Tagarchiv: Filmmusik

«Hätte ich einen Film mit afrikanischer Musik gemacht, wäre ich wohl freier gewesen»

Der Schweizer Komponist Niki Reiser erhielt am 7. August 2016 im Rahmen des internationalen Filmfestivals in Locarno den mit CHF 25 000 dotierten Filmmusikpreis der FONDATION SUISA verliehen. Der Preis wurde ihm für die Filmmusik zu Alain Gsponers Verfilmung von «Heidi» vergeben. Der Kompositionsprozess für diese Filmmusik war für Reiser eine besondere Herausforderung. Die Themen «Heidi» und «Schweiz» haben ihn am Anfang eher blockiert als beflügelt, wie er im Interview erzählt.

Filmmusikpreis FONDATION SUISA 2016 Niki Reiser

Niki Reiser (Mitte) wurde am 7. August 2016 anlässlich des Internationalen Filmfestivals in Locarno zum dritten Mal mit dem Filmmusikpreis der FONDATION SUISA ausgezeichnet. V.l.n.r.: Mario Beretta (Jury-Präsident Filmmusikpreis), Preisträger Niki Reiser und Urs Schnell (Direktor FONDATION SUISA). (Foto: Otto B. Hartmann)

Niki, mit dem Soundtrack zum Film «Heidi» hast Du nun zum dritten Mal den Filmmusikpreis der FONDATION SUISA gewonnen. Was ging Dir durch den Kopf, als Du von der Auszeichnung erfahren hast?
Ich habe mich natürlich wahnsinnig gefreut. 2001 wurde ich zum ersten Mal von der FONDATION SUISA ausgezeichnet. Dass ich 16 Jahre später immer noch Qualität liefere und damit einen Preis gewinne, hat mir Genugtuung bereitet. Es bestätigt, dass ich immer noch dabei bin. Und es bedeutet mir natürlich auch viel, von einer sehr kompetenten Jury ausgezeichnet zu werden.

Filmkomponisten stehen in der Regel im Hintergrund. Beim Publikum sind vor allem die Schauspieler und der Regisseur bekannt. Ist es für Dich wichtig, dass durch solche Auszeichnungen auch Dein Schaffen bekannt wird?
Natürlich ist dies schön. Mir bedeutet es allerdings mehr, wenn die Zuschauer nach einem Film auf mich zukommen und mir sagen, dass sie sich besonders auf die Musik geachtet haben. Die Leute nehmen die Musik im Film wahr. Das ist für mich wichtiger. Es gibt den Spruch: «Gute Filmmusik nimmt man nicht wahr.» Mein Bestreben ist es, dass Filmmusik wahrgenommen wird, ohne dass sie allerdings in den Vordergrund rückt. Die Auszeichnung ist wie das Tüpfelchen auf dem «i». Aber das Tolle ist, dass immer wieder Leute kommen und mir sagen: «Diese Musik hat mir im Film gefallen.» Die Musik ist also nicht nur im Hintergrund.

Du warst früher auch als Flötist mit verschiedenen Formationen auf der Bühne und hast Deine Kompositionen live vor Publikum gespielt. Fehlt Dir die direkte Rückmeldung vom Publikum?
Ich vermisse es schon sehr, die Möglichkeit zu haben, eigene Stücke weiterzuentwickeln und jeden Abend wieder neu zu interpretieren. Bei der Filmmusik ist das anders: Wenn sie einmal aufgenommen und abgemischt ist, kann man sie nicht mehr verändern. Bei der Livemusik kann man je nach Wandel der Zeit ein Stück noch verändern – das fehlt mir schon sehr. Auf der anderen Seite ist man in Bands jeweils thematisch begrenzt, anders als bei Filmmusik. Dort hat jeder Film ein anderes Thema.

In Deiner Dankesrede bei der Preisverleihung hast Du erzählt, wie schwierig der Kompositionsprozess für Dich war. Was war das Besondere an diesem Prozess? Wie bist Du an das Komponieren dieser Filmmusik herangegangen?
Das Besondere war, dass mich die Themen «Heidi» und «Schweiz» anfangs eher blockiert als beflügelt haben. Zudem ist man bei eigenen Sachen viel kritischer und sagt sich schnell einmal: «Das geht nicht und jenes geht nicht.» Man beschneidet sich selber. Hätte ich einen Film mit afrikanischer Musik gemacht, wäre ich wohl freier gewesen, da es mir nicht so nahe gewesen wäre. Und am Anfang war es besonders schwierig. Der Film beginnt mit einer fliegenden Szene. Da hiess es: «Jetzt musst du etwas Leichtes, Fliegendes machen.» In so einem Augenblick gehen bei mir alle Läden runter, da es von Null auf Hundert eine Wahnsinnsherausforderung ist. Der Kern der Musik kam erst allmählich durch stetiges Ausprobieren und Verwerfen von Ideen.

Du hast also konkrete Vorgaben erhalten, wie die Filmmusik klingen soll?
Nicht wie sie klingen, sondern was sie bewirken soll. Die Musik soll eine Leichtigkeit und etwas Schwebendes haben. Gleichzeitig soll sie Sehnsucht ausdrücken, aber auch etwas Heilendes haben. Je mehr Adjektive man im Kopf hat, desto weniger fällt einem musikalisch etwas ein. Meistens funktioniert es erst dann, wenn der Verstand aussetzt und man mit Musikmachen beginnt. Erst über das Musikmachen bin ich auf die Themen der Filmmusik gekommen.

Kinderfilm, Heimatfilm, schöne Bilder der Alpenwelt – kommt man da nicht in Versuchung, auf musikalische Klischees zurückzugreifen?
Klar, die Bilder sind schon wahnsinnig schön. Wenn ich jetzt hierzu typische Schweizer Musik komponiert hätte, hätte es wirklich die Züge eines Werbefilms annehmen können. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, das typische fröhliche Schweizer Dur wegzulassen. Ich finde die Schweizer Melodien zwar sehr schön, aber ich wollte keine Volkslieder schreiben. Durch die Moll-Tonarten sind wir auf das eher Dramatische gekommen. Heidi ist ja auch ein Drama, und nicht nur ein Kinderfilm.

Es gibt eine Vielzahl an Verfilmungen von Heidi. Zudem gibt es einige bekannte Heidi-Filmmelodien. Die meisten Leute in der Schweiz haben dadurch einen Bezug – auch musikalisch – zu Heidi. Hatte dies einen Einfluss auf Deine Arbeit?
Nein. Ich habe mir auch bewusst keinen der älteren Heidifilme angeschaut. Einerseits um nicht beeinflusst zu sein. Andererseits aber auch, um mich nicht selber zu behindern: Es kann sein, dass man etwas nicht macht, nur weil es die anderen bereits gemacht haben. Ich habe die Geschichte aufgrund der Heidi-Figur erzählt. Das heisst: Die Musik begleitet die Emotionen von Heidi und widerspiegelt jeweils ihren aktuellen Gemütszustand. Es ist also mehr eine emotionale und nicht eine Schweizer Geschichte. Ich habe versucht die Musik so zu setzen, wie ein Kind gerade naiv seine Stimmung auslebt.

