«Hätte ich einen Film mit afrikanischer Musik gemacht, wäre ich wohl freier gewesen»

Der Schweizer Komponist Niki Reiser erhielt am 7. August 2016 im Rahmen des internationalen Filmfestivals in Locarno den mit CHF 25 000 dotierten Filmmusikpreis der FONDATION SUISA verliehen. Der Preis wurde ihm für die Filmmusik zu Alain Gsponers Verfilmung von «Heidi» vergeben. Der Kompositionsprozess für diese Filmmusik war für Reiser eine besondere Herausforderung. Die Themen «Heidi» und «Schweiz» haben ihn am Anfang eher blockiert als beflügelt, wie er im Interview erzählt.

Filmmusikpreis FONDATION SUISA 2016 Niki Reiser

Niki Reiser (Mitte) wurde am 7. August 2016 anlässlich des Internationalen Filmfestivals in Locarno zum dritten Mal mit dem Filmmusikpreis der FONDATION SUISA ausgezeichnet. V.l.n.r.: Mario Beretta (Jury-Präsident Filmmusikpreis), Preisträger Niki Reiser und Urs Schnell (Direktor FONDATION SUISA). (Foto: Otto B. Hartmann)

Niki, mit dem Soundtrack zum Film «Heidi» hast Du nun zum dritten Mal den Filmmusikpreis der FONDATION SUISA gewonnen. Was ging Dir durch den Kopf, als Du von der Auszeichnung erfahren hast?
Ich habe mich natürlich wahnsinnig gefreut. 2001 wurde ich zum ersten Mal von der FONDATION SUISA ausgezeichnet. Dass ich 16 Jahre später immer noch Qualität liefere und damit einen Preis gewinne, hat mir Genugtuung bereitet. Es bestätigt, dass ich immer noch dabei bin. Und es bedeutet mir natürlich auch viel, von einer sehr kompetenten Jury ausgezeichnet zu werden.

Filmkomponisten stehen in der Regel im Hintergrund. Beim Publikum sind vor allem die Schauspieler und der Regisseur bekannt. Ist es für Dich wichtig, dass durch solche Auszeichnungen auch Dein Schaffen bekannt wird?
Natürlich ist dies schön. Mir bedeutet es allerdings mehr, wenn die Zuschauer nach einem Film auf mich zukommen und mir sagen, dass sie sich besonders auf die Musik geachtet haben. Die Leute nehmen die Musik im Film wahr. Das ist für mich wichtiger. Es gibt den Spruch: «Gute Filmmusik nimmt man nicht wahr.» Mein Bestreben ist es, dass Filmmusik wahrgenommen wird, ohne dass sie allerdings in den Vordergrund rückt. Die Auszeichnung ist wie das Tüpfelchen auf dem «i». Aber das Tolle ist, dass immer wieder Leute kommen und mir sagen: «Diese Musik hat mir im Film gefallen.» Die Musik ist also nicht nur im Hintergrund.

Du warst früher auch als Flötist mit verschiedenen Formationen auf der Bühne und hast Deine Kompositionen live vor Publikum gespielt. Fehlt Dir die direkte Rückmeldung vom Publikum?
Ich vermisse es schon sehr, die Möglichkeit zu haben, eigene Stücke weiterzuentwickeln und jeden Abend wieder neu zu interpretieren. Bei der Filmmusik ist das anders: Wenn sie einmal aufgenommen und abgemischt ist, kann man sie nicht mehr verändern. Bei der Livemusik kann man je nach Wandel der Zeit ein Stück noch verändern – das fehlt mir schon sehr. Auf der anderen Seite ist man in Bands jeweils thematisch begrenzt, anders als bei Filmmusik. Dort hat jeder Film ein anderes Thema.

In Deiner Dankesrede bei der Preisverleihung hast Du erzählt, wie schwierig der Kompositionsprozess für Dich war. Was war das Besondere an diesem Prozess? Wie bist Du an das Komponieren dieser Filmmusik herangegangen?
Das Besondere war, dass mich die Themen «Heidi» und «Schweiz» anfangs eher blockiert als beflügelt haben. Zudem ist man bei eigenen Sachen viel kritischer und sagt sich schnell einmal: «Das geht nicht und jenes geht nicht.» Man beschneidet sich selber. Hätte ich einen Film mit afrikanischer Musik gemacht, wäre ich wohl freier gewesen, da es mir nicht so nahe gewesen wäre. Und am Anfang war es besonders schwierig. Der Film beginnt mit einer fliegenden Szene. Da hiess es: «Jetzt musst du etwas Leichtes, Fliegendes machen.» In so einem Augenblick gehen bei mir alle Läden runter, da es von Null auf Hundert eine Wahnsinnsherausforderung ist. Der Kern der Musik kam erst allmählich durch stetiges Ausprobieren und Verwerfen von Ideen.

Du hast also konkrete Vorgaben erhalten, wie die Filmmusik klingen soll?
Nicht wie sie klingen, sondern was sie bewirken soll. Die Musik soll eine Leichtigkeit und etwas Schwebendes haben. Gleichzeitig soll sie Sehnsucht ausdrücken, aber auch etwas Heilendes haben. Je mehr Adjektive man im Kopf hat, desto weniger fällt einem musikalisch etwas ein. Meistens funktioniert es erst dann, wenn der Verstand aussetzt und man mit Musikmachen beginnt. Erst über das Musikmachen bin ich auf die Themen der Filmmusik gekommen.

Kinderfilm, Heimatfilm, schöne Bilder der Alpenwelt – kommt man da nicht in Versuchung, auf musikalische Klischees zurückzugreifen?
Klar, die Bilder sind schon wahnsinnig schön. Wenn ich jetzt hierzu typische Schweizer Musik komponiert hätte, hätte es wirklich die Züge eines Werbefilms annehmen können. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, das typische fröhliche Schweizer Dur wegzulassen. Ich finde die Schweizer Melodien zwar sehr schön, aber ich wollte keine Volkslieder schreiben. Durch die Moll-Tonarten sind wir auf das eher Dramatische gekommen. Heidi ist ja auch ein Drama, und nicht nur ein Kinderfilm.

Es gibt eine Vielzahl an Verfilmungen von Heidi. Zudem gibt es einige bekannte Heidi-Filmmelodien. Die meisten Leute in der Schweiz haben dadurch einen Bezug – auch musikalisch – zu Heidi. Hatte dies einen Einfluss auf Deine Arbeit?
Nein. Ich habe mir auch bewusst keinen der älteren Heidifilme angeschaut. Einerseits um nicht beeinflusst zu sein. Andererseits aber auch, um mich nicht selber zu behindern: Es kann sein, dass man etwas nicht macht, nur weil es die anderen bereits gemacht haben. Ich habe die Geschichte aufgrund der Heidi-Figur erzählt. Das heisst: Die Musik begleitet die Emotionen von Heidi und widerspiegelt jeweils ihren aktuellen Gemütszustand. Es ist also mehr eine emotionale und nicht eine Schweizer Geschichte. Ich habe versucht die Musik so zu setzen, wie ein Kind gerade naiv seine Stimmung auslebt.

Du hast vor 30 Jahren zum ersten Mal die Musik für einen Film komponiert. In der Zwischenzeit hat sich die Technik massiv verändert. Wie hat dies Deine Arbeitsweise beim Komponieren beeinflusst?
Bei Heidi hatte dies keinen Einfluss; ich habe jedes Instrument live aufgenommen und keine technischen Klangerzeuger verwendet. Bei anderen, vor allem kleineren Filmen, hat sich die Arbeitsweise schon verändert. Ich habe die Möglichkeit, die Musik direkt bei mir zu Hause aufzunehmen und zu bearbeiten. So kann ich eine ganze Filmproduktion bei mir selber machen. Die Kompositionsarbeit hat sich durch die technische Entwicklung nicht verändert. Es geht immer noch darum, Themen und Klänge zu suchen. Hingegen hat sich der Prozess des Dialogs mit dem Schneidetisch verändert. Wenn ich etwas komponiert habe, kann ich ganze Files mit Bildern via Internet verschicken und es eine halbe Stunde später über Skype mit den Leuten am Schneidetisch diskutieren. Früher musste man die Bänder per Post schicken. Da dauerte es eine Woche, bis das Material ankam und nochmals eine weitere halbe Woche, bis der Regisseur reagierte. Die Kommunikation ist schneller geworden. Dies bringt allerdings auch negative Aspekte mit sich: Früher, als noch nicht alles digital war, hatte man mehr Zeit, etwas zu entwickeln. Heute geht alles schneller. Das heisst: Die Ideen müssen auch schneller kommen.

Du bist seit 1986 Mitglied bei der SUISA. Was bringt Dir die Mitgliedschaft als Komponist?
Ich kann darauf vertrauen, dass ich mein Grundeinkommen habe. Wobei es eigentlich sogar mein Haupteinkommen ist. Ich könnte von den Filmen selber, von den Honoraren, nicht leben. Die Urheberrechtsvergütungen garantieren mir immer wieder, dass Ende Jahr die Rechnung aufgeht. Einige Kollegen sagen mir immer wieder, ich solle zur Gema wechseln, da viele meiner Werke in Deutschland laufen. Ich weiss nicht, ob ich jemals wechseln würde. Die SUISA ist nicht ein solch riesiger Apparat; die Leute können so schneller reagieren.

Niki Reiser ist 1958 im aargauischen Reinach geboren und in Basel aufgewachsen. Über das Querflötenspiel fand er zur Musik und begann bereits als Jugendlicher für diverse Bands und musikalische Formationen zu komponieren. Nach der Matura absolvierte er das renommierte Berklee College Of Music in Boston (USA), wo er Jazz und klassische Komposition mit Schwerpunkt Filmscoring studierte. V.a. durch seine langjährige Zusammenarbeit mit den Regisseuren Dani Levy und Caroline Link machte Niki Reiser sich einen Namen auf dem deutschen und internationalen Filmparkett. Für seine Werke wurde er u.a. fünfmal mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Niki Reiser lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt Basel. (Text: FONDATION SUISA) www.nikireiser.de
Der Filmmusikpreis der FONDATION SUISA ist mit CHF 25 000.- dotiert. Er honoriert ausserordentliche Leistungen im Bereich der Filmmusikkomposition und hat zum Ziel, die Preisträgerinnen und Preisträger zu unterstützen sowie im In- und Ausland bekannt zu machen. Der Preis wird jährlich anlässlich des Festival del film in Locarno alternierend in den Kategorien Spielfilm und Dokumentarfilm vergeben.
Die Jury zum Filmmusikpreis 2016 der FONDATION SUISA
• Präsident: Mario Beretta (Bühnen- und Filmmusikkomponist, Zürich)
• Jürg von Allmen (Tontechniker, Digiton Tonstudio, Zürich)
• André Bellmont (Komponist, Dirigent, Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste, Zürich)
• David Fonjallaz (Filmproduzent Lomotion AG, Bern)
• Zeno Gabaglio (Komponist und Interpret, Vacallo)
• Corinne Rossi (Geschäftsleiterin Praesens-Film AG, Zürich)
• Yvonne Söhner (Produktionsleiterin Baloise Session, Musikfestival Basel, Ehrendingen)

Beitrag zu Niki Reiser und seiner Filmmusik für «Heidi» auf Art-TV.

