Artikel von: Manu Leuenberger

Blockchain – das Ende oder die Zukunft der Verwertungsgesellschaften?

Liebe Mitglieder, mittlerweile ist der Begriff «Blockchain» in der Musikindustrie in aller Munde. Doch es ist nicht einfach, jemanden zu finden, der einem mit einfachen Worten erklärt, worum es sich dabei handelt … Von Vincent Salvadé, Stellvertretender Generaldirektor

Blockchain – das Ende oder die Zukunft der Verwertungsgesellschaften?

Die britische Sängerin und Songschreiberin Imogen Heap gilt als Pionierin in der praktischen Anwendung der Blockchain-Technologie für die Musikdistribution: Seit Oktober 2015 kann ihre Single «Tiny Human» über die Plattform Ujomusic online erworben und lizenziert werden. Die Bezahlung der Beteiligten erfolgt nach vordefinierten Verteilungsregeln per Kryptowährung. (Bild: Screenshot ujomusic.com)

Die Blockchain ist eine Technologie, eine Datenbank, ein Register. Sie ermöglicht den sicheren Austausch von Informationen in einem Netzwerk, das auf der Mitwirkung qualifizierter Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Miner) beruht, die die Gültigkeit der Transaktion mit der Rechnerleistung ihrer Computer überprüfen. Alle Transaktionen sind in Blöcke gruppiert, die miteinander verbunden sind, und jeder Teilnehmer kann prüfen, ob der Validierungsakt korrekt ist. So funktioniert auch der Bitcoin.

Sie haben nicht ganz alles verstanden? Ich auch nicht. Doch offenbar kommt diese Technologie, die auf «Smart Contracts» (intelligenten Verträgen) basiert, ohne Vermittler aus: Der Komponist könnte also für das Konzertticket oder das Musikstreaming direkt entschädigt werden. Einige munkeln bereits vom Ende der Verwertungsgesellschaften.

«Die kollektive Wahrnehmung der Rechte ist mehr als reine Technik. Sie beruht auf einem wichtigen Wert: der gemeinsamen Verteidigung des kreativen Schaffens.»

Die alte Leier: Als die Online-Musik vor rund 20 Jahren aufkam, prophezeite man, das Internet werde die Urheber befreien, sie von den Vermittlern unabhängig machen. Doch die Verwertungsgesellschaften sind noch immer da, und sie bilden ein unerlässliches Gegengewicht zu den Internetriesen.

Denn die kollektive Wahrnehmung der Rechte ist mehr als reine Technik. Sie beruht auf einem wichtigen Wert: der gemeinsamen Verteidigung des kreativen Schaffens. Die Urheber werden immer eine Organisation brauchen, die sie unterstützt, die für sie Verträge (auch intelligente) aushandelt und die sich dafür einsetzt, dass die Transaktionsbedingungen (auch wenn in der Blockchain zertifiziert) fair sind.

Doch halt: Diese Feststellung berechtigt nicht zum Zurücklehnen. Es gehört zur Aufgabe der Verwertungsgesellschaften, sich für die Blockchain zu interessieren, sie zu verstehen und zu versuchen, sie möglichst zum Vorteil der Urheber und Verleger zu nutzen.

«Die Verwertungsgesellschaften verfügen über essenzielle Informationen, die sicherstellen, dass die Vergütungen den richtigen Personen überwiesen werden.»

Die SUISA setzt sich mit ihren Schwestergesellschaften in der Schweiz und im Ausland dafür ein. Zumal die Technologie helfen könnte, Konflikte mit den Rechteinhabern über ein Werk oder die ihnen zustehenden Vergütungen zu vermeiden.

Die Verwertungsgesellschaften verfügen über essenzielle Informationen, die sicherstellen, dass die Vergütungen den richtigen Personen überwiesen werden, und sie verfügen zudem über leistungsfähige Informatikinstrumente. Wie könnten sie also im Transaktions-Validierungsprozess übergangen werden?

Eines ist sicher: Sie dürfen diese Fragen nicht ausschliesslich den Technologiefirmen überlassen. Denn dann würde die Blockchain zur blockierenden Chain – zum Nachteil des kreativen Schaffens!

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Liebe Mitglieder, mittlerweile ist der Begriff «Blockchain» in der Musikindustrie in aller Munde. Doch es ist nicht einfach, jemanden zu finden, der einem mit einfachen Worten erklärt, worum es sich dabei handelt … Von Vincent Salvadé, Stellvertretender Generaldirektor

Blockchain – das Ende oder die Zukunft der Verwertungsgesellschaften?

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Die Vergütungen der SUISA sind AHV-pflichtig

Die Vergütungen für Urheberrechte von der SUISA gelten als Erwerbseinkommen aus selbständiger Tätigkeit und sind mit der Ausgleichskasse abzurechnen. Damit können Nachforderungen und Rentenkürzungen im Alter vermieden werden. Text von Martin Korrodi

Die Vergütungen der SUISA sind AHV-pflichtig

Viele Musikerinnen und Musiker haben mehrere Einnahmequellen. Das können zum Beispiel Konzertgagen, Honorare für Kompositionsaufträge sowie Löhne für die Tätigkeit an der Musikschule oder im Orchester sein. Die SUISA-Vergütungen sind eine weitere Einkommenskategorie. Es lohnt sich, auf die Altersvorsorge vorauszuschauen und für diese Einnahmen AHV-Beiträge zu entrichten. (Foto: Crafft)

Alle Urheberinnen und Urheber, die von der SUISA für die Nutzungen ihrer Werke Vergütungen erhalten, müssen diese als Einkommen versteuern und mit der Ausgleichskasse die entsprechenden Sozialversicherungsbeiträge abrechnen. Die Vergütungen von der SUISA gelten als Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit und sind somit AHV-pflichtig.

Wenn die Einnahmen aus selbständiger Erwerbstätigkeit in einem Jahr nicht mehr als 2300 Franken betragen, dann erhebt die Ausgleichskasse die Beiträge nur auf Verlangen (siehe Infokasten am Ende des Textes). Trotzdem ist es empfehlenswert, freiwillig auch tiefere Beträge abzurechnen: Man kann dadurch mögliche Beitragslücken vermeiden, welche im Alter zu Rentenkürzungen führen.

Gerade bei freiberuflich tätigen Musikschaffenden lohnt es sich, bei der zuständigen Ausgleichskasse einen Kontoauszug zu verlangen, um allfällige Beitragslücken zu entdecken. Wenn diese Lücken während der letzten fünf Jahre entstanden sind, können die fehlenden Beiträge nachgezahlt werden.

Die Steuerbehörden melden den Ausgleichskassen die Daten zum steuerbaren Einkommen. Anhand dieser Daten können die Ausgleichskassen feststellen, dass auf gewisse Teile des Erwerbseinkommens keine AHV-Beiträge entrichtet wurden. Als Folge können die Ausgleichskassen die fehlenden Beiträge nachträglich einfordern. Bei solchen Nachforderungen wird zusätzlich ein Verzugszins geltend gemacht. Es lohnt sich deshalb auf jeden Fall, die SUISA-Vergütungen der Ausgleichskasse jeweils rechtzeitig zu melden und die Beiträge zu bezahlen.

AHV – obligatorische Versicherung für alle

Bei der Alters- und Hinterlassenenversicherung sind alle Personen obligatorisch versichert, die in der Schweiz wohnen oder hierzuland erwerbstätig sind. Alle Versicherten – mit Ausnahme von Kindern – sind entsprechend verpflichtet, AHV-Beiträge einzuzahlen. Dabei bildet in der Regel das erzielte Erwerbseinkommen die Berechnungsgrundlage.

Im Fall von unselbständiger Erwerbstätigkeit ist das der Lohn, der vom Arbeitgeber bezahlt wird. Bei selbständiger Erwerbstätigkeit werden die Beiträge auf jenem Einkommen geschuldet, das durch eine selbst organisierte unternehmerische, betriebliche oder geschäftliche Tätigkeit erzielt wird.

Grundsätzlich kann man von folgender Richtlinie ausgehen: AHV-Beiträge müssen auf jenen Betrag bezahlt werden, den man in der Steuererklärung als Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit deklariert. Anders ist die Situation bei Einnahmen wie etwa Erträgen aus Kapitalanlagen oder Immobilien, die zwar steuerrechtlich als Einkommen, aber nicht als AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen gelten.

Urheberrechtsvergütungen sind Erwerbseinkommen

Nicht nur die Komposition von Auftragsmusik und Auftritte als Interpret, sondern auch die Verwertung von Rechten stellt eine Erwerbstätigkeit dar, mit der ein Einkommen erzielt wird. Deshalb sind alle Urheberinnen und Urheber, die ihre Rechte gegenüber den Nutzern geltend machen und dadurch Lizenzeinnahmen generieren, im oben beschriebenen Sinn selbständig erwerbstätig.

Dies gilt auch dann, wenn man seine Rechte durch einen Dritten wahrnehmen lässt – dies ist im Bereich der nichttheatralischen Musik in Form der kollektiven Wahrnehmung durch eine Verwertungsgesellschaft wie der SUISA der Normalfall. Wer sich bei der SUISA anmeldet, unterzeichnet einen Wahrnehmungsvertrag. Mit diesem Vertrag überträgt ein Mitglied seine Rechte auf die SUISA verbunden mit dem Auftrag, die Verwertung vorzunehmen.

