Tagarchiv: Musikindustrie

Blockchain – das Ende oder die Zukunft der Verwertungsgesellschaften?

Liebe Mitglieder, mittlerweile ist der Begriff «Blockchain» in der Musikindustrie in aller Munde. Doch es ist nicht einfach, jemanden zu finden, der einem mit einfachen Worten erklärt, worum es sich dabei handelt … Von Vincent Salvadé, Stellvertretender Generaldirektor

Blockchain – das Ende oder die Zukunft der Verwertungsgesellschaften?

Die britische Sängerin und Songschreiberin Imogen Heap gilt als Pionierin in der praktischen Anwendung der Blockchain-Technologie für die Musikdistribution: Seit Oktober 2015 kann ihre Single «Tiny Human» über die Plattform Ujomusic online erworben und lizenziert werden. Die Bezahlung der Beteiligten erfolgt nach vordefinierten Verteilungsregeln per Kryptowährung. (Bild: Screenshot ujomusic.com)

Die Blockchain ist eine Technologie, eine Datenbank, ein Register. Sie ermöglicht den sicheren Austausch von Informationen in einem Netzwerk, das auf der Mitwirkung qualifizierter Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Miner) beruht, die die Gültigkeit der Transaktion mit der Rechnerleistung ihrer Computer überprüfen. Alle Transaktionen sind in Blöcke gruppiert, die miteinander verbunden sind, und jeder Teilnehmer kann prüfen, ob der Validierungsakt korrekt ist. So funktioniert auch der Bitcoin.

Sie haben nicht ganz alles verstanden? Ich auch nicht. Doch offenbar kommt diese Technologie, die auf «Smart Contracts» (intelligenten Verträgen) basiert, ohne Vermittler aus: Der Komponist könnte also für das Konzertticket oder das Musikstreaming direkt entschädigt werden. Einige munkeln bereits vom Ende der Verwertungsgesellschaften.

«Die kollektive Wahrnehmung der Rechte ist mehr als reine Technik. Sie beruht auf einem wichtigen Wert: der gemeinsamen Verteidigung des kreativen Schaffens.»

Die alte Leier: Als die Online-Musik vor rund 20 Jahren aufkam, prophezeite man, das Internet werde die Urheber befreien, sie von den Vermittlern unabhängig machen. Doch die Verwertungsgesellschaften sind noch immer da, und sie bilden ein unerlässliches Gegengewicht zu den Internetriesen.

Denn die kollektive Wahrnehmung der Rechte ist mehr als reine Technik. Sie beruht auf einem wichtigen Wert: der gemeinsamen Verteidigung des kreativen Schaffens. Die Urheber werden immer eine Organisation brauchen, die sie unterstützt, die für sie Verträge (auch intelligente) aushandelt und die sich dafür einsetzt, dass die Transaktionsbedingungen (auch wenn in der Blockchain zertifiziert) fair sind.

Doch halt: Diese Feststellung berechtigt nicht zum Zurücklehnen. Es gehört zur Aufgabe der Verwertungsgesellschaften, sich für die Blockchain zu interessieren, sie zu verstehen und zu versuchen, sie möglichst zum Vorteil der Urheber und Verleger zu nutzen.

«Die Verwertungsgesellschaften verfügen über essenzielle Informationen, die sicherstellen, dass die Vergütungen den richtigen Personen überwiesen werden.»

Die SUISA setzt sich mit ihren Schwestergesellschaften in der Schweiz und im Ausland dafür ein. Zumal die Technologie helfen könnte, Konflikte mit den Rechteinhabern über ein Werk oder die ihnen zustehenden Vergütungen zu vermeiden.

Die Verwertungsgesellschaften verfügen über essenzielle Informationen, die sicherstellen, dass die Vergütungen den richtigen Personen überwiesen werden, und sie verfügen zudem über leistungsfähige Informatikinstrumente. Wie könnten sie also im Transaktions-Validierungsprozess übergangen werden?

Eines ist sicher: Sie dürfen diese Fragen nicht ausschliesslich den Technologiefirmen überlassen. Denn dann würde die Blockchain zur blockierenden Chain – zum Nachteil des kreativen Schaffens!

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Mint Digital Services: Antworten zu den wichtigsten FragenMint Digital Services: Antworten zu den wichtigsten Fragen Die SUISA hat zusammen mit der US-amerikanischen Gesellschaft SESAC das Joint Venture Mint Digital Services gegründet. Das Unternehmen übernimmt die Abrechnung und Administration des Online-Lizenzierungsgeschäfts von SESAC und SUISA und bietet seine Dienstleistungen auch Verlagen und Verwertungsgesellschaften an. Mit Warner/Chappel Music bezieht bereits ein Major-Verlag Dienstleistungen von Mint Digital Services. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten. Weiterlesen
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Mint Digital Services: Antworten zu den wichtigsten Fragen

Die SUISA hat zusammen mit der US-amerikanischen Gesellschaft SESAC das Joint Venture Mint Digital Services gegründet. Das Unternehmen übernimmt die Abrechnung und Administration des Online-Lizenzierungsgeschäfts von SESAC und SUISA und bietet seine Dienstleistungen auch Verlagen und Verwertungsgesellschaften an. Mit Warner/Chappel Music bezieht bereits ein Major-Verlag Dienstleistungen von Mint Digital Services. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten. Text von Fabian Niggemeier, Martin Korrodi, Sebastian Spring und Erika Weibel

Mint Digital Services: Antworten zu den wichtigsten Fragen

Mit Mint Digital Services erschliesst die SUISA dank ihrer leistungsfähigen IT-Infrastruktur neue Geschäftsfelder. (Grafik: Hej – Büro für Strategie und Gestaltung in Kultur und Wirtschaft, Zürich)

Was ist Mint Digital Services?
Mint Digital Services ist ein Gemeinschaftsunternehmen der US-amerikanischen Musikrechte-Organisation SESAC und der SUISA. Das Unternehmen erbringt Dienstleistungen im Bereich der Administration von multinationalen Musiklizenzen im Internet. Dies beinhaltet im Wesentlichen das Verarbeiten von Nutzungsreports der Online-Plattformen, die Identifikation des vertretenen Repertoires und das Erstellen von Rechnungen.

Mint Digital Services ermöglicht der SUISA und SESAC zum einen, die Online-Lizenzierung ihres eigenen Repertoires effizienter abzuwickeln. Zudem kann das Joint Venture seine Dienstleistungen auch grossen Musikverlagen und in Zukunft gegebenenfalls auch anderen Verwertungsgesellschaften anbieten.

Wieso haben die SUISA und SESAC Mint Digital Services gegründet?
Hierfür gibt es drei Hauptgründe:

  1. Mit Mint Digital Services erschliesst die SUISA dank ihrer leistungsfähigen IT-Infrastruktur neue Geschäftsfelder.
  2. Dank des Joint Ventures kann die SUISA ihre Informatik-Infrastruktur besser auslasten. Bislang betrieb die SUISA den grossen Aufwand bei der Lizenzierung und Verteilung im Online-Bereich lediglich für ihr eigenes Repertoire. Mint Digital Services kann mit einem geringen Mehraufwand auch die Administration und Abrechnung für die Repertoires von SESAC sowie weiterer Verlage und in Zukunft vielleicht sogar von Verwertungsgesellschaften übernehmen.
  3. Mit dem Joint Venture rüstet sich die SUISA für die Zukunft. In den kommenden Jahren werden die Monopole der Verwertungsgesellschaften herausgefordert. Der Grundsatz, dass immer nur eine Gesellschaft zur Lizenzierung des Weltrepertoires in einem Land zuständig ist, wird zunehmend aufgeweicht. Bereits heute ist auch ausserhalb des Online-Geschäfts der Trend zur Direktlizenzierung – also der länderübergreifenden Lizenzierung jedoch nur des eigenen Repertoires – zu beobachten.

Müssen sich die Mitglieder für die Onlinenutzung ihrer Werke an Mint wenden?
Nein. Für SUISA-Mitglieder ändert sich nichts. Ansprechpartner ist immer noch die SUISA, die auch weiterhin die Abrechnungen an die Mitglieder verschickt. Mint Digital Services erbringt lediglich Dienstleistungen für die SUISA.

Der Aufbau einer neuen Firma kostet Geld. Erhalten Mitglieder jetzt weniger Urheberrechtseinnahmen aufgrund höherer SUISA-Abzüge?
Nein. Der Grossteil der nötigen Investitionen hat die SUISA bereits in den letzten Jahren getätigt, indem sie ihre IT kontinuierlich verbessert hat – unabhängig vom Joint Venture. Die Kosten für den Aufbau der neuen Firma sind verhältnismässig gering. Der Businessplan sieht vor, dass die Investitionen in wenigen Jahren amortisiert sind.

Erhalten die Mitglieder dank dem Zusammenschluss mit der US-amerikanischen Firma SESAC rascher und mehr Geld für Nutzungen in den USA?
Die Zusammenarbeit mit SESAC hat keinen Einfluss auf die Vergütungen aus den USA. Das Joint Venture bezieht sich ausschliesslich auf Online-Nutzungen ausserhalb der USA. Die SUISA ist aber bemüht, die Vergütungen aus den USA sowie auch aus anderen Ländern zu verbessern. Allerdings muss hier gesagt werden, dass wir nur in beschränktem Masse Einfluss nehmen können auf die Arbeit unserer Schwestergesellschaften im Ausland.