Du hast vor 30 Jahren zum ersten Mal die Musik für einen Film komponiert. In der Zwischenzeit hat sich die Technik massiv verändert. Wie hat dies Deine Arbeitsweise beim Komponieren beeinflusst?
Bei Heidi hatte dies keinen Einfluss; ich habe jedes Instrument live aufgenommen und keine technischen Klangerzeuger verwendet. Bei anderen, vor allem kleineren Filmen, hat sich die Arbeitsweise schon verändert. Ich habe die Möglichkeit, die Musik direkt bei mir zu Hause aufzunehmen und zu bearbeiten. So kann ich eine ganze Filmproduktion bei mir selber machen. Die Kompositionsarbeit hat sich durch die technische Entwicklung nicht verändert. Es geht immer noch darum, Themen und Klänge zu suchen. Hingegen hat sich der Prozess des Dialogs mit dem Schneidetisch verändert. Wenn ich etwas komponiert habe, kann ich ganze Files mit Bildern via Internet verschicken und es eine halbe Stunde später über Skype mit den Leuten am Schneidetisch diskutieren. Früher musste man die Bänder per Post schicken. Da dauerte es eine Woche, bis das Material ankam und nochmals eine weitere halbe Woche, bis der Regisseur reagierte. Die Kommunikation ist schneller geworden. Dies bringt allerdings auch negative Aspekte mit sich: Früher, als noch nicht alles digital war, hatte man mehr Zeit, etwas zu entwickeln. Heute geht alles schneller. Das heisst: Die Ideen müssen auch schneller kommen.

Du bist seit 1986 Mitglied bei der SUISA. Was bringt Dir die Mitgliedschaft als Komponist?
Ich kann darauf vertrauen, dass ich mein Grundeinkommen habe. Wobei es eigentlich sogar mein Haupteinkommen ist. Ich könnte von den Filmen selber, von den Honoraren, nicht leben. Die Urheberrechtsvergütungen garantieren mir immer wieder, dass Ende Jahr die Rechnung aufgeht. Einige Kollegen sagen mir immer wieder, ich solle zur Gema wechseln, da viele meiner Werke in Deutschland laufen. Ich weiss nicht, ob ich jemals wechseln würde. Die SUISA ist nicht ein solch riesiger Apparat; die Leute können so schneller reagieren.

Niki Reiser ist 1958 im aargauischen Reinach geboren und in Basel aufgewachsen. Über das Querflötenspiel fand er zur Musik und begann bereits als Jugendlicher für diverse Bands und musikalische Formationen zu komponieren. Nach der Matura absolvierte er das renommierte Berklee College Of Music in Boston (USA), wo er Jazz und klassische Komposition mit Schwerpunkt Filmscoring studierte. V.a. durch seine langjährige Zusammenarbeit mit den Regisseuren Dani Levy und Caroline Link machte Niki Reiser sich einen Namen auf dem deutschen und internationalen Filmparkett. Für seine Werke wurde er u.a. fünfmal mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Niki Reiser lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt Basel. (Text: FONDATION SUISA) www.nikireiser.de
Der Filmmusikpreis der FONDATION SUISA ist mit CHF 25 000.- dotiert. Er honoriert ausserordentliche Leistungen im Bereich der Filmmusikkomposition und hat zum Ziel, die Preisträgerinnen und Preisträger zu unterstützen sowie im In- und Ausland bekannt zu machen. Der Preis wird jährlich anlässlich des Festival del film in Locarno alternierend in den Kategorien Spielfilm und Dokumentarfilm vergeben.
Die Jury zum Filmmusikpreis 2016 der FONDATION SUISA
• Präsident: Mario Beretta (Bühnen- und Filmmusikkomponist, Zürich)
• Jürg von Allmen (Tontechniker, Digiton Tonstudio, Zürich)
• André Bellmont (Komponist, Dirigent, Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste, Zürich)
• David Fonjallaz (Filmproduzent Lomotion AG, Bern)
• Zeno Gabaglio (Komponist und Interpret, Vacallo)
• Corinne Rossi (Geschäftsleiterin Praesens-Film AG, Zürich)
• Yvonne Söhner (Produktionsleiterin Baloise Session, Musikfestival Basel, Ehrendingen)

Beitrag zu Niki Reiser und seiner Filmmusik für «Heidi» auf Art-TV.

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Der Schweizer Komponist Niki Reiser erhielt am 7. August 2016 im Rahmen des internationalen Filmfestivals in Locarno den mit CHF 25 000 dotierten Filmmusikpreis der FONDATION SUISA verliehen. Der Preis wurde ihm für die Filmmusik zu Alain Gsponers Verfilmung von «Heidi» vergeben. Der Kompositionsprozess für diese Filmmusik war für Reiser eine besondere Herausforderung. Die Themen «Heidi» und «Schweiz» haben ihn am Anfang eher blockiert als beflügelt, wie er im Interview erzählt.

Filmmusikpreis FONDATION SUISA 2016 Niki Reiser

Niki Reiser (Mitte) wurde am 7. August 2016 anlässlich des Internationalen Filmfestivals in Locarno zum dritten Mal mit dem Filmmusikpreis der FONDATION SUISA ausgezeichnet. V.l.n.r.: Mario Beretta (Jury-Präsident Filmmusikpreis), Preisträger Niki Reiser und Urs Schnell (Direktor FONDATION SUISA). (Foto: Otto B. Hartmann)

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Kandidaturen für den Filmmusikpreis 2016 der FONDATION SUISA

Filmmusik wird häufig unterschätzt. Mit dem Filmmusikpreis der FONDATION SUISA wird die Wichtigkeit der musikalischen Arbeiten im Film hervorgehoben. Kandidaturen für den diesjährigen Preis in der Kategorie Spielfilm können bis am 13. Mai 2016 eingereicht werden.

Filmmusikpreis Locarno Piazza

Die Verleihung des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA findet im August im Rahmen des Internationalen Filmfestivals Locarno statt. (Foto: Vogel / Shutterstock.com)

«Es gibt eigentlich keinen Grund, warum nicht ein anspruchsvoller Komponist, der mit einem intelligenten Produzenten an einem künstlerisch ergiebigen Filmprojekt arbeitet, Anspruch darauf hätte, daß seine Filmmusik nach denselben Maßstäben bewertet wird, die an seine Konzertmusik angelegt werden.»

Die Aussage von Aaron Copland, zitiert nach dem Buch «Filmmusik: die grossen Filmkomponisten – ihre Kunst und ihre Technik» von Tony Thomas, stammt aus dem Jahr 1949. Copland, der die zeitgenössische amerikanische E-Musik wesentlich prägte, komponierte auch Filmmusik.

Die Wichtigkeit der Filmmusik

Noch heute wird Filmmusik oft unterschätzt: «Gerade dann, wenn sie ihre Aufgabe sehr gut erfüllt. Dann nimmt man sie häufig gar nicht richtig wahr, weil man nicht bewusst zuhört – und das ist meistens auch ihre Aufgabe», sagte Mathias Spohr im Interview auf dem SUISAblog. Der Musik- und Medienwissenschafter war der künstlerische Leiter der von der FONDATION SUISA herausgegebenen Box «Swiss Film Music». Diese Anthologie bietet mit drei CDs, einer DVD und einem Buch einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Schweizer Filmmusik von 1923 bis 2012.

Die Fachjury des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA hört bei den eingereichten Kompositionen sehr bewusst und genau hin. Seit mehr als 15 Jahren vergibt die Musikförderstiftung der SUISA diesen Preis und unterstreicht damit die Wichtigkeit von musikalischen Arbeiten in der 7. Kunst.

Preis 2016 in der Kategorie Spielfilm

Auf der Liste der bisherigen Preisträger finden sich die Namen von renommierten Schweizer Filmmusikkomponisten wie Alex Kirschner (Preisträger im Jahr 2000), Balz Bachmann (2003 und 2006), Niki Reiser (2001 und 2011), die Geschwister Baldenweg (2010) und Marcel Vaid (2009). Die letztjährige Auszeichnung, erstmals vergeben in der Kategorie Dokumentarfilm, wurde an Peter Scherer verliehen, der den Preis nach 2007 zum zweiten Mal erhielt.