Dabei spielt es übrigens keine Rolle, ob man als Komponist – sei es im Rahmen einer Festanstellung oder per Auftragshonorar – für die Schaffung der Werke bereits bezahlt wurde und auf diesem Einkommen schon einmal AHV-Beiträge entrichtet hat. Die Verwertung der Rechte an den eigenen Werken ist eine davon unabhängige Tätigkeit, die zu zusätzlichem Erwerbseinkommen führt und als solche mit der Ausgleichskasse abgerechnet werden muss.

«Freigrenze» bis Fr. 2300.– pro Kalenderjahr

Bei der Freigrenze gilt es zu beachten, dass dieser Betrag sämtliche Einnahmen aus selbständiger Erwerbstätigkeit kumulativ erfasst. Wenn also die SUISA-Einnahmen in einem bestimmten Jahr 1600 Franken betragen, aber noch weitere Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit erzielt wurden (im Haupt- und/oder Nebenerwerb), so sind diese Einnahmen zu addieren. Liegt die Summe über der Freigrenze, so sind auf dem gesamten Betrag – inklusive der SUISA-Vergütungen – AHV-Beiträge zu entrichten.

Bei angestellten Arbeitnehmern (unselbständig Erwerbenden) gilt die Freigrenze ebenfalls, jedoch separat pro Arbeitsverhältnis. Liegt der massgebende Lohn unter dem Betrag von 2300 Franken, werden die Beiträge nur auf Verlangen des Arbeitnehmers erhoben. Hier empfiehlt es sich in der Regel, die Abrechnung zu verlangen, insbesondere dann, wenn man mehrere unselbständige Tätigkeiten mit geringfügigem Lohn ausübt. Gewisse Arbeitgeber im künstlerischen Bereich sind verpflichtet, zum Schutz der Angestellten die AHV-Beiträge bereits ab dem ersten Franken Lohn abzurechnen. Dazu gehören Tanz- und Theaterproduzenten, Orchester, Phono- und Audiovisionsproduzenten, Radio und Fernsehen sowie Schulen, die künstlerische Ausbildungen anbieten.

Setzt sich das Einkommen sowohl aus selbständiger als auch unselbständiger Erwerbstätigkeit zusammen, gilt die Regel bezüglich der Freigrenze pro Einkommensart separat. Die Limite bis 2300 Franken gilt also für das Total aller Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit, wozu auch die SUISA-Vergütungen gehören. Lohn, den man als angestellter Arbeitnehmer erhält, muss man hierbei nicht dazurechnen, weil die Einnahmen aus unselbständiger Tätigkeit hinsichtlich der Freigrenze wie zuvor beschrieben separat betrachtet werden.

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Die Vergütungen für Urheberrechte von der SUISA gelten als Erwerbseinkommen aus selbständiger Tätigkeit und sind mit der Ausgleichskasse abzurechnen. Damit können Nachforderungen und Rentenkürzungen im Alter vermieden werden. Text von Martin Korrodi

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Viele Musikerinnen und Musiker haben mehrere Einnahmequellen. Das können zum Beispiel Konzertgagen, Honorare für Kompositionsaufträge sowie Löhne für die Tätigkeit an der Musikschule oder im Orchester sein. Die SUISA-Vergütungen sind eine weitere Einkommenskategorie. Es lohnt sich, auf die Altersvorsorge vorauszuschauen und für diese Einnahmen AHV-Beiträge zu entrichten. (Foto: Crafft)

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Wenn die Einnahmen aus selbständiger Erwerbstätigkeit in einem Jahr nicht…Weiterlesen

«Besonders spannend finde ich es, wenn ich zunächst nicht weiss, in welche Richtung ein Song geht»

James Gruntz veröffentlichte kürzlich sein neues Album «Waves». Eine wichtige Rolle bei der Entstehung spielte das Werkjahr, das der 30-jährige Songwriter, Multiinstrumentalist, Produzent und Sänger von der FONDATION SUISA erhalten hat. Text von Gastautor Markus Ganz

James Gruntz: «Besonders spannend finde ich es, wenn ich zunächst nicht weiss, in welche Richtung ein Song geht»

«Die Realität ist, dass ich das Geld für meinen Lebensunterhalt mit den Konzertgagen und den Vergütungen der Verwertungsgesellschaften bestreite», erklärt James Gruntz. (Foto: Gregor Brändli)

Mit dem Album «Belvedere» gelang James Gruntz 2014 der Durchbruch, was sich in guten Hitparadenplatzierungen und mehreren Auszeichnungen bestätigte («Basler Pop-Preis» 2014 und zwei «Swiss Music Awards» 2015). Für die Entstehung des kürzlich erschienenen Nachfolgealbums «Waves» dürfte dadurch der Druck auf den Musiker gewachsen sein, der in Nidau bei Biel aufgewachsen ist, mit 16 nach Basel kam, in Zürich den Pop-Master an der Zürcher Hochschule der Künste machte und nun in einer Fabrikloft in Dulliken bei Olten wohnt und an Songs arbeitet.

James Gruntz relativiert diesen Druck im Gespräch. «Musik war für mich schon immer ein sehr wichtiger Teil meines Lebens – und das wird so bleiben, ganz unabhängig davon, ob ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen kann oder nicht.» Der Songwriter, Multiinstrumentalist, Produzent und Sänger betont denn auch, dass sein Debütalbum bereits vor zehn Jahren erschien und das kürzlich erschienene «Waves» bereits sein sechstes ist. «Es gab eine stetige Entwicklung: Irgendwann liefen Songs von mir am Radio, und es gab immer mehr Engagements für Konzerte. Und bis jetzt hat sich noch jedes Album besser verkauft als das vorherige.»

Die Freude am Scat

Dann irritiert James Gruntz mit der Bemerkung, dass er froh sei, dass er die goldene Zeit der Musikindustrie nicht miterlebt habe. «Deshalb habe ich keine grossen kommerziellen Erwartungen an das Album-Format. Denn die Realität ist, dass ich das Geld für meinen Lebensunterhalt mit den Konzertgagen und den Vergütungen der Verwertungsgesellschaften bestreite.» Für ihn gehe es finanziell auf, weil er sowohl Urheber wie Interpret und auch Produzent seiner Songs ist. Von den Album-Verkäufen erwarte er lediglich, dass er die damit verbundenen Kosten decken könne.

Zum Glück hat James Gruntz trotzdem das neue Album «Waves» realisiert, denn es besticht mit einer reizvollen Mischung aus Soul, Pop und Elektronik. Eine Vorstellung, wie das neue Album werden sollte, hatte er zu Beginn jedoch nicht. «Klar war einzig, dass ich wie auf dem letzten Album beim Stück ‹Heart Keeps Dancing› wieder etwas mit Scat-Gesang machen wollte.» Das spezielle Schnalzen mit der Zunge habe er damals zum ersten Mal probiert und das sei sehr gut angekommen. Und da er dies «extrem gern» mache, wollte er auf dem neuen Album mehr in dieser Art machen und sich dabei auch mehr getrauen.

Kein Selbstzweck

Der eigenwillige Einsatz der Stimme prägt die Musik noch mehr als auf dem letzten Album, auch mit dem zuweilen an Prince erinnernden Falsett und mehrstimmigem Harmonizer-Gesang, der eine eigentümliche Verfremdung schafft. «Der spielerische Umgang mit Gesang macht mir eben Spass. Wichtig aber ist, dass man es nicht nur macht, weil man es kann oder es technisch toll ist. Es muss eigenständig funktionieren und Sinn machen.» Letztlich verleiht die Stimme dem Album einen hohen Wiedererkennungswert.

Die neuen Stücke sind sehr unterschiedlich entstanden. James Gruntz hat immer ein Diktiergerät dabei und nimmt damit Ideen auf. Von Zeit zu Zeit hört es sich dann diese Aufnahmen durch und sucht Ideen, «bei denen ich Lust verspüre, daraus etwas zu entwickeln». Dann arbeite er zuhause im Heimstudio allein daran weiter, bis die Songform stehe. «Ich finde es besonders spannend, wenn ich zunächst nicht weiss, in welche Richtung der Song geht. Erst wenn mir das klar geworden ist, wenn ich meine Version gefunden habe, suche ich die Zusammenarbeit mit anderen Musikern – und bin offen für deren Ideen.»

Unterschiedliche Entstehung

Die Idee für die erste Single, «You», sei ihm bereits vor drei Jahren gekommen, also kurz nach der Veröffentlichung des letzten Albums. «Dieses Stück hat sich bis zur Fertigstellung enorm entwickelt, ist sehr anders geworden.» Andere Songs wie «Waves» habe er hingegen quasi aus dem Nichts in einem Tag nahezu fertiggestellt. «Dieses Stück ist gewissermassen immer noch das Demo. Das war möglich, weil es näher bei einer Stimmung ist als bei einem Song und dadurch auch limitierter für den Ausbau ist.»