Warner ist jetzt Kunde von Mint. Heisst das, dass ab sofort der Fokus auf den Majors liegt und die Bedürfnisse der SUISA-Mitglieder in den Hintergrund rückt?
Nein. Warner ist ein Kunde von Mint Digital Services und nicht der SUISA. Zudem ist es das Ziel der SUISA, immer so kundenorientiert wie möglich zu arbeiten, egal ob Major, Independent oder Urheber.

Läuft auch die Lizenzierung des Online-Repertoires über Mint Digital Services?
Nein. Das Joint Venture erbringt lediglich Dienstleistungen für die Administration und Abrechnung. Für die Lizenzierung der Repertoires von SESAC und der SUISA werden die beiden Unternehmen in den kommenden Wochen zwei Firmen gründen: Mint SESAC Licensing, eine Tochtergesellschaft von SESAC, und Mint SUISA Licensing, eine Tochtergesellschaft der SUISA. Diese beiden Firmen lizenzieren im Online-Bereich getrennt ihre eigenen Rechte sowie die Aufführungsrechte der meisten anglo-amerikanischen Gesellschaften.

Kann die SUISA jetzt bessere Verträge mit Onlineplattformen aushandeln?
Es ist möglich, dass mit einigen Onlineplattformen bessere Verträge ausgehandelt werden können. Die Plattformen können selber entscheiden, ob sie einzeln mit den beiden Lizenzierungseinheiten der SUISA und von SESAC verhandeln wollen oder mit beiden Unternehmen gleichzeitig. Im letzteren Fall würde dies natürlich bedeuten, dass Mint SUISA Licensing vom grösseren Repertoire von SESAC und dadurch von besseren Konditionen profitieren würde.

Die SUISA resp. Mint SUISA Licensing verhandelt regelmässig die Verträge mit Onlineplattformen neu. Das Ziel ist es , bessere Konditionen für die Urheber und Verleger auszuhandeln.

Medienmitteilung: «SUISA und SESAC starten Mint und gewinnen Warner/Chappell Music als ersten Kunden»
Weitere Informationen zu Mint finden Sie auf der Website des Joint Ventures: www.mintservices.com

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SUISA gründet mit SESAC das Joint Venture Mint Digital Licensing Die SUISA gründet zusammen mit der US-amerikanischen Gesellschaft für Musikrechte SESAC ein Joint Venture mit dem Namen Mint Digital Licensing. Das neue Unternehmen wird ab Januar 2017 europaweit die Online-Nutzungen der Werke von SUISA- und SESAC-Mitgliedern lizenzieren. Das Dienstleistungsangebot des Joint Ventures steht auch anderen Marktteilnehmern wie zum Beispiel (Major-) Verlagen oder ausländischen Verwertungsgesellschaften offen. Ein Interview mit SUISA-Generaldirektor Andreas Wegelin über die Vorteile und die Bedeutung dieser Zusammenarbeit. Weiterlesen
Nachhaltiges Wachstum für die Mitglieder Genossenschaften zeichnen sich durch solides Wirtschaften aus. Dies gilt auch für die SUISA. Die Genossenschaft der Komponisten, Textautoren und Verleger von Musik hat 2015 ihre Einnahmen leicht gesteigert. Von diesem Geld verteilt die SUISA rund 88% an die Rechteinhaber. Insgesamt sind es 125 Millionen Franken. Die Genossenschaft leistet damit einen substanziellen Beitrag an das finanzielle Auskommen ihrer Mitglieder. Nachfolgend eine Analyse des Jahresergebnisses. Weiterlesen
Weshalb Mitglieder der SUISA nicht melden müssen, wenn ihre Werke auf Youtube sind – Wie, wo und wann kann man der SUISA seine Werke auf Youtube melden, haben Mitglieder so oder ähnlich in letzter Zeit oft gefragt. Weshalb Urheber der SUISA keine Meldungen über ihre Werke auf der Videoplattform zuzuschicken brauchen, erklären wir in der nachfolgenden Antwort auf eine Mitgliederanfrage. Weiterlesen
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Die SUISA hat zusammen mit der US-amerikanischen Gesellschaft SESAC das Joint Venture Mint Digital Services gegründet. Das Unternehmen übernimmt die Abrechnung und Administration des Online-Lizenzierungsgeschäfts von SESAC und SUISA und bietet seine Dienstleistungen auch Verlagen und Verwertungsgesellschaften an. Mit Warner/Chappel Music bezieht bereits ein Major-Verlag Dienstleistungen von Mint Digital Services. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten. Text von Fabian Niggemeier, Martin Korrodi, Sebastian Spring und Erika Weibel

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Mit Mint Digital Services erschliesst die SUISA dank ihrer leistungsfähigen IT-Infrastruktur neue Geschäftsfelder. (Grafik: Hej – Büro für Strategie und Gestaltung in Kultur und Wirtschaft, Zürich)

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Mint Digital Services ist ein Gemeinschaftsunternehmen der US-amerikanischen Musikrechte-Organisation SESAC und der SUISA. Das Unternehmen erbringt Dienstleistungen im Bereich der Administration von multinationalen Musiklizenzen im Internet. Dies beinhaltet im Wesentlichen das Verarbeiten von Nutzungsreports der Online-Plattformen,…Weiterlesen

Konzerte und Festivals in der Schweiz

In einem Kommentar für das IQ Magazine, das von der International Live Music Conference (ILMC) herausgegeben wird, schreibt Chantal Bolzern, Leiterin der Abteilung für Aufführungsrechte bei der SUISA, über die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen Verwertungsgesellschaften und Konzertveranstaltern.

Konzerte und Festivals in der Schweiz

Chantal Bolzern hat früher selber Konzerte veranstaltet und einen Kulturmanagerinnen-Lehrgang absolviert. 2004 begann sie bei der SUISA im Rechtsdienst zu arbeiten. Seit 2010 ist sie Abteilungsleiterin Aufführungsrechte. (Foto: Sebastian Vollmert)

Die Schweizer lieben ganz offensichtlich Konzerte und Festivals – jedes Jahr gibt es neue Festivals, die gar in den entlegensten Bergregionen stattfinden. Einige sind kurzlebig und verschwinden nach kurzer Zeit wieder, andere bestehen bereits seit über 40 Jahren. Dazu kommt ein breites Spektrum an Konzertklubs mit alternativer Musik, die jede Woche eine große Besucheranzahl anlocken.

Im Jahr 2015 lizenzierte die SUISA über 20‘000 Konzerte und Festivals, an denen mehr als 360‘000 verschiedene Songs aufgeführt wurden. Der Konzerttarif brachte Vergütungen in der Höhe von Fr. 20,3 Mio. im Jahr 2015 ein, fast 50% aller Einnahmen aus Aufführungsrechten. Wenn man bedenkt, dass die Schweiz nur 8 Mio. Einwohner hat, dann sind das schon beeindruckende Zahlen.

SUISA – ein Knotenpunkt für Urheber und Konzertveranstalter

Um all dies zu ermöglichen, braucht es einen guten Song als Grundlage; und Interpreten, die den Song in einen inspirierenden Liveauftritt umsetzen. Und zu guter Letzt einen Veranstalter, der das Ereignis organisiert und sicherstellt, dass alles glatt läuft und die Besucher zufrieden sind.

SUISA ist eine Art Knotenpunkt in diesem Business. Als Genossenschaft gehören wir unseren Mitgliedern und daher ist es unser Ziel, Urhebern und Verlegern zu helfen, am Einkommen teilzuhaben, welches andere mit ihren Liedern generieren. Andererseits wollen wir den Veranstaltern einen vereinfachten Rechtezugang verschaffen, als Basis für ihre Eventorganisation und zur Schaffung ihrer Einkommensgrundlage.

Zwei Jahre lang hat die SUISA einen neuen Konzert- und Festivaltarif mit den zuständigen Verbänden verhandelt, um die Berechnung der Lizenzentschädigungen für Veranstalter zu vereinfachen. Der Tarif legt eine Rate für Konzerte oder Festivals zwischen 7% und 10% der Ticketeinnahmen fest, und sieht Rabatte für Mitglieder von Berufsverbänden vor. Weiter funktioniert unser Tarif als «one-stop-shop» für Leistungsschutzrechte. Dies erleichtert insbesondere die Tätigkeit der Festivalveranstalter.

Respekt hilft, neue Herausforderungen im Livemusik-Business-Ökosystem zu bewältigen

Die eingenommen Vergütungen werden alle 3 Monate von uns verteilt – mit detaillierten Einzelaufstellungen, so dass Urheber und Verleger den Ursprung ihrer Gelder nachvollziehen können. Wir bieten in Sachen Einnahmequellen volle Transparenz. Der Verwaltungskostensatz für jegliche Arbeiten im Hinblick auf Lizenzen und Verteilung beträgt nur 12%.

Das Livemusik-Business ist ein Ökosystem, in welchem sich alle Beteiligten gegenseitig brauchen, um fortzubestehen. Wenn jeder einen guten Beitrag leistet, macht die Arbeit nicht nur Spaß, sie führt auch dazu, dass alle Geld damit verdienen. Dies gibt Komponisten wiederum die Gelegenheit, neue Songs zu schreiben, welche die Grundlage für neue Aufführungen und Konzerte bilden. Daher sollten wir alle unseren jeweiligen Beiträge und Anstrengungen schätzen und respektieren, und zusammen an Lösungen für neue Herausforderungen arbeiten.