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Der Schweizer Komponist Niki Reiser erhielt am 7. August 2016 im Rahmen des internationalen Filmfestivals in Locarno den mit CHF 25 000 dotierten Filmmusikpreis der FONDATION SUISA verliehen. Der Preis wurde ihm für die Filmmusik zu Alain Gsponers Verfilmung von «Heidi» vergeben. Der Kompositionsprozess für diese Filmmusik war für Reiser eine besondere Herausforderung. Die Themen «Heidi» und «Schweiz» haben ihn am Anfang eher blockiert als beflügelt, wie er im Interview erzählt.

Filmmusikpreis FONDATION SUISA 2016 Niki Reiser

Niki Reiser (Mitte) wurde am 7. August 2016 anlässlich des Internationalen Filmfestivals in Locarno zum dritten Mal mit dem Filmmusikpreis der FONDATION SUISA ausgezeichnet. V.l.n.r.: Mario Beretta (Jury-Präsident Filmmusikpreis), Preisträger Niki Reiser und Urs Schnell (Direktor FONDATION SUISA). (Foto: Otto B. Hartmann)

Niki, mit dem Soundtrack zum Film «Heidi» hast Du nun zum dritten Mal den Filmmusikpreis der FONDATION SUISA gewonnen. Was...Weiterlesen

Zwischen Melodie, Harmonie und Rhythmus vermitteln

Die FONDATION SUISA zeichnet Heiri Känzig mit ihrem Jazzpreis 2016 aus. Der Zürcher Musiker gilt als einer der herausragenden Kontrabassisten Europas. Weniger bekannt ist er als profilierter Komponist. Gastbeitrag von Markus Ganz

Heiri Kaenzig Jazzpreis 2016 FONDATION SUISA

«Sein Variantenreichtum und seine Fingerfertigkeit machen ihn zu einem Virtuosen auf seinem Instrument», schreibt die FONDATION SUISA in der Medienmitteilung zur Vergabe des Jazzpreises über den diesjährigen Gewinner Heiri Känzig. (Foto: Pablo Faccinetto)

In der internationalen Jazzszene ist Heiri Känzig wohl bekannter als in der Schweizer Öffentlichkeit. Der Kontrabassist hat eben nie die Aufmerksamkeit der breiten Masse gesucht, sondern immer mit schlichter Musikalität überzeugt. Der 1957 geborene Zürcher ging zudem der Musik wegen schon in jungen Jahren ins Ausland und lebte lange in Städten wie Wien, München und Paris. Schmunzelnd erinnert sich Heiri Känzig im Gespräch daran, dass ihn Mathias Rüegg dazu ermuntert hatte, das Gymnasium in Schiers abzubrechen und in Graz an der Musikhochschule zu studieren. Später folgte er dem Mitgründer des Vienna Art Orchestras nach Wien, das auch für ihn zum Sprungbrett in die internationale Jazzszene werden sollte.

Wien als Ausgangspunkt

Von 1977 an war Heiri Känzig 15 Jahre lang Mitglied des Vienna Art Orchestras und spielte schon auf deren Debüt, der Single (!) «Jessas na» (1978): «eine verrückte Platte». So wurde er Teil einer innovativen Szene und machte sich offensichtlich schnell eine guten Namen als Kontrabassist. Denn schon 1978 wurde er Begleitmusiker des Bebop-Trompeters Art Farmer. Seither hat Heiri Känzig mit zahlreichen Grössen des Jazz wie Art Lande, Kenny Wheeler, Lauren Newton, Billy Cobham und Ralph Towner gespielt; besonders nah stand ihm Charlie Mariano. Ungewöhnlich ist auch, dass er 1991 als erster Nicht-Franzose Mitglied des französischen «Orchestre National de Jazz» wurde.

Heiri Känzig betont aber, dass er sich nicht einfach als Jazzmusiker fühle: «Mir gefällt es, unterschiedliche Arten von Musik zu spielen». Dies zeigte er etwa mit dem «Tien Shan Schweiz Express» (mit Musikern aus Kirgistan, Chakassien, der Mongolei, der Schweiz und Österreich) oder einem Projekt mit dem algerischen Oud-Spieler Chaouk Smahi. Er hat zudem im Studio auch für Nena und Andreas Vollenweider gespielt. Tatsächlich erstaunt, dass Heiri Känzig, den man vor allem als Live-Musiker kennt, gemäss seiner Biografie auf rund 130 Alben gespielt hat. Mittlerweile seien es wohl deutlich mehr, meint er abwinkend, aber dazu zählten alleine rund dreissig mit dem Vienna Art Orchestra.

Unterschätzter Komponist

Als Konstante von Heiri Känzigs Karriere erweist sich die Zusammenarbeit mit Thierry Lang, die schon vor dessen Vertrag mit dem legendären Label Blue Note begonnen habe. Seit etwa 25 Jahren spiele er mit dem Westschweizer Pianisten zusammen, meistens im Trio, manchmal auch mit Gastmusikern, aktuell sogar mit einem Streichquartett. Und er trage zunehmend auch Kompositionen bei. Als Co-Leader wirkt Heiri Känzig zurzeit vor allem mit dem Jazz-Urgestein Chico Freeman im Duo und im «4-tet», mit dem «Cholet Kaenzig Papaux Trio» und mit Depart, dem 1985 mit Harry Sokal gegründeten Trio, in dem nun Martin Valihora Schlagzeug spielt.

Auf dem spannungsgeladenen letzten Depart-Album «Refire» (2014) stammen die meisten Stück von Heiri Känzig. Trotzdem wird er oft lediglich als «versierter Begleiter» oder ähnlich beschrieben. «Als Bassist ist man nun mal nicht der Frontman, wie es bei einem Trompeter oder Pianist eher der Fall ist», meint er gelassen. «Der Bass ist primär ein Begleitinstrument, ein tiefes zudem, das man auch rein akustisch weniger leicht wahrnimmt als andere Instrumente.» Heiri Känzig bestätigt auch, dass der Bass die Funktion hat, die verschiedenen Arten von Instrumenten zu verbinden. Und er fügt lachend an: «Wir Bassisten sind gewissermassen die Diplomaten unter den Musikern, die zwischen Melodie, Harmonie und Rhythmus vermitteln; deshalb sind wir wohl so konziliante Menschen …».

Virtuosität und Klang

Beim Komponieren mache er sich aber keine Gedanken über die Funktion des Basses, sondern spiele einfach, häufig zudem am Klavier. «Am Anfang einer Komposition stehen entweder Basslinien, die ich mir förmlich erspiele und die mich inspirieren. Dies sind aber eher rhythmische Ansätze, wogegen ich beim Klavier eher den harmonischen Aspekt auslote.» Das sind zwei grundsätzlich verschiedene Vorgehensweisen, und doch gibt es bei der weiteren Entwicklung der Stücke eine Gemeinsamkeit. «Das Komponieren ist ein sehr spannender Vorgang, weil man nicht weiss, wohin es einen führt. Man hat keinen Schimmer, und doch sagt einem immer etwas, wo man durchgehen muss.»

In Medienberichten wird immer wieder die Virtuosität von Heiri Känzig hervorgehoben. «Und natürlich kann man sich sagen», meint er achselzuckend, «dass dies beim Bass gar keinen Sinn macht, da die tiefen Töne ohnehin oft nicht recht zu hören sind. Aber ich füge der Musik damit Farbe hinzu, manchmal schon fast ein Klanggewitter.» Dies trägt stark dazu bei, dass sein Spiel sehr individuell, einzigartig wirkt. Heiri Känzig kann sich dies allerdings nicht recht erklären. «Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass ich ganz selten kopiert habe.»

Heiri Känzig wurde 1957 geboren und wuchs in Zürich und Weiningen auf. In Graz, Wien und Zürich studierte er Musik. Seit 1990 lebt er in Meilen und ist seit 2002 Professor für Kontrabass an der Hochschule für Musik in Luzern. Die Singer-Songwriterin Anna Känzig ist seine Nichte; ein gemeinsamer Auftritt ist im Mai 2017 geplant. ‒ Der mit 15 000 Franken dotierte Jazzpreis 2016 ((2)) wird Heiri Känzig im Rahmen eines besonderen Matinée-Konzertes am Sonntag, 4. Dezember 2016 um 11 Uhr im Moods Zürich ((3)) verliehen. Heiri Känzig wird zusammen mit Chico Freeman und Thierry Lang auftreten, zuerst je im Duo, danach im Trio.
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Traditionelle Volksmusik als Basis für komplexere Kompositionen

Der Komponist und Akkordeonist Franz «Fränggi» Gehrig erhält den Preis der FONDATION SUISA 2016. Der jährlich verliehene Anerkennungspreis der Musikförderstiftung der SUISA wird 2016 in der Kategorie «neue, aktuelle Schweizer Volksmusik» vergeben. Ein Interview mit dem 30-jährigen Urner Preisträger über die Auszeichnung, sein musikalisches Schaffen und den Reiz von alter wie neuer Volksmusik.

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Fränggi Gehrig begann als 8-Jähriger Akkordeon zu spielen. An der Hochschule Luzern studiert er Akkordeon im Profil Jazz mit Schwerpunkt Volksmusik und belegt das Fach Komposition. (Foto: Blatthirsch.ch)

Fränggi Gehrig, Sie werden mit dem Preis der FONDATION SUISA 2016 in der Kategorie «neue, aktuelle Schweizer Volksmusik» ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Fränggi Gehrig: Die Auszeichnung kam für mich total unerwartet, denn ich hatte bei der Eingabe des Preises keine Ahnung, ob ich mir überhaupt Chancen ausrechnen kann. Umso mehr freue ich mich natürlich jetzt und ich fühle mich wirklich sehr geehrt, dass ich diese Auszeichung entgegennehmen darf.

Mit der Volksmusik sind viele Traditionen verbunden. Was sind die Herausforderungen, wenn man Volksmusik neu und aktuell gestalten will?
Das Wichtigste finde ich, dass man dabei seine Wurzeln nicht vergisst. Man muss aufpassen, dass man nicht willkürlich Melodien anders harmonisiert oder rhythmisch verändert und dabei sagt, es handle sich jetzt um neue Volksmusik.
Ich glaube, dass die Verbindung zwischen «Traditionellem» und «Neuem» gar nicht gelingt, wenn man diese Traditionen nicht über eine sehr lange Zeit intensiv gelebt hat. Gerade die traditionelle Volksmusik ist sehr schwierig zu erlernen. Es braucht während Jahrzehnten etliche Freinächte und eben so viele Stunden Übung im stillen Kämmerlein, um in dieser richtig heimisch zu werden. Meine Meinung ist, dass man diesen Background benötigt, um die Volksmusik sinnvoll neu und aktuell zu gestalten.