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Albums spielte das mit 80 000 Franken dotierte Werkjahr, das James Gruntz 2016 von der FONDATION SUISA erhalten hat. Eigentlich sollte «Waves» bereits diesen Frühling erscheinen. «Ich merkte dann aber, dass ich mehr Zeit brauchte, um das Album so zu gestalten, wie es mir vorschwebte. So konnte ich die Veröffentlichung des Albums um ein halbes Jahr verschieben, ohne Angst zu bekommen, dass mein Konto unter Null sinken würde.»

Ist das Buch die neue CD?

Das Werkjahr ermöglichte zudem ein ganz spezielles Projekt: James Gruntz veröffentlicht auf die Tournee hin noch ein 64-seitiges Buch. «Es ist ein Experiment, das ich mir ohne das Geld der FONDATION SUISA zweimal überlegt hätte.» Für jeden Song des neuen Albums wurde je ein Autor oder eine Autorin angefragt, einen Text dazu zu schreiben, ohne jede Auflage. «Entstanden sind Gedichte und Geschichten, die auch für mich sehr interessant sind, weil sie zeigen, was meine Musik auslösen kann.»

Hinter diesem Buchprojekt steht die Überlegung von James Gruntz, dass «die CD trotz der besseren Tonqualität auf dem absteigenden Ast ist». Er ist aber überzeugt, dass die meisten Leute trotzdem wie er beim Musikhören etwas in den Händen halten wollten. «Und ein Buch ist doch ein viel schöneres Objekt als eine CD! Es enthält zudem auch die Songtexte, was für diejenigen Hörer gut ist, die meine Musik streamen.» Möglich wurde dieses Projekt auch dadurch, dass sein Album beim Verlag Zytglogge erscheint, der auch Bücher im Sortiment hat. Deshalb kann sich James Gruntz nun freuen, dass seine Musik in die von ihm geliebten Buchhandlungen kommt, denn im Buch ist auch ein Download-Code für sein Album enthalten (das Buch wird auch an seinen Konzerten erhältlich sein).

Konzerte 2017/18: 17. Nov. Schüür Luzern, 18. Nov. Eintracht Kirchberg SG, 24. Nov. Gaswerk Seewen, 25. Nov. Kaserne Basel, 1. Dez. Kofmehl Solothurn, 2. Dec. L’Usine Genève, 8. Dez. Salzhaus Brugg, 9. Dez. Hotel Wetterhorn Hasliberg, 17. Dez. Zauberwald Lenzerheide, 12. Jan. 2018 Salzhaus Winterthur, 19. Jan. Chollerhalle Zug, 20. Jan Mokka Thun, 16. Feb. Kulturkarussell Rössli Stäfa, 23. Feb. Kulturfabrik KUFA Lyss, 24. Feb. Casino Herisau, 27. Apr. Kühltür Grosshöchstetten.

www.jamesgruntz.com, offizielle Website von James Gruntz

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Julien-François Zbinden: 100 Jahre alt!

Julien-François Zbinden ist Pianist, Komponist, Autor und … Hundertjähriger. Am 11. November 2017 kann das Ehrenmitglied der SUISA seinen 100. Geburtstag feiern. Zum Festtag lässt Gastautor Jean-Pierre Mathez das bisherige Leben und Schaffen des Jubilars Revue passieren.

Julien-François Zbinden: 100 Jahre alt!

Julien-François Zbinden, früherer Präsident und heute Ehrenmitglied der SUISA, kann am 11. November 2017 seinen 100. Geburtstag feiern. (Foto: Yvan Ischer)

Ford Model T Baujahr 1913 (Foto: Ryan Fletcher / Shutterstock.com)

Geboren am 11. November 1917, neun Jahre nach Beginn der Produktion des Ford T anno 1908, wird Julien-François Zbinden ein privilegierter, aufmerksamer Zeuge dieser fantastischen technischen, künstlerischen, moralischen und spirituellen Entwicklung, die das Leben der Menschen auf dieser Erde grundlegend verändert hat.

Sein musikalisches Abenteuer beginnt jedoch mit seinem heiss geliebten Klavier:

«Heute noch teilt es meine Leidenschaft der Jazzmusik und unsere schöne Komplizenschaft ist im Album ‹The Last Call…?› verewigt, in meinem 93. Lebensjahr aufgenommen. Dieses Etwas ist mein Instrument, der weit über hundertjährige Flügel Blüthner Nr. 89293, Modell 190, gebaut 1910 in Leipzig. Ihm widme ich dieses Opus 111 (die ‹Blüthner-Variationen›, verlegt bei Editions Bim PNO67, Anmerkung des Autors), das das letzte meiner Werke für Klavier sein wird.»

Selbstporträt, Linolschnitt, 1937.

Anfangs verdient Julien-François Zbinden sein Leben als Barpianist und macht sich vertraut mit seiner Leidenschaft: dem Jazz, dann mit dem Komponieren.

Im Alter von dreissig Jahren beginnt seine Karriere in der Abteilung Musik des Radio Suisse Romande, das er administrativ und mit seiner Offenheit bis zur seiner Pensionierung 1982 prägen wird. Ruhmreiche Jahre mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne, der Fanfare Perce-Oreille, klassischen und volkstümlichen Chören der Romandie, mit Stars der chanson française, von Jazzorchestern; als Teilnehmer und Moderator von Debatten tritt er stets in mutigem Respekt der Meinungen auf. Unzählige Berühmtheiten aus der Welt der Musik werden nach Lausanne eingeladen: Die Archive sind voll von Direktsendungen und Aufnahmen mit diesen berühmten Künstlern. Er hat es verstanden, allen musikalischen Genres von Qualität Tür und Tor des RSR zu öffnen und so die Romandie wie auch die französischsprachigen Länder mit einer breiten musikalischen Kultur zu bereichern.

In seinen Mittfünfzigern macht er das Pilotenbrevet und berauscht sich mit den Emotionen, die ihm seine Arabesken und die verkleinerte Vision des prosaischen Erdenlebens verschaffen.

Julien-François Zbinden vor einer Piper L4, Einführung in den Landeanflug (Glacier des Diablerets, 11.12.1975). (Foto: ZvG)

Julien-François Zbinden am Klavier, Januar 2017. (Foto: ZvG)

Als Julien-François Zbinden das Pensionsalter erreicht, verlässt er das RSR und widmet sich mit Leib und Seele der Komposition (sein Schaffen wird über hundert Werke umfassen), seinen Freundschaften, dem Reisen, dem Schreiben (eine eindrückliche Biografie und zwei kürzlich erschienene Bücher), und nicht zu vergessen, die kürzlich vorgenommene Einspielung von zwei CDs mit Jazz-Standards am Klavier (TCB Montreux) …

Er war Präsident des Tonkünstlervereins (1973–1979) und von 1987 bis 1991 des Vorstands der SUISA.

Julien-François Zbinden ist auch ein wertvolles lebendiges Gedächtnis, ein hochgelehrter Mann, der seine Zeit mit grossem Scharfsinn analysiert hat. Seine musikalischen Werke werden weltweit gespielt und sind bei grossen europäischen Verlagshäusern verlegt (seit 1988 seine neuen Werke exklusiv in der Schweiz bei Editions Bim).

Es ist zu hoffen, dass die schweizerische Musikwelt diesen aussergewöhnlichen Künstler nicht vergisst und ihn den zukünftigen Generationen der Musiker und Musikliebhaber unsereres Landes weitervermittelt.

Über Julien-François Zbinden (viel) mehr erfahren kann man unter: www.jfzbinden.ch

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Julien-François Zbinden ist Pianist, Komponist, Autor und … Hundertjähriger. Am 11. November 2017 kann das Ehrenmitglied der SUISA seinen 100. Geburtstag feiern. Zum Festtag lässt Gastautor Jean-Pierre Mathez das bisherige Leben und Schaffen des Jubilars Revue passieren.

Julien-François Zbinden: 100 Jahre alt!

Julien-François Zbinden, früherer Präsident und heute Ehrenmitglied der SUISA, kann am 11. November 2017 seinen 100. Geburtstag feiern. (Foto: Yvan Ischer)

Ford Model T Baujahr 1913 (Foto: Ryan Fletcher / Shutterstock.com)

Geboren am 11. November 1917, neun Jahre nach Beginn der Produktion des Ford T anno 1908, wird Julien-François Zbinden ein privilegierter, aufmerksamer Zeuge dieser fantastischen technischen, künstlerischen, moralischen und spirituellen Entwicklung, die das Leben der Menschen auf dieser Erde grundlegend verändert hat.

Sein musikalisches Abenteuer beginnt jedoch mit seinem heiss geliebten Klavier:

«Heute noch teilt es meine Leidenschaft der Jazzmusik und unsere schöne Komplizenschaft ist im Album ‹The Last…Weiterlesen

SUISA-Vorstand blickt der Zukunft entgegen

Auf Initiative des Tessiner Vorstandmitglieds Zeno Gabaglio tagte der Vorstand der SUISA diesen Herbst in Lugano. Die Traktandenlisten für die Sitzungen vom 3. und 4. Oktober 2017 waren umfangreich. Eine Auswahl der besprochenen Themen findet sich im Bericht aus dem Vorstand von Dora Zeller.