Dieser Beitrag wurde verfasst für das IQ Magazine, wo er in der Print-Ausgabe vom Januar 2017 auf Seite 27 wie auch online auf der Website des Magazins erschienen ist. Das IQ Magazine ist die 6x jährlich erscheinende Zeitschrift der International Live Music Conference (ILMC).

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Neuer Konzerttarif ab 2017 Die SUISA und die Branchenverbände der Konzertveranstalter haben sich nach intensiven Verhandlungen auf einen neuen Konzerttarif geeinigt. Der neue Gemeinsame Tarif K soll die beiden noch bis Ende 2016 gültigen Tarife GT Ka und GT Kb ersetzen und am 1. Januar 2017 in Kraft treten. Weiterlesen
Wenn Band und Veranstalter ein Konzert gemeinsam organisieren Die Urheberrechtsentschädigung für ein Konzert muss vom Veranstalter bezahlt werden. Wie ist die rechtliche Situation, wenn Musiker und Veranstalter den Anlass in einer Form der Kooperation gemeinsam durchführen? Für die Bezahlung der Urheberechtsentschädigung bei Engagement-Verträgen ist der Konzertveranstalter verantwortlich. Es kommt vor, dass Anlässe von Bands selber oder in Kooperation mit einem Dritten durchgeführt werden. In diesen Fällen ist die Form der Kooperation zwischen Band und Veranstalter ausschlaggebend dafür, wer die Urheberrechtsentschädigung zahlen muss. Weiterlesen
4 Tipps, wie du zu deinen Konzert-Tantiemen kommst Auch deine selber geschriebenen Songs werden live an Konzerten gespielt? Ein Konzert mit deiner Musik ist etwas wert! Die Konzert-Gage ist der Lohn dafür, dass du live spielst. Für das Komponieren der Songs hast du ebenfalls etwas verdient: Das sind deine Tantiemen. Die SUISA kann für dich das Einziehen der Tantiemen übernehmen. Weiterlesen
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In einem Kommentar für das IQ Magazine, das von der International Live Music Conference (ILMC) herausgegeben wird, schreibt Chantal Bolzern, Leiterin der Abteilung für Aufführungsrechte bei der SUISA, über die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen Verwertungsgesellschaften und Konzertveranstaltern.

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Chantal Bolzern hat früher selber Konzerte veranstaltet und einen Kulturmanagerinnen-Lehrgang absolviert. 2004 begann sie bei der SUISA im Rechtsdienst zu arbeiten. Seit 2010 ist sie Abteilungsleiterin Aufführungsrechte. (Foto: Sebastian Vollmert)

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Im Jahr 2015 lizenzierte die SUISA über 20‘000 Konzerte und Festivals, an denen…Weiterlesen

Hetzen, hadern und hoffen an der Womex

Die FONDATION SUISA stellt in Zusammenarbeit mit Pro Helvetia seit 2006 an der Musikmesse Womex einen Schweizer Stand. Doch was bringt die Teilnahme an einer solchen Messe überhaupt? Ane Hebeisen von der Berner Gruppe Da Cruz hat den Selbstversuch gemacht. Ein ungeschönter Erfahrungsbericht aus Budapest. Text von Gastautor Ane Hebeisen

Womex-2015-Gruppenfoto

Mitten im Geschehen an der Womex 2015 in Budapest (v.l.n.r.): Gastautor Ane Hebeisen und Mariana Da Cruz (beide von der Band Da Cruz), Arnaud di Clemente (Bee-Flat im Progr), Mauro Abbühl (Artlink). (Foto: Eric van Nieuwland)

Der Schweizer Stand an der Musikmesse Womex in Budapest ist heillos überlaufen. Man hat – zusammen mit den Österreichern – zum Apéro geladen und damit eine Menge Publikum angelockt. Es gibt Käse, Trockenfleisch, Wein, und es werden Kleingespräche geführt. Beliebteste Themen: Der Zustand des helvetischen Konzertmarktes und die Fantasie-Preise Budapester Taxichauffeure. Am Rande des Menschenauflaufs verhandelt die Bookerin des Zürcher Clubs Moods mit einer französischen Konzertagentur, unweit davon wieseln die Berner Veranstalter von Bee-Flat durch die Menge, und der Manager von Sophie Hunger trifft Leute, die irgendwie wichtig aussehen. Kurz setzt eine österreichische Kapelle zu einem Ständchen an, wird aber vom Sicherheitsdienst der Kongresshalle schnell zum Schweigen gebracht. Am Tage soll dem Business gefrönt werden, Musik gibts dann am Abend.

Das Dilemma ist bekannt. Als Musiker bietet es sich an, heutzutage nicht mehr nur Tonkunst-Kreateur, sondern empfehlenswerterweise auch noch Booker, Manager, Öffentlichkeitsarbeiter und Labelmanager zu sein. Und weil das so ist, macht es sich nicht schlecht, ab und zu eine solche Messe zu besuchen. Also auf in den Kampf. Ziel: die Sommersaison 2016 mit einigen Festival-Engagements aufzumöbeln.

Die gute Nachricht hier an der Womex: Open Airs wie das Glastonbury, Sziget oder Roskilde haben Abgesandte nach Budapest geschickt, die auf der Suche nach neuen Bands sind. Die schlechte Nachricht: Sie ziehen es vor, inkognito durch die Messe zu schleichen. Wenn sie mal stehen bleiben, haben sie trotzdem jählings einen Pulk «flüchtiger Bekannter» um sich, die ihnen CDs und Kataloge zustecken wollen. Das muss anstrengend sein. Man lässt sie besser in Ruhe.

Weltmusik ein Marketing-Begriff für musikalisch Exotisches

Von den diversen Musikmessen und Showcase-Festivals gehört die Womex zu den älteren, und wegen der Nische, die sie bedient, vielleicht nicht zu den hippsten. Doch die Womex wird unterschätzt. Sie findet jedes Jahr in abwechselnden Städten statt und ist die weltgrösste Messe für die so genannte World Music. Ein Begriff, der vor fast 30 Jahren von Marketing-Verantwortlichen englischer Plattenfirmen kreiert wurde und jene Musik schubladisieren sollte, die nicht ins gemeine angloamerikanische Pop-Rock-Schema passte.

Ein Begriff auch, dem noch immer das ungute Nimbus-Konglomerat aus Jute-Romantik, Drittwelt-Exotismus und kulturellem Neo-Kolonialismus anhaftet. Doch die Weltmusik ist längst zu einem Dach geworden, unter welchem sich vom Global-Pop eines Manu Chao, zu den elektro-ethnologischen Studien einer Björk bis zum brasilianischen Favela-Funk oder dem mongolischen Zitherspieler alles tummelt. Weltmusik ist, was in den Ohren des Westlers exotisch klingt.

Wer also in irgendeiner Weise etwas musikalisch Exotisches zu bieten hat, ist hier richtig. Treffen wird man bestimmt jemanden, der einen weiterbringen kann. Die Womex-Gemeinde ist zu einer verschworenen Familie zusammengewachsen, Radioredaktoren suchen hier nach neuer Musik, Veranstalter, die keine Lust haben, ihr Konzertprogramm bloss nach den Newsletter der diversen Agenturen zusammenzustellen, sind hier anwesend. Und weil die britische Hype-Maschinerie in den letzten Jahren etwas ins Stottern geraten ist, kommen mittlerweile auch die wichtigsten Major-Festivals nicht mehr umhin, die Welt etwas breiter nach Trouvaillen abzutasten.

Seriöse Vorbereitung auf Musikmesse ein Muss

Wenn es eine Spezies gibt, die an Musikmessen sehr ungünstige Popularitätswerte aufweist, dann sind das die Bandvertreter, die jedem Dahergelaufenen ungefragt Tonträger entgegenstrecken und dazu Auszüge aus der Band-Bio rezitieren. Es gilt sich vorzubereiten. Es gilt, bereits Wochen vor der Messe in aufwändigen Recherchearbeiten herauszufinden, welche der anwesenden Konzertveranstalter, Agenturen oder Festival-Booker auf der gleichen Wellenlänge liegen, und dann gilt es, mit diesen ein kurzes Treffen zu arrangieren.

Die Womex hat dafür eine Internetplattform eingerichtet, auf welcher stöbern darf, wer sich akkreditiert hat. Hier ist jeder Teilnehmer aufgeführt, meist mitsamt direktem Mailkontakt, manchmal auch mit Foto. Wer kein Meeting will, den trifft man bestimmt bei einer Zigarettenpause oder am Abend an den Konzerten, wo die hippsten Afro-Beat-Bands der Welt neben kambodschanischen Mickey-Mouse-M.I.A.s, brasilianischen Hip-Hop-Emporkömmlingen oder chinesischen Metal-Bands um die Wette spielen.

