Brückenschlag zwischen zeitgenössischer und klassischer Musik vollführt, und weiter Plaistow, ein Genfer Trio, das Jazz, Rock und Elektro verschmelzen lässt.

Zum Festivalprogramm Label Suisse 2014

SUISA Contact Corner am Label Suisse 2014

Die SUISA und die FONDATION SUISA unterstützen das Festival, das sich voll und ganz der Schweizer Musik verschrieben hat. Am Samstag- und Sonntagnachmittag des Festivalwochenendes stehen Mitarbeiter der SUISA am Contact Corner im Rahmen des «Marché de la musique» unter dem Viaduktbogen östlich der Bessières-Brücke (Bourg-Plage) für Fragen und Auskünfte zu Dienstleistungen und Tätigkeit der SUISA zur Verfügung. Nutze die Gelegenheit und triff uns am Label Suisse!

SUISA Contact Corner am Festival Label Suisse in Lausanne
Samstag und Sonntag, 20./21.9.2014
von 12 – 17 Uhr, Bourg-Plage

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Vom 19. bis 21. September 2014 findet in Lausanne zum 6. Mal das Musikfestival Label Suisse statt. Auf 8 Bühnen in 7 Lokalitäten im Zentrum der olympischen Hauptstadt präsentiert das Festival an drei Tagen eine breite Palette schweizerisches Musikschaffens. Der Eintritt zu den Konzerten ist frei. Im schriftlichen Interview gibt Julien Gross, Präsident des organisierenden Vereins von Label Suisse, Auskunft über das aussergewöhnliche Festival.

Label-Suisse-2008-The-Invinczible-Show

Ein Blick von der Open-Air-Bühne im Zentrum von Lausanne, aufgenommen während dem Konzert von DJ Vincz Lee und Gästen («The Invinczible Show») am Label-Suisse-Festival 2008. (Foto: Jérôme Genet)

Julien Gross, was motiviert dich und dein Team, ein Festival zu veranstalten, dass voll und ganz der Schweizer Musik gewidmet ist?
Für die Weiterentwicklung der Schweizer Musik ist es essentiell, dass die Öffentlichkeit eine starke Verbindung zur Schweizer Musikszene hat. Wir wollen…Weiterlesen