SUISA-Vorstand blickt der Zukunft entgegen

Der amtierende Vorstand der SUISA in einer Aufnahme vom Frühling 2017. (Foto: Marc Latzel)

Ein wichtiger Traktandenpunkt war die Genehmigung der Unternehmensstrategie. Mit dieser Strategie blickt die Unternehmensleitung der Zukunft entgegen und definiert, welche Ziele sie in einer bestimmten Periode erreichen will. Die SUISA-Strategie umfasst jeweils vier Jahre, aktuell 2016 – 2020. Aufgrund der Geschäftsereignisse und –pläne wird sie einmal jährlich überarbeitet. Sie ist in vier Schwerpunkte gegliedert:

  • Kosten & Wachstum (Kundenbeziehungen pflegen, Mitgliedererlöse maximieren, Mitarbeitende fördern und fordern)
  • Vertrauen (Mitglieder sind «Shareholder»)
  • Urheberrecht weiterentwickeln
  • Geschäft auf neue Bedürfnisse ausrichten (Online und Offline)

Für jeden Schwerpunktbereich werden Fakten festgehalten und anschliessend die Massnahmen aufgeführt, mit denen die strategischen Ziele erreicht werden sollen. Am Beispiel «Mitglieder sind unsere Shareholder» bedeutet das: Dienstleistungen überdenken und diversifizieren, Dokumentation und Werkanmeldung standardisieren, Transparenz und Kommunikation pflegen, Wahrnehmung der Rechte der Mitglieder im In- und Ausland garantieren, Qualität durch Automatisierung und Prozessoptimierung sichern.

Vermehrte Konkurrenz im Lizenzgeschäft erfordert Massnahmen

Beim Schwerpunkt «Geschäft auf neue Bedürfnisse ausrichten» wurde neu das Offline-Geschäft hinzugefügt. Im Laufe der letzten Jahre ist auf dem Markt für Musiklizenzen Konkurrenz entstanden und es sind neue Anbieter aufgetaucht. Diese Anbieter sind keine Genossenschaften und gehören nicht Urhebern, wie das bei den meisten Verwertungsgesellschaften in Europa der Fall ist. Es sind gewinnorientierte Privatunternehmen.

Neue Entwicklungen gibt es beim «Direct Licensing» bei Grosskonzerten sowie beim Inkasso für Musik zur Berieselung. Es gilt, sich mit den neuen Lizenzierungsangeboten auseinanderzusetzen, die eigenen Angebote (Tarife) konkurrenzfähig zu gestalten, Zusammenarbeiten zu suchen und die rechtlichen Rahmenbedingungen zu fördern.

Auf der Basis der genehmigten Strategie erarbeitet die Geschäftsleitung nun die Roadmap. Sie dient dazu, die Massnahmen in einzelne, konkrete Schritte aufzuteilen, versehen mit Termin und Verantwortung.

Verteilung: 8126 Mitglieder haben 11 093 520 Franken erhalten

Die SUISA rechnet die meisten Tarife mittlerweile vierteljährlich ab. Im September wurden Einnahmen für Aufführungen (Tarife D, K; 1. Quartal 2017), Sendungen SRG (Tarif A; 1. Quartal 2017), Werbefenster (2015) und Vervielfältigungen (Tarife PA, PI, PN, VI, VN; 1. Quartal 2017) verteilt.

Die Vergütungen wurden an SUISA-Mitglieder (Fr. 5 729 852.–) und Schwestergesellschaften (Fr. 5 363 669.–) ausgezahlt. Zurückgestellt wurden 1 229 425 Franken wegen fehlender Angaben, mangelnder Dokumentation, etc. Die zurückgestellten Gelder werden in Nachverrechnungen vergütet, sobald die notwendigen Daten für die korrekte Abrechnung komplettiert worden sind.

ProLitteris, SSA, SUISA, Suissimage und Swissperform arbeiten zusammen

1993 schlossen die fünf Schweizer Verwertungsgesellschaften den ersten schriftlichen Zusammenarbeitsvertrag ab. Grund war damals die Ausdehnung des Urheberrechtsgesetzes auf die verwandten Schutzrechte. Vorher hatten sie sich informell ausgetauscht und gemeinsame Tarifverhandlungen koordiniert.

Im Koordinationsausschuss (KOAU) der Gesellschaften ist der Vertrag kürzlich überarbeitet worden. Er soll die heutige Situation abbilden und die Zusammenarbeit auch in schwierigen Punkten vereinfachen. Neu geregelt wurden das Prozedere der Beschlussfassung sowie die Inkasso-Grundsätze im Auftrag der anderen Gesellschaften. Der Vorstand der SUISA hat dem revidierten Zusammenarbeitsvertrag zugestimmt.

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Auf Initiative des Tessiner Vorstandmitglieds Zeno Gabaglio tagte der Vorstand der SUISA diesen Herbst in Lugano. Die Traktandenlisten für die Sitzungen vom 3. und 4. Oktober 2017 waren umfangreich. Eine Auswahl der besprochenen Themen findet sich im Bericht aus dem Vorstand von Dora Zeller.

SUISA-Vorstand blickt der Zukunft entgegen

Der amtierende Vorstand der SUISA in einer Aufnahme vom Frühling 2017. (Foto: Marc Latzel)

Ein wichtiger Traktandenpunkt war die Genehmigung der Unternehmensstrategie. Mit dieser Strategie blickt die Unternehmensleitung der Zukunft entgegen und definiert, welche Ziele sie in einer bestimmten Periode erreichen will. Die SUISA-Strategie umfasst jeweils vier Jahre, aktuell 2016 – 2020. Aufgrund der Geschäftsereignisse und –pläne wird sie einmal jährlich überarbeitet. Sie ist in vier Schwerpunkte gegliedert:

  • Kosten & Wachstum (Kundenbeziehungen pflegen, Mitgliedererlöse maximieren, Mitarbeitende fördern und fordern)
  • Vertrauen (Mitglieder sind «Shareholder»)
  • Urheberrecht weiterentwickeln
  • Geschäft auf neue Bedürfnisse ausrichten (Online und Offline)

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Stets den Überblick dank «Mein Konto»

Über 14 000 Mitglieder nutzen bereits das Mitgliederportal «Mein Konto». Mehr als die Hälfte aller Neuregistrierungen von Originalwerken wurden 2016 online angemeldet. Weshalb nutzen immer mehr Mitglieder regelmässig «Mein Konto»? Text von Claudia Kempf

Stets den Überblick dank «Mein Konto»

Über das Online-Portal «Mein Konto» haben Mitglieder persönlichen Zugang zu SUISA-Angelegenheiten per Tastendruck. (Foto: Manu Leuenberger)

Dank dem passwortgeschützten Mitgliederbereich «Mein Konto» behalten unsere Mitglieder den Überblick über die wesentlichen SUISA-Angelegenheiten wie Abrechnungen und Werkregistrierungen.

Abrechnungen als navigierbare PDFs immer in Griffweite

Alle Abrechnungen der letzten fünf Jahre können jederzeit online eingesehen werden. Die Abrechnungen im PDF-Format sind benutzerfreundlich, da innerhalb seitenlanger Abrechnungen per Mausklick navigiert werden kann: Ein Klick auf einen Werktitel im Inhaltsverzeichnis führt direkt zur detaillierten Auflistung der Werknutzungen, ein Klick auf die SUISA-Nummer zur Ton- sowie Tonbildträgerliste.

Das Abrechnungstotal eines Jahres wird kumuliert dargestellt. Auf einen Blick ist ersichtlich, welcher Betrag in einem Jahr von der SUISA abgerechnet wurde. In Zukunft können Mitglieder, die Zugang zu «Mein Konto» haben, auf den Papierversand der Abrechnungen verzichten. Wenn eine neue Abrechnung zur Verfügung steht, wird künftig eine Benachrichtigung verschickt.

Jederzeit Einsicht in persönliche Daten

Im Profil sind persönliche Daten wie die Postanschriften und Zahlungsadressen einsehbar. Dieser Bereich wird aktuell ausgebaut, damit Änderungen von den Mitgliedern direkt im Profil vorgenommen werden können. Registrierte Pseudonyme und dazugehörige IPI-Nummern sind ebenfalls in diesem Bereich aufgelistet. Für Verlagsmitglieder mit Untereditionen oder mehreren Hauptverlagen sind alle Informationen über ein Login abrufbar.

Mein Konto Werkdatenbank

Mit persönlichem Benutzerkonto können Mitglieder der SUISA über das Portal «Mein Konto» online gezielt nach provisorischen Werken suchen. (Bild: Screenshot www.suisa.ch)

Optimierte Suchfunktion für provisorische Werke

In der Werkdatenbank kann gezielt nach provisorischen Werken gesucht werden. Ein provisorisches Werk kann es geben, wenn es der SUISA auf einer Nutzungsmeldung angegeben wird, das Werk aber entweder gar nicht oder unter einem anderen Titel bei der SUISA angemeldet worden ist. Die Einnahmen für diese provisorischen Werke werden zurückgestellt und erst ausbezahlt, wenn die Werke angemeldet oder mit bestehenden Werken verknüpft worden sind. Mehr Informationen zu provisorischen Werken können im Artikel «Wieso gibt es undokumentierte Werke in meiner Werkdatenbank?» aus SUISAinfo Ausgabe 3.12 nachgelesen werden.