Geschäftstreffen an der Womex von verheissungsvoll bis vage

Zurück zur Messe. Die Stimme ist wund, der Kopf brummt. Die Meetings sind bisher ganz prima verlaufen. Der Herr von einem grossen Open Air in Luxemburg hat sich die zugesandten Links brav im Vorfeld angehört und optioniert ein Datum im Juli. Bloss sein Geschäftspartner könnte die Sache noch zum Kippen bringen. Er erzählt aufgebracht, dass er während der Globus-Krawalle in Zürich inhaftiert worden ist und seither die Schweiz meidet wie der Teufel das Weihwasser. Ich gebe mich betroffen und hoffe, auf späte Milde.

Auch ein Festival in Amsterdam und ein grosses Stadtfest in Hannover reservieren ein Datum im Sommer. Letzteres soll jedes Jahr etwa 15 000 Menschen anziehen. Auch ein Veranstalter aus Helsinki ist vom Gehörten derart angetan, dass er die Band für ein Festival im Mai engagieren möchte. Und die Gesandtschaft eines türkischen Grossveranstalters, der die grössten Open Airs des Landes organisiert, bringt gleich noch zwei Festivalveranstalter aus Israel ans Meeting mit. Man habe über die Band gesprochen und gleich entschlossen, gemeinsam etwas in die Wege zu leiten.

Anderes bleibt vage. Zum Beispiel die Franzosen. Das Festival Jazz à Vienne zeigt Interesse, man melde sich dann aber bei Bedarf selber. Ebenso das Festival Les Suds à Arles. Und Roskilde? Aneinander vorbeigeschwirrt und gegrüsst. Mehr nicht. Glastonbury? Der Herr wurde nicht gesichtet. Sziget? Ein Gespräch mit einem Booker hat ergeben, dass die World-Bühne des Festivals eher konservativ programmiert werde; schwierig für eine Band mit einem Laptop im Instrumentarium.

Aufwand für Messebesuch und Hartnäckigkeit bei der Nachbetreuung kann sich lohnen

Es ist wie immer wenn man von einer Musikmesse heimkehrt: Die unzähligen Visitenkärtchen werden sorgfältig verstaut, die diversen Meetings Revue passiert, und man wähnt sich in der behaglichen Gewissheit, dass die Weltkarriere wohl in Griffnähe scheint. Drei Wochen später wird man feststellen, dass die neugeknüpften Freundschaften und Geschäftsbeziehungen doch nicht ganz so stabil sind wie gedacht, dass das Nachhaken weit harziger ist als angenommen. Das wird auch dieses Jahr so sein.

Doch vergangene Jahre haben gezeigt, dass sich der Aufwand und eine gewisse Hartnäckigkeit lohnen. Konzerte am Montréal Jazz Festival, am Fernwärme Open Air in Wien, am Festival Fiest’A Sète, am World Village in Helsinki oder am Festival d’éte de Quebec, sind durch die Präsenz an der Womex zustande gekommen. Auch unsere Agenturen in Frankreich und Italien sind hier auf uns aufmerksam geworden, nachdem wir 2009 in Kopenhagen ein Showcase gespielt haben.

Eine Woche nach der Messe haben sich die Türken gemeldet. Alles sei auf guten Wegen. Man habe die zugesteckte CD schon oft angehört und möge sie. Und ein spanisches Festival hat ebenfalls angeklopft. Mit der Frage, ob die Band irgendwoher finanzielle Unterstützung bekomme. Wenn ja, sei man interessiert. Ja, die Krise. Sie hat auch vor der Weltmusik nicht Halt gemacht. Das Verhandeln kann beginnen.

www.womex.com

Der Autor Ane Hebeisen spielt bei der Berner Gruppe Da Cruz und ist Journalist bei der Tageszeitung «Der Bund».

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Midem 2015: Sommer-Premiere top oder flop?

Mit Vertretern aus 75 Ländern und drei neuen Länderständen – Südafrika, Israel und Elfenbeinküste – hat die Musikmesse Midem im Jahr 2015 zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Tore im Sommer geöffnet.

Midem2015-OutsideView

Die Midem fand 2015 zum ersten Mal nicht im Winterhalbjahr sondern vom 5. bis 8 Juni statt. (Foto: zVg / Midem.com)

Nachfolgend ein kurzer Vergleich zwischen der Wintermesse 2014 und dem diesjährigen Sommer-Musikanlass anhand einiger Kennzahlen:

Midem 2014 2015
Teilnehmer 6150 5500
Aussteller 1236 1100
Länder 75 75
Länderpavillons 39 35
Konzerte 46 34
Journalisten 185 145
Konferenzen 120 93
(Angaben von Reed Midem)
Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand
Firmen 37 25
Personen 62 41
(Angaben von FONDATION SUISA)

Jubiläum: 50 Jahre Midem

Nächstes Jahr feiert die Midem einen runden Geburtstag – die 50. Midem – félicitations! Was wird sich ändern, was bleibt gleich? Gut informierte Quellen haben bestätigt, dass die Midem mindestens die folgenden fünf Jahre im Sommer im Palais von Cannes stattfinden soll. Zudem soll sie werktags angesetzt werden und lässt somit den Musikbranchenvertretern die Wochenenden frei. Die Midem 2016 findet von Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni 2016 Dienstag, 28. Juni bis Freitag, 1. Juli 2016 statt.

Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand 2015 zur Midem

Im Anschluss an die diesjährige Messe haben wir einige Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand gefragt, wie sie die Midem 2015 erlebt haben und ob sie voraussichtlich an der nächsten Messe wieder teilnehmen werden.

Midem2015-Oberholzer-Philipp

Marcel Oberholzer (Yes Music AG) und Irène Philipp (SUISA).

Marcel Oberholzer, Yes Music AG, www.djbobo.ch:

«Nachdem ich nun seit 19 Jahren jeweils im Januar oder Februar die Midem besucht habe, finde ich persönlich, dass der Termin im Juni nicht optimal angesetzt ist. Es gilt nun abzuwägen, wie weit sich die Jahresplanungen der Labels an diese neue Messezeit anpassen können oder werden.

Für Newcomer ist das ‹Midem Networking Village› sehr interessant, denn es zeigt die ganze Bandbreite der Musikindustrie 2015. Panels, Networking und Conferences können Business-Neulingen eine moderne und umfassende Übersicht verschaffen. Durch die vielen trendigen und zukunftsorientierten Ideen hat sich meiner Meinung nach das Durchschnittsalter der Midem-Teilnehmer etwas verjüngt.

Mit den älteren und langjährigen Business-Partnern steht man heutzutage aufgrund ‹moderner Kommunikationsmittel› täglich im Kontakt und muss nicht mehr auf das klassische ‹Jahres-Meeting› anlässlich der Midem warten. Diese Situation ist bestimmt auch ein Grund für den Besucherrückgang an der Messe. Trotzdem werden an der Midem sehr viele neue und erfolgversprechende Kontakte geknüpft.

Als Teilnehmer am Schweizer Stand der FONDATION SUISA kann man stark davon profitieren, dass man die eigenen Business-Kontakte direkt zu sich an den Stand einladen kann – das macht die Meetings stressfreier und man kann mehr Personen treffen und Termine vereinbaren, da man nicht von Halle zu Halle oder von Hotel zu Hotel pilgern muss.

Ausserdem kriegt man durch das SUISA-Standpersonal jederzeit eine professionelle und gleichzeitig kollegiale Unterstützung. Den Messestand kann man durchaus als echtes Bijou bezeichnen, denn zur grossen Standfläche gehören auch die Meeting-Plätze draussen auf dem Messe-Balkon, welche eine wunderbare Aussicht auf den Yachthafen und die Altstadt von Cannes bieten – eine traumhafte Location mit echtem Côte-d’Azur-Flair für Geschäftsmeetings.

Der Slogan ‹Music made in Switzerland› wird also am Schweizer Stand so richtig vorgelebt und in die Musikwelt hinausgetragen.»

Midem2015-Schuemichen-Lanzinger

Pia Schümichen (l.) und Annette Lanzinger (beide Dr. Sauter Musikverlag GmbH).

Dr. Sauter Musikverlag GmbH, www.sautermusik.de:

«Wir finden den Monat Juni eigentlich ganz ok – fanden es aber schade, dass trotz dem tollen Wetter draußen so wenig geboten wurde, wie zum Beispiel Auftritte von kleineren Bands in den Kneipen rundherum. Wir haben nur zufällig eine Band in einer kleinen Bar gesehen – und das war cool.

Nach unserer Einschätzung gab es zudem auch nicht mehr Besucher als im Januar.
Die Themen der diesjährigen Vorträge waren unserer Meinung nach zu einseitig – Synch, Streaming. Insgesamt fanden wir die Midem im Juni gut. Leider werden es jedes Jahr weniger Messeteilnehmer und somit werden auch die Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen, geringer. Wir haben festgestellt, dass zwar einige Kollegen vor Ort sind, sie sich aber nicht für die Messe akkreditieren, sondern ihre Termine einfach außerhalb der Messe vereinbaren. Das liegt sicher auch an den hohen Kosten für die Akkreditierung.»

Stefan Planta, TBA/Phonag:

«Ob wir nächstes Jahr die Midem besuchen, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt bestimmen.»

Midem2015-Martinuzzi-Prinz-Hoerhager

V.l.n.r.: Giancarlo Martinuzzi, Andy Prinz, David Hörhager.

Andy Prinz, Andy Prinz Publishing, www.andyprinz-publishing.com:

«Die Midem 2015 war für uns ein voller Erfolg. Zweifelsohne war die Atmosphäre zu dieser Jahreszeit viel entspannter, und das hat sich positiv auf unser Business ausgewirkt.