2016 wird der mit 25 000 Franken dotierte Preis in der Kategorie Spielfilm vergeben. Zugelassen sind Originalkompositionen zu Spielfilmen ab einer Gesamtdauer von 60 Minuten, veröffentlicht entweder 2015 oder 2016. Kandidaturen können bis am Freitag, 13. Mai 2016, eingereicht werden.

Mehr Informationen zur Ausschreibung und das Reglement des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA gibt es unter: www.fondation-suisa.ch/filmmusikpreis

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Filmmusik wird häufig unterschätzt. Mit dem Filmmusikpreis der FONDATION SUISA wird die Wichtigkeit der musikalischen Arbeiten im Film hervorgehoben. Kandidaturen für den diesjährigen Preis in der Kategorie Spielfilm können bis am 13. Mai 2016 eingereicht werden.

Filmmusikpreis Locarno Piazza

Die Verleihung des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA findet im August im Rahmen des Internationalen Filmfestivals Locarno statt. (Foto: Vogel / Shutterstock.com)

«Es gibt eigentlich keinen Grund, warum nicht ein anspruchsvoller Komponist, der mit einem intelligenten Produzenten an einem künstlerisch ergiebigen Filmprojekt arbeitet, Anspruch darauf hätte, daß seine Filmmusik nach denselben Maßstäben bewertet wird, die an seine Konzertmusik angelegt werden.»

Die Aussage von Aaron Copland, zitiert nach dem Buch «Filmmusik: die grossen Filmkomponisten – ihre Kunst und ihre Technik» von Tony Thomas, stammt aus dem Jahr 1949. Copland, der die zeitgenössische amerikanische E-Musik wesentlich prägte, komponierte auch Filmmusik.

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Revision der Verteilungsklassen 1C/1D und 2C/2D

Die Regeln für die Verteilung der Urheberrechtsvergütungen für gesendete Musik in Fernseh-Sendeprogrammen der SRG und von TV-Privatsendern werden teilweise geändert. Die Anpassungen im Verteilungsreglement der SUISA betreffen die Verteilungsklassen 1C, 1D, 2C und 2D.

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Die Casting-Show-Gewinnerin Tiziana präsentiert in einer TV-Sendung den Song «Hold Me». Begleitet wird sie von SUISA-Mitglied Marc Sway (r.), der das Stück zusammen mit Sekou Neblett komponiert hat. Über die SUISA erhalten die beiden Songschreiber für die Sendung ihrer Musik im Fernsehen eine Urheberrechtsvergütung. (Foto: Manu Leuenberger)

Wenn auf Schweizer Fernsehsendern Musik gespielt wird, erhalten die Komponisten und Textautoren der gesendeten Musik dafür später Geld von der SUISA. Wieviel die Sender bezahlen, damit sie die Musik spielen können, ist in den Tarifen A für die Sendungen der SRG und GT S für die übrigen (Privat-)Sender geregelt. Es gibt auch Regeln darüber, wie das Geld verteilt wird: Sie stehen im Verteilungsreglement der SUISA.

Eine wichtige Regel für die Verteilung der Einnahmen aus TV-Sendeprogrammen ist unter Ziffer 3.3 im SUISA-Verteilungsreglement festgehalten. Dieser Punkt beschäftigt sich mit der «Einstufung der Sendeprogramme der SRG (ohne Werbung) und der Privatsender (ohne Werbung)». Um die Fernsehsendungen und die dafür relevanten Verteilungsklassen 1C, 1D, 2C und 2D geht es speziell im zweiten Abschnitt von Ziffer 3.3.

Ziele der Verteilungsreglementsänderung

Diese Verteilungsklassen, mit denen die Verteilung der Einnahmen aus den TV-Sendungen der SRG und von Privatfernsehsendern geregelt sind, wurden nun revidiert. Die wesentlichen Ziele dieser Änderung waren:

  • Bei der Vergütung für Musik in Filmen spielt neu nur die Dauer der Musik selbst und nicht wie vorher auch die Dauer des Films eine Rolle.
  • Die Vergütungen für Musik, die der Erkennung von Sendern, Sendeketten oder Sendungen – kurz zusammengefasst: Jingles – bzw. der Untermalung oder Umrahmung dient, sollen durch einen einheitlichen Faktor bestimmt werden. Neu fallen unter diese Verteilung auch die Einleitungs- und Schlussmusik zu Sendereihen oder Serien und Logos.

Musikdauer anstatt Filmdauer

Mit der Reglementsänderung wird die Bedeutung von Musik in Filmen unabhängig von der Dauer eines Films eingestuft. Es gibt keine Unterscheidung mehr nach Filmdauer, wie das zuvor der Fall war (länger oder kürzer als 60 Minuten). Da es um die Berechnung der Urheberrechtsentschädigung für Musik geht, soll einzig die Dauer der Musik ausschlaggebend sein. Mit der Berücksichtigung der Musikdauer erhält ein Film mit mehr Musik automatisch mehr Geld als derjenige mit weniger Musik.

Ein Vergleich mit ausländischen Schwestergesellschaften hat gezeigt, dass auch diese Gesellschaften grundsätzlich die Musik- und nicht die Filmdauer als Anknüpfungspunkt bei der Verteilung verwenden. Der Wegfall der 60-Minuten-Limite stellt eine Vereinfachung des Verteilungsprozesses dar und führt – da unabhängig von der Filmdauer – zu einer neutralen Gewichtung von Filmmusik.

Einheitlicher Faktor für Musik mit repetitivem Charakter

Unter dem Begriff «Jingle» ist nach dem Verteilungsreglement der SUISA Folgendes zu verstehen: Es handelt sich um Musik, die der Erkennung von Sendern, Sendeketten und Sendungen oder der Untermalung oder der Umrahmung dient. Dazu gehören Tonsignete, Loops, Trailers, Billboards usw., Hintergrundmusik, z.B. zu Informations-, Sport-und Quizsendungen, Musik zu Test-, Text- und Standbildern, und neu auch Einleitungs-und Schlussmusik zu Sendereihen oder Serien und Logos.

Solche «Jingles» dienen oft der Zuschauerbindung und werden sehr häufig in den TV-Übertragungen wiederholt. Dem repetitiven Charakter der Jingles wird in Bezug auf die Verteilung Rechnung getragen, indem die Bedeutung dieser Musik in Sendeprogrammen separat eingestuft wird.

Die Gewichtung der Jingles für die Verteilung erfolgt neu nach einem einheitlichen Faktor von 0,25. Im Gegensatz zur vorherigen Regelung wird der Faktor nicht tiefer, je öfter der Jingle gesendet wird. Der neue einheitliche Faktor entspricht dem früheren Ansatz für die 13. – 52. Sendung. Verglichen mit dem alten Stufenmodell ist der neue Faktor tiefer als zuvor für die 1. bis zur 12. Sendung. Dafür ist er zukünftig höher für alle Wiederholungen ab der 53. Sendung. Durch die Reglementsänderung wird die vielfache Nutzung von Musik wie z.B. im Fall von Tonsigneten täglich ausgestrahlter Nachrichtensendungen stärker gewichtet.