Effiziente Anmeldung von Werken und Subverlagsverträgen

Werke können online einfach angemeldet werden. Seit diesem Jahr kann innerhalb des Anmeldeprozesses die IPI-Nummer von SUISA-Mitgliedern gesucht und in die Anmeldung integriert werden. Für Verleger besteht seit diesem Frühjahr zudem die Möglichkeit, Subverlagsverträge über das Portal anzumelden. Dank der Anbindung an die SUISA-Systeme werden Online-Anmeldungen schneller und effizienter verarbeitet.

Mobil- und zukunftstauglich

Selbstverständlich ist die SUISA-Plattform kompatibel mit mobilen Endgeräten wie Tablets oder Smartphones. Das Mitgliederportal ist somit jederzeit und überall verfügbar.

Das Dienstleistungsangebot wird kontinuierlich ausgebaut und mit weiteren Funktionalitäten und Services bereichert. Über die Neuerungen wird regelmässig auf dem SUISAblog.ch, auf suisa.ch oder im SUISAinfo informiert.

Der Zugang zu «Mein Konto» steht jedem Mitglied der SUISA offen. Bestellen Sie jetzt ein Login für das persönliche Online-Benutzerkonto unter:

www.suisa.ch/mein-konto

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Über 14 000 Mitglieder nutzen bereits das Mitgliederportal «Mein Konto». Mehr als die Hälfte aller Neuregistrierungen von Originalwerken wurden 2016 online angemeldet. Weshalb nutzen immer mehr Mitglieder regelmässig «Mein Konto»? Text von Claudia Kempf

Stets den Überblick dank «Mein Konto»

Über das Online-Portal «Mein Konto» haben Mitglieder persönlichen Zugang zu SUISA-Angelegenheiten per Tastendruck. (Foto: Manu Leuenberger)

Dank dem passwortgeschützten Mitgliederbereich «Mein Konto» behalten unsere Mitglieder den Überblick über die wesentlichen SUISA-Angelegenheiten wie Abrechnungen und Werkregistrierungen.

Abrechnungen als navigierbare PDFs immer in Griffweite

Alle Abrechnungen der letzten fünf Jahre können jederzeit online eingesehen werden. Die Abrechnungen im PDF-Format sind benutzerfreundlich, da innerhalb seitenlanger Abrechnungen per Mausklick navigiert werden kann: Ein Klick auf einen Werktitel im Inhaltsverzeichnis führt direkt zur detaillierten Auflistung der Werknutzungen, ein Klick auf die SUISA-Nummer zur Ton- sowie Tonbildträgerliste.

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Änderung bei der Verteilung der Einnahmen aus den Tarifen GT 1 und GT 2

In den letzten Jahren haben die Kabelnetzbetreiber von einem analogen auf ein digitales Angebot umgestellt. Um den Veränderungen Rechnung zu tragen, ist die Verteilung der Einnahmen aus den Tarifen GT 1 (Kabelnetze), GT 2a (Umsetzer) und GT 2b (IP basierte Netze) angepasst worden. In Ziffer 5.5.1 des Verteilungsreglements wurde die Berechnungsbasis von der Bezugsgrösse «Abonnentenzahl» auf «Tagesreichweite» geändert. Text von Irène Philipp Ziebold

Änderung bei der Verteilung der Einnahmen aus den Tarifen GT 1 und GT 2

Von der Vielzahl an Programmen im digitalen TV-Angebot laufen häufig trotzdem nur wenige Sender für länger auf der Mattscheibe. (Foto: Zeber / Shutterstock.com)

Die Kabelnetzbetreiber haben in den letzten Jahren die Umstellung von einem analogen auf ein digitales Angebot vollzogen. Die Anzahl der angebotenen Radio- und TV-Sender hat sich dadurch um ein Vielfaches erhöht. Bis anhin war als Berechnungsbasis für die Verteilung der Einnahmen aus den Tarifen GT 1, GT 2a und GT 2b die Anzahl Abonnenten herangezogen worden. Damit hing die Verteilung von der Empfangbarkeit ab, also wie viele Abonnenten eines Kabelnetzbetreibers die Möglichkeit hatten, einen bestimmten Sender zu empfangen.

Mit der Erhöhung des Senderangebots ist die Aussagekraft der Abonnentenzahlen hinsichtlich der effektiven Werknutzung erheblich gesunken. Denn von der Vielzahl an Sendern, die dem Konsumenten heute potentiell zur Verfügung stehen, nutzt er tatsächlich nur wenige. Mit der Umstellung der Berechnungsbasis auf die Bezugsgrösse «Tagesreichweite» wird nun bei der Verteilung berücksichtigt, was der Konsument effektiv anschaut.

Die Tagesreichweite entspricht dem Anteil der Personen, die an einem durchschnittlichen Tag das entsprechende Programm mindestens 30 Sekunden lang gesehen oder gehört haben. Somit werden die relevanten Nutzungen registriert, die über ein blosses Durchzappen bei einem Sender hinausgehen.

Verteilung genauer nach tatsächlicher Nutzung

Durch die Tagesreichweite als Berechnungsbasis wird der effektiven Nutzung mehr Rechnung getragen: Die Urheberrechtsvergütungen fliessen nun an jene Sender, die tatsächlich gesehen respektive gehört werden. Die Sender, die der Konsument nicht konsumiert oder bei denen er lediglich durchzappt, werden nicht für die Zuweisungen in die drei Sendergruppen (SRG SSR, CH-Privatsender, Ausland-Sender) berücksichtigt.

Die Umstellung auf die Bezugsgrösse der Tagesreichweite führt dazu, dass in Zukunft mehr Geld an Schweizer Sendeprogramme verteilt wird. Bei der bisherhigen Berechnung der Verteilung auf Basis der Abonnentenzahlen wurden etliche ausländische Sender berücksichtigt, die jedoch nur von einem kleinen Teil der Abonnenten tatsächlich genutzt wurden. Dies wird mit der Berechnung auf Basis der Tagesreichweite nicht mehr der Fall sein.

IGE-Entscheid vom 26.7.2017 (PDF 1,47 MB, nur in Deutsch) betreffend «Revision der Ziff. 5.5.1 des Verteilungsreglements: Verteilung der Einnahmen aus GT 1, 2a und 2b»
Weitere Informationen zum Verteilungsschlüssel der SUISA

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Kommentar zum Jahresergebnis 2016 der SUISAKommentar zum Jahresergebnis 2016 der SUISA Die SUISA hat das Geschäftsjahr 2016 sehr erfolgreich abschliessen können. Das Ergebnis zeigt einen Höchststand beim Ertrag aus der Nutzung von Urheberrechten im Inland. Eine Rekordsumme an Vergütungen in der über 90-jährigen Geschichte der Genossenschaft kann verteilt werden. Der durchschnittliche Kostenabzug bleibt günstig, sodass rund 88 von 100 Franken Einnahmen an die berechtigten Urheber und Verleger gehen. Weiterlesen
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In den letzten Jahren haben die Kabelnetzbetreiber von einem analogen auf ein digitales Angebot umgestellt. Um den Veränderungen Rechnung zu tragen, ist die Verteilung der Einnahmen aus den Tarifen GT 1 (Kabelnetze), GT 2a (Umsetzer) und GT 2b (IP basierte Netze) angepasst worden. In Ziffer 5.5.1 des Verteilungsreglements wurde die Berechnungsbasis von der Bezugsgrösse «Abonnentenzahl» auf «Tagesreichweite» geändert. Text von Irène Philipp Ziebold

Änderung bei der Verteilung der Einnahmen aus den Tarifen GT 1 und GT 2

Von der Vielzahl an Programmen im digitalen TV-Angebot laufen häufig trotzdem nur wenige Sender für länger auf der Mattscheibe. (Foto: Zeber / Shutterstock.com)

Die Kabelnetzbetreiber haben in den letzten Jahren die Umstellung von einem analogen auf ein digitales Angebot vollzogen. Die Anzahl der angebotenen Radio- und TV-Sender hat sich dadurch um ein Vielfaches erhöht. Bis anhin war als Berechnungsbasis für die Verteilung der Einnahmen aus den Tarifen GT 1, GT…Weiterlesen

«Intuition und emotionale Wirkung sind für mich wichtiger als starre Konzepte»

Die FONDATION SUISA zeichnet Balz Bachmann mit dem Filmmusikpreis 2017 für seine Originalkompositionen zu Wilfried Meichtrys Dokumentarfilm «Bis ans Ende der Träume» aus. Gastautor Markus Ganz im Gespräch mit Balz Bachmann.