Wir werden definitiv an der nächsten MIDEM teilnehmen, auch dank der hervorragenden Konditionen via FONDATION SUISA als Mitaussteller.»

Midem2015-Brunko-White

Pascal Brunko und Violeta White.

Pascal Brunko und Violeta White, Damp Music, www.damp-music.com:

«Für uns ist die Midem sehr erfolgreich verlaufen. Am Stand der FONDATION SUISA war für die Treffen mit unseren Kunden alles sehr gut vorbereitet und die Terrasse war ein willkommener Luxus. Das SUISA-Team am Stand war sehr nett und dynamisch und hat uns viele nützliche Hinweise für eine erfolgreiche Midem 2015 gegeben. Wir freuen uns schon auf 2016!»

Serge Gauya Management / SG Productions Editions (SGPE International), www.sergegauya.com:

«Ich fand den Stand wie immer gut und habe die professionelle Atmosphäre, zu der das ganze Team beigetragen hat, sehr geschätzt. Wenn ich ich dieser Zeit nicht gerade gebucht bin, bin ich auch 2016 wieder mit dabei, kann es aber noch nicht mit Sicherheit sagen.»

Midem2015-Jones-Ruessel-Allain

V.l.n.r.: Sabine Jones (SJ Consultancy) Marcus Ruessel (Gigmit) und Michel Allain (Fasttrack).

Sabine Jones, SJ Consultancy, sjconsultancy.net:

«Als selbständige Konsulentin, deren Kundenstamm schwerpunktmässig in der Schweiz, Deutschland und Österreich, aber auch weitläufiger – USA, Brasilien – angesiedelt ist, macht der Midem-Besuch als Gelegenheit fürs Networking durchaus Sinn. Beklagenswert war heuer leider die Tatsache, dass viele Teilnehmer wohl lieber ‹ohne Pass› dem schönen Wetter in Meetings ausserhalb des Palais frönten, anstatt den Weg zu den Ständen zu finden. Selbst gute Panels waren nicht immer voll besucht – was eventuell auch daran lag, dass eine Vortragsbuehne mitten im Korridor angelegt war.

Aus meiner Sicht wäre eine Midem im März oder April sinnvoll, aber im Hochsommer wird sie darunter leiden, dass Ferienzeit ist und einige meiner Businesskontakte schon heuer angedeutet haben, dass bei ihnen der Juni- oder Juli-Termin zu kurz vor der Hauptabrechnung oder anderen ‹important dates› liegt, und sie daher nicht teilnehmen. Daher kann es sein, dass auch ich meine Teilnahme für 2016 ueberdenke, da es immerhin eine sehr grosse Investition ist, denn Cannes in der Hochsaison ist schon etwas anderes als an den bisherigen Januar-Terminen.»

Rudi Schedler Musikverlag GmbH, www.schedlermusic.com:

«Wir entscheiden erst im Frühjahr 2016, ob beziehungsweise an welchem Stand wir wiederum teilnehmen.»

Stephan Heim, Head of Marketing & Administration www.adon.ch:

«Persönlich finde ich, dass eine Midem im Sommer sehr viel Sinn macht, ich fand es angenehmer und vor allem auch kreativer und offener als im Februar. Grund: Im Sommer werden die Lokale am Strand in die Midem miteinbezogen, es gibt open air Showcases und die Messe wird so mehr raus getragen, was ich sehr sinnvoll finde. Und ja, nächstes Jahr nehmen wir voraussichtlich unbedingt wieder teil.»

Midem2015-Kruesi-Sauder-Heim

V.l.n.r.: Andreas Krüsi (Adon), Sabrina Sauder, Stephan Heim (Adon).

Sabrina Sauder, www.sabrinasauder.ch:

«Die Midem nun zum ersten Mal im Sommer war zwar toll, weil ich sie gleich mit ein paar Tagen Urlaub verbinden konnte, jedoch hatte ich den Eindruck, dass der neue Termin noch weniger Leute aus der Musik-Industrie nach Cannes gebracht hat. Viele waren wahrscheinlich mit ihren Künstlern auf Tournee und so ist die Teilnehmerzahl nochmals geschrumpft. Ich muss auch ehrlich sagen, dass diese warmen Temperaturen mich eher an den Strand getrieben haben als ins Messegelände.

Der SUISA-Stand war wie eh und je top ausgerüstet und mit super nettem Personal versehen. Auch der Apéro war der absolute Renner! Ebenfalls geschätzt habe ich den eigenen Rooter, den ihr besorgt habt. Endlich mal funktionierendes Internet!

Ich kann noch nicht sagen, ob ich an der nächsten Midem teilnehmen werde. Dieses Jahr hat es mich von den anwesenden Personen her nicht so überzeugt und es lässt sich nur schwer abschätzen, ob das mit einem noch späteren Termin wirklich besser wird …»

Walter Holzbaur, www.wintrup.de:

«Die Midem war auch für uns ziemlich ‹heiss› und so haben wir die meiste Zeit im Carlton und umliegenden Strandbars verbracht. Schade eigentlich, denn die Gastfreundschaft am Schweizer Stand ist ja immer großartig! Der Termin im nächsten Jahr ist noch schlechter als der diesjährige. Ob und wie wir teilnehmen, werden wir erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, wir warten mal ab wie die Tendenz sich entwickelt. Die Midem ist inzwischen in zwei Lager gespalten, das eine befindet sich im Palais und bei den dort stattfindenden nicht besonders interessanten Panels, das andere und für uns wesentlich wichtigere im Carlton und Umgebung – da reichen dann auch 2 Tage im 30-Minuten Takt.»

Midem2015-Schnell-Schiess-Wegener

V.l.n.r.: Urs Schnell (FONDATION SUISA), Martin Schiess (K-tel), Poto Wegener (SWISSPERFORM).

Martin Schiess, Managing Director, www.k-tel.ch:

«Midem 2016: Dienstag, 28. Juni bis Freitag, 1. Juli 2016 finde ich kein gutes Datum, anfangs Juni wie in diesem Jahr war o.k.. Zudem geht mir bei einer Messe, die vollständig unter der Woche stattfindet, zu viel Zeit verloren. Wochenende war perfekt. Wenn die Messe wie angekündigt stattfindet, werde ich voraussichtlich nicht teilnehmen.»

Grégoire Liechti, www.sidomusic.com:

«Das Midem-Büro hatte es angekündigt: ‹Der führende internationale Business-Event für die Musikwelt findet künftig zu einem neuen Zeitpunkt statt!› Nun ist Juni, wir treffen uns bei sommerlichen Temperaturen und herrlichem Sonnenschein in Cannes.

Mir persönlich hat diese Midem sehr gefallen, auch wenn tatsächlich weniger Besucher da waren als auch schon. Wie jedes Jahr konnte ich unsere ausländischen Partner und die von uns vertretenen Verleger treffen, aber auch neue Leute kennenlernen. Nur an der Midem können wir am gleichen Tag Verleger aus einem Schwellenland (Urheberrechte) und einen in London ansässigen Creative Director treffen.

Noch ist es zu früh, etwas über die nächste Midem zu sagen. Aber angesichts des angekündigten Datums kann man schon jetzt davon ausgehen, dass vielleicht sogar noch weniger Leute kommen werden als 2015.»

Midem2015-Gelewski-Liechti

V.l.n.r.: Lysander Gelewski (Mymusicrights) und Grégoire Liechti (Sidomusic).

Lysander Gelewski, Mymusicrights Sàrl, www.mymusicrights.ch:

«Midem 2015 – eine kleine persönliche Nachlese: Ich gebe es offen zu, nach 8 Stunden Key Notes, Speedmeetings, Legal Summit und bilateralen Verhandlungen mit Sub-Verlegern aus aller Welt war es eine Wohltat, gleich vor dem Palais des Festivals in die weichen Wogen des warmen Mittelmeers zu springen. ‹No regrets› also bezüglich meteorologischer Migration der Midem vom Januar in den Juni.

Ich betrachte es als grosses Privileg, dass wir immer noch über einen eigenen Schweizer Stand mit stets freundlichem, hilfsbereitem und kompetentem Personal verfügen. So gut gelegen, dass meine Geschäftspartner meist wünschten: ‹Can we meet on the nice terrace of the Swiss stand?› Andererseits ist es schade, dass Jahr für Jahr weitere Länder- oder Firmenstände verschwinden. Und viele Meetings in Hotellobbies verschoben werden.

Für unsere kleine Firma habe ich eine gute Balance aus Informationsveranstaltungen und geschäftlichen Sitzungen gefunden. Spannend und hochkarätig besetzt waren für mich vor allem: die ‹Legal Workshops› mit Schwergewicht auf Revision des amerikanischen Copyright Act, neuste Entwicklungen auf EU-Ebene, strategische Ausrichtung der grossen Verwertungsgesellschaften, internationaler Datenaustausch, usw. Viel neues Know-how nach Hause mitnehmen konnte ich von den zahlreichen ‹Synch-Sessions›. Ein auch für Schweizer Musik wichtiger Zukunftsmarkt.

