Tagarchiv: Schweizer Komponist

Komposition in Zeit und Raum

Im Rahmen der Basler Biennale Zeiträume, welche neue Musik und Architektur vereint, diskutieren am Samstag, 23. September 2017, eine Komponistin und drei Komponisten in einem Publikumsgespräch, wie ihre Werke entstehen. Text von Erika Weibel

Komposition in Zeit und Raum

An der Basler Biennale für neue Musik und Architektur findet am 23. September 2017 um 15:00 Uhr unter dem Titel «Zeiträume schaffen» ein Komponistengespräch statt. (Foto: Anna Katharina Scheidegger)

Vom 16. bis zum 24. September 2017 öffnet Basel seine Tore für ein spannendes Hörerlebnis: Neue Musik erschallt in den ungewöhnlichsten Ecken und Gassen. Gross und Klein sind eingeladen, sich auf musikalische Abenteuer einzulassen. So erklingt zum Beispiel im Hallenbad ein «Wasserspiel» (Kompositionen und Improvisationen für wechselnde Besetzungen im Hallenbad Spiegelfeld Binningen), oder man kann ein Alphornkonzert auf dem Basler Münsterplatz erleben. Auch Museen, Türme, sogar Friedhöfe öffnen ihre Tore der neuen Musik und geben dem Publikum so die Gelegenheit, Raum und Zeit ganz neu wahrzunehmen.

Das Festival Zeiträume zeichnet sich damit aus, dass es Komponistinnen und Komponisten beauftragt, für vorbestimmte Räumlichkeiten Werke zu komponieren, die am Festival uraufgeführt werden. Der aufmerksame Zuhörer kommt so nicht nur in den Genuss von verschiedenen Uraufführungen, sondern er kann erleben, welchen Eindruck, welche Einwirkung der Raum auf die Arbeit der Komponistin oder des Komponisten gehabt hat.

Komponistengespräch

Eine Komponistin und drei Komponisten, deren Werke an der diesjährigen Biennale uraufgeführt werden, tauschen sich beim Publikumsgespräch «Zeiträume schaffen» vom 23. September 2017 aus. Wie sehr hat sie die Räumlichkeit bei der Komposition ihres Werks inspiriert? Wie entstehen Werke und für wen werden sie geschrieben? Die Komponistin und die Komponisten erzählen von ihrer Arbeit und geben Auskunft über ihre neuen Werke, die sie für das Festival geschaffen haben.

Eintritt frei – Reservierung erforderlich

Nehmen auch Sie die Gelegenheit wahr, um dem Gedankenaustausch unter Komponierenden zuzuhöhren und um Fragen zu stellen. Herzlich sind Sie auch zum anschliessenden Aperitif eingeladen, bei dem gerne weiter rund um das Thema Komposition in Zeit und Raum philosophiert werden kann.

Werkraum Warteck PP / Restaurant Don Camillo, Burgweg 7, 4058 Basel
23. September, 15:00 Uhr
Gesprächsteilnehmende: Beat Gysin, Junghae Lee, Mario Pagliarani, Balthasar Streiff
Moderation: Bernhard Günther

Weitere Informationen und Programm des Festivals Zeiträume finden Sie unter: www.zeitraeumebasel.com

Das Komponistengespräch wird unterstützt von der SUISA.

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Im Rahmen der Basler Biennale Zeiträume, welche neue Musik und Architektur vereint, diskutieren am Samstag, 23. September 2017, eine Komponistin und drei Komponisten in einem Publikumsgespräch, wie ihre Werke entstehen. Text von Erika Weibel

Komposition in Zeit und Raum

An der Basler Biennale für neue Musik und Architektur findet am 23. September 2017 um 15:00 Uhr unter dem Titel «Zeiträume schaffen» ein Komponistengespräch statt. (Foto: Anna Katharina Scheidegger)

Vom 16. bis zum 24. September 2017 öffnet Basel seine Tore für ein spannendes Hörerlebnis: Neue Musik erschallt in den ungewöhnlichsten Ecken und Gassen. Gross und Klein sind eingeladen, sich auf musikalische Abenteuer einzulassen. So erklingt zum Beispiel im Hallenbad ein «Wasserspiel» (Kompositionen und Improvisationen für wechselnde Besetzungen im Hallenbad Spiegelfeld Binningen), oder man kann ein Alphornkonzert auf dem Basler Münsterplatz erleben. Auch Museen, Türme, sogar Friedhöfe öffnen ihre Tore…Weiterlesen