Einfluss auf Verteilung und Abrechnung

Diese Änderungen im Verteilungsreglement können bei den Auszahlungen an die Komponisten und Verleger Verschiebungen zur Folge haben. Stufenmodelle, wie sie zuvor mit ändernden Faktoren je nach Anzahl der Sendungen oder je nach Dauer in Minuten von Filmen angewandt wurden, unterliegen stets einer gewissen Willkür und müssen unter Umständen ständig angepasst werden. Die nun eingeführten Neugewichtungen mit einheitlichen Gewichtungssätzen erlauben eine lineare Entwicklung der Vergütung und bringen damit ein insgesamt gerechteres Verteilungsergebnis.

Die Änderung von von Ziffer 3.3 Abs. 2 des Verteilungsreglements wurde vom IGE mit den Entscheiden vom 19. November 2015 (PDF, 2 MB) sowie vom 15. Dezember 2015 (PDF, 962 KB) genehmigt. Sie gilt für die Einnahmen ab 2016 und wird in der Verteilung erstmals in den Abrechnungen vom 15.12.2016 einen Einfluss haben.

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Die Regeln für die Verteilung der Urheberrechtsvergütungen für gesendete Musik in Fernseh-Sendeprogrammen der SRG und von TV-Privatsendern werden teilweise geändert. Die Anpassungen im Verteilungsreglement der SUISA betreffen die Verteilungsklassen 1C, 1D, 2C und 2D.

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Die Casting-Show-Gewinnerin Tiziana präsentiert in einer TV-Sendung den Song «Hold Me». Begleitet wird sie von SUISA-Mitglied Marc Sway (r.), der das Stück zusammen mit Sekou Neblett komponiert hat. Über die SUISA erhalten die beiden Songschreiber für die Sendung ihrer Musik im Fernsehen eine Urheberrechtsvergütung. (Foto: Manu Leuenberger)

Wenn auf Schweizer Fernsehsendern Musik gespielt wird, erhalten die Komponisten und Textautoren der gesendeten Musik dafür später Geld von der SUISA. Wieviel die Sender bezahlen, damit sie die Musik spielen können, ist in den Tarifen A für die Sendungen der SRG und GT S für die übrigen (Privat-)Sender geregelt. Es gibt auch...Weiterlesen

«Die schwierigste Frage ist, welcher Klang zum Film passt»

Anlässlich des Festival del film Locarno im August ist der Schweizer Komponist Peter Scherer mit dem Filmmusikpreis 2015 der FONDATION SUISA ausgezeichnet worden. Er erhielt den mit 25 000 Schweizer Franken dotierten Preis für seine Musik zum Film «Dark Star – HR Gigers Welt» von Regisseurin Belinda Sallin. Im Gespräch im Vorfeld der Preisverleihung erzählte das SUISA-Mitglied Peter Scherer unter anderem von den Herausforderungen beim Komponieren von Filmmusik.

Filmmusikpreis-2015

Über die Vergabe des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA freuten sich am Tag der Preisverleihung am 7. August 2015 im Rahmen des Internationalen Filmfestivals in Locarno (v.l.n.r): Zeno Gabaglio (Jury-Mitglied Filmmusikpreis 2015 und SUISA-Vorstand), Marco Blaser (Festival del film Locarno), Preisträger Peter Scherer und Urs Schnell (Direktor FONDATION SUISA). (Foto: Giorgio Tebaldi)

Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Filmmusikpreises 2015 der FONDATION SUISA. Nach 2007 ist dies bereits das zweite Mal, dass du diesen Preis gewinnst. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?
Es ist natürlich grossartig, anerkannt zu werden, ganz  besonders auch weil dieser Preis von einer Jury von sehr kompetenten Leuten verliehen wird.

Du hast den Filmmusikpreis für den Soundtrack zum Dokumentarfilm «Dark Star – HR Gigers Welt» erhalten. HR Giger war bekannt für seine düsteren, apokalyptischen Bilder und war eine starke Persönlichkeit, die polarisiert hat. Wie bist du beim Komponieren der Musik zu diesem Dokumentarfilm vorgegangen?
Zuerst einmal habe ich sehr ausführlich mit der Regisseurin, Belinda Sallin, gesprochen, um herauszufinden, wie der Protagonist dargestellt wird und was der Film zeigen will. Es könnten unzählige Filme über HR Giger gedreht werden, aber für mich als Musiker war nicht die Frage im Vordergrund, wie ich zu HR Giger oder seinen Bildern stehe, sondern eher: Was ist der Gesichtspunkt des Filmes? Um was geht es in diesem Film und was will er wirklich zeigen?
Dann versuche ich, mir anhand eines Rohschnitts vorzustellen, welcher Klang zu diesem Film passen könnte. Das ist die schwierigste Frage, sowie zu wissen, wo die Musik ansetzen kann. Das ist meistens ein langer Prozess des Suchens, Skizzierens und Auswählens.

HR Giger hat oftmals auch ein spezielles Publikum angesprochen, das sich für düstere Filme oder harte Rockmusik interessiert. Inwiefern hat man beim Komponieren das Publikum im Kopf, das sich den Film anschauen wird?
Natürlich hat man immer einen Betrachter im Kopf, wenn man einen Film macht. Ob beim Drehbuch, beim Schnitt, bei den Schauspielern oder beim Konzept – man stellt sich immer auch einen Rezipienten vor. Man überlegt sich, wie der Film wirkt, was rüberkommt und was nicht. In dieser Hinsicht ist der Zuschauer natürlich wichtig. Aber ob jetzt eine bestimmte Zielgruppe auf ihre Rechnung kommt, spielt weder bei der Entstehung des Films noch beim Komponieren der Filmmusik eine Rolle.

Hast du HR Giger gekannt?
Ich kannte ihn nicht persönlich. Wie wahrscheinlich die meisten Leute kannte ich seine Bilder oder besser: seine exponiertesten und vielleicht auch offensichtlichsten Bilder. Während der Auseinandersetzung mit seiner Person bei der Entstehung des Films habe ich gelernt, dass er neben seiner Kunst ganz viele andere Sachen gemacht hat. Es war eine Absicht der Regisseurin, den Menschen HR Giger zu zeigen, dass er ein faszinierender Mensch war, der ein reiches Leben hatte. Es ging ihr auch darum, gewisse Vorurteile zu neutralisieren und neue Seiten von Giger zu zeigen.

Gab es seitens HR Giger Anforderungen an den Film oder die Filmmusik, oder hat er dir und der Regisseurin freie Hand gelassen?
Er war leider schon gestorben, als ich mit dem Komponieren der Filmmusik begann. Aber ich weiss von der Regisseurin, dass er eine positive Einstellung zum Film hatte.

Neben der Filmmusik komponierst und spielst du auch minimalistische elektronische Musik. Du kennst also verschiedene Facetten des Musikschaffens. Wie empfindest du den Wandel im Musikbusiness, der in den letzten Jahren vor allem bei den Tonträgern stattgefunden hat? Tangiert dieser Wandel einen Filmmusikkomponisten überhaupt?
Es gibt verschiedene Szenen und Realitäten. Zum Beispiel gibt es viele Bands, die vor allem von ihren Konzerten leben. Vom Rückgang im Tonträgermarkt ist man im Filmmusiksektor nicht so direkt betroffen. Tonträger sind nur ein sehr kleiner Teil von dem, was ich mache.

Welche Projekte stehen bei dir als nächstes an?
Ich freue mich darauf, mit Markus Imhof ein Projekt zu realisieren. Er dreht derzeit einen neuen Film zum Thema Migration, ein sehr aktuelles Thema, das mich auch sehr interessiert. Er ist ein grossartiger Regisseur. Zudem schreibe ich die Musik zu einem Dokumentarfilm von Heidi Specogna über ein politisches Thema, das die Republik Zentralafrika betrifft. Über weitere anstehende Projekte darf ich noch keine Angaben machen.