Man kann Sie zum einen häufig am Akkordeon als Interpret von alten volkstümlichen Werken hören. Zum anderen schreiben Sie für Formationen wie Rumpus, Stegreif GmbH oder die Alpini Vernähmlassig, wo Sie ebenfalls mitspielen, auch eigene Kompositionen. Was macht für Sie den Reiz einerseits am Interpretieren von alter und anderseits am Komponieren von neuer Musik aus?
Ich mag grundsätzlich die Abwechslung und die Vielfalt an verschiedenen Projekten in meiner Tätigkeit.  Wie schon gesagt, die traditionelle, «alte» Musik ist meine Basis, damit bin ich gross geworden und ich spiele sie immer noch sehr gerne. Ich finde, diese passt auch besser in eine gemütliche Beiz, wo getanzt wird, anstatt in einen Konzertsaal. Auf der anderen Seite eignen sich meine etwas komplexeren Kompositionen besser für Konzertsituationen. Das Zielpublikum ist dabei zum Teil total verschieden, man bewegt sich praktisch in zwei Welten. Diese Abwechslung gefällt mir und gibt mir den Anreiz, nach wie vor beides zu machen und manchmal zu kombinieren.

Vor 6 Jahren sind Sie der Schweizer Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik beigetreten. Welchen Nutzen hat die Mitgliedschaft bei der SUISA für Sie?
Ich kann meine Werke urheberrechtlich schützen lassen und profitiere natürlich davon, wenn meine Kompositionen in der Öffentlichkeit gespielt werden.

Haben Sie bereits Idee, wozu Sie das Preisgeld, das Ihnen durch die Auszeichnung der FONDATION SUISA zuteil wird, verwenden werden?
Ich werde mir ziemlich sicher ein gutes Instrument gönnen, mit dessen Kauf ich schon länger geliebäugelt habe.

Welche der vielen Formationen, in denen Sie mitwirken, liegt Ihnen im Moment oder in der nächsten Zukunft besonders am Herzen?
Mein Ziel ist es, mein eigenes Quintett in Zukunft etwas voranzutreiben. Daneben hoffe ich, dass ich wie bisher mit meinen Formationen, Musikkolleginnen und -kollegen weiterhin viele tolle Momente erleben darf.

Offizielle Website: www.fraenggigehrig.com

Der Preis der FONDATION SUISA ist ein Anerkennungspreis, mit dem herausragendes Schaffen ausgezeichnet wird, das zur Bereicherung des musikalischen Erbes der Schweiz beiträgt. Der Preis wird von der Musikförderstiftung der SUISA jährlich in abwechselnden Kategorien vergeben und ist mit 25 000 Franken dotiert. Die letzten Preisträger waren: Aliose (Kategorie «Musique de variéte»), Gary Berger («instrumentale/vokale Komposition und Elektronik»), Ruh Musik AG («Musikverlagswesen»), Trummer («Singer/Songwriter») sowie Michel Steiner und Willi Valotti («Schweizer Volksmusik»).

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Fraenggi-Gehrig-Preis-der-FONDATION-2016

Fränggi Gehrig begann als 8-Jähriger Akkordeon zu spielen. An der Hochschule Luzern studiert er Akkordeon im Profil Jazz mit Schwerpunkt Volksmusik und belegt das Fach Komposition. (Foto: Blatthirsch.ch)

Fränggi Gehrig, Sie werden mit dem Preis der FONDATION SUISA 2016 in der Kategorie «neue, aktuelle Schweizer Volksmusik» ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Fränggi Gehrig: Die Auszeichnung kam für mich total unerwartet, denn ich hatte bei der Eingabe des Preises keine Ahnung, ob ich mir überhaupt Chancen ausrechnen kann. Umso mehr freue...Weiterlesen

Jazzahead! 2016: Der Schweizer Jazz im Fokus

Grosse Ehre für die eidgenössische Jazzszene: Die Schweiz ist das offizielle Gastland an der Jazz-Fachmesse Jazzahead! vom 21. bis 24. April und dem dazugehörigen Festival vom 7. bis 24. April 2016 in Bremen. Der Schweizer Schwerpunkt wird von der FONDATION SUISA und Pro Helvetia in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Musik Syndikat organisiert. Der Projektverantwortliche der FONDATION SUISA, Marcel Kaufmann, erklärt im Gespräch, weshalb die Jazzahead! für den Schweizer Jazz wichtig ist.

Jazzahead-Aushang-Eingang

Über 3000 Teilnehmer aus 55 Ländern besuchten 2015 die Fachmesse Jazzahead! in Bremen. (Foto: Marcel Kaufmann)

Marcel Kaufmann, der Schweizer Jazz erhält dieses Jahr an der Jazzahead! eine grossartige Plattform. Was machen die FONDATION SUISA und ihre Partner, um die hiesige Jazzszene an diesem internationalen Festival zu promoten?
Marcel Kaufmann: Zunächst organisieren wir einen gemeinschaftlichen Schweizer Auftritt im Rahmen der Jazzahead! und geben der Schweiz und allen Schweizer Messeteilnehmern damit an einem zentralen Ort an der Messe ein Gesicht. Als Hauptplattform zum Finden und Gefunden werden steht der Schweizer Gemeinschaftsstand auch dieses Jahr kostenlos zur Verfügung. Über die Website der FONDATION SUISA kann man sich noch bis zu Beginn der Messe anmelden.
Zusätzlich werden dieses Jahr noch diverse andere Spots und Events den Schweizer Jazz und dessen Vertreter ins Zentrum rücken. Allen voran die «Swiss Night», die Eröffnungsnacht des Showcase-Festivals am 21. April. Hier präsentieren sich acht Schweizer Jazz-Acts dem internationalen Fachpublikum.
Als Gastland steht die Schweiz im Fokus und wird deshalb vom internationalen Messepublikum noch stärker wahrgenommen werden als in den vergangenen Jahren. Wir besitzen eine starke und ungewöhnlich vielschichtige Jazzszene. Unser Ziel ist es, unsere Qualitäten und unsere Vielseitigkeit unter dem Motto «schweizsuissesvizzerasvizra» den Menschen so zu präsentieren, dass der Nachklang unseres Auftrittes weit über das Ende der Messe anhalten wird.

Die FONDATION SUISA, Pro Helvetia und das Schweizer Musik Syndikat haben im Zusammenhang mit der Jazzahead! 2016 die Website www.switzerland-jazzahead.com ins Leben gerufen. Was ist das Ziel dieser Website?
Die Website ist ein Kompass und Info-Tool zur Schweizer Partnerland-Präsenz an der jazzahead! 2016. Hier kann man sich vor und während der Messe jederzeit einen Überblick über das Schweizer Programm verschaffen und sich seine persönlichen Highlights herauspicken. Dazu beleuchtet die Website die Künstlerinnen und Künstler, gibt Auskunft zur Schweizer Teilnehmerschaft in Bremen und enthält auch allgemeine Informationen rund um das Thema Jazz in und aus der Schweiz. Und natürlich gibt es auf der Website auch Musik zu hören.

Die Freude war gross, als letztes Jahr die Schweiz als Gastland der Jazzahead! 2016 bekanntgegeben wurde. Wie ist es dazu gekommen, dass der Schweiz diese Ehre zuteil wurde?
Das Partnerland wird durch die Messeleitung bestimmt. Dabei legt die Jazzahead! grossen Wert darauf, dass die Wahl aufgrund von künstlerischen, und nicht etwa finanziellen Kriterien erfolgt. Die Schweiz hat sich in Bremen in den vergangenen Jahren als starke Jazz-Nation bemerkbar gemacht. So gab es kaum ein anderes Land, von dem es mehr Showcase-Acts ins offizielle Programm schafften: In fünf Jahren waren es 14 Bands, hinzu kommen acht dieses Jahr. Mit Hildegard lernt fliegen schaffte 2012 eine Band dank einem Jazzahead!-Showcase den internationalen Durchbruch.
Ausserdem ist die Fachteilnehmerzahl aus der Schweiz seit 2011 Jahr für Jahr gestiegen. Und schliesslich dürfte auch das jahrelange Engagement der FONDATION SUISA und Pro Helvetia mit der Schweizer Gemeinschaftspräsenz seinen Teil dazu beigesteuert haben.
Alles in allem hat sich die Schweiz für diese Ehre wohl auf gut schweizerische Art empfohlen: mit Qualität und Kontinuität.

Weshalb sollte man als Schweizer Jazzmusiker oder Veranstalter von Jazz-Konzerten an der Jazzahead! anwesend sein?
Für Musiker ist es besonders interessant, einen der heissbegehrten Showcase-Plätze zu erwischen. Diese werden jeweils zwischen September und November ausgeschrieben und anschliessend von einer unabhängigen Jury bestimmt. Das Fachpublikum ist hochkarätig bestückt mit Veranstaltern von renommierten internationalen Festivals und Clubs. Aber auch Label-Chefs und Jazzjournalisten sind jeweils in grosser Zahl vor Ort. Zudem gibt es im Gegensatz zu anderen Showcase-Festivals nur wenige Bühnen, so dass sich das Publikum nicht allzu sehr verteilt.
Konnte man für sich keinen Showcase ergattern, so lohnt es sich dennoch, die Messe zu besuchen, denn das oben erwähnte Fachpublikum ist auch tagsüber da. Man trifft sich, man begegnet sich auf dem Gang oder am Stand. Die grosse Kunst besteht darin, Kontakte zu knüpfen. Hier versuchen wir, eine gewisse Hilfestellung zu bieten.
Für Veranstalter mit internationaler Ausrichtung ist das Showcase-Festival ein Must. Es gibt keinen zweiten Ort, an dem man als Jazz-Veranstalter mit so vielen Vertretern derselben Berufsgattung aus den unterschiedlichsten Nationen in Kontakt kommt. Aber natürlich auch mit vielversprechenden Künstlerinnen und Künstlern und deren Entourage. Diese Beziehungen werden geknüpft und gepflegt.
Ein langjähriger Jazzahead!-Teilnehmer hatte es mir gegenüber einmal so beschrieben: «Nirgends lässt sich der Puls des internationalen Jazz besser fühlen als an der Jazzahead!.»