Marcel Oetiker: «Beim Reisen werde ich oft inspiriert» | mit Video

Beim Zürcher Bahnhof Hardbrücke brausen Züge vorbei, kreischen in den Kurven, ächzen beim Anfahren und beim Bremsen. Doch Marcel Oetiker hat diesen Ort nicht als Treffpunkt gewählt, weil solche Geräusche manche Künstler zu kreativen Höhenflügen anregen. Text von Gastautor Markus Ganz; Video von Manu Leuenberger

«Ich bin beruflich meist mit dem ÖV unterwegs und fahre oft über Zürich», erklärt der 1979 geborene Komponist und Schwyzerörgeli-Virtuose aus Altendorf. «Und Reisen kann sehr inspirierend sein. Ich halte meine Ideen dann nach Möglichkeit auf dem Laptop oder einem Blatt Papier fest».

Marcel Oetiker glaubt auch nicht, dass Einflüsse wie solche Geräusche die neue Schweizer Volksmusik geprägt haben, zu der er gezählt wird. Wichtiger ist seiner Meinung nach, dass man Musik studiert und das Gelernte bewusst beim Komponieren anwendet ‒ «dies vermag auch diesem Genre eine neue Perspektive zu öffnen».

Von Volksmusik zum Jazz-Studium

Marcel Oetiker ist ein gutes Beispiel dafür. Der Autodidakt spielte bereits in sehr jungen Jahren traditionelle Ländlermusik und stieg in dieser Szene rasch auf. So kam er in einen Bereich, wo man sich mehr an der Musik selbst als am Unterhaltungswert orientiert.

«Aus einem Status Quo ein spürbares Maximum herauszuholen, das den vielen Wiederholungen so lange wie möglich standhält – das war und ist die Ebene der Volksmusik, die mich faszinierte.» Diesen Ansatz hat er bis heute beibehalten.

Er lernte neue Möglichkeiten kennen durch das Jazz-Studium an der Berner Hochschule der Künste, das er mit einem Master in Komposition und Theorie abschloss. «Der Jazz bietet eine viel differenziertere Harmonik und insbesondere ein Theoriemodell, um die verschiedenen harmonischen Wirkungen der Musik kontrollieren und niederschreiben zu können.» Sogar eine gewisse Nähe zur Neuen Musik ist manchmal herauszuhören, denn er möchte das ganze Spektrum der kompositorischen Möglichkeiten ausnützen können.

Von Notation zu akustischen Partituren

Marcel-Oetiker-Video_VorschauDies hat auch die Kompositionsweise von Marcel Oetiker verändert. Er geht nur noch selten von einem klassischen Motiv aus, weil er nicht in diesem spezifischen Kompositionsstil verbleiben möchte. So kommt er auch zunehmend von der üblichen Notation weg und versucht vermehrt, «ganz auf der akustischen Ebene zu verbleiben». Er liefert den ausführenden Musikern als Annäherung beispielsweise eine akustische Partitur, die er mit Instrumenten oder Geräuschen schafft.

Marcel Oetiker entwickelt auch Werke für mehrere Musiker. «Es ist nicht wie bei einer typischen Band, wo man zusammen an einem Stück tüftelt. Die Kompositionen entstehen aus spezifischen Begebenheiten heraus und sind nicht immer durchgängig notiert, sondern bestehen beispielsweise auch aus Anweisungen.» Trotzdem betont Marcel Oetiker, dass die Stücke meistens sehr durchdacht sind und wenig Freiheiten lassen.

Zuoberst die Musik, erst dann das Geld

Marcel Oetiker ist Berufsmusiker. Neben seiner kompositorischen Tätigkeit leitet er verschiedene Ensembles und unterrichtet an verschiedensten Bildungsstätten. «Wollte ich schnell reich werden, dürfte ich nicht in solch ungewöhnlichen Musikgebieten tätig sein. Ich hatte nie vor, von der Musik zu leben – sondern für die Musik.»