Viel Erfolg und herzlichen Dank für das Gespräch.

Peter Scherer ist Komponist, Pianist und Gitarrist. Er wurde 1953 in Zürich geboren. Sein Klavierdiplom machte er 1977 am Konservatorium Basel und studierte im Anschluss Theorie und Komposition an der Hamburger Hochschule für Musik und darstellende Kunst. 1980 zog er nach New York, wo er sich insbesondere mit elektronischer Musik beschäftigte und das Noise-Pop-Duo Ambitious Lovers gründete. Als Studiomusiker, Produzent oder Arrangeur arbeitete Peter Scherer mit Künstlern zusammen wie Laurie Anderson, Arto Lindsay, Caetano Veloso, John Zorn und Bill Frisell. Ab Ende der Achtzigerjahre schrieb er regelmässig Musik für Tanz- und Multimediaprojekte. Seit 2010 lebt Peter Scherer wieder in seiner Heimatstadt Zürich und konzentriert sich heute vor allem auf die Filmmusik. Für seine Kompositionen zum Spielfilm «Marmorera» (Regie: Markus Fischer) erhielt er 2007 erstmals den Filmmusikpreis der FONDATION SUISA. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt die Musik zu Markus Imhofs «More Than Honey», für den Peter Scherer 2013 den Schweizer Filmpreis für die beste Musik erhielt. (Text: FONDATION SUISA)
Der Filmmusikpreis der FONDATION SUISA ist mit CHF 25 000.- dotiert. Er honoriert ausserordentliche Leistungen im Bereich der Filmmusikkomposition und hat zum Ziel, die Preisträgerinnen und Preisträger zu unterstützen sowie im In- und Ausland bekannt zu machen. Der Preis wird jährlich anlässlich des Festival del film in Locarno alternierend in den Kategorien Spielfilm und Dokumentarfilm vergeben.

Die Jury des Filmmusikpreises 2015:
Jürg von Allmen (Digiton Tonstudio Zürich)
André Bellmont (Zürcher Hochschule der Künste, Zürich)
Mario Beretta (Bühnen- und Filmmusikkomponist, Zürich)
Zeno Gabaglio (Komponist und Interpret, Vacallo)
Corinne Rossi (Praesens Film, Zürich)
Yvonne Söhner (ehem. Schweizer Radio und Fernsehen SRF, Ehrendingen)

Beitrag zu Peter Scherer und seiner Filmmusik für «Dark Star – HR Gigers Welt» auf art-tv

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Anlässlich des Festival del film Locarno im August ist der Schweizer Komponist Peter Scherer mit dem Filmmusikpreis 2015 der FONDATION SUISA ausgezeichnet worden. Er erhielt den mit 25 000 Schweizer Franken dotierten Preis für seine Musik zum Film «Dark Star – HR Gigers Welt» von Regisseurin Belinda Sallin. Im Gespräch im Vorfeld der Preisverleihung erzählte das SUISA-Mitglied Peter Scherer unter anderem von den Herausforderungen beim Komponieren von Filmmusik.

Filmmusikpreis-2015

Über die Vergabe des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA freuten sich am Tag der Preisverleihung am 7. August 2015 im Rahmen des Internationalen Filmfestivals in Locarno (v.l.n.r): Zeno Gabaglio (Jury-Mitglied Filmmusikpreis 2015 und SUISA-Vorstand), Marco Blaser (Festival del film Locarno), Preisträger Peter Scherer und Urs Schnell (Direktor FONDATION SUISA). (Foto: Giorgio Tebaldi)

Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Filmmusikpreises 2015 der FONDATION SUISA. Nach 2007 ist dies...Weiterlesen

«Schweizer Filmmusik zeigt eine grosse Vielfalt und hohe Qualität»

Die von der FONDATION SUISA herausgegebene Box «Swiss Film Music» bietet mit drei CDs, einer DVD und einem Buch einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Schweizer Filmmusik von 1923 bis 2012. Ein Gespräch mit dem Musik- und Medienwissenschaftler Mathias Spohr, der als künstlerischer Leiter wirkte. Gastbeitrag von Markus Ganz

Mathias-Spohr-Portrait

Mathias Spohr, der künstlerische Leiter der «Swiss Film Music Anthology», ist Musik- und Medienwissenschafter mit Lehraufträgen an den Universitäten Bayreuth, Bern und Wien. (Foto: Markus Ganz)

Filmmusik wird in der Regel kaum beachtet. Wird sie ihrer Meinung nach unterschätzt?
Ja, gerade dann, wenn sie ihre Aufgabe sehr gut erfüllt. Dann nimmt man sie häufig gar nicht richtig wahr, weil man nicht bewusst zuhört ‒ und das ist meistens auch ihre Aufgabe. Umgekehrt nimmt man die Filmmusik häufig wahr, wenn sie nicht so gut passt. Natürlich gibt es Konzeptionen von Filmmusik, die von diesem Prinzip abweichen.

Ist nicht gerade diese Funktionalität der Filmmusik der Grund dafür, dass sie oft geringgeschätzt wird? Denn bedeutet dies nicht auch, dass die Filmmusik ohne die Bilder nicht wirken würde?
Nein, in dieser Anthologie ist viel Filmmusik ohne Film vertreten, und ich finde nicht, dass sie an Wirkung verliert. Bei einigen Stücken muss man nachlesen, in welchem Zusammenhang sie stehen. Aber die Musik wirkt auch so, und man merkt, wie sie gedacht ist. Man nimmt strukturelle Eigenschaften und die Komplexität mancher Filmmusik sogar besser wahr ohne Film; dort verschmilzt beides.

Kann man die Qualität der Filmmusik an sich also ohne die Bilder besser wahrnehmen?
Ja, aber es kommt sehr auf die Art der Musik an. Es gibt Filmmusik, die sich nicht vom Bild trennen lässt, und es gibt solche, die man sich sehr gut ohne Film anhören kann.

Sie haben zu den drei CDs dieser Anthologie eine DVD hinzugefügt, die auch die Bilder zur Musik dieser Beispiele bietet. Was waren die Kriterien für die DVD-Auswahl?
Bei einigen Beispielen ist die Abstimmung der Musik aufs Bild entscheidend, um ihre Qualität wahrnehmen zu können. Dies gilt besonders für Trickfilme und Werbefilme, wo in wenigen Sekunden etwas vermittelt werden muss. Wir beschränkten uns bei der DVD zudem auf Kurzfilme, die wir als Ganzes bringen konnten, so dass stets auch die Gesamtkonzeption der Musik erkenntlich wird. Mit Kurzfilmen ist es leichter, das Zusammenwirken von Musik und Bild zu vermitteln, als mit Ausschnitten, die aus einem unbekannten Zusammenhang stammen.

Wie kam dieses aufwändige Projekt zustande?
Die FONDATION SUISA wollte im Rahmen ihrer Anthologien etwas über Schweizer Filmmusik machen. Wir diskutierten viele Umsetzungsmöglichkeiten, denn es ist ein kompliziertes Feld. Es gibt keinen Stil und kein Genre «Filmmusik», da alle Arten von Musik dafür verwendet werden, es gibt auch nur wenige wissenschaftliche Werke, die sich mit Schweizer Filmmusik auseinandergesetzt haben. Es wurde dann entschieden, dass unsere Anthologie die Geschichte der Schweizer Filmmusik zeigen soll. Daraufhin wurde eine Arbeitsgruppe formiert, die hauptsächlich aus Musik- und Filmwissenschaftlern bestand, plus je zwei Vertreter der FONDATION SUISA und der Cinémathèque Suisse. Man traf sich mehrmals und arbeitete ein Konzept aus.