Wie kann sich ein Besucher vorbereiten, damit er den grösstmöglichen Nutzen vom Messebesuch erzielen kann?
Die Antwort steckt eigentlich schon in der Frage drin: Das A und O ist die Vorbereitung. Wer an die Jazzahead! mit leerem Terminkalender reist, der hat es schwer. Die Agenden sind meist schon vor der Messe gefüllt. Deshalb ist es unbedingt zu empfehlen, die Teilnehmerdatenbank frühzeitig durchzugehen und Termine zu vereinbaren. Gleichzeitig sollte man das Messe- und Festivalprogramm genau studieren. Zum einen, um sich interessante Konzerte und Konferenzen zu merken. Zum anderen aber auch, um abschätzen zu können, wo man vielleicht auch noch «zufällig» auf jemanden stossen könnte, den man im Vorfeld nicht erreicht hat. Mein Tipp: Die Cocktail-Empfänge der Länderstände sind dafür bestens geeignet.
Zudem gilt die Regel: An der Jazzahead! wartet niemand auf dich! Das heisst: Wenn ich meine Musik oder meine Dienstleistung an den Mann oder die Frau bringen will, dann muss ich etwas vorzuweisen haben: Promo-Material, Aufnahmen und Videos gehören ins Gepäck. Und ebenso wichtig: Ich muss eine Geschichte zu erzählen haben. Ansonsten wird es schwierig. Die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht.
Der Schweizer Gemeinschaftsstand bietet die Möglichkeit zur Präsentation von Promo- und Info-Material, aber auch Sitzgelegenheiten für Meetings mit künftigen Geschäftspartnern. Und dies kostenlos. Das Standpersonal ist gerne behilflich beim Knüpfen von Kontakten und Weiterreichen von Informationen.

Die FONDATION SUISA ist mittlerweile zum neunten Mal an der Jazzahead! dabei. Welche Erfahrungen habt Ihr in den vergangenen Jahren mit Eurer Präsenz an dieser Musikfachmesse gemacht? Wieviele Besucher nutzen die Infrastruktur, welche die FONDATION SUISA an der Jazzahead! anbietet?
In erster Linie gelang es uns der Welt zu zeigen, dass eine grossartige und international konkurrenzfähige Schweizer Jazzszene existiert. Als Gastland wollen wir diese Einsicht beim internationalen Publikum nachhaltig zementieren.
Die Jazzahead! ist längst zu einer der wichtigsten Drehscheiben des internationalen Jazz-Business geworden und erlebt als Messe einen eigentlichen Boom. So hat sich die Gesamtzahl der Fachteilnehmer innerhalb der letzten sechs Jahren von 1500 auf 3000 Personen verdoppelt – Tendenz steigend. Wir haben diesen Trend frühzeitig erkannt und uns entsprechend gut positioniert. Der Gemeinschaftsstand ist zum «Schweizer Domizil» geworden, zur ersten Anlaufstation für die internationalen Fachteilnehmer, wenn es um Kontakte oder Informationen geht. Wir stellen deshalb mit Zufriedenheit fest, dass wir mit unseren Fördermassnahmen auf dem richtigen Weg sind. Das bestätigen uns auch Jahr für Jahr die Schweizer Teilnehmer. Für dieses Jahr haben wir bereits über 60 Anmeldungen für unseren Stand. Allerdings ruhen wir uns auf diesen Erfolgszahlen nicht aus. Wir bleiben wachsam, was die Veränderungen in der Jazzszene angeht, und wir nehmen auch konstruktive Kritik unserer Mitaussteller ernst. Das Ziel ist und bleibt es, den Schweizer Jazz auf diesem internationalen Parkett bestmöglichst zu repräsentieren.

Was sind für Dich die Highlights der diesjährigen Jazzahead! – abgesehen vom Schweizer Schwerpunkt?
Ich freue mich sehr auf die Swiss Night vom 21. April. Die Schweizer Showcase-Acts werden ein starkes Zeichen setzen für das Partnerland Schweiz, da bin ich überzeugt. Aber auch das Gala-Konzert in der Bremer Glocke mit Nik Bärtsch’s Ronin und Hildegard lernt fliegen wird zweifellos ein Highlight.

Weiterführende Informationen:
www.switzerland-jazzahead.com
Informationsseite der FONDATION SUISA zur Jazzahead!
www.jazzahead.de (offizielle Website der Musikmesse)

Jazzahead-2015-Schweizer-StandRückblick und Ausblick auf die jazzahead! Die 10. jazzahead! vom 23. bis 26. April 2015 in Bremen bescherte einige Neuigkeiten: eine neue Location, einen neuen Teilnehmerrekord und einen neuen Schweizer Gemeinschaftsstand. Ganz zum Schluss folgte dann auch noch die Bekanntgabe des Partnerlands der nächsten jazzahead!: An der Messe 2016 wird die Jazzszene der Schweiz im Mittelpunkt stehen. Weiterlesen
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Grosse Ehre für die eidgenössische Jazzszene: Die Schweiz ist das offizielle Gastland an der Jazz-Fachmesse Jazzahead! vom 21. bis 24. April und dem dazugehörigen Festival vom 7. bis 24. April 2016 in Bremen. Der Schweizer Schwerpunkt wird von der FONDATION SUISA und Pro Helvetia in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Musik Syndikat organisiert. Der Projektverantwortliche der FONDATION SUISA, Marcel Kaufmann, erklärt im Gespräch, weshalb die Jazzahead! für den Schweizer Jazz wichtig ist.

Jazzahead-Aushang-Eingang

Über 3000 Teilnehmer aus 55 Ländern besuchten 2015 die Fachmesse Jazzahead! in Bremen. (Foto: Marcel Kaufmann)

Marcel Kaufmann, der Schweizer Jazz erhält dieses Jahr an der Jazzahead! eine grossartige Plattform. Was machen die FONDATION SUISA und ihre Partner, um die hiesige Jazzszene an diesem internationalen Festival zu promoten?
Marcel Kaufmann: Zunächst organisieren wir einen gemeinschaftlichen Schweizer Auftritt im Rahmen der Jazzahead! und geben...Weiterlesen

Kandidaturen für den Filmmusikpreis 2016 der FONDATION SUISA

Filmmusik wird häufig unterschätzt. Mit dem Filmmusikpreis der FONDATION SUISA wird die Wichtigkeit der musikalischen Arbeiten im Film hervorgehoben. Kandidaturen für den diesjährigen Preis in der Kategorie Spielfilm können bis am 13. Mai 2016 eingereicht werden.

Filmmusikpreis Locarno Piazza

Die Verleihung des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA findet im August im Rahmen des Internationalen Filmfestivals Locarno statt. (Foto: Vogel / Shutterstock.com)

«Es gibt eigentlich keinen Grund, warum nicht ein anspruchsvoller Komponist, der mit einem intelligenten Produzenten an einem künstlerisch ergiebigen Filmprojekt arbeitet, Anspruch darauf hätte, daß seine Filmmusik nach denselben Maßstäben bewertet wird, die an seine Konzertmusik angelegt werden.»

Die Aussage von Aaron Copland, zitiert nach dem Buch «Filmmusik: die grossen Filmkomponisten – ihre Kunst und ihre Technik» von Tony Thomas, stammt aus dem Jahr 1949. Copland, der die zeitgenössische amerikanische E-Musik wesentlich prägte, komponierte auch Filmmusik.

Die Wichtigkeit der Filmmusik

Noch heute wird Filmmusik oft unterschätzt: «Gerade dann, wenn sie ihre Aufgabe sehr gut erfüllt. Dann nimmt man sie häufig gar nicht richtig wahr, weil man nicht bewusst zuhört – und das ist meistens auch ihre Aufgabe», sagte Mathias Spohr im Interview auf dem SUISAblog. Der Musik- und Medienwissenschafter war der künstlerische Leiter der von der FONDATION SUISA herausgegebenen Box «Swiss Film Music». Diese Anthologie bietet mit drei CDs, einer DVD und einem Buch einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Schweizer Filmmusik von 1923 bis 2012.

Die Fachjury des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA hört bei den eingereichten Kompositionen sehr bewusst und genau hin. Seit mehr als 15 Jahren vergibt die Musikförderstiftung der SUISA diesen Preis und unterstreicht damit die Wichtigkeit von musikalischen Arbeiten in der 7. Kunst.

Preis 2016 in der Kategorie Spielfilm

Auf der Liste der bisherigen Preisträger finden sich die Namen von renommierten Schweizer Filmmusikkomponisten wie Alex Kirschner (Preisträger im Jahr 2000), Balz Bachmann (2003 und 2006), Niki Reiser (2001 und 2011), die Geschwister Baldenweg (2010) und Marcel Vaid (2009). Die letztjährige Auszeichnung, erstmals vergeben in der Kategorie Dokumentarfilm, wurde an Peter Scherer verliehen, der den Preis nach 2007 zum zweiten Mal erhielt.

2016 wird der mit 25 000 Franken dotierte Preis in der Kategorie Spielfilm vergeben. Zugelassen sind Originalkompositionen zu Spielfilmen ab einer Gesamtdauer von 60 Minuten, veröffentlicht entweder 2015 oder 2016. Kandidaturen können bis am Freitag, 13. Mai 2016, eingereicht werden.

Mehr Informationen zur Ausschreibung und das Reglement des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA gibt es unter: www.fondation-suisa.ch/filmmusikpreis

Filmmusikpreis-2015«Die schwierigste Frage ist, welcher Klang zum Film passt»Anlässlich des Festival del film Locarno im August ist der Schweizer Komponist Peter Scherer mit dem Filmmusikpreis 2015 der FONDATION SUISA ausgezeichnet worden. Er erhielt den mit 25 000 Schweizer Franken dotierten Preis für seine Musik zum Film «Dark Star – HR Gigers Welt» von Regisseurin Belinda Sallin. Im Gespräch im Vorfeld der Preisverleihung erzählte das SUISA-Mitglied Peter Scherer unter anderem von den Herausforderungen beim Komponieren von Filmmusik. Weiterlesen
Swiss-Film-Music-Anthologie«Schweizer Filmmusik zeigt eine grosse Vielfalt und hohe Qualität»Die von der FONDATION SUISA herausgegebene Box «Swiss Film Music» bietet mit drei CDs, einer DVD und einem Buch einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Schweizer Filmmusik von 1923 bis 2012. Ein Gespräch mit dem Musik- und Medienwissenschaftler Mathias Spohr, der als künstlerischer Leiter wirkte. Weiterlesen

 

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Filmmusik wird häufig unterschätzt. Mit dem Filmmusikpreis der FONDATION SUISA wird die Wichtigkeit der musikalischen Arbeiten im Film hervorgehoben. Kandidaturen für den diesjährigen Preis in der Kategorie Spielfilm können bis am 13. Mai 2016 eingereicht werden.

Filmmusikpreis Locarno Piazza

Die Verleihung des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA findet im August im Rahmen des Internationalen Filmfestivals Locarno statt. (Foto: Vogel / Shutterstock.com)

«Es gibt eigentlich keinen Grund, warum nicht ein anspruchsvoller Komponist, der mit einem intelligenten Produzenten an einem künstlerisch ergiebigen Filmprojekt arbeitet, Anspruch darauf hätte, daß seine Filmmusik nach denselben Maßstäben bewertet wird, die an seine Konzertmusik angelegt werden.»

Die Aussage von Aaron Copland, zitiert nach dem Buch «Filmmusik: die grossen Filmkomponisten – ihre Kunst und ihre Technik» von Tony Thomas, stammt aus dem Jahr 1949. Copland, der die zeitgenössische amerikanische E-Musik wesentlich prägte, komponierte auch Filmmusik.