Umso mehr schätzt er, dass er die Wahrung seiner Urheberrechte der SUISA überlassen kann. «Sie nimmt mir sehr viele administrative Belange ab. Das ist, was ich brauche, um mich noch mehr auf die Musik konzentrieren zu können.». Beeindruckt hat ihn vor allem die Beratung. «Ich habe immer eine hilfreiche Antwort erhalten, wenn ich mit einer Frage an sie gelangt bin. Und ich habe dafür nie eine Rechnung erhalten ‒ wo gibt es das noch?»

www.marceloetiker.com

Wo-neue-Musik-entsteht_Cover«Wo neue Musik entsteht»

Der Wert der Ideen der Musikschaffenden ist das Herzstück der Arbeit der SUISA. Für die Broschüre «Wo neue Musik entsteht» gaben fünf Persönlichkeiten und Gruppen aus verschiedenen Musikgenres und Sprachregionen der Schweiz Einblick in ihren kreativen Schaffensprozess und ihre musikalische Tätigkeit. Neben Marcel Oetiker werden Camilla Sparksss, Oliver Waespi, Eriah und Carrousel auf dem SUISAblog.ch und in der 2015 erstmals erschienenen Broschüre (PDF, 8.17 MB) vorgestellt.

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  1. Julien Gilliand sagt:

    Finde das Gespräch interessant und spannend, leider finde ich die Bilder nicht optimal, wie z.B. Bildausschnitte, Kameraführung und Farben sind zu wenig ausgearbeitet und ausgesucht… Zum Teil auch sehr sehr wackelige Bilder, dass mehr Verwirrung stiftet als was anderes…
    Bei der Mikrophonierung hätte ich Anstecker gewählt, die weniger Nebengeräusche aufnehmen. Wenn keine Vorhanden waren, dann hätte ich die Richt-Mikrophone nicht auf die Gleise gerichtet, da sobald ein Zug kommt, man ihn kaum mehr versteht, Zudem finde ich, gehören sie nicht ins Bild (es ist ja keine PK…) Vielleicht hätte es ein geeigneter Interview-Platz auch nicht schlecht getan…

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In Gedenken an Erwin Ernst Kunz

Musiker, Dirigent, Komponist, Arrangeur, Musiktheoretiker – Erwin Ernst Kunz, oft nur Ernst Kunz genannt, war ein musikalischer Tausendsassa und hat mit seinem vielseitigen Talent und Können in den unterschiedlichsten Bereichen des Schweizer Musikschaffens seine Spuren hinterlassen. Am 11. Juli 2014 ist das langjährige SUISA-Mitglied im Alter von 97 Jahren gestorben.

Erwin-Ernst-Kunz

Erwin Ernst Kunz am Kontrabass bei Musikaufnahmen im Oktober 1988. (Foto: Rolf W. Kunz)

Erwin Ernst Kunz, geboren am 24. März 1917, ist zusammen mit den Brüdern Jakob und Willy im damals ländlichen Uster / ZH aufgewachsen. Als 10-Jähriger erhielt er von der Mutter sein erstes Instrument geschenkt: eine alte, defekte Handorgel. Ein Ustermer Musiklehrer stellte ihm ein bespielbares Instrument zur Verfügung und erteilte dem Knaben Unterricht. Die ärmlichen Verhältnisse in der Arbeiterfamilie boten für musische Betätigungen wenig Spielraum. Ein weitsichtiger Vormund ermöglichte ihm, die Aufnahmeprüfung an das Zürcher Konservatorium zu absolvieren, die er als 17-Jähriger erfolgreich bestand.

Im Rekordtempo zum Berufsmusiker gereift

Gesegnet mit der Gabe des absoluten Musikgehörs erlernte Ernst Kunz das Rüstzeug für den Sprung in ein Sinfonieorchester im Rekordtempo. Mit 20 Jahren wurde er in das Tonhalle-Orchester aufgenommen, dem er als Tubist und Kontrabassist von 1937 bis zur Pensionierung im Jahr 1982 treu blieb. Mit vitalem Interesse studierte er als junger Musiker die Kompositionstechniken der grossen Meister wie Wagner, Brahms oder Bruckner und bildete sich in musiktheoretischen Fächern weiter. Internationale Berufssinfonieorchester von Wien, Mailand, Berlin, über Peking bis Buenos Aires engagierten den Tubisten gerne als Zuzüger. Unter Musikerkollegen war er umgangssprachlich als «Tuba-Kuenz» bekannt.