Wie haben die beteiligten Fachleute die Beispiele ausgesucht?
Wir arbeiteten mit einem Kriterienkatalog, der sehr unterschiedliche Aspekte umfasste. Der Schwerpunkt sollte auf Schweizer Filme und Schweizer Sujets gelegt werden, aber nicht ausschliesslich. Auch ausländische Filme, die von Schweizer Komponisten vertont wurden, sollten berücksichtigt werden.

Und dann wurde in den Archiven gesucht?
Ja, ich etwa war für historische Beispiele häufig in den Archiven der Zentralbibliothek Zürich oder der Paul-Sacher-Stiftung in Basel, die Musikpartituren von Filmen besitzen. In den meisten Fällen gibt es aber keine Noten mehr, weil sich die Kreation von Musik in den letzten 30 Jahren stark auf den Computer verlagert hat.

Aber ging es nicht um konkrete Aufnahmen?
Doch, aber wir wollten im Buch auch Notenbeispiele zeigen und brauchten sie als Grundlage für die Kommentare. Für die Aufnahmen gibt es viele Archive, in denen wir gesucht haben, etwa das Medieninformationszentrum der ZHdK und die Cinémathèque Suisse.

Was hat Sie am meisten überrascht beim ersten Durchhören des gesamten Materials?
Die grosse Vielfalt und eine hohe Qualität, und zwar von Beginn bis heute. Dies zu zeigen, war meine Motivation, zumal dies kaum bekannt ist.

Wie zeigt sich diese Vielfalt? Sie schreiben im Begleitbuch, dass Sie nichts spezifisch Schweizerisches in der Filmmusik entdeckt hätten.
Hier spielt sicherlich eine Rolle, dass in der Schweiz drei Sprachregionen zusammenkommen. Dies führt zu Kontakten im gleichsprachigen Ausland; Berlin, Paris oder die italienische Cinecittà haben als Produktionsorte auch für die Schweiz eine Bedeutung.

Haben Sie auffallende Unterschiede zur Filmmusik in anderen Ländern festgestellt, die ja teilweise viel grössere und deshalb spezialisierte Filmszenen kennen?
Ein grundsätzlicher Unterschied rührt daher, dass die Schweiz nicht zentralistisch ist. Im Ausland gibt es für viele Bereiche grosse Zentren ‒ die eine entsprechende Sogwirkung haben. In der Schweiz hingegen können sich kleine Nischen besser behaupten. Vielen Produkten, nicht nur Filmen und Filmmusik, sieht man an, dass sie aus einer Nischenkultur stammen, die nicht von einem Zentrum aufgesogen wird.

Hat vielleicht gerade dies zur grossen Vielfalt beigetragen?
Ja, dies hängt sicherlich damit zusammen.

Werbe-Jingles sorgen wegen ihres kommerziellen Charakters oft für ein Naserümpfen. In der Anthologie fallen allerdings frühe Beispiele auf, deren Musik überraschend modern klingt ‒ wie erklären Sie sich diese Offenheit?
In der Zeit der ersten TV-Werbespots hatte man noch nicht so viel Erfahrung mit dieser Art von Werbung: Man liess die Musiker machen, gab ihnen die Freiheit, zu experimentieren. Heute reden viel mehr Leute mit, auch weil das Risiko gewachsen ist. Aber wenn es dem Produkt nützt, ist auch heute sehr viel möglich.

Die Anthologie reicht bis 1923 zurück. Haben Sie markante Wendepunkte festgestellt, bei denen sich die Musik oder der künstlerische Zugang zur Vertonung verändert hat?
Es gibt natürlich Modeerscheinungen. Viele Veränderungen sind aber auch auf technische Grundlagen zurückzuführen. Zu Beginn des Tonfilms musste die Musik bei den Dreharbeiten parallel zum Dialog eingespielt werden. Diese Musik ist zwangsläufig anders, als wenn man sie separat auf Tonband aufnehmen kann, wie dies später erst möglich wurde. Eine völlig neue Situation ist mit dem Heimstudio entstanden, in dem man ohne grossen technischen Aufwand zuhause Musik schaffen und aufnehmen kann, zunächst mit dem Tonband, später mit dem Computer. Auch die Videotechnik vereinfachte sich. Wichtig war etwa die Neuerung, dass man Bild und Ton auf demselben Träger aufnehmen und bearbeiten kann. All dies hat die Filmmusik beeinflusst, natürlich auch die Medien von Radio, TV, Kino bis zum Internet.

Überraschend früh wurden schon elektronische Instrumente eingesetzt …
Ja, schon in der Stummfilmzeit gab es das Russolophon, mit dem man Geräusche machen konnte, später kamen die Ondes Martenot hinzu.

Diese wurden bereits in den 1920er Jahren in der Filmmusik eingesetzt. Das ist sehr früh, wenn man bedenkt, dass sich elektronische Instrumente erst sehr viel später breit durchsetzen konnten …
Ja, dies war von Anfang an problemlos möglich. Es scheint mit dem Medium Film zusammenzuhängen, dass man offener gegenüber dem Einsatz von neuer Technik war. Arthur Honegger setzte die Ondes Martenot mehrmals ein, sowohl als Solo- wie als Orchesterinstrument, wie man am Beispiel «L’Idée» gut hören kann. Er verlangte provokativ, dass die elektronischen Instrumente ins Sinfonieorchester aufgenommen werden ‒ was bis heute höchstens für einzelne Projekte geschehen ist.

Was ist ihnen wichtig nach Abschluss dieser grossen Arbeit?
Am Herzen liegt mir, dass das „Kapitel Filmmusik“ nicht als erledigt betrachtet wird. Ich verstehe diese Anthologie als Anfangspunkt und als gute Voraussetzung, um sich weiter mit Filmmusik zu beschäftigen. Ich könnte mir etwa vorstellen, dass die zur Anthologie eingerichtete Website die Grundlage für eine Art Filmmusik-Wiki wird, zu der alle Interessierten etwas beitragen können.

«Swiss Film Music Anthology 1923 – 2012». Box mit drei Audio-CDs, einer DVD und einem 400-seitigen Buch in deutscher, französischer, italienischer und englischer Sprache. Hrsg. Mathias Spohr im Auftrag der FONDATION SUISA (Chronos Verlag, ISBN 978-3-0340-1265-2, 69 Franken).
Swiss-Film-Music-Anthologie

Die «Swiss Film Music Anthology 1923 – 2012» ist im Buch- und Handel erhältlich oder kann über die Website www.swissfilmmusic.ch bestellt werden. (Foto: zVg)

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Die von der FONDATION SUISA herausgegebene Box «Swiss Film Music» bietet mit drei CDs, einer DVD und einem Buch einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Schweizer Filmmusik von 1923 bis 2012. Ein Gespräch mit dem Musik- und Medienwissenschaftler Mathias Spohr, der als künstlerischer Leiter wirkte. Gastbeitrag von Markus Ganz

Mathias-Spohr-Portrait

Mathias Spohr, der künstlerische Leiter der «Swiss Film Music Anthology», ist Musik- und Medienwissenschafter mit Lehraufträgen an den Universitäten Bayreuth, Bern und Wien. (Foto: Markus Ganz)

Filmmusik wird in der Regel kaum beachtet. Wird sie ihrer Meinung nach unterschätzt?
Ja, gerade dann, wenn sie ihre Aufgabe sehr gut erfüllt. Dann nimmt man sie häufig gar nicht richtig wahr, weil man nicht bewusst zuhört ‒ und das ist meistens auch ihre Aufgabe. Umgekehrt nimmt man die Filmmusik häufig wahr, wenn sie nicht so gut passt....Weiterlesen