Balz Bachmann: «Intuition und emotionale Wirkung sind für mich wichtiger als starre Konzepte»

«Jeder Film ist äussert individuell, deshalb suche ich für jeden Film eine eigene musikalische Sprache», erklärt Balz Bachmann. (Foto: Patrick Hari)

Balz Bachmann, wie kam es, dass Sie die Filmmusik zu Wilfried Meichtrys Dokumentarfilm «Bis ans Ende der Träume» schaffen konnten?
Balz Bachmann: Es war das erste Mal, das ich mit Wilfried Meichtry gearbeitet habe. Und es war sein Debüt als Regisseur, denn bislang hatte der promovierte Historiker im Filmbereich nur als Drehbuchautor gewirkt. Wir kamen an den Solothurner Filmtagen ins Gespräch und redeten bald über die Thematik des Filmprojektes, aber auch über die Art einer möglichen Zusammenarbeit. Nach weiteren Gesprächen mit Involvierten erhielt ich das Drehbuch, las es und diskutierte mit Wilfried Meichtry, dem Produzenten Urs Schnell (DokLab GmbH, Bern) und der Editorin Annette Brütsch.

Wie begannen Sie konkret mit der Arbeit?
Zunächst war es der klassische Ablauf: Ich bekam gewisses Filmmaterial, manchmal grob geschnitten, damit ich ein Gefühl für die Grundstimmung erhielt. Dann begann ich, musikalische Skizzen zu erstellen, schickte sie in den Schnitt. Wir haben dann geschaut, wo im Zusammenspiel mit dem Bild was geschieht. So entstand eine Art Ping-Pong zwischen meiner Musik und dem Schnitt, das eine reagierte auf das andere und umgekehrt.

Was war speziell?
Ich musste eine Dramaturgie finden für eine komplexe Kombination von sowohl dokumentarischem als auch fiktionalem Bildmaterial. Die Herausforderung war, trotzdem einen dramaturgischen Bogen über den ganzen Film zu schaffen. Es war eine enge Zusammenarbeit mit der Editorin, dem Regisseur und mir, um herauszufinden, was es dazu braucht. Zu Beginn dachten wir, dass etwa 25 Minuten Musik reichen sollten (der Film ist 82 Minuten lang). Aber wir merkten, dass das Bildmaterial relativ statisch ist, weil es viele Fotos enthält, und auch bewusst so inszeniert wurde, auch in den fiktionalen Teilen. Entsprechend wurde uns bewusst, dass es dort eine Bewegung braucht, eine weitere Ebene, die die Geschichte miterzählt und kommentiert: mehr Musik.

Haben Sie zu Beginn eine passende Sound-Bibliothek für die Filmmusik zusammengestellt?
Das wär ein interessanter Ansatz gewesen, doch ich habe es anders gemacht. Ich muss jeweils ausprobieren, wie Bild und Ton zusammenkommen. Ich versuche intuitiv herauszuspüren, was mit mir als Zuschauer geschieht, wenn ich gewisse Stimmungen, Klangfarben und musikalischen Themen einsetze. Bei diesem Film suchte ich eine breite Palette an Klangfarben, um die unterschiedlichen Zeiten und Orte erlebbar zu machen. Ich habe auch stilistisch bewusst sehr unterschiedliche Elemente eingesetzt: klassische Teile mit Bratsche etwa, aber auch solche, die Bezug auf die Orte nahmen, mehr musikalisch als klanglich. Denn ich wollte nicht das Klischee der Ethno-Musik.

«Man muss eine eigene musikalische Sprache entwickeln für einen Film, und das ist nur möglich, wenn man Musik extra dafür komponiert.»

Keine folkloristische Südsee-Romantik also für den Ort, wo sich die beiden Protagonisten kennen- und lieben lernten?
Genau, die Musik sollte auch dort eine eigene Erzählform sein, in der der Ort wohl mitschwingt, aber eigenständig umgesetzt wird. Deshalb reicht die Palette der von mir eingesetzten Filmmusik bis zu rein elektronischer Musik, die beispielsweise einen interessanten Kontrast zur alten Frau schafft. Ich war mir lange nicht sicher, ob dies funktioniert, ob man es als Zuschauer glaubt. Das ist bei der Filmmusik ähnlich wie beim Schauspiel: Man nimmt eine Person wahr und muss von ihr eingenommen werden, ohne zu realisieren, dass diese gespielt wird. So muss einen die Musik emotional in den Film hineinsaugen, das ist mein oberstes Gebot.

Haben Sie dokumentarisches und fiktionales Material anders vertont, um den Unterschied zu verdeutlichen?
Nein, ich habe im Gegenteil versucht, die beiden Arten von Material zu verbinden oder überlappen zu lassen. Ich wollte, dass sie fliessend ineinander übergehen, damit man als Zuschauer unmerklich aus den dokumentarischen in die fiktionalen Szenen hineinkommt.

Was halten Sie von den zwei grundsätzlichen Ansätzen der Filmmusik, dass diese entweder verstärkend oder kontrastierend wirken soll?
Ich habe nicht gerne starre oder rein theoretische Musik-Konzepte, ich liebe intuitives Erarbeiten. Jeder Film ist äusserst individuell, stellt eine eigene Welt dar, deshalb suche ich für jeden eine eigene musikalische Sprache. Deshalb gibt es ja überhaupt Filmmusik, obwohl es sehr viel bereits existierende Musik gibt. Aber dies ist genau der Punkt: Man muss eine eigene Sprache entwickeln für einen Film, und das ist nur möglich, wenn man Musik extra dafür komponiert.

Dann arbeiten Sie wohl auch nicht mit «Temp Tracks» (provisorischer Soundtrack mit bereits existierender Musik, um die Wirkung des vorliegenden Filmmaterials testen zu können)?
Für einen Filmkomponisten wie mich ist dies natürlich ein Reizwort (lacht). Vor allem Editoren setzen sie für die Rhythmisierung der Bilder ein oder weil sie Angst haben, dass eine Szene nicht trägt. Ich halte solche Argumente für nicht richtig, weil man meiner Meinung nach den Rhythmus der Bilder ohne provisorische Musik besser wahrnimmt. Deshalb finde ich es sinnvoller, wenn man es «trocken» ohne Temp-Track macht. Es gibt auch die meiner Meinung nach sehr interessante Möglichkeit, allein auf die Grundlage eines Drehbuchs zu komponieren, ohne dass man Bilder hat. Ich als Komponist kann dann aus der Vision schöpfen, die ich mir durch das Lesen des Drehbuchs zu dieser Geschichte mache. Ich erhalte dadurch viel Raum und Freiheit.

Sie können sich dann eine eigenständigere Ebene schaffen, die nicht schon durch Bilder vorgeprägt ist?
Genau. Der zweite Vorteil ist, dass man bereits während des Schnitts mit dafür geschaffener Musik arbeiten und ausprobieren kann, wie sie wirkt. Der dritte Vorteil ist, dass man von Beginn weg eine grosse Eigenständigkeit hat. Denn der grosse Nachteil von Temp-Musik ist, dass sie – speziell für den Regisseur und den Editor – unweigerlich zu einer Referenz wird, von der man sich kaum mehr lösen kann. Der Mensch verbindet die beiden Ebenen von Bild und Ton automatisch auf emotionale Weise, weshalb es sehr schwierig ist, diese wieder voneinander zu trennen.

«Im Dokumentarfilm muss man die Dramaturgie anders entwickeln als bei einem Spielfilm, wo die Szenen und die Dramaturgie schon viel stärker durch das Drehbuch vorgegeben sind.»

Der Soundtrack ist immer auch ein Mittel, um den Zuschauer zu unterstützen beim Erzählen der Story. Verknüpfen Sie Figuren und Orte mit Sounds und Motiven?
Ja, ich verwende in fast jedem Film Motive, die für etwas stehen und sich wiederholen, was den Zuschauern die Orientierung erleichtert. Wenn man eine Szene mit einer Musik erlebt hat und sich die Musik später wiederholt, erhält man automatisch und schnell einen Zugang zur nächsten Szene, weil sie verknüpft wird. Und deshalb ist es oft auch ein Einstieg in ein Projekt, dass ich bei einem Ort oder einem Charakter einhake. Je mehr ich mich auf einen Charakter einlasse und ihm musikalisch etwas zuordne, desto mehr verstärkt dies die Struktur des Films, vor allem auf emotionaler Ebene.

Geschieht ein Grossteil Ihrer Arbeit parallel zum Schnitt?
Ja, das ist in der Regel so, aber nicht in dem grossen Mass wie beim Film «Bis ans Ende der Träume». Hier lief die Arbeit an der Musik und am Schnitt während fast eines halben Jahres fast synchron ab und war auch fast gleichzeitig fertig. Der Grund dafür war, dass sich der Schnitt stärker als üblich an der Musik orientiert hat. Im Dokumentarfilm muss man die Dramaturgie eben anders entwickeln als bei einem Spielfilm, wo die Szenen und die Dramaturgie schon viel stärker durch das Drehbuch vorgegeben sind.