Alles rosarot und eitel Sonnenschein? Nein, buchstäblich sauer stiessen mir die Preiserhöhungen in Hotels und Restaurants auf. 10 bis 30% Prozent sind die Norm. Eine kleine Anekdote: Am Dienstag nach der Midem sassen wir zu zweit in der Rue Saint-Antoine auf einer der kitschigen Terrassen: Das gleiche Menü war einmal mit € 33 und einmal mit € 39 angegeben. Peinlich berührt sagte unser Garçon: ‹Sorry, € 39 war der Preis während der Midem …› Es geht nicht um ein paar Euros, sondern um dieses unangenehme Gefühl, das Polo Hofer im ‹Kiosk› so schön besungen hat.

Zähneknirschend werde ich wohl auch 2016 nach Cannes reisen. Denn die Midem bleibt die Musik-Messe par excellence, auch wenn sie sich vom ‹Deal-Maker› zum ‹Trend-Setter› gewandelt hat. Und wer kann schon dem Charme von Erika, Nadia und Marcel am Schweizer Stand widerstehen?»

Sofern nicht anders vermerkt, Fotos von Erika Weibel und Marcel Kaufmann.

Der Schweizer Gemeinschaftsstand an der Midem wird in Zusammenarbeit organisiert von der Stiftung Phonoproduzierende, der FONDATION SUISA und der SUISA.

Update, 1.3.2016: Der Veranstaltungstermin der Midem 2016 wurde nach Publikation dieses Beitrags verschoben. Die Messe findet vom 3. bis 6. Juni 2016 statt. Die Daten sind im Text korrigiert.

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  1. Nina sagt:

    Hallo!

    Die MIDEM 2016 findet vom 3.-6. Juni 2016 statt, und nicht wie hier steht, vom 28. Juni – 1. Juli 2016 …

    Nina

    • Manu Leuenberger sagt:

      Liebe Nina
      Vielen Dank für den Hinweis. Der Veranstaltungstermin der Midem 2016 wurde nach Publikation dieses Beitrags verschoben. Die neuen Daten haben wir nun im Beitrag ergänzt.
      Manu Leuenberger, Kommunikation SUISA

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Mit Vertretern aus 75 Ländern und drei neuen Länderständen – Südafrika, Israel und Elfenbeinküste – hat die Musikmesse Midem im Jahr 2015 zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Tore im Sommer geöffnet.

Midem2015-OutsideView

Die Midem fand 2015 zum ersten Mal nicht im Winterhalbjahr sondern vom 5. bis 8 Juni statt. (Foto: zVg / Midem.com)

Nachfolgend ein kurzer Vergleich zwischen der Wintermesse 2014 und dem diesjährigen Sommer-Musikanlass anhand einiger Kennzahlen:

Midem 2014 2015
Teilnehmer 6150 5500
Aussteller 1236 1100
Länder 75 75
Länderpavillons 39 35
Konzerte 46 34
Journalisten 185 145
Konferenzen 120 93
(Angaben von Reed Midem)
Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand
Firmen 37 25
Personen 62 41
(Angaben von FONDATION SUISA)

Jubiläum: 50 Jahre Midem

Nächstes Jahr feiert die Midem einen runden Geburtstag – die 50. Midem – félicitations! Was wird sich ändern, was bleibt gleich? Gut informierte Quellen haben bestätigt, dass die Midem mindestens die folgenden fünf Jahre im Sommer im Palais von Cannes stattfinden soll. Zudem soll sie werktags angesetzt werden und lässt somit den Musikbranchenvertretern…Weiterlesen

Analyse der Jahresrechnung 2014 der SUISA: Der Markt zwischen Mythos und Realität

Soeben hat die SUISA ihren Jahresbericht 2014 veröffentlicht und wird an ihrer Generalversammlung vom 19. Juni 2015 die Jahresrechnung erläutern. 2014 betrugen die Tarifeinnahmen aus der Schweiz und aus Liechtenstein 130,3 Millionen Franken. Somit liegt der Betrag höher als in den vergangenen Jahren. Liest man die Zahlen oberflächlich, könnten in Bezug auf den Zustand des Schweizer Marktes falsche Schlüsse gezogen werden. Eine Detailanalyse ist sinnvoll, damit wir zwischen Mythos und Realität unterscheiden können. Text von Vincent Salvadé

SUISA-Jahresbericht-2014

Der Jahresbericht 2014 der SUISA ist am 28.5.2015 erschienen. (Bild: Crafft Kommunikation AG)

Während die Musikindustrie die Piraterie und die «Gratis-Mentalität» anprangert, steigen die Einnahmen der SUISA: Wie ist das möglich?
Das gute Ergebnis 2014 ist grundsätzlich auf zwei Faktoren zurückzuführen. Erstens auf die im Juli 2014 getroffene Vereinbarung zur Nutzung privat kopierter Musik auf Smartphones. Diese setzte einem mehrjährigen Konflikt ein Ende und führte zu einer rückwirkenden Entschädigung für die Zeit vom 1. Juli 2010 bis zum 31. Dezember 2014. Diese Vergleichszahlung beläuft sich auf rund 3,6 Millionen Franken, wovon 2,8 Millionen Franken die Jahre vor 2014 betreffen. Zweitens bewirkten mehrere Streitfälle mit Privatradios, dass wir letztes Jahr Vergütungen für frühere Jahre in Rechnung stellen konnten. Dies erklärt – zumindest teilweise – die deutlich höheren Einnahmen aus dem Gemeinsamen Tarif S (11,4 Mio. Franken im Jahr 2014 gegenüber 9,4 Mio. im Vorjahr). Auch hier sollte man den «rückwirkenden Wert» berücksichtigen, bevor man aus der Marktentwicklung 2014 Schlüsse zieht.

Die SUISA nahm 2014 18,7 Mio. Franken aus Konzerten ein, gegenüber 21,9 Mio. Franken im Jahr 2013. Bricht der Konzertmarkt zusammen?
Die Antwort lautet: Nein. 2013 hatte die SUISA einige Anlässe in Rechnung gestellt, die eigentlich im Jahr 2012 hätten bearbeitet werden müssen. Aus verschiedenen Gründen geschah dies aber nicht, sodass der Betrag aus dem Jahr 2013 teilweise auf diese rückwirkenden Zahlungen zurückzuführen ist. Die Konzerteinnahmen entsprachen 2014 unseren Erwartungen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich der Konzertmarkt auf einem hohen Niveau hält.

Wie sieht es mit der Tonträgerindustrie aus?
Auch hier könnten die Angaben für 2014 täuschen: Wir haben 2,5 Mio. Franken aus Ausland-Lizenzierungen eingenommen (für Verkäufe in der Schweiz), gegenüber 2,3 Mio. Franken im Jahr 2013. Das bedeutet nicht, dass die Tonträgerverkäufe zugenommen haben. Es ist vielmehr so, dass unsere Schwestergesellschaften im Ausland uns die Vergütungen für die Schweiz unregelmässig überweisen. Deshalb ist ein Vergleich zwischen den Jahren aufgrund dieser Zahlen kaum möglich. Will man die Situation auf dem Tonträgermarkt genauer erfassen, ist es besser, sich auf die Lizenzen zu beziehen, die die SUISA direkt für die Schweiz abgegeben hat. Und hier verzeichnen wir einen Rückgang von rund 20 % (von ca. 2,5 Mio. Franken im Jahr 2013 auf ca. 2 Mio. Franken im Jahr 2014). Die Verkäufe der physischen Datenträger brechen also weiterhin ein.

Und nun zum Online-Bereich: Überholt das Streaming demnächst den Download?
In Bezug auf die Jahresrechnung 2014: Nein. Wir stellten für den Download 4,6 Mio. Franken (gegenüber 4,3 Mio. Franken ein Jahr zuvor) und für das Streaming 1,5 Mio. Franken (gegenüber 315 000.– Franken im Jahr 2013) in Rechnung. Doch auch diese Zahlen müssen näher betrachtet werden, denn die Angaben zum Download umfassen auch die Einnahmen aus den paneuropäischen Lizenzierungen der SUISA. Früher erteilte die SUISA nur Lizenzen für die Schweiz und für Liechtenstein. Das bedeutet, dass die Zunahme der Einnahmen eher mit der Zunahme der Lizenzierungs-Gebiete zusammenhängt als mit einer erhöhten Nachfrage nach Download-Angeboten. Daneben hat sich das Streaming enorm entwickelt (+ 362 %). Auch wenn der Download in der Schweiz sich heute noch auf einem hohen Niveau bewegt, ist doch damit zu rechnen, dass es früher oder später wie in anderen Ländern vom Streaming überholt wird.

Lassen sich aus der Jahresrechnung 2014 der SUISA weitere Schlüsse ziehen?
Im audiovisuellen Bereich sind die neuen Systeme des digitalen Fernsehens deutlich im Vormarsch. Sie ermöglichen nicht nur die Übertragung von hunderten Programmen, sondern bieten auch die Möglichkeit des «Catch-up TV». Das zeitversetzte Fernsehen ermöglicht dem Zuschauer, innert einer bestimmten Frist sämtliche Programme nachträglich anzuschauen. Die Jahresrechnung 2014 der SUISA zeigt, wie gut das Publikum auf diese neuen Systeme anspricht: Wir verzeichnen eine Steigerung der Einnahmen aus der Verbreitung von Sendungen (GT 1: von 15,9 Mio. Franken im Jahr 2013 auf 16,8 Mio. Franken ein Jahr später) sowie jener aus dem GT 12 einschliesslich des «Catch-up TV» (von 920 000.– Franken im Jahr 2013 auf 1,3 Mio. Franken im Jahr 2014) . Das Gesetz bestimmt, dass die Rechte auf diesem Gebiet von den Verwertungsgesellschaften wahrgenommen werden müssen (was das «Catch-up TV» betrifft, so ist die Frage noch strittig). Das beweist, dass die kollektive Verwertung die Entwicklung neuer legaler und für das Publikum attraktiver Angebote ermöglicht und gleichzeitig eine angemessene Vergütung für die Rechteinhaber gewährleistet.

«Urheber fassen Fuss im Online-Geschäft» (Medienmitteilung)

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Jahresbericht 2014

Die Zahlen, Fakten und Erläuterungen zum Ergebnis des abgeschlossenen Geschäftsjahres der Schweizer Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik stehen unter www.suisa.ch/jahresbericht zum Download zur Verfügung.

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Soeben hat die SUISA ihren Jahresbericht 2014 veröffentlicht und wird an ihrer Generalversammlung vom 19. Juni 2015 die Jahresrechnung erläutern. 2014 betrugen die Tarifeinnahmen aus der Schweiz und aus Liechtenstein 130,3 Millionen Franken. Somit liegt der Betrag höher als in den vergangenen Jahren. Liest man die Zahlen oberflächlich, könnten in Bezug auf den Zustand des Schweizer Marktes falsche Schlüsse gezogen werden. Eine Detailanalyse ist sinnvoll, damit wir zwischen Mythos und Realität unterscheiden können. Text von Vincent Salvadé

SUISA-Jahresbericht-2014

Der Jahresbericht 2014 der SUISA ist am 28.5.2015 erschienen. (Bild: Crafft Kommunikation AG)

Während die Musikindustrie die Piraterie und die «Gratis-Mentalität» anprangert, steigen die Einnahmen der SUISA: Wie ist das möglich?
Das gute Ergebnis 2014 ist grundsätzlich auf zwei Faktoren zurückzuführen. Erstens auf die im Juli 2014 getroffene Vereinbarung zur Nutzung privat kopierter Musik auf Smartphones. Diese…Weiterlesen

Die Midem setzt auf Sommernähe

Die Musikfachmesse Midem findet neu im Juni statt. Sie können mit von der Partie sein, wenn sich von 5. – 8. Juni 2015 die Musikindustrie-Vertreter aus der ganzen Welt in Cannes treffen. Als Schweizer Teilnehmerin oder Teilnehmer haben Sie die Möglichkeit, sich über die FONDATION SUISA vergünstigt für die Midem zu akkreditieren.

Midem-2014-Panel

Quo vadis, Midem? Der Weg durch Terminverschiebung in Richtung Sommernähe ist die wesentlichste Veränderung: Die Musikfachmasse in Cannes findet dieses Mal von 5. – 8. Juni 2015 statt. (Foto: Valentin Desjardins / Midem.com)

Seit knapp einem halben Jahrhundert hat  in Cannes jeweils Ende Januar einer der wichtigsten Events der internationalen Musikbranche stattgefunden: Die Musikmesse Midem. Mit einem couragierten Entscheid haben die Messeveranstalter den gewohnten Winter-Termin verschoben und neu auf Anfang Juni angesetzt.

Vom Geschäftstreffen zur Erfolgsfeier und wieder zurück

Am Anfang war die Midem vor allem ein Geschäftstreffen von bedeutenden Musikverlegern. In den Boom-Jahren der Musikindustrie wandelte sich der Anlass zu einer riesigen Musikmesse. Die Midem war der Glamour-Anlass des internationalen Musikbusiness schlechthin. Das Musikgeschäft wurde zelebriert, gefeiert und feierte sich selbst, inklusive ausgiebigen Partys.

Nach dem finanziellen Einbruch in der Tonträgerindustrie wurde in Cannes die Ausstellerfläche immer kleiner. Der Geschäftsgedanke gewann wieder klar Oberhand gegenüber dem Partyspirit.

Schweizer Überzeugungstäter mittendrin

Seit 26 Jahren organisiert die SUISA in Zusammenarbeit mit der FONDATION SUISA und der Stiftung Phonoproduzierende Schweiz den Schweizer Länderstand an der Midem. Über uns können sich Schweizer Musikschaffende vergünstigt akkreditieren und von der Infrastruktur des Gemeinschaftsstands profitieren.

Die Anzahl der eidgenössischen Teilnehmer ist seit 10 Jahren konstant, beziehungsweise zeigt einen leichten Aufwärtstrend. Auch das Feedback der Schweizer Messeteilnehmer war bislang stets vorwiegend positiv. Nach den Aussagen von Messebesuchern werden an der Midem nach wie vor viele internationale Musikgeschäfte abgewickelt. Ausserdem sei die Fachmesse ein ausgezeichnetes Tor zum amerikanischen und asiatischen Musikmarkt.

Diese Meinung scheint jedoch nicht von allen geteilt zu werden, denn viele vor allem europäische Gemeinschaftsstände verbuchen seit Jahren einen Rücklauf bei den Anmeldungen.

Konkurrenz für die Midem gewachsen

Die aktuelle Situation der Midem sieht so aus: Eine augenscheinliche Reduktion der vermieteten Standfläche, immer weniger europäische Messeteilnehmer, immer mehr Publikum aus Asien und Amerika, währenddem zur selben Zeit Festivals wie zum Beispiel Eurosonic, das Reeperbahn Festival oder das MaMA in Europa herausragende Erfolge mit internationalen Fachteilnehmern verzeichnen.

Die Midem reagiert mit verschiedenen Massnahmen. So haben zum Beispiel die neuen Technologien ein wichtiges Fenster an der Messe erhalten. Spannende Panels, Workshops, Meetings und Gesprächsrunden werden angeboten. Ausserdem wurde das Live-Segment mit einem grossen Musikfestival aufgewertet.

Diese Angebote finden sich jedoch praktisch an jedem Festival für Musik-Fachbesucher. Was 2015 wirklich neu sein wird, ist die Verschiebung des Messetermins in den Juni. Gemäss Aussagen von Midem-Mitarbeitenden verspricht man sich davon einen weiteren Zuwachs von asiatischen und amerikanischen Besuchern. Der neue Veranstaltungstermin im Juni macht die Midem zum einzigen europäischen Musikanlass, der zeitlich nahe bei den Sommerfestivals stattfindet. Bei den anderen Messen, die im Frühjahr oder Herbst durchgeführt werden, ist das nicht der Fall.

Ob die Midem mit dem mutigen Entscheid ihre Position als eine der wichtigsten Musikmessen weltweit stärken kann, wird sich zeigen. Das Feedback bei unseren Stand-Habitués lässt aus Schweizer Sicht noch keine definitive Vorschau zu. Die bisherigen Reaktionen reichen von «eine ausgezeichnete Idee, bin gerne im Juni in Cannes» bis zu «sehr schwierig in der Festivalsaison».

Midem vom 5. bis 8. Juni: Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung!

Mit einer Akkreditierung über die FONDATION SUISA können auch Sie vergünstigt an der Midem teilnehmen und von den Vorteilen des Gemeinschaftsstands profitieren. Das heisst konkret: Gratis zur Verfügung stehende Meeting-Tische, Werbung am Stand, offerierter Standcocktail, Schliessfächer, Infodesk und die Möglichkeit, dass Mitteilungen für Sie in Empfang genommen werden, während Sie vielleicht gerade wegen einem Verhandlungsgespräch abwesend sind.

Kommen auch Sie an den Schweizer Stand und knüpfen und pflegen Sie Ihre Geschäftskontakte zu den Vertretern der internationalen Musikindustrie.

Akkreditierungskosten Midem:
395 Euros + MWST pro Person
295 Euros + MWST pro Person, mit Künstler- oder Studentenrabatt

Alle Informationen und den Anmeldelink finden Sie hier: www.fondation-suisa.ch/midem

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Die Musikfachmesse Midem findet neu im Juni statt. Sie können mit von der Partie sein, wenn sich von 5. – 8. Juni 2015 die Musikindustrie-Vertreter aus der ganzen Welt in Cannes treffen. Als Schweizer Teilnehmerin oder Teilnehmer haben Sie die Möglichkeit, sich über die FONDATION SUISA vergünstigt für die Midem zu akkreditieren.

Midem-2014-Panel

Quo vadis, Midem? Der Weg durch Terminverschiebung in Richtung Sommernähe ist die wesentlichste Veränderung: Die Musikfachmasse in Cannes findet dieses Mal von 5. – 8. Juni 2015 statt. (Foto: Valentin Desjardins / Midem.com)

Seit knapp einem halben Jahrhundert hat  in Cannes jeweils Ende Januar einer der wichtigsten Events der internationalen Musikbranche stattgefunden: Die Musikmesse Midem. Mit einem couragierten Entscheid haben die Messeveranstalter den gewohnten Winter-Termin verschoben und neu auf Anfang Juni angesetzt.

Vom Geschäftstreffen zur Erfolgsfeier und wieder zurück

Am Anfang war die…Weiterlesen

Die Midem 2014 – back to growth?

Just in dem Jahr, in dem Che Guevara erschossen wurde, der Sechs-Tage-Krieg über die Schwarz-Weiss-Mattscheiben flimmerte, der Zeichentrickfilm «Das Dschungelbuch» die Kinderherzen eroberte und die Beatles ihr legendäres, drogengeschwängertes «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band»-Album veröffentlichten, anno 1967, setzte sich die aufstrebende Musikindustrie an der sonnenverwöhnten Côte d’Azur in Südfrankreich selbst ein Denkmal in Form einer Musikfachmesse – die Midem war geboren. Gastbeitrag von Andy Prinz

Midem 2014 Teilnehmer

Man trifft sich in Cannes (v.l.n.r.): Cla Nett (Schweizerische Interpretengenossenschaft), Gastautor Andy Prinz, Sergio Fertitta, Devijo alias Giancarlo Martinuzzi. (Foto: Andy Prinz)

Die geballte Ladung Musikindustrie

Jahr für Jahr pilgern Tausende von Verlegern, Labels, Musikern, Produzenten, Managern und Journalisten nach Cannes in das 3-tägige Mekka der Musikindustrie, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, Musik zu lizenzieren, Verträge abzuschliessen oder Beziehungen mit bestehenden Geschäftspartnern aus aller Welt bei einem gemeinsamen Essen zu pflegen.

Die Atmosphäre an der französischen Riviera lädt dazu förmlich ein, und das beschauliche Cannes strahlt auch in der Krisenzeit des Musikbusiness noch eine gehörige Portion Glamour aus; dabei trotzen die teils horrenden Preise in den Grand Hotels, wo sich die einflussreichen A&Rs und Musikmanager die Klinke reichen, der stürmischen See mit stolzer Brust. Überteuerte Drinks und 10-Euro-Cappuccinos schmecken zwar nicht besser, aber sie beruhigen das Gemüt.

Dank der Möglichkeit am Schweizer Gemeinschaftsstand zu stark reduzierten Tarifen als Aussteller teilnehmen zu können, sind die Eintrittspreise an die Fachmesse im Palais glücklicherweise bezahlbar geworden. Die global grösste und beständigste Musikfachmesse leidet zwar ebenfalls an jährlich schwindenden Besucherzahlen und auch die aufstrebenden, inhaltshungrigen Technologieunternehmen vermögen die fehlende Präsenz der Musiklabels nicht zu kompensieren. Es wird jedoch trotzdem viel geboten.

Zum einen besteht die Midem aus der Fachmesse, die leider stark an Bedeutung verliert, und zum anderen aus den Konferenzen und dem Festival. Insgesamt tummeln sich über 6400 Teilnehmer aus aller Welt – umgeben von der salzigen Mittelmeerluft – im temporären Schmelztiegel der Musikindustrie. The show must go on!

Midem 2014 Panel

Illustre Gäste und grosse Themenbandbreite an den Panels der Musikfachmesse. (Foto: Andy Prinz)

An den Panels im Palais erzählen illustre Gäste wie Rita Ora oder Boris Blank von ihren Erfahrungen in der Musikindustrie und ihrem Umgang mit neuen Formen der Vermarktung. Die Bandbreite an Themen ist gross, doch oft reicht die Zeit nicht aus, da die Meetings Vorrang haben und man die meisten Panels auch bequem von zuhause aus im Netz anschauen kann. Ein Highlight in diesem Jahr war definitiv die Keynote mit der A&R-Legende und dem Gründer von Sire Records (Warner), Seymour Stein.

Carlton, Majestic und Co.

Obschon die Major-Companies und meisten Labels zum Leidwesen der Messeveranstalter im grosszügig angelegten Palais durch Absenz brillieren, sind sie dennoch in Cannes vorzufinden, jedoch in den strandnahen Grand Hotels wie dem Majestic oder Carlton.

Dort findet das eigentliche Business statt, fernab von der Messe. Zutritt wird den Hotelgästen und Besitzern eines Fachmesseausweises gewährt – und genau deshalb ist es von Vorteil, solch einen Pass zu besitzen, auch wenn man auf die Messe praktisch verzichten möchte.

Zahlreiche Meetings werden in den Hotel-Lobbies abgehalten und wichtige (zukünftige) Partnerschaften bei einem Nachtessen in den umliegenden Restaurants besiegelt. Dabei bietet die gesundgeschrumpfte Musikindustrie auch seine Vorteile, denn die Teilnehmerzahl ist überschaubarer geworden, und in der fast schon familiär scheinenden Umgebung läuft man sich eher mal über den Weg.

Networking ist nach wie vor das A und O – und je mehr Leute man kennt, desto leichter fällt es, neue Bekanntschaften zu machen und seine eigenen Visitenkarten in alle Welt zu streuen.

Empfehlenswert ist es, sich die frühen Morgenstunden frei zu halten, am Nachmittag Start-Ups und interessante News an der Messe zu erspähen und spätnachmittags und abends in den Lobbies zu verweilen, nach Speis und Trank beim Süd-Franzosen, der seine eigene Küche – ehrlich gesagt – meist überschätzt.

To be or not to be

Ja, Cannes ist ein teures Pflaster und ja, Spotify-Abrechnungen schmerzen. Und wer zu den Ewiggestrigen gehört, der mag sich im Musikbusiness 2.0 verloren fühlen. Unsere Welt ist globalisierter und vernetzter denn je; der persönliche Kontakt mit bestehenden und neuen Partnern in der Sonnenstube des winterlichen Europas ist aber nach wie vor Gold wert und zahlt sich aus.

Gerade in der heutigen, medial reizüberfluteten Zeit mit Hang zum Kommunikations-Overkill, geprägt von überflüssigen Status-Updates, geniessen persönliche Beziehungen und Erfahrungen wieder einen höheren Stellenwert. Und der MIDEM gelingt es nach wie vor, Persönlichkeiten der globalen Musikindustrie aus den verschiedensten Genres für wenige Tage an einem Ort zu vereinen.

Alte Freunde treffen sich und schwelgen in schönen Erinnerungen – die Selbstbeweihräucherung der Musikindustrie weist heilende Kräfte auf. Und wer noch nicht genug davon hat, der liest wiedermal das Kapitel «Midem» im Klassiker «Kill your friends» von John Niven

Midem 2014 Schweizer Gemeinschaftsstand

Networking am Schweizer Gemeinschaftsstand an der Midem 2014. (Foto: Andy Prinz)

Am Schweizer Gemeinschaftsstand im Palais kann man übrigens auch hervorragend mit Landsleuten networken oder die eine oder andere Frage mit den Verwertungs- oder Interpretengesellschaften klären. Ausserdem bietet der Stand auch wertvolle Tools (z.B. WiFi und Schliessfach) und Meeting-Infrastruktur.

Verleger und Lizenzen

Ein ehemaliger Schweizer Boss eines Major-Unternehmens bemerkte einmal augenzwinkernd, die Midem sei nur für Penner und Verleger. Das ist stark übertrieben, doch lässt sich nicht bestreiten, dass die Midem sehr verlagsorientiert ist und die mangelnde Präsenz an Labels zusehends viele davon abhält, nach Cannes zu fahren, da es offensichtlich an Möglichkeiten zur Weiterlizenzierung des eigenen Katalogs fehlt.

Die Technologieunternehmen oder Grosskonzerne wie Google füllen diese Lücke nur mangelhaft aus; obwohl das Thema der Stunde „YouTube-Monetarisierung“ heisst. Umso erfolgreicher werden genrespezifische Messen wie beispielsweise die ADE in Amsterdam oder Get-Togethers à la SXSW in den USA.

Business ist in der global vernetzen Welt von heute 365 Tage im Jahr realisierbar. Es braucht aber auch Plattformen, sowohl national wie international. Künstler träumen auch heute noch von Plattenverträgen, A&Rs von erfolgreichen Signings, Verleger von spannenden neuen Synch-Deals und IT-Firmen von neuen Rekord-Nutzerzahlen. Vielleicht ist gerade jetzt die Teilnahme an einer Fachmesse wie der Midem wichtiger denn je!

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Just in dem Jahr, in dem Che Guevara erschossen wurde, der Sechs-Tage-Krieg über die Schwarz-Weiss-Mattscheiben flimmerte, der Zeichentrickfilm «Das Dschungelbuch» die Kinderherzen eroberte und die Beatles ihr legendäres, drogengeschwängertes «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band»-Album veröffentlichten, anno 1967, setzte sich die aufstrebende Musikindustrie an der sonnenverwöhnten Côte d’Azur in Südfrankreich selbst ein Denkmal in Form einer Musikfachmesse – die Midem war geboren. Gastbeitrag von Andy Prinz

Midem 2014 Teilnehmer

Man trifft sich in Cannes (v.l.n.r.): Cla Nett (Schweizerische Interpretengenossenschaft), Gastautor Andy Prinz, Sergio Fertitta, Devijo alias Giancarlo Martinuzzi. (Foto: Andy Prinz)

Die geballte Ladung Musikindustrie

Jahr für Jahr pilgern Tausende von Verlegern, Labels, Musikern, Produzenten, Managern und Journalisten nach Cannes in das 3-tägige Mekka der Musikindustrie, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, Musik zu lizenzieren, Verträge abzuschliessen oder Beziehungen mit bestehenden Geschäftspartnern aus aller Welt bei einem gemeinsamen…Weiterlesen