Neben seiner Tätigkeit als Orchestermusiker engagierte und wirkte der vielseitige Musiker in den unterschiedlichsten Bereichen des Schweizer Musikschaffens. Er dirigierte diverse Berufsmusik- und Amateurformationen wie auch Chöre und amtete als Korrepetitor für Opernsänger und -sängerinnen. Ebenso war er als musikalischer Aufnahmeleiter für Musikstudios tätig: Unter anderem war er verantwortlich für die Produktion einer CD-Reihe mit Schweizer Liedern und Märschen, die anlässlich der 700-Jahre-Feier der Schweizerischen Eidgenossenschaft entstand («Kantons-Märsche aus der ganzen Schweiz» Vol. 1 + Vol. 2, «Schweizer-Lieder aus allen Kantonen» Vol. 1 + Vol. 2, alle erschienen bei K-Tel, 1991).

Vielseitig engagiert: Von Volksmusik über Gefangenenchor bis zu Kinderliedern

Über viele Jahre hinweg war Ernst Kunz sonntäglicher Organist und Chorleiter in der Strafanstalt Regensdorf. Unter seinem Dirigat nahm der Chor zusammen mit dem Bläserkorps der Heilsarmee und Solisten anfangs der 1970er-Jahre eine Sammlung an Weihnachtsliedern auf, die mit beachtlichem Erfolg auf dem Tonträger «Der Gefangenenchor der Strafanstalt Regensdorf singt Weihnachtslieder» (Ex-Libris-Verlag) vertrieben wurde.

Regelmässig und zu seinem persönlichen Vergnügen trat er mit Volksmusik-Formationen auf und spielte Tuba oder Kontrabass unter anderem bei der Länderkapelle Edi Bär, der Freudenberger Dorfmusik von Otto Würsch oder der Seldwyler Dorfmusik von Jakob Farner. Nach seiner Pensionierung beim Tonhalle-Orchester unterrichtete er als Lehrer für Tuba am Konservatorium Luzern.

Zeit seines Lebens war E. Ernst Kunz auch als Komponist, Arrangeur und Texter aktiv. Seit 1964 war er Mitglied bei der SUISA. Er komponierte Märsche, Orchester- und Chor-Stücke, Singspiele und schrieb unzählige Orchestrierungen, Arrangements und Bearbeitungen. Eine besondere Vorliebe hatte er für Kinderlieder: Die vielen Lieder, die er geschrieben und vertont hat, wurden im Buch «Kinderlieder: wenn die Kinder singen, lacht der Himmel froh, alle Engel singen laut ein Jubilo» (erschienen im Jahr 2000) verewigt.

Mit «Heavenly Club» und Les Sauterelles Teil der Schweizer Popmusik-Geschichte

Nicht zu letzt war der musikalische Tausendsassa auch an einem veritablen Stück Schweizer Popmusik-Geschichte mitbeteiligt: Für das Album «View To Heaven» von Les Sauterelles verfasste Ernst Kunz die Streicher-Arrangements und dirigierte ein 16-köpfiges Streichorchester bei den Aufnahmen im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg. Zu den von Ernst Kunz orchestrierten Songs gehört auch die Single «Heavenly Club», die es 1968 auf Platz Nr. 1 der Schweizer Hitparade schaffte. Die Single gilt als erste Schweizer Produktion, die in den offiziellen Schweizer Charts den Spitzenplatz erreichte. Dank dem Album mitsamt der Hitsingle gelang den Sauterelles der internationale Durchbruch.

Das erfüllte Leben für die Musik hat im hohen Alter von 97 Jahren ein Ende genommen: Am 11. Juli 2014 ist Erwin Ernst Kunz gestorben.

Wir danken Rolf W. Kunz, dem Neffen des Verstorbenen, für die umfangreichen biographischen Angaben zum Leben und Schaffen von Erwin Ernst Kunz.

 

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Erwin Ernst Kunz am Kontrabass bei Musikaufnahmen im Oktober 1988. (Foto: Rolf W. Kunz)

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