Die Wichtigkeit...Weiterlesen

Lionel Friedli, ein vielseitiger Impulsgeber

Die FONDATION SUISA hat Lionel Friedli mit dem diesjährigen Jazzpreis ausgezeichnet. Der Bieler Schlagzeuger kombiniert in seinem dynamischen Spiel die Wucht des Rock mit den Freiheiten des Jazz. Damit prägt er die Musik vieler unterschiedlicher Gruppen. Gastbeitrag von Markus Ganz

Lionel-Friedli

Ein «Sideman», der «jedem Projekt, in dem er mitspielt, einen Mehrwert verleiht», sagt die Jury des Jazzpreises der FONDATION SUISA über den diesjährigen Gewinner Lionel Friedli. (Foto: Fabrice Nobs)

Trotz unzähliger Konzerte ist Lionel Friedli in einer breiteren Öffentlichkeit noch wenig bekannt. Der 40-jährige Bieler hat eben keine eigene Band. Und in den vielen Gruppen, in denen der gefragte Musiker spielt, drängt er sich nicht in den Vordergrund. Er versteht sich bescheiden als begleitender «Sideman» ‒ und bewirkt mit seinem wuchtigen und doch vielfältigen Spiel doch viel mehr, weil er Impulse an seine Mitmusiker zu geben versteht. Lionel Friedli ist auch deshalb schwer zu fassen, weil er nicht ein reiner Jazz-Schlagzeuger ist. Er gehört zu einer neuen Generation von Jazzmusikern, die einen breiten stilistischen Hintergrund haben und diesen in ihr Spiel einfliessen lassen.

Frühe Prägung

«Jazz war der Soundtrack meiner Kindheit, weil meine Eltern Jazz-Fans waren und deshalb oft solche Musik zuhause lief», erklärt Lionel Friedli. «Diese klangliche Umgebung hat mich aber eher unbewusst beeinflusst, denn ich war schon früh ein Fan von Madonna und Michael Jackson, später kamen James Brown und Rockmusiker hinzu.» Im Alter von 15 bis 18 habe er Jazz schliesslich altmodisch gefunden. Durch ein Album von John Pattitucci fand er zurück zum Jazz, insbesondere zur Fusion, war fasziniert von der Virtuosität. «Dadurch wurde ich angestachelt, die Vinylsammlung meiner Eltern neu zu entdecken. Ich hörte mir die Musik nun mit neuen Ohren an ‒ bewusst.» Und Lionel Friedli begeisterte sich bald für wegweisende Jazzer wie John Coltrane, Charlie Parker und Miles Davis. Dann kam eine Phase, in der er vom Free Jazz angezogen wurde.

Der Jazz war auch wichtig für Lionel Friedlis musikalische Ausbildung. «Da ich schon als Primarschüler von Schlagzeugern fasziniert war und ständig auf Karton trommelte, suchte meine Mutter nach einem passenden Lehrer am Konservatorium Biel.» Sie stiess auf Norbert Pfammatter, der den damals Elfjährigen zu unterrichten begann ‒ und etliche Jahre später auch zu seinen Dozenten an der Musikhochschule Luzern gehörte. Der bekannte Jazzmusiker brachte ihm schon zu Beginn nicht nur Jazz-Rhythmen bei. «Ich lernte die Grundlagen, und dazu gehörten etwa auch afro-kubanische Rhythmen, die ich selbst selten einsetze. Aber sie waren als Koordinationsübungen für das unabhängige Spiel der Glieder sehr wichtig.»

Dichte und Dynamik

Aus der oft zu hörenden Wucht von Lionel Friedlis Spiel spricht deutlich der Rock. «Ich mag das Binäre dieses Genres», bestätigt der Bieler, «aber ich will damit improvisieren können.» Es kann denn auch nicht überraschen, dass er von ähnlich orientierten Schlagzeugern wie Jim Black und Joey Baron schwärmt. Und wie bei diesen ist nicht die reine Wucht das Ziel, sondern die Dynamik, die er damit in die Musik bringen kann. Dazu gehört, dass er die Dichte seines Spiels variiert, «um die Textur der Musik zu verändern». Weniger offensichtlich ist der Einfluss des Hip-Hop. «Ich habe ihn erst spät entdeckt», gesteht Lionel Friedli. «Aber mir wurde klar, dass auch er Wurzeln im Jazz hat und heute einen ähnlichen Spirit der Alternative bietet, eine andere Perspektive auf die Politik etwa.» Dass Lionel Friedli auch einen musikalischen Bezug zu diesem Genre hat, zeigt sich in einer begeisterten Aufzählung von den Beastie Boys über Dr. Dre («diese Beats!») bis zu D’Angelo mit Questlove («grandios»). «Bis heute gefällt mir einiges, aber die Attitüde nervt mich oft.»

Lionel Friedli spielt in unüberschaubar vielen Bands. «Wenn sich ein Zeitfenster öffnet und eine interessante Anfrage kommt, mache ich mit», erklärt er schmunzelnd. «Deshalb kann ich ‒ abgesehen von gelegentlichen Vertretungen im Musikunterricht ‒ allein vom Musizieren leben.» Schwierigkeiten bei der menschlichen und musikalischen Integration kenne er trotz der vielen Projekte nicht, da es meist um eine langfristige Zusammenarbeit gehe. «Ich bin nicht ein Session-Dummer. Passend zur Musik der jeweiligen Gruppe versuche ich verschiedene Aspekte meines Spiels einzusetzen. Es ist ein Prozess, der vor allem in den Proben geschieht.» Wenn mit Partituren gearbeitet wird, versucht er seinen Part baldmöglichst auswendig zu lernen. «Ich fühle mich danach freier und kann mich darauf konzentrieren, was rund um mich geschieht, und darauf reagieren.»

Mehr Abenteuer

Ein eigenes Projekt hat Lionel Friedli nach wie vor nicht, obwohl er sich eines wünsche. «Ich will es nicht erzwingen. Es muss sich von alleine ergeben aus der Lust und der Dringlichkeit.» Und eigentlich, meint er augenzwinkernd, komme das Duo Qoniak mit Vincent Membrez einem Soloprojekt schon recht nahe. Was er sich denn sonst noch wünsche? «Noch mehr Abenteuer mit noch mehr Musikern», antwortet er, ohne zu zögern, «denn der Austausch ist mir sehr wichtig». Vor zu vielen Konzerten fürchtet er sich nicht. Zurzeit seien es so 120 bis 130 pro Jahr, es seien auch schon 150 gewesen, aber Cracks wie Jim Black spielten bis zu 230. «Toll fände ich vor allem, wenn ich noch mehr international auftreten könnte. Ich habe schon in Südamerika und in China gespielt, was ich inspirierend fand.»

Lionel Friedli wurde 1975 in Moutier geboren, seit Anfang der 1980er Jahre lebt er in Biel. Mit elf Jahren erhielt er erstmals Schlagzeugunterricht, 2005 schloss er seine Ausbildung an der Musikhochschule Luzern im Bereich Jazz ab. Bereits seit 1998 spielt er im Trio seines Mitstudenten Lucien Dubuis, mit dem er schon sieben Alben eingespielt und auch international viele Konzerte gegeben hat. Lionel Friedli ist schon mit Musikern wie Heiri Känzig, Vera Kappeler, Marc Ribot und Colin Vallon aufgetreten. Zurzeit gehört er u.a. folgenden Formationen an: Sarah Buechi Shadow Garden, Christy Doran’s New Bag, Elgar (mit Hans Koch und Flo Stoffner), Max Frankl Quartet, OZMO (mit Vincent Membrez und Pedro Lenz), Merz feat. Sartorius Drum Ensemble und Whisperings (mit Fred Frith). Am 25. November 2015 wurde ihm von der FONDATION SUISA der mit 15 000 Franken dotierte Jazzpreis verliehen. Damit wird innovatives und kreatives Schaffen im Schweizer Jazz honoriert.

Videoportrait über Lionel Friedli auf Art-tv.ch

 

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  1. JM Tschanz sagt:

    Fait vraiment plaisir de voir ce super batteur récompensé !

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Die FONDATION SUISA hat Lionel Friedli mit dem diesjährigen Jazzpreis ausgezeichnet. Der Bieler Schlagzeuger kombiniert in seinem dynamischen Spiel die Wucht des Rock mit den Freiheiten des Jazz. Damit prägt er die Musik vieler unterschiedlicher Gruppen. Gastbeitrag von Markus Ganz

Lionel-Friedli

Ein «Sideman», der «jedem Projekt, in dem er mitspielt, einen Mehrwert verleiht», sagt die Jury des Jazzpreises der FONDATION SUISA über den diesjährigen Gewinner Lionel Friedli. (Foto: Fabrice Nobs)

Trotz unzähliger Konzerte ist Lionel Friedli in einer breiteren Öffentlichkeit noch wenig bekannt. Der 40-jährige Bieler hat eben keine eigene Band. Und in den vielen Gruppen, in denen der gefragte Musiker spielt, drängt er sich nicht in den Vordergrund. Er versteht sich bescheiden als begleitender «Sideman» ‒ und bewirkt mit seinem wuchtigen und doch vielfältigen Spiel doch viel mehr, weil er Impulse an seine...Weiterlesen

«Die schwierigste Frage ist, welcher Klang zum Film passt»

Anlässlich des Festival del film Locarno im August ist der Schweizer Komponist Peter Scherer mit dem Filmmusikpreis 2015 der FONDATION SUISA ausgezeichnet worden. Er erhielt den mit 25 000 Schweizer Franken dotierten Preis für seine Musik zum Film «Dark Star – HR Gigers Welt» von Regisseurin Belinda Sallin. Im Gespräch im Vorfeld der Preisverleihung erzählte das SUISA-Mitglied Peter Scherer unter anderem von den Herausforderungen beim Komponieren von Filmmusik.

Filmmusikpreis-2015

Über die Vergabe des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA freuten sich am Tag der Preisverleihung am 7. August 2015 im Rahmen des Internationalen Filmfestivals in Locarno (v.l.n.r): Zeno Gabaglio (Jury-Mitglied Filmmusikpreis 2015 und SUISA-Vorstand), Marco Blaser (Festival del film Locarno), Preisträger Peter Scherer und Urs Schnell (Direktor FONDATION SUISA). (Foto: Giorgio Tebaldi)

Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Filmmusikpreises 2015 der FONDATION SUISA. Nach 2007 ist dies bereits das zweite Mal, dass du diesen Preis gewinnst. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?
Es ist natürlich grossartig, anerkannt zu werden, ganz  besonders auch weil dieser Preis von einer Jury von sehr kompetenten Leuten verliehen wird.

Du hast den Filmmusikpreis für den Soundtrack zum Dokumentarfilm «Dark Star – HR Gigers Welt» erhalten. HR Giger war bekannt für seine düsteren, apokalyptischen Bilder und war eine starke Persönlichkeit, die polarisiert hat. Wie bist du beim Komponieren der Musik zu diesem Dokumentarfilm vorgegangen?
Zuerst einmal habe ich sehr ausführlich mit der Regisseurin, Belinda Sallin, gesprochen, um herauszufinden, wie der Protagonist dargestellt wird und was der Film zeigen will. Es könnten unzählige Filme über HR Giger gedreht werden, aber für mich als Musiker war nicht die Frage im Vordergrund, wie ich zu HR Giger oder seinen Bildern stehe, sondern eher: Was ist der Gesichtspunkt des Filmes? Um was geht es in diesem Film und was will er wirklich zeigen?
Dann versuche ich, mir anhand eines Rohschnitts vorzustellen, welcher Klang zu diesem Film passen könnte. Das ist die schwierigste Frage, sowie zu wissen, wo die Musik ansetzen kann. Das ist meistens ein langer Prozess des Suchens, Skizzierens und Auswählens.

HR Giger hat oftmals auch ein spezielles Publikum angesprochen, das sich für düstere Filme oder harte Rockmusik interessiert. Inwiefern hat man beim Komponieren das Publikum im Kopf, das sich den Film anschauen wird?
Natürlich hat man immer einen Betrachter im Kopf, wenn man einen Film macht. Ob beim Drehbuch, beim Schnitt, bei den Schauspielern oder beim Konzept – man stellt sich immer auch einen Rezipienten vor. Man überlegt sich, wie der Film wirkt, was rüberkommt und was nicht. In dieser Hinsicht ist der Zuschauer natürlich wichtig. Aber ob jetzt eine bestimmte Zielgruppe auf ihre Rechnung kommt, spielt weder bei der Entstehung des Films noch beim Komponieren der Filmmusik eine Rolle.

Hast du HR Giger gekannt?
Ich kannte ihn nicht persönlich. Wie wahrscheinlich die meisten Leute kannte ich seine Bilder oder besser: seine exponiertesten und vielleicht auch offensichtlichsten Bilder. Während der Auseinandersetzung mit seiner Person bei der Entstehung des Films habe ich gelernt, dass er neben seiner Kunst ganz viele andere Sachen gemacht hat. Es war eine Absicht der Regisseurin, den Menschen HR Giger zu zeigen, dass er ein faszinierender Mensch war, der ein reiches Leben hatte. Es ging ihr auch darum, gewisse Vorurteile zu neutralisieren und neue Seiten von Giger zu zeigen.

Gab es seitens HR Giger Anforderungen an den Film oder die Filmmusik, oder hat er dir und der Regisseurin freie Hand gelassen?
Er war leider schon gestorben, als ich mit dem Komponieren der Filmmusik begann. Aber ich weiss von der Regisseurin, dass er eine positive Einstellung zum Film hatte.

Neben der Filmmusik komponierst und spielst du auch minimalistische elektronische Musik. Du kennst also verschiedene Facetten des Musikschaffens. Wie empfindest du den Wandel im Musikbusiness, der in den letzten Jahren vor allem bei den Tonträgern stattgefunden hat? Tangiert dieser Wandel einen Filmmusikkomponisten überhaupt?
Es gibt verschiedene Szenen und Realitäten. Zum Beispiel gibt es viele Bands, die vor allem von ihren Konzerten leben. Vom Rückgang im Tonträgermarkt ist man im Filmmusiksektor nicht so direkt betroffen. Tonträger sind nur ein sehr kleiner Teil von dem, was ich mache.

Welche Projekte stehen bei dir als nächstes an?
Ich freue mich darauf, mit Markus Imhof ein Projekt zu realisieren. Er dreht derzeit einen neuen Film zum Thema Migration, ein sehr aktuelles Thema, das mich auch sehr interessiert. Er ist ein grossartiger Regisseur. Zudem schreibe ich die Musik zu einem Dokumentarfilm von Heidi Specogna über ein politisches Thema, das die Republik Zentralafrika betrifft. Über weitere anstehende Projekte darf ich noch keine Angaben machen.

Viel Erfolg und herzlichen Dank für das Gespräch.

Peter Scherer ist Komponist, Pianist und Gitarrist. Er wurde 1953 in Zürich geboren. Sein Klavierdiplom machte er 1977 am Konservatorium Basel und studierte im Anschluss Theorie und Komposition an der Hamburger Hochschule für Musik und darstellende Kunst. 1980 zog er nach New York, wo er sich insbesondere mit elektronischer Musik beschäftigte und das Noise-Pop-Duo Ambitious Lovers gründete. Als Studiomusiker, Produzent oder Arrangeur arbeitete Peter Scherer mit Künstlern zusammen wie Laurie Anderson, Arto Lindsay, Caetano Veloso, John Zorn und Bill Frisell. Ab Ende der Achtzigerjahre schrieb er regelmässig Musik für Tanz- und Multimediaprojekte. Seit 2010 lebt Peter Scherer wieder in seiner Heimatstadt Zürich und konzentriert sich heute vor allem auf die Filmmusik. Für seine Kompositionen zum Spielfilm «Marmorera» (Regie: Markus Fischer) erhielt er 2007 erstmals den Filmmusikpreis der FONDATION SUISA. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt die Musik zu Markus Imhofs «More Than Honey», für den Peter Scherer 2013 den Schweizer Filmpreis für die beste Musik erhielt. (Text: FONDATION SUISA)
Der Filmmusikpreis der FONDATION SUISA ist mit CHF 25 000.- dotiert. Er honoriert ausserordentliche Leistungen im Bereich der Filmmusikkomposition und hat zum Ziel, die Preisträgerinnen und Preisträger zu unterstützen sowie im In- und Ausland bekannt zu machen. Der Preis wird jährlich anlässlich des Festival del film in Locarno alternierend in den Kategorien Spielfilm und Dokumentarfilm vergeben.

Die Jury des Filmmusikpreises 2015:
Jürg von Allmen (Digiton Tonstudio Zürich)
André Bellmont (Zürcher Hochschule der Künste, Zürich)
Mario Beretta (Bühnen- und Filmmusikkomponist, Zürich)
Zeno Gabaglio (Komponist und Interpret, Vacallo)
Corinne Rossi (Praesens Film, Zürich)
Yvonne Söhner (ehem. Schweizer Radio und Fernsehen SRF, Ehrendingen)

Beitrag zu Peter Scherer und seiner Filmmusik für «Dark Star – HR Gigers Welt» auf art-tv

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Filmmusikpreis-2015

Über die Vergabe des Filmmusikpreises der FONDATION SUISA freuten sich am Tag der Preisverleihung am 7. August 2015 im Rahmen des Internationalen Filmfestivals in Locarno (v.l.n.r): Zeno Gabaglio (Jury-Mitglied Filmmusikpreis 2015 und SUISA-Vorstand), Marco Blaser (Festival del film Locarno), Preisträger Peter Scherer und Urs Schnell (Direktor FONDATION SUISA). (Foto: Giorgio Tebaldi)

Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Filmmusikpreises 2015 der FONDATION SUISA. Nach 2007 ist dies...Weiterlesen

Die Schweiz ist jazzahead!-Partnerland 2016

Die jazzahead! in Bremen ist das wichtigste internationale Jazz-Fachtreffen des Jahres. Der Partnerland-Status 2016 bietet der Schweiz die Mögichkeit, die hiesige Jazzszene in ihrer ganzen Vielfalt zu präsentieren. Text von Urs Schnell, FONDATION SUISA

jazzahead2015-Schweizer-Stand

Der Schweizer Gemeinschaftsstand an der diesjährigen jazzahead! in Bremen. 2016 wird die Schweiz offizielles Partnerland der jazzahead! sein! (Foto: Marcel Kaufmann)

Der Schweizer Gemeinschaftsstand wartet auf Ihre Anmeldung

Die FONDATION SUISA und Pro Helvetia offerieren allen Schweizer Fachteilnehmenden die Möglichkeit, sich zum vergünstigten Tarif von 120 Euro (exkl. MwSt) für die jazzahead! zu akkreditieren und dazu kostenlos den Schweizer Gemeinschaftsstand in Halle 6 als Plattform und Treffpunkt an der Messe zu nutzen.

Ab sofort können Sie sich online als Mitaussteller anmelden: www.fondation-suisa.ch/jazzahead

Info-Veranstaltung jazzahead! 2016 am Jazzfestival Willisau

Das Schweizer Musik Syndikat (SMS) läd ein zum Info-Anlass jazzahead! 2016 im Rahmen des Sommer-Apéros am Jazzfestival Willisau am 29. August 2015 von 17.00 bis 19.30 Uhr in der Stadtmühle Willisau. Informationen dazu erhalten Sie über: info(at)musiksyndikat(dot)ch

Weitere Informationen zum Partnerland-Programm 2016 folgen. Für Fragen wenden Sie sich an: messen(at)fondation-suisa(dot)ch

www.jazzahead.de

Der Schweizer Schwerpunkt in Bremen wird von der FONDATION SUISA und Pro Helvetia in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Musik Syndikat (SMS) koordiniert.

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Die jazzahead! in Bremen ist das wichtigste internationale Jazz-Fachtreffen des Jahres. Der Partnerland-Status 2016 bietet der Schweiz die Mögichkeit, die hiesige Jazzszene in ihrer ganzen Vielfalt zu präsentieren. Text von Urs Schnell, FONDATION SUISA

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Der Schweizer Gemeinschaftsstand an der diesjährigen jazzahead! in Bremen. 2016 wird die Schweiz offizielles Partnerland der jazzahead! sein! (Foto: Marcel Kaufmann)

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Ab sofort können Sie sich online als Mitaussteller anmelden: www.fondation-suisa.ch/jazzahead

Info-Veranstaltung jazzahead! 2016 am Jazzfestival Willisau

Das Schweizer Musik Syndikat (SMS) läd ein zum Info-Anlass jazzahead! 2016 im Rahmen des Sommer-Apéros...Weiterlesen

Midem 2015: Sommer-Premiere top oder flop?

Mit Vertretern aus 75 Ländern und drei neuen Länderständen – Südafrika, Israel und Elfenbeinküste – hat die Musikmesse Midem im Jahr 2015 zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Tore im Sommer geöffnet.

Midem2015-OutsideView

Die Midem fand 2015 zum ersten Mal nicht im Winterhalbjahr sondern vom 5. bis 8 Juni statt. (Foto: zVg / Midem.com)

Nachfolgend ein kurzer Vergleich zwischen der Wintermesse 2014 und dem diesjährigen Sommer-Musikanlass anhand einiger Kennzahlen:

Midem 2014 2015
Teilnehmer 6150 5500
Aussteller 1236 1100
Länder 75 75
Länderpavillons 39 35
Konzerte 46 34
Journalisten 185 145
Konferenzen 120 93
(Angaben von Reed Midem)
Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand
Firmen 37 25
Personen 62 41
(Angaben von FONDATION SUISA)

Jubiläum: 50 Jahre Midem

Nächstes Jahr feiert die Midem einen runden Geburtstag – die 50. Midem – félicitations! Was wird sich ändern, was bleibt gleich? Gut informierte Quellen haben bestätigt, dass die Midem mindestens die folgenden fünf Jahre im Sommer im Palais von Cannes stattfinden soll. Zudem soll sie werktags angesetzt werden und lässt somit den Musikbranchenvertretern die Wochenenden frei. Die Midem 2016 findet von Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni 2016 Dienstag, 28. Juni bis Freitag, 1. Juli 2016 statt.

Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand 2015 zur Midem

Im Anschluss an die diesjährige Messe haben wir einige Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand gefragt, wie sie die Midem 2015 erlebt haben und ob sie voraussichtlich an der nächsten Messe wieder teilnehmen werden.

Midem2015-Oberholzer-Philipp

Marcel Oberholzer (Yes Music AG) und Irène Philipp (SUISA).

Marcel Oberholzer, Yes Music AG, www.djbobo.ch:

«Nachdem ich nun seit 19 Jahren jeweils im Januar oder Februar die Midem besucht habe, finde ich persönlich, dass der Termin im Juni nicht optimal angesetzt ist. Es gilt nun abzuwägen, wie weit sich die Jahresplanungen der Labels an diese neue Messezeit anpassen können oder werden.

Für Newcomer ist das ‹Midem Networking Village› sehr interessant, denn es zeigt die ganze Bandbreite der Musikindustrie 2015. Panels, Networking und Conferences können Business-Neulingen eine moderne und umfassende Übersicht verschaffen. Durch die vielen trendigen und zukunftsorientierten Ideen hat sich meiner Meinung nach das Durchschnittsalter der Midem-Teilnehmer etwas verjüngt.

Mit den älteren und langjährigen Business-Partnern steht man heutzutage aufgrund ‹moderner Kommunikationsmittel› täglich im Kontakt und muss nicht mehr auf das klassische ‹Jahres-Meeting› anlässlich der Midem warten. Diese Situation ist bestimmt auch ein Grund für den Besucherrückgang an der Messe. Trotzdem werden an der Midem sehr viele neue und erfolgversprechende Kontakte geknüpft.

Als Teilnehmer am Schweizer Stand der FONDATION SUISA kann man stark davon profitieren, dass man die eigenen Business-Kontakte direkt zu sich an den Stand einladen kann – das macht die Meetings stressfreier und man kann mehr Personen treffen und Termine vereinbaren, da man nicht von Halle zu Halle oder von Hotel zu Hotel pilgern muss.

Ausserdem kriegt man durch das SUISA-Standpersonal jederzeit eine professionelle und gleichzeitig kollegiale Unterstützung. Den Messestand kann man durchaus als echtes Bijou bezeichnen, denn zur grossen Standfläche gehören auch die Meeting-Plätze draussen auf dem Messe-Balkon, welche eine wunderbare Aussicht auf den Yachthafen und die Altstadt von Cannes bieten – eine traumhafte Location mit echtem Côte-d’Azur-Flair für Geschäftsmeetings.

Der Slogan ‹Music made in Switzerland› wird also am Schweizer Stand so richtig vorgelebt und in die Musikwelt hinausgetragen.»

Midem2015-Schuemichen-Lanzinger

Pia Schümichen (l.) und Annette Lanzinger (beide Dr. Sauter Musikverlag GmbH).

Dr. Sauter Musikverlag GmbH, www.sautermusik.de:

«Wir finden den Monat Juni eigentlich ganz ok – fanden es aber schade, dass trotz dem tollen Wetter draußen so wenig geboten wurde, wie zum Beispiel Auftritte von kleineren Bands in den Kneipen rundherum. Wir haben nur zufällig eine Band in einer kleinen Bar gesehen – und das war cool.

Nach unserer Einschätzung gab es zudem auch nicht mehr Besucher als im Januar.
Die Themen der diesjährigen Vorträge waren unserer Meinung nach zu einseitig – Synch, Streaming. Insgesamt fanden wir die Midem im Juni gut. Leider werden es jedes Jahr weniger Messeteilnehmer und somit werden auch die Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen, geringer. Wir haben festgestellt, dass zwar einige Kollegen vor Ort sind, sie sich aber nicht für die Messe akkreditieren, sondern ihre Termine einfach außerhalb der Messe vereinbaren. Das liegt sicher auch an den hohen Kosten für die Akkreditierung.»

Stefan Planta, TBA/Phonag:

«Ob wir nächstes Jahr die Midem besuchen, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt bestimmen.»

Midem2015-Martinuzzi-Prinz-Hoerhager

V.l.n.r.: Giancarlo Martinuzzi, Andy Prinz, David Hörhager.

Andy Prinz, Andy Prinz Publishing, www.andyprinz-publishing.com:

«Die Midem 2015 war für uns ein voller Erfolg. Zweifelsohne war die Atmosphäre zu dieser Jahreszeit viel entspannter, und das hat sich positiv auf unser Business ausgewirkt.

Wir werden definitiv an der nächsten MIDEM teilnehmen, auch dank der hervorragenden Konditionen via FONDATION SUISA als Mitaussteller.»

Midem2015-Brunko-White

Pascal Brunko und Violeta White.

Pascal Brunko und Violeta White, Damp Music, www.damp-music.com:

«Für uns ist die Midem sehr erfolgreich verlaufen. Am Stand der FONDATION SUISA war für die Treffen mit unseren Kunden alles sehr gut vorbereitet und die Terrasse war ein willkommener Luxus. Das SUISA-Team am Stand war sehr nett und dynamisch und hat uns viele nützliche Hinweise für eine erfolgreiche Midem 2015 gegeben. Wir freuen uns schon auf 2016!»

Serge Gauya Management / SG Productions Editions (SGPE International), www.sergegauya.com:

«Ich fand den Stand wie immer gut und habe die professionelle Atmosphäre, zu der das ganze Team beigetragen hat, sehr geschätzt. Wenn ich ich dieser Zeit nicht gerade gebucht bin, bin ich auch 2016 wieder mit dabei, kann es aber noch nicht mit Sicherheit sagen.»

Midem2015-Jones-Ruessel-Allain

V.l.n.r.: Sabine Jones (SJ Consultancy) Marcus Ruessel (Gigmit) und Michel Allain (Fasttrack).

Sabine Jones, SJ Consultancy, sjconsultancy.net:

«Als selbständige Konsulentin, deren Kundenstamm schwerpunktmässig in der Schweiz, Deutschland und Österreich, aber auch weitläufiger – USA, Brasilien – angesiedelt ist, macht der Midem-Besuch als Gelegenheit fürs Networking durchaus Sinn. Beklagenswert war heuer leider die Tatsache, dass viele Teilnehmer wohl lieber ‹ohne Pass› dem schönen Wetter in Meetings ausserhalb des Palais frönten, anstatt den Weg zu den Ständen zu finden. Selbst gute Panels waren nicht immer voll besucht – was eventuell auch daran lag, dass eine Vortragsbuehne mitten im Korridor angelegt war.

Aus meiner Sicht wäre eine Midem im März oder April sinnvoll, aber im Hochsommer wird sie darunter leiden, dass Ferienzeit ist und einige meiner Businesskontakte schon heuer angedeutet haben, dass bei ihnen der Juni- oder Juli-Termin zu kurz vor der Hauptabrechnung oder anderen ‹important dates› liegt, und sie daher nicht teilnehmen. Daher kann es sein, dass auch ich meine Teilnahme für 2016 ueberdenke, da es immerhin eine sehr grosse Investition ist, denn Cannes in der Hochsaison ist schon etwas anderes als an den bisherigen Januar-Terminen.»

Rudi Schedler Musikverlag GmbH, www.schedlermusic.com:

«Wir entscheiden erst im Frühjahr 2016, ob beziehungsweise an welchem Stand wir wiederum teilnehmen.»

Stephan Heim, Head of Marketing & Administration www.adon.ch:

«Persönlich finde ich, dass eine Midem im Sommer sehr viel Sinn macht, ich fand es angenehmer und vor allem auch kreativer und offener als im Februar. Grund: Im Sommer werden die Lokale am Strand in die Midem miteinbezogen, es gibt open air Showcases und die Messe wird so mehr raus getragen, was ich sehr sinnvoll finde. Und ja, nächstes Jahr nehmen wir voraussichtlich unbedingt wieder teil.»

Midem2015-Kruesi-Sauder-Heim

V.l.n.r.: Andreas Krüsi (Adon), Sabrina Sauder, Stephan Heim (Adon).

Sabrina Sauder, www.sabrinasauder.ch:

«Die Midem nun zum ersten Mal im Sommer war zwar toll, weil ich sie gleich mit ein paar Tagen Urlaub verbinden konnte, jedoch hatte ich den Eindruck, dass der neue Termin noch weniger Leute aus der Musik-Industrie nach Cannes gebracht hat. Viele waren wahrscheinlich mit ihren Künstlern auf Tournee und so ist die Teilnehmerzahl nochmals geschrumpft. Ich muss auch ehrlich sagen, dass diese warmen Temperaturen mich eher an den Strand getrieben haben als ins Messegelände.

Der SUISA-Stand war wie eh und je top ausgerüstet und mit super nettem Personal versehen. Auch der Apéro war der absolute Renner! Ebenfalls geschätzt habe ich den eigenen Rooter, den ihr besorgt habt. Endlich mal funktionierendes Internet!

Ich kann noch nicht sagen, ob ich an der nächsten Midem teilnehmen werde. Dieses Jahr hat es mich von den anwesenden Personen her nicht so überzeugt und es lässt sich nur schwer abschätzen, ob das mit einem noch späteren Termin wirklich besser wird …»

Walter Holzbaur, www.wintrup.de:

«Die Midem war auch für uns ziemlich ‹heiss› und so haben wir die meiste Zeit im Carlton und umliegenden Strandbars verbracht. Schade eigentlich, denn die Gastfreundschaft am Schweizer Stand ist ja immer großartig! Der Termin im nächsten Jahr ist noch schlechter als der diesjährige. Ob und wie wir teilnehmen, werden wir erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, wir warten mal ab wie die Tendenz sich entwickelt. Die Midem ist inzwischen in zwei Lager gespalten, das eine befindet sich im Palais und bei den dort stattfindenden nicht besonders interessanten Panels, das andere und für uns wesentlich wichtigere im Carlton und Umgebung – da reichen dann auch 2 Tage im 30-Minuten Takt.»

Midem2015-Schnell-Schiess-Wegener

V.l.n.r.: Urs Schnell (FONDATION SUISA), Martin Schiess (K-tel), Poto Wegener (SWISSPERFORM).

Martin Schiess, Managing Director, www.k-tel.ch:

«Midem 2016: Dienstag, 28. Juni bis Freitag, 1. Juli 2016 finde ich kein gutes Datum, anfangs Juni wie in diesem Jahr war o.k.. Zudem geht mir bei einer Messe, die vollständig unter der Woche stattfindet, zu viel Zeit verloren. Wochenende war perfekt. Wenn die Messe wie angekündigt stattfindet, werde ich voraussichtlich nicht teilnehmen.»

Grégoire Liechti, www.sidomusic.com:

«Das Midem-Büro hatte es angekündigt: ‹Der führende internationale Business-Event für die Musikwelt findet künftig zu einem neuen Zeitpunkt statt!› Nun ist Juni, wir treffen uns bei sommerlichen Temperaturen und herrlichem Sonnenschein in Cannes.