Filmmusikpreis 2015 wird in der Kategorie Dokumentarfilm vergeben

Der mit 15 000 Schweizer Franken dotierte Filmmusikpreis der FONDATION SUISA wird 2015 erstmals in der Kategorie Dokumentarfilm vergeben. Der Preis wird von nun an jährlich alternierend in den Kategorien Spielfilm und Dokumentarfilm verliehen. Kandidaturen für den diesjährigen Preis können bis am 15. Mai 2015 eingereicht werden. Text von Marcel Kaufmann, FONDATION SUISA

Filmmusikpreis-2014-Preisverleihung

Verleihung des Filmmusikpreises 2014: Preisträger Roman Lerch (Bildmitte) präsentiert die mit CHF 15 000 dotierte Auszeichnung, die er für seine erste vollständige Spielfilmmusik («Shana – The Wolf’s Music») erhalten hat. Neben dem Gewinner stehen Urs Schnell (l.), Direktor der FONDATION SUISA, und Jurypräsident Marco Blaser (r.). (Foto: Otto B. Hardmann)

Für den Filmmusikpreis 2015 der FONDATION SUISA zugelassen sind Originalkompositionen zu Dokumentarfilmen ab einer Gesamtdauer von 60 Minuten, veröffentlicht entweder 2014 oder 2015. Komponistinnen und Komponisten mit Bezug zum aktuellen schweizerischen Musikschaffen sind eingeladen, ihre Werke bis am 15. Mai 2015 zur Kandidatur anzumelden. Möglich sind auch Kandidaturvorschläge von Dritten.

Die eingereichten Kompositionen werden von einer Fachjury bewertet. Die Preisverleihung findet am 7. August 2015 im Rahmen des internationalen Filmfestivals in Locarno statt.

Informationen, Reglement und Anmeldung zum Filmmusikpreis

Anmeldeformulare, Preisreglement und alle weiteren Informationen zur Teilnahme sind abrufbar unter: www.fondation-suisa.ch/filmmusikpreis

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Der mit 15 000 Schweizer Franken dotierte Filmmusikpreis der FONDATION SUISA wird 2015 erstmals in der Kategorie Dokumentarfilm vergeben. Der Preis wird von nun an jährlich alternierend in den Kategorien Spielfilm und Dokumentarfilm verliehen. Kandidaturen für den diesjährigen Preis können bis am 15. Mai 2015 eingereicht werden. Text von Marcel Kaufmann, FONDATION SUISA

Filmmusikpreis-2014-Preisverleihung

Verleihung des Filmmusikpreises 2014: Preisträger Roman Lerch (Bildmitte) präsentiert die mit CHF 15 000 dotierte Auszeichnung, die er für seine erste vollständige Spielfilmmusik («Shana – The Wolf’s Music») erhalten hat. Neben dem Gewinner stehen Urs Schnell (l.), Direktor der FONDATION SUISA, und Jurypräsident Marco Blaser (r.). (Foto: Otto B. Hardmann)

Für den Filmmusikpreis 2015 der FONDATION SUISA zugelassen sind Originalkompositionen zu Dokumentarfilmen ab einer Gesamtdauer von 60 Minuten, veröffentlicht entweder 2014 oder 2015. Komponistinnen und Komponisten mit Bezug zum aktuellen...Weiterlesen

«Die Anthologie ‹Swiss Film Music› ist glorios»

Seit Ende Januar 2015 ist die von der FONDATION SUISA herausgegebene Anthologie der Schweizer Filmmusik von 1923 – 2012 im Buch- und CD-Handel oder auf www.swissfilmmusic.ch erhältlich. In den Medien stösst das neue Standardwerk zur Geschichte der Schweizer Filmmusik auf positive Resonanz.

Swiss Film Music Anthologie

Ein umfassender Überblick über die Geschichte der Schweizer Filmmusik auf 3 Audio-CDs, einer DVD und in einem 400-seitigen Buch: «Swiss Film Music Anthology 1923 – 2012» (Foto: zVg)

«Die Swiss Film Music Anthologie ist eingetroffen und sie ist glorios», war am Tag nach der Erstveröffentlichung der Box in den News auf der «International Movie Database» (IMDb.com) zu lesen. In der vollständigen Kritik, die auf der Filmplattform «Twitchfilm» nachzulesen ist, hält der Autor die Anthologie gar für so «einzigartig, dass jeder Filmmusik-Liebhaber sie besitzen sollte».

Die «Swiss Film Music Anthology 1923 – 2012» besteht aus 3 Audio-CDs mit Schweizer Filmmusik, einer DVD mit Kurzfilmen und einem gebundenen, 400-seitigen Buch, die zusammen die Geschichte der Schweizer Filmmusik erzählen. Herausgeberin der Anthologie ist die FONDATION SUISA, die Musikförderstiftung der SUISA. Künstlerischer Leiter ist der Musik- und Medienwissenschaftler Mathias Spohr.

Vom Werbeclip bis zum Horrorfilm

In der Sendung «Reflexe»vom 3. Februar 2015 berichtete Radio SRF 2 über die Anthologie und sprach mit dem künstlerischen Leiter Mathias Spohr über das «typisch Schweizerische in der hiesigen Filmmusik». Zusätzlich stellte der Sender 8 Hörproben von den insgesamt 127 Stücken, die auf CD und DVD in der Anthologie-Box enthalten sind, auf der SRF-Website zur Verfügung.

«Vom Werbeclip bis zum Horrorfilm» (Zitat «SRF»): Die «Swiss Film Music Anthology 1923 – 2012» ermöglicht erstmals einen historischen Überblick über die Entwicklung der Schweizer Filmmusik aller Gattungen. Das Standardwerk zur Geschichte der helvetischen Filmmusik ist ein Beleg für den Reichtum an hochstehender Filmmusik, die es in der Schweiz gibt.

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit: www.swissfilmmusic.ch

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Seit Ende Januar 2015 ist die von der FONDATION SUISA herausgegebene Anthologie der Schweizer Filmmusik von 1923 – 2012 im Buch- und CD-Handel oder auf www.swissfilmmusic.ch erhältlich. In den Medien stösst das neue Standardwerk zur Geschichte der Schweizer Filmmusik auf positive Resonanz.

Swiss Film Music Anthologie

Ein umfassender Überblick über die Geschichte der Schweizer Filmmusik auf 3 Audio-CDs, einer DVD und in einem 400-seitigen Buch: «Swiss Film Music Anthology 1923 – 2012» (Foto: zVg)

«Die Swiss Film Music Anthologie ist eingetroffen und sie ist glorios», war am Tag nach der Erstveröffentlichung der Box in den News auf der «International Movie Database» (IMDb.com) zu lesen. In der vollständigen Kritik, die auf der Filmplattform «Twitchfilm» nachzulesen ist, hält der Autor die Anthologie gar für so «einzigartig, dass jeder Filmmusik-Liebhaber sie besitzen sollte».

Die «Swiss Film Music Anthology 1923 – 2012» besteht aus...Weiterlesen

«Die europäischen Komponisten stehen auf einer Ebene mit den weltbesten Filmkomponisten»

Derzeit sind alle Augen der Filmmusiker gegen Hollywood gerichtet. Am 4. November werden in der Filmmetropole die «Hollywood Music in Media Awards» vergeben. Mit dabei ist das SUISA-Mitglied Josué Vergara. Der in Spanien lebende Komponist, der gleich mit drei Songs nomininiert ist, spricht im Interview darüber, wie schwierig es ist, für nichtamerikanische Komponisten im US-Markt Fuss zu fassen, was die Downloads aus illegalen Quellen für Filmmusikkomponisten bedeuten und weshalb er SUISA-Mitglied ist, obwohl er in Spanien lebt.