Die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und der Editorin Annette Brütsch war also sehr rege?
Ja, denn es ist ein Prozess, bei dem der Schnitt und die Musik gegenseitig aufeinander reagieren. Reagieren müssen, denn es gab sehr verschiedene thematische Blöcke: etwa die Reisen und die Jahrhunderte alte Benediktiner-Priorei in der Westschweiz, in das sich die Frau später völlig zurückzog – gewissermassen das Gegenteil, denn in jungen Jahren war sie ohne Geld alleine in Ländern gereist, wo Frauen das sonst nicht taten. Wir merkten, dass das marode Haus eine Atmosphäre braucht. Aber es war auch klar, dass melodische Musik zu viel Raum einnehmen, zu viel erzählen würde. Ich fand es zunächst interessant, mit dem Raumklang des Hauses etwas zu machen. Aber ich merkte, dass der Raum allein es nicht ausmacht. Es lief darauf hinaus, dass ich einen speziellen statischen Klang für dieses Haus schuf.

Wie sind Sie mit der Herausforderung umgegangen, über 82 Minuten einen Spannungsbogen zu schaffen?
Es ist wichtig, dass man sich bei den Visionierungen den Film am Stück ansieht, weil ich stets nur an einzelnen Szenen arbeite. Dann merkt man sofort, wenn am Rhythmus des Films etwas nicht stimmt, denn der ist ausschlaggebend. Und wir stellten irgendwann fest, dass man immer dann ein bisschen in ein Loch fiel, wenn keine Musik mehr zu hören war. So ergab es sich, dass immer mehr Musik dazukam – nun sind es etwa 60 Minuten, was sehr viel ist, zumal ich normalerweise Filme mit wenig Musik lieber mag. Aber in diesem Film machte es einfach Sinn, weil es ein wichtiges Element, um Emotion zu vermitteln.

Anderhalb Stunden sind nicht nur die übliche Länge von Kinofilmen, sondern auch von Konzerten. Sie sind auch als Live-Musiker tätig, etwa in der Band von Sophie Hunger: Gibt es Parallelen?
Was vergleichbar ist, ob bei einer Aufführung als Konzert oder als Film im Kino: Ich bin genauso aufgeregt. Denn ich höre die Musik ganz anders, wenn Publikum anwesend ist, ich habe meine Fühler viel weiter offen. Was anders ist bei einem Film wie zum Beispiel «Bis ans Ende der Träume»: Ich hatte ein halbes Jahr Zeit, um eine Dramaturgie aufzubauen.

Beeinflusst ihre Erfahrung als Live-Musiker auch ihre Arbeit an Soundtracks?
Auf jeden Fall. Als Live-Musiker geht es um Glücksmomente, bei denen etwas Spezielles entsteht. Und die suche ich auch in der Filmmusik.

Balz Bachmann (geb. 1971 in Zürich) ist gelernter Drucker und studierte an der Swiss Jazz School Bern Kontrabass. Seit 1997 komponiert er hauptberuflich für Spiel- und Dokumentarfilme, darunter «Yalom`s Cure (2015)», «Die Schwarzen Brüder» (2013), «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» (2012), «Day is Done» (2011), «Giulias Verschwinden» (2009), «Sternenberg» (2004) und «Ernstfall in Havanna» (2002). Balz Bachmann ist auch als Musiker tätig und spielte viele Konzerte u.a. mit Sophie Hunger und Band. Er ist zudem Präsident der Smeca, des Berufsverbands der Schweizer Medienkomponisten.
Balz Bachmann erhielt den Filmmusikpreis der Fondation SUISA bereits 2003 (zu «Little Girl Blue») und 2006 (zu «Jeune homme», zusammen mit Peter Bräker, der zusammen mit Michael Künstle auch an der Entwicklung der musikalischen Themen zum aktuellen Film «Bis ans Ende der Träume» beteiligt war). Die Auszeichnung ist mit 25 000 Franken dotiert und wird jährlich alternierend in der Kategorie Spielfilm oder Dokumentarfilm vergeben.
Der Film «Bis ans Ende der Träume» erzählt sowohl in dokumentarischen wie auch in fiktionalen Sequenzen die Geschichte der Schweizer Reisejournalistin Katharina von Arx (1928 – 2013) und des französischen Fotografen Freddy Drilhon (1926 – 1976). Die beiden waren Abenteurer, Weltenbummler und Liebende. Das Paar lässt sich in einer Klosterruine in der Westschweiz nieder und steht bald vor der Frage, wie stark Liebe denn ist. Der Film soll 2018 in die Kinos kommen.

Informationen zum Filmmusikpreis der FONDATION SUISA
Video-Beitrag zum Filmmusikpreis 2017 der FONDATION SUISA auf Art-tv.ch

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Toni Vescoli: Ein vitales Jahr der Jubiläen

Am 18. Juli vor 75 Jahren wurde Toni Vescoli geboren. Und am 19. September vor 55 Jahren gründete der Zürcher Musiker die legendäre Beat-Band Les Sauterelles. Diese feiert ihr Jubiläum mit einer Tournee, die an der «Beatleweek» in Liverpool beginnt. Parallel dazu tritt Toni Vescoli weiterhin mit seinen Mundart-Projekten «MacheWasiWill», «imDUO» und «Toni VESCOLI&Co» auf. Text von Gastautor Markus Ganz

Toni Vescoli: Ein vitales Jahr der Jubiläen

Toni Vescoli, SUISA-Mitglied seit 1967, hat nicht nur den schweizerischen Beat geprägt, er war auch Mundart-Pionier, Dylan-Interpret und Erzähler der Pingu-Hörspiele (Foto: Kessler)

Den GW, den Grössenwahn, habe er jedenfalls nicht bekommen, erklärte Toni Vescoli vor fünf Jahren in der Fernsehsendung «Stars extra», verlegen grinsend. Die Moderatorin Sandra Studer hatte ihn gefragt, wie es denn gewesen sei, dass er 1968 mit Les Sauterelles («Heavenly Club») sogar noch vor den Beatles («Hey Jude») in der Schweizer Hitparade gestanden habe. Damit hatte sich der Zürcher Sänger, Gitarrist und Songwriter selbst gut charakterisiert. Denn er gibt zwar bis heute offensichtlich gerne Konzerte – aber der Musik und nicht des Rampenlichts wegen.

Toni Vescoli ärgerte sich schon 1964 «masslos» darüber, dass ihr Impresario für Les Sauterelles einen zusätzlichen Namen erfand und diesen sogar grösser auf die Plakate druckte: «The Swiss Beatles». Er wollte sich aber nicht mit Stars vergleichen, sondern mit seinem eigenen Schaffen bestehen. Spätestens ab den 1970er Jahren ging er unbeirrt von Trends und Szenen seinen eigenen Weg.

Der Weg zum Beat

Die Leidenschaft für Musik hatten allerdings nicht englische Beat-Musiker, sondern amerikanische Stars wie Johnny Cash und vor allem Elvis Presley ausgelöst. Er habe solche Musik bereits Ende der fünfziger Jahre gespielt, erzählte Toni Vescoli dem Autoren in einem früheren Interview. Er sei in einem In-Café im Zürcher Niederdorf jeweils auf einem Tisch gestanden und im grösseren Rahmen manchmal von einer Dixie-Band begleitet worden. Den Wechsel zum Beat leiteten dann die Shadows mit ihrem speziellen Sound von elektrischen Gitarren ein.

Dazu brauchte er eine Band, weshalb er 1962 Les Sauterelles gegründet habe, deren gesamte Geschichte von vielen personellen Wechseln geprägt ist. Den kommerziellen Höhepunkt bringt 1968 die Single «Heavenly Club», die in den meisten europäischen Ländern sowie in den USA und in Japan veröffentlicht wurde. Bis zu 350 Konzerte pro Jahr hätten sie gegeben und manchmal bis zu sieben Stunden gespielt. Trotzdem hatte die Band mit Geldproblemen zu kämpfen, so dass Toni Vescoli 1970 in einer Todesanzeige verkündete: «Die Sauterelles sind tot».

Die legendäre Schweizer Beat-Band Les Sauterelles wurde vor 55 Jahren gegründet. 2017 feiert die Band ihr Jubiläum mit einer Tournee, die in Liverpool beginnt. (Foto: Gerhard Born)

Amerikanische Einflüsse

Es war der Folk und im speziellen Bob Dylan, der Toni Vescoli musikalisch zurück zum amerikanischen Liedgut brachte und seine Solokarriere prägte; davon zeugt auch sein Album «Bob Dylan Songs» (1993) mit Adaptionen in Zürichdeutsch. Der Folk sei zusammen mit dem Westcoast der 1970er Jahre sein Einstieg zu seiner späteren Americana-Mischung gewesen, erzählte Toni Vescoli im Interview. Aber schon seine Klassiker «Susanne» und «N1» seien eigentlich Country-Nummern gewesen, fast schon Bluegrass.

Anfang der 1980er Jahren kehrte Toni Vescoli zum Rock zurück, wurde durch Ry Cooder aber auch ein Fan des Akkordeonisten Flaco Jimenez, der dann auch auf seinem Album «Tegsass» (1999) mitspielte. Dessen Tex-Mex habe ihn an seine Jugendzeit in Peru (im Alter von vier bis neun Jahren) erinnert, als sie im Radio mexikanische Volkslieder gehört hätten. Zusammen mit dem Cajun färbte dies deutlich auf das Americana-Album «66» (2008) ab, insbesondere auf den lüpfigen Single-Titel «El Parasito».