Mir persönlich hat diese Midem sehr gefallen, auch wenn tatsächlich weniger Besucher da waren als auch schon. Wie jedes Jahr konnte ich unsere ausländischen Partner und die von uns vertretenen Verleger treffen, aber auch neue Leute kennenlernen. Nur an der Midem können wir am gleichen Tag Verleger aus einem Schwellenland (Urheberrechte) und einen in London ansässigen Creative Director treffen.

Noch ist es zu früh, etwas über die nächste Midem zu sagen. Aber angesichts des angekündigten Datums kann man schon jetzt davon ausgehen, dass vielleicht sogar noch weniger Leute kommen werden als 2015.»

Midem2015-Gelewski-Liechti

V.l.n.r.: Lysander Gelewski (Mymusicrights) und Grégoire Liechti (Sidomusic).

Lysander Gelewski, Mymusicrights Sàrl, www.mymusicrights.ch:

«Midem 2015 – eine kleine persönliche Nachlese: Ich gebe es offen zu, nach 8 Stunden Key Notes, Speedmeetings, Legal Summit und bilateralen Verhandlungen mit Sub-Verlegern aus aller Welt war es eine Wohltat, gleich vor dem Palais des Festivals in die weichen Wogen des warmen Mittelmeers zu springen. ‹No regrets› also bezüglich meteorologischer Migration der Midem vom Januar in den Juni.

Ich betrachte es als grosses Privileg, dass wir immer noch über einen eigenen Schweizer Stand mit stets freundlichem, hilfsbereitem und kompetentem Personal verfügen. So gut gelegen, dass meine Geschäftspartner meist wünschten: ‹Can we meet on the nice terrace of the Swiss stand?› Andererseits ist es schade, dass Jahr für Jahr weitere Länder- oder Firmenstände verschwinden. Und viele Meetings in Hotellobbies verschoben werden.

Für unsere kleine Firma habe ich eine gute Balance aus Informationsveranstaltungen und geschäftlichen Sitzungen gefunden. Spannend und hochkarätig besetzt waren für mich vor allem: die ‹Legal Workshops› mit Schwergewicht auf Revision des amerikanischen Copyright Act, neuste Entwicklungen auf EU-Ebene, strategische Ausrichtung der grossen Verwertungsgesellschaften, internationaler Datenaustausch, usw. Viel neues Know-how nach Hause mitnehmen konnte ich von den zahlreichen ‹Synch-Sessions›. Ein auch für Schweizer Musik wichtiger Zukunftsmarkt.

Alles rosarot und eitel Sonnenschein? Nein, buchstäblich sauer stiessen mir die Preiserhöhungen in Hotels und Restaurants auf. 10 bis 30% Prozent sind die Norm. Eine kleine Anekdote: Am Dienstag nach der Midem sassen wir zu zweit in der Rue Saint-Antoine auf einer der kitschigen Terrassen: Das gleiche Menü war einmal mit € 33 und einmal mit € 39 angegeben. Peinlich berührt sagte unser Garçon: ‹Sorry, € 39 war der Preis während der Midem …› Es geht nicht um ein paar Euros, sondern um dieses unangenehme Gefühl, das Polo Hofer im ‹Kiosk› so schön besungen hat.

Zähneknirschend werde ich wohl auch 2016 nach Cannes reisen. Denn die Midem bleibt die Musik-Messe par excellence, auch wenn sie sich vom ‹Deal-Maker› zum ‹Trend-Setter› gewandelt hat. Und wer kann schon dem Charme von Erika, Nadia und Marcel am Schweizer Stand widerstehen?»

Sofern nicht anders vermerkt, Fotos von Erika Weibel und Marcel Kaufmann.

Der Schweizer Gemeinschaftsstand an der Midem wird in Zusammenarbeit organisiert von der Stiftung Phonoproduzierende, der FONDATION SUISA und der SUISA.

Update, 1.3.2016: Der Veranstaltungstermin der Midem 2016 wurde nach Publikation dieses Beitrags verschoben. Die Messe findet vom 3. bis 6. Juni 2016 statt. Die Daten sind im Text korrigiert.

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  1. Nina sagt:

    Hallo!

    Die MIDEM 2016 findet vom 3.-6. Juni 2016 statt, und nicht wie hier steht, vom 28. Juni – 1. Juli 2016 …

    Nina

    • Manu Leuenberger sagt:

      Liebe Nina
      Vielen Dank für den Hinweis. Der Veranstaltungstermin der Midem 2016 wurde nach Publikation dieses Beitrags verschoben. Die neuen Daten haben wir nun im Beitrag ergänzt.
      Manu Leuenberger, Kommunikation SUISA

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Mit Vertretern aus 75 Ländern und drei neuen Länderständen – Südafrika, Israel und Elfenbeinküste – hat die Musikmesse Midem im Jahr 2015 zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Tore im Sommer geöffnet.

Midem2015-OutsideView

Die Midem fand 2015 zum ersten Mal nicht im Winterhalbjahr sondern vom 5. bis 8 Juni statt. (Foto: zVg / Midem.com)

Nachfolgend ein kurzer Vergleich zwischen der Wintermesse 2014 und dem diesjährigen Sommer-Musikanlass anhand einiger Kennzahlen:

Midem 2014 2015
Teilnehmer 6150 5500
Aussteller 1236 1100
Länder 75 75
Länderpavillons 39 35
Konzerte 46 34
Journalisten 185 145
Konferenzen 120 93
(Angaben von Reed Midem)
Teilnehmer am Schweizer Gemeinschaftsstand
Firmen 37 25
Personen 62 41
(Angaben von FONDATION SUISA)

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Präsentation ist Innovation: die vierte Ausgabe der Classical:NEXT

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Classical-Next-2015-Kaleidoscope-String-Quartet

Beim Showcase des Schweizer Kaleidoscope String Quartets an der Classical:NEXT 2015 blieb unerwartet ein Stuhl leer. Für die kurzfristig zum Streichtrio-Programm umarrangierte Performance gab es begeisterten Applaus. (Foto: Eric van Nieuwland)

Vom 20. bis 23. Mai 2015 hat in Rotterdam die vierte Ausgabe der Musikmesse Classical:NEXT stattgefunden. Seit nun drei Jahren dabei gewesen ist die Schweiz mit ihrem von der FONDATION SUISA mitgetragenen Gemeinschaftsstand. Und wie die gesamte Classical:NEXT mit ihren rund 1000 Teilnehmern, kann auch «Music made in Switzerland» 2015 einen kleinen Rekord verzeichnen: Insgesamt 20 Ensembles, Labels, Veranstalter, Verbände und Stiftungen aus unterschiedlichsten Landesteilen haben den Weg ins De Doelen gefunden – vom Lucerne Festival über die J. S. Bach-Stiftung St. Gallen und die Basler Madrigalisten bis hin zu DC Audio Engineering.

Viel Betrieb am Schweizer Gemeinschaftsstand

Dass sich der etwas weitere Weg bis in die Niederlande immer noch auszahlt, beweisen die Standteilnehmer, die zum wiederholten Mal zur Messe anreisen und die «Pop-up-Büros», die sie sich im Arcadis Zaal im ersten Stock eingerichtet haben, rege für Meetings nutzen. Dass Gastland Kanada seine Zelte gleich neben dem Schweizer Stand aufgeschlagen hat, trägt sicher zu dem gleichmässigen Strom von Laufkundschaft an diesem etwas abgelegen Standort bei. Richtig voll wird es aber erst zum Tradition gewordenen Apéro «Alpine cocktail» von Schweiz und Österreich, der sogar Jasper Renema, den Kulturreferenten der Schweizer Botschaft, ins De Doelen lockt.

Von den Erfahrungen der alteingesessenen C:N-Teilnehmer können indes die Neuzuwächse profitieren. So beschreibt Felix Heri, Co-Geschäftsleiter der Basel Sinfonietta, seine erste Erfahrung hier: «Die Atmosphäre ist sehr speziell. Es ist wahnsinnig viel los und man kann praktisch pausenlos unterwegs sein zwischen Konferenz und Ständen. Für das Netzwerk ist es super, einen Insider wie Etienne Abelin zur Seite zu haben, der als Türöffner helfen kann, Kontakte zu knüpfen.»

Der Violinist Etienne Abelin fügt sich als Mitglied der Showcase-Jury dieses Jahr in die Reihe der Schweizer Aushängeschilder bei der C:N. Er hält die Umlegung der Messe nach Rotterdam für einen guten Schritt: «Klassik wird hier ganz anders gedacht, als das oft in den deutschsprachigen Ländern der Fall ist. Es wird grosser Wert auf eine organische Verbindung von Inhalt, Präsentation und Kommunikation gelegt. Vermittlung ist in gewisser Weise mitgedacht und nicht vom Inhalt getrennt.»

Showcase-Konzerte und Innovation Awards

Dass die Präsentation bei der C:N eine vorrangige Rolle spielt, wird eindrücklich sichtbar in den Showcase-Konzerten: Videokunst, atmosphärisches Bühnenlicht oder Kehlkopfgesag, begleitet von expressiver Bewegungswut kurz vorm Ausdruckstanz bieten dabei nur einige der zahlreichen Reize fürs Auge.

Fast traditionell wirkt zwischen diesen inszenierten Konzerten der Auftritt des Schweizer Kaleidoscope String Quartet – wäre da nicht der Kunstgriff, mit dem die Formation überrascht. Denn in Ermangelung der zweiten Geige musste das Quartett kurzfristig seine Stücke zum Streichtrio-Programm umarrangieren. Dass die drei verbliebenen Musiker es in ihrer Performance dennoch in keinem Moment an Engagement fehlen lassen, wird dafür am Ende mit besonders begeistertem Applaus und Jubelrufen belohnt.

Zu einem letzten Höhepunkt der Schweizer Präsenz 2015 in Rotterdam bei der Abschlussgala wird die Verleihung des ersten Innovation Awards. Dessen Träger kürt die «Classical:NEXT-Community» (wie die Veranstalter gern das Gesamt aller Akkreditierten seit der ersten Messeausgabe nennen) per Online-Abstimmung. Ein erster Platz ging an das Ark Nova-Projekt des Lucerne Festival, das mit einer aufblasbaren Konzerthalle Musik ins erdbeben- und tsunamigeschüttelte Tohoku-Gebiet in Japan brachte. «Innovation kann in jedem Moment und überall entstehen», so Lucerne Festival-Intendant Michael Haefliger, «sie findet statt an den Schnittstellen von Kunst, Gemeinschaft und Zweck.»

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Classical-Next-2015-Kaleidoscope-String-Quartet

Beim Showcase des Schweizer Kaleidoscope String Quartets an der Classical:NEXT 2015 blieb unerwartet ein Stuhl leer. Für die kurzfristig zum Streichtrio-Programm umarrangierte Performance gab es begeisterten Applaus. (Foto: Eric van Nieuwland)

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