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Josué Vergara (Foto: Alicia Jorge)

Herzlichen Glückwunsch! Sie sind dieses Jahr gleich mit drei Kompositionen für die «Hollywood Music in Media Awards» (HMMA) nominiert. Damit gehören Sie zu den wenigen Europäern, die es auf die Liste der Nominierten schafften. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?
Vielen Dank. Diese drei Nominierungen sind das Resultat harter Arbeit und grosser Anstrengungen über die ganzen letzten Jahre. Es stimmt, dass nur wenige Europäer nominiert werden. Die «Hollywood Music in Media Awards» werden in Los Angeles vergeben. Deshalb denke ich, dass diese Auszeichnungen in den USA eine viel wichtigere Rolle spielen als in Europa. Ich leite daraus ebenfalls ab, dass sich ein Grossteil des Geschehens in der Filmindustrie in den Vereinigten Staaten, genauer gesagt in Hollywood abspielt. Da ist es nur logisch, dass die meisten Nominierten nicht aus Europas kommen. Eine spanische Nominierung ist deshalb sehr willkommen und ermutigt mich, meinen Weg weiterzugehen. Warum dieser Erfolg? Diese Frage kann ich Ihnen nicht beantworten. Vielleicht, weil die Amerikaner etwas anderes suchen, ein Musikgenre ganz anderer Couleur, wer weiss… Auf jeden Fall bin ich aber sehr zufrieden mit dem Resultat und dem Vertrauen, welches die Verantwortlichen bei den HMMA durch die drei Nominierungen in meine Musik gesetzt haben.

Wenn ein Europäer einen Academy Award, also einen Oscar, gewinnt, verleiht das seiner Karriere im Film-Business meist deutlichen Auftrieb. Haben die HMMA in der Filmmusikszene eine ähnlich grosse Bedeutung?
Während ein Oscar die Karriere eines Schauspielers oder Regisseurs tatsächlich deutlich beflügeln kann, muss man zugeben, dass die Auszeichnungen in der Filmmusikbranche nicht dieselbe Medienwirksamkeit haben. Beispielsweise kennt fast jeder noch James Cameron, den Regisseur von «Titanic», während sich die breite Masse kaum an den Komponisten James Horner erinnert, obwohl beide einen Oscar gewonnen haben. Die HMMA sind im Bereich der Filmmusik sicher die bedeutendsten Preise unserer Zeit, und die Nominierungen helfen den Komponisten zweifellos. Ich denke aber, dass das Medienecho darauf momentan noch weit von dem eines Oscars entfernt ist. Gleichzeitig muss ich einräumen, dass meine Musik seit den Nominierungen schon mehr Bekanntheit erlangt hat.

Hollywood ist der Dreh- und Angelpunkt der internationalen Filmindustrie, welche auch die Filmmusik einschliesst. Ist es schwierig für einen europäischen Filmmusikkomponisten, sich auf dem amerikanischen Markt zu etablieren?
Ja. Wenn sich ein europäischer Komponist auf dem amerikanischen Markt etabliert, dann steht er auf einer Ebene mit den besten Filmmusikkomponisten der Welt. Die Konkurrenz ist gross und sehr talentiert, was es schwieriger macht, erfolgreich zu sein. Andererseits ist Hollywood auch der gemeinsame Nenner der Filmbranche, weshalb dort viel mehr Projekte laufen als an anderen Orten. Dieser letzte Aspekt ist sehr positiv und interessant.

Die Musik- und Filmemacher leiden unter den kostenlosen Download-Angeboten im Internet. Welche Rolle spielen diese illegalen Plattformen bei Ihrer Tätigkeit als Komponist konkret?
Die kostenlosen Downloads von illegalen Internet-Plattformen sind bedauernswert und stellen für die Komponisten und die Musikbranche allgemein ein schwerwiegendes Problem dar. Allerdings denke ich, dass Filmmusik momentan weniger häufig illegal heruntergeladen wird. Diesem Missbrauch fällt vor allem die Pop-Musik zum Opfer. Die Regierungen müssen ernsthafte Gegenmassnahmen ergreifen, damit dies nicht ewig so weitergeht.

Sie leben in Spanien, sind aber Mitglied der SUISA. Haben Sie nie darüber nachgedacht, sich der spanischen Verwertungsgesellschaft SGAE anzuschliessen?
Ich bin seit mehr als 20 Jahren SUISA-Mitglied. Ich bin jetzt 36 Jahre alt und war sehr jung, als die SUISA begann, meine Rechte zu verwerten. Auch wenn ich in Spanien leben, habe ich nie daran gedacht, Mitglied der SGAE zu werden. Ich bin mit der SUISA sehr zufrieden, die Kommunikation ist einfach und praktisch. Für mich ist die SUISA zudem eine sehr verlässliche Gesellschaft, die meine Rechte perfekt verwertet. Ausserdem musste die SGAE aufgrund ihrer internen Probleme in den letzten Jahren viel durchmachen. Aber auch wenn ich jetzt in Spanien, in Valencia, lebe, habe ich doch mehr als 15 Jahre, meine ganze Jugend, in Genf verbracht. Ich habe viele gute Erinnerungen daran und viele Freunde in der Schweiz. Und ich habe von der Schweiz viel gelernt. Ich bin für meine Ausbildung, die Hilfe und die Werte, die ich in der Schweiz erfahren habe, sehr dankbar. Das ist einer der Gründe, warum ich der SUISA treu bleibe.

Welche Bedeutung haben Ihrer Meinung nach die Urheberrechtsvergütungen, also die Vergütungen von der SUISA, für Ihr Einkommen als Filmmusikkomponist?
Für mich als Filmmusikkomponisten sind die Urheberrechtsvergütungen ein wichtiges Thema. Auch wenn es stimmt, dass ich dieses Jahr dreifach in Hollywood nominiert wurde, stehe ich immer noch am Anfang meiner Karriere. Ich komponiere schon seit Langem Musik, aber das Komponieren von Filmmusik ist für mich etwas Neues. Ich muss noch viel lernen, und ich muss bekennen, dass ich bezüglich der Verwertung audiovisueller Rechte nicht ganz auf dem Laufenden bin. Deshalb habe ich kürzlich die SUISA kontaktiert, um diesbezüglich alle wichtigen Informationen einzuholen.

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Derzeit sind alle Augen der Filmmusiker gegen Hollywood gerichtet. Am 4. November werden in der Filmmetropole die «Hollywood Music in Media Awards» vergeben. Mit dabei ist das SUISA-Mitglied Josué Vergara. Der in Spanien lebende Komponist, der gleich mit drei Songs nomininiert ist, spricht im Interview darüber, wie schwierig es ist, für nichtamerikanische Komponisten im US-Markt Fuss zu fassen, was die Downloads aus illegalen Quellen für Filmmusikkomponisten bedeuten und weshalb er SUISA-Mitglied ist, obwohl er in Spanien lebt.

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Josué Vergara (Foto: Alicia Jorge)

Herzlichen Glückwunsch! Sie sind dieses Jahr gleich mit drei Kompositionen für die «Hollywood Music in Media Awards» (HMMA) nominiert. Damit gehören Sie zu den wenigen Europäern, die es auf die Liste der Nominierten schafften. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?
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