Mundart-Pionier

Bedeutsamer als der stilistische Wandel war Toni Vescolis pionierhafter Wechsel zum Dialekt im Jahr 1970. Er war beauftragt worden, für die Enthüllung eines Tell-Denkmals der Zeitschrift Pop einen Song zu schreiben. Statt wie gewünscht einen hochdeutschen Text zu schreiben, fand er Mundart passender – und der Song kam gut an. Er schrieb weitere Mundartlieder, doch sein Produzent habe 1971 gemeint, dafür sei es noch zu früh.

Deshalb erschien sein erstes Mundartalbum erst 1974 –und Reinhard Meys Coverversion des Lieds «Susanne» noch vor Vescolis Original. Bemerkenswert ist auch sein Song «N1», mit dem er bereits 1983 den zwiespältigen Charakter der die Schweiz verbindenden Autobahn N1 (heute A1) thematisierte. «N1 Du bisch e Schtraass wo-n i hass, aber irgendwie han-i Di gern»; ein Gassenhauer zum Thema Verkehr war bereits «Scho Root» (1975) gewesen.

Bis heute bescheiden und bodenständig geblieben: Toni Vescoli. (Foto: Plain)

Neuartige Kombination

Ungewohnt war damals vor allem, dass Toni Vescoli seine Mundarttexte mit amerikanischer Musik kombinierte und damit die Liedermacher-Tradition aufbrach. Er habe damals gemerkt, dass er mit Mundart die Leute viel direkter erreichen könne. Deshalb habe er seine Musik in eine Richtung entwickelt, bei der man die Texte gut heraushörte. Dies habe ihn zum Folk geführt, den er auch alleine spielen konnte.

Als er folgerichtig einmal von einem Kleintheater engagiert wurde, merkte er, dass er keine Verstärker mehr brauchte und dass die akustische Gitarre genügte. So sei er in einer Szene gelandet, die er nicht gesucht hatte, aber wo es ihm wohl war: Er spielte danach fast 18 Jahre ohne Anlage. Irgendwann sei ihm aber die Szene, wo man ihm «gläubig an den Lippen» gehangen habe, zu nah gewesen. Er hatte wieder Lust auf die elektrische Gitarre, wovon der Song «Wäge Dir» handelt.

Worte für ein Liebeslied

Der Wechsel zum Dialekt war nicht einfach gewesen. In Mundart müsse man sich sehr gut überlegen, was man singen will, meinte Toni Vescoli im Interview. Es komme einem nicht so leicht über die Lippen, «ich liebe Dich» zu singen – auch wenn dies heute nicht mehr so peinlich wirke, wie die aktuelle Mundartszene zeige.

Toni Vescoli thematisierte die Schwierigkeit, für ein Liebeslied Worte zu finden, im Song «Lady Lo», wo er singend zum Schluss kommt: «öisi Schprach isch unbruchbar». Es sollte ein Liebeslied an seine Frau werden, erklärte Toni Vescoli, sei aber eigentlich ein Bekenntnis des textlichen Scheiterns geworden. Alles habe kitschig und plump geklungen – also habe er dies zum Thema gemacht. Wo Worte für Gefühle unbrauchbar werden, könnte rein instrumentale Musik die Lösung sein. Darauf meinte Toni Vescoli lachend, dazu sei er als Sologitarrist schlicht zu wenig gut.

Nein, dem Grössenwahn ist Toni Vescoli bis heute nicht verfallen. Und er hat auch immer wieder gezeigt, dass er weder Berührungsängste zu jungen Musikern noch anderen Stilrichtungen wie Hip-Hop hat. 2012 etwa präsentierte er auf TV SRF im Rahmen der Reihe «Cover Me» seine Interpretation von Baba Uslenders «Baustellsong». Toni Vescoli ist eben auch musikalisch jung geblieben – und so möge es bleiben!

Informationen und Live-Daten: www.vescoli.ch (u.a. Auftritte mit Les Sauterelles in Liverpool im Rahmen der „Beatleweek“ vom 25. – 28. August).

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    Ich war lange zuvor auch mal mit dem Sauterelles Bassisten Freddy Mangili befreundet. Auch ein sehr netter Typ.

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Am 18. Juli vor 75 Jahren wurde Toni Vescoli geboren. Und am 19. September vor 55 Jahren gründete der Zürcher Musiker die legendäre Beat-Band Les Sauterelles. Diese feiert ihr Jubiläum mit einer Tournee, die an der «Beatleweek» in Liverpool beginnt. Parallel dazu tritt Toni Vescoli weiterhin mit seinen Mundart-Projekten «MacheWasiWill», «imDUO» und «Toni VESCOLI&Co» auf. Text von Gastautor Markus Ganz

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Die SUISA, eine attraktive Arbeitgeberin

Am Tag vor der Generalversammlung 2017 haben sowohl die Kommissionen für Tarife und Verteilung sowie Organisation und Kommunikation als auch der Gesamtvorstand der SUISA Sitzungen abgehalten. Gesprächsthemen waren neben anderen die Berichte der Revisionsstelle, ein neues Personalstatut für die Mitarbeitenden der SUISA und eine Resolution für einen starken Service public. Bericht aus dem Vorstand von Dora Zeller

Die SUISA, eine attraktive Arbeitgeberin

Der Vorstand der SUISA hat anlässlich seiner Sitzung im Juni 2017 ein revidiertes Personalstatut genehmigt, das den Entwicklungen im Personalmanagement Rechnung trägt, und mithilft, dass die SUISA eine attraktive Arbeitgeberin bleibt. In der Niederlassung an der Bellariastrasse in Zürich-Wollishofen (im Bild) haben die meisten Mitarbeitenden der SUISA ihren Arbeitsplatz. (Foto: SUISA)

Der 15-köpfige Vorstand ist das Steuerungs- und Prüfungsorgan der Genossenschaft SUISA. Seine Mitglieder repräsentieren die unterschiedlichen musikalischen Repertoires, Berufe und Sprachregionen der Schweiz. Alle Vorstandsmitglieder sind zudem in einer von drei Vorstandskommissionen tätig.

Einen Tag vor der Generalversammlung der SUISA trafen sich am 22. Juni 2017 die Mitglieder der Kommission für Tarife und Verteilung und anschliessend der Kommission für Organisation und Kommunikation zu ihren Sitzungen. In der zweiten Nachmittagshälfte tagte der Gesamtvorstand. Er liess sich informieren, diskutierte, wägte ab und entschied.

Berichte der Revisionsstelle

Zum Ende des Geschäftsjahres erstellte die Revisionsstelle BDO zwei Berichte: Den Erläuterungsbericht für das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum, Aufsichtsbehörde der schweizerischen Verwertungsgesellschaften, und den umfassenden Bericht an den Vorstand. Dieser ausführliche Bericht ist hilfreich, um Verbesserungspotenzial zu erkennen und entsprechende Massnahmen daraus abzuleiten.

Neues Personalstatut

Das Personalstatut für die Mitarbeitenden der SUISA wurde letztmals 2013 revidiert. Seither hat sich einiges verändert. Arbeitsrechtliche Vorschriften verlangten nach einer Zeiterfassung für Kadermitarbeitende, die Bestimmungen zur Lohnfortzahlung bei Krankheit mussten angepasst werden, die Regelung für Urheberrechte am Arbeitsergebnis wurden ausgebaut und die Revisionsstelle hatte einen Antikorruptionsartikel gefordert.

Gleichzeitig wurden die vormals strikten Präsenzzeiten durch sogenannte Servicezeiten ersetzt. Den Mitarbeitenden helfen flexible Arbeitszeiten bei der Vereinbarung von Beruf und Familie. Das Unternehmen kann mit diesem Modell Spitzen im Arbeitsanfall besser auffangen. Mitglieder und Kunden werden davon kaum etwas merken. Die Servicezeiten entsprechen den bisherigen Öffnungszeiten. Während dieser Öffnungszeiten sind die Mitarbeitenden erreichbar und die Dienstleistungen gewährleistet.

Der Vorstand hat das revidierte Personalstatut genehmigt. Damit verfügt die SUISA über ein Regelwerk, das den Entwicklungen im Personalmanagement Rechnung trägt, und mithilft, eine attraktive Arbeitgeberin zu bleiben.

SRG SSR und Service Public

Wie bereits berichtet, wachsen öffentlicher und politischer Druck auf den Service Public. Einschränkungen oder sogar die Streichung desselben hätten für die Schweizer Musikschaffenden gravierende Folgen – nicht nur finanzieller Art. Ihnen würde eine wichtige Plattform für ihre Musik und die Berichterstattung darüber entfallen.

Der Vorstand hat eine Resolution zuhanden der Generalversammlung verabschiedet. SUISA-Mitglieder fordern damit die Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentarier auf, in der Debatte über die «No Billag»-Initiative und bei Vorstössen zur Einschränkung der SRG SSR die Rolle der gebührenfinanzierten Sender zu bedenken und ihre Position nicht zu schwächen. Der Resolutionstext kann auf der Website der SUISA nachgelesen und dort auch online unterschrieben